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Full text of "Memoriale thrüringisch-erfurtische Chronik"

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Memoriale 
thrüringisch- erfurtische  Chronik 

Konrad  Stolle,  Richard  Thiele, 

Historische  Kommission  der  Provinz  Sachsen 


UN1VERSITY 
OF  VIRGINIA 

CHARLOTl  ESVIU  E 

LIBRARY 


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der 

PROVINZ  SACHSEN 

und 

angrenzender  Gebiete. 

Herausgegeben 

von  der 

Historischen  Conmiission  der  Provinz  Sachsen. 

NEUNUNDDREISSIGSTER  BAND. 
MEM  OKIALE  —  thüringisch -erfurtische  Chronik  — 

von  Konrad  Stolle. 

bearbeitet  von 

Dr  Richard  Thiele, 

Direktor  des  Kgl.  Gymnasium»  zu  Erfurt. 


HALLE, 
Druck  und  Verlag  von  Otto  Rondel. 
1900. 


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MEMORIALE 

thüringisch-erfurtische  Chronik 

von 

Konrad  Stolle. 

Herausgegeben 

von  der 

Historischen  Commission  der  Provinz  Sachsen. 

Bearbeitet 

von 

!  Dr.  Richard  Thiele, 

Direktor  des  Kgl.  Gymnasiums  zu  Erfurt. 
Mit  einem  Titolbilde,  Epitaph  Konrad  StolU>s. 


HALLE. 

Druck  und  Verlag  von  Otto  Hendel. 
1900. 


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DD 

.S31GS 
1:  35 


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Seiner  Königlichen  Hoheit 

Dein  Grossherzoge  Carl  Alexander 

von 

Sachsen-Weimar-Eisenach, 

Landgrafen  in  Thüringen,  Markgrafen  zu  Meissen, 

u.  s.  w. 

w  i  d  in  e  t 

diese  Bearbeitung  einer  Chronik,  welche  von  Thüringens.. 
Sage  und  Geschichte  berichtet, 

in  ehrerbietigster  Dankbarkeit 

- . 

Der  Verfasser. 


i 


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Vorwort. 


Im  Jahre  1854  hatte  der  ehemalige  Gymnasial-Diroktor,  dann  Archivar 
1  und  Bibliothekar  in  Rudolstadt  Ludwig  Friedrich  Hesse  in  der 
Bibliothek  des  Littorarischen  Vereins  in  Stuttgart,  No.  XXXII,  die 
Chronik  des  Konrad  Stolle,  Vicarius  am  St.  Severistift  zu  Erfurt, 
unter  der  Bezeichnung  „thüringisch -erfurti sehe  Chronik"  aus 
der  Jenaer  Handschrift  herausgegeben,  genauer  gesagt  aus  des  Ver- 
fassers Selbstschrift  einen  Auszug  nach  historischen  Gesichtspunkten 
veröffentlicht.  Nimmt  man  diesen  Standpunkt  ein,  so  ist  Hesses  Aus- 
wahl im  ganzen  zu  billigen,  denn  er  hat  mit  geschickter  Hand  und 
mit  richtigem  Verständnis  das  ausgewählt,  was  das  Werk  Stolles  zu 
einer  nicht  unwichtigen  Quelle  für  die  Geschichte,  besonders  die 
Kulturgeschichte  der  zweiten  Hälfte  des  15.  Jahrhunderts  macht: 
die  Erzählung  von  Selbsterlebtem  oder  ihm  Erzähltem.  Für  eine  Erst- 
herausgabe ist  Hesses  Leistung  achtungswert ,  obschon  er  die  aus- 
gewählten Abschnitte  durchaus  nicht  diplomatisch  getreu  wieder- 
gegeben und  sich  mancher  Mängel  und  Flüchtigkeiten  schuldig  gemacht 
hat;  so  überspringt  er,  um  nur  ein  Beispiel  anzuführen,  Bl.  224 T  der 
HS  =  S.  142  der  Ausgabe  =  St.  325  (S.  unserer  Ausgabe)  die 
Zeile  [bisschoff  von]  pisa  unnd  das  gance  gesiechte  Pacz  zu  flo[renz| 
und  entdeckt  so  einen  Bischof  von  Renz!  Die  Einleitung  giebt  nun 
zwar  über  das  gesamto  Werk  kürzere  Auskunft  und  erhält  auch  ein- 
zelne schätzenswerte  Bemerkungen  zur  Erklärung,  aber  die  Behandlung 
des  Stolleschen  Werkes  ist  doch  noch  recht  weit  von  einer  erschöpfenden 
Gesamtwürdigung  desselben  entfernt:  Hesse  fehlte  namentlich  das  Ver- 
ständnis für  die  Wichtigkeit  Stolles  als  mitteldeutscher  Sprach- 
quelle,  denn  er  hat  nur  wenige  sprachliche  Notizen  auf  S.  XXVII 
und  XXVIII  der  Einleitung  gegeben,  trotzdem  doch  damals  Heinrich 
Rückert  bereits  seine  Ausgabe  des  „Lebens  des  heiligen  Ludwig",  deutsch 
von  Friedrich  Köditz  von  Saalfeld,  1851,  veröffentlicht  hatte.  —  Seit 
der  Zeit  ist  aber  Stolle  trotz  der  Mangelhaftigkeit  der  Hesseschen  Aus- 
gabe doch  sowohl  von  den  Historikern  in  seiner  Bedeutung  für  die 


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VIII 


Vorwort. 


Geschichte  des  1».  Jahrhunderts  als  auch  von  den  Germanisten,  be- 
sonders deu  Lexikographen,  für  die  mitteldeutsche  Sprache  allmählich 
anerkannt  worden;  nimmt  doch  in  letzterer  Hinsicht  auch  unser 
grosses  Nationalwerk,  das  Grimmsche  Wörterbuch,  sowie  auch  Matthias 
Lexer  in  seinem  mittelhochdeutschen  Lexikon  auf  ihn  gebührend  Rück- 
sicht. Deshalb  fasste  Alfred  Kirchhoff,  der  berühmte  Geograph 
und  begeisterte  Verehrer  seiuer  Vaterstadt  Erfurt,  den  Plan,  das 
Ganze  der  Stolleschen  Chronik  herauszugeben.  Er  schrieb  mit  vielem 
Fleisse,  sorgsamster  Akribie  und  grosser  Sachkenntnis  aus  der  Jenaer 
Handschrift  alle  die  Teile,  welche  von  Hesse  noch  nicht  ediert  waren, 
ab  (mit  ganz  wenigen  Ausnahmen,  z.B.  den  Weimarer  Vertrag  vom  Jahre 
1483,  St.  ;J87,  S.  50^»^ — 519  unserer  Ausgabe)  und  kollationierte  den  ganzen 
Hesseschen  Druck  genau  nach  der  Handschrift.  Kirchhoft  gab  jedoch 
seinen  Plan  auf  und  schenkte  dem  „Verein  für  die  Geschichte  und 
Altertumskunde  von  Erfurt"  seine  Abschrift  sowie  seine  Kollation.  An- 
geregt durch  den  Stadtarchivar  Professor  Dr.  C.  Beyer  hierselbst,  welcher 
am  17.  Juli  19U0  der  Wissenschaft  leider  durch  einen  frühzeitigen  Tod 
entrissen  ist,  habe  ich  den  Plan  KirchhofFs  aufgenommen,  und  der  Erfurter 
Geschichtsverein  überliess  mir  die  Abschrift  und  Kollation  Kirchhoffs.  Auf 
mein  Anerbieten,  den  gesamten  Stolle  herauszugeben,  hat  dann  die  Histo- 
rische Kommission  der  Provinz  Sachsen,  besonders  auf  Befürworten  ihres 
Vorsitzenden,  des  Herrn  Geh.  Regierungsrates  Universitätsprofessors  Dr. 
Theodor  Lindner  in  Halle  a.  S.,  dem  ich  hierfür  zu  besonderem  Dank  ver- 
pflichtet bin,  beschlossen,  die  Ausgabe  als  eine  wünschenswerte  Er- 
gänzung der  Geschichtsquellen  der  Provinz  Sachsen  auf  ihre  Kosten 
herzustellen  und  die  Bearbeitung  mir  zu  übertragen.  In  den  Jahren 
1896  bis  1900  habe  ich  diesem  mir  gewordenen  Auftrage  gerecht  zu 
werden  versucht,  zunächst  durch  nochmalige  Kollation  der  gesamten 
Handschrift:  ich  verfehle  nicht,  der  Verwaltung  der  Universitätsbibliothek 
zu  Jona,  insonderheit  dem  Herrn  Bibliotheksdirektor  Dr.  K.  K.  Müller, 
meinen  verbindlichsten  Dank  auch  dafür  auszusprechen,  dass  mir  die 
Handschrift  Stolles  im  Winter  1896/97,  sowie  auch  später  i.  J.  1900 
während  des  Druckes  gütigst  überlassen  wurde,  um  in  jedem  mir  noch 
zweifelhaften  Falle  nachsehen  und  nachprüfen  zu  können.  Hierdurch 
ist  es  mir  möglich  geworden,  auf  der  früher  von  Kirchhoff  geschaffenen 
Grundlage  einen  diplomatisch-genauen  Text  herzustellen,  freilich  mit 
allen  Inkonsequenzen  der  oft  willkürlich  verfahrenden  Handschrift,  von 
der  nur  die  offenbaren  Schreibfehler  verbessert  sind;  allzu  Sonderbares 
ist  mit  ,,[sicj*k  versehen,  um  zu  bezeugen,  dass  die  Schreibung  wirklich 
so  sei,  und  nicht  etwa  ein  Druckfehler  oder  ein  Versehen  meinerseits 


Vorwort. 


IX 


vorliege.  Wir  bieten  Stolle  also  genau  so,  wie  er  geschrieben 
hat.  Die  Interpunktion  freilich,  da  sie  doch  dem  Verständnis  vor 
allem  dienen  soll,  ist  modern  gestaltet,  soweit  es  nötig  war,  sonst  die 
des  Verfassers  beibehalten. 

Diesem  Texte  ist  dann  eine  Erklärung  des  ganzen  Werkes 
hinzugefügt  Dieselbe  sucht  zwei  Gesichtspunkten  gerecht  zu  werden. 
Einmal  berücksichtigt  sie  den  historischen  Gesichtspunkt  Die  Er- 
klärung kritisiert  daher  das  von  Stolle  Gebotene,  stellt  richtig,  wo  es 
nötig  ist  (8.  jedoch  St.  1  A.  19,  S.  40),  beschneidet  oder  ergänzt  die 
Nachrichten.  Sie  geht,  wo  es  nur  irgend  möglich  ist,  auf  urkundliche 
Quellen  zurück,  benutzt  daher  die  Chronisten  und  Chroniken  nur  da, 
wo  jene  fehlen,  und  wo  auch  sonst  keine  Auskunft  zu  erhalten  war,  wobei 
.  jedoch  die  späteren  Erfurter  Chroniken,  deren  es  gedruckte  und  hand- 
schriftliche in  grosser  Zahl  giebt,  grundsätzlich  ausgeschlossen  worden 
sind,  weil  sie  gänzlich  unkritisch  sind;  den  unhaltbaren  Aufstellungen 
und  Erdichtungen  unwissender  und  unkritischer  späterer  Chroniken- 
schreiber ist  sicherlich  ein  offenes:  ,non  liquet4  vorzuziehen.  Daher 
ergab  sich  als  Pflicht,  die  Erzählungen  stets,  wo  dieses  möglich  war, 
kritisch  und  nach  dem  Standpunkte  der  modernen  Forschungen  zu  be- 
leuchten. Ob  wir  freilich  alle  und  auch  überall  die  neueste  und  beste 
Litteratur  herangezogen  haben,  bleibt  uns  selbst  fraglich,  denn  bei  dem 
grossen  Gebiete,  das  Stolle  umfasst  —  neben  der  Thüringer  Territorial- 
und  Erfurter  Lokalgeschichte  öfters  Reichs-  und  Weltgeschichte  — ,  mit 
seinen  zahlreichen  Einzelheiten  und  der  dadurch  bedingten  reichen 
Litteratur  ist  das  dem  Einzelnen,  auch  beim  besten  Willen  und  bei 
rastlosem  Fleisse,  kaum  möglich,  namentlich  wenn  er  bei  einem 
schweren  und  verantwortungsvollen  Amte  diesem  seinen  Werke  nur 
die  ihm  karg  zugemessenen  Mussestunden  widmen  kann.  Denn  die 
Hauptsache  bleibt  ja  doch  immer,  und  eine  bei  aller  Gerechtigkeit  wohl- 
wollende Kritik  wird  dies  sicher  stets  berücksichtigen,  ob  das  Vor- 
liegende richtig  und  ausreichend  erklärt,  nicht  aber  ob  alles 
lückenlos  verzeichnet  ist,  was  je  über,  den  Gegenstand  geschrieben 
wurde.  Und  auch  das  von  uns  Geleistete,  so  wenig  es  auch  sein  mag, 
würde  nicht  möglich  gewesen  sein,  wenn  ich  nicht  überall,  und  es  ist 
für  mich  eine  angenehme  Pflicht,  dies  dankbar  anzuerkennen,  die  be- 
reitwilligste und  weitgehendste  Unterstützung  gefunden  hätte.  So  bei 
den  Verwaltungen  der  Archive  zu  Basel,  Erfurt,  Magdeburg,  Weimar 
und  Würzburg,  bei  den  Bibliotheken  in  Erfurt  (Magistrats-,  Gymnasial- 
und  Königl.  Bibliothek),  Gotha,  Halle,  Leipzig,  München  und  Weimar, 
ebenso  von  vielen  einzelnen  Gelehrten,  von  denen  ich  aus  Erfurt 


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X  Vorwort. 

Ausser  dem  schon  erwähnten  Professor  Dr.  C,  Beyer  noch  die  Herren 
Professor  Eduard  Brandis  und  Professor  Dr.  Brünnert,  meine  Kollegen, 
ferner  die  Herren  Sanitätsrat  Dr.  Zschiesche  und  Pastor  Oergel,  die 
Vorsitzenden  des  Erfurter  Geschichts-  und  Alterturasvereins,  nenne; 
ferner  die  Herren  Geh.  Hofrat  Dr.  Burckhardt  in  Weimar,  Professor  Dr. 
Holder-Egger  in  Berlin,  Professor  Dr.  Konrad  Miller  in  Stuttgart  (,der 
die  mappa  mundi  kommentiert  hat,  s.  S.  296 — 307),  ferner  in  Erfurt 
mehrere  geistliche  Herren,  durch  deren  sachkundige  Mitteilungen  auf 
dem  Gebiete  der  katholischen  Kirchen-  und  Kultuseinrichtungen  ich 
oft  unterstützt  bin,  meinen  Kollegen  Herrn  Dompfarrer  Hunold  und  die 
Herren  Pfarrer  Feldkamm,  D.  Schauerte  und  Stachelroth.  Ihnen  allen 
sage  ich  auch  an  dieser  Stelle  meinen  verbindlichsten  Dank.  Auch  der 
in  Paderborn  im  Jahre  1898  verstorbene  Kanonicus  und  Prälat  Opper-  • 
mann,  früher  Severipfarrer  in  Erfurt,  widmete  meinem  Beginnen  reges 
Interesse  und  unterstützte  mich  durch  Rat  und  That. 

Der  andere  Gesichtspunkt  der  Erklärung  ist  der  sprachliche. 
Hier  war  ich  neben  der  nicht  eben  grossen  Litteratur  (s.  St  1  A.  16; 
anderes  ist  an  den  betreffenden  Stellen  citiert)  ausser  den  mit  den 
Professoren  Beyer  und  Brandis  gepflogenen  Unterredungen  über  mittel- 
deutsche Sprache  und  Erfurter  Dialekt  auf  mich  selbst  angewiesen,  der 
ich  Thüiinger  Kind  bin.  Ich  hoffe  aber  durch  meine  Ausgabe  der 
wissenschaftlichen  Erforschung  der  mitteldeutschen  Sprache  einen  nicht 
unwichtigen  Dienst  geleistet  zu  haben,  nicht  bloss  mit  den  etwa  600 
sprachlichen  Anmerkungen  und  dem  Wortregister,  welche  manches 
Neue  bringen  und  nicht  weniges  Dunkle  erläutern  —  und  gern  hätte 
ich,  wenn  mich  nicht  Rücksichten  auf  den  mir  zustehenden  Raum  ab- 
gehalten hätten,  anstatt  des  nur  aufzählenden  Wortregisters  eine  Laut- 
und  Flexionslelire  der  Stolleschen  Sprache  nebst  einem  Verzeichnis  des 
ihm  eigentümlichen  Wortschatzes  eingesetzt  — ,  als  vielmehr  mit  dem 
nach  wissenschaftlichen  Prinzipien  hergestellten  Text:  er  soll  Bausteine 
liefern  für  eine  wissenschaftliche  Grammatik  des  Mitteldeutschen,  deren 
wir  (Pfeifers,  Weinholds,  Lexers  u.  a.  grosse  Verdienste  in  Ehren!) 
dringend  benötigen. 

Was  die  äussere  Einrichtung  unserer  Ausgabe  betrifft,  so  haben 
wir  uns  in  der  Einleitung  (S.  1 — 30)  der  knappsten  Kürze  be- 
fleissigt  und  nur  das  unbedingt  Notwendige  geboten:  eine  Erzählung 
des  Lebens  Stolles,  ferner  eine  Erörterung  über  Stolles  Werk, 
welchem  wir  den  vom  Autor  ursprünglich  beabsichtigten  und  die 
Natur  der  Chronik  allerdings  recht  bezeichnenden  Namen  „Memortale" 
glaubten  beilegen,  eigentlich  wiedergeben  zu  dürfen,  im  allgemeinen, 


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Vorwort. 


XI 


verbunden  mit  einer  sachlich  gestützten  Vermutung  über  die 
Entstehung  des  Werkes,  auf  welche  sich  dann  eine  genau  ge- 
gliederte Inhaltsangabe  desselben  aufbaut.  Endlich  ist  die  hand- 
schriftliche Überlieferung  der  Chronik  sowie  die  Schicksale  der  Jenaer 
Handschrift  und  der  aus  derselben  gewonnenen  extraktiven  Abschriften, 
sowie  die  bisherige  Benutzung  jener  erörtert  worden.  —  Das  dann 
folgende,  wenn  auch  unvollständige  und  vielfach  ungenaue  Register  in 
der  Handschrift  selbst  (S.  31—36  uns.  Ausg.)  glaubten  wir  nicht  über- 
gehen zu  dürfen.  Von  S.  37  an  beginnen  Text  (mit  adnotatio  critica) 
und  Kommentar.  Am  Rande  sind  Stolles  Quellen,  soweit  wir  sie  ge- 
funden haben,  verzeichnet;  ebendort  stehen  auch  die  Blattzahlen  der  HS 
(v  bedeutet  die  Rückseite  des  jedesmaligen  Blattes)  und  die  Jahres- 
zahlen der  im  Text  stehenden  Erzählung  von  da  an,  wo  Stolle  die 
biblische  Geschichte  bezw.  die  auf  altkirchlicher  Tradition  beruhende 
Legende  verlässt,  also  von  St.  23  auf  S.  60  an. 

Auf  die  hinzugefügten  Register: 

I.  das  Orts-  und  Personenregister,  und 
II.  das  Sach-  und  Wortregister, 
die  sich  aber  nur  auf  den  eigentlichen  Text  beziehen,  ist  gebührende 
Sorgfalt  verwendet.  Das  Sachregister  konnte  bei  der  genauen  Inhalts- 
angabe in  der  Einleitung  (S.  13 — 22)  sehr  eingeschränkt  werden;  auch 
sind  die  vielfach  korrupten  und  unverständlichen  Namen  in  der  mappa 
mundi  (St.  224),  sowie  die  Heiligentage,  wenn  sie,  wie  es  ja  sehr  oft  ge- 
schieht, als  Datumsbezeichnung  vorkommen,  nicht  in  die  Register  auf- 
genommen, um  dieselben  nicht  zwecklos  allzu  sehr  anschwellen  zu 
lassen.  Für  unzähligemal  Vorkommendes,  z.  B.  Thüringen  (Doringen), 
ist  nur  eine  Zahl  gesetzt.  Das  Wortregister  verzeichnet  den  in  Laut, 
Flexion  und  Wort  Stolle  eigentümlichen  Sprachgebrauch,  natürlich 
ohne  Rücksicht  darauf,  inwiefern  sich  sein  Sprachgebrauch  von  der 
mitteldeutschen  und  erst  recht  mittelhochdeutschen  Gemeinsprache 
im  allgemeinen  abhebt.  Die  Seite,  auf  welcher  ein  Wort  erklärt  ist, 
wurde  mit  einem  Kreuzchen  versehen. 

Die  vorliegende  Ausgabe  ist  u.W.  der  erste  Versuch  einer  angestrebten 
lückenlosen  Komraentierung,  sprachlich  wie  sachlich,  einer  thüringischen 
Chronik,  und  da  diese  das  meiste,  wenigstens  sicherlich  das  wichtigste, 
stoftlich  als  Gemeingut  besitzon,  somit  indirekt  auch  der  anderen;  ich 
hoffe,  wenn  dieses  nicht  unberücksichtigt  bleibt,  dass  man  das  Vor- 
liegende mit  wohlwollender  Nachsicht  aufnehmen  wird. 

Bei  der  Drucklegung  hat  mir  mein  Kollege,  Herr  Professor  Dr. 
Brünnert,  indem  er  eine  Revision  der  Bogen  las,  hilfreichen  Beistand 


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XII 


Vorwort. 


geleistet;  ihm  dafür  auch  hier  herzlich  zu  danken,  ist  mir  eine  an- 
genehme Pflicht. 

Zum  Schlüsse  erwähne  ich  dankbar,  dass  die  Historische  Kommission 
der  Provinz  Sachsen  auf  meine  Bitte  sich  damit  einverstanden  erklärt 
hat,  dass  das  Werk  Sr.  Königl.  Hoheit  dem  Grossherzoge  Carl  Alexander 
von  Sachsen -Weimar  gewidmet  wurde,  und  ich  so  dem  hohen  Herrn, 
dem  ich  in  vieler  Beziehung  Dank  schulde,  dieses  auch  öffentlich 
bezeugen  konnte. 

Erfurt,  am  14.  August  1900. 

Richard  Thiele. 


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Einleitung. 

Abkürzungen:  1)  Mitteilungen  des  Vereins  für  die  Geschichte  und  Altertums- 
kunde in  Erfurt  —  MOE.  —  2)  Zeitschrift  des  Vereins  für  Thüringische  Geschichte  und 
Altertumskunde  ZThG.  —  3)  Jahrbücher  der  Akademie  gemeinnütziger  Wissensehuf  teil 
zu  Erfurt.  N.  Eolge  -  .1 A E.  —  4\  l'rkundenbuch  der  Stadt  Erfurt  vun  C.  Bevai  Bd.  I  u.  II 
=  UK1  u.  UEII.  —  5j  Monunicnta  Germaniae  Historiea,  Seriptores  MGll,  Ser.  — 
Ii  Monuinenta  Erphesfurtensi»  sueculi  XII.  XIII.  XIV  ed.  (>.  Holder  Eggcr.  l8t*>  -  MEIE  — 
7)  Kegestu  diplomatica  neenon  epistolaria  historiae  Thuriniriae,  «I.  O.  Dobenecker  lSMfi". 
t=  Kl>ThI>.  --8)  J.  H  Menckeuii  scriptoies  rerum  Germauiearum  praeeipue  Saxonicarum 
I  1728,  II  1728,  III  17:»)  M8G  (1,11.  III)  —  9)  Geschichte  der  Stadt  Erfurt  von  der 
ältesten  bis  auf  die  neueste  Zeit  von  C.  Beyer,  1900  (benatzt,  soweit  erschienen)  =  BE. 


Kapitel  I. 

Konrad  Stolles  Leben. 

^i^^^uf  der  Kelshöhe  über  dem  westlichen  Teile  der  Stadt 
jjrpjjyj^;  Erfurt  liegen  einzig  in  ihrer  Art  und  in  ihrer  eindrueks- 
vollen  Seitönheil  die  zwei  ans»  hnli«  listen  Kirchen  Erfurts, 
j£#iiE£P!fe  einst  die  Kollegiatstifter  Beatae  Mariae  Virginis  und  St. 
Severi,  jetzt  der  Dom  und  die  Severikirehe.  An  letzterer  war  in  der 
2.  Hälfte  des  fünfzehnten  Jahrhunderts  im  Besitze  einer  der  46  Vi- 
carien,  welche  das  Stift  ausser  seinen  16  Präbenden  für  Stiftsherren 
(Kanoniker)  besass,  Kon  r a d  Stolle.  Siehe  über  ihn  die  ältere  Litteratur : 
L.  F.  Hesse,  Aus  Konrad  Stolles  Erfurter  Chronik,  Haupts  Zeit- 
schrift für  deutsches  Altertum,  8.  Band,  1851,  S.  302-344;  Konrad 
Stolles  Thüringisch  -Erfurtische  Chronik  [teilweise]  aus  der  Urschrift 
herausgegeben  von  L.  F.  Hesse,  Bibliothek  des  litterarischen  Vereins 
in  Stuttgart,  XXXII,  1854;  A.  L.  J.  Michel sen,  Über  die  ungedruckto 
thüringische  Chronik  von  Konrad  Stolle,  ZThG.  I,  1854,  S.  217-233 
(S.  233  -  236  handelt  über  Johannes  Rothe);  K.  F.  Herrmann 
Bibliotheca  Erfurtina,  18G3,  S.  81—82;  0.  Lorenz,  Deutschlands  Ge- 
schichtsquellen im  Mittelalter,  II3,  1887,  S.  108  f.  u.  139,  und  von  ge- 
legentlichen Erwähnungen  abgesehen,  dann  an  vielen  Stellen  genannt 
von  R.  Reiche  in  seiner  Ausgabe  der  Chronik  Härtung  Kammer- 
meisters,  1896  (Geschichtsquellen  der  Provinz  Sachsen,  herausgegeben 
vun  der  historischen  Kommission  der  Provinz  Sachsen,  Bd.  XXXV). 

Konrad  Stolle  war  in  dem  Dorfe  Zimmern  unter  dem  Ettersberge 
geboren.  Dieses  Dörfchen,  jetzt  im  Verwaltungsbezirk  Weimar  des 
Grossherzogtums  Sachsen,  wird  bereits  im  9.  und  10.  Jahrhundert  er- 
wähnt, denn  in  ihm  lagen  früher   Besitzungen  des  Klosters  Fulda 

K.8toll«aMemorUle.  1 


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2  Einleitung. 

(s.RDThü,I,  k96\  No.  227.294. 328  —  No.36u.  70  beziehen  sich  wohl  auf 
Zimmern  bei  Langensalza).  Im  Jahre  1845  (s.  ÜE  II,  1897,  No.  52)  belehnte 
der  Landgraf  Friedrich  II.  der  Freidige  von  Thüringen  zum  Danke 
für  im  Kriege  gegen  die  Schwarzhurger  Grafen  und  deren  Verbündete 
ihm  geleistete  Dienste  die  Stadt  Erfurt  mit  diesem  von  ihm  eroberten 
Dorfe,  der  villa  Czimmern  in  comitalu  Bftch  et  Wy,  welches  die  bis- 
herigen Besitzer,  die  Grafen  Friedrich  und  Hermann  von  Orlamünde, 
dann  im  Jahre  1348  (s.  UE1I,  No.  28S,  Urkunde  vom  12.  Juli  1348  — 
in  Bezug  auf  Einzelheiten  s.  noch  ebenda  No.  292.  293.501.599)  an  die 
Stadt  Erfurt  auch  ihrerseits  abtraten.  Den  Übergang  in  Erfurtischen 
Besitz  bestätigt  auch  der  damalige  Obeilehnsherr,  der  Abt  zu  Her- 
feld, durch  Urkunde  vom  28.  Februar  1350  (s.  UEIl  No.335).  Sowohl 
die  Martinskirche  des  alten  Spitals  als  auch  das  Severistift  in  Erfurt 
hatten  Besitzungen  in  diesem  Dorfe,  dessen  Kirchenpatron  der  Er- 
furter Hat  war  (s.  UEIl  No.  384.  332.  522).  Konrad  Stolle  war  demnach 
geborener  Erfurter  Unterthau.  Dieses  und  was  wir  von  seinem  Leben 
sonst  wissen,  müssen  wir,  mit  geringen  Ausnahmen,  aus  seinem 
Werke  selbst  entnehmen.  Leider  steht  sein  Geburtstag  nicht  fest,  da 
er  selbst  zwei  verschiedene  Angaben  macht.  Stück  198  unserer  Aus- 
gabe Bl.  118  der  Handschrift  sagt  er  nämlich,  als  er  von  den  Ereig- 
nissen des  Spätherbstes  im  Jahre  1440  (s.  St.  198  A.  25  u.  36)  spricht: 
,,do  disse  geschiht  |der  sächsische  Bruderkrieg]  also  erging,  do  was 
icli  Conrad  Stolle,  der  ditte  geschreben  had,  by  mynen  XVI  jarn, 
also  das  ich  der  ebenture  wol  gedachte,  unde  was  doheime  in  dem 
dorfe  zu  Czimmern  under  deme  Eitersberge,  do  hatte  ich  vater  unde 
muter  unde  ging  do  by  einem  kerchenere  in  dy  schule  unde  sach 
ouch  dy  für  der  dorffer  umme  her  in  des  jungen  hern  lande,  das  man 
dy  brante.  Do  floen  alle  lute  in  deme  erfforteschen  gerichte  in  dy 
stad  Erffort  mit  orem  gute  unde  habe,  unde  das  gesmide  usz  den 
kerchen  unde  alle  glocken,  das  fürten  alle  dorfer  in  dy  stad  Erfforte, 
unde  bleib  ouch  keyn  man  in  den  dorfforn;  sy  besorgeten  sich,  das 
sy  gefangen  worden.'1  Danach  würde  Stolle  (in  den  letzten  Monaten) 
im  Jahre  1430  geboren  sein.  Dem  steht  nun  eine  andere  Angabe 
Stolles  entgegen,  St.  347  Bl.  203  der  HS :  „In  dissem  jure  [1491J  ben 
ich,  der  ditcz  geschreben  had,  gnant  Conradus  Stolle,  eyn  vicarius  zu 
sente  Sever,  funff  unde  funffczigk  jur  alt,  do  ditcz  gescheen  ist" 
Danach  wäre  Stolle  im  Jahre  1436  geboren.  Da  er  hier  meistenteils 
Vorgänge  aus  dem  Anfange  des  Sommers  1491  erzählt,  so  würde  er 
bei  genauerer  Berechnung,  wenn  wir  für  seinen  Geburtstag,  wie  oben 
geschehen  ist,  das  Ende  des  Jahres  1430  aunehmen,  im  Gl.  Jahre 
stehen,  also  00  Jahre  alt  sein.  Sonst  schreibt  Stolle  in  Ziffern,  hat 
sich  also  wohl  hier  auch  in  seinem  Concepte  LX  notiert,  das  er  falsch 


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Einleitung. 


3 


für  LV  las  und  dann,  freilich  sehr  gedankenlos,  in  Worte  auflöste. 
So  wäre  der  Fehler  durch  ein  Verseilen  wohl  erklärlich;  denn  wenn 
wir  auch  annehmen  wollen,  dass  die  Menschen  der  damaligen  Zeit 
nicht  so  korrekte  Zahlennienschen  waren,  als  wir  jetzt  sind,  auch  hin- 
sichtlich der  Angabe  ihrer  Geburt  von  den  Nachrichten  der  Eltern, 
Paten  u.  a.  abhängig  waren,  so  bleibt  der  Widerspruch  in  seiner 
nackten  Unvennitteltheit  dennoch  bei  einem  Manne  von  der  relativen 
Bildung  Stolles  und  noch  dazu  hei  einem  Historiker,  der  sich  doch 
auch  mit  Chronologie  befassen  musste,  sehr  auffällig,  sodass  die  An- 
nahme eines  auf  Gedankenlosigkeit  beruhenden  einzelnen  Ver- 
sehens wohl  vorzuziehen  ist.  Denn  auch  aus  inneren  Gründen  müssen 
wir  das  Jahr  1480  festhalten.  Die  Schilderung,  welche  Stolle  nach 
eigener  Anschauung  vom  sächsischen  Bruderkriege  giebt,  kann  nicht 
aus  der  Erinnerung  eines  damals  zehnjährigen  Knaben  geschöpft  sein, 
sie  setzt  eine  grössere  Keife  der  Beobachtung  und  des  Urteils,  sowie  einen 
weiteren  und  über  kindliche  Anschauungen  hinausgehenden  Gesichts- 
kreis voraus:  die  Folgen  des  sächsischen  Bruderkrieges  waren  so 
überaus  traurig  für  die  thüringischen  Lande,  dass  sie  sich  selbst  einem 
sechzehnjährigen,  wenn  auch  nur  wenig  gebildeton  Bauersohn,  und 
das  war  Stolle  damals,  tost  einprägten.  Dazu  kommt,  dass  er  nach 
eigener  Anschauung,  und  auch  nach  Aufzeichnungen  und  Erzählungen 
anderer  jene  Zeit  ebenso  eingehend  wie  ausführlieh  schildert,  auch 
früher  als  die  Überschwemmung  vom  Jahre  1491,  bei  deren  Erwähnung 
er  jeno  Bemerkung  über  sein  Altor  gelegentlich  macht.  Da  ferner 
sich  mit  der  ersteren  Angabe  noch  mehrere  Vorgänge  in  seinem 
Leben  verknüpfen,  so  ist  die  Erinnerung  daran  gewiss  eine  nach- 
haltigere und  darum  sicherere  gewesen.  Denn  in  jenem  Jahre  (1446) 
sind  jedenfalls  auch  Stolles  Eltern  mit  nach  Erfurt  geflüchtet,  und  der 
junge  Konrad,  welcher  bisher  nur  bei  dem  Kirchner  in  Zimmern 
unterrichtet  wurde,  wird  jetzt  in  die  Schule  des  Stiftes  St.  Severi 
gethan,  eine  jener  vier  geistlichen  Schulen  in  Erfurt  (s.  St.  335  A.  5), 
der  Regler-,  Schotten-,  Dom-  und  Severischule,  welche  zur  Heran- 
bildung junger  Kleriker  in  Erfurt  bestanden;  das  berichtet  Stolle  selbst 
St.  199  HS  Bl.  123*  mit  folgenden  Worten:  „uff  die  selbe  czit  [1447J, 
do  gingk  ich,  Conradus  Stolle,  der  ditcz  geschreben  had,  zu  seilte 
Severo  zu  Erffort  in  dy  schule."  Genauer  auch  in  betreff  des  Jahres 
1447  erzählt  er  als  Augenzeuge  Vorgänge  um  Ostern  1447,  St.  200 
Bl.  125  der  HS:  „do  was  ich  zu  Erffort  unde  sach  das.11  Aber  schon 
zu  Pfingsten  1447  besuchte  er  die  Schule  zu  Salza  (Langensalza), 
s.  St  202  Bl.  126"  der  HS:  „uff  die  selben  zit  I Pfingstwoche  1447|,  do 
ging  ich  Conrad  »Stolle  zu  Salcza  in  die  schule."  Was  ihn  von  Erfurt 
fort-  und  nach  Langensalza  hingetrieben  hat,  besonders  da  uns  nichts 

1* 

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4 


Einleitung. 


von  einer  besseren  Schule  in  Langensalza  damals  bekannt  ist,  wissen 
wir  nicht,  vielleicht  wurde  er  dorthin,  als  seine  Eltern  in  das 
heimatliche  Zimmern  zurückkehrten,  zu  Verwandten  gegeben,  viel- 
leicht weil  der  junge  Stolle  am  Lernen  Gefallen  gefunden  hatte  und, 
weil  seine  Begabung  erkannt  worden  war,  seine  Studien  fortsetzen 
wollte. 

Von  dem  weiteren  Bildungsgange  Stolles  wissen  wir  weiter  nichts, 
da  er,  wie  die  Durchsicht  der  Erfurter  Studentenmatrikel  zeigt,  nicht 
in  Erfurt  studiert  hat.  Also  muss  er  seine  Ausbildung  als  Geistlicher 
in  klerikalen  Anstalten  (Kloster-  oder  Stiftsschulen)  erhalten  haben, 
vielleicht  in  Erfurt  selbst  in  der  St.  Severischule  als  Domicellar,  d.  h. 
unter  der  Zahl  derjenigen  Jünglinge,  welche  unter  Augen  und  der 
besonderen  Erziehung  des  Seholasticus  für  den  geistlichen  Stand  mit 
der  Berechtigung  des  Eintritts  in  das  Collegiatstift  seihst  vorbereitet 
und  ausgebildet  wurden.  Vielleicht  ist  sein  Bildungsgang  auch  unter- 
brochen worden,  und  er  hat  ihn  später  in  Italien  fortgesetzt  und 
vollendet,  wie  dies  wohl  in  jenen  Zeiten  nicht  selten  geschah  und 
noch  heute  in  katholisch -klerikalen  Kreisen  geschieht.  Doch  muss 
sich  Stolle  noch  längere  Zeit  in  der  Heimat,  im  besonderen  in  Erfurt 
aufgehalten  haben,  denn  gegen  den  1.  November  1451  sah  er  die 
Gesandton  dos  Kurfürsten  Friedrich  und  des  Herzogs  Wilhelm  von 
Sachsen  (s.  St.  212  u.  213),  welche  wegen  der  Herausgabe  Luxemburgs 
seitens  des  Herzogs  Philipp  des  Guten  von  Burgund  an  die  sächsischen 
Brüder  nach  Aachen  gezogen  waren,  dann  aber  wegen  der  geplanten, 
freilich  später  nicht  zustande  gekommenen  Heirat  zwischen  dem 
Prinzen  Karl  (dem  späteren  Herzog  Karl  dem  Kühnen)  von  Burgund 
und  Kurfürst  Friedrichs  Tochter  in  Aachen  verhandelt  hatten  und  nun 
in  Begleitung  burgundischer  Gesandten  heimkehrten  und  durch  Erfurt 
kamen  (St.  213,  HS  Bl.  142:  „do  uuomen  dy  rethe  beyder  hern  gebru- 
dere weder  von  Ache  und  brochten  mit  on  drissig  Franzosen  ader 
Walen,  unde  eynen  apt  genannt  Attrabatensis"):  zu  ihnen  gehörte 
auch  Doktor  Johann  von  Allenblumen  und  sein  Sohn  Wilhelm,  „dy 
ich  alle  wol  gekant  habe"  (St.  213  Bl.  142  des  HS);  über  diese  s.  St.  212 
A.3,  215  A.4,  3213  A.30  u.  349  A.  3. 

Wann  Stolle  nach  Italien  gegangen  ist,  bleibt  unentschieden,  aber 
im  Jahr  145S  ist  er  dort  und  hat  sich  mindestens  4  Jahre  daselbst  auf- 
gehalten. Auf  der  Hinreise  verweilte  er  in  Oberitalien  und  schrieb  in 
Mantua  die  Legenden  einer  Mappa  mundi  (Weltkarte)  ab  (s.  St.  224 
HS  Bl.  163:  „Explicit  mappa  mundi  in  civitate  Mantuana  in  Italia. 
Anno  Domini  MCCCCLV1J10  ego  Conrad us  Stolle  ibidem  scripsi").  Noch 
für  das  Jahr  1458  und  für  1460  bezeugt  er  selbst  seine  Anwesenheit 
in  Horn,   weil  er  jenen  im  Jahre  1451  in  Erfurt  gesehenen  abbas 


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Einleitung. 


Attrabatonsis  dort  als  Cardinal  wiedersieht;  er  erwähnt  dieses  zweimal. 
St.  213  HS  Bl.  142:  Den  selbigen  apt  sach  ich  dornoch  zu  Rome,  da 
wart  her  eyn  cardinal  in  deine  nunden  jare  hirnaoh,  also  i.J.  14G0; 
u.  St.  219,  HS  Bl.  155:  et  abbas  predictus  postoa  factus  lest]  cardinalis, 
propterea  cardinalis  Attrabatensis  de  Burgundia  [dietus],  quem  sepe 
vidi  ego  Conradus  Stolle  in  urbo  Romana  anno  14lJJj  IMCCCCLMTT] 
tempore  pape  Pfiill|.  Ebenfalls  ist  er  i.  J.  1462  in  Rom.  Als  das 
Haupt  des  heiligen  Andreas  am  12.  April  1462  dorthin  gebracht  wurde, 
sah  dieses  Stolle  (St.  220,  HS  Bl.  155T :  „etiam  me  Conrado  Stolle  presente 
vidi  et  singula  audivi").  Auch  in  Florenz  muss  er  sich  längere  Zeit 
aufgehalten  haben,  da  er  die  Gebrüder  Giovanni  und  Lorenzo  Medici, 
.dicke  unde  wol  geseen1  hat,  „do  ich  zu  Florenz  unde  Rome  wonende 
was"  [St.325,HSBI.222'l.  Nicht  vor  dem  Ende  des  Jahres  1462,  aber 
spätestens  vor  Ablauf  des  Jahres  1463  kehrte  Stolle  nach  Deutschland 
zurück,  denn  aus  dem  Jahre  1464  erhalten  wir  anderweitige  Nachrichten 
über  ihn.  Unbekannt  bleibt,  wann  und  wo  er  zum  Priester  geweiht 
ist.  Im  Jahre  1464  besass  er  an  der  St.  Severikircho  die  Vicarie  St.  Liborii 
episcopi  (s.  Würdtwein,  Thuringia  et  Eichsfeldta  medii  aevi  ecclesi- 
astica  in  archidiaconatus  distineta,  1791),  pag.40:  Vicaria  St.  Liborii 
episcopi,  quam  possidet  Conradus  Stolle;  est  de  collatione  decani  et 
capitul.).  Auch  erhielt  er  in  diesem  Jahre  eine  2.  Vicarie.  im  Weiss- 
frauenkloster  zu  Erfurt  (das  heutige  Ursulinerkloster,  s.  von  Mülver- 
stedt. Hierographia  Erfordensis,  MGE  in,  1867,  S.  161  f.),  nämlich  die 
Vicarie  B.  Mariae  Virginis  (s.  Registrum  vicariarum  in  ecclesiis  civi- 
tatis Erfordensis  a  M.  Wilh.  Frid.  Kromaver  —  handschriftlich  im  Stadt- 
archiv  zu  Erfurt,  Cod.  II  Bno.  2*  fol.  45\  Und  im  Jahro  1467  endlich 
bekam  er  noch  eine  3.  Vicarie  in  der  Kirche  St.  Bartholomei  (deren 
Turm  noch  heute  am  Anger  steht),  nämlich  nach  dem  Tode  Theod. 
Stubenrauchs  die  „vicaria  s.  Bartholomei,  Phil,  et  Jacobi,  Cecilie,  Kuni- 
gundis,  Hedwigis  in  summo  altari  ad  presentationem  altermannorum" 
(s.  Kromayer.  1.  c.  fol.  50).  Von  nun  an  lebte  Stollo  —  mit  einer 
einzigen  Unterbrechung,  auf  welche  wir  gleich  kommen  werden  — 
ruhig  als  Vicar  in  Erfurt.  Aber  nicht  ohne  Zusammenhang  und  Ver- 
kehr mit  seinem  Heimatdorfe  Zimmern!  Denn  im  Jahre  1467  er- 
scheint er  als  Zeuge  in  einer  Urkunde  vom  14.  Dezember  1467 
(Original  im  Archiv  der  Michaeliskirche  zu  Erfurt),  inhaltlich  welcher 
Klaus  Groning  und  Marthe,  Eheleute  zu  Zimmern  unter  dem 
Ettersberge  —  vielleicht  Verwandte  Stolles  —  den  Pfarrern  und 
den  Vicarien  der  Kirche  St.  Georg  in  Erfurt  Land  verkaufen:  er 
unterschreibt  hier  als:  er  Kurt  Stollo,  Vicar  an  der  St.  Severikirche  zu 
Erfurt,  und  hängt  an  die  Urkunde  sein  Siegel  (von  grünem  Wachse 
in  brauner  Wachsschale  an  einem  Pergamentstreifon),  das  in  Um- 


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Einleitung. 


schrift  Conradus  Stolle  und  als  Bild  ein  Kreuz  über  einem  halben 
Stern  hat: 


Dass  er  sich  auch  um  seine  Familie  gekümmert  hat,  geht  aus  einer 
Bemerkung  zum  Jahre  1485  hervor,  wo  er  (St.  336,  HS  B1.252-  aller- 
dings später  in  die  HS  hineingeschrioben)  erzählt:  „Item  anno  1485° 
in  vigilia  St.  Adelarii  (25.  August)  fuit  natus  Andreas  Stolle  de  mane 
(s.  St.  336  A.4)  hora  sexta  feria  torcia;  es  war  wohl  ein  Bruderssohn 
oder  ein  noch  weitläufigerer  Vetter  Stolles.  Ebenfalls  als  Zeuge  er- 
scheint der  Vicar  Stolle  im  J.  1468,  als  im  erzbischöflichon  Hause  zu 
Erfurt  die  Bestatigungsurkunde  über  die  Permutation  (Tausch  zwischen 
geistlichen  Stellen  unter  ihren  In habem  mit  Genehmigung  des  Bischofs) 
in  der  Martinskirche  im  Brühl  zu  Erfurt  und  in  der  Kirche  zu 
Zimmern  festgestellt  wurde:  hier  wird  Conradus  Stolle  honorabilis 
et  discretus  vir  (Würdtwcin,  1. 1.  Documenta,  pag.  298)  genannt. 

Jene  oben  bezeichnete  Unterbrechung  war  eine  zweite  Reise  nach 
Italien  i.  J.  1477,  die  er  vom  7.  Januar  bis  ungefähr  13.  Mai  in  jenem 
Jahre  unternahm,  die  ihn  also  18  Wochen  von  Erfurt  fernhielt.  Er 
schreibt  darüber  (St. 316,  HS  B1.210T):  „Item  in  deme  selben  winter 
1477  an  deme  nochtage  der  heyligen  drv  konige,  do  ging  ich  Con- 
radus Stolle,  der  ditcz  geschreben  had,  unde  myn  bruder,  er  Johann 
Linderbech.  beide  vicarien  sunt  Severi  kirchen  zu  Erffort,  gingen 
zusamene  von  Erffort  in  die  heiligen  stad  zu  Roma."  Sie  giengen  zu 
Fuss  über  den  Thüringerwald,  litten  viel  von  hohem  Schnee  und  Kälte, 
bis  nach  Rom :  in  der  heiligen  Kreuzwoche  (5.  Woche,  nach  Ostern) 
waren  sie  zurück,  ohno  dass  sie  krank  geworden  waren.  Da  die 
2  Reisogenossen  also  Mitte  Mai  bereits  in  ihr  liebes  Erfurter  Stift 
zurückkehrten,  so  war  es  wohl  frommer  Eifer,  die  ewige  Stadt  in  der 
Fastenzeit  aufzusuchen  und  don  erhebenden  Feierlichkeiten  in  der 
Charwocfie  und  am  Osterfeste  beizuwohnen,  der  sie  hintrieb,  Stolle 
wohl  noch  in  Erinnerung  an  die  früher  dort  verlebten  Jahre  und  in 
Sehnsucht,  die  Pracht  der  hohen  Feste  wiederzusehen,  welche  er 
seinem  Freunde  zeigen  wollte. 


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Einleitung. 


7 


Über  das  weitere  Leben  Stolles  ist  aus  seinem  Werke  noch  fol- 
gendes zu  entnehmen. 

Er  interessierte  sich  natürlich  in  erster  Linie  für  die  Kirche,  an 
welcher  er  wirkte,  und  so  wohnto  er  i.J.  1473  (s.  St.  322,  HS  Bl.  221) 
dem  2.  Gusse  dor  nach  kurzem  Gebraucho  gesprungenen  grossen  Glocke 
von  St.  Sever  bei,  die  man  Osanna  nannte. 

Später,  kurz  nach  seiner  2.  italienischen  Reise,  am  7.  August  1477 
(s.  St  321,  HS  B1.220*)  war  Stolle  beim  Begräbnisse  des  berühmten 
Glockengiessermeisters  Claus  von  Mühlhausen  zugegen,  welcher  für 
den  Born  die  Gloriosa  gegossen  hatte.  Für  diese  Domkirche  zeigte  er 
ebenfalls  grosses  Interesse  und  berichtot  alles,  was  zu  seinerzeit  in  und 
an  ihr  geschah.  So  auch  dio  Entweihung  im  J.  1476  durch  den  Streit 
zweier  Chorschüler,  von  denen  dereine  von  dem  anderen  lebensgefährlich 
verwundet  wurde  (s.  St.  320,  HS  Bl.  220) :  Dieser  „lag  sere  lange  krangk, 
den  ich  zu  feie  maln  wol  geseen  habe,  her  Conradus  Stolle,  qui  scripsit." 

Dass  er  als  Historiker  grosses  Interesse  für  die  Zeitgeschichte 
zeigte,  beweist  sein  Werk:  er  erkundigte  sich,  wo  er  nur  konnte! 
So  erzählt  er,  dass  ihm  Augenzeugen  von  der  Bestrafung  des  für 
seinen  versuchten  Verrat  hingerichteten  Söldnerhauptmanns  in  Neuss, 
eines  Ritters  X.,  erzählten:  „das  haben  mir  eyn  priester  unde  zwene 
Studenten  gesaget,  die  do  kegenwertigk  gewest  worn"  (s.  St.  228,  HS 
Bl.  165T).  Und  dass  er  die  grosso  Mühe  nicht  scheute,  zeitgenössische 
Documente  aus-  und  abzuschreiben,  lehren  uns  die  Beispiele  in  St  217 
(Rokyzanas  Tod) ,  327  u.  328  (Streitschriften  zwischen  Mainz  und  Er- 
furt), 383  u.  387  (Amorbacher  und  Weimarer  Vertrag  v.  3.  Febr.  1483). 
Dabei  war  seine  Aufmerksamkeit  auch  eine  sehr  rege  für  das,  was  in 
seiner  nächsten  Nähe  geschah;  so  ist  er  der  schätzenswerte  Kultur- 
historiker und  getreue  Localhistoriker  von  Erfurt  geworden:  hier 
erzählt  er  von  Ernte  und  Misswnchs,  von  Aus-  und  Einfuhr  des 
Getreides  (s.  St.  353,  HS  Bl.  207*)  und  von  vielem  anderen.  Auch  dio 
Hauptereignisse  des  kirchlichen  wie  profanen  Lebens  finden  in  ihm 
einen  getreuen  Berichterstatter.  So  macht  er  Mitteilung  von  den 
grossen  Processionen  am  20.  Juni  1483  und  24.  März  1488,  welche  er 
mitmacht  und  eingehend  beschreibt  (s.  St.  384.  HS  Bl.  285 r— 289  und 
St.  341,  HS  B1.25Ö— 256).  Er  erzählt  weiter  mit  Staunen  von  der 
grossen  Sonnenfinsternis  vom  16.  März  1485  (s.  St.  336,  HS  B1.252)  und 
hat  den  grossen  Sturm  in  der  Nacht  vom  21.  zum  22.  Juli  1491  miter- 
lebt (s.  St.  346,  HS  Bl.  260).  wobei  wir  erfahren,  dass  er  ein  eigenes 
Haus  besessen  hat  (wohl  hinter  dem  Dome  gelegen ,  s.  St.  346  A.  4), 
dessen  Dach  schwor  beschädigt  wurde.  Endlich  hat  er  —  abgesehen 
von  den  16  Feuersbrünsten,  die  er  schildert  und  von  denen  er  die 
6  letzten  miterlebt  hat,  s.  St 98  A.  2,  ohne  jedoch  eines  persönlichen 


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Eiuleituug. 


Erlebnisses  Erwähnung  zu  thun  —  die  ausführliebsten  Nachrichten 
über  die  grosso  Überschwemmung  Anfang  August  1401  (s.  St.  347, 
HS  Bi.  260— 263),  während  er  von  der  ebenfalls  grossen  Überschwem- 
mung vom  8.  Juli  1498  (s.  St.  398.  HS  B1.271  f.)  weniger  genau  berichtet. 

Dass  er,  damals  68  Jahre  alt,  bereits  kein  Interesse  mehr  für 
seine  Heimatstadt  gehabt  und  schon  ein  stumpfer  Greis  geworden 
sei  —  danach  wäre  dieser  Teil  der  Chronik  von  einem  anderen  ver- 
fasst,  —  dafür  haben  wir  nicht  einen  Schatten  von  Beweis;  auch  wider- 
spricht der  Schluss seines  Werkes,  die  Erzählung  von  der  Anwesenheit  des 
Cardinais  Raymund  i.  J.  1;")02  in  Erfurt,  die  ich  unbedenklich  für 
echt  Stollisch  halte,  dieser  Annahme.  Stolle  muss  sich  vielmehr,  ruhig 
lebend,  besonders  im  Umgange  mit  seinen  Confratres,  zu  welchen 
gewiss  auch  die  Benediktinermönche  im  nahen  Peterskloster  gehörten, 
wo  damals  ein  Nicolaus  [Hottenbach]  von  Siegen  sein  Chronicum  ecclesi- 
asticum  schrieb,  ein  Rüdiger  von  Venlo  das  neue  Necrologium  seines 
Klosters  verfasste  und  ein  Nicolaus  von  Egra  mit  der  chronikalischen 
Aufzeichnung  der  Ereignisse  seiner  Zeit  beschäftigt,  war,  die  geistige 
Frische  bis  hin  an  seinen  Tod  gewahrt  haben,  da  diese  Schilderung 
vom  30.  Oktober  1502  stammt,  während  er  nur  3l  4  Jahr  später,  am 
30.  Dezember  1505,  als  75 jähriger  Greis  starb. 

Der  Tod  rief  den  schlichten  Biedermann  in  derselben  einfachen 
und  untergeordneten  geistlichen  Stellung  ab,  die  er  seit  Anfang  seiner 
priesterlichen  Laufbahn  bekleidet  hatte:  so  endete  ein  Leben,  das 
äusserlich  fast  arm  zu  nennen  ist,  innerlich  aber  gewiss  reich  war! 
Gleich  seinen  geistlichen  Mitbrüdern  fand  er  seine  Ruhestätte  in  der 
Kirche,  an  welcher  er  zeitlebens  gewirkt  hatte.  Sein  Leichenstein  mit 
seinem  Bilde  ist  noch  erhalten  —  wir  haben  es  als  Titelbild  unserem 
Werke  vorgefügt  —  und  hat  die  Umschrift:  Anno  domini  1505  penul- 
tima  Decembris  obiit  dominus  Conradus  Stolle  hujus  ecelesiao  vicarius. 
Cujus  anima  reu.uiescat  in  pace.  —  An  welcher  Stelle  der  St.  Severi- 
kirche  der  Körper  Stolles  ruht,  lässt  sich  nicht  mehr  feststellen,  da 
bei  der  Wiederherstellung  der  Kirche  i.  J.  1816,  nachdem  sie  während 
der  Freiheitskriege  dem  Militär  als  Lazarett  gedient  hatte,  der  Fuss- 
bodenbelag des  Gotteshauses,  der  vorzüglich  aus  Grabsteinen  gebildet 
war,  gänzlich  verändert  sein  soll;  daher  hat  man  bei  der  in  den 
Jahren  1877  und  1878  stattgefundenen  Restauration  der  Kirche  den 
Grabstein  aus  dem  südlichen  Seitenschiffe,  wo  er  sich  seit  1816 
befand,  in  dio  naheliegende  St.  Blasiuskapelle  gebracht  und  dort  senk- 
recht eingemauert.  Hier  ist  er  noch  jetzt  zu  sehen,  freilich  haben  Bild 
und  Umschrift  durch  allmähliches  Abtreten  sehr  gelitten.  Auch  hat 
man  früher  das  Grab  Stolles  als  solches  nicht  sonderlieh  beachtet,  da 
man  bereits  ungefähr  80  Jahre  nach  seinem  Tode  in  dasselbe  einen 


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Einleitung. 


andern  beigesetzt  hat,  wie  die  zur  Rechten  und  Linken  der  Schulter 
des  Grabstoinbildos  ziemlich  ruh  cingomoisselfe  Jahreszahl  1582  beweist. 
Zum  zweitenmal  ist  i.  J.  1714  in  die  Gruft  hineinbegraben  worden, 
da  in  diesem  Jahre  der  untere  Teil  des  Grabsteins  ab-  und  eine 
palmettenartige  Verzierung  mit  (jetzt  abgetretener)  Inschrift  und 
Jahreszahl  eingemeisselt  ist.  Doch  die  Gesichtszüge  Stnllcs  sind 
glücklicherweise  noch  zu  ei  kennen:  ein  mildes,  freundliches,  etwas 
volles  Antlitz.  Die  Gestalt  umgiebt  das  priesterliche  Gewand,  die 
rechte  Hand  hält,  den  Kelch,  über  welchen  sich  die  Linke  mit  zwei 
segnend  erhobenen  Fingern  ausstreckt. 

Wichtiger  aber  noch  als  diese  Beschreibung  des  Äusserlichen  sei 
hier  eine  kurze  Charakteristik  des  trefflichen  Mannes  eingefügt,  welche 
wir  aus  seinem  Werke  herauslesen.  Stolle  war  ein  Mann  aus  dem 
Volke,  mit  regem  Wissenstriebe  und  Eifer,  mit  offenem  Blicke  für  die 
ihn  umgebende  Welt  und  mit  Verständnis  für  seine  Gegenwart  be- 
gabt, von  welcher  er  zur  Erkenntnis  der  Vergangenheit  emporstieg. 
Nicht  gleichgültig  gegen  die  Wechselbeziehung  zwischen  Ursache  und 
Wirkung,  besass  er,  und  dies  ist  für  ein  Kind  seiner  Zeit  eine  achtnngs- 
würdige  und  beachtenswerte  Eigenschaft,  eine  Ahnung  von  divi- 
natorischer  Kritik  und  pragmatischer  Geschichtsschreibung:  ihm  kamen 
bei  der  Zeitgeschichte  ab  und  zu  Zweifel  an  der  Wahrheit  des  Mit- 
geteilten (s.  beim  Neusser  Krieg  St.  226,  selbst  bei  Witterungsver- 
hältnissen und  Überschwemmungen  St.  347);  hier  beruft  er  sich  auf 
seine  Gewährsmänner  nicht  ohne  Kritik  ihrer  Glaubw  ürdigkeit  (s.  Ver- 
schwörung der  Pazzi  St.  325  und  Nachrichten  über  die  Verheerung 
Ungarns  durch  Hcuschreekensehwärme  St.  330).  Im  Streite  zwischen 
Mainz  und  Erfurt  und  in  den  Wirren  zwischen  Erfurt  und  den 
sächsischen  Fürsten  machte  er  sich  mühevolle  Auszüge  aus  den  gegen- 
seitigen Streitschriften  (St.  327  u.  328)  und  nahm  Abschrift  von  den 
entscheidenden  Verträgen  (St.  5*83  u.387),  wie  er  sich  auch  nicht  scheute, 
die  Citation  des  Papstes  Sixtus  IV.  seitens  des  Erzbischofs  Andreas 
von  Krain  vor  ein  allgemeines  Concil  vom  25.  März  1482  seinem 
Werke  einzuverleiben.  Wozu  das  alles?  Nur  aus  dem  inneren 
Drange,  die  Wahrheit  möglichst  klar  zu  stellen!  Aber  er  war  wio 
alle  mittelalterlichen  Chronisten  von  sehr  massiger  Bildung  fs.  St.  12, 
wo  er  die  zwei  Flüsse  bei  Mainz,  Moguncia,  als  Moygin  und  Czia  er- 
klärt!), mit  naivem  Glauben  im  allgemeinen  an  die  Wahrheit  der 
Überlieferung,  namentlich  in  der  alten  Zeit,  erfüllt,  mochte  sie  auch 
noch  so  verkehrt  sein,  voll  kindlicher  Freude  am  Wunderbaren  und, 
da  „das  Wunder  des  Glaubens  liebstes  Kind  ist,"  ein  gläubiger  Mann 
und  frommer  Priester  im  Sinne  der  mittelalterlichen  Kirche,  aber  doch 
nicht  ohne  Einblick  in  die  grossen  Schäden,  an  denen  damals  Staat 


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10 


Einleitung. 


wie  Kirche  krankte.  Dabei  kann  er  auch  harmlos  seherzen,  wie  die 
Erzählung  von  dem  Elsternneste  auf  dem  Predigerturm  zu  Erfurt  be- 
weist, das  die  Prodigermönohe  deshalb  wiederholt  zerstörten,  weil  sie 
die  Elstern  hassten,  welche,  wie  sie  eine  weiss-  und  schwarzfarbige 
Kleidung,  so  ein  schwarz  und  woisses  Gefieder  hätten. 


Kapitel  IT. 

Stolles  Werk. 

§  1.   Die  Bedeutung  und  Entstehung  des  Stollesehen  Werkes. 

Die  Charakteristik  des  Autors  führt  zur  Gesamtschätzung  seines 
Werkes  im  allgemeinen.  Dasselbe  ist  keine  Chronik  im  landläufigen 
Sinne,  vielmehr  hat  der  wissensdurstige  Mann  sich  Auszüge  und  Auf- 
zeichnungen gemacht,  wo  und  wie  er  sie  fand,  er  schuf  sich  ein 
Denkbuch,  das  er  solbst  (s.  St.  226  HS  Bl.  164  zweimal,  St.  325  HS  Bl.  222) 

Memor  iale 

in  seinem  Grundstocke  nannte,  und  das  wir  auch  so  nennen  wollen, 
mit  dem  Nebentitel  „thüringisch-erfurtische  Chronik." 

Denn  Stollo  hat  für  sich  Johann  Rothes  thüringische  Chronik,  mehr 
oder  minder  genau,  exeerpiert,  SM — 195,  mit,  um  hier  nur  das  Wich- 
tigste zu  erwähnen,  selbständiger  Benutzung  der  historia  Pistoriana 
(Holder-Egger:  Cronica  Thuringorum  auetoro  Praedicatore  Isenacensi) 
und  Eccardiana  (Holder-Egger:  Cronica  Thuringorum  amplificata  a 
fratre  Minore  Jsonaoensi);  keine  Anlehnung  an  Rothe  zeigen  nur  13 
Stücke.  Von  St.  196  an,  wo  die  Zeitgeschichte  beginnt,  ist  dann  im 
bunten  Wechsel  alles  vorzeichnet,  was  Stolle  interessiert:  Hussiten- 
kämpfe,  sächsischer  Bruderkrieg,  Neusser  Fehde,  Kämpfe  zwischen 
Erfurt  und  Mainz,  zwischen  Erfurt  und  den  sächsischen  Fürsten, 
Streitigkeiten  in  der  grossen  Welt  und  kirchliche  Wirren,  besonders  aber 
Thüringer  Landes-  und  Erfurter  Lokalgeschichte:  aus  allen  diesen  recht- 
fertigt sich  wohl  der  Nebentitel :  thüringisch-erfurtische  Chronik,  wie  auch 
Hesse  das  Werk  Stolles  in  seiner  extractiven  Ausgabe  bezeichnet  hat. 

Wir  vermuten  nun,  dass  das  Werk  Stolles  folge ndermassen  ent- 
standen ist: 

1)  St.  1-195,  mit  wenigen  Ausnahmen,  nach  Rothe,  mit  Be- 
nutzung der  historia  Pistoriana  und  Eccardiana.    Daran  anschliessend 

2)  St.  196  u.  197  Hindeutung  auf  don  sächsischen  Bruderkrieg  und  Er- 
zählung  eines  Ereignisses,    das    in    Stolles  Jugend  gespielt  hat. 

3)  St.  218  das  lateinische  Sammelsurium  chronikalischer  Notizen, 
219—223  Einzelheiten,  auch  Erfurtensia.  4)  Die  mappa  mundi  St.  224. 
5)  Die  Prophezeiungen  St.  225.    Alles  dies  entstand  nicht  vor  1477 


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Einleitung. 


11 


(mit  Ausnahme  der  mappa,  1458  abgeschrieben),  wahrscheinlich  erst  in 
den  achtziger  Jahren  des  15.  Jahrhunderts,  mit  Benutzung:  a.  schrift- 
licher Quellen:  Rothe  (daneben  die  hist.  Pistor.  u.  Eccard.),  Peters- 
chronik (St.  65.75.98.  118.  119.  121.  131.  132.  135.  136),  der  Reinhards- 
brunner  Chronik  (St.  75.81. 121),  der  Annales  Erford.  (St.  75),  Annales 
Erphesfurdenses  fratrum  praedicatorum  (St.  118. 119),  der  Bonifatius- 
legende (St. 71)  und  Dietrichs  von  Apolda  (St.  92).  b.  mündlicher 
Erzählungen  von  Klerikern,  c.  Aufzeichnungen,  welche  Geist- 
liche gemacht  hatten,  und  die  Stolle  als  einem  Kleriker  zugänglich 
waren.  Diese  seine  Auszügo  und  Aufzeichnungen  fortigte  Stolle  zu 
seinem  Vergnügen  an,  teilweise  auch  zu  seiner  Belehrung.  Daneben 
hatte  er  aber  schon  längst  sich  Aufzeichnungen  aus  der  Zeit- 
geschichte gemacht,  besonders  übor  die  Neusser  Fehde,  sein  Mc- 
moriale,  in  welchem  er  sich  als  denkender  Beobachter  des  selbst 
Miterlebten ,  sowohl  was  Reichs-  wie  thüringische  Landesgeschichte 
angeht,  zeigt,  und  wo  er  als  Gosohichtsquolle  wichtig  ist.  Als  Quellen 
für  dieses  sein  Memoriale  benutzte  er  sicherlich  gleichzeitige  Auf- 
zeichnungen, namentlich  aber  mündliche  Erzählungen  von  Augen- 
zeugen, von  Priestern,  geistlichen  und  woltlichen  Studenten.  Kauf- 
leuten, Bürgern,  Bauern,  Wallfahrern,  Reitern  und  anderen  frommen 
Leuten,  wie  er  selbst  sagt  (s.  St.  226,  HS  Bl.  164  u.  St.  228,  HS  Bl.  165*). 

Dieses  Memoriale  ist  also  der  Grundstock  seines  Werkes; 
äusserlicher  Beweis:  das  Memoriale  beginnt  —  ineipit  a.  d.  1474, 
s.  St.  226,  HS  Bl.  164  —  mit  einem  neuen  Blatte  in  der  Handschrift. 
Da  nun  Härtung  Kammermeister,  welcher  den  Rothe  voraussetzt,  in 
seiner  Chronik  mit  dem  Jahre  1468  abschloss  (er  starb  schon  am 
15.  März  1467,  das  Letzte  in  der  Chronik  ist  also  Fortsetzung  eines 
anderen),  Stolle  aber  doch  wohl  von  dem  Vorhandensein  der  Kammer- 
meisterschen  Aufzeichnungen  Kunde  hatte,  ohne  sie  benutzen  zu 
wollen  (s.  unten  in  der  Inhaltsangabe  bei  St. 216),  so  erschien  es  für 
ihn,  der  einen  anderen  Standpunkt  einnahm,  lockend,  nun  seinerseits 
eine  Chronik  zusammenzustellen,  namentlich  auch,  wie  Kammermeister, 
den  sächsischen  Bruderkrieg  darzustellen:  diese  Erzählung  und  die 
von  der  Neusser  Fehde  bilden  darum  zwei  so  kompakte  Massen  in  seiner 
Chronik.  Nachdem  Stolle  erst  dieExcerpte  ans  Rothe  und  was  damit 
zusammenhängt,  besonders  aber  den  sächsischen  Bruderkrieg  seinem 
Memoriale,  mit  Einschaltung  einiger  Zwischenglieder,  vorgeschoben 
hatte,  schloss  er  an  dasselbe  dann  noch  als  letzten  Teil  merkwürdige 
Ereignisse  aus  der  gleichzeitigen  Reichsgeschichte,  aus  der  Geschichte 
Thüringens",  Sachsens  und  Hessens  sowio  der  umliegenden  Länder 
(Franken,  Braunschweig,  Hildesheim)  an,  auch  hier  zeitgenössischen 
Aufzeichnungen  (Briefen,  Zuschriften,  Liedern),  sowie  Berichten  und 


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12 


Einleitung. 


mündlichen  Mitteilungen  folgend  (s.  St.  313. 314. 325. 329. 380. 347).  Später 
trat  die  allgemeine  Geschichte  immer  mehr  in  den  Hintergrund,  und 
die  Aufzeichnungen  laufen  im  grossen  und  ganzen  als  selbst  mit  er- 
lebte thüringisch-erfurtische  Landes-  und  Lokalgeschiehte  aus. 

So  entstand  Stolles  Werk,  nach  unserer  Vermutung,  aus  vier 
grossen  Massen: 

1)  Excerpt  aus  Rothe,  St.  1—195,  spätere  Mittelglieder:  196—197. 

2)  St.  198— 216:  sächsischer  Bruderkrieg:  Zwischenglieder  217—225. 

3)  das  alte  Memoriale,  der  Grundstock  des  Werkes,  St.  226— 315. 

4)  die  spätere  zeitgeschichtliche  Chronik,  St  316—390. 

Wenn  wir  diese  Entstehung  annehmen,  so  erklärt  sich  am  un- 
gezwungensten, was  der  grösste  Fehler  Stolles  ist,  seine  Wieder- 
holungen und  das  fortwährend  zeitliche  Hin-  und  Herspringen,  nicht 
minder  seine  sich  widersprechenden  Angaben  über  sein  Geburtsjahr, 
da  er  beide  erst  im  späteren  Alter  machte,  s.  ob.  S.  2 — 3. 

Das  Werk  selbst  ist  im  Erfurter  Dialekt,  der  heimatlichen  Mund- 
art Stolles,  geschrieben,  welche  Eduard  Brandis  (im  Erfurter  Oym- 
nasialprogramm  1892:  Zur  Lautlehre  der  Erfurter  Mundart,  I,  S.  3)  so 
charakterisiert:  „Die  Erfurter  Mundart  ist  ein  Zweig  der  durch  ganz 
Mitteldeutschland  sich  hinziehenden  mitteldeutschen  Volkssprache 
und  bildet  somit,  aus  Oberdeutsch  und  Niederdeutsch  gemischt,  den 
Übergang  vom  Oberdeutschen  (Fränkischen)  zum  Niederdeutschen 
(Plattdeutschen):  diese  Mundart  ward  in  Erfurt  bis  zum  Anfange  dieses 
[des  19.J  Jahrhunderts  allgemein  gesprochen,  auch  von  den  Gebildeten." 
Stollo  war  nun  ein  Sohn  des  Volkes,  und  auch  als  Geistlicher,  der 
fast  täglich  Beichte  hören  musste,  blieb  er  mit  der  Volkssprache 
im  innigsten  Zusammenhange.  So  ist  seine  Sprache  wohl  das  un- 
verfälschteste Erfurtisch;  dazu  ein  ebenso  wichtiger  als  interessanter 
Vertreter  des  Mitteldeutschen,  dessen  Grammatik,  wenn  sieden 
Stollo  noch  systematischer  als  bisher  ausnutzt,  und  sie  kann  dieses 
nunmehr  auf  Grund  des  vorliegenden  authentischen,  weil  diplomatisch 
genau  und  nach  kritischen  Grundsätzen  hergestellten  Textes,  aus  ihm 
die  mannigfachste  Bereicherung  und  tiefgehendste  Anregung  finden 
wird.  Darum  verdient  die  Chronik  von  Stolle  eine  Neuherausgabe, 
welche  vielmehr  die  erste  Gesamtausgabo  ist. 

Hesse  giebt  nur  etwa  die  Hälfte  des  Stolleschen  Textes,  und  zwar 
von  rein  historischem  Standpunkt  ausgewählt  'und  mit  wesentlichen 
Mängeln  behaftet,  wie  unser  Vorwort  zu  zeigen  sich  bemühte, 
während  unsere  Gesamtausgabo  sich  sowohl  der  geschichtlichen 
wio  der  sprachlichen  Erklärung  zugewendet  hat 

Ist  Stolles  Werk  nun  von  der  sprachlichen  Seite  aus  als  ein 
hoch  beachtenswertes  zu  bezeichnen,  so  ist  seine  Bedeutung  von 


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i 


Einleitung. 


13 


historischem  Standpunkte  aus  natürlich  eine  viel  geringere, 
doch  gehört  es  zu  den  besseren  Chroniken  des  15.  Jahrhunderts. 
Für  die  ältere  Zeit  neben  Rothe  wertlos,  der  selbst  nur  relativen 
Wert  besitzt,  und  unselbständig,  nimmt  sein  Wert  im  Verlaufe 
der  Erzählung  zu,  so  dass  es  da,  wo  es  zeitgenössische  Zeit-  und  Reichs- 
geschichte, namentlich  thüringische  Territorial-  und  Erfurter  Lokal- 
geschichte bringt,  in  dieser  Reihenfolge  in  steigendor  Linie  als  Quelle  hoch- 
bedeutsam wird,  besonders  da  der  Verfasser  eine  gute  Beobachtungs- 
gabe besitzt  und  wahrheitsliebend  ist.  Daraus  orgicbt  sich  aber  auch 
seine  Bedeutung  für  die  K u lt Urgeschichte:  hier  liegt  Stolles 
Hauptverdienst,  da  er  für  die  Erkenntnis  von  vielem,  namentlich  von 
Sitten  und  Gebräuchen,  unentbehrlich  ist,  anderes  ohne  ihn  unver- 
ständlich bliebe  oder  unbekannt  wäre,  namentlich  was  die  wirtschaft- 
lichen und  socialen  Verhältnisse  des  15.  Jahrhunderts  betrifft,  welche 
er  für  eine  damals  so  hochbedeutende  Stelle,  wie  sie  in  jenem  Jahr- 
hundert die  Stadt  Erfurt  einnahm,  schildert. 

§  2.   Inhalt  der  Chronik. 

I.  Hauptmasse. 

Zuerst  hat  Stolle  die  Chronik  Joh.  Rothes  benutzt,  doch  schreibt 
er  diesen  in  der  Weise  aus,  dass  er  sich  nur  an  ihn  hält  und  ihn  so 
zusammenzieht  (manchmal  aus  10—15  Stücken  Rothes  entsteht  eins 
bei  Stolle),  dass  er  kaum  den  vierten  Teil  von  dem  bringt,  was 
Rothe  hat.  Namentlich  die  allgemein  historischen  Partien,  auch  die 
Kaiser-  und  Papstgeschichten,  sind  fortgelassen  oder  doch  sehr  be- 
schränkt. Während  Rothe  mit  der  Erschaffung  der  Welt  beginnt, 
fängt  Stolle  mit  Noah  an.  Stück  1:  Noah,  die  Sintflut;  seine  Söhne, 
das  babylonische  Reich  und  dor  Turmbau  zu  Babel ;  das  Schicksal  des 
babylonischen  Reiches;  Gründung  von  Trier,  von  Rom;  Julius  Caesar, 
dessen  Eroberung  Deutschlands;  Bau  der  deutschen  Städte  und  Be- 
siedelung  Deutschlands  (wirres  Durcheinander).  2:  Wie  die  Römer 
ihren  Kaiser  Octavian  als  Gott  anbeten  wollten.  3:  Christi  Geburt. 
4:  Herodes.  5  u.  6:  Christi  Leben,  Zeichen  und  Wunder.  7:  Natür- 
liche Wunder  auf  Erden.  8  —  10:  Kaiser  Octavian  und  Tiberius,  ihre 
Thaten.  11:  Die  Könige  Herodes.  12—15:  Die  (fabelhafte)  Geschichte 
des  Pilatus.  16—18:  Desgl.  des  Verräters  Judas.  19—20:  Vespasian, 
Titus,  die  Eroberung  Jerusalems.  21:  Kaisor  Gajus  und  mehrere 
Wundergeschichten,  teilweise  mit  biblischen  Anklängen  (b.  50  n.  Christ). 
Von  jetzt  ab  folgt  der  Hauptsache  nach  deutsche,  im  besonderen 
thüringische  Geschichte.  22:  Kampf  der  Thüringer  und  Sachsen 
(28  n.  Christ.).  23:  König  Meiwig  von  Thüringen  (430).  24:  Bau  von 
Henneberg  (458).  25:  Geschichte  der  11000  Jungfrauen  (458).  26:  Ein- 


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Einleitung. 


Wanderung  der  Grafen  von  Sehwarzburg  und  Gleichen  in  Thüringen. 
27:  Bau  der  Feste  Brandenberg  an  der  Werra  und  anderer  thüringischer 
Schlüsser  und  Ortschaften.  28:  Untergang  des  thüringischen  König- 
tunis durch  die  Kämpfe  bei  Burgscheidungen  (516— 520).  28a:  Stol- 
berg (530).  29:  König  Tagobert  und  seine  Kinder  in  Thüringen  (55*2). 
30:  Wie  das  Kaisertum  an  die  Deutschen  kommt  (000).  31:  Kaiser 
Karl.  32:  Kampf  mit  den  Ungarn  (919,  ausführlicher  als  Rothe). 
33:  Bekehrung  Böhmens  zum  Christentum  (920).  34:  Einfall  der 
Ungarn  in  Thüringen  (933).  35:  Thüringen  fällt  dem  Erzbischof  von 
Mainz  zu.  30:  Kaiser  Friedrich  I.  (1152).  37:  Die  heiligen  drei 
Könige  kommen  nach  Köln  (1159).  38:  Unglücksfall  im  weissen 
Hause  zu  Erfurt  (1 185).  39:  Die  Unstrut  trocknet  aus  1. 1195).  40:  Salza 
wird  gebaut  (1211).  41 — 62:  Die  erste  Reihe  von  Erzählungen  über 
Landgraf  Ludwig  den  Heiligen  und  die  heilige  Elisabeth,  nebst  Zeit- 
geschichte (46:  der  turnierende  Ritter  von  Settelstedt).  63:  Kreuzzug 
Kaiser  Friedrichs  II.  (1227);  Empörung  seines  Sohnes  Heinrich; 
weiteres  vom  Kaiser.  64:  Von  Juden  und  Ketzern  (1228  u.  1229); 
Bannung  Kaiser  Friedrichs  II.  (1230)  ;  kalter  Winter  (1232).  65:  Streit 
zwischen  Erfurt  und  der  Geistlichkeit  daselbst  wegen  der  Bestrafung 
eines  Klerikers  durch  das  weltliche  Gericht  (1324,  nach  der  Peters- 
chronikj.  66:  Streit  zwischen  den  zwei  gegnerischen  Bischöfen  Heinrich 
(von  Virneburg),  Erzbischof  von  Mainz,  und  Balduin,  Erzbischof  von 
Trier  (1330).  68:  Hungersnot  in  Deutschland  und  die  Geschichte 
Hattos  von  Mainz  (974).  68:  l'ngarnzüge  nach  Deutschland  (981). 
69:  Kaiser  Heinrich  II.  (1002).  70:  Bekehrung  Ungarns  zum  Christen- 
tum (1015).  71:  Bonifatius  (aber  chronologische  Verwirrung,  Boni- 
fatius als  sagenhafte  Gestalt,  teils  nach  der  legenda  Bonifacii  verna- 
cula,  teils  nach  Rothe).  72:  Von  dem  ersten  Landgrafen  Ludwig  mit 
dem  Barte  (1050).  73:  Ludwig  der  Springer  (1075.  Iü84.  1088.  1089. 
1090.  1 123).  74:  Belehnung  des  Landgrafen  Ludwig  (III  )  von  Thüringen 
durch  den  Kaiser  Lothar;  Anfang  des  Cistercienserordens.  75:  Thron- 
streitigkeiten der  böhmischen  Fürsten  (1126  —  nacli  den  Annales 
Erphesfurd.,  auch  der  Peters-  und  Reinhardsbrunner  Chronik).  76: 
Landgraf  Ludwig  I.  belehnt  seine  Kinder  (fabelhaft  —  chronologische 
Verwirrung;  dieser  Landgraf  Ludwig  stirbt  1149;  Bau  des  Klosters 
Georgenthal  1142).  77:  Ein  harter  Winter  (1150).  78:  Ludwig,  der 
eiserne  Landgraf  (1151.  1153  —  Rothe  und  bist.  Eccard.).  79:  Um- 
mauerung  Erfurts  (1154);  Kämpfe  unter  Kaiser  Friedrich  1.  und  Er- 
oberung Erfurts  durch  Landgraf  Ludwig  (n.  Rothe  u.  bist.  Eccard.). 
80:  Landgraf  Ludwig  der  Eiserne  (bis  z.  s.  Tode).  81:  Von  der  Seele 
Ludwigs  des  Eisernen;  Lindgraf  Ludwig  der  Milde;  Bau  der  St. 
Georgenkirche  zu  Eisenach  (1191);  Auffindung  der  Hostie  im  Dorfe 


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Einleitung.  15 

♦ 

Bechstedt  bei  Erfurt.  82:  Ein  Wunderzeichen  durch  die  heilige 
Hostie  (1191).  83—  1U8:  Die  zweite  Reihe  der  Erzählungen  über  Land- 
graf Ludwig  den  Heiligen  und  die  heilige  Elisabeth  (meistens  nach  Rothe, 
aber  auch  nach  der  vita  St.  Elisabethae,  der  bist.  Eccard.,  und  Dietrichs  von 
Apolda  Leben  der  heil.  Elisabeth),  darin  eingeschaltet:  8(5:  Stiftung  des 
Prediger-  und  Barfüsserordens  (1212);  Bau  des  Klosters  Schipplitz(1213); 
87:  des  Katharinenklosters  zu  Eisenach  (1215).  95:  Glockenguss  zu  Eise- 
nach (1222).  97:  Die  Barfüsser  kommen  nach  Erfurt  (1224).  98:  Feuer 
in  Erfurt  (1222  —  nach  der  Peterschronik).  —  Weiter  109:  Landgraf 
Heinrich  Raspe  erobert  die  Burg  auf  dem  Ettersberge  (1228).  llU:  Streit 
zwischen  dein  Erzbisehof  Siegfried  III.  von  Mainz  und  dem  jüngeren 
Landgrafen  von  Thüringen  Conrad  nebst  der  Belagerung  und  Zer- 
störung Fritzlars  (1232).  III:  Busse  des  Landgrafen  Conrad  (1233). 
112:  Einnahme  von  Vieselbach  und  Bestrafung  des  Grafen  Heinrich 
von  Gleichen  durch  den  Landgrafen  Heinrich  Raspe  (1234).  113:  Tod  des 
Sohnes  der  h.  Elisabeth  Hermann  (1241).  114:  Landgraf  Heinrich 
Raspe,  Gegenkönig  Friedrichs  II.  (1247).  llö:  Heimfall  Thüringens  an 
die  Markgrafen  von  Meissen;  der  thüringische  Erbfolgekrieg  (1247 
bis  1262:  als  Jahreszahl  ist  nur  1258  erwähnt,  kurz  und  oberflächlich). 
116:  Kampf  zwischen  Herzog  Albrecht  von  Braunschweig  und  Mark- 
graf Heinrich  von  Meissen  (1263).  117:  Feuer  zu  Erfurt  und  anderswo 
(1246).  118:  Gründung  der  heiligen  Brunnenkirche  zu  Erfurt  (1248- 
Annales  Erphesf.  fratr.  praedic.  und  Peterschronik).  119:  Weihe  der 
Erfurter  Domkirche  (1253  —  ebenfalls  n.  d.  Ann.  Erph.  fr.  praed.  u.  der 
Peterschronik).  12():  Grosses  Unwetter  in  Thüringen  (1261 ).  121:  Zug 
nach  dem  heiligen  Lande  (nach  der  Peters-  und  Reinhardsbrunner 
Chronik  —  es  sind  die  zwei  letzten  Kreuzzüge  gemeint,  1266  u.  1269). 
122:  Übertragung  der  Gebeine  des  heiligen  Stephan  nach  Rom  (558  — 
Quelle  unbekannt).  123:  Teilung  von  Thüringen  (1265).  124:  Ver- 
mählung des  Landgrafen  Albrecht  von  Thüringen  mit  Margarethe,  der 
Tochter  des  Kaisers  Friedrich  IL;  die  zwei  Söhne  Albrechts.  125:  Un- 
treue desselben  gegen  seine  Gemahlin  (1269).  126:  Zerstörung  von 
Brutena  (I27ü  —  arges  Missverständnis,  für  den  blutigen  Preussen- 
aufstand  gegen  den  deutschen  Orden  1261  u.  folgd.  Jahre) ;  Erzählung 
von  einem  harten  Winter;  Eroberung  von  Accon  (falsch:  Erath —  1291 
—  wieder  arge  chronologische  Verwirrung);  Sedisvaeanz  nach  dem 
Tode  des  Papstes  Clemens  IV.  127:  Teuerung  (1271).  128:  Miss- 
geburten in  Erfurt  und  Reinhardsbrunn  (1276  —  auch  im  Erphord. 
antiquitatum  variloquus).  129:  Interdikt  in  Erfurt  (1278).  130:  Mord 
eines  Christenkindes  durch  die  Juden  in  Mainz  (1284).  131:  Donner, 
Hagel  und  Regen  (1284  —  nach  der  Peterschronik).  132:  Verlegung  der 
Peterskirmess  in  Erfurt  (1286  —  nach  der  Peterschrouik).  133 :  Feuer  in 


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16 


Einleitung. 


Erfurt  (1290).  134:  Brand  des  Klosters  Roinhardsbrunn  (1292).  135: 
2  Feuor  in  Erfurt  (1296  u.  1297  —  nach  der  Peterschronik).  13(5:  Ermor- 
dung eines  Christenknaben  durch  die  Juden  in  Weissensee  (1303  —  auch 
nach  der  Peterschronik).  137 :  Landgraf  Albrecht  will  seine  Länder 
seinen  legitimen  Kindern  entziehen  (1294);  Verkauf  Thüringens  an  den 
deutschen  König  Adolf  (1296).  138:  Tod  der  unebonbürtigen  Gemahlin 
des  Landgrafen  Albrecht,  Kunigunde  v.  Eisenberg,  und  ihres  Solines  Apetz 
(1297);  Albrecht  bleibt  seinen  Söhnen  feindselig  gesinnt;  Vermählung 
mit  Elisabeth  von  Arnshaugk,  Raub  von  deren  Tochter  durch  den 
jungen  Landgrafen  Friedrich  und  Vermählung  beider  (1300):  Zerstörung 
von  Hopfgarten;  Christenmord  in  Weissensee  (wiederholt";  Kampf 
gegen  die  Burggrafen  von  Kirchberg  (1301).  139:  Landgraf  Friedrich 
der  Freidige  erobert  die  Wartburg  (1306).  140:  Kampf  zwischen  dem 
deutschen  König  Albrecht  und  dem  Landgrafen  Friedrich  (1307  und 
1308).  141:  Kampf  zwischen  Landgraf  Friedrich  und  Erfurt  (1309. 
1311. 1312.  1316).  142:  Gefangennahme  des  Landgrafen  Friedrich,  seine 
Befreiung,  Kampf  mit  Erfurt  (1317);  des  alten  Landgrafen  Albrecht 
Leben  und  Tod  in  Erfurt.  143:  Die  Wartburg  wird  vom  Blitze  ge- 
troffen (1318);  Thaton  Friedrichs  des  Froidigen.  144:  ,,Spiel  von  den 
10  Jungfrauen*4  in  Eisenach;  Erkrankung  des  Landgrafen  Friedrich 
dabei  (1322).  145:  Tod  Friedrichs  des  Freidigen;  seine  Familie. 
140:  Fehde  der  Herren  von  Treffurt  mit  dem  Landgrafen  (1327). 
147:  Abenteuer  dos  Grafen  Heinrich  VI.  von  Treffurt  (1328).  148: 
Bau  des  Wendelsteines  (1332).  149:  Krieg  zwischen  Erfurt  und  dem 
Landgrafen  Friedrich  II.  (1336).  150  u.  151:  Thüringischer  Grafeukrieg 
(1342—1345).  152:  Verkauf  der  Herrschaft  Salza  (1346);  der  falsche 
Waldomar  in  Brandenburg.  153:  Wahl  des  Grafen  Günther  von 
Schwarzburg  als  Gegenkönig  Karls  IV.  (1348).  154:  Landgraf  Fried- 
rich 11.  und  seine  Familie.  155:  Der  schwarze  Tod  in  Thüringen; 
Judenmord  (1349).  156:  Die  Geisseibrüder;  das  goldene  Jahr  in  Rom 
(1350).  157:  Krieg  des  Kaisers  Karl  IV.  und  des  Landgrafen  Fried- 
rich III.  gegen  die  Reussen  von  Plaue  (1357).  158:  Krieg  des  Land- 
grafen Friedrich  III.  gegen  den  Abt  zu  Fulda  (1361).  159:  Krieg  des 
Landgrafen  Friedrich  III.  von  Thüringen  gegen  den  Herzog  Albrecht  III. 
von  Braunschweig  (1365);  dazu  verworrene  Nachrichten  über  Kriegs- 
züge der  Landgrafen  Balthasar  und  Wilhelm.  160:  Erdbeben  (1366). 
161 :  Die  Erfurter  kaufen  die  Wachsenburg  und  Schwarzwald  (1366). 
102:  Kampf  der  Stadt  Nordhausen  gegen  die  Grafen  von  Hohnstein 
(1308);  Wilhelm,  Sohn  des  Landgrafen  Friedrich  III.  begleitet  Kaiser 
Karl  IV.  auf  dessen  2.  Römerzuge  (1367  -  69).  163:  Verkauf  Sanger- 
hausens an  Horzog  Otto  von  Braunschweig  (1369).  164:  Bürger- 
unruhen in  Nordhausen  (1369).    165:  Entehrung  einer  Erfurter  Bürger- 


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Einleitung. 


17 


frau  durch  den  Burggrafen  von  Kirchberg;  Tötung  desselben  dafür 
(1369).  166:  Kämpfe  in  Thüringen  (1371  —  arge  Verwechslungen). 
IGT:  Kampf  zwischen  Herzog  Otto  von  Braunschweig  und  dem  Thü- 
ringer Landgrafen  Balthasar,  wegen  der  Hessischen  Erbschaft  (1372). 
168:  Krieg  zwischen  den  2  gegnerischen  Erzbischöfen  von  Mainz, 
Ludwig  von  Thüringen  und  Adolf  von  Nassau,  in  welchem  auch 
zwischen  Erfurt  und  den  Thüringer  Landgrafen  Friedrich  III.,  Balthasar 
und  Wilhelm  gekämpft  wurde  (1374);  Tod  Friedrichs  des  Freiholdigon 
(1381).  169:  Tod  des  Erzbischofs  Ludwig  von  Mainz  (1382).  170: 
Eroberung  von  Brandenfels  (1382).  171:  Erlöschen  des  Grafenhauses 
von  Keffernburg  (1386).  172:  Weitere  Erbfolgestreitigkeiten  in  Hessen 
(1386).  173:  Kampf  in  Thüringen  und  Franken  wegon  Tötung  eines 
thüringischen  Bauern  durch  einen  Erfurter  Bürger  (1389 — 1399). 
174:  Überschwemmung  in  Eisenach  (1390).  175:  Kauf  einiger  Städte 
in  Böhmen  [und  Sachsen]  durch  die  Thüringer  Landgrafen  (1398k 
176:  Wölfe  fressen  Kinder  und  Mädchen  in  Thüringen  (1399).  177: 
Zug  gegen  König  Wenzel  von  Böhmen  seitens  des  Markgrafen  Jobst 
von  Mähren,  dem  sich  die  wettinischen  Markgrafen  anschlössen  (1401). 
178:  ein  Komet  (1402).  179:  Tod  des  Landgrafen  Balthasar  (1406;  — 
richtig:  1404).  180:  Regierung  seines  Sohnes  Friedrichs  des  Ein- 
fältigen (reg.  1404—1440).  181:  Hussitenkämpfe  (1426).  182:  Thü- 
ringens Teilung  (1376).  183:  Das  (irafengeschlecht  von  Keffernburg 
stirbt  aus  (1385,  s.  oben  171);  Bauern  und  Juden  (1390).  184:  Das 
goldene  Jahr  zu  Meissen  (1393).  185:  Grosses  Sterben  in  Eisenach 
(13W);  Fehde  der  Herren  von  Heldrungen  gegen  Erfurt.  186:  Feuer 
zu  Erfurt  (1396).  187:  Lengefeld tsche  Fehde  (1396,  in  Wahrheit: 
1394-1399).  188:  Heldrunger  Fehde  (1410).  189:  Geburt  Friedrichs 
des  Sanftmütigen  (1410).  HM)  u.  191:  Feuer  zu  Erfurt  (1413  u.  1416  — 
lokale  Tradition).  192:  Brand  der  Erfurter  Domkircho  (1416  —  nach 
lokaler  Tradition  und  Rothe).  193:  Verbrennung  eines  Juden  in  Er- 
furt (1418  —  lokale  Tradition).  194:  Feuer  in  Erfurt  (1422  —  lokale 
Tradition).  195:  Des  Räubers  Nicolaus  Tal  man  Gefangennahme  und 
Hinrichtung  in  Erfurt  (1429). 

Hier  schliosst  Rothe  als  Quelle  für  Stolle.   Bisher  war  alles  nach 
Rothe,  ausgenommen  die  Stücke:  32.  70.  78.  79.  83—108.  128.  136.  181. 
192.  193,  wo  neben  Rothe  noch  eine  andere  Quelle  nachgewiesen  ist. 
.  Nicht  nach  Rothe  waren:  St.  122  (Quelle  unbekannt);  190  u.  191  gehen 

auf  lokale  Tradition  zurück;  andere  Quellen  sind  nachgewiesen  für 
St.  65.  75.97. 118. 119. 121. 131.  132.  135.  Hinsichtlich  der  Quellen  Rothes 
verweisen  wir  auf  die  Quollenuntersuchung  Lilienkrons  in  s.  Ausgabe 
Rothes  S.  XIII— XXV,  welche  auch  Holder-Egger,  Studien  z.  thüring. 
Geschichtsquellen,  N.  A.  XX  S.  4 16 f.  als  richtig  anerkannt  hat.    So  ab- 

• 


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18 


Einleitung. 


hängig  Stolle  auch  von  Rothe  ist,  so  behandelt  er  doch  manches 
selbständig,  kürzt  meistenteils,  doch  setzt  er  auch  zu  und  berichtigt 
Irrtümer,  namentlich  in  Zahlen. 

Von  nun  an  schreibt  Stolle  aus  eigener  Erinnerung  und  mit  Be- 
nutzung der  ihm  zu  Gebote  stehenden  schriftlichen  Aufzeichnungen, 
die  er  in  der  verschiedensten  Weise  sich  zu  verschaffen  wusste,  wie 
oben  dargelegt  ist  und  im  Kommentar  zu  den  betreffenden  Stücken 
im  einzelnen  nachgewiesen  werden  wird. 

Mittelgl  ieder. 

St.  196:  Krieg  des  Kurfürsten  Friedrich  und  des  Herzogs  Wilhelm 
von  Sachsen  gegen  Magdeburg  (1440).  197:  Verunglückter  Versuch 
eines  Prager  Ratsherrn,  Prag  in  die  Hände  der  polnischen  Partei  zu 
spielen  (1440). 

II.  Hau ptmasse. 

St.  198— 201  u. 204-215:  Der  sächsische  Bruderkrieg  (1445—1451) 
und  die  Vitzthumschen  Wirren  (1451),  darin  202  u.  203  die  Soester 
Fehde  (1447).  216:  Wallfahrt  Herzogs  Wilhelm  von  Sachsen  nach 
Palästina;  Namen  seiner  Begleiter  J461). 

Konstatiert  sei  hier  noch  einmal,  dass  Stolle  die  Chronik  Härtung 
Kammormeisters  nicht  benutzt  hat.  Kammermeister  steht  auf  bürger- 
lichem Standpunkte,  welcher  noch  dazu  durch  seine  frühere  amtliche 
Stellung  als  (n:leitsmann  der  sächsischen  Fürsten  beeinflusst  wird, 
nicht  minder  durch  seine  hohe  amtliche  Stellung  in  Erfurt  (im  Rate, 
ja  oberster  Ratsmeister);  Stolle  steht  anf  dem  Standpunkte  des  Kleri- 
kers. Aber  merkwürdig  ist  zu  beobachten,  wie  verschieden  beide 
kirchliche  Zustände,  Einrichtungen  und  Massnahmen  beurteilen: 
Kammermeister,  der  IjJÜo,  ist  viel  demütiger  der  Kirche  ergeben,  z.  B. 
beim  Jubeljahr  1450  und  dem  damit  verbundenen  Ablass,  speziell  dem 
für  Erfurt  gewährten.  Stolle,  selbstverständlich  sonst  ein  gläubiger 
und  frommer  Priester,  steht  jedoch  auf  dem  Standpunkte  des  Welt- 
geistlichen, welcher  seine  lokale  Stellung  hochhält  und  gegenüber 
Verordnungen  von  aussen,  und  kämen  sie  selbst  vom  heiligen  Stuhle 
in  Rom,  sich  mehr  ablehnend  verhält,  so  z.  B.  beim  Jubeljahr  1450, 
das  er  nur  kurz  erwähnt. 

Zwischenglieder. 

St.  217:  Über  den  Tod  des  utraquistischen  Erzbischofs  von  Prag 
Johann  Rockvzana  (1471).  218:  Lateinische  chronikalische  Notizen, 
ohne  jeden  historischen  Wert;  die  Quellen  sind  nachgewiesen :  Uiruppe 
aus  den  Cronicae  Erforderndes  Engelhusanae,  die  2.  Gruppe  aus  dem 
liber  cronicorutn:  die  letzte  Notiz  orwähnt  noch  einmal  die  Soester 
Fehde,  erzählt  also  Selbsterlebtes.    Dasselbe  gilt  sowohl  von  219  (Int): 


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Einleitung. 


19 


Sächsischer  Bruderkrieg  und  Vitzthumsohc  Wirren,  als  auch  von  220: 
(lat.):  Eroberung  von  Konstantinopel  (1453)  und  Untergang  des 
griechischen  Kaisertunis  durch  die  Türken,  und  Erzählung  der  Über- 
führung des  Hauptes  des  heiligen  Andreas  nach  Koni  (1462),  was 
Stolle  selbst  sah. 

Mit  St.  221  lenkt  Stolle  wieder  zur  selbsterlebten  thüringischen 
Territorial-  und  Erfurter  Lokalgoschichte  zurück:  Erscheinung  eines 
Kometen  (1472);  mehrere  IYiostererniordungen  in  der  Umgegend  von 
Erfurt;  der  grosse  Brand  von  Erfurt  (1472),  über  welchen  er  in  St.  222  ein 
lat.  Oedicht  anschliesst.  223:  Priostermord  in  Obermehler  (1472) ;  Feuer  in 
Naumburg.  Artern  (1473)  und  Weissensee  (1474).  224:  Legenden  der  mappa 
mundi  Mantuana.  225:  Prophezeiungen,  die  sich  auf  1582  —  15,88  beziehen. 

III.  Hauptmasse. 

Nun  beginnt  das  alte  Memorialc.  St.  22G— 258:  Die  Neusser 
Fehde  (1474  — 1475),  nach  Berichten  von  Teilnehmern  und  Augenzeugen, 
(St  259  flicht  den  Kampf  zwischen  König  Matthias  von  Ungarn  und 
dem  polnischen  Könige  Kasimir  und  seinem  zum  böhmischen  Königo 
erwählten  Sohn  Wladislaus,  1471  1479,  ein,  um  auch  die  Kriegs- 
unruhen zu  schildern,  die  im  Osten  ebenso  tobten  wie  im  Westen) 
und  St.  260— 310  mit  Schilderung  aller  Wirren  am  Kheine  und  mit  einem 
nochmaligen  Blicke  auf  den  Osten  (St.  282).  311:  Rückkehr  des  er- 
furtischen Hilfscorps  von  Neuss.  312  —315:  Die  Letzten  Lebensschick- 
sale und  der  Tod  des  Herzogs  Karl  des  Kulmen  von  Burgund,  wobei 
zwei  Liistorische  Volkslieder  (313  u.  3I4|  mitgeteilt  werden. 

IV.  Hauptmasse. 

Es  folgt  nun  die  spätere  zeitgeschichtliche  Chronik.  Denn  mit 
St  31b*  kehrt  der  Chronist  wieder  in  die  Heimat  zurück:  Schilderung 
eines  harten  Winters  und  der  Heise  Stolles  mit  seinem  Confrater 
Linderbach  nach  Koni  (1477).  Es  kommen  dann  mehrere  kultur- 
geschichtlich wichtige  Schilderungen :  St.  317:  ein  Schützenfest  in  Erfurt 
(1477)  mit  einer  Ulückstopf-Lotterie.  318:  Die  walirliaft  krankhaften 
Wallfahrten  nach  dem  „heiligen  Blut"  zu  Wilsnack  (1475).  'MS):  Die 
Wirren  zu  Niclashausen  (147ö),  wo  aus  niedriger  Habsucht  der  Orts- 
pfarrer und  einige  benachbarte  Pidelleute  einen  hirnverbrannten  Pfeifer 
aufgestachelt  hatten,  Wundorerscheinungen  zu  erzählen,  woran  er 
kommunistisch -revolutionäre  Lehren  auf  kirchlichem  wie  auf  staat- 
lichem Gebiete  anknüpfte,  ein  Aufruhr,  welcher  nur  mit  Mühe  und 
nicht  ohne  viel  Blutvergiessen  gedämpft  werden  konnte. 

Es  folgt  nun  Erfurter  Lokalgeschichte.  St  320:  Entweihung  des 
Erfurter  Domes  durch  den  blutigen  Streit  zweier  Chorschüler,  neue 

2* 


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20 


Einleitung. 


Weihe  desselben  (1476).  321  u.  322:  Qlockenguss  zu  Erfurt  für  den 
Dom  und  die  Severikirche  (1477  u.  1473).  Territorialgeschichtlich  be- 
handelt St.  323  den  Kampf  der  sächsischen  Brüder,  Kurfürst  Friedrich 
und  Herzog  Wilhelm  von  Sachsen  gegen  Quedlinburg  (1477)  und  324: 
Oberfall  der  Stadt  Nordhausen  durch  reissige  Leute  des  Harzer  Kitters 
von  Reynstein  (1477). 

St.  325  erzählt  die  Verschwörung  der  Pazzi  in  Florenz  gegen  die 
Mediei  und  die  Ereignisse  des  blutigen  26.  April  1478,  nach  zwei 
verschiedenen  Berichten,  einem  Nürnberger  und  einem  Meissener. 

St.  326  führt  wieder  in  die  Heimat.  Schilderung  der  Wirren  zwischen 
Erzbischof  Diether  von  Mainz  und  Erfurt  (1476—1480),  woran  sich  327 
die  extractive  Wiedergabe  der  zwei  Anschläge  reiht,  durch  welche 
Erzbischof  Diether  in  allen  deutschen  Landen  verkünden  Hess,  dass 
Erfurt  keine  freie,  sondern  des  Erzbischofs  Stadt  sei,  wogegen  328  die 
zwei  Erfurter  Entgegnungen  bringt,  auch  329  ein  im  Erfurter  Inter- 
esse verfasstes  Lied  des  Henze  Gutjar  über  denselben  Streit 

St.  330  flicht  Nachrichten  über  Verheerungen  durch  Heuschrecken- 
schwärme in  Ungarn  ein  (1474).  331 :  Wirren  wegen  der  Aufhebung 
einer  Leiche  unweit  Erfurt  zwischen  dem  Herzog  Wilhelm  von 
Sachsen  und  Erfurt  (1471),  dann  zwischen  Nordhausen  und  den 
thüringischen  Grafen  (in  Wahrheit  1464—60,  Friede  erst  1490),  endlich 
Krieg  zwischen  Erzbischof  Diether  von  Mainz  und  dem  Grafen  Johann 
von  Wertheim,  Brand  von  Mainz  und  Plünderung  eines  Erfurter 
Bürgers  durch  Konrad  von  Witzleben  (dieso  Ereignisse  fanden  wirklich 
14*0-1481  statt).  Auf  das  grosse  Welttheater  führt  wieder  St.  332: 
Siegreiche  Verteidigung  von  Rhodus  gegen  die  Türken  (1480):  ein- 
geflochten ist  333 :  Friede  zwischen  Erfurt  und  den  sächsischen  Fürsten, 
Kurfürst  Friedrich  und  Herzog  Wilhelm  (1483),  aber  St  334  bringt  die 
'  Citation  des  Erzbischofs  Andreas  von  Krain  an  Papst  Sixtus  IV.  vor 
ein  allgemeines  Concil,  das  zu  Basel  abgehalten  werden  soll  (1482). 
Dann  folgt  wieder  Erfurter  Lokalgeschichte.  335:  Schilderung  einer 
grossen  Procession  (1482);  ferner  Einzelheiten  aus  der  Erfurter  Lokal- 
geschichte: die  Nonnen  vom  Cvriaxkloster  werden  in  das  neue  Kloster 
bei  St.  Andreas  versetzt  (1482),  dort  Einweihung  eines  Chors  (1484), 
Spitze  auf  dem  Predigerturme  (1484),  kirchliche  Bauten  in  der  St.  Severi- 
kirche  (1485).  336:  Sonnenfinsternis,  Feuer  zu  Erfurt  und  Misswachs, 
besonders  des  Weins  (14H5).  337:  Grosse  Überschwemmung  in  Erfurt 
Krieg  zwischen  dem  Bischof  von  Hildesheini  und  seinerStadt  (1485):  Miss- 
wachs  in  Thüringen  (1485).  338:  Sonnenfinsternis,  Misswachs,  Sodomiterei 
in  Walschleben,  Aufrichtung  eines  Kreuzes  vor  dem  Chore  in  der  Dom- 
kirehe  und  der  Turmspitzen  der  Martinskirche  intra  zu  Erfurt  (1486). 
339:  Mondfinsternis,  Feuer  zu  Mühlhausen,  Witterungsverhältnisse, 


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Einleitung. 


Aufrichtung  der  Turmspitzen  auf  dnr  Alleiheiligenkirchc  in  Erfurt 
Missraten  «los  Weins  (1487).  340:  Ermordung  eines  Priesters  zu 
I/mgefeld  (1488).  341:  Goldenes  Jahr,  Proeession  und  Ablass  zu 
Erfurt;  Feuer  zu  Erfurt  infolge  von  Blitzschlag  (1488).  342:  Sonnen- 
finsternis, Witterungsverhältnisse,  Missraten  des  Weins  (1488).  343: 
Mondfinsternis,  Witterungsverhältnisse,  gute  Ernte,  aber  dann  viel 
Kaupen  (1489).  344:  Mondfinsternis,  W itterungsverhältnisse,  Miss- 
wachs, Teuerung,  Krankheiten,  harter  Winter,  Überschwemmung  (1490). 
3lf>:  Sonnenfinsternis,  Frost,  Missraten  des  Weins,  Witterungsver- 
hältnisse; Verbrennen  dos  Leichnams  eines  Selbstmörders;  Getreide- 
preise,  Ausfuhr  von  Getreide  aus  Erfurt;  Brand  in  Groussen:  starke 
Gewitter;  Begräbnis  von  Johann  Bogk  (1490).  340:  Grosser  Sturm  in 
Erfurt  (1491).  347:  Grosse  Überschwemmung,  Witterungs-,  Teurungs- 
und  Steuerverhältnisse  in  Erfurt;  Ausfuhr  von  Getreide.  Bovölkerungs- 
mengo,  Weinmass  in  Erfurt  (1490  u.  1491\  348:  Wirren  zwischen 
Erfurt  und  den  sächsischen  Fürsten;  Weinernte  in  Erfurt  (1491). 
349:  Versuchter  Meuchelmord  an  einem  Erfurter  Bürger  durch  ein 
(fabelhaftes)  Halsband  (1492).  350:  Witterungsverhältnisso  und  Wein- 
ernte in  Erfurt  (1492).  350a:  Friede  mit  Sachsen  (1492);  Kleiderluxus. 
351:  Feuer  in  Erfurt:  zwei  neue  Altarbilder  in  der  Kaufmannskirche 
zu  Erfurt  (1492).  352:  Krieg  um  Braunschweig  (1492).  353:  Mond- 
finsternis, Wittorungsverhältnisse,  Erfrieren  des  Weins,  Ausfuhr  von 
Getreide  aus  Erfurt,  Pilgerzug  des  Kurfürsten  Friedrich  von  Sachsen 
nach  Jerusalem;  Tod  Kaiser  Friedrichs  III.  (1493).  354:  Aufrichtung 
der  Turmspitzen  auf  dem  Dome  zu  Erfurt:  Einschränkung  des  Verkaufs 
von  Fleisch  am  Sonntag  von  9—12  morgens  (1493).  355:  Witterungs- 
verhältnisse, Sonnenfinsternis,  Ernte  und  Lohn  der  Erntearbeiter ;  gute 
Weinernto;  milder  Winter  (1493).  350:  Untreue  und  Flucht  der  Frau 
des  Geleitsmannes  Fridang  von  Wilden  rode  zu  Erfurt  (1492).  357:  Sonnen- 
finsternis (1494).  358:  Mondfinsternis;  Erfrieren  des  Weins  (1494).  359: 
Schwere  Jahre:  1480.1493.1494.  360:  Aufsetzen  der  Turmspitzen  auf  der 
St.  Severikircho  (1494—95).  3(>1 :  Witterungsverhältnisse  (1495) ;  Ernte- 
verhältnisse, Erntearbeit  und  Lohn  der  Arbeiter  (149(i);  iWitterungs- 
verhältnisse;  Vermählung  des  Herzogs  Johann  von  Sachsen;  Witterungs- 
und Emteverhältnisse,  Arbeiter  und  Arbeitslohn  (1497).  362:  Fran- 
zosenkrankheit (Lustseuche)  auch  in  Thüringen  und  Erfurt  (1497). 
363:  Das  Elsternnost  auf  dem  Predigerturmo  zu  Erfurt  (1493  —  harm- 
los witzig).  304  u.  3G5:  Guss  verschiedener  berühmtor  Glocken  zu 
Erfurt  (1497).  3t5ti:  Feuer  in  Erfurt  (1498).  3(J7:  Grosse  Über- 
schwemmung in  Erfurt;  Vertreibung  eines  Busspredigers  in  Erfurt; 
beim  Ehebrüche  wird  ein  Mann  bei  Markvippach  vom  Blitze  er- 
schlagen; Blitzschlag  und  Überschwemmung  (noch  einmal  erwähnt) 


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22  Einleitung. 

in  Erfurt  (1498);  Kleidermoden  von  1480  und  1440  (zurückspringend). 
368:  Steuerverhältnisso  in  Erfurt;  Einweihung  der  Peterskirche  in 
Erfurt;  milder  Winter  (14W).  309-382  bringt  wieder  (34)  einzelne 
lateinische  chronikalische  Notizen,  hauptsächlich  nach  der  historia 
Pistoriana.  383:  Abschrift  a)  des  Amorbacher  Vertrages  vom  3.  Fe- 
bruar 1483,  und  b)  einer  Instruktion  (vom  2.  Februar  14*3)  der  sächsischen 
Herzöge  betreffend  Ausführung  des  Weimaror  Vertrags,  welcher  auch 
das  Datum  des  3.  Februar  1483  hat.  Dann  wieder  Erfurter  Lokal- 
geschichte. 384:  Grosse  Procession  0483).  385:  Feuer  zu  Erfurt 
(1482);  Wirren  mit  den  sächsischen  Fürsten,  welche  Raubritter  gegen 
Erfurt  dingen  (1482,  was  im  folgenden  Jahre  zum  Weimarer  Vertrage 
führte;  die  Verhältnisse  von  Nordhausen  werden  geordnet  (s.  St.  331). 
380:  Steuerverhältnisse  in  Erfurt  (14*3.  1488.  14W).  387:  Abschrift 
dos  Woimarer  Vertrages  vom  3.  Februar  1483.  388:  Turnier  und 
Schützenfest  in  Erfurt  (14%).  381) :  Bestrafung  eines  Vatermörders 
im  erfurtischen  Dorfe  Tiefthal  (14«J7).  3<J0:  Feierliche  Einholung  des 
Kardinals  Raymund  in  Erfurt  (1502). 

8  3.   Die  handttthriMIehe  Überlieferung  der  Chronik. 

1)  lieschreibu ng  der  Handschrift  (IIS). 

Überliefert  ist  uns  Stolles  Chronik  durch  des  Verfassers  Auto- 
graphon:  IIS  von  uns  genannt  Die  Schrift  derselben  ist  eine  deut- 
liche, dicke,  aber  etwas  steife  Kursivo  mit  wenig  Abkürzungen.  Die 
Handschrift  gehört  der  Universitätsbibliothek  zu  Jena  (Zeichen:  S.  q.3). 
Sie  ist  eine  Papierhandschrift,  titellos,  21 1 2  cm  hoch  und  1(3  cm  breit, 
und  enthält  339  Quartblättcr;  die  eigentliche  Chronik  umfasst  318 
Blätter  und  scheint  von  Stolle  allmählich  in  den  späteren  Jahren  der 
zweiten  Hälfte  des  15.  Jahrhunderts  niedergeschrieben  zu  sein,  das 
Sehlussblatt  erst  1502,  also  3  Jahre  vor  seinem  Tode.  Die  Handschrift 
ist  nicht  im  Originalbande:  auf  jeder  Seite  stehen  32—34  Zeilen. 

Vorgeheftet  sind  2  Titelblätter,  von  denen  die  Vorderseite  des 
ersten  und  die  Vorder-  und  Rückseite  des  2.  Blattes  besehrieben  sind. 
S.  I  ist  mit  einem  beschnittenen  Quartblatt  beklebt,  das  einen  ver- 
stümmelten und  daher  nur  teilweise  verständlichen,  aber  sicherlich  nicht 
zur  Sache  gehörenden  lateinischen  Text  enthält,  (11  Zeilen,  darüber 
Aug'),  darunter  steht  in  anderer  Schrift  mit  kräftigen  Zügen: 

Panthaleon  Starklof|f|, 
Eadem  perpetuo  fabula  i[n]  mundo  agitur  mutatis  tantum  personis. 

Blatt  2  steht  :  Der  Ehrnveste  unndt  Achtbare  Herr  Georg  Eekoldt 
vornehmer  Burgere  unndt  Kaufmann  in  Erffurdt,  vorehrote  mir  diss  Ohle 
Buk,  darfur  ich  gantz  danckbar  bin.  Actum.  Denn  10.  Martii  Anno 
Christi  1638.  Casp.  Matthaei 

mppia. 


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Einleitung. 


23 


Neben  dem  Namen  links  stehen  die  Worte:  noch  Gotha  d.  20.  Hart. 
Auf  Hl.  2  Rückseite  stehen  von  derselben  Hand 

Conradiis  Stolle 
so  dise  Chronick  gesehrieben 
Ist  bürtig  gewesen  von  Zimmern  unter  dem  Ettersberge,  hatt  da- 
selbst A.  C.  1446  gewohnet,  und  doinals  IG  Jahr  alt  gewesen.  Vide 
fol.  118». 

Ist  zu  Erffurdt  zu  S.  Severi  in  die  schule -gangen,  fol.  123  \  (Zu- 
satz: item  zu  Saltza,  fol.  12Gb). 

Hatt  gesehen,  wio  man  sich  zu  Ei*ffurdt  zur  Wehre  geschickt,  und 
die  Stücke  auf  die  graben  geführet  hatt,  M.  125*.  (Zusatz:  u.  fol.  288). 

Ist  zu  Saltza  in  die  schule  gangen,  fol.  12G'1. 

Ist  zu  Rom  gewesen,  fol.  155 b. 

Hatt  A.C.  1458  zu  Mantua  die  Mappam  Mundi  abgesehrieben,  fol.  163*. 

Hatt  A.  G.  1474  den  Zug  vor  Neus  und  Burgundisehen  Krieg  be- 
schrieben, fol.  104. 

Ist  Vicarius  zu  St.  Severi  in  Erffurdt  und  zeucht  nach  Rom  A.C. 
1477  fol. 210". 

ftent  sich  nochmals  Vicarium  S.  Severi  fol.  227 b. 

Von  späterer  Haml  sind  noch  Zahlen  zugesetzt,  welche  Seiten  in 
der  Handschrift  bezeichnen,  auf  denen  sich  Stolle  solbst  erwähnt: 
fol.  288,  220,  221,  252,  255,  263. 

Es  folgt  dann  das  Register  (7  Blätter).  Es  ist  zum  Toil  in  Un- 
ordnung geraton,  bietet  nur  die  Kapitelinschriften  und  auch  diese  teil- 
weise anders  als  im  Texte  selbst;  es  reicht  bis  Bl.  247,  d.h.  bis  St.  334 
(die  Gitation  des  Papstes  Sixtus  IV.  vor  ein  allgemeines  Concil);  die 
übrigen  Blätter  seheinen  verloren  gegangen  zu  sein.  Bis  hierher  ist 
die  HS  nicht  paginiert,  von  da  an  beginnt  die  Paginierung  mit  römischen 
Zahlzeichen.  Die  Überschriften  sind  mit  roter  Tinte  geschrieben,  ab 
und  zu  findet  sich  eine  kunstvollere  Initiale.  Bemerkungen  stehen 
am  Rande,  von  verschiedenen  späteren  Händen ;  soweit  sie  nicht  anderes 
bieten  als  Inhaltsangaben,  sind  sie  der  Berücksichtigung  nicht  wert. 
Etwas  ausgestrichen  ist  auf  Blatt  4  Rückseite  (die  22  unteren  Zeilen), 
Blatt  100  Rückseite  (die  letzten  IG  Zeilen  vor  dor  die  Seite  schliessenden 
roten  Überschrift)  und  Blatt  103  (die  ganze  Vorderseite). 

Dio  Handschrift  selbst  enthält  folgende  Blätter:  1—15  Rückseite, 
die  nur  9  Zeilen  hat  ;  16  Vorderseite  ist  leer;  16  Rückseite  —  23,  von 
diesem  Blatte  ist  die  rechte  untere  Ecke  abgeschnitten;  24—20.  His 
hierher  ist  die  Paginierung  von  späterer  Hand,  bei  Bl.  30  beginnt  die 
Paginierung  durch  die  alte  Hand,  also  von  Stolle  selbst.  Dann  Bl. 
30—41 :  auf  dem  letzteren  Blatte  fehlen  auf  der  Vorderseite  3  Zeilen, 
die  Rückseite  ist  leer;  dann  sind  6  Blätter  (42  -47)  herausgeschnitten, 


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24  Einleitung. 

die  aber  mitzählen,  worauf  die  Chronik  bis  Rl.  148  Vorderseite  weiter- 
geht; von  hier  fehlen  die  roten  Zeichen.  Dann  Bl.  148  Rückseite  bis 
Hl.  151  Rückseite,  auf  welcher  das  letzte  Drittel  fehlt;  dann  beginnen 
die  roten  Ausmalungen  wieder;  ferner  Bl.  152  -  Bl.  155  Rückseite,  wo 
wieder  dio  letzte  halbe  Seite  fehlt,  ebenso  Bl.  163  Rückseite,  die  nur 
10 Zeilen  hat;  dann  bis  Bl.  172;  Bl.  173  ist  aus  der  HS  herausgerissen; 
dann  Bl.  174  (dessen  Rückseite  etwas  wasserfleckig  und  an  dieser  Stelle 
nicht  beschrieben  ist)  bis  B1.215,  von  dem  die  Vorderseite  nur  zum 
dritten  Teile  beschrieben  ist;  weiter  bis  BI.257,  wo  die  rote  Anmalung 
der  Buchstaben  aufhört:  dann  bis  B1.266,  hinter  welchem  ein  kleines 
Blatt  eingeheftet  ist;  weiter  bis  Bl. 271,  auf  dem  die  Vorderseite  nicht 
voll  beschrieben  ist;  auch  hört  hier  die  alte  Paginiernng  auf.  Es 
folgen  dann,  indem  die  Erzählung  ruhig  weitergeht,  12  nicht  be- 
zeichnete Blätter,  von  denen  das  erste  auf  der  Vorderseite,  das  4.  auf 
der  Rückseite  und  das  12.  auf  der  Vorderseite  nur  zum  Teil,  letzteres 
auf  der  Rückseite  gar  nicht  beschrieben  ist;  wir  bezeichnen  diese 
12  Blätter  =  23  Seiten  mit  271  a— y.  Dann  geht  dio  alte  Paginierung 
weiter,  da  anknüpfend,  wo  sie  vorher  abbrach,  aber  dio  nicht  pagi- 
nierten Blätter  hängen  mit  der  HS  zusammen  und  haben  dasselbe 
Papier  und  sind  von  derselben  Hand  geschrieben.  Von  hier  bis 
Bl.  292  sind  auch  wieder  einzelne  Buchstaben  rot  angemalt.  B1.293 
steht  die  Paginiernng  versehentlich  auf  der  Rückseite  von  Bl.  292; 
von  Bl.  293  ist  die  Rückseite  nicht  voll  beschrieben,  Bl.  295  ist  doppelt 
vorhanden;  dann  von  B1.296 —  Bl.  303,  dessen  Rückseite  wie  B1.304 
Vorder-  und  Rückseite  nicht  beschrieben  sind;  zuletzt  Bl.  305.  Hier 
schliesst  Steiles  Handschrift.  Ks  folgen  dann  auf  Bl.  306  -  323  spätere 
Zusätze,  die  wir  unberücksichtigt  lassen  (s.  Haupt,  Zeitschrift  f.  dtsch. 
Altert.  VIII,  S.336— Ml).    Ks  sind: 

1.  Bl.  306  308:  Kurze  Nachricht  vom  Siege  der  Türken  in 
Ungarn,  19  September  1526  (lat.).  Dann  20.  September  1526  ausführliche 
Beschreibung  der  Einnahme  Roms  durch  den  Cardinal  Colonna  und 
Plünderung  des  päpstlichen  Palastes  (deutsch). 

2.  Bl. 309-  315: 

a)  Ein  Resonet  in  laudibus  wider  die  falschen  Evangelischen 
(deutsch), 

b)  Hodie  apparuit  (deutsch), 

c)  Ein  Omnis  mundus  cognoscit  eosdem  (maccaronisch), 

d)  Ein  dies  est  leticie  wieder  die  falschen  Evangelischen  (deutsch), 

e)  Ein  ,0  armer  Judas'  von  den  neuen  Christen  ^deutsch), 
mitgeteilt  unter  dem  Titel:  ..Spottlieder  auf  die  Evangelischen,''  von 
Alfred  Kirchhoff  (Bd.  XIII  der  Neuen  Mitteilungen  des  Thüringisch- 
Sächsischen  Oeschichts-  u.  Altertumsvereins  S.  360— 371). 


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Einleitung. 


25 


3.  Bl.  315:  Weissagung  aus  einem  alten  Buche  auf  Karl  V.,  <lie 
angeblich  eingetroffen  ist  (lat);  auf  der  Rückseite  ein  darauf  bezüg- 
liches (lat.)  Gedicht. 

4.  Bl.  316— 321:  Ein  deutsches  Gedieht  wider  die  Handwerker  in 
Mainz,  welche  den  Rat  stürzen  wollten. 

5.  B1.322:  Bericht  < lat.)  über  die  Kaiserkrönimg  Karls  V.:  pre- 
sentata  Moguntiae  XXVlIIJanuarii  1530.  scripta  a  Bononia  per  Joann. 
Wisbeck. 

6.  BI.323:  Nachricht  (lat.)  über  eine  Überschwemmung  in  Rom. 
Ans  dem  Zustande  der  HS,  wie  sie  jetzt  ist,  und  wie  er  wegen 

des  Herausschneidens  von  Blättern  als  ehemals  beschaffen  angenommen 
werden  muss,  ist  klar,  dass  Stolle,  wie  dies  auch  von  anderen  Chronisten 
feststeht,  in  der  Chronik,  als  er  sie  schrieb,  häufig  Blätter  leer  gelassen 
hat,  um  sie  später  auszufüllen;  meist  that  er  es  vollständig,  aber  es 
blieb  manchmal  ein  Stück  von  einer  Seite,  oder  auch  manchmal  eine 
Seite  oder  ein  Blatt  leer.  So  ist  der  merkwürdige  Umstand,  dass 
halbe  und  ganze  Seiten,  auch  Blätter  unbeschrieben  sind,  am  natür- 
lichsten zu  erklären,  auch  das  Hinwegschneiden  von  Blättern,  ohno 
dass  inhaltlich  etwas  fehlt.  Die  HS  legte  sich  Stolle  wohl  in  Lagen 
von  12  Blättern  an,  wie  die  oben  nicht  paginierten  12  Blätter  be- 
weisen, die  als  lose  Lago  beschrieben  sind,  dann  aber  zu  paginieren 
vergessen  wurden.  Die  Paginierung  hat  Stolle  selbst  gemacht,  wie 
die  Gleichheit  der  Seitenzahlen  und  die  in  dem  Text  vorhandenen 
Verweisungen  zeigen,  aber  mehrfach  nachträglich,  und  so  erklären 
sich  Versehen  und  Übersehen.  — 

2.  Handschrift  e. 

Im  Erfurter  Stadtarchive,  in  der  K.  Hermann- Bibliothek  (Bibl. 
Herrn.  I,  13)  findet  sich  die  Handschrift  einer  Chronik,  51  beschriebene 
Blätter.  Da  die  Handschrift  in  einem  Umschlage  beschriebenen  Perga- 
ments kirchlichen  Inhalts  goheftot  und  mit  No.  15  bezeichnet  ist,  so 
gehörte  sie  wohl  einer  geistlichen  Bibliothek  (Peterskloster?)  an.  Jetzt 
ist  sie  in  Pappband  gebunden.  Anfang  (der  aber  auf  dem  2  Blatte 
erscheint;  es  kommen  mehrfach  solche  Verhaftungen  innerhalb  des 
Pergamcntumschlags  vor;  die  Handschrift  bestand  demnach  vor  ihrer 
Heftnng  aus  losen  Blättern):  dero  ist  fruchtt  war,  do  treben  (sinnlos; 
es  soll  heissen:  das  es  fruchtbar  war,  da  trieben),  s.  St.  22  a.  E.,  IIS 
Bl.  10).  Schluss:  undt  der  romische  koning  gab  hirnoch  sin  tochter 
margreta  dysser  fursten  eym  genant  Wilhelm;  bei  Stolle  (von  dem 
sich  St.  181  Ende  zuletzt  auf  Bl.  41»  oder  S.  1)7  ZI.  1 1  von  oben  be- 
findet) nicht,  wohl  aber  bei  Ursinus,  Chronieon  Thuringicum ,  b 
MSG1II  pag.  1327.   Dann  steht  unten  auf  der  letzton  Seite  folgende 


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Einleitung. 


Sohlussbomerkung:  gesehreben  nach  Christus  gehurt  X 1 1  Tj c  undt 
im  LXXVI  iar  undt  darnach  gesehryben  XV c  undt  XVj  jar  uff 
den  nuhnden  dag  des  monden  may  undt  darnach  geschribon  XYC 
undt  im  XXXXV  jar  auff  den  XV)  dag  des  mertzen.  Darunter: 
anno  domine  (sie)  ~1~5~4~6.  Denn  18  may  ist  es  ge- 
schehene Das  Ganze  ist  demnach  die  Abschrift  einer  Vorlage,  die 
zu  3  verschiedenen  Zeiten,  1476,  1516  und  1545  geschrieben  war,  die 
Abschrift  selbst  wurde  i.  J.  1546  gemacht.  Die  teilweise  und  zeit- 
weilig wörtliche  Übereinstimmung  mit  Stolle  —  von  St.  22  bis 
St.  181  —  liisst  es  als  höchst  wahrscheinlich  erscheinen,  dass  der  seine 
Abschrift  aus  mehreren  Quellen  zusammenstellende  Verfasser  haupt- 
sächlich die  HS  Stolles  benutzt  hat,  oft  wörtlich  richtig,  an  anderen 
Stellen,  denn  es  scheint  öfters  nach  einem  Diktat  geschrieben  zu  sein, 
mit  argen  Missverständnissen:  auch  sind  nicht  selten  Worte  oder 
Zeilen  übersprungen;  dann  ist  auch  eine  andere  Ordnung  eingehalten; 
mehrfach  ist  es  nur  ein  Auszug,  den  der  Abschreibor  mitteilt,  er  fährt 
aber  fort,  ohne  den  Zusammenhang  zu  beachten.  Demnach  hat  die 
Handschrift  (e  von  uns  genannt)  nur  wenig  kritischen  Wert  und  ist 
von  uns  aus  textkritischen  Gründon  nur  dann  herangezogen  worden, 
wo  Stolles  Lesart  unverständlich  oder  offenbar  falsch  ist,  die  Hand- 
schrift e  aber  den  Text  nach  eigenem  Ermessen  richtig  stellt;  ihre 
Lesarten  haben  daher  nur  den  Rang  einer,  allerdings  zeitgenössischen 
Emendierung  des  Textes.  —  Ursinus  hat  in  seinem  Chron.  Thuring. 
die  Handschrift  e  wörtlich  benutzt,  s.  darüber  K.  Herrmann,  bibl.  Erfurt. 
S.  68  f.  Wir  können  daher,  was  Stolle  betrifft,  Herrmann  nicht  zu- 
stimmen, da  nicht  Stolle  die  Handschrift  e,  sondern  sie  den  Stolle 
benutzt  hat.  Es  erübrigt  danach  auch,  die  Handschrift  einer  thüring. 
Chronik  (K.  Herrmann,  bibl.  Erfurt.  No.  14  S.  6V>.  G.B.A.  No.355)  auf 
der  Gothaer  Bibliothek  zu  berücksichtigen. 

3.  Die  Handschrift  m,. 

In  der  Kgl.  bayerischen  Hof-  und  Staatsbibliothek  zu  München 
befindet  sich  eine  Papierhandschrift  von  36  Blättern,  cod.  Germ.  1242* 
fol.  (s.  K.  Herrmanu,  bibl.  Erfurt,  pag.  83),  mit  der  Überschrift:  Aus 
einer  Doringischen  chronickon ,  welche  aus  Stolle  bis  auf  folgende 
wenige  Stellen  abgeschrieben  ist :  von  Anfang  an  Bl.  2  bis  Bl.  3 v 
ZI.  25,  Bl.  5V  ZI.  9  von  unten  bis  Bl.  6  ZI.  20,  BI.34  ZI.  12-16  u.  Bl.  36 
ZI.  \)  bis  Ende  der  Handschrift;  das  sind  einzelne  Notizen  aus  den 
Jahren  1437  40.  1446.  1451.  1452  und  wieder  1447.  Dabei  aber  sind 
auf  Bl.  11.  16.  17'.  18v  und  31 T  die  Bemerkungen,  welche  Stolle  über 
sich  machte,  weggelassen.  Die  Abschrift  ist  dor  Schrift  nach  aus  dem 
16.  Jahrhundert  und  wegen  der  Bevorzugung  lokaler  Nachrichten  aus 


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Einleitung. 


27 


Jena  in  jenen  Zusätzen  wahrscheinlich  von  einem  Jenaer  ( Prodigor- 
mönehe?),  aber  in  Erfurt  Angefertigt.  Die  Absieht  des  Auszuges 
ist  <lie  Darstellung  des  sachsischen  Bruderkrieges. 
Kritischen  Wert  hat  die  Handschrift,  von  uns  mt  genannt,  gar  nicht, 
denn  sie  ist  in  höchst  willkürlicher  Weise  gemacht,  mehrmals  ohne 
Hinhalten  der  Zeitfolge  und  der  Ordnung  bei  Stolle,  mit  grösseren 
oiler  kleineren  Veränderungen,  häufigen  Auslassungen  von  Wörtern 
und  Zeilen,  einzelnen  Wiederholungen  (so  Bl.  4V  ZI.  (>- 1 1  =  ibidem 
ZI.  2  von  unten  bis  B1.5  Zl.3\  ja  auch  mit  selbständigen  eigen- 
niärhtigen  Zusätzen,  die  allerdings  noch  auf  eine  andere  Vorlage  hin- 
deuten. Von  Kapitelüberschriften  ist  nur  eine,  allerdings  für  die 
ganze  Handschrift  bezeichnende,  auf  Bl.  b'  und  23  herübergenommen: 
von  der  czweytracht  der  czwoyer  brudere  herczogen  Frederichs  unde 
herezogen  Wilhelms  (Stolle,  HS  Bl.  131  \l.  Entlehnt  hat  die  Handschrift 
aus  Stolle  folgendes: 

m  HH 

I)  BI.3*  ZI. U  v.u.  bis  BI.5'  ZI.  10 
v.  u.  =  Bl-  1 10  -  1 12  (worden czweytreehtig 

bis  Proge  in  Bornen). 

10  Bl.  6  ZI.  16  v.  u.  bis  Bl.  23 
ZI.  12.  =  Bl.  1 12— 131 »  (eyne  gutliche  rich- 

tunge). 

III)  B1.23  ZI.  15  bis  B1.34  ZI.  11.  =  Bl.  132'  bis  Bl.  144'  (eher  danne 

sy  sy  gaben). 

IV)  Bl.  34  ZI.  lf>  bis  Bl.  34  ZI.  2 

v.u.  (bricht  mitten  im  Satze  ab).-=Bl.  144*  —  14<V  (hüben  wolde,  den 

solde). 

v)  Bl.  .34  zi.  1  v.  u.  bis  Bl.  35 

ZI.  10  v.  u.  —  Bl.  131  -  1 32 *  (springt  zurück). 

VI)  Bl.  3.V  ZI.  10  v.  u.  bis  B1.3G 
ZI.  8.  =B1.  14öT—  14(>v  (setzt  No.  IV  fort). 

Für  uns  waren  nur  2  Lesarten  von  Nutzen,  die  wir  aufnahmen, 
wo  das  Autographon  offenbar  einen  Schreibfehler  hatte:  St.  1%  wolden 
(HS:  woldy)  und  St. 212  starp  (HS:  schreib). 

4.  Die  Handschriften  g  und  in,. 

Endlich  findet  sich  noch  eine  Handschrift  in  fol.  20b"  Blätter,  auf 
starkem  Papier,  auf  der  herzoglichen  Bibliothek  in  (rotha  (Chart.  A. 
No  |;">iM,  welcho  folgenden  Inhalt  hat:  Bl.  1  —  170  ein  Teil  der  Chronik 
des  Johann  Rothe  (St.  1— 7ö4>,  öfters  mit  Auslassungen  Mit  Bl.  l7l 
beginnen  die  Auszüge  aus  Stolle:  1)  Nicolaus  Talmanu     Stolle  St.  1(.*> 


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Einleitung. 


(nicht  wörtlich  =  Rothe  774);  2)  1413  Feuer  auf  dem  Anger  =  Stolle 
VAX  genau;  nicht  aber  findet  sicli  3)  der  Hau  des  Turmes  der  Kirche 
Martini  intra;  4)  Feuer  Februar  1416  =  Stolle  101;  5)  Feuer  Novomher 
1410  =  Stolle  192;  6)  Judenverbrennung  1418  =  Stolle  193;  7)  Feuer 
1422  =r  Stolle  194  (No.4-7  nicht  wörtlich).  Bl.  172-  174  sind  un- 
beschrieben, Bl.  175  u.  17f>  enthält  lateinische  Notizen,  v.  Bl.  177  u.  178 
ist  die  vordere  Seite  unbeschrieben,  Bl.  178*  Bat  ist  der  aplas,  do  die 
kriechen  hie  woren,  Bl.  179  vord.  Seite  unbeschrieben,  Bl.  179v  deutsche 
medicinische  Bemerkungen.  Dann  wieder  thüringische  Chronik  Bl.  180 
über  Herzog  Sigmund  u.s.  w.  Bl.  1S0V  u.  1  sl  vord.  Seite;  Krieg  der 
Herzögo  Friedrich  und  Wilhelm  mit  Magdeburg  —  Stolle  St.  196, 
Bl.  181  vord.  Seite  und  181 v  Überfall  von  Prag  =  Stolle  St.  197.  Dann 
folgen  wieder  Nachrichten,  die  nicht  aus  Stolle  sind  Bl.  181 v — 182 
vord.  S.  über  Ungarn  u.  s.  w.  Dann  aber  folgt  Bl.  182v— Bl.  197v 
=--  Stolle  St.  198 — 215  der  sächsische  Bruderkrieg.  Diesen 
aus  Stolle  zu  exeorpieren,  kann  als  Hauptsache  dieser 
Entlehnung  gelten,  wie  wir  dies  schon  bei  der  Handschrift  m, 
sahen.  Bl.  197  -201;  Pilgerzug  des  Herzogs  Wilhelm  nach  dem 
heiligen  tamlo  i.  J.  1461,  den  Stollo  nicht  hat,  woran  sich  Bl.  204v- Bl. 
206  vord.S.  das  auch  bei  Stolle  genau  sich  so  findende  Verzeichnis 
der  Teilnehmer  an  dieser  Pilgerfahrt  anschliesst.  B1.206  vord.  S.  unten 
und  206v  bringen  wieder  deutsche  medicinische  Bemerkungen.  Auch 
dieser  Auszug  aus  Stolle  ist  demnach  aus  thüringischem  Lokal- 
patriotismus  gemacht,  um  namentlich  den  sächsischen  Bruderkrieg 
nach  der  Darstellung  eines  Zeitgenossen  abzuschreiben.  Die  Hand- 
schrift —  von  uns  g  genannt  —  stammt  aus  dem  Anfange  des  16.  Jahr- 
hunderts, in  der  damals  gewöhnlichen  Schrift,  die  aber  nicht  die 
Hand  Stolles  ist.  Wohl  aber  ist  sie  in  Erfurt  gemacht,  denn  sie  war 
zuerst  Eigentum  des  Petersklosters  daselbst,  wie  auf  Bl.  1  bemerkt  ist: 
Liber  monasterii  Montissancti  petri  in  erffordia;  über  die  Bibliothek 
des  Petersklosters  s.  Böckner,  Poterskloster  zu  FMurt,  MOE,  X,  1881, 
S.  113  ff.  Wir  vermuten,  dass  sie  in  die  (Jothaer  Bibliothek  unter  den 
Manuscripten  gelangte,  welche  nach  L.  F.  Hesse,  Serapeum  1857,  S.  131 
der  letze  Abt  des  Petersklosters  am  18.  Febr.  1804  an  Herzog  Emst  II. 
von  Gotha  verkaufte.  Kritischen  Wert  hat  die  Handschrift  gar  nicht; 
abweichende  Lesarten  haben,  wie  bei  m,,  höchstens  den  Rang  gleich- 
zeitiger, hier  aber  noch  späterer  Konjecturen. 

Aus  ihr  ist,  nach  K.  Herrmann,  bibl.  Erfurt.  S.  83,  die  Handschrift 
Cod.  germ.  1242  fol.  in  der  Münchencr  Bibliothek  abgeschrieben;  wir 
haben  diese  Handschrift  ma  genannt,  brauchten  sie  aber  nicht  ein- 
zusehen. 


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Einleitung. 


2a 


Das  H  and  sc  Ii  riftenbi  hl  ist  also  einfach  so: 

IIS  —  daraus  extrartive  Abschriften : 


g  4.   Sehleksale  der  IIS  und  Benutzung  des  Stollesclien  Werke«. 

Die  Nachricht,  dass  die  Handschrift  g  im  Besitze  des  Erfurter 
Petersklosters  war,  und  die  sonstigen  Bemerkungen  in  der  HS,  welche 
bereits  erwähnt  sind,  lassen  uns  über  die  Schicksale  der  HS  folgende 
sehr  wahrscheinliche  Vermutungen  aufstellen.  Aus  dem  Besitze 
Stolles,  d.  h.  nach  seinem  Tode,  gelangte  sein  Autographon  in  den 
Mainzerhof;  hier  machte  der  Küchenmeister  Engelmann  seine  Be- 
merkungen (s.  St.  389  A.  0  u.  7);  es  war  also  im  geistlichen  Besitze,  wie 
wold  auch  zweifellos  die  oben  (S.  24— 25)  mitgeteilten  Zusätze  auf 
Bl.  3fX>— 323  beweisen.  Damals  sind  auch  die  Abschriften:  (Vorlage 
zu  e)  und  e,  ferner  g  (daraus  nit)  sowie  m,  genommen  worden,  welche 
nach  verschiedenen  Schicksalen  in  die  Magistratsbibliothek  zu  Krfurt, 
in  die  Gothaer  und  Münchener  Bibliothek  gelangten. 

Ungewiss  bleibt,  wann  HS  aus  dem  Mainzerhof  herauskam,  vielleicht 
erst  bei  der  Besetzung  Erfurts  durch  die  Schweden  am  21.  September 
1631,  wobei  es  nicht  ohne  Plünderung,  namentlich  der  Mainzischen 
Staatsgebäude,  abgieng  s.  Falekcnstein,  Civitatis  Krf.  hist.  crit.  pag.  703  ff.), 
oder  nach  der  Besitzergreifung  durch  Gustav  Adolf,  welcher  durch 
den  Gnadenbrief  vom  9.  Oktober  lr>32  dem  Kate  alle  mainzische 
Güter  und  Besitzungen  schenkte  (s.  C.  Beyer,  Gesch.  der  Stadt  Erfurt 
bis  1G64,  1893,  S.  50).  Denn  i.J.  1638  erhält  Caspar  Matthaei  bereits 
die  Handschrift  von  Georg  Eckoldt^  beide  Erfurter  Bürger.  Später 
erwarb  sie  der  Professor  der  Geschichte  jn  Jena  Caspar  Sagittarius 
(lebte  v.  lt>43  bis  U»94),  aus  dessen  Nachlasse  sie  in  den  Besitz  der 
Universität  Jena  übergieng.  —  Von  einer  Benutzung  der  Handschrift 
ist  ausser  jenen  obengenannten  Abschriften  und  einzelnen  Bemerkungen, 
am  Rande  (s.  o.  S. 23)  nur  die  durch  Adam  Ursinus  und  Caspar 
Sagittarius  bekannt.  Ursinus  stammte  aus  dem  zum  erfurtischen 
Gebiete  gehörigen  Flecken  Mühlberg  (s.  K.  Herrinann,  Bibl.  Erfurt 
S.  11  u.  85  f.)  und  schrieb  bald  nach  dem  Jahre  1500  ein  Ührouicon 
Thuringiae  vernaculum  usque  ad  annum  MCH'CCC,  das  sich  bei  MSG,11I, 
pag.  1239— 1352  findet;  s.  auch,  was  wir  oben  S. 20  hinsichtlich  des 
Schlusses  der  Handschrift  e  mitteilten.  —  Ferner  benutzte  Caspar 
Sagittarius  in  seiner  „Historia  der  Grafschaft  Gleichen,"  nach  seinem 
Tode  herausgegeben  von  E.S.Cyprian',  1732,  die  Stollescho  Chronik 


■ 

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HO 


Einleitung. 


an  folgenden  Stellen  (s.  Sagittarius  S.  21)1),  aber  trotz  der  scheinbar 
wörtlichen  Citate  doch  mit  gänzlich  unigesetzter  Sprache,  sehr  un- 
genau und  mehrfach  fehlerhaft: 

Sagittarius  Stolle 

1)  S.4   St.  26  (HS  Bl.  18) 

2)  S.  1(56   St205(HSB1.134) 

3)  S. \Wi   St 205 (HS  Bl.  132. 133*.  134».  135) 

4)  S.  168   St.2()9(HSB1.137u.  137») 

5)  S.170   St.210(HSB1.138¥) 

6)  S.  172   St.215(HSBI.145*) 

7)  S.20l— 205    ....  St  .198  (HSBI. 116.117. 118-121) 

8)  S. 21)7   St.212.213(HSBU40\142) 

9)  8.207-208    ....  St219(HSB1.155) 

10)  S.225    St  385  (HSBI.  289*) 

11)  S.  226    St  385  (HS  Bl.  2900 

12)  S.  273    St  199  (HSBI.  121*— 122) 

13)  S.  274    St  199(HSB1. 124-124*) 

14)  S.  275    St. 205 (HSBI.  135). 

Hesse  in  seiner  Ausgabe  S.  VI  f.  giebt  auch  die  Stellen  aus, 
Sagittarius,  aber  recht  fehlerhaft,  an. 

Wahrscheinlich  hat  die  Jenaer  HS  noch  ,Ioh.  Oottfr.  Gregorii 
(bekannter  unter  dem  Pseudonym  Melissantes  —  geb.  17.  Februar  16^5 
starb  als  Pfarrer  zu  Dornheini  bei  Arnstadt  4.  Aug.  1770  —  s.  All- 
gemeine Deutsche  Biograph.  9,  S.630  f.  von  Anemüller)  benutzt  in  seinem 
„Neueröffneten  Schauplatz  denkwürdiger  (Jeschiehte  berühmter  Städte 
und  Schlösser  in  Teutschland",  1715,  S.  334.  wo  er  über  „Menvigsburg" 
(=  Möbisburg)  spricht,  s.  HS  Bl.  17r,  ähnlieh  Bl  21\  s.  uns.  Ausgabe 
St.  23  u.  29. 

Von  da  an  lässt  sich  keine  Benutzung  der  Stolleschen  Handschrift 
bis  auf  Hesse  und  Michelsen  (S.  ob.S.  1)  nachweisen. 


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Register." 


Bl.derllN 


1 

4 

4 

Wye  dy  roinere  wolden  oren  kcyaer  octiivinniim  atdiethe  vor  einen 

Hot    .  . 

5 

6 

Von  berodes  der  dy  kindere  li*z  toten  

ü 

Von  detne  lelien  Oristi  ihc.Hii  

i 

1 

8 

8 

Vtm  drin*:  kevser  tvbeiio  zu  nunc  

9 

Vim  ciisto  iln  her  rzwenczL'k  jar  alt  was   . 

;) 

lu 

10 

11 

11 

12 

i:? 

1-1 

Wy  tytus  nnnd  vcHpesianus  dy  czwene  keysei ejherusalein  dy  *tad  vorslort  haben 

14 

1  t 

Was  d-i  »resiliach  imch  rristus  »i-lmrt  hisz  zu  lunllezi^k  jarn   .  . 

15 

Wy  dy  doringe  unnd  dy  aaclwen  vele  inol  nieteinander  getreten  haben  .  . 

17 

18 

18 

18 

Wy  etliche  ^rafeschatl't  kniiieu  sint  in  das  laut  /u  durin^eii      .  . 

1H 

Iii 

Von  evnir  kouiur  am  ryne  vnnd  eyiue  koiii^e  in  doringen.  wy  dy 

L't"*trelen 

19 

21 

21 

W'v  koninjrk  tay brecht  nnde  svne  kindere  treregert  haben  doiinger 

 1  :  1  s  :  LJ  '  

land  .  . 

21 

22 

W'v  das  kevserrieli  /11  erst  au  dutschr  laut  koiin  ji  i>t 1     .        .  . 

22 

Wy  eyn  herezoge  zu  doringen  mit  den  ungern  gestreten  liat  . 

23 

23 

W'v  <lv  uultiiu  (las  ander  inol  iiuonien  in  da-  laut  zu  dornigen  . 

23 

*  l>aa  Reglater  tat  vielfach  nach  Wortlaut  der  Überacbriften  und  hiimlcutllcli  der  Zahlen  ungenau; 
letztere  und  die  Überschriften  decken  alcli  mit  denen  In  der  Chronik  seil»!  öfter*  nicht  genau . 
b  Sind  nicht  als  Überschriften  vorhanden.  e  l'etilt  &1h  Überschrift ;  dafür  fi-blt  im  Register  die 
Überschrift  von  Abschnitt  11:  Wy  Uennenbertf  gebuwet  wart.  J  Fehlt  aJa  Überschrift  eine«  Ab- 
achnlttea.-  *  KbeulaJIa.    '  Dann  fehlt  die  Überschrift  dca  31.  Abschnittes  der  HS:  Von  keyser  Karl. 


32  Register. 

Bl.4erHs 

Von  quedelnborgk,  wa&aenborgk,  gota*   24 

Von  keyser  frederiehe  deme  ♦Taten    24 

Wy  dy  heilgon  dry  konige  kein  koln  komen  »int   24 

VVy  etliche  grafen  zu  erflbrt  in  eynem  gemache  vortorben   24 

Wy  dy  unstrot  gantcz  vortrockent  was   25 

Wy  dy  stad  salcza  gebuwct  wart   25 

Hy  hebet  «ich  an  das  leben  der  heiigen  frnwen  sente  clsebeten.b 

Von  der  gebort  lantgrafen  lodewigen,  sente  eUebelcn  herre    63 

Von  der  frygete  lantgrafen  lodewigen  nnde  seilte  el.«ebeten  .   64 

Hy  starb  seilte  elsebeten  muter   65 

Von  iler  predigcr  nnnd  barfuszen  orden  .  j 

Von  »eilten  katherinen  closter  zu  isenaehe     !    65 

Hy  starp  sente  elsebeten  swehcr  ....  I 

Von  lantgrafen  lodewige  vnnd  sente  elsebetcn,  wy  from  dy  wom     ....  65 

Hy  wart  Inntgrafe  linlewigk  ritter  zu  isenaehe   65 

Wy  landgrafe  lodewigk  unnd  eyn  bisschotf  zu  mencz  zusamen  gekregen  haben  66 

Wy  «eilte  elsebete  unnd  or  herre  von  den  luten  belogen  wom   66 

Hy  hatte  Inntgrafe  lodewigk  hochezit  mit  »ante  elsebeten    .......  67 

Hy  ezoch  lantgrafe  lodewigk  mit  sente  elsebeten  in  ungern  zu  oiem  vater  \  ^ 

Von  eyner  glocken  zu  isenaehe  ( 

Wy  sente  elfebete  oren  mantel  vorlosz   25 

Wy  lantgrafe  lodewigk  einen  tantcz  sachc   26 

Wy  das  nuwe  slosz  zu  deme  alden  lierge  zubrochen  wart  1  ^ 

Wy  landgrafen  lodewigen  d  eyn  lawe  an  Ii  ff  J 

Von  ern  waltmanne  von  setelstete,  rittet   28 


Wy  sente  elsebete  gehorsam  was  nieister  Conrad  von  martpuigk,  prister  \  ^ 

Wy  eyn  betelwip  s.  elsebeten  in  den  quad  stisz  / 

Hy  gebar  sente  elsebete  oren  ersten  »on  (  ft 
Von  deine  barfuscu  klostcr  zu  erffort  I * 
Von  eynem  grossen  fure  zu  erflbrte    .    .  I 
Wy  sente  elsebole  eyn  grosz  czeichen  thed  | 

Hy  gebar  s.  elsebete  or  dritte  kint  \  ^ 

Wy  lantgrafe  lodewigk0  czock  mit  herc  in  poln    i  '    '    '  ' 

Von  eyner  thure  ezitd  69 

Lantgnife  lodewigk  f  herfarte  in  das  laut  zu  franeken  (  ^ 
Von  lantgrafen  lodewigeti  *  unnd  eynen  armen  kremer  j 

Wy  s.  elsebete  den  sjtetal  zu  martpurg  gebuwet  hat  70 

Wy  lantgrafe  lodewigk  vorsuebt  wart  in  deine  eebruche  ........  71 

Von  einem  ritter,  der  synor  frowen  erloubet  hatte  mit  lantgrafen  lodewigen h 
dy  ee  zu  hreeben  71 

Wy  keyser  frederich  unnd  lantgrafe  lodewig,  seilte  elsebcten  berre,  zu  deine 

heiigen  grabe  czogen  umme  des  heiigen  glouben  willen   72 

Von  Inntgrafen  heinrithe,  wy  der  dy  borgk  eytersborgk  gewonnen  had    .    .  7*4 

Wy  sente  elsebete  wollte  zu  bobenbergk  | 

Wy  landgrafe  lodewigk  kein  bolienberg  brocht  wart  al  to<l  vomnie  \     .    .  30 

heilgen  grabe  I 

•  Keblt  al*  Alwchnitt,  dafür  bat  die  IIS  d.  35.  Ahntboltt  mit  der  Lbentrbrifl:  Wy  dan  lant  an 
ÜorlngeTi  koim-n  Ui  an  den  Biaeboff  iu  Mentz.  l>  l>i«  Abachnltle  ÖU«r  dl«  bellitct»  Ellaalietb  und 
ihren  Oemabl  d.  beil.  Ladwig  alod  in  dor  Chronik  M-Il>*t  jw-rriaeeu:  Hl.  t»:i  67,  2f>  19;  48  -73, 
30  -38  der  HS;  daa  U>gi«t<>r atcllt  nie  riebtig  rmtamnutn.  *  In  dor  HS  ttebt  noch  bei  Abschnitt  43 
su  I»fiiac-bc,  Während  die  l'jUrachtift  von  Abschnitt  43  ,vou  einem  taiilcau-"  lehlt.  d  HS:  lnd\ 
'  IIS:  ebenso.    *  HS:  «Ijcuso.    b  HS: 


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Register.  83 

Bl.derH» 

Wy  lantgrafe  lodewigk  bracht  wart  kein  revnhardesliorn  31 

Wy  lantgrafe  lodewigk*  begraben  wart  »   *   '    '    '  i  82 

Wy  er  rndoltF  von  vargcla  Bt  raffte1'  lantgrafeu  heinrirheu  von  s.  elsebelen  wegen  I 

Wy  8.  elscbcte  mit  orem  swoger  vor  sunet1  wart   .  33 

Wy  sente  elsebete  von  warlbergk  keyn  niartpurgk  quam  in  dy  hesscn     .    .  34 
Wy  sente  elsebete  den  spetal  buwete  zu  niartpurgk    .    .    .  [  3- 
Wy  innigk  unnd  krefltigk  was  das  gebethe  sente  elsebethcn  ( 
Wy  von  deine  gcbete  seilte  elsebeten  eyn  blinder  scnigk  wart  \  ^ 
Wy  got  uffenbarte  sente  elsebeten,  das  sy  sterben  sohle     .    .  I 

Wy  sente  elsebete  starp  unnd  ouch  beheilget  wart   37 

Wy  scnle  elsebete  erhaben  wart      .    .   37 

Von  s.  elsebeten  unnd  lantgrafeu  lodewige  .  .  \  ^ 
Von  einer  gemeine  fnrt  zu  dem  hei  Igen  grabe  f 

Von  den  joden  unde  ketczern   39 

Wy  dy  von  erflbrt  mit  orer  pfaffheit  gekregen  haben  \  ^ 

Wy  czwene  bisschofle  zu  mencz  wom  unnd  zusamene  gekregen  haben  j 
Von  cyme  grosszen  huiiger     ........  I 

Wy  dy  ungern  das  drittemol  ezogen  in  doringen  I 

Wy  sente  keyser  heinrieh  vele  gutes  teth  \  ^ 
Wy  das  laut  zu  ungern  bekart  wart  I 

Hy  hebet  sich  an,  wy  sente  bonifacius  dy  laut  bekort  had  zu  denie  glouben  49 

Von  deme  ersten  lantgrafeu  in  doringen41  53 

Item  von  deme  eisten  lantgrafeu  in  doringen  55 

Wy  lantgrafe  lodewigk  der  Springer  einen  tod  slugk  umme  niner  frowen  willen  55 

Wy  der  keyser  den  lantgrafeu  zu  doringen  belenet  had  57 

Wy  dy  liemesschen  hern  zusatnniene  gekregen  haben  I  ^ 
Wy  eyn  lantgrafe  zu  doringen  sine  kindeie  behaut  had  I 

Von  einem  harten  winter  |  ^ 

Von  deme  iseme  lantgrafeu  zu  doringen"  I 

Wy  dy  stad  erffi.rt  gemuret  unnd  wedder  zu  broehen  wart  \  rg 

Von  deme  iserue  lantgrafeu  I ° 

Von  des  iserne  lantgrafeu  sele  62 

Eyn  grosz  ezeiehen  von  deme  heiigen  waren  liehename. 

Wry  eyn  bisschotf  zu  mencz  unnd  eyn  lantgrafe  zu  doringen  gekregen  haben  74 
Hy  r  enpfingk  lantgrafe  Conrad  bussze  umme  sine  »unde  \  ^ 

Hy  wart  dy  borgk  viselbech  gewonnen  ( 

Hy  starb  s.  elsebeten  son  zu  cruczeborg     ....  1 
Wy  lantgrafe  beinrich  zu  einem  keyser  gekorn  wart  I  ' 

Hy  hebet  sich  an,  wy  das  laut  zu  doringen  komen  ist  an  dy  margrafen  zu  missen  77 
Wy  der  herzöge  von  brunswigk  unnd  der  margrafe  zu  missen  getreten  haben  78 

Von  einem  grosszen  füre  zu  crllbrt  [ 

Wy  das  heiige  sacrament  funden  wart  zu  Ertibrt  I 
Von  der  wyunge  unser  lieben  frowen  kerclien  t 

Von  eynem  grosszen  ungeweterde  im  lande     .  J  80 

Ein  czogk  zu  deme  heiigen  grabe  I 

Hy  quam  s.  stetiaim  gebeine  keyn  rome     .    .  » 

Hy  wart  das  laut  zu  doringen  geteilt     ...      J  80 

Wy  lantgrafe  albrecht  zu  doringen  gefrihet  hat  | 


»  HS:  |od\  b  Ia  d«r  IIS  dopp.lt.  *  118:  vownot.  *  S|«ht  nur  in  der  HS  am  Raud« 
»nf  Bl  52  •  OI*.i  auf  d,«r  vortl.  Seite  »ul  III.  4:  Wy  de«  itemt»  la«Hrr*f»0  wi«  vor  loro  «• 
LXII.       f  uu  Kaade:   von  eine«  »pUw  we«.  tu  relnbardenborlnj. 

K.  SlolU*  Memorial«.  3 


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34  Register. 

Hl., »er  Hg 

Wy  lautgrafe  albrceht  bestalte  sin  elieh  wip  zu  toten  umme  einer  andern 

frowen  willen   81 

Wy  dy  heiden  eine  stad  vorterbet  hau  82 

Eine  grossze  ture  czid  

Von  eyroe  kinde  ane  hende  geborn    .  . 

Von  deme  banne  zu  erffotte  

Von  den  yuden   

Von  deme  donner  hail  unnd  regen  .  . 
Von  der  kermessc  Rente  peters  kerehen 

Von  eynem  Iure  zu  erfforte  

Item  eyn  für.    Iteiu  eyn  für  

Hy  todten  dy  joden  eyn  kint  zu 


83 


Jiy  louieu  uv  juucii  cvii  kiiii,  zu  winsfiisee  ...» 

Wy  lautgrafe  albreiht  das  laut  zu  doringen  sinen  I  P4 

elichen  kindern  entwende  wolde  ' 

Hy  Utarp  kunne  von  ipenl>crg  unnd  or  son    .    .    .  \ 

Wy  lantgrafen  albrechte  roh  wartpergk  gewan  unnd  |   85 

darnoch  mechtigk  wart  ' 

Wy  eyn  lautgrafe  zu  doringen  ge« treten  bad  nriteynein  roinesHchen  konige  87 
Wy  dy  von  erfrort  gekregen  l>aben  mit  einem  lantgrafen  zu  doringen      .    .  «8 

Wy  lautgrafe  f  rede  rieh  gefangen  wart  unnd  wedder  losz  wart   90 

Wy  der  blick*  dy  borgk  wartperg  entezunte  I 
Von  eynem  speie  der  fünf  torechten  junefiowen  J 

Von  lautgrafe  frederiebe  de«  freitligen  tode  I  <j.? 

Wy  dy  von  drefarte  gekregen  haben  mit  deine  lande  zu  doringen  I 

Wy  eyner  von  drefarte  bulen  reid  93 

Von  deine  wendeUteine  zu  gryrome  .    .    .  \ 

Wy  dy  von  erffbife  gekregen  haben  mit  eynem  lantgrnfen  zu  doringen  >     .  94 

Wy  dy  von  erffort  unnd  eyn  lautgrafe  mit  den  grafen  gekregen  haben  ' 

Wy  dy  von  erH'orl  unnd  eyn  lautgrafe  vele  *tete  und  aloeaeie  gewunnen  haben  [  ^ 

Wy  dy  hern  von  sideza  or  lant  vorkouften  ( 

Wy  dy  korfursten  ezweitreehtig  worden  in  der  welungc 
Wv  lnntgrafeu  frederichs  des  ernsten  kindere  gefriget  haben    [  Q7 

Von  einem  sterben  

Von  den  geisaeiern  unnd  erurzegem  .... 
Wy  eyn  keyser  unnd  eyn  lantgrafe  zu  doiingen 

czogen  uff  den  grafen  zu  plawe  .... 
Wy  eyn  lautgrafe  zu  doringen  czoch  uff  den  apt 

zu  fulda  •  

Wy  eyn  lautgrafe  zu  doringen  unnd  eyn  herezoge 

zu  brnn*wigk  gekregen  haben  

Von  eynem  ert  bebunge  i 

Wydy  von  erffort  wassenborg  unud  den  swarezen  >   99 

walt  gekoufft  hatten  I 

Wy  dy  von  northusen  mit  den  grafen  gekregen  haben  

Wy  sangerhusen  vorkoufft  wart.   

Von  den  burgern  zu  northusen  

Wy  eyn  edel  man  eynem  burger  zu  erffort  siu  elieh  wip  beslitf  .    .  . 

Wy  dy  stete  in  doringen  gekregen  haben   

Wy  herezog  otto  von  lyne  mit  den  doringe^ehen  hern  gekregen  bad 
Wy  dy  von  erffort  gekregen  haben  mit  den  lantgrafen  zu  doringen  umme 
eynea  bisschoftes  von  mencz  willen  101 


98 


100 


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108 


Register.  35 

Bl.  ier  IIK 

Hy  slaip  bissdiofT  lodewig  zu  mencz  \ 

Von  brandenfcU  

Hy  starp  dy  grafeschafFt  zu  kefFernbergk  crbelosz  .    .  \  104 

Wy  dy  fu  raten  k  regen  mit  deine  lantgrafen  zu  liefen 
Von  cn  wenig  haschen  bub  sich  eyn  grossz  krigk  .    .  / 
Von  einem  grossen  waaaer  zu  isenache  .... 
Hy  koufften  dy  lantgrafen  zu  doringen  etliche  i 

stete  unnd  slosz  im  lande  zu  behemen    .    .    .   /  105 

Von  den  wolffen  

Wy  dy  heru  von  missen  ezogen  vor  proge  .    .  . 

Von  eynem  Cotueta  105 

Hy  .ntarp  lantgrafe  baltasnr  | 

Von  deine  regement  lantgrafen  baltasars  hoho  .1 
Wy  alle  dutczche  fu  raten  unnd  stete  ezogen  mit  j 

bere  in  das  laut  zu  beemen  I 

Vou  der  fursten  teylunge  de«  lande*  107 

Wy  dy  grafeschafft  zu  keflemhergk  erbclosz  gestorben  es/. 

Von  deine  gülden  jure  zu  missen  

Von  eynem  Sterben  

Von  eynem  grosszen  fure  zu  ertfort  

Von  eynem  gefangen  mnune  

Wy  helderunge  gewunnen  wart  

Von  der  gebort  herezogen  frederich»  zu  sachsen 

Von  eynem  fure  zu  Erfurt*   , 

Wy  unser  lieben  frowen  glooken  unnd  tonne  zu 

erffort  al>e  branten  

Von  einem  joden,  der  gebraut  wart  

Item  von  eynem  fure  zu  Erfrort  

Wy  Nickel  talinan  gefangen  wart  von  den  von  erffort  | 

Wy  herezoge  f rederieh  zu  Sachsen  unnd  lantgrafe  wilhelm  zu  doringen  >  .110 

gebrudere  kregeu  mit  den  von  meydeborgk  I 

Wy  proge  dy  stad  vorroten  wart  III 

Wy  «ich  der  aide  herre  zu  missen'  unnd  der  junge  herre  zu  doringen  ge- 
brudere sich  teylten  usz  den  landen  112 

Vou  ern  apel  von  tanrode  ritter  122 

Wy  dy  borger  von  tanrode  orem  eigen  hern  schaden  toten  ^  ,r 

Von  der  obgenanteu  czweier  forsten  tage  I ° 

Wy  dy  bern  vor  aoeszcz  ezogen  126 

Hy  czoeh  der  junge  herre  vor  soest  130 

Hy  wa«  der  tagk  czwisaehen  deme  nlden  unnd  dorne  jungen  hern  gebrudere  131 

Von  der  czweitraeht  der  czweier  gebrudcie  132 

Dy  von  erffort  entsagelen  den  czwen  grafen  von  glichen  134 

Hy  czoch  der  junge  herre  vor  gera  135 

Hy  czoch  der  junge  herre  in  das  lant  zu  missen 
Hy  lag  der  junge  herre  vor  ezitev.  

Hy  czoch  der  junge  herre  wedder  vor  gera  unnd  vor   136 

borgow  unnd  vor  blanckenhaiu  b  

Hy  czoch  der  aide  herre  wedder  in  doringen  .... 

•  fr   fehlt  <Uoa  die  Überschrift    von  Abschollt    ll'l:    Hern  eyn  für.      h  F»wit  die  Über 
Khrlflea  v<in  Alwchnltt  S07  :  Hy  cWfh  der  jttogc  hene  wedder  vor  gn»  und  AUcunlH  Hy 

3* 


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Register. 


Bl.  der  HS 

Hy  czoch  der  junge  herre  vor  remde  \ 

Hy  czoch  der  junge  herre  das  drittemol  vor  gera  I 

Hy  czoch  der  aide  herre  uund  der  junge  herre  wedder  heym  und  worden 


gute  frunde  139 

Von  lutczeln  borgk  140 

Hy  folget  noch,  wy  der  junge  herreden  viteztbumen,  sinenrethen,  gram  wart  141 

Hy  czogen  dy  von  erflbrt  vor  wassenborg  148 

Hy  czoch  der  junge  herre  iautgrnfc  wilhehu  zu  doringon  vor  luchtenlierg 

uund  Cappelndorff  145 

Hy  czoch  der  junge  herre  zu  deine  heiigen  grabe  keyn  jherusalem  ....  147 

a  Von  eynem  groszen  fure  zu  Krübrt  1"j6 

Mappa  mundi  159 

Hir  folget  noch   der  grosze  inechtige  krig,   der  do  was  an  deine  rine 
czwissehen  dem  «tifft  zu  koln  unnd  deme  herczogen  von  burgundien    .    .  164 

Der  anefangk  disse»  krigesb  165 

Von  etlichen  knalten,  dy  einen  keyser  unnd  einen  herczogen  under  »ich 

gemacht  hatten'  1«6 

Von  der  vorlust  des  herczogen  von  burgundien  199 

Eyn  lyed  von  deme  obgcschreben  krige   201 

Item  der  anefangk  unnd  da»  ende  der  obgeschreben  geschieht  204 

Hy  wart  der  herezoge  von  burgundien  erslagen   210 

Von  einem  groRzen  snehee  210 

Von  eynem  schuiczen  hofe,  unnd  von  den  ingeleyten  czeddeln  zu  erffort   .  211 

Wy  das  junge  volk  lieff  zu  deine  heiigen  blute  213 

Von  eyner  gronzen  torechten  walfahrt  im  lande  zu  franekeua  216 

Von  unser  lieben  frowen  kerchen  zu  erffort.  wy  dy  entwehet  wart  .    .    .  .219 

Von  der  groazen  glocken  zu  erffort  220 

Von  der  groszen  glocken  zu  sant  Sever  221 

Von  quedelnborgk  221 

Von  northusen  222 

Von  der  stnd  florencz  in  welschen  landen  222 

Von  eyner  groszen  czweitracht  der  stad  ertfbrt  unnd  eynem  bisschoflT  zu 

menez  unnd  der  bern  zu  missen  228 

Von  den  nngeslagen  czedeln  de»  bisschofls  zu  mencz'"  232 

Hy  folgen  noch  der  von  erffort  gerechtickeit ;  unde  lissen  dy  ouch  ausiahen 

in  vele  landen  unnd  steten  237 

Eyn  lyed  von  den  von  erffort  unnd  deme  bisschoffe  zu  mentcz1     ....  242 

Von*  howschrecken  in  ungern  243 

Von  eynem  toten  manne  vor  erffort  244 

Wy  dy  turcken  dy  stad  rodisz  gewinnen  wolden  246 

Vouh  deine  bobiste  unnd  eynem  bi*schofc'  247 


•  Nicht  im  Register  erwähnt  »lud:  1.  D«  oMta  Geniel  et  RokcDc&n!  in  Boheroia  a.  d. 
muccc  Im  Bl.  148-141)  d.  HS.  *.  Die  annal  ist  Ischen  lat.  Aafieichnungen  Bl.  160  IM  d.  IIS. 
3.  Die  deutlichen  Bemerkungen  tilier  einen  Kometen  nnd  *  Prieatermorde  Bl.  156  d.  IIS.  b  Dm 
Übrige  Bl.  1  «16  —  1 66  d.  IIS  fehlt.  4  Ebenso  Bl.  186 -U>9  d.  IIS.  «*  In  der  HS  Bl.  816  traut  andere 
ClKTBchrlfi.  •  Elionito  Bl.  231.  f  Ebenso  Bl.  237.  *  Das  l.led  von  den  vor  Erffort  nade 
deiue  blsschoff  xu  Meutcze  Bl.  Sit  243  der  IIS  fehlt.  k  Bl.  /41*.  dor  IIS  Erwähnung  de»  Friedens- 
vertrages swlsrhen  Erfurt  und  deu  sächsischen  KOrsten,  dem  Kurfilmten  Friedrich  von  SaHi*on 
und  dem  Herzoge  Wilhelm  vou  Sachsen,  I.  J.  1483  nicht  erwähnt.  '  In  der  HS  ohne  Überschrift; 
es  IM  der  Brler  de*  Ersblschof*  Andreas  vou  Kraln  an  Pa»*t  Sixtus  IV.  Das  übrige  (Bl.  JIM  - 
905  d.  HS)  ist  nicht  berllcaslebtlfft. 


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I.  Wy  Xoe  dy  arehen  buwete.1 

>  Noe  funff  hundirt  jar  alt  was,  da  hub  her  an  zu  buwen  Rotheu» 
dy  archan  nach  deine  geheisze  gotis,  unnd  machte  sy 
met  beslagen''  liolezern,  unnd  brachte  dy  mit  clister  zu- 
samene,  das  in  den  landen  uff  deine  wassere  unnd  pfutezen 
swebet,  das  also  vosto  heldit.  das  man  das  mit  keinem 
woffon  kau  gewynne  adir  gesnite,  nach  mit  keinem  wasser 
abe  geweiche.  Her  machte  ouch  dy  arehen  dry  hundirt  klaffter  lang 
unnd  funffezig  klaffter  breit  unnd  drissig  klaffter  hoch  bisz  an  das 
dach.  Disse  arohe  was  an  deme  gründe  gefyert,3  unnd  doch  lenger 
wann4  breit,  unnd  obende  enge  spitcz  usz,  usszewendig  unnd  inne- 
wendig  woj  geklistert.  Do  worn  inne  treppen  unnd  underscheit5  unnd 
sechs  kammern,  unden  do  der  unflut';  in  »juam,  darubir  was  eine  thor, 
da  dv  cztvo  kammern  unnd  dv  drv  zusamene  stisszen.  In  der  evnen 
worn  allirley  gekrute,  Barnen  unnd  wes  sy  die  wile  gelebe  soldon;  in 
der  andern  kammern  warn  dy  freiszlichen 7  thir;  in  der  dritten  warn 
dy  czamen  thir;  in  der  mittelsten  wonten  dy  menschen;  in  der  hohe 
under  deme  dache  wonten  dy  vogil.  Es  sprechen  etliche  meistert  das 
dy  tir,  dy  von  der  sonnen  unnd  fuler  erden  unnd  fuchtickeit  wachsen, 
also  vele  gewönne  unnd  flogen,  koffern,  flu  unde  der  glich,  in  der 
arehen  nicht  gewest  sint,  nach  frusszche  adir  kroten.  Ouch  sprechen 
sy,  das  der  engel  gotis  dy  thir  alle  in  die  arehen  gotroben  hatte,  dy 

1  Während  Rothe  ebenso  wie  die  meinten  Weltchroniken  mit  Erschaffung 
der  Welt  beginnt,  fängt  Stolle  mit  Noah  au,  wie  u.  a  die  von  ihm  vielfach  als 
Quelle  benutzte  Historia  Erfordernis  anonymi  Smptoris  de  lantgraviis  Thuringiae, 
ex  bibliotheca  Joaunis  Pistorii  Nidani,  1 Ö8J •  gedruckt  —  genannt  Historia 
Pistoriana,  im  Drucke  wiederholt  mit  Zusätzen,  aber  unkritisch  von  B.  G.Struve, 
i.  s.  Rerum  Germanicarum  Scriptores,  tom.  I,  1726,  nach  Holder  -  Egger,  Studien 
zu  thüringischen  Geschichtsquellen .  N.  Archiv  f.  ält.  dtsch.  Gesch.  XX,  S.  3*J8: 
Cronica  Tnuringorum  auetore  Praedieatore  Isenacensi  zu  nennen. 

*  Da«  Verb  beslagen  bedeutet  hier  ,,vom  Zimmermann  behauen,"  „behaueu." 
1  Mhd  vieren,  ■»  „viereckig  mneheu ,  viereckig  zusammenfugen,  fest  bauen ,''  und 
diese  Bedeutung  scheint  hier  gemeint  zu  sein.  4  Mhd  gewöhnlich  danne,  s. 
Leben  d.  heiligen  Ludwig,  herausgegb.  v.  H.  Rückcrt,  S.  111.  5  =  „Zwischen- 
raum, treuuende  Zwischenwand,"  hier  collectiv  zu  fassen  —  ..trennende  Zwischen- 
räume." *  „Sonst  nicht  nachweisbar  für  .,flut,"  doch  tritt  in  der  mhd  Zeit  „der 
Begriff  des  .Übermässigen welchen  das  Suffix  in  den  heutigen  oberdeutscüen 
Dialekten  hat,"  schon  auf  (s.  Weinhold,  nihd  (iram.3  §  294).  ;  =  „gefahr- 
bringend," „wild."  8  Stolle  weist  hier  auf  eine  andere  unbekannte  Stelle  hin, 
die  aufzusuchen  sieh  nicht  lohnt,  ebeuso  unten:  ouch  sprechen  dy  meistere,  hin- 
gegen bezieht  sich  ouch  sprechen  sy  auf  Rothe  (14*  S.  22,8). 


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38 


1.  Stück. 


v  got  dor  inne  |  habe  wolde.  wann  es  noe  niclit  vor  mocht  hctto.  Oucli 
sprechen  dy  meistere,  das  dy  thir  in  der  archen  nnnd  dy  vogelo  keyn 
fleisch  dar  inne  esszen,  sy  hotten  andirs  sich  selber  gewustent.9  Dy 
czid,  das  sy  in  dy  archen  gingen,  was  an  dorne  sobenezen  tage  des 
aprilis,  unnd  da  slosz  sich  das  ertrich  uff  unnd  dy  borner  gosszon 
wasser:  das  selbe  toten  dv  wölken  dos  livmmels,  unnd  es  reinte  allen 
enden  als  wid  als  dy  werlt  vierezig  tage  unnd  viorezig  nacht  ano 
undir  losz,  und  das  wasser  ging  ubir  alle  berge,  wy  hoch  dy  sint, 
fnnfezen  eile  hocher  allo  berge,10  uff  das  os  dy  lufft  gereynigete  von 
den  sunden  der  menschen.  Unnd  also  hoch  sal  ouch  das  für  geen 
vor  deme  jungesten  tage.  Abir  das  paradisz  traff  dy  sintflut  nicht. 
r.  um  m;  (Jude  do  dy  arche  geswebet  hatte  soben  monden  unnd  czwey  unnd 
drissig  tage,11  da  behilt  sy  uff  einem  hochen  berge  in  deme  lande 
armenyen,  der  genant  ist  bariss.12  An  deme  czenden  monden  unnd 
sinem  ersten  tage,  da  thet  noe  eyn  fenster  uff  unnd  sach  dy  spitzen 
der  berge  blecken.11  Dar  nach  ubir  vierezig  tage,  da  sante  er  uss  oüien 
raben;  der  quam  nicht  wedder:  ab  der  eyn  ass  funden  hatte  unnd  sich 
gespisset,  adir  ab  er  in  deme  wasser  vor  torben  sy,  das  weiss  man  nicht. 
Darnach  sante  er  uss  eine  tuben;  unnd  da  dy  keine  rüge  u  stad  nicht 
enfand,  da  quam  sy  widder.  Dar  noch  ubir  soben  tage,  i|a  sante  her 
dy  tuben  andirt  weit15  uss;  dy  quam  des  abendes  widder  undo  brachto 
*  eyn  bluninges 16  oley  riss  in  orem  |  munde.  Darnach  abir  ubir  soben 
tage,  do  sante  her  dy  tuben  das  dritte  mal  uss,  unnd  da  quam  sy  nicht 

9  Md  wüsten  (mhd  wüesten)  —  „verwüsten,  vernichten,  ausrotten."  10  Keine 
richtige  Construktion ;  Rothe  hat:  15  klaftern  obir  alle  berge.  "  Stolle  hat 
seine  Vorlage,  die  Ziffern  hatte,  gedankenlos  verleben,  indem  er  XXVII  in 
XXXII  ändert«,  ohne  zu  bedenken,  dann  32  Tage  doch  wieder  einen  Monat  und 
1  oder  2  Tage  ergeben.  '*'  Von  dein  „centralen  über  das  Araxestal  sich  er- 
hebenden Schneegipfel  (5150  m),  den  die  Europäer  irrig  mit  dem  Landesnamen 
Ararat  zu  belegen  pflegen,  ist  der  einheimische,  uralte,  noch  heute  gebräuchliche 
Name:  Masis,"  der  den  Griechen  nicht  bekanntgeworden  ist  {*.  H.  Kie|>crt,  Lehr- 
buch der  alten  Geographie,  S  74 f.).  Nicolau*  Dnmasccnus  (wichtig  für  die 
Quellenforschung!)  nennt  den  Berg  „Baris/*  Von  den  Alten  (Strabo,  Ptolemäus) 
wurde  jenes  Gebirge,  das  wir  Ararat  nennen,  mit  dem  Namen  Parvadres  oder 
Abus  genannt,  und  von  letzterem  erwähnt  Strabo  (XI.  14,  14)  das»  es  in  der 
Nähe  des  Weges  liege,  der  am  Tempel  der  Baris  vorüber  nach  Ecbatana  führe. 
,;l  stintr.  =  „sichtbar  werden."  14  Md  Nebenform  d»*s  mhd  ruowec,  sonst 
nicht  nachgewiesen ,  während  neben  dem  stf.  ruowe.  ruo  das  md  Suhstantivum 
rnge  öfters  vorkommt  (s.  I^exer,  Mhd  Handwörterbuch  s.  v.  ruowe).  ,r>  „zum 
zweiten  Male."  mit  euphonisch  eingeschobenem  unorganischen  t,  das  sich  auch 
sonst  im  md  findet,  z.  B.  vor  n.  s  H.  Rück»*rt,  Lel»en  des  heiligen  Ludwig  S.  142 
(meinentwegen);  auch  das  i  der  2.  Silbe  ist  dialektisch.  Für  bluendes,  vom 

md  Verbum  bluen;  Erfurter  Dialekt,  noch  jetzt:  blühninges,"  wie  auch  „stehning': 
für  „stehend."  Brandis,  Zur  Lautlehre  der  Erfurter  Mundart.  I.  Vt»cale.  Progr. 
1892,  S.  6  erwähnt  drihneng  =  drehend.  Diese  wissenschaftliche  Abhandlung,  die 
als  Programm  1893  II.  Consonanteu,  fortgesetzt  ist,  haben  wir  bei  unsereu  muud- 
artlichen  Erklärungen  als  grundlegend  benutzt;  ebenso  Weinhold.  Uher  deutsche 
Dialektforschung.  1853,  dessen  Mittelhochdeutsche  Grammatik,  2.  A.  1883.  für  uns 
massgebend  war.  S.  auch  die  Göttingrr  Dissertation  (ISJMi)  V.O.Marschall,  Dar- 
stellung des  Vocalismus  der  thüring.  u.  hessischen  Urkunden  bis  z.  Jahre  1200. 


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1.  Stück. 


39 


widder.  Also  noe  was  sechs  hundirt  unnd  eines  jars  alt,  an  deme 
ersten  monden  des  ersten  tages,  do  thed  noe  der  archen  dach  uff  unnd 
sach,  das  das  ertrich  trucken  was:  abir  her  erbeitte  des  gebotes  des 
hern,  das  her  nicht  uss  ginge,  bissdason  got  hiss  ussgeen.  J)itte  ist  die 
erste  werlt.  dy  or  ende  nam  mit  der  sintflut,  in  der  alle  nienschen 
unnd  thir  ertruncken. 

En  denie  sobinden»  tage  ubir  eyn  jar,  also  noe  mit  sinen  sonen  Kotbe  it 
in  die  archen  gegangen  was,  do  hiss  sy  got  widder  uss  geen  unnd  gebene- 
digete  sy  unnd  hiss  sy  wachssen  unnd  meren  unnd  das  ertriche  erfüllen 
unnd  erloubete  on  fleisch  zu  essen,  das  nicht  selbstorbig  were,  unnd 
fissche.  das  byss  uff  dy  czit  ny  kcyn  mensche  gessen  hatte,  unnd  ge- 
lobete  on  dy'  weit  nynimer  mehir17  zu  vorterben  adir  zu  crtrencken,  ****  «» 
unnd  satczte  on  des  zu  Sicherheit  den  regenbogen  in  dye  wölken,  der 
davor  ny  mehir1»  gesehen  was.  Darnach  in  deme  andern  jare,  do  ging  nothc  in 
noe  eines  tages  uff  deme  felde  unnd  fant  eynen  winstogk  unnd  ass 
der  wimbar, b  dy  vor  der  czit  ouch  ny  gesehen  warn,  unnd  druckte 
dar  nach  den  win  dar  uss  unnd  trnng  den  most  unnd  wart  truncken 
unnd  lag  in  sinem  tabernakel  unnd  hatte  sich  umme  geworffen,  das 
er  forne  bloss  lag,  wann  es  uff  dy  czit  nymant  nedir  kleyrie  ane  hatte. 
Da  quam  sin  mittelste  son  cham  unnd  belachte  sinen  vater  unnd 
sagete  das  synen  andern  czwen  |  brudern,  wy  or  vater  lege;  unnd  dy  v 
quomen  unnd  dacktenc  on  zu  unnd  slugen  einen  mantel  ubir  ore 
houbt  unnd  wolden  oron  vater  an  siner  schemede  nicht  beschawon. 
Unnd  also  noe  nüchtern  wart  unnd  vornam  dy  unczucht  sines  sons  cham, 
der  on  verlacht  hatte,  da  vor  fluchte  er  ome  nicht  dar  umme,  das  got 
gebenediget,  da  sy  uss  der  archen  quomen,  sundern  syme  sone,  der  hiss 
chanaan,  deme  vor  fluchte  jher]/  her  sohle  knecht  siner  brnder  werde. 

Noe,  der  lebete  nach  der  sintflud  vierdehalb  hundert  jar  unnd  ge-  K««he  »o 
lebete  den  tag,  das  man  von  ome[unnd]e  sinen  sonen  czalte  vier  unnd 
czwenczig  tusent  unnd  hundirt  man  ane  wyber  unnd  kindere,  der  ane 
czal  was.  Unnd  da  noe  wart  nünhundirt  unnd  eyn  unnd  funffczig 
jar  alt,  da  starb  her.  Dye  dry  sone,  noes  kindere,,  Sem,  cham  unnd 
jafeth ,  dy  lebeten  lange  czit.  Sem,  der  eldeste  son,  der  hilt  sieh  an  Roth©  »3 
das  teyl  der  werlde,  das  da  heyst  asia,  unnd  gehit  von  deme'  uffgange 
der  sonnen  biss  zu  demc  mittago;  unnd  sine  wonunge  wass  zusalemin 
der  stad,  dy  her  buwetc,  da  itczunt  ist  Jerusalem;  vnnd  von  sinem 
geslechto  sint  komen  dy  patriarchen,  dy  propheten ,  dy  joden  unnd 
unser  herre  ihesus  cristus  unnd  konigk  david  unnd  koning  salomon 
mit  orem  gesiechte. 

Der  andere  son  cham,  der  czoch  mit  sinen  kindern  an  das  ander 
ende  der  werlde,  das  da  heisst  affrica;  das  geet  von  deme  mittag«  biss 

•  IIS:  «ohro.       «•  HR:  wimar.       «  IIS:  4ark«n.       1  lo  .1  HS:  fohlt  her.  <1»f  wcrpo  <1w 
umo(««Hmr  <Ur»pf  folgenden  Ubenwben  Int.  In  d  113  Icblt:  uim.1.       '  HS:  den. 

"  mehir  ißt  dialektische  Dehnung  von  mer;  nynimer  mehir  für  —  „nimmer 
fernerhin,  fortan" ;  —  hingegen :  ,Ä  ny  mehir  =  „nicht  §onst,  sonst  Bchon,  früher 
schon." 


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40 


1.  Stück. 


zu,  undirgange  der  sonnen;  der  buwete  babilonien,™  do  wonte  her. 
Der  dritte  son  jafetli  der  czoch  mit  sinen  kindern  in  das  dritte  teyl 
s  der  werlde,  das  gelegen  ist  kein  |  norden  von  deme  uffgange  der  sonnen 
kein  der  mitternacht,  das  geheis^en  ist  Europa.  Unnd  in  denie  teyl 
sint  wir  gelegen;  unnd  her  buwete  an  das  meliir  eine  stad,  dv  hevset 
nach  ome  jafetli;  du  wonete  her,  unnd  von  ome  sint  konien  dv  luthe, 
dy  hir  dessyt  des  nieres  sint. 

Rothe  8i  Czu  babylonia  erhub  sieh  das  erste  rieh.  Also  cham,  noes  son, 
der  gebar  einen  son,  den  hiss20  nemroth;  der  was  czwolff  eile  lang, 
eyn  gross  starg  man,  unnd  der  nam  sich  gewalt  an  ubir  dy  Inte  unnd 
betwang  dy.  Her  machte  ouch  das  erste  heir  unnd  fürte  das  erste 
baner  unnd  streit  zum  ersten;  unnd  her  buwete  den  grossen  torm  an 
dy  stad  mur  zu  babylonia;  unnd  wart  gebuwet  mit  czigelsteinen,  funff 
tusent  unnd  vier  unnd  achezig  eile  hoch;  syo  wolden  in  den  hymmel 
buwen,  ab  dy  sintflut  wedder  queine,  das  sy  nicht  ertruncken.  Do 
wandelte  got  ore  spreche  in  czwo  unnd  sobenezig  czungen.  also  vele 
Avas  der  houbtlute,  unde  also  manchen  enden  murten  sy  dar  ane, 
unnd  or  keyner  konde  den  andern  vorneme.  Do  musten  sy  des  ge- 
buwes  uff  höre  unnd  konden  numme  gearbeyte. 

Roth*  2»       Item  ubir  dryhundert  unnd  sechezig  jar  da  wart  disser  nemroth 

Rothes«  nach  der  sintflut  gewoldig  ubir  alle  land.  Disser  nemroth  hatte  einen 
son,  den  hiss  bei,  der  richte  zu  babylonie  funff  unnd  sechezig  jar  nach 

Roth«  »5  sines  vaters  tode.  Disser  koning  beel  gebar  einen  son,  den  hiss  Ninus. 
Disser  nynus  buwete  dy  grossen  stad  Nyniven  unnd  richte  nach  sines 
vater  tode  zu  babylonien  unnd  zu  nyniven  czwey  unnd  funffezig  jar. 
v  Unnd  nynus  der  koning  gewan  einen  son,  |  den  hiss  Trebita.  Da  des 
muter  gestarb,  da  nam  nynus  eyn  ander  wip,  dy  hiss  semerana.  Do 
starp  dusser  koning  Nynus,  unnd  das  koningrich  gevil  uff  Trebatam ; 
da  wolde  semerana,  sine  stiffmuter,  das  er  sy  zu  der  ee  neme  solde, 
uff  das  sy  konigynne  des  landes  blibe  mochte.  Unnd  do  trebata  des 
nicht  thun  woldo,  do  treyp  sy  on  uss  deme  lande  zu  niniven,  das  er 

Rothe»-  vor  or  fleen  muste  ubir  meer,  unnd  quam  an  eyn  wasser,  das  heist 
dy  mosser,  unnd  buwete  do  eine  stad,  dy  nante  er  noch  synem  nanien 
Tryre,*  unnd  brachte  do  mit  ome  ezwenezig  tusent  gewopente,  mit  den 
betrang  er  duteze  land  unnd  wart  der  erste  koning  in  dutezen  landen. 
Trere  ist  ouch  dy  erste  unnd  oldeste  stad,  dy  ye  gebuwet  wart  hir 
dissyt  des  meres,  unnd  ist  also  ald,  das  abraham  soben  jar  alt  was. 
Sy  wart  gebuwet, b  also  got  himmel  unnd  erden  geschaffen  hatte  dor 
noch   ubir  drytusent  czweyhundirt  unnd  eylff  jar.    Dysser  selbige 

1  Am  Rande  itrlit :  Tryre.       b  desgl.  Trier  gebaut  nach  emeh:i|>faug  der  weit  5*  11  jnr. 

,n  Geographische  und  geschichtliche,  sowie  sonstige  sachliche  Irrtümer,  das 
sei  ein  für  allemal  bemerkt,  so  weit  sie  damals  allgemein  waren,  werden  wir 
nicht  berichtigen,  vielmehr  nur  solche,  die  Stolle  eigentümlich  gewesen  zu  nein 
scheinen,  namentlich  wenn  die  Berichtigung  für  das  richtig  Verständnis  der 
Stelle  notwendig  erscheint.  10  Kehrt  formelhaft  oft  wieder,  zu  erklären  mit: 
hisz  man  oder  hisz  er  u.dgl.;  daneben  findet  sich  auch  der  Nominativ. 


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I.Stück.  41 

trebata  was  eyn  grosser  man  unnd  ein  resso;  von  sinen  eldern  unndR"tt»s7 
von  sinem  gesiechte  quomen  dy  ressen  an  deme  ryne:  hagen,  cryme- 
hilt  unnd  der  kune  siffart  unnd  dy  andern  ressen. 

Also  nu  lange  czit  das  koningrieh  zu  trere  von  deme  konige  tre- 
batan  in  dutczen  landen  unnd  in  doringen  gewert  hatte,  unnd  vonuoth«2» 
sinem  gesiechte,  unnd  Troya  von  den  krechen  wart  vor  stört,  dor  inne 
warn  sechshundert  tusent  unnd  sechs  unnd  sobinczig  tusent  ge- 
woppente,  unnd  der  quam  en  teyl  in  welscheland,  unnd  von  den  wart 
roma  gebuwet.  wanne  romulus  unnd  |  migius21  warn  von  orem  ge-  4  Rothe*» 
siechte.  So  quam  seno,2*  antenors  son,  von  troya  kein  doringen  unnd  Ruthe»-.  s° 
wart  ouch  eyn  koning  zu  trere.  Der  machte  do  sinen  son  merkoraed 
zu  einem  konige  in  doringen  biss  an  dy  see,  unnd  der  brachte  dy  land 
biss  an  behemen  an  syn  rieh.  Noch  deme  regirten  seine  kindere  in 
doringen  bis  uft  keysern  julium.  Dor  noch  worden  dy  romere  also 
meehtig,  das  sy  alle  land  betrungen.  Da  santen  sy  den  ritter  julium  Ruthe  «i 
mit  sechs  unnd  sechezig  tusent  rittern  in  dutczland,  das  er  on  dy 
undertenig  machte.  Unnd  der  selbigen  worden  ome  wol  ezwenezig 
tusent  erslagen.  Noch  sso  betrang  her  dye  dutczen  unnd  satezte  dy 
konige  abe  unde  machte  uss  on  horezogen,  unnd  dy  musten  den  romern 
hulde  unnd  jerlichen  czinss  geben ;  unnd  buwete  da  grosse  borge  in 
etlichen  landen  unnd  satezto  dar  uff  erbar  manschafft  unnd  belente  dy, 
uff  das  sy  bewarten.  das  man  keynen  andern  koning  machte,  unnd  dy 
land  sich  nicht  wedder  von  den  romern  imune  kerten.  Also  buwete 
her  uff  dy  missenere  unnd  osterlandere  eyne  borg,  dy  nante  her  nach 
sime  namen  juliborg,  dy  wir  nennen  ileborg;23  in  Sachsen  buwete 
her  by  mondes  schine  lunebonr;  in  doringen  buwete  her  eine  borg 
by  deme  hareze,  dy  nante  her  Confusione,  das  sich  bedutit  eine  vor- 
storunge,  wann  von  der  selbigen  borg  vor  störte  her  das  koningrieh 
der  doringe;  dy  selbigen  borg  heissen  wir  itezunt  kuffehusen  In 
hessen  buwete  her  boymenborg24  von  holcze25  unde  satezte  uff  den 
bergk  I  czwey  unnd  sobinczig  ritter.  In  westt'aln  buwete  her  n  11  wen  v 
may,26  an  deine  rine  julieh,  ouch  noch  sinem  namen  genannt.    Ditte  Reo.*  »* 

71  Rothe  hat  richtig  Rem  um:  Stolles  Irrtum  kam  wohl  daher,  da«?  ihm  der 
heilige  Remigius  vorsehwebte,  welcher  Chlodwig  in  Rheims  taufte.  ?*  Homers 
Tlias  kennt  11  Söhne  des  Antenor,  spätere  Quellen  nennen  noch  ß  (s.  Paulv, 
Realenevelop.  d.  klass  Altert.  2.  A.  v  Whwowa,  s  v.  Antenor),  dorh  nirgends  findet 
sich  ein  Seno.  Der  Name  ist  wohl  ausMedon  (Vergil,  Aen.  II,  4*3)  verschrieben 
I  Medo-Seno).  In  Bezug  auf  Antenor  und  seiner  Söhne  Schicksale  und  Sfaaten- 
wie  Städtegründungen  konnte  sich  das  sjiatere  Altertum  nicht  genugthun:  es 
seien  u.  a.  nur  die  Neugründung  Trojas,  die  Wanderung  nach  Kyrene,  die 
Gründung  Paduas  (Patavium)  und  Okclns  in  Irland  genannt;  Rothe  fabelt  noch 
toller  als  Stolle.  n  Pas  heutige  Eilenburg.  im  nreus*  Regierungsbezirk  Merse- 
burg. ?*  In  Rothes  HS  Dr.  (codex  H'  der  Kgl.  Bibliothek  zu  Dresden)  steht 
für  das  in  anderen  HSS  Rothes  geschriebene  Hornbergk  Boimelburg,  das  Lifien- 
kron  richtig  als  das  ehemalige  l)ei  Nordheim  (preuss.  Provinz  Hannover)  gelegene 
Sehloss  Bomenel>org  erksnnt  bat;  Stolle  bestätigt  dies  hier.  *:'  D.  h.  mit 
..hölzernen  Häusern."  *"  Es  ist  mehr  als  fraglich,  oh  damit  Neumagen,  Markt- 
flecken an  der  Mosel,  im  heutigen   Regierungsbezirk  Trier,  gemeint  ist;  dieses 


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42 


2.  Stück. 


geschach,  also  Roma  sobinhundirt  jar  gestanden  hatte  unnd  wol  funff- 
czig  jar  vor  Cristus  gebort.  Ditte  ist  nu  dy  andere  herschaflt  der 
doringe,  dy  nu  herezogen  worden  sint.  In  den  gecziten  lebete 
allexander,  der  grosse  koning,  der  in  den  landen,  da  dy  sonn«  uö 
gehit,  grosse  wundcrwerg  treib,  also  sin  leben  wol  uss  wiset. 
Ku.so.si)  Also'  man  schreib  nach  Cristus  gebort  XXV1U  jar  unnd  der  koning 
allexander  gostorben  Avas,  do  was  eyn  volk  in  sinem  here,  dy  hessen 
petrioli,  das  bedutit  sich  kesselinge,-7  wann  sy  hart  in  den  striten 
warn.  Das  volk  konde  sich  in  den  landen  nergen  behalde  durch  des 
schaden  willen,  den  sy  den  landen  getan  hatten  in  or  gesellschafft 
Hirunimo  so  rumeten  sy  dy  land  unnd  satczten  sich  in  schiff  unnd 
füren  uft  der  see  unnd  ertruncken  mehir  dann  halb,  wann  on  das 
wasser  unbckant  was.  Unnd  der  bleib  onteyl  zu  prussen  unnd  zu 
russen.  80  quam  or  enteil  in  XU  schiöen  an  dy  stete,  da  itczunt  lid 
lubig  unnd  rostog  an  der  see.  Do  selbest  sossen  vor  dy  doringe, 
unnd  treben  da  mit  gewalt  dy  doringe  von  der  see,  wann  sy  zu  strite 
wol  gelart  worn,  unnd  nun  ton  dy  doringe  dy  torlinge  ummo  dos 
willen,  das  sy  sich  torlich  stalten  zu  strite  unnd  sy  des  gar  wenig  ge- 
ptlagen  hatten.  Dy  doringe  nanten  disse  ore  finde  saxen,-8  das  sich  be- 
dutit steynen  lute,  wann  es  gar  hart  selig  volk  was. 


5  2.  Wy  dy  Romere  wolden  oren  keyser  Octavianum 

an  bethe  vor  eynen  got 

Rothe  o«  Sibilla  was  eyn  wip  zu  Koma,  dy  den  wissagenden  geist  hatte, 
unnd  vele  zukünftiger1'  ding  eyne  leclite  warsogerynne  was,  unnd  fürte 
eyn  heylig  leben,  Also  nu  der  keyser  octavianus  alle  laut  botwungen 
hatte  unnd  dy  under  des  romeschen  richs  gewalt  brocht  hatte,  unnd 
sy  alle  den  Romern  czinssbafftig  worden,  unnd  fredo  was  also  withe 

•  Dm  A  dle«o*  Worte»  sollte  als  In'tial  dieses  SculuMabachnittea  offenbar  'rot  geschrieben 
werden.  V\c  Stelle  für  dim»«lbe  Ut  jedoeh  in  der  Hilucbr.  leer  geblieben  nod  der  gante 
folgende  AWhniit  durchstrichen,  wnil  er  »Ich  unter  Bl.  lt>v  noch  elnoml  mit  gani  unbedeutenden 
Abänderungen  Itu  W'ort'auto  Audct.  b  US:  zukünftige.  c  PaUehlich  In  der  HS  ahvo  wieder- 
holt, wie  Kotho  beweint. 

bildete  früher  eine  Herrschaft,  die  dem  Hause  Sayn-Wittgeustein-BerleburK  ge- 
hörte, unter  kurtriersclier  Hoheit.  Bei  Kt)the  fehlt  der  Name.  Somit  bleibt  un- 
entschieden, ob  man  ändern  (etwa  NA  wen  Höh,  Neuhau»,  bei  Paderborn,  wo  die 
Bischöfe  früher  oft  residierten)  oder  annehmen  soll,  das«  der  Name  von  Stolle 
versehentlich  eingesetzt  wurde,  da  er  nicht  wusste,  daas  das  folgende  Jülich  zu 
(dem  damaligen  Westfalen  gehörte;  freilich  wäre  die  Einschiebt!  ng  gänzlich  ver- 
kehrt peweaen ;  doch  wäre  in  diesem  Falle  zu  lesen:  Iu  Westfalen  huwcle  her 
«n  dem  rine  Jülich.  37  Petrioli  leitet  der  Chronist  von  dem  jrriech.  jtetros  =  „F«ls, 
Stein"  ab  und  übersetzt  es  mit  Kieling  „Kieselstein";  Diefenbach  weist  in» 
glossariuni  latino-germ»nic.  r>:i3'"  die  niederrhein.  Form  keaelinc  nach,  die  unserer 
md  Form  keaselinc  nahekommt.  Hntepreeheud  der  oben  erwähnten  Ableitung 
des  Namens  der  Petrioli  aus  dem  Griechischen  wird  der  Name  der  Sachsen 
(Nixen)  aus  dein  Latein,  (caxum,  „Fels,  Stein")  versucht,  während  bekanntlich 
da«  Volk  seinen  Namen  von  seinem  mestjerartigeu  Schwert  sahs  hatte. 


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.  3.  Stück. 


43 


alle  lant  worn,  do  wolden  on  dy  Römer  an  bethe  vor  eynen  got  unnd 
sin  bilde  losen  setczen  in  eynen  tcmpel  zu  Romo  unnd  ome  gotliche 
ere  erbethe.  Do  vor  both  on  das  der  keyscr  unnd  wolde  solche  ere 
ane  rath  nicht  nemen  unnd  sprach,  her  wolde  dar  uff  eyno  antwart1 
thuu  über  dry  tage.  In  des  so  bisch  her  vor  sich  Sybillam  dy  wis- 
sagerynuen2  unnd  nain  oren  rad  darubir  unnd  fragete  sye,  ab  ouch 
eyn  mechtiger  herre  uff  das  ertriche  komen  sulde,  danne  her  were. 
l)o  antwarte  sy  orae:  jo,  unnd  sprach:  Ess  kompt  eyn  koning  von 
denie  hymniele  uff  das  ertriche,  der  den  hymmel  unnd  dy  erden  in 
syner  gewalt  hat,  unnd  der  sal  das  ertriche  vornuwen  mit  dorne 
glouben  unnd  das  volk  von  der  gewalt  der  bösen  geisto  erlösen,  unnd 
wert  ouch  vor  sin  volk  sterben  unnd  wort  wedder  von  denie  tode  uff- 
crsteen;  dy  werlt  sal  mit  fure  vorgeon,  unnd  dy  toten  sullen  wedder 
lebennig3  werde,  unde  wert  danne  anderweit  mit  grosser  gewalt  komo 
unnd  gerichte  sitczen  über  dy  bösen  unnd  |  dy  guten.  Also  nu  der  v 
keyser  octavianus  stunt  mit  sibillam  ufl  sime  pallas,  do  sach  her  den 
hymmel  an  unnd  sach,  das  sich  der  hymmel  uff  toth,  unnd  sach  do 
eyne  schono  jungfrowen  in  der  sonnen  steen,  dy  hatto  eyn  schönes 
kint  uff  oren  armen.  Sy  hatte  ouch  den  monden  under  oren  tussen 
unnd  czwolff  stern  zu  oyme  krancze  uff  orem  houbte.4 


3.  Wye  Cristus  geborn  wart. 

Esgeschach  noch  den  jarn,  also  Romo  gebuwet  wart,  do  man  czalte  Rothes? 
[noch    anhebunge    geschaffen  der  werlt |a  sobenhundert  und  rzwey- 
unndfunffczig  jar,  unnd  der  keyser  octavianus  zu  roma  geregirt  hafte 
czwey  unnd  vierczig  jar,  unnd  dy  Romer  hatton  also  grossen  frede, 

•  Von  Ktoll«  «»»  »nwr  Confuahm  hier  cln|f«K  h-.lK»n ,  a  «i.  S.  44  Zl.lt  r.  o. ;  wich  Mnd  die 
Worte  nn  «Ich  unvemtHndllrti ,  Mo  werden  nur  voratändllch ,  wi  nn  man  Annimmt,  da»  «wischen 
Rnbebungv  ond  goKhaflftn  ein  „»dir"  anHfre!'allen  l«t. 

'Es  ist  wohl  antwart  ..Antwort"  pomeint  (Rothe:  antwort),  denn  aniwart 
betleutot  .Gegenwart';  da  diene»  auch  die  Nebenform  antwart  hat.  i»t  der  Grund 
der  Verwechslung  zu  erkennen.  *  I >i«>  schwache  Form  ist  sonst  nicht  nach- 
weisbar. n  Dialok  lisch,  durch  Assimilation  aus  lebendig  entstanden  fso  auch 
u  St.fi  u  iil;  «,  Brandis  .1.  a.  O.  II,  Progr.  1893  S.  12  u.  S.  6;  Hertel,  Thüringer 
Sprac' 'Schatz,  1N95,  S.  155.  4  Da«  ist  eine  etwas  abweichende  Form  der  Sage, 
wie  sie  die  bekannte  Legende  der  Gründung  der  Kirche  St.  Maria  Araceli  auf 
dem  Capitol  in  Rom  erzählt  Die  Senatoren  wollten  Octavian  als  Gott  anbeten. 
Krschrocken  bittet  er  eich  Bedenkzeit  aus;  während  derselben  beruft  er  die 
Sibylle  von  Tibur  Auch  diese  bittet  sich  drei  Tage  Bedenkzeit  au-,  bevor  sie 
antwortet,  dann  weissagt  sin  dein  Kaiser:  .Zeichen  des  nahen  Gericht«!  Vom 
Schweins  bald  triefet  die  Frdc.  Und  vom  Himmel  hernieder  erscheint  der  Jahr- 
hunderte König."  Jedenfalls  eine  Anknüpfung  und  christliche  l'mdeutung  von 
Vergil,  Buool.  IV  17:  .,iam  nova  progenic»  endo  demitlUur  albo."  Als  Octavian 
das  Wort  der  Sibylle  vernahm,  öffnete  sich  d^r  Himmel,  und  er  »ah  die  heilige 
Jungfrau  mit  dem  Christiiskinde  auf  dem  Arme.  Da  errichtete  er  auf  dein 
Capitole  einen  Alfar  mit  der  Inschrift:  haec  ara  est  primogeniti  dei,  an  dessen 
Stelle  ist  später  die  Kirche  St  Maria  Araceli  getreten  (8.  u.  a  Rom.  von  Gsell- 
Fels,  bei  St.  Maria  Araceli). 


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44 


4.  Stück. 


unncl  dy  luthe  liberal  uff  deme  ertriche;  unnd  sy  erfare  woldcn,  wy 
volc  luthe  uff  ertriche  wcren,  unnd  der  keyser  liss  ussgeen  eyn  geboth, 
das  man  dy  luthe  besehriben  solde,  unnd  eyn  iglich  mensche  solde 
kome  in  dy  stad  unnd  in  das  gerichte,  do  her  in  gehörte.  Also  musten 
Joseph  und  Maria  komen  keyn  Bethlahem.  Do  wart  unser  liebe  herre 
Jhesus  Christus  geboren  zu  Bethlahem  vor  der  stad  in  der  achten  ka- 
ienden des  volleborns,'  das  ist  Januarius,  an  deme  suntage  fru  zu 
mitternachts  do  dy  nacht  an  deme  lengestcn  was.  Do  czalte  man  noch 
Adams  gecziten  ader  angende-  der  werlt  tunff  tusent  hundert  unnd 
nunundnunnezig  jar.  In  der  nacht,  do  ersehenen  dye  engele  den  heiten 
uff  deme  felde,  eyn  nuwer  stern  den  drven  konigen  in  Oriente,  unde 
c  uff  dy  nacht  do  tloss  zu  Rome  eyn  born  mit  oley  !  uss  der  tabernen 
der  soldener  den  ganczen  tag  mit  starckeme  flösse.  Unnd  uff  dy 
selbigen  nacht,  do  vil  dy  eren  sul  nidder,  dy  Romulus  gesatczt  hatte  in 
den  tempel  der  ewigkeit,  dy  nummer  gefallen  solde  syn  biss  so  lange, 
das  eyn  reyne  juncfrowe  eyn  kint  gebere:  do  meynte  her,  das  konde 
nu  noch  zu  ewigen  gecziten  nummer  gesehee.  Dy  sul  unnd  der  tempel 
fvien  unnd  rissen  uff  unnd  zu  brochen.  In  der  selbigen  nacht  storben 
ouch  alle  sundere,  dy  mit  den  stommen  sunden  beflecket  wom,  uss- 
geslossen  octavianus  der  keyser  zu  roma  alleyne;  des  schonte  got  umme 
andere  syne  togunde.  Do  nu  Cristus  achte  tage  alt  wart,  do  wart  her 
besneten.  Do  her  czwolff  tage  alt  was,  do  brochten  ome  dy  dry  konige 
das  oppher.  Do  her  sechs  wochen  alt  wart,  da  oppherte3  on  Maria  in 
den  tempel  zu  Jerusalem. 


4.  Von  herodes,  der  dv  kindere  lins  toten. 

Noch  Cristus  gebort  in  deme  andern  jare,  do  czoch  maria  unnd 
joseph  mit  deme  kindo  jhesu  unnd  Hoen  vor'  herodes  in 
egiptcnland.  Noch  cristus  gebort  dry  jar,  do  liss  der  koning  herodes 
dy  kindere  toten.  Noch  cristus  gebort  vier  jar,  do  totte  herodes  sin 
eliches  wib  mariannen.  Noch  christus  gebort  fünft'  jar  do  totte  herodes 
synen  son  aristobulum  unnd  alexandrum.  Noch  cristus  gebort  sechs 
jar,  do  bestunt  herodes  eyn  grosse  kranckeit  umme  der  suntlichen 
bossheit  willen,  dy  her  begangen  hatte,  unnd  leyt  ynnewendig  unnd 
ussewendig  sines  liebes  swerlich  ungemach  und  grosse  pyn.   Her  leyt 

*  HS:  von. 

'  .,VoJhorn"  bedientet  meist  den  Januar,  wie  hier  (seiton  den  Februar),  ».  K.  Wein- 
hold,  Die  deutschen  Monatsnamen,  S.  28  u.  55);  nur  aus  dem  Gebiete  des  Mittel- 
deutschen (s  auch  da**  Leben  des  heilig.  Ludwig,  herausggb.  v  H.  Rüekert  S.  118) 
nachgewiesen  und  der  Deutung  nach  unsicher  (—  Vollbrunn,  .,weil  gewisse 
Quellen  zu  gewissen  Zeiten  Fülle  bedeuten"  —  Weinhold)  *  Dativ  von  angeu, 
stn.,  mit  euphonischem  d,  s.  Brandis,  n.a  O  II  S.7  u  8;  auch  t,  s  Rückort  a.  a  O. 
S. !»:):  „eigentlich"  3  In  der  ursprünglichen  Bedeutung  des  lat.  Wortes  orterre, 
das  entlehnt  wurde,  al*o  darbringen." 


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r>.  Stuck. 


45 


ouch  hunger  unnd  konde  numme  |  also  vele  gessen,  das  er  den  hunger  v 
hette  kont  gebose.1  Ussewendig  was  syn  hut  fol  grindes  unnd  swcrn, 
unnd  wuchsen  wornio  in  synem  fulen  fleische,  das  sy  von  synio  liebe 
Sprüngen,  unnd  ging  von  ome  olso  gross  gestang,  das  nymant  by  ome 
bliben  konde.  Her  swal  ouch  do  niete  also  gross,  das  her  sich  nicht 
beregen  konde.  Unde  do  her  enczub,'-  das  her  nicht  konde  genessen, 
do  liss  her  uss  allen  steten,  dorffen  unnd  slosseu  der  edelsten  unnd 
richsten  juden  kindere  fohen  unnd  dy  behalde  unnd  brochte  synen 
swoger  alexandrum  unnd  syne  swester  salomee  dar/.u ,  das  sy  ome 
musten  sweren,  wanne  her  gestorbe,  «las  sy  dy  gefangen  juden  von 
stunt  toten  wulden,  uff  das  sy  sich  ltmme  sines  todes  willen  betrübe 
wolden  unnd  synen  tod  allen  enden  in  deine  lande  beweinten.  Das 
geschach. 


5.  Von  «lerne  leben  Oisti  ihesu. 

Also  man  czalte  noch  Cristus  gebort  soben  jar,  do  hiss  der  engel  R**« 
josephen,  das  her  mariam  unnd  or  kint  wedder  in  das  jodissche  land 
brechte.  In  deme  selben  jare  wart  Herodes  son,  genant  archelaus, 
eyn  koning  zu  jherusalem.  Item  unser  herre  jhesus  cristus  wart 
empfangen  an  den  sobinden  kaienden 1  des  aprils  an  eyme  fritage. 
Adam  wart  ouch  umme  dy  selben  jarczit  geschaffen.2  An  deme  fritage 
do  furto  moyses  dye  juden  ubir  dus  rothe  meir,  unnd  umme  dy  selben 
czit  jars  an  deme  fritage  leyt  cristus  dy  marter.  Umme  dy  selben 
jarczit  an  deme  fritage,  do  oppherte  abraham  synen  son.  Uff  dy  selben 
jarczite  an  deme  fritage,  als  |  Cristus  czwolfT  jar  alt  wart,  do  sass  her  i 
in  deme  tempel  unnd  redete  mit  den  juden  von  der  schrifft.  Do  her 
drissig  jar  alt  wart,  do  ging  her  in  dy  wostenunge  unnd  faste  do  XL 
tage,  als  her  uss  der  touffe  ging,  do  ou  sanctus  Johannes  touffte  in 
deme  jordane.  Got  der  spisote  ouch  dy  juden  in  der  wostenunge  XL 
jar  mit  hymmel  brote.  Cristus  der  herre  predigete  uff  ertriche  XL 
monden.  Er  was  in  syner  muter  Übe  XL  wochen.  Er  lag  in  deme  grabe 
XL  stunde.  Er  was  noch  syner  untersten  dünge  XL  tage  by  synen  jungem 
uff  ertriche.  Also  her  eyn  unnd  drissig  jar  alt  wart,  do  spisete  her  funflf 
tusent  menschen  mit  fünft  broten  unnd  mit  czwen  fisschen.  Also  her 
XXXIII  jar  alt  wart,  do  wart  sanctus  Johannes  gefangen  unnd  in  deme 

'  Sonst  nid  gebüten  (mhd  gebüejen)  =  „büsseu,  bessern,  beseitigen,  stillen." 
1  Practeritura  de«  nid  Verbums  enzeben,  mhd  entsebeu,  „mit  drin  (teschmacke 
wahrnehmen,4'  dann  allgemein  „inne  werden,  merken,"  s.  auch  Lilieneron,  Rothe, 
S.öOil;  Rückert,  L.  d.  h.  Ludwig,  S.  114. 

1  Merkwürdige  Verdeutschung  der  römischen  Kalenderliezeichnung  a.  d.  VII. 
Caleud.  ;  Übrigens  ist  der  25.  März  n.  «I.  VIII.  Cal.  April.  Der  Fehler  schon  bei 
Rothe.  *  Rothe:  Adam  wort  ouch  umbe  dieselbe  jarzeit  gcshaflcn  an  dem  freitage. 
Moys«-s  der  fune  u.  n  w.  Stoll«  ändert  die  Interpunktion:  geschaffen.  An  deme 
freitage  do  furte  Moyae* ;  so  hat  sich  ein  anderer  Sinn  ergeben. 


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6.  Stöck. 


jare  er  noch  enthoubit.  Do  her  XXXIII  jar  alt  wart  unnd  VI  monden, 
do  starb  her  an  deine  crucze.  Uber  funffezig  tage  dnrnoch,  du  sante 
her  synen  heiigen  geist  den  jungern. 


Roth«  70  6.  Von  cristus  czeichen  unnd  der  meister  künstln. 

Cristus  unser  herre,  der  thet  uff  ertriehe  unezoliche  vele  grosser 
wunderwerg  unnd  czeichen,  besundern  dryerleye  czeichen,  dy  ane 
goth  nymant  gethun  kau.  Das  eyne  ist  dy  toten  lebennig1  zu  machen, 
unnd  das  dy  fort  essen  unnd  trincken,  geen  unnd  steen,  unndinainch- 
jar  dar  noch  ieben.  Das  andere  ist  dy  ussseezigen ,  dy  nasen  unnd 
mund  unnd  ander  or  geledemuss:l  vorlorn  haben,  zu  reynigen  von 
oren  suchen  unnd  den  dy  vorlorne  geledemuss  von  stunt  wedder  zu 
brengen.  Das  dritte  ist  der  luthe  gedancken  zu  wissen.  Disse  dry 
czeichen  dy  kau  nymant  mit  kunsten  noch  mit  czouberie  noch  mit 
v  deme  bossen  j  geiste  zu  wegen  brenge,  also  mit  sinen  kunsten  virgi- 
lius*  teth ,  der  zu  Neapolis  tleischhutten  machte,  do  kein  fleisch  ynne 
vortarb,  wy  lange  man  das  darynne  behilt;  unnd  virgilius  machte 
ouch  eynen  torin  in  Campanien,  do  hing  eyn  grosse  glocke  ufte,  unnd 
wan  man  dy  glucken  lutte,  so  wägete  '' der  tonn  glich  mit  der  gloeken ; 
her  machte  ouch  eynen  garten,  do  es  nummer  in  geregente.  Item 
soerates0  machte  ouch  eynen  tonn  an  deme  mere,  unnd  dar  uffe  eyne 
lucernen,  do  sich  dy  meer  luthe  noch  richten;  den  selben  torm  leyte 
her  uff  gleserne  krebesse  in  des  meeres  sant.  Item  der  apt  got  fo- 
runtis, 7  der  gross  unnd  isern  was,  der  hing  in  syme  tempel  in  der  lufft 
unnd  hatte  sechs  hundert  ptunt  an  deme  gewichte.    Zu  opheso  was 

'  S.  oben  St.  2  A.  3.  '  Nur  graphisch  unterschieden  von  <ier  umgelauteten 
Form  menich  ■=  manieb ,  dann  synkopiert  manch.  a  l'lur.  Gliedmassen;  dia- 
lektisch; sonst  in<l:  geledemejc,  mhd  gelidema^e.  4  Vergil  war  der  beliebteste 
und  am  höchsten  geachtete  Dichter  im  Mittelalter :  seine  Cicdichte  wurden  viel  ge- 
lesen und  von  dem  Aberglauben  als  Stichbuch  benutzt.  Im  Munde  des  Volkes 
wurde  er  ho  zum  Wundert  bäter  und  Zauberer,  auf  dessen  Namen  (Spuren  finden 
sich  schon  in  der  Lebensbeschreibung  von  Donat,  um  406  n.  Chr.}  die  Völker 
des  abend  ländisebeu  Mittelalters  wetteifernd  ihre  phan  tau  tischen  Erfindungen  und 
Sagen  häuften;  näheres  s.  b.  Teuflei,  Gesch.  d.  röm  Litt.  J;  216  ii.Adiii.,  wo  auch 
die  betreffende  Litteratur  verzeichnet  ist.  Je  weiter  im  Mittelalter,  desto  phan- 
tastischer gestaltet  sich  die  Sage,  so  da.**  Vergil  eine  Art  Doktor  Faust  oder 
Theophrastus  Puracelsus  wurde;  al>er  im  Gegensätze  zu  diesen  erscheint  er  immer 
als  ein  wohlwollender  Geist,  der  überall  helfend  und  fördernd  eingreift,  besonders 
in  seinem  geliebten  Neapel,  wo  er  auch  begraben  liegt,  vor  der  Posilippgrotte  auf 
dem  Wege  von  Neapel  nach  Pnzzuoli.  '  Schwv.  mit  Küekumlaut ,  beeinflusst 
wohl  durch  das  abgeleitete  wackeln,  intr.,  wie  auch  das  mhd  wegen  häufig  intrans. 
Bedeutung  hat;  *o  mich  jetzt  im  Thüringischen,  s.  Hertel,  Sprachschatz,  S.  255. 
*  ha  von  Sokrates  als  Zauberer  im  Mittelalter  nichts  bekannt  ist,  so  liegt  wohl 
eine  Verwechslung  vor,  wahrscheinlich  mit  Archimedes  und  seiner  berühmten 
Verteidigung  von  Syrakus  im  2.  punischen  Kriege.  :  Einer  jener  fabelhaften 
Götzen,  von  denen  zahllose  Erzählungen  im  Mittelalter  umgieugen;  ».übrigens 
St.  7  A.l. 


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?.  Stück. 


47 


der  grosse  tempel  dvane8  gebuwet  uff  eyne  eynige*  sul.  In  smirmn9 
was  eyn  palJas  also  gemacht,  unnd  was  man  dor  inne  rette,  das  hone 
man  in  allen  syncu  kammern,  wy  meehlichen  man  dy  wort  rette. 


7.  Von  den  naturlichen  wundern 1  uff  ertrieh.      Ron*  n 

Hve  in  disson  landen  helt  man  das  vor  wunder,  das  in  andern 
landen  nymanden  wunder  hat  In  demo  lande  zu  hibernien  ist 
eyn  insel,  genant  thanata,  do  man  nummer  keyne  slangen  inne  findet, 
unnd  wo  man  der  erden  uss  deine  selben  lande  in  ander  laut  hone 
brenget,  do  tötet  man  dy  slangen  mete,  wan  man  dy  selben  erden  uff 
dy  slangen  werftt  adir  darüber  louffen.  Item  eyn  insel,  genant  sardin, 
wanne  do  wolfte  in  komen,  dy  sterben  von  stunt.  Item  eyn  insel, 
genant  thyle,  do  lossen  dy  bowmo  ore  bletter  nummer  falle,  unnd 
wert  do  umme  wynaehten  by  |  sechs1'  wochen  nummer  tag.  Item  in  8 
deine  lande,  geheisen  eleyne  Britanien,  do  ist  eyn  born,  wann  man 
eynen  steyn  dar  in  weiflt,  so  erhebet  sich  von  stunt  eyn  grosses  storm- 
wetter.  Item  zu  samarien  ist  eyn  born,  der  ist  in  deine  lenczen  lutter, 
in  deme  sommer  blutfar,  in  deine  herbeste  trübe  unnd  in  demo 
wintere  grüne.  Item  in  deme  geberge  lybani,  do  sint  ezwo  stete, 
czwisscben  den  ist  evn  born,  der  in  der  wochen  nicht  meher  danne 
eynen  tag  flusset  sterglieh,  dy  andern  sechs b  tage  ist  her  trockene. 
In  deme  selben  lande  ist  evn  groses  wasser,  das  alle  nacht  also  hart 
gefrust,2  das  dy  luthe  unnd  dy  tyr  darüber  wandern,  unnd  des  tages 
so  ffuset  es  snel.  Item  in  moren  lande  by  garanant  ist  eyn  born,  der 
ist  des  tages  also  kalt,  das  on  nymant  getrincke  kau,  unnd  des  nachtes 
also  heiss,  das  nymant  doryu  griffen  thor.    Item  in  ampiro  ist  eyu 

•  HS:  B*nlfe.       b  HS:  weh. 

*  Den  vom  Knossier  Oher*iphon  in  Milet  gebauten  Artemistempel  setzte 
Herostratus  in  der  Nacht,  in  welcher  Alexander  der  Grosse  geboren  wurde,  in 
Brand;  wieder  aufgebaut  in  noch  grösserer  Pracht,  galt  er  als  eins  der  sieben 
Wunderwerke  der  Welt.  ''  Wohl  wieder  eine  Verwechslung,  und  /war  mit 
Syrakus,  wo  nebeu  den  Steinbrüchen  (jetzt  uel>en  der  latoinia  del  paradiso)  sich 
ejne  Höhle  befand ,  in  welcher  mau  eiu  Gefängnis  sucht ,  das  Dionysios  der 
Allere,  Tyrann  von  Syrakus  (406-367  v.Chr.),  angelegt  haben  soll;  in* ihr  habe 
der  Tyrann  von  einer  Stelle  jedes  auch  noch  so  leise  gesprochenes  Wort  verstehen 
können,  das  sogenannte  ,,Ohr  des  hiouysios." 

1  Eine  Erklärung  dieser  Wundererzählungen,  ein  Stückchen  verkehrter  Phan- 
tasie des  Mittelalters  und  nur  pathologisch  merkwürdig  wegeu  der  damaligen 
Leichtgläubigkeit  und  Urteilslosigkeit,  haben  wir  nicht  zu  geben  versucht, 
da  sie  für  unseren  Zweck  der  Forschung  nicht  wert  sind.  Solche  Abenteuer- 
lichkeiten hat  das  Mittelalter,  beeiuflusst  u.  a.  von  mancherlei  Fabeleien  und  Er- 
zählungen beim  älteren  Plinius,  dem  griechischen  Geographen  Ptolomaeus 
<1I.  Jahrh.  v  Chr.i,  in  der  Alexandersage,  in  dem  romantischen  Ep<>»  und  den 
Volksbüchern,  desgleichen  von  Erzählungen  der  Reisenden,  und  zwar  unter  dem 
Einflüsse  des  Morgenlandes  mit  feinen  Märchen,  namentlich  seit  den  Kreu/zügeu, 
vielfach  gehabt.       J  Sonst  stv.,  mhd  vricsen. 


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48 


8.  St  uck. 


born,  do  man  bornende  wossches  inne  vor  lesscht,  unnd  dy  vor  leschten 
inne  enpornet.  Ess  ist  ouch  eyn  boin,  do  alles,  das  man  dorin  werft, 
das  wirt  steynen.    Ditte  sint  naturliche  wunder  uff  ertriche. 


K.,,be7»  8.  Wy  der  keyser  Octavianus  starb. 

Ess  gesehach  noch  Cristus  gebort  XllI  jar,  das  der  keyser  Octa- 
vianus  in  demo  meyen  uss  sante  eynen  ratismann,  genant  quintil- 
linura,'  mit  czwenczig  tusent  mannen  wol  geezuget  unnd  sente  dy  in 
dutsch  lant  an  den  ryn  über  dy  walen  unnd  über  dy  dutschen,  dy 
wedderspenig  werde  wolden  deme  romisschen  riebe.  Unnd  dy  bieben 
alle  gar  ussse  unnd  worden  erslagen,  also  das  quintillinus  kume 
v  selbander  wedder  keyn  roma  quam.  Do  betrubete  sich  |  der  keyser 
also  sere  umme  dy  gute"  rittersehafft,  das  her  weynte  unnd  sin  eygeu 
hör  uss  rouffte.  Darnoch  in  deme  andern  jare  do  sante  her  do  hen 
tyberium  synen  mog  mit  groseme  volke,  das  her  dy  rittersehafft  reche 
solde.  Der  quam  mit  on  zu  strile  nnnd  ving  der  waln  an  deme  ryne 
unnd  der  dutezscheu  LVb  tusent  unnd  brachte  dy  kein  roma,  unnd 
erslug  or  eyne  grosse  menge1  volks,  das  her  an  den  ryn  brochte;  der 
was  hundert  tusent  unnd  XII  tusent  gewopenten.  Item  in  deme 
andern  jare  dar  nach,  also  cristus  XV  jar  alt  was,  do  wart  archelaus, 
der  koning  zu  jerusalem,  in  das  enelende  bracht  Item  in  deme  selben 
jare,  do  reehonten  der  keyser  unnd  syn  mog  tyberius  den  czinss,  der 
von  den  houbten  der  romer  gefallen  was,  do  man  dy  weilt  beschreib, 
unnd  fant  romescher  borger  an  der  czal  nunezig  mal  dry  hundert 
tusent  unnd  achezig  tusent  mensche  zu  rome.  Item  in  deme  selben 
jare,  do  starb  Octavianus  der  keyser,  also  her  soben  unde  sobenezig 
jar  alt  was  unnd  funllczig*  jar  keyser  gewest  was;  unnd  starb  zu 
Campanien  in  deme  lande  in  der  stad  genant  atella  unnd  wart  be- 
graben uff  deme  merczenfelde.2 

•  HS:  guten.  b  HS:  XVI;  Änderung  nach  Rothe.  r  HS  hat  noch:  „«>nce,"  dai  aber  weg- 
fallen man,  ab*r  auch  n<>  t«t  die  Stelle  linnlfa  (unnd  erelug  gewopenton  M  Znaat«  Stollea). 
d  HS:  aeeba  unnd  «wshzig.  irrtümltab  für  funffcilg  (a.  Roth«  S.  6S.  A.  1  -  naeh  Martlnua  Folono«). 

*  —  bosehe,  mvu  „Busch".  Die  weiche  Aussprache  den  b  ist  hier  bis  zur 
Umwandlung  der  labialen  Media  in  die  labiale  Spirans  gegangen,  sonst  nicht 
nachzuweisen,  w»»hl  aber  kommt  umgekehrt  für  anlautendem  w  im  md  b  vor 
(bie       wie»,  s.  Weinhold,  mhd  Orantm  2,  §.  101. 

1  Es  sei  wenigsten«  daran  erinnert,  da**  wir  e*  hier  mit  einer  verballhornten 
Erzählung  von  der  Niederlage  des  Qnintilius  Varus  im  Teutoburger  Walde, 
9  ii.  Chr.,  zu  tbnn  balen.  '(Jemenit  ist  der  Campus  Martins  in  Horn,  auf 
dessen  Monumentalplatze  August  bereit*  im  J.  28  v.Chr.  »ein  Mausoleum  hauen 
lies*  (eingebend  beschreibt  e«  der  Geograph  Strabo  VIII,  :,).  heutzutage  heisst 
es  Mausoleo  Augusti  an  der  via  de'  Pohtilici,  unweit  des  Tiber. 


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Ö.  und  10.  Stück. 


49 


9.  Von  deme  keyser  tyberio  zu  Rome.  m***« 

In  deme  selbien  jare  dar  nach,  also  octavianus  gestorben  was  unnd 
cristus  sechczon  jar  alt  was,  do  wart  tyberius  eyn  keyser  zu  rome, 
unnd  der  regelte  do  XXIII  jar.    Under  des  herschafft  wart  cristus 
gemartirt   Disser  keyser  was  eyn  grosser  trencker.1    Her  was  sust 
wise  gnug  zu  ritterschafft  unnd  glugselig  in  den  striten.    Her  was 
ouch  in  der  schrifft  eyn  wolgelorter  man  unnd  konde  |  wol  reden  unnd  » 
hatte  eynen  behenden  syn;  her  hatte  aber  eyne  bosse  untogunt  an 
ome:  her  teth,  also  ome  eyn  ding  wol  behagete,  des  her  nicht  enwolde.2 
Do  cristus  XVII  jar  alt  wart,  do  wart  pylatus  eyn  formunde  unnd 
eyn  richter  zu  jherusalem.    Do  cristus  XVlll  jar  alt  was,  do  starb 
ovidius,  der  grosse  meister.    Do  cristus  XIX  jar  alt  was,  do  quam 
eyn  gleser  uss   eynem  walde  zu  deme  keyser  tyberio  unnd  sagete 
ome,  das  her  eyne  kunst  hette  funden,  das  her  glesere  gemachen 
konde,  dy  nicht  zu  brechen  noch  zu  fyln.    Unnd  gab  der  glesere  eyn 
deme  keysere  unnd  warff  das  wedder  dy  erden;  do  bleib  es  gancz, 
aber  es  faldete  sich  unnd  wart  krump.    Do  nani  der  glesere  eynen 
hammer  unnd  richte  das  glass  wedder  uss  eynander,  das  es  wart  ge- 
stalt  also  vor.    Do  fragete  on  der  keyser,  ab  dy  kunst  ymant  mee 
konde  danne  her.    Do  sprach  der  gleser:  neyn.    Do  hiss  der  keyser 
ome  svn  houbt  abe  howe,  uff  das  dy  kunst  icht3  ymant  mee  lernte 
unnd  sprach:  queme  dy  kunst  uss,  was  tochten  danne  der  konige  unnd 
der  forsten  gefesse.    Disser  keyser  sante  noch  den  konigen  unnd  be- 
hilt  dy  zu  rome  und  satezte  forsten  an  ore  stad;  her  machte  ouch 
synes  bruder  son4  zu  eynem  keysere  unnd  vorgab  ome  zu  hant  dar  noch. 


10.  Von  cristo,  do  her  ezwenezig  jar  alt  was.  r«*«" 

Noch  cristus  gebort  XX  jar,  do  worden  feie  konigriche  in  dutschen 
unnd  in  welschen  landen  von  tyberio  deme  keyser  vor  stört  unnd  zu 
herezogethum  gemacht;  unnd  welcher  koning  des  nicht  thun  wolde, 
den  sante  her  hen  in  das  enelende  unnd  moste  do  sterbe.  |  Noch  y 
cristus  gebort  XXII  jar,  do  vor  terbete  der  keyser  tyberius  das  koning- 

9.  1  Liliencron  zu  Rothe  S.  62  A.  4  vermutet  ein  Mißverständnis  aus  den 
Worten  des  Martinus  Polonus,  aus  welchem  diese  Charakteristik  des  Tiberius 
wörtlich  übersetzt  ist:  hie  fuit  Octaviani  privignus.  Ob  der  Anklang  von 
vinum  an  privignus  jenes  Missverst&ndnis  mit  hervorgerufen  hat,  nur  zu  fragen, 
klingt  zuerst  fast  ungeheuerlich,  ist  aber  bei  mittelalterlichen  Chronisten  immer- 
hin möglich.  *  Liliencron  a  a.  O.  A.  5  giebt  die  Worte  des  Martinus  Polonus 
an,  die  hier  übersetzt  sind:  siiuulaus  se  ea  vellc,  quae  nollet.  *  Hier  adverbial 
„irgend,  etwa",  im  abhängigen  Satze  steht  es  auch  mit  negativer  Bedeutung, 
=  nicht,  s.  Rothe,  herausgjr.  v.  Liliencron,  8. 712  u.  Weinhold,  mlid.  Gram.',  §494. 
4 Ks  ist  GermanicuH,  Sohn  des  Drusus  gemeint;  bekanntlich  ist  es  wissenschaft- 
lich nicht  zu  beweisen,  ob  Tiberius  an  dem  Tode  des  Germanicus  schuld  war 
oder  nicht,  Tacitus  ( Annal.  II  cp.  71- 72  u.  III  cp.  5  —  6)  drückt  sich  ebeuso  vor- 
sichtig aus,  wie  hinsichtlich  des  Todes  seines  Schwiegervaters  Agricola,  s. 
Agricol.  cp.  43. 


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n.  stück. 


rieh  zu  swoben  unnd  machte  uss  deine  konige  marroboden  eynen 
herezogen  von  swoben.  Item  noch  cristus  gebort  XXVI  jar,  do  buwete 
der  herre  philippus,  eyn  forste  zu  judea,  eyne  stat  unnd  nante  dy 
czesaream.  Item  noch  cristus  gebort  XXV7I  jar,  do  sateze  der  keyser 
tyberius  pylatum  zu  eynem  richter  in  deine  jodischen  lande.  Item 
noch  cristus  gebort  XXIX  jar,  do  buwete  herodes,  eyn  koning  in  deme 
jodischen  lande,  eyne  nuwe  stat,  dy  hiss  her  noch  des  keysers  namen 
tyberiadis.  Item  noch  cristus  gebort  XXX  jar,  do  wart  cristus  ge- 
toufft  in  deme  jordan.  An  deme  selben  tage  ubir  eyn  jar,  do  cristus 
XXXI  jar  alt  was,  do  hatte  sente  johannes,*  mitb  cristus  muter  swester 
son  hochezit  in  deme  dorne  chana,  das  in  deme  lande  zu  galilea  1yd. 
Do  machte  cristus  wasser  zu  rotemec  wine  unnd  sammete  sine  jungern 
unnd  nam  sanetum  johannem  von  syner  brut  unnd  forte  on  von 
dannen.  Uff  den  selben  tag  hatten  ome  dy  dry  konige  vor  eyn  unnd 
drissig  jarn  das  oppher  bracht.  Also  her  XXXII  jar  alt  wart,  do  thet 
her  unsprechlichen  vel  czeichen.  Do  her  XXXIII  jar  alt  wart,  do  starb 
her  vor  unse  Blinde  an  demme  crueze  under  deme  konige  herode  von 
deine  richter  pylato  von  deme  vorretere  judas.  In  deme  selben  jare, 
also  Cristus  zu  hymmel  für,  do  wart  sente  steffan  gesteynet  in  deme 
monden  des  auwestes.1 


76  11.  Von  den  konigen,  dy  herodes  Iii  seil. 

Dry  konige  sint  gewest,  dy  do  herodes  geheysen  worn  von  deme, 
io  der  hy  vor  gesohreben  |  steet,  der  dy  kindere  liss  toten.  Der  ander 
herodes,  den  hiss  agrippa,  von  der  stat  an  deme  ryne,  dy  do  geheisen 
was  agrippina,  dy  wir  nu  heisen  koln;  do  was  her  eyn  koning,  der 
liss  sente  jaeoffen  den  grossen  tote  zu  jerusalem.  Der  dritte  herodes, 
der  liss  sente  johansen  den  toufer  enthonbton  umme  des  willen,  das 
her  on  straffte,  das  her  synes  bruder  wip  enphurte  unnd  mit  or  zu 
hilt.  Unnd  dar  ummo,  so  bath  or  tochter,  dy  sy  by  syine  brnder  gehat 
hatte,  von  geheises  wegen  der  muter  [bat  sy]d  umme  sente  johans 
houbt  des  touffers.  Dar  noch  horte  her  sagen  von  den  czeichen,  dy 
cristus  teth,  unnd  meynte,  es  were  johannes,  unnd  bette  on  gerne  ge- 
seen ;  do  weich  cristus  vor  ome  in  dy  wostenunge.  Der  selbe  herodes, 
der  was  eyn  koning  in  deme  lande  zu  galilea,  do  nazareth  inne  litb, 
dor  umme  hiss  her  jhesus  nazarenus.  Unnd  der  selbe  herodes  wart 
umme  dy  sunde,  dy  her  cristo  unnd  johanse  teth,  mit  syner  huss- 
frawen  herodiaden,  [so  wart  her]*'  keyn  lutdim1  in  das  enelende  ge- 

•  HS:  Jodaoj.  b  Eitftost  (AI***  Wort  fehlt  aoeh  bei  Rothe,  ■.  S.  63  A.  1).  *  HS:  dM 
Adjectivnm  Ut  »einen]  flubiUailvum  fllachllch  nachgestellt.  *  l>er  Chroaüjt  tot  »tu  d«r  Kon- 
atruktlon  gefallen.       •  Kbenfalla. 

10.  1  Auwest  ■=*  August;  b.  Ködit«(Leb.  d.  h.  Ludwig,  hrg.  v.  H.  Rückert)  S.  32  : 
ouwist,  S.  8ti:  owc-8t.  Mittel  torinen  bei  Wcinhold,  D.  dtsch.  Monatenamen  S.  31: 
äugest,  oug«t  u.  ä. 

11.  1  D.  i.  Lugduuum,  das  heutige  Lyon,  im  Altertum  Hauptstadt  eines  Teiles 
▼on  Oallia  trausaipina,  der  üallia  Lugdunenais. 


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12.  Stück. 


51 


sant,  unnd  do  starben  sy  beyde  in  ermute  unnd  jemmerliches  todes 
noch  cristus  gebort  XLII  jar.  In  deme  selben  jare,  do  starp  ouch  dy 
muter  cristi. 


12.  Wy  pylatus  geborn  wart  r«u».7« 

Eyn  konig  was  an  deme  ryne  gesessen ,  der  hiss  arthus  ,*  den  das 
gemeyne  voLk  noch  nennet  koning  artus.  Der  buwete  an  deme  ryne 
eyne  zubrochene 1  stat  unnd  hiss  dy  ruaguncia,  dy  wir  nennen  mencz, 
unnd  gab  or  den  namen  von  czwen  wassern,  dy  do  in  den  ryn  flissen : 
der  moygin  poben  dec  stat ,  unnd  dy  czya 2  [  do  by  nedder  der  stat.  T 
Der  selbe  koning  artus  benachte  an  deme  ryne,  unnd  das  her  nicht 
konde  ubir  geschiflen,  unnd  herbergete  do  mit3  eyme  muller,  der  hatte 
gar  eyne  schone  tochter,  dy  hiss  pyla,  dy  besliff  der  koning  dy  nacht, 
unnd  sy  empfing  von  ome  eynen  son.  Do  czoch  der  koning  wedder 
enweg.4  Unnd  do  dy  pyla  das  kint  genert  hatte  dry  jar,  do  sante  sy 
das  kint  syme  valer  deme  konige.  Do  satczte  der  koning  des  kindes 
muter  namen  unnd  synen  namen  zu  sammene  unde  machte  deme 
kinde  eynen  namen ,  das  es  solde  heise  pylatus.  Nu  hatte 
der  selbe  koning  eynen  son  von  syner  elichen  frowen,  der  was 
ouch  in  pylatus  alder.  Do  worffen  dy  czwene  sone  mit  sludern  noch 
fogelchen  unnd  spelten  also  mitenander,  also  lange  das  pylatus  vel 
hera ischlichen  schumpte,5  das  her  synen  bruder  mit  eyme  steyne  zu 
tode  warff.  Do  mochte  on  der  koning  sin  vater  nicht  lenger  geliden 
unnd  sante  on  zu  deme  koysore  zu  roma  zu  dinste,  also  dy  forsten b 
eyne  gewonheit  hatten.  Unnd  do  was  her  so  lange,  das  her  zu  eyme 
manne  wart  Do  rangete6  her  mit  des  koniges  sone  von  franckrich 
unnd  warff  on  mit  syme  koppfe  uff  eynen  stoyn,  das  her  starp.  Do 
wolde  on  der  keyser  nicht  losso  toten  unnd  sante  on  in  dy  inseln  zu 
Poncien,7  dy  alle  ore  ammecht8  luthe  ennorten,  dy  der  keyser  do  hene 
sante,  uft  das  ome  ouch  also  geschege. 


*  HS:  Achtn;  Roth«  hat  Atboi.      b  IIS:  fortra. 

12.  1  =  „zerbrochene",  „vorher  zerstörte",  denn  die  Vorsilbe  zer-,  ze-  ist  md  zur-, 
zn-.  'Elia  Beispiel  geradezu  hau  sträubender  mittelalterlicher  Erdkunde!  her 
Chronist  hörte,  da»s  Mainz  an  zwei  Flüssen,  natürlich  Rhein  und  Main,  liegt;  da 
er  aber  an  eretereu  nicht  denkt,  legt  er  es  sich  nach  dein  Namen  Magun-cia  so 
zurecht,  das»  die  Stadt  am  Main  und  an  der  Czia  liegt!  8.  übrigens  C.  F.  R. 
Reuter,  Mogon,  ein  Stammgott  der  Vangionen,  und  Mogontiacnm,  eine  vangionische 
Stadt  i.  d.  Annalen  de*  Vereins  für  nassauische  Altertumsk.  u.  GeschichtsforHch. 
Bd.  X,  1870,  S.  365—  377.  3  Eigentümliche,  sonst  nicht  nachweisbare  Wort- 
verbindung: herbergen  mit,  anstatt  by.  *  Für  henwec  (md  hen  für  mhd  hin. 
hine).  *  Schumpen,  swv,  ist  md  Nebenform  für  das  mhd  schimpfen  =  „scherzen, 
spotten",  in  diesem  Sinne  noch  in  dem  Titel  des  bekannten  Buches  von  Job. 
Pauli,  „Schimpf  und  Krnst"  (1522).  "  iutra.  „ringen"  mhd  stv.,  md  schwv., 
mit  uoor panischem  Rückumlaut.  1  Die  ganze  Erzählung  ist  eine  thörichte  Er- 
findung, um  den  Namen  Pontius  (teils  praenomen,  teils  nomen  bei  den  Römern) 

4* 


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62 


13.  und  14.  Stück. 


Roth«  77     13.  Wy  pylatus  zu  Jerusalem  eyn  richter  wart 

Do  pylatus  in  dy  inseln  zu  poncien  quam,  do  hilt  her  es  mit  den 
mechtigesten  gar  gutlichen  unnd  machte  ome  dy  geraeynen  undertenig. 
ii  Dar  noch  so  ubirquam  her  mit  |  den  reichen »  das  sy  ome  gehorsam 
worden  unnd  on  forchten;  dar  von  erkreig  her  den  namen,  das  her 
noch  heist  pylatus  von  poncien.  Nu  worn  dy  joden  zu  jherusalem 
herodese  ungehorsam,  um  nie  des  willen,  das  her  von  heydenisscher 
art  was  und  im  lande  nicht  geborn  was.  Unnd  do  herodes  vor- 
nam,  das  pylatus  dy  von  poncien  bethwungen  hatte,  dy  sich  vor  an 
nymandes  keren  wolden,  do  sante  her  noch  ome,  das  her  syn  ammecht 
man  wolde  werde  zu  jerusalem,  unnd  das  teth  pylatus.  Unnd  do 
her  dy  joden  ome  ouch  by  stendig1  gemacht  hatte,  do  sante  pylatus 
hiuder*  herode  keyn  rome  zu  deme  keysere,  das  her  on  wolde  be- 
stetige zu  eyrae  lichtere  zu  j[e]rusalem  unnd  in  dorne  jodischen  lande, 
das  on  herodes  nicht  konte  abe  gesetcze.  Also  drang  pylatus  sich  mit 
der  gewalt  in.  Desb  hasste  herodes  on,  bi68  uff  dy  czit,  das  sye  über 
unserme  hern  jhesu  cristo  gefrunt  worden.  Dy  ioden  bedroweten 
pylatum  mit  deme  keysere  umme  des  willen,  das  her  cristum  hatte 
eynen  koning  genant  Dar  unime  wolde  pylatus  nicht  gerne  ubir 
cristum  richte.  Do  ryt  ome  syn  wip,  das  her  nicht  das  orteyl  gebe 
ubir  cristum  umme  des  troymes  willen,  der  or  getrouraet  hatte,  unnd 
dyc  grossen  czeichen,  dy  jhesus  geton  hatte,  unnd  straffte  pylatum  do 
oren  man.  Dar  umme  so  twug  Pylatus  syne  hende  unnd  nette  sich 
gerne  entschuldiget 


rou,«78  14  Wy  pylatus  deme  keysere  schreib. 

Also  man  schreib  noch  cristes  gebort  XXX  VI  jar,  do  wart  der 
keyser  tyberius  syech  unnd  mit  deme  uss  satcz  beflecket    Do  horte 
v  her  sagen,  |  das  zu  jherusalem  eyn  prophete  unnd  eyn  artczt  were,  der 
alle  suchen  der  menschen  geheiien  konde.    Do  sante  der  keyser  zu 
pylato  sinen  heymelichen  unnd  gewaldigen,  genant  volusianum,  das 

HS:  gerlchten  (to  bei  Rothe),  Gegensatz  «u  gemeynen.        ■>  HS:  de«.        «HS:  hatte.  Oy 
(Stolle  hat  confiu  geludert). 

zu  erklären ;  es  bleibt  dabei  zweifelhaft,  ob  bior  die  römische  Provinz  Pontus  am 
Pontus  Euxinua  oder,  dem  Wortlaut  mehr  entupreehend,  die  Pontiae  insulae  an 
der  Küste  Latiums  gemeint  sind,  deren  grösste  Pontia  später  als  Verbannungs- 
ort  diente  (s.  auch  Sueton,  Tiber,  cp.  54).  8  Das  oft  wiederkehrende  Wort  ist  die 
md  Form  für  da»  mhd  ainbahte,  stn.,  unser  „Amt";  es  findet  sich  schon  im 
Gotischen:  andbahts,  «tm.,  „Diener",  violleicht  aus  dein  Lateinischen  eutlehnt: 
andabata,  eine  Art  von  Gladiatoren  zu  Pferde  (».  die  Ki  klärer  zu  Cicero  pro 
Gestio  59,  126);  ammeht  luthe,  germeinmitteldeutach  ammetlude,  entspricht  dem 
mhd  ambet-liude. 

13.  1  mhd  bistendec  bedeutet  „behilflich'',  hier  das  md  bystendig  —  „unter- 
geben", „gehorsam".  *  Pruei>oaition,  mit  dem  Dativ,  bleutet  hier  „heimlich 
vor";  ungewöhnlich. 


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15.  Stück. 


53 


her  ome  den  artczt  senden  solde.  Pylatus  quam  in  grosse  forchte 
unnd  schreib  deme  keysere  sinen  entschuldigen  briff,  der  lutet  also. 
Von  poncien  pylatus  sime  gnedigen  hern  tyberio  heil  unnd  alles  gut. 
Ess  ist  n uwelichen  gescheen,  unnd  ben  feie  raol  kegen  wertig  gewest, 
das  dy  joden  in  hasse  sich  unnd  alle  ore  nochkomen  mit  orer  freiss- 
lickeit 1  beflecket  han,  wanne  ore  vetere  on  gewiss  saget  hatten,  das  on 
got  sinen  son  uff  ditte  ertriche  senden  wulde,  der  or  koning  solde 
werde.  Unnd  der  was  komen,  unnd  sy  haben  sine  czeichen  unnd 
wunderwerg  geseen,  dy  her  raanigfeldigcliche  gethon  hat,  also  das  her 
dy  blinden  seende  machte,  dy  lamen  geende,  dye  usssetczigen  reyne, 
dy  toten  lebende  unnd  fei  der  glichen.  Unnd  do  das  gemeyne  volk  an 
on  gloubete,  do  fingen  on  dy  forsten  der  joden  unnd  brochten  on  vor 
mich  unnd  clageten  feischlichen  ubir  on,  das  her  eyn  czouberer  were 
unnd  wedder  or  gesetcze  gethon  hette,  unde  brochten  on  mit  falschen 
geczugen  unnd  orteyln  noch  ornie  gesetcze  zu  deine  tode.  Dar  umme 
bitte  ich  uwer  gnade,  ab  mich  ymant  anders  vor  brechte,2  das  ir  des 
nicht  glouben  woldet  Ich  muste  des  gerichtes  recht  unnd  louft  halden. 


15.  Wy  pylatus  sin  ende  nam.  Ro 

Der  keyser  tyberius  nam  rath  zu  synen  getruwen  gewaldigen,  wy 
her  dar  zu  thun  |  solde,  das  pylatus  jhesum  hatte  getot.  Do  ryten  sy  n 
eome,  das  her  eyne  andere  botschafft  keyn  jherusalem  nestelte  unnd 
rfure  eygentlichen,  wy  es  umme  alle  ding  in  worheit  gescheen  were. 
Do  sante  der  keyser  eynon  andern  syner  heymelichen  dyner  keyn 
jherusalem,  genant  albanum.  Der  forsete  an  allen  enden  umme  disse 
geschieht  Do  wart  her  gewist  zu  eyner  fromen  wettewen,  genant 
veronica,  dy  hette  das  antlitcze  unnd  dy  gestalt  cristi  gedruckt  in 
eyn  tuch,  das  jhesus  selber  hatte  geton,  do  her  zu  syner  m arter  ge- 
gangen was.  Do  quam  der  albanus  zu  der  frowen  veroniken  unnd 
sacb  das  in  gedruckte  antlitcze  cristi  unnd  lernte  do  alle  geschieht,  dy 
do  ergangen  was  von  jhesu  unnd  dar  umme  ouch  her  uss  gesant 
wart,  unnd  redete  mit  or  also  vel,  unnd  do  sy  ome  das  antlitcze  nicht 
verkouffen,  nicht  leen  noch  geben  wolde,  do  ober  rette  her  sy,  das  sy 
wolde  neme  das  antlitcze  unnd  wolde  mit  ome  keyn  romo  czeen.  Sy 
wart  balde  ratis  unnd  czouch  mit  ome  keyn  rome  zu  deme  krancken 
keysere  tyberio  mit  grossen  froudon.  Unde  do  der  keyser  das  ant- 
litcze sach,  do  druckte  her  das  uff  sin  antlitcze  mit  grosser  innekeit 
unnd  wart  als  balde  gesunt  von  deme  usssateze.  Also  ist  das  ant- 
litcze noch  zu  rome.  Do  sante  der  keyser  abir  keyn  jherusalem  unde 
liss  pylatum  hole  unnd  satezte  on  in  eynen  torm  unnd  gedochte,  was 

14.  'S. St.  1A.7.       »Wie  im  inhd  vürbringer  „Verleumder"  bedeutet,  bo 
hier  das  md  vor  'md  vor  ■«  mhd  vür)  bringen  ,.verleum«1en". 


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16.  Stück. 


todes  her  ome  an  legen1  wolde.  Also  forchte  sich  pylatus  vor  eynom 
sweren  tode  unnd  stach  sich  selber  zu  tode.  Do  liss  der  keyser  synen 
T  lichnam  in  den  rodan  werfle,  |  wanne  dith  geschach  zu  vyenne,2  do 
her  on  hen  gesaut  hatte.  Do  toten  dy  bösen  geiste  also  gross  un- 
gemach  den  luten  mit  pylatus  lichnam,  das  on  der  keyser  wedder  liss 
uss  derae  rodan  nemen  unnd  liss  on  in  eyn  gebruchich  sencken  mit 
eyme  grossen  steyne. 


*  16.  Wy  judas1  geborn  wart 

Nu  hy  vor  von  herode  unnd  pylato,  wy  dy  or  an  heben2  unnd 
or  ende  genuinen  hau,  vor  czalt  ist,  so  gebort  sich  wul  von  juda  ouch 
zu  sagen,  der  eyn  vorreter  cristi  was.  Es  was  zu  jerusalem  eyn 
man,  der  hiss  ruben  von  denie  gesiechte  ysachar.  Der  hatte  eyn 
wip,  dyo  hiss  cyborea.  Dy  lag  eynes  nachtis  by  orem  manne.  Do 
troymete  or,  dass  sy  eynen  son  gebere,  der  deme  tufele  glich  were. 
Do  ersrag  sy  unnd*  wachte  uff  unnd  er  suphczte.  Do  fragete  sy  ruben, 
or  man,  was  or  were.  Do  sagete  sy  ome,  was  or  getroymet  hatte. 
Do  sprach  her :  man  sal  an  troyme  nicht  gloube.  Do  antworte  sy  unnd 
sprach:  habe  ich  eynen  son  in  disser  nacht  enpfangen,  das  wert  eyn 
warezeichen  syn  mynes  troymes  unnd  eyner  bösen  gebort.  Do  dy 
czit  quam  noch  der  rechen unge,  unnd  das  kint  eyn  son  wart,  do 
quomen  dy  eidern  in  grosse  forchte  unnd  mochten  ouch  das  kint  nicht 
getoten  unnd  weren  sin  doch  gerne  loss  gewest,  unnd  worden  des  rats, 
das  sy  das  kint  in  eyn  ledichen3  ley ten  unnd  satezten  das  uff  das 
wasser,  unnd  floiss  uff  eyne  inseln  von  deme  mere,  dy  heist  scarioth. 
Also  wart  ome  der  name  judas  von  scarioth.  Es  wolde  do  dy 
forstynne  des  selben  landes  an  das  wasser  spaciren  geen  und  sach, 
is  das  das  |  meer  eyn  ledichen  hatte  uss  geworffen,  unnd  teth  das  uff. 
Do  fant  sv  das  kint  dar  vnne.  Das  nam  sy  zu  or  gar  heymelichen 
unnd  vor  both  oren  meyden,  sy  sulden  des  nicht  offenbaren,  biss  das 
sy  das  kint  hotte  gehat,  unnd  begunste  oren  buch  gross  zu  machen 
mit  cleydorn  unnd  sprach,  sy  trüge  eyn  kint,  unud  legete  sich  in  das 
kint  bette  unnd  sprach,  es  were  or  son. 

15.  1  Aus  der  Bedeutung  „an  einen  etwas  legen"  =  ,,einem  etwas  erweisen" 
entwickelt  »ich  hier  die  Wendung  „an  einen  etwas  legen"  =  „über  einen  etwa« 
verhängen".  1  Vienna,  Stadt  der  Allobroger  im  nsrbonnensischen  Gallien,  an  der 
Rhone,  später  römische  Kolonie. 

14J.  1  Die  St.  16  —  18  erzählte  Geschichte  des  Judas  ist  ein  buntes  Gemisch  aus 
den  Sagen  über  Oedipus  und  der  Geschichte  d«-s  Moses.  3  =  mhd  anhabe, 
„Anfang".  3  mhd  sonst  ledelln  =  kleine  Lade  (thüringisch,  s.  Hertel, 
Th.  Sprachschatz  152)  =  Koffer,  Truhe. 


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17.  und  18.  Stück. 


55 


17.  Wy  judas  synen  vater  er  slugk.  R 

Also  nu  judas  eynes  jars  alt  was,  do  enpting  dy  forstyn  zu 
scarioth  eynen  son  von  orem  elichen  manne.  Unnd  do  der  son  etwas 
gross  wart,  do  teth  ome  judas  vele  obirlasten,1  also  lange,  das  syn 
muter  judas  sagete,  das  her  eyn  fundeling  were,  unnd  solde  bilcho 
ßvrae  brudere  entwiche2  unnd  undertenig  syn.  Des  schemete  sich 
judas  unnd  vil  in  hass  kegen  syme  brudere  unnd  slug  on  tod  unnd 
noch  do  keyn  jerusalem  unnd  quam  do  yn  pylatus  hoff.  Der  gewan 
on  gar  lyp,  wanne  eyn  iglicher  hat  gerne  dy  sinen  glichen  lip.s  Ess 
geschach  zu  eyner  czit,  das  pylatus  von  syme  pallas  ging  unnd  sach 
in  eynen  boumgarten.  Do  stunden  lostige  schone  epphile  inne.  Der 
hette  pylatus  gerne  gessen,  unnd  der  bo  umgarte  was  rubens,  judas 
vaters.  Do  steig  judas  in  den  garten  unnd  brach  der  epffele  sines 
vaters  unnd  wolde  dy  pylato  syme  hern  brengen.  Do  quam  ruben 
unnd  wolde  on  pfende,  unnd  quomen  do  beyde  zu  krige,  das  judas 
in  deme  garten  do  sinen  vater  erstach,  unnd  quam  dar  von  unbeseen. 
Judas  wüste  nicht,  das  her  sin  vater  was,  unnd  brochte  pylato  dy 
eppfele  |  unnd  des  morgens  fru  wart  ruben  tod  funden,  unnd  nymaut  ▼ 
wüste,  wer  on  ermort  hette.  Dar  noch  gap  pylatus  judase  cyboream 
zu  der  ee,  unnd  alles  gut,  das  ruben  gelossen  hatte.  Dar  nach  zu 
eyner  czit,  do  ersophczte*  cyborea  gar  swerlich  by  judas  in  deme 
bette.  Do  fragete  judas,  was  or  were.  Do  sprach  sy:  ach  ich  armes 
unseliges  wip  vor  allen  wiben!  myn  kint  warft  ich  mit  eyme  ledichen 
uff  das  meer,  myn  man  ist  mir  ermordet  unnd  ben  nu  dir  in  mynen 
betrupnisse  vor  truwet;  wy  kan  ich  ummer  fro  werde? 


18.  Wy  judas  sin  ende  nam. 

Cyborean  klage  ging  judas  zu  herczon,  unnd  er  fant,  das  sy  sin 
muter  were,  unnd  das  her  ouch  synen  vater  erslagon  hatte,  unnd  vor 
czalte  ouch  do  cyborean  sin  leben.  Do  ryd  sy  ome,  das  her  solde 
ruwe  unnd  leyde  habe  umme  syne  sunde,  unnd  queme  zu  unserm 
hern  jhesu  cristo  unnd  worde  sin  junger,  der  eyn  grosser  prophete 
were,  unnd  bussete  by  ome  syne  sunde.  Unser  her  cristus,  der  nam 
on  uff  zu  eynem  aposteln  unnd  wart  ome  also  heymelich,1  das  her  sin 
schcffener  wart  unnd  das  gelt,  das  ome  gegeben  wart,  in  nam,  unnd 
dar  von  so  stal  her  allewege  den  czenden.  Dar  noch  also  maria  mag- 
dalena  dy  thuren  salben  kouffto  umme  dryhundert  grosse  pfenge,  der 

17.  1  Hwv.,  entspricht  dem  mhd  überlcaten  =  „überladen,  bedrängen,  verge- 
waltigen". *  Mit  dem  Dativ  „nachgeben",  auch  mhd  8.  Hartmann  von  der 
Aue,  Eiec,  V.  3831.  3  Wie  auch  im  mhd  oft  Umschreibung  für  „Person". 
*=  mhd  geläjen,  hier  in  der  besonderen  Bedeutung  ,,hintcrlaüsen,\  6Gcmein- 
mitteldeuleeh :  ersüfzen  =  „aufseufzen4*. 

18.  1  =  „vertraut"  mit  ihm. 


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56 


19.  Stück. 


igliches  czeen  cleyne  pfenge  galt,  dy  man  du  ael 
bemsche  grosschen,  unnd  her  dy  salben  vor  kouffe  wolde  unnd  das 
gelt  armen  luthen  gebe,  uff  das  ome  der  czende  dar  von  worde,  do 
woldes  cristus  nicht  unnd  sprach:  ir  hat  alleczit  arme  luthe,  adir 
H  myn  hat  ir  nicht  alleczit.  Do  goyss  maria  cristo  |  dy  salben  uff  sin 
houbt.  Der  schade  muwete  judassen  gar  sero;  dar  umme  vor  kouffte 
her  jhesum  den  juden  umme  drissig  pfenge,  dy  ome  zu  czeenden  dar 
von  worden  wem.  Unnd  do  her  jhesum  vor  roten  unnd  vor  koufft 
hatte,  do  ruwete  on  dy  bosheit  unnd  brochte  dy  drissig  phennige  den 
pristern  in  den  tempel  wedder,  unnd  dy  wolden  or  nicht.  Do  warff, 
her  sy  vor  or  fussse  unnd  ging  vondannen  unnd  hing  sich  selber  an 
eynen  strigk  unnd  reiss  uff,  das  ome  sin  gebutte2  vor  sine  fussse  hing 
wanne  sine  sele  solde  nicht  zu  deme  munde  uss  fare,  der  jhesum  ge- 
knst  hatte. 


Roth*  »3         19.  Wy  tytus  unnd  vespesianus  Jerusalem 

gewunnen. 

Höret  nu  ouch  von  den  joden,  dy  cristum  zu  deme  tode  brachten, 
wy  es  den  erging,  do  sy  cristum  gemartert  hatten.  Do  gab  on  got 
vierczigk  jar  tag,  ab  sy  ruwe  unnd  leyde  wolden  habe  umme  ore 
sundo.  Der  ruwe  hatten  sy  nicht,  sundern  sye  mereten  sy  da  mete, 
das  sy  sente  jacobura  oben  von  deme  tempel  ernedder  worffen  unnd 
den  andern  aposteln  jacobum  den  grossen  ouch  lissen  toten  unnd 
tsente  steffan  steynten.  Unnd  dar  umme  so  bewegete  got  dy  herczen 
yti  unnd  vespesiani,  der  romeschen  konige,  das  sy  mit  orer  kraffit 
unnd  macht  czogen  in  das  jodische  laut  unnd  belogen  dy  joden  in 
jerusalem  zu  den  ostern ,  unde  do  sy  alle  zu  deme  feste  in  den  tempel 
quomen.  Ditte  geschach  noch  cristus  gebort  LXXIII*  jar.  Yespesianus 
hatte  worme  in  syner  nasen,  dy  konde  ome  keyn  artczt  vor  tribe, 
unnd  do  fragete  her  noch  cristo,  der  alle  suchen  an  den  luthen  vor 
treib.  Do  sagete  man  ome,  wy  das  dy  joden  on  smelichen  getötet 
hetten.  Do  wart  her  also  czornig  uff  dy  joden,  das  her  swur  by  syner 
▼  nasen,  her  wolde  den  tod  cristi  an  on  reche.  |  Do  filen  von  stunt  dy 
worme  uss  der  nasen  unnd  wart  gesunt.  Unde  do  liss  her  sich  dy 
romere  mit  volke  kein  jerusalem  sende  von  deme  keysere  neroni  unnd 
nam  mit  ome  tytum  synen  son,  unnd.  logen  da  vor  dry  jar.  Got 
uffenbarte  den  fromen  unnd  den  heyigen  luthen,  das  sy  uss  jherusalem 
floen  unnd  quomen  in  eyn  castel,  das  ist  pella  genant  Do  bieben 
sy  dye  wile  mit  frede  unnd  gemache  vor  den  romern,  den  cristus  tod 
leyd  was. 

•  BS:  LXXVin  (noch  Roth«  IJlXIII.  auch  geschichtlich  richtiger). 

•md  gebutto  =  mhd  gebütze  „Eingeweide". 


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20.  und  21.  Stück. 


57 


20.  Wy  Jerusalem  gewannen  und  vorstort  wart. 

Ess  wart  in  der  czit  in  jherusalem  also  grossser  hunger,  das  sich 
dy  joden  under  enander  tod  slugen,  uff  das  sy  icht1  hungers  storben. 
Unnd  von  den,  dy  also  erslagen  unnd  hungers  gestorben  warn,  do 
wart  gross  gestang  in  der  stat,  wanne  sy  konden  or  alle  nicht  begraben, 
unnd  wanne  sy  dy  toten  ubir  dy  muren  geworffen,  so  worffon  ore 
fiende  dv  wedder  in  dv  stat.  Unnd  was  or  des  nachtes  uss  der  stat 
flouch.  dy  harten  golt  unnd  gelt  geslungen,  do  sy  niete  geczereten.* 
Unnd  dy  begriffen  dy  romer  unnd  sneten  on  dy  liebe  uff  undo  suchten 
das  gelt  Also  worden  or  in  eyner  nacht  czwey  tusent  uff  gesneten; 
dy  in  der  stat  worn  ouch  also  gar  vor  smacht,  wanne  sy  esse  solden, 
do  storben  sy  dy  wile.  Es  ist  berralichen,  das  man  ess  sprechen  sal: 
es  kochten  czwo  frowen  ore  eygene  kindere  unnd  frosen  sy.  Sy 
frossen  ouch  ore  alden  vor  worften  schu,  dy  tasschen  von  den  setein 
unnd  liffen  mit  offen  unnd  gesperten  munden,  also  dy  tobenden  hunde 
pflegen.  Vespesianus  czoch  keyn  rome  unnd  wart  keyser.  unnd  tytus, 
der  bleib  vor  jerusalem,  |  biss  so  lange  das  her  dy  stat  gewan.  Do  i» 
erslugen  dy  romer  sechs  hundert  mal  tusent  jodeu.  So  storben  or  in 
der  stat  hungers,  unnd  dy  sich  under  enander  umrae  hungers  willen 
er  mort  hatten,  also  josephus,  der  joden  forste,1  schribet,  eylft  mal 
anderweit'  tusent.  So  worden  or  hundert  tusent  vorkoufft  unnd  zu 
strowet  in  dy  lant,  also  sy  noch  sint,  unnd  der  tempol  wart  geschint 
unnd  mit  der  stat  zu  brochen,  das  eyn  steyn  nicht  bleib  ligen  uff 
deme  andern. 


2t.  Was  do  geschaeh  noch  eristus  gebort  biss      r«««  iS5 

zu  fmiffczig  jarn. 

Maria,  dy  muter  gotes,  dy  starb  zu  jerusalem,  also  sy  uff  erden 
gelebet  hatto  LXVI  jar,  unnd  wart  in  dorne  tale  zu  Josaphat  begraben. 
Das  geschaeh  noch  eristus  gebort  XLIl  jar.  Czu  der  czit  was  eyn 
keyser  zu  roma,  gayus  genant,  eyn  grosser  unk  uscher,  der  beslift 
czwo  swestern  und  sine  eygene  tochter.    Ditte  geschaeh  noch  eristus 

•  HS:  bundertweit  (anderweit  nach  Rothc>. 

20.  1  8.  St.  9  Anm.  3.  »  Unverständlich.  Liliencron  (z.  Rothe  S.  69)  erklart  so: 
„um  es  unbemerkt  dnrehzubringen  und  «ich  hernach  dafür  Speise  zu  kaufen." 
Das  scheint  richtig  zu  siein ,  da  auch  im  mhd  das  CY>mpo«itum  gezern  wie  das 
Simplex  zern  bedeutet:  „den  Aufwand  ftlr  Essen  und  Trinken  bentreiten,"  also 
hier  „Zehrung  haben."  1  Flaviua  Joscphus,  der  berühmte  Geschichtsschreiber 
au»  jüdischem  Stamme  (daher  forste  —  hervorragend,  auch  von  geistiger  Be- 
deutung), hat  als  Augenzeuge  der  Belagerung  Jerusalems  die  „Geschiente  des 
jüdischen  Krieges"  unter  Titus  i.  .1.  70  n.  Christi  (ssp\  toG  ' loväa'txoü  ro).i'[i.oo)  in 
7  Büchern  ausführlich  erzählt;  das  Werk  war  zuerst  in  svr<»chaldäischer  Sprache 
geschrieben,  wurde  von  ihm  selbst  aber  in»  Griechische  übersetzt. 


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58 


22.  Stück. 


gebort  XLin*  jar.  Dar  noch  was  eyn  keyser  zu  roma,  der  hiss  Clau- 
dius, eyn  grosser  trencker.  Item  noch  cristus  gebort  XLIIII  jar,  do 
wurt  gross  hunger,  also  wid  also  dy  werlt  was.  Item  noch  cristus 
gebort  XLV  jar,  do  quam  der  apostel  sente  peter  keyn  rome  unnd 
wart  do  bobist  unnd  sass  do  XXV  jar.  Item  noch  cristus  gebort 
XLVI  jar  zu  der  czit  wart  der  fogel  feuix  geseen  in  cgipten  lande  also 
gross  als  eyn  adelornbl  mit  eynie  gekrönten  houbte  also  eyn  pfauve 
mit  feddern,  eynem  gülden  ring  umme  sinen  halss,  unnd  syne  feddern  | 
t  dy  worn  purpurfar,  unnd  sin  czagel  also  tote  unnd  wisse  rosen.  Item 
noch  cristus  gebort  XLVIII  jar,  do  buweten  sente  peters  jungern  eyne 
kerchon  in  der  stad  lytecia,«  dy  nu  paryss.  heist.  Item  noch  cristus 
gebort  XL1X  jar  do  quam  sente  pawel  keyn  athenis  unnd  fant  do  den 
alter,  den  dyonisius2  gebuwet  hatte  deme  umbekanten  gote  unnd 
i«»  bekorte  do  dyonisium  zu  deme  heilgon  glouben.4  | 


22.°  Wy  dy  doringe  unde  Sachsen  vel  mol 
miteinander  gestreten  haben. 

Als  man  czaltef  noch  cristus  geburt  XXVIJI  jar,  unde  der  koning 
alexander  gestorben  was,  do  was  eyn  volk  in  synem  here,  dy  hessen 
petrioli,  das  bedutet  sich  kesselinge,  wanne«  sy  hart  in  den  striten 
warn.  Das  volk  konde  sich  in  den  landen  norgen  behalde  durch  des 
schaden  willen,  den  sy  den  landen  gethonh  hatten  uss'  orer  gesel- 
schafft.  Hir  umme  so  rumeten  sy  dy  lant  unnd  satczten  sich  in  schiö 
unnd  füren  uft  der  see  unnd  ertruncken  raeer k  danne1  halb,  wanne m 
on  das  wasser  unbekant  was.  Unnd  orn  bleib  vele°  im  lande  zu* 
prussen  unnd  zu  russsen.  So  quam  or  oiich«  enteyl  in  czwolfl 
schiflen  an  dy  stete,  do  itczuntr  lubegk»  1yd  unde  rostogk  an  der  see. 
Do  selbest  sossen  vor  dy  doringe,  unnd  treben  do  mit  gewalt  dy  doringe 

•  118:  XL1I  (Vorbeawsrnng  nach  Rothe).  b  HS:  ade lh orn.  «  HS:  lycla  (Roth«:  lutetia). 
<•  Die  übrigen  drei  VUrrtel  der  Seit«  wie  die  ganze  folgende  lind  leer  golaaeen.  •  8.  oben  8t.  1 
a.  E.  Abweichende  Leaarten :  '  schreib.  K  wann«  b  getan.  1  In  «r.  *  meblr.  '  dann. 
m  wann.  "  der.  °  enteyl.  v  xu  (Im  lande  fehlt).  <»  fehlt  oben.  r  Hd,  •  lublg 
nnnd  roetog. 


21.  1  Dialektisch  für  adelarn  „Adler" ;  s.  auch  Bartsch,  Mitteldeutsche  Gedichte 
(1860),  3,  337.  J  Weil  nachher  die  Bekehrung  des  Dionysius  Areopagiia  er- 
wähnt wird  (8.  Apostelgeschichte  17 ,  34) ,  so  nehmen  die  Chronisten  (so  auch 
Rothe)  willkürlich  an,  dass  Dionysius  den  Altar  selbst  gebaut  habe,  wovon  in 
der  Apostelgeschichte  kein  Wort  steht.  Da  die  altchristliche  und  mittelalterlich- 
kirchliche  Tradition  diesem  Dionysius  mehrere  von  ihr  »ehr  hoch  geschätzte 
Schriften  zuwies,  welche  eine  wichtige  Stütze  für  die  Wertschätzung  der  kirch- 
lichen Hierarchie  bildeten .  obschon  sie  erst  im  tt.  christlichen  Jahrhundert  auf- 
tauchen, so  suchte  man  die  Person  des  Dionysius  dadurch  zu  heben,  dasa  er  es 
gewesen  sein  sollte,  der  den  Altar  erbaute,  dessen  Inschrift  („dem  unbekannten 
Gotte")  sicherlich  ein  Sehnen  seitens  des  Erbauers  aus  der  heidnischen  Abgötterei 
bewie». 


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22.  Stück. 


von  der  see,  wanne*  sy  zu  strite  wol  gelart  worn,  undo  nanten  dy 
doringe  dy  torlingc,  umino  des  willen,  das  sy  sich  torlichen b  stalten 
zu  deine c  strite  unnd  sy  des  gar  wenigk  gepflogen«1  hatten.  Do  nanten 
dy  doringe  do  ore  finde1  saxen,  das  sich  bedutet  steynendef  luthe,« 
wash  es  gar  hartselig  wölk  was.     Hir  nach  quomen   sy  aber  zu 

Samen  etc.  (Hir  feylt  keins  nicht.)  Kothe  IM* 

Hir  nach  quomen  sy  abir  zu  sainen  unde  streten  mit  eynauder,  17 
unnd  dy  doringe  vorlorn  da  den  andern  strit.  Da  machten  sy  mit 
den  sachseu  eynen  frede,  das  dy  Sachsen  by  der  see  bliben  solden 
unnd  das  land  geruwelichen  besitczen,  unnd  dy  doringe  solden  ouch 
mit  frede  besitczen  das  land  hir  dissit  brunswig  unnd  meydeborg. 
Unnd  disser  frede  stunt  also  wol  hundirt  jar;  do  czogen  dy  sachson 
das  volk  zu  on,  das  on  das  land  zu  eygen  wart,  unnd  brechen  don 
frede,  also  das  der  herczoge  von  doringen  mit  on  zu  strite  quam 
unde  vor  loss  do  den  dritten  strit,  den  dy  Sachsen  mit  oren  langen 
messern  gewonnen,  do  on  dye  glefeu 1  unnd  swerte  zu  slagen  worden, 
unde  da  treben  dy  Sachsen  dy  doringe  ubir  den  harcz  unnd  er 
slugen  der  gebur*  vele  tod  unnd  behildon  or  enteyl  in  den  dornen,  Roti»  134 
das  sy  den  acker  mit  on  bestalten,  unnd  dy  hissen  sy  lassen;  dy  ouch 
dar  nach  zu  on  quomen  unnd  hulften  on  ouch  umme  tagelon  arbeyte, 
dy  hissen  sy  dy  tagewarten,3  von  don  nach  das  sechscho*  lant- 
recht4  sagit. 

Also  dy  doringe  von  den  Sachsen  ubir  den  harcz  getreben 
worden  in  das  land,  das  nu  itczunt  doringen  heisset,  unnd  sy  er- 
kanten,  das  es  fruchtbar  war,  do  treben  sy  dy  wenden  uss,  dy  es 
besasssen,  unnd  funden  wennig  gebinvetor  sloss  dar  inne.  Unnd  also 
behilden  gar  vele  dorffe  ore  wendischen  namen,  also  lupenitez,5 
raniss,6  opolch,7   kransswitcz,*  triptis,"  cicz,10  iyptcz 11  unnd  vele 


*  wann.  b  torltab.  •  foblt.  <>  wenig  tfopflogeu.  •  Dy  doringe-  D&onten  UUw  ore  finde* 
'  iteliMD.    «  late.     h  wimu      1  HS :  aeclute. 


"23..  1  ,  Lanzen,'  Lehnwort  aus  dem  altfranz.  glaive;  es  geht  wohl  schlii 
lieh  auf  das  lat.  glndiu*  zurück.  1  Stm.  „Dorfgenosse,  Dorfbewohner, 
Bauer";  hier  collectiv  gebraucht.  *  Anscheinend  dialektisch  oder  Neu- 
bildung von  Stolle,  gemeinniederdeuts-h  tageworchte  (s.  i.  Sachsenspiegel,  nach 
einer  md  HS  herausgegeben  von  Weiske,  186«$  u.  a.  3,  44;  s.  folg.  Anm.). 
*  Das  ist  der  obengenannte  Sachsenspiegel,  du«  im  13.  Jahrhundert 
(zwischen  1224  und  1235)  au»  den  im  nördlichen  Deutschland  giltigen  Gesetzen 
und  Rech  tage  wohiih  eilen  von  dem  sächsischen  Kitter  Eike  von  Repgow  zusammen- 

Sestellte  Rechtabuch.  "  .letzt  Lupnitz,  Dorf  im  Verwaltiuigsbezirk  Eisenach 
es  Grossherzogtums  Sachsen ,  am  Einflute  der  Böber  in  die  Nesse.  "  Kleine 
Stadt  im  preußischen  Kreise  Ziegenrück  iRgsbz.  Erfurt).  T  Wold  versehriel>en 
für  Opolt  bezw.  Opult,  älterer  Nnme  von  Oppurg  fs.  HDThD  1, 18%,  S.  lOi  in  einer 
Urkunde  des  Erzbiscbofs  Anno  II.  von  Cöln  v.J.  1074).  Schloss  und  Dorf  im  Ver- 
waltungsbezirk Neustadt  a.  d.  Orla  im  Grossherzogtum  Sachsen.  *  Jetzt  Orons- 
wiz,  ein  Ort,  früher  ein  Kloster  im  Vogtlande,  eine  Meile  von  Gera  (Fürstentum 
Reut*  jüngere  Linie).  9  Städtchen  im  Grossl »erzogt um  Sachsen  ,  Verwaltungs- 
bezirk Neustadt  a.  d.  Orla.  10  Die  preussische  Stadt  Zeitz  (Rgsbz.  Merseburg). 
u  Leipzig. 


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ÖO 


28.  Stück. 


andere  dorffe  umme  bichelingen, 12  unnd  dy  wende  muste  wiche  in 
v  das  osterland13  unnd  missen.11    Also  besassen  dy  doringe  das  |  land 
mit  orem  herezogen,  unnd  do  santen  dy  romer  zu  den  Sachsen  unnd 
geboten  on  frede. 


S??d?    23.  Wy  dy  doringe  einen  eygen  koning  machten. 

m  Also  man  schreib  nach  cristus  geburt  OCCC0  unnd  drissig  jar,  da 
nomen  dy  romere  sere  abe  unnde  dy  von  franckrich  dy  vor  treben 
unnd  er  singen  der  romer  ammecht  lute  unnd  machten  einen  eygen 
koning  unnd  wolden  den  romern  numme  czinssen  unnd  brachten  * 
vele  land  under  sich  unnd  den  ganczen  rynstrom  unnd  welsche  land. 
Do  das  dy  doringe  unnd  andere  lande  umme  sy  gelegen  vornomcn, 
das  dy  land  alle  den  romern  nymme  czinsse  gaben,  do  machten  sy 
ouch  einen  eygen  koning,  des  konigis  mag  von  franckrich;  den  hiss 
merwig,1  unnd  der  buwite  da  itczunt  crflort  1yd  eine  borg,  dy  nante 
her  nach  syme  namen  merwigisborg,  dy  wir  itczunt  nennen  mewirss- 
purg.  Unnd  disser  koning  buwete  ouch  zu  erst  dy  stad  northusen; 
her  buwete  ouch  einen  sal,  do  itczunt  sente  peters  kerche  1yd  zu 
Erflort.  Unnd  erftort  was  uff  dy  czit  nach  keine  stad,  sundern  nidder 
an  der  gera  was  eyn  dorff,  das  hiss  schilderode. b  2   Unnd  in  denie 

•  IIS  :  broeben.       «>  IIS:  Schtdderod*. 

11  Stammschloss  der  1576  ausgestorbenen  Grafen  von  Beichlingen,  im 
preußischen  Kreise  Eekartsberga  (Rgsbz.  Merseburg),  b.  J.  Leitzmann ,  Diploma- 
tisehe Geschichte  der  ehemaligen  Grafen  von  Beichlingen,  ZThG.  VII 1 ,  187 1, 
8.  177—242.  13  Name  der  alten  nordthüringisebeu  Mark  (Marchia  orie.ntalis), 
von  Gero  im  10.  Jahrhundert  von  der  Saale  über  die  Mulde  und  Elbe  aus- 
gedehnt; ihr  Kern  war  die  spätere  Mark  Landsberg,  doch  umfasste  sie  auch  die 
(legend  um  Eilenburg  und  den  westlichen  Teil  der  Niederlausitx.  M  Die  ehe- 
malige deutsche  Markgrafschaft  an  der  Mittelelbe. 

"Hl.  1  Die  „Sage"  (s.  C.  Beyer,  Geschichte  der  Stadt  Erfurt  bis  zur  Unterwerfung 
unterdie  Mainzische  Landeshoheit.  1893,  S.  3;  Derselbe  BE  S.  1  fT)  von  Merwig  und  der 
Merwigshurgk  (davon  auch  Möbisburg  genanntem  Volksmunde  Merschberk),  Dorf 
im  Landkreise  Erfurt,  ursprünglich  eine  vorgeschichtliche  Wallburg,  s.  1*.  Zscbiesche, 
Die  vorgeschichtl.  Burgen  und  Wälle  im  Thüringer  Centraibecken  (Vorgescbichtl. 
Altertümer  der  Provinz  Sachsen,  I. Abiig..  X.Heft,  1889,  S.  15—17),  ist  uralt 
und  findet  sieh  in  der  Historia  Pistoriana,  bei  Lambert  v.  Hersfeld,  im  Liber 
cronicorum  (Erfordensis) ,  in  der  kirchl.  Chronik  des  Nicolaus  v.  Sygen,  etwas 
anders  im  Erfnrdianus  Antiquitatum  Variloquus  und  bei  Engelhus.  Ein  Teil  der 
genannten  Quellen  erzählt  auch  Nordhausens  Gründung.  Abweichend  ist  hier 
auch  die  Gründung  der  Peterskirche  erwähnt .  während  sonst  von  dem  Petera- 
klowter  die  Rede  ist;  nach  Falckcnstein,  Civitatis  Erfurt,  historia  critica  et  diplo- 
matica,  1730.  S.  2  wurde  ein  ..Sehloss4'  gebaut,  doch  kommen  die««es  und  der 
„Saal"  im  Texte  wohl  in  palas  (Nebenform  palast)  zusammen.  ?  Das  fabel- 
hafte Dorf  Schilderode  soll  am  Kusse  des  Erfurter  Petersberges  gelegen  haben, 
da,  wo  jetzt  die  St.  Andreaskirche  liegt;  s.  Nicolaus  von  Siegen,  chronic,  eccles., 
h.  v.  Wegele,  1855,  S.  1 06  f.  nebst  Anm,  u.  Addit.  ad  Larab.  Scliafhaburg.  bei 
Pistorius-Struve  Script,  pag.  1139  a.  E.  Uber  Schilderode  äussert  sich  auch  Werne- 
Imrg,  Beiträge  z.  thüring.  und  insbes.  zur  erfurtischen  Geschichte,  MGE,  Heft  X, 
1881,  S.  164-167,  u.  146  ff.  u.  A.  Kirchl.off,  Verfassungszustande  im  Mittel- 
alter.  N.  Mitt.  des  Thür.  Sachs.  Vereins  XII,  S.  8i;  Derselbe,  Die  ältesten  Weis- 
lüini-r  d.  Stadt  Erfurt  S.  196. 


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24.  und  25.  Stfick. 


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brule3  wonte  eyn  niuller,  den  hiss  erff,  unnd  da  was  eyn  fort  ubir  dy 
gera;  da  vone  nante  man  es  erflsfort4 

24.  Wy  hennenberg  gebuwet  wart  Roth«  im 

Hennenberg  dy  graffeschafft,  dy  erhub  sich  also.  Do  dy  wendein» 
in  rome  logen  unde  rome  unnd  welssoheland  vorterbeten , 1  das  was 
nach  cristus  geburt  OCCCLVIIl  jar,  da  czoch  eyn  romer  von  rome  458 
umme  des  umfredis  willen.  Der  wass  eyner  Ton  der  sül,*  |  geheisen  i« 
de  calumpna,  der  grosten  gesiechte  ein,  de  in  rome  wonhaftig  siut  noch 
hüte  zu  tage.  Unnd  quam  also  in  den  doringer  walt  unnd  netne- 
Hehen  do  itczunt  de  borg  hennenberg"  1yd,  mit  sinen  denern.  Do 
gefyl  ome  der  berg  zu  buwene,  unnd  do  er  zu  erst  eyn  bovinen  huss 
uff  slug,  do  vand  er  eyn  wilt  hun  mit  sinen  k uchen  an  der  selbigen 
stad;  dar  umme  sso  nante  her  das  sloss  hennenberg. 

25.  Wy  dy  eilff  tusent  junefrowen  erslagen  worn.  K°»bo  iM 

Als  man  schreib  nach  cristus  geburt  CCCC"  LVJII  jar,  da  czoch  458 
koning  eezil,1  eyn  koning  in  ungern,  der  geheysen  was  der  hunen 

*  HS:  weudeo. 

•  Früher  eine  Art  Dorf  vor  Erfurt  (jetzt  die  Erfurter  Vorstadt  ,, Brühl"), 
mit  einem  eigenen  Schultheissen ,  welcher  dem  Gerichte  vorsass,  welches  für  die 
Hörigen  der  Stadt  sowohl  wie  für  des  Brühls  und  der  zum  Mainzischen  Vor- 
werke (Mainzerhof)  im  Brühlc  gehörigen  (wendischen)  Kücheudörfer  abgehalten 
wurde;  s.  C.  Beyer  a.a.O.  S.  6,  Werneburg  a.a.O.  S.  149  ff. ,  Kirchhof!' u.  a.  O. 
S.  82  u.  ö.  4  Der  älteste  uns  bekannte  Name  ist  Erphesfurt,  d.h.  Furt  des 
eines  Ansiedlers,  der  vielleicht  den  Reisenden  in  irgend  einer  Weise  be- 
war  und  dafür  eine  kleine  Abgabe  erhob.  Diese  Erklärung  des  Namens 
ist  die  einfachste  und  natürlichste;  s.  C.Beyer  a.  a.  O.  S.  3;  derselbe  BE  S.  2. 
Noch  im  10.  Jahrh.  ist  Erfurt ,  wenn  auch  Bonifatius  i.  J.  742  in  seinem  Briefe 
(ep.  42)  an  den  Papst  Zacharias  (s.  Jaffe,  bibl.  rerum  Germ.,  tum.  III:  Monu- 
menta  Moguntina  pag.  112)  von  diesem:  locus  qui  dicitur  Erphesfurt  sagt: 
„fuit  iam  olim  urbs  paganorum  rusticorum,  als  Dorf  zu  denken  (s.  C.  Beyer 
a.  a.  O.  S.  4) ,  das  sich  erst  allmählich  zur  Stadt  entwickelte. 

34.  1  Wieder  arge  Verwechslungen!  Aus  Rothe,  der  „Wendeln'*  sebreibt,  ist 
klar,  dasa  die  „Vandalen"  gemeint  sind,  welche  bekanntlich  455  unter  Geiserich 
Italien  verheerten ,  Rom  eroberten  und  es  vierzehn  Tage  lang  ausplünderten. 
*  Gemeint  ist  das  grosse  Baronalgeschlecht  der  Colonna,  das  neben  den  Orsini 
u.  a.  in  der  Geschichte  des  mittelalterlichen  Roms  eine  sehr  wichtig«'  Rolle  spielt, 
bald  für,  bald  gegen  das  Papsttum  kämpfend.  Anders  als  der  Chronist  haben 
spätere  unkritische  Geschichtsschreiber  behauptet,  das«  die  Stolberger  Grafen  von 
Otto  de  Columna  (6.  Jahrhundert  nach  Christi  Geburt)  abstammen,  wegen  des 
Wappens  der  Stoiberger:  ein  schwarzer  Hirsch  in  Gold  an  einer  Säule;  s.  u.a. 
Zeitfuchs,  Stoibergsehe  Kirchen-  und  Stadthistorie ,  1717,  S.  8  f.  '  Die  Graf- 
schaft UeuneberK  lag  im  fräukischen  Kreise  des  alten  deutschen  Kaiserreichs,  in 
den  Gauen  nördlich  des  Mains  im  Gebiete  der  oberen  Werra  und  Saale  mit 
deren  Zuflüssen.  Das  Herrscherhaus  starb  1583  aus.  Das  Wap|>en  der  Graf- 
schaft war  eine  schwarze  Henne  auf  grünem  Hügel  in  Gold. 

25.  1  Der  Hunnenkönig  Attila  starb  allerdings  schon  453;  die  Jahreszahl  ist 
also  unrichtig,  da  der  Zug,  auf  welchen  der  Chronist  hinweist,  i.  J.  451  stattfand. 


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26.  Stück. 


koning,  vor  dy  stad  koln  an  den  ryn  unnd  erslug  da  dy  eylff  tusent 
juncfrowen.  Item  in  der  selbigen  czit,  do  lebete  ouch  koning  dytherich 
von  lamporten,2  den  man  nennet  dittherich  von  berne;  der  was  eyn 
ketczer8  nnnd  zu  brach  kerchen  unnd  klusse. 


w     26.  Wy  etliche  grafescliafft  körnen  sint  in  das 

laut  zu  doriiigen. 

Item  langeczit  vor  cristus  geburt  quam  dy  herssschafft  unnd 
graffeschafft  von  swarczpurg,1  unnd  dy  quam  von  der  see  mit  den 
doringen,  also  dy  von  den  Sachsen  vortreben  worden,  unnd  dy  buweten 
das  sloss  swarzborg.  Item  dy  andern  graffen,  dy  da  füren  lawen  mit 
vor  körten  helssen2  im  Schilde,  dy  quomen  alle  uff  dy  czit  mit  den 
doringen  in  ditte  land,  unnd  ouch  etliche  fryhern,3  also  dy  grafen 
von  keffernbargk.  Item  dy  graffen  von  glichen,  dy  buweten  zu  erst 
dy  borg  glichen  in  sachssen4  by  gottingen,  unnd  da  sy  da  danne  mit 
den  doringen  von  den  Sachsen  vortreben  worden,  do  buweten  sy  das 
v  sloss  glichen  by  mölborgk h  |  gelegen  unnd  beilüden  oren  alden  namen 
unnd  hissen  das  sloss  glichen. 

»D.i.  von  der  T  Lombardei  (mini  Lamparte,  awf.)  'Theoderich,  der  Ostgoten- 
könig, «1er  bekannte  grünst*  Held  des  deutschen  Volksepos,  der  I Metrien  von  Bern 
(Verona)  des  NiMungenlicdes,  war  wie  alle  Germanenkönige  (mit  Ausnahme  der 
seit  Chlodwig  orthodoxen  Frankenkönige)  ein  Ariauer. 


von  Thüringen,  welche  ihre  Burg  als  eine  Schutzwehr  gegen  die  Slaven  (Sorben) 


Fabelhafte  und  Ungereimte,  wie  unser  Stolle  zeigt,  eingeschlichen  hat,  besonders 
ihre  Finwanderung  aus  dem  Norden.  »Dialektisch,  „J^öwen  mit  umgewendeten 
Bahlen.44  Ausser  den  Schwarzburger  Grafen,  welche  im  blauen  Felde  einen 
goldenen  Löwen  in  der  Kopfhaltung  der  heraldischen  Leoparden  (also  eu  face), 
einen  sogenaimteu  leopardischeu  Löwen  im  Wappen  führten,  hatten  (s.  Sibtnacher, 
Wappenbuch,  kl. Ausgabe,  1605)  auch  die  Grafen  von  Kevernburg  (Wappen:  ein 
Löwe  mit  umgekehrtem  Halse  im  blauen  Felde)  und  die  Grafen  von  Gleichen 
(Wappen:  ein  silberner  Ixtwe  mit  umgekehrtem  Halse  im  blauen  Felde)  solche 
I/'iwen;  sonst  steht  der  Löwe  en  profil  z.B.  im  Wappen  der  thüringischen  T^and- 
grafcn.  :|  So  die  Herren  von  Hehlrungen  und  von  Westernhagcn.  s.  Helmers 
Wappenbuch.  1705,  II,  30  u.  1, 145.  4  D.  h.  im  alten  Herzogtum  Sachsen.  Noch 
heute  liegen  Burgtrümmer  auf  2  Bergkegeln  südöstlich  von  Göttingen,  Alt-  und 
Neuengleichen  genannt,  5  Jetzt  Mühlbcrg,  preussisches  Dorf  im  Laudkreise 
Erfurt,  mit  einer  Ruine  gleichen  Namens,  diejenige  der  3  thüringischen  Gleichen 
(zwischen  der  Wanderslebener  Gleiche  und  der  Wachsenburg),  welche  Gustav 
Frey  tag  im  2.  Bande  seiner  „Ahnen",  dem  „Neste  der  Zaunkönige,"  so  an- 
schaulich schildert. 


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27.  Stück. 


27.  Von  brandenborg. 

Item  dy  graffen  von  brandenbcrg,1  dy  buweten  das  sloss  branden- 
berg.  Item  dy  hern  von  wangheym2  nnnd  von  erffa :l,  dy  quamen 
ouch  in  das  land  zu  doringen  uss  Sachsen,  als  hir  oben  geschreben 
steid,  unnd  buweten  ore  sloss.  Unnd  dy  von  erffa  hissen  von  erst  dy 
grynhunde4  von  Sachsen  an  der  nesse5  in  deme  hayne  under  eben- 
heym.6  Unnd  dy  andern  eiber  mannschafft,  dy  enpfingen  ore  nameu 
von  de,n  dorffen,  dar  inne  sy  gesessen  warn  unnd  dy  sie  in  nomen; 
unde  dy  dorff  enpfingen  zu  erst  ouch  ore  namen  von  den,  dy  da  zu 
erst  den  acker  buweten,  also  von  eynie,  den  hiss  utand  utanrode,7  von 
heczele  heczels  rade,8  von  gosprecbte  gosprechsrode,9  von  snelmanne 
snelmanshusen,10  von  guuther  guntersleuben 11  etc. 

27.  1  Brandenberg  und  Brandenburg,  alte  thüringische  Grafen  mit  dem 
Stammschlosse  Brandenburg,  jetzt  Ruine  bei  I>auchr<"nleii  an  der  Ausmündung 
der  Elte  in  die  Worra,  Grosshcrzogtuni  Sachsen,  gegenüber  dem  Dorfe  Herles- 
hausen, preussisehe  Provinz  Hessen-Nassau,  s.  Galette,  Die  Schlösser  Brandenburg 
a.  d.  Werra,  ZThG,  Band  VIII,  1871,  S  373-380,  a.ebcuda  auch  II  S.  356  ff.  u.  IV, 
190  f.) ;  a.  auch  O.  Krügel,  Geschichtliches  und  Sagenhafte*  von  der  Brandenburg,  1895. 
'Jetzt  Freiherrn,  auch  Grafen  von  Wangenheini,  alte  und  bekannte  thüringische 
Adelsfamilie.  Wangenheim,  ihr  Stammsitz,  liegt  bei  Gotha;  sie  sollen  aus 
Ungarn  oder  aus  Sachsen  nach  Thüringen  gekommen  sein  und  fuhren  einen 
Windhund  im  Wappen  (s.  Kneschke,  Deutsches  Adelslexikon  IX,  1870.  S.  473), 
urkundlich  seit  dem  Anfange  des  11.  Jahrb.,  erste  bezeugte  Jahreszahl  1133. 
!  Ebenfalls  eihe  alte  thüringische  Adelsfamilie  (Freiherren),  welche  von  Ungarn 
nach  Thüringen  gekommen  sein  soll  (s.  Gotha  diplomatica,  1696,  Stammregister); 
sie  führen  im  Wappen  2  Flügel.  Ihr  Stammsitz,  das  frühere  Dorf  Erffa,  heisst  jetzt 
Friedrichswerth,  1  Meile  von  Gotha  an  der  Nesse  gelegen ;  s.  Kneschke,  Deutsch. 
Adelslexikou  III,  1861,  S.  139.  4  Die  Erffas  und  die  Wangenheims  sollen  (nach 
Kneschke,  Deutsches  Adelslexikon  IX,  S.  473)  den  Beinamen  Grynhuud  (engl. 
gTcyhound  —  Windhund,)  geführt  haben.  Mit  Rücksicht  auf  das  obenerwähnte 
Wangenheimsche  Wappen  ist  diese  Bezeichnung  für  diese  Familie  erklärlich,  nicht 
aber  für  die  Erffas,  wie  es  der  Chrouist  allein  erwähnt.  Die  Familiengeschichte 
der  Wangenheim  (Regcstcn  und  Urkunden  zur  Geschichte  des  Geschlechts 
Wangenheim,  von  Friedrich  Herrn.  Albert  v.  Wangeuheiin.  1857)  lehnt  deshalb 
mit  Recht  auf  S.  12  diese  Sage,  wie  auch  die  von  der  Herkunft  nach  Thüringen 
mit  den  Huuneu  oder  Sachsen  ab;  „die  Herren  von  Erffa  sind  der  Nachbarschaft 
wegen  mit  in  dieselbe  Fabel  verwebt"  (a.  a.  0.  S.  12).  6  Thüringisches  Flüsschen, 
das  bei  Alach,  unweit  Erfurt,  entspringt,  durch  Gothaisclies  und  Eisenacher  Ge- 
biet fliesst  und  bei  Eisen  ach  in  die  Hörsei  mündet.  0  Dorf  im  Herzogtum 
Sachsen- Koburg  untl  Gotha,  nordwestlich  von  Gotha.  7  Jetzt  Utenrod««,  Dorf 
bei  Kreuzburg  au  der  Werra  (Grossherzogtum  Sachsen).  *  Jetzt  Hcsselrode, 
Dorf  bei  Ohrdruf  (Herzogtum  Sachsen -Koburg  und  Gotha).  9  Jetzt  Gospen- 
rode,  Dorf  im  Verwaltungsbezirk  Eisenach  im  Gross  Ii  erzogt  um  Sachsen.  10  Jetzt 
Schnellmannshausen',  Dorf  teils  zum  Verwaltungsl>ezirk  Eisenach  im  Grossherzog- 
tum Sachsen,  teils  zum  preussischen  Kreise  Mühlhausen  (Rgbz.  Erfurt)  gehörig. 
n  Jetzt  Günthersleben,  Dorf  im  Kreise  Gotha,  Herzogtum  Sachsen -Koburg  und 
Gotha. 


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28.  Stück. 


im   28.  Wy  eyn  koning  vomme  ryne  unnd  eyn  koning 

in  dori  ngen  gestreten  haben.1 

i;>        Als  man  schreib  nach  cristus  geburt  funff  hundert  unnd  XV  jar, 
do  starp  der  koningk  von  franckrich,  genant  clodovius*  unnd  liss  vier 

*2S.  1  Es  ist  nicht  verwunderlich,  dass  Stolle«  Darstellung  des  Unterganges  des 
thüringischen  Königreiche«  wie  nicht  nur  bei  allen  Chronisten  des  Mittelalters, 
sondern  auch  bis  in  die  Neuzeit  hinein,  eine  unkritische  und  sagenhaft  entstellte 
ist.  Kr  folgt,  wie  sein  noch  kritikloserer  Gewährsinann  Rothe,  weniger  den  besseren 
fränkischen  Quellen  ((iregor  von  Tours,  historia  Francorum,  Gesta  Francorum 
epitomata,  dem  lat.  Dichter  Venantius  Fortunatus  de  excidio  Tkuringiae  ad  Ame- 
lafridam  und  in  »ndercu  Gedichteu),  als  den  noch  mehr  sagenhaftentstellten  sächsischen 
Quellen  (b*.  Widukind,  res  gestae  Saxonieae,  Annale«  Quedlingburgenses,  dem 
Anonymus  de  Hueborum  origine  und  Rudolfs  von  Fulda  Translatio  S.  Alexandri), 
vgl.  Wattenbach,  Deutschlands  Gesohichtsquellen  im  Mittelalter  a.  d.  betr.  Stellen, 
u.  H.  Richter,  Annalen  des  frank.  Reiches  im  Zeitalter  der  Merovinger,  1873, 
S.  ;{-r»  u.  45—51,  wo  sich  auch  weitere  Quellen-  und  Littcratu rangaben  finden. 
Eine  Zusammenstellung  aller  Ansichten,  von  Martin  us  Pol  onus  bis  zur  Neuzeit 
11890)  giebt  E.  Lorenz,  ZThG  N.  F.  VII  (1891)  S.  335  fT.     In  der  neusten 
Zeit  hat  ausser  Lippert  a.  a.  0.  S.  5  ff.  Könnecke,  Das  alt«?  thüringische  König- 
reich  und  sein   Untergang  5:}1  n.  Chr.,  ,,nach  den  Quellen   und   unter  be- 
sonderer Berücksichtigung   der  neusten   einschlägigen   Litteratur  ,u  1893,  eine 
Darstellung  versucht,  deren  Resultat  wir  in  knappester  Kürze  geben  (s.  auch 
Regel,  Thüringen,  II,  1895,  S.  495  f.).    König  Bisino  von  Thüringen  stirbt  am 
Anfange  des  6  Jahrh  n.Chr.;  sein  Reich  geht  auf  seine  3  Söhne  über,  Baderich, 
Herminafrid  oder  Irminfrid  und  Berthar.  Irminfrids  Gattin  war  Amalaberga,  die 
Nichte  des  grossen  Ostgothenkönigs  Theoderich;  mit  ihm  wird  Theoderich  oder 
hietrich  verwechselt,  der  uneheliche  Solm  Chlodwigs  ((iregor  a.a.O.  11,28:  haben» 
de  coneubina  filium  nomine  Theodoricum),  welcher  —  er  war  der  älteste  — 
neben  seinen  Brüdern  Clodomer,  Childebcrt  I  und  Clothar  I  den  grössten  Teil 
des  fränkischen  Reiches  trotz  seiner  unebenbürtigen  Herkunft  erhielt;  er  hatte 
als  Hauptstadt  Metz  (s.  Richter  a.  a  O.  S  46  A.  1).    Amalaberga,  ein  stolzes  und 
ränkesüchtiges  Weib  (trotz  des  bei  ihrer  Vermählung  von  Theoderich  dem  Grossen 
an  Irminfrid  gerichteten  Briefes,  den  Cassiodor  verfasst  und  in  seinen  Var.  IV,  1 
mitgeteilt  hat,  und  in  welchem  sie  höchlichst  belobt  wird  —  s.  RDThD,  I,  1896, 8.  2,  — 
stachelt  ihren  Gatten  Irminfrid  gegen  seinen  ältesten  Bruder  Balderich  auf;  mit 
Hilfe  des  Frankenkönigs  Tlieoderich  besiegt  jener  den  Bruder  und  vereinigt 
dessen  Landesteil  mit  dem  seinigen;   das  Versprechen  an  den  Fraukenkönig 
Theoderich,  ihm  die  Hälfte  des  gewonnenen  Landes  zu  geben,  hält  er  nicht. 
Der  Franke  muss,  zwar  erbittert  wegen  des  ihm  widerfahrenen  Unrechts,  seine 
Rache  verschieben,  bis  Tlieoderich,  der  grosse  Ostgotheukönig.  gestorben  iBt  (526), 
weil  dei>ell>e  mit  seiner  Macht  hinter  dem  Gemahl  seiner  Nichte  stand  (s.  Procop, 
Gothen  krieg,  I,  12'!.    Dann  aber  verband  sich  Theoderich  mit  seinem  Bruder 
Cloihar.  der  über    Neu-trien  herrschte;   durch  ein  Hilfscorps  seines  eigenen 
Sohnes  Theudebert  verstärkt,  ist  er,  wohl  i.  J.  5^0,  gegen  Irminfrid  gezogen. 
Diesen  unterstützt  sein  Bruder  Berthar.    In  der  für  die  Thüringer  unglücklichen 
Schlacht  bei  Ohrum  an  der  Oker  (Könnecke  nimmt  ihrer  nur  2  an:  diese  und 
die  bei  Runibergun  an  der  Unstrut)  fällt  wahrscheinlich  Berthar.  seine  Tochter 
Radegunde  aber  (s.  über  sie  sonst  Herrn  Grössler  in  2  Aufsätzen:  1.  Radegundis 
von  Thüringen,  Mansfelder  Blätter  II,   69    72,  1S88  u.  R.  v  Thüringen  i.  d. 
Dichtungen  ihrer  Zeit  ebend.  VII  S.  103-  119,  1894)  gerät  in  die  Gefangenschaft 
der  Franken.    Ober  ihreu  Besitz  veruneinigen  sich  die  zwei  fränkischen  Könige; 
Clothar  erhält  sie  zwar  zuletzt  (und  nimmt  sie  später  zur  Gattin;  sie  trennt  sich 
aber  bald  von  ihm,  lebt  nur  frommen  Werken  und  wird  beilig  gesprochen),  ist 
al>cr  gegen  seinen  Bruder  Theoderich  so  verstimmt,  dass  er  heimzieht.  Deshalb 
und  weil  er  sicherlich  grosse  Verluste  erlitten  hat,  ist  Theoderich  unschlüssig,  ob 


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28.  Stück. 


65 


sone.3  Der  hiss  einer  hylderich,  der  wart  eyn  kouing  zu  franckrich. 
Der  ander  hiss  gunderam,  der  wart  eyn  koning  in  welsschen  landen. 
Der  dritte  hiss  hildebrecht,  deme  beschyd  her  swoben,  beyern,  osterich 

er  den  Thüringern,  die  sich  an  die  Unstrut  zurückgezogen  haben,  folgen  soll; 
auf  den  Rat  seiner  Mannen  ruft  er  die  Sachsen  zu  Hilfe,  zieht  vorwärts  und  er- 
kämpft mit  seinen  Bundesgenossen  den  blutigen  Sieg  bei  Runiberguu  an  der 
Unstrut,  d.  h.  auf  den  Rounebergen,  westlich  von  dem  heutigen  Schlosse  Vitzeu- 
burg.  Die  geschlagenen  Thüringer  ziehen  sich  auf  ihre  Burg  Scheidungen 
(Scithingi)  zurück,  welche  aber  die  Sachsen  erstürmen,  die  dann  die  Thüringer  nieder- 
machen. Die  Sachsen  erhalten  dann  Nordthü ringeu  bis  zur  Unstrut.  Zwar  ist 
König  Irminfrid  mit  Weib  und  Kind  »lern  Blut  bade  entronnen,  wird  aber  später 
heimtückisch  ermordet  (vielleicht  in  Zülpich  von  der  Mauer  gestossen).  So  weit 
Könuecke.  Die  Gestalt  Amalabergas  hat  die  fränkische  Sage  vielfach  ausgeschmückt 
<z.  B.  die  Sage  von  dem  boshaft  halbgedeckteu  Tim  he);  die  Gestalt  Irings  aber, 
der  \on  Anfang  an  als  der  Ratgeber  Amidabergas  erschein»  (daher  die  von  ihm 
herrührende  ehreurfihrige  Antwort,  au  den  Frankenköuig  Theoderich),  ebenso  die 
Unterhandlungen  der  Thüringer  mit  den  Franken  nach  der  zweiten  unglück- 
lichen Schlacht,  die  Jagdgeschichte  mit  dem  Falken  und  die  damit  znsammen- 
hüugendc  Einnahme  von  Burgschcidungen  durch  die  Sachsen,  endlich  der  Tod 
Irminfrids  im  fränkischen  I>ager  und  der  damit  verbundene  Theuderichs  gehört 
der  sächsischen  Sage  an,  welche  auch  die  langen  und  ausschmückenden  Reden  bringt. 

Zuletzt  bat  Herrn.  Grössler,  „Der  Sturz  des  thüringischen  Königreiches 
i.  J.  531"  (ZThG  N.  F.  Bd.  XI.  1898,  S  1-55)  die  Untersuchung  wieder  aufge- 
nommen, in  der  ausgesprochenen  Absicht,  E.  Lorenz.  „Die  thüringische  Kata- 
strophe i  J  531"  (ebenda,  Bd. VIII,  181)1,  S.  335— 405)  zu  widerlegen,  ohne  Könuecke 
zu  nennen.  Während  Lorenz  „in  der  Annahme,  dass  alle  Akte  des  blutigen 
Dramas  sich  in  der  Nähe  der  Unstrut.  und  ferner,  dass  sie  sich  kurze  Zeit 
hintereinander,  vielleicht  in  wenigen  Stunden  abspielten,"  alle  Schwierigkeiten 
gelöst  zu  haben  glaubte,  nimmt  Grössler,  welcher  noch  mehrere  Quellen  (be- 
sonders Aimoinus  Floriaceusia»  heranzieht,  die  fränkischen  und  sächsischen 
Quellen  ineinander  arbeitet,  indem  er  vou  jeder  Seite  das  Glaubwürdige  annimmt 
und  möglichst  viel  von  der  Überlieferung  festzuhalten  sucht  und  daher  eine 
glatte  Erzählung  (a.  a  O.  S.  45— 49)  als  Ergebnis  gewinnt,  fünf  zeitlich  und  örtlich 
verschiedene  Kämpfe  an:  1.  bei  Rounebergen  im  späteren  Gau  Marsberu,  un- 
weit Hannover,  zwischen  Thüringern  und  Franken,  an  der  Westgrenze  des 
thüringischen  Landes;  2.  bei  Ohrum  an  der  Oker,  zwischen  Thüringern  und 
Franken;  3.  nach  mehrmonatlichem  Warten,  und  nachdem  die  Franken  die 
Sachsen  zu  Hilfe  gerufen  haben,  selbst  aber  den  Thüringern  nachgezogeu  sind, 
auf  dem  östlichen  Ufer  der  Unstrut  auf  den  sogenannten  „schmalen  Wiesen"  an 
der  Furt  bei  dem  Dorfe  Carsdorf  mit  Hinüberdrängen  der  Thüringer  auf  das 
westliche  Unstrutufer  bei  dem  Dorfe  Wenuungen,  beide  oberhalb  Burgscheidungen, 
zwischen  Thüringern  und  Franken,  die  sich  dann  auf  dem  Trebsdoifer  Unter- 
felde unter  der  Neideck,  Burgscheid ungen  gegenüber,  lngerten;  4  wieder  am  öst- 
lichen Unstrutufer  auf  dem  Anger,  unmittelbar  nordnordöstlich  von  Burg- 
schcidungen, zwischen  Thüringern  und  Sachsen,  die.  als  ein  Hilfscorps  heran- 

fjeilt,  sich  am  westlichen  Unstrutufer  Burgscheidungen  hart  gegenüber  in  der 
lur  des  heutigen  Dorfes  Trebsdorf  im  sogenannten  ,.Gewehrriehf  gelagert  und 
tags  zuvor  die  Vorburg  Scheidungen»  dureh  Feuer  vernichtet  hatten;  endlich 
5.  nachdem  die  Sachsen  von  den  Unterhandlungen  zwischen  Thüringern  und 
Franken  und  dem  gegen  sie  beabsichtigten  Verrate  gehört  haben,  die  Erstürmung 
Hurgscheidungeus  in  der  Nacht  vom  30.  September  zum  l.  Oktober  531  durch 
die  Sachsen  von  demselben  l'unkte  aus,  wo  der  Kampf  am  Tage  zuvor  statt- 
gefunden hatte. 

1  Es  ist  der  geseh.  Chlodowech  (Clodwig)  gemeint,  Childerich*  Sohn,  Gründer 
des  fränkischen  Reiches,  481- Ml.  :l  Die  Teilung  des  Gebietes  unter  die  Söhne 
Chlodowecbs  geschah  so,  dass  jeder  ein  Hauptland  erhielt  und  ein  Stück  des  ehe- 
maligen Gebiets  des  Syagrius.     Stolle»  Namen  sind  nicht  historiseh.  Nach 

K.  Stotlea  Memorial«.  0 


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1 


66  28.  Stück. 

unde  franckenland ;  der  buwete  hiltporg*  unde  hiltprechtehusen,5  genant 
noch  sinem  naraen.  Der  Vierde  son,  den  hiss  ditterich,  deme  beschyd 
her  Lodringen  unnd  die  land  an  deme  ryne;  unnd  hatte  ouch  eine 
tochter,6  dy  gab  her  konige  ermenfryde  zu  doringen.    Der  selbige 

Roth«  i&9  koning  ditterich  thed  sine  botschafft  zu  symo  swoger  konige  erme- 
»i*  fryde  |  in  doringen  umrae  einen  frede  zu  bestetigen  unnd  mit  truwen 
gelobeden  behulfflich  zu  syne.  Und  koning  ermefryd  antwarte  liir  zu 
gar  wol  und  sprach:  her  wolde  das  also  an  sine  manschafft  brenge, 
der  roth  wolde  her  dar  zunemen  unnd  wolde  ome  des  wedder  sine  ant- 
wart  thun.  Ditto  vor  nam  dy  konigynne  unnd  sante  nach  eyme  ritter, 
genant  iring,  der  da  oyn  heymelicher  rath  was  oris  hern,  unnd  den 
bath  sy,  das  er  wolde  orem  hern  rat  he,  das  her  yo  kein  vorbuntnisse 
machte  mit  orem  brudere  konige  ditteriche,  wann  her  were  or  muter 

Roth«  j«ö  son  nicht,  sundern  her  were  eyn  banghart;  dar  umme  so  were  her 
nicht  wert,  das  or  lierre  unnd  sy  vorbuntnisse  mit  ome  betten.  Ditte 
geschach  widder  den  rath  allir  graffen  unnd  hern  zu  doringen,  wann 
das  wyp»  unnd  der  ritter,  genant  yring,  dy  sprochen  den  koning  dar 
zu,  das  her  deme  boten  synes  swogers  sso  gethane  antwarte  gap: 
konigk  ditterich  were  nicht  gud  gnug  dar  zu,  das b  her  vorbuntnisse  mit 
ome  machte,  wann  her  unelich  geborn  were  unnd  ein  knecht,  unnd 
das  land  an  deme  ryne  bilcher  syner  swester  unnd  syn  koniges  erme- 

Ro»b«  i6i  frydis  were,  dann  syn.  Disse  botschafft  quam  also  vor  konig  ditte- 
richen,  unnd  der  wart  unmutig  dar  umme  unnd  sprach:  so  müssen 
wir  gedencken,  dass  wir  unser  swester  gedynen  und  ouch  unserme 
swoger  also  or  knecht  Unnd  sammete7  ein  gross  her  unde  czoch  in 
doringen;  das  erfur  koning  ermefryd  unnd  besammete7  sich,  unnd 
quomen  zu  stryte  by  deme  wissensee,8  unnd  der  koning  ermefryd  vor- 
loss  den  stryd;  unnd  do  worden  gar  unmeslich  vele  lute  von  beyden 

»  HS:  wann  der  ritter  unnd  das  wyp.  gonant  (ao  aoch  •).       *>  HS:  dar. 

Richter  a.  a.  O.  S.  45  heissen  sie  folgendermassen :  Chlodomer,  Childebert  I., 
Chlothar  I.  und  Theuderich  I.  Chlodomer  (der  Gunderam  Stolles)  erhielt  das 
Land  zwischen  Garonne  und  Seine,  Hauptstadt:  Orleans;  Childebert  I.  (der  Hilde- 
brecht Stolles)  das  Land  von  der  Loire  bis  zur  Seine,  Hauptstadt:  Paria; 
Chlothar  I.  (wohl  der  Hylderich  Stollea)  das  Land  von  der  Seine  bis  zum  Nieder- 
rhein, Hauptatadt:  Soitwons;  endlich  Theuderich  I.  (der  Ditterich  Stolles)  in  2  ge- 
trennten Reichshiilften  alles  übrige  Land  nach  Osten,  im  Norden  wie  im  Süden, 
Hauptstadt:  Metz  —  nach  Spruuer-Mcnke,  Handatlas  der  Geschichte  des  Mittel- 
alters, Karte  29.  *  Heldburg,  Stadt  im  Herzogtum  Sachsen-Meiningen.  6  Hild- 
burgliauBen,  Stadt  im  Herzogtum  Sach»en-Meiningen.  8  Gemahlin  König 
Irminfrida  von  Thüringen  (s.  ob.  Anm.  1)  war  Amalaberga,  die  Nichte  des  grossen 
Oetgothenköniga  Theoderich,  der  hier  bei  den  mittelalterlichen  Chronisten  mit 
dem  Frankenköuige  Theoderich  verwechselt  wird;  daraus  entstand  das  ganze 
folgende  Sagengewirr.  1  Samen  und  besamen,  swv.,  für  samenen,  =  sammeln. 
"Rothe:  Rönebergk  ('s.  o.  A.  1).  Da  Rothe  Roenebergk  schrieb,  hat  Stolle  zuerst 
wohl  versehentlich  Wisscnbergk  oder  Wissenburgk  gelesen;  das  wäre  Weisseu- 
burg  bei  Zschiplitz  an  der  Unstrut,  unweit  Freiburg  (1042  erbaut),  und  da  ihm 
dies  unbekannt  war,  machte  er  daraus  das  bekannte  Weissensce,  das  hier  ganz 
unverständlich  ist;  über  dass.  s.  W.  Rein,  Die  Palatien  d.  alten  tliür.  Landgrafen, 
Archiv  f.  Sachs.  Geschichte  I  S.  414-417. 


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2a  Stuck. 


67 


teylen  |  erslagen,  unnd  koning  ermefryd  floch  in  schidingen.  Da  hisch  * 
koning  ditterich  syne  forsten  unnd  grafen  zu  samene  unnd  bad  sye 
umme  rath,  was  her  nu  thun  soldo.  Do  rothon  etliche,  her  solde  dy 
toten  begraben  lasse  unnd  dy  gowunten1'  heylen  unnd  solde  dann  uff 
synen  swoger  czyhen.  Do  sprach  eyn  andir  syner  rethe:  in  allen  1101,10 168 
guten  nutczlichen  dingen  ist  das  schönste  dy  stetikeit.  Wann  eyn 
man  glucke  unnd  gut  getelle10  had,  so  sal  her  nicht  abe  lassen,  wann 
es  wandelt  sich  ubir  nacht;  nu  ist  das  land  zu  doringen  itezundis11 
in  unser  gewalt,  czyhen  wir  nu  von  danne,  so  stercken  wir  unsir 
vinde  unde  machen  dy  leddig,  dy  wir  gereyte1*  über  wunden  haben, 
wanne  koning  ermefryd  unnd  dy  doringischen  hern,  dy  itezunt  by 
ome  sint,  dy  drucken  sich  itezunt  also  eyn  muss  in  einer  Valien  unnd 
thorn  vor  forchten  nicht  den  hymmel  ane  sehen.  Dar  zu  sprach  abir 
eyn  ander  rath  gebe:  disser  rat  were  wol  etwas  gut,  wir  sint  abir  also 
swach  mit  unserme  here  von  todes  wegen  unnd  gewonter  luthe  worden, 
das  es  torlich  gnug  ist  uns  hir  also  lange  zu  harren,  biss  das  wir  an 
den  ryn  nach  volke  gesenden  unnd  uns  gestercken.  Hir  zu  antwarte 
der  aide  wisse  rath  unnd  sprach:  nu  sint  doch  dy  Sachsen  uns  nahe 
gelegen,  dy  mit  den  doringen  ny  eins  worden;  nach  den  sende  man 
unnd  gebe  on  sold,  das  sy  uns  hulflo  thun.  Disser  selbige  rath  befyl 13  Roth« 
deine  konige  wol  unnd  alle  syme  rathe.  Dy  botschafft  geschach  den 
Sachsen  von  konige  ditteriche.  Dy  sachssen  |  worden  des  fro  unnd  so 
quomen  mit  achte  bannern,1-1  unnd  koning  ditterich  bad  sy,  das  sy 
ome  eyn  solchs  hulffen  uss  richten  unnd  sinen  swoger  helffen  vor- 
terben;  gewonnen  sy  Schillingen,  do  der  koning  ermefryd  inne  lag. 
das  solde  or  ewiglichen  bliben,  unnd  dar  zu  wolde  her  on  fordir  geben 
unnd  lyhen,  was  gensyd  der  unstrod  were.  Do  logerten  sich  dy  sachssen  R°tb«  ic4 
vor  schidingen  unnd  stormeten  das  hertlich,  unnd  wanne  eyn  banir 
abe  trad  unnd  mude  was,  so  quam  eyn  andir  gerugetes,  unnd  do  ditte 
dy  duringe  gesahen  unnd  erkanten,  das  sy  eyn  solches  nicht  mochten 
dy  lenge  erherten,  do  worffen  sy  der*  stad  thor  uff  unnd  hatten  ore 
spitezen15  unnd  banyr  wol  geschicket  unnd  quomen  mit  orem  geschuteze 
stormelichen  uss  der  stad  ubir  dy  Sachsen  unnd  streton  mit  on  unud 
er  singen  der  Sachsen  uss  ermossen  vele  tod,  unnd  koning  ermefryd 
mit  synen  doringen  floch  wedder  in  dy  selben  stad  unnd  erkante,  das 

•  HS  :  <u» 

9  Gewunt  ist  Partiq>.  praet.  des  swv.  wunden  ■=  „verwunden,"  hier  für  das 
Adjectivum  wund  •=  „verwundet'*  gebraucht;  unten  ZI.  15  ders.  Seite  heisst 
es  gewont.  10  Vom  guten  Fallen  der  Würfel ,  daher  „Glück,  Gelingen,4' 
».  tedor  Bech  im  Programme  des  Gymnasium»  zu  Zeitz,  lHtfl,  S.  7.  11  Md 
Nebenform  zum  mhd  iezuo  ist  ic/.uut  oder  itzunt,  auch  itzunden,  eigentümlich 
ist  daß  hier  stehende  itezundis.  11  D.i.  „mit  Fertigkeit",  „leicht  und  schnell", 
„grade",  „bereits",  e.  Rüekert,  Leben  d.  heilig  Ludwig,  S.  127  [i.  Texte  42, 
1S  Dialektisch  für  „gefallen,"  so  auch  in  der  niederrheinischen  Psalmenübersctzung 
aus  dem  H.Jahrhundert,  herausggb.  von  Janotta  (18«r)S)  42.  14  Banner,  unten 
banir,  heisst  sonst  die  Fahne  als  führendes  Zeiehen  einer  Schar,  hier  die  Schar 
selbst.       16  Spitze  =  „keilförmige  Schlachtordnung". 

5* 


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G8 


28.  Stück. 


ditte  dy  lenge  nicht  gewere  mochte.  Des  sante  her  in  der  nacht  synen 
rath  ritter  yringen  zu  syme  swoger  konige  ditteriche  in  sin  heir  umme 
gnade  unnd  frede  unnd  sprach,  ab  her  sines  hern  koning  ermefrydis 
nicht  schone  wolde,  so  solde  her  doch  bilche  siner  swester  unnd  or 
armen  kindere  gnade  thun  unnd  sich  der  erbarmen  lasse.    Do  wart 

Roth«  i«6  koning  ditterich  von  sinen  rethen  also  vele  underwist,16  das  er  synen 
swoger  unnd  sine  swester  zu  gnaden  nam  unnd  das  her  das  land  zu 
doringen  nicht  gebe  solde  in  der  Sachsen  hende,  der  her  binden  noch 
▼  nymnier  mehir  mochte  ledig  werde.  |  Disse  botschaftt  thet  ritter  yring 
syme  hern  in  dy  stad  zu  schidingen,  das  der  frede  von  konige  ditte- 
riche also  gesehen  were,  unnd  her  bleib  dy  nacht*  by  konige  ditte- 

Rotb«  167  riche  in  deme  here.  Es  geschach  ouch  in  der  selbigen  nacht,  das  dy 
Sachsen  in  eyme  frede  dy  stad  schidingen  erstegen,  unnd  do  wart  gross 
mort,  also  das  koning  ermefrid  mit  siner  frawen  unnd  kindern  zu 
eyner  pforten  an  der  stad  muren  uss  quam  mit  wenig  volkes.  Also 
ditte  koning  ditterich  vor  nam,  do  forchte  her  aber  infal  von  sinem 
swoger  konige  ermefryde,  dy  wile  er  entlouffen  was,  unnd  leyte17  mit 
ritter  yringe  an,1  das  her  on  ome  brechte  unnd  on  ouch  ersluge,  so 
wolde  her  on  zu  eynem  grossen  hern  mache.  Disser  ritter  yring  der 
reyth  noch  sinem  herrn  konige  ermefride  unnd  brachte  den  vor 
koning  ditterichen,  unnd  koning  ermefryd  vyel  konige  ditteriche  zu 
fnssse  unnd  entschuldigete  sieh  unnd  sprach,  was  her  widder  on  ge- 
thon  hette,  das  were  gescheen  von  rathe  syner  swester  unnd  ritter 
yringes.  Do  sprach  der  ritter  yring,  es  were  gelogen,  unde  czoch  sin 
swert  uss  unnd  er  stach  sinen  eigen  hern.  Do  sprach  koning  ditterich 
widder  den  ritter  yringen:  dy  wile  das  du  dinen  eygen  hern  ermord18 
hast,  so  bistu  mir  unnd  allen  luthen  bilche  ungeneme,  dar  umme  so 
erheb  dich  zu  hant  von  mynen  ougen.rj  Dar  noch  so  liss  koning  ditte- 
rich sine  swester  unnd  ore  kindere  alle  totin  umme  das'  sy  des  eyn 
ur  sache  was  gewest  Unnd  da  ditte  dy  andern  doringe,20  dy  in  deme 
here  nicht  waren  unnd  solche  ding  vornomen.  da  quomen  sy  unnd 

Rotöles  huldeten  konige  ditteriche  j  Dy  Sachsen  besatezten  schidingen  unnd 
21  vormanten  konigen  ditterichen  synes  gelobedes,  unnd  der  gap  on 
schidingen  unnd  alles,  das  genesid  der  unstrot  Jag,  mit  allen  rechten. 
Disse  geschieht  ist  gescheen  nach  cristus  geburt  funfthundirt  unnd  XX 

•  US:  nach  (*.  jedoch  St.  889  A.  SO). 

18  Underwisen  bedeutet  sonst  „mit  Wechselreden  zurechtweisen/4  hier  „durch 
Bitten  bestimmen."  17  Das  Verbum  „anliegen'*  ist  in  diesem  Sinne  „dringend 
bitten"  (Rothe:  leyte  — uss),  sonst  nicht  nachweisbar,  nur  das  mascul.  Substantiv 
an  liger  findet  sieh  im  „Renner4*  von  Hup)  v.  Triinberg  V.  16781 .  IS  Die  schließende 
Media  ist  md,  im  mhd  ermort,  ebenfalls  aus  ermordet  kontrahiert.  In  den 

sächsischen  Quellen  {».  Widukind  1, 14,  der  aber  selbst  daran  zweifelt)  tötet  Iring, 
darüber  erzürnt,  auch  den  Fraukeukünig  und  legt  den  Leichnam  seines  Herrn 
auf  den  des  Feindes,  „damit  der  wenigstens  im  Tode  siegt,  welcher  im  Leben 
unterlegen  war";  dann  flieht  er.  sich  mit  seinem  Schwert  einen  Weg  bahnend. 
,v  D  h.  die  südlich  von  der  Unstrut  wohueudeu. 


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28a.  Stück. 


69 


jar.21  Da  buweten  dy  Sachsen  an  das  gewende  der  lande  dy  sachssen 
borg22  noch  on  geheysen,  unnd  dy  nam  in  eyn  alder  ritter  under  den 
Sachsen,  genant  er23  hagk,24  unnd  von  sinem  gesiechte  sint  komen  dy  ^^\h* 
erbar  manschaift  vor  derae  harcze,  dy  nach  dy  haken  heysen.  Also 
bleib  der  erbar  manschafflt  uss  Sachsen  gar  vele  hyr  im  lande  zu 
doringen. 


28a,  Stolbergk.  **.]M 

Als  man  czalte  nach  cristus  geburt  funffhundert  unnd  XXX  jar,  580 
do  erhub  sich  zu  erst  dy  herschafft  stolberg,  unnd  dy  ouch  stolberg 
zu  aller  erst  buweten.1 


11  Da  die  Jahreszahl  531  feststeht,  liegt  ein  chronologischer  Irrtum  vor 
"  In  dem  langgestreckten  Höhenzuge  der  Hainleite  hat  sich  die  4Tnstn,t. 
jene  und  die  Schmücke  trennend,  da,  wo  die  Winper  in  die  Unstrut 
mündet,  einen  Durchbruch  gebahnt.  Da  ihr  rechtes  Ufer  früher  ungangbar 
war,  führte  am  linken  Ufer  seit  den  ältesten  Zeiten  durch  diese  Porta 
Thuringia  eine  schmale  Heerstrasse,  auf  welcher  sich  der  gesamte  Verkehr 
von  Nord  nach  Süd  bewegte.  Der  Pass  hatte  demnach  eine  grosse  Be- 
deutung, und  zu  seiner  Sicherung  wurde  schon  in  der  Urzeit  hier  eine  um- 
fangreiche Wallburg  angelegt,  innerhalh  deren  im  Mittelalter  zwei  Steinburgen 
erbaut  wurden,  die  ohere  und  untere  Sachsenburg.  An  den  alten  Zweek  erinnert 
der  Name  des  Berges  als  Wächterberg  und  der  der  Dorfbewohner  als  Pass- 
männer, weil  ihnen  die  Bewachung  des  Passes  oblag.  Die  alten  Chronisten,  wie 
auch  Stolle,  bringen  die  Erbauung  der  Burgen  mit  dem  Zusammenbruch  des 
Thüriugerreiches  i.J  581  zusammen  und  lassen  sie  als  Grenzburgen  gegen  die 
Franken  erbaut  werden,  so  die  untere  Burg  von  einem  sächsischen  Ritter  Hagk, 
die  auch  deshalb  Hakenburg  genannt  sei.  Das  ist  irrig,  weil  es  in  jenen  Zeiten 
Burgen  aus  Mauerwerk  in  diesen  Gegenden  noch  nicht  gab;  wohl  aber  ist  es 
möglich,  dass  die  Sachsen,  als  sie  bei  der  Teilung  des  thüringischen  Reiches  das 
Land  nördlich  der  Unstrut  erhielten,  sich  an  diesem  von  jeher  wichtigen  Grenz- 
platze festsetzten,  den  sie  befestigten,  und  der  von  ihnen  den  Namen  erhielt. 
Gesi  hichtlich  beglaubigt  erscheint  als  erster  Besitzer  der  Burg  das  anhaltische 
Grafeugeschlecht:  Graf  Siegfried  von  Anhalt  erbaute  die  obeie  Sachsenburg  als 
Ritterburg  im  13.  Jahrhundert.  S.  Paul  Zschiesche,  Vorgeschichte  Altertümer 
der  Provinz  Sachsen,  I.  Abt.  Heft  XI,  1892,  S.  22— 30.  "herre  „Herr"  erscheint 
gekürzt,  besonders  in  der  Anrede,  als  her  und  er,  letzteres  besonders  in  biolies 
Zeit,  bis  ins  17.  Jahrhundert  hinein,  so  viel  als  „hochedler  Herr,"  „hoch-  und 
wohlgeboren.*'  '  **  Die  Hagen,  Freiherren  und  Grafen,  sind  ein  altes,  zunächst 
dem  Eichsfelde  und  der  Grafschaft  Hohenstein  am  Harze  angehörendes  Ge- 
schlecht, s.  Kneschke,  Deutsches  Adelslexikon,  IV,  1863,  S.  140f. 

28a.  1  S.  oben  St.  24.  A.  2.  -  In  der  von  G.  A.  von  Mülverstedt  1883  heraus- 
gegebenen „Geschichte  des  Hauses  Stolberg  v.  .1.  1210  bis  zum  Jahre  1510," 
welche  Botho  Graf  zu  Stoll)erg- Wernigerode  verfasste,  wird  dieser  sagenhafte  Ur- 
sprung Stolbergs  mit  Recht  gar  nicht  erwähnt,  zumal  der  erlauchte  Verfasser  in 
der  „Zeitschrift  des  Harzycreins  für  Geschichte  und  Altertumskunde,"  Jahr- 
gang V  1872,  S.  490  (in  Übereinstimmung  mit  L.  v.  Ledebur,  welcher  ebenda 
S.236  geradezu  die  älteren  Genealogien  des  Stoiberger  Grafengesehlechts  teils 
als  handgreiflich  fabelhaft,  teils  als  unerwiesen  bezeiehnet)  dargethan  hatte,  dass 
der  Name  der  (  trafen  von  Stolberg  urkundlich  nicht  vor  dem  Aufange  des  13.  Jahr- 
hunderts vorkommt;  deshalb  seien  dieselben  entweder  eine  Linienabzweigung 
von  einem  anderen  Grafengeschlecht,  den  Grafen  v.  Klettenberg,  wie  Ledebur  wollte. 


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70 


29.  Stück. 


uott*  i8i     29.  Wy  koningk  tagebrecht  unnd  sine  kindere 

regerten  doringer  laut1 

Als  man  czalte  nach  cristus  geburt  funfthundirt  unnd  czwey  unnd 
*w2  funffczig  jar,  do  starb  konig  ditterich,  eyn  koning  an  derae  ryne,  zu 
doringcn,  hessen,  trancken,  unde  starb  ane  libes  erben,  unnd  sin  bruder 
hiltpreeht,  der  eyn  herre  was  zu  swoben,  beyern,  osterich  unnd  francken, 
der  nam  synes  bruders  rieh  in.    Noch  deme  regirte  clotarius,  sin  son, 

Rothe  185  unnd  der  was  eyn  herro  über  alle  dutezsche  land  ane  zu  Sachsen. 
Item  synes  brudor  son,  koning  sygebrecht  zu  francrich,  der  starp  ouch 
ane  ly bes  erben ;  also  vyl  das  koningrich  zu  franckrich  ouch  uff  clo- 
tariuni,*  unnd  do  der  ouch  gestarp,  do  lyss  er  einen  son,  der  hiss 
v  koning  tagabertus.  |  üff  den  gevylen  franckrich  unnd  alle  dutezhe 
land3  ane  Sachsen  alleyne.  Disser  koning  tagebrecht,  der  was  eyn 
cristen  man,1  unnd  der  buwete  zu  erst  sente  peters  monster  zu 
erfibrt  uss  deme  slossse  unnd  konyglichen  sale,  den  zu  erst  koning 
merwyg  gebuwet5  hatte,  unnd  machte  do  eyn  closter  unnd  buwete 
dar  under  eyn  stetchen  unnd  nante  das  nach  svme  namen  tagrebrecht- 
stete,  das  wir  itezunt  heysen  taberstete.*  Unnde  disser  koning  tage- 
brecht zu  brach  dy  borg  genant  merwigisborg,  dy  wir  itezunt  heysen 
mewersborg,  unnd  buwete  an  dy  selbigen  stad  eine  kerchen  in  sante 
dyonisius7  ere.  Dor  noch  czoch  disser  koning  tagebrecht  ubir  dy 
Sachsen  unnd  betrang  sy,  unnd  da   warn   ome  alle  dutezche  land 

Rothe  t«6  underteynigk.   Do  disser  koning  tagebrecht  gestarp,  der  liss  einen  son, 

oder  besser:  wegen  des  Neben-  und  Ineinanderliegens  der  Besitzungen  bildeten 
die  3  Geschlechter  der  Grafen  von  Klettenberg,  Hohenstein  und  Stolberg  ur- 
sprünglich einen  Mannesstamm,  teilten  sich  aber  später  in  die  3  selbständigen 
Linien.  Für  gewöhnlich  nimmt  man  an,  das*  um  1210  ein  Graf  von  Hohenstein 
die  Burg  Stolberg,  in  Anlehnung  an  welche  später  das  Städtchen  entstand,  ge- 
baut und  sich  nach  ihr  geunnnt  habe. 

29.  1  Auf  das  blutige  und  vielfach  sagenhaft  entstellte  Wirrsal  der  Geschichte 
des  Merovingerhauses  und  der  Anfange  der  Karolinger,  das  zudem  der  Chronist 
seinerseits  nach  seinen  Quellen  chronologisch  wie  hinsichtlich  der  Namen  teils 
ungenau,  teils  falsch  dargestellt  hat.  hier  näher  einzugehen,  scheint  mit  Rück- 
sicht auf  unsern  Zweck  nicht  ratsam,  vielleicht  mit  Ausnahme  des  für  die  Sage 
und  die  geschichtlichen  lTrau  fange  Thüringens  bedeutsamen  Dagobert;  wir  ver- 
weisen atif  die  hckxnntcn  Quellen  uud  Hilfsmittel,  unter  letzteren  auf  Richter, 
Annalen  des  fränkischen  Reiches  im  Zeitalter  der  Merovinger,  und  auf  Reitberg, 
Kirchengeschichte  Deutschlands,  2  Bde.,  1840-1848.  "Verwechslung  des 
Gesamtreiches  unter  Chlotar  I.,  558-561,  und  Chlotar  II.,  013  022.  3  Gesamt- 
reich  unter  Dagobert  I..  628—633.  4  Dagobert  III.  (Geaamtreich  71 1—715),  den 
hier  der  Chronist  mit  Dagobert  I.  verwechselt,  wurde  wegen  der  Stiftung  vieler 
Kirchen  und  Klöster  in  der  damaligen  Kirchengeschicht«'  höchlichst  gepriesen. 
Du  die  Franken  bekanntlich  längst  Christen  waren,  so  bedeutete  die  Bezeichnung 
.Christen  man*  hier  dasselbe  wie  später  bei  Karls  des  Grossen  Sohn  Ludwig  der 
Beiname  .der  Fromme.*  5  Hierüber  s.  die  falsche  Dagobertnrkundo,  bei 
KDThD  No.  5.  S.4f.  S.  auch  BK  S.  1  ff.  0  Ehemaliges  Dorf,  nahe  bei  Erfurt, 
wüst  seit  1813;  zuerst  erwähnt  in  der  oben  genanuten  Dagoberturkunde  s.  Do- 
benecker  a.  a.  O.  S.  5  und  ebenda  No.  1404  S.  293. 


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29.  Stück.  71 

den  hiss  clodovius  der  ander,  unnd  der  regnerete8  noch  ome,  unnd 
der  gap  einem  syme  möge  das  land  zu  doringen  unnd  zu  liessen  unnd 
machte  uss  ome  einen  herczogen,  unnd  dusso  herczogen  von  doringen 
leden  hirnoch  malis!'  gar  grosse  uod  kriges  halben  das  land  zu  ver- 
teydingen.    Der  koning  clodovius  der  hatte  einen  son,  den  hiss  hilde-  Roth«  i»a 
rieh.    Der  was  onendelich 10  unnd  tochte  zu  nichte,  *den  satezte  der  Rothe  is;» 
bobist  gregorius  der  ander  abe  unnd  satezte  graften  pyppin,  der  gar 
evn  redelicher  wyser  man  was,  an  syne  stad  zu  eyme  konige  zu  franck- 
rich.    Disser  was  sente  gerdruden  vater,11  unnd  disser  pyppinus  gebar  Ron*  ijo 
einen  son,  den  hiss  karl  der  starcke,  der  gebar  fort  einen  son,  den 
hiss  |  ouch  pyppinus  der  ander.    Der  wart  eyn  keyser;  unnd  disser« 
pyppinus  der  keyser  der  gebar  eynen  son,  der  hiss  karl  der  grosse,  der  Roth«  107 
wart  ouch  keyser,  unnd  der  buwete  dy  stad  ache12  unnd  das  monstor.  Rothe  203 
Her  buwete  ouch  zu  erst  homborg,13  das  monche  closter  by  salcza,  Rothe  tob 
unde  kouffungen1'  unnd  esschen wege 15  unnd  das  stifft  hersfelde,16  das 
sin  vater  pyppinus  an  gehaben  hatte. 

7  Da  der  beilige  Dionysius  der  Hauptschutzheilige  der  Franken  war 
(b.  die  Abtei  St.  Deuys  bei  Paris),  ao  scheint  die  fränkische  Besiedelung  aller- 
dings dadurch  bewiesen  zu  sein.  "  Das  aus  dem  Lateinischen  (reguare)  ent- 
lehnte Wort  ist  mehrfach  entstellt,  am  häufigsten  heisst  es  regnieren,  hier  regneren, 
swv.  9  Nach  der  Analogie  von  „eine  sinales"  (mhd)  wird  „hirnoch  malis"  =  „her- 
nachmals,"  d.  i.  „später,"  gebildet.  10  Md  für  da»  mhd  uneudelich  =  „endlos,  un- 
vollendet, untüchtig":  das  Gegenteil  ist  das  mhd  gevieret  (s.  Walthcr  von  der 
Vogelweide  88,  86.  ed.  Wilmanns:  einloetic  unde  wol  gevieret).  "  Es  ist  die 
heilige  Gertrud,  die  angebliche  Schwester  Karls  des  Grossen,  gemeint,  nach 
anderen  die  Tochter  des  fränkischen  Majordomus  Pipins  von  Landen  (636— 659), 
s.  Samson,  Die  Heiligen  als  Kirchenpatrone,  1892,  S.  200—  202.  Ihr  Tag  ist  der 
17.  März.  "Aachen,  lat.  Aquisgranium.  1:1  Auf  einem  Hügel  nördlich  von 
Langensalza  (früher  Salza)  lag  das,  angeblich  von  Karl  dem  Grossen  (zwischen 
772  und  «03)  gegründete  Benediktinerkloster  Homborg  (Homborgk,  Hohenburg, 
Hoenburg),  zu  welchem  einst  als  Dorf  die  spätere  Stadt  Langensalza  gehört 
haben  soll  (s.  Chronik  von  Langensalza  in  Thüringen  von  C.  F.  Gösehel,  1858, 
I.  Band  S.  78  ff.,  welcher  Kranich  fehl  als  Geschichtsschreiber  des  Klosters  Hom- 
hurg  nennt;  vgl.  Kranichfeld,  Histor.  Nachrichten  von  der  ersten  Stiftung,  Ver- 
besserung und  gänzlichen  Aufhebung  des  ehemaligen  Klosters  Homburg  bei 
Langensalza,  177:».  Homburg  wirtl  zuerst  urkundlich  1064  —1065  erwähnt, 
9.  RDThD  No.  853  S.  178  f.,  ts.  Försteniann,  Urkunden  d.  Benedikt inerkl  Homburg 
aus  d.  J.  11S6  —  1226,  in  N.  Mitt.  aus  dem  Gebiete  hist.  ant.  Forsch  VII,  4, 27—63 
u.  VII,  2,  71  —  125.  u  Kloster  Kauffungen  (beim  Flecken  Oberkaufungen  unweit 
Cassel)  wurde  von  der  Kaiserin  Kunigunde,  Gemahlin  Heinrichs  II.,  als  Nonnen- 
kloster gegründet  ;  es  wird  urkundlich  zuerst  erwähnt  i.  J  1017,  s.  RDThD  No.  653 
(auch  No.  654.658.659  u.  ö.).  1& Gemeint  ist  da*  Nonnenkloster  Eschwege  (Stadt 
an  der  Werra,  in  der.preuss.  Provinz  Hessen-Nassau),  erbaut  von  Sophie,  der 
Schwester  Adelheids,  „Äbtissin  von  Quedlinburg  und  Erwählte  von  Gandersheim," 
aus  dem  Geld  fite  der  grossen  Sachsenkaiser;  es  wird  urkundlich  zuerst  erwähnt 
i.  J.  1039,  s.  RDThD  No.  731.  16  Die  i.  J.  736  gestiftete  reiehsunmittelbare  Bene- 
diktinerabtei,  deren  erster  Abt  der  heilige  Lullus  war,  im  althessLschen  Gebiete, 
jetzt  in  der  preuss.  Provinz  Hessen-Nassau;  über  das  urkundliche  Vorkommen 
s.  Dobenecker  an  vielen  Stellen  i.  s.  RDThD;  s.  auch  K.  Gautsch,  Das  Lebensver- 
hältnis zwischen  d.  Stift  Hersfcld  u.  d.  Markgrafen  von  .Meissen,  Archiv  f.  Sachs. 
Gesch.  V,  233-263. 


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72 


).  und  31.  Stück. 


Rotbewi   30.  Wy  (las  keyserricli  zu  erst  an  (lutsche  lant  quam. 

600  Als  man  schreib  nach  cristus  geburt  sechss  hundirt  jar,1  do  czoch 
disser  keyser  karl  ubir  dy  sachssen  unnd  gewan  herezberg2  unde  be- 
twang  sy,  das  sy  orae  hulde  nnisteu  unde  ouch  cristen  werde.  Unnd 
dar  nach  so  brachte  keyser  karl  das  keyserricli  an  dy  dutczchen,  wann 
es  ny  da  vor  mehir  an  den  dutczschen  gewest  was. 


31.  Von  keyser  karl. 

Rott«  «*  Dusser  keyser  karl  hatte  einen  son,  den  hiss  lodewig; 1  deine  war 
noch  sines  vaters  tode  zu  teyle  dy  land  czwissen  denie  ryno  unde  der 
elbe;  unnd  der  buwete  jecheborg2  in  doringen  unnd  hilt  do  sine  wo- 
nunge  unnd  buwete  uff  das  sloss  eine  kerchen  in  unser  lieben  frowen 
ere,  dy  noch  dor  uffe  stehit. 

30.  1  Die  Unwissenheit  des  Chronisten  ist  gross:  erkennt  nicht  einmal  da«*  Jahr 
der  Kaiserkrönung  Karls  dos  Grossen,  800,  für  das  er  600  setzt  (VHP  verlesen 
in  VP).  "Auch  an  die  Harzbuig,  deren  Trümmer  am  Nordfusse  des  Harzes 
über  der  brnunschweigischen  Stadt  Harzburg  auf  dem  Burgberge  liegen,  knüpfen 
sich  viele  Sagen,  wie  die  von  der  Erbauung  der  Harzburg  durch  Julius  Caesar, 
vom  Götzen  Krodo  und  der  Zerstörung  von  dessen  Tempel  durch  Karl  den 
Grossen,  welcher  auch  unser  Chronist  folgt,  während  geschichtlich  die  Harzburg 
erst  von  Kaiser  Heinrich  IV.,  zwischen  1065  und  1069  erbaut  wurde  und  während 
der  Kämpfe  zwischen  Heinrich  IV.  und  deu  Sachsen  eine  wichtige  Rolle  (1073 
bis  1076)  spielt;  s.  K.Jacobs,  Die  Harzburg  und  ihre  Geschichte,  1880. 

31.  1  Offenbar  verwechselt  der  Chronist  Ludwig  den  Frommen  (t  840)  einmal 
mit  seinem  Sohne  Ludwig  dem  Deutschen  (t  876),  zum  andern  mit  »einein  Enkel 
Ludwig  III.  (t884).  der  «ich  viel  und  gern  in  den  Harz-  und  Unstrutgegeuden 
aufgehalten  haben  soll.  1  „Bei  Soudershauseu  wird  der  Bergzug  der  Hainleite 
von  einem  breiten,  von  dem  Bebrabache  durchflosseuen  Thale  teilweise  unter- 
brochen. Hier  springt  aus  der  Bergkette  weit  nach  Osten'' —  ins  Wipperthal 
„der  majestätische  Frauen berg  hervor,  Bich  wohl  400  Fuss  über  dem  Thalkessel 
erhebend.  Seine  zum  grössten  Teile  kahle  Plattform  ...  trägt  die  alte  Jecha- 
burg" <s.  P.  Zschiesche,  Vorgeschichtliche  Altertümer  der  Provinz  Sachsen  und 
angrenzender  Gebiete,  I.  Abt.  Heft  XI,  1892,  S.  «  ff.,  und  Derselbe,  Heidnische 
Kultusstätten  in  Thüringen,  JAK,  Heft  XXII,  S.  76  f.).  Hier  lag  zurrst  eine 
vorgeschichtliche  Wallburg;  innerhalb  derselben  findet  mnn  noch  die  Reste  der 
Grundmauern  einer  Kapelle.  Die  Volkss^ge  versetzt  auf  den  Borg  den  heiligen 
Hain  der  Göttin  Jecha,  welchen  Bonifatius  auf  der  Missions  reise  i.  J.  722  ver- 
nichtet haben  soll.  Wenn  wir  nun  auch  mit  Mnnnhardt  ( Die  Götter  der  deutschen 
und  nordischen  Völker,  1860,  S.  85)  die  Gönin  Jecha  als  eine  müssige  Erfindung 
aus  dem  Ortsnamen  dos  am  Fusse  des  Frauenberges  liegenden  Dorfes  Jechaburg 
und  des  später  zu  erwähnenden  Stiftes  auf  dem  IJergo  annehmen  müssen,  so 
legte  doch  Professor  Irmisch  (s  Regierung*-  und  Nachrichtsblatt  des  Fürstentums 
Sehwarzburg-Sondershausen,  1«7H,  No.  185  —  152)  bei  einer  i.  .1. 1878  vorgenommenen 
Pntemu'hung  des  Frauenberges  eine  heidnische  Opferstätte  bloss.  Die  von  den 
Chronisten  erfabelte  Burg,  welche  Ludwig  III  (s.  ob.  A.  1)  hier  i.  J.  87i  gebaut 
haben  soll,  die  Jechaburg,  ist  die  oben  erwähnte  vorgeschichtliche  Wallburg; 
ebenso  war  auf  dem  Berge  wohl  eine  heidnische  Kultusstälte,  wahrscheinlich  der 
Frouwa  (daher  der  Name  ,.  Frauen  berg"),  an  deren  Stelle  die  Jungfrau  Maria  zu 
treten  pflegt  <a.  Si  in  rock,  Deutsche  Mvthologie,  $  115  S.  375),  und  dies  beweist 
auch  die  für  das  Jahr  1 189  urkundlich  festgestellte  Marienkapelle,  b.  RDThD, 


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32.  Stück. 


73 


Dor  noch  buwete  keyser  karl  der  dritte  eyne  stad  in  franeken  ge-  Kobern 
nant  karlstad8  noch  syneni  namen;  unnd  disser  keyser  satczte  alle 
konige  abe4  in  dutczen  landen  unnd  machte  uss  on  herzcoge,  das  er 
alleine  eyn  koning  were;  unnd  do  was  eyn  herczoge  in  doringen,  den 
hiss  lodewig,  unnd  do  der  gestarp,  do  wait  sin  son  lodewig  noch  ome 
eyn  herczoge,  unnd  noch  des  tode  wart  sin  son  burckart5  herczoge  in 
doringen  unnd  in  hessen,  unnd  do  |  nomen  dy  herczogen  ende,  als  hir  T 
noch  geschreben  stehit. 


32.  Wy  eyn  herczoge  zu  doringen  mit  den  ungern 

gestreten  had. 

Als  man  czalte  nach  cristus  geburt  nünhundert  unnd  nünczen 
jar,1  do  czogen  dy  ungern,  dy  noch  heydon  warn,  in  doringen  land  ^"'fuhri' 

'  b.  Stoll«) 

No.  1374  Später  lag  auf  dem  Berge  ein  vom  Erzbischof  Willigis  von  Mainz 
Ii.  J.  989)  gegründetes  Benediktinerkloster  (s.  Dol>enecker  a.  a.  O.  No.  606a),  das 
derselbe  aber  i.  J.  1004  in  ein  weltliches  Cborkerrnstift  umwandelte,  (s.  Dobe- 
necker  a.  a.  O.  No.  606b) ;  es  bestand  bis  in  die  Zeiten  der  Reformation  hinein 
(s.  die  Jechaburger  Urkunden  bei  Würdtwein,  Diplomatoria  Moguu.  tom.  I,  1788, 
und  O.  Dobenecker  an  vielen  Stelleu  seiner  RDThD.  a  Kallstadt  int  Bczirks- 
stadt  im  bayrischen  Regierungsbezirke  Unterfranken,  rechts  am  Main,  gegen- 
über liegen  die  Ruinen  der  i.  J.  1525  von  den  Hauern  zerstörten  Karlsburg. 
*Karl  (11 I),  der  Dicke,  welcher  i.  J.  885  die  karolingischc  Monarchie  durch  Erb- 
schaft und  Wahl  für  kurze  Zeit  wieder  vereinigte,  gilt  als  W'iederhersteller  des 
Reiches.  Dieses  legten  sich  die  Chronisten  so  zurecht,  dass  er  die  König«  in 
Deutschland  [d.  i  in  der  kurolingischcn  Weltnionarchiel  absetzte  und  zu  Herzögen 
machte.  Jene  Wiederherstellung  ist  die,  allerdings  übertriebene,  Bedeutung  des 
feigen  und  unbedeutenden  Kamera,  dessen  Bild  freilich  der  Hass  der  Parteien, 
besonders  der  von  ihn»  hart  behandelten  Geistlichkeit,  wahrscheinlich  nicht  wenig 
entstellt  hat;  er  wird  öfters  mit  Karl  dem  Grossen  verwechselt,  und  die  Sagen 
von  diesem  grossen  Kaiser  (s.  u.  a.  E.  Venediger,  Die  deutsche  Kaisersage,  JAE. 
N.F.Heft  XX  S.  858  ff)  werden  zum  Teil  auf  ihn  übertragen,  ehe  sie  später  auf 
Kiiiser  Friedrich  II.  (an  seine  Stelle  trat  dann  Kaiser  Friedrich  I.  Barbnrossa)  u. 
auf  Karl  V.  übergiengen.  ''  Gemeint  ist  Burchard,  Tliüringerherzog  897—908, 
welcher  im  Kampfe  gegen  die  heranstürmenden  Ungarn  (bei  Eisenach  oder  Saal- 
feld) fiel.  In  der  thüringisch  -  sorbischen  Markgiafsehaft  war  er  Nachfolger 
Roppo«  (892  abgesetzt)  und  Konrads,  des  späteren  deutschen  Königs  (der  wahr- 
scheinlich i.  J  897  entsagte),  und  unter  ihm  schien  sich  Thüringen  als  ein 
selbständiges  Herzogtum  des  Reiches  ausbilden  zu  wollen.  Nach  Burchard*  Tode 
wurde  „die  Aufgabe  des  erledigten  Amtes  mit  seiner  Bedeutung"  von  dem 
mächtigen  Herzogshausc  der  sächsischen  Ludolfinger,  von  dem  bejährten  Herzog 
Otto  (s.  Knochenl.auer,  Geschichte  Thüringens  I,  S.  38.  41-41  43—50)  über- 
nommen, und  damit  hörte  das  selbständige  thüringische  Herzogtum  auf,  eine 
Thatsache,  von  welcher  sich  eine  Erinnerung  bei  Stolle  erhalten  hat,  wenn  er 
auch  ebenso  unrichtig  Grossvater  und  Vater  Burchards  mit  dem  aus  späteren 
Zeiten  entlehnten  Namen  Ludwig  bezeichnet  ^Burchard  stammte  aus  einem  an 
der  Grenze  Thüringens  nach  Franken  hin  angesessenen  und  mit  ihm  zuerst  in 
der  Geschichte  auftretenden  Giafengeschlecht),  wie  er  auch  falsch  das  Herzogtum 
Burcbards  sich  auf  Hessen  erstrecken  Iässt. 

32. 1  Falsch  für  909,  denn  der  Un^arnzug  wiid  909  oder  908  angesetzt  ;  Knochen- 
hauer,  Geschielite  Thüringens  1,  S.  48  A.  1  nennt  die  (Quellen,  welche  908,  und 
die,  welche  909  angeben;  er  selbst  entscheidet  sich  für  HOS  und  stellt  auch  den 
Todestag  Burchnrds  auf  den  3.  August  fest. 


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74  38.  Stück. 

unnd  vorherton  das  land,  unnd  do  thet  herczoge  borphart  zu  doringen 
botschafft  zu  deme  herezogen  zu  Sachsen  unnd  zu  dorne  herczogen  zu 
osterrich,  zu  beyern,  zu  swoben  unnd  zu  francken,  unnd  dy  quomen 
mit  ganczer  macht  zu  hulffe,2  unnd  also  dy  ungern  in  hessen  unnd 
buchen 3  czehen  wolden  vor  fulda,  do  czoch  herczoge  borghart  mit  den 
doringen  unnd  dy  obgenanten  herczogen  mit  achte  banirn  vor  sy  na 
by  der  stad,  do  itczunt  isenache*  1yd,  unde  streten  mit  den  ungern, 
unnd  do  wart  der  ungern  ane  czal  un  meslich  vele  er  slagen  unnd 
der  cristen  storben  ouch  vele  tusent,  unde  disser  herczoge  borghart 
von  doringen  unde  der  herczoge  von  osterich  unnd  dar  zu  vele  graten 
unnd  hern  unnd  erber  manschafft  worden  erslagen.  Noch  so  verlorn 
dy  ungern  den  strvd  unnd  quomen  nicht  das  virdeteyl  wedder  en 
heym.  Unnd  also  starp  herczoge  borghart  ane  erben  unnd  dy  land 
gevilen  an  das  rieh,  also  keyser  Conrad  der  erste5  des  namen  richtete.« 
Unnd  djsser  czog  unnd  stryt  geschach  dar  noch  also  sente  bonifacius 
doringen,  hessen,  buchen  zu  deme  cristenglowben  bekort  hatte  unnd 
sy  des  czenden  keyn  den  ungern  ledig  gesagit  hatte.6 


noth«m        33.  Hy  bekorte  sich  das  land  zu  behemen. 

23       Als  man  czalte  nach  cristus  gebort  nunhundert  |  unnd  ezwenezig 
920  jar,1  do  wart  keyser  heinrich  der  erste  zu  keyser  gekorn,  unnd  der 
was  der  erste  von  den  dutezchen,  der  zu  keyser  ye  was  gekorn.2 
Item  in  deme  andern  jare  er  noch  do  bekarten  sich  die  behemen  zu 


*  IIS:  richte,  o  richtte. 


*  Die  Quellen  (s  Knochenhauer  a.  d.  nngef.  Stelle)  teilen  von  dieser  Hilfe- 
leistung nicht«  mit;  der  Irrtum  des  Chronisten  ist  wohl  daraus  entstanden,  weil 
die  Ungarn  von  Österreich  herkamen  und  nach  der  (Eisenaeher)  Schlacht  auch 
Sachsen*.  Franken,  Schwalben  und  Hävern  verwüstet  haben  sollen.  a  Gemeint  ist 
Huchonia,  der  westliche  Teil  des  zwischen  Thüringer  Wald,  Vogelsgebirge,  Spessart 
und  oberem  Main  liegenden  alten  Gaues  Grabfeld,  mit  den  Hauptorten  Fulda 
und  Hersfeld;  vergl.  Genssler,  Geschichte  des  Grabfeldes,  1801-  1803,  2  Bde. 
'Knochenhauer  a.  a.  O  S.  48,  welcher  A.  2  sagt:  „Eisenach  hat  sehr  wenig  für 
sieh,  die  Sage  scheint  auf  der  Erfindung  des  Eisenaeher  Chronisten  Rothe  (S.  17f> 
A.  5)  zu  beruhen,"  nimmt  mit  I>eibintz  (A.  i.  o.  II  pag.  1(56)  eher  Saalfeld  als 
Schlachtort  an.  Ä  Nicht  König  Konrad  L,  sondern  Ludwig  das  Kind  (899— 911  > 
regierte  damals.  6  Wie  in  Thüringen  alle«  in  der  Sage  und  Geschichte  auf 
den  heiligen  Bonifatius  bezogen  wird  (Bekehrung,  Kirchen  bauten,  ja  Kämpfe 
jrepen  die  Haiden  u.  dergl.),  so  auch  hier  die  Befreiung  von  dem  Zehnten  an  die 
Fngnrn,  s  die  u.  *t.  71  A.  6  erwähnte  Legenda  Bonifacii  b  M*G  I,  pag.  834 ff. 
Es  ist  natürlich  die  Befreiung  von  dem  zeitweiligen  (928—933)  an  die  Ungarn 
gezahlten  Tribute  durch  König  Heinrich  I.  gemeint. 

IW.  1  Falsch  für  911;  wie  der  Fehler  entstanden  ist,  ist  nicht  abzusehen, 
vielleicht  wegen  der  falschen  Zahl  919  im  vorhergehenden  Abschnitte.  x  Auch 
dass  erst  Otto  I.  am  2.  Februar  962  die  römische  Kaiserkrone  erlangte,  ist  dem 
Chronisten  unbekannt;  noch  verkehrter  erzählt  Rothe. 


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34.  Stück. 


75 


deme  heiligem  cristlichem  glouben,  unnd  herczoge  spingcs3  von  be- 
heraen  der  liss  sich  mit  czweyen  sonen  tauffen  wenczeslaus  unnd 
bosslaus,*  unnd  disser  wenczeslaus  der  beheilgete.5 


84.  Wy  dy  ungern  das  ander  mal  quomen  in  das 

land  zu  doringen. 

Als  man  czalte  nach  cristus  geburt  nünhundert  unnd  XXXIII  jar, 
do  quomen  dy  ungern  abir  mit  grossem  volke  in  doringen  undo  thaten  ^{•JJf- 
un  raosslichen  grosssen  schaden;  unnd  der  koning  von  ungern  forderte 
jerlichen  czinsse  von  deme  lande  zu  doringen  unde  logerte  sich  vor 
des  riches  sloss,  genant  jecheborg,1  unnd  do  besammete  sich  keyser 
heinrich,  wann  das  land  zu  doringen  des  riches  was,  unnd  streyt  mit 
den  ungern  unnd  slug  or  uff  das  mol  hundirt  tusent  ungern  tod,  unnd 
folgete  den,  dy  do  flohen,  noch  biss  keyn  berneborg2  unnd  er  slug  or 
dannoch  noch  gar  vele  tod  unnd  sante  do  deme  konige  von  ungern 
eynen  schebechten  hunt  zu  czinse,  unnd  deme  hunde  worn  dy  orn  unnd 

'  Die  Bekehrung  der  Böhmen  zum  Christentum  gieng  nur  ganz  allmählich 
vor  xich;  wohl  aber  vollzog  sich  die  Gründung'  des  Einheitsstaates  rasch  und 
nachweisbar  durch  Herzog  Spytihnew  I.  („Spinges"  beim  Chronisten),  welcher 
zuerst  nur  über  die  um  Prag  wohnenden  Slaven.  die  den  Stammesnamen  Tschechen 
führten,  geherrscht  hatte,  welchom  aber  unter  der  schwachen  Herrschaft  Ludwigs 
des  Kindes  die  einzelnen  Stammesfürsten  der  Böhmen  die  oberste  Gewalt  über- 
trugen; er  herrsehte  bis  912;  dann  folgte  sein  Bruder  Wratisfaw  I.  (912—920); 
dessen  —  nicht  Spytihnews  Söhne,  wie  der  Chronist  irrtümlich  sagt,  waren 
Weuzel  und  Bolestaw  I  ;  8.  Schlesinger,  Geschichte  Böhmens,  1869,  S.  28  ff.  *  Die 
Gräucl  im  böhmischen  Herzogshause,  d.  i.  die  Ermordung  Herzog  Wenzels  des 
Heiligen  (reg.  928— 935),  nach  densen  Ideen  sich  Böhmen  in  eine  christliche 
Monarchie  mit  wohl  eingerichtetem  Kirchenwesen,  im  innigsten  Anschlüsse  im  das 
mächtige  Deutschland,  dem  man  ia  das  Christentum  verdankte,  umgestalten  sollte, 
i.  J.  935  durch  seinen  Bruder  Bolesfaw  I.,  der  dann  gut  und  glücklich  bis  9<i2 
regierte,  scheinen  dem  Chronisten  unbekannt  geblieben  zu  sein.  "  Beheiligen 
ist,  wie  das  Simplex  heiligen,  sonst  ein  transitives  Verbum,  hier  aber  intransitiv 
gebraucht  in  der  Bedeutung  „heilig  werden,  heilig  gesprochen  werden."  Herzog 
Wenzel,  eine  tief  religiöse  Natur,  dem  Christentum  aus  innerster  Überzeugung 
ergeben,  aufgezeichnet  durch  Reinheit  und  Milde  der  Sitteu,  wurde  bald  nach 
seinem  frühzeitigen  und  gewaltsamen  Tode,  da  sich  an  seinem  Grabe  eine  Menge 
Wunder  et  eignet  haben  sollten,  von  dem  Volke  der  „Heilige"  genannt  und  zum 
Schutzpatron  des  Landes  erhoben. 

34.  S.  ob  St.  31  A.  2.  Es  sind  die  bekannten  und  doch  im  einzelnen  so  viel- 
fach abweichend  erzählten  Ereignisse  d.  J.  933  vor  und  nach  der  Schlacht  bei 
Riede  an  der  lTnstrut  (über  diese  s.  ausser  Waitz,  Giesebrecht  und  Ranke  A. 
Kirchhof!;  Deutsrhe  Forschungen  1867,  Bd.  VII  S.  573  ff.  u.  Fabarius,  N.  Mitt.  d. 
thüring.-sächs.  Vereins,  Bd.  XIX  S.  241  ff  ,  endlich  A.  Kirchhoff  ebenda  Bd.  XX 
S.  31 — 38)  qeineint  (s.  u.  a.  Widukind,  Res  gest.  Saxonic.  I,  38);  die  Burg  (urbs),  in 
welcher  Wido  der  Thüring  seine  Schätze  gehabt  habe,  und  welche  von  den 
Ungarn  belagert  und  l>oinahe  erobert  sei,  soll  eben  Jechaburg  gewesen  sein; 
Waitz,  Jahrbücher  S.  158  —  159  ist  dagegen,  und  Kabarius  a.  a.  O.  S.  283  nimmt 
Wettin  dafür  an.  *  Die  Form  Bernoborg  lässt  die  Ableitung:  Beiinger*burg 
wahrscheinlich  erscheinen;  die  Befestigung  der  Altstadt  ei  folgte  erst  992  durch 
Otto  III. 


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76  34.  Stück. 

der  czayl  abe  gesneten  unnd  enpod  ome  do  by:  woldo  her  andern 
czinss  habe,  das  her  wedder  querae  unnd  holte  on  selber.3 

Item  disser  selbige  keyser  heinrich  der  bujwetej  in  disser  czit 
disse  stete:  quedelingelborg],4  wenghusen 5  unnd  goslar,"  unnd  fro[we 
alheidt] 7  dy  keyser  inne,  dy  stiffte  das  m[onster  zu]  deme  heiligen 
▼  cruczo  zu  nor[thusens  unnd]a  |  machte  do  eyn  juncfrowen  closter  unnd 
lyd  ouch  do  begraben9  unnd  stiflte  ouch  dy  eptye  zu  folinde.10 

Item  der  selbie  keyser  heinrich  hatte  einen  son,  den  hiss  otto,  den 
machte  her  zu  romisscheme  konigo,  unnd  der  hatte  do  inne  das 
herczogethuni  zu  brunsswig,11  unnd  sin  vater  belente  on  dar  zu  mit 
doringer  unnd  hessen  land.  Noch  sines  vater  tode  do  czoch  desser 
konig  otto  kein  rome  unnd  wart  do  zu  keyser  gekorn  unnd  ouch  ge- 
kronet.  Disser  keyser  otto  der  erste,  der  buwete  eyne  schone  kerchen 
zu  Meydeborg  uss  sinem  hofe  unnd  stiffte  ouch  do  das  erezbisthum.1* 

*  Dm  Eingeklammerte  fehlt  tn  HS  infolge  der  Ab.ehMldu.ig  der  unteren  rechten  Ecke  de« 
BUttei.    Krg&nzang  nach  e  u.  Job.  Rothe. 

;'  Verwechslung  mit  den  Vorgängen  vor  der  entscheidenden  Schlacht. 
4  Quedlinburg  ist  924  von  Heinrich  1.  gegründet  und  gegen  die  Ungarn  befestigt. 
93 1  übergab  er  es  seiner  2.  Gemahlin  Mathilde  als  \\  ittum,  welche  im  Königs- 
hofe Quitlinga  im  Htfrzgau  936  das  Stift  giündete,  indem  sie  die  Nonnen  des 
Klosters  Wendhausen  nach  Quedliuburg  versetzte,  s.  Jahrbücher  der  deutsch. 
Geschichte:  Kaiser  Otto  der  Grosse  von  Köpke-Dümmler,  187Ö,  8.  42.  fi  Ist 
ieues  eben  genannte  Wendhausen,  das  zu  den  ältesten  Klöstern  des  Sachsen- 
landes gehört,  „denn  Gisela,  die  Tochter  jene«  ostfalischen  Edelings  Hessi,  der 
zu  den  Vorkämpfern  gegen  Kurl  den  Grossen  zählt,  hatte  es  im  Harzgau  an  der 
Bode  begründet,  in  der  Gegend  des  heutigen  Thale,  etwa  eine  Meile  von  Qued- 
linburg,'* s.  Köpke-Dümmler  a.  a.  O.  S  42  f.  "(Boslar  soll  von  König  Heinrich  I. 
um  920  durch  Zusammenlegung  mehrerer  Dörfer  am  erzreichen  Rammeisberg 
gegründet  sein;  die  Stadt  blühte  unter  Kaiser  Otto  1.  empor,  als  die  Gold-  und 
Silberschätze  des  Rammeisborges  entdeckt  wurden.  7  Der  Chronist  verwechselt 
hier  Otto  des  Grossen  2.  Gemahlin  Adelncid  mit  dessen  Mutter,  der  2.  Gemahlin 
Heinrich«  I.  'Nordhausen  wird  zuerst  urkundlich  874  erwähnt.  I.  J.  962 
stiftete  Mathilde,  Gemahlin  König  Heinrichs  I..  daselbst  ein  Nonnenkloster  St. 
Cnicis,  jetzt  die  katholische  Kirche,  der  Dom,  in  Nordhausen  [s.  KDThD  I,  No.  428), 
welches  durch  Kaiser  Friedrich  II  i.  J  1220  in  ein  weltliches  Manusstift  um- 
gewandelt wurde  (s.  Förslemanu,  l'rkundüehe  Geschichte  von  Nordhauseu  bis 
1220,  1828-40,  2  Hefte).  9  Diese  Mathilde,  Tochter  des  sächsischen  Grafen 
Dietrich, der  ein  Nachkomme  Widukiuds  war,  vermählte  hieb  909  mit  Herzog  Heinrich 
von  Sachsen,  dein  späteren  deutschen  König;  sie  starb  um  14.  März  962  zu 
Quedlinburg,  ihrer  Stiftung,  und  wurde  dort  auch  an  der  Seite  König  Heinrichs 
begraben  (s.  Vit«  Mahthildis  antiquior,  Pcrtz  MGH  Scr.  Bd.  X),  nicht  in  dem 
von  ihr  zu  NonIhausen  gestifteten  Kloster,  das  damals  unter  ihrer  Freundin 
Kichhurga  als  Äbtissin  stand,  obschon  ihr  dieses  auch  sehr  am  Herzen  lag,  sie 
auch  dort  bis  wenige  Tage  vor  ihrem  Tode,  bis  zum  22.  December  961,  verweilt 
hatte  (s.  Köpke-Dümmler,  a  a.  O.  S  441).  10  Kolinde  ist  das  heutige  Pöhlde  oder 
Pölde  (Dorf  an  der  Oder),  in  der  preussischen  Provinz  Hannover,  Kr.  Ostenxle  a.  H., 
im  alten  Fürstentum  Grubenhagen;  Pölde.  alt  u.a.  Pholida  genannt  (daraus 
macht  der  Chronist  Folinde),  war  das  ebenfalls  von  Mathilde  i.  .1  952  dem  heil. 
Servatius  gestiftete  Benediktiner-Mönchskloster  (seit  1135  Prämoustratenser) ;  es 
wird  unter  deti  sächsischen  Kaisern,  deren  Lieblingsaufenthalt  es  war,  oft  er- 
wähnt (s.  KDThD  No.  335.  33« .382  u  ö.).  "  1).  h  das  Herzogtum  Sachsen,  da 
erst  beim  Sturze  Heinrichs  des  Ix)  wen  i.  J.  1180  Braunschweig  als  selbständiges 
Herzogtum  erscheint.        12  Hierüber  s.  Jahrbücher  d.  deutschen  Geschichte, 


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35.  Stück. 


77 


35.  Wy  das  laut  zu  doringen  koinen  ist  an  den  ******* 

bissclioff  zu  mentcz. 

Disser  kevscr  otto  hatte  czwene  sone;  der  eine  hiss  ouch  otto,  der 
wart  ouch  keyser  noch  orae;  der  ander  son  hiss  wilhelm,1  den  machte 
her  zu  einem  bisschoffe  zu  raencz,  unnd  der  was  der  vierczende  ercz- 
bisschoff  noch2  sancto  Bonifacio,  unnd  sin  rater  der  keyser  gab  deme 
stiffte  zu  mencz  das  herczogethum  zu  doringen  und  zu  hessen."  ünde 
do  czoch  der  bisschoft  wilhelm  in  doringen  unnd  hessen  unnd  nam  dy 

Kaiser  Otto  der  Grosse,  von  Köpke -Dummler,  1876,  S.  419 ff.  u.  S.  438 ff.  — 
Magdeburg  hat  schon  unter  Karl  dem  Groden  bestanden,  der  es  zu  einem 
Handelsplatz  bestimmte,  als  Stützpunkt  fiir  die  bei  den  Wenden  und  Avaren 
handeltreibenden  Kautieute,  8.  Düinmler,  Gesch.  d.  ostfr.  Reich«  1, 252.  I.  J.  923/24 
bei  dem  Einfalle  der  Ungarn  (und  Slaven)  wurde  es  zerstört,  aber  von  Edith«, 
der  ersten  Gemahlin  Ottos  I.,  wieder  aufgebaut.  Im  J.  936  wurde  das  Moritz- 
kloster (s.  d.  folg.  Anm.)  gestiftet,  das  Erzbistum  aber,  eine  Liebling*stiftung 
Ottos  des  Grossen,  i.J.  968  (nach  dem  Tode  des  Bischofs  Bernhards  von  Hnlber- 
stadt  und  des  Erzhischofs  Wilhelm  von  Mainz)  eingerichtet  und  an  Adalbert,  den 
Slavenapostel ,  als  ersten  Erzbischof  verliehen;  es  sollte  der  Mittelpunkt  der 
Heidenmissiou  in  den  slavischeu  Ländern  jenseits  der  Saale  und  Elbe  sein;  ihm 
als  Metropole  der  nordöstlichen  Slavenwelt  wurden  als  Suffraganbistümer  Havel- 
berg und  Brandenburg,  sowie  die  drei  neueingeriehteten  Bistümer  Meissen.  Merse- 
burg und  Zeitz  unterstellt,  später  erst  kam  vorübergebend  Posen  hinzu.  —  Die  Stadt 
Magdeburg  hatte  Editha  einst  als  Morgengabe  erhalten.  Otto  I.  gründete  bald  nach 
seiner  Thronbesteigung  an  der  Stelle,  wo  gegenwärtig  sich  die  Domkirche  erhebt, 
ein  Benediktiner -Mönchskloster,  welches  er  dem  Apostel  Petrus  und  den  beiden 
Märtyrern  Mauritius  und  Innocentius  weihte  (s.  Köpke-Dümmler  a.  a.  O  S.  63 ff); 
die  hier  vom  Chronisten  erwähnte  „schöne  Kirche"  ist  demnach  der  jetzige  Dom; 
der  „Hof"  ist  der  königl.  Meierhof,  der  am  neuen  Markt,  auf  der  Stelle,  wo  die 
jetzigen  Regierungsgebäude  gelegen  sind,  lug  und  vom  Könige  geschenkt  war; 
s  Fr.  M.  Hoffmanns  Geschichte  der  Stadt  Magdeburg,  neu  bearbeitet  von  Hertel 
und  Hülsze,  S.  11  ff. 

35.  'Wilhelm  war  Ottos  I.  (geb.  912)  unehelicher  ältester  Sohn  von  einer  wen- 
dischen Fürstin ;  er  lebte  von  929  bis  962,  s  Köpke-Dümmler  a.  a.  O  S.  8.  *  D.  h. 
deu  heiligen  Bonifatius  miteingeschlossen;  s.  Weidenbach,  Calendarium,  1855,  S.  225: 
Zeitfolge  der  Erzbisehöfe  von  Mainz.  Stolle  arbeitet  denkend,  wenn  er  Rothe 
nicht  folgt,  denn  letzterer  schreibt  gedankenlos:  „der  30.  bischof  vom  seilte 
Bonifacio."  rechnet  aber,  wie  schon  Lihenkron  sah,  die  16  Vorgänger  des  Bonifatius, 
die  er  selbst  cap.  114  aufgezählt,  mit;  Stolle  schreibt  demnach  richtig:  der  was  der 
vierczende  erezbichoff.  3  Es  ist  mehr  als  zweifelhaft  ,  oh  die  von  einzelnen 
Geschichtsforschern  angenommene,  von  anderen  zurückgewiesene  Behauptung,  dass 
die  Erzbischöfe  von  Mainz,  die  zweifellos  als  die  Ijandesherren  von  Erfurt  zu 
betrachten  sind  (C.  Beyer,  Gesch.  d.  Stadt  Erfurt.  1893,  S.  4,  sagt  mit  Recht: 
„Thatsächlich  gehörte  Erfurt  seit  seinem  ersten  Hervortreten  in  der  Gesehicbte 
den  Eizbischöfen  von  Mainz,  die  nicht  nur  geistliche  Oberhirteu  waren,  sondern 
sich  auch  im  Besitze  aller  Hoheitsrechte  befanden"),  Herzogsrechte  in  Thüringen 
je  ausgeübt  haben,  namentlich  schon  Erzbischof  Wilhelm,  welcher  von  954 — 962 
auf  dem  Mainzer  Stuhle  sass,  denn  die  Quellen  schweigen,  wie  wir  aus  den 
Jahrbüchern  der  deutschen  Geschichte,  Otto  der  Grosse,  von  Köpke-Dümmler, 
1876,  ersehen.  Die  Entstehung  der  Fabel,  dass  Erzbischof  Wilhelm  in  Thüringen 
und  auch  in  Hessen,  wie  der  Chronist  hinzusetzt,  die  Herzogsrechte  ausgeübt 
habe,  lässt  sieh  vielleicht  daraus  erklären,  das.«*  er  i.  J.  961.  als  Otto  I.  nach 
Italien  zog,  die  Leitung  der  Reichageschäfte  in  Mittel-  und  Ostdeutschland  erhielt, 
s.  Köpke-Dümmler,  a.a.O.  S.  322-323.  —  Zur  Sache  s.  noch  BE  S.  7 f. 


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78 


36.  Stück. 


land  in  unnd  dy  manschaffl  mit  den  slossen  unnd  satczte  vele  erbar 
manschafft  in  erfforte,  das  uff  dy  czyd  noch  ungemuret  was,  unnd  zu 
taberstete4  unnd  belente  dy,  uft  das  her  das  land  deste  bas  behalde 
mochte.  Czu  der  czid  liss  der  apt  zu  herssfelt  das  sloss  wassenborg5 
buwe  umme  der  guther  willen  sines  stifftes,  dy  dor  [umra]e  legen, 
unnd  dor  noch  gotha6  unnd  das  [stifftj  herssfelt  lehit  sy  alle  beyde. 
Also  quam  [das  lanjd  zu  doringen  von  deine  romisschen  [riche  an  dj*as 
si  stifit  zu  mentcz.  | 


Ron..  380  36.  Von  keyser  fredericlie  deme  ersten. 

1152  Nach  cristus  gebort  XI  hundert  unnd  LII  jar  do  wart  der  erste 
keyser  frederich  gekorn,  unnd  der  regirte  XXVII1  jar  unnd  wart  zu 
rome  in  sente  Peters  monster  von  deme  bobiste  adriano  gekronet.* 
Der  quam  zu  tyburtino3  unnd  hiss  das  wedder  buwe,  das  vor  zu 
brochen  was,  unnd  quam  keyn  Spoleto4  unnd  vor  storete  das.  Disser 
keyser  was  vor  eyn  herczoge  zu  Swoben.  In  den  gecziten  do  gewan 
der  koning  von  alapien5  den  cristen  dy  stat  edisse  an  unnd  fing  sy 
unnd  er  slug  sy  unnd  oren  bisschoff  mit  allen  synen  pfaffen  umme 
des  willen,  das  sy  cristum  nicht  vor  loucken6  wulden. 

•  Dm  Eingeklammerte  fehlt  In  HS  Infolge  der  Abechneldttng  der  unteren  rechten  Ecke  do« 
BlattM.    Ergänzung  nach  e  o.  Jon.  Rothe. 

4  Ö.o.  St.  29  A.  6.  &  Über  Uersfeld,  8.  o.  St.  29  A.  15.  Der  alte  Name 
für  Wacbsenburg  (».  0.  Beyer,  Die  drei  Gleichen,  1898)  ist  Wasscnborg.  Gemeint  ' 
ist  die  östlichste  der  3  Gleichen,  die  Wachsenburg,  beim  Dorfe  Haarhausen,  irn 
Herzogtum  Sachsen  -  Koburg  und  Gotha,  unweit  Arnstadt.  Im  10.  Jahrhundert, 
etwa  y:i3  gegründet,  blieb  nie  Eigentum  des  Stiltee  Hersfeld,  da«  im  frühen  Mittel- 
alter die  Grafen  von  Schwarzburg  und  Kefernburg  mit  ihr  belehnte.  0  Die 
Schenkung  Gothas  an  das  Kloster  Hersfeld  ist  historisch,  s.  RDThD,  No.  36. 

80.  1  Falsch  für  XXXVII  jar  (1152-1190).  *  Am  18.  Juni  1155  von 
Tapst  Hadrian  IV.  (1154-1159).  3  Am  19.  Juni  1155  besetzten  die  Deutschen 
Tivoli,  das  alte  Tibur  bei  Rom,  angeblich  von  den  Enkeln  des  argivischen  Sehers 
Ainphiaraus:  Catilus,  Coras  und  Tiburtus  oder  Tibttrnus  gegründet,  s.  Horaz, 
Oannin.  II,  5:  Tibur  Argeo  positum  colono.  „Gesandte  übergaben  diese  Stadt 
dem  Kaiser;  weshalb  jedoch  der  Papst,  weil  sie  zum  Kirchenstaate  gehörte,  so 
laute  Klage  erhob ,  dass  jener  vom  Besitze  abstand,"  s.  F.  v.  Raumer,  Gesch.  der 
Hohenstaufen  II,  S.  40;  ebenso  Giesebrecht,  Geschichte  d.  deutsch.  Kaiserzeit, 
Bd.  III,  S.  65  f.  4  Die  Eroberung  fand  auf  der  Rückkehr  vom  ersten  Römer- 
zuge Kaisers  Friedrich  I.  Barbarossa  am  28.  Juli  1155  statt,  s.  Raumer  a.  a.  Ü. 
S.  41;  Giesebrecht,  ebenda,  S.  67  f.  &  Vorher  schon  :  im  J.  1144  eroberte  Emad- 
eddiu  Zenghi,  Sultan  von  Aleppo,  Edessa,  das  als  Vormauer  von  Jerusalem  be- 
trachtet wurde;  infolgedessen  predigte  Bernhanl  von  Clairvaux  den  Ü.  Kreuzzug. 
6  Loucken  md  Nebenform  von  verlougen  —  verlougenen,  d.h.  verleugnen. 


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37.  und  38.  Stück. 


79 


37.  Wy  dy  heiigen  dry  koiiige  keyn  koln  quomen. 

Noch  cristus  geburt  M°C"  unnd  IJX  jar  do  wart  deme  ercz-  1K>9 
bisschoffe  zu  koln  genant  rynolt1  zu  solde,  der  do  mit  deme  keysere 
vor  meylan  lag  mit  grossem  volke,  dy  heiigen  dry  konige  unnd 
brochte*  dy  mit  grossen  ern  keyn  kolne.  Ouch  also  nieylan  vor  stört 
wart,  do  worden  deme  bisschoffe  von  halberstat3  zu  sohle  dy  czwene 
heiigen  lichenam  Gervasius  unnd  Protasius,1  dy  brochte  her  ouch  keyn 
halberstat 


38.  Wy  dy  graten  zu  erfforte  in  eynem  gemache  boü..«r5 

vortorben. 

Rad  unnd  hulffe  suchte  keyser  frederich  an  synen  forsten  ummo 
mancherleye  krige,  dy  sich  erhüben  in  der  cristenheit,  unnd  ungehor- 
sam der  forsten  unnd,  das  snoder1  was,  dy  heiden  toten  allen  enden 
grossen  schaden,  unnd  dar  limine  so  vorbotte 2  dissser  keyser  alle  dutcze 
forsten  keyn  mencz.3   Do  hilt  her  den  hoff  uff  den  pfingest  tag,  unnd 

37.  1  Reinald  von  Dassel,  1159—1107,  Kaiser  Friedrichs  I.  Kanzler. 
•  Wattenbach,  Deutschlands  Geschichtequellen  im  Mittelalter,  III,  8.366: 
[Reinald  von  Dassel]  „führte  »o  gut  das  Schwert  wie  den  Krummstab,  und 
nachdem  er  siegreich  Italien  durchzogen  hatte,  brachte  er  triumphierend  die 
heiligen  drei  Konice  nach  Köln.  Dies  geschah  nach  der  Zerstörung  Mailands 
i.  J.  1162,  s.  Giesebreeht  a.  a.  0.  8.  304.  In  A.  1  giebt  Watteubach  dann  die 
Litteratur,  welcher  aus  der  neuesten  Zeit  hinzugefügt  sei:  Die  Heiligen  als 
Kircheupatrouc  und  ihre  Auswahl  für  die  Erzdiöcese  Köln  u.  s.  w.  von  H.  Samson, 
1892,  S.  253  ff.  3  Gero  von  Schermeke,  Bischof  von  1160—1177  (abgesetzt), 
s.  Potthast,  Wegweiser  durch  die  Geschichtswerke  des  europ.  Mittelalters,  1868, 
S.  32S.  *  Ihr  Tag  ist  der  19.  Juni.  L.  F.  Niemann,  Geschichte  des  vormal. 
Bistunis  ...  Halberetadt,  I,  1829,  S  247  sagt:  „1161  übersandte  Papst  Viktor  (IV.) 
dem  (Bischof)  Gero  ein  Pnllium,  der  sich  in  demselben  Jnhrc  nach  Italien  begab 
und,  als  Kaiser  Friedrich  (I.,  Barbarossa)  Mailand  eroberte,  die  Leiber  der  Heiligen 
Gervasius  und  Protasius  von  dort  mit  in  sein  Stift  nahm."  Rothe  und  Stolle 
folgen  des  erstereu  Quelle,  der  bist.  Eccard.  pag.  386.  Im  I  >omscbatze  findet  sich 
(nach  einer  frdl.  briefl.  Mitteilung  des  Herrn  Pastor  K.  Zschiesche  in  Halber- 
stadt) von  den  beiden  Heiligen  keine  Spur.  Da  nach  Samson  a.  a.  O.  S.  203 
ihre  Gräber  sich  in  Mailand  noch  heute  befinden,  so  ist,  wie  Herr  Zschiesche 
mit  Recht  vermutet ,  dieses  so  zu  erklären ,  dass  Papst  Alexander  und  sein  An- 
hänger Ulrich  von  Halberstadt  {Bischof  zum  zweitenmal  seit  1177)  alle  Anord- 
nungen und  Massnahmen  ihrer  beiden  Gegner,  Victors  und  Geros,  annulliert, 
ihre  Erwerbungen  für  nichtig  und  aufgehoben  erklärt,  so  auch  die  Erwerbung 
der  beiden  Reliquien,  die  nach  dem  Wortlaut  nicht  ganz  ordnungsmäßig  vor 
sich  gegangen  zu  sein  scheint.  Die  von  Potthast  a.  a.  O.  S.  148f.  erwähnten  Schriften 
(aus  d.  J.  1708  u.  1719)  sind  mir  nicht  zugänglich  gewesen. 

#S.  1  Snöde  ist  md  Nebenform  für  mhd  snoede,  hier  in  der  passiven  Bedeutung 
„verächtlich,  schlecht,  schlimm.'4  *  Md  vorbieten,  mhd  verbieten,  stv.,  hier  in 
der  selteneren  und  altertümlichen  Bedeutung  „vorladen ,  entbieten ,"  zu  einer 
Festlichkeit,  Gerichtstag  u.  ä. ,  s.  u.  St.  255  A.  2.  5  Der  Reichstag  zu  Mainz, 
Pfingsten  1184,  ist  wohl  das  glanzvollste  Fest  des  ganzen  Mittelalters,  der  Höhe- 
punkt der  Macht  des  deutscheu  Kaisertum*  im  Mittelalter,  hochgerühmt  von  den 
Zeitgenossen  und  von  den  damaligen  Dichtern  besungen ,  e.  u.  a.  Heinrich  von 
Veldeke,  Aeneide,  V.  8323 ff.  (Ausgabe  von  Ettmüller,  1852,  Sp.  347.) 


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80 


38.  Stück. 


v  do  quomen  |  hene  alle  dutcze  forsten,  dy  geistlichen  unde  ouch  dy 
wertlichen.  Do  wart  des  keysers  son  gekorn,  genant  heinrich,  unnd 
erweit  zu  eyme  romesschen  konigo  unnd  deme  andern  sone  conrade 
deme  gab  her  das  herczogetum  zu  Swoben.  Unnd  also  nu  do  dy 
herschafft  zu  mencz  eyn  ende  nani,  do  sante  der  keyser  sinen  son 
heinrich  den  romissehen  konig  mit  eyme  here  in  poln,4  unnd  das  her 
dy  poln  unnd  bomeschen  hern5  under  richten0  solde,  unnd  wo  dy 
forsten  czweytrechtig  weren.  Unnd  das  geschach.  Unnd  also  her 
wedder  heym  czoch,  do  quam  her  kein  erfforte7  unnd  vorbotte  zu 
ome  bisschoflen  conraden  von  mencz  unnd  lantgrafen  lodewigen  von 
doringen  mit  oren  mannen,  dy  langewile  under  enauder  gekregen 
hatten  unnd  sich  beschediget  hatten,  wanne  der  bisschoft'  von  mencz 
hatte  uff  den  lantgrafen  eyn  nuwe  sloss  by  felssborg  gebuwet,  das 

4  Im  J.  1 177  hat  der  polnische  Herzog  Kazieinierz,  ein  Sohn  Bolestaws  III.,  seinem 
älteren  Bruder  Mieczyslaw  da«  Grossfürsteutum  iSeuiorat)  in  Polen  geraubt, 
ebenso  »ein  Erbfürstentum,  Grosspolen;  dieser  aber  kehrte  1181  zurück  und 
eroberte  seine  Erblande  wieder,  ja  trachtete  auch  nach  Wiedererlangung  des 
Seniorats.  Er  gewann  Kaiser  Friedrich  I.  nach  dem  Mainzer  Reichstag  11&4  für 
seine  Pläne.  Mehr  um  die  alte  Oberherrlichkeit  des  Reiches  in  Polen  wieder- 
herzustellen, als  Mieczystaw  wieder  in  das  Seniorat  einzusetzen,  bcschloss  der 
Kaiser  eine  Heerfahrt  der  Deutschen  nach  Polen;  die  Führung  des  Heeres  ver- 
traute er  seinem  Sohne,  dem  römischen  Könige  Heinrich  (dem  späteren  Kaiser 
Heinrich  VL)  an.  Schon  war  dieser  über  Erfurt  bis  nach  Halle  vorgerückt,  als 
sich  Kazieinierz  unterwarf  und  die  kaiserliche  Oberhoheit  anerkannte,  wofür  der 
Kaiser  das  Prinzipat  jenes  anerkannte;  s.  Roepell,  Geschichte  Polen«  S.  341  fl*., 
bes.  S.  377—378.  •'•  Bei  dem  Reichstage  in  Main/.,  Pfingsten  (20.  Mai)  1184. 
erschien  auch  Herzog  Friedrich  von  Böhmen  —  üher  dessen  frühere  Schicksale 
s.  Alfons  Huber,  Geschichte  Österreichs,  I,  1 885 ,  S.  304 ff.  —  mit  2000  Rittern, 
ein  Gefolge,  wie  es  so  gross  kein  anderer  der  Fürsten  mit  sich  geführt  hatte. 
Doch  während  er  noch  in  Deutschland  weilte,  brach  um  die  Mitte  des  Jahres 
1184  ein  Aufstand  wiederum  gegen  ihn  in  Böhmen  ans,  den  er  aber  bnld  be- 
wältigte; auch  der  Kaiser  stand  auf  seiner  Seite  und  bedrohte  die  böhmischen 
Grossen,  s.  Huber  a.a.O.  S.  312  313.  c  Underriehten,  swv  tr.,  bedeutet  hier 
„einrichten,  (mit  Wechselreden  j  zurechtweisen".  T  Dieses  und  die  ganze  folgende 
Erzählung  ist  historisch  richtig,  s.  Knochenhauer,  Geschichte  Thüringens  zur 
•  Zeit  des  ersten  Landgrafenhauses,  herausgegeben  von  K.Menzel,  1871,  §.  1 98 ff. ; 
urkundliche  Belege  bei  RDThD,  II,  1898.  S.  130  u.  137;  ferner  BE  S.  16f.  In 
der  au  zweiter  Stelle  genannten  Urkunde  (6,  IX  U8.r>:  Die  Handlung  gehört  ins  Jahr 
1183,  die  Beurkundung  ins  Jahr  1185,  die  dazwischen  liegenden  und  den  Aus- 
steller interessierenden  Ereignisse  werden  angegeben,  so  auch  der  Erfurter  Vorfall) 
werden  5  Grafen  genannt,  die  umkamen,  abweichend  vom  Stolleschen  Texte  anstatt 
»les  Grafen  Friedrich  von  Kirchberg  der  Franke  Friedrich  von  Avenberg.  Die  Annal. 
Pegavienses  (MGH ,  Ser.  XVI,  265)  erwähnen  nur  die  Grafen  Heinrich  von 
Schwarzburg.  Burchard  von  Wartberg  und  Friedrich  von  Avenberg  als  anwesend, 
ohne  zu  berichten,  wer  getötet  ist,  hingegen  die  Chronic.  St.  Pclri  modern. 
(MGH,  Ser.  XXX,  1,  .174)  und  die  Annal.  Reinhaidbrunnens.  (MGH.  Ser.  XXX, 
1,  542)  nennen  als  umgekommen  die  5  Grafen  Heinrich  von  Schwarzburg.  Fried- 
rich von  Kirch berg,  Gozniar  (hei  Stolle:  Gottfried)  von  Ziegenhain  in  Hessen, 
Burchard  von  Wartberg  und  Friedrich  von  Avenberg,  letztere,  die  Ann.  Reinh., 
mit  dem  Zusätze:  cum  quodarn  Beringcro  de  Meldingen  (Flecken  Mellingen,  bei 
Weimar,,  aus  welchem  Rothe  und  Stolle  den  Grafen  Herting  von  Meyldingen 
gemacht  haben,  obschon  ihre  unmittelbare  Quelle,  die  bist.  Lantgrav.  Eccardiana, 
die  5  (Trafen  (für  den  Avenberger  nennt  sie  einen  Altenburgei)  und  dann  noch 
Hertingius  de  Meldingeu  nennt. 


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39.  und  40.  Stück. 


hiss  heyligenberg,  uniid  der  lantgrafe  buwete  brunenfelss  by  hochen 
Solmicz.  ünnd  also  dy  hern,  dy  keyn  erflbrt  komen  worn,  unnd  tey- 
dingeten  do  umrae  cynen  freden  zu  unser  lieben  frowen  uff  eynen 
witen  husse,8  unnd  eyne  partie  zu  der  andern  trat,  dy  do  dy  teydingess 
luthe  warn,  do  brach  der  bodera  unnd  der  estrich  undcr  on  in  unnd 
lilen  in  das  schisshuss,  das  dar  under  was,  unnd  dar  inne  ertruncken 
funff  grafen :  grate  heinrich  von  swarczburg,  grafe  frederieh  von  kerch- 
bergk,  grafe  gotfrid  von  ezegenhayn,  grafe  borghart  von  wartperg  unnd 
grafe  herting  von  meyldingen,  unnd  dar  zu  vele  rittere  unnd  knechte. 
X)itte  geschach  noch  cristus  gebort  tusent  hundert  unnd  funff  unnd  11*5 
achczig  jar  an  sente  annen  tage.9 


39.  Wy  dy  unstrot  vor  truckent  was.  |  *othe 

Als  man  czalte  noch  cristus  geburt  tusent  hundert  unnd  funff  1195 
unnd  nunezig,  do  wart  das  wasser,  geheisen  dy  unstrot,  dy  dorch 
doringer  lant'flust,1  also  gar  vor  truckent8  zu  gründe,  das  man  in 
vele  tagen  nergen3  keyn  wasser  dar  inne  fant,  unnd  das  geschach 
andern  wassern  nicht 


40.  Wy  salcza  gebuwet  unnd  gemacht  wart        Rollte  40'.) 

Als  man  czalte  noch  cristus  gebort  tusent  czwev  hundert  unnd  1211 
XI  jar,  do  wart  eyn  romescher  keyser  herezog  otto  von  brunswig1 
unnd  von  Sachsen  uund  hilt  den  frede  gestrengeclichen  in  dutezen 
landen,  unnd  darumme  so  czoch  her  vor  das  sloss  dryborg,8  das  nu 

"  Das  Unglück  geschah  nach  der  gewöhnlichen  Überlieferung  in  »1er  Dom- 
pronstei  (domus  prepositi  ecclesie  dei  genetricis,  MGH  Scr.  XXIll.  159;  s.  Dobe- 
necker  a.  a.  O. ,  welcher  auch  die  (ihrige  Litteratur  angicht),  natrh  anderen  im 
Krummhause ,  dein  Rcsidenzgchäude  der  Mainzer  Erzbischöfe  in  Arfurt,  an  der 
Nordseite  des  Maricnhügel»,  s.  clie  Beschreibung  der  geistJ.  Wohnungen  in  Erfurt 
von  A.  Kirchhoff,  Die  ältesten  Weistümer  der  Stadt  Erfurt,  1870,  8.143-145, 
C.  Beyer,  Gesch.  d.  Stadt  Erfurt,  1892,  S.  6.  9  Am  26.  Juli,  wie  auch  die 
Chronic.  St.  Petri  mod.  angicht:  VII  Kai.  Aug.;  nach  Ann.  Pegav.  aber  in  festo 
St.  Jacobi,  also  am  25.  Juli  1184,  fl.  Lcitzmanu ,  Der  Fürstentag  zu  Erfurt 
i.  J.  1184,  MGE,  VII,  1876,  S.  47  ff. 

39.  1  Flust  ist  mundartlieh  von  dem  gemeindeutschen  vliejen.  *  Die  par- 
ticipiale  Form  vortruckent  ist  durch  Synkope  aus  vortrockenet  entstanden ,  par- 
tieip  von  vortruckenen  swv.  3  Nergen  mundartlich  =  niergen ,  nirgends ; 
öfters. 

40.  »  Kaiser  Otto  IV.  (1198—1215,  st  1218)  wird  nach  seinem  Erblande  ,von 
Braunschweig4  genannt,  Sohn  Heinrichs  des  Löwen.  a  Die  Chronisten  überliefern 
die  geschichtlichen  Vorgänge  im  ganzen  richtig.  Das  Dorf  Salza  wird  zuerst 
urkundlich  am  Anfange  des  9.  Jahrhunderts  erwähnt  unter  den  thüringischen 
Gütern  des  von  dem  ErzbiBchofe  Lullus  von  Mainz  erbauten  und  dem  Kaiser 
Karl  dem  Grossen  übertragenen  Klosters  Hersfcld,  s.  RDThD,  I,  No.  70  (S.  21). 
Die  Vogtei  über  Kloster  Hornburg  (h.  ob.  St.  29  A.  12)  belassen  die  Herren  von 
Treffurt,  welche  dann  das  Dorf  Salza  an  sich  brachten,  dort  die  Burg  Dryborg 

K.  StollM  Memurtftle. 


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82 


41.  Stück. 


in  salcza  lyt,  unnd  belag  das  umrae  rouberige3  willen  der  hern  von 
salcza,  dy  den  lantfrede  nicht  stete  halden  wolden,  biss  also  lange, 
das  sy  or  frande,  bete,  gnossen4  unnd  sich  keyser  otten  an  gnade  goben. 
Dar  nach  wart  salcza  umme  muret  unnd  zu  eyner  stad  gemacht.5 
Dv  hern  von  salcza,  dv  worn  mit  deme  ersten  vovte  des  closters  zu 
homborg,6  das  hart  by  salcza  1yd,  unnd  dynten  ome  also  lange  unnd 
wol,  das  sy  von  deme  closter  zu  homborg  belent  worden  mit  deme 
dorne  salcza.  Dar  noch  worden  dy  hern  von  salcza  also  riche  unnd 
mechtig,  das  sy  dryborg,  das  sloss,  dar  in  buweten  unnd  dar  noch  dy 
uff  hofe7  unnd  andere  ore  gerichte*  koufften  unnd  erkregen  unnd 
quomen  also  uff. 


3*        41.  Wy  seilte  elsebete  oren  uiantel  vorloss. 

Disse  geschieht  solde  billich  steen  hir  noch,  do  sente  elsebeten 
leben  steet1;  das  ist  nu  des  schribers  scholt.    Noch  cristus  geburt 

(jetzt  das  Schloss  in  Langensalza,  s.  Beschreibende  Darstellung  der  älteren  Bau- 
u.  Kunstdenkmäler  de«  Kreise«  Langensalza,  von  Sommer,  1879,  S.  19.  53)  er- 
bauten, naeh  dem  Dorfe  Salza  ihren  Familiennamen  änderten  und  im  Mittelalter 
als  das  in  Thüringen  hochangeschene  und  mächtige  Herrengcschlecht  derer  von 
Salza  erschienen ;  ihnen  entspross  der  berühmteste  Hochmeister  des  deutschen 
Ritterordens  Hermann  von  Salza,  der,  von  Kaiser  Friedrich  II.  zum  Rcichsfursten 
erhoben,  im  Jahre  1230  die  Eroberung  Preusseus  durch  die  Deutschen  begann. 
■  Rouberige  ist  mundartlich  für  rouberie,  stf,  „Räuberei."  In  dem  blutigen 
Wirrsal  der  Kämpfe  zwischen  Philipp  von  Schwaben  und  Otto  IV.  war  Mord, 
Ruub  und  Plünderung  leider  in  Deutschland  häufig;  auch  die  Herren  von  Salza 
hatten  dem  Geiste  ihrer  Zeit  gemäss  die  adelige  Sünde  der  Räuberei  getrieben 
und  den  Landfrieden  nicht  gehalten  (s.  Chronik  der  Stadt  Langensalza,  von 
Göschel,  1818,  S.  138).  4  Sie  übergeben  sich  auf  Gnade  und  Ungnade:  ihre 
Freunde  =  Verbündete,  bete  =  Abgabe,  d.  h.  Einnahme,  gnossen  —  Mannen  und 
Anwesen  (oft  gn.  von  Sachen).  In  die  oben  genannten  Kämpfe  waren  auch 
die  Herren  von  Salza  verflochten.  Als  nun  Landgraf  Hermann  I.  von  Thüringen, 
der  so  oft  die  Partei  wechselte,  von  Kaiser  Otto  IV.  i.  .T.  1211  ab-  und  Fried- 
rich II.  zugefallen  war,  dem  Landgrafen  aber  auf  Anstiften  des  Erzbischofs 
Siegfried  von  Mainz  die  meisten  thüringischen  Herren  sich  angeschlossen  hatten, 
eilte  Otto  IV.  aus  Italien,  wo  er  damals  weilte,  am  Anfange  dea  Jahres  1212 
nach  Deutschland ,  um  die  Treulosen  zu  bestrafen.  Nachdem  er  sich  der  Städte 
Nordhausen  und  Mühlhausen  bemächtigt  hatte,  belagerte  er  auch  das  Schloss 
Dryborg.  Dasselbe  ergab  sich,  und  Kaiser  Otto  zeigte  sich  den  Herren  von 
Salza  gegenüber  so  versöhnlich,  dass  er  sie  nicht  bloss  wieder  zu  Gnaden  annahm, 
sondern  sogar  ihrem  Herrensitze,  dem  Dorfe  Salza,  Stadtrechte  verlieh,  s.  Göschel, 
a.a.  O.  S.  138  f.  ,:  S.  ob.  St.  29  Anm.  12.  1  In  Ufhofen,  einem  1'/»  Kilometer 
südwestlieh  bei  Langensalza  gelegenen  Dorfe,  in  dessen  Flur  das  kleine  Flüsschen 
Salze  entspringt,  scheinen  die  Herren  von  Salza  zuerst  gesessen  zu  haben:  Uff- 
hofen =  Oberhöfe ,  im  Gegensatz  zu  den  noch  jetzt  in  Langensalza  bestehenden 
„Niederhöfen,"  s.  Sommer  a.  a.  O.  S.  19.  80.  8  „Gericht"  bedeutet  nicht  bloss  das 
(iciicht,  die  Gerichtsbehörde ,  sondern  auch  den  Gerichtaspreugel ,  da»  Gebiet 
desselben. 

41.  1  Ausser  den  Stücken  41—62,  in  welchen  das  Leben  der  heiligen  Elisa- 
beth und  ihres  Gatten,  dea  Landgrafen  Ludwig  des  Vierten,  genannt  dea  Heiligen 
(1217  —  1227),  behandelt  wird,  bringen  in  unserer  Chronik  noch  St.  83 — 108  Er- 
zählungen über  beide;  erstere  chronologisch  in  letzere  einzureihen,  ist  nicht  gut 

t 


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41.  Stück.  83 

MCCXX1I  jar,  also  lantgrafe  lodewig  von  ungern  konien  was8  mitsente  12*22 
elsebeten,  do  lued  her  zu  |  hole  sine  grafen.  horn,  rittere  unnd  knechte,  * 
frowen  unnd  juncfrowen,  dy  mit  ome  in  ungern  gewest  worn  unnd 
mit  sente  elsebeten,  unnd  ouch  etliche  sine  man,  dy  alle  dy  wile  hy 
heyme  bieben  worn,  unnd  machte  den  allen  eyn  schone  froligkeit  mit 
essen  unnd  mit  trincken  uff  deme  slosso  zu  wartpergk.  Unnd  also  sy 
wulden  zu  tissche  geen,  do  was  dy  liebe  sente  elsebeto  nicht  do  zu 

möglich,  nur  dass  bei  St.  94  am  Ende  angegeben  ist,  dass  hier  St.  41  »teilen 
sollte.    Die  Erzählungen  Aber  die  heilige  Elisabeth  sind  bei  Stolle  ungefähr  die- 
selben wie  in  den  anderen  Chroniken,  doch  schmückt  er  manches  selbständig  aus, 
wie  auch  die  übrigen  ic  nach  ihrem  Standpunkte  als  Mönche  oder  Weltgeistliche 
sie  verschieden  behandeln;  die  Hauptquelle  für  sie  alle  ist  die  Lebensbeschreibung 
der  heiligen  Elisabeth  von  dem  Predigcnnönehe  Dietrich  von  Apolda  (Theodoricus 
Thuringus)  aus  dem  Jahre  1289,  die  wir  in  der  Ausgabe  vonCanisius:  Thesaurus 
monumentorum  ecclesiasticorum  sive  Henrici  Canisii  lectiones  antiquae,  ed.  Jac. 
Basnage,  1725,  besonders:   Theodorici  Thuringi ,    ordinis    praedicatorum  libri 
octo  de  S.Elizabeth,  Andreae  regis  Huugarorum  filia,  Ludovici,  landgravii  Thu- 
ringiae ,   priucipis  Hessiae  et  Saxoniae,  comitis  Palatini  uxore,  obigen  Werkes 
vierter  Teil,  pag.  113— 152.  benutzt  haben.   Ebenso  die  auf  der  Keinhardsbrunner 
Tradition  (Kaplan  Berthold)  beruhende  I^ebcnsbeschreibung  des  heiligen  Ludwig, 
übersetzt  von  Friedrich  Köditz  von  Salfeld,.  ans  dem  Anfange  des  14.  Jahrhunderts, 
hei  ausgegeben  von  H.  Rückert,  1851.    Über  das  Legendenhafte  in  diesen  Er- 
zählungen ist  die  Litteratur  sehr  gross,  den  historischen  Kern  und  damit  eine 
entsprechende  Charakteristik  der  heiligen  Elisabeth  und  ihres  Gemahles  Ludwigs 
bat  zuerst  Wegele  gegeben  in  Sybels  Histor.  Zeitschr..  IM.  V  (1861)  S.  351— 35)7, 
eine  Untersuchung,  die  nach  mehrereu  eingehenden  Arbeiten  (als  die  wichtigsten 
seien  genannt  Boerner,  Zur  Kritik  der  Quellen  für  die  Geschichte  der  heiligen 
Elisabeth,  N.  Archiv  f.  alt.  deutsche  Gesehichtskunde  XIII,  1888,  S.  435—515, 
Hellmuth  Mielckes  Dissertation,  Zu i  Biographie  der  heiligeu  Elisabeth,  Rostock 
1888  und  desselben  Autors  Biographie  der  heiligen  Elisabeth,  1891  in  der  6.  Serie 
No.  125  N.  F.  der  gemein  verstand  liehen  Vorträge  herausgegeben  von  Virchow  und 
Watteubach)  von  Karl  Wenck  wieder  aufgenommen  und  in  vielem  richtig  ge- 
stellt ist,  in  der  Histor.  Zeitsehr.  von  Sybel-Lehmanu  Bd.  LX1X  (N.  F.  XXXIII), 
1892,  8.209  —244;  hier  ist  auch  die  in  Betracht  kommende  wissenschaftliche 
Litteratur  verzeichnet.    Neuerdings  schrieb  gegen  Börner,  Mielckc  und  Wenck 
Km.  Michael  i.  d.  Zeitschrift  f.  katholische  Theologie  XXII  (1898)  S.  565-683; 
s.  Denselben  in  seiner  Gesch.  des  deutsch.  Volkes  v.  13.  Jahrb.  bis  z.  Ausgange  des 
Mittelalters,  II,  1899,  S.  205— 224.  —  Wenn  Rothe  Quelle  für  Stolle  ist,  haben 
wir  ihn  als  solche  bezeichnet,  sonst  in  einzelnen  Fällen  die  übrigen,  soweit  sie 
sich  ermitteln  Hessen;  manches,  besonders  erläuternde  und  zusammenfassende 
Bemerkungen ,  ist  aber  ausschmückende  Zuthat  des  Verfassers.    Bei  der  Natur 
der  Stolleschen  Aufzeichnungen,  soweit  sie  sich  eben  ganz  an  Rothe  anlehnen, 
verstellt  es  sich  von  selbst ,  dass  wir  keine  fortlaufende  historische  Kritik  üben. 
Wer  Elisabeth  im  Lichte  ihrer  Bestrebungen  genau  kennen  lernen  will,  wird 
immer  noch  nach  dem  „glänzenden,  in  leuchtender  Farbe  strahlenden  Gemälde" 
Montalamberte  greifen:  Vie  de  sainte  Elisabeth  de  Hongrie,  duchesse de  Thuringe, 
1S36  (neueste  18.  A.,  ohne  Jahr),    dieser  „Legende  aus  «lein  Jahrhundert  des 
Glaubens"  (Selbstbezeichnung  Montalainbcrts,  s.  Wegele  a.  a.  G.  S.  356),  übersetzt 
und  durch  Anmerkungen  und  Zusätze  bereichert  und  verbessert  durch  J.  l*h. 
Städler,  neueste  Auflage  1888,  Eiusiedeln.   Eine  ebenfalls  idealisierende  Darstellung 
giebt  der  frühere  Leipziger  (evangelische)  Kirchenhistoriker  Kahuis,  Die  heilige 
Elisabeth,  Vortrag,  Gotha  186*.  — 

2  Wie  bedeutsam  diese  Rtinc  in  ihre  Heimat,  in  welcher  sich  die  Verhält- 
nisse in  Familie  und  Haus  so  unglücklich  gestaltet  hatten,  für  Elisabeth  gewesen 
ist,  zeigt  Wenck  a.  a.  G.  S.  22311. ;  s.  auch  »St.  85  A.  1. 

6* 


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84 


41.  Stück. 


wege,3  wanne  sy  warte  der  armen  luthe  mit  oren  almosen.  Nu  lac 
do  gar  oyn  armer  mensche  vor  deme  müss  husse4  uff  der  borg  an 
der  treppen,  dorfftig,  nacket  unnd  jeramerlichen.  Das  verwunderte  sicli 
sere  sente  elsebete,  wy  der  arme  gebrechliche  mensche  also  ferne  uss 
der  stad  isenache  uff  dy  borg  körnen  were,  unnd  bad  do  das  almosen 
von  sente  elsebeten.  Do  sprach  sy,  sy  nettes  alles  vorgeben,  sy  wolde 
ome  ouch  was  zu  essen  sende.  Do  liss  ome  der  arme  mensche  nicht 
gnugen,  sundern  her  clagote  ummor  meir  synen  nackten  gebrechen/' 
biss  das  sy  ubir  on  so  jomerigß  wart,  das  sy  ome  den  syden  mantel, 
den  sy  limine  hatte,  zu  warft,  unnd  ging  ane  mantel  zu  tissche.  Unnd 
also  lantgrat'e  lodewig  or  herro  das  sach,  do  sprach  her:  swester,7  wo 
ist  nu  din  mantel?  Do  ersragk  sy  under  deme  volke  unnd  antwarte 
gar  zu  hant:  herre,  in  myner  kammern  hab  ich  on  gelossen.  Do 
sprach  her  zu  eyner  orer  juncfrowen:  gee  hene  unnd  hole  or  oren 
mantel!  Do  ging  dy  juncfrowe  hene  unnd  fant  den  mantel  hangen 
uff  deme  ricke*  in  sente  elsebeten  kammern  unnd  brochten  or.  Ditte 
*6  czeichen  [  was  deme  glich,  das  sente  raertine  von  gote  geschach, 
hirumme  so  darff'  nymant  czwifele  hir  an,  der  selbe  sieche  gebrech- 
lige  mensche  sy  cristus  unser  lieber  herre  selber  gewest,  der  syne  uss 
er  weiten  frundynne  elsebeten  mit  deme  mantel  vor  sucht  hat.  Disser 
mantol  ist  nu  eyn  messegewant  in  der  Capellen  sente  elsebeten  under 
wartperg  gelegen. 

- 

:l  Entsprechend  dem  mhd  „zc  wege  sin,"  „zur  Stelle/'  „anwesend  sein."  4  Vom 
mhd  muoH  —  md  müs  ,8|>ci8e'  ist  abgeleitet  mucsbüs  mhd  =*  md  müzhüs  —  „Speise- 
haus,"  „Speisesaal" ;  es  stellt  „für  Jas  der  früheren  höfischen  Sprache  angehörige 
palas,  ein  Saal,  der  zu  den  grossen  geselligen  Zusammenkünften,  die  in  einem 
(>edcckten  Räume  stattfanden,  diente,'*  H.  Kückert,  Leben  des  heiligen  Ludwig, 
S.  108  5  gebrechen,  stn.,  „Not,  Mangel."  "  jameric  mhd  =  md  iomcrig  =  „von 
jamer  ergriffen,  leidvoll,  mitleidvoll."  7  Diese  Anrede  findet  sich  hier  wie  sonst 
noch  sehr  häufig  und  in  allen  Quellen,  obschon  sie  zwischen  Eheleuten  auch 
nach  damaliger  Anschauung  durchaus  unpassend  ist.  Wir  erklären  sie  so,  das* 
Elisabeth  ursprünglich,  wie  schon  Wächter,  Thüring.  u.  Obersachs.  Geschichte  III, 
8915  vermutete,  als  Gattin  für  den  älteren  Sohn  des  Landgrafen  Hermann  I.,  der 
auch  Hennann  hicss  (s.  u.  St.  88  A.  4) ,  welcher  aber  noch  vor  dem  Tode  seine« 
Vaters  (25.  April  1217),  wahrscheinlich  am  31.  December  1216  starb,  bestimmt 
war  (s.  Wenck  a.  a.  O.  S.  221 )  und  mit  Ludwig  zuerst  in  schwesterlicher  Liebe 
aufwuchs,  woraus  sich  freilich  dann  später  auch  eine  innige  Gattenliebe 
beiderseitig  entwickelte;  im  Andenken  an  jene  frühere  Zeit  behielt  Ludwig  wolü 
die  ihm  einst  liebgeweseue  Anrede  bei,  während  Elisabeth  die  entsprechende 
selten  gebraucht,  also  die  spätere  asketische  Anschauung  Elisabeths  von  der  Ehe, 
die  übrigens  Ludwig  nie  geteilt  hat,  darin  nicht  zu  suchen  ist.  6  ric,  stm, 
ist  ein  wagerechtes  Gestell ,  das  in  der  mittelalterlichen  Kemnate ,  die  auch 
Schlafzimmer  war,  stand,  um  die  ausgezogenen  Kleider  daran  aufzuhängen,  ein  im 
Gebiete  des  Mitteldeutscheu  noch  heute  verbreitetes  Wort,  s.  Grimm  D.W.  VIII, 
S.  907  f. ,  erhalten  im  thüring.  „Kannrik"  —  d.h.  Gestelle  für  Kannen,  Gesims 
für  Gelasse,  s.  Grimm  D.  W.  V,  S.  167,  Hertel,  Thür.  Spraelischatz  8.  129, 
M.  Schultze,  Idiotikon  d.  nordthür.  Mundart  S.  Iii.  Nelwn  der  gewöliuiieheu  Prü- 
pontiou  ,au'  steht  hier  uf,  die  nach  der  obigen  Erlclüruug  ebenso  passend  ist. 


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42.  bis  44.  Stück. 


85 


42.  Wy  lantgrafe  lodewig  eynen  tancz  sach  zu  Kuthft 

isenache.1 

Also  man  czalte  noch  eristus  gebort  MCCXXVI  jar,  do  ozoch  lant-  12*2« 
grafe  lodewig,  sento  elsobeten  herre,  fredo  zu  raachen  in  das  osterlant. 
Unnd  do  das  etliche  vornomen,  dy  den  frede  gobrochen  hatten,  dy 
floeu  von  oren  slossen  unnd  lisscn  arme  knochto  dar  uifo,  dy  des 
nicht  zu  schicken2  hatten.  Also  nam  her  dy  sloss  in  unnd  brach 
sy  nid  der. 

In  dorne  selben  jare,  do  enpfing  sanctus  franciscus  funff  wunden, 
also  unser  herre  jhesus  eristus  trug,  von  deine  engele  seraph,  den  her 
sach,  unnd  gar  schero3  dar  noch  starp. 

In  deine  selben  jare  czoeh  lantgrafe  lodowigk  mit  dorne  keyser  in 
apulien  unnd  was  lenger  danne  oyn  jar  usso. 


48.  Von  einem  tanteze. 

Es  geschach  ouch  zu  einen  geeziten,  das  lantgrafe  lodewig  stunt  Roth«  uo 
an  eyme  fenster  zu  isenacho  in  der  stat,  unnd  es  was  eyn  schöner 
grossser  tancz1  uff  deme  plane,  den  man  nennet  dy  rolle,  unnd  sach 
zu.  Do  trat  eyner  syner  dyner  by  on  unnd  sprach  zu  ome:  herre,  seyt 
ir  das  weydeliche  wip,  dy  do  tanezet?  unnd  wistc  ome  do  gar  eyn 
stolczo  wol  gesmuckto  frawen,  |  dy  wil  ich  uch  an  uwern  arm  schicken,  t 
wanne  ir  des  begeret,  das  ir  or  noch  allem  uwern  willen  gebruchet. 
Do  wart  der  togentsame  forste  snellichen  czorning  unnd  sach  den 
dyner  gar  ernstlichen  an  unnd  sprach :  Swig  unnd  gedencke  vort 
n ummer  so  getoner  rede  vor  mynen  oren,  also  verne8  also  du  myno 
gnade  unnd  hulde  behalden  wilt,  wanne  solche  rode  brengevor  dy,  dy 
mit  so  getoner  untogunt  umme  geen,  ich  wil  don  mynen  keyne  sache 
zu  untogunt  gebe,  dy  ich  bilcher  stroffe  solde.  ab  sy  beclaget  worde! 

Nu  mercket  des  forsten  togunt  hyr  by,  wy  gar  sere  her  vor  smeet 
hat  den  ee  broch  an  den  luthen. 


44.  Wy  das  nuwe  sloss  zu  deine  aldenberge  zu 

brachen  wart. 

Noch  der  czit,  also  lantgrafe  lodewig,  sente  elsobeten  herre,  mitR«,hc441 
keyser  frederiche  in  apulien  gewest  was,  do  hatte  der  herre  von  salcza 

42.  1  Die  Überschrift  ist  unpassend,  aus  dem  folgenden  genommen.  2  whieken, 
8\tv.,  hier  in  der  Bedeutung  „ordnen,  gestalten,  ins  Rechte  bringen";  x.  Hörtel, 
Thüring.  Sprachschatz  »S.  207.  Auffällig  ist  nur  die  Konstruktion  mit  dorn  Genitiv, 
'schere  nid  —  mhd  schier,  ahd  auch  »kern,  „bald,  bald  danach.' 

43.  1  S.  lieben  des  heil.  Ludwig,  h.  v.  Rfickert,  8. 18J      1  verne,  Nebenform  zu 
verre,  =  „fern",  also  verne  also  «=  „insofern,  wofern44. 


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86 


45.  Stuck. 


dy  wyle  eyn  borg  fred  1  uff  geslagen  uff  deme  alden  berge,2  in  der  von 
reynhardesborn  gebiete,  unnd  der  apt  do  selbest  unnd  oueh  das  con- 
vent  gemeyncliehen  hatten  on  dicke  gebeten,  das  her  got  an  see  unnd 
des  nicht  tede;  dar  an  wolde  sich  der  herre  von  salcza  nicht  an  kere, 
sundern  her  buwete  das  unnd  besserte  das  mit  stoynen  hoch  unnd 
teste  gemureth.  Also  nu  lantgrafe  lodewig  wedder  zu  lande  komen 
was  unde  keyn  reynhardesborn  quam,  do  clagete  ome  der  apt,  wy  her 
unnd  das  closter  mit  des  vou  salcza  gewalt  bedränget  worden,  unnd 
*7  der  uff  sye  gebuwct  hette  unnd  des  nicht  losen  wolde.  |  Unnd  disse 
rede  geschogen  an  eynem  sonabende.  Do  liss  der  lantgrafe  synen 
voytcu  unnd  den  von  isenache  schreiben,  das  sy  morne  vor  tage  by 
ome  zu  reynhardisborn  syn  solden  mit  macht.»  Des  morgens  fru,  do 
horte  her  messe  unnd  sagete  deme  apte,  her  soldo  das  crucze  nicht 
losseu  trage  noch  dy  hoe  messe  singe,  her  queme  danne  wedder,  unnd 
royt  do  uss  deme  clostero.  Zu  haut  quomen  dy  synen  zu  ome,  den 
her  geschreben  hatte,  unnd  brochten  mit  on  Jeittern,  tarschin  unnd 
geczug,8  unnd  gewunnen  zu  hant  das  bergfret  unnd  das  nuwe  sloss 
des  hern  von  salcza  unnd  ringen  on  dar  uffe  unnd  fürten  on  zu  fussse 
an  eyner  kethen  zu  reynhardisborn.  Do  hiss  der  lantgrafe  das  crucze b 
(trage),  als  gewonlich  an  deme  sontage  ist,  ummo  trage,  unnd  der  herre 
von  salcza  mit  den  synen  worden  also  gebunden  vor  deme  crucze 
umme  gefurt  unnd  musten  dar  nach  den  hern  unnd  das  closter  ewig- 
lichen vor  sweren.4  Dar  noch  brochen  dy  von  isenache  das  nuwe 
sloss  zu  gründe5  von  des  forsten  geheyse  nedder,  unnd  der  apt  liss 
^y  steyne  unnd  holez  an  synen  gebuwe  keren  unnd  wende.* 


45.  Wy  lantgrafen  lodewigen  eyn  lawe1  an  lieff 

zu  wartperg. 

Dorch  fruntschafft  unnd  selczaraickeit2  hatte  der  herczoge  von 
osterich,  lantgrafen  lodewiges  swoger,3  eynen  lawen  in  eyme  kästen  ge- 

»  DJ©  US  Interpungirt  erat  nach  fr«.  Rollte  nach  wacht,  auch  Hein  Sinne  nach  nötig,  ionat 
Wiederholung  wegen  de«  vorgehenden  monic  vor  läge.        b  IIS  setzt  falacolich  noch  ein  trag«. 

fa.  1  bere-vrit,  stn,  au«  bergen  und  vride  »Schutz4;  bedeutet  ursprünglich 
eine  hölzerne  Verschanzung  nuf  einein  Berge,  dann  Bollwerk,  zuletzt  Turin, 
der  bei  den  Hurgen  an  der  dem  Angriff  am  meisten  ausgeätzten  Stelle  8  t  and. 
'-'  AI  ten  bergen  jetzt,  ein  Sachsen  -  gothaisches  Dorf  zwischen  Georgentbai  und 
Friedrichroda.  Über  die  ganze  Geschichte  s.  lieben  d.  heil.  Ludwig,  Ii.  v.  Rückert, 
S.  49—  51.  3  Das  mhd  gt>ziuc  =  md  gezüe,  st  tu.  oder  stn.,  bedeutet  kriegerische 
Ausrüstung,  Maschinen  zum  Belagern,  Geschütz.  4  mhd  verswern,  stv.,  hier  mit 
dem  Dat.  der  Person  und  dem  Ace.  der  Sache  „eidlich  einem  gegenüber  auf 
etwas  verzichten."  6  zu  gründe  bis  auf  den  Grund.  ,;  Entnommen  au» 
dem  formelhaften  .ein  guot  nie3eu,  wenden  und  keren,1  also  keren  md  wenden  an 
etwas  =  „andere  verwenden  für  etwas." 

4ä.  •  S.  Leben  des  h  Ludwig,  h.  v.  Kückert,  S.18-  19.  ?  selczamickeit,  bei 
Diefenbach  gloss.  lat.  germ.  484''  seltzamigkeit ,  md  Nebenform  zum  mhd  eelt- 


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45.  Stück. 


87 


sant,  unnd  den  liss  der  togentsanier  forste  lantgrate  lodewig,  sente 
elsebeten  herrc,  zu  wartperg  in  eyne  czweyfeildig  gegitter  süssen.  Do 
geschach  es  in  deine  selben  jare,  eir  her  ubir  |  melier  czouch,  als  her  v 
evnes  morgens  fru  uff  stunt  unnd  wolde  umrae  syner  nottorflt  willen 
in  dy  borg  geen  unnd  nette  ezwene  potschu4  an  geczogen  unnd  ubor 
syme  hemde*5  eynen  gefutterten  mantel  an  geczogen,  do  hatte  der 
knecht,  der  des  lawen  pflag,  das  torehen,  das  zu  ome  in  das  gegetter 
ging,  nicht  wol  beslossen,  als  her  ome  zu  essen  gegeben  hatte  adir  on 
gereyniget.  Do  begeinte  der  lawe  deme  lantgrafen  unnd  lift  on  an,  als 
allermelch*  uff  der  borg  noch  sliff,  unnd  nymant  by  ome  sliff,  unnd 
ouch  nymant  by  ome  was.  Do  rackte  der  herre  syne  fust  uff  kein 
deme  lawen  unnd  schreigk  on  snellichen  an;  zu  hant  liss  der  lawe  von 
syner  freisslickeit  unnd  ieyte  sich  nedder  uff  dy  erden  vor  des  forsten 
fussse  unnd  regete  synen  czagel  kein  ome,  als  er  den  herren  flebotho7 
wolde.  Do  hatte  der  wechter  uff  deme  torme  des  horn  gesehreye  ge- 
hört unnd  trat  an  dy  czynnen  unnd  wart  des  herren  mit  deme  lawen 
gewor.  Der  brochte  do  das  hofegesinde  uff  unnd  riff  deme  knechte, 
der  des  lawen  pflag  zu  Worten ;  der  quam  unnd  brochte  on  do  yn  syn 
Wesen  widder.  Do  straffte  der  herre  den  knecht  gar  hertieklicheu 
umrae  syne  vorgessenheit,  unnd  es  were  ome  alzu  swer  worden,  hette 
das  hofegesinde  nicht  gemeyniclichen  also  sere  vor  on  gebeten.  Es 
meynten  vil  luthe,  her  hatte  senton  elsoboten  unnd  syner  togunt  ge- 
nossen keyn  goto,  das  her  on  also  czeichen  haftig  behut  hatte. 

4 

*  IISs  «yn«  h«ndo. 

saem«*cheit,  stf.,  Seltsamkeit,  bedeutet  hier  „seltenes  Verhalten,  seltene  Liebens- 
würdigkeit." *  Ludwig»  Schwester  Agnes  war  mit  dem  Herzog  Heinrich  von  Öster- 
reich vermählt.  4  Liliencron  im  Glossar  zu  Rothe  S.723  erklärt  es  mit  „grobem  Schuh" 
=  Buudschuh.  Da  in  Thüringen  dialektisch  heute  noch  „Botschcu"  oder  „Potsehen," 
Nebenform  Bambuschen  (Brandis  II,  S.  6)  und  Babuschen  (Hertel,  Th.  Sprachsch., 
S.  61)  Hausschuhe  oder  Pantoffeln  bedeuten,  so  ist  botechuh  wohl  v.  frz«.  botte, 
deutsch  bosz,  stm.,  —  »kurzer  Stiefel'  (s.  Grimm,  Dtsch.  Wörterb.  II  S.  268)  ab- 
zuleiten und  bedeutet  Bauern-  oder  Bundschuh  (von  binden),  s.  Grimm  D.  \V.  II, 
8.278,  A.  Kirchhoff,  Krfurt  ä.  13.  Jahrh.,  1870,  S.  36,  spricht  von  „klobigen  Boss- 
schuhen von  Rinds-  und  Bocksleder.'4  5  Stolle  hat  sich  wohl  verschrieben,  wie 
Rothe  (syme  hemde)  l>eweist;  vielleicht  ist  jedoch  der  Dativ  hende  beizubehalten 
als  Nebenform  zu  hemde,  so  Nibelungenlied  1066,3  heudeblosz  ~  „im  blossen 
Hemde,"  wo  Lachmann  die  Form  hendeblosz  beibehält,  da  sie  sich  in  den  IISS 
findet  mit  Ausnahme  von  l>  (Prüm -Münchner  HS),  welche  hemdebloz  liest, 
s.  Anm.z.  d.  Nibelungen  (1836)  S.  140.  *  allermelch  ist  mundartlich  zusammen- 
gezogen aus  aller  (gen.  plur.  von  al  vor  Sujicrlativcn,  Adjcctiven,  Adverbien  und 
rronoin.  zur  Verstärkung)  und  mannegelich  menglicfi,  melch  =  „mäuniglich, 
jeder,"  also  allermelcli  (and  allero  mann«'»  io  gallh)  =  jedermann."  Rothe  hat 
hier  entsprechend  aller  menlich,  hat  aber  die  Form  allermelch  auch  einmal, 
St  686  8.  593.  7  tiebethen  existiert  sonst  nicht,  von  Stolle  gebildet  aus  mit  fle 
ivlehe)  bitten,  z.  B.  Leben  der  heil.  Elisabeth,  herausggb.  von  Rieger,  7344. 


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88 


46.  Stück. 


R.tb.«9      46.  Von  ern  waltmanne  von  setelstete  ritter.  | 

»8  Waltmann  von  setelstete  hiess  eyn  weydelicher  ritter,  der  was  ge- 
sessen poben  setelstete.1  Do  hatte  her  eyne  steynen  kenimenaten,2  do 
noch  dy  wol  stat3  ist.  Der  was  gar  eyn  grosser  Stecher  unnd  hofirer. 
Nu  hatten  dy  hern  eynen  hoft  zu  isenache  gehat,  der  wart  dar  noch 
gelegt  keyn  merseburg.  Do  gab  sich  disser  genante  ritter  zu  isenache 
vor  den  hern  unnd  gesten  uss,1  das  her  zu  deme  hofe  keyn  morseburg 
mit  syme  hern  lantgrafen  lodewige  riten  wulde  unde  mit  ome  füren 
wulde  eyne  wol  gesmuckte  junefrowen  uft  eyme  czelden  pferde.5  Dy 
sulde  füren  eynen  wolbereytten6  sperwer  unnd  mit  eyme  guten 
stouber7  noch  sente  walpurgen  tag8  unnd  wulde  ritterschafft  kegen 
eyme  iglichen  erbarn  manne  do  wortende  syn,  unnd  alle  tage  zu  deme 
hofe,  uff  deme  hofe,  unnd  wedder  heym  kein  isenache  drye  schuste9 
mit  dren  erbar  mannen  halden,10  unnd  wer  on  nedder  steche,  der  solde 
dy  junefrowen  vor  dienen,  den  sperwer,  den  stouber,  den  czeldener 
unnd  synen  harnasch,11  als  her  rethe.  .Aber  dy  junefrowe,  dy  solde 
sich  losen  mit  eyme  gülden  vingerlin  von  eyme  gülden ;  wen  her  ouch 
nedder  steche,  der  solde  der  junefrowen  eyn  fingerlin  unnd  ome  eyn 
fingerlin  geben,  der  igliches  eynen  gülden  wert  were.  Der  selbe  stolcze 
unnd  menliche  ritter  czog  also  mit  syme  hern  lantgrafen  lodewige  zu 
demo  hofe,  do  mancher  stolczer  ritter  under  wegen  uff  on  hilt,  das  on 
nymant  nedder  stach,  unnd  brochte  syne  junefrowen  wedder  mit  syme 
hern  unnd  mit  den  erbarn  frowen,  dv  do  mete  furn,  kevn  isenache: 
unnd  dy  junefrowe  brachte  also  vele  gülden  fingelin,  das  sy  alle 
hofe  junefrowen  wol  begabete.  Ditte  geschach  noch  cristus  gebort 
1226  MCCXXVI  jar. 

i 

46.  1  Sättelstädt  ist  heute  ein  SachBen-Gothaisches  Dorf  zwischen  Gotha  und 
Eisenach.  J  Auf  der  Besitzung  des  Herrn  Waltroann  von  Sättelstadt  stand 
wohl  nur  ein  sogenannter  Burgstall,  eine  kleine  Burg,  in  welcher  Palas  (die 
Halle  des  Burgherrn),  Kerne nate  (von  caminus  ».Feuerstätte",  das  eigentliche 
Familien-  und  \Vohn  gern  ach)  und  Küche  sich  im  Turm  befanden,  welcher  von 
einer  Um  fang»  mau  er  —  das  sind  die  5  notwendigen  Bestandteile  einer  Burg 
—  umgeben  war.  J  Walstatt  =  Schlachtfeld ,  Kampfplatz ,  hier  auch  vom 
Turnierplatz.  4  U3geben  =  „aussagten,  erkundigen."  *  Ein  Zelter,  Pferd  mit 
Passgang  (zeit,  stm.,  Passgang),  ist  ein  Damen pferd,  ein  Pferd  mit  sanfter  Gang- 
art "  D.  h.  gut  abgerichtet.  7  stouber  (selten,  wie  hier,  ohne  Umlaut 
stouber).  stm,  ein  aufstöbernder,  also  abgerichteter  Jagdhund.  9  Also  nach 
dem  1.  Mai.  0  schuste,  stf.,  tjostc,  ritterlicher  Zweikampf  mit  dem  Speer, 
hier  der  einzelne  Gang  in  diesem  Kampfe.  10  Das  Turnier,  das  der  Herr  von 
Sättelstädt  anbietet,  ist  dem  Zwecke  nach  ein  turnei  uuibc  guot:  der  Besiegte 
muK-ste  sich  mit  einer  bestimmten  Summe  lösen;  nach  den  Bedingungen  ist 
ex  ein  turnei  ze  schimpfe  (d.  h.  zur  Kurzweil)  mit  vride,  d.  h.  man  netzte  von 
vornherein  eine  bestimmte  Lösesumme  für  den  Besiegten  fest;  der  Form  nach 
ein  stich  ze  rechter  tjoste,  Einzelangrifl'  mit  der  Lanze,  richtig  angeboten  tden 
turnei  anbieten)  und  angekündigt  (den  turnei  schrien),  s.  Götzinger,  Reallexikon 
der  deutschen  Altertümer,  ».  v.  Turnier.  Eigent  ümlich  ist  nur  die  Dreiteilung  de* 
Stechens  in  Merseburg,  auf  dem  Gute  in  Sättelstädt  und  in  Eisenach.  11  harnas 
oder  harnasch,  Ringpanzer,  umfasste  die  ganze  persönliche  Rüstung  des  Ritters. 


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47.  Stück. 


89 


47.  Wy  seilte  elsebete  gehorsam  was  meister 

conrade  von  martpurgk  pristere.  **t»ui 

Es  was  in  den  gecziten  undcr  den  andern  bisschofen,  epten  unnd  v 
pristern,  dy  das  crucze  von  des  bobestes  wegen  also  wyd  was,  also  dy 
heilige  cristenheit  was,  predigeten,  das  man  ubir  nieer  mit  deine 
keysere1  czehen  solde  unnd  jerusalem  gewynne,  das  der  hobischer3 
unnd  wol  gelarter  pfaffe  meister  Conrad  von  martpurg,3  der  mit  syner 
predigate  unnd  lare  in  dutschen  landen  luchte  also  der  morgen  stern 
vor  andern  pfaffen.  Urne  folgeten  beyde,  platten  unnd  leyen,  unnd  her 
was  eyn  sucher  der  ketczer  unde  beschermer  des  glouben.  Don  hatte 
lantgrafo  lodewig  unnd  sente  elsebete  besundern  lip  umme  syner  guten 
lare  willen,  wanderunge  unnd  reynen  lebens.  On  hatte  oueii  lantgrafe 
lodewig  also  in  grossen  eren  unnd  werdigete  on  da  mete,  das  hör  alle 
sine  leen,  dy  her  zu  leen  hatte,  von  syner  wegen  vor  leich,  unnd  das 
wart  stete  unnd  gancz  gehalden  uund  dar  ubir  dy  breffe  zu  geben 
under  lantgrafen  lodewiges  unnd  siner  brudere  heinriches  unnd  conrades4 
ingesegel,  wanne  her  hatte  on  gesaget,  das  sy  grosse  sunde  dar  an 
teten,  das  sy  eymo  unwerdigen  unnd  unvorstendien  pfaft'en  eyne 
kerehen  adir  eynen  altar  legen,  danne  ab  sy  in  eyme  strite  funft'c/.ig 
adir  sechezig  man  mit  oren  eygen  henden  er  slugen.  Disseme  selben 
meister  conrade  teth  mit  wissen  unnd  willen  lantgrafen  lodewiges» 
sente  elsebeten  in  allen  guten  geistlichen  czemelichen  dingen  gehorsam, 
unnd  was  or  bichtiger,  or  prediger,  or  Vorsteher  in  den  geboten  unnd 
rechten  |  gotes.  An  den  houbte  •''  sy  sore  noch  ores  herren  tode  unnd  x» 
suchte  alle  oren  rad  unnd  trost  nest  gote  an  ome.  Er  halff  or  buwen 
den  spettal  zu  martpurg  unnd  pflag  on  biss  an  or  ende. 

•  IIS:  teth  lantfrrefe  iMtowig,  unverständlich,  nach  Rothe  orgXnxt. 

• 

47.  1  Es  handelt  »ich  um  den  Kreuzzug,  den  Kaiser  Friedrich  II.  nach 
längerem  Zogern  endlich,  nachdem  er  sieh  vom  Papst  dreimal  die  Frist  hatte 
verlängern  und  im  Vertrage  zu  S.  Uermano  i.  J.  1225  die  feste  Verpflichtung 
übernommen  hatte,  im  Jahre  1228  unternahm.  *  hobisch  ist  md  für  mhd 
hövesch  =  höfisch,  dh.  fein  gesittet  und  gebildet.  1  Auch  da«  Verhältnix  zu 
Konrad  von  Marburg  sowie  dessen  Geschichte  wird  als  bekannt  von  uns  voraus- 

rtzt,  8,  übrigens  lieben  des  heilig.  Ludwig,  h.  v.  Rückert,  S.  46  —  47,  Wegele 
Z.  V  8.  379  ff.  u.  Wenck  elwiida  LXIX  S.  224  ff.  Der  Einfluss  Konrad»  be- 
gann i.  J.  1225,  VVenck,  a.  a.  0.  S.  228.  1  Heinrieh  IV.  Raspe,  der  spätere 
deutsche  König,  und  Konrad,  später  I [ixthmeinter  des  deutschen  Ordens,  waren 
die  Brüder  des   Landgrafen   Ludwig  IV.  Mundartlich  für  ingesigcl,  stn, 

Siegel.       *  houbeten,  swv,  Präteritum  houpte,  md  houbte,    einen  als  sein  Haupt 
anerkennen,  ihm  als  seinem  Haupt  anhängen." 


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!>0 


48. Stück. 


48.  Wy  eyn  tattel  wip  seilte  elsebeten  in  den 
Roth«  in  (juad1  styss. 

1228  Also  man  schreib  noch  cristus  gobort  MCCXXVIII  jar,  doging*  dy 
liobo  sente  clsebete,  dy  arme  luthe  dicke  geherberget  hatte  unnd  gc- 
spiset,  unnd  bad  zu  isonacho  herberge  unnd  leyd  gebrechen  an  spisse 
unnd  an  trancke.  Unnd  also  sy  nu  wol  dry  ader  vier  herberge  ge- 
sucht hatte  unnd  in  iglicher  herberge  nicht  lange  bleib,  do  erbarraete 
sich  oyn  prister  über  sy  unnd  gab  or  dy  herberge  unnd  wogete  den 
czorn  lantgrafen  heinrichs,  der  mit  synen  erben  das  lant  besitczen  wolde, 
unnd  do  meto  vor  dente  her,  das  on  got  dar  mit  plogete,  das  her  adir 
syn  bruder  Conrad  liebes  erben  ny  gewonnen.  Der  genante  prister 
hatte  motclidungc3  mit  or  unnd  thet  or  gutlichen  mit  deme,  das  her 
vor  mochte.  Do  vor  satcze  dy  heiige  frowe  ore  pfände,  das  sy  sich 
generte,  unnd  span  unnd  erbeite,4  was  sy  konde.  Es  geschach  zu  der 
selben  czit,  das  dy  selbige  frowe  an  deme  marte  zu  isenache,  als  man 
von  der  rollen  zu  der  badestoben5  geen  wel,  über  dy  schret  steyne,fi 
dy  an  eyner  langen  czile  zu  deme  male  hon 7  gesatczt  worn  durch  des 
tiflen  quatis  willen,  do  sich  dy  messersmede  gasse8  anhebet,  wanne 
t  dannoch  keyne  steyn  wege  |  do  worn,  geen  soldc.  Do  begeinte  orzu 
mittelwege  eyn  aldes  wip,  eyn  bettelern,  der  sy  dy  almosen  dicke  ge- 
geben hatte,  unnd  stiss  do  dy  lieben  sente  elsebeten,  dy  or  nicht  ge- 
rinnen konde,  in  den  tiffen  quad,  also  das  sy  alle  ore  kleydero  wassche 
muste.  Ditte  lcyt  sente  elsebete  geduldigiichen  unnd  danckte  gote 
lachende,  das  sy  ummc  synen  willen  allen  luthen  vor  smehit  worden  were. 

48.  1  quät  (gen.  qiuUis),  auch  quad,  stn.,  „Koth."  Städtische  Strassen  waren 
im  Mittelalter  im  Verhältnis  zu  den  unsrigen  sehr  unsauber.  ?  Die  Legende 
hat  die  angebliche  Vertreibung  der  heiligen  Elisabeth  von  der  Wartburg  durch 
Heinrich  Raspe  nach  dem  Tode  ihre«  Gatten  Ludwig  «ehr  ausgeschmückt;  die 
Thatsachc  als  solche  ist  sehr  unwahrscheinlich,  s.  Wcnck,  a.  a,  O.  S.  223  ft. 
■'  metelidunge  md  =  mhd  mitelidungc,  stf.,  ist  eine  Weiterbildung  von  mitelide, 
stf.,  „Mitleid".        *  Rothe  schreibt  selige.  „Rolle"  und  „Badestubc"  sind 

Strassen  in  Eisenach,  spater  „Auf  der  Rolle  '  und  „Badergasse".  Im  Mittelalter 
sind  die  Badestuben  öffentliche  Badeanstalten,  auch  «um  Vergnügen  und  zur 
Unterhaltung;  sie  lagen  meist  zusammen  oder  doch  mehrere  in  einer  Strasse, 
welche  selbst  öfters  Badestube  heisst.  ,s  Da  damals  in  den  Strassen  das 
Wasser  offen  fioss,  so  lagen  in  gewissen  Zwischenräumen  Steine,  auf  welchen 
man  von  einer  Seite  der  Strasse  auf  die  andere  gelangen  konnte.  '  Rothe 
liest:  zu  dem  mol  hoc,  d.h.  sie  waren  wegen  des  tiefen  Rothes,  denn  aller  Wahr- 
scheinlichkeit nach  ereignete  «ich  der  Vorgang  im  November  des  Jahres  1227,  damals 
recht  hoch  gesetzt;  Stolle  lüwst  sie  damals  izu  deme  male)  erst  hingesetzt  werden. 
K  Der  Vorfall  spielte  sich  also  am  Anfange  der  Messerschmiedegasse,  die  noch 
heute  in  Eisenach  existiert,  ab;  die  Situation  ist  klar  nach  dem  kleinen  Plane, 
welchen  W.  Rein  seinem  Vortrage:  Kurze  Geschichte  und  mittelalterliche  Phy- 
siognomie der  Stadt  Eisenach,  beigefügt  hat  i«.ZThG,  V,  1862,  S.  1—21.)  Nach 
Pauliini  ( Annale«  Isenacenses  in  s.  Syntagma  rem  in  et  antiquitatum  Germani- 
carum, 169S)  geschah  es  an  der  Johanniskapellc  bei  dem  Löbersbache,  wo  auch 
eine  Säule  zum  Andenken  daran  gesetzt  gewesen  sein  soll,  s.  topographisch-histor. 
Beschreibung  der  Stadt  Eisenach  von  J.  W.  Storch,  1837,  S.  388. 


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49.  Stück. 


91 


49.  Wy  sonte  elsebete  wonte  zu  bamberg. 

Frowe  sophia,1  eptissche  zu  kitczingen,  vor  nam  den  gebrechen  Roti* 
sente  elsebeten,  or  momen,  den  sy  in  der  stat  isenache  leyd,  unnd  sante 
zu  or  eynen  wagen  kein  isenache  unnd  liss  sy  holen,  unnd  also  sy 
do  eyne  czit  mit  or  gewest  was,  do  santo  noch  or  der  bisschoff  von 
hamberg,2  der  or  ouch  zu  gehörte  von  ores  wertis3  seligen  wegen,  unnd 
meynte,  sy  were  bass  mit  ome,  danne  in  domo  clostere  zu  kitczingen, 
her  wolde  sy  wedder  zu  orem  vater  in  ungern  sende,  unnd  ab  sy  des 
nicht  thun  woldo,  so  wolde  her  sy  wedder  eynem  forsten  adder  hern 
groben,  wanne  sy  noch  gar  eyn  junge  frowe  was,  sy  was  zu  der  czit 
XXI  jar  alt,  unnd  worde  also  by  ome  gefriget,  eer  danne  zu  kitczingen. 
Unnd  also  nu  sento  elsebete  kein  babenberg  quam,  do  hilt  sy  der 
bisschoff  gar  erbarlich  mit  oren  kindern,  mit  czwen  juncfrawen,  mit 
czwen  wibesnamen,4  mit  czwen  mevden  unnd  mit  czwen  dienern  unnd 
mit  eyme  pristere  uff  dem  slosse  bodensteyn,  unnd  liss  do  or  selb 
czwolffte  gar  erlichen  warten.  Item  in  das  selbe  kloster  zu  kitczingen 
gab  sente  elsebete  |  or  tochter  eyne5  hen  der  eptisschen,  unnd  wart  do  so 
in  geseynet.  Unnd  also  sente  elsebethe  eyne  czit  gewas  zu  boben- 
berg  unnd  vornara,  das  der  bisschoff  dar  uff  dechte,  wy  her  sy  gerno 
eyme  fromen  hern  geben  wolde,  wanne  das  czit  worde,  do  muther- 
niete'5  sy  sich  sere  umrae.  Do  tragete  sy  or  heymeliche  getruwe 
dynerynne  juncfrowe  istrut,  ab  sy  der  bisschoff  vor  gebe,  wy  sy  sich 
danne  stellen  wolde?  Do  antwarte  sente  elsebete:  Ich  habe  goto  ge- 
lobet unnd  mynem  hern,  do  der  lebete,  das  ich  vort  nummer  mannes 
meer  schuldig  werde  wel,  unnd  kan  ich  mich  des  nicht  mit  Worten  ent 
slaen,  so  wil  ich  mir  selber  dy  nasen7  abo  snyte. 

„  49.  'Der  Chronist  irrt;  es  war  Mathilde,  Elisabeth*  Mutterschwester  (Muhme), 
„Äbtissin  von  Kitzingen,  der  ältesten  und  bedeutendsten  Frauenabtei  Frankens", 
s.  Wegele,  a.  a.  O.  S.  361,  der  auch  über  das  Geaehlecht  der  Herzöge  von  Meran 
und  Grafen  von  Andechs,  dem  Elisabeths  Mutter  Gertrud  entstammte.  Hormayr, 
Werke,  Bd.  III,  1822.  citiert.  9  Es  ist  Eckbert,  Bischof  von  Bamberg,  Elisa- 
beth« Mutterbruder,  bekannt  aus  der  Geschichte  der  Ermordung  König  Philipp« 
von  Schwaben.  3  wirt,  oft  =  „Ehemann";  der  Chronist  irrt,  denn  Eckbert  war, 
wie  oben  gesagt  ist,  ein  müttelichcr  Verwandter  Elisabeths.  4  „name"  mit  dem 
Genitiv  ist  oft  nur  collective  Umschreibung,  also  hier  wibesname  —  Weiber, 
dienende  Frauen;  hieraus  erklärt  sieh  das  noch  mundartlich  vorhandene  (s.  Mart. 
Schultze.  Idiotikon  der  nordthür.  Mundart  S.  46):  wlbesen.  Ebenso  collectiv 
Mannesnamen,  s.  St.  384  A.  15.  f'  Gertrud  ,  Elisabeths  jüngstes  Kind,  geb.  am 
27.  Sept.  1227,  später  Äbtissin  des  Klosters  Altenhuri;  bei  Wetzlar,  vor  ihrer  Ge- 
burt schon  von  Vater  und  Mutter  dem  geistlichen  Staudt-  geweiht,  gleichsam  als 
Gelübde  für  eine  glückliche  Heimkehr  Ludwigs  vom  Kreuzzuge,  s.  Wegele,  a.  a.  O. 
S.  383.  H  Rothe  schreibt:  do  muhte  sie  sich  sere  umbe,  aber  St.  339  S.  261  das 
sie  sich  do  bogunde  zu  mut  hermen  d.  h.  ,,im  Gemüte  sich  abhärmen",  wo  nach 
Lexcr,  mhd  Wörter!»,  s.  v.  hermen  nach  Pfeiffers  Germania  V,  242  und  VI,  63 
muthermen  zu  lesen  sei,  ein  Verbum,  da**  hier  bei  Stolle  erscheint.  J  Die 
Legende  überträgt  hier  auf  Elisabeth  eine  beabsichtigte  Selbstverstümmlung, 
welche  die  Nonnen  zu  Accou  i.  J.  1291  wirklich  vollbracht  haben,  s.  unten  St.  218 
(lat.  Excerpte  Stolles). 


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92  50.  und  51.  Stuck. 

50.  Wy  lantgrafe  lodewig  kein  bobenberg  bliebt 
Roth«  <:>6  wart  al  tod. 

In  des  also  dy  grafen  unnd  hem,  dy  mit  lantgrafen  lodewige, 
sente  elsebeten  lierre,  ubir  meer  geczogen  worn,  der  nn  gestorben  was, 
so  bereitton  sy  -sinen  lichnam,  das  sy  den  mit  on  zu  lande  mochten 
brenge  noch  syner  begerunge,  also  her  on  befolen  hatte.  Ben  lichnam 
soten  sy  in  der  stad  ottrand1  unnd  begruben  do  sin  fleisch  in  eynie 
reynen  wissen  tuche  unnd  lissen  on  do  begeen1  gar  herlichen.  Dar 
noch  fasten  sy  sin  gebeyne,  das  wiss  unnd  reynlich  was,  in  eynen 
schrin  unnd  ubir  czogen  den  mit  eynem  reynen  tuche  unnd  heilten 
dar  uff'  eyn  silbern  erucze  mit  edelme  gesteyne  gesatczt,  als  wol 
ezemelich  was  eyme  tromen  cristen  forsten  unnd  synen  getruwen 
v  gloubingen  |  dynern  unnd  fürte  on,  do  dy  czit  quam,  mit  on  zu  lande; 
unnd  in  eyner  iglichen  stat,  wo  sy  des  nachtes  herbergeten,  do  satczten 
sy  dy  laden  mit  deme  gebeine  in  eyne  kerchen  unnd  begingen  on  des 
abendes  mit  der  vigilie  horlichen  unnd  des  morgens  mit  der  sele  messe, 
er  danne  sy  von  dannen  reten,  so  sy  aller  herlichst  konden.  In  welchen 
closter  ader  stifften  her  also  ubir  nacht  bleib,  do  liesen  sy  dorch  syner 
sele  willen  eyn  gut  syden  tuch  zu  gedechtnisse.  Also  toten  sy  under 
wegen  unnd  liesen  man  ig  schönes  oppfer  unde  liesen  in  den  kerchen 
mauig  gut  syden  tuch,  biss  das  sy  quoraen  biss  keyn  babenberg.  Do 
das  der  bisschofl  zu  bamberg  er  für,  da«  dy  hern  wedder  quomen  vom 
heyligen  grabe,  do  vorbotte  her  dar  zu  dy  lieben  sente  elsebeten,  das 
sy  queme  orme  hern  en  kegen,  des  gebeyne  man  brechte,  unnd  be- 
stalte do  gar  erliche  hern  unnd  edele  manne,  dy  or  pflegen  unnd  by 
or  weren.  Do  wart  dy  liebe  sente  elsebete  uss  der  mossen  fro  der  zu 
kunnfft  ores  hern.  Do  es  an  der  czit  was,  do  ging  der  bisschoff  selber 
mit  allen  synen  thumhern  unnd  der  pfaft'heit  der  stad  bamberg  ome 
en  kein,  unnd  dar  zu  man  unnd  frowen  mit  geluthe  unnd  mit  gesango 
unnd  brochten  on  also  gar  erheben  in  dy  kerchen  des  thums,  do  her 
also  in  steteme  gotis  dinste  ubir  nacht  bleib. 


51.  Wy  man  lantgrafen  lndewigen  braebte  keyn 
koum>  457  reynbardessborn.1 

3i  Noch  deme  also  dy  liebe  sente  elsebete  |  zu  babenberg  ores  lieben 
hern  gebeyne  mit  grosseme  betrupnisse  unnd  jammere  gesach,  do  ging 
sy  an  eyn  ende  in  deme  munster  usswendig  der  kerchen  unnd  sante 

60.  1  In  Otranto  in  Ajmlien  war  Landgraf  Ludwig  IV.  am  11.  Septbr.  1227 
gt'Htorben,  *.  lieben  des  heil.  Ludwig,  herg.  v.  Riickert,  K  62—63.  8  begön  heisst 
oft  „feierlich  zu  (trabe  geleiten,  eine  Totenfeier  halten",  s»o  noch  in  unserem 
Leichen-begäiignis. 

»1.  1  Ö.  Leben  d.  heil.  Ludwig,  h.v.Kückert,  S.  65-66. 


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52.  Btück. 


noch  deo  grafen  unnd  hern,  dy  uss  doringen  mit  orem  hern  ubir  raeer 
gewest  worn,  unnd  enpfing  dy  gar  gutlichen  unnd  bad  sy,  das  sy 
mit  or  nedder  sitczen  wuiden,  wanne  sy  vor  mochte  nicht  zu  stehene, 
unnd  redte  do  gar  gutlichen  mit  on  unnd  bad  sy  dorch  got  unnd 
umme  ores  hern  willen,  das  sy  ore  rethe  sin  wuiden  unnd  Vormunden, 
unnd  sy  mit  oren  kinden,  wo  sy  künden,  vorteydingen,  unnd  klageto 
on  ouch,  wy  gar  smelichen  unnd  ungetruwiclichen  or  swoger  lantgrafe 
heinrich  unnd  lantgrafe  Conrad  mit  or  umme  gegangen  betten,  unnd 
was  sy  kummers  unnd  grosses  gebrochs8  zu  isenache  geleden  bette 
von  oren  wegen.  Do  quam  der  bisschoff  ouch  zu  on  undo  redete  mit 
on  umme  das  lipgedingo,  das  sente  elsebeten  von  ores  herren  wegen 
werde  solde,  unnd  das  sy  dar  an  syn  wolden,  das  or  so  getane 
narunge  unnd  gemach  von  den  lantgrafen,  synen  magen,  bewiset  wurde 
also,  so  danne  recht,*  billich  unnd  mogelich  were;  anders  woldehersy 
nergen  von  ome  lassen.  Dy  grafen  unnd  hern  gelobeten  deme  bis- 
schofte  dits  also  uss  zu  richten.  Dar  noch  so  wart  der  togentsame 
forste  lantgrafe  lodewig  mit  eyner  schonen  messe  von  deme  bisschofle 
gar  herlichen  begangen,  do  dy  gancze  stad  zu  quam.  Do  liss  der  bis- 
schoß der  geste  den  ganczen  |  tag  gar  wol  pflegen  unnd  loste  sy :t  ♦ 
allerwegen  uss  den  herbergen.  Dar  noch  an  deme  andern  tage  fru,  do 
hilt  man  ome  aber  eyne  fru  messe,  unnd  ezogen  von  dannen,  unnd 
der  bisschoff"  liss  do  sente  elsebeten  füren  mit  orem  hern  kein  Reyn- 
hardisborn4  in  doringen. 


52.  Wy  man  lantgrafen  lodewigen  begrub. 

Gar  schere  quam  dy  botschafft  in  doringen  zu  lantgrafen  Hein- 
riche unnd  synie  bruder  unde  zu  andern  erbarn  luthen.  Dy  sarameten 
sich  unnd  quomen  zu  reinhardisbom  zu  der  by  graftt  des  togent- 
samen  lantgrafen  lodewiges.  Do  hen  quomen  edele  unnd  unedele, 
manne  unnd  frowen,  pfafl'en  unnd  leyen  gar  oyno  grosse  menge.  Do 
was  gar  grosse  clage  unde  betrupnisse  under  deme  volke,  do  sy  on  in 
das  closter  brochten,  wenne  dy  armen  geraeyne  luthe  hatten  on  gar 
lip,  wanne  her  hatte  on  vele  gutis  gothon.  Do  geschach  gar  gross  ge- 
beth,  vele  messe,  gross  unnd  herlich  begengnisse  unnd  gross  oppfer 
unnd  vele  almosen.  Do  nomen  dy  hern  das  gebeyno  unnd  brochten 
das  in  eynera  steynen  sargk  mit  der  laden  unnd  begruben  on  by  syne 
eidern.  Do  was  kegenwertig  frowe  sophia,  sin  muter,  unnd  ouch  sente 
elsebete  mit  vele  erbarn  trowen.   Do  worn  ouch  kegenwertig  lantgrafe 

*  HS:  rech. 

J  Mhd  gebruch,  md  gebrach,  stm.,  „Abgang,  Mangel."  9  loesen,  lAsen,  swv., 
bedeutet  oft  wie  hier  „bezahlen  für  jemand."  4  Kloster  Reinhardsbrunn,  von 
dem  Landgrafen  Ludwig  II.  und  Hemer  Gemahlin  Adelheid  1086  gegründet  (s. 
RDThD  I  No.  947  8.201),  war  die  Begräbnisstätte  der  thüringischen  Landgrafen; 
der  letzte,  der  hier  bestattet  wurde,  war  Landgraf  Friedrich  IV.  i.  J.  1440. 


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04 


53.  Stück. 


heinrich  unnd  lantgrafe  Conrad,  sine  brudere,  unnd  dar  zu  das  mey ste- 
teil alle  grafen  ussrae  lande  zu  doringen,  hern  unnd  erbar  lutbe  umme 
des  togentsamen  forsten  willen  unde  umme  der  hern  unnd  frunde 
willen,  dy  wedder  quomen  worn  von  deine  heiigen  grabe,  dy  on  brocht 
hatten.  Also  nu  disser  forste  herlichen  bestad1  wart  unnd  eyn  ig- 
s>  lichcr,  der*  disses  nicht  |  wol  zu  schickene  hatte,  wedder  heym  czouch, 
do  bieben  in  deme  closter  lantgrafe  heinrich  unnd  lantgrafe  conrad  unnd 
or  muter  lenger  unnd  bestalten,  das  dy  koste,  dy  zu  der  bygrafft  do 
vorezert  worn,  vorgulden  unnd  beczalt  worden.  Unde  dar  mete  bleib 
ouch  sente  elsebete  mit  den  hern,  dy  oren  hern  seligen  ubir  moher  tod 
bracht  hatten.  Unnd  dy  gingen  do  zu  sammene  unnd  hatten  nicht 
vorgessen,  was  on  der  bisschoff  von  bobenberg  befolen  hatte  zu  werben 
unnd  zu  reden  mit  den  lantgrafen  zu  doringen  unnd  mit  orer  muther 
von  sente  elsebeten  wegen,  der  heiligen  wettewynnen.2 


53.  Wy  er  rudolff  von  vargela  straffte1  lantgrafen 
heiiiriehen  von  sente  elsebeten  wegen. 

Under  den  grafen  unnd  hern  was  do  nymant  also  wol  redende 
also  er  rudolff  von  vargela  der  schencke.2  Den  boten  dy  hern  gemein- 
clichen,  dy  des  togentsamen  forsten  gebeyne  brocht  hatteu,  das  her  or 
aller  wort  kegen  lantgrafen  heinriche  unnd  syme  brudere  rede  wolde, 
unnd  das  thet  her  gerne;  unnd  quomen  do  zu  dem  lantgrafen  hein- 
riche unnd  buringeten 8  on.  Do  hub  er  rudolff  der  schencke  an:  Herre, 
myne  frunde  unnd  uwer  manne,  dy  hie  kegenwertig  steeu,  haben 
mich  gebeten  mit  uch  zu  reden;  wir  haben  gehört  unnd  wol  vor 
nomen  in  franckt'ii  unnd  ouch  hye  in  doringen  von  uch  so  getan  un- 
mildieklieh,4  das  unser  gemuthe  darumme  gar  sere  er  schrecken  ist,  unnd 
unser  antlicze  sint  dar  von  mit  schemeden  ummefangen,  dar  umme  das 

• 

»  HS:  des. 


52.  1  bcstadjst  md  synkopierten  Prncteritum  von  bestaten,  euphemistisch  — 
„beerdigen".  —  ÜImt  den  Vorgang  s  Leben  des  heil.  Ludwig,  h.  v.  Rücken,  S.  6«. 
•  Wie  du*  inhd  witewe  zu  witcweiinne  weitergebildet  ist,  so  hier  dun  md  wettewe 
dialektisch  zu  wettewynne. 

53.  '  S.  Lehen  den  heil.  Ludwig,  h.  v.  RftVkert,  S.  67— G9,  St.  53  u  54  zusammen- 
gefaßt. •  Rudolf  von  Vargula  (Gross -Vargula ,  Flecken  an  der  L'nstrut,  im 
preussischen  Kreiste  Langensalza,  Reghzk.  Krfurt),  der  an»  I^andgrufenhofe  das 
Hotamt  des  Sehenken  bekleidete,  war  einer  der  treusten  Anhänger  des  ver- 
blichenen Landgrafen  und  wird  öfters  in  seiner  Geschichte  (z.  B.  in  d.  Anual.  Rein- 
hartbrunn.) als  ein  tüchtiger  Kriegsheld  wie  edler  Charakter  erwähnt.  S.  .Job. 
Renatus,  Rudolf  von  Vargula,  der  Schenk  zu  Saaleck,  1890.  3  beringen,  sww,  tr., 
bei  md  Sehrifstelleru  —  „umringen."  *  Das  md  Adj.  unmildicklich  und  bald 
darauf  das  md  Subst.  unmildekeit  (Gegensatz  mildeclich  und  mildekeit)  bezeichnen 
hier  nicht  den  Mangel  an  der  im  Mittelalter  an  den  Fürsten  hochgeschätzten 
Tugend  der  Freigebigkeit  (mhd  milte  —  freigebig),  sondern  sind  mehr  im  ethischeu 
Sinne  zu  fassen  als  „unbarni herzig"  und  „Unbamiherzigkeit." 


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53.  Stuck. 


so  getane  unhobisscheit5  unnd  unthogentliche  un  mildekeit  an  uch  funden 
ist.  Eya  I  ir  junger  forste,  was  hat  ir  gethon  ?  wer  hat  uch  das  ge-  t 
roten,  das  ir  uwers  bruders  wip,  dy  edeln  betrubeten  wettewen,  des 
edeln  koniges  tochter,  dy  ir  billiche  soldet  getrost  habe  unnd  in  grossen 
eren  gehat  haben,  das  ir  dy  ane  sache  von  uwerme  slosso  unnd  uss 
uwern  steten  gewist  hat,  also  eyn  ubeltetigis  böses  snodes  wip,  das  or 
schöner  liplicher  lümunt  an  allen  enden  wedder  spricht,  unnd  hat  dy 
also  gar  unnd  unhobislichen  vor  worffen  unnd  ouch  also  grossen 
kommer  lossen  liden  in  uwern  steten,  unnd  also  eyne  bettelern  ge- 
lossen,  das  uch  schentlich,  bosslich  unde  schenielich  lutet,  unnd  gar 
un  erlich  ist  von  uch  eyn  solches  zu  sagen.  Dy  weysen,  uwers  bruder 
kindere,  dy  ir  geezogen  unnd  in  schöner  vormundeschaff't  soldet  ge- 
halden  haben  unnd  übe  unnd  gutlichkeit  bewiset  habe,  dy  hat  ir  lester- 
lichen  unnd  schemelichen  von  uch  gewist;  wo  was  nu  uwer  bruder- 
liche truwe?  Dit  hat  uch  uwer  bruder  seliger,  der  togentsamer  forste, 
nicht  gelart,  der  das  synem  geringesten  erbarn  manne  in  syneni  lande 
mit  nichte  gethon  hette,  das  ir  an  der  edeln  konigen,  uwers  bruder 
wip,  unnd  an  oren  kindern  gethon  hat.  Wir  mögen  wol  truwe  unnd 
gnade  zu  uch  suche,  dy  wile  das  ir  on  solche  untruwe  bewist  hat,  das 
uch  nicht  forstlich  zu  sted  solche  missetad.  —  Nu  sweig  der  herre  zu 
dessen  reden  unde  wüste  nicht  vor  schemeden,  was  her  hir  zu  ant- 
warte  solde,  sundern  her  slug  sin  houbt  nidder.  Do  hub  der  schencke 
wedder  an :  Herre,  was  hat  ir  an  der  krancken,  vorlossen,  betrubeten 
wettewen  getorcht,  dy»  do  enelende  ane  alle  frunde  unnd  möge  in 
disseme  |  lande  hy  gewest  ist,  unnd  was  mochte  uch  dy  togentsame  3» 
frowe  sente  elsebete  gethon  habe,  ab  sy  alle  uwere  sloss  inne  gehat 
hette?  Wy  gar  untoguntlichen  luteth  das  uch,  wan  man  das  in  andern 
landen  gedencket!  phie  der  grossen  schände,  dy  von  fromden  unnd 
von  den  bekanten  nu  unse  oren  dicke  hören  müssen!  Ir  had  gar 
ubele  dar  an  gethon,  ir  had  ouch  got  sere  erezornet  ane  czwifel,  unnd 
ir  hat  uch  selber  geuneret  unnd  dasganeze  lant  zu  doriugen  gelestert 
unde  den  forstlichen"  lümunt  geswecht,  unnd  werlich  ich  forchte,  das  dy 
rochunge6  gotis  dar  um  nie  über  dith  lant  queme,  es  en  sy  danne,  das 
ir  kein  gotte  busset  unnd  uch  mit'  der  selbigen7  frowen  gutlichen 
sünet  unnd  or  das  ore  wedder  brenget,  das  or  unnd  uwers  bruder 
kindere  zu  korcz  von  uch  gescheen  ist. 

Do  nu  disser  er  walter  sulche  rede  vorczalt  hatte,  da  vorwunderten 
sich  alle  graffen,  rittere  unnd  knechte,  dy  do  kegenwertig  warn,  das  er 
walter  der  schencke  also  kunlichen  mit  deme  forsten  do  redete.  Do 
begunde  der  junge  forste,  lantgrafe  heinrich,  zu  weynende,  das  her 

•  Hü:  fortlichon. 

"  mhd  unhövescheit  md  unhobissdieit,  ist  der  Maugel  an  guter  und  feiner 
Sitte,  wie  solche  an  den  Höfen  der  Fürsten  und  Edlen  damals  herrschend  war. 
0  rochunge  ist  md,  gemeindeutsch  ruehunge,  Weiterbildung  von  raehe.  7  Rothe 
liest  „*ehgeu". 


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9ß 


54.  Stflck. 


by  langer  wilo  nicht  geantwarte  konde,  unnd  sprach  do:  Was  ich 
gethon  habe,  das  ist  mir  getruwelichen  leyd,  unnd  dy  mir  das  geroten 
haben,  den  wil  ich  nummer  holt  werde,  unnd  dar  umme,  das  ich  else- 
beten hulde  unnd  fruntschaffl  wedder  erkrijje,  unnd  was  sv  von  mir 
begeren  wil,'  das  wil  ich  alles  gerne  thun,  unnd  ir  solt  des  ganeze 
macht  habe  von  mir,  also  ferne  mir  lip  unnd  gut  gereichen  mag.  Do 
sprach  der  schencke:  das  ist  erlichen  unnd  recht. 


54.  Wy  sente  elsebete  mit  orme  swoger  vor 
Roth,4«i  sunet  wart.  | 

▼  Dy  grafen  begonden  do  zu  trösten  dy  betrubeten  wettewen,  sente 
olsebeten,  unnd  sageten  or,  wy  sy  mit  orme  swoger,  lantgrafen  hein- 
richen,  von  oren  wegen  gereth  hetten,  unnd  das  her  on  ge  antwart 
hette,  das  her  sich  fruntlichen  mit  or  vor  sunen  wolde,  unnd  wes  sy 
begerte  adir  was  sy  von  ome  habe  wolde,  das  wolde  her  williglichen 
unnd  gerne  thun,  unnd  des  hetten  sy  gancze  macht.  Do  sprach  dy 
heiige  frowe:  Siner  borge  unnd  syner  stete,  synes  landes  unnd  syner 
luthe  unnd  alles  des,  do  man  von  der  luthe  wegen  sorge  unnd  be- 
kummemisse  mete  haben  muss,  des  begere  ich  nicht,  sundern  also 
vele,  als  mir  gebort  von  rechte,  von  metegiflt  wegen  unnd  lypgedinge 
mynes  mannes  seligen,  das  bethe  unnd  begero*  ich,  das  her  mir  das 
losse  volge  unnd  das  gebe  unnd  das  thun,  wor  hen  ich  wil  zu  heyle 
unnd  zu  salickeit  myme  leben  frunde.  Also  nu  ditte  sente  elsebete  on 
ge  antwart  hatte,  do  brochten  sy  zu  or  lantgrafen  heinrichen,  unnd 
der  bat  sy  do  gar  gutlichen  dorch  gotis  willen,  was  her  an  or  gethon 
hette,  das  sy  ome  das  vor  gebe  wolde,  ess  were  ome  leyt  unnd  wolde 
sy  des  er  getczen,  wo  mete  her  solde,  das  her  gethun  konde,  unnd 
nam  sy  gutlichen  an1  synen  arm.  Do  begonde  dy  selige  frowe  also 
bitterlichen  zu  weynen,  das  der  lantgrafe  mit  or  weinte,  unnd  dy 
hern,  dy  mit  lantgrafen  lodewige  usse  gewest  worn,  dy  vor  nuweten  do 
or  betrupnisse  unnd  or  clage,  das  sy  also  eynen  togentsamen  gnedigen 
hern  vor  lorn  hatten.  Also  nomen  dy  hern  do  orloub  von  lantgrafen 
Heinriche,  von  syme  bruder,  von  syner  muter  unnd  von  sente  else- 
34  beten  unde  |  boten,  das  sy  or  gütlichen  wern,  unnd  or  iglicher  reit 
von  dannen  zu  sinen  frunden  heym. 

*  HS  :  lit  (Rothe:  haben  wil). 

♦4.  1  Wir  sagen:  „in  seine  Anne",  d.  h.  umarmte  sie,  hier  nach  der  Analogie 
von:  au  »ine  brüst  nenien. 


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55.  und  56.  Stuck. 


97 


55.  Wy  seilte  elsebete  von  wartperg  keyn  niartpiirgk  r-^g* 

quam  in  dy  hessen. 

Horliohen  unnd  suberlichen  brachte  do  lantgrafo  heinrich  sine 
geswigen  sente  elsebeten  mit  syner  muther  weddor  keyn  isenache  nnnd 
keyn  wartperg  unde  Iii lt  sy  gutlichen  unnd  liplichen  by  ome  mit  orme 
gesinde,  also  vele  sy  des  haben  wolde,  unnd  erboud1  or  alle  erbarkeit 
glich  siner  muther.  Dass  selbe  toten  ouch  sin  muter  unnd  sin  bruder, 
dy  willigeten  sy,  wo  meto  sy  künden.  Ditte  geschach  als  man  schreib 
nach  cristus  gebort  MCCXXV1IJ  jar.  Also  bleib  sente  elsebete  mit  122s 
lantgrafen  heinriche  zu  wartperg  wol  eyn  jar,  unnd  her  hette  sy  gerne 
lenger  by  ome  behalden ,  wore  es  or  eben  gewest,  wanne  sy  suchte 
alleczit  eyn  abe  gescheiden  leben  unnd  ezouch  sich  ganez  von  den 
luthen,  unnd  ye  mee  man  or  ere  erboit,  ye  sy  sieh  mee  demutigete 
unnd  vor  niehtigete.  Do  begerto  sy  von  orme  swoger  lantgrafen  hein- 
riche, das  her  or  vor  see  eine  bequemeliche  stad,  do  sy  nicht  vel 
bekant  were,  unnd  do  sy  ore  narungo  gehaben  mochte  unnd  or  eygen 
gemach.  Do  wart  her  zu  rathe  unnd  gap  or  vor  or  lipgedinge  mart- 
porg  in  hessen  land  mit  alle  syner  zu  gehorunge,  dorffen,  czinsen, 
gerichten  unnd  renten.  Do  danckte  sy  orme  swogere  unnd  or  s weger 
unnd  sprach,  das  her  sy  wol  vorsorget  hette  unnd  or  wol  gnugete. 
Dar  noch  geiobete  her  or  dar  zu  funffhundert  margk  zu  sonden,  das 
sy  sich  do  methe  zu  |  rathe  gesetczte  zu  domo  ersten.  Also  ezouch  sy  ▼ 
do  von  wartperg  keyn  martpurg.  Das  geschach  noch  cristus  gebort 
iICCXXIX  jar.  Unde  do  sy  kein  martpurg  quam  unde  das  in  genam  1229 
unnd  ore  ammecht  luthe-  noch  meister  eonrad  rathe  gesatczt  hatte,  do 
erten  sy  dy  luthe  in  der  stat  also  sere,  das  sy  des  nicht  geliden 
mochte,  unnd  ezouch  do  uff  eyn  dorff. 


50.  Wy  seilte  elsebete  den  spetal  buwete  zu  mart-  *** 

purgk  unnd  niaebte. 

Eynen  spotal  liss  dy  selbige  frowe  sente  elsebcto  vor  der  stad  zu 
martpurg  do  anheben  mit  deine  gelde,  das  sy  uss  doringen  mit  or 
brecht  hatte,  unnd  liss  or  eyn  armes  huss1  do  by  buwen.  Do  czoch 
sy  do  mit  yren  junefrowen  in,  dy  sy  mit  or  hatte  uff  deine  dorffe, 
do  sy  in  oyme  wüsten  huse  gewont  hatte,  unnd  ezouch  an  eyn  ertne- 
lich  kloit  von  ungeverwetem  tucho  unnd  grob,  des  dy  gebur  unnd 
arme  luthe  gebruchen,  unnd  in  das  selbe  tueh  kleidete  sy  dy  czwo 

&r>.  1  Erboud  ist  singulare  Bildung  des  Praeteritums  von  erbieten,  da*  sonst 
erbot  (so  auch  Itothe)  heisst ;  unten  ZI.  11  steht  gar  erboit.       2  S.  St.  12  A.  8. 

«8.  1  Auch  Rothe  liest  ein  ,. armes  huss,"  während  sich  unsere  Bildung  „Armen- 
haus" nicht  nachweisen  lässt. 

K.  StoU«  Memorlale.  7 


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98 


57.  Stück. 


juncfrowen,  dy  mit  or  worn,  isontrut  unnd  gute,2  unnd  den  gnugete 
wol.  Czu  hant  als  das  gebuwede  des  spotals  icht  worden  was,  dü  nam 
sye  krancke  gebrechliche  luthe  dar  in  unnd  ubete  sich  in  grosser 
domud  unnd  barin  herczickeit.  Sy  hub  dy  krancken,  sy  trug  sy,  sy 
wuschete3  sy,  sy  reynigete  sy,  unnd  alles,  dss  man  sechen  krancken 
luthen  pflegen  sal,  der  liss  sy  keines  underwegen.  Do  sante  or  lant- 
grafe  heinrich  by  meister  Conrad  orme  pflegere,*  deme  sy  von  deme 
bobiste  gregorio  deme  nunden  befolen  was,  funffhundert  marg  der  lant- 
35  wehere,4  also  her  or  gelobet  hatte,  do  sy  von  |  orae  zu  isenache  schiet. 
Das  gelt  wart  an  den  spetal  geleyt,  unnd  gar  grosso  almosen  worden 
dar  von  den  armen b  luthen  geandeloget.5  Or  vater,  der  koning  von 
ungern,  hatte  or  ermeliches  leben  vornomen  unnd  sante  zu  or  eynen 
grafen,  der  hiss  panyas,  das  her  sy  ome  heyin  breiigen  sulde.  Do  der 
or  ermeliches  leben  gesach,  do  weynte  her  unnd  flehete  sy,  das  sy 
mit  ome  zu  orme  vater  czoge-  Des  wolde  sy  nicht  thun  unnd  sprach, 
or  gnugete  also  wol.  

hc4(U     57.  Wy  innig  unnd  kreftig  was  seilte  elsebeten 

gebeth. 

Rechte  innig  was  zu  allen  gecziten  or  gebeth  unnd  hatte  gar 
grosse  krafft,  wanne  got  mochte  or  nicht  vor  sagen,  was  sy  on  mit 
tlisse  bad,  unnd  dar  ummc  so  sal  man  von  den  czeichon  unnd  kreften 
ores  gebetes  wol  etwas  sagen.  Es  geschach  in  deme  jare,  als  man 
12*29  czalte  noch  cristus  geburt  tusent  CCXXiX  jar,  das  dy  edele  frowe  ger- 
drut  von  leymbach  zu  sente  elsebeten  quam  kein  martpurg  umme 
sunderliche  gnade,  dy  sy  zu  or  suchte.  Unnd  do  ging  mit  or  bertolt, 
or  kint,  eyn  junger  by  czwolff  adir  XI1U  jarn.  Der  hatte  gehalberte 1 
kleidere  unnd  wertlichen  gesneten2  an  unnd  hatte  sich  reynlichcn  dar 
in  gesmucket.  Unnd  do  dye  hoilge  frowe  seilte  elsebelc  mit  der  muter 
des  jungelins  lange  czit  geret  hatte,  do  sprach  sy  zu  deme  sone:  liebes 

•  Dt«  HS  setzt  falsch  von  auch:  „von  dame  sy."       b  IIS:  arme. 

*  Die  2  hier  genannten  Mägde  gehören  zu  den  4  Dienerinnen,  deren  Aussagen 
die  wichtigste  Quelle  für  die  GescJücutc  der  heiligen  Elisabeth  bilden,  erhalten 
als  Lihellus  de  dictis  quatuor  ancillarum  S.  Elisabethae  sive  exameu  iniraculorum 
eins.  b.  MSG  II,  pag.  2007  —  2034;  die  4  Wessen:  Guda  sive  Jutta,  Isentrud  de 
Hurseigau,  Elisabetha,  Irmengardis.  3  Rothe  liest  wusch,  Stolle  aber  gehraucht 
das  I'räteritum  von  wischen  oder  wuschen,  das  wusehte  oder  gedehnt  wuscheie 
heisst.  —  „abwischen,  reinigen.*'  '  Lautwere,  stf.,  ist  „landesübliche  Münze.'' 
■''  Mhd  andelaugen  —  md  andelogeu,  —  „überreichen." 

ö7.  1  Md  gehalbert  =  mbd  gehalbiert,  „von  der  Kleidung,  die  nach  einer 
im  12.  Jahrhundert  aus  Frankreich  herübergekommenen  Mode  zweifarbig  getragen 
wurde"  (h.  Lexer,  mhd  Wörterbuch ,  s.  v.  halbieren),  s.  St.  367  A.  25.  a  Wert- 
lichen ==  wertvoll;  sniden  (t  uoch)  „nach  der  Elle  sehneiden,''  d.  h.  verkaufen,  daher 
shid  die  Gcwandsehncider  die  Ttich-  oder  Schnitthäudler :  also  hier  =»  „als  wert- 
voll verkauft.'* 


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58.  Stück. 


kint,  du  czuhist3  dich  in  diner  jogunt  alzu  weitlich  unde  hast  gereite 
hofart  in  dinen  kleidern  unnd  stellest  dich  unwislichen.  Du  sohlest 
dynen  scheppher  erkennen  unnd  deme  dynen,  es  ginge  |  dir  alleezit  ▼ 
wüI  an  übe  unnd  an  sele.  Do  antwarto  de  jungeling:  liebe  frowe 
muter,  beteth  got  vor  mich,  das  her  mir  dy  gnade  gebe!  Do  sprach 
sente  elsebete: .  woldestu  danne  gerne,  das  ich  got  vor  dich  bethe? 
Do  sprach  her:  rechte  gerne.  Do  sprach  sy:  So  mustu  dich  ouch  dar 
zu  bewise  unde  mete  bethe;  nu  kom  mit  mir  in  dy  kerchen.  Unnd 
do  sy  beyde  betthen  uff  oren  knyen,  do  hub  der  jungo  an:  höret  uff, 
frowe,  ich  han  sin  gnug.  Sente  elsebete  liss  nicht  abe.  Do  schriote4 
her  luthe:  frowe,  höret  uff,  ich  kan  sin  numme  erlide.  Sente  elscbete 
bette  aber  mee.  Do  riff  her:  frowe,  nu  höret  uff,  ich  vor  gee  itczunt! 
Unnd  der  sweiss  ran  von  syme  libe;  dar  noch  gar  korczlichen  quam 
her  in  der  barfusen5  orden. 

58.  Wy  von  deine  gebete  sente  elsebeten  eyn  iu,tho<65 

blinder  senig1  wart 

Sunderlichen  thet  got  eyn  gross  czeichen  an  der  lieben  frowen 
sente  elsebeten.  Es  geschach  noch  cristus  gebort  MCCXXX  jar,  das  1*230 
eyn  blinder,  der  do  blint  von  syner  muter  geborn  was,  quam  uss  der 
stat  zu  raartpurg  in  dy  kerchen  des  nuwen  spetals,  den  dy  heiige 
frowe  sente  elsebete  do  an  gehaben  hatto  zu  buwene,  unnd  sprach  do 
sin  gebet.  Unnd  also  sente  elsebete  in  dy  selben  kerchen  noch  mittage 
ging  unnd  ores  gebetes  ouch  pflegen  wolde,  do  fant  sy  den  selben 
blinden  jungen  alleyne  in  der  kerchen.  Do  sprach  sy  zu  ome,  was 
her  dar  inne  tete  alleyne?  Do  antwarte  her:  ich  wolde  gerne  zu  der 
armen  luthen  trosterynnen  gee,  ab  mir  dy  etwas  dorch  got  geben 
wolde;  nu  habe  ich  in  disser  kerchen  myn  gebet  gesprochen  unnd 
urame  gegangen,  das  ich  gewise,  |  wy  wyt  unnd  gross  desse  kerche  ae 
sy,  der  ich  leyder  nicht  beseen  kan.  Do  sprach  sy :  woldestu  sy  gerne 
seen?  Do  sprach  her:  weres  gotis  wille  gewest,  so  wolde  ich  gerne 
seen,  wanne  ich  von  jogunt  mynes  gesiebtes  beroubet  gewest  ben,  das 
ich  noch  ny  sonnen  schin  ge  sach.  Do  sprach  sy :  bethe  got,  das  her 
dich  er  luchte,  ich  wel  dir  helffe  bethe.  Do  duchte  den  blinden,  das  es 
sente  elsebete  were,  dy  mit  omo  rette,  unnd  sprach  do:  ach,  gnedige 
frowe,  erbarmet  uch  ubir  mich!  unnd  fil  uff  sin  antlitcze  nedder  vor 
sy,  unnd  sy  knete  nedder  unnd  er  bat  got,  das  deme  selben  blinden, 
der  nicht  ougen  epphele  hatte  in  syme  kopphe,  schone  ougen  worden. 
Also  schiet  her  frolich  von  dannen. 


3  Sich  ziehen,  gemeinmd  zihen;  czuhen  hier  in  dorn  seltenen  Sinn  ,i*ich 
pflegen.'  4  Im  nbd  ist  die  schwache  Form  nur  mundartlich,  so  noch  jetzt  in 
Thüringen.       5  Barvneje,  md  burvuj,  swm.,  =  „Barftlswiniönch.  " 

i&.  1  Seuec,  seuic,  md  aeuig,  „aeheud." 

7* 


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100 


59.  und  60.  Stuck. 


Ro.he4.56      59.  Wy  got  uffen harte  seilte  elseheten,  das  sy 

sterben  sohle. 

Uff  dy  czit,  also  got  der  selgen  frowen  sento  elsebeten  ungemachs 
eyn  ende  machen  wolde,  do  geschach  es  in  deine  jare,  do  man  schreib 
1ÄM  nach  cristus  gebort  M"CCXXXI  jar,  das  sy  got  sussiglichen  zu  ome 
bisch  unnd  sprach  zu  or  also,  do  sy  lag  an  orem  innigen  gebete:  kom 
zu  mir,  du  aller  liebeste  frunden  myn,  in  dine  wonunge,  dy  dir  von 
ewigkeit  ist  von  mir  bereit!  Dar  noch  gar  korczlichen,  do  wart  der 
selige  man,  meister  conrad  von  martpurg,  or  pfleger,  gar  sere  kräng, 
unnd  dy  trosterynne  aller  sechen  unnd  armer  lute,  dy  suchte  ou  in 
syner  krangkeit  unnd  rette  von  syme  selgerete. 1  Do  sprach  her:  myn 
liebe  frowe  unnd  tochter  in  got  deme  hern,  wanne  ich  gesterbe,  wy 
wolt  ihr  danne  uwer  leben  an  slaeu  unnd  kegen  gote  schickeu?  Do 
antwarte  sy  ome  nicht  uff  syne  rede,  sundern  sy  sprach:  ich  sterbe  eir 
v  danne  yr,  unnd  ir  werdet  |  schere  gesunt,  unnd  ich  vorscheide  gar 
korczlichen ;  unnd  benante  ome  dy  czit  ores  todes.  Unnd  an  deme 
virden  tage,  also  ditte  geschach,  dar  noch,  do  wart  sy  kräng,  unnd  also 
sy  wol  czwolff  tage  gelag  in  der  krangheit,  do  worte  or  eyne  orer 
meydc,  dy  horte  in  orer  kel  gar  eynen  unmassen  süssen  gesang,  also 
sy  sich  kegen  der  want  gekort  hatte,  unnd  do  sy  sich  umme  wante, 
do  sprach  dy  mayt:  Ach,  Übe  frowe,  wy  gar  wol  hat  ir  gesungen!  Do 
sprach  sy:  hastu  ouch  etwas  gehört?  Do  sprach  dy  mayt:  yo.  Do 
sprach  sy:  ich  sage  dir  das,  das  czwussen  mir  unnd  der  want  eyn 
schöner  fogel  gesessen  hat  unnd  hat  mir  lange  wile  also  susseclichen 
gesungen,  das  ich  myn  sele  unnd  myn  hercze  er  frouwet  hat  unnd 
mir  ge  uffenbart,  das  ich  nu  an  deme  dritten  tage  sterben  saL 


00.  Wy  seilte  elsehete  starp  unnd  beheiliget  wart 

O  welch  eyn  selige  krangheit,  dy  eyne  gancze  zuvorsicht  hat  der 
ewigen  selickeit!  Do  sy  wart  gefraget  umme  or  selgerete,  do  antwarte 
sy :  Alles,  das  ich  besitcze  unnd  habe,  das  sal  man  armen  luthen  gebe, 
unnd  bat  oreu  ptleger,  do  her  sy  berichte1  mit  deme  heiigen  sacrament, 
das  her  alles,  das  sy  hette,  noch  orme  tode  armeu  luthen  gebe.  Also 
sayte  sy  da,  das  sy  wetage2  uergen  lede,  danne  das  sy  kräng  were; 
unnd  gab  dar  noch  senfftlichen  oren  geist  uff.    Dar  nach  in  deme 

JW).  1  Selgeracte,  stf.,  bedeutet  das,  was  man  zum  Heile  »einer  Seele  oder 
der  .Seele  anderer  (für  Seelenmessen)  einer  geistlichen  Anstalt  vermacht  (gute 
,, Werke  zum  Heile  der  eigenen  Seele  oder  der  Seele  anderer,"  Emil  Michael, 
('lexeh.  des  deutsch.  Volke«  v.  13.  .Tahrh.  bis  z.  Ausgange  des  Mittelalters,  II,  1899, 
S.  197),  dann  allgemein:  letztwillige  Schenkung,  Testament;  s.  auch  St  60. 

«0.  1  Berihten  ■-■  „versehen"  (mit  den  Sterbesakramenten).  -  Wetac,  stm., 
Schmerz,  s.  H.  Kikkert,  Leben  d.  heilig.  Ludwig  S.  150. 


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61.  Stück. 


101 


andern  jare,  als  man  schreib  noch  cristus  gebort  tusent  CCXXXII  jar,  1232 
do  quam  er  siffart,:i  der  erczbisschoft"  von  mencz,  unnd  wete  zu  mart- 
purg  in  der  kerchen  czwene  altar,  do  sy  inne  begraben  lag,  unnd  liss 
do  beschribe  |  alle  dy  wunder  czeichen,  dy  got  dorch  dy  lieben  sente  « 
elsebeten  geton  hatte;  unnd  dy  niusten  man  alle  mit  fromen  luthen 
bewise  unnd  dar  zu  zu  den  heiigen  sworen,  das  sy  also  war  unnd 
gerecht  weren,  unnd  sante  dy  keyn  rome  unserm  geistlichen  vater 
deme  bobiste  wol  vor  segelt  unnd  mit  brefen  uffenbar  schriber4  wol 
vor  kuntschaftt.    Ditte  geschach  an  sente  lorenczen  tage. 5   Dar  nach 
abir  in  deme  andern  jare  noch  cristus  gebort  MCCXXXV  jar,  do  was  12&"> 
der  bobist  gregorius  der  nunde  in  der  stat  peruss  unnd  der  patriarche 
von  Jerusalem  unnd  der  patriarcha  von  antiochien»  unnd  andere  vele 
cardinal,  erczbisschoffe  unnd  bisschoffo  unnd  pfatt'on  unnd  geistliche 
luthe  ane  czal;  vor  den  allon  wart  souto  elsebeten  leben  gelesen  unnd 
beczuget  an  demo  heilgon  pfingest  tage,  unnd  do  wart  sy  gosatczt  von 
der  heiigen  cristenheit  in  dy  czal  der  heiigen,  unnd  das  man  oren  tag0 
werdigen  sal  unnd  sy  an  ruften,  das  sy  got  vor  uns  bethe. 


61.  Wy  seilte  elsebete  er  haben  wart.  «8 

Noch  cristus  gebort  MCCXXXV1  jar,  do  worden  dy  forsten  in  1236 
dutschen  landen,  beide,  geistlichen  unnd  wertlichen,  des  eyns,  das  sy 
den  lichenam  sente  elsebeten  erheben  wolden  unnd  on  uss  grabe  unnd 
an  eyne  erliche  stad  brenge.  Do  quomen  uff  eynen  tag  in  martpurg 
der  keyser  mit  synen  forsten  unnd  mit  vele  edoln  hern,  lantgrafe 
heinrich  von  doringen  unnd  hessen,  unnd  sin  bruder  lantgrafe  Conrad, 
sente  elsebeten  swegore,  |  unnd  frowo  Sophia,  der  beyde  lantgrafen  v 
muter,  unnd  dy  grafen  gemeynclichen  unnd  dy  edeln  uss  doringen, 
der  bisschoff  von  mencz,  der  bischof  von  bobenberg, 1  der  bischoff"  von 
spire,  der  bischoff  von  wormes,  der  bischoff  von  palborn,  der  bischoff 
von  halberstat,  der  bischoff  von  hildensheym,  der  bischoff  von  nuwcn- 
borg,  der  bisschoff  von  merseborg  unnd  der  bischoff  von  bremen,  unnd 
vele  andere  horn  unnd  bischofe  unnd  epte  unnd  andere  prelaten  unnd 
pfaflen  unnd  monche  ane  czal.  Do  grub  man  dy  heiigen  frowen  uss 
der  erden.  Do  ging  der  keyser  ge  krönet  mit  eyner  gülden  krönen 
mit  synen  kor  forsten  umme  or  grab,  unnd  dy  bischoffe  unnd  epte  in 

*  IIS:  antlocon. 

3  Erzbiaehof  Sifrid  III.  von  Eppenntein,  1230—1249.  4  Ein  „nft'enbar  (md) 
schriber'  ist  ein  uotarius  publicus,  ein  öffentlicher  Notar;  hier  wohl  der  gru. 
plnr.  '  Am  10.  August.  ,;  Der  19.  November  ist  der  Tag  der  heiligen  Elisa- 
beth (Elizabeth  vif  Inn  regis  Hungariae  filiui. 

61.  1  Von  den  aufgezahlten  Biachöfen  i*t  der  Name  von  der  gewöhnlichen 
Form  nur  abweichend  bei  Bobenberg  —  Bamberg,  Palborn  ■=  Paderborn ,  Nuwen- 
borg  Naumburg. 


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102 


62.  Stück. 


oron  infein  unnd  krönen  gesmucket,  unnd  was  sich  dy  heilere  trowe 
yo  ntt  ertliche  gedemutigete  unnd  vor  nichte,  das  wart  or  do  mit 
grossen  eron  erfüllet  Man  dortt'te  ouch  by  orem  grabe  dy  nasen  nicht 
zu  halde,  als  man  vor  andern  grebern  thut,  wanne  nnsprechlichen  was 
do  eyn  guter  geroch,  also  das  do  von  alle  luthe  gestercket  worden,  dy 
dar  umme  stunden.  Do  dy  hern  des  enczuben,2  do  griffen  dy  bischofle 
selber  zu  unnd  lossen  das  gebevne  uss  deme  grabe  zu  sammene  unnd 
leyntcn  das  in  eyne  blyon  laden  mit  grossen  eren  unnd  broehten  das 
an  dy  stat,  dy  capolehim,3  do  or  seder  eyn  schönes  unnd  kostlichs 
grab  gemacht  ist. 


Koth.469  (>2.  Von  seilte  elsebeteii  unnd  lan trafen  lodewigeu. 

Sento  elsebete  dy  selige  frowe  lebete  uff  ertliche  XXV  jar;  der 
was  sy  vier  jar  by  oren  eidern  in  ungern  unnd  IX  jar  in  eynemjunc- 
frowelichen  leben  mit  orer  sweger  unnd  wart  elich,  do  sy  driczon  jar 
38  alt  was,  unnd  lebete  mit  orme  werte  lantgrafen  lodewige  |  soben  jar  in 
elicheme  State  unnd  gewan  dry  kindoro  by  ome,  eyn  knechtchen  unnd 
czwey  meydichen,  unnd  was  funff  jar  eyn  wettewen.  So  was  lantgrafe 
lodewig  XI  jar1  alt,  do  ome  sente  elsebete  vortruwet  wart  unnd  von 
ungern  gesant,  unnd  was  XX  jar  alt,  do  her  eyn  elich  leben  mit  or  an 
hub,  unnd  was  XXVII  jar  alt,  do  her  starp.  Nu  merket  or  beyder 
aldor,  dy  also  in  körten  jarn  vele  togentlicher  guter  werg  gethon  han, 
unnd  noch  orme  tode  got  der  herre  vel  wunderczeichen  mit  allen 
beyden  gewerket  hat,  also  dy  von  reynhardesborn2  geczngnisse  von 
lantgrafon  lodewigo  geben,  wy  das  got  vel  luthen  dorc-h  siner  bethe 
willen  narunge  unnd  togunt  unnd  ouch  gesuntheit  gegeben  habe,  dy 

■  8.  ob.  St.  4  A.  2.  *  Eigentümliche  Bildung;  Stolle  hat  sich  wohl  ver- 
schrieben für  capolchen,  Rothe  Rest  Capellen. 

($2.  1  Da  voitruwen  (mhd  vertriuwen)  „verloben"  hcisst,  so  ist  die  Zahl 
Stolle»  XI  richtig,  während  Rothe  thöricht  XXI  liest  '  Der  Chronist  weist 
hier  auf  das  in  die  Reinhardsbruuner  Annalen  —  über  diese  s.  A.  Werneburg, 
Ober  die  Glaubwürdigkeit  der  Reinhardsbrunncr  Geschichtsbücher,  MGE  VIII 
S.  62— 68;  Oers,  über  die  Kinder  der  heiligen  Elisabeth  ebenda  S.  57— 61  — 
hineii (gearbeitete  „Leben  des  heiligen  Ludwig"  (IV.)  hin,  das  Berthold,  der  Reise- 
kaplan dos  Landgrafen  und  Mönch  im  Kloster  Reinhardsbrunn,  vcrfasst  haben 
.soll;  teilweise  beruhen  die  Reinhardsbrunner  Annalen  auf  der  vita  a.  Elisabeth 
von  Dietrich  von  A(>olda  (Ende  des  XIII.  Jahrhunderts);  aus  beiden  ist  in  mehr 
<Mler  minder  geschickter  Auswahl  (s.  Wenck  a.  a.  O.  S.  212)  die  zwischen  1313  und 
1323  von  Friedrich  Köditz  von#,Salfeld,  Rektor  der  Klostersehule  zu  Rcinhards- 
brunn,  angefertigte  deutsche  Ubersetzung  des  ..Lebens  des  heiligen  Ludwig" 
zusammengestellt,  welche  Heinrieh  Rückert  i.  ,T.  1851  herausgegeben  hat.  Die 
Wunderzeiehen  am  Grabe  Ludwigs  werden  hier  im  6.  Buche  erzählt,  ,,daj  sprichil 
von  den  zeichin  unde  wuuderwerkin,  di  got  geworcht  hat  umbe  di  erarnunge 


nicht  heilig,  aber  er  galt  schon  bei  seinen  Lebzeiten  und  noch  mehr  nach  seinem 


sonders  von  Gott  geliebter  und  begnadigter  Mann,  an  de»sen  Grab  sich  unzählige 
Wundcize  eheu  ereigne!  haben  sollten. 


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63.  Stück. 


103 


vor  des  togentsamen  forsten  grabe  den  lieben  gpt  vonnant  haben.  So 
sint  ouch  gar  vele  wunderczoiehens  von  der  heiigen  sente  elsobeten  zu 
martpurg  unnd  ouch  in  andern  stoten  geseheen  by  orme  loben  unud 
ouch  noch  orme  tode,  dy  hy  unvorczalt  bieben  sint  dorch  der  körte 
willen.  Es  ist  dannoch  lang  von  orem  leben  gnug  geschreben,  das 
hat  sere  gemacht,  das  sy  eyne  lantgrefynne  dos  landes  zu  doringon 
gewest  ist,  dar  uff  disse  kronikc  sere  geschreben  ist  uund  uss  wisen 
ouch  vorder  alsu  sal  etc. 


63.  Von  eyner  gemeyne  fart  zu  denie  lieilgen  grabe.  Rothen«. 

Wedder  sullen  wir  nu  sagen  von  keyser  frederiche  deine  andern, 
wy  es  fort  ummo  sin  leben  quam  in  dem  jare,  als  man  schreib  nach 
cristus  goburt  MCCXXVJI  jar,  do  wart  eyne  gemeyne  merfart  indasheilge  1227 
lant  keyn  Jerusalem.  Do  ozoeh  keyser  frederich,  |  also  ouch  hir  noch  r 
vor  czalt  ist,  mit  gar  vele  tusent  cristen  ubir  meer,  dy  mit  domo 
crucze  geczoichent  worn.  Unnd  das  geschach  mit  grossem  betrognisse1 
des  selben  keysers,  der  dy  cristeu  unnd  manchen  guten  fromen  ritter 
zu  grossem  betrupnisse  do  brochte,  wanne  do  usse  bieben  meher 
danne  sechczig  tusent  wol  gewopente  manne,  dy  do  nummer  meher 
wedder  heim  quomeu.  Do  bleib  ouch  usse  lantgrafo  lodowig  von 
doringen,  sonto  elsebeten  huss  wei%  also  hir  noch  geschreben  steet. 
Noch  so  quomen  dy  cristen  nicht  in  dy  stad  jherusalem,  wanne  der 
keyser  was  eyn  heymelicher  ketczer  unnd  gar  eyn  untogentsamer  man. 
Sinen  son,*  den  fing  her  umme  des  willen,  das  ome  dy  forsten 

3  Als  einzige  gleichzeitige  Quellen  sind  von  Bedeutung:  1.  der  Brief  Konrads 
von  Marburg  an  Pajwt  Gregor  IX.,  geschrieben  1282  («.  A.  Wy^s,  Hess.  Urkunden- 
buch,  Bd.  I  No.  und  2.  der  aus  dem  Jahre  1236  stammende,  oben  8t.  56  A.2 
erwähnte  Libellus  de  dictis  IV  ancillarum  sive  examen  miraculonun. 

<ö.  1  Bctrcgnis,  stn.,  ist  eine  besondere  Bildung  Stolle«;  Rothe  hat  trogen 
ioom.  troc,  stn.).  —  Der  Chronist,  giebt  hier  die  kirchliche  Auffassung  von  dem 
Kreuzzuge  Kaiser  Friedrichs  II.  wi<>der,  den  dieser  sc»  oft  versprochen,  dessen 
Frist  er  sich  aber  von  dein  milden  Papst  Honorius  III.  hatte  öfters  verlängern 
lassen.  Als  Honorius  am  18.  März  1227  gestorben  war,  schlug  sein  energischer 
Nachfolger  (  Jregor  IX.  sofort  einen  schärferen  Ton  an  und  sprach  am  29.  Sept. 
1227,  als  Friedrich,  der  sich  schon  eingeschifft  hatte,  wegen  Krankheit  nach 
Otranto  zurückgekehrt  war,  den  Bann  über  ihn  aus,  da  er  jene  Krankheit  für 
eine  vorgebliche  hielt.  Trotz  des  Bannes  zog  Kaiser  Friedrich  II.  i.  J.  1228  nach 
<}cm  heiligen  Lande  und  gewann  durch  den  Vertrag  mit  dem  Sultan  Kamel  von 
Ägypten  Jerusalem  und  die  heiligen  Stätten  der  Umgegend ,  überhaupt  das 
heilige  Land  in  der  Ausdehnung  des  früheren  Königreiches  Jerusalem;  am 
17.  März  1229  zog  er  in  Jerusalem  ein.  Danach  sind  die  Angaben  des  Chronisten 
zu  beurteilen.  *  Auch  die  Beurteilung  des  rebellischen  Sohnes  Kaiser  Fried- 
richs IL,  des  römischen  Königs  Heinrich,  ist  ungerecht.  Heinrich  plante  schon 
lange  Untreue  gegen  seineu  Vater,  und  i.  J.  1234  cinjMirte  ersieh  offen.  Durch  den 
nach  fünfzehnjähriger  Abwesenheit  nach  Deutschland  heimkehrenden  Kaiser  ge- 
fangen genommen,  wird  er  auf  dem  Reichstage  zu  Mainz  am  15.  August  1235 
förmlich  als  römischer  König  abgesetzt  und  bleibt  gefangen;  der  Chronist  erwähnt 
im  besonderen  die  Orte  Heidelberg  und  Alberheym.  als  Hüter  den  Erzbischof 


I 


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104 


64.  Stuck. 


gunstiger  worn  danne  ome  unnd  hilt  on  in  deine  gefengnissc  zu  Heidel- 
berg langeczit  unnd  forchte,  das  her  on  von  deme  riche  drunge.  Dar 
noch  so  liss  her  on  do  danne  fure  uff  das  sloss  alberhcym  unnd  wo] 
bewaren.  Dar  noch  so  forchte  her  sich,  das  her  orae  enginge  adir 
ome  gehulffen  worde,  unnd  befalch  on  deme  bissehoffe  zu  salezpurg 
unnd  deme  bischoffe  zu  bobenberg,  dy  beilüden  on  eyne  wile.  Dar 
noch  befalch  her  on  deme  patriarchon  zu  aquyleyen,  der  furto  on  in 
das  koningrich  zu  apulien  unnd  satczto  on  uff  eyne  borg,  dy  heist 
bilerne.  In  deme  selben  jare,  do  hilt  keyser  heinrich  eynen  grosen  hoff 
zu  mencz;  do  worn  gar  vele  forsten,  geistliche  unnd  ouch  wertliche, 
uff  unser  lieben  frowen  tag  worczo  wee  unnd  leyte  on  do  vor  manchor- 
3si  lcy  wunderliche  gescheftde  unnd  ging  do  den  |  ganczen  tag  schone  ge 
smuekt  in  der  keyserlichen  gcwette  unnd  trug  eyne  kostliche  gülden 
krönen  mit  edelme  gesteyne.  dy  zu  deine  richo  cehort. 


roij»47i  64.  Von  den  joden  unnd  ketezern. 

1228  Also  man  czalte  nach  cristus  gebort  MCCXXVJ11  jar,  do  worden  zu 
fulda  XXXII  joden  getötet  dar  umme,  das  or  czweno  under  on  in  der 
heiigen  cristnacht  in  eyno  mullen  gingen,  dy  vor  der  stat  fulda  lyt. 
Also  der  muller  mit  syme  wibe  in  dor  crist  nacht  zu  der  kerchen 
was,  do  quomen  dy  czwone  joden  in  dy  mullen  unnd  erworgeten  deme 
muller  fünft  kindere  bermclichen  unnd  fingen  das  blud  in  gewechste1 
secke  unnd  in  ander  gefesse  unnd  süssen  do  dy  mullen  mit  furo  an 2 
unnd  gingen  mit  deme  blute  enweg.  Do  melte  sye  das  blut,  das  man 
sy  an  greiff,  unnd  do  bekanten  sy  alzu  hant.  Man  erfant  ouch  dy 
worheit  an  der  kindere  lichenam. 

122«  Noch  cristus  gebort  MCCXXIX  jar  in  deme  meyen,  do  worden  in 
deme  lande  zu  campanion  by  rorae  by  der  stat  peruss3  OCX  VI  ketezer 

von  Salzburg ,  den  Bischof  von  Hamberg  und  den  Patriarchen  von  Arjuileja, 
diese  vielleicht  im  Auftrage  de«  Herzogs  von  Hävern,  dem  gesehichtlieh  die  Ob- 
hut über  Heinrich  anvertraut  war.  Zuletzt  wurde  Heinrieb  in  da«  feste  Schloss 
S.  Feiice  (der  Chronist :  Hilerue;  Rothe:  Valerne)  in  Apul'u  n  gebracht,  dann  nach 
Neoeastro  in  Calabrien,  zuletzt  nach  Martorano,  wo  er  i.  .1.  1242  starb.  3  Stolle 
seheiut  den  Namen  des  Kaisers  (Friedrich)  mit  dem  seines  Sohne»  (Heinrich), 
sowie  die  glanzvolle  Vermählung,  welche  Kaiser  Friedrieh  II.  zu  Worms  am 
25.  Juli  1235  mit  Isabella  von  England  als  seiuer  3.  (.iemahlin  feierte,  mit  dem 
am  15.  August  1235  zu  Mainz  eröllheten  Reichstage,  welcher  auch  sehr  prunk- 
voll war,  zu  vermengen. 

<H.  1  Die  latein.  Quelle  (bist.  Ecc.  nag.  411)  hat  saccis  eera  limitis,  da»  die 
Chronisten  mit  selbständig  gebildeten  Worten  zu  übersetzen  suchen:  Rothe  mit 
gewichst,  Stolle  mit  gewechst.  -  Eigentümliche,  aber  nicht  seltene  Wendung: 
fenr  (in  die  heuser)  sto3en,  etwas  mit  feur  anstojen,  d.h.  „an  etwas  Feuer  an- 
legen." 3  Ei  ist  Perugia  gemeint,  das  alte  Perusia  in  Etrurien,  grade  im 
13.  Jahrhundert  eine  der  bedeutendsten  Städte  l'mbrions,  das  Kleinod  der 
Päpste,  in  deren  Dome  u.a.  der  grosse  Papst  Innoecnz  III.  (f  seine  Ruhe- 

>iutte  fand. 


65.  Stück. 


lor, 


gobrant,  dy  bekantun,  das  sy  von  deme  goslechte  worn  der  ketczore, 
dy  theodosius  der  keyser  by  den  gecziten,  also  sente  angustinus  lebete, 
von  attrica  treib,  d)f  do  von  deme  glouben  worn  genant  manichey.4 
Noch  cristus  gebort  MCCXXX  jar,  do  tet  der  bobist  gregorius  der  virde  123© 
keyser  fredericben  in  den  ban5  urame  vele  sache  willen,  dy  do  wedder 
den  heiigen  cristen  glouben  worn.  Noch  cristus  geburt  MCCXXX1J  |  jar,  12:12  v 
do  wart  gor  eyn  kalder  winter,  also  das  vele  grosser  schift  riebe0 
wasser  bestunden7  unnd  hart  gefroren. 


Omo.  S. 
l'etrl  Er- 

65.  Wy  dy  von  erffort  mit  oren  pf äffen  kregen.  {tStit%. 

XXx!  I  : 

Bosse  czweytrachtiger  krig  hub  sieh  zu  erflort1  czwussehen  den  w .wo«*.) 
borgem    unnd   den    pfafl'en,2   als    man  czalte    noch   cristus  gebort 
MCCCXXII1I  jar.    Dy  von  erffort  fingen  evnen  schuler,  der  was  zu  der  1324 
episteln  gowiet.3   Do  boten  dy  thumhern,  das  man  on  deme  provisori 1 
antwerte  wolde  in  des  bischoffs  von  niencze  hoff,  als  gewonlich  unnd 

*  Stolle  meint  die  häretische  Sekte  der  Maniehäer.  5  Die  Unwissenheit  des 
Chronisten,  der  doch  als  Priester  wenigstens  die  Päpste  kennen  sollte,  tritt  hier 
einmal  recht  grell  hervor:  Gregor  Ia.  (1227—1210;  Gregor  IV.  regierte  von 
827  —  844;  allerdings  irrt  auch  Rothe)  that  Kaiser  Friedrich  11.,  wie  ohen 
8t.  63  A.  1  ausgeführt  ist ,  in  den  Bann ,  sprach  ihn  aber  unter  Vermittlung  den 
Grossmeisters  cle«  deutschen  Ritterordens  Hermanns  von  Salza,  im  Vertrage  von 
St.  Germano  am  23.  Juli  bezw.  28.  August  1230  wieder  los.  6  Haupt  form 
schifrech,  Nebenform  schifl'rich,  =  ,  .schiffbar.''  7  Besten  —  „stehen  bleiben, 
zufrieren.'' 

65.  1  Die  Erzählung  geht  zurück  auf  die  ausfuhrlichere  Lesung,  welche  Holder- 
Egger  Cron.  S.  Pctri  Erf.  mod.  MGH,  Scr.  XXX,  1  pag.  450  u.  4-51  aus  den  2  HSS 
E  (Dresdensis  K316)  und  M  (cod.  bibl.  mag.  Erfordensis  I,  65  —  K.  Herr  mann  I, 
12  —  welcher  zum  Teil  auf  die  Gothaer  HS  A.  151)  zurückgeht  —  s.  K.  Herr- 
mann, Bibl.  Erfurt.  S.  118  u.  S.  83;  Holder- Egger  N.  Arch.  für  ältere  Geschichts- 
kunde  XXI  S.  443  ff.)  giebt.  5  Den  Vorfall  erwähnt  auch  C.Beyer  (s.u.  St.  66 
A.  1)  MOE,  181)0,  XIV  S.4f.,  mit  Recht  für  das  Jahr  1324.  Zwar  setzt  Holder- 
Egger  in  der  Ausgabe  S.  450  u.  451  1322  u.  1324  mit  Fragezeichen  an,  aber  da 
der  Erzbischof  Matthias,  der  dann  als  Friedeusvermittler  erscheint,  v.  1321,  Der. — 
l:'.28  regiert,  so  ist  wold  1324  zu  schreiben,  und  der  Text  von  uns  auch  danach 
geändert.  '  Der  angehende  Kleriker  befand  sich  in  der  Domschulo  des  Stiftes 
Beatae  Mariae  Virginis  und  hatte  schon  die  2.  Weihe,  das  Lektorat,  erhalten. 
Der  Chronist  sagt  ,zu  der  episteln  gewict/  da  der  „Lektor,"  wenn  kein  Sub- 
diakou  zur  Stelle  war,  bei  der  Messe  auch  die  Epistel  vorlesen  durfte.  Als  Lektor 
unterstand  er  dem  geistlichen  Gerichte;  der  Rat  der  Stadt  Erfurt  begierig  also 
eine  ungesetzliche  Willkürliehkeit,  indem  er  ihn  vor  sein  Gericht  zog  und,  da  er 
lies  Diebstahls  überführt  wurde,  hängen  Hess.  *  Der  Vorsitzende  des  geist- 
lichen Gerichtes  (s.  BE  S.  23),  dem  nach  der  gesetzlichen  Forderung  der  Geistlich- 
keit der  Missethäter  ausgeliefert  werden  sollte,  war  der  Provisor  vom  erzbischöf- 
lichen Mainzerhof  (provisor  allodii  ecclesiae  Moguntinae) ,  damals  Hermann  von 
Guteushausen.  Dieser  hatte  aber  an  der  Rechtsverletzung  keinen  Anstoss  genommen, 
sondern  hielt  es  sogar  gegen  die  Geistlichkeit,  mit  der  er  zerfallen  war,  mit  dem 
Volke,  das  er  selbst  mit  aufgereizt  haben  sollte,  weshalb  sich  seine  Mitgeistlichen 
gegen  ihn  verbinden  (s.  ITH  11. .S.  11)  ff.  No.  2t)  vom  2.  Juni  1324,  also  inmitten 
jener  Wirren  —  s.u.  Ann».  7).  Übrigens  scheint  für  ihn,  da  er  in  der  Exconi- 
municationsbulle  des  Kölner  Erzbischofs  Heinrich  vom  13.  September  1329  gegen 


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106 


66.  Rtfirk. 


recht  ist,  der  solde  on  straffe,  unnd  des  wolden  sy  nicht  thun,  sundern 
den  her  beschedigt  adir  er  ezornet  hatte,  der  elagete,  unnd  dy  rethe 
gestunden :i  ome,  unnd  das  wertliche'1  geliebte  liss  on  hengen  zu  hant. 
Do  sweig  man,7  also  wid  also  dy  stat  was,  unnd  sang  nicht  in  keyner 
kerehen.  Do  frageten  dy  bürgere  dy  pfaffheit,  was  sy  do  niete  meynten. 
Do  sprochen  sy,  es  wero  on  gesatczt,  das  sy  das  inusten  thun  by  ge- 
horsam. Do  worden  sy  czorning  über  dy  pfafiheit  unnd  Hessen  deine 
genieynen  volko  vorkundigen :  wer  icht  sache  wedder  dy  pfaffen  adir 
icht  zu  thuno  hette,  der  mochte  es  wol  thun  ane  or  vordechtnisse/ 
wanne  sy  wolden  nymandes  dar  an  hindern  noch  vordencke.  Also 
(junm  es,  das  etliche  uotdorfttige  vortorben  unredeliche  lutho  sich  uss 
der  gemeyne  sammenten  unnd  liften  in  der  thumhern  unnd  anderer 
pfaffen  hofe  unnd  nomen,  was  sy  funden;  etliche  zu  brochen  on  dy 
husero,  don  sy  gram  worn,  unnd  toten  on  vele  schaden  unnd  sma- 
heit.  Das  werte  von  unsers  hern  hymnielfart  tage  biss  zu  sente  bar- 
tolumeus  tage.'"  Do  sante  die  pfattheit  an  den  nuwen  bischoftzu  mencz 
40  matbiam.10  |  Der  quam  keyn  erftbrt,  unnd  deme  ging  man  mit  cruezen 
unnd  kerezen  enkegen  gar  erheben,  unnd  der  vor  sunete  do  dy  pfaff- 
heit mit  der  stad  unnd  sang  do  sine  erste  messe  zu  unser  lieben 
frowen;  do  was  gar  grosso  herschafft  unnd  kostlickeit. 


Koth»  652       66.  Wy  ozwene  biselioffe  von  mencz  kregon.1 

Do  der  orezbischof  zu  mencz  or  mathias  gestorben  was  in  deme 
1330  jare,  do  man  czalte  noch  cristus  geburt  MOCCXX.X,2  do  korn  dy  thum- 

Erftirter  Geistliche,  welche  den  Erzbischof  Heinrich  von  Virneburg  als  ihren 
Bischof  nicht  anerkennen,  nur  Kanonikus  des  Marienstiftes  genannt  wird,  che 
Angelegenheit  die  Folgen  gehabt  zu  haben,  das»  er  da*  weltliche  Amt  des  Pro- 
visorata  verlor,  s.  C.Beyer  a.  a.  O.  R.  56  in  No.  78.  Während  sonst  gestün 

mit  dem  Dativ  heisst  .jim  freundlichen  Rinne  jemandem  vor  Gericht  beistehen," 
bedeutet  es  hier  „über  jemand  Gericht  abhalten."  ß  Wertlich  ist  eine  nicht 
seltene  Nebenform  von  .werltlieh,'  „weltlich.*1  hier  im  Gegensatze  zum  geistlichen 
Gerichte.  7  Mannhaft  verhängte  die  Erfurter  Geistlichkeit,  über  den  Rechts- 
bruch  de»  Rates  empört,  und  trotzdem  sie  von  ihrem  Dekan  nicht  bloss  im 
Rtichc  gelassen  war,  sondern  sogar  sich  gradezu  gegen  ihn  wenden  musste  (vgl. 
oben  A.4  die  Urkunde  des  Domarchivs  vom  2.  Juni  1324,  welche  uns  auch  nie 
Namen  der  Domherren  und  von  16#Plebauen  der  Pfarrkirchen  Erfurts  mitteilt, 
das  Interdikt  über  die  Rtadt.  H  Ubersetzung  des  lat.  non  obstautibus  consu- 
libus.  ohne  dass  der  Rat  es  jemandem  verdächte,  d.h.  ihn  l>estrafen  würde. 
"  Himmelfahrt  fiel  i.  J.  1324  auf  den  23.  Mai;  die  Unruhen  dauerten  also  vom 
23.  Mai  bis  24.  August,  mithin  ein  volles  Vierteljahr.  10  Matthias  von  Bucheck, 
am  21.  Dezember  13*2 1  zum  Erzbischof  ernannt,  war  demnach  noch  nicht  in  Er- 
furt gewesen.  Er  zeigte  sich  in  diesem  Streitfälle,  wie  auch  sonst  (s.  C.Beyer 
a.a.O.  S.  4)  mild  und  volksfreundlich;  bei  der  allgemeinen  Versöhnung  scheint 
auch  Hermann  von  Gutcnshatiscn  teilweise  verziehen  zu  sein  (s.  oben  A.4). 

<>*>.  1  S.  u.  St.  370  die  lat.  Aufzeichnungen  nach  der  bist.  Pistoriana  nag.  938 
ipair.  1342  so,.  Ausgabe  von  Struve).  Diese  Vorfälle  sind  eingehend  behandelt  von 
U.  Beyer,   Die  Rtadt  Erfurt  während  des  Streites  um  das  Erzbistum  Mainz 


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ß6.  Stflck.  107 

hern  zu  mencz  bischoften  baldewinen  von  trire,  unnd  by  derae  stunden 
ouch  dy  von  erftorte.  Do  weddor  gab  un  der  bobist  zu  eyme  bischoffe 
ern  heinrichen  von  verneborg,  den  probest  zu  bunne.  Also  erhub  sich 
von  den  ezwen  gar  grosse  czweitraeht  in  deine  stillte  zu  mencz,  wanne 
evn  teil  gestunden 3  ey nie,  unnd  dy  andern  eyme  andern,  unnd  dy 
luthe  worden  also  ezweytrechtig  in  den  steten  under  den  pfaffen  unnd 
under  den  leyen.  Unnd  dy  von  erftorte,  dy  es  bilden  mit  deine  capittel 
unnd  mit  deine  gekornen  bischofle,  dy  hatten  vele  pfaft'en  in  der  stat, 
dy  deme  gestunden,  der  von  deine  bobiste  gegeben  unnd  bestetiget 
was,  unnd  dar  umme  so  fingen  dy  borgere  zu  erfforte  etliche  unnd 
totten  ouch  etliche.  Do  schreib  der  bischoft  baldewin  kein  erftorte,  das 
sy  dy  gefangen  umme  dy  sacho  sulden  ledig  lasse,  unnd  des  wulden 
sy  nicht  thun,  unnd  dar  umme  so  teth  her  sy  in  den  bau  unnd  reiste  ' 
margrafen  frederichen  unnd  vaste  erbar  luthe  in  doringen  wedder  dy 
von  erflbrte.  Unnd  also  nu  etliche  jar  vor  gingen,  unnd  dy  von 
erftorte  noch  in  orme  j  harten  synne  bieben,  do  reyt  der  lantgrafe  von  v 
doringen  dorch  bete  willen  des  stifftes  zu  mencz  unnd  von  geheises 
wegen  des  keysers  in  das  dorff  zu  mettelhusen 5  unnd  wolde  do  gerichte 
über  sy  sitezen,  also  ubir  der  platten  viende,  unnd  wolde  sy  vor  orteile. 
Do  quomen  sy  uss  der  stat  mit  ganezer  macht  unnd  treben  lantgrafen 
frederichen  von  deme  gerichte,   unnd  umme  dos  frevels  willen,  so 

zwischen  Heinrich  von  Virneburg  [Propst  in  Nonn]  und  Erzbischof  Balduin 
von  Trier,  MGE  XIV,  1890,  S.  1-32.  —  Der  Chronist  erzählt  die  Thatsachen 
an  sieh  richtig  und  auch  ziemlich  vollständig,  aber  ohne*  alles  tiefere  Verständnis, 
namentlich  scheint  ihm  der  (»rund  der  Dopjnlwahl  verborgen  geblieben  zu  Bein, 
das«  nämlich  der  päpstliche  Stuhl  gegen  das  kanonische  Recht  sich  die  Besetzung 
des  Mainzischen,  also  des  wichtigsten  deutschen  Erzbistums  vorbehalten  wollte, 
wie  Johann  XXII.  ausdrücklich  dekretierte,  das  Domkapitel  aber  sein  Recht 
der  freien  Wahl,  unbeschadet  des  Bestätigungsrechtes  des  Papstes,  aufrecht  zu 
erhalten  entschlossen  war.  Der  treffliche  Erzbischof  Balduin  von  Trier,  welcher 
schon  einmal  i.J.  1321  gewählt  war,  aber  dem  Papste  Johann  XXII.  nachgegeben 
hatto,  als  dieser  sich  für  den  Kandidaten  der  Minderheit  des  Kapitels,  ftir 
Matthias  von  Bueheck  entschied,  that  es  diesmal,  i.J.  1328,  nicht  wieder  um  1  trat 
die  Verwaltung  des  Erzbistums  als  Administrator  an;  denn  damals  wurde  die 
Bestimmung  des  kanonischen  Rechtes,  das»  ein  Bischof  nicht  mehr  als  ein  Bis- 
tum besitzen  sollte,  noch  beobachtet.  Deshalb  entbrannte  der  Streit,  der  bis  in 
den  November  1336  währte;  dann  legte  Balduin,  nachdem  er  sich  mit  Papst 
Benedikt  XII.  verständigt  hatte,  und  dieser  die  angefochtene  Verordnung 
Johanns  XXII.  betreffs  der  Besetzung  des  Mainzer  Stuhles  aufgehoben  hatte,  die 
Administration  nieder.  —  In  Thüringen  freilich  verbanden  sich  mit  diesen  kirch- 
lichen Wirren  auch  weltliche  Händel,  und  in  deren  Gefolge  kamen  langjährige 
Kriege  über  das  unglückliche  Land .  da  die  dynastischen  Interessen  des  Land- 
grafen, damals  Friedrichs  II.,  und  die  politische  Stellung  des  Mainzer  Erzbistums, 
der  Stadt  Ei  fürt  und  vieler  thüringischer  kleiner  Machthaber  mit  hineingezogen 
wurde. 

1  Falsch,  er  starb  am  10.  September  1328  eines  plötzlichen  Todes,  nach 
der  Oronic.  S.  Pctri  Erford.  mod.  (MGH.  Scr.  XXX,  l  png.  4.V2)  an  Gift. 
1  Gestan  mit  dem  Dativ  bedeutet  ,,zu  jemand  stehen";  im  anderen  Sinne  oben 
St.  65  A.5.  *  Zu  reitzeu  ist  nid  Nebenform  reisen,  „aufreizen."  i  Mittel- 
hausen, jetzt  Dorf  im  Verwaltungsbezirk  Weimar  des  Grossherzogtums  Sachsen, 
unweit  Erfurt,  der  SiU  des  thüringischen  Landgerichts. 


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108 


66.  Stück. 


entsagcto*  her  on  unnd  thet  on  grossen  schaden,  unnd  do'  sy  das 
gesehen,  do  reten  sy  wedder  uss  der  stat  uff  den  lantgrafen,  abirb  sy 
worden  von  den  voyten  gar  ubele  dar  um  nie  gehandelt7  undc  uss 
gerieht.8 

Kuli««;;*  j)0  wor(ien  dy  von  erffort  mit  dem  graven  von  wimar,  mit  den 
graven  von  kevernbergk  unnd  biehelingen  cinsy  unnd  satezten  sieb 
alle  glich  widder  den  lantgraven  von  doringen.  Do  engeste  der  lant- 
grave  von  doringen  mit  grosser  macht  dy  genanten  graven  so  sere  in 
oren  landen,  also  das  sy  von  den  von  erffort  wedder  Iessen  unnd  feien 
deme  lantgraven  widder  zu.  l)o  das  dy  von  erffort  geson,  das  sy  also 
vorlosssen  worn,  do  bestalten  sy  in  fremde  lant  noch  dry  hundert 
lanezon  unnd  czogen  uss  mit  dem  folke  unnd  mit  orem  houbt  manne 
genant  heinrieh  von  blanckenhayn  uff  dy  stete  unnd  dorflere  des 
lantgrafen,  uff  nuwemart,10  bottelstete,'1  gotha,  thommasbrucken,12  unnd 
brauten  unnd  vorstorten  feie  dinges  unnd  quomen  keyn  kranchfelt,13 
das  was  der  graven  von  swarezpurgk,  unnd  gewunnen  das  stetchen 
unnd  branten  das  uss;  do  vorbranten  meherdanne  sechezigk  menschen; 
•*i  do  czogen  dy  von  erffort  widder  heym.  | 

Roth« 66»  In  deme  selben  jare,  do  quam  der  geweite  bissehoff  zu  mencz 
genant  baldewinus  in  doringen  widder  etliche  edele  luthe,  dy  danne 
es  bilden  mit  synem  wedder  sache  ern  heinriche  von  verneborgk,  unnd 
nam  in  tulstete11  unnd  lagerte  gross  folk  in  wanhoym,15  mit  willen 
des  von  wangheym,  widder  dy  von  erffort  unnd  gedochte  hoymelichen 
wy  dorchc  etliche  borgere  von  erfforte  ym  erfforte  vor  roten  solde 
werde,  unnd  in  des  soldo  deine  selben  baldewino  zu  hulffe  kome  dei 
grave  von  kaczenelbogen,  unnd  der  wart  underwegen  uff  gefangen  mit 

•  Fehlt  In  der  HS.       b  118:  »dir.       *  HS:  das. 

fi  Entsagen  ^=  absagen,  d.  i.  „Fehde  ansagen."  7  Gehandelt!  wie  das  Simplex 
hundein  stehen  als*  Verlm  transitiva  im  Sinne  des  heutigen  „behandeln."  R  Vy 
gerieht  'synkopiert  ans  U3gerichtet|  seheint  eine  selbständige  Bildung  Stolles  zu 
bein  i.  Rothe:  obil  gehnndelt),  da  nicht  einmal  das  Verbum  mrichten  existiert, 
das  liier  und  zwar  im  Sinne  von  bestrafen"  vorausgesetzt  wird.  u  Der  Bund 
wurde  ausser  mit  dem  Grafen  Friedrich  von  Orlamünde,  Herrn  zu  Weimar,  dem 
Grafen  Heinrich  von  Beichlingen  und  seinem  Sohne  Friedrieb  und  mit  Grafen 
Friedrich  zu  Beichlingen,  Herrn  zu  Rothenburg,  noch  mit  Bischof  Heinrich  von 
Naumburg,  den  Reussen  von  Plauen,  Heinrich  von  Waldenburg  und  seinem  Sohne 
Johann,  mit  dem  Burggrafen  Otto  von  Leissnig,  dem  Grafen  Günther  von 
Schwarzburg  und  den  Städten  Erfurt  und  Mühlhausen  geschlossen;  im  Winter 
l!V.>4  35  schlössen  sich  der  im  Text  erwähnte  Graf  Günther  und  sein  Vetter  Graf 
Günther  von  Kefernburg  an,  dazu  noch  die  Burggrafen  Hartmann  und  Albreebt 
von  Kirchberg,  Hermann  von  Krnnichfeld  u.  a. ;  die  urkundl.  Belege  hierfür  s. 
bei  C.  Bever  a.  a.  O.  S.  :U.  Jet/t  Neu  mark ,  Dorf  im  Verwaltungsbezirk 

Weimar  des  Grossherzogtums  Sachsen.  "  Jetzt  Buttelstedt,  im  Verwaltungs- 
bezirk Weimar  des  Grossherzogtums  Sachsen.  "  Jetzt  Thamsbrück,  preuss. 
Dorf  an  der  Unstrut,  im  Kreise  Laugensalza.  1:1  Kranichfeld,  Städtchen  a.  d. 
Ilm,  halb  zum  Grosshcrzngtum  Sachsen,  halb  zum  Herzogtum  Sachsen-Meiningen 
gehörig.  "  Döllstädt  im  Landratsamt  Gotha  im  Herzogtum  Sachsen -Koburg  und 
Gotha,  nicht  weit  von  Langensalza.       14  Wangenheim  s.  o.  St.  27  A.  2  u.  4. 


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67.  Stikk. 


109 


allem  synem  folke.  Do  das  gesach  der  bisschoff  baldewinus,  das  her"  ' 
syner  wille  nicht  konde  er  schine,  do  machte  herh  frunschaflt  mit 
dem  margrafen,  der  von  erfforte  vient,  unde  der  ome  den  graven  von 
katozenelbogen  mit  allem  synem  folke  gefangen  hatte.  Dy  alle  zu 
samen  nmme  fingen  dy  stad  erffort,  do  danne  XVI  fursten  mit  orem 
folke  worn  unnd  lesssen  umme  erftort  her  alle  fruchte  abe  houwe,  dy 
winberge  alle  nidder  howe,  unnd  thoten  uff  beyde  partie  grossen 
schaden.  Ufi  das  letczte  quomen  beydo  partie  in  dem  biuleI,;  zu 
samene  unnd  singen  sich  mechtigk  sere,  also  das  uff  beyde  partie 
gross  folk  tod  bleib.  Uff  das  letczte  musten  dy  von  erffort  dem  mar- 
graven  unnd  dem  bisschoffe  gross  gelt  gebe  unnd  alle  gefangen  loss 
gegeben  uff  beyde  partie,  geistlichen  unnd  wertlichen. e  |  48 


07.  Von  eynie  grossen  linnger  in  allen  dutezen  landen,  (mit  Um- 

kebruug 

Als  man  czalto  nach  cristus  geburt  nunhundert  unnd  vierunde- ,,er  T-,k*  • 
sobenezig  jar,  do  wart  gross  hunger  in  dutezschen  landen,  das  vele  974 
luthe  hungers  sterben,  unnd  dy  luthe  osssen  pferde,  esele  unnd  andere 
thir. 1  Do  was  evn  bissehoff  zu  mencz,  den  hiss  hatte  der  andere,'- 
unnd  was  gewest  evn  apt  zu  fulda;  der  sach,  das  dy  armen  luthe 
zu  mencz  uff  der  gasse  nedder  viln  uund  sterben  hungers  halben, 
unnd  dy  arme  luthe  sammenten  sich  unnd  liffen  mit  grosssen  huffen 
in  dy  brod  bencke  unnd  nomen  das  brot  mit  gewalt.  Do  vor  bette  der 
bisschoff  das  arme  volk  mittenander  vor  dy  stad  mencz  unnd  sprach, 
her  wolde  eyne  spende  geben,  unnd  liss  sy  triben  in  eyne  grosssen 
schune  unnd  vorbrante  sy  do  mittenander.  Dorumme  so  plogete  on 
got,  das  dy  müsse  unnd  ratten  tag  unnd  nacht  ubir  on  liffen  unnd 
fresssen  on,  unnd  in  aller  siner  gewalt  en  konde  her  sich  vor  on  nicht 
behalde.  Czum  letezten  liss  her  sich  uff  den  ryn  furen  unnd  eyn 
schiff  engkern  mitten  uff  den  ryn;  noch  so  swommen  d\  müsse  zu 
ome  in  das  schiff  unnd  frosssen  on  zu  tode.:{  Das  was  eyne  grosse 
straffunge  von  gote. 


•  Fehlt  In  der  118.  b  Feblt  In  d«r  HS.  '  IM«  folgend«  Seite  der  HS,  41  v,  ht  leer;  die 
dann  folgeuden  6  Blätter  demelbeu  «tod  berauegeschiiUteu.  l>a  der  Chronist  von  1935  auf  »74 
surdcJcgebt,  so  haben  wir  es  hier  auch  wobl  mit  elnoiu  Verheflen  Iii  der  HS  r.u  tbun. 

1,1  S.  oben  St.  24  A.  3. 

67.  1  Da  die  heidnischen  Deutschen  die  Pferde  sowohl  ihren  Göttern  opferten, 
als  auch  dereu  Fleisch  mit  Vorlielw?  genossen ,  so  wurde  wiederholt  von  der 
mittelalterlichen  Kirche,  um  altheidnisches  Wesen  und  das  Gedächtnis  daran 
auszurotten,  derGenuss  des  PfenleHeisches  atreng  verboten;  wenn  daher  in  Mainz 
Pferde,  Esel  und  andere  (doch  wohl  unreine)  Tiere,  wie  z.  U.  Hund«:  gegessen 
wurden,  man  also  gegen  die  ausdrücklichen  Gebote  der  Kirche  handelte,  so  muss 
die  Hungersnot  sehr  gross  gewesen  sein.  *  Natürlich  hat  die  Sage  nichts  mit 
dem  historischen  Bischöfe  Hatto  II.  von  Mainz,  968—970,  zu  thun.  :l  Hier 
ist  noch  eine  ältere  Form  der  Sage  erhalten  als  die  spätere  vom  Mäuseturm 


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110 


68.  und  69.  Stück. 


08.  \\y  dy  ungern  das  dritte  mal  czogen 
e3M  in  doringen, 

itsi  Also  man  czalte  nach  cristus  geburt  nunhundert  unnd  LXXXI  jar, 
do  czogen  dy  ungern  unnd  dy  andern  heyden1  zu  deme  dritten  niole 
in  doringen  unde  logorten  sich  vor  mersseborg  unnd  vorstorten  das 
unnd  ouch  das  land  dar  umme  gelegen.  Unnd  do  spisete  sy  der  grate 
von  mansfelt,-  uff  das  sy  on  unnd  dy  sinen  mit  frede  lisssen.  Do 
besam  niete  sich  keyser  otto  der  ander  unnd  streyt  mit  on  unnd  erslug 
v  or  |  unczelich  vele  tod  unnd  treib  sy  wedder  uss  deme  lande.  Do  thed 
der  bobist  sinen  bau  über  den  von  mansfelt,  unnd  der  keyser  sine 
achte,  unnd  wolden  on  siner  hersschatft  be  roube;  unnd  her  gnoss 
kume  siner  frundo,  das  her  wedder  zu  gnoden  quam.  Do  satczte  ome 
der  keyser  zu  bussse,  das  her  in  sinen  schilde  füren  sal  einen  gehangen 
nackten  diep,  her  unnd  alle  sine  erben. 


R.,tbo  840      69.  Wy  seilte  keyser  lieinricli  vel  gutes  teth, 

1002  Als  man  schreib  nach  cristus  geburt  tusent  und  czwey  jar,  do 
wart  keyser  hcinrich  zu  keyser  gekronet,  unnd  her  stifte  zu  erst  das 
stifft  zu  bamberg1  unnd  machte  do  das  bisthum  unnd  buwete  vele 
stete  wedder,  dy  dy  ungern  vor  terbet  hatten,  nemelichen : 'mersseborg, 
hildenssheim,  meydeborg,  nuenborg,  missen  unnd  strossborg,*  dy  alles 
dy  ungern  unnd  heyden  vor  stört  unnd  zu  brochen  hatten.   In  der 

(Mautli  —  Zollturm).  Die  Mäuse  sind  einesteils  die  Dämonen  der  Dürre  und  de* 
Hungers  (Grohmann,  Apollo  Smintheus  S.  76,  b.  A.  Wuttke,  Der  deutsche  Volks- 
aberglaube der  Gegenwart  §  188),  andererseits  Sinnbilder  der  Seelen  (danach 
nordisch  Wuotan  und  meiner  Gattin  Frigg  oder  Freya  heilig,  im  Gefolge  der  für 
letztere  stehenden  heil.  Gertrud),  und  zwar  kommen  hier  die  Seelen  derjenigen, 
welche  durch  Hatto*  Härte  verhungert  sind  oder  durch  ihn  im  Feuer  umkamen, 
ab  Mäuse  aus  ihren  Ijeibern  hervor,  um  den  Urheber  ihres  Tode*  zu  strafen. 
Die  älteste  Form  der  Sage  scheint  mir  in  Kollenhagens  „  Frosch  meuseler"  vor- 
zuliegen, wo  die  Mäuse  au»  dem  Feuer  liefen,  er  aber  dann  .Abenteuer  nah,'  d.h. 
Gewissensbisse  hatte,  ».über  alles  Simrock,  Deutsche  Mythologie  S.  445  f. 

ttH.  '  Da  bekanntlich  die  Ungarn  nach  ihrer  Niederlage  auf  dem  Iieehfelde 
am  10.  August  9.ui  durch  Otto  I.  ihre  verheerenden  Einfälle  in  Deutschland  auf- 
gaben, so  liegt  hier  ein  Irrtum  des  Chronjsten  vor:  es  ist  der  grosse  Wenden- 
aufstand des  Jahres  983  gemeint,  welcher,  während  Kaiser  Otto  IT.  selbst  in 
Italien  weilte,  durch  ein  deutsches  Heer  unter  den  weltlichen  und  geistlichen 
Fürsten  des  östlichen  Deutschlands  niedergeschlagen  wurde.  *  Dieses  bestätigt 
auch  Spangenberg,  Mansfeldische  Chronica,  1672.  I  cap.  149  pag.  151 ,  für  das 
,  Jahr  9»2  983,  ohne  Nennung  des  Namens:  bei  der  „Wende n  feindlichem  Drewen," 
und  ohne  genauere  Angabe  der  Sühne. 

6$).  1  I.  J.  1008;  der  schöne  Dom  wurde  am  6.  Mai  1012  eingeweiht.  *  Nicht 
die  Ungarn,  sondern  Kaiser  Heinrichs  II.  Mitbewerber  um  die  Krone,  llermnnn 
von  Schwaben,  hatte  Strassburg  im  Juni  1002  arg  verwüstet,  da  es  die  Stadt  mit 
Heinrich  hielt. 


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70.  und  71.  Stück. 


111 


selbigen  czid,  do  wart  ouch  sento  gothart3  eyn  bisschoff  zu  hildenssheim, 

der  eyn  apt  was  gewest  zu  herssfelde.  —  Disser  keyser  Heinrich  nam  Ruth«  241 

zu  der  ee  sento  kunegunden  unnd  lebete  kuschlich4  mit  or  biss  an  syn 

ende;  unnd  do  her  gestarp,  do  wart  sy  eyn  elosterfrawe,  unnd  legen  «oth« ug 

itczunt  beide  begraben  zu  bamberg  in  deme  thume.5  Rothe  21« 


70.  Wy  das  laut  zu  ungern  bekart  wart,  Rothe  UC, 

Als  man  schreib  nach  gotis  geburt  tusent  unnd  XV  jar, 'do  wart  100;> 
de  koning  steflan  zu  ungern  bekart  zu  deme  heiligen  cristen  glouben 
.  mit  alle  synem  volke.    Unnd  disser  obgenante  keyser  heinrich  gab 
konige  steffan  1  zu  ungern  syne  eygene  swestcr*  |  zu  der  ee;  do  was  49 
grossse  herschafft  zu  ungern. 

Nota:  hir  noch  folget  nu  dy  czid  sente  bonifacius;  wy 
wol  das  es  hy  vor  stehen  sal  wol  dry  hundert  jar,  das 

ist  nu  des  schribers  schuld  disses  buches.  Legend* 

patmni 
Gmrmania* 

MDCtiMimi 

71.  Hy  hebit  sich  an,  wy  sente  bonifacius  dy  laut  vermSi, 
bekort  hat  zu  deine  glouben.  w  «m 

Nach  gotis  geburt  sechshundert  unde  ezwenezig  jar,  eraclius1  was 
eyn  koning  unde  keyser  zu  roma,  unnd  das  romissche  rieh  unde  ««20 

3  Unter  dorn  Abte  Godehard  blühte  im  bayrischen  Kloster  Nieder- Altnich 
eine  gute  Schule,  und  die  Mönche  wurden  zu  wissenschaftlicher  Thätigkeit  an- 
gehalten, wie  die  bis  z.  .1.  1073  reichenden  Annales  Altahenses  beweisen.  Durch 
seine  Thätigkeit  erwarb  sich  Godehard  einen  solchen  Ruf,  das»  er  auch  über  die 
Klöster  Tegernsee  und  Hersfeld  genetzt  und  i.  J.  1022  zum  Hischof  von  Hilles- 
heim erwählt  wurde,  wo  er  in  gleichem  Geiste  und  im  Sinne  seines  Vorgänger« 
Bernward  bis  an  seinen  Tod  1.  J.  103*4  waltete;  über  die  Behauptung  seines 
Diöcesanrcchtcs  über  das  Gandersheimer  Gebiet  gegen  den  Erzbischof*  Aribo  von 
Mainz  s.  Rl/HiD  I  No.  6Ö7  8. 144.  *  Mit  richtigem  Takte  zieht  Stolle  die  von 
Rothe  St.  241  u.  242  in  widerlicher  Ausführlichkeit  geschilderten  Erzählungen  von 
dem  Keuschhcitsgelübde  des  Kaisers  Heinrichs  II.  und  seiner  Gattin  Kunigunde 
zusammen ,  ohne  die  Anschuldigung  der  letzteren  wegen  Ehebruchs  und  ihrer 
Reinigung  durch  ein  Gottesurteil  zu  erwähuen.  Kunigunde,  aus  dem  rheinischen 
Grafengeschlechte  der  Lützel  burger ,  blieb  allerdings  kinderlos.  Sie  war  wie 
Kaiser  Heinrich  der  Kirche  sehr  ergebeu.  5  Am  13.  Juli  1024  starb  Kaiser 
Heinrich  auf  seiner  Burg  Grona  bei  Göttingen ,  die  Kaiserin  Kunigunde  erst 
1033.  Beide  wurden  im  ßamberger  Dome  beigesetzt;  die  alten  Grabmäler  aber 
wurden  schon  i.  J.  1081  durch  eine  Keuersbrunst,  die  auch  den  alten  Dom  ein- 
äscherte, zerstört;  jetzt  „erinnert  ein  kunstreicher  Marraorsarkophag  an  Heinrich 
und  Kunigunde;  er  ist  das  Werk  eines  Würzburger  Meisters,  welches  der  Fürst- 
bischof Georg  III.  am  Anfange  des  16.  Jahrhunderts  aufstellen  liess." 

70.  1  Um  das  Jahr  1000  war  es,  dass  der  König  von  Ungarn  samt  seinem 
Volke  zum  Christentum  bekehrt  wurde  und  sich  Stephan  nannte.  '  Gisela 
von  Bayern. 

71.  '  Es  ist  der  oströmische  Kaiser  Heraclius  gemeint,  welcher  von  610 — 
641  regierte. 


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112 


71.  Stück. 


constantinopel  in  krichen  warn  noch  unbescheiden, 2  cosdras8  der  was 
ein  koniog  in  persia,  der  gewan  das  heilige  crucze  unnd  fürte  das  in 
sin  land  zu  persien,  do  czoch  der  keyser  eraclius  in  das  land  persien 
unnd  streit  mit  denie  konige  cosdras  do  selbest  unnd  slug  on  tod 
unnd  brochte  das  heilige  crucze  wedder  kein  jerusalem.   Noch  des 

^;.*s7.)  heiligen  keysers  tode,  do  (luain  anastasius4  in  das  rieh  unnd  was  keyser 
nicht  dry  jar.    Do  wart  von  eynander  gescheiden  das  romissche  ric^li 

:,„ 1 1-',1]1)  unnd  constantinopel.  Unnd  do  was  der  bobist  gregorius  der  ander,4 
der  satczte  bonifaciura0  zu  einem  bisschort'  keyn  mentcz,  der  bekarte 

*  Weil  nach  555  Ostroin  damals  wieder  über  Teile  Italiens  herrechte,  s.  aller- 
dings unten  A.  4.        3  D.h.  der  Sassanide  Khosru  (Chosroes)  II.,  591—028, 
welcher  zuerst  i.  .1.  614  den  oströmischen  Kaiser  Heraclius  besiegte,  Jerusalem 
eroberte  und  von  dort  das  wahre  Kreuz  Christi  naeh  Persien  entführte.    Da  raffte 
»ich  Heraclius  zu  energischen  Thaten  auf  und  in  den  Kämpfen  von  620 — 627 
(zuletzt  Sieg  auf  den  Ruinen  von  Ninive,  1.  December  627)  warf  er  Chosroes 
nieder,  umf  nach  dessen  Tode  (25.  Februar  628)  wurde  Friede  zwischen  Byzanz 
und  Persien  geschlossen,  auch  das  heilige  Kreuz  nach  Jerusalem  zurückgebracht. 
4  Anastasius  II.  (713  —  710)  wurde  durch  einen  Aufstand  der  Schiffsmannschaft 
während  eines  Seekrieges  mit  den  Arabern  gestürzt;  ihm  folgte  Theodosius  II. 
(716—718),  nach  diesem  Leo  der  Isaurier  (718—741).    Merkwürdigerweise  ver- 
wechselt der  Chronist  Theodosius  II.  mit  Theodosius  I.  dem  Grossen  und  meint 
daher,  dass  damals  West-  und  Ostrom  sich  geschieden  hätteu.     :'  Papst  Gregor  IL, 
715—  731,  der  hauptsächlichste  Gönner  des  Bonifatius.       "  Mencken  hat  in  seinen 
MSG  I,  1728,  pag.  834—866  herausgegeben  die  IiCgenda  Patroni  Germaniae  Sancti 
Bonifacii  libris  II.  quorum  postrcmo  sigillatim  Thuringica  continentut .  Accessit 
Legenda  Bonifacii  vernacula  ab  illa  subiuflo  diversa  et  solam  fere  Thuringiaiu 
concernens,  e  manuseripto  retcnto  Joh.  Wilh.  Neumcycri  a  Ramsla.  —  Nach  dem 
Titel  scheint  es,  als  ob  die  deutsche  liegende  ein  Auszug  und  zwar  nur  des 
zweiten  Buches  der  lateinischen  sei.    Das  kann  aber  nicht  der  Fall  sein,  da  die 
deutsche  Legende  mehrfach  ausführlicher  als  die  lateinische  ist,  aueh  nach  der 
lateinischen  Legende,  n.  1.  II  cap.  8  extr.  (nag.  846t,  die  vorliegende  Abfassung 
derselben  iu  das  Jahr  1513  zu  fallen  scheint  (nostris  temporibus  ibidem  in 
Kirchenheiligcn  habitant,  e.  q. «.),  Stolle  al>er  —  also  schon  am  Ende  des  15.  Jahr- 
hunderts! —  die  deutsche  Legende,  oft  wörtlich,  und  mehr  als  die  lateinische 
gebraucht  hat;  freilich  hat  Mencken  letztere  leider  nicht  in  der  alten  Sprache 
veröffentlicht,  entweder  schrieb  er  sie  um  oder  fand  sie  schon  umgeschrieben 
vor.    Da  nun  die  deutsche  liegende  vieles  mit  der  lateinischen  gemeinsam  hat 
und  also  mit  dieser  älteren  und  zwar,  nach  der  Art  und  Weise  der  Entstehung 
mittelalterlicher  Quellen  zu  urteilen,  früheren  Ursprungs  zu  sein  scheint,  so  muss 
mau  die  Bemerkung  bezüglich  des  Jahres  1513,  die  iu  der  deutschen  Legende 
fehlt  und  auch,  ohne  den  Zusammenhang  zu  stören,  fortfallen  kann  ,  für  einen 
späteren  erläuternden  Zusatz  erklären  und  annuehmen,  dass  beide  auf  ein  älteres 
Original,  das  jedenfalls  lateinisch  geschrieben  war,  zurückgehen,  dass  die  deutsche 
Legende  aber,  abgesehen  von  rhetorischen  Ausschmückungen,  noch  andere  alte 
Quellen  benutzt  hat,  namentlich  im  Anfang.    Dass  dem  so  ist,  beweist  noch 
eine  aus  dem  Anfange  deB  15.  Jahrhunderts  vorliegende  Abfassung  der  deutschen 
liegende,  welche  G.  E.  von  der  Gabelentz  in  der  ZThG,  Bd  VI,  1865,  S.  235  bis 
24*  aus  einer  alten  Papierhandschrift  in  seiner  Bibliothek  (,,die  nach  einigen 
darin  befindlichen  Notizen  iu  den  Jahren  1425 — 1438  von   Nicolaus  de  Hayls- 
perg,  superior  couventus  Erfordensis  fratrum  heremitarum  ordiais  St.  Augustini 
geschrieben  zu  sein  scheint')  unter  dem  Titel  :  „Erzählung  über  die  Bekehrung 
der  Thüringer  (HS:  orig.  conversionis  Thuringioruui)  und  die  Errichtung  ihrer 
Gerichte"  veröffentlicht  hat.    Hie  stimmt.,  abgesehen  auch  von  der  Suraehe,  die 
hier  die  des  Anfangs  des  15.  Jahrhunderts  ist,  welche  aber,  so  wie  sie  vorliegt, 
nicht  diplomatisch  genau  wiedergegeben  ist,  nicht  mit  der  leg.  Bouifac.  vernac. 
genau  überein,  namentlich  lässt  sie  manches  aus. 


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71.  Stück. 


113 


das  land  zu  doringen.  Karl  der  grossse, 7  des  lroniges  pippini  son,  der  Rothe  W) 
was  koning  tibir  alles'  franckrich  noch  sines  vater  tode. 

Dy  romer  wolden  sich  underwinde  der  keyserlichen  gewalt,  aber 
der  bobist  sante  dy  slussele  von  sente  peters  alter  zu  rome  unnd  dy 
vanen  konige  karl.   Do  für  koning  karl  kein  roma  unnd  der  |  bobist » 
enpfing  on  gar  schone  unnd  das  gemeyne  volk.   Also  nu  konig  karl 
stunt  an  sente  peters  altere  under  der  messe,  do  satczte  ome  der 
bobist  evne  kröne  uff  sin  houbt,  er  dann  er  das  wüste.    Do  wart  her 
geruffen  zu  keyser  unnd  augusto,  unnd  karl  was  der  erste  frenck- 
richsse  koning,  der  ye  romisch  rieh  gewan.    Er  was  öueh  der  erste 
•    romische  koning  unnd  keyser,  der  zu  rome  ye  gewart  [den  den  bobist 
wyetej.b    Also  nu  koning  karl  romisch  keyser  worden  was,  unnd 
bonifacius8  do  zu  erst  in  das  land  zu  doringen  quam,  als  man  schreib  Rothe  is* 
sobenhundert  unnd  vier  unnd  ezwenezig  jar,  unnd  zu  aller  erst  sine  <*-4 
wonunge  nam  in  deme  doringesschen  walde  genant  zu  deine  alden 

*  Das  ursprünglich  In  der  HS  darauf  folgend*  Und  Ist  ausgestrichen ,  diu  Vorlage  bat:  alles 
franckenland.  b  Unverständlich ;  die  Vorlage  hat :  Der  Pabste  weyhote  auch  Min«  Söbne,  seinen 
8ohn  Pipingen  sum  Könige  in  Italien,  und  Ludewigen  zum  Könige  und  Herrn  In  Aquitanien 
(Legenda,  8.  SM) 


T  Dass  hier  eine  Erzählung  von  Karl  dem  Grossen  und  seiner  Kaiserkrönung 
am  Weihnachtsfest  800  eingeschoben  ist ,  erklärt  »ich  daher ,  dass ,  wie  in  den 
Legenden  oft,  der  allerdings  etwas  sich  zurückhaltende  Gönner  des  heiligen 
Bonifatius,  der  Majordomus  Karl  Martell ,  mit  seinem  Enkel  Karl  dem  Grosseu 
verwechselt  ist,  auf  welchen  ja  das  Mittelalter  mit  Vorliebe  alle«,  Sagenhafte  wie 
Geschichtliche,  von  den  anderen  Karls  und  sonstigen  Herrschern  fibertrug,  ohne 
alle  Rücksichtnahme  auf  Chronologie  und  sonstige  Überlieferung.  8  Hier  be- 
ginnt die  speciellere  Erzählung  von  Bonifatius.  Die  gewaltige  und  epoche- 
machende Thätigkeit  dt«  Wyufieth-  Bonifatius  gehört  weniger  der  profanen  als 
der  Kirchengeschichte  an ,  obschon  sie  für  erstere  auch  viclbcstimmend  gewesen 
ist.  Unondhch  reich  ist  wie  bei  jeder  mittelalterlichen  grossen  und  bedeutenden 
Persönlichkeit  der  Kranz  der  Sagen,  die  ihn  umgiebt,  schon  die  fast  gleichzeitige 
Lebensbeschreibung  Willibalds  (MGH ,  Scr.  II  ed.  Pertz,  pag.  331—359),  die 
wichtigste  aller  —  Othlo ,  vita  Bonifacii ,  stammt  erst  aus  der  2.  Hälfte  des 
11.  Jahrhunderte  —  begiunt  mit  der  Legende.  Für  uns,  da  wir  nur  die  sicheren 
Ergebnisse  der  historischen  Kritik  verwerten  können,  sind  massgebend  die  immer 
noch  wichtige  „Kirchengeschichte  Deutschlands"  von  dem  trefflichen  Rettberg, 
2  Bd.,  1846  1848.  und  neuerdings  A.  Hauck,  „Kirchengeschichte  Deutschlands*'  I  , 
1898,  bes.  S.  432 ff.  Manches  Wichtige  sah  früher  schon  Werneburg,  Beiträge  z. 
thüring.  Gesch.,  MGE,  X,  1881,  8.  119h*'.;  einsichtig  urteilt  H.  Grössler,  Die  Ein- 
führung des  Christentums  in  den  nordthüringischen  Gauen  Friesenfeld  und 
Hassengau  (Neujahrsblätter,  herausgab,  v.  d.  Hist.  Kommission  d.  Provinz  Sachsen, 
1883,  No.  7).  Eine  Übersicht  endlich  giebt  Elise  Cholevius,  Programm  der  höh. 
Mädchenschule  zu  Königsberg  i.  Pr.  1897 :  Der  Eintluss  Roms  auf  die  Amtsführung 
des  Bonifatius.  —  Des  Bonifatius  angenommenes  weltliches,  ja  kriegerisches 
Wirken  in  Thüringen  hat  die  Sage  mit  besonderer  Vorliebe  behandelt  (z.  B.  die 
Legenda  Bonifacii,  s.  ob.  A.6);  dieses  hat  P.  Zschiesche,  Heidnische  Kultusstätteu 
in  Thüringen.  JAE  XXII,  1896,  S.  56.  66-68.  70.  77.  81 -X2 ,  mit  Recht  auf  alt- 
heidnisches Sageuwerk  (Bonifatius  tritt  an  die  Stelle  von  Wodan,  Balder  u.a. 
Göttern)  zum  Teil  zurückgeführt.  Eine  Zusammenstellung  bietet  auch  Hermann 
Glossier,  Mausfelder  Blatter,  XIII.  Jahrgang,  1899,  Die  Sagen  von  Winfried- 
Bonifatius,  S.  123-147. 

K.  Stolle.  MomorUle.  ö 


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114 


71.  Stück. 


berge,5*  do  buwete  her  eyn  deines  kirchelin  unnd  eyn  huss  do  by. 
Do  danne  czoch  her  in  hessen  land  kein  geissmar  unnd  warff  do 
niddor  einen  grosssen  boum,  den  dy  heyden  erten  in  dy  ere  ores  apt- 
gotis  jovis. 10    Do   buwete  bonifaeius  an  dy  stad  des  boumes  eine 
kirchen  in  sente  peters  ere.   Item  in  deme  andern  jare  dar  nach ,  do 
quam  her  widder  in  doringen  kein  ordorft  unnd  buwete  do  eyn  monster 
193  in  sente  miehels  ere.    In  den  selbien  gecziten11  was  eyn  erbar  man 
gesessen  under  deme  grafen  von  keft'ernberg,  den  hiss  hug  der  aide, 
unnd  der  was  der  erste  doring,  der  von  sancto  bonifacio  bekart  wart 
unnd  wart  uff  deme  alden  berge  getouftt,  unnd  der  gap  zu  erst  erp- 
liche gutere  zu  der  kerchen  ordorff. 
Rothe  J95       Dar  noch  ubir  czwey  jar,  das  was  noch  cristi  geburt  sobenhundert 
728  unnd  achteunndczwenczig  jar,  do  buwete  sanctus  bonifaeius  in  hessen 
so  dy  stad  frisslar.  |  Dar  noch  als  man  czalte  nach  cristus  geburt  soben- 
73G  hundert  unnd  sechss  unde  drissig  jar,  do  buwete  koning  pippinus  das 
stifit  zu  herssfelde 12  unnd  gap  dar  zu  vole  gutes  in  hessen  unnd  in 
W    doringen.   Item  dar  noch,  als  man  schreib  nach  cristus  geburt  soben- 
745  hundert  unnd  funffunndvirezig  jar,  do  buwete  sanctus  bonifacins  das 
74»  monster  zu  fulda,  unde  dar  noch  ubir  vier  jar,  do  quam  der  bobist 
Köthel  Zacharias  von  roma  kein  fulda  unnd  wiete  do  das  selbye  monster. 
m.     Item  als  man  schreib  nach  cristus  geburt  sobenhundert  unde  sechss 
unnd  vierezig  jar,  do  buwete  sanctus  bonifaeius  unser  lieben  frowen 
kerchen  zu  erffort. 13   Als  du  sanctus  bonifaeius  vele  gutis  in  hessen, 
doringen,  westfoln  unnd  francken  etc.  gethon  hatte,  das  wort  gotis 
mildicklieben  vorkundiget  unnd  zu  oinem  bisschoffe  gesatezt  wart  von 
ikSifeji  deme  bobiste  zacharia  unnd  pippino  unnd  das  land  zu  doringen  in 
v*m.    heidonnisschem  glouben  was,  unnd  meinte,  das  zu  bekerne  zu  deme 
8'»66*r  heyigen  glouben  unde  fragete  noch  des  landes  Gelegenheit,  her  wart 

•  Altenberge  ist  jetzt  ein  Dorf  im  Herzogtum  Sachsen  -  Koburg  und  Gotha, 
zwischen  Georgeuthal  und  Friedrichroda  (s.  o.  8t.  44  A.2),  link»  vom  Dorfe  „oben  an 
gelichteter  Waldseite  int  die  geweihte  Statte  mit  dem  Kandelaber,  auf  welcher  ehe- 
mal« die  St.  Johanniskirche  stand,  die  als  älteste  Kirche  Thüringens  bezeichnet 
wird  und  i.  J.  724  von  Bonifatius  gebaut  sein  soll,"  s.  Löffler,  llonifacius  oder 
Fever  des  Andenkens  an  die  erste  christliche  Kirche  in  Thüringen,  bei  Alten- 
befge  im  Herzogtum  Gotha,  1812.  10  Willibald,  vita  Bonifatii,  1.1.  pag.  348  sq., 
cap.  VIII  §22:  „quorum  eonsulto  atque  consilio  roborem  quandam  mirae  magni- 
tudinis,  qne  priseo  paganorum  vocabulo  appellatur  robor  Iovis,  in  loco.  qui 
dicitur  Gaesniarae,  servis  dei  secum  adstantibus  suecidere  temntavit."  Juppiier 
ist  hier  an  die  Stelle  des  Donar  getreten,  an  dessen  Stelle  aber  sonrt.  wie  so 
oft,  der  Apostel  Petrus  tritt.  11  Wir  lassen  den  Chronisten,  welcher  die 
gewöhnliche  legende  bringt,  ruhig  erzählen,  ohne  seine  Worte  mit  kritischen 
Noten  zu  begleiten  —  das  würde  eine  Monographie  über  Bonifatius  werden 
nuiHxen  — ;  unser  Standpunkt  ist  in  A.8  durch  Hinweis  auf  Hauck  und  Grössler 
hinreichend  klargestellt;  wir  verweisen  noch  auf  die  Urkunden,  welche  RDTbD, 
I,  von  No.  8  (S.  ü)  an  über  Bonifatius'  Geschichte  bringt.  ,?  S.  ob.  St.  29  A.  16. 
1:1  S.  Kurze  Geschichte  der  Stiftskirche  Beatae  Mariae  Virginia  zu  Erfurt.  Mit 
Benutzung  bisher  zum  Teil  noch  unbekannter  Quellen  bearbeitet  von  Heinrich 
Beyer.  Mit  Anmerkungen  und  einer  Skizze  der  Kirche  und  ihrer  Umgebung  von 
Rud.  Böckner,  MGK,  VI,  1873,  S.  124-221. 


lynizeo  uy 


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71.  Stuck. 


115 


bericht,  das  Jand  zu  doringen  were  czwolft  mile  lang,  breit  unnd  wid 
unnd  were  beslossen  mit  czween  wassern,  mit  der  werra  unnd  mit  der 
sal,  unnd  ouch  mit  czwen  weiden,  mit  deme  harcze  unnd  mit  deme 
doringer  waldeu;  wanne  is  zu  deme  glouben  queme  unnd  worde 
bekart  unnd  wurde  gebuwet  noch  synem  rechte,  es  were  das  beste 
Iand  zu  der  narunge.  das  man  mochte  finde  in  aller  werlt 

Do  besammete  sich  der  bisschoff  bonifacius  starg  unde  czoch  mit 
vele  Volkes  in  grosser  her  |  krafft  in  doringer  land.  Do  das  dy  doringe  * 
vornomen,  do  erschroken  sy  gar  sere  unde  meynten,  sy  musten  alle 
sterben,  unnd  flohen  alle  zu  sammene,  man  unnd  wip,  uff  eyn  bruchich 
by  der  onstrut  czwossen  gebese  unnd  herbesleuben  an  eyn  wol,  das 
heyset  dy  treteburg.  Do  meynten  sy  zu  bliben  tod  adder  lebennig, 
wann  worumme  stete  adir  mechtiger  slosse  zu  der  czid  in  deme  lande 
nicht  en  worn.  Der  bisschoff  czoch  bescheidelich  in  das  land  zu  do- 
ringen  unnd  hisch  dy  doringe  vor  sich.  Dy  doringe  schickten  ore 
clugesten  vor  den  bisschoff,  das  sy  sine  worte  vor  nemen.  Der  bisschoff 
sprach :  Ir  lieben  doringe,  ir  sollet  uch  lassen  touffen  unnd  den  heiligen 
cristen  glouben  an  uch  nemen.  Thuth  ir  das,  ess  komet  uch  allen  zu 
nutcze  unde  zu  fromen  unnd  sal  uch  uranier  helffen;  thud  ir  abir  des 
nicht,  so  wel  ich  eynes  andern  mit  uch  begynnen.  Dy  doringe  sprochen : 
lieber  herre,  welcherleye  nutcz  adir  fromen  mag  uns  da  vone  enstehen, 
adir  was  mögen  wir  des  gnisssen?  Der  bisschoff  sprach:  Got  ist  komen 
uff  das  ertriche  durch  des  menschen  willen,  unnd  got  ist  selbest  mensche 
worden  unnd  had  mit  omo  brecht  gerichte  unnd  trede;  das  ist  glich 
gewegen  durch  syn  blud,  glich"  den  armen  alsb  den  riehen.  Dar  umme 
sullet  ir  unnd  alle,  dy  an  on  glouben,  gefryhet  unnd  gewerdigit  sy  vor 
unrechter  gewalt  an  liebe  unnd  an  gute  hir  uff  ertriche  unnd  hirnoch 
an  der  sele  vor  der  helle  unnd  vor  der  tuftelscher  gewalt.  Dy  doringe 
sprochen:  Lieber«  herre,  sint15  das  der  goborne  |  got  das  mag  zu  m 
thune,  so  schaffet,  das  her  ouch  vormoge,  das  wir  des  czenden  ledig 
werden  von  deme  konige  zu  ungern;  deme  müssen  wir  czenden  gebe 
von  liebe  unnd  von  gute,  das  czende  kint  müssen  wir  gebe  unnd  ouch 
von  allen,  das  wir  haben.  Worden  wir  des  czenden  loss,  unnd  uns 
worde  des  eyn  orkunde,  sso  wollen  wir  getruwelichen  gloubo  unnd  uch 
volgen;  geschiet  abir  des  nicht,  sso  Wullen  wir  nummer  geglouben,  das 
es  der  geborne  got  vormoge,  unnd  wallen  by  unserra  glouben  blibe 
tod  adir  lebendig.  Dar  umme  beten  wir  uch,  lieber  herre,  das  ir  uns 
des  eyne  anwart  gebit  zu  adir  abe,  da  wir  uns  nach  gerichte  mögen. 
Der  bisschoff  bonifacius  sweig  nicht  lange  unnd  sprach:  Ich  wel  uch 
eyne  antwart  gebe.    Do  ging  der  bisschoff  mit  den  synen  zu  rathe 

•  HS:  durch  den  armen;   Ergänzung  nach  unten  8.  116  ZI.  U.  HS:  als  durch  den 

riehen.       •  HS:  Hebe. 

14  Die  4  Namen:  Werra.  Saale,  Harz  und  Thüringerwald  »rtzt  Stolle  zu. 
n  Sint  int  hier  Konjunktion,  und  zwar  in  eau*alem  Sinne:  ,,da.  weil." 


116 


71.  Stück. 


unnd  sprach:  Ich  darff  wol  ratis  umme  harten  vorsatcz,  den  dy  doringe 
vor  sich  nemon;  der  konig  von  ungern  ist  also  mechtig,  das  ich  dy 
doringe  des  czenden  von  ome  nicht  geledige  mag;  sal  ich  sy  dann 
[lassen]*  erslaen  unnd  or  blud  uff  mich  nemen,  das  ist  mir  ouch  alzu 
swehir;  sal  ich  sy  ouch  sitczen  lassen,  so  mochten  ander  land  da 
vone  in  czwift'el  valle,  dy  den  glouben  gereyte  haben;  dar  umme  bitte 
ich  uch  umme  getruwen  rath,  wy  ich  mit  gelimphe  von  deine  lande 
scheyde,  das  man  icht  dorffe  spreche:  dy  doringe  sint  mit  gewalt 
deme  bisschoffe  vor  sessen.  Dussse  sache  wart  gewegen  unnd  wart 
roth  vor  gegeben.  Do  sprochen  des  bischoffis  manne:  Lieber  herre, 
uns  duncket  gut,  das  ir  den  doringen  eyn  bedechtenisse  gebit,  eyne 
benamete  czid,  unnd  das  sy  uch  danne  widder  sagen,  ab  sy  volge 
v  wollen  |  adir  nicht;  in  des  moget  ir  des  keysers  unnd  des  bobistis  hulffe 
unnd  rath  dar  zu  erworben.  Deme  bisschoffe  gevil  der  rath  wol,  unnd 
wart  des  mit  on  eyns.  Also  nu  der  bisschoff  des  nächtens  an  sine 
rüge  quam  unnd  ouch  alle  dy  synen,  do  quam  eyn  stymme  von  gote 
(•. ».    also  freysslich  unnd  gruwelich,  das  den  bisschoff'  dunckte,  her  hette 

1  * sin  leben  vor  lorn.  Dy  stymme  sprach:  Bonifacius,  du  czwifeler,  wy 
Germ»ni»«  sohlen  dy  doringe  an  mich  gegloube,  nu  du  selbir  an  mir  czwiffelst? 

H^niftÜii  hastu  ny  gelessen,  „et  occidit  reges  fortes,"  das  bedutit  „her  erslug  dy 

Melken  starcken  konige?"  Ich  bin  von  deme  hymmele  komen  uff  das  ertriche 
Ti.*0  dorch  des  menschen  Wullen,  unnd  das  mensche  ist  myn  bilde,  der  arme 

i*«.  843.)  ajs  jer  riche,  unnd  habe  gerichte  unnd  gerechtickeit  mit  mir  bracht, 
das  ist  gewogen  durch  myn  blud  glich  deme  armen  als  deme  riehen; 
dar  umme  wil  ich  nicht,  das  keyn  mensche  sal  czenden  adir  czinss 
geben  von  synes  selbes  lyebe  eyme  andern  menschen;  ich  wil  syn 
ouch  selbest  nicht  unnd  wil  dy  dar  ubir  setezen,  dy  das  mensche,  das 
an  mich  gloubende  ist,  beschutezen  unnd  beschermen  vor  unrechter 
gewalt,  arme  luthe  wettewan  unnd  weyssen  dy  sich  selber  nicht  ge- 
schuteze  mögen,  dy  armen  nach  forder  dann  dy  riehen,  unnd  sullen 
das  thun  by  der  pyne.  Dar  umme  heysso  ich  dich,  das  du  dy  doringe 
salt  des  czenden  ledig  Unnd  loss  sagen,  unnd  gib  on  des  myne  truwe, 
das  on  der  koning  von  ungern  des  czenden  nummer  mehir  sal  ane 
6s  gewinne;  unnd  das  sal  or  orkunde  sin,  das  du  |  von  on  nicht  komen 
salt  unnd  salt  by  den  doringen  in  deme  lande  also  lange  blibe,  biss 
das  eyn  or  künde  schinbarlichen  koramit;  das  ist  gar  nahe,  da  richte 
dich  uff  mit  den  dinen!  Der  bisschoff  was  des  trostis  gar  fro  unnd 
was  doch  in  grosser  sorge,  in  welcher  wysse  gotis  orkunde  kome  wolde. 
Der  bisschoff'  hisch  dy  doringe  vor  sich  unnd  gab  on  anwart  unnd 
sprach:  Ir  lieben  doringe,  got  ist  komen  uff'  das  ertriche  durch  des 
menschen  wullen,  und  got  ist  selber  mensche  worden,  und  got  ist  des 
menschen  bilde,  dar  umme  wol  got  nicht,  das  keyn  mensche  von  synes 
selbes  liebe  czenden  adir  czinss  sulle  gebe  eynem  andern  menschen; 
got  wil  ouch  nicht  sin  selber  von  des  menschen  Übe;  dar  umme  sage 


»  IIS  «etat  noch  la»«a  Wiho,  gegvn  den  Sinn  der  Vorige 


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71.  Stück. 


117 


ich  uch  des  czcnden  loss  in  syrae  heiigen  namen  unnd  gebe  uch  des 
sine  truwe  zu  pfände,  das  uch  der  koning  von  ungern  des  czendon 
nuraraer  mehir  sal  an  gewynno  unnd  das  sal  uwer  erkunde  sin,  das 
ich  by  uch  selber  bliben  wel  in  dissemo  lande  also  lange,  das  uch 
gotis  orkunde  komet. 

Dy  doringe  worden  des  alle  fro,  das  der  bisschoff  by  on  bliben 
wolde.  Der  koning  von  ungern  hatte  vor  nonion,  das  der  bisschoft' 
das  land  von  orae  keren  wolde.  Des  koniges  von  ungern  heir  quam 
also  gar  starg  in  doringer  land,  das  des  bisschoffis  heir  da  keyn  un- 
gewegen1"  was.  Der  bisschoft"  bonifacius  lag  zu  der  czid  an  eyrae 
ende,  da  itezunt  neylstete17  lid.  Dy  ungern  waren  also  girig  zu  ome 
durch  ore  grosse  macht  unde  vylen  zu  ome  in  das  gebruchech  zu 
fussse  unnd  zu  pferde;  dy  vordersten  worden  gedrungen  in  dy  unstrut; 
der  bisschoft*  stunt  ober  on  uff  hartem  stade  |  unnd  riff  got  an  ummb  t 
hulffe  unnd  er  slug  or  also  vele  in  der  unstrut  tod,  das  das  wasser 
ferne  en  weg  floss  mit  blute.  Abir  dy  uff  deme  bruche  worn,  dy 
onkonden  widder  hinder  noch  forder  korae,  unnd  dy  uft'  trockem  lande 
warn,  dy  flohen  en  weg,  unnd  was  or  do  bieben,  dy  er  slug  der 
bisschoff  alle  mittenander  uff  deme  ryte  zu  neylstete.  Von  des  bis- 
schoffes  volke  bieben  ouch  czwene  tod  uff  deme  rythe  zu  neylstete; 
da  selbest  sint  hene  gesatezt  czwene  hoche  steine  zu  einem  gedecht- 
nisse  unnd  sint  crueze. 

Da  dy  doringe  gesagen,  das  gotis  orkunde  also  gross  komen  was, 
da  gloubeten  sy  an  den  geboren  got  unnd  lissen  sich  touften.  Do  der 
bisschoft  das  allis  vorbrachto,  do  boten  on  dy  doringe,  das  er  ore  boten 
mit  ome  neme  unnd  schufte,  das  on  eyn  richter  worde,  unnd  das  thed 
der  bisschoft  unnd  enpot  ouch  dorne  bobiste  unnd  koysere,  wy  es  ome 
im  lande  zu  doringen  er  gangen  were.  Der  bobist  unnd  der  keyser 
worden  serc  fro,  das  got  den  heilgcn  cristen  glouben  also  gestercket 
hatte.  Do  santo  der  keyser  sine  eygen  boten  in  doringen  mit  oren 
bothen  unnd  schreib  unnd  enpot  on,  das  sy  veste  stunden,  er  wolde 
on  zu  hulfle  komen  unnd  wolde  on  einen  eygen  richter  gobe,  der  sy 
solde  by  allem  rechto  behalde. 

Also  was  nu  eyn  togentsamer  wolgeborner  cdeler  man  uss  Rotbo  as» 
franckrieh,   geheysen   lodewig  mit  deme  barto,1*  der  hatte  einen 

|fi  Ungewegen  =  ungewogen,  d.  i.  „nicht  gewogen,  nicht  gleich  gewogen,  nicht 
gleich."  17  Nägelstedt,  preuss.  Dorf  an  der  Unstrut,  Kreis  Langensalza.  Die 
unten  erwähnten  2  grossen  Steine,  Kreuze,  welche  Stolle,  der  ja  in  Langensalza 
auf  der  Schule  war,  noch  selbst  sah,  sind  wahrscheinlich  Hoheits-  oder  Grenz- 
kreuze des  deutschen  Ritteroniens,  der  in  Nägelstedt  (s.  Regel,  Thüringen,  II, 
I8Y5,  S.  547)  einen  im  13.  Jahrhundert  gegründeten  Ordenshof  besass;  öderes 
sind  sogen.  „Mordkreuze,"  die  sich  überall  finden.  '*  Dieser  sogenannte  erste 
Landgraf,  Ludwig  mit  dem  Barte  genannt,  scheidet  nach  dem  Naudöschcn  Nach- 
weis der  Uuechtheit  der  alten  Rcinhardsbrunner  Urkunden  (noch  Knochenhauer, 
Gesch.  Thüringens,  II,  S.  21-  4"»  wollte  wenigstens  die  Gestalt  selbst  ,  wenn  auch 
nicht  als  Einwanderer  in  Thüringen,  sowie  auch  die  bescheidenen  Anfange  seines 
Hauses  retten,  der  Herausgeber  K.  Menzel  aber  widerspricht)  für  die  wissen- 


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118  71.  Stück. 

bruder,  den  hiss  hug,  unnd  der  selbige  hug  was  gar  eyn  erlieher 
m  redelicher  gestrenger  uss  richtiger  man ,  also  das  her  wart  gejniacht 
zu  einem  hofemeister  unnd  heymelichen  rathe  eines  bisschofles  zu 
mentez.  Der  selbige  hug  wart  do  von  deme  bissehoffe  zu  mentcz 
umb  siner  redelickeit  wollen  mit  vele  gutis  unnd  ritter  lehen  an  deme 

Roth«  aa«  ryne  unnd  im  lande  zu  doringen  belehent.  Also  nu  der  selbige  hug 
gestarp,  do  wart  sin  bruder  lodewig  mit  dem  barte  von  deme  bissehoffe 
zu  mentcz  dorch  sines  bruder  hugis  willen,  den  der  bisschofi  gar  lieb 
hatte,  zu  eyme  vitezthura  gemacht  in  doringen,  wann  das  land  uft'  dy 
czit  an  deme  riche  unnd  ford  am  bisschoft  zu  mentcz  stunt.  Also 

RuthQSss  quam  lodewig  mit  dem  barte,  der  erste  vitezthum,  in  doringen  unnd 
erboth  sich  gar  gutlich  keyn  den  grafen  unnd  hern  unnd  allen  erber 
luthen  unnd  steten,  unnd  was  ome  von  deme  bisschofle  befolen  was, 
das  zu  syme  ammecht  gehörte,  das  richte  her  gar  herlich  unnd  wol 
uss  unnd  hilt  sich  besundern  an  den  doringeschen  walt,  da  dy  blosse 
loube19  Iyt,  unnd  liss  do  uss  roden  den  walt  unnd  liss  dar  uft  buwen, 
da  itezunt  lyt  das  closter  reinhardisborn,  der  aldeberg,  kattirfelt20  unnd 
bruwerterode,21  unnd  wart  umme  siner  dinstlicher  gutlichkeit  also  von 
allen  edeln  zu  doringen  gar  lip  gehalden  unnd  besundern  von  grafen 
bussen22  von  glichen  unnd  von  graten  gunther 22  von  keflernberg,  unnd 
von  den  selben  unnd  andern  hern  unnd  guthen  luthen  im  lande  zu 
doringen  kouffte  her  vele  erbos,  forwerg  unnd  dorffe,  wann  her  vele 
geldes  unnd  gutes  gewan  von  syme  brudere  buge,  als  oben  geschreben 
▼  steint.   Dar  noch  von  vorhencknisse  der  hern  zu  doringen,  |  do  buwete 

Roth« 334  her  in  deme  walde  nahe,  do  itezunt  reinhardisborn  lyt,  eine  schone 
vesten,  dy  nante  her  schouwenburg, 23  unnd  da  sei  best  hatte  her  sine 
tegeliche  wonunge.  Also  nu  disser  herre  lodewig  mit  deme  barte,  also 
geheissen  dar  uramb,  das  her  pflegelich  eynen  langen  bart  trug,  unnd 

schädliche  Geschichte  als  eine  rein  sagenhafte  Gestalt  aus;  hier  erscheint  er  un- 
mittelbar nach  der  Bekehrung  der  Thüringer  zum  Christentum  (wobei,  wie  schon 
gesagt  ist,  Karl  Martell  uud  Karl  der  Grosse  verwechselt  werden),  suater  von 
Karl  dem  Grossen  abgesandt,  zuletzt  entweder  als  Abkömmling  der  Karolinger 
oder  als  Staufer  (!)  oder  als  Verwandter  der  ersten  salischen  Kaiser  (von  Kaiser 
Konrads  II.  Gemahlin  Gisela),  wobei  seine  Regierungszeit  mit  der  Kaiser  Hein- 
richs III.  (1089-1056)  gleichgesetzt  wird;  s.  u.  St.72  A.  1  u.  St.  7:$  A.  1.  Der 
Wald  von  der  Gegend  von  Schwarzburg  bis  Fried richroda  und  Suhl  hiess  die 
Ix>ibe,  vielleicht  der  Thüringer  Wald  im  allgemeinen  so;  die  t,blosse  Laube"  er- 
streckte sich  nach  der  (gefälschten)  Urkunde  Kaiser  Konrads  II.  vom  27.  April  1037 
(s.  RDThD  I,  No.  729,  der  auch  die  andere  Urkunde  bringt,  sowie  die  nötige 
Litterat ur  erwähnt)  von  der  Gegend  von  Altenbergeu  bis  zur  Zellaer  Laube  bei 
Zella -St.  Hlasii  (Dorf  im  Herzogtum  Sachsen  -  Koburg  und  Gotha).  S.  noch 
K.  Brandis,  Berg-  und  Thalnamen  im  Thüringerwald,  1894,  S.  37.  20  Katterfeld 
bei  Altenbergen,  Dorf  i.  Herzogtum  Saehsen-Koburg  und  Gotha,  s.  oben  Anm.  9. 
51  Jetzt  Brotterode .  preuss.  Marktflecken ,  am  Fusse  des  Iuselsberges.  Alles 
sagenhaft,  s.  A.  Werneburg,  Über  die  Glaubwürdigkeit  der  Reiuhardsbrunner 
Geschichtsbücher,  MGK  VIII,  S.  15—20.  Wer  diese  Sagen  bequem  lesen  will, 
sei  u.a.  auf  Polack,  Die  Landgrafen  von  Thüringen,  1865,  S.  8  f.  verwiesen. 
"  Angebliche  „Ruine"  (d.  h.  geringe  Mauerreste)  in  der  Umgegend  von  Friedrich- 
roda; hierüber  s.  Polack  a.a.O.  S.  9,  und  von  ebendems.,  Die  Schaumburg,  1858. 


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71.  Stück. 


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eyn  vitczthuni  in  doringen  was  geheyssen  unnd  also  vaste  unnd  gar 
sero  zu  begonde  zu  nemen  mit  gute  unnd  mit  slossen,  dy  hör  kouflte 
unnd  buwete,  unnd  hilt  das  land  in  grossem  frede  unnd  vorsunete 
czweytracht  gerne,  unnd  darumme  das  her  also  frome  unnd  gutlichen 
was,  sso  wart  her  von  allen  edeln  luthen  ge  erit  unnd  in  oren  rath 
geczogen.   Also  nu  syn  mogk,24  der  keyser  uss  francrich,  in  doringen  Roth» 35s 
quam  unnd  vor  nam  syne  redelickeit  unnd  wissheit  unnd  dy  gunst, 
dy  dy  erber  luthe  zu  ome  hatten,  do  machte  her  on  zu  eynem  graten 
des  landes  zu  doringen,  unnd  wart  do  von  allermelichem 25  eyn  grate 
von  doringen  genant  unnd  eyn  herre  von  schouwenborg.   Also  nu  der  L<v*n(U 
herre  mit  derae  barte  von  deme  keysere  also  zu  einem  grafen  zu 
doringen  mit  der  doringer  willen  gemacht  unnd  gekorn  was,  do  machte /,  ^«gf) 
der  keyser  das  land  zu  doringen  zu  eyme  fan  lehen20  unnd  belente  u,,uge 
den  hern  do  mete  unnd  leich  ome  dar  ubir  des  riches  fanen,  dach  Leg.B«nif. 
also,  das  grafen,  fryen  unnd  alle,  dy  eygen  gerichte  haben,  iglicher y™£iGL K 
richter  wol  richten  mnss  in  syme  gerichte,  das  ome  gebort  mit  rechte.  »sVumi 
Der  lantgrafe*7  sal  ouch  sechsse  kysen,  grafen,  tryen,  welcher  her  wel,  'jJJJi!* 
dy  in  syme  lande  gesessen  sint,  ussewendig  nicht.   Dy  sechsse  sullen  j^-g^Jg 
noch  sechsse  zu  on  kessen,  dy  besten  unnd  dy  klugisten,  dy  in  derae    * W. 
lande  sint;  unnd  dy  selben  czwolffe  sullen  |  sich  vor  pflichte  vor  deme  r>* 
lantgrafen  unnd  sweren  by  dem  eyde  uft  dy  heiigen  von  des  landes 
wegen,  das  sy  recht  orteyl  Wullen  finde  in  allen  sachen,  also  das  sy 
der  nicht  besser  wissen  glich  deme  armen  als  deme  riehen,  das  on  got 
also  belfle  unnd  dy  heiigen.    Der  lantgrafe  sal  sin  ding  drystunt28 
sitezen  in  deme  jare  yo  in  achezen  wochen  eyns;  das  erste  gerichte 
sal  sin  noch  winachten,  als  man  gesungen  hat:  omnis  terra,  das  andere 
nach   pfingisten,  als  man  gesungen  hat:  dous  in  tua  misericordia, 
das  dritte,  als  man  gesungen  hat:  da  pacem  domino.    Der  dingstul 
wart  gesatezt  uff  das  ryet  zu  mittelhusen  mit  der  doringe  willen2'-'; 

w  Hier  ist  Karl  der  Grosse  gemeint,  der  in  Deutschland  Gau-  und  Gerichte- 
verfassung einrichtete;  daher  mag  die  Sage  entstanden  seh),  dass  Ludwig  mit 
dem  Barte  dem  alten  Karolingcigescbleehte  entstammt  sei.  *"  =  „albuählich.,< 
16  Hei  den  weltlichen  Fürsten  folgt  die  Belehnuug  durch  die  Lanze  mit  der  Fahne 
oder  durch  die  Fahne  allein;  bei  der  Vereinigung  mehrerer  Füretenlehcn  auch 
durch  mehrere  Fahnen.  Oben  S.  113  sendet  der  Papst  an  Karl  den  Grossen  dy 
vanen,  d.h.  er  wollte  ihm  die  weltliehe  Macht  übertragen  wissen.  5T  S.A.  Gross, 
Die  Anfange  des  ersten  thüring.  Landgrafengesehlechtes ,  Dissertation,  Göttingen 
1880;  O.  Dobenecker,  Über  Ursprung  und  Bedeutung  der  thüringischen  Laud- 
grafschaft,  ZThG,  N  F.  VII,  181)1,  S. 825  ff  7h  Die  ungebotenen  Dinge  fanden 
dreimal  (dry  stunt)  im  Jahre  statt:  1.  im  Winter:  nach  dem  2.  Sonntage  nach 
Epiphanias  (introitus  missae  dominic.  II  post  Epiphan.:  omnis  terra  adoret  te, 
Dcus,  et  psallat  tibi:  psalmum  dieat  nomini  tuo,  Psal.  65  v.  4  Vulgata);  2.  im 
Frühjahr:  domic.  I  post  trinit.  (introitus  missac  dorn.  I  post  trinit. :  Domine, 
|ego  autemj  in  tua  misericordia  speravi  c.  q.  s.  —  Ps.  12  v.  6  Vulgata)  ;  endlich 
3.  im  Herbste:  Domic.  18  post  Penteeost.  introitus  missae  domic.  XVIJI  post 
Pentec. :  Da  pacem,  domine,  sustineutibu*  te  e.  q.  s.  -  Ecclesiastieus  \ .1  es.  Sirach | 
36  v.  18  Vulgata).  •''  Die  leg.  Bonif.  vern.  liest:  „mit  der  Tliüringer  wiesen,"  die 
lat.  legenda  aber:  „Tribunal  cum  consensu  Thuringorum  positum  est  sujicr  sacrario 
(HS:  sarario)  villae  Mittelhusen."    üb  in  der  Fassung  Stolles  ein  Fehler  liegt? 


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71.  Stück. 


den  selben  dingstul  sullcn  mache  czvvo  hufe  landes,  dy  do  legen  in 
deme  feldo  zu  elxleubon30  an  dergera,  wer  dy  under  ouie  haid  etc.31 

Der  apt  von  sente  peters  berge  zu  orffort,  der  sal  dy  tepte32  da 
hene  pflegen,  do  dy  hern  uffe  sitezen,  dar  ummb  ist  onie  das  dorft 
mittelhusen  gegeben. 
Leg.  Bonif.       Dusser  gnade  zu  bestetigunge  unnd  zu  orkunde  des  lantgerichtes 
JJ!"h58—  zu  eyme  ewigen  gedechtnisse  buwete  der  keyser  karl  dry  kerchen  im 
85a-    lande  zu  doringen;  dy  einen  an  der  ylmana,  do  itezunt  mey Idingen 33 
lyd,  In  des  heiigen  crucis  ere;  dy  andern  kerchen  buwete  her  an  der 
unstrut,  da  itezunt  vargula84  lyd,  in  dy  ere  des  heiigen  crucis,  unnd 
sanetus  bonifacius  buwete  dy  dritten  kerchen,  da  nu  kornere35  lyd,  in 
dy  ere  saneti  peters.    Dy  selben  dry  kerchen  sint  alle  dry  sene- 
wellen.3,;  —  Dusser  selbige  keyser  karl  was  alle  czit  gar  sere  bedacht 
uff  der  lande  gebrechen  unnd  uff  armer  lute  noyd,  wy  her  das  mochte 
▼  noch  gliche  unnd  |  noch  rechte  gewandelen,  dar  ummb  er  hub  on  got 
also  hoch  uff  dissem  ertriche. 
L7,BJll|f'       Hir  folgen  nu  noch  dy  vier  ding  stule  der  gerichte  dos  landes  zu 
Pg.  86a-  doringen.   Der  erste  dingstul  ist  gesatezt,  da  itezunt  gota  lyd ;  in  deme 
863,    selben  virtele  lyd  dy  grafeschafft  glichen  unnd  eyn  geistlich  stul  zu 
ordorf!,37  den  dy  geistlickeit  seddir  ouch  keyn  gota  haben  gelegit 
Der  ander  stul  wart  gesatezt,  da  nu  tungosbrucken3*  lyd;  in  deme 
selben  virtel  lyd  dy  grafeschaßt  kerchberg,  das  borg  wal  lyd  czwusschen 
stolberg35'  unnd  lora,  unnd  der  geistliche  stul  zu  jecheborg.   Der  dritte 

30  Jetzt  Elxleben,  preussisches  Dorf  an  der  Gera,  tandkreis  Erfurt.  31  Das 
etc.  des  Chronisten  sina  wir  in  der  I>nge  aufzulösen,  und  zwar  thun  wir  es  nach 
der  Leg.  Bonif.  vernacula  (pag.  857):  ,,wer  die  unter  ihm  hat,  der  soll  den  stuhl 
gegen  Morgen  bekleyden,  hinter  auf  mit  Delen  »oll  er  bedekt  »eyn,  von  oben 
auff  biss  auf  die  Erden.  Von  beyden  gelten  soll  er  bekleydet  »eyn,  nicht  höher, 
denn  dass  man  den  Richter  und  die  Schoppen  ihr  Antlitz  gesehen  kann,  und 
sie  auch  kann  gehören.  Auch  soll  der  Stuhl  forne  mit  einem  (Thür-) Riegel 
gemacht  seyn ,  dass  man  möge  aus  Und  einkommen ,  also  offt  des  Noth  seyn 
würde,  ob  es  noth  geschehe,  dass  die  Sehöpffcn  aus  dem  Gerichte  tretten  müssen, 

und  sich  da«  Recht  lernen  Hessen/'       "  In  der  lat.  Fassung:  „abbas  ad- 

ministrare  U*nctur  dorsalia  et  tapeta"  (dorsalia  =  Rückendecken,  tapeta  *=• 
Teppiche);  Teppiche  wurden  im  Mittelalter  häufig  als  Vorhänge  für  Wände  und 
bei  Zelten  gebraucht;  berühmt  sind  die  Zeltteppiche  Karls  des  Kühnen,  die  er 
bei  Granson  verlor.  Flecken  im  Verwaltungsbezirk  Weimar  des  Grossherzog- 

tums  Sachsen;  s.o.  St. 38  A.  7.  84  Vargula,  s.  ob.  St.  53  A.  I.  s&  Körner. 
Flecken  im  Landratsamte  Gotha  des  Herzogtums  Sachsen -Koburg  und  Gotha 
(Exclavc),  nicht  weit  von  Mühlhausen  i.  Th.  M  Das  md  senewel  =  mhd  siue- 
wel.  d.  h.  „rund,  gewölbt,'*  von  Bauwerken  romanischen  Stiles  auch  sonst,  von 
Kirchen,  Klosterbauten,  Türmen  Bezüglich  romanischer  Kirchenbauten  in  Thüringen 
sei  nur  an  Paulinzella  erinnert.  Die  deutsche  Leg.  Bonif.  versteht  das  Wort 
nicht,  da  sie  „sein  will"  schreibt  und  in  Klammern  mit  seine  Ordnung*'  erklärt. 
;,:  Ohrdruf,  Stadt  mit  altem  Kloster  im  Herzogtum  Sachsen-Koburg  und  Gotha. 
:w  Verschrieben  für  Tominesbrücken  (deutsehe  I>eg.  S.  Bonifacii)  s.  ob.  St.  66  A.  12. 
:,u  Die  lat.  wie  deutsche  Legend.  S.  Bonifacii  schreiben  Strussberg,  unweit  Gonders- 
hausen. Besitzer  der  jetzt  wüsten  Burg  ist  der  Fürst  von  Schwarzburg-Rudolstadt; 
näheres  s.  bei  C.  Duval,  Straussberg,  Thüringen  und  der  Harz  II.  S.  84 ff.,  ebend. 
Bd.  VII,  S.  17  ff.  über  Lohra,  früher  Kloster,  jetzt  Domäne  bei  dem  preusaischen 


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72.  Stuck. 


121 


stul  wart  gesatczt,  da  nu  wissensee  1yd-;  in  deme  selben  virtel  1yd  dy 
grafeschafft  bichelingen,  unnd  der  geistliehe  stul  zu  bebara.^0  Der 
virde  stul  wart  gesatczt,  da  nu  bottelstete  1yd;  in  deme  selbigen  virtele 
Ivel  dy  grafeschaflt  keflernberg,  unnd  den  geistlichen  stul  halden  dy 
geistlichen  zu  erfforte. 

Ditte  heiset  das  aide  land  zu  doringen,  unnd  sint  dy  vier  voyto 
unnd  voytding,*  dyb  rüge  mit  rechte  gehabe  mögen;  unnd  disse  vier 
voyte  sullen  das  land  in  steter  hüte  behalden  mit  den  rechten,  unnd 
ouch  das  land  befreden.  Wer  ouch  in  eynem  stule  vor  festend  wirdit, 
in  den  andern  dryen  ist  her  unbefestent;  wer  abir  zu  mittelhusen  vor 
deme  lantgrafen  unnd  vor  den  czwolffen  des  landes  in  dy  achte  kommet, 
der  ist  in  allen  andern  stillen  unnd  gerichten  ubinvunden  unnd  sal  (  BonJ( 
ouch  in  deme  lande  nergen  frede  haben.  ™r». 

Der  keyser  karl  sprach  zu  letezt,  do  her  von  lande  sehyt:  Er  lant-  ''^f,3 
grafe  von  doringen  unnd  |  ir  czwolffe  des  landes,  ist  es,  das  ir  das  •r-r» 
gerichte  also  haldit  in  gliche  unnd  in  rechte,  so  sal  uch  ere  unnd 
fredes  nummer  gebreche. 

Wartperg  ist  das  houbit  des  landes  zu  doringen,  elgerspurg"  ist 
dor  rechte  arm,  ebersperg"  der  lincke  arm,  wissensee  das  hereze, 
eckerssperg18  dy  fusse  unnd  treten  uff  dy  sale. 


72.  Von  deme  ersten  lantgrafen. 

Derne  ersten  lantgrafen  zu  doringen  lodewige  mit  deme  harte,1  Rothe  335 
von  deme  hir  oben  gesehreben  stehit,  deme  wart  eine  riche  wottewinne 

*  HS:  wytdtag.       »  HB:  unnd  (nach  der  deut«cb«n  L»g.  8.  Bonlf.  verbessert). 

Dorfe  Münchenlohra,  nicht  weit  von  Nordhausen,  Amtsgerichtsl)ezirk  Blcicherodc; 
über  die  Grafen  Lohra  s.  RDThD  a.  v.  »Stellen.  40  Die  deutsche  Leg.  8.  Bonif. 
liest :  „Belara  und  leit  auf  der  Fenne"  (Finne).  Es  ist  das  Dörfchen  Bebra,  un- 
mittelbar bei  Sondershausen,  gemeint,  das  also  an  der  Hainleite  liegt.  41  Elgers- 
burg, sachsen - koburg - gothaisches  Dorf,  das  bekannte  Bad,  unweit  Ilmenau. 
47  Die  Ebersbure  ist  jetzt  eine  in  den  Vorbergen  des  Südharzes  zwischen  den 
preussischen  (i.  Kr.  Sangerhausen)  liegenden  Dörfern  Hermannsacker  und  Roti- 
leberode  liegende  Ruine,  über  welche  urkundlich  nichts  erhalten  ist;  sie  gehört 
dem  Fürsten  von  Stolberg-Rossla.  48  Eckartsberga,  preussische  Kreisstadt  im 
Regierungsbezirk  Merseburg,  mit  der  alten  Eckartsburg;  s.  \V.  Rein,  Die  l'alatien 
d.  alt.  thür.  Landgrafen,  Archiv  f.  Sachs.  Geschichte  I  S.  420  — 424. 

72.  1  Nach  vielen  Anfangen  kritischer  Behandlung  (s.  i.  bes.  Knochenhauer, 
Gesch.  Timringens  II,  21-45  —  s.  ob.  St.  71  A.  18  —  ferner  Ilgen  u.  Vogel,  Thüring. 
Erbfolgekrieg  —  «.  u.  St.  1 1 5  A.  1  —  in  kurzer  Zusammenfassung  Zcitachr.  für 
Hessische  Gesch.  u.  Landeskunde  X,  18H3,  S.  201— 227)  hat  O.  Dobenecker ,  Über 
Ursprung  und  Bedeutung  der  thüringischen  Landgrafschaft,  ZThG,  N.  F.  Bd.  VII, 
1801,  S  229— 234  trefflich  den  Ursprung  der  thüringischen  Landgrafen  gezeigt 
und  ihre  Bedeutung  gewürdigt.  Danach  fallen  die  Anfange  des  Ludwigsehen 
Hauses  (S.  307 ff.)  in  den  Beginn  des  12  Jahrhunderts;  alles,  was  vorhergeht, 
ist  sagenhaft.  Der  Chronist  bietet  auch  die  gewöhnliche  Tradition ,  die  im 
Knochenhaueis  und  besonders  an  Dobeneckers  Forschungsergebnissen  zu  messen 
d.h.  zu  verwerfen  bezw.  zu  berichtigen  ist. 


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122  73.  Stuck. 

gegeben  zu  der  ee,  dy  was  des  Stammes  dos  herczogen  von  Sachsen, 
unnd  dy  brachte  ome  dy  stad  sangerhuson  unnd  sobenhundert  hufe 
arthafltiges*  landes  in  den  fehlen  der  dortt'er  uiiimo  sangorhusen.  Unnd 
do  disser  lantgrave  in  doringen  drissig  jar  in  doringen  gewonet  hatte, 
Rothe  :ws  do  hisch  der  kevsor  dv  dutczchen  forsten  unnd  graven  kein  mentcz. 
Do  quam  her  ourh  dar  unnd  starp  do  sei  best  unnd  wart  begraben  zu 
sente  albano,  das  do  1yd  vor  der  stad  mentcz  uff  deme  berge,  in  der 
10T»0  kirchen.   Das  ist  ge  schoen  naeh  gotis  geburt  tnsent  unde  funffczig  jar. 


73.  Wy  lantgrafe  lodewig  der  Springer  eyncii  tod 
slug  uiiinie  syner  frowe  willen,  mit  der  her  bulte, 

Au»zog  aus  Der  andere  lantgrafe  in  doringen,  den  hiss  ouch  lodewig  der 
wo!*»?*'  Springer 1  unnd  was  lantgraven  lodewiges  mit  deme  barto  son.  Disser 
^jj-sw.  lantgrave  lodewig  der  andere,  der  buwete  dy  fürstlichen  borg  wartperg. 

352.    In  den  selbigen  geeziten  was  grossse  turde2  unnd  hunger  im  lande  zu 
Rotho  346  doringen.   Nu  hatte  disser  lantgrafe  lodewig  gar  feie  korns  unnd  liss 
t  dy  arme  luthe,  dy  her  gerne  erneret  hette,  das  sy  nicht  |  hungers 
sterben,  steync  füren  vom  seberge  by  gota  unnd  buwete  do  das  muss- 
huss  unnd  dy  andern  kemmenaten  unnd  torrae  dar  ufte  unnd  liss  es 
mit  blye  decken.   Unnd  ditte  ist  gescheen  nach  cristi  geburt  tusent 
1067  unnd  LXV1I  jar. 

Disser  lantgrave  lodewig  wart  gefangen  durch  eynes  tod  slagis 
willen  czwey  ganteze  jar,  wanu  her  den  pfalezgraven  von  Sachsen 
frederich  genant  er  stach  unnd  on  foln  tod  liss  slahen  umme  synes 
wibes  willen,  wann  der  selbige  pfalczgrave  gar  eyn  schönes  wib  hatte 
unnd  mit  or  sass  zu  husse  zu  sehyppelicz  im  osterlande3;  dar  umme 
was  disser  lantgrave  gefangen  czwey  jar  uff  der  borgk  gebichensteyn. 

2  Md  artbaftes  land  —  Pflugland. 

73.  1  Auch  um  ihn  ist  ein  reicher  Sagenkranz  gewoben,  .s.  Knochenhauer, 
Oeschiehte  Thüringena,  II,  S.  45-79  u.  Werneburg  a.  a.  O  MOE  VIII  S.  3i-">5; 
ebenso  die  ..vielen  Urkunden  bei  KDThD,  welcher  in  seinem  schon  genannten 
Vortrage:  Uber  Ursprung  und  Bedeutunir  <ler  thüring.  I.»audgrafsehaft  (ZThO 
N.  F.  Bd.  VII,  1891)  S.  307ff.  das  historisch  Feststellende  bringt.  Das,  was  Stolle 
über  den  Landgrafen  mitteilt,  ist  ein  sehr  gedrängter  Auszug  aus  Rothe,  mit 
Ausnahme  der  Erzählung  über  die  Hungersnot  in  Thüringen,  wo  er  Worte  von 
Rothe:  „her  stalte  sich  redelichen  unde  weislichen  yn  alle  syme  gescheiten  isse" 
mu  h  einer  uns  unbekannt  gebliebenen  Quelle  näher  ausgeführt  hat;  die  Stolleselie 
Erzählung  bietet  im  Kern  da«,  was  alle  die  Chronisten  und  Annalisten  bringen,  die 
HiJt.  Pistor. ,  bist.  Eccard.,  die  Anual.  Heinhartbr. ,  Nicolaus  von  Siegen  u.  a. 
*  Md  turde  =  mhd  tiurde,  stf.,  =  „Teuerung."  :1  Es  ist  Zschci  plitz  ge- 
nieint, Kittel  gut  und  Dörfchen  unweit  Frey  burg  a.  d.  Unstmt,  ursprünglich 
eine  slavische  Ansicdlung,  dann  ein  Schloss  der  Pfalzgrafen  von  Sachsen,  das  sie 
später  in  ein  Kloster  umwandelten,  s.  II.  Orössler,  Führer  durch  das  Unstrutthal, 
Archiv  für  Landes-  u.  Volksk.  der  l'rov.  Sachsen,  III.  18!>:5,  S.  114.  Jene  Um- 
wandlung gebraucht  die  Sage  (s.  RDThD  No.  907,  S.  i'OO),  um  Adelheid  reumütig 
hier  ein  Kloster  stiften  zu  lassen,  in  das  sie  eintrat,  wie  Ludwig  in  Reiiihardsbrunn. 


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73.  Stück.  123 

Do  golobete  disser  lantgrave  sente  ulriehe,  das  her  on'  uss  deme 
gefengnisse  wolde  helffe  mit  gute  unnd  mit  heyle,  so  woldo  her  in 
syne  ere  eyne  erliche  kerchen  buwen;  unnd  das  geschach.  Er  sprang 
von  gebichosteyn  er  nydder  in  dy  sal  ane  allen  schadon  unnd  quam 
heym  kein  sangerhusen;  dor  umme  heist  disser  selbige  lantgrave'' 
lodewig  der  Springer,  das  her  von  der  borg  in  dy  sal  sprang.  Unnd 
do  her  also  en  heym  quam,  do  gelobeto  her  gote  unnd  sente  ulriehe, 
unnd  liss  do  selbest  zu  sangerhusen  buwe  eine  kerchen  in  dy  ere 
sente  ulrichs.  Unnd  dor  noch  nicht  lang,  do  nam  her  das  selbige 
schone  wib  zu  der  ee,  alheit  genant,  des  pfalczgraven  von  Sachsen  wib, 
den  her  tod  geslagen  hatte.  Unnd  ditto  ist  gescheen  noch  gotis  geburt 
tusent  unnd  LXXV  jar.  Got,  der  almechtigo  unnd  barmherczige  herre,c  W7*> 
der  do  hoff'enunge  zu  ome  had,  wü  nicht  lassen  vorterben,  der  sante 
dissem  lantgraven  lodewige  unnd  frowen  alheyden  syner  wertynnen  5,5 
syne  gotlichen  gnade,  das  sy  beide  ruwe  unnd  leide  gewunnen  umme 
ore  sunde.  Wann  es  geschach  an  deme  guten  fritage,4  als  man  schreib 
nach  gotis  geburt  tusent  unnd  LXXXIV  jar,  das  frowe  alheid  sine  108* 
wertynne  on  zu  huss  bad,  das  her  uff  den  selbigen  tag  mit  or  essen 
wolde,  der  lantgrave  sagete  or  das  zu;  do  liss  sy  kochen  wiltprot  unnd 
mancherleye  fleiss  unnd  liss  das  vor  oren  hern  lantgraven  lodewigen 
unnd  vor  sich  tragen  zu  tissche  unnd  bad  oren  heren,  das  her  wolde 
essen.  Do  der  lantgrave  disse  spisse  ane  sach,  do  er  schräg  her  gancz 
sere  unnd  sprach:  frowe,  wass  sal  das  sy?  sullen  wir  fleisch  essen  an 
domo  tage,  also  cristus  unser  lieber  herre  dy  martir  vor  uns  geloden 
had,  das  gar  unezemelichen  ist  allen  cristen  luthen?  Do  antwerto  dy 
frowe  orem  hern  unnd  sprach:  ist  uns  disse  spisse  unezemelichen  zu 
essen,  dy  uns  der  bobist  vorboten  had,  wo  nemen  wir  dann  sulche 
torstickeit,5  das  wir  uff  disse  hoilige  czit  ane  gotis  lichenam  hüben*5 
unnd  ane  ruwe  unser  sunde,  dy  also  gross  ist,  das  dy  in  den  hymmel 
schrigit  unnd  gewachsen  ist,  unnd  das  unezemelich  allen  fromen  cristen 
luthen  ist  noch  mehir,  dann  ab  sy  hüte  fleisch  essen,  unnd  wir  werden 
ouch  gnug  von  gote  vor  mant,  der  uns  czeichentlichen  by  deme  leben 
behalden  had  unnd  tegelichen  ontheldet,7  unnd  wir  ouch  vor  alden* 
also  in  unsen  sunden  unnd  werden  eyn  spot  vor  gote  unnd  allen 
andern  fromen  luthen.  —  Do  lantgrave  lodewig  disso  rede  gehört  hatte, 
do  slug  her  sin  houbt  nedder  unnd  begunde  gar  sero  zu  weynen,  unnd 
frowe  alheyt  mit  ome.    Unnd  do  das  eyne  l  wile  gewert  hatte,  das  or  v 

■  HS:  Am  hör  ome,  Am  her.       b  HM:  di«t>n  ielbigen  l»ut|rr»ven.      «  IIS:  »liuechtl^-r  herro 

4  I).  i.  am  Ch  ar  frei  tage ,  dem  sehr  streng  gehaltenen  Fasttage.  ''  Md 
torstickeit  =-■  mhd  türsticheit,  stf.,  =  „Kühnheit,  Frevelmut."  "  Da  sie  die  Tod- 
sünde des  Münk«  und  die  unerlaubte  Ehe  imeh  nieht  gebüsst  hatten,  durften 
sie  nicht  zu  den  heiligen  Sakramenten  gehen.  7  Enthalden,  md  swv.,  bedeutet 
„erhalten."  da  da»  Pracfix  ent  lursjirüngl.  anti  häutig  nur  den  Begriff  verstärkt, 
z.H.  entlihteu,  entmuoten  u.a.  s  Md  voralden mhd  veralten  —  „alt  werden,-' 
im  nhd  nur  von  Sachen. 


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124 


74.  Stück. 


keyn  deme  andern  zu  gesprochen  konde  vor  grosssem  jammer  nnnd 
ruwe,  dy  sy  beido  hatten,  do  quam  einer  der  denere  gegangen,  den 
hiss  er  dy  spisse  enweg  tragen  unnd  sprach:  ich  wil  gote  gelobe,  das 
ich,  sso  ich  erst  mag,  kein  rorae  zu  deme  bobiste  czehen  wil  unnd 
bussse  umme  unser  sunde  en  pfaen.  Also  stunden  sy  uff  von  deme 
tissche  unnd  bieben  den  tag  gancz  betrubit,  ungesssen  unnd  un- 
getruncken.  Dar  noch  bestalte  her  sine  kindere  unnd  gab  dy  uss  unnd 
schickte  alle  sine  sache  unnd  czoch  mit  deme  bisschoffe  von  halberstad 

1088  kein  rome,  als  man  schreib  nach  gotis  geburt  tusent  LXXXV11I  jar 
unnd  enpfing  do  von  deme  bobiste  bussse  umme  sine  sunde.  Do  hiss 
on  der  bobist,  das  her  eyn  closter  buwe  solde  gote  zu  eren,  unser 
lieben  frowen  unnd  sente  johansse  deme  ewangelisten,  der  mit  der 
muter  gotis  an  deme  guten  fritage  under  deme  crueze  stunt,  unnd 
ouch  vor  synem  ende  eyn  monch  dor  ynne  werde.  Unnd  solde  vor 
synes  wibes  sunde  ouch  eyn  closter  buwe,  dar  in  solde  sy  sich  ouch 
geben.  Also  czoch  der  lantgrave  mit  deme  bisschoffe  widder  zu  lande 
unnd  buwete  do  das  closter  reynhardisborn ;  unnd  das  ge  schach  uoch 

1080  gotisgebort  tusent  LXXXIX  jar.  Dor  noch  buwete  her  uss  der  borg 
sehippelitcz  ouch  eyn  closter,  dy  des  pfalczgraven  frederichs  gewest 
was,  den  her  er  stochen  hatte.  Dor  noch  buwete  frowe  alheit  das 
closter  zu  oldesleuben9  gote  zu  lobe  unnd  siner  lieben  muter.  Dor 
57  noch  czoch  disser  lantgrave  lodewig  mit  deme  bisschoff  |  von  halber- 
stad, genant  gilebertus , 10  in  das  nuwe  closter  reynhardisborn  unnd 
begobete  das  mit  erbe,  dorffe  unnd  walde,  unnd  nomen  beide  an  sich 
sente  benedictus  orden,  unnd  disser  bisschoff'  was  der  erste  apt  dar 

1006  inne.  Ditte  geschach  nach  gotis  gebuit  tusent  LXXXXVI  jar.  —  Also 
nu  disser  lantgrave  lodewig  gelebet  hatte  LXX11I  jar,  do  starp  her  unnd 
lyd   begraben  zu  reinhardisborn.    Ditte  geschach  noch  gotis  geburt 

1123  tusent  hundert  unnd  XXIII  jar. 


74.  Wy  der  keyser  den  lantgrafen  zu  doringen 

Rothe  W 

Lodewig  der  dritte,1  lantgrave  zu  doringen,  lodewiges  des  Springers 
son,  viin  deme  itezunt  oben  geschroben  stehit.    Disser  lodewig,  der 

9  OIdislel>en,  grossh.  sächs.  Exelave,  an  dor  Unstrut,  zwischen  Frankenhausen 
und  lli  ldrungen ;  über  die  von  der  Sag»;  erfundene  Stiftung  des  Klosters  Oldis- 
leben, s.  RI>ThI>  No.  968  S  206  und  No.  9r>6  S.202f.;  die  Gründerin  der  Bene- 
dikt inerabtei  Oldisleben  .stammt  sicherlich  aus  dem  Oeschlechte  der  Heichlinger. 
s.a.  Nebe  in  d.  Ztscli.  des  Ilarzv.  XX,  :i<l  F.s  ist  Abt  Oiselbert,  der  erste 

Abt  von  Keinbardsbrunn  geraeint,  8.  d.  (gefälsehten)  Reinhardsbrunner  Urkunden 
vom  y.  August  1086,  Dobenecker  No.  1*4*;,  und  vom  2.  Januar  1089,  Dobenecker 
No.  961;  s.  auch  ebenda  No.  974  u.  977  (päpstliche  Iiulle  vom  23.  März  1092  und 
17.  Febr.  1094).  Er  wird  vielfach  mit  einem  gleichzeitigen  Abte  des  St.  Peters- 
klosteiH  in  Krfurt  verwechselt,  s.  Höckner,  Das  Peterskloster  in  Erfurt,  MOE,  X, 
1881,  s.  m.^ 

74.  1  Uber  diesen  Ludwig  und  die  Übertragung  der  thüringischen  Landgraf- 


Uigitizecl  by 


75.  Stück. 


125 


dritte  lantgrave  in  doringen,  der  nara  zu  der  ee2  des  herczogen  tochter 
von  Sachsen,  genant  heddewig,  der  dor  noch  keyser  wart;  do  der 
selbige  herczoge  von  Sachsen  sach  sinen  eydam,  das  her  was  eyn 
gestrenger  richter,  richtig  unnd  wisse  in  sinen  gescheffeden  sines  swers, 
des  herczogen  von  Sachsen,  des  keysers,  unnd  mechtig  in  doringen 
unnd  hessen,  do  machte  on  dor  keyser,  sin  sweer,  noch  rathe  der  fursten 
zu  eyrae  lantfursten  mit  banirn  unnd  herlickoit,  als  das  gcwonlich  ist, 
unnd  furstente  on  mit  czwolff  graven  zu  hofegesinde,  in  der  wisse  also 
der  keyser  uss  gesatczt  ist  mit  fursten  zu  syme  hofegesinde,  unnd  gab 
ome  dy  leenschafft  ubir  dy  selben  graven  unnd  satczte  den  grafen 
andere  fryhe  dinstlute  zu  nndir  ammccht  luthen  erplichen,  unnd  dy 
worden  alle  do  herlich  belehent.  In  disser  czit  hub  sich  an  der  grawe 
orden3  zu  erst,  i  » 


75.  Wy  dy  beineschen  liern  zu  sanimene  gestreten  ^ 

haben.  ™u- 

Nach  gotis  geburt  tusent  hundert  XXVI  jar,  da  wart  eyn  grosser  112« 
strid 1  czwissen  deme  konige  zu  behemen  unnd  herczogen  ulriche  da 


Bchaft  an  ihn,  während  sein  (sagenhafter)  Grossvater  Ludwig  mit  dem  Barte  und 
sein  Vater  Ludwig  der  Springer  nur  Grafen,  allerdings  letzterer  mit  hervorragender 
Bedeutung  gewesen  sind,  s.  Knochenhauer,  Geschiente  Thüringens  z.  Zeit  des 
ersten  Laudgrafeuhanse*.  herausgb.  v.  K.  Menzel,  187 1,  S.  79-94;  94 — 1 1 1 ;  einzelnes 
bietet  Wemeburg,  Beiträge  z.  thüring.  Geschichte ,  MGK,  11.  Heft,  1H83,  S.  37 ff.; 
abschliessend  0.  Hohenecker,  Uber  Ursprung  und  Bedeutung  der  thüring.  Land- 
grafschaft, ZThG  N.  F.  VII.  Bd.  S.  299-320.  *  Das  ist  unrichtig,  denn  Graf 
Ludwig  nahm  noch  vor  dem  Tode  ihres  Vaters  Hedwig,  die  Erbtochter  des 
hessischen  Grafen  Giso  IV.  von  Gudensberg  zur  Ehe,  sein  jüngerer  Bruder  Hein- 
rich deren  Stiefmutter,  die  2.  Gemahlin  des  oben  genannten  Giso,  ebenfalls 
Hedwig  genannt,  wodurch  die  thüringischen  Landgrafen  in  Hessen  reieh  begütert 
wurden,  s.  Knochenhauer  a.  a.  ().  8.  80 ff.,  welcher  auch  ebenda  S.  87  sagt: 
„Spaterer  Tradition  ist  das  Verhältnis  Ludwigs  zu  Lothar  [von  Supplinburg, 
Herzog  von  Sachsen,  deutscher  König  1125 — 1137]  als  so  eng  erschienen,  das« 
sie  ienen  fälschlich  als  Gemahl  einer  angeblichen  Tochter  des  Königs,  mit  Namen 
Hedwig,  bezeichnet  hat."  3  Der  i.  J.  1098  von  dem  Benediktinermönch  Robert 
aus  der  Champagne  gegründete  Cistercienser- Orden  ist  geraeint;  das 
Ordenskleid  ist  im  Gegensatze  zu  der  schwarzeu  Tracht  der  alten  Benediktiner 
weiss  mit  grauem  Skapulier;  s.  u.  St.  76  A.  8. 

75.  '  Nach  dem  Tode  des  Königs  (Herzogs)  Wladialaws  I.  am  16.  April  1125 
folgte  ihm  sein  Bruder  Solnxsfaw,  früher  des  hochsinnigen  Bruders  Gegner,  zuletzt 
mit  ihm  versöhnt.  Doch  musste  er,  da  sein  Vetter  Ulrich  aus  der  mährischen 
Seitenlinie  Ansprüche  auf  den  Thron  erhob,  seine  Herrschaft  verteidigen.  Ulrich 
erhielt  Unterstützung  von  König  Lothar,  vor  welchem,  da  er  als  Oberlehnsherr 
die  Thronstreitigkeiten  entscheiden  wollte,  Sobestaw  nicht  erschienen  war.  Das 
Heer  der  Deutschen  erschien  in  Böhmen,  erlitt  aber  am  Fusse  des  Erzgebirges 
bei  Kulm  eine  Niederlage;  der  Chronist  irrt,  wenn  er  von  einem  Siege  Ulrichs 
spricht;  die  vielen  Verluste  deuten  ja  auch  mehr  eine  Niederlage  an.  Nach 
anderen  war  Otto  (der  Schwarze)  von  Olinütz  (hier  Otto  von  Mererenheym  d.h. 
von  Mähren)  der  Prätendent,  welcher  in  der  Kölner  Schlacht  fiel. 


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126  76.  Stück. 

Annal.  Er- 

^^"sJ;  sei  best  vor  fasnacht  an  deme  dritten  tage  vor  sente  peters  tage,8  unnd 
vi  re.  537  do  worn  dy  doringeschen  graven  meto;  do  gewan  herczog  ulrich  den 
pSrrim<3'Mstryd,  unnd  des  koniges  volk  wart  sere  vele  er  slagen;  unnd  do  bleib 
"JJS^tod  margrafe  albrecht  von  laudisberg  unnd  herczoge  otto  von  merern- 
re.  s)?«;  heym  unnd  grave  lodewig  von  lora  unnd  andere  doringessche  hern 
'JJbliS'  vele,  unnd  vele  guthir  manschaftt  worden  gefangen  von  deme  bemschen 
demxxx,  herczosen,  der  do  noch  eyn  beide  was.    Unnd  in  deme  andern  jare 

1  I*lT  631  ) 

dar  noch,  do  quam  der  selbie  herczoge  ulrich  zu  deme  keysere  lotario 
u*rthninn.,  kein   mersseburg  unnd  Jiss  sich  da  teyffen3  unnd  wart  cristen  zu 
"xxx.'T'  pfingesten.   Tn  deme  selbigen  jare  wart  gebuwet  unnd  zu  erst  gestifl't 
vt.wi.  das  closter  walkenryde.4   In  deme  selbigen  jare,  da  vil  eyn  steyn  uss 
Rothe  36-»  den  wölken  by  oldisleuben,5  also  gross  als  eynes  menschen  hount,  den 
haben  sy  nach  da  zu  einen  wunder  czeichen. 
1130       Nach  cristus  geburt  tusent  hundert  XXX  jar,  do  starp  grafe  hoin- 
cron.  a.  rieh  raspe, c  der  rasponberg7  buwete,  unnd  1yd  begraben  zu  reyn- 
mU!  u  hardisborn. 

pg  S62.   

Ann.  Keln- 
hartbr.  1.1. 

PK.*"«!     7(i#  \\^y  eyn  ]antgi*afe  zu  doriiigen  sine  kindere 
uoth«  belente. 

Dusser  obgenante  lantgrafe  lodewig,1  der  erste  furste  in  doringon, 
der  hatte  einen  son,  den  üss  er  ouch  heisse  nach  synem  namen  lode- 
wig.2 Der  wart  noch  synem  vater  eyn  herre  zu  doringen  unnd  zu 
hessen,  als  man  hir  noch  wol  findet  beschreben.  Dar  noch  gewan  her 
abir  einen  son,3  den  nante  her  ouch  lodewig.  Der  wart  eyn  grafe 
noch  synes  vater  tode  zu  thummesbrucken;  das  buwete  her  zu  deme 

*  Während  sonst  der  Peterstag  ohne  weitere  Bezeichnung  Vincula  Petri  = 
1.  August  ist,  beweist  der  Zusammenhang,  das«  hier  Cathedra  Petri  =  22.  Februar 
gemeint  ist.  Die  Schlacht  fand  also  am  19.  Februar  1126  statt,  an  dem  Freitage 
vor  Dom.  Estomihi,  im  Texte:  vor  vasnacht,  die  Fasten  begannen  in  jenem 
.fahre  am  28.  Februar.  a  Nach  den  Reinhardsbrunner  Annalen  Hess  er  seinen 
Sohn  taufen;  s.  auch  Rothe  St.  359.  4  Das  Cistercienserkloster  Walkenried 
wurde  i.  .1.1127  von  Adelheid,  einer  Gräfin  von  Clettenberg,  gestiftet;  s.  a.  RDThD 
1  No.  1198.  1209.  1210.  6  S.ob.  St.  73  A.  9.  "  Heinrich  Raspe  (I.)  wurde 
i.J.  1130  ermordet,  s.  Knochenhauer  a.a.O.  S.  93.  T  Missvcrstandnis  der  Worte 
aus  den  Annal.  Reinhartbrunnenses:  Heinricus  comes  primus  Rnspen,  filius  funda- 
toris  ecclesie  in  Reynartborn ,  obiit ,  ibidem  sepultus  est.  Rothe  St.  372  erzählt 
dasselbe  von  Heinrich,  dem  dritten  Sohne  Ludwigs  II.  des  Eisernen. 

76.  1  Also  Landgraf  Ludwig  I.,  reg.  v.  1123-1130  als  Graf,  von  1130-1140 
als  Landgraf.  2  Landgrat  Ludwig  IL  der  Eiserne,  1140—1172.  *  Auch  der 
dritte  Sohn  Ludwigs  I.  hiess  Ludwig.  Er  sollte  Geistlicher  werden,  fugte  sich 
aber  nicht,  sondern  gab  sich  ritterlichen  Übungen  hin;  er  erhielt  die  landgräfliche 
Süidt  Thamsbrück  an  der  Unstrut  (s.  ob.  St.  6<i  A.  12  u.  St.  71  A.  38);  er  wie  sein 
zweiter  Bruder  Heinrich  (IL,  Raspe  —  Graf  von  Hessen  genannt)  scheinen  sich 
eine  Familie  gegründet  zu  haben;  s.  Knochenhauer  a.a.O.  S.  127,  wo  auf  die 
Rriefc  42  u.  G'4  im  Epistolareodex  des  Klosters  Reinhardsbrtinn  (s.  auch  Wegele, 
ZThG  I,  S.  342)  hingewiesen  wird.  Über  die  Familie  Ludwigs  I.  s.  Annal. 
Reiuh.  MG1I,  Scr.  XXXI,  1,  pag.  532. 


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76.  Stuck. 


127 


ersten.  Dar  noch  gewan  her  eyne  tochter,  |  dy  hyss  cecilia;  dy  gab  m 
her  deine  herczogen  zu  behemen. 4  Dar  nach  gewan  her  eyne  tochter, 
dy  hiss  alheyd,5  dy  vorkoss  dy  werlt  unnd  quam  in  das  closter  sente 
nicolaus  zu  isenache  unnd  buwete  ouch  das  zu  demo  ersten  an  dy 
stad,  do  es  itezunt  1yd,  wann  es  vor  eyn  hoff  was,  bemuret  mit  steynen 
unnd  keraraenaten  der  erber  lute;  den  kouffte  sy  den  selbigen  hoff  abe 
unnd  buwete  eyn  junefrowen  closter  do  hene  unde  wart  eyne  eptissche  h 
dor  inne.  Das  geschach  nach  cristus  geburt  tusent  hundirt  unnd  r«,ui"37o) 
vierunndfunfFczig  jar.  Ditte  selbige  closter  lag  vor  uff  sente  petors  1154 
berge  vor  der  stad  isenache  in  der  alden  stad  unnd  was  geringe  mit 
deme  gebuwede  unnd  dy  borne  unnd  das  wasser  worn  sere  ferne  von 
deme  closter.  Man  findet  ouch  etlichen  enden  beschreben,  das»  das 
selbige  closter  habe  sich  zu  aller  erst  er  haben  zu  setelstete  von 
eyner  konigynne  von  engeland,  dy  hiss  reynswig.'1  Also  do  or  herre 
der  koning  gestarp,  der  or  uss  der  mossen  lyp  was,  wann  her  sy  zu 
eyner  konigynne  uss  er  weit  hatte  von  eynem  geringen  gesiechte. 
Durch  ore  togunt  sy  der  truwe  nicht  vorgessen  wolde,  unnd  gap  noch 
ores  herren  des  koniges  tode  also  grosse  almossen  unnd  hylt  unnd  liss 
halden  also  gross  gebeth  vor  syne  sele,  das  sy  meynte,  in  welchen 
pynen  her  wero,  sso  wolde  sy  on  erlosse,  also  verne  als  das  moge- 
lichen  were.  Da  wart  or  geuffenbart,  das  or  herre  im  lande  zu 
doringon  sin  fegefur  hette  in  eynem  berge,  der  hisse  der  horsselberg; 
don  namen  des  berges  hatten  ome  dy  luthe  gegeben,  dy  dar  umme 
her  woneten,  wann  sy  dicke  unnd  vele  dor  inne  gehört  hatten  gar  eyn 
jemmerlich  |  gescureye  von  den  seien,  dy  dar  inno  leden  ore  pyne,  v 

■  IIS:  da«  «ich  da«. 

4  Der  oben  St.  75  A.  1  genannte  Herzog  Ulrich  von  Böhmen.  Die  2.  Tochter 
Jutta  heiratete  König  Sobesfaw  II.  von  Böhmen  (Knoclienliauer  a.  a.  O.  S.  142: 
i.J.  1157  den  Böhmenherzog  Wladistaw  II.),  die  4.  Mathilde  den  6.  Sohn  Albrechts 
den  Bären,  Dietrich.  6  Die  dritte  „von  den  4  Töchtern  Ludwigs  I.  Adelheid, 
wird  Stifterin  (i.J.  1140)  und  erste  Äbtissin  des  Nicolai klosters  zu  Eiseuach  ge- 
nannt;  über  ihre  Schicksale  a.  Kuocheuhauer  a.a.O.  S.  125  mit  A.  1  von  Menzel, 
ebenso  RDThl)  No.  1431  S.  300.  6  Es  ist  mir  nicht  gelungen,  die  Quelle  zu 
finden ,  welche  Stolle  für  diese  Sage  von  der  Stiftung  des  Klosters  St.  Nicolai  in 
Eisenach  (über  dasselbe  s.  E.  Galettc,  Das  Nicolaikloster  in  Eisenach,  ZThGBd.VII, 
1807,  S.  437— 462;  R.  Hermann,  Verzeichnis  der  im  sächs.  Thüringen  ...  vorhanden 
gewesenen  Klöster  .  .  ebenda  VIII,  1871,  S.  20)  benutzt  hat;  es  scheint 
last,  da»«  wir  es  hier  mit  der  Nacherzählung  von  einer  Volkssage,  die  mit  lokalen 
Ausschmückungen  verbrämt  war,  zu  thun  haben.  Rothe  deutet  sie  nur  an, 
während  die  Chronic.  St.  Petri  mod. ,  die  annales  Reinhartbrunn. ,  Annal.  Erphes- 
ford.  und  andere  Quellwerke  sie  ebensowenig  kenneu  wie  die  bist.  Lantgr.  Eccard. 
oder  Nicohms  von  Siegen.  Wohl  aber  findet  sich  die  Sage  genau  so  bei  dem 
aus  Stolle  schöpfenden  ürsinus  (MSü  III,  nag.  1264),  auch  hat  sie  Job.  Bange 
i.  s.  thüring.  Chrouik,  1599,  S.  57—58,  welcher  diese  s.  Chronik  (s.  Vorrede  S.III) 
aus  einem  „fast  alt  verlegenen  Exemplare  eine  (sie)  geschriebene  Chronik"  schöpfte; 
das  scheint  auf  Stolle  oder  Ureinus  zurückzugehen.  Aus  Bange  hat  die  Sage 
dann  Falckenstein  seiner  Thüringischen  Chronik  einverleibt,  II,  2,  1738,  S.  UM 
bis  1167,  wo  auch  noch  ältere  Litteratur  verzeichnet  steht.  —  Über  Sättelstädt 
s.ob.  St.  46  A.  1. 


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128 


77.  und  78.  Stück. 


dar  umrae  nanten  sy  den  selbon  berg  den  sele  borg,  das  man  nu  zu 
sammene  spricht  den  höre  sele  berg.  Das  dorft,  das  an  deme  berge  1yd, 
das  nante  dy  koniginne  sathanas  stete,  wann  dy  bossen  geiste  or  da 
er  sehenen,  also  nennen  ess  nach  dy  luthe  satelstete.  Do  bleib  dy 
selbige  koniginne  unnd  buwete  dy  kirchen  da  unnd  sass  da  mit  oren 
juncfrawen  dren  manche  czid  unnd  nam  zu  or  ander  frome  juncfrowen 
unnd  wibissnamen7  unnd  thed  also  vele  gutes,  das  sy  da  er  losse  ores 
herren  sele  uss  der  pyne  durch  ore  grosse  gebete,  almosen  unnd  andere 
ore  guthe  werg.  Also  nu  dy  frowe  dy  koniginne  gestarp  da  sei  best, 
da  lyss  sy  den  juncfrowen,  dy  sye  by  sich  gesamment  hatte,  eyne 
suberliche  habe  von  gelde  unnd  von  gute;  do  mete  czogen  sy  kein 
isenaehe  uff  sente  peters  berg  unnd  nomen  do  den  orden  an  sich  unnd 
wonten  da  mehir  dann  hundirt  jar.  Dusser  lantgrave  lodewig  der 
starp,*  als  man  schreib  nach  cristus  geburt  tusent  hundert  unnd 
1149  XLIX  jar. 

Kotbf>  s7o  Nach  cristus  geburt  tusent  hundert  XLII  jar,  da  hüben  dy  grafen 
von  keffernberg  zu  erst  an  zu  buwen  das  closter  jorgental5*  zuhant 

Koth«  w&  noch  ostern.  Item  czehen  jar  do  vor  wart  an  gehaben  zu  buwen  das 
closter,  das  man  heist  zu  der  phforten10  by  nuenburgk. 


77.  Von  einem  harten  winter. 

Rothe  s7o       In   den  gecziten,   als  man  schreib  nach  cristus  geburt  tusent 
1150  hundert  unnd  funffezig  jar,  do  was  zu  mole  eyn  hartir  winter,  der  gar 
grossen  schaden   brachte  an  den  luthen,  am  vyhe,  boumen  unnd 
fruchten,  unnd  dar  noch  ubir  eyn  jar,  da  wart  gar  gross  hungere  nod 
unnd  harte  czid. 


*»      78.  Von  deine  iserne  lantgrafe  zu  doringen.  | 

j7s       Lodewig  der  vvrde,  lantgrafen  lodewigs  son,  des  ersten  fursten, 
der  was  genant  der  yserne  lantgrafe.    Dusser  was  nach  eyn  kint,  do 

7  S.  St.  49  A.  4.  8  Der  Chronist  irrt :  Landgraf  Ludwig  I  starb  am  12.  Jan.  1 140. 
"  Das  Kloster  Georgenthal  wurde  wohl  1142  als  Cintereienwerkloster  gegründet,  . 
auf  Veranlassung  Eberhard»,  Grafen  von  der  Mark,  durch  den  Grafen  Sizzo  vou 
Kevernburg  und  seiner  Gemahlin  Gisela,  zum  Verdruss  des  uaheu  Klosters  Rein- 
hardsbrunn;  «.  Ilernli. Stark,  Die  Oistercienserabtei  Georgenthal,  ZThG  I,  S.812H*.; 
KDThD  I,  No.  14Ö9.  147M.  1482.  1525.  1684*,  worin  auch  jene  Streitigkeiten  Rein- 
hart*btunns  wegen  l)erührt  werden.  ,u  Zu  den  h  von  dem  Cistercienaerorden 
in  der  ernten  Hälfte  de*  12.  Jahrhunderts  in  Thüringen  gegründeten  Klöntern 
gehört  neben  Walkenried,  Si  t  tich  e  d  bach  (b.  Eisleben) ,  Völkenrode  (im 
jetzigen  gothaisehen  Amte  Körner  auf  dem  Eichafelde)  und  Georgeuthal  da« 
Kloster  l'forta,  l'nrta  coeli ,  von  Schmölln  an  die  Saale  (unweit  Naumburg) 
verlegt,  .s«'it  113:1  mit  t 'isterciensern  aus  Walkenried  besetzt,  1 1 H8  vom  1'apste 
Ixwlütigl;  s  Stark  a.a.O.  S.  313,  Dolx-necker  a.a.O.  No.  1352.  144«.  I539. 


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79.  Stück. 


129 


ome  der  herczoge  von  swoben 1  sine  tochter  gap,  genant  jutta,  der  dor 
noch  keyser  wart.    Ditte  geschaeh  nach  cristus  geburt  tusent  hundirt  re.  37s. 
unnd  Li  jar.   In  dissera  selben  jare,  da  wart  gebuwot  das  juncfrowen  1161 
closter  uchtrisshusen, 2  dasdo  1yd  czwusschon  erffort  unnd  arnstete,  von 
demo  grafen  von  grurabeche.  —  Item  nach  cristus  geburt  tusent  hundert 
unnd  LIQ  jar,3  do  wart  herczoge  frederich  von  swoben  keyser,  der  1153 
dusses  langrafen  lodewigs  von  doringen   sweer  was;  unnd  der  was 
zum  ersten  gar  eyn  fromer  keyser,  abir  dar  noch  wart  her  gar  bosse 
widder  dy  heyiigen  cristenheit 


79.  Wy  dy  stad  erffort  geinuret  unnd  wedder 

zubroehen  wart  Rothe  st« 

Noch  cristus  geburt  tusent  hundert  unnd  LTV  jar,  do  liss  bisschofl  1154 
conrad  von  mentcz  zu  erst  erflorte  umrne  muren1  mit  eyner  schonen 
muren  unnd  tormen  unnd  machte  eyno  «tad  dar  uss.  Nu  thed  der  PÄC  37g. 
babist  den  keyser  zu  banne,  unnd  der  bisschoff  zu  mentcz  hilt  es 
mit  deme  babiste.  Dar  umme  so  vorterbete  der  keyser  deine  bisschofle 
zu  meutcz  vele  sloss  unnd  vorbrante  ome  hingen  unnd  zu  brach  ome 
tensborg*  unnd  hiss  sinen  eydam  lantgrafen  lodewigen  zu  doringen 
den  von  erfforte  schaden  thun  von  des  bisschoffes  wegen,  deme  her 
sere  wedder  was.  Do  czoch  dissor  lantgrave  lodewig  vor  erfforte  mit 
den  doringen  unnd  hessen  unnd  gewan  dy  stad  erflorte  unnd  zu  brach 
dy  muren  widder  unnd  dy  torme  zu  gründe,  dy  der  bisschoff  hatte 
lossen  machen. 


78.  1  Im  Jahre  1139  wurde  Ludwig  (IL,  der  Eiserne)  noch  zu  Lebzeiten 
seines  Vaters  mit  Judith  (oder  Jutta),  der  Nichte  König  Konrads  III.,  der  Tochter 
Herzog  Friedrichs  von  Sehwaben,  also  der  Schwester  des  "grossen  Kaisers  Fried- 
rich 1.  Barbarossa,  verlobt;  unbestimmt  ist,  wann  die  Vermahlung  erfolgt  ist; 
«.  Knoehenhaucr  a.  a.  O.  8.  124  u.  142  mit  Anm.  3.  1  König  Kon  lad  III.  be- 
urkundet am  24.  April  1147  zu  Nürnberg,  „dass  die  edle  Matrone  Frideruna  und 
ihr  Sohn  Markward  von  Grumbach"  das  regulierte  Cistereienserkloster  Ichters- 
hausen gegründet  haben,  s.  RDThD  No.  1573,  ebenda  No.  1584  Bestatigungsurkunde 
des  Erzbiscbofs  Heinrich  von  Mainz,  Erfurt,  d.  16.  Juni  1147.  —  Früher:  Wilh. 
Kein,  Thuringia  sacra,  Bd.  I:  Ichtershausen.  3  Bekanntlich  gelangte  Friedrich  I. 
Harbarossa  1152  auf  den  deutschen  Königsthron. 

79.  1  Erfurt  wurde  i.  J.  1066  (nach  Nicolaus  v.  Siegen)  von  Erzbischof  Sieg- 
fried mit  einer  steinernen  Mauer  umgeben;  innerhalb  derselben  stellte  i.  J.  1162 
( 1 163)  Erzbischof  Konrad  von  Mainz  eine  zweite  Mauer  her;  so  wurde  Erfurt 
stark  befestigt.  Als  Kaiser  Friedrich  I.  mit  dem  Erzbischof  Konrad  in  Feind- 
schaft geriet,  belagerte  auf  seine  Veranlassung  sein  Schwager  Landgraf  Ludwig  IL 
Erfurt,  nahm  es  ein  und  Hess  die  Konradsche  Mauer  niederreisseii ,  die  aber  mit 
Genehmigung  des  Kaisers  1169  wieder  hergestellt  wurde,  s.  u.  a.  Werueburg,  Bei- 
träge zur  thür.  Geschichte,  MOE,  X,  1881,  S.  181  -184;  Liebe,  Das  Kriegswesen 
der  frStadt  Erfurt.  1896,  S.  2  f.;  C.Beyer,  Gesch.  d.  Stadt  Erfurt,  1893,  S.  9  und 
BE  8.  14  f.  *  Schloss  Tenuberg  bei  Waltershausen ,  Mainzisches  Leben ;  erst 
i.  J.  1176  erwarb  es  I*ndgraf  Ludwig  III. ;  s.  Gesch.  von  Tennel>erg  in  der  Walters- 
häuser  Chronik  von  Polack.  W.  Hein,  Die  Palatien  der  alten  thür.  Landgrafen, 
Archiv  tsäciis.  Geschichte,  I,  S.  412— 414. 

K.  StoUc«  MmaoriaU.  9 


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130 


80.  Stack. 


80.  Von  deine  iserne  lantgrafen,  wy  der  ge  eben- 

turet  had.  | 

Roth« 373  Dusser  lantgrafe  lodewig  der  yserne,1  der  wass  zu  mole  milde 
gutlich  unnd  demuthig  keyn  synen  grafen,  eberluthe2  unnd  synen' 
borgern  in  syme  lande,  unnd  darumme  so  worn  etliche  tummen  unnd 
homutigen,  dy  sine  togunt  nicht  bedochten  unnd  vorsineten  on  unnd 
achten  siner  nicht  unnd  körten  sich  ouch  nicht  an  sine  gebot  unnd 
sprochen,  her  en  tochte  nicht  zu  eyme  fursten,  her  hilde  sich  nicht 
herlich,  unnd  beswerten  sine  arme  luthe  allen  enden  unnd  beraubeten 
unnd  beschatczten  dy.  Es  gescbach  eines  tages,  das  her  jagete  in 
deme  walde  unnd  vor  errete  sich,  das  her  be  nachte  unnd  sich  nach 
deme  füre  richte  unnd  zu  eyme  ysen  smede  in  dy  rula  quam  in 
grauwen  cleydern  mit  syme  jagehorne.  Der  smed  fragete  on,  wer  her 
were.   Do  antwarte  der  lantgrafe,  her  were  des  lantgrafen  jeger.  Also 

Roth«  374  bleib  her  in  der  smitten  dy*  nacht  unnd  lag  do  uff  grasse;  das  was  sin 
bette,  unnd  der  smed  arbeite  do  dy  gancze  nacht,  unnd  wann  her  mit 
deme  grosssen  hammer  das  ysen  zu  sammen  treib,  so  schald  hersinen 
hern  den  lantgrafen  unnd  hiss  on  hart  werde  unnd  veste  unnd  vor- 
czalto  do  dy  ganczen  nacht  uss,  was  dy  sinen  untogent  mit  synen 
armen  luthen  begangen  hetten;  unnd  wanne  dy  luthe  das  orem  hern 
deme  lantgrafen  clageten,  das  on  nymant  richte,3  unnd  ouch  der  lant- 
grafe nicht  an  neme,  unnd  wy  sy  sin  hinderwart  spotten  unnd  on 
metcze*  hisssen,  unnd  wy  her  ungehalden  were  under  andern  fursten 
mit  menlichkeit  unnd  hiss  on  mit  manchen  bossen  worten,  mit  fluchen 
unnd  mit  scheiden  hart  werde  unnd  treib  das  dy  gancze  nacht  an. 
*>  Der  lantgrafe  wart  do  in  sinem  gemute  |  also  veste,  also  her  vor  ye 
weich  gewest  was.  Dar  noch  begonde  her  dy  wedderspenschen  zu 
czwingen,  dy  vor  noch  orem  eygen  willen  gelebet  hatten,  unnd  ouch 
sy  getwedig5  machen.  Unnd  dy  wolden  des  nicht  lyden  unnd  vor- 
bunden  sich  zu  samene  unnd  werten  sich  keyn  orem  hern.  Ess  ge- 
schach  zu  eynen  gecziten,  das  her  eynen  der  selbigen  ubircoch  mit 
gewalt;  do  sammenten  sich  dy  andern  unnd  wolden  deme  lantgrafen 
das  weren,  unnd  her  quam  mit  on  zu  stryte,  unnd  got  gap  ome  das 
glocke,  das  her  gewan,  unnd  nam  sy  alle  gefangen  ane  was  or  tod 

80.  1  Die  Sage  vom  ßuhlaer  Schmied  findet  sich  zuerst  in  der  Thüringer 
Chronik  bis  1322  (Lepeius,  kl.  Schriften  III,  8. 251  f.  —  s.  K.  Herrmann,  Ribl. 
Erfurt.  S.  68),  dann  wurde  sie  Gemeingut  aller  Chroniken,  besonders  ausführlich 
bei  Nie.  v.  Siegen,  ed.  Wegele,  p.  329-331.  *  Eberluthe  «  md  obeliute,  plur. 
von  obemann  —  „Schiedsmann,  Schiedsrichter,"  bedeutet  hier  „Richter." 
'  lliehten  (md)  mit  dem  Dativ  =  „Recht  schaffen,  zum  Rechte  verhelfen."  *  Da 
Metze,  ursprüngl.  nur  Koseform  v.  Mechthild,  ein  leichtfertiges  Mädchen  niederen 
Standes  bedeutet,  so  ist  die  Anwendung  auf  den  I*andgrafen  wohl  abzuweisen; 
es  liegt  wohl  ein  Schreibversehen  Stolle«  vor,  der  metczjer,  Nebenbedeutung 
„Henker,  Henkersknecht,"  schreiben  wollte.  5  Getwedic  ist  md  und  bedeutet 
„zahm,  wülfahrig." 


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80.  Stück. 


131 


bleib.   Ditte  geschacb  by  der  nuenburg6  an  der  sale;  do  fürte  her  sy 
uff  dy  nuenburg,  das  wir  itczunt  heysen  fryborg,  unnd  rette  do  mit 
on  syne  nod  unnd  straffte  sy  gar  hart  darumme,  das  sy  ome  gesworn 
unnd  gelobit  hatten  unnd  des  nicht  en  hilden;  unnd  under  andern 
reden  sprach  her:  Nu  mochte  ich  uch  uwere  untruwe  wol  belonen, 
wolde  ich  ubel  an  uch  thun,  so  spreche  man  vil  lichte,  ich  totte  myne 
eygen  manne;  solde  ich  uch  dann  schatczen,  so  mochtet  ir  mir  nicht 
gedenen;  lasse  ich  uch  dann  von  mir  also  ledig,  so  achtet  ir  mynes 
czornes  nicht.    Unnd  fürte  sy  uff  das  feit  uff  eynen  acker,  do  her 
eynen  pflüg  fand,  unnd  spin  or  ye  viere  in  den  pflüg  in  oreu  hemden 
unnd  treib  unnd  hiw  sy  selber  mit  der  geisschein  unnd  hiwe  sy,  das 
sy  sich  bogen  unnd  dicke  uff  dy  erden  fylen,  unnd  wann  eine  forch 
ge  am  wart,  so  spin  her  viere  andere  in  unnd  ir  also  einen  ganczen 
acker  glich  also  mit  pferden,  unnd  liss  do  den  acker  do  mit  grosssen  k«üu>st6 
hochen  steynen  j  czeichen  unnd  vormolen7  unnd  fryete  den  acker,  also  >• 
das  eyn  iglichcr,  wy  obel  der  gethan  hette,  frede  dar  nffe  haben  solde, 
unnd  wer  den  frede  breche,  der  solde  sinen  halss  vor  lom  habe;  unnd 
nante  den  acker  der  ,edeln  acker,1  unnd  do  fürte  her  dy,  dy  in  deme 
pflüge  geczogen  hatten,  widder  mit  ome  zu  der  nuenburg,  das  wir 
itczunt  heysen  fryburg.    Do  musten  sy  ome  anderweyt  sweren  unnd 
hulden,  unnd  von  den  gecziten  an  wart  der  lantgrafe  von  allen  luthen 
in  doringen  unnd  hessen  geforcht,  unnd  wann  dy  selbigen,  dy  in  deme 
pflüge  geczogen  hatten,  synen  namen  horten  nennen,  so  er  suffczigeten 
sy,  unnd  der  enteyl  dy  demutigeten  sich  wedder  keyn  orem  hern,  den 
thed  her  gutlich  unnd  gewan  sy  lip.   Etliche  wolden  des  nicht  keyn 
ome  vorgessen  unnd  stunden  ome  heymelichen  unnd  uffenbar  nach 
syme  leben;  unnd  wo  her  dy  mit  der  warheit  betrad,8  dy  liss  her 
hengen,  enthoupten,  ertrencken  unnd  in  den  stocken  sterben  unnd  vor- 
kundigete9  dy  dar  zu  erloss,  truweloss  unnd  meyneydig  unnd  dar 
umb,  das  her  vele  heymelicher  vynde  gewan  von  oren  frunden  unnd 
kindern,  dy  er  also  vorterbet  hatte,  so  ging  her  stetelichen  gewopent 
mit  synen  dynern,  wo  her  under  den  luthen  wandern  solde  unnd 
muste,  unnd  darumbe  hiss  man  on  den  isern  lantgrafen.  Düsses  selbigen 
lantgrafen  frowe,  genant  jutta,  als  obgeschreben  keysers  tochter,  dy 
buwete10  zu  erst  den  berg  by  deme  wissensee  mit  einer  muren  als 
eynen  boumgarten  unnd  eyn  boumen  huss  dor  ynne  unnd  sprach,  sy 

*  Die  .Neuenbürg*  über  Freyburg  au  der  Unstrut,  imwcit  des  Einflusses  der- 
selben in  die  Saale;  s.  NV.  Kein,  Die  ralatien  d.  alten  thüring.  Landgrafen,  Archiv 
f.  »iiebs.  Geschichte  I,  S.  404—408.  7  Mundartlich  für  vermalen  =  „durch  Mal- 
steine  (Grenzsteine)  abgrenzen."  s  Betreten  =  „betreffen,  überraschen."  9  Ver- 
kündigen hier  «=•  verkünden  —  „öffentlich  erklären  als."  10  Diese  Geschichte 
scheint  Reinhardsbrunner  Tradition  zu  Hein,  s.  Annal.  Reinhart.  i.  d.  MGH,  Scr. 
XXX,  1  pag.  536  (i.  d.  St.  Peterschronik  findet  sie  sich  nicht);  sie  gieng  dann  auch 
in  die  Landgrafengeschichte  über.  s.  Werneburg,  MGE  VIII,  8.  55 — 57 ;  die  spatere 
Tradition  versteht  darunter  gewöhnlich  die  Anlegung  der  Stadt  oder  einer  Burg 
bei  WeissenBee,  s.  Knochenhauer  a.  a.  O.  S.  174.  Der  Graf  von  Beiehlingen  wird 
Friedrich  genannt. 

V 

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81.  Stuck. 


«l  wolde  eyiie  herberge  mache ,  wann  sy  von  wart|berg  czehen  solde  zu 
der  nuenborg,  das  sy  zu  mittage  eine  herberge  funde,  unnd  da  wedder 
sprach  der  grafe  von  bichelingen  unnd  sprach,  sy  thete  solchen  gebuwe 
ulf  syme  erbe.  Dor  an  körte  sy  sich  nicht,  idoch  so  niuste  der  lant- 
grafe  unnd  syne  frowe  deme  von  bichelingen  dy  hofestad  abe  kouflfen 
unnd  ouch  den  see  do  selbest,  unnd  buwete  dar  noch  dy  stad  wissensee 
Rothe  377  dor  an  unnd  vaste  borglene.  —  Also  nu  dusser  lantgrafe  sach,  das  her 
sterben  solde  unnd  in  grossse  kranckeit  ge  vallen  was,  das  her  der 
nicht  genesse  konde  unnd  uff  der  borg  nuenborg  lag,  do  hisch  her  vor 
sich  vele  syner  man ,  dy  ome  etczwan  weddir  stendig  gewest  worn, 
unnd  sprach  zu  on  also:  Sehit,  ich  weiss  wol,  dus  ich  muss  sterben 
unnd  mag  dusser  krangheit  nicht  genessen,  dor  umb  so  heysse  ich  uch, 
also  lip  uch  uwer  leben  sy,  das  ir  mich,  wann  ich  gestorben  bin,  mit 
aller  erbarkeit  begrabet  unnd  begehit  unnd  mich  uff  uwern  helsen  hy 
danne  keyn  reynhardissborn  in  das  closter  traget,  das  ist  by  eylff 
milen.  Das  musten  sy  ome  da  by  oren  eyden  geloben,  wann  sy  on 
mehir  forchten  dann  den  tufel.  Unnd  also  her  gestarp,  do  leysten  sy 
or  gelobede  unnd  trugen  on  uff  oren  achseln  mehir  wanne  czehen  mile 
wegis  unnd  forchten,  das  syne  sone  das  an  on  rechen,  ab  sy  or  ge- 
lobede nicht  gehalden  hetten.  Also  wart  her  da  gar  herlich  bestad, 
unnd  von  deme  erczbisschoffe  von  raeydeburg,  genant  wigmann ,  wart 
her  gar  schone  begangen,  unnd  da  by  gar  vele  andere  bisschoffe,  epte 
*  unnd  prelaten  keynwertig  |  warn  mit  fursten,  grafen,  frihen  etc.,  unnd 
lid  mittene  in  der  kerchen  zu  reyhardisborn  zu  der  lincken  hand  vor 
deme  alter  des  heiigen  crucis,  unnd  uff  deme  steine  des  grabes  ist 
gehouwen  eyn  bilde,  das  ist  gewopent. 


81.  Von  des  iserne  lantgrafen  sele,  wy  dy 
R«ü.037»  vor  lorn  was. 

Also  nu  dusser  lantgrafe  lodcwig  der  yserne  gestorben  was,  do 
liss  her  eynen  son,  den  hiss  man  lodewig  den  gutwilligen.1  Der  selbige 
bette  gerne  erfarn  von  sines  vaters  sele,2  wy  es  dar  umb  gelegen  were. 

81.  1  Landgraf  Ludwig  TN.  der  Fromme,  reg.  1172— 1190.  *  Die  folgende 
Nekromantengeschichte  geht  auf  Cäsar  vou  Helsterbach,  deu  „bekannten  Kultur- 
historiker des  13.  Jahrhunderts"  zurück.  Nach  Knochenhauer  a.  a.  O.  S.  177  ent- 
wirft der  Heisterbacher  Mönch  iu  einer  seiner  geistl.  Novellen  (Caesarii  Heisterb. 
Mon.  dial.  mir.,  ed.  Strange,  I  caj>.  XXVII  u.  XXXI V)  ein  höchst  abschreckendes 
Bild  von  dem  Landgrafen,  und  zwar  gestützt  auf  deti  Bericht  eines  alten  Mönche» 
«eines  Klosters,  der  ein  geborener  Thüringer  gewesen  sei.  In  den  Worten  der 
Seele  des  Landgrafen ,  dass  sein  Sohn  den  geistlichen  Stiftungen  alles  wieder- 
geben solle,  was  er  ihnen  widerrechtlich  entrissen  (»der  vorenthalten  habe,  liegt  der 
Schlüssel  für  die  Entstehung  dieser  Erzählung.  Allerdings  hatte  ja  Ludwig  II. 
Konflikte  mit  den  geistlichen  Machthaber!! ,  so  mit  den  Klöstern  Fulda  und 
Hersfeld  i.  J.  1155,  mit  dem  Erzbisehof'  Arnold  von  Mainz  i.  d.  Jahren  1156  u. 
1165,  mit  dem  Erzbischof  Rainald  von  Köln  i.  J.  1164  (Knochenhauer  a.a.O. 
S.  148.  150.  160.  162.  165),  auch  finden  wir  ihn  im  Gütertausch  mit  Fulda  i.  J. 


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81.  Stück. 


133 


Das  vernam  eyn  ritter  in  des  selbigen  lantgrafen  hofe;  der  was  arm, 
unnd  der  selbige  ritter  hatte  einen  bruder,  der  was  eyn  prister  unnd 
künde  dy  swarczen  kunst.  Der  ritter  quam  zu  sinem  bruder  unnd 
sprach:  lebe  brudor,  ich  bothe  uch,  er  fart  von  dem  tufele,  wy  es  umb 
des  yserne  lantgrafen  sele  sy.  Der  prister  sprach:  ich  wil  das  gerne 
thun,  uff  das  das  uch  der  nuwe  lantgrafe*  deste  gutlicher  sy.  Der 
prister  lutli  den  bossen  geist  unnd  sprach  zu  ome:  Ich  wel  gehat  habe, 
das  du  mir  wisest,  wu  dy  sele  mynes  hern  des  lantgrafen  sy  hene 
komen.  Do  sprach  der  tufel:  wiltu  mit  mir  dar  fare,  ich  wil  dir  on 
wisse.  Do  sprach  der  prister:  ich  wolde  on  gerne  schowe,  konde  ich 
das  gethue  ane  schaden.  Do  sprach  der  tufel:  ich  swere  dir  das  by 
deine  allerhöchsten  gote  unnd  syme  lebende  orteyl:  ist,  das  du  mir 
gloubest,  ich  wil  dich  gesunt  dar  breiigen  unnd  ouch  er  wedder.  Do 
her  ditto  gesprach,  do  sass  der  prister  uff  des  tufels  bals;  do  fürte  her 
on  gar  in  korczer  czit  vor  der  helle  pforten,  do  her  gar  gruweliche 
pyne  in  mancherleye  |  wisse  sach,  unnd  da  vone  erbobete  der  prister«» 
gar  sere.  Do  riff  on  eyn  andor  tufel  an  unnd  sprach :  wer  ist  der,  den 
du  hast  uff  dime  halsse?  brenge  on  her!  Do  antwarte  disser  tufel: 
Ess  ist  unser  frunt,  deme  habe  ich  gesworn,  das  ich  on  nicht  letcze 
wel,  sundern  das  ich  ome  des  yserne  lantgrafen  sele  wyse.  Czu  hant 
wante  disser  tufel  einen  glunyngen 3  deckel  abe  von  eyner  gruben,  do 
her  uffe  sass,  unnd  hatte  eyne  eren  posunen,  dy  stackte  her  in  dy 
gruben  unnd  bliss  dor  in  also  sere,  das  den  prester  dunckte,  das  dy 
ganezo  worlt  er  schulte  unnd  er  bebete,  unnd  noch  eyner  langen 
stunde  also  vele  flammen,  rouch  unnd  funcken  mit  swebelichem  fulem 
stancke  dar  uss  uff  gingen.  Do  quam  der  lantgrafe  ouch  darinne  uff 
gefarn  mit  velen  funcken  oben  uss  unnd  gab  sich  do  deme  pristere  zu 
schouwen  unnd  sprach:  Sich,  ich  bin  hy,  ich  armer  lantgrafe,  etwan 
din  herre;  nu  wolde  ich  gerne,  das  ich  ny  were  geborn  gewest,  also 
grosse  swere  pyne  lide  ich  stetlichen.  Do  sprach  der  prister:  herre,  Roth« 379 
ich  bin  zu  uch  von  uwerera  sone  gesant,  das  ich  ome  sagen  solde, 
wehe  es  umb  uch  gethon  wern,  ab  her  uch  mit  ichte  gehelffe  mochte. 
Da  antwarte  der  lantgrafe:  we  es  mir  ergehit,  das  had  ir  wol  geseen, 
doch  so  sullet  ir  wissen,  weres  das  niyne  kindere  den  gotishusern, 
stifften  unnd  clostern  ore  erbe  unnd  gutere  wedder  geben,  dy  ich  zu 
myner  herschafft  unczemelich  bracht  habe,  es  were  rayner  sele  eyne 
grosse  hulffe.  Do  sprach  der  prister:  herre,  sy  en  glouben  mir  dusser 
rede  nicht.   Do  sagete  her  ome  eyn  warezeichen,  das  nyraand  mehir 

•  Dl»  HS  wiederholt  hier  noch  •Inmtl  uch. 

f 

1170  (s.  die  Urkunde  vom  25.  Juli  1170  bei  RDThD  II  No.401);  dagegen  wird 
er  aber  doch  in  der  Urkunde  des  Erzbinchofs  Christian  von  Mainz  vom  1.  Sept. 

1171  (s.  Dolwnfckcr  a.  a.  O.  II,  No.  4-12)  gelobt  (nobilitate  praeclarus,  virtute 
inelitUH,  potencia  et  facultate  rerinn  temporalium  magnificus)  als  Wohlthäter  des 
St.  Stefanstifte«  in  Mainz,  da*  ihm  «'ine  StiftaherrußtelTe  in  Dankbarkeit  überträgt. 
*  Glunyng     „glühend,"  s.  „bluning"  ob.  St.  1  A.  16. 


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134 


81.  Stück. 


▼  wüste  dann  sy.  Also  wart  |  der  lantgrafe  widder  in  dy  gruben  ge- 
sencket,  unnd  der  tutel  fürte  den  prister  wedder  von  danne.  Unnd 
wy  wol  das  der  prister  do  syn  leben  nicht  vor  loss,  so  bleib  her  doch 
gel  unnd  ungestalt,  das  man  on  kume  erkante;  unnd  was  her  go 
sehen  unnd  gehört  hatte  unnd  ouch  das  warezeichen  vom  lantgrafen, 
das  sagete  her  alles  deme  jungen  lantgrafen,  es  wart  abir  ome  wenig 
nuteze,4  wann  sy  wolden  solche  gutere  nicht  wedder  keren.  Dar  noch 
vor  gap  der  prister  alle  syne  lehen  unnd  wart  eyn  grawer  monch. 

Roth«  äs»  Dussor  lantgraf  lodewig,5  der  hiss  der  milde  adir  gut  willige,  dar  umb, 
her  was  gar  eyn  durch  luchter  man  unnd  heffltig  zu  stryten,  wisse  zu 
ratben  unnd  fol  senff  mutigkeyt,  gutlich  unnd  milde  kein  armen  luthen, 
den  gap  her  dy  spisse  unnd  dy  kleidere,  unnd  wo  her  ging,  do  volgeten 
ome  noch  dy  armen  luthe  unnd  hisschen  dy  almosen  von  ome,  als  ap 
her  on  dy  von  rechte  schuldig  were,  unnd  was  gar  eyn  rechter  fromer 
cristen  man  unnd  was  ouch  pristern  unnd  allen  geistlichen  luthen  gar 
holt.  —  Dusser  selbige  lantgrafe,  der  buwete  zu  aller  erst  von  nuwonst 
sente  jorgen  kirchen6  zu  isenache,  wann  her  vor  mals  mit  deme  keysere 
iu°nh.  ubir  mehir  czoch,  das  heiige  grab  zu  gewinnen,  do  wart  ome  sente 

MxÜ8f"  jorgen  baner  vom  keyser  vor  andelogit,7  dar  under  her  den  vor  stryd 

pg.  m«,  vor  den  keyser  thed  wedder  dy  ungloubigen,  unnd  man  wolde  anders 
nicht,  den  das  her  eyn  solchs  keyn  gote  sunderlich  vor  denet  hette 

ibk^M«,  ^  gynen  willigen  grossen  almosen.  ßitte  ist  geschehen  nach  cristus 
1101  geburt  tusent  hundert  unnd  eynunndnunczig  jar.8  In  der  selbigen  czid 

^e39'  wart  in  I  evneni  dorffe  by  erffort  genant  bechstete9  unseres  hern  lich- 

63 

*  Das  stimmt  nicht,  wenn  man  die  Urkunden  vergleicht,  welche  Dobcnecker 
im  2.  Bande  seiner  RDThD  mitteilt  unter  den  Nummern  618.  619.  635.  642.  643. 
656.700.719.753.832.833,  in  denen  Landgraf  Ludwig  Klöstern  und  geistlichen 
Stiftern  gegenüber  eine  offene  Hand  hat,  ebenda  die  No.  620. 634.  691. 692.  693. 
732.  831  u.  834,  in  denen  er  eich  wohlwollend  zeigt.  Allerdings,  wo  es  sich  um 
die  materiellen  und  vitalen  Interessen  seines  Hauses  handelte,  zeigt  auch  er  sich 
unnachgiebig,  so  hinsichtlich  der  Hersfelder  Lehen,  die  er  i.  J.  1181  von  seinem 
Bruder  in  Hessen  geerbt  hatte,  ebenso  bei  den  Mainzischen  Lehen  in  Hessen 
(1183),  s.  Knochenhauer  a.a.O.  S.  197 f.  u.  203 f.  Sonst  war  er  der  Kirche  treu 
ergeben,  beim  Papste  in  hohem  Ansehen  und  von  den  Reinhardsbrunner  Mönchen 
deshalb  hochgepriesen.  5  Seine  Geschichte  s.  bei  Knochenhauer  a.a.O.  S.  181 
bis  224.  fi  Die  St.  Georgskirehe  zu  Eisenach  wurde  vom  Landgrafen  Ludwig  III. 
gelobt,  als  er  i.  J.  1180  bei  Weissensee  in  die  Gefangenschaft  Heinrichs  des  Löwen 
geraten  war;  sie  wurde  zwischen  1182  und  1188  gebaut,  ».Rein,  Kurze  Gesch.  u. 
mittelalterl.  Physiognomie  der  Stadt  Eisenach,  ZThG  V,  S.  13.  Ludwig  III., 
welcher  auf  der  Rückkehr  von  seinem  Kreuzzuge  am  26.  Oktober  1190  auf  hoher 
See  starb,  scheint  sich  den  heiligen  Georg  zum  Schutzpatron  erwählt  zu  haben, 
woher  seine  Widmung  stammt,  und  die  Reinhardsbrunner  Überlieferung  schmückt 
die  Tradition  mit  der  Erscheinung  des  Ritters  (St.  Georg)  mit  dem  Banner  aus ; 
s.  Cronic.Jleinhardbrunn.  MGH,  Scr.  XXX,  1  pag.  546  nebst  Anm.  2  von  Holder- 
Egger.  Über  seine  Kreuzfahrt  s.  noch:  De*  I^andgrafen  Ludwigs  des  Frommen 
Kreuzfahrt.  Heldengedicht  der  Belagerung  von  Akkon,  herausggb.  von  F.  H. 
v.  d.  Hagen,  1854  (Knochenhauer  a.  a.O.  S.  213).  "  S.  St.  56  A.  5.  8  Falsch, 
für  1190.  9  Bechstedt  ist  der  Name  zweier  Dörfer  bei  Erfurt,  Bechstedtwagt, 
Kr.  Erfurt,  u.  Bechstedt  -  Strass  im  Verwaltungsbezirk  Weimar  des  Grossherzog- 
tums Sachsen.   Da  ersteres  früher  kurmainzisch  war,  ist  es  wohl  gemeint. 


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82.  und  83.  Stück. 


nam  funden  mit  eynem  leffel  in  eynem  becher,  unnd  der  wart  bracht 
kein  erffort  in  unser  lieben  frowen  kirchen.  Ditte  geschach  an  deme 
andern  tage  noch  annunciationis  marie,10  das  wir  itczunt  des  heiligen 
bluts  tag  heissen. 


82.  Eyn  gross  czeiclien  von  deme  heiigen  waren 

liehenani.  r««.«sm 

Nach  cristus  geburt  tusent  hundert  unnd  eynundenunczig  ist  UM 
ditcz  ge  scheen:  Der  pferner  in  deme  dorffe  genant  fladicheim1  vor 
deme  heynich  solde  einen  krancken  menschen  mit  unsers  lieben  hern 
lichnam  berichte;  do  begenite  ome  der  geineynen  frowen  eyne  uss  der 
geraeynen  gassse2  von  erffort  unnd  wolde  in  eyne  andere  stad  wandere 
unnd  quam  czwisschen  den  hussern  unnd  deme  pristere  also  nahe, 
das  sy  nicht  gewiche  konde.  Do  erschrag  dy  frowe  also  sere  unnd 
vil  uff  ore  antlitcze  unnd  riff  mit  luther  styrame:  o  herre,  hymmelischer 
vater,  erbarme  dich  ubir  mich  arme  sunderynne  unnd  lass  mich  nicht 
entgolden,  das  ich  dir  also  naho  hy  bin;  ich  gloube,  das  du  mich  unnd 
alle  werlt  er  lost  hast;  bistu  der,  so  bitte  ich  dich,  das  du  mir  myne 
unezeliche  sunde  vorgebo  woldest.  Do  horten  dy  luthe  eyne  stymme 
uss  der  buchssen:  Dir  sint  dine  sunde  vor  geben,  gee  unnd  sundige 
vort  nymme!3  Do  begunde  dy  sunderynne  also  bitterlichen  zu 
weynen,  das  dy  lutho  alle  mit  or  beweget  worden.  Düsse  frowe  wart 
dar  nach  eyne  bossserinne  unnd  nam  eyn  selig  gut  ende. 


83.  Von  der  gebort  lantgrafen  lodewigs,  sente 

elsebeten  herre.1  | 

Herman,2  lantgrafen  lodewigs  des  milden  bruder,  der  nam  zu  deriuthe4i5 
e  des  herezogen  tochter  von  beyern,  dy  hiss  sophia.    Von  der  gewan 

10  Heimsuchung  Maria,  25.  Marz. 

82.  1  Prcussiscbes  Dorf,  südlich  von  Mühlhauseu  i.  Th.,  jetzt  Flarchheim,  Kr. 
Langensalza  (s.  RDThD  I  p.  294.  512  u.  ö.),  wo  am  27.  Januar  1080  Kaiser 
Heiniich  IV.  gegen  seinen  Gegenkönig  Rudolf  von  Schwaben  kämpfte.  Der 
Hainich  ist  der  südlichste  der  drei  vom  oberen  Eichsfelde  nach  Südosten  aus- 
laufenden Höhenzüge.  *  S.  Ä.  Kirchhoft",  Erfurt  im  13.  Jahrhundert,  1870,  S.  68; 
die  Mariengasse  vor  den  Graden;  nach  v.  Tettau,  Beiträge  zur  Topographie  von 
Erfurt,  MGE  XII,  S.  160,  war  das  gemeine  Frauenhaus  in  der  Frauen-  oder 
Halbmoudgasse,  jetzt  Artillerieplatz  am  Friedrich  -Wilhelmsplatz.  0  S.  Evangel. 
Johannis  cap.  8  V.  11. 

83.  1  Hier  beginnt  die  2.  Reihe  von  Erzählungen  über  die  heilige  Elisabeth 
und  ihren  Gatten,  Landgraf  Ludwig  den  Heiligen  (IV.),  die  sich  bis  St.  108  hin- 
zieht. Über  diese  Erzählungen,  welche  die  erste  Reihe  St.  41— 62  ergänzen,  ist 
im  allgemeinen  zu  vergleichen  das  Leben  des  heiligen  Ludwig,  herausggb.  von 
Rückert,  1851.      *  Merkwürdig  ist,  dass  über  Landgraf  Hermann  I.  sich  so 


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136 


83.  Stück. 


her  vier  sone;  der  erste  hiess  lodewig,3  der  wart  geborn  nach  cristus 
1200  geburt  tusont  czwey  hundert  jar  an  sento  symonis  et  jude  tag.  Dusser 
selbige  lantgrafe  was  von  togent  milde,  gutlich,  frolich,  suberlich  von 
angesichte,  wol  geschicket  von  lybe,  geduldig,  schemel,  vorsichtig, 
gerecht,  gotforohtig,  erssam  unnd  allen  luthen  gutlich.  Der  andere, 
sin  bruder,  hiss  herman,4  der  dritte  heinrich,5  unnd  der  Vierde  hiss 
conrad. 6 

1200  Nach  cristus  geburt  tusent  CC  jar,  do  wart  lantgrafen  herman  sin 
son  lodewig  geborn,  deme  hirnach  elizabet,  oyn  tochter  des  koniges 
Rothe  4i6  von  ungern,  vor  truwet  unnd  gegeben  wart.  Czu  den  selbigen  gecziten 7 
worn  in  lantgrafen  hermans  hofe  sechs  edel  manne  von  gebort  unnd 
von  synnen  wisse,  hubisch,  vornunfftig  ubir  alle  andere  luthe,  also  das 
man  von  on  wid  in  den  landen  sagete,  unnd  dy  sungen  zu  wedder 
strite  unnd  machten  vele  nuwe  lyder  wedder  einander.  Der  eyne  hiss 
er  heinrich  schriber,  eyn  hobisscher  guter  ritter,  der  ander  er  walter 
von  der  vogel  weide,  der  dritte  wolferam  von  eschenbach  etc.  Düsse 

wenig  in  unserer  Chronik  findet  (St.  83.  87.  88),  obschon  Rothe  mehr  hat,  besonders 
aber  die  Reinhardsbrun ner  Geschichtsachreibung  über  ihn  sehr  ausführlich  be- 
richtet, oft  unsere  einzige  Quelle  über  ihn.;  die  Ursache  mag  wohl  Stolles  etwas 
engherziger  Standpunkt  gewesen  sein.  Landgraf  Hermann  I.  (1190  —  1217),  ein 
unsteter  Charakter  und  politisch  unzuverlässig,  auch  in  einer  sehr  bewegten  Zeit 
regierend,  ist  kein  Glück  für  Thüringen  gewesen,  das  unter  ihm  in  fortwährenden 
Kriegsdrangsalen  seufzte  und  oft  verwüstet  wurde;  s.  ob.  St.  41  A.7.  Er  war 
zweimal  vermählt,  zuerst  mit  Sophie,  der  Tochter  des  Pfalzgrafen  Friedrich  II. 
von  Sommersell  bürg ,  ungefüllt-  i.  .1.  1182;  sie  starb  i.  J.  1195.  Aus  dieser  Ehe 
stammten  2  Töchter:  1.  Jutta  (1183— 12*55) ,  zuerst  vermählt  mit  dem  Wettiner 
Markgrafen  Dietrich  von  Meissen  (f  1221),  als  Mutter  Heinrichs  des  Erlauchten 
die  Stammmutter  der  späteren  Landgrafen,  dann  mit  Graf  Poppo  VII.  (XIII.) 
von  Henneberg  (fl245):  2.  Hedwig  (1185  nach  1227).  vermählt  mit  Albrecht 
von  Orlamünde,  Grafen  von  Holstein.  Zum  zweitenmal  vermählte  sich  Land- 
Hermann  I.  im  Frühjahr  1196  mit  Sophie  (1171  —  1238),  der  ältesten  Tochter 
Pfalzgrafen  und  späteren  Herzogs  Otto  I.  von  Bayern,  aus  dem  Hause 
Wittclsbach.  S.  Häutle,  I^andgraf  Hennann  I.  von  Thüringen  und  seine  Familie 
(ZThG  V,  1862,  S.  69—220)  u.  Knochenhauer  a.  a.  O.  S.  222—296.  3  Ludwig  IV., 
der  Heilige,  war  eigentlich  der  zweite  Sohn  Hermanns  I.,  geb.  i.  J.  1200  am 
28.  Oktober,  St.  Simonis  und  Judä  Tag.  *  Der  älteste  Sohn  Hermanns  I.,  geb. 
1199,  t  31.  Dez.  1216;  s.  ob.  St.  41  A.7;  Häutle  a.a.O.  S.  180- -133.  6  Hein- 
rich IV.  Raspe,  Gegenkönig  Kaiser  Friedrichs  IL,  geb.  c.  1202,  +  1247.  8  Konrad, 
der  jüngste  Solin  Hermauns  I.,  zuletzt  Hochmeister  des  deutschen  Ritterordens, 
geb.  c.  1204,  -f- 1241  (1243?).  Neben  diesen  4  Söhnen  entstammten  noch  2  Töchter, 
Irmengard  und  Agnes,  dieser  zweiter»  Ehe  Landgraf  Hermanns  I.  7  Das  ist 
i.  J.  1206  oder  1207.  Den  Chronisten  hat  offenbar  die  Erzählung  vom  Sängerkriege 
auf  der  Wartburg,  welchen  Rothe  (St.  416— 421)  ausführlich  erzählt,  wenig  inter- 
essiert, daher  lässt  er  von  den  6  Meistern  drei  weg,  neben  Rem  mar  von  Zweter 
(bei  Rothe:  Reynhart  von  Zwetzen)  und  Hiterolf  vor  allen  den  Gegner  der  5 
anderen:  Heinrich  von  Ofterdingen  (Rothe:  Aftirdingen),  und  versteht  den  ganzen 
Hergang  nitht,  auch  nicht  die  Rolle  Klingsors.  —  Der  sagenhafte  Sängerkrieg 
auf  der  Wartburg  ist  uns  überliefert  in  einem  Gedichte  aus  dem  Ende  des 
13.  oder  dem  Anfange  des  14.  Jahrhunderts:  Krieg  von  Warperg,  von  einem  un- 
bekannten Dichter ,  am  besten  herausgegeben ,  mit  Übersetzung ,  von  Simrock, 
1872,  der  erste  Versuch  „eines  deutschen  Dramas  von  nicht  christlichem  Gehalt 
und  Sinn,"  s.  Wackeniagel,  Geschichte  der  deutschen  Litteratur,  S.  303 ff. 


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84.  Stück. 


13? 


Strogen  alle  also  lange  keyn  einander  in  grossen  tretlichen  nieister 
lyden  an  treffende  dy  astromygen8  unnd  ouch  vorborgonde  gotliche 
ding,  an  rurende  dy  sacrament  der  lieilgen  cristenhoit,  also  das  or 
herre  lantgrafe  herman  sante  noch  meister  klinges  ore  in  ungern,  der  Roth«  418 
gar  eyn  wisser  wolgelarter  man  was  in  des  himniels  knifften;  unnd 
quam  in  doringen  unnd  voreinete  |  disse  obgenante  sechs  sengere.  Also  e* 
begabete  on  lantgrafe  herman  mit  erlichen  cleynoten  unnd  liss  on 
widder  mit  den  synen  also  alle  wol  begäbet  in  ungern  czehen,  wann 
der  selbige  meyster  klingis  ore  gar  eyn  richer  man  in  ungern  was 
unnd  hatte  alle  jar  wol  dry  tusent  ungersche  gülden  vom  konige  zu 
ungern  uff  zu  heben  unnd  ging  herlichen  her  gekleidet  als  ein 
bisschoff. 


84.  Von  der  frygete  lantgrafeu  lodewigs  unnd 

sente  elsebeten.  Rott»*» 

Als  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CC°XI  jar,  do  sante  1211 
lantgrafe  herman  dusser  wol  vorlumete  fursto  in  dutczen  landen,  gar 
erliche  bothen  uss,  beyde  von  mannen  unnd  ouch  von  wiben,  zu  dorne 
konige  von  ungern  umme  syne  tochter  elizabeth ,  synem  sone  lodewige 
zu  frygene.1  Unnd  dy  bothen2  warn  zu  forderst  grafe  meynhart  von 
molburg,  er  walter  von  vargula  der  schencke,  czwene  herliche  unnd 
wysse  hern  mit  andern  oren  rittern  unnd  dynern,  unnd  zu  wayne* 
dy  erssamen  wettewen  frowen  berthin,  etczwan4  ern  egebolffis  von 
bendeleuben  wip,  mit  oren  juncfrawen;  unnd  quamen  alle  zu  samene 
zu  presburg  in  ungern  wol  gecziret  zu  konige  andreas  von  ungern. 
Do  worbon  sy  umme  syne  tochter  elisabeth,  unnd  sagete  man*  dy  on 
zu  unnd  sante  sy  also  balde  mit  on  in  doringen  des  lantgrafen  sone 

•  „n»a"  fehlt  la  der  HS. 

8  Astronomie,  Sternkunde,  die  bei  allen  angeblich  überirdischen  und  selt- 
samen Dingen,  bis  in  die  Neuzeit,  nicht  fohlen  durfte. 

W.  *  Wenck,  Die  heilige  Elisabeth,  Hist.  Zeitschrift,  Bd.  69  (N.  F.  33),  1892, 
S. 219:  ..Elisabeth  ist  i.  J.  1207  geboren;  nur  die  4  ersten  Lebensjahre  hat  sie  in 
der  Heimat  verbracht.  Die  Gewohnheit  frühzeitiger  Verlobungen  und  Ehe- 
schliessungen, die  dem  Mittelalter  eigentümlich  ist,  führte  schon  1211  zur  An- 
knüpfung mit  Thüringen  und  zu  Elisabeths  Verpflanzung  nach  der  neuen  Heimat." 
*  Als  Führer  der  Gesandtschaft  werden  auch  bei  Rothe  genannt:  Graf  Meynhart 
von  Mühll>erg  und  Walther  Schenk  von  Vargula  (wahrscheinlich  der  Vater 
Rudolfs,  s.  ob.  St.  53  A.  1),  als  Ehrendame  der  abzuholenden  Prinzessin  die  Kdel- 
frau  Bertha,  Gemahlin  des  Herrn  Egebolf  (Rothe:  Eginbold)  von  Bendeleben 
(jetzt  schwarzb.-sondersh.  Dorf,  zwischen  Sondershausen  und  Frankenhausen, 
uralt,  zuerst  sicher  erwähnt  in  der  Fuldaischen  Urkunde  v.J.  900,  RDThD  I, 
No.  294;  die  edelc  Familie  von  Bendeleben  wird  i.  J.  1186  zuerst  erwähnt, 
s.  Dobenecker  a.a.O.  No.  1312).  3  Wayn  (wein),  stm..  entstand  durch  Elision 
au«  wagen ,  wie  aus  klaget«  k  leite  wird,  u.  ähnl.  *  Md  etczwan  =  mhd  etes* 
wanne,  Dedeutet  hier,  wie  öfters,  „vormals." 


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138 


85.  bis  87.  Stück. 


mit  eyner  silberynen  wegen5  unnd  oucb  mit  eyme  silberynen  bade- 
beeher0  uund  mit  des  kindes  ammen,  dy  es  geczogen  hatte,  unnd  ouch 
mit  velen  kostlichen  kleydern  unnd  kleynoten,  unnd  der  koning  be- 
t  gabete  dy  bothon  dusser  werbunge  gar  horlich.  Ditte  geschaeh ,  als  | 
sente  elizabeth  vier  jar  ald  was,  unnd  lantgrafe  lodewig  or  frydel7 
czwolff  jar  ald  was. 


Rothens        85.  Hye  starp  sanctae  Elizabethen  muter.1 

Als  man  schreib  nach  cristus  gcburt  tusent  czweyhundert  unnd 
1212  XII  jar,  do  starp  sente  elisabeten  muter,  das  was  in  deme  andern 
jare  dar  nach,  do  sente  elsebeto  in  doringer  land  quam. 


;heK"3       86.  Von  der  prediger  unnd  barfussen  orden. 

1212  Item  in  deme  selbigen  jare,  do  stiflfte  sanctus  dominicus  der 
prediger  orden,1  unnd  sanctus  franciscus  der  barfusen  orden.2  —  Dor 

1213  noch  in  deme  nesten  jare  dar  noch,  do  er  hub  sich  das  closter  zu 
buwen,  genant  schipplitcz , 3  eyn  juncfrowen  closter  zu  sente  mertin 
genant 


Rot*.  «4      87.  Von  sente  katherinen  closter  zu  isenaehe. 

Dor  noch,  als  man  schreib  noch  cristus  geburt  tunsent  czwey- 
1215  hundert  unnd  XV  jar,  do  began  lantgrafe  herman  zu  erst  buwen 
das  closter  zu  sente  katherinen1  zu  isenache  grawes  ordens*  an  eyner 

4  „Wegen"  ist  dialektisch  für  allgemein  md  w!ge  =  mhd  wige,  wiege,  stf., 
„Wiege."  6  „Badebecher"  ist  Rothes  Übersetzung  von  dolium  an  balneandum. 
7  Md  vrldel  =  mhd  vriedcl,  stm.,  „Geliebter,  Bräutigam,"  unzähligema)  in 
den  Minneliedern,  mit  vriunt,  „Freund,"  partk-ip.  praes.,  frijdnds  (gotisch),  frijön, 
„lieben,"  wie  fijanda,  „Feind"  von  fijan,  „hassen." 

86.  1  Die  Mutter  der  heiligen  Elisabeth  ist  Gertrud ,  Tochter  des  Herzogs 
Berthold  von  Meran,  aus  dem  Gcsehlechte  der  Grafen  von  Andechs.  Sie  wurde 
i.  J.  1213  (der  Chronist  irrt  um  ein  Jahr)  von  aufständischen  ungarischen  Grossen 
vor  den  Augen  ihrer  Kinder  ermordet :  s.  J.  G.  Mailath,  Gesch.  der  Magyaren,  I, 
136;  Häutle  a.  a.  O.  S.  146  A.  2 ;  Wenck  a.  a.  O.  S.  218  u.  223. 

86.  1  I.  J.  1216  anerkannte  Papst  Honorius  III.  den  Orden  der  Prediger 
oder  fratres  praedicatores  und  bestätigte  ihn  durch  eine  Bulle;  sein  Stifter  ist 
Dominikus,  geb.  1170  zu  Calaruega  im  altkastilischen  Bistum  Osma.  *  I.  J. 
1223  bestätigte  Papst  Honorius  Iii.  den  seit  1209  vom  Papste  Innocenz  III. 
anerkannten  Orden  der  fratres  minores  (Minoriten,  Minderbrüder,  in  Ober- 
doutschland  meist  Barfüsser  genannt,  Franziskaner  ist  eine  spätere  Bezeichnung) ; 
sein  Stifter  ist  Johannes  Bernardone,  geb.  1182  in  Assisi,  erst  später  von  seinem 
Vater  im  Andenken  an  Frankreich  Francesco  genannt.      8  S.  ob.  St.  73  A.  3. 

87.  1  Näheres  giebt  Rothe;  s.  auch  W.  Rein,  Kurze  Geschichte  und  mittel- 
alterliche Physiognomie  der  Stadt  Eisenach,  ZThG  V,  S.  14  f.  und  Häutle  a.  a.  O. 
S.  82-83.      •  D.  i.  der  Cistercienser,  s.  ob.  St.  74  A.  3. 


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88.  und  89.  Stück. 


139 


femestad3  czwosschen  czwen  strosssen;  in  dy  ere  unser  lieben  frowen 
unnd  sente  katherinen  wart  dy  selbige  kerche  gewehit  in  kegen- 
wertickeit  sente  elsebethen,  als  sy  achte  jar  alt  was. 


88.  Hye  starp  sente  elsebethen  sweher.  R«*b.m* 

Item  in  deme  selbigen  jare,  do  starp1  dusser  erluchte  furste  lant-  1215 
grafe  herman  zu  gota,  unnd  do  quam  der  apt  zu  reynhardisporn  unnd 
wolde  on  keyn  reinbardisborn  füren  unnd  do  begraben,  do  sine  eidern 
begraben  sint.  Des  en  wolde  frowe  sophia  dy  lantgrefen  nicht  staten, 
sundern  sy  liss  on  füren  keyn  isenache  in  das  closter  sente  katliorinen, 
das  der  selbige  furste  or  herre  do  gestifflt  |  hatte,  unnd  noch  siner 65 
begerunge  do  begraben.  Item  in  deme  andern  jare  dar  noch,  do  starp 
sin  son  herman,2  eyn  jungeling,  unnd  koss  zu  sinem  vater  zu  line; 
also  wart  her  ouch  do  begraben  in  sente  katherinen  koro  zu  isenache. 


89.  Von  lantgrafen  lodewig  unnd  sente  elsebeten, 

wy  from  dy  worn.  Roth.  427 

Lodewig  der  sechste,1  lantgrafen  hermans  son,  deme  sente  elsebete 
vor  truwet  was,  der  nam  sich  an  der  herschafft  zu  doringcn  noch  synes 
vater  tode,  als  her  XVI  jar  ald  was.  Dusson  nanten  dy  luthe  den 
tromen  togentsamen  lodewigen,  wann  her  hatte  alle  frome  unnd  heiige 
luthe  lyp  unnd  leyte  on  zu,  wo  her  konde;  wy  jung  unnd  frolich  er 
was,  so  ubertrat  her  doch  nicht  dy  togunt,  wedder*  mit  Worten,  ge- 
berden addir  wercken.  Her  bewiste  ouch  sine  togunt  allermolichem. 
Her  was  an  der  personen  nicht  zu  lang  noch  zu  korcz  unnd  hatte  eyn 
schönes  antlitcze,  frolich,  gutlich  unnd  Schemel,  geczuchtig  als  eyn 
juncfrowe,  reinlich  am  libe,  an  kleydern  unnd  an  allen  dingen,  wisse, 
vornunftig,  wol  redene,  senffmutig,  geduldig,  menlich,  erssam  unnd 

•  HS:  Widder 

•  Feraeatad,  stf.,  „Richtetätte." 

88.  1  Es  war  am  25.  April  1216,  s.  Häutle  a.a.O.  S.  80 ff.,  Knochenhauer 
a.a.O.  S.288f.;  begraben  wurde  er  am  26.  April  1216.  *  Uber  diesen  s.  ob. 
St  41  A.  7  u.  St.  83  A.  4. 

89.  1  S.  Häutle  a.  a.  O.  S.  134-144  u.  144—152;  Knochenhauer  a.  a.  O. 
S.  217 — 232.  Es  sei  nochmals  an  das  Leben  des  heiligen  Ludwig  (IV..  nicht  des 
VI.),  nach  der  lat.  Urschrift  übersetzt  von  Friedrich  Köditz  von  Salfeld,  heraus- 
gegeben von  Heinrich  Rückert,  1851,  erinnert.  Was  Stolle  über  der  heiligen 
Elisabeth  äussere  Gestalt  schreibt,  findet  sich  weder  hier  noch  bei  Rothe  oder  in 
dessen  Quelle,  in  der  Lebensbeschreibung  der  heilig.  Elisabeth  von  Dietrich  von 
Apolda  (Theodoricus  Thuringus  de  Apoldia,  die  wir  in  1.  Ausgabe  von  Canisius, 
1725,  eingesehen  haben). 


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140 


90.  und  91.  Stück. 


worhaffrig,  unnd  alle  synen  mannen  getruwo,  unnd  den  armen  barm- 
herczig.  Aber  sente  elizabeth,  sine  eliche  gomol,  dy  was  folkomen  an 
deme  übe,  brun  an  deme  antlitcze,  ernst  in  der  Wanderung«,  geczuchtig 
in  den  seten,  gutlichen  mit  den  Worten,  in  nig  in  orem  gebeth  unnd 
uss  der  müssen  barmherezig  über  arme  luthe. 


be4"  90.  Hye  wart  lantgrafe  lodewig  ritter  zu  isenaehe. 

1218  Als  man  ezolte  nach  cristus  geburt  tusent  CC°  unnd  XVni  jar, 
do  hatte  dusser  togentsamor  lantgrafe  lodewig  einon  grossen  hoft  zu 
isenaehe,  unnd  do  warn  alle  sino  grafen  uss  doringen,  uss  deme  ostor- 
lande,  missen  unnd  hessen,  vele  forsten  unnd  hern,  unnd  theth  on  do 
grosse  erberkeit  mit  kosten  unnd  kleyn&ten  unnd  wart  do  rittor  in 
sente  jorgon  leerchen  vor  deme  hoen  altar  uff  den  achten  tag  petri  et 
pauli 1  unud  woldo  ouch  anders  nergen  ritter  werde  dann  do  selbest. 


91.  Wy  lantgrafe  lodewig  unnd  eyn  bisschoff  zu 
Roth**«  mentez  kregen. 

1219  Als  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CCM  unnd  XIX  jar,  do 
erhub  sich  oyn  gross  krig  czwissen  bisschoffe  siffride  von  mentez  unnd 
dissem  togentsamen  lantgrafen,  also  das  der  bisschoff  on  thet  zu  banne 
unnd  sprach :  sin  vater,  lantgrafe  herman,  der  were  in  dem  banne  ge- 
storben, unnd  des  betrubete  sich  disser  togentssamer  lantgrafe  zu  mole 
sere,  umme  das  der  bisschoff  sinem  vater  also  gethan  unrecht  unnd 
ungnade  zu  leyte.  Do  machte  dusser  lantgrafe  eyn  gross  heir  unnd 
czoch  in  hessen  unnd  vorterbete  unnd  vortreib  unnd  ving  alle  dy,  dy 
des  bisschoffs  helfer  warn,  unnd  ouch  sine  manne  unnd  besundern  dy 
edeln  hern  ern  hartmoden  von  werrenberg1  unnd  dy  von  scharffen- 
steyn;  dy  vorbrante  her  unnd  vortreib  sy  zu  gründe.  Dor  noch  in 
kortcz  in  deme  selben  jare,  do  quam  der  selbige  bisschoff  keyn  fulda 

90.  1  Da*  wäre  der  8.  Juli  1218;  bei  Rothe  entsprechend:  an  sente  Kilians 
tage,  das  ist  auch  der  8.  Juli;  in  der  Reinhardsbrun ner  Chronik  am  4.  Juni. 
Knochenhauer  a.  a.  0.  8.299  nimmt  den  6.  Juli  1217  an. 

91.  'Versehen  Stolles:  es  ist  zu  lesen  Merenberg;  auch  die  anderen  Quellen 
geben  den  falschen  Namen  Hartmund;  es  war  Hartradns  IV.,  s.  Wenck,  Hess. 
Landesgeschich.  III,  pag.  287  sq/j.  Im  übrigen  int  der  Chronist  sehr  summarisch: 
die  Fehde  begann  wahrscheinlich  1218  (allerdings  Holder- Egger,  Cron.  Reinh., 
MGH,  8er.  XXX,  1  pag.  591  A.  2  stellt  es  als  ungewiss  hin),  der  Vergleich  zu 
Fulda  kam  1219  zustande  (Cron.  Reinh.  1.1.  pag.  593),  aber  1220  brach  der  Streit 
von  neuem  aus,  auch  auf  dem  Reichstage  zu  Frankfurt  im  April  1220  konnte 
er,  trotzdem  der  Kaiser  selbst  und  die  Fürsten  vermittelten,  nicht  beigelegt  werden, 
bis  es  endlich  später  gelang,  einen  eudgiltigen  Vergleich  zwischen  dem  Mainzer 
8tuhle  und  dem  liandgrafen  herzustellen,  s.  Knochenhauer  a.  a.  O.  S.  303. 


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92.  Stück. 


141 


uff  einen  tag  keyn  dissen  togentsamen  lantgrafen,  unnd  worden  do 
beydersyt  fruntlichen  gericht  von  den  czwen  epten  von  hersfelt  unnd 
von  fulda. 


92.  Wy  sente  elsebete  unnrt  or  herre  von  den 
luten  vor  logen  worn. 


Disser  togcntsaraer  lantgrafo  lodewig  hatte  sine  juncfrowen  sente  koUmuss: 
elsebeten,  dy  onie  vor  truwet  was,  uss  der  mossen  lyp,  wann  her  das  (JjJJ*) 
alleczit  ptlag,  so  her  us9e  gewest  was  unnd  quam  widder  en  heym,  so  rt,>thui- «*« 
ging  her  zu  or  unnd  brochte  or  eyn  kleinote  unnd  nam  sy  fruntlichen  Eu«u>oth«*. 
an  synen  arm.   Nu  geschach  des  eines  mal«  nicht,  also  das  her  was  1 YS?,11 
usse  gewest,  unnd  von  hindemisse  ander  hern  so  vor  gass  her  des,  das  p  «Mf.j 
her  nicht  solche  kleynote  elizabeten,  syner  lieben  gemol,  kouffte  unnd  5«*rd 
or  etwas  fromdes  brochte,  als  her  des  vele  pflach  in  czeichen  der  liebe. 
Des  betrubete  sich  elizabeth,  unnd  or  wart  gesaget  von  etlichen  logen-  Th^orUsi. 
hafftigen  czungen,  das  or  herre  lantgrafe  lodewig  sy  kebesse1  unnd  1  aUSSui** 
vorlossse  wolde,  unnd  wolde  sy  wedder  en  heim  koyn  ungern  orem B  v,t* 8- 
vatere  sende.    Nu  was  er  walter  von  vargila,*  der  edele  herre  unnd  1. 1  ep.vu' 
erbe  schencke  lantgrafen  lodewigs,  der  juncfrowen  sente  elsebeten  heyme-  cinSin^  t 
liehen  unnd  fruntlichen,  wann  hör  hatte  sy  zu  ungern  geholt,  unnd  *ati<i- 1V 
der  koning  zu  ungern,  or  vater,  hatte  sy  ome  zu  grosssen  truwen  p,m-q'* 
muntlichen  befolen;  deme  klagite  sy  das,  unnd  der  tröste  sy  wol  unnd 
sprach,  her  wolde  mit  orem  hern  do  vone  reden.    Unnd  das  geschach. 
Der  frome  ritter,  er  walter  von  vargila,  der  bad  orloub3  zu  dorne 
togentsamen  lantgrafen,  her  bette  ome  etwas  heymelichs  zu  sagen, 
wolde  her  on  des  gutlichen  bescheiden.  Do  antworte  disser  togentsamer 
lantgrafe:  Redit  frolich,  was  ir  wolt.  unnd  ich  hores  gerne!    Do  sprach 
er  walter,  was  her  doch  gedechte  zu  thune  mit  siner  juncfrowen  else- 
beten, ab  her  sy  |  wedder  keyn  ungern  sende  wolde?  unnd  sagite  ome  v 
do  alle  ding,  als  oben  geschreben  stehit,  wy  sich  elsebete  betrubete  von 
sulchcn  hinder  reden.4   Do  wiste  lantgrafe  lodewig  ome  den  emssei 
berg5  unnd  sprach:  Werlich  were  der  berg  alles  tin  golt  von  gründe 
wann  zu  oben  uss,  den  wolde  ich  ohir  vor  geben,  dann  das  ich  else- 
beten, myne  lieben  ebenen  gemol,  vor  Hesse  unnd  sy  kebese  wolde;  es 


92.  *  ..Kebesen"  =  wie  ein  Kebsweib  behandeln,  namentlich  in  dem  Sinne  von 
„als  Weib  Verstössen."  '-'  Walther  von  Vargula  hatte  sie  aus  Ungarn  geholt, 
«.ob.  St.  84  A.  2;  er  ist  hier  ihr  guter  (ieist  und  Beschützer,  wie  später  sein  Sohn 
Rudolf,  8.  ob.  St.  53  A.  1.  3  „Orloub''  urloub  =  „Erlaubnis.4*  4  „Hiuderrede,** 
stf.,  —  „Verleumdung.*'  4  Eh  ist  der  Inselsberg  gemeint,  im  Volksmunde  noch 
heute  der  „Ensselberg" ;  s.  E.  Brandis.  Berg-  und  Thalnamen  im  Thüringer  Wald, 
S.  24.  Er  galt  bis  gegen  das  Ende  des  vorigen  Jahrhunderts  als  <ler 
höchste  Berg  Thüringens,  da  er  im  nordwestlichen  (iebirgsflügcl  des  Thüringer 
Waldes  zwischen  niedrigeren  Vorbergen  zu  beiden  Seiten  gleichsam  als  ein 
einzelner  Berg  und  scheinbar  bis  zur  höchsten  Erhebung  emporragt. 


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142  93.  und  94.  Stück. 

mögen  dy  luthe  wedder  sy  reden  von  mir,  was  sy  wollen.  Do  sprach 
er  walter:  Ich  bete  uch,  liebe  gnedige  herre,  das  ir  mir  das  gunne 
wollet,  das  ich  dusse  uwer  rede  also  elsebeten  fort  vorkundige  müsse. 
Do  antwerte  der  lantgrafe  ome  suslich  unnd  lachende  unnd  sprach: 
Sagit  elsebethen  das  von  mir,  unnd  zu  warezeichen  so  brenget  or  myn 
kleynote!  unnd  greiff  do  in  einen  samyts  butel,  den  heran  syner  syten 
trug,  unnd  nam  dar  uss  eynen  czwefachen  elffenbeynen  spygel,  der 
was  an  eyner  syten  eyn  siecht6  spigel  glass  unnd  an  der  andern  syten 
unsers  hern  jhesu  cristi  martir,  als  her  an  deme  crueze  hing;  unnd 
do  disser  edeler  herre,  er  walter,  zu  elsebeten  quam  unnd  vor  czalte  or 
ores  hern  rede  unnd  antwerte  or  syn  kleynote,  das  der  herre  or  zu 
worezeichen  sante,  do  wart  sy  widder  frolich  unnd  lachte  meslich 
unnd  teth  den  spigel  uff,  der  mit  silbere  zu  geslosssen  was,  unnd  sach 
dar  in  unnd  kuste  do  dy  bildunge,  unsers  hern  martir,  unnd  druckte 
das  an  or  hereze  von  grosser  liebe  gotis  wegen. 


b««9      93.  Hye  hatte  lantgrafe  lodewig  hochezit  mit 
67  seilte  elzebeten.  | 

1221  Als  man  czalte  nach  cristi  geburt  tusent  CCXXJ  jar,  do  liss  ome 
der  togentsame  lantgrafe  lodewig  dy  heyligen  junefrowen  elizabeth  zu 
wartperg  uff  der  borg  by  legen  unnd  hatte  eine  schone  hochezit  mit 
or.  Item  in  deme  selbigen  jare,  do  worden  dv  closterfrawen  zu  nort- 
husen  zu  deme  heiigen  crueze 1  vor  treben  umme  orer  bossen  sethe 
wullen  unnd  lichtfertigkeit ,  unnd  worden  thumhern  an  ore  stad 
gesatezt. 


94  Hy  czoch  lantgrafe  lodewigk  mit  elsebethen  in 
Rothe  4si  ungern  zu  orem  vater. 

1222  Als  man  czalte  noch  cristus  geburt  tusent  CCXXn  jar,  do  czoch 
lantgrafe  lodewig  mit  sente  elsebeten,  siner  eliehen  gemol,  unnd  mit 
ome  grafe  gunther  von  swarezpurg  unnd  der  grafe  von  stolberg  unnd 
er  walter1  von  vargela  unnd  mit  grosser  herschafft  unnd  gesmucke 
unnd  mit  vele  wevdelicher  hersehafft,  ritterschafft  unnd  ouch  vele 
edeler  frawen,  unnd  czoch  zu  sinem  sweer,  deme  konige  von  ungern, 
das  her  sine  tochter  eins  gesee,  unnd  synen  eydam,  des  her  lange 

6  „Sieht"  =  „eben,  grade,  glatt/'  Gegensatz:  krump  und  rüch. 
»8.   1  S.  ob.  St.  34  A.8. 

»4.  1  Rothe  hat,  nach  der  biat.  Eccard.,  s.  Quelle,  Rudolf. 


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95.  und  96.  Stück. 


143 


czit  begeret  hatte.  Unnd  do  brochten  sy  von  ungern  also  vele  gutis 
von  golde  unnd  edelme  gesteyne,  von  kleydern  unnd  kleynoten,  das 
es  nicht  zu  sagen  stunt.' 


In  deme  selbigen  jare  lissen  dy  von  isenache  eine  grossse  messe-  1222 
glockon  gissse  zu  sente  jorgen,  unnd  dy  gerith  also  ubele  an  gruss- 
lichem  luthe,  das  man  dy  wedder  zu  slahen  wolde.  Das  en  wolden  dy 
borger  nicht  staten,  dy  wile  sy  also  reineclich  geformet  unnd  gancz 
was,  unnd  gelobeten  ander  ercz  do  vor  zu  geben  an  ore  stad,  unnd 
behilden  sy  zu  einer  |  storm  glocken,  dy  noch  grusslichen  unnd  er  t 


9(>.  Hye  gebar  sente  elsebete  oren  ersten  son.  mV 

Htl'llull^Ol) 

Als  man  czalte  noch  cristus  geburt  tusent  CCXXJH  jar,  do  gebar  1223 
sente  elsebete  oren  ersten  son  an  deme  XXV m  tage  des  merczen  zu 
eruczeburg1  uff  deme  slosse;  unnd  des  name  wart  genant  herman. 

In  deme  selbigen  jore,  do  czoch  lantgrafe  lodewig  mit  here  uff  den  1223 
grafen  von  orlamunde2  unnd  vorterbete  ome  sin  gerichte  unnd  buwete 
uff  on  schowenforst,  das  gelegen  was  czwosschen  orlamunde  unnd 
rudelstad. 

Dor  noch  in  deme  andern  jare  wart  juncfrowe  agnes,3  lantgrafen  1224 
lodewigs  swester,  dy  mit  sente  elsebeten  uff  geczogen  wart  zu  wart- 
perg,  dy  wart  brocht  mit  grossen  eren  keyn  nornberg  unnd  do  deme 
herczogen  von  osterich  by  gelegit. 


•  In  d«r  HS  rieht  am  unteren  Rand  .  Hern  hy  ial  oaob  «tee,  wy  »ente  ebebete  oren  mtntel 
tot  Ium.    Dm  rache  by  vor  rab  toll  nnaero  XXV  (=  St.  41  =  Rothe  438). 

JKJ.  1  Kreuzburg,  Stadt  an  der  Weira,  Verwaltungsbezirk  Eisen  ach  im  Gross- 
herzogtum Sachsen,  s.  YV.  Rein,  die  Palatien  d.  alten  thüring.  Landgrafen,  Archiv 
f.  sächs.  Geschichte  I,  S.  409-412.  —  Über  Hermann,  Elisabeths  Sohn,  s.  St.  108 
A.  15.  *  S.  Knochenhauer  a.  a.  0.  S.  306.  Es  war  Graf  Hermann  von  Orla- 
münde,  der  Bruder  Alberte  von  Orlamiiude,  welcher  der  Schwager  Landgraf 
Ludwigs  war,  derselbe,  gegen  den  auch  Landgraf  Hermaun  I.  schon  gekämpft 
hatte.  3  8.  Hantle  a.  a.  O.  8.203—280,  Knochenhauer  a.  a.  O.  8.  310  u.  317. 
Agnes  war  die  jüngste  Tochter  Landgraf  Hermanns  I.,  s.  ob.  St.  83  A.  6;  sie 
wurde  zu  Nürnberg  mit  dem  Babenberger  Herzog  Heinrich  von  Österreich  am 
18.  November  1225  vermählt,  zugleich  vermählte  sieb  König  Heinrich,  Sohn 
Kaiser  Friedrichs  IL,  mit  der  Babeubergerin  Margarete. 


95.  Von  einer  glocken  zu  isenache. 


Rollio  434 


hithed. 


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144 


97.  bis  99.8tück. 


Roth*  «5  97.  Von  deine  barfusen  closter. 

1224  In  (lerne  selbigen  jare,  do  quoraen  dy  barfussen  1  raoncho  zu  erst 
keyn  erff'orte  in  dy  stad,  wann  sy  vor  in  deme  brulo  woneten  in  einem 
ermelicben  klosterchen. • 


98.  Von  eynem  gronssen  fure  zu  erffort 

1222       Anno  doraini  M  CC  XXII  an  deme  achten  tage  sente  dorotheen1 
pMriErf.  was  evn  ßToss       zu  orffort,  das  vorbrante  dy  kreraerbrucken  *  nnnd 
bmmi.  müh,  dy  breiten  strosse3  gancz  uond  gar  abe. 


ko,i,.4u»    99.  Wy  sente  elsebete  eyn  gross  ezeielien  tlieth. 

1224  Als  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CC  XXIV,  do  gebar 
sento  elsebete  eyne  tocbter  zu  wartperg  uff  deme  slosse;  dy  wart  ge- 
nant sophia1;  dy  nara  dar  noch  den  herczogen  von  braband.  ~  In 

J224  domo  selbigen  jare,  do  was  |  sente  elsebeto  zu  der  nuenborg,  das  wir 
itczunt  heissen  friborg,  unnd  batte  do  dy  armen  luthe  unnd  wusch 
einen  usselczigen  menschen,  don  hiss  clias,  unnd  leyte  on  in  or  bette. 
Also  nu  lantgrafe  lodewig  über  feld  was  gewest  unnd  quam  wedder 
heim  gereten,  do  nam  on  sin  muter  by  der  hand  unnd  fürte  on  über 
sin  bette  unnd  sprach:  Sehit,  lieber  son,  also  beflecket  elsebete  uwer 

•  US :  klMtorliehttii,  da»  U  kleckttrtig  («tflfft. 

97.  1  Über  das  BarfüsserkloBtcr  s.  V.Mülverstedt,  Hierographia  Erfordcusis, 
MGE  II,  1867,  S.  154;  ebenda  XII  S.  120 f.  v.  Tettau  i. d. Beiträgen  zu  einer vergl. 
Toi»ographie  u.  Statistik  von  Krfiirt;  BE  S.  82 f.  Das  Kloster  lag  zuerst  auf  dem 
Cyriaxberge,  wo  die  fratres  min.  ord.  8t.  Franeisci  sich  ein  kleines  Hainichen 
bauteu ;  1225  wurden  sie  auf  päpstliche  Empfehlung  in  die  Stadt  selbst  aufgenommen. 

98.  1  Am  14.  Februar  1222.  Stolle  erwähnt  im  ganzen  16  Feuerebrünste 
zu  Erfurt,  von  denen  diese  die  älteste  ist:  1.  1222  (Stück  97);  2.  1246  (117); 
3.  1290  (13«);  4.  1296  (135);  5.  1297  (135);  6.  1396  (186);  7.  1413  (190);  8.  1416 
am  2.  Febr.  (191);  9.  1416  am  10.  Nov.  (192);  10.  14JJ  (194);  11.  1472,  der  grosse 
Brand  (221);  12.  1485  (336);  13.  1488  (341);  14.  1492  (351);  15.  1498  (366); 
16.  1482  (  385).  Wir  sehen,  welch'  eine  Verwüstung  eine  Stadt  wie  Erfurt  durch 
diese  ewige  Zerstörung  durch  Feuersbrunst  erlitt,  von  denen  der  Chronist  nur 
einige  erwähnt,  während  die  „ErfTurt  bische  Feuerchronik"  von  H.  E.  Seebach,  1736, 
vom  Jahre  10H8  anfangend,  viel  mehr  aufzählt;  von  den  oben  erwähnten  finden 
wir  in  ihr  auch  Nachricht  von  No.  2.  3. 4.  5.  6.  7.  8.  9  u.  11,  s.  auch  Beyer  BE  S.  40  f. 
•  S.  C.  Bever,  Die  Krämerbrücke  und  ihre  Bewohner,  MGE,  17.  1895,  S.  21-67, 
ebenders.  BE  S.  89  tt*.  :i  „Breite  Strasse"  (platea  lata)  hiess  früher  der  Teil  der 
jetzigen  Markstrasse  vom  Benodiktplatze  bis  zur  Allerheiligeustrasae,  s.  v.  Tettau 
a.a.O.  XII  S.40. 

1M>.  1  Soplüe  ist  die  ältere  Tochter  Ludwig  des  Heiligen  und  der  heiligen 
Klisabcth ,  später  vermählt  mit  Herzog  Heinrich  von  Brabant ,  Itekannt  aus  dem 
nach  dein  'lode  Heinrich  Raspes  i.  .1.  H47  ausgebrochenen  Erbfolgestreite,  da 
Sophie  für  ihren  3jährigen  Sohn  Heinrich,  genannt  d»s  Kind  von  Brabant,  die 
Erbfolge  in  Thüringen  und  Hessen  in  Anspruch  nahm. 


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100.  und  101.  Stuck. 


145 


bette  mit  ussotczigen  luthen!  unnd  warff  dy  decke  ufF;  do  saeh  her 
cristus  martir  vor  ome  in  deme  bette  ligen.  Do  hub  der  togentsame 
fursto  an  zu  weinen  unnd  sprach  zu  sente  elsebethen:  liebe  swester, 
vor  gip  mir,  das  ich  dich  also  vor  sucht  habe,  unnd  thu  vort  mee 
armen  kranken  luthen  gutlich  unnd  loss  das  durch  nimandes  willen, 
dar  an  thustu  mir  liebe. 


100.  Hye  gebar  sento  elsebete  or  dritte  kint.       Rothe  435 

Also  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CCXXV  jar,  do  gebar  1225 
sente  elsebethe  abir  eine  tochter  zu  wartperg,  dy  wart  ouch  sophia1 
genant.   Dy  wart  eine  eptissche  im  lande  zu  francken  in  deme  kloster 
genant  kitczingen  unnd  lid  ouch  do  begraben. 


101.  Wy  lantgrafe  lodewig  ezoch  inet  bere  in  poln.  Hot  he  43fr 

An  deme  selbigen  jare,  do  besammete  der  togentsame  lantgrafe  1225 
lodewig  eyn  gross  mechtig  heir  an  aller  czwoltf  boten  tage  unnd  be- 
sammete das  uss  doringen,  hessen,  buchen,1  francken,  westfoln  unnd 
osterlande  unnd  czoch  in  das  land  zu  poln  unnd  wolde  nedder  werffe 
das  edele  sloss  genant  lubenecke.2  Das  vor  wunderte  gar  sere  den  her- 
czogen  von  poln,  das  eyn  lantgrafe  zu  doringen  uff  |  on  mit  solcher  grosser  v 
macht  also  ferne  czoge.  Also  sante  der  herczoge  zu  poln3  zu  deme  lant- 
grafen  in  das  heir  unnd  bad  on  umme  einen  frede,  her  woldede  sinen  dar 
zu  vor  möge,  wedder  kerunge  zu  thune,  was  sy  ome  genomen  netten4 

100.  1  Nur  die  Rcinhardsbrunner  Überlieferung  kennt  4  Kinder  der  heiligen 
Elisabeth  (Hermann,  1.  Sophie,  2.  Sophie,  Gertrud);  dieser  Ül>erlieferung  folgt 
Stolle,  ohne  die  Geburt  der  3.  Tochter  zu  erwähnen  (s.  aber  u.  S.  151  ZI.  3  v.u.); 
s.  A.  Werneburg,  MGE  VIII,  S.  57— 61.  Sonst  nimmt  man  nur  3  Kinder  Elisa- 
beth!* an  (Hennann,  Sophie,  Gertrud).  Denn  als  Elisabeth  von  ihrem  Gatten  im 
Sommer  de«  J.  1227  erfuhr,  dass  er  das  Kreuz  Benommen  hatte,  war  ihre  Be- 
trübnis gross;  sie  trug  damals  ein  drittes  Kind  unter  dem  Herzen,  das  die 
frommen  Gatten,  gleichsam  als  Gelübde  für  die  glückliche  Heimkehr  des  Land- 
grafen, dem  Klosterleben  weihten.  Es  kam  anders:  Ludwig  starb  am  11.  Sept. 
1227;  aber  ehe  die  Kunde  nach  Thüringen  kam,  hatte  Elisabeth,  Witwe,  ohne  dass 
sie  es  wusste,  kurz  vor  oder  nach  dem  1.  Oktober  1227,  eine  Tochter,  Gertrud, 
geboren.  Oem  Gelübde  entsprechend,  das  ihre  Eltern  vor  ibrer  Geburt  gethan 
hatten,  widmete  sie  sich  dem  geistliehen  Stande  und  war  sjKiter  Äbtissin  des 
Klosters  Aldenburg  bei  Wetzlar;  s.  Wegele,  Die  heilige  Elisabeth  v.  Thüringen, 
Sytwls  Hist.Zeitschr.  V  S.  885;  Rückert  a.  a.  (>.  S.  136,  der  auch  auf  Thuringia 
sacra  pag.  106  b,  107  at  pag.  29*  u.  299  verweist. 

101.  1  Buchen  —  Buchonia,  s.  ob.  St.  32  A.  3.  ?  Es  ist  Schloss  Lebus  ge- 
meint, von  Herzog  Heinrich  I.  i.  .1.1218  an  die  Polen  abgetreten.  3  Über  den 
polnischen  Zug  Ludwigs  (wohl  im  August  und  September  1224,  Zwölfbotentag, 
divisio  apostolorum,  ist  allerdings  der  15.  Juli)  s.  Knochenhauer  a.  a.  O.  S.  312  bis 
314;  der  polnische  Herzog,  um  den  es  sich  hier  handelt,  ist  Wladyslav  Laakonogi. 
s.  Röpell,  Gesch.  Polens  I  S.  423  f.  Über  Grund  und  Zweck  dieses  Zuges  steht 
nichts  fest;  die  spätere  thüringisehe.Uherlieferung,  welcher  auch  Stolle  folgt,  nahm 
Beraubung  und  Gefangennahme  thüringischer  Kaufleute  im  (Klinischen  Gebiete  an. 

K.  Stollea  Memoriale.  10 


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102.  bi.s  104.  Stuck. 


von  kouftmanschatez  unnd  von  pferden.  Der  lantgrafe  zu  doringen 
karte  sich  nicht  dar  an  unnd  sprach,  her  hette  sich  gar  ferne  dar 
umme  da  hene  gemuwet,  her  wolde  nicht  abe  czehen,  her  hette 
dann  das  sloss  gewunnen ,  adir  sy  musten  on  mit  gewalt  do  vone 
tribe.  Also  nu  dy  uff  der  borg  worn,  sogen,  das  sy  keine  redunge 
hatten,  unnd  dy  borg  also  in  grossen  stormen  an  den  nüuden  tag  er 
halden  hatten,  do  goben  sy  das  sloss  über,  unnd  der  togentsame  lant- 
grafe besatczte  das  sloss  unnd  er  loste  do  sine  gefangen  uss  deine 
slosse  unnd  czoch  ane  schaden  weddir  heim  in  doringen  mit  den  sinen. 


Rot».«  436  102.  Von  eyner  thure  czid. 

1224       In  deme  selbigen  jare,  do  was  grosso  thure  czit  im  lande  zu 
doringen  unnd  werte  an  das  dritte  jar.    Item  in  deme  selbigen  jare, 


».  E. 


do  wart  dussen  lantgrafen  lodowige  das  sloss  richenbach.1 


103.  Lantgrafe  lodewigs  herfarte  in  das  land  zu 
Rothe  tu  francken. 

1226  Als  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CCXXVI  jar,  do  was  eyn 
erbir  man  im  lande  zu  francken,  wol  beslosset  Der  nam  deme  closter 
zu  reinhardisborn  eyn  fudir  wins  unde  sechs  pferde.  Das  klagete  der 
apt  do  selbest  zu  reinhardisborn  dussem  togentsamen  lantgrafen  ludewig; 
der  schreib  zu  hant  vor  sy,  das  sy  solche  nome  von  stunt  wedder 
geben,  unnd  das  geschach  nicht.  Do  besammete  sich  der  togentsame 
lantgrafe  unnd  belag  das  sloss,  do  der  edel  man  inne  wonte,  unnd  be- 
6»  twang  den  erbir  |  man  dar  zu,  das  her  nacket  in  sinem  hemde  vor  on 
kome  muste  unnd  eyn  bar  swert  an  sine  eygen  kel  setcze  muste 
unnd  sich  an  gnade  geben  unnd  von  stunt  das  fudir  wins  mit  den 
sechs  pferden  keyn  reinhardisporn  senden.  Solche  grosse  kost,1  arbeit 
unnd  ebenthure  bestunt  dusser  togentsamer  lantgrafe  dicke  unnd  vele 
durch  siner  clostere  unnd  ouch  siner  armen  luthe  willen. 


104.  Von  lantgrafen  lodewige  unnd  eynem  armen 
Routh*34K37  kremer  zu  isenache. 

1226       In  deme  selbigen  jare  ge  schach  es,1  das  lantgrafe  lodewig  zu 
isenac  he  was  unnd  sach  do  einen  armen  kremer,  der  hatte  gar  einen 

102.  1  Rückert,  Leben  d.  heilig.  Ludwig,  S  125:  „Das«  damit  Schloss  Reichen  - 
bach  in  Hessen  (und  nicht  etwa  im  Voigtlande  oder  gar  in  der  Lausitz)  gemeint 
sei.  wird  von  Rommel,  Gesch.  v.  Hessen  I  Anm.  163.  165  zum  3.  Buche  ausgeführt." 

103.  1  Der  Singular  „kost,"  stf..  ist  hier  kollektiv  gebraucht,  im  Sinne  von 
„Kosten,"  aufgewendete  Geldmittel;  bestuut  passt  nur  zu  ebenthure,  nicht  zu 
kost  und  arbeit,  es  liegt  also  ein  Zeugnia  vor. 

104.  '  HoMer-Egger  z.  (  ron.  Reinh.  I.  1.  pag.  595  adn.  2:  haec  fabula  valde 


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147 


ermelichcn  kram,  also  von  floyten,  leßeln,  .blienspangen,2  kindere 
trumpen,  nalden3  unnd  sulch  werg.  Do  fragete  dusscr  togentsamer 
lantgrafe  den  kremer,  also  her  zu  deme  jarmarte  dy  grossen  riehen 
kremere  beschouwet  halte,  wy  sich  dusser  armer  kremer  von  dussem 
krome  er  neren  mochte.  Do  antwarte  dusser  armer  kremer :  o  ir  milder 
gnediger  herre,  ich  en  kan  keyn  hantwerg  unnd  bin  vor  armet  unnd 
scheine  mich,  noch  brote  zu  gehene,  unnd  mochte  ich  mit  frede  von 
einem  lande  in  das  andero  gewandere  unnd  uss  einer  stad  in  dy 
andern,  so  were  mir  myn  krom  gud  gnug  unnd  woldo  mich  wol  er 
neren,  unnd  myn  krom  solde  über  eyn  jar  dannoch  besser  sy,  wann 
her  itezunt  ist  etc.  Do  wart  dusser  togentsamer  furste  bewegit  mit 
barmherezigkeit  über  dussen  armen  kremer,  do  her  on  also  vor  ome 
in  zu  rissen  bossen,1  ermelichen  kleidem  sach  steen,  der  sich  gerne  mit 
gote  unnd  mit  eren  generet  nette,  unnd  sprach  zu  ome  also:  lieber 
frunt,  wy  gut  achtestu  dinen  krom?  Do  antwarte  der  kremer:  herre, 
ich  gebe  on  gerne  umme  czehen  Schillinge  hellere.5  Do  sprach  der  «■ 
furste  zu  syme  kammermeister:0  gib  ome  X  Schillinge  hellere  von 
myner  wegen,  und  sprach:  du  salt  in  mynem  geleite  wandern,  wo  hen 
du  wilt,  unnd  wil  dir  des  einen  uflen  breff  geben  unnd  wil  dich  schade- 
loss  halde,  dar  umme  salt  du  mir  goselschaflt  gelobe  unnd  halbe  wyn- 
nunge  dynes  kromes.  Do  wart  der  arme  kremer  gar  frohe  und  gelobete 
deme  hern  getruwe  zu  sine,  unnd  nara  von  deme  kammermeistere  dy 
X  Schilling  heller  unnd  des  hern  breff  unnd  czoch  zu  vele  kermessen 
unnd  jarmerten  keyn  isenache  unnd  brochte  alle  wege  syme  hern  deme 
lantgrafen  unnd  synen  hofe  junckern  kleynote,  dy  da  fromde  warn, 
unnd  wiste  do  deme  lantgrafen  sinen  krom.  Aber  der  togentsamer 
furste  vorgalt  ome  sine  kleynote  wol  mit  kleydern  unnd  mit  gelde  vol- 
komelich,  unnd  der  krom  wuchs  in  kortezen  cziten  zu  male  sere,  also 
das  der  kremer  den  krom  nicht  mehir  getragen  konde  unnd  kouftte 

ampliata  legitur  in  bist.  Eccard.  col.  417  sq.  et  in  Cron.  Isenac,  Schöttgen  et 
Kreysig,  Dipl.  I  pg.  93,  et  q.  b.  Kürzer  hat  da«  „Leben  des  heilig.  Ludwig," 
ed.  Rückert  pag.  25,  die  Geschichte  behandelt,  welche  in  den  massgebenden 
Codices  der  Reinhardsbrunner  Uberlieferung  fehlt;  8.  Holder-Egger  l.  1.  pag.  595 
ad  not.  v.  *  In  der  lat.  Vorlage:  foreipites;  „blien  spangen"  kann  unmöglich 
„bleierne  Spangen"  bedeuten;  wir  erklären  es  mit  „Scnleierspangen"  und  lesen 
blidenspangen.  bilde,  nachgewiesen  als  pleide  bei  Hau«  Sachs  von  Schniellcr, 
bair.  \Y  örterbuch,  2.  A.  v.  Frommann,  I,  456,  scheint  eine  Art  Nackenschleier  ge- 
wesen zu  sein.  3  „Nülde,'*  swf.,  —  Nadel,  durch  Metathesis  entstanden.  *  „BÖ3e," 
bo3,  m.,  „kurzer  Stiefel,"  s.  ob.  St.  45  A.  3.  '  D.  Ii.  „zehn  Schillinge  (von  =)  in 
Hellern."  Ein  Pfund  Silber  =  20  Schillinge  —  240  Silberdenare  oder  Pfennige 
bezw.  Heller,  denn  der  Pfennig  der  schwäbischen  Stadt  Hall,  der  Heller,  welcher 
zuerst  1228  erscheint  (also  1  Jahr  vor  Landgraf  Ludwigs  Tode,  demnach  hier 
eiu  kleines  Hysteronproteron),  wurde  allmählich  mit  Pfennig,  weiterhin  mit  dem 
halben  Pfennig  gleich  oft  gebraucht.  Da  nun  das  Pfund  wie  der  Sclülling  später 
blsose  Rechnungsmürizen,  hingegen  Pfennig  und  Heller  allein  geprägt  wurden,  so 
setzte  man  auch  grössere  Summen  7.11  Hellern  an,  also  hier  zehn  Schillinge  in 
Hellern,  der  Heller  als  halber  Pfennig  gerechnet,  =  240  Heller.  0  Kamnier- 
meister =  camerarius,  eins  der  mittleren  Hofämter,  besonders  Verwalter  der 
Finanzen. 

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105.  Stflck. 


einen  essel  unnd  treib  sinen  kouftschatcz  von  einer  stad  in  dy  andern 
unnd  gewan  zu  male  thure  unnd  edele  stucke  in  syme  krome  mit 
golde  gestieket,  perlen  unnd  edeie  gesteine,  elften  beine  vor  span,7 
fingerlin,  spigele,  arme  gespan  unnd  edele  trincke  gefisse  unnd  uss 
erweite  worcze;*  das  hatte  her  allis  zu  venedige  geholt  unnd  treip 
sinen  esel  durch  francken  her  unnd  wolde  keyn  isenache  mit  sinem 
krome  zu  sime  hern  unnd  leite  uss  in  allen  steten,  wo  her  hen  quam. 
Also  thed  her  ouch  zu  wirczburg;  do  hatte  sin  krom  manchen  be- 
schouwer,  unnd  vele  edeler  luthe  uss  francken  den  krom  beschouweten 
unnd  doch  wenig  koufl'ten,  sundern  sy  worden  des  ratis,  das  sy  uff' den 
70  kremer  hilden  unde  nomen  ome  sinen  krom  mit  [  dorne  esele  unde 
treben  das  uff  eine  borg  by  wirczburg.  Der  kremer  wiste  do  sinen 
breff',  den  zu  rissen  sy  zu  stucken  unnd  karten  sich  dar  an  nicht, 
sundern  sy  lissen  den  kremer  gelin,  do  dy  vornomen,  das  der  krom 
sin  nicht  en  was,  al  sin  breff  in  hilt."  Do  ging  der  kremer  keyn 
isenache  zu  sinem  hern  lantgrafe  lodewige  unnd  klagete  ome,  das  er 
den  kostlichen  krom  vor  Jörn  nette.  Do  lachte  der  togentsamer  furste 
unnd  sprach:  lieber  geselle,  hab  keine  nod  umme  unsern  kouffeman- 
schatez,  du  salt  ouch  nergen  gehen,  sundern  du  salt  blibe  in  unserme 
hole  also  lange,  das  wir  wedder  einen  krom  uss  gerichten :  unnd 
machte  do  von  stunt  eine  herfart,  dye  was  gross,  unnd  czoch  do  mete 
in  francken  unnd  brante  unnd  horte10  biss  vor  wirczburg.  Do  liss  on 
der  bischoff  von  wirczburg  fragen ,  worum  nie  her  ome  so  grossen 
schaden  tethe,  das  her  doch  ny  umme  on  vordynet  hette.  Do  sprach 
der  lantgrafe:  ich  suche  mynen  esel.  Do  das  der  bischoff  vor  nam,  do 
quam  her  selber  zu  ome  unnd  fragete  on  umme  den  esel.  Do  sprach 
her:  uwer  manschaflt  unnd  roubere,  dy  haben  mir  mynen  dyner  ge- 
schint'1  unnd  ome  einen  esel  mit  sine  kromo  genomen.  Unnd  do  wart 
ome  von  stunt  der  esol  bracht  mit  dorne  kouffmanschatez.  Also  czoch 
disser  togentsamer  lantgrafe  widder  zu  huss  mit  syme  krome. 


105.  Wy  seilte  elsebete  <len  spetal  zu  wartburg* 
Rothe  «sä  ge  liiiwet  liat. 

1226       Item  in  dorne  selbigen  jare,  do  czoch  lantgrafe  lodewig  mit  deme 
keysero  in  lamperten  1  unnd  was  da  nahe  eyn  jar  usse.  Do  wart  gross 

7  „Spange"  —  spanne  —  span,  also  ist  vorspan  eine  vorn  getragene  Spange. 
"j.Worc/.e"  —  Gewürzkrant,  Gewürz,  da«  im  Mittelalter  verhältnismässig  kostspielig 
war.  "  Innehalten"  =  inhalton  =  „enthalten."  10  „Hern,"  swv.,  „mit  Heeres- 
macht  aberziehen,  verheeren,  plündern."  "  „Schinden,"  in  bildlicher  Bedeutung 
=  ..Gewalt  anthun." 

10Ö.  1  Kaiser  Friedrich  II.  hatte  die  deutschen  Fürsten  zum  Reichstag  nach 
Oemona  in  der  Lombardei  für  Ostern  122<»  entboten,  besonder«  um  Reine  Be- 
ziehungen zu  den  lombardisehen  Städten  zu  ordnen.  Als  einer  der  ersten  fand 
sich  Landgraf  Ludwig  beim  Kaiser  in  Kavenmi  ein;  s.  l,eben  d.  h.  Ludwig,  h.  v. 
Rückert,  S.  40  f.  u.  4ü;  Knochenhuuer  a.a.O.  S.  :*,17  f. 


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106.  ii.  107.  Stück. 


149 


hunger»  ubir  alle  dutcz  land.  I  Unde  sente  elseboto,  dy  eyn  barmherczig  » 
wip  was,  unnd  von  innickeit  buwete  sy  zu  der  czit  einen  spettal  undir 
wartberg,  dar  zu  satezte  sy  achteuudczwonezig  sechen  unnd  spisseto 
alle  tago  wol  dry  hundert  arme  menschen,  dy  man  neren  muste  in 
orer  keynwertickoit,  das  sy  es  ane  sach.  Unnd  do  der  lantgrafe  wedder 
enheym  quam,  unnd  dy  ammecht  luthe  ome  do  rechenunge  soldon 
thun,  do  klageten  sy  alle  ubir  dy  almosen  unnd  über  das  gut,  das 
trowe  elsebete  zu  bracht  hatte.  Do  antwarte  der  togentsamer  furste: 
entrucht  uch  unnd  losset  olsebeten  walde  unnd  losset  sy  wol  thun, 
unnd  was  sy  wel  durch  got  vorgeben,  do  sprechet  or  nicht  in,  sundern 
das  ich  wartberg,  nuenburg  unnd  iseuache  behalde,  so  gnuget  mir  wol. 


lOti.  Wye  lantgrafe  lodewgik  vor  sucht  wart  in 

deine  ee  brache. 

Es  geschaeh  ouch  zu  cinon  geeziten,  dass  disser  togentsamer  furste 
von  notlithen  gescheflede  willen  ryten  solde  in  eyn  land  eines  fursten, 
sines  moges,  unnd  do  on  der  selbige  furste  gar  lipliehen  gehandelt 
liatte  mit  essen  unnd  mit  trincken,  unnd  also  man  on  zu  bette  do 
brochte,  do  wart  ome  in  sin  bette  bracht  zu  molo  eyn  suberlich  wip. 
Do  nu  des  hern  gesinde  von  danne  quam,  do  sprach  der  lantgrafe 
lodewig  wedder  sinen  heimelichen1  lieben  rittor  or  walter  von  vargila: 
brenge  das  wip  heymelichen  uss  mynem  bette  und  gip  or  eyno  niargk 2 
silbers,  das  sy  ore  k leidere  do  niete  gebessere,  unnd  ich  sage  dir  vor 
war,  ab  es  nicht  sunde  were,  das  ich  den  e  bruch  tot  he,  so  mochte  ich 
doch  elsebeton,  myncr  elichen  gemol,  das  nicht  zu  leyde  gethun. 


107.  Von  eynem  ritter,  der  syner  fiwen  er  loubet 
liatte,  mit  lantgrnfcii  ltxlewige  dye  ee  zu  brechen.  |  «^j« 

In  den  selbigen  geeziten  was  eyn  ritter1  wonhaftigk    vor  deme  71 
walde  in  doringen,  der  was'  riebe  unnd  hatte  gar  eyn  weydeliches 

"  Am  unteren  Blattrnnd  ist  xugefiiKt :  [II:  In  illo  Hunporo  fult  fanu'g  valkltaslnn  tu  oinnibu* 
r»r>iun«  AleiuanniAe  vi  Iura  dumverjit]  u*fiut<  u>l  S  1,1  annuui.  Aflllxlt  «x-inm  deus  boiniiu-a  dlverst» 
inodt«  precati«  ooruin  [U:  kuImJ  cxlgontibu«,  nunc  poriculum  iimrtU  aubiiauoo  et  inproviM,  nunc 
vero  per  cnormi-in  rnblom  po§tlliiwic,  fnrMjuo  «unt  iniindacionrK  [lt:  aquaruml  niaxlino  «*t  tale*, 
quak*  (quo]  n«n  «unt  |K:  fuerunt  nee]  vi*t>  dJebu»  uontrl».  Vidi«  Crou.  KoluuartbrnuouRU  MG1I, 
f>cr.  XXX,  1  pg.  G05  gfj. 

1044.  1  „Heimelich''  bedeutet  oft  „vertraut";  das  unmittelbar  darauf  folgend«; 
Adv.  „heimelichen"  ist  unser  „heimlich,  unvermerkt.''  Über  die  Krzühluug  «.  lxben 
d.  h.  Ludwig,  h.  v.  Rückcrt,  S.  4.  ■  S  it  dem  Anfange  de»  11.  Jahrh  wird  in 
Deutschland  auch  <lie  Rechnung  nach  der  von  den  Angelsitchsen  entlehnten  Mark 
gebraucht,  die  meist  soviel  als  ein  Hund  ist,  öfters  auch  zwei  l>rittel  Pfund  (so 
die  Kölner  Mark),  oft  nur  ein  halbes  Pfund;  über  das  .,1'fund"  «.  ob.  St.  104  A.  6. 

107.  1  S.  Leben  d.  h.  Ludwig,  h.  v.  Ruckert,  &  21  -23. 


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107.  Stück. 


schönes  wip  unnd  konde  von  kranckheit  siner  natur  mit  sinor  frowen 
keynen  erben  nicht  gewinne;  dar  umrae  betrubete  sich  der  ritter  gar 
sere,  das  sine  lehene  unnd  grosses  gut  nach  syme  tode  an  fromde 
luthe  solde  gevalle.  Des  wart  her  mit  siner  frowen  eyns  nachtis  zu 
reden  unnd  brachte  sy  in  yrem  synne  dar  zu,  unnd  das  sy  oren  willen 
gap  dar  zu,  das  sy  ore  e  breche  wolde  mit  lantgrafe  lodewige  umme 
der  erben  willen.  Es  erhub  sich  disser  ritter  unnd  czoch  zu  deine 
togentsamon*  lantgrafen,  synem  hern,  unnd  quam  keyn  wartperg  unnd 
legite  ome  dussen  rath  mit  schemede  unnd  bludekeit  vor  in  einem 
grossen  getruwen  unnd  bichte  ome  sinen  gebrechen  unnd  moynte  doch, 
das  her  in  solcher  wisse  von  nymande  also  gerne  erben  gewynnen 
wolde  also  von  synem  eygen  hern.  Busser  togentsamer  furste  wolde 
den  ritter  nicht  betrübe  unnd  antwarte  ome  gar  gutlichen  unnd  sprach, 
her  wolde  zu  ome  komen  uff  den  tag,  also  her  ome  bescheiden  hatte. 
Der  togentsamer  furste,  der  hisch  vor  sich  sine  erczte  heimelichen  unnd 
sprach,  her  hette  dissen  gebrechen  selbest,  unnd  geboth  on,  das  sy  ome 
da  widder  eine  arcztige2  bereitten;  unnd  das  geschach.  Do  nam  der 
togintsamer  furste  dy  buchsen  mit  der  arcztige  unnd  reit  an  dy  stad, 
do  ome  der  ritter  neue  bescheiden  hatte.  Do  wart  der  lantgrafe  fro- 
lichen  entpfangen  von  deme  rittere,  unnd  pflag  siner  ussermossen  wol 
▼  mit  essen  unnd  mit  trincken.  Nach  deme  |  abent  essen  liss  der  lant- 
grate  ome  dy  buchsen  mit  der  lagtwergen3  langen  unnd  gap  sy  deme 
ritter  zu  essen,  unnd  truncken  guten  win  dar  uff.  Do  der  ritter  des 
enczub,  do  was  her  in  grossen  engesten,  wy  her  den  lantgrafen  mochte 
wedder  wendig  gemache.  Das  marckte  der  lantgrafe  unnd  sprach  zu 
deme  rittere:  ir  syt  also  ernst  worden;  gebricht  uch  ichtes  was,  das 
saget  mir  frylichen!  Do  sprach  der  ritter:  gnediger  lieber  herre,  nemet 
das  nicht  vor  ubel,  das  ich  uch  her  gemuwit  habe;  es  ist  nu  anders 
umme  mich  worden,  danne  es  vor  was.  Do  lachte  der  togentsamo 
furste  und  sprach :  ir  sullet  ess  nicht  da  vor  halden,  das  ich  her  komon 
sy,  umme  e  bruch  zu  triben,  sundern  das  ich  uwer  arczt  worde  wedder 
uwer  kranckheit.  Nu  nemet  dusse  buchssen  zu  uch,  dy  ich  uch  ge- 
bracht habe,  unnd  nutczet  ditte,  wann  ess  uch  eben  ist;  ich  moste 
uch  eupinde  von  uwere  pyne  unnd  sorgen  unnd  lästern  unnd  ouch 
uwere  wyp  von  schänden  unnd  uwere  kindere  von  lästere  enpinden. 

•  HS  falach:  togenUamer. 

2  „Arcztige"  ist  nid  Nebenform  für  arzntie,  stf.,  Arznei,  so  auch  im  „Leben 
d.  h.  Ludwig,"  h.  v.  Rüekert,  S.  22.  a  Md  „lagtwerge"  i*t  ini  mhd  lactwerje 
u.  ähn.,  dem  lat.  Urwort  clectarium  näher  stehende  Form  als  das  spätere  latwerje 
—  „durch  Einkochen  dicker  »Saft." 


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108.  Stück. 


151 


108.  Wy  keyser  f rederieh  umid  lantgrafe 
lodewig,  neiite  elsebeten  lierre,  zu  deine  lieilgen  grabe 
ezogen  um  nie  des  glouben  willen. 

Also  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CCXXV11  jar,  do  erhub  1227 
sich  eine  gemeine  herfart  zu  deme  heiligen  grabe.1  Der  romesche  keyser 
frederich  nam  das  crucze  an  sich  met  vele  fursten,  grafen  unnd  hern 
unde  ezogen  ubir  mehir,  unnd  do  quam  on  tele  hindernisse  von  den 
neiden,  also  das  sy  nicht  hene  komen,  unnd  do  worden  von  den 
cristen  er  slagen  mehe  wann  sechezig  tusent  menschen,  dy  alle  umme 
des  heiligen  glouben  willen  gestorben  sint.  Dussem  obgenanten  keyser 
frederich  |  folgete  noch  der  togentsame  lantgrafe  lodewig  zu  doringen,  7s 
der  do  alle  czit  bereit  was  zu  fechten  wedder2  den  heiigen  glauben. 
Unnd  do  her  sich  gancz  bereit  hatte  uff  dusse  fart,  do  geleyten  on  sine 
brudere,  langrafe  heinrieh  unnd  lantgrafe  Conrad,  unnd  sente  elsebete 
unnd  geleyten  on  biss  keyn  smalkalde,  unnd  do  sprach  her  zu  Jetczt  Rothe  mi 
wedder  sinen  bruder  heinrichen,  da  her  mit  ome  alle  dingk  bestalt 
hatte:  Ich  befeie  dir  unser  lyeben  lipliche  muter  unnd  myne  lyeben 
gemol  elsebeten  unnd  ouch  myne  kindere,  den  allen  getruwelich  vor 
zu  syne  als  eyn  brudor  deme  andern  bilche  thun  sal,  unnd  nam 
syne  eygentliche3  mutir  an  synen  arm  unnd  kuste  sy  uff  oren  munt. 
Dor  noch  nam  her  sente  elsebeten  an  synen  arm  unnd  konde  or  kume 
zu  gespreche  vor  grossem  betrupnisse,  der  getruwe  man,  unnd  sprach : 
Myne  liebo  swester,  ditte  fingerlin,  in  den  den  steyn  gegraben  ist  das 
lamp  gotis,  das  sal  dir  eyn  worezeichen  syn,  was  ich  dir  enpyete,  es 
sy  mynes  lebens  adder  todis,  unnd  sprach:  Nu  geseyne  dich  got,  myn 
allirliebeste  swester,  unnd  got  geseine  dy  frucht  in  dynem  liebe,  dy 
du  treyst!  —  Also  sehyet  her  uss  smalkalden  an  sente  johans  tage  Rothe  450 
des  toufters,  unde  ezogen  mit  ouie1  grafe  borghart  von  brandenberg, 

108.  1  8.  „Loben  des  heil.  Ludwig,"  h.  v.  Riickcrt.  Ruch  IVu.V,  S.  52-69. 
'Das  md  weder"  =  nihd  widersteht  nicht  bloss,  wie  unser  „wider"  im  feindlichen, 
sondern  auch  im  freundlichen  Sinne.  :t  Das  md  „eigentlich"  ist  demnach,  da 
sich  mhd  (eigenlich)  das  euphonische  ,t'  nicht  nachweisen  lässt,  gemeindeutsch 
geworden;  s.  H.  Rückert,  Leben  des  heiligen  Ludwig,  S.  99.  Grimm,  Deutsches 
Wörterbuch  III,  S.  102  weist  die  Form  „eigentlich"  erst  bei  den  Mystikern 
(183,2)  nach.  *  Die  Zahl  der  Landgraf  Ludwig  Regleitenden  wird  verschieden 
angegeben:  die  hist.  Eceard.:  4  Grafen.  6  edle  Herren,  12  Ritter;  das  Leben 
des  heil.  Ludwig  wie  die  Reinhardsbrunner  Chronik:  4  Grafen  und  18  etile  Herren 
und  Ritter  (ohne  Unterseheid ung);  Rothe:  5  Grafen  (er  setzt  neben  Ludwig  von 
Wartberg  noch  (traf  Günther  von  Käfern  bürg),  7  edle  Herren  (er  setzt  Härtung 
von  Erffa  hinzu)  und  12  Ritter-,  Slolle:  3  Grafen,  6  edle  Herren  und  11  Kitter 
(er  lässt  Ditrich  von  Subach  —  Saubach,  preuss.  Dorf,  Kr.  Eckartsberga,  Rgsbz. 
Merseburg,  fort).  Die  Namen  der  Grafen  und  edlen  Herren  sind  schon  bis  auf 
Hermann  von  Schlotheim  (Stadt  im  Fürstentum  Sehwarzburg-Rndolstadt,  Land- 
ratsamt Frankenhausen,  urkundlich  zwischen  1222  und  1228  |s.  Funkbänel.  Uber 
die  Herren  von  Schlotheim  als  ehemalige  Erbtruchsesse  der  Landgrafen  von 
Thüringen,  ZThG  III,  S.  lOj)  und  Heinrich  von  Vaner  (Gross-Fahner,  Dorf  im 


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152 


108.  Stück. 


grabe  heinrich  von  stolberg,  grate  meynbart  von  molborgk,  er  bcrman 
von  helderungo,  herre  rudolf  von  vargela,  berre  heinrich  von  ebers- 
berg,  herre  herman  von  slatheim,  herre  fredericb  von  dryferte,  herre 
heinrich  von  vaner;  dar  noch  er  lutolff  von  berlestete  ritter,  er  rudolff 
v  von  bulczingisslcuben  ritter,  |  er  erhart  von  ebide  ritter,  er  siffart  rote 
ritter,  er  lodewig  unnd  er  rudolff  von  husen  gebrudere  rittere,  er  hein- 
rich von  ineydeburg  ritter,  er  reynhart  varch  ritter,  er  berlt  von  mila 
ritter,  er  berlt  von  heylingen  ritter,  er  gerhart  von  cappel  ritter.  Also 
warn  do  mete  ome  dry  grafen,  sech  edele  hern  unnd  Xll5  rittere,  funff 
pristere';  unnd  andere  erbar  luthe  eine  grosse  menge,  dy  alle  in  synen 

Rate  t  >i  hott"  geschreben  warn.  Also  czoch  dusser  togentsarner  furste  mit  dussem 
vorgenanten  volke  ubir  mehir  in  sicilien  land;  do  bestunt7  on  das 
fressen8  unnd  starp,  etliche  sprachen,  ome  were  vor  geben,  unnd  starp 
1227  in  der  stad,  genant  ortrand,'1  nach  cristus  geburt  tusent  CCXXV11  jar 
an  deme  dritten  tage  nach  unser  lieben  frowen  tage  letezer  genant 10 

Koihc  i.™  unnd  wart  do  begraben ,  unnd  sin  volk  czoch  deine  keyserc  noch  in 
heidenschafl't ;  unnd  dor  noch,  do  sy  weddir  er  heim  czogen,  dy  noch 
an  deme  loben  worn,  do  gruben  sy  das  gebeyne  ores  hern  lantgrafen 
lodewigen  uss  der  erden  unnd  fürten  das  mit  on  erheim  unnd  begruben 
das  in  dio  kerchen  unnd  clostor  zu  roynhardssborn.    Das  geschach 

Botho2^»  nacn  cristus  geburt  tusent  CO  unnd  XXV11I  jar.  —  Item  notandum: 
'  in  des  das  man  er  für,  das  lantgrafe  lodewig  gestorben  was,  do  troip 
lantgrafe  heinrich,  lantgrafe  lodewigen  bruder,  sente  elsebeten  mit  oren 
kindern  von  der  borg  wartperg,  unnd  das  wart  ome  von  sinon  torechten 
unnd  bossen  jungen  rethen  geraten,  wann  dy  eldesten  unnd  redelechsten 
manschattt  dy  mere  menge  mit  orem  hern  in  sulche  fremde  land  durch 
des  heiigen  cristen  glauben  willen  alle  uss  geezogen  warn.   Ess  was 

Herzogtum  Sachsen  -  Koburg  und  Gotlm,  nordöstlich  von  Gotha)  bekannt.  Die 
11  Ritter  sind:  1.  Ludolf  von  Berlestedt  (Dorf  im  Verwaltungsbezirk  Weimar 
des  Grossherzogtums  Sachsen);  2.  Ludolf  von  Bilzingsleben  (  preuss.  Dorf  iniKrei.se 
Eckartsberga);  3.  Erhart  von  Ebide  —  Gerhart  von  Elende  (preuss.  Dorf  im  Kr. 
Noithausen);  4.  Siffart  Rote  (Hftardus  Hu  Ins);  5,  u.  6.  Ludwig  und  Rudolf  von 
Hausen  (entweder  Dorf  bei  Arnstadt,  Schwarzburg -Sondershausen,  ml  er  Dorf,  Kr. 
Worbis,  oder  Dorf  au  der  Nesse,  im  Herzogtum  Sachsen  -  Koburg  und  Gotha)  ; 
7.  Heinrich  von  Magdeburg;  8.  Reynhart  Varch  (Hist.  Eccard.:  Reinhard  us 
Porcus.  denn  varch  —  Schwein,  Ferkel);  9.  Bert  hohl  von  Mihla  (Dorf  im  Ver- 
waltungsbezirk Eisenach  de*  G  rossherzogt  ums  Sachsen);  lü.  Berthold  von  Hei- 
lingen (entweder  die  Dörfer  Heilingen  im  Kr.  Langensalza  oder  Dorf  im  Herzog- 
tum Sachsen  -Altenburg,  Amt  Kahla)  und  11.  Gerhanl  von  Cappel  (entweder 
Dorf  bei  Marburg  i.  Hessen  oder  Dorf  im  preuss.  Kreise  Ziegenhain  der  Provinz 
Hessen- Nassau).  Es  ist  XI  zu  lesen,  Stolle  schreibt  Rothe  gedankenlos  nach, 
welcher  12  Ritter  erwähnt.  "  Darunter  befand  sich  der  Kaplan  Berthold  aus 
Reinhartsbrunn ,  welcher  das  Leben  des  Landgrafen  liosehriebeu  hat,  das  Köditz 
von  Salfeld  dann  übersetzte.  7  „Besten"  =  „überfallen.''  *  N'  hd  friescl,  „Fieber"  = 
nd  „fresel'*  (Grimm,  D.W.  IV.  1,  S.  203  u.  132)  ist  hier  mundartlich  (md)  „fresen." 
"•'  Ortrand  =  Otranto.  Stadt  in  Apulien,  am  Eingange  iu  das  Adriatische  Mwr, 
s.  ob.  St.  50  A.  1.  —  Die  unbegründete  Sage  von  der  Vergiftung  des  Landgrafen 
rindet  sich  in  der  Reinhardsbrunner  Tradition,  s.  Cron.  Reinhardbr.,  MGH,  Scr. 
XXX,  1,  pag.  011.  „Frauentag  der  letzte"  ist  am  8.  September  (Maria  Geburt) ; 
tandgraf  Ludwig  ist  also  am  11.  September  1227  gestorben. 


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108.  Stück. 


ouch  nymant  Jodeliches,  der  sente  elsebeten  mit  oren  kindern  |  herberge  vs 
wolde  zu  isonaehe,  wann  sy  forchteu  lantgrafen  hoinrichen,  das  sy  den 
du  niete  er  czorten,  sundein  sy  bleib  dry  nacht  da  bye  armen  luthen, 
unnd  do  daune  quam  sy  kein  kitezingen  in  das  closter  zu  ormumeu11  UoUa-iw 
der  eptisschen,  unnd  der  gap  sy  or  tochter  eine;  unnd  do  das  er  für 
der  bisschoff  von  babenberg,12  der  ouch  lantgrafe  lodewiges  inagk  was, 
der  holte  sy  zu  kitczingen  unnd  fürte  sy  kein  babenbergk  unnd  hilt 
sy  gar  erberlich  do  by  ome;  unde  do  dye  hern  wedder  quomen  von  ^*11^ 
domo  heiigen  grabe  unnd  brochten  lantgrafen  lodewigen  gebeine  unnd 
vor  nonien,  wy  man  mit  sente  olsebeten  hatten  umme  gohalden,  da 
worden  sy  gar  sere  betrübet  unnd  nomen  sy  da  uff  unnd  fürten  sye 
keyn  reinhardessborn  mit  ores  hern  gebeine.   Do  gingen  dy  selbigen  ^j-^J;'* 
hern  unnd  manschaflt  vor  dy  alden  furstynne,  lantgrafen  lodewigen 
muter,  unnd  or  sone  lantgrafen  heinrichon  unnd  lantgrafen  conraden, 
unnd  strafften  dy  hettteeliehen  in  keiuwertickeit  ander  fursten  unnd 
hern,  unnd  besundern  lantgrafen  heinrichen  umme  dy  untogunt  unnd 
das  ubele,  das  sye  gethan  hatten  an  orem  brudere  selige,  an  synem 
wibe  unnd  kindern  unnd  an  der  armen  betrubeten  wettewynne,  unnd 
were  sye  eynes  armen  mannes  adder  gebures  tochter  gewcst  adder  sine 
amme,  nach  were  sin  zu  vele  gewest,  das  sy  an  or  gethon  hatten; 
unnd  machten  do  mit  solcher  betulicher  strafflinge,  das  lantgrafe  hein-  Kotbo  m 
rieh  unnd  sin  bruder  Conrad  rechte  bitterlichen  weyneten,  unnd  boten 
do  dye  lieben  sente  elsebethen,  das  sy  on  das  vor  gebe  wolde,  unnd  Rothe  «u 
ouch  dy  andern  graten,  fryen  unnd  rittere,  dy  mit  orem  brudere 
gotisseligen  j  gewest  warn,  sy  woldcn  des  sy  wole  ergetezen  unnd  alle  v 
wege  vor  denen.    Unnd  do  nomen  sy  sente  elsebeton  unnd  fürten  sy  Rothe  ios 
mit  sich  kein  isenache  unnd  kein  wartperg  uff  das  sloss  unnd  bilden 
sy  da  gar  erberlich  unnd  fruntlichen,  unnd  bilden  sy  da  eine  lange 
ezid  unnd  brachten  sy  dar  nach  keyn  martpurgk  in  hessen,  das  or 
Up  gedinge13  was,  unnd  guben  or  das  in  mit  allen  rechten,  geriehton, 
czinsen  unnd  renthen;  unnd  do  bleip  dy  heylige  frawe  unnd  buwere  Ro,be  t«3 
do  einen  spetal  unnd  warte  do  armer  luthe  biss  an  or  ende  unnd  \titXh*  i«- 
starp  nach  cristns  geburt  tusent  CO  XXXI  jar,  also  sy  nicht  mehir  1231 
danne  XXIV  jar  alt  was,  unnd  1yd  ouch  do  selbest  zu  martpurg  he- 
giaben.  Unnd  dor  noch  ubir  vier  jar,  do  was  der  bobist  gregorius  der  IX  12$> 
in  der  stadt  peruss11  in  der  prediger  closter,  do  danne  vele  bisschoü'e 
unnd  prelaten  kein  wertig  warn,  unnd  werdigete  unnd  heilgete15  da 

"  S.  St.  40  A.  1.  Über  das  Folgende  s.  übrigens  oben  die  Stücke  49- -54 ;  hier 
finden  sieh  teilweise  Wiederholungen.  ,?  S.  ob.  St.  49  A.  2.  "  Die  als  Gegen- 
gabe gegen  die  Mitgift  der  Krau  ausgesetzte  .Widerlage,'  ein  Teil  des  Gutes  des 
Manne«,  biet«*,  wenn  sie  im  besonderen  für  den  Unterbau  der  dermaleinst  zur  Witwe 
gewordenen  Frau  dienen  sollte,  Leibzueht  oder  Leibgedinge.  11  Perus* 
ist  das  alte  IVrnsia,  Stadt  in  Etrurien,  heute  Perugia,  in  Cmbrien.  r'  Besonders 
auf  Betreiben  des  Landgrafen  Conrad  (später,  1239,  Deutsehordensnieisterj,  «1er  des- 
halb mit  nach  Rom  reiste,  s.  Häutle  a.a.O.  S.  1  SO ;  die  epistola  de  eanonixatione 
Papst  Gregors  IX.  ist  datiert  v.  1.  .luni  1235  aus  Perugia,  die  Heiligsprechung 
geschah  Perusii  in  eonventu  i'ratruni  praedieatorum  a.  Ch.  1285  die  27.  Maji, 


lyiuzeo  uy 


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154 


109.  Stück. 


sente  olsebeten,  lantgrafen  zu  doringen,  des  konigs  tochter  zu  ungern. 
1236  Unnd  dar  nach  in  denie  andern  jare,  do  wart  sye  erhaben  10  uss  deme 
ertriche  von  deme  bisschofe  zu  mentcz,  von  deme  bisschoffe  zu  kolne 
unnd  von  deme  bisschoffe  zu  bremen  unnd  andere  vele  bissclioffen 
unnd  prelaten.  Unnd  do  warn  keinwertig  keyser  frederich,  lantgrafe 
heinrieh  unnd  sin  bruder  conrad,  frawe  sophia  unnd  herman,  sente 
elsebeten  son,17  unnd  dor  zu  uss  dermosson  vele  grafen,  frye,  rittere 
unnd  knechte. 


109.  Von  lantgrafen  Heinriche,  wy  der  dy  borg 
Roth»  na  eyterssporg  gewan. 

it  Heinrich,1  lantgrafe  zu  doringen  unnd  zu  hessen,  |  der  hersschete 
nach  sines  bruder  tode  lantgrafe  lodewigs  des  togentsanien ;  wy  wol 
her  einen  erben  liss,  so  war  es  doch  eyn  kint  von  sechs  jarn  unnd 
dar  unime,  das  lantgrafe  heinrich  der  eldeste  was  undor  on,  so  nam  her 
1238  sich  der  herschafft  an,  unnd  in  deme  ersten  jare  nach  sines  bruder 
tode,  so  czoch  her  uft*  den  berg,  genant  eytersberg,*  unnd  belag  do  das 
huss  eyterssberg  unnd  gewan  unnd  zu  brach  das.  Das  geschach  aller- 
meist umme  des  closters  willen,  das  genant  ist  eitersborg,  das  dann 
vele  ubirlast  unnd  noto  leyt  von  dor  obgenanten  vesten,  dor  umme 
wart  es  vor  störet. 


s.  Dietrich  v.  Apolda,  Leben  d.  heil.  Elisabeth  IM.  VIII  cap.  9.  Obige  Bulle  steht 
bei  Kollar,  Anal.  Vindobonnenses  tom.  I,  1761,  pag.  KS8  — 892.  ,u  Es  geschah 
am  1.  Mai  1236,  s.  Knochenliaucr  a.a.O.  S.  347  f.  17  Uber  dienen  unbedeutendsten 
der  älteren  thüringischen  Landgrafen,  Hermann  IL,  s.  u.  a.  Knochenhauer  a.  a.  O. 
332-336.  349.  359,  und  Hantle  a.a.O.  S.  156:  geboren  1223  (s.  ob.  St.  96) ,  starb 
er  thatenlo«  am  3.  Januar  1242  zu  Krcuzbure;  vgl.  auch  Stfick  109  u.  113. 
Manches  bringeu  Ilgen  und  Vogel,  Zeitschrift  f.  Hess.  Geschichte  X  S.  21511'.,  bei. 

10».  1  S.  über  ihn  Knochenhauer  a.a.O.  8.332—375;  Häutle  a.a.O.  S.  152 
bis  1M5;  Ilgen  u.  Vogel  a.a.O.  S.  216  tf.;  Rübesamen,  I^andgraf  Heinrich  Haspe 
in  Thüringen,  der  Gegenkönig  Friedrichs  IL,  Dissertation  Halle,  1885.  3  Im 
..Leben  des  heiligen  Ludwig,"  h.  v.  Rückcrt,  S.  56  wird  erwähnt  ,  dass  Landgraf 
Ludwig  beim  Abschiede  zu  seinem  Bruder  sagte,  dass  ihm  sein  Vater,  Landgraf 
Hermann,  aufgetragen  habe,  ,,daj  wir  zuBtore  unde  zubreche  soldin  da3  sloj 
Eitersborg,  da  von  da3  closter  da  bi  dicke  schadin  genomin  hat."  Da  das  nicht 
geschehen  sei,  so  trägt  er  ihm  dieses  auf;  dieses  vollführte  auch  Heinrich  noch 
i.  J.  1227,  wie  es  die  Cronic.  Reiuhardbr.,  MUH,  Scr.  XXX,  1  jW.  612  in  Über- 
einstimmung mit  der  Cron.  S.  Petri  Erford.,  ibidem  pag.  390  meldet.  Über  das 
Ettersburger  Kloster  (s.  Rückert  a.a.O.  S.  140)  im  Dorfe  Ettersburg  am  gleich- 
namigen Berge,  das  zuerst  als  Chorherrenstift  i.  ,T.  lOist*  erwähnt  wircl,  s.  RDTliD 
an  verschiedenen  Stollen. —  Der  Zusatz,  den  hier  Rothe  macht  (wenn  vil  roubens 
unde  stelens  dorvon  geschach),  zeigt,  dass  er  den  oben  erwähnten  Auftrag  Ludwigs 
an  seinen  Bruder  vergessen  hat;  Stolle  führt  den  Zusatz  wortreicher  aus. 


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110.  Htück. 


155 


110.  Wy  ein  bischoff  zu  iiiencz  unnd  eyn  lantgrafe 
zu  doringen  zu  Hamen  kregen. 

Also  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CC  XXX 11  jar,  do  hisch  1282 
bisschoff  syffart1  von  mentcz  von  deme  apte  zu  reinhardisborn2  eine 
summa  geldis  gebeisen  subsidium,  also  her  dauno  von  alle  siner  pfaff- 
heit  in  synem  bischthum  thed.  Das  uffenbarte  der  apt  dnssem  lant- 
grafen  heinriche,  unnd  der  vorboth  ome,  her  solde  sin  nicht  thun  by 
sinen  hulden,  wann  sine  eidern  hetten  dem  bisschoffe  keinen  ezinss  da 
gestiflt;  also  vor  hilt  das  der  apt  also,  das  on  der  bisschoff  dar  umme 
zu  banne  thed  unnd  brachte  on  zu  der  höchsten  bussse.  Unnd  do 
czoch  der  apt,  al  ome  das  von  sinen  guten  frunden  gerathen  wart, 
heymelichen  keyn  erfforte  zu  deme  bisschoffe,  der  danne  zu  der  czit 
zu  erfforte  was,  unnd  vorsunete  unnd  berichte  sich  da  mit  deme  bis- 
schoffe unnd  gap  sich  in  gnade;  unnd  do  solde  der  apt  ouch  vor  den 
bisschoff  nacket  kome  in  keynwertickeit  der  pfaffheit  unnd  bussse  en 
ptaen.  In  des  ge  schach  es,  das  lantgrafe  Conrad,8  lantgrafen  Heinrichen  T 
bruder,  von  nuenburg  keyn  wartperg  zu  sinem  brudere  riten  wolde 
unnd  herbergite  ubir  nacht  zu  erffort  unnd  on  wüste  von  deme  ge- 
scheffede  nicht;  unnd  des  morgens,  also  der  tag  ane  brach,  do  hiss  her 
dy  pferde  satele  unnd  gingk  mit  erst  mit  synen  dyenern  zu  unser 
lieben  frowen  kireben  uff  den  berg  unnd  wolde  zu  erst  vor  allen 
dingen  dy  frowe  messe  hören.  Unnd  do  sass  der  bisschoff  von  mentcz 
mit  den  thumhern  uff  dem  capittel  husse,  unnd  der  apt  was  in  deme 
cruezegange  unnd  thed  sich  uss  biss  uff  sin  hemde  unnd  nam  czwene 
beseme,  an  iglichen  arm  einen,  unnd  ging  also  vor  den  bisschoff. 
Unnd  des  worden  lantgrafen  conradis  schiltfessele  unnd  rynnere1 
gewar,  dy  ungerne  lange  in  der  kerchen  bliben,  unnd  kanten  deu  apt 
wol,  wann  her  on  dicke  gutlichen  gethan  hatte,  unnd  liften  von  stunt 
vor  oren  hern  in  dy  kirchen  unnd  sprochen :  Der  bisschoff  von  mentcz, 
der  howet  itezunt  unsern  apt  von  reinhardisborn  uff  deme  capittel 
husse  zu  male  jemmerlichen  sere  mit  gerten.  Do  lift  der  lantgrafe  do 
mit  den  synen  uff  das  capittel  huss  unnd  sach  den  apt  knyhe  vor 

110.  1  Die  ganze  Erzählung,  die  in  der  bist.  Eccard.  pag.  423  steht,  geht 
auf  die  Rcinhardsbrunner  Tradition  (s.  Knochenhauer  a.  a.  O.  Ö.  337)  zurück, 
s.  Cron.  Keinh.  (MUH,  Scr.  XXX,  1  pag.  612  so.)-  —  Es  war  Erzbischof  Sifrid  III. 
von  Eppenstein,  1230  —  1249.  1  Er  hiesa  Eckehard.  Der  Erzbischof  hatte  eine 
Steuer  den  thüringischen  Klöstern  auferlegt,  welche  Eckehard  zu  zahlen  sich 
weigerte;  s.  a.  BE  8.20.  *  8.  über  ihn  Hautle  a.  a.  O  S.  186  203;  Ilgen  und 
Vogel  a.a.O.  0.2160*.  Geboren  um  1204,  starb  er  als  Deutschordensmeister  in 
Rom  am  27.  Juli  1240  (nach  andern  1241);  über  seine  Sühne  wegen  der  Fritzlarer 
Greuel  und  seine  sonstige  Thätigkeit.  namentlich  al*  Vermittler  zwischen  Kaiser 
und  Papst,  s.  Knochenhauer  a.a.O.  H.  338  ft'.  *  Unter  „schiltx^el,"  mhd,  stm., 
versteht  man  einen  schildtragenden  Knappen;  ry miner  =  mhd  riemer, 
stm.,  ist  ein  Lederarbeiter,  hier  sind  wohl  die  Knechte  zu  verstehen,  welche  die 
Pferde  zu  besorgen,  namentlich  für  das  Riemenzeug  derselben  zu  sorgen  hatten, 
also  Trossbubeu. 


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156 


110.  Stück. 


dorne  bisselioffe  mit  den  bescmon.  Do  wart  der  lantgrafe  gar  sere 
beweget  mit  ezorno  unnd  ruckte  sin  messer  uss  unnd  litt  zu  deme 
bisselioffe  zu  unnd  begreift"  on  by  den  hären  unnd  meynte  den  bisschoff 
mit  deme  messere  durch  sin  houbt  zu  slane.    Do  feien  deme  lantgrafen 

w  sine  evgen  dvnere  in  dv  arme  unnd  I  hinderten  an  dor  ane.  Also 
füren  dv  thumliern  uff  unnd  der  bissehoft  mit  sinen  dvcnern  unnd 
nomen  dy  flucht,  unnd  das  capittel  vorging  allerdinge.  Do  lift  der 
lantgrafe  ouch  zu  siner  herberge  zu  unnd  sass  uft  sin  pfert  unnd  reit 
also  uss  erffort  unnd  quam  kein  wartberg  uff  das  sloss  zu  sinem 
bruder,  lantgrafen  heinriebe,  unnd  klagite  ome  ubir  den  bisschoff  unnd 
bad  do  sinen  bruder,  das  her  gunneir*  wolde,  her  wolde  das  an  deme 
bisselioffe  reche.  Also  zu  hant  wart  gemacht  eyno  herfart  vor  des 
bisschoffs  sloss.*1  Also  nu  der  bissehoft  des  gewar  wart,  do  bemannete 
her  ouch  sine  sloss  unnd  stete.  Also  czoch  lantgrafe  conrad  vor  dy 
stad  fritczlar7  unnd  brante  dv  vor  stad  uss  unnd  zu  slug  dv  mullen 
unnd  zu  brach  dy  brücken,  unnd  do  on  duchte,  das  her  schaden  gnug 
gethan  hotte  unnd  sich  wol  an  deme  bisschoffe  gerochen  bette,  do 
stiss"  her  dy  bilden  an,*  do  her  inne  gelegen  hatte,  unnd  czoch  abc 
mit  sinem  hero.  Unnd  do  litten  dy  gemeinen  frowen,  dy  mit  dem 
gepofel1'  warn  dar  in  kernen,  uft  dy  stad  muren  uff  dy  czinnen  unnd 
hingen  ore  nacketen  ersse  ubir  dy  czinnen  unnd  schrieten  10  deme  lant- 
grafen noch,  unnd  das  her  dor  in  tloge.  Unnd  do  der  lantgrafe  den 
schemclichen  spot  gesach  unnd  gehörte,  do  gebot  her  synem  volke 
wedder  umme  zu  keren  unnd  logerte  sich  andirweit  vor  dy  stad  unnd 
schoss  do  für  in  unnd  stormote  sv  herticklicheu  unnd  vorbrante  dv 
stad  mit  wiben,  kindern,  kirchen  unnd  allis,  das  dor  inne  was,  unnd 
zu  letezt  do  quam  der  bisschoff'  von  wormess  mit  czwenhundert  erber- 
Juthen  zu  einem  fenster  uss  von  einer  kemmenaten  an  der  stad  muren. 
unnd  lissen  sich  an  seylen  er  abe  unnd  gaben  sich  deme  lantgrafen  do 

▼  ge  fangen,  unnd  der  lantgrafe  liss  do  dv  muren  unnd  torme  zu  gründe 
nedder  brechen  unnd  werften.  Dar  zu  vor  brante  her  das  monster  unnd 
closter,  do  itezundes  der  stiftt  lvd,  wann  der  stifft  vor  in  der  vorstad 
lag.    l'nnd  do  lissen  dy  von  herssfelde  sente  wyperechten 11  do  danne 

'  ,,f  Junnen"  —  „vergönnen,  erlaul>en."  '•  Hier  blickt,  ohne  dass  es  der  Chronist 
selbst  ahnt,  die  eigentliche  Ursache  des  Streites  /wischen  der  Main/er  Kurie  und 
den  li  Landgrafen,  Heinrich  und  Konrad.  durch:  diese  war  die  Burg  Heiligen- 
Werg  in  Hessen,  s.  Knochenhauer  a.a.O.  S.  :YM — Mi).  '•  l'reussische  Kreisstadt 
im  Kgsbz.  Cassel;  his  1*1)1  mainzisch.  s  S.  ob.  St.  04  A.  2,  —  „anstecken,"  eine 
Bedeutung,  die  z.  B.  in  der  Nürnberger  Chronik  (s.  Chroniken  der  deutschen 
Städte,  14-  15.  Jahrb.,  II,  S.  6<i)  sieh  findet:  feur  in  die  heuser  sin  ken,  d.h.  sie 
anzünden.  '■'  „Gcpofel"  =  mhd  gepüfel ,  Colleetivuin  zu  hovel  (von  lat.  populus), 
Volk,  heim  Heere Tross.  ,n  S.  St.  .77  A.  4.  "  Der  heilige  Wigbert  (geb.  nicht 
nach  (iSü)  starb  747  als  1.  Abt  des  Klosters  zu  Fritzlar  und  wurde  vor  der  Kirche 
in  Fritzlar  in  einem  unansehnlichen  Grabe  beigesetzt;  seine  Gebeine  wurden  später 
einige  Zeit  vor  den  Einfallen  der  heidnischen  Sachsen  nach  Buraburg  gerettet,  dann 
aber  nach  Fritzlar  zurückgebracht  und  in  einer  unterirdischen  Kapelle  beigesetzt: 
schliesslich  wurden  sie  i.  J.  7öU  (jedenfalls  vor  Lullus'  Tode,  f  16.  Oktober  7*t>) 
nach  Hersfeld  übertragen.    Nach  der  Fritzlarcr,  aber  schwerlich  richtigen  Trailition, 


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III.  Stück. 


157 


füren,  der  do  in  der  klufft  begraben  lag,  unnd  bestatten  on  erheben 
zu  herssfelde.  Ditte  gesehach  in  denie  herbeste  an  des  heiligen 
crucis  tage. 12 


111.  Hy  enpfing  lantgrafe  Conrad  bussse  uimiie 

sine  huihIc.  Rotho«« 

Also  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CO  XXX  III  jar,  do  be-  12:53 
gunden  dissem  fursten  lantgrafen  conradin  sine  sunde  ruwen,  dy  her 
also  freisslichen  begangen  hatte,  unnd  czoeh  keyn  romezu  deine  babiste 
gregorio;  unnd  der  losto  on  selber  von  sinen  sunden,  unnd  do  gab  der 
lantgrafe  grossse  almossen,  unnd  dor  babist  satczto  omo  da  zu  bussso, 
das  her  sich  solde  vor  sunen  mit  den  luthen,  der  frunde  her  zu 
fritczlar  unde  andersswo  nie  vorbrant  hatte,  unnd  solde  sich  in  einen 
geistlichen  orden  geben,  unnd  das  her  dy  monster  vor  brant  unnd  vor 
stört  hatte,  da  vor  solde  her  eyn  monster  wedder  buwen  unnd  mit 
synem  gute  dy  gotishusore  riehlich  begaben.  Unnd  das  thed  her  alles, 
her  sunete  sich  mit  den  luthen,  her  gab  den  ezenden  uss  synen 
dortten  unnd  gerichten  deine  stiftte  zu  fritczlar,  unnd  den  sy  nach 
haben,  unnd  buwete  oucli  eyn  nuwc  closter  zu  isenache  den  prodigern  k<>uic4-7 
monchen  in  dy  ere  sente  johannes,1  limine  des  willen,  das  her  das 
monster  zu  fritczlar  vor  brant  hatte,  unnd  sente  elsebeten,  dy  sines 
brtider  wip  was,  dy  her  ouch  ubelo  nach  synes  bruder  tode  lantgrafe 
lodewigs  gehandolt  hatte,  thod  her  ouch  eine  er  getczunge  unnd  erkante  Rothe  47« 
sich,  dass  her  y  gar  |  ubel  an  or  gethon  hatte,  da  vor  unnd  dar  umme  76 
gab  her  sich  in  den  orden  der  dutczen  horn  und  wart  or  hohe  meister 
unnd  gap  den  hoft  zu  grittstete-'  mit  alle  siner  zu  gehorunge  deme 
spettale  zu  martpurg.3 


welcher  Stulle  hier  folgt,  soll  diese  Translation  erst  im  13.  Jahrhundert  (1232) 
erfolgt  sein;  s.  Ffdling  (Sehminckei ,  Di-  anticpiitatibus  Fritesl.  diss. ,  Marburg 
1715,  4",  j.ag.  2U;  Franz  Schauerte,  Der  heilig  Wigbert,  1895,  S.  10.  24.  27— 34. 
Kine  Notiz  haben  auch  die  Anrmale«  Erphord.  fratrum  praedicatorum ,  MEH, 
S.  113  v.J.  1252.  Crcutztag  oder  Crucesdag,  mit  dem  Zusatz  „im  Herbst," 

ist  Kreuzerhöhung,  der  14.  September.  Xach  Franz  Schauerte,  Der  heilige 
Wigbert,  1895,  S.  33 f.  geschah  die  Übertragung  wahrscheinlich  am  7.  Februar. 

III.  1  Es  ist  das  Prcdigerkloster  zu  Eisenach  gemeint,  das  die  beiden  land- 
gräflichen Uriider  Heinrieh  Raspe  und  Konrad  lvJ35  auf  Befehl  des  Papstes 
Gregor  IX.  bauten,  erstcrer,  weil  er  seine  Schwägerin,  die  heilige  Elisabeth,  hart 
und  gransam  behandelt  hatte,  letzterer  wegen  seiner  Fritzlarer  Frevel;  der 
Chronist  schiebt  beides  auf  Kotirad.  2  Griefstedt,  im  preussischen  Kr.  Weissense«;, 
gehört  schon  zu  den  (intern,  welche  Karl  der  Grosse  dem  Kloster  Hersfeld 
m  Thüringen  verleiht  (s.  KDThl)  I  No  70);  später  wurde  es  eine  Komturei 
des  deutschen  Ordens;  das  Gut  heisst  noch  heutzutage  „Commcnde  Griefstadt," 
s.  die  Monographie  von  Andersen ,  Geschichte  der  Deutschen  Ordenskoinmende 
Griefstedt,  18<iG,  dort  S.  12—13  die  Schenkungsurkunde  Conrads  v.  J.  1234. 
1  Knochenhauer  a  a.  ().  S.  3:W:  ,.Auch  dem  von  Elisabeth  gestifteten  Spital 
zu  Marburg,  <his  die  Hrüder  [die  Landgrafen  Heinrich  und  Konrad |  schon  im 


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158 


112.  bis  114.  Stück. 


Rothe  477        112.  Hy  wart  dy  borg  viselbech  gewonnen. 

1234  Also  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CO  XXX  IV  jar,  do  ge- 
wan  lantgrafe  heinrich,  lantgrafe  lodewigs  bruder,  deine  graten  zu 
viselbech1  sin  sloss  viselbech  an  unnd  begreiff  dar  uffe  XXIII  rouber 
unnd  liss  den  allen  dy  houpte  abe  howen. 


Rot»,«  479    113.  Hy  starb  seilte  elsebeten  son  zu  eruezeburg. 

1241  Also  man  czalte  nach  cristus  gebort  tusent  CC  unnd  XLI  jar,  do 
starp  lantgrafe  herman,1  sento  elsebeten  son,  zu  eruezeburg,  unnd  deme 
wart  vor  geben2  von  frawen  katherin  von  sebech,  also  her  XVIII  jar 
alt  was,  unnd  lid  begraben  zu  reinhardessborn. 


114.  Wy  lantgrafe  beinrieb1  zu  einem  keyser 
Rotb«48o  gekorn  wart 

1241       Also  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CCXLI  jar.  do  nam  lant- 
grafe heinrich  von  doringen,  lantgrafen  lodewigs  bruder,  des  herezogen  von 

vorigen  Jahre  [1231]  mit  reichlicher  Schenkung  bedacht  hatten  (s.  die  Bestätigungs- 
urkunde des  Papstes  vom  11.  März  1231,  b.  Guden,  Cod.  dipl.  III  pag.  1097), 
erwies  Konrad  hinfort  »eine  besondere  Fürsorge." 

112.  1  Vieselbach,  Dorf  im  Verwaltungsbezirk  Weimar  des  Grossherzogtums 
Sachsen,  zwischen  Erfurt  und  Weimar,  Grafschaft  und  Schloss  im  Besitze  der 
Grafen  von  Gleichen,  damals  des  Grafen  Heinrich  von  Gleichen.  Die  Eroberung 
Vieselbachs  i.  J.  1234,  ebeuso  wie  die  in  demselben  Jnhrc  erfolgte  Bestrafung  diese* 
Grafen  erzählt  Rothe  nach  der  hist.  Eccardiana  I.  1.  pag.  424  richtig,  hingegen 
die  Cron.  Reinhardbrun.  (1.  1.  pag.  616)  und  die  Cron.  S.  Petri  mod.  (1. 1.  pag.  892) 
sprechen  von  der  Eroberung  des  „Castrum  Velseehe"  (auf  dem  Eichsfelde  f)  des 
(trafen  Hoinrich  von  Gleichen ;  die  Züchtigung  des  Grafen  selbst  durch  Landgraf 
Heinrich  Raspe  ebenfalle  i.  J.  12'U  berichten  sie  dann  gleicbmässig. 

113.  1  S.  St.  96.  108  (A.17)  und  109.  *  Knochenhauer,  wie  andere  be- 
sonnene Historiker  vor  ihm,  schweigt  von  dieser  angeblichen  Vergiftung  durch 
Katharina  (Rothe:  Bertha)  von  Seebach  mit  Recht,  da  diese  Gerüchte,  welche 
(hist.  Eeeard.  pag.  425)  wegen  der  Jugend  des  l)ei  seinem  Tode  erst  18jährigen 
Landgrafen  entstanden  una  sogar,  wie  Rothe  erwähnt,  von  Heinrich  Raspe  als 
Urheber  sprachen,  gänzlich  unbegründet  sind,  da  es  zu  unsinnig  ist  anzunehmen, 
dass  der  Landgraf  Heinrich,  welcher  damals  in  der  3.,  ebenfalls  kinderlosen  Ehe 
lebte,  während  sein  Bruder  Konrad,  der  Deutschordensmeister,  bereits  gestorben 
war,  den  letzten  Sprossen  seiner  Familie  durch  Gift  hätte  aus  dem  Wege  räumen 
lassen,  s.  Häutle  a.  a.  0.  S.  157.  Die  Cron.  S.  Petri  mod.  (1.  1.  nag.  393)  schweigt 
daher  gänzlich,  die  Reinhardsbrunner  Überlieferung  (Cron.  Rcinhardbruncnsis,  1. 1. 
pag.  617)  erzählt  die  Geschichte  ausführlich,  ohne  Heinrich  als  Urbeber  zu  er- 
wähnen; auch  ist  es  auffällig,  dass  Bertha  von  Seebach,  trotzdem  Hermanns 
Lciehe,  als  jene  zur  Bestattung  kam.  aus  der  Nase  zu  bluten  l>egann,  nicht  be- 
straft wurde  (ab  ainicis  mU  elam  est  abdueta).  Es  schwebt  ein  merkwürdiger 
Unstern  über  den  Namen  Hermann :  nach  Landgraf  Hermann  (I.)  gelangten  die 
2  folgenden,  welche  diesen  Namen  führten,  nicht  zur  Regierung. 

114.  1  S.  Knochenhauer  a.  a.  O.  S.  35611". 


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114.  Stuck. 


159 


osterich  tochter  zu  der  o,2  genant  gerdrud.  Dar  nach  ubir  eyn  jar,  da  i^jj4™ 
Lisch  keyser  frederich  dy  dutczen  fursten  alle  keyn  fraucfort3  um  nie 
sines  sons  willen,  conrad  genant,  den  her  gerne  zu  einem  romeschen 
konige  gemacht  netto.  Unnd  do  omo  dy  korfursten  unnd  dy  bischofle  Rothe  m 
des  nicht  gesteen  wolden,  do  missebod4  her  gote  unnd  der  heiigen 
cristenheit  unnd  sprach:  Es  sint  dry  ding,  dy  alle  werlt  betrogen 
haben,  moyses  dy  joden,  cristus  dy  cristen  unnd  machemet  dy  heyden ; 
unnd  dar  ummo  woldet  ihr  fursten  mir  etwas  noch  |  folgen,  ich  wolde  » 
czwar  eine  bessere  wise  finden  zu  glouben  unnd  zu  lebene,  wanne 
ergen  kein  volk  uff  ertriche  hotte.  Disse  missebetunge  horten  dy 
fursten  alle  zu  raole  wol  unnd  er  schrocken  dos  gar  sere  unnd  worden 
alle  glich  sere  betrübet  unnd  worden  des  eins  unnd  schreben  dy  ge 
schiebt  deme  babiste  gregorio  deme  neuenden  keyn  rome.  Nu  was 
disser  lantgrafe  heinrich  in  doringen,  eyn  pfalczgrafe  zu  Sachsen,  der 
eldeste*  an  den  jaren  unnd  den  fursten  allen,  dor  ummo  wart  her  zu 
vor  an  in  den  breff  geschreben,  den  sie  deme  bobiste  santen ;  unnd  dar 

•  DU»  HS  wiederholt  IrrtttmUch  vor  an:  „wu." 

3  Nach  dem  Tode  Elisabeths,  der  ersten  Gemahlin  Heinrich  Raspes  (1231), 
vermählte  sich  der  Landgraf  mit  Gertrud,  der  Tochter  Herzog  Leopolds  des 
Ruhmreichen  und  Schwester  Herzog  Friedrichs  de«  Streitbaren  von  Osterreich 
(die,  nach  den  beuten  Quellen  zu  urteilen,  i.  J.  1214  geboren  war),  und  zwar 
i.  J.  1239  (nach  den  Annalen  von  Melk,  Pertz,  MGH,  Scr.  IX.  508;  die  Annal. 
Erphord.,  ebenda  XVI,  32,  nehmen  schon  1238  an);  sie  starb  aber  bereits  am 
Ende  des  Jahres  1240,  denn  der  Heiratsvertrag  Heinrich  Raspes  mit  seiner 
3.  Gemahlin,  Beatrix  von  Lotbringen  und  Brabant,  ist  vom  10.  März  1241  datiert. 
Näheres  s.bei  Häutle  a.  a.  O.  S.  171-173. 173—176.  179.  •  Über  diesen  Reichs- 
tag zu  Frankfurt  herrscht  Zweifel,  nach  einigen  Geschichtsschreibern  (s.  Knocheu- 
hauer  a.  a.  0.  S.  358  ff.  —  gegen  ihn  s.  Herausgeber  Menzel  a.  a.  O.  S.  358  A.  2) 
hat  Kaiser  Friedrich  II.  eine  heimliche  Zusammenkunft  mit  Heinrich  Raspe 
i.  J.  1242  gehabt  und  ihn  gewonnen;  diese  angebliche  Reise  des  Kaisers  weist 
Huber,  Forschungen  z.  deutsch.  Gesch.  X,  S.  649—653  zurück.  Man  hat  wohl 
i.  J.  1242  einen  Tag  in  Frankfurt  anzunehmen,  wo  Kaiser  Friedrich  in  Gegenwart 
der  anwesenden  Fürsten  den  Landgrafen  Heinrich  zum  Reichsverweser  und 
Pfleger  seines  Sohnes,  des  jungen  Königs  Konrad.  bestellte,  denn  am  l.Mai  1242 
kommt  Heinrich  urkundlich  als  Reichsverweser  vor  (s.  Huillard-Brtmolles,  Hist. 
Dipl.  Friderici  Secundi  VI  pag.  830).  Anders  urteilt  Häutle  (a.  a.  O.  S.  159  ITA 
welcher  den  Wiederübertritt  Heinrich  Raspes  zur  hohenHtaufischcn  Partei  una 
die  Übertragung  der  Reichs  verweserschaft  schon  auf  dem  Fürstentage  zu  Eger 
am  1.  Juni  1239  annimmt,  woraus  sich  die  damalige  Bannung  Heinrichs  und 
seines  Bruders  Konrad  erkläre;  der  endgiltige  Übertritt -Heinrichs  zur  päpstlichen 
Partei  sei  1244  erfolgt.  1  „Missebieten,"  stv.,  mit  dem  Dativ,  „verunglimpfen, 
lästern."  Nachdem  Papst  Gregor  IX.  am  20.  März  1239  den  Bann  über  Kaiser 
Friedrich  II.  ausgesprochen  hatte,  was  durch  eine  Encyelica  vom  7.  April  jenes 
Jahres  allen  Prälaten  der  Christenheit  mitgeteilt  wurde,  verwahrte  sich  Kaiser 
Friedrich  durch  ein  umfangreiches  Sendschreiben  vom  20.  April  1239,  das  an 
alle  Könige  und  Fürsten  gerichtet  war,  dagegen;  der  Papst  aber  veröffentlichte 
am  21.  Juni  1239  ein  zornsprühendes  Gegen  manifest ,  in  welchem  die  von  Stolle 
mitgeteilte  Blasphemie  des  Kaisers  erwähnt  wurde;  sie  wurde  von  den  wandernden 
Bettelmönchen,  Dominikanern  wie  Franziskanern,  in  der  ganzen  Christenheit  ver- 
breitet und  erregte  das  grösste  Aufsehen.  Kaiser  Friedrich  blieb  die  Autwort 
nicht  schuldig  und  behauptete  in  einem  Schreiben  an  die  Kardinäle,  dass  jene 
ihm  vorgeworfene  Ruchlosigkeit  nie  über  seine  Lippen  gekommen  sei. 


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160 


114.  Stück. 


1243  umme  tlied  der  bobist  den  keyser  in  den  bau,  nnnd  des  achte  der 
485^8«*'  keyser  gar  cleine.  Unnd  dar  noch  ubir  ein  jar,  do  wart  eyn  ander 
babist,5  den  hiss  innocentius.5  Der  bestetigete  den  ban  sines  torfam 
unnd  satczteG  keysern  froderichen  abe,:  unnd  schreib  den  fursten  in 
dutczen  landen,  das  sy  kysen  solden  zu  einem  romeschen  konige  lant- 
grafen  heinrichen7  zu  doringon,*  den  fromen  cristen  fursten  unnd  ge- 
strengen ritter.  Unnd  der  selbige  babist  innocentius  hatte  grossen 
schatcz  unnd  was  gancz  riche  unnd  schreib  lantgrafen  Heinriche,  das 
her  das  rieh  zu  ome  nemen  solde.  Das  wedder  sprach  lantgrafe  hein- 
rich  durch  dryerley  sache  willen  unnd  schreib  das  deme  bobiste  zu 
erst:  er  were  eyn  alder  man  unnd  vormochte  der  erbeit  nicht  an 
synem  liebe.  Das  ander:  er  were  ouch  ungefrunt  under  den  fursten, 
dar  umme  so  netto  her  der  volge  nicht.  Das  dritto:  her  hette  ouch 
gar  eyn  kleines  land,  dar  umme  vor  muchte  her  der  koste  nicht,  das 
77  her  also  einen  mechtigen  |  keyser  vor  trebe.  Dar  uff  schreib  ome  der 
bobist  wedder,  her  solde  das  rieh  uff  nemen  by  deme  gehorsam  gotis 
unnd  der  heiigen  cristenheit.  Dar  uff  antworte  der  lantgrafe:  den  ge- 
horsam wolde  her  yo  halden,  so  her  kume  eyn  jar  leben  solde.  Unnd 
do  sante  ome  der  bobist  funflundeezwenzig  tusent  margk  silbers,  do 
mete  solde  her  soldenerc  uff  nemen.  Unnd  do  wart  her  uss  erweit  * 
zu  einem  romeschen  konige  zu  franckfort,,J  als  man  schreib  nach  cristus 


■'  Nach  dem  Tode  Gregore  IX.  am  21.  August  1241  folgte  Celeatin  IV.,  der, 
26.  Oktober  1241  gewühlt,  bereits  am  17.  November  desselben  Jahre*  starb; 
dann  konnte  man  «ich  längere  Zeit  hindurch  nicht  über  eine  Neuwahl  einigen, 
die  erst  am  4.  Juni  1243  erfolgte:  sie  fiel  auf  Sinibald  Fiesco,  aus  dem  genuesischen 
Grafengeschlecht  der  Lavagna,  der  sich  als  Papst  Innocenz  IV.  nannte  und  bis 
zum  1.  December  12.r»4  regierte.  ,:  Auf  dem  Konzil  zu  Lyon  erfolgte  am 
17.  Juli  1244  die  Thronentsetzung  Friedrich*»,  eine  Sentenz,  welche  durch  Domini- 
kaner- und  Franziskanermönehe  überall  verkündigt  wurde  (a.  Ann.  Erphordens., 
MGH,  Scr.  XVI,  pag.  34)  und  auch  später  als  rechtsgiltig  betrachtet  wurde,  da 
von  da  an  Friedrichs  Kegierungshandlungen  für  ungiltig  angesehen  worden  sind. 
7  Über  das  Königtum  Heinrichs  s.  Häutlc  a.  a.  O.  S.  162fl'.,  Knochenhauer  a.  a,  O. 
8.  362  ff*.  H  Die  Wahl  Heinrich  RasjK?«  zum  Gegenkönig  erfolgte  am  22.  Mai 
1246  zu  Veitahochheim  b.  Würzburg  durch  die  rheinischen  Erzbischöfe,  mehrere 
Bischöfe  und  eine  Anzahl  weltlicher  Herren  au«  Thüringen  und  Hessen,  während 
die  grossen  Territorialfürsten ,  namentlich  der  König  von  Böhmen ,  die  Herzöge 
von  Bayern,  Sachsen,  Braunschweig ,  Brabant  u.  a.  trotz  aller  |«pstlichen  Send- 
schreiben der  Wahl  fern  gebliel>en  waren.  —  Über  s.  Kanzlei  «.  Marlin  Mever, 
Eine  unedierte  Urkunde  Heinrieh  Knspes,  ZThG,  N.  F.  XI.  1899,  S.  375-397. 
"  König  Heinrich  hatte  für  den  25.  Juli  1246  einen  Reichstag  nach  Frankfurt  aus- 
geschrieben, damit  auch  die  weltlichen  Fürsten  ihre  Zustimmung  zu  »einer  Wahl 
erteilen  sollten.  Um  dieses  zu  hindern,  zog  König  Konrad,  Kaiser  Friedrichs  Hohn, 
heran,  ward  aber  am  5.  August  1240  in  einem  Treffen  geschlagen,  freilich  nicht  ohne 
dass  durch  Bestechung  durch  päpstliches  (Jehl  (namentlich  der  2  Grafen  von 
Württemberg,  Ulrich  und  Hartmann)  Verrat  in  die  staufische  Kriegsmacht  hinein- 
getragen wurde.  Stolle  nimmt  2  Tage  für  den  Kampf  an  :  St.  Dominicustag,  d.  i. 
der  4.  und  St.  Oswaldtag,  d.  i.  der  5.  August  ;  im  Jahre  irrt  er,  da  das  Treffen  selbst- 
verständlich 124ö  stattfand,  da  Heinrich  bereit*  am  16.  (n.  and.  am  17.)  Febr.  1247 
starb.  Erst  nach  dem  oben  genannten  Kampfe  an  der  Nidda  zog  Heinrich  in 
Frankfurt  ein;  d<x*b  war  der  Keichstag.  auf  welchem  Köuig  Konrad  seine  Königs- 
würde  und  das  Herzogtum  Schwaben  abgesprochen  wurde,  nur  dürftig  besucht. 


lymzeo  uy 


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115.  Stück. 


101 


geburt  tusent  CO  XL  VII  jar,  unnd  lag  do  zu  felde  mit  here.  Do  wolde  1247 
od  des  keysers  son  Conrad  abe  tribe,  unnd  mit  detne  streyt  disser 
nuwer  gekorner  koning  unnd  gewan  ouch  den  strvt,  unnd  des  keysers 
son  wart  fluchtig  uss  derue  fehle.  Ditte  gesehach  an  sente  doininicus 
unnd  sente  oswaldes  tage.  Also  wart  disser  lantgrafe  zu  einem  konige 
gesalbet  unnd  gekronet10  unnd  czoch  dor  noch  in  swobon  11  widder  den 
selbigen  hen;zogen  conraden  unnd  sinen  vater  den  keyser  unnd  vor 
treib  sy  do  uss  deine  lande.  Dor  noch  czoch  disser  nuwe  koning  in 
doringen  uff  sine  borgk  wartbergk  unnd  wart  kräng  unnd  starp l-  noch 
cristus  geburt  tusent  CC  XL  VIII  jar  unnd  wart  begraben  zu  sente  1248 
katheiinen  vor  isenache  an  sente  julian  tage.  Unnd  durch  sinen  ge- 
horsam, den  her  also  gehalden  hatte,  so  gap  der  bobist  aplas:  wer  an 
sente  julian  tage ,;1  zu  sente  katherinen  kerchen  ginge  unnd  böte  do 
vor  sine  sele  unnd  vor  alle  gloubege  solo,  der  solde  czwey  jar  aplas 
habe,  unnd  das  selbige  aplas  stehit  dy  ganczen  achtage  uss. 


115.  Hie  liebet  sieh  an,  wye  das  laut  zu  doringen 
komen  ist  an  dy  margrafen  zu  missen.  | 

Wye  nu  das  land  zu  doringen  komen  ist1  an  dye  marggreffen  zu  Rothes* 
missen,  das  quam  also.    Also  der  konig  hoinrich  unnd  eyn  lantgrate 
zu  doringen  unnd  zu  hessen  gestorben  was  ane  erben,  unnd  das  ro- 

10  Daß»  Heinrich,  welcher  von  seinen  Gegnern  dafür,  dass  er  dem  päpstlichen 
Stuhle  gehorsam  gewesen  war,  oder  vielmehr  weil  ihn  meist  geistliche  Fürsten 
gewählt  hatten,  den  Spottnamen  „Pfaffenkönig"  erhielt,  je  gesalht  und  gekrönt 
worden  »ei,  lä»st  sich  nicht  nachweisen,  s.  Häutle  a.  a.  <).  S.  164 — 16*5;  nur  die 
hist.  Eceard.  I.  1.  pag.  424  erwähnt  die  Krönung.  "  im  Herbste  1246  hielt 
König  Heinrich  seinen  2.  Reichstag  in  Nürnberg  und  zog  dann  nach  dem  Süden 
Deutschlands,  wo  der  offene  Kampf  der  Parteien  tobte;  doch  waren  seiue  Erfolge 
gering:  ebenso  musstc  er  die  Belagerung  I  lms,  die  er  mitten  im  Winter  begonnen 
hatte,  im  Januar  1247  auf  getan.  11  Krank  kehrte  er  nach  Thüringen  zurück 
und  starb  bereit«  am  16.  (17.)  Februar  124/  „an  einem  Bluttlusoe'4  (tazw.^der 
roten  Ruhr),  noch  rechtzeitig,  um  schwerer  Demütigung  zu  entgehen.  Über 
seinen  Tod  stellt  Funkhänel,  ZThG  Iii,  S.  21H-21S die  Angaben  der  älteren 
Chronisten  zusammen;  «.  auch  Häutle,  ebenda  IV,  S.  166  169.  "  Mit  diesem 
St.  Julian* tage  ist  gemeint  Julianut«  mart.  —  17.  Februar 

115.  1  Über  den  Thüringischen  Erbfolgekrieg,  1247—  1264,  berichtet  Stolle 
sehr  oberflächlich:  erwähnt  er 'doch  weder  den  dritten  Prätendenten  Siegfried  von 
Anhalt,  Sohn  der  Irmengard,  Gemahlin  Heinrichs  von  Anhalt,  welche  eine  jüngere 
Tochter  .Landgraf  Hermanns  I.  von  Thüringen  war,  noch  den  Vertrag  v.  J.  12ÖO, 
u.  a.  Über  den  ganzen  Krieg  und  was  mit  ihm  zusammenhängt,  s.  Rommel, 
(Jeschichte  von  Hessen,  Bd.  I  u.  II,  182011'..  Tittmann,  Geschichte  Heinrichs  de« 
Erlauchten,  2  Bde.,  1*45  46;  brauchbar  is!  noch  Wegele,  Friedrich  der  Freidige, 
Markgraf  von  Meissen,  Landgnif  von  Thüringen,  und  die  Wettiner  seiner  Zeit, 
1870,  S.  6-40  u.  41-60,  auch  BF  S.  24.  aber  vornehmlich  Theodor  Ilgen  und  Rudolf 
Vogel,  Kritische  Bearbeitung  und  Darstellung  der  Geschiehte  des  thüring.-hess.  Erb- 
folgekrieges, 1884  (Zeitschrift  f.  he*».  Geschichte,  N.  F.  Bd.  X,  S.  101-  3*0).  S.  auch 
den  Vortrag  v.  Stamford,  Drei  Fürstinnen  von  Hessen.  Mitt.  d.  Vereins  für  lies*. 
Geschichte  u.  Altertumskunde,  1884,  dort  s.  über  Sophie  von  Brabant  S.  VI— XVI. 
K.StoU«MemorUl«.  11 


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162 


Ii:..  Stück. 


nicsscho  rieh  ledig  -  was,  do  enstunt  in  doringen  unnd  hossen  gar  vele 
ubels,  wann  eyn  iglicher  wolde  des  andern  lierre  sin,  unnd  dy  edeln 
unnd  mechtigesten  erweiten  on  cvgene  berge,  wu  sy  wolden,  unnd 
buweten  borge  dar  uft.  üye  erbar  luthe  an  der  werra,  dy  worften  sich 
zu  sanicn  unnd  buweten  brandonfelss,3  item  dy  erbar  luthe  von  esohen- 
wege  buweten  dy  krig  borgk  1  under  deine  holdersteine,  item  dy  von 
stogkhusen,  dy  buweten  dy  littenborgk5  poben  vispach;  dy  von  wangheyni 
buweten  den  kaleubergk,"  dy  von  tulstete,  dy  buweten  steynforst,7  dy 
Roth«  4'jo  von  franekenstevn  buweten  waldenberg 8  etev'  In  dorne  selbigen  jare 
belag  der  marggrafe  zu  missen  erftbrte  unnd  gewan  wissensee.  Item 

?  Zwar  licrrBchte  Kaiser  Friedrich  II.  noch,  aber  nach  der  Auffassung  der 
päpstlichen  Partei  war  er  seit  der  Lvoner  Absetzung  i.  J.  124"»  nicht  mehr  Kaiser, 
daher  erfolgte  die  Wahl  Heinrich  Raspes  und  nach  dessen  Tode  die  Wilhelms 
von  Holland  und  dann  Richards  von  Cormvallis;  thatsächlieh  hatte  ja  freilich 
für  das  unglückliche  Deutschland  damals  schon  die  ,. kaiserlose ,  die  schreckliche 
Zeit"  begonnen,  und  daraus  erklären  sich  für  Thüringen,  in  welchem  nach  1247 
auch  keine  unbestrittene  Landes fürstcngewalt  vorhanden  war.  die  anarchischen 
Zustände,  welche  der  Chronist  in  Thüringen  und  Hessen  schildert.  Ks  waren 
besonders  die  Ministerialen,  auch  einzelne  Ritter,  welche  sich  jene  gesetzlosen 
Zustände  zu  nutze  machten,  teils  um  sich  von  der  Fürstcnmaeht  unabhängig  zu 
macheu  oder,  ihren  niedrigeren  Instinkten  folgend,  frei  rauben  und  plündern 
zu  können,  teils,  aber  diese  in  geringerer  Zahl ,  in  edlerer  Absicht,  um  in  ge- 
botener Selbstverteidigung  sich  und  ihr  Eigentum  vor  den  räuberischen  Gelüsten 
anderer  zu  sichern.  Über  einzelne  dieser  Adelsgeschlechter  s.  W.  Kein,  1  >ie  er- 
loschenen Adelsgcschleehter  des  Eisenacher  Landes  (ZThG  Bd.  IV,  S.  185  ff.),  hier 
von  deu  Herren  von  Treffurt,  Salza  und  Frankenstein.  3  Die  Anlegung  dieser 
Kurgen  erwähut  nur  die  Reinhartsbrunner  Tradition  (s.  CVon.  Keinh.,  MGH,  Scr. 
XXX,  1  pag.  619;,  die  Cron.  S.  IVtri  m od.  (ebenda  pag.  896)  sagt  nur:  „plurima 
bella  et  dira  werrarum  tnrbacio  in  Thuringia  et  Hassia  exorta  est  et  in  aliis 
Knibus  eins  pro  habend«  possessionibus  eiusdem."  Branden  fei* ,  jetzt  Ruine  im 
ehemaligen  Kurhessen,  Niederhessen ,  südöstlich  von  Sontra  (Amt  Sontra),  nahe 
der  Werra.  4  Der  Heldrastein  liegt  bei  der  preußischen  Stadt  Treffurt  a.  d. 
Werra;  mit  der  Burg  ist  wohl  gemeint  die  .,Krahburg"  bei  den  Dörfern  Ram- 
bach und  Weissenborn.  Stockhausen  ist  ein  Dorf  im  Grossherzogtum  Sachsen, 
an  der  Nesse  nordöstlich  von  Eisenach  gelegen,  hingegen  Fisch bach,  oberhalb 
dessen  die  Littenburg  angelegt  wurde,  ebenfalls  Dorf  im  Grossherzogtum  Sachsen, 
liegt  südöstlich  von  Eisenach,  an  der  Strasse  von  Gotha  nach  Eiseuach.  ';  Uber 
die  Wangen  heim  s.o.  St.  27  A.  2  u.  4.  Der  Kahlenberg  ist  ein  Berg  unweit  de«* 
llörselbergt  s.  Über  ihn  und  die  folgenden  Burgen  s.  , Verzeichnis  aller  alten 
Berg-  und  Rnubschlösser  u.  s.  w.  in  Südobersaehsen,  1SU2,  '  auf  dessen  Karte  jene 
Rauhschlösser  verzeichnet  sind  (Exemplar  auf  dem  Stadtarchiv  in  Erfurt). 
:  Döllstädt  ist  gothaisch,  Amt  Ton  na,  nicht  weit  von  Langensalza;  «.Verzeichnis 
S.  49:  ..Bau-  und  Kunstdenkmäler  Thüringens"  X,  S.  209:  „Burg  Steinfurt  (Stein- 
frost,  Steinberg)  um  124S  von  den  Herren  von  Salza  zum  Schutze  ihrer  TJuter- 
t hauen  im  thüringischen  Erbfoigestreite  erbaut."  s  Holder-Egger,  Cron.  Reinh. 
1.1.  pag.  649  A.6  sagt  zwar:  .,quod  Castrum  in  monte  Frankensteyu  prope  Kloster 
Allendorf  ad  rluviuin  Werra  situin  erat,"  aber  da  er  n.  u.  M.  in  der  folgenden  A.7 


unweit  Krotterode  am  Inselberg,  setzt,  so  glauben  wir  euer,  dass  die  Erbauer 
der  Wallenburg  das  auf  der  nahen  Burg  Stayn  (jetzt  das  bekannte  hcrzogl. 
meiningische  Lustscbloss  Altenstein  bei  Liebenstein)  damals  sesshafte  Dynasten- 
geschleclit  der  Frankensteiner  gewesen  sind ;  s.  auch  Verzeichnis  d.  Raubsclüösser 
S.  .V>.  '•'  Rothe  St.  488  u.  489  redet  noch  von  Kaubzügen  und  der  Erbauung 
noch  anderer  Burgen,  die  er  auch  nicht  alle  nennen  will;  auch  die  Cron.  Reinh. 
1.  1.  pag.  649  nennt  noch  andere  Burgen :  so  erklärt  sich  das  etc.  Stolles. 


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115.  Stück.  163 

etliche  erbir  luthe  uss  dissen  czwen  landen  doringen  unnd  hessen,  dy 
woldon  haben  vor  einen  hern  des  niargraten  son  zu  missen,  der  lant- 
grafen  lodewigs  unnd  koning  heinrichs,  der  nuwelieh  vor  scheiden  was, 
swester  son  was.10  Etliche  uss  den  beiden  landen  wolden  ess  halden 
mit  deme  jungen  herczogen  uss  braband,  der  lantgrafen  lodewigs  unnd 
sente  elsebeten  tochter  son  was.  Also  quam  sin  muter,  dy  herczogin 
von  braband,  in  hessen  unnd  nam  do  vele  sloss  in  unnd  quam  euch 
dar  noch  ubir  etliche  czid  in  doringon  unnd  brachte  oren  son  heinrich 
mit  or  unnd  machte  on  zu  einem  lantgrafen  zu  hessen,  unnd  man 
nante  on  das  kind  von  hessen,  unnd  liss  or  dor  an  nicht  gnugen;  sy 
hisch11  das  land  |  zu  doringen  margraffe  heinriche  zu  missen  an,11  7» 
wann  her  ouch  vele  slosss  in  doringen  in  genomen  hatte.  Do  wart  r<>u>4'.h 
margrafe  heinriche  uss  missen  von  synen  hern  unnd  frunden  gerathen,12 
her  solde  das  land  zu  doringen  inne  behalde,  biss  also  lange,  das  ess 
ome  mit  deme  «werte  an  gewonnen  worde  adder  sust  mit  rechte.  Dar  Rothes 
noch,  als  man  schreib  nach  cristus  geburt  tusent  CC  LVIT1  jar,  unnd  12*8 
disse  czweytracht  nach  werte  czwusschen  margrafen  heinriche  zu  missen 
unnd  der  herczogin  von  braband,  unnd  vele  ubols  ge  schach  uss  hessen 
in  doringon,  unnd  dö  dy  herczogin  von  braband  erkante,  das  sy  deu 
doringen  unnd  missenern  zu  swach  wero,  dar  um  nie  so  quam  sy  an 
herczogen  albreehten  von  brunswig1 *  gar  eynen  meulichon  fursten 
unnd  gap  oren  son,  das  kint  von  hessen,  siner  tochter  unnd  das  land 
zu  hessen  do  mete,  unnd  was  rechtes  sy  mit  syner  hulffe  zu  doringen 
er  Kobern  u  mochte.  Also  nam  der  herczoge  von  brunswig  hessen  land 
in  formundeschaift  in  unnd  thed  dar  uss  dem  lande  zu  doringen 
grossen  schaden.  Also  hatte  der  margrel'e  heinrich  uss  missen  wart- 
perg  inne,  unnd  herczoge  albrecht  von  brunswig  hatte  isenache  inne, 
unnd  or  eyn  thed  deme  andern  grossen  vor  driss,  das  ich  hir  nicht 
alles  ge  sehreben  habe. 

10  Jutta,  Tochter  des  Landgrafen  Hcrmunns  I.  von  Thüringen,  war  vermählt 
mit  Markgraf  Dietrich  dein  Itedrangtcn  von  Meisen;  dieser  starb  1221;  beider 
&>hn  war  aber  Heinrich  der  Erlauchte,  Markgraf  von  Meissen;  er  belagerte 
Erfurt  und  nahm  Wcisnensee  ein,  *.  Cum.  S.  l'etn  Kit',  mod.  1. 1.  nag.  3!>7.  Cron. 
Keinh.  1.  1.  pag.  til 5» ,  Ann.  Erphesford.  fratr.  praed.  1.  I.  pag.  103.  "  Kirchen, 
mit  unorgan.  Anlaut  heischen,  ..fordern,"  hat  die  Persou ,  von  der  man  etwas 
fordert,  im  l>ativ  hei  sich,  ebenso  auheisehen  -  „fordern."  17  Nach  der  bist. 
Kceard.  rieten  »ie  ihm  so  dringend  ab,  das«  sie  sagten:  ,,Herr  Fürst,  wenn  Ihr 
einen  Fuss  im  Himmel  hättet,  so  müsstetlhr  ihn  heraus/.ieheu  zum  anderen,  und 
Thüringen  behalten."  Ein  charakteristisches  t-Himmungsbild !  "Es  war  der 
Sohn  Herzog  Ottos  von  liraunschweig,  Knkelsohn  Heinrichs  des  Löwen.  "  Er- 
kobern  =  erobern,  alte  md  Dialektform,  die  sich  mehrfach  in  Urkunden  findet, 
z.H.  ITE  II,  lölJ7,  S  133  ZI.  «J:  „erkoberne."  Die  Handwlirilt  e  hat  diu  Wort 
nicht  mehr  verstanden  und  liest  :  „erkiesen." 


11  * 

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164 


116.  Stuck. 


110.  Wy  der  herczoge  von  brunswigk  unnd  der 
Rothe 504  margrafen  von  missen  gestreten  haben. 

1263  Also  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CCLXIII  jar,  also  nu 
herczoge  albrecht  von  brunswig  grosssen  schaden  gethon  hatte  in 
dori ngen  mit  den  Sachsen  unnd  hessen  unnd  euch  vele  sloss  gewonnen 
hatte  unnd  des  keinen  redelichen  wedirstant  enezub,  do  wart  her  also 
v  mutig,  das  her  mit  synem  here  czoch  in  das  |  oster  Iand  unnd  in 
missen,  unnd  also  her  under  wegen  dy  czweno  stiffte  nuenburg  unnd 
merseburg  sere  beschedigit  hatte,  umme  des  willen,  das  sy  by  stunden 
margrafen  heinrichen,  in  des  lande  sy  danne  gelegen  weren.  Das  vor 
nnm  er  rudolff  von  vargela,  der  erbschencke  des  laudes  zu  dori  ngen, 
eyn  stritbar  ritter.  unnd  sammete  zu  ome  in  doringen  hundert  guthe 
ritter  unnd  knechte  mit  helmen  unnd  wolde  margrafen  heinriche  zu 
hulffe  komen  unnd  quam  also  vor  borgen  in  dy  stad  liptez;  do  fand 
her  nymant  do  heime,  wann  margrafle  heinrich  was  in  behemen  ge 
ezogen  nach  hulfl'e  unnd  redunge.  Do  ging  disscr  rudolff  von  vargela 
zu  margrafen  heinrichs  sonen,  genant  albrechte  unnd  ditteriche,  dy 
nach  jung  warn  unnd  strafte  sy  dar  umme,  das  sy  nicht  herezogen 
albrechten  von  brunswig  werten.  Do  sprechen  sy,  or  vater  were  nsse 
nach  volke,  nach  (lerne  beyten1  sy.  Do  sprach  der  edele  schencke  von 
vargela:  Ich  habe  uch  bracht  hundert  uss  er  lesen  manne  met  helmen 
nss  doringen  vor  borgen  in  der  nacht;  nu  weiss  herczoge  albrecht  von 
brunswig  wol,  das  uwer  vater  usse  ess,  unnd  vor  sehit  sich  unser 
nicht.  Nu  besam ment  uwere  mansehaiit  alle  umme  her,  das  dy  in 
der  nacht  zu  uch  komen,  wir  wollen  unse  glucke  mit  on  vorsuchen. 
Des  andern  tages  fru,  do  quomen  disse  selbigen  an  herezogen  albrechten 
von  brunswig  by  einem  dorff'o  geheisen  viclin  -  by  dorne  wasser  der 
elster  unnd  streten  mit  ome,  er  dy  sonne  uff  ging  biss  an  den  mittag. 
I 'und  der  herczoge  von  brunswig  wart  do  sere  wunt.  unnd  nomen  on 
gefangen,  unnd  mit  ome  der  grate  von  anehalt,11  der  grafe  von  czwirn,4 
7i»  oVi-  grafe  von  ebirsteyir'  unnd  andere  I  edele  hern,  czwelffe,  dy  alle 
gewundet  unnd  gefangen  worden.  Also  das  her  von  der  uss  erweiten 
ritrerschafft  gefangen  hatte  funffhundert  unnd  sechezig  man,  unnd 
nomen  grosssen  schaden  an  guthen  pferden  unnd  harnassche,  unnd 
itotho  r,05  m usten  sich  mit  vele  geldes  losse.  Hund  in  des  also  der  herczoge  von 
brunswig  unnd  sine  manschafft  gefangen  was,  do  teydingito  man 
umme  richtunge  unnd  sine  losunge.  Also  wart  do  eine  gutliche  ganeze 
richtunge  czwisschen  margrafen  heinriche  von  missen  unnd  frawen 

116.  '  Reiten  —  „warten"  wird  sonst  mit  dein  Genetiv  konstruiert,  hier  mit 
„nach"  und  dem  Dativ.  7  Die  Entscheidungsschlacht  bei  Wettin  a.  d.  Saale, 
eigentlich  in  einem  Tlinle  westlich  von  Wettin,  in  «1er  Nähe  den  Dorfes  Hesen- 
städt.  wurde  am  27.  Oktober  1263  geschlagen.  :l  Graf  Heinrich  von  Anhalt, 
Herzog  Albrechts  von  Hraunselnveig  Schwager.  4  Graf  Oünzel  von  Schwerin. 
Gral  Johann  von  Everstein  an  der  Weser. 


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117.  ud<1  118.  Stück. 


16;» 


Sophien,  der  herczoßinne  von  braband,  unnd  das  kint  von  Hessen.  Also 
das  herczoge  albrecht  von  brunswig  solde  zu  sehatrzunge  geben  achte 
stete6  unnd  sloss:  eschenwege,  aldendorff,  wittczenhusen,  forstensteyn 
unnd  andere  viere,  unnd  dar  zu  achte  tusent  margk  silbors.  Unnd  dar 
zu  rauste  frawe  sophie,  dy  herczoginne  von  brabant,  unnd  das  kint 
von  hesseu,  or  son,  vor  Sachen7  unnd  sich  vor  czehen*  alles  rechten, 
das  sy  hatten  unnd  gehabe  mochten  am  lande  zu  doringen,  sy  unnd 
alle  or  erben  ewiglichen.    Also  wart  disser  krig  bericht. 


117.  Von  einem  grossen  füre1  zu  erffort.  lum.«» 

Als  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CO  unnd  XLVI  jar  an  124« 
deme  ersten  tage  des  broch  inonden,  do  orhub  sich  eyn  gross  für  zu 
erffort  in  der  mitternacht  unnd  werete  zu  mittentage,  unnd  wart  also 
gross  für,  das  dy  alden  luthe  sprechen,  sy  betten  alle  oro  lebetage  ny 
grossei  für  ge  sehen.  —  Item  in  der  selbigen  nacht  was  ouch  eyn 
gross  für  ge  west  in  der  stad  meydeburg,  unnd  euch  an  mehe  enden. 


118.  Wy  das  heiige  saerament  funden  wart  zu  erffort 

Als  mau  schreib  nach  cristus  geburt  tusent  CC  unnd  XLYI11  jar,  1248 
do  wart  das  heilige  saerament  |  gestollen  zu  erffort  in  sente  mertins  r 
kerchen  in  deme  brule1,  unnd  das  in  eines  thumhern5  hoff  an  sente 

0  Dir  Namen  der  8  Städte,  welch»  nebst  8000  Mark  Silber  (—  320000  Reichs- 
mark' als  Iiösegeld  vom  Herzog  Albrecht  ausgeliefert  werden  mussten,  werden 
verschieden  angegeben  (s.  Rommel,  Hess.Ciesch.lI,  8.22  d.  Anm.i;  Pollack,  Die 
Landgrafen  von  Thüringen,  8.  22  K  nennt:  Eschwege,  Bielstein.  Allendorf,  Fursteu- 
Htein,  Witzenhausen,  Ziegeubcrg.  Wanfried  und  kontra.  Die  Hauptsache  aber 
ist  dem  Chronisten  verborgen  geblieben:  diese  8  Städte  lagen  im  oder  in  der 
Nähe  des  Werrathales,  una  sie  hatte  Alhrecht  von  Braunsehweig  durch  Gewalt 
oder  sonstwie  früher  in  Besitz  genommen,  jetzt  trat  er  sie  an  Heinrieh  von 
Meissen  ab.  dieser  aber  gab  sie  an  Sophien«  Sohn,  Landgraf  Heinrieh,  da*  .,Kind 
von  Hessen,"  worauf  dieser  auf  alle  seine  Ansprüche  auf  Thüringen  und  die 
Landgrafsehaft  im  alten  Sinne  verzichtete.  So  kam  der  Friede  v.  J.  1264  zu- 
stande. --  Rothe  schreibt  bezüglich  der  Summe  des  Lösegeldes  falsch:  ,,18  000 
mnrgk  silbirs,"  s.  Quelle,  die  hist  Eccardiana,  hat  8000,  wie  auch  Stolle,  selbst- 
ständig dieser  folgend,  schreibt,  7  Mhd  verRachen  -----  md  vorsachen,  swv.,  be- 
deutet mit  dem  Genetiv  „entsagen."  s  Mhd  verzihen  md  vorezehen,  stv., 
ist  hier  auch  reflexiv  mit  dem  Genetiv  gebraucht,    -  „aufgeben." 

117.  1  Die  „Erfturthische  Feuerchronika"  von  Seebach,  1736,  erwähnt  8.  3 
dieses  Feuer  am  22.  Mai  1216. 

118.  1  Falsch;  es  war  die  Kirche  St  Martini  intra  oder  am  Sonneubergei 
s.  v.  Tettau,  Beiträge  zu  einer  vergl.  To|>ographie  von  Erfurt,  MOE  XII,  S.  111  f- 
(ieuau  wird  die  gauze  Geschichte  von  Falckenstein ,  civit.  Erlortcnsis  hist.  crit., 
1739,  S.  89 f,  für  «b\s  Jahr  1249  erzählt,  s.a.  BE  S.  83 f.  -  Stolle  folgt  bier  der 
Peterschronik,  wahrend  die  Erfurter  Annalen  von  einer  „piscina,"  Falckenstein 
von  einer  „Pfütze"  spricht. 


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166  HD.  bis  121.  Stück. 

Kn"',oii  Peters  borge  geschuth  wart,  unnd  do  man  do  das  heilige  sacrament 
1'r.itr.  pracd.  fluiden  hatte,  do  bewarte  man  das  mit  allem  flissse  vier  monden  lang, 
pig.'i'.ü.  In  des  so  quam  der  bisschoff  zu  mentcz  keyn  erflbrte,  unnd  do  sammete 
b'™  y'  s*c'1  a^e  Pfoffh^  *n  erffort  unnd  gingen  vor  den  hoff,  do  das  heilige 
m.Hi.rM<iii,  sacrament  inne  vor  borgen  was,  unnd  holten  das  mit  allen  eren  von 
Scr-X^' 1  lobe  sanire,  unnd  brochten  das  in  unser  lieben  frowen  kerchen  do  selbest 
zu  eiffort,  unnd  der  bissehoff  von  mentcz,  cristianus3  genant,  der  was 
ouch  gegenwertig. 


119.  Von  der  wyuiige  unser  liehen  frowen  kirclien 

zu  erfforte. 

125:1       Als  man  schreib  nach  cristus  geburt  tusent  CG  unnd  LII1  jar,  do 
ifrllboJd.  War^  gewiget  unser  Heben  frowen  kercho  zu  erffort  von  deme  bisschofe 
fmtr.prwHi.  von  nuenburg  unnd  ouch  dry  anderen  bisscliofen  an  deme  nochtage 
cSn!«.'  saneti  francisci.1 

Petri  Krf.   

mod.  p.31'8. 

Rothe  .-,»6  120.  Von  eyneui  grosssen  un^eweterde  in  doringen. 

1261  Als  man  schreib  nach  cristus  geburt  tusent  CCLXI  jar  an  sente 
johans  abende  des  toufers,  als  der  tag  an  brach,  do  quam  das  aller 
groste  gewetterde  von  donner,  blixen  unnd  regen  by  dorne  dorfie,  ge- 
nant apolde,  unnd  do  umme  her  in  andern  dorflern  an  der  sal  unnd 
ouch  zu  johene,  also  das  do  tod  bieben  wassers  halben  fünf  unnd 
drissig  menschen,  manne  unnd  wibe  unnd  kindere;  unnd  das  wasser 
fürte  ouch  vele  husere  unnd  das  fehe  en  wegk. 


121.  Ein  czogk  zu  deme  heilgen  grabe. 

1266       Als  man  schreib  nach  cristus  goburt  tusent  CCLXVI  jar,1  do  erhub 
sich  eyn  gemeine  cogk  zu  deme  heiligen  grabe.   Do  czoch  der  koning 

'  Christian  II.  von  Boland ,  zum  Erzhischof  gewählt  am  29.  Juni  1249.  ab- 
gesetzt vor  (h  in  August  1251,  starb  am  21.  November  1251.  —  Die  Auffindung 
geschah  am  14.  Januar  1250. 

119.  1  Am  5.  Oktober  1253,  s.  Heinrieh  Beyer  und  Rudolf  Böekncr,  Kurze 
Geschichte  der  Stiftskirche  Beatae  Mariae  Virginis  zu  Erfurt.  MGE  VI,  1K73. 
l-\  125—222,  und  zwar  hier  S.  130.  Der  weihende  Rischof  war  Dietrich  von 
Naumburg,  die  drei  anderen  Bichöfe  bezeichnet  Beyer  a.a.O.  als  Bischöfe  „in 
nartibus"  (utfidcüum). 

121.  1  Die  Quellen  geben  12G7,  ebenso  wie  unten  für  12G9  das  richtige 
1l'70.  —  Es  werden  hier  die  zwei  Kreuzzüge  Ludwigs  IX.,  des  Heiligen,  Königs 
von  Frankreich,  vermischt.  Der  erste  Zug  begann  1248;  von  den  genannten 
Teilnehmern  ist  nur  Karl  von  Anjou,  der  aber  erst  12f>5  König  von  Neapel  und 
Öicilien  wurde,  nachweisbar;  wer  der  Bruder  des  Königs  von  Frankreich  ist,  ob 
Graf  Alfons  von  Poitiers  oder  Graf  Robert  von  Flandern,  bleibt  trogewias;  der 


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122.  Stück.  167  Croo.  s. 

Petrl  Erf. 

ludewieus  von  franckrich,  der  koning  von  engel  land,  der  koning  von  t>a«.'4U3.' 
arragon,  der  koning  von  beyern,  I  der  koning  von  sicilien,  der  grafe,^.npRS 
der  eyn  bruder  was  des  koniges  von  frangrich,  unnd  dos  koniges  sone  80 
von  frangrich,  unnd  der  erczbisschoff  von  rotbomagen  in  frangrich, 
unnd  vele  andere  grafen,  rittere,  edel  luthe,  bürgere  unnd  vele  andere  JbMein  w_ 
strithaftrige  manne,  vele  tusent.  —  Item  als  man  schreib  tusent  CC  LXIX  ^LS;626, 
jar,  do  was  ouch  eyn  czog  zu  deme  heiigen  grabe.    Do  czoch  der 
koning  von  arragon,  der  koning  von  beyern,  der  koning  von  engellant 
mit  orer  manschattt,  nomen  das  cruce  an  sich  unnd  czogen  über  mehir 
zu  hulfle  deme  heiigen  grabe.    Der  koning  von  franckrich  czoch  ouch 
methe,  abir  sy  konden  koins  nicht  ge  ende.  —  Item  in  deme  selbigen 
jare  czogen  uss  frisslant2  by  XL  tusent  man,  dy  hatten  ore  eygen 
schiffe  unnd  czogen  ouch  lien  zu  fechten  wcdder  dy  heyden. 


1*22.  Hy  quam  seilte  steffans  ge  heine  keyn  rome. 

Als  mau  schreib  nach  cristus  geburt  funfl'  hundert  jar  unnd  LVJII,  &»8 
do  quam  das  gebeyne  sente  steffans1  von  Jerusalem  keyn  roma  unnd 
wart  do  gelegit  by  sante  laurencium  in  eyn  grap,  do  sy  noch  b.v 
eynander  ligen. 


Erzbischof  von  Rothomagen  (Rothomagensis) ,  d.  h.  von  Rouen ,  ist  nicht  mit- 
gezogen, wohl  aber  der  Erzbischof  Johann  I.  de  Oomteuny  von  Rheims,  der  auf 
dein  Zuge  starb.  Bei  dem  2.  Zuge ,  1270.  versprachen  wenigstens  die  Söhne  des 
englischen  Könijrs  Heinrieb  III.,  Eduard  und  Edmund,  die  Teilnahme  (s.  A.  2); 
es  neteiligten  .sich  Gaston,  der  Vizgraf  von  Bearn,  den  Stolle  irrtümlich  zweimal 
König  von  Bayern  nennt  und  mit  Theobald  II.  (Thibaut),  seit  1253  König  von 
Navarra,  verwechselt.  Der  Könip  Jacob  I.  von  Aragonien  hatte  bereits  1266 
da«  Kreuz  genommen,  war  1269  abgesegelt,  aber  nach  einem  Sturme  umgekehrt 
und  hatte  nur  wenige  Scbiffe  nach  Palästina  gesandt.  Teilnehmer  und  Veran- 
lasser des  Zuges  nach  Tunis  (aus  politischen  Gründen!)  war  Karl  von  Anjou, 
der  König  von  Neapel  und  Sicilien;  von  den  Söhnen  König  Ludwig!*  IX.  nahmen 
Philipp,  Johann  (starb  während  des  Kreuzzuges)  und  Peter  teil;  im  besondern 
ist  hier  Philipp  gemeint,  welcher  während  des  Kreuzzuges,  nach  dem  am 
25.  August  1270  erfolgten  Tode  König  Ludwigs,  zum  Thron  gelangte  uud  als 
Philipp  III.  der  Kühne  (1270-1285}  bekannt  ist;  unter  dem  Bruder  des  Königs 
ist  Graf  Robert  von  Artois  zu  verstehen.  !  Der  englische  Köuigssohu  Eduard, 
welcher  erst  nach  dem  Friedensschlüsse  von  Tunis  (Oktober  1270)  beim  Kreuz- 
heere eingetroffen  war,  jene  Abmachungen  aber  nicht  anerkennen  wollte,  setzte 
den  Zug  nach  Palästina  fort;  ihm  schlössen  sich  ,,*>00  rüstige  Pilger  aus  Fries- 
land an,  welche  gleichfalls  den  feigen  Re«ehluss  von  Trapani  verworfen"  (Weber, 
Weltgeschichte  VII,  S.  461). 

122.  1  Die  Reliquien  des  heiligen  Stephan  wurden  unter  der  Regierung  des 
Kaisers  Honorius  (395—423).  gegen  das  Jahr  415,  in  der  Nähe  von  Jerusalem 
aufgefunden,  später  nach  Constantinopel  und  dann  mich  Rom  unter  Papst  Pela- 
gius  I.  (555—560)  gebracht,  wo  sie  in  der  Patrianhalkirche  von  San  Lorenzo 
(jetzt  San  Lorenzo  fuori  le  mura)  an  der  Seite  des  heiligen  Laurentius  in  dem- 
selben Grabe  beigesetzt  wurden ,  s.  Sampson ,  Die  Heiligen  als  Kirchoupatrone, 
1892,  S.  365  ff. 


Uigitizecl  by 


108 


WS.  bis  125.  Stück. 


Roth« ^05  Hy  warf  (]as  ]an|  zu  doringen  geteilt. 

1365  Als  man  schreib  nach  cristus  geburt  tusent  CO  LXV  jar,  do  teilte 
sich  margrafe  heinrich  von  missen  mit  sinen  sonen,  dy  do  zu  oren 
jaren  komeu  warn,  also  das  her  ome  behild  das  land  zu  missen,  unnd 
sinie*  sone  ditterich  gapbl  her  in1  das  osterland  unnd  die  margrafe- 
sehafl't  zu  landessberg,  unnd  sime  sone  albrechte  gap  her  in1  das  land 
zu  doringen. 

124.  Wy  der  lantgrafe  al  brecht  zu  doringen 
Rou.c  5i7  gefriget  liad. 

*       Albrecht,  lantgrafe  in  doringen,   marggrafen  |  heinrichs  sou  zu 
missen,  der  nam  zu  der  e  margareten , 1  des  keysers  tochter,  der  do 
genant  was  trederich,  unnd  by  der  gewan  her  czweue  sone,2  frede- 
1*26«  liehen  unnd  ditterichen.   Item  in  deme  andern  jare  dar  noch,  do  czoeh 
her  kein  prusssen  wodder  dy  heyden  unnd  wart  ritter. 


125.  Wy  lantgrafe  albrecht  Im»  stalte  sin  elieh  wip 
itotha5i»        zu  toten  um  nie  eyner  ander  frowen  willen. 

126»  Nach  cristus  geburt  tusent  CCT.XIX  jar,  do  vor  handiltes1  dusser 
lantgrafe  alhrecht,2  marggrafen  heinrichs  son  von  missen,  gar  wider- 
lichen,1 also  das  her  mit  sines  wibes  junefrowen  eyne  zu  hilt,  dy  do 

•  «  richtig  *>,  IIS:  «ine.       h  HS:  gar       vorschrieben  au*  gnp.  e:  gab.       0  Fohlt  lu  der 
US,  aus  o  ergänzt. 

123.  '  „Iiigeben"  mit  Dativ  bedeutet  ,.i1bergehen ,  überweisen."  Über  die 
Thatsachc  s.  Wegele,  Friedrich  der  Freidigc,  S.  56  iX. 

124.  1  S.  Wegele  a.a.O.  S.  50  ff.,  59  f.  Margarete  war  die  Tochter  Kaiser 
Friedrichs  II.  und  seiner  3.  Gemahlin,  Jsabdla  von  England;  die  Vermählung 
fand  spätestens  1255  statt.  'Vielmehr  entsprossen  dieser  Ehe  3  Söhne  Heinrich 
(geh.  c.  1250).  Friedrich  (geb.  1258»  und  Diezmann  (geb.  12(10),  und  eine  Tochter, 
A.irnes,  deren  Geburtsjahr  nicht  festzustellen  ist.  Über  den  ältesten  Sohn  Heinrich, 
der  mit  dem  Jahre  1283  aus  der  Wottinschen  Geschichte  verschwindet,  s.  Wegele 
a.a.O.  8.88«.;  Colm.  Grünhagen,  Der  Landgraf  ohne  Land ,  ZThG  IV,  8.159 
bis  166. 

125.  1  „Verhandeln"  =  „schlecht  handeln,  sich  vergehen."  Unverständlich 
ist  dns  folgende  „winderliehen'*  (das  auch  hs  o  hat).  l>a  weder  Stolles  unmittelbare 
Quelle,  Kothe,  noch  dessen  Quelle  (bist.  Eecard.1,  noch  die  anderen  Quellen  (Cron. 
8.  l'etri,  Cron.  Kcinhartbr.)  irgendwie  einen  Anhaltspunkt  bieten,  andererseits  mir 
ein  tropischer  Gebrauch  von  „winterlich"  in  der  alten  Sprudle  nicht  bekannt  ist, 
r;o  bleibt  nur  noch  übriy,  zu  conjicieren :  widerlichen  (nach  lierthold  v.  Regen s- 
burg,  h.  v.  Franz  l'feill'cr,  1802,  I,  163,  03:  widerlich  —  widerstentie),  hier  im 
Sinne  von  „feindlich  7  Eine  Charakteristik  AI  brecht*  giebt  Wegele  a.  a.  0. 
S.  Gl  - 63  u.  06—67,««.  a.  UE  S.  58  ff.  Über  Kunigunde  v.  Eisenberg  s.  u.  St.  137  A.  2. 
Die  ganze  Erzählung  ist  Sage,  historisch  ist  nur  die  Trennung  Margaretens  von 


lyinzeo  uy 


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125.  Stück. 


169 


hiss  kunna»  von  isenberg,  unnd  her  hilt  das  gar  heimelichen  unnd 
;vart  siner  frawen  gantcz  gram,  unnd  hette  or  gerne  vor  geben  unnd 
konde  das  nicht  wol  zu  brengen.  Hir  umme  quam  her  an  oynen 
esel  triber,  der  do  tegelichen  holcz  mit  czwen  eseln  keyn  wartperg  in 
dy  kuchen  treib,  unnd  gelobete  ome  gross  unnd  redite  mit  ome,  .das 
her  des  nachtes  syrne  wibe,  der  lantgrefen,  den  hals  brechen  solde,  also 
ap  ess  der  tufel  gethon  hette;  dy  czit  wart  ome  ge  satczt.  Derne 
knechte  wart  leyde  unnd  gedockte:  ab  du  wol  arm  bist,  so  kastu  dock 
frome  eidern  gehad;  saltu  nu  mit  dyner  suren  arbeit  eyn  schalk  werden 
unnd  dine  eygene  herynne  adder  frowen.  dy  dir  dicke  gutlichen 
gewest  ist,  tothen,  unnd  wann  du  das  gethust,  so  lest  dich  din  herro 
dorch  dy  bosheit  selber  toten;  tustu  des  abir  nicht,  so  schicket  her 
dir  einen  andern  zu,  das  dir  doch  der  tod  werde,  wann  her  furcht,  du 
meldest  on;  louffestu  abir  en  weg,  so  sendet  her  dir  botschafft  nach 
unnd  gebit  dir  duberige  schult  adder  vorreterie  unnd  lesset  |  dich  m 
tothen ,  also  werdest u  libeloss  unnd  erloss.  Unnd  hatte  also  grosse 
sorge  unnd  engeste  »und  nod  uff  ome.  Czu  let<lzt  also  dy  czit  quam,  Rothe  r.M 
das  her  des  nicht  lenger  konde  adder  torste  vorhalde,  do  ging  her  in 
der  nacht  über  der  lantgrefin  bette,  also  ome  dy  kunna  von  isenberg 
wege  unnd  stege  vor  gegeben  hatte,  unnd  vil  uff  der  lantgrefin  bette 
unnd  sprach:  gnadet  mir  des  libes,  gnedige  frowe!  Do  antwerte  sy: 
eya,  wer  bistu?  Do  nante  her  sieh.  Do  sprach  sy:  was  kastu  danne 
gethon?  Do  sprach  her:  ich  en  habe  nicht  gethon,  ich  sal  noch  thun- 
Unnd  sprach:  frowe,  rothet  mir  balde  unnd  ouch  uch  unnd  gnadit 
unser  beider!  Myn  herre,  der  lantgraie,  hat  mich  ge  heisen,  ich  solle 
uch  tothen,  unnd  des  en  wil  ich  nicht  thun;  nu  rothet,  das  wir  beide 
by  deme  leben  bliben  mögen!  Do  sprach  sy:  gohe  gar  balde  nach 
mynem  hofemeister,  der  muss  uns  raten.  Unnd  der  hofemeister  quam 
gar  balde  unnd  rith,  sy  solde  das  leben  friste  unnd  sich  mache  dar 
von.  Do  gingk  dy  furstynne  uff  das  gemolte3  huss  by  deme  torme. 
Do  logen  ore  kindore  in  oren  hotczen  1 ;  dy  geseinte  sy  unnd  weinte 
bermclich  unnd  beiss  den  einen  son,  genant  tredorich,  in  sinen  backen, 
das  ker  sore  blutte,  unnd  wolde  den  andern  ouch  gebissen  habe,  unnd 

•  HS:  kunno,  o:  Kunna,  wie  »uch  unten         81  (oben  Z.  Ii'  des  Textet)  <l«r  HS  riebt. 

Albrecht  (wahrscheinlich  wegen  des  Verhältnisses  desselben  zu  Kunigunde  von  Eisen- 
berg) und  ihr  Tod  im  August  1270  zu  Frankfurt,  wie  es  die  Cron.  S.  Petri  Erford. 
niod.  1.1.  pag.  405  augiebt:  ..eodem  anno  (1270)  inelita  et  veuerabilis  Umringte 
lantgravia  Margareta,  tijia  Friderici  imperatoris,  feliciter  obiit  in  Frankenvurth 
s.  Colmar  Cirünhageu,  Über  die  Sage  von  der  Flucht  der  Landgrälin  Margarete 
und  dem  Biss  in  die  Wange,  ZThG  III,  S.  99-114;  s.  auch  Wegele  a.  a.  O.  S.  68  ff., 
welcher  noch  die  Flucht  Margaretens  in  der  Nacht  zum  24.  Juni  1270  festhält. 
*  Das  Schlafzimmer,  eine  der  Kemenaten,  war  in  grossen  Hurgen,  wie  der  Saal 
Walas),  mit  (ieniäldeu  geschmin  kt.  Hier  müssen  wir  ein  Schlafzimmer  der  Herrin, 
»las  für  sie  und  ihre  Mägde  auch  als  Arbeitszimmer  diente,  und  ein  solches  für 
die  Kinder  annehmen.  *  „Hotze,"  swf.,  -  „Wiege,"  noch  jetzt  mundartlich  im 
Gebrauch  s.  M.  Schnitze,  Idiotikon  d.  nordthur.  Mundart  S.  38,  und  Hertel,  Thüring. 
Sprachschatz  S.  123. 


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170 


125.  Stück. 


dos  en  woldo  der  hofemeister  nicht  staten.  Do  sprach  sy:  ich  habe 
mynen  son  dar  umnie  gebissen,  das  her  an  ditte  loyd  unnd  myn 

Rotiie  6si  scheiden  gedencken  sal,  wan  her  gross  wirr.  Unnd  do  gingk  sy  uff 
das  ritter  huss5  unnd  hatte  by  sich  genomen  or  kleynod  unnd  or  geld, 
unnd  der  hofemeister  halff  or  mit  seylen  unnd  lilachen"  zu  einem 
▼  fenster  uss  mit  eyner  juncfrowen  j  unnd  eyner  mayd,  unnd  mit  deine 
eseltriber.  Also  gingk  sy  dy  nacht  in  grossem  jammer  und  betrupnisso 
von  wartpergk  biss  keyn  kreyenbergk. 7  Do  danne  liss  sy  der  apt  von 
herssfelt  geleite  unnd  fure  keyn  franckfort.  Do  en  pfingen  sy  dy 
borgere  mit  grosssen  eren  umme  ores  vator  willen,  der  etwan  ore*  here 
ge  west  was,  unnd  schickten8  or  eine  wonunge  unnd  hilden  sy  gar 
erlichen;  unnd  ouch  dy  fursten  all  umme  her  frangfort,  dy  sy  kanten 
unnd  an  gehörten,  dy  schicketen  or  selb  Vierde  gnugk.  Unnd  in  deme 
andern  jare°  dar  nach,  do  starp  sy  von  grossem  jammer  unnd  botrup- 
nisse  unnd  senen  unnd  wart  zu  franckfort  begraben.  —  Also  zugeto 
dusser  lantgrafe  albrecht  eynen  kebes  son  mit  kunnen  von  isenbergk; 
den  hiss  apetcz,10  den  hild  her  sere  lieb  unnd  begunde  vor  Ungnaden  11 

Rotb«  5«  svne  rechten  e  sono,  fredorichen  unnd  ditterichen.  Unnd  do  dusse 
jungen  czwene,  hern  lantgrafen  albrechts  rechte  e  sone.  uff  gewuchsen, 
do  sy  worden  XVT  unnd  XVll  jar  alt,  do  worden  sy  an  dencken12 
umme  dy  missehendelunge,  dy  or  vater  gethan  hatte  orer  muter  durch 
kunnen  von  isenbergs  willen,  syner  kebesyn,  unnd  worden  deme  vater 
wedder;  unnd  dar  zu  waren  on  behulffen  etliche  grafen  unnd  fryhen 
im  lande  zu  doringen.   Etliche  hilden  ess  ouch  mit  deme  vater.  Do 

itothe.r>45  sprach  der  junge  horre,  genant  frederich,  her  en  konde  noch  en  wolde 
solches  bisses,  den  ome  syn  muter  gebissen  hatte  in  synen  backen  in 
ezeichen  der  muterliche  liebe,  also  wenigk  vergesse,  also  wenig  ome 

Rothe  545  dy  narwe  gantcz  abo  ginge.  —  Dor  noch  quam  konigk  rudolff, 13  eyn 
romeschor  koningk,  in  doringen.  Do  liss  ome  lantgrafe  albrecht  synen 
8»  kebess  |  son ,  genant  apetcz,  elichen14  unnd  raeynte,  er  wolde  on  zu 
eynem  lantgrafen  mache  in  doringen,  unnd  gedochte  alleczit  syue 
rechten  ersten  elichen  sone  erloss  unnd  erbeloss  zu  machen.  Unnd 
do  wolden  dy  erbarluthe  unnd  dy  stete  in  doringen  lantgrafen  apetcz 

RothoMo  nicht  huldeu.   Do  gab  her  ome  teneberg  in  unnd  das  gerichte,  das  dar 

Kothen  zu  gehöret,  unnd  sin  wopen  was  eyn  bunter  lawe  mit  eynem  helme 

Rothe  5i5  ubir  das  houbit  gestorczit.    Unnd  lantgrafe  albrecht  vorkouflfte  dar 

L  Gemeint  ist  der  palas,  die  Halle  des  Burgherrn.  "  „Lllahen"  —  Mn- 
lahen,  stn.,  ~  „Bennien."  7  Die  Ruine  der  frfdier  gewaltigen  Burg  Kraicn- 
burg,  damals  ein  Sitz  der  Frankensteiner  (s.  ob.  St.  115  A.8),  liegt  2  Stunden 
von  der  pücIis.  -  meiningischen  Stadt  Salzungen  an  der  Werra.  8  Schicken." 
svw.,  —  „anordnen,  einrichten.'1  "  Nach  den  Quellen  geschah  es  noch  in  dem- 
sellM'n  Jahn*,  im  August  1270  (e.  ob.  Anm.  2).  10  Apitz,  Kosename  von  Albrecht. 
11  Mhd  verungnaedigen  =  md  vorungnaden,  swv. ,  =  „ungnädig  behandeln." 
'"  „Andenke,"  A<ljektivum ,  —  „an  etwas  (gen. )n  gedenkend."  u  Die  Worte 
,. rudolff— doringen"  sind  von  Stolle  aus  der  Überschrift  (St.  545)  bei  Rothe 
herü hergenommen.  "  „Elichen d.  h.  zu  einem  „ehelichen  machen,"  legiti- 
mieren. 


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126.  Stück. 


171 


nach  volo  gutis,  unnd  das  gelt  wante  her  alles  kunnen  von  iscnberg 
zu  unnd  orein  sone,  wo  her  konde  addir  mochte,  alles  sinen  elichen 
sonen  zu  schaden  unnd  zu  hasse. 


126,  Wy  dy  heyden  eine  stad  vor  terbeten,  genant 

brutena.  Rothe  ^ 

Als  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CC  LXX  jar,  do  quomen  1270 
dy  heiden  mit  vier  stormen  vor  eine  stad,  genant  brutena  in  krichen.1 
Do  vorstorten  sy  dy  stad,  kerehen,  alter  unnd  slugen  tod  XU]  hern 
von  den  dutczen  hern  unnd  czweytusent  unde  anderthalb  hundert 
man  unnd  frowen,  unden  fungen  der  vele  unnd  fürten  sy  mit  on  in 
or  land  unnd  vorbranten  do  dy  stad  unnd  vele  castel  unnd  dorffero 
unnd  fürten  das  fehe  mit  sich  en  wegk. 

Item  in  deme  selbigen  jare  geschach  es  in  deme  lande  zu  francken,  Rott»  527 
das  dy  wolffe  einen  winter2  hatten  erworget  unnd  fressen  mehe  dann 
XXX  menschen.   Sy  vor  lissen  das  vihe  unnd  liffen  zu  den  luthen  uff 
deme  felde  unnd  ouch  in  den  dorffen. 

Item  in  deme  selbigen  jare  der  schedeliche  vyend  dor  cristen  luthe,  Roti>©  515 
genant  der  soldan  von  babylonie,  der  hat  gestormet  unnd  gewunnen 
dy  kostlichen  stad,  genant  erath,3  do  dy  cristen  luthe  einen  zu  llucht 
hatten,  unnd  dy  dutczen  |  hern  addir  dy  von  rodiss  hatten  gar  eyn  v 
kostlichen  wonungo  unnd  vesten  in  der  selbigen  stad.    Das  ist  alles 
nu  vor  lorn  unnd  zu  brochen. 

Item  in  deme  selbigen  jare,  do  starb4  der  bobist  clemens  quartus.  Rothe  524 
unnd  by  drien  jarn  konden  sy  nicht  eins  weiden,  einen  andern  bobist 
zu  machen.   In  deme  viorden  jare,  do  machten  fsyj*  einen  andern  bobist 
zu  viterbe,  einen  dutczen  von  ludigk. 

»  fcblt  In  US. 


126.  1  Man  sieht  hier,  das*  Stolle  ül>er  Rothe  hinaus  dessen  Quelle,  die  liist. 
Eccard.  1.1.  pag.  436,  benutzt  hat;  dort  steht:  in  Pruthenam  (die  Cron.  S.  Petri 
Erford.  mod.  MOH,  Scr.  XXX.l  pag.  406  liest:  in  Prusciam ,  mit  anderen  Les- 
arten); daraus  ist  der  obige  arge  Irrt  um  entstanden  :  es  ist  der  blutige  Aufstand  der 
Preussen  gegen  den  deutschen  Kitterorden  1261  und  d.  folgd.  .fahren  gemeint, 
s.  Joh.  Voigt,  (leschichte  Preussens,  II,  S.  195fl*.  Diese  Zeitbestimmung  setzt 
Stolle  hinzu,  seine  Quellen  [Rothe,  und  über  diesen  hinaus  die  hist.  Eccard.  und 
die  Peterschrouik)  haben  sie  nicht.  ;1  Rothe  und  seine  Quellen  lesen:  Krag,  die 
Peterschronik:  Egra.  Gemeint  ist Akka (St.  Jean  d' Acre)  oder  Ptolemais,  welches, 
nachdem  es  von  den  Tempelherren  (Stolle  falsch :  DeutechhcrretO  und  den 
Johannitern  tapfer  verteidigt  war,  i.  .1.  1291  in  die  Hände  der  Ungläubigen  fiel; 
damit  wird  gewöhnlich  das  Ende  der  Kreuzzüge  bezeichnet.  4  Papst  Clemens  IV. 
starb  am  29.  Noveml>er  1268,  sein  Nachfolger  (iregor  X.  wurde  erst  am  1.  Sept. 
1271  in  Vitei  bo  (Stadt  in  der  Küstenlandschaft  am  Tvrrhenischen  Meere,  einst  an 
der  Strasse  von  Rom  nach  Florenz)  gewählt,  Thedald  1  Theohaid)  von  Piaeenza, 
Arehidiakön  von  Lüttich,  aber  kein  Deutscher,  wie  Stolle  irrtümlich  sagt, 
ein  edler  Italiener  aus  dem  (ieschlechte  der  Visconti,  der  sieh  zur  Zeit  seiner 
Wahl  auf  einer  Pilgerfahrt  im  heiligen  Lande  tafand,  an  der  Seite  des  englischen 
Königssohnes  Eduard  (s.  ob.  St.  121  A.  1  11.  2). 


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172  127.  bis  130.  Stück. 

»>ti»  6H  127.  Eine  grosse  ture  czid. 

1271        Als  man  c/alte  MCCLXXI  jar,  do  was  eyn  grosse  turc  czid  in 
dutczen  landen,  also  das  vele  menschen  hungers  storben. 


Rothc53°  128.  Von  eime  kinde. 

1275       Als  man  czalte  MCCLXXV  jar,  do  wart  ge  born  zu  erffort  eyn 
^Antiq4'  ^int,  das  hatte  keine  hende  noch  keine  arme  unnd  nete  mit  sinen 
variioquiu  fussen.  —  Item 1  in  dorne  selben  jare  zu  reynhardissborn  wart  geborn 
iirr««'  e*vn  ^inti  ^as  natte  czwey  houbte. 


Rothe  &4i  129.  Von  deme  banne1  zu  erffort 

1278  Als  man  czalte  MC0LXXVI1I.  wernerus,  eyn  bisschoff  zu  mentcz, 
der  leite  den  ban  keyn  erffort  unnd  gebot  allen  geistlichen  unnd  wert- 
lichen pfaffen,2  das  sy  solden  uss  der  stad  czehen.  Do  czoch  uss  der 
apt  zu  sente  peter  mit  etlichen  siner  monebe,  item  der  apt  zu  den 
schotten,  der  probist  zu  den  regelern  mit  etlichen  regeren  der  kerchen, 
prelaten  unnd  hern  unser  lieben  frowen  unnd  ouch  sente  severi:  aber 
dy  groste  menge  der  monche  unnd  ouch  wortliche  prister,  dy  bieben  in 
der  stad;  unnd  das  stunt  dry  jar,  do  wart  eyn  gross  frede  czwisschen 
dem  bisschofle  zu  mentcz  unnd  der  stad  erffort 


Rothe  648  180.  Dy  yoden. 

1284       Als  man  czalte  M°  CO  LXXX1V  jar,  do  wart  eyn  kind  zu  mentcz 
von  den  joden  gar  jemmerlichen  gemartert. 


128.  1  Den  Zusatz  macht  Stolle  aus  der  hist.  Eccard.  (Mencken,  II.  pag.  438), 
aber  verkehrt,  denn  dort  steht:  „eodem  tempore  Romae  puer  ex  ancilla  natu«  est 
quadruiies  et  quadrimanus,  oculis  quatuor,  auribus  quatuor  (daher  die  czwey 
houhtef),  naturam  virilem  duplicem  habena." 

129.  'Rothe  berichtet  nach  der  bist.  Eecard.  von  dem  Interdikte  über  Erfurt 
(1270  — 1282)  weniger  genau  als  der  Erfurter  Priester  Stolle.  Näheres  in  der 
Cron.  S.  Petri  Erf/mod.  (MGH,  Scr.  XXX,  1  pag.  417  u.  418),  Erphordianus  Anti- 
nuitntum  Variloquus  b.  MSG  II  pag.  400,  Engehius,  ibidem  pag.  563,  Nicolai  de 
Hibera,  carmen  satiricum  cd.  Theob.  Fischer,  Geschichtsquellen  der  Prov.  Sachsen : 
Erfurter  Denkmäler,  1870,  Vers  327—423,  dazu  Glossen  ebenda  S.  125— 126  und 
Excursheft  ebenda  iS.  153— 158.  —  Dazu  Lambert,  Die  ältere  Geschichte  und  Ver- 
fassung der  .Stadt  Erfurt,  1868,  S.  73,  Urkunden  pag.  136—139,  genauer  dieselben 
bei  TJK  I,  1889,  No.  304.  311.  313.  318,  auch  306  u.  310,  s.  a.  HEB.  62.  »  Das 
sind  die  Weltgeistliehen,  die  Plebaui  an  den  Kirchen,  die  sich  ausser  den  2  Stiftern 
(Ii.  Mariac  virginis  und  S.  Scvcri)  und  den  Klöstern  in  Erfurt  befanden,  von  denen 
hier  nur  3,  das  Peterskioster  (dessen  Abt  Andreas  fl.,  1254— 1300]  hiess,  s.  Böckner, 
Petersklo*ter,  MGE  X,  1881,  S.  47 f.;,  das  Schotten kloster  und  das  Reglerkloster 
(s.  v.  Mülverstedt,  Hierographia  Erfordenßis,  MGE  III,  1867,  S.  152  f.,  162 f.,  163  f.) 
erwähnt  werden;  von  den  2  Stiftei  n  werden  die  Stiftsherren  (Domherren)  erwähnt. 


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131.  bis  133.  Stück. 


173 


131.  Vom  donner,  hayl,1  regen,  j  8. 

Als  man  czalte  noch  cristus  geburt  M°CCLXXX1V  jar,  do  quam  1284 
also  eyn  gross  donner,  hayl  unnd  regen,  also  das  vele  Volkes  ertrang  Cmn.s. 
im  lande  zu  doringen;  unnd  do  ertrang  ouch  der  pferner  zu  czimmern,-  ff 
unnd  das  wasser  fürte  Tele  husere  unnd  gutis  en  weg.  Solches  wetters  p«  418 
gedochte  keyn  mensche  mehe. 


132.  Von  der  kermesse  seilte  peters  kerchen. 

Als  man  czalte  nach  cristus  geburt  M"CCLXXXVT  jar,  do  vorleite  J2S« 
der  bisschoff  zu  mencz1  dy  kermesse  zu  sant  peter  zu  erffbrt  uff  den  cro„.  s. 
neslen  sontag  nach  ostern,  wann  sy  für  was  uff  dorne  sontage  vor  ff 
sento  vitis  tage.  p«.W 

133.  Von  einem  fnre  zu  erf forte.  Rothen 

Als  man  czalte  nach  cristus  geburt  M°CCJ,XXXX  jar1  in  deine 
XVI  tage  des  aprilis  umme  mittag  er  hub  sich  eyn  gross  mechtig  für 
zu  erffort  in  deme  closter  zu  deme  nuwen  wercke,  unnd  brante  wol 
das  dritte  teil  der  stad  uss,  unnd  brante  uss  der  barfusen  closter,  sento 
bartholomeus  kerchen,  dy  regeler,  dy  wissen  frowen,  konft'mnn  kerchen 
biss  en  uss  vor  das  krampfen  thor  also  ferne,  das  es  keyn  gebuwede 
mehir  vor  ome  hatte  biss  an  den  graben. 


131.  '  „Hayl"  oder  „hail''  ist  kontrahiert  aus  „Hagel."  1  Da  die  Peterschronik, 
a.a.O.  8.418,  „prope  Eytirberg"  hinzusetzt,  so  ist  das  Dorf  Niederzimmern, 
im  Verwaltungsbezirk  Weimar  des  Grossherzogtums  Sachsen,  am  Ettersbergs  bei 
Weimar,  der  Geburtsort  Stollea,  gemeint. 

132.  1  Erzbischof  Heinrich  II.  von  Isny  [12SÖ— 1288);  s.  a.  BE  S.  63 ;  nach  der 
Peterschronik  geschah  es  i.  J.  1287,  und  zwar  lag  das  Fest  am  16.  Juui  (Justinuet 
Aureus  mart.),  nach  Stolle  am  Sonntag  vor  dem  15.  Juni  (Tag  des  heiligen  Veit). 
Bald  nach  der  Verlegung  b*egabte  am  2.  Januar  1290  Erzbischof  Gerhard  II.  von 
Mainz  (1289 — 1305),  welcher  seit  dem  20.  Dezember  1289  bei  Kaiser  Rudolf  von 
Habsburg  in  Erfurt  weilte  und  im  Peterekloster  wohnte,  das  Fest  der  Kirchweihe 
(dedicationis)  mit  einer  40  tägigen  Tndulgenz  beim  Besuche  der  Peterekirche  an 
diesem  Tage  (Urkunde  v.  2.  Jan.  1290  abgedruckt  bei  Falckenstein,  Thüringische 
Chronik  IL  S.  1023).  Die  Peterskirmesse  —  s.  a.  A.  Kirchoff,  Erfurt  im  13.  Jahr- 
hundert, 1870,  S.  123  —  wurde  seitdem  am  Sonutag  nach  Ostern  gefeiert,  auch 
nach  der  Zerstörung  der  Peterskirche  durch  das  Bombardement  der  belagernden 
Preussen  am  6.  November  1813,  späterhin  nur  nls  eine  Art  Jahrmarkt  am  Nach- 
mittage des  genannten  Sonntags,  der  als  solcher  noch  fortbesteht.  Näheres 
s.  R.  Böckner,  Peterskloster  zu  Erfurt,  MOE  XI,  S.  153 f. 

133.  1  Nach  Rothe  1289.  Über  die  genannten  Klöster  (Neuwerkskloster, 
BarfÜ9*erklo8ter.  Regelerkloster,  Weissfrnuenkloster)  und  Kirchen  (Bartholomäus- 
und  Kaufmannskirche  in  Erfurt)  s.  v.  Mülverstedt,  Hierogr.  Erford.  1.1.  S.  ltiOf., 
154  f.,  153  f.,  161  f.  u.  172,  u.  BE  S.81ff;  näheres  auch  v.  Tettau,  Beiträge  zu  einer 
vergleichenden  Topographie  und  Statistik  von  Erfurt,  MOE  XII,  i.  d.  Abschnitte, 
Kirchliche  Gebäude  S.  100 ff. ;  über  das  Krämpferthor  ebenda  S.  52,  s.a.  BES. 92 f. 
Übrigens  setzt  Seebach,  Die  „Erffurthisebe  Feuerchronika."  1730,  S.  3  dieses 
Feuer  am  1.  April  1290  au. 


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174  134.  bis  1.%.  Stfick. 

Kot  he  6:M  134.  Item  eyn  fur. 

1292        Als  man  czalte  nach  cristus  gebnrt  M  CC"  LXXXX11, 1  do  braute 

das  closter  zu  rcinhardissborn  reine  uss. 


135.  Item  eyn  für  zu  erffort 


Croii.  8. 
Potri  Erf. 
UichI.  1.  1. 
pig.  430. 

1290       Als  man  czalte  noch  cristus  geburt  M°  CC°  LXXXXVI  jar,  an  der  nesten 
nacht  noch  aller  ezwolftboten  tage;1  do  was  eyn  gross  für  zu  erffort 
ibidem  uff  u0mo  juben  niarte,2  unnd  dy  permer  gassen*  brante  reine  uss.  — 
P**ri»7  In  deine  andern  jare  dar  noch  in  deine  merczeu,  do  er  hub  sich  eyn 
v  fur  zu  erffort  an  sente  peters  |  berge  unnd  brante  biss  an  sente  len- 
harts  kerchen/  dy  er  werte'  man  kume,  also  gross  wint  was  do.  unnd 
brante  er  nedder  undor  dye  schildern unnd  tlied  grossen  schaden. 


Roth» ;«s     13(>.  Hy  totten  dy  yoden  eyn  kint  zu  wissensee. 

i:»tt  Als  man  schreib  nach  cristus  geburt  tusent  CCC"  III  jar,  dy  joden 
zu  wissen  see  begreifen  eines  fleischouwes  kint1  unnd  marterten  das 
gar  bermeclichen.  Dor  noch  hingen  sy  das  selbige  kint  an  sinen  eigen 
goitcl  in  eine  hotten2  in  einem  win  gorten  do  selbest  by  der  stad 
wissensee.  Das  toten  sy  dar  umme,  das  man  solde  dencke,  es  hotte 
sich  selben  gehenget,  unnd  das  wart  funden  über  dry  tage  do  hangen; 
holte  man  das  kint  mit  grossen  eren  unnd  jammer  der  eidern  unnd 


Cron.  S 


uo 


petri  Erf.  ander  luthe  in  dy  stad  wissensee.   Do  ge  schon  vele  grosse  czeichen, 

mod.  1.  1.  J  n 

pag.  435. 

1  Rothe  erzählt  es  für  das  Jahr  1290,  und  auch  dass  das  Kloster  aus 
Rache  von  Ludwig  von  Hesseburg  angezündet  sei. 

135.  1  Zwölfboientag,  auch  „ZwölflT  Herrentag"  genannt,  riivisio  apostolorum, 
15.  Juli,  s.  St.  101  A.  3.  S.  Seebaeh,  „Erftürthische  Fcucrchroniku,"  1736,  S.  4. 
*  Rübenmarkt  ( forum  rapularuni)  hiess  eine  breite  Strasse,  die  von  der  heutigen  Markt- 
strasse bis  zur  Grossen  Ackerhofsgasse  führte;  die  westliche  Häuserreihe  derselben 
wurde  1813  beim  Pombardement  zerstört  und  nicht  wieder  aufgebaut,  sondern  zum 
Friedrich -XY'ilhelmsplatz  gezogen,  s.  v.  Tettau.  Topographie,  S.  (ü.  3  Es  ist  die 
beutige  „Pergamentergasse"  am  Fried  rieh -Wilhehnsplatz  geineint.  4  Die  St. 
Leonliard.sk irehe  lag  auf  dem  Petersl)erge,  auf  dem  der  Stadt  zugekehrten  Rande, 
s.  v.  Tettau,  Topographie,  S.  110,  PE  S.  78.  Über  dieses  Feuer  s.  Seebach, 
„Erffuri  Irisehe  Feuerehrorrika,"  1730,  S.  4.    ''  „Erwern"==,,verteidigen,  beschützen." 

Unter  den  Schilderern"  hiess  (s.  v.  Tettau,  Topographie,  S.  62)  „eine  Gasse, 
die  parallel  mit  der  Fingerlingsgasse  von  den  Heischbänkeu  bis  zum  Rüben  - 
markte,  der  Pergamentergasse  gegenüber,  ging." 

136.  '  Der  Knabe  hiess  Konrad  Bacherer,  s.  v.  Hagke,  Urkuudl.  Nachrichten 

über  die  Städte  des  Kreises  Weisscnsee,  1867,  S.  13  f.  u.  43.    S.  über  den 

Knabenmord  Cron.  S.  Petri  Erf.  mod.  ed.  Holder- Egger,  MGH .  Scr.  XXX,  1 
pag.  43."> ;  Erphordianus  Antiquitatuni  Variloq.  b.  MSG  II,  pag.  498  -,  Olearius  rer. 
Thuring.  syntagma  II.  pag.  2 59  f.       *  „Hotte"  steht  dialektisch  für  „hütte." 


lyiiizeo  uy 


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137.  Stück. 


175 


dy  got  dorch  das  kint  werketo.  Dor  noch  zu  hant  begreift"  man  alle 
dy  joden,  dy  in  wissensee  worn,  unnd  tlied  sy  von  oroiu  leben;  etliche 
floen  kein  erfl'ort;  dorch  ore  grosse  gobe  worden  sy  da  vortcydingct. 


137.  Wy  tantgrafe  al  brecht  das  laut  zu  doringen 
sincii  eliehen  kindcrn  entwende  wolde  uiind  vor 

kouffte  das  unnd  wart  gancz  vor  terbet.  Rotbe^i 

Also  man  schreib  nach  cristus  gebort  tusent  tCLXXXXlY  jar,  also 
nu  koning  rudolft"  gestorben  was1,  unnd  lantgrafe  albrecht  zu  doringen 
gerne  hette*  das  land  zu  doringen  an  synen  kebes  son  apetcz  unnd  an 

137.  1  Uudolf  von  Habsburg  starb  schon  am  15.  Juli  1291 ;  über  ihn  u.  Erfurt 
s.  BE  S.  6:i— »38.  Über  »ein  Verhältnis  zu  den  Wettineru  <.  u.a.  Wegele,  Friedrich 
der  Freidigc,  S.  7S 11'.  u.  106 tl*  '  Kunigunde  von  Eisenberg  entstammte  einein  rittcr- 
bürtigen  dienstmännisehcii  Geschleehte,  „das  ohne  Zweifel  zu  den  Burgmannen  der 
landgräfliehen  Burg  zu  Eisenberg  (jetzt  Herzogtum  Sachsen-Altenburg)  gehörte." 
Bald  nach  dem  Tode  Heiner  ebenbürtigen  Gemahlin  Margarete  (f  im  August .  1270) 
vermählte  »ich  Landgraf  Albreeht  mit  ihr;  dass  König  Kudolf  vou  Habsburg  sie 
ihm  zur  Ehe  gegeben  habe,  d.  h.  die  Ehe  legitimiert  liabe  (nach  bist.  Eecard.  1. 1. 
pag.  443  that  es  Landgraf  Albrecht  selbst),  ist  nur  ein  Rückschlags  von  der  Legiti- 
mierung des  jungen  A|utz. —  in  der  letzten  Woche  de«  Oktobers  l'JHl  starb  Kunigunde, 
von  welcher  Wegele  a.  a.  O.  S.  99  sagt:  „es  verdient  hervorgehoben  zu  werden,  das« 
in  der  ganzen  Zeit,  seit  sie  die  Kaisertochter  von  der  Wartburg  verdrängt  hatte, 
...  in  den  Urkunden  ...  nirgend  eine  Spur  von  ihr  zu  entdecken  ist.  Offenbar 
hat  sie  es  vorgezogeu,  sich  klug  im  Hintergründe  zu  halten."  —  Die  Legiti- 
mierung von  Apilz  erfolgte  während  des  Aufenthaltes  König  Rudolfs  in  Erfurt 
(vom  14.  Dezember  12-S9  bis  zum  1.  November  1290 ),  und  zwar  (s.  Cron.  S.  Petri 
Erf.  mod.  1.1.  pag.  422)  wahrscheinlich  bei  dem  prunkvollen  Feste,  das  Landgraf 
Albrecht  in  der  Pfiugstwoche  1290  auf  dem  Petersberge  gab,  und  das  König 
Rudolf  mit  seiner  Gegenwart  beehrte;  seitdem  „erscheint  Apitz  als  Prinz  des 
landgräflichen  Hauses  und  seinen  Brüdern  ebenbürtig"  (s.  Wegele,  Friedrich  der 
Freiüige,  S.  134  u.  A.  2).  Diesen  Sohn  Apitz  suchte  nun  Landgraf  Albrecht  auf 
Kostej)  .seiner  legitimen  Kinder  zu  l>egünstigen ;  dieses  erzählt  der  Chronist,  ohne 
zu  wissen,  was  sich  sonst  iu  der  Geschichte  der  Wettiner  ereignet  hat,  s.  u.a. 
Wegele  a.a.O.  S.  99  ff. ;  näheres  zu  erwähnen,  liegt  uns  daher  auch  hier  fern, 
namentlich  sehen  wir  davon  ab,  aut  die  nach  neueren  Forschungen  dargestellte 
Geschichte  der  Wettiner  einzugehen.  Für  uns  ist  nur  wichtig,  dass  Pfalzgraf 
Friedrich  seinen  Vater,  Landgraf  Albrecht,  zum  Vertrag  von  Eisenach  vom 
5.  August  1290  (s.  Wilke,  Ticemannus  Diplomat,  pag.  93  N<».  70  —  nach  Wegele 
a.a.O.  S.  135)  zwang,  in  welchem  er  versprach,  nicht«  wider  den  Willen  seiner 
2  älteren  Söhne,  Friedrich  und  Diezmann,  zu  verkaufen,  zu  verpfänden,  zu  ver- 
leihen und  wegzugel»en;  seinen  Besitz  lieferte  erden  Vermittlern  des  Vertrages 
aus  (Grafen  Günther  von  Schwarzburg,  Hermann  vou  Myla,  Günther  von  Schlot- 
heim, Heinemnnn  von  Haiu),  welche,  falls  der  Vertrag  von  dem  Landgrafen 
gebrochen  würde,  diesen  Besitz  an  seine  Söhne  ausliefern  sollten.  Hingegen 
erhielt  Apitz  die  Herrschaft  Teuneberg  und  einige  Schlösser  an  der  Wenn; 
s.  Wegele  a.a.O.  S.  135  — 138.  —  Chor  Apitz  s.  die  charakteristische  Erzählung 
in  der  C'rou.  Reinhardbr.  1. 1.  pag.  635  «q.  Über  Landgraf  Albrechts  Verschwendungs- 
sucht und  fortwährende  Geld  Verlegenheit  s.  auch  Miehelsen,  Die  Landgrafschaft 
Thüringen  unter  den  Königen  Adolf.  Albrecht  und  Heinrich  VII.,  ZThG  VII, 
1867,  S.  3  ff. 


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176 


137.  Stück. 


sine  muter  kunnen  von  isenberg  bracht,  wan  ome*  dy  selbige  könne  von 
isenborg  er  nach  mals  von  konige  rudoJfe  zu  der  e  gegeben  was,  unnd  sach, 
das  dy  manschafft  unnd  dy  stete  im  lande  zu  doringen  an  lantgrafen 
?i  apetczen  |  unnd  an  sine  rautor  sich  nicht  halden  adir  an  sye  keren 
wolden.  Do  vil  her  uff  einen  sin:  her  wolde  das  land  vor  kouffe 
konige  adolffe  unnd  das  gelt  apetcze  unnd  siner  muter  zu  fugen. 
Unnd  der  kouff  ge  schach,8  unnd  koning  adolf  solde  alle  sloss  in  nemen 
ane  wartperg;  das  dingete  lantgrafe  albrecht  uss;  dar  uffe  wolde  her 
blibe  sino  lebetage  mit  kunnen  von  isenberg  unnd  mit  apetcze.  Solchen 
koutt  wedder  sprechen  dy  rechten  elichen  sone,  frederich  unnd  ditterich, 
unnd  satczten  sicli  dar  wedder  mit  oren  gunnern.    Das  warn  dy  erbar 

Roth«™*  luthe  das  raeisteteil  in  doringen,  unnd  euch  etliche  stete.  Do  nu  dy 
manschafft  unnd  dy  stete  deme  konige  nicht  hulde  wolden  ane  der 
rechten  erben  willen,  do  quam  konig  adolff1  mit  eynem  grossen  here  in 

Rott* 569  doringen  unnd  nam  isenache  in  das  machte  wartperg 5  unnd  klemme0 
unnd  czoch  dor  noch  vor  cruczeburg7  unnd  schoss  dor  in  für  unnd 

Koth©;.7ti  vorterbete  dy  stad  unnd  buwete  da  vor  dy  borg  eyn  huss,  das  hiss 
dy  adolffis  borg,  itczunt  genant  dy  aylspurg,  unnd  gewan  also  vele 
slosse  in  doringen  unnd  ouch  stete  unnd  vor  herte  unnd  vor  braute 

R.,ibe  ™«  das  gancze  land  zu  doringen  uss  geslossen  molhusen.*  Unnd  do  dy 
von  molhusen  also  lange  czit  vele  ubirlast  von  domo  konige  unnd 
synem  volke  geleden  hatten,  wann  dy  juncfrowen  unnd  ore  frowen 
sere  gelestert  worden,  do  dy  von  molhusen  des  nicht  mehe  gelide 

*  omc  tst  *us  e  hfmagefUgt. 

*  S.  Wogfile,  Friedrich  der  Freidige,  S.  145—289.  —  Bezüglich  dieser  ganzen 
Darstellung  unseres  Chromaten,  auch  des  Folgenden,  besonder*  Mühlhausen  be- 
ircflend,  s.  d.  bist.  L'istor.  (png.  95:1  sq.  —  2.  Ausgabe  von  Struvc  pag.  1335  sq.)  und 
die  bist.  Eeeard.  pag.  446— 448.  *  Stolle  kennt  die  ganzen  \  erhält nisse  gar 
nicht  genau  (s.  BE  S.  68  f.),  weder  die  Nürnberger  Vereinigung  zwischen  König  Adolf 
und  dem  Landgrafen  Albrecht,  noch  den  Vertrag  zu  Triptis  zwischen  Landgraf 
Albreeht  und  seinein  Sohne  Die/mann,  noch  die  Eroberung  von  Thüringen,  Meissen, 
dem  Unter-  und  Pleisscnlande,  denn  er  weiss  auch  von  den  zwei  Feldzügen  Adolf« 
i.  den  J.  1294  u.  1295  nichts,  die  allerdings  auch  die  zeitgenössischen  Quellen  nicht 
genau  von  einander  scheiden.  Von  deu  Quellen  erwähnen  wir  nur  die  Peters- 
chrouik  (.MUH,  Ser.  XXX,  1  ed.  Holder-Egger  pag.  427  sqq.;  derselbe  in  d.  MEH 
pag.  308  sqq.).  Jedenfalls  fällt  König  Adolfs  Aufenthalt  in  Eisenach  in  die  Zeit 
des  2.  Fehlzuge»,  vor  der  Eroberung  von  Kreuzburg  (s.  Wegele  a.  a.  O.  S.  208); 
auch  später  war  er  nochmals  dort  (s.  Wegele  ebenda  S.  212  ff.  u.  227.)  r"  Unver- 
ständlich so;  wir  coujieieren:  ane  das  anmechte  (s.  ob.  St.  12  A.  8)  Wartperg;  auf 
der  Wartburg  »aasen  Amthauptleute.  s.  Storch,  Tofiograph.  bist.  Beschreibung  der 
Stadt  Eisenach  und  Umgegend,  S.  283;  W.  Rein,  Die  l'alatieu  d.  ält.  thür.  Land- 
grafen, Archiv  f.  süchs.  Ucschiehte  I,  S.  398  h\  "  Die  „Klemme"  (Klemda)  ist 
in  dem  thüringisch-hessischen  Erbfolgekriege  als  Zwingburg  in  der  Stndt  Eisenach 
erbaut  worden,  s.  bist.  Eccard  (pag.  431):  „codem  anno  (l_'ol)  Castrum  in  civitaie 
lsenacensi,  scilieet  Kleinen,  aediheatum  est."  Die  bist.  Pistor.  (pag.  929  —  2.  Ausg. 
von  Struve  pag.  1331)  meint  sie,  wenn  sie  z.  J.  1201  sagt:  „eodem  anno  ca*truin 
inferius  in  civitate  aedifieatuin  est  a  Marcuionc",  <1.  i.  Heinrich  d.  Erlauchten  ;  nach 
anderen  erbaute  Sophie  von  Brabant  die  Klemme.  Über  ihre  späteren  Schicksale 
s.  Thüringen  u.  Harz,  VII,  S.  13.  S.  Wegele  a.  a.  < ).  S.  20SII.       *  S.  Wegele 

a.a.O.  S.  200  ff. 


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138.  Stück 


mochten,  do  slugen  sy  selbest  an  des  konigs  volk,  das  der  konig  kume 
da  von  quam.   I)or  noch  sammete  her  abir  eyn  gross  hur  uund  czoch  Rothe 507 
in  das  osterland,  das  disse  czwene  gebrudere  lantgrafo  albrechtis  rechte 
eliche  sone  inne  hatten,  unnd  gewan  on  do  vele  sloss  an  unnd  ouch 
etliche  stete  unnd  bestalte  da  gar  grosse  frislichkeit  mit  den  luthen,  * 
unnd  das  gar  snielich  ist  zu  hören.   Sy  czogen  dy  frowen  uss  uff  ore  roii»  r.«s 
hemde  unnd  czogen  den  mannen  dv  nedderklevt  uss.   Disse  unsalde 
werte  stetelich  vier^  gancze  jar.   Also  man  schreib  nach  cristus  geburt  itoiho;.?« 
tusent  CC  LXXXXV1  jar,  do  quomen  des  konigs  manne  unnd  disser  jungen  1296 
lantgrafen  manne  zu  sammene  by  deme  dorffe  eschenberc 10  unnd 
streten  mit  eynander  also  lange,  das  sy  funff  stunde  zu  sammene  ge- 
reten,  unnd  der  jungen  fursten  manne,  dy  gewonnen  den  strit  unnd 
furten  des  konigis  manne  mit  011  *  ge  fangen.   Dor  noch,  Äo  das  der  Kb°^7697'' 
koning  gesach,  das  sin  volk  vaste  abegenomen  hatte  in  deme  krige,  do 
czoch  her  widder  hinder  sich  an  den  ryn.   Do  quam  herczog  albrecht 
von  osteriche  an  on  underwein  11  unnd  streid1*  ouch  mit ome  unnd  slug 
on  tod,  unnd  do  wart  her  zu  einem  romeschen  konige  gekorn. 


138.  Hie  staii>  kunne  von  isenberg  unnd  or  son. 

Noch  bleib  der  lantgrafe  in  sinem  willen.         Rothe  588 

Also  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CC  LXXXXVJ1 1  jar,  do 
starb  kunne  vou  isenberg,  dy  lantgrefen  zu  doringen,  unnd  dar  noch 
ubir  eyn  halb  jar,  do  starp  ouch  lantgrafe  apetcz,2  or  son,  von  den 

»  HS  sehreibt  Irrtümlich  zweimal  „on." 

n  Die  Greuel,  welche  Adulfs  Heer  verübte,  waren  allerdings  arg  (s.  u.a.  Carmen 
de  Adolfo  rege  Thuringiam  invadente,  bei  MEH  pag.  402—405,  auch  Ii.  v.  Lilien  - 
crem,  Die  histor.  Volkslieder  der  Deutschen  v.  Ib.— IG.  Jahrb.  I,  1805,  S.  9— 10), 
besonders  auf  dem  ersten  Zuge;  sie  fallen  aber  nur  i.  d.  Jahre  1294  u.  1295, 8.  BE  S.  69; 
die  falsche  Zahl  stammt  aus  den  oben  citierten  Stellen  der  hist.  Pistoriana.  10  Ks 
sind  Anhänger  iJiezinanns,  ,,des  jüngeren  Landgrafen,"  gewesen,^  welche  den  kleinen 
Ersatz  bei  einem  Zusanimenstoss  oder  wohl  richtiger  bei  einem  Uberfalle  der  König- 
lichen bei  Escheuberg,  einem  Dorfe  nördlich  von  Gotha,  am  Sonntag  Lätare  (13.  März) 
1255,  davontrugen.  11  underwegen  =  md  underwein  (nhd  unterwegs)  ^  „auf  dem 
Marsche."  l*  Am  2.  Jiüi  1298  erlag  König  Adolf  in  der  Schlacht  bei  Göllheim 
seiuem  vom  Glücke  begünstigten  Nebenbuhler,  dem  Herzoge  Albrecht  von  Österreich, 
der  bald  darauf  zu  seinein  Nachfolger  erwählt  und.  am  24.  August  1298  zu  Aachen 
gekrönt  wurde. 

138.  1  Falsch;  Kunigunde  von  Eisenberg  starb  bereits  in  der  letzten  Woche 
des  Oktober  1286,  denn  am  31.  Oktober  d.  J.  machte  Landgraf  Albrecht  „mit 
ausdrücklicher  Zustimmung  seiner  beiden  legitimen  Söhne  au  das  Katharinen- 
kloster in  Eisenach,  wo  Kunigunde  in  der  Nähe  der  alten  Landgrafen  von 
Thüriugen  ihre  Ruhestätte  gefunden  hatte,  zu  ihrem  Seelenheile  eine  ansehnliche 
Schenkung,"  d.h.  das  Dort  Langenheiin  bei  Walterehausen,  s.  Wegele,  Friedrich 
der  Freidige,  S.  99  nebst  A.  1.  Der  Irrtum  kam  wohl  daher,  weil  sowohl  die  hist. 
Pistoriana  (pag.  933  —  2.  Ausg.  v.  Struve  pag.  1336^  als  auch  die  hist.  Eccard. 
(pag.  451)  die  Erzählung  vom  Tode  Kunigundes  mit  der  vom  Tode  des  Apitz 
verbinden.  *  Apitz  tritt  urkundlich  (s.  Wegele  a.  n.  O.  S.  257  A.  3)  zuletzt  am 
27.  Juli  1301  auf,  sein  Tod  wird  aber  urkundlich  erst  am  9.  Jan.  11.  16.  Mai  1306 
K.  Stolk«  MeiuorUto.  12 


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178 


138.  Stück. 


sich  alles  ubil  in  doringen  er  haben  hatte;  unnd  worden  beyde  zu 
isenache  zu  sente  katherinen  begraben  unnd  beschiden  do  deme  closter 
Roth»  689  das  dorff  zu  deme  langen  hayn ,  das  sy  noch  besitczen.    Do  was  lant- 
grafe albrecht  nach  gehass3  sinen  kindern  unnd  tichte  dar  uft^  wy  her 
sy  noch  mochte  vom  lande  gebrenge,  das  es  von  ome  nicht  uff  sy 
m  storbe,  unnd  frygete  do  eine  stolczen  wet|tewynner  dye  grafin  von 
arnsshow;  dy  hatte  vele  geldes  unnd  hatte  gar  eyne  suberliche  junge 
tochter  by  oren  eylff  jarn,  unnd  lantgrafe  albrecht  meynte,  her  wolde 
kindere  mit  der  grafynnen  czuge,  unnd  an  dy  kindere  her  alle  sine 
gutere  brenge  wolde,  unnd  furte  dy  frowen  keyn  wartperg  unnd  hatte 
hochczit  mit  or.    Dar  nach,  also  or  tochter  eise  zu  arnsshawe  was 
unnd  eynes  morgens  an  eyme  heilgeu  tage  von  der  borg  wolde  zu  der 
kerchen  geen,   do  hatte  or  vor  leyd 1  lantgrafe  frederich,  lantgrafe 
albrechtis  son,  unnd  warif  sy  uff  einen  hengest  unnd  furte  sy  en  weg 
unnd  brochte  sy  keyn  gota  unnd  enpod  do  siner  stiffmuter,  her  hette 
ore  tochter  da  unnd  wolde  dy  ome  zu  der  e  lassen  geben,  das  sy  zu 
der  wertschafft 5  queme.    Unnd  zu  dor  hochczit  quomen  vele  grafen 
unnd  erbar  luthe,  dy  es  mit  ome  unnd  synem  biuder  hylden.  Unnd 
der  apt  von  reyuhardesborn,  der  gap  sy  ome  unnd  leyte  sy  by.  Ditte 
1300  £escuacü  *m  Dei*b'ste  umme  sente  bartolomeus  tag  nach  cristus  geburt 
Roth«  692  tusent  CCCjar.  —  Item0  dar  nach  wart  das  slos  hopfgarten  7  zu  gründe 
Rothe  593  neddir  gebrochen  von  den  lanthern  unnd  von  den  von  erfforte.  —  In 
(».ob  st.  deme  selbigen  jare,  do   totthen  dy  joden  *  zu  wissensee  eines  borg 
mannes  son,  genannt  Conrad,  heymelichen  in  den  wingarten,  unnd  dar 
aothe  5«5  um  nie  worden  dy  joden  geslagen  ubir  alle  doringer  land.  —  In  deme 
13M  anderen  jure  dur  nach,  do  czogen  dy  von  erHort  url  den  boiggrafen 

erwähnt,  und  zwar  so,  als  ob  or  kurz  vorher  gestorben  sei,  daher  uimmt  man  als 
sein  Todesjahr  1305  an.  Da  Apitz  kurz  vor  127U  «reboren  ist,  so  erreicht«  er  ein 
Alter  von  etwa  36  Jahren.  Die  Worte  unseres  Chronisten  stammen  aus  der  bist. 
Eeeard.  pag.  451 ,  wo  es  in  Bezug  auf  seine  Mutter  und  ihn  ludest:  a  quibus 
toi  um  mal  um  prenarratum  in  Thuringia  t  in  terris,  bist.  Pistor.)  eveuit.  '  Die 
3.  Vermählung  Landgraf  Albrechts  mit  Elisabeth,  der  Witwe  Ottos,  des  Grafen 
von  l^dwda-Arnshaugk,  welche  (nach  Wegele  a.  a.  O.  8.  133  f.)  schon  im  Jahre  1290 
stattfand,  setzt  die  spätere  Überlieferung  (s.  bist.  Kccard.  pag.  451)  ins  Jahr  1800  und 
«teilt  sie  tendenziös  mit  der  zweiten  Vermählung  Friedrich  des  Kreidigen  mit 
seiner  Stiefschwester  Elisabeth  v.  Arnshaugk,  welche  wirklich  i.J.  1300  (23.  August) 
(s.  Wegele  a.  a.  ().  S.  255)  stattfand,  zusammen;  die  romantische  Entführung  der 
jungereu  Elisabeth  ist  spätere  Erfindung.  4  Mhd  vorligen  =  md  vor  lygen, 
mit  dem  Dativ,  bedeutet  „versperren,  den  Weg  verlegen,  auflauern."  ;'  Mhd 
Wirtschaft  —  md  wertschatft  hat  oft  die  engere  Bedeutung  „Fest'*,  auch,  wie 
hier,  „Hochzeit."  "  Die  drei  folgenden  Erzählungen  halten  sich  nach  Inhalt 
und  Heiheufolge  genau  au  die  bist.  Eccard.  pag.  451 ;  daraus  ist  die  Wiederholung 
(s.  ob.  St.  13o)  der  Erzählung  des  Juden mordes  und  der  Judenverfolgung  zu  er- 
klären. 7  Hoptgarten  ist  ein  Dorf  im  G rossherzogt.  Sachseu,  Verwaltungsbez. 
Weimar.  Die  (.Quellen  erzählen  dies  für  das  Jahr  1303.  Die  I  rquelle  als  zeit- 
genössische Aufzeichnung  ist  eine  deutsche  Erzählung,  welche  Holder-Egger  Mon. 
Erphesfort.  pag.  405  nach  «lern  ersten  Entwurf  der  „Erfurter  Willkür1,  giebt 
(Original  im  Kgl.  Staatsarchiv  zu  Magdeburg1!,  s.  MEH  pg.  4o5,  sqq.;  *.  BES.  71. 
*  S.ob.  St.  130.  S.  die  Crou.  S.  l'etri  Erf.  mod.  i.d.  MG11,  Scr.  XXX,  1  pag.  435 
u.  MEH,  pag.  323. 


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139.  Stück. 


179 


von  kerchberg9  unnd  gewunnen  griffen berg,  wintporg,  kerchberg  unde 
lesthen.   

139.  Wye  lantgrafen  albrechts  son  wartpergk 

ge  wan  uiuid  dar  noch  inechtigk  wart1  m^str 

Also  man  czalte  nach  cri8tus  geburt  tusent  CCC  unnd  VI  jar  unnd  y  iso<> 
dy  von  isenache  gehuldet  hatten  deine  keyserriche  von  getwengkenisse' 
wegen  oris  hern  lantgrafen  albrechtis  unnd  sere  vormant  worden  von 
den  jungen  fursten,  den  rechten  erben,  dy  on  ouch  grossen  vor  driss 
toten,  unnd  er  klageten3  sich  an  den  fursten,  dy  der  romescher  kouigk 
albrecht  vor  botto  keyu  fulda,4  do  wart  lautgrale  albrecht  zu  Düringen 
gar  sere  gestrafft  durch  sine  grossen  untruwe  willen,  dy  her  hatte  keiu 
sinen  kindern  gethan,  unnd  satczte15  on  abe  von  deme  lande,  das  her 
vor  koufft  hatte  konige  adolffe,  syme  vor  tarn,  unnd  sprach  ouch,  das 
her  sinen  sonen  sture  wolde,  wann  sich  das  geborte,  unnd  sante  do 
also  balde  syne  voyte  in  das  land  zu  doringen.   Do  brochen  dy  von  6°° 
isenache  das  sloss  klemme  abe,  uff  das  dy  jungen  fursten  icht  da  in  a^^oi. 
quemen,  unnd  brochen  ouch  abe  czwene  torme  an  unser  lieben  frawen 

•  HS:  «Uten,  e  richtig:  »Ute. 

6  Die  Burggrafen  von  Kirchberg,  ein  thüringisches  Dynastengeschlecht,  zutrat 
erwähnt  in  einer  Urkunde  Kaiser  Friedrichs  J.  v.  20.  August  1160  (Dietrich, 
Burggraf  v.  K.,  unter  den  Zeugen),  RDThD  II  pag.  58;  sie  beanssen  die  drei 
Burgen  Greifeuberg,  Kirchberg  und  Wintberg  auf  dem  Hausberg  bei  Jena,  s.  Ed. 
Schmidt,  Geschichte  der  Kirchbergechen  Schlösser  auf  dem  Haunberge  bei  Jena 
1836,  S.  48ft\;  Ortloll',  Die  Hausbergsburgen  b.Jena,  ZThGIlI,  1857,  6.115-  141?. 
Es  muss  ein  Bruch  des  Landfriedens  durch  sie  stattgefunden  haben,  weshalb 
eine  Art  Exekutionsheer  unter  Landgraf  Albrecht  gegen  sie  zog,  nicht  ohne  dass 
dessen  Hohn,  Landgraf  Diezmann,  ihr  Lehensherr,  ihnen  half,  s.  Wegele,  Friedrich 
d.  FreidigeS.  258-261;  M EH  pag.  405 — 407.  Die  genannten  drei  Burgen,  für  das 
Exekutionsheer  jenseits  der  Saale  gelegen,  wurden  gewonnen,  ebenso  eine  vierte, 
diesseits  der  Saale  Lehsten,  jetzt  Dorf  Lehesten,  im  Grossherzogtum  Sachsen, 
Verwaltungsbezirk  Apolda;  alle  wurden  zerstört  mit  Ausnahme  von  Greifenberg. 
Über  den  Frieden  zwischen  dem  Burggrafen  Gtto  von  Kirchberg  und  der  Stadt 
Erfurt  s.  UE  1,  Nr.  512,  531  u.  532.  ferner  BE  S.  71  f.,  über  den  mit  den  übrigen 
thüringischen  Herren  und  Städten  s.  Herquet,  Mühlh.  Urkundcnbuch,  p.  257  sq. 

139.  1  Über  die  ganze  folgende  Erzählung  s.  Wegele,  Friedrieh  der  Kreidige 
i.  d.  Abschnitt:  König  Albrecht  I.  und  die  Wettiner  S.  240-294;  s.  auch  BE 
S.  69  f.  ;  Hauptquelle  tür  die  Kenntnis  der  Thatsachen  ist  die  Chronic.  S.  Petri  Erf. 
mod.,  MGH,  Scr.  XXX,  l,pag.  437  -  439  u.  440-441.  *  Mhd  getwanenisse,  auch 
mit  Umlaut  im  md,  stn.,  bedoutet  „Bedrängung,  Bedrängnis."  a  „Sich  erklagen" 
(sonst  von  =  über,  oder  umbej  an  =  „sich  beklagen  bei."  *  S.  Wegele  a.  a.  O.  S.  273f. 
•'  D.h.  König  Albrecht,  nicht  die  Fürsten  des  Fiüdaer  Fürstentages ;  das  „Absetzen" 
bestand  auch  nur  in  der  erzwungenen  neuerlichen  Anerkennung  des  einst  mit 
König  Adolf  von  Nassau  i.  J.  1293  in  Nürnberg  abgeschlossenen  Vertrages,  durch 
welchen  der  Heimfall  Thüringens  an  das  Reich  nach  dem  Tode  des  Landgrafen 
Albrecht  festgesetzt  war;  die  reale  Bürgschaft  war  die  Auslieferung  der  Wart- 
burg an  2  Vertrauensmänner  des  Königs,  die  Deutschordenskomture  Bernhard 
von  Geppenstein ,  Komtur  in  Speier  und  Weissenburg ,  und  Helwich  von  Gold- 
bach, Komtur  in  Rothenburg  in  Thüringen. 

12* 


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180  139.  Stück. 

Rotiief.oi  kirchen,  dy  an  dy  nniren  traten.  Also  nu  ditte  erkante  frowe  alheid,  dy 
lantgiefynne,  das  or  stifi'  son  unnd  or  tochter,  wann  der  stiff*  son,  lant- 
grafe frederieh,  or  eydam  worden  was,*  also  von  domo  lande  mochten 
kotne,  do  gap  sy  ome  wysse  unnd  wege  dar  zu,  das  her  uff  wartpeTg 
quam  heimeliclien  ane  sines  vaters  wissen,  wann  sy  hatte  lantgrafen 
fredeiichen,  oren  eydam,  zu  mole  lieb,  abir  vor  syne  mvater  hilt  sy  das 
^ (i      gar  heymelichen.    Do  das  dy  von  isenache  vor  nomen,  das  lantgrafe 
freclerich  uff  das  sloss  wartperg  komen  were,  do  czogen  sy  in  den 
itothe  602  hayn  vor  wartperg  mit  des  koniges  voyten  unnd  buweten  wedder  sy 
dy  isenecherburg  unnd  besatezten  den  berg,   unnd  dy  von  erfforte0 
86  molhusen  |  unnd  northusen,  dy  logen  mete  dar  ufte,  von  des  konigis 
bete  unnd  geheiss  wegen,  unnd  eyn  igliche  stad  hatte  sine  eigen  kuchen 
dar  uü'e,  also  das  noch  bewisen  fünft"  kellere,  dy  dar  uff  in  den  steyn 
gehowen  sint,  unnd  satcztcn  eyne  bliden  czwissehen  der  isenecherborg 
unnd  der  frawenborg,  do  dy  bliden  stad7  nach  in  den  berg  gebrochen 
ist  niiüd  schössen  unnd  worffen  stetelich  zu  wartperg  zu,  unnd  der 
uotho6oi  vater,  lantgrafe  albiecht,  muste  wartperg  rume."    Do  brochte  lantgrate 
Rotho  «o»  frederidi,  sin  son,  sine  frowen  ouch  do  hene  keyn  wortperg  zu  orer 
Kotbvcoi  muter.    Also  nu  ditte  lange  wile  gowert  hatte,  das  on  spisse  doben  zu 
wartpergk  gebrach,  unnd  vaste  gebroch  Jeden,  do  reyt  lantgrafe  frederich 
heymelichen  in  der  nacht  von  wartperg  unnd  reyt''  zu  synem  swoger, 
zu  deme  herczogen  von  brunswig  unnd  mit  des  hulffe  unnd  sines 
bruders  uss  deme  osterlande  unnd  missen,  unnd  do  spisete  her  wart- 
perg mit  gewalt  unnd  treyb  dy  von  isenache  von  der  frowenburg,  unnd 
do  pobir  ubir  der  stad  hylt  her  dy  wilo  mit  dryen  hundert  mannen 
mit  helmen.    Do  selbest  quomen  dy  spisse  wagen  uff  uss  deme  segel- 
Kothe  «05  bachc10,  unnd  der  fussgenger,  dy  by  den  wagen  liffen,  der  was  ane  czal, 
unnd  fingk  des  koniges  voygte  unnd  gar  vele  luthe,  unnd  dy  von  der 

4 

»  IIS  setxt  I»l8ch  unud  hinzu. 

e  S.  Wegele  u.a.  O.  S.  27*  A.  1,  wo  die  Teilnahme  der  3  Städte  angezweilelt 
wird.  7  Son>t  „blideiihns"  —  „Geschützhaus",  hier  eine  iu  deu  Berg  gebrochene 
und  durch  eine  Mauer  geMeherto  Stelle  für  die  Aufstellung  der  grossen  Stein- 
sohlendermascliine.  *  So  M  Rothe,  sonst  aber  uieht  quelleumässig  berichtet. 
Es  ist  der  Vertrag  vom  18.  Januar  1307  gemeint,  8.  Wegele  a.  a.  <  >.  8.  280  f.  und 
445  f.  Daraufhin  zog  «ich  Landgraf  Albreeht  naeh  Erfurt  zurück,  wo  er  1314 
Atarb,  s.  Wegele  a.  a.  O  S.  2S7  f.  u.  S'M).  "  Die  weder  quellenmäßig  bezeugte 
noch  von  dir  spateren  Tradition  (die  historia  Eeeard.  pag.  4n2  sagt  nur:  quam 
[hiteilige:  tiliam]  cum  nutriec  de  uoete  duxit  m  Tennebergkj  berichtete  Erzählung 
von  dem  romantischen  Kitt  Landgraf  Friedrichs  zur  Taufe  »einer  jüngstgeborenen 
Tochter  (wobei  das  bekannte  Wort  gefallen  sein  soll:  „mein  Kind  soll  trinken, 
und  wenn  «s  da«  Tbüriugerland  kostet")  ist  wohl  von  Kothe  (St.  <103)  so  aus- 

Sesehmüoki.  Die  Ansätze,  wie  sich  die  Sage  gebildet  hat,  liegen  in  den  Berichten 
er  ('ronic  Keinh.  z.  J.  13os  (MGH,  Ser.  XXX,  1  pag.  648)  >or.  Stolle  heweist 
hier  einmal  Kritik,  indem  er  seinem  Gewährsmann  Kolbe  nicht  folgt:  das 
Schweigen  der  Peteivchmnik  und  der  „Landgrafeiigeschicbte',  die  er  beide  vor 
sich  gehabt  haben  muss,  machte  ihn  wohl  vorsichtig.  Rothe  schreibt  „uss 

dem  SengilbHche  füren,  do  itzunl  die  karthusen  ligen  jetzt  Sengelsbach  (im 
»jiäterou  Laufe  Löberabach  genannt),  beim  ehemaligen  Karthäuserkloster,  im  Süd- 
osten der  Stadt. 


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140.  Stück. 


181 


isenecherborg  das  gerne  gewert  netten,  abir  sy  konden  des  nicht  zu 
brengen.  wann  or  wart  vele  gefangen,  unnd  fürten  sy  uff  dy  borgk 
wartperg  unnd  satczten  sy  in  das  gefengnisse.  Do  starp  or  gar  vele 
in  derne  gefengnisse,  unnd  des  konigs  voyd 11  starp  ouch  dar  inne.  T)o 
holten  dy  von  isenache  on  unnd  begruben  on  zu  den  predigern.  Dar  JJJ"1 
noch  wart  lantgrafe  frederich  |  mechtig  unnd  geweidig  im  lande  zu  v 
doringen,  do  lier  sinen  vater  von  wartperg  gedrungen  unnd  vortreben 
hatte,  unnd  dar  umme  das  her  also  grosse  treffliche  noyd  über  want, 
so  hiss  man  on  den  freydigen  lantgrafen. 


140.  Wy  eyn  lantgrafe  zu  doringen  gestreten  hat 

mit  einem  konige.  n^e* 

Als  man  schreib  nach  cristus  geburt  tusent  CCCVTI  jar,  also  nu  koning  1307  , 
albrecht,  der  herczoge  von  osterich,  der  zu  der  czit  eyn  romisch  koning 
was,  vornomen  hatte,  das  lantgrafe  frederich  unnd  margraffe  zu  missen, 
geweidig  was  worden  in  deine  lande  zu  doringen  unnd  wartperg  inne 
hatte  unnd  ouch  sinen  vater  vor  treben  unnd  dy  voyte  des  riches  ouch 
vor  treben  unnd  gefangen  hatte,  do  sammete  her  eyn  mechtig  gross  >-n 
beer  uss  osterrich,  uss  beyern,  swoben  unnd  uss  behemon  unnd  sante 
das  beer  in  das  osterland  wedder  lantgrafen  frederichen  unnd  sinen 
bruder  ditterichen.     Do  besammeten  ouch  disse  czwene  gebrudere 
wedder  uss  missen,  uss  osteriande  unnd  uss  doringen,  dy  ess  mit  on 
hilden,  so  sy  aller  sterkest  konden,  unnd  quomen  mit  des  koniges 
volko  zu  strite  by  deme  dorffe  lucka.1    Unnd  disse  czwene  gebrudore, 
dy  gewonnen  den  stryd,  unnd  do  worden  er  slagen  von  des  koniges 
volke  CCCLX  manne  mit  helraen,  unnd  uss  der  mosse  vele  volkes  wart 
gefangen ;  unnd  do  was  also  gross  mort,  das  dy  swoben  dy  toten 
pferde  uff  sneten  unnd  krochen  dor  in,  uff  das  sy  by  deme  leben  blibe 
mochten.    Unnd  do  vone  so  wart  das  sprich  wort:  es  geht  dir  nu  als 
den  swoben  vor  lucka.    Unnd  dor  noch  wart  lantgrafe  frederich  noch  Rothe  «09 
geweldiglicher  in  missen,  |  doringen  unnd  osterlanden;  sundern  alleine  87 
dy  von  isenache,  dy  hilden  ess  noch  mit  deme  konige  unnd  wedder- 
stunden  lantgrafe  frederich.    Unnd  do  der  koning  das  vor  natu,  das  dy  Rotheeio 
von  isenache  noch  noyd  leden,  unnd  alle  andere  stete  sich  hilden  an 
lantgrafen  frederichen,  do  besammete  der  koning  aber  eyn  gross  beer 
unnd  wolde  ezehen  in  doringen  zu  den  von  isenache  zu  hulffe.  In  des 

11  Es  ist  der  Graf  von  Weilnau,  der  Bruder  des  Abtes  von  Fulda,  den  der 
König  Albrecht  auf  Drängen  der  Kisenaeher  nach  Thüringen  als  Feldhauptmann 
gesandt  hälfe;  er  wurde  zwar  gefangen,  wie  auch  die  Petcrschrouik  berichtet, 
starb  aber  nicht  in  der  Gefangenschaft,  sondern  kaufte  sich  später  los,  «.  Wegele 
a.a.  O.  S.  281  und  2*3  A.  1. 

140.  1  Lucka  ist  ein  Städtchen  in  der  Nähe  von  Altcnbnrg;  die  Schlacht 
fand  nach  der  Peterschronik  am  21.  Mai  1307  statt.  Auch  über  sie  ist  viel 
später  gefabelt;  s.  Wegelea.  a.  0.  S.  284  ff. 


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182 


140.  Stück. 


i 


Roth«  6ii  czoch  uff  on  sin  vetter,  herczoge  hans  von  osterich,  den  her  raeynte 
ouch  erbeloss  zu  raachen,  uniul  streit  mit  ome  unnd  ersing2  do  den 
613  koning  albrechten,  unnd  wart  begraben  zu  spyra.3   Unnd  do  ditte  dy 
von  isenache  vornomen,  do  er  schrocken  sy  gar  sere  unnd  worden 
trosteloss.    Do  quomen  dy  grafen  zu  doringen  gesessen  mit  ander*4 
manschafft  des  landes  unnd  teydingeten  mit  den  von  isenache,  das  sy 
mit  eren  unnd  mit  rechte  oren  rechten  hern  lantgrafen  frederichen  hulde 
sulden,  wann  sy  von  sime  vater  wedder  recht  vor  koufft  weren  unnd 
getwungen  worn  zu  hulden  deme  riche  an e  v ollebort 5  der  rechten  erben, 
unnd  wolden  sy  des  vorteydingen  vor  deme  riche  vor  fursten,  grafen 
unnd  fryen  unnd  goben  on  des  oren  uffen  vor  segelten  briff.  Also 
huldeten  dy  von  isenache (;  zu  letczt  lantgrafen  frederichen,  unnd  do 
wart  her  geruwig  zu  doringen. 
"iU      Dor  noch  czoch  her  mit  syner  manschafft  in  plyssen7  unnd  gewan 
do  aldenborg,  czwigkaw  unnd  kemnitcz,  dy  uff  dy  czyd  alle  zu  deme 
(Ru!eW  riche  gehörten,  unnd  nam  dy   in  sine  herschafft  koin  den  kosten, 
v  schaden  unnd  gefangen,  dy  her  keyn  deme  riche  thon  |  muste  umme 
sin  veterliche  erbe,  unnd  machte  do  einen  gemeynen  frede  ubir  alle 

1308  S'nG  ^an^ '  unn(^  ditte  Aeschach  nac"  cristus  geburt  tusent  CCC  unnd 
*815  vm  jar.  —  Tu  deme  selbigen  jare,  do  wart  grafe  heinrich*  von  lutczeln- 
borg  romisch  koningk. 


•  HS  venebmtUoh :  »nderu :  e  Heat  d*j  Richtige. 

5  Die  That  Johann  Parricidas  (am  l.Mai  1308)  scheint  bei  den  Zeitgenossen 
nicht  solchen  Eindruck  gemacht  zu  haben,  als  wir  vielleicht  jetzt  annehmen. 
■  König  Albrecht  wurde  zunächst  im  Kloster  Wettingen  (im  Xargau,  also  un- 
weit der  Mordstatte)  beigesetzt  —  a.  Lindner,  Deutsehe  Geschichte  unter  den 
Ilabsburgern  und  Luxemburgern,  1890,  S.  159  — .  später  al>er,  i.  J.  1309,  wurde 
seine  Leiche  mit  der  seines  Gegners,  des  Koniirs  Adolf,  in  Gegenwart  de»*  Königs 
Heinrich  VII.,  in  Speier  beigesetzt,  s.  Oron.  I4.  PetriErf.mod.1.1.  pag.443.  *  Das 
Adject.  ist  hier  flexionslos  vor  dem  Substantiv  gebraucht,  s.  .Weinhold  mhd. 
Gram. 1  §  509,  a.  1  Volbort,  mhd,  stf.,  oder  n.  —  Zustimmung."  Bezüglich 
Thüringens  hatten  die  thüringischen  Grafenrecht,  welche  Landgraf  Friedrich,  wahr- 
scheinlich im  Anfang  Februar  1308,  nach  dorn  St.  Peterskloster  zu  Erfurt  entbot 
(s.  Wegele  a.  a.  O.  S.  291  f.),  später,  nach  Eisenachs  Unterwerfung,  auch  nach 
Mittellmusen,  der  alten  Malstätte  Thüringens,  in  der  ersten  Hälfte  des  Juni  1303 
(s.  Wegele  a.  a.  O.  S.  296  f.).  Bezüglich  des  Pleissnerlande*  waren  freilich  die 
Könige  Rudolf,  Adolf  und  Albrecht  im  Recht  gewesen,  als  sie  das  nur  als  Mit- 
gift der  Kaisertochter  Margarete,  Friedrichs  des  Freidigen  Mutter,  verpfändete 
Land  einlösten  und  dann  einzogen;  hinsichtlich  Meissens  und  des  Osterlandes  ist 
die  Rechtsfrage  sehr  verwickelt  und  die  Sache  strittig.  Friedrich  der  Freidige 
behauptete  schliesslich  den  Besitz  aller  dieser  Länder.  ,:  S.  Wegele  a.  a  O.  S.  296. 
1  In  dem  reichsunmittelbaren  Pleissnerland  lajren  die  Städte  Altenburg,  Zwickau 
und  Chemnitz.  "  Der  spätere  Kaiser  Heinrich  VII.,  Graf  von  Luxemburg 
(Lüteelburg),  wurde  am  27.  November  1308  zum  römischen  Könige  gewählt. 


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141.  Stück. 


183 


141.  Wye  die  von  erffort  gekregen  haben  mit  deine 
lantgrafen  zu  dornigen  limine  der  dorffer  willen.1 

Als  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CCCJX  jar,  do  erhub  sich  1309 
eine  grosse  czweytraeht  czwisschen  disseru  obgeschreben  lantgrafen  fre- 
deriche  deme  frevdigen  unnd  den  von  erttbrte,  dar  umme  das  sy  hatten 
wedder  sinen  willen  synen  vater  dy  dorffer  abe  gekoufft*  unnd  dy  ge- 
richte,  dy  nnime  dy  stad  erfforte  lvn,  unnd  dy  hisch  w edder*  lantgrafe 
frederich.    Dar  umme  so  worden  gar  vele  tage  geleistet  unnd  gehabten, 
aber  ess  quam  zu  keynem  ende.   Danne  der  lantgrafe  leyte3  den  von 
erfforte  de  gemeynen  lantstrosse  nedder8  unnd  nam  alles,  das  man  den 
von  erfforte  zu  fürte.    Do  das  dy  von  erfforte  nymme  ge  liden  mochten,  Rothe  en 
do  czogen  sy  uss  der  stad  erffort  mit  einem  grosssen  huffen  unnd  ge- 
wonnen das  sloss  gelegen  in  deme  dorffe  genant  andessleuben,4  do  des 
lantgrafen  volk  uffe  lagk,  dy  uff  dy  Strossen  Worten,  unnd  gewunnen 
ouch  das  sloss  in  deme  dorffe  udestete;r'  dv  czwev  sloss  vorbranten  sv  «otiieGis 
unnd  zu  brochen  dy  in  den  grünt.    Do  ditte  der  lantgrafe  er  für,  dasR°ti«>6i7 
dy  von  erffort  also  torstig  gewest  warn,  do  lud  her  dy  von  erffort  keyn 
mittelhusen  an  des  keysers  gerichte"  unnd  wolde  sy  dar  umme  in  des 
keysers  achte  brenge.    Unnd  do  czogen  uss  dy  von  erffort  keyn  mittel- 
husen zu  gerichte  mit  groser  macht  unnd  lissen  sich  dy  pfaffheit,  geist- 
lichen unnd  wert- 1  liehen,  mit  eyner  grossen  processien  mit  gesange  8» 
vor  sante  johans  thor7  ge  leyte,  unnd  alle  geistliche  luthe  gingen  do 

»  HS:  abgekouff:  e  richtig. 

141.  1  Über  dicken  Abschnitt  s.  Wegelc,  Friedrich  der  Kreidige,  S.  295-319,  auch 
BES.  72— 76.  Hauptquelle  ist  auch  hier  die  Cron.  St.  Petr.  Erf.  mod.  MGH,  Scr. 
XXX,  I.  pag.  441  sq.,  dazu  Holder- Egger  i.  d.  MEH,  pag.  410  sqq.  ■  Em  handelt 
sich  um  die  sog. ,, mindere  Grafschaft  an  der  schmalen  Gera"  mit  den  Dörfern  Walsch- 
leben. Elxleben,  Andisleben,  Dachwich,  Kühnhausen,  Stotternheim,  Gispersleben 
S.  Viti.  Gispersleben  S.  Kiliani  und  Ilversgehofen,  Dörfer  in  der  Nähe  von  Erfurt. 
Auch  die  sogenannten  Bergdörfer  (z.  B.  Schmira,  Bindersleben  u.  a.)  soll  Land- 
graf Albrecht  an  die  Erfurter  verkauft  haben,  s.  Wegele  a.  a.  O.  S.  #02  A.  1. 


ein  preussisches  Dorf,  Kr.  Erfurt,  nordwestlich  von  Erfurt,  an  der  Unstrut.  Der 
Überfall  geschah  am  2.  Februar  1S09,  unter  der  Führung  des  Erfurter  Feld- 
hauptmanns Ludwig  von  Guttern  (Gottern),  der  nachher  gefangen  wurde,  und  den  der 
Landgraf  im  Gefängnisse  soll  haben  verhungern  lassen.  1  Dorf  (nordöstlich  von 
Erfurt)  itu  Verwaltungsbezirke  Weimar  des  Grossherzogtums  Sachsen.  Die  Unter- 
nehmung fand  später  statt  ;  nach  5tägiger  Belagerung  wurde  die  Veste  Udestedt 
erobert  und  dem  Boden  gleichgemacht.  ,:  Über  die  freien  Bürger  hatte  sonst  nur 
der  Gaugraf  („des  Kaisers  Gericht'  )  zu  richten,  dessen  Befugnisse  später  die  Land- 
grafen von  Thüringen  ausübten;  das  Landgericht  war  zu  Mittelhausen  bei  Erfurt,  s. 
oben  St.  71,  A.  29.  Doch  die  Städte  (s.  BE  S.  2ö  ff.)  waren  von  dem  Gerichte  des 
Gaugrafen  ausgenommen,  sie  hatten,  wenn  der  Grundherr,  in  Erfurt  der  Erz bischof, 
dem  geistlichen  Stande  angehörte,  einen  Stadtrichter  oder  Vogt,  in  Erfurt  die  Grafen 
von  Gleichen;  die  Ladung  Landgraf  Friedrichs  war  also  mehr  ein  i*olitischer  Akt. 
1  Das  Johannirtthor  ist  das  innere,  am  Ende  der  Johann  inst  rasse,  vor  der  Johannis- 
brücke, s.  Tettau,  Beitr.  z.  eiuer  Topographie  v.  Erfurt,  MGE,  XII,  S.  89;  das  äussere 
Johaunisthor  wurde  erst  1375  angelegt. 


4  Andisleben  ist 


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184 


141.  Stück. 


mete,  unnd  dy  boten  dy  wile  got  den  hern  vor  sy,  \innd  do  quomen 
dy  von  erfiort  kein  mittelhusen  also  stargk,  das  lantgrafe  frederich  vor 
on  weich  vom  gerichte.  Do  czogen  sy  wedder  heim  mit  grossen  ern 
unnd  triumpho.  Czu  deme  andern  mole  heisch  der  lantgrafe  dy  von 
erfforte  abir  eyn  mal  an  das  gerichte  unnd  hatte  sich  do  bass  bestalt 
mit  volke  wann  vor.  Dy  bilden  vor  borgen  dar  uff.  Do  czogen  dy 
von  erffort  abir  uss  mit  grosser  macht  frolich  unnd  meynten  on  abir 
abe  zu  triben  von  deme  gerichte  also  vor.  Do  das  der  lantgrafe  ge- 
sach,  do  vor  both  her  alle  sinem  volke,  das  nymant  keyn  swert  ubir 
dv  von  erffort  czvhen  solde,  alleine  man  sulde  sv  wol  mit  knntteln 
unnd  mit  stogken  slahen.  Also  worden  dy  von  erffort  gar  wol  uff  der 
fart  mit  knutteln  geslagen  unnd  undir  dy  pferde  getretit,  das  sy  dar 

Roth«  6i8  vor  flohen  in  oren  stad  graben.  Do  nu  dy  von  erffort  gesahen,  das  sy 
deme  lantgrafen  also  nicht  wedder  stehen  konden,  do  machten  sy  eyn 
vorbuntnisse  mit  grafen  herman,*  der  do  gesessen  was  zu  wimar.  unnd 
mit  der  stad  molhusen  unnd  northusen  unnd  mit  velen  erbir  luthen, 

Botho  ei»  den  sy  sold  goben,  unnd  czogen  do  umme  im  lande  zu  doringen  unnd 
toten  deme  lantgrafen  grossen  schaden  mit  brande  unnd  mit  rouben 
unnd  schonten  nicht  kerchen  unnd  clostere,  unnd  toten  den  thumhern 
v  zu  erffort  grosssen  vor  driss  unnd  ubir  last  unnd  leyten  ore  sol- 
denere  in  der  obgenanten  thumhern  hofe,  dar  umme  so  plagete  got  dy 
von  erffort,  das  sy  an  deme  heiigen  tage  unsers  lieben  hern  hymmel- 
fart  sobenczig  erber  man,  rittere  unnd  knechte,  vor  lorn,  dy  des  lant- 
grafen gesinde  gefangen  hatte,  unnd  der  houbtman  under  den  gefangen 
was  er  lodewig  von  guttern,  unnd  der  starb  im  gefengnisse  im  stocke. 

Koth«6so  —  Unnd  dar  noch  gar  zu  band,  do  vor  lorn  dv  von  erffort  abir  wol 
by  hundert  gewopente  in  deme  dorffe  czimmern9  under  deme  eyters- 
berge,  unnd  da  vone  sso  worden  dy  von  erfforte  also  weich,  das  sy 
orer  were  abegingen,  unnd  do  machte  disser  lantgrafe,  genant  der 
freydiger,  eyne  herfart  vor  wyhe10  unnd  belag  ouch  dy  stad  wymar 
unnd  brochte  den  grafen  zu  wymar11  dar  zu,  das  her  sich  deme  lant- 
1311  grafen  an  gnado  gap.  Ditte  geschach  nach  cristus  gehurt  tusent  CCCXT 
jar,12  unnd  do  danne  czoch  der  lantgrafe  vor  dy  stad  erffort  an  sente 
johans  tage  decollacionis15  unnd  slug  eyn  huss  uff  in  deme  dorfle 

8  Die  Grafen  Hermann  und  Heinrich  von  Orlamüude,  , .pressen  zu  Weimar1', 
erscheinen  nach  1308  in  Landgraf  Friedrichs  Umgehung  (s.  Wegele  a.  a.  O.  S.  299, 
A.  1),  Graf  ncrmanu  aber  scheint  ein  Parteigänger  der  Städte  geworden  zu  sein. 
n  Nicht  das  Dorf  Zimmern  (Zimmern  infra  genannt)  am  Ettersberge,  Ver- 
waltungsbezirk Weimar  im  Grossherzogtum  Sachsen,  sondern  Zimmern  supra,  im 
I,andkreise  Erfurt,  da,  wie  HoUler-Egger.  1. 1.  pag  442  adn.  ß  bemerkt,  nach  der 
deutschen  Erzählung  (ebenda  pag.  472)  der  Ort  des  Treffen»  zwischen  Erfurt  und 
Gotha  liegt.  ,ü  Wiehe,  preußisches  Städtchen  an  der  Unstrut,  Kreis  Eckarts- 
berga. Es  gehörte  damals  den  Grafen  von  Orlamündc- Weimar;  die  Belagerung 
fand  Ende  März  oder  Anfangs  April  1309  (s.  Wedele  a.  a.  O.  S.  80»  A.  3)  statt. 
11  Die  Belagerung  und  Einnahme  von  Weimar  fällt  wohl  ungetähr  in  den  Juni 
1309,  s.  Wegele  a.  a.  O.  S.  305  A.  Ä.  ,?  CCCXI  jar  ist  verschrieben  für  CCCTX  jar. 
13  Pecollatio  Johannis  ist  der  29.  August. 


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141.  Stück. 


185 


hochheim14  by  der  stad,  unnd  dy  husere  unnd  dy  garten,  gelegen  vor 
der  stad  erffort,  vor  terbete  her  unnd  vor  brante  sy  unnd  liss  dy  win- 
gorten  uss  howen,  unnd  dar  noch  liss  her  das  heer  zu  ryte.15  Do  dy«*1»06" 
von  erffort  gesaben,  das  sy  also  vordruckt  worden  unnd  denie  lant- 
grafen  alleino  nicht  wedder  stehen  konden,  do  boten16  sy  hulffe  des 
romesschen  koniges,  unnd  der  sante  on  eynen  ritter  genant  von  norn- 
bergk,17  unnd  do  worben  sy  noch  er  johansen.18  des  lantgrafen  von 
hessen  brudere;  mit  den  czogen  dy  von  erffort  abir  uss  I  unnd  vorter-w 
beten  czwey  sloss,  rinckelouben  ,:'  unnd  sommeringen.*0  Ditte  geschach 
nach  cristus  geburt  tusent  CCCX1121  jar.  Unnd  do  dy  von  erfforte  ge-  1312 
sogen,  das  sy  nicht  redeliches  geenden  konden  umrae  der  grosssen 
wehere  willen,  dy  der  lantgrafe  keyn  on  thed,  unnd  dor  umme  so  vor 
dross  sy  der  koste,  unnd  lisspn  lantgrafen  bansen  von  hessen  unnd 
ouch  des  koniges  voyt  von  on  riten,  unnd  dar  'umme  sso  er  hub  sich 
grosse  czweytracht23  in  der  stad  erffort  czwissehen  der  gemeyne  unnd 
den  riehen,  wann  sy  worden  des  krigis  also  mude  ge  macht,  das  dy 
armen  hantwergis  luthe,  dy  usswandern  musten  umrae  orer  narunge 
willen,  dy  sero  beschediget,  gefangen  unnd  erslagen  worden,  unnd 
darumme  sso  toten  dy  hantwerge  unnd  dy  gemeyne  also  grossse 
freisslichkeit  unnd  torstiekeit  den  mechtigisten  in  den  rethen,  das  sy  R°«m>  es« 

14  Hochheim  ist  ein  preußisches  Dorf,  westlich  unmittelbar  vor  Erfurt,  im 
Gersthaie,  im  Landkreise  Erfurt.  16  ,, Zureiten"  ---  „ansreiten.  auf  Iiebens- 
raittel  ausziehen"  (Ubersetzung  der  Worte  in  der  Peterschronik:  dispersi  sunt). 
in  Diese  Inanspruchnahme  der  Hilfe  de«  Reichs  ist  dadurch  wichtig,  dass  nun- 
mehr die  thüringisch-meissnisebe  Frage  an  Heinrich  VIT.,  der  bisher  eine  Ent- 
scheidung ausgesetzt  hatte,  unmittelbar  herantrat,  s.  Wegele  a.  a.  O.  S.  309, 
s.  UE  I,  No.  550  u.  552,  nach  MEH  pag  339  A.3:  Rotter,  Hess.  Nachrichten  III 
nag.  19;  Böhmer,  Reg.  Hfinr.  VII  No.  150.  17  Burggraf  Friedrich  IV.  zu  Nürn- 
berg; in  der  Peterschronik  z.  J.  1323  (1. 1.  pag.  449)  heisst  er  auch  nobilis  vir  de 
Norenberc.  1S  Den  Landgrafen  Johann  I.,  Schwager  des  Grafen  Otto  von 
Orlamünde.  sendete  König  Heinrich  den  Erfurtern,  nicht  sie  rufen  ihn;  er  kam 
zweimal,  zog  aber  bald  wieder  fort;  er  starb  bereits  1311,  s.  Wegele  a  a.  O.  S.  310 
u.  A.  1  daselbst:  nerquet,  Mühl  hau  ser  Urkundenbuch  8.  274.  Iv  Das  preussische 
Dorf  Ringleben,  nördlich  von  Erfurt,  Kreis  Wcissensee.  *°  Rommeringen  ist 
schwerlich  Sömmerda,  das  zu  entfernt  von  Ringleben  liegt,  wahrscheinlich  ist  unter 
den  vielen  Sommern  hier:  Gangloff- oder  Lützensönmiern  (Kr.  Wcissensee)  gemeint, 
denn  Wenigen-,  Horn-,  Mittel-  und  Haussömmern  liegen  zu  weit  von  Ringleben  ab. 
51  Alles  dies  geschah  noch  i.  J.  1309.  -  Genaueres  giebt  hierüber  Beyer  in 
dem  Programme  der  Erfurter  Realschule  1892:  Die  Entstehung  und  Entwicklung 
des  Rates  der  Stadt  Erfurt  im  Mittelalter,  S.  17  ff.  s.  auch  BE  S.  44  fT.;  S.  18  des 
Programms  heisst  es:  „Durch  die  Belagerung  und  die  damit  verbundenen  Ver- 
wüstungen der  Acker  und  Weinberge  wurde  die  Gemeinde  zur  Verzweiflung  ge- 
trieben. Sie  erhob  sich  im  Angesicht  des  äusseren  Feindes  gegen  den  Rat  und 
die  (durch  ihr  rohes  und  ungesetzliches  Betragen  verbassten|  Geschlechter."  Die 
Handwerker  und  Kaufleute  litten  ausserdem  durch  die  Sperrung  der  Strassen; 
weder  konnte  man  Handel  nach  aussen  treiben,  noch  kam  jemand,  um  auf  dem 
Erfurter  Msrkt  zu  kaufen,  in  die  Stadt.  Die  vom  Rat  geworbenen  Söldner  legte 
man  in  die  Häuser  der  Bürger,  der  Geistlichen  (s.  oben  „der  Domherren")  uud 
in  die  Klöster.  Auffallend  ist,  dass  der  Chronist  nichts  von  der  tiefeingreifenden 
Verfassungsänderung  in  Erfurt  (Sieg  der  Zünfte;  Einsetzung  der  Vierherreu) 
erwähnt,  ob  schon  die  Peterechronik  z.  J.  1330  nicht  davon  schweigt;  s.  UE  I,  No.555. 


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180 


142.  Stück. 


sich  mitdeme  lantgrafen  richten23  musten,  unnd  goben  ome  eyne  grossse 
summe  goldes  unnd  etliche  recht,  dy  on  lantgrafe  albrecht,  sin  vater, 
gegeben  unnd  vorsehreben  unnd  vorkoufft  hatte,  dy  worden  zu  nichte; 
dy  dorffer  bieben  den  von  erffbrt  umme  or  gelt.  Unnd  ditte  ist  ge- 
scheen  nach  cristus  geburt  tusent  CCCXYT24  jar.  Unnd  umme  des  willen, 
das  disser  krigk  geweret  hatte  mehir  wann  soben  jar,  unnd  der  acker 
in  doringen  sere  ungearbeit  bleib,  und  das  korn  uss  den  steten  was 
vor  czerit,  unnd  dar  umme  sso  erhub  sich  gross  hunger  unnd  thureczit 
T  im  lande  zu  doringen,  unnd  |  das  gar  vele  luthe  hungers  storben  unnd 
worden  zu  erffort  mit  karren  kein  sraedestete 25  gefurt  unnd  do  begraben 
mit  namen  hundert  schogk  menschen  unnd  XXXT1I  schogk  menschen 
unnd  funff  menschen.  Ess  waren  ouch  dy  strossen  unnd  wege  in  der 
stad  erffbrt  in  den  gasssen  al  umme  her  mit  grasse  bewachsen  unnd 
mit  krute,  das  man  dy  kume  ge  mercke  unnd  er  kennen  konde;  also 
veles  Volkes  was  gestorben,  unnd  der  acker  uff  dorne  felde,  der  trugk 
okrut 


142.  Wy  Jantgafe  frederich  gefangen1  wart  unnd 
wedder  loss  wart,  unnd  dy  von  erffort  dy 
R«tbe  «27  dorffer  kre^en. 

1317  Also  man  schreib  nach  cristus  geburt  tusent  CCC  XVII  -  jar,  do  erhub 
sich  ouch  eyne  grosse  czweyrracht  czwisschen  disseme  lantgrafen 
frederiche  demo  freydigen  unnd  margrafen  woldemar  von  brandenborg, 
der  ouch  eyn  margrafe  zu  missen3  was.  Unnd  disse  czwene  toten  gar 
vele  roubes,  brandes  unnd  morderve  under  enander.  Czu  letczt  quam 
ess  zu  einem  strite,  unnd  lantgrafe  frederich  der  freydige  vor  loss  den 
strit  unnd  wart  do  gefangen  1  unnd  von  dannen  geturt.  Ditte  vornomen 

•  '  Fnter  dem  Drucke  der  Gemeinde  ist  der  Friede  mit  dein  Landgrafen  bald 
geschlossen.  "  Chronologisch  verkehrt.  Alles  das..  was  mit  dem  Kriege  zusammen- 
hängt, geschah  noch  in  den  Jahren  1309  u.  1310.  Über  den  vorläufigen  Frieden  s. 
Wegclea.  a.  D.S.  313  u.  FE,  I,  Nr.  557,  555)  u.  561.  Hingegen  die  Hungersnot  und  jenes 
Massenbegriibnis  berichtet  die  Peterschronik  z.  Jahre  1316,  s.  MGH,  Scr.  XXX,  1 
pag.446.  —  S.  FE,  II,  200,  auch  BKS.  76.  Schmidstedt,  ein  Dorf  bei  Erfurt, 

das  im  dreissigjährigen  Kriege  wüst  geworden  ist;  von  ihm  heisst  noch  ein  Thor 
in  Erfurt  das  „Sehuiidtstedter  Thor." 

14*2.  1  Hauptquelle  ist  auch  hier  für  die  Kenntnis  der  Ereignisse  die  Cron. 
8.  Petri  Erford.  mod.,  MGH,  Scr.  XXX,  1,  pag.  444-445;  8.  MEH  pg.  343,  sq. 
mit  d.  Anm.,  feiner  Wedele,  Friedrich  der  Freidige  8.  319—336.  '  Falsch; 
schon  i.  J.  1312  brach  der  Kampf  zwischen  den  Wettinern  und  Askaniern  aus, 
auch  die  Peterschronik  erwähnt  ihn  zu  diesem  Jahre.  Waldemar  der  Grosse, 
Mnrkgnif  von  Brandenburg,  regierte  von  1309—1319.  a  Die  Askanier  hatten 
die  Lausitz  und  die  MarkgratVehaft  Landsberg  1291  von  den  Wettinern  erworben, 
auch  auf  Meissen  richtete  sieh  zeitweise  ihr  Blick,  das  sie  teilweise  zeitweilig 
besassen,  s.  Weyele  a.  a.  ().  8.  306.  .".27.  336.  1  Ende  Februar  oder  in  den  ersten 
Tagen  des  März  1312  fand  das  Treffen  bei  Grossenhayn  statt  ,  infolgedessen 
Laudgraf  Friedrich  mit  seinem  gleichnamigen  Sohne  (Friedrich  der  Lahme, 
t  bereits  1315)  gefangen  genommen  und  nach  Tangermünde  in  der  Altmark  ge- 
bracht wurde,  «.auch  BE  S.  75. 


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142.  Stück. 


1S7 


dy  von  erfforte,  wann  der  krig-k  mit  on  nicht  gancz  ende  hatte.  Do 
czogen  dy  von  erffortß  uss  unnd  toten  deme  lantgrafen  grosssen 
schaden ;  indes  ezogen  ouch  uss  dy  czwono  epte  von  fulda  unnd  herss- 
felde«  unnd  toten  ome  ouch  schaden,  unnd  ditte  vornam  der  lantgrafe  R°»h« ««« 
in  deme  gefengnisse.  das  sin  land  also  zu  schantcze  gingk7  unnd  vor 
terbet  wart,  unnd  erbeyte  sich  sere  dar  nach,  das  her  mochte  ledig  unnd 
loss  werde  unnd  sich  an  synen  vienden  ge  reche.  Unnd  dar  umme  so 
wart  geteydinget, R  das  her  solde  geben  zu  losunge  syne  tochter  else- 
boten grafen  albrechte  von  kothen,  der  do  margrafen  woldemars 
swester  son  was,  der  on  gefangen  hatte.  Unnd  dy  juncfrowe  wart  zu 
haut  |  geholt,  er  danne  lantgrafe  frederich,  or  vater,  loss  wart.  Darzu  90 
solde  her  vaste  sloss  unnd  stete  in  missen  mete  geben,9  dy  alle  do 
benant  worden,  unnd  das  land  zu  piksen  gancz,  unnd  das  geschach 
also,  das  noch  deme  geheisse  lantgrafen  frederichs  syne  voyte  in 
missen  ant  werten  dy  stete  unnd  dy  sloss,  also  her  gedinget  hatte  grafen 
albrecht  von  kothen  von  margrafen  woldemars  wegen.  Dar  noch  sso 
hiss  lantgrafe  frederich  diss  selben  glichen  ouch  syne  voyte  im  lande 
zu  plissen,10  unnd  ditte  wolden  dy  voyte  nicht  thun  unnd  sprochen, 
sy  wolden  sich  an  ores  hem  brefTe  nicht  kore,  de  wile  her  gefangen 
were,  sundern  was  her  sy  muntlich  hisse  unnd  mit  gesundome  liebe, 
das  wolden  sy  gerne  thun,  unnd  darumme  so  wart  eyn  tagk  bescheiden,  Rothe  s» 
das  lantgrafe  frederich,  or  herre,  sy  das  muntlichen  heysse  solde,  unnd 
eyne  stad  benant,  do  sy  on  hene  brenge  wolden.  Do  besammenten 
sich  syne  voyte  heymelichon  met  allen  oren  guten  frunden  in  eyme 
holcze  unnd  hilden  uft  on ,  wann  sy  mit  orem  herren  vorrite  worden; 
do  sy  quomen  mit  deme  lantgrafen  in  das  holcz,  do  ranten  des  lant- 
grafen voyte  mit  aller  orer  manschafft  er  vor  unnd  nomen  do  oren 

Die  Feindseligkeiten  gegen  Erfurt,  die  trotz  des  Friedensschlüsse* 
i.  J.  1310  nur  sprüht  hatten,  brachen  i.  J.  181 1  benutz  wieder  au«,  s.  Rat- 
scblagung  des  Erfurter  Rates  vom  25.  August  1811,  FE.  I,  Nr.  565;  ebenda 
Nr.  5H6:  Bündnis  mit  dem  Grafen  von  Gleichen.  *  In  Thüringen  brachen  im 
J.  1312  auf  die  Kunde  von  der  Gefangenschaft  des  Landgrafen  Friedrich  von 
neuem  die  Kämpfe  aus:  Die  Reichsstädte  Mühlhausen  und  Nordhausen.  die 
Erfurter,  die  Äbte  von  Hersfeld  und  Fulda  standen  gegen  Friedrich;  s.  FE.  I. 
Nr.  567  (Bündnis  der  Erfurter  mit  dem  Abte  v.  Fulda,  vom  1°.  Februar  1312). 
7  „Schanze,'*  stf..  aus  dem  franzos.  ehance  (lat.  cadentia),  s.  n.St.  260  A2,  bedeutet 
Glücksfall.  Wechselfall,  danach  zu  »eh.  g.  =  „den  Wechselfallen  (den  Kriege.«)  aus- 
gesetzt sein  und  ihnen  unterliegen."  8  Im  Vertrage  zn  Tangermünde  vom 
13.  April  1312  (Gerken,  Cod.  dinl.  1  pag.  192,  Nr.  115;  Riedel,  Cod.  dipl.  Brand. 
B.  I  pag.  319sq.  Nr.  401).  9  Nicht  als  Mitgift  für  seine  Tochter  Elisabeth,  die  mit 
Markgraf  Albert  von  Kothen  (Sohn  der  Agnes,  welche  mit  Albert  von  Anhalt 
vermählt  war)  vermählt  werden  sollte,  sondern  7,ur  Sicherung  der  Kriegskosten- 
entschädigung, die  auf  die  für  jene  Zeit  enorme  Summe  von  32000  Mark  Silber 
f=  1280000  Reichsmark)  festgesetzt  war,  s.  Wegele  a.  a.  O.  S.325.  10  Diese 
Erzählung  stammt  aus  der  Peterschronik,  sie  ist  aber  unwahr,  s.  Wegele  a.  a.  O. 
S.  326  u.  A.  2,  MEH  pag.  344  A.  8.  Die  Reihenfolge  der  Thatsachcn  weist  darauf 
hin,  dass  Landgraf  Friedrich  und  auch  sein  Sohn  zeitweilig  aus  der  Haft  ent- 
lassen sind .  um  die  ausbedungenen  Verfügungen  zu  erlassen ,  .«ich  aber  wieder 
zur  Haft  gestellt  haben  und  dann  freigegeben  sind.  Der  definitive  Friede  erfolgte 
zu  Weissenfeis  am  1.  Januar  1317,  s.  Wegele  a.  a  O.  S.  334— 335. 


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188 


142.  Stück. 


herren,  den  lantgrafen,  mit  gewalt  unnd  fürten  on  mit  sich  keyn  alden- 
burgk,  unnd  darzu  betreffen  sy  graffen  albrechten  von  kothen  mit 
alle  syner  mansehafft  unnd  volke  unnd  fürten  sy  gefangen  allesamt 
keyn  aldenburgk.  Des  danckte  on  or  herre,  der  lantgrafe,  gar  flisigk, 
das  sy  on  also  er  lost  hatten,  unnd  dy  sloss  unnd  dy  stete,  dy  her  zu 
schatczunge  gegeben  hatte,  dy  gewan  her  wedder,  unnd  solde  der  grafe 
7  von  kothen  wedder  ledigk  werde,  so  muste  her  deme  |  lantgrafen  syne 
tochter  elsebeten  wedder  senden  unnd  darzu  vele  geldes,  unnd  musste 
on  ouch  sune  unnd  richte  mit  syhem  ohmen,  margrafen  woldemar, 

Kothe  630  ewiglichen.  Dar  noch  czoch  lantgrafe  frederich  wedder  in  doringen 
wedder  dy  von  erffort  unnd  wedder  dy  czwene  epte  also  vor  unnd 

Rothe  «3«  drang  sv  Zl,  ejner  sununge.11  Also  nu  lantgrafe  frederich  der  freydige 
also  mit  den  von  erfforte  kreyg^do  starp12  lantgrafe  albrecht,  sin  vater, 
zu  erfforte  in  grossseme  ermute  unnd  wart  da  selbest  begraben  in 
unser  lieben  frowen  kerchen,  als  her  LXIIII  jar  ald  was.  Unnd  do  on 
disser  lantgrafe  frederich.  sin  son,  vor  treben  hatte  von  wartpergk  umme 
der  grossen  untruwe  willen,  dy  her  an  syner  muter  unnd  an  ome 
gethon  hatte,  als  ob  geschreben  steot.  Do  czoch  lantgrafe  albrecht,  sin 
vater,  zu  den  von  erfforte  unnd  gab  on  dy  dorffer,  dy  umme  dy  stad 
erffort  legen  sint,  das  sy  ome  alle  tage  selb  czende  spisse  besorgen 
unnd  ussrichten  solden,  dye  wile  her  lebete.  Also  quam  es  dicke,  das 
her  dye  edeln,  dy  zu  erfforte  in  rethen,  zu  huse  unnd  zu  gaste  bad 
unnd  hisch  zu  synem  pfleger  uff  eynen  tagk  czweier  addir  drier  tage 
pfronde  ,:\  unnd  muste  der  hyndenoch  selbest  mit  den  synen  en  pere 
unnd  gebrechen  liden,  unnd  wart'do  gar  ungeaeht "  under  den  fursten, 
erbar  luthen,  burgern  unnd  geburn,  dy  uff  on  fingerczeygeten  unnd 
vor  spotten  on,  wo  her  gingk,  unnd  syn  son,  lantgrafe  frederich  der 
freydige,  karte  sich  keins  an  on.  Das  selbige  thed  ouch  frawe  alheid, 
sin  wertynne;  dy  bleib  zu  wartperg  unnd  zu  isenache  mit  orem  eydam 
unnd  mit  orer  tochter.  Also  wart  lantgrafe  albrecht  zu  erffort  un- 
91  geneme  gote  und  allen  luthen  umme  der  grosssen  untogunt  willen,  [  dy 
her  an  syne  ersten  elichen  gemal, 15  der  edeln  furstynne,  unnd  an  syne 
eygen  elichen  sone  gethan  hatte,  durch  Knnnen  von  isenberges  willen. 

11  Mit  den  Abten  von  Fulda  und  Uersfeld  schloss  Landgraf  Friedrich  im  Oktober 
1812  Wollenst  iiistand,  dann  i.  .T.  1314  Frieden,  ebenso  mit  den  Reich sstädten  Mflhl- 
hauaen  und  Nordhausen ,  s.  Wegelc,  a.  a.  0.  8.327  u.  329 f.,  endlich  mit  Erfurt 
am  14.  Juli  1315  's.  UE,  I,  Nr.  5X0);  die  Erfurter  muasten  die  ,. mindere  (irafnehaft" 
herausgeben,  erhielten  aie  aber  auf  5  Jahre  verpfändet,  s.  FE,  I.  Nr.  581  u.  582, 
s.  a.  C.  1  Jever,  ( iesch.  d.  Stadt  Erfurt,  Neujahrsblätter  1898,  S.  LS- 19 ;  Wegele  a.  a.  O. 
S.  330  f.  l  >  Landgraf  Albreoht  ist  am  20.  November  1214  gestorben,  s.  Wegele 
a.  a.  O.  S.  330.  HK  S. 70  u.  Neoml.  S.  Mariae  Erford,,  Zeitschrift  furOeschiehte  de*  Ober- 
rheius  IV  pag.  25ft  'nach  MFH  nag.  346.  Anm  6}.  ,:<  Mhd  vroende,  stf.  =  md 
pfronde,  frondienatiges  Laim,  danu  Einkommen  daraus,  endlich  allgemein 
..Einkommen."  "  Das  Folgende  ist  Stollea  Zusatz,  denn  weder  die  Peterecbronik 
nodi  die  bist.  Pistor.,  die  hier  (Quellen  sind,  erwähnen  etwa«  davon.  ,r'  Mar- 
garet, seine  enste  Gattin,  Tochter  Kaiser  Friedrichs  II,  s.  ob.  St.  124  u.  125. 


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143.  u.  144.  Stück. 


143.  Wy  der  blicks  <ly  borgk  wartberg  vorbrante.   Roth«  635 

Also  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CCC  XVII l  jar,  do  i$is 
enprante  der  bligks1  den  torm  zu  wartpert  unnd  das  niusshuss,  dy  do 
beyde  unnd  wol  herlichen  mit  blvge  gedacket  waren.  —  In  der  selbigen  r„«,«  um 
czid,  do  czoch2  lantgrafe  frederich  der  freidige  um  nie  im  lande  zu  do- 
ringen  unnd  gewan  unnd  zu  brach  da  vele  sloss  unnd  vestenunge,  dye 
in  den  krigen  gebuwet  warn,  unnd  sunderlichen  das  veste  sloss  raspen- 
bergk3  zu  brach  her.  Item  in  deme  selbigen  jare,  do  erslugen4  dy  von  JfJ^/fJ 
Meydeburg  oren  bisschoff. 

144.  Von  einem  speie  der  "funff  torechten 

juncfrowen  zu  isenaebe.  Roth©  640 

Also  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CCC  XXII1  jar,  vierczen  iwäi 
tage  nach  ostern,2  als  dy  predigere  or  aplas  haben  zu  isenache,  do  wart 
eyn  spei3  ge  macht  zu  isenache  von  den  funll  wissen  unnd  von  den 
funff  torechten  juncfrawen,  also  das  heilige  ewaugelium  uss  wiset,  unnd 
also  dy  fünft  torechten  juncfrowen  vorthamet*  worden,  da  toten  sy  zu 

•  IIS  falsch:  vorthumot ;  e:  vonUinpt. 

143.  1  Die  vollste  Form  lau  tot  blikize.  stm. ,  daraus  md  bligks  =  Blitz, 
s.  H.  Rückert,  Lel>en  dt«  heil.  Ludwig,  S.  150.  Über  die  Sache  s.  Crou.  S.  Petri 
Erf.  mod  1. 1.  pag.  447.  lin  J.  1319  baute  Landgraf*  Friedrich  das  Niedergebrannte 
wieder  auf.  J  Wahrscheinlich  in  Sorge  des  Landfriedens  (s.  Wegele  a.  a.  O. 
S.  337);  die  Tbatsachen  berichtet  die  Peterschronik  1.1.  pag.  447  u.  448  (bez.  über 
Raspenbergk  die  längere  Erzählung  aus  d.  Dresdener  Codex  K  316,  als  E  bez.). 
3  Die  Burgruine  Kaspenburg  bei  Itastenl>erg  (Stadt  im  Verwaltungsbezirk  Apolda 
de*  Grossherzogtums  Sachsen,  am  Südfuss  der  Finne),  gegründet  i.  12.  Jahrb. 
von  Heinrich  Rasj>e,  wurde  i.  J.  13*21  von  Landgraf  Friedrich  zerstört,  r.  Bau-  u. 
Kunstdenkmäler  Thüringens  I,  lKtf8,  S.  471,  s.  a.  W.  Rein,  Die  Palatien  der  alten 
thür.  Landgrafen,  Archiv  f.  säebs.  Gt  «dachte  I,  S.  417—419;  k.  auch  BE  S.  76 
*  Ausführlich  von  der  Peterachronik  erzählt,  1.  1.  pag.  447  (*.  dazu  tlie  Anm. 
Holder -Eggere,  ebendesselben  i.  d.  ME11  pag.  348—349);  die  Ermordung  Erz- 
bischof  Burchards  III.  (1307—1325)  geschah  m  der  Nacht  vom  20.  zum  2i.  Sep- 
tember 1225,  also  schon  nach  dem  Tode  Landgraf  Friedrichs. 

144.  1  Über  die  Vorgänge  s.  ata  Quelle  Crou.  S.  Fetri  Erf.  mod.  1.1.  p.  448  sq., 
MEH  pag.  351,  adn.  1  gegen  Wegele,  Friedrich  der  Freidige,  S.  339  A.  1 ,  welcher 
Friedrich  schou  seit  1320  als  krank  (geistesschwach)  annimmt,  die  AjKiplexie 
aber  nur  später  hinzukommen  lässt.  Nach  Holder-Kgger  fand  die  Aufführung 
des  Spieles  bereits  am  4.  Mai  1321  (nicht  erst  am  25.  April  1322)  statt;  der  Land- 
graf starb  dann  nach  3'  Jähriger  Krankheit  am  16.  November  1324.  5  Die  Peters- 
chronik sagt  geuauer:  am  Montage  nach  Misericordias  Domini,  dem  2.  Sonntage  nach 
dem  Osterfeste  (25.  April  1322).  :l  Es  ist  noch  vorhanden:  Das  Spiel  von  den 
10  Jungfrauen,  gefunden  von  Friedrich  Stephan  in  Mühlhausen  i.Th.,  veröffent- 
licht 1847,  hcrausggb.  v.  Ludwig  lUcbstein  1855,  Wartburg- Bibliothek  1,  nach 
einer  and.  HS  [V.  J.  1428)  von  Rieger,  in  Frz.  Pfeiffers  Germania  X,  311  ff. ;  über- 
setzt ist  es  bei  Bechstein,  ebenso  von  Albert  Freybe,  welcher  beide  Texte 
zusammenarbeitete  und  die  Verbessern ugs Vorschläge  von  Reinhold  Bechstein,  in 
Pfeiffer«  Germania  Bd.  XI,  129«..  benutzte.  S.  auch  L.  Koch,  Das  geistliche  Spiel 
von  den  zehn  Jungfrauen  zu  Eisenach,  ZThG  VII,  S.  109—132. 


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190  145.  Stück. 

mole  clegelichen  unnd  erbermlichen ,  unnd  unser  liebe  frowe  unnd  alle 
beiigen,  dy  boten  got  vor  sy,  unnd  das  half!  alles  nicht,  unnd  ditte  was 
etwas  zu  harte  gespelt,4  wann  maria  unnd  die  lieben  heiJgen,  dy  enbeten 
vor  keinen  vorthanieten*  nicht,  wann  sy  wullen  anders  nicht,  dann  das 
got  wil.  So  wel  got  ouch  zu  deme  jungesten  tage  nicht  mehir  barm- 
herczig  nach  gnedigk  syn.  sundern  her  wel  eyn  gerechter  gestrenger 
t  richter  syn.  Da  vor  itczunt  in  disser  gegen  |  wertiger  czid  wel  her  uns 
gnedigk  unnd  barmherczig  syn,  unnd  wer  sich  mit  siner  ruwe  unnd 
bussse  hir  uff  ertriche  adir  in  deme  fegefure  versumet,  der  muss  den 
schaden  haben.  Czu  dissem  speie  quam  ouch  lantgrafe  frederich  der 
freydiger  unnd  sach  das  unnd  erbildete :-i  das  in  sich  unnd  wart  sere 
czorning  unnd  sprach:  was  ist  der  cristene  glaube,  adir  was  ist  nu 
unser  hoffenunge?  hilfft  nicht,  das  gotes  muter  maria  vor  uns  armen 
sundern  bethet,  unnd  alle  gotes  heiigen  gebete  mögen,  wor  zu  dynen 
wir  on,  adir  worumme  sullen  wir  sy  eren,  sullen  wir  nicht  gnade  durch 
sy  erwerben?  unnd  bleib  also  in  grosssem  unmutho  unnd  betrubunge 
wol  fünft  tage,  unnd  mit  grosser  arbeit  unnd  undersagunge  besynnete 
man  on  kume,  das  ditte  nicht  eer  ge  schege,  wann  zu  deme  jungesten 
tage,  unnd  do  slug  on  der  slag,  das  her  lam  wart  an  ejrner  syten,  unnd 
dy  spräche  enpfil  ome,  das  man  on  kume  vor  nemen  konde,  unnd  er 
lebete  dar  nach  wol  vierdehalp  jar  unnd  machte  sin  selgerethe  unnd 
starp  unnd  lid  begraben  zu  sente  katherinen  vor  isenache  in  sente 
johans  Capellen.  Unnd  do  her  starp,  do  was  her  funffunndtunftczig  jar 
alt,  unnd  do  her  gestorben  was,  do  hette  sin  son  gerne  erfaren,  wy  es 
unnne  sine  sele"  gewest  were,  unnd  liss  das  vor  suchen  einen  meister 
derswaic/.en  kunst.1'  Der  ufienbarte,  das  syne  sele  das  fegefur  hette  in 
deine  gründe  hinder  wartperg  under  deme  hiudersten  tonne. 


145.  Von  lantgrafe  fredericlie  des  freidigeu  tode. 

K<»»hU64i  Also  1111  lantgrafe  fredrieh  der  freydige  gestorben  was,  do  liss  her 
<..»ucbc5Dejnen  S0Di  den  hiss  ouch  trederich  dor  ernste,1  lantgrafe  in  doringen, 

»  IIS  fekcli:  yortbunu-ten ;  e:  vordUHptm».       b  HS  falich:  kunt. 

4  Über  dielenden/.  <le^  Spieles  derEisenachcrl^digermönche^iurder bußfertige 
Glaube  an  Gottes  Gnade  in  Christo  kann  von  Sünden  erlügen,  nieht  die  Fürbitte  der 
Heiligen,  selbst  nicht  der  Gottesmutter  Maria)  s.  Koch  a.  a.  O.  S.  122  ff. ;  Stolle 
glaubt  von  seinem  Standpunkt«.'  gegen  diese  den  damaligen  religiösen  Anschau- 
ungen widersprechende  Auffassung  der  Eisenaeher  Dominikaner  Verwahrung  ein- 
legen zu  sollen.  '  „Sieh  erbilden'1,  erbilden  in  sich  —  in  sich  da«  Abbild  (eines 
Dinges i  darstellen,  nachdenken  über  etwas/'  Nach  St.  81,  wo  das  gleiche 
Verlangen  der  Sohn  Ludwigs  des  Eisernen,  Ludwig  III.  der  Fromme,  äussert. 

H.-».  1  Friedrich  II.  (reg.  von  1324  — 1357;  war  zur  Zeit,  als  sein  Vater  «r- 
kraukte,  erst  wenig  älter  als  12  Jahre,  da  er  1310  geboren  war,  und  noch  un- 
mündig, als  «fein  Vater  starb.  Seine  Mutter  war  Elisabeth  von  Arnshaugk, 
s.  ob.  St  138  A.  3;  sie  führte  für  ihn  zunächst  die  Vormundschaft. 


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146.  Stück. 


191 


niarggrafo  |  zu  missen  unnd  zu  landerbergk,2  im  osterlande  unnd  herre  »* 
zu  plissen.  Dusser  nam  zu  der  ee  keyser  lodewiges  tochter,  der  eyn 
herczoge  von  beyern  was;  dy  biss  meehilt,s  unnd  by  der  gewan  her 
vier  sone :  frederichen,  baltasaren,  wilhelm  unnd  lodewigen,  unnd  czwo 
tochtere,  der  nam  eine  den  borggrafen  von  noruberg,4  dy  andere  wart 
eine  eptische  zu  Suselitcz,  sente  claren  ordens.5  Unnd  do  nu  lantgrafe 
frederich  der  froydige,  sin  vater,  starp,  do  was  dusser  lantgrafe  fredericb 
der  ernste,  sin  son,  XV  jar  ald.  Do  koss  ome  sine  muter  zu  formunden  Roth»  645 
graten  heinrichen  von  swarczburg ; 6  unnd  der  wart  in  der  margk  vor 
einer  borg,  do  sy  also  balde  ummefredeteydingeten,  erschossen,7  unnd 
dar  noch  sso  koss  sin  muter  eynen  andern  formunden,  einen  hern  von 
plawe,  s  der  or  do  wislich  unnd  getruwelich  vor  was,  unnd  machte  guten 
frede  unnd  hild  gestrengeclich  gerichte. 


146.  Wy  'dy  von  drefarte  ge  kregen  haben 

mit  deine  lande  zu  doringen.  Kulh„( 

Als  man  schreib  nach  cristus  geburt  tusent  CCC  XXVII  jar,  do  1327 
worden  dy  von  drefarte1  uudo  dy  von  Spangenberg,  -  das  eine  herschafft 
was,  des  landes  zu  doringen  vyende  unnd  toten  grossen  schaden  unnd 
czogen  in  das  land  mit  beere  unnd  hatten  an  sich  genomen  dy  west- 

-  13er  Titel  als  Markgraf  von  Landsberg  —  so  naonte  sich  ein  Zweig  der  Wettiner, 
nachdem  Graf  Dietrich  von  Eilenburg,  Sohn  Konrads  de*  Grossen,  um  da*  Jahr  1160 
auf  hohem  „Porphyrfelsen  am  Strengbach  zwischen  Halle  und  Brehna"  (s.  Kämmel, 
Ein  Gang  durch  die  Geschichte  Sachsens  und  seiner  Fürsten,  Festschritt  1889, 
S.  13)  die  Burg  Laudsberg  gebaut  hatte  —  war  ilamals  nur  ein  leerer,  da  die 
Askanier  sich  seit  dem  Jahre  12tM  im  Besitze  der  Markgrafschaft  Landsberg 
befanden,  welche  ihnen  Landgraf  Albrecht  verkauft  hatte.  3  Landgraf  Fried- 
rich II.  wurde  zuerst  i.  J. 1323  mit  Jutta,  der  Tochter  König  Johanns  von  Böhmen, 
verlobt,  welche  dann  auf  der  Wartburg  erzogen  wurde.  Als  es  jedoch  i.  J.  1325 
vorteilhafter  erschien,  mit  dem  im  Kampfe  um  die  deutsche  Königskrone  sieg- 
reichen Bayernherzog  Ludwig  eine  Verbindung  einzugehen,  wurde  die  böhmische 
Prinzessin  ihrem  Vater  zurückgeschickt  und  Friedrich  mit  Mcchtilde  von  Bayern 
verlobt;  i.  J.  1328  fand  die  Vermählung  beider  unter  grossem  Pompe  in  Nürn- 
berg statt  (Peterschronik  z.  J.  1328).  4  Die  bist.  Eccard.  pag.  454  spricht  vom 
Herzoge  von  Lothringen.  5  Alteeuselitz,  ein  ehemaliges  Kloster,  im  Königreich 
Sachsen,  an  der  Elbe,  eine  Meile  unterhalb  Meissens  gelegen.  Die  Klarissinnen 
(ordo  sanetae  Ciarae)  war  der  2.  des  heiligen  Franziskus,  neben  Minoriten  und 
Tertiariern,  gestiftet  von  der  heiligen  Clara  (1194— 1253)  i.  J  1212.  «  Graf 
Heinrich  XIl.  Lindner,  Nachlese  zur  Geschichte  der  Grafen  von  Schwarz- 
burg, S.  HOi;  er  war  der  Vater  des  späteren  deutschen  Königs  Günther  (XXI.) 
von  Schwarzburg.  7  Im  November  1326  wurde  er  durch  einen  Pfeilschuss  bei 
der  Belagernng  einer  Veste  in  der  Mark  Brandenburg  getötet  und  zu  Berliu  im 
Kloster  der  Dominikaner  begraben.  s  Heinrich  XIL,  Keuss  von  Plauen;  MEH 
pag.  357  adn.  6  nennt  ihn  Heuricum  II  Russe. 

14«.  1  Über  die  Herren  v.  Treffurt  s.  Rein.  Die  erloscheucn  Adelsgeschlechter 
des  Eisenacher  Landes  (ZThG  IV,  S.  203-213;  ob.  St.  115  A.  2  u.  4).  -  Eine 
Linie  der  Herren  von  Treffurt  nannte  sich  nach  ihrem  Besitztum  Spangenberg 
in  Hessen. 


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192 


147.  Stück. 


felinge,  hessen,  Sachsen  unnd  eissfelder  unnd  wolden  sonnenborn, 
goltbach3  schinden  unnd  vorterben,  unnd  dy  andern  dorfler  darumme 
legen.  Ditte  was  in  der  erne.  Also  balde  was  dy  lantgrefine  zu  gota, 
unnd  er  frederich  Ton  wangheim,  der  or  landvoyd  was,  der  nara  an 
sich  dy  manschafi%  urame  sich  gesessen,  unnd  dy  von  gota  unnd  streyd 
»mit  on  unnd  £ewan  |  ouch  den  strid  unnd  fingk  ern  frederich  en 1  unnd 
ern  herman  1  von  dreforte,  dy  sulch  volk  unnd  rouber  in  das  land  zu 
doringen  gefurt  hatten.  Dy  fürte  her  mit  ome  zu  wangheim,  ufi  das 
sy  leben  bieben.  Adir  dy  echter,5  unnd  dy  or  ere  nicht  gar  wol  bewart 
hatten,  dy  fürte  man  zu  gota;  do  worden  dry  erbir  manne  gebrudere, 
genant  dy  kunemunde,  mit  keten  an  den  galgen  gehangen,  unnd  dy 
andern  jagetc  unnd  treib  der  von  wangheim  biss  zu  drefarte  zu  an  dy 
werra  unnd  slug  or  vele  tod.  Unnd  dar  umme  so  worden  ome  von  der* 
lantgrefen,  do  sy  dy  schatezunge  geben  solden,  grossen  beringen,  oster- 
beringen  unnd  wolfiberingen  **•  zu  geleyd,  also  dy  von  wangheim  das 
Roth«  6«e  noch  besitczeu,  dy  da  vor  der  von  drefarte  gewest  sint.  Noch  so  lissen ' 
dy  von  drefarte  von  orer  rouberic  nicht;  sy  beschedigeten  hessen  land 
von  spangenberg  unnd  den  bissehoff  von  raentcz  ufl  deme  eissfelde 
unnd  den  lantgrafen  von  doringen,  von  dreffarte.  Hir  umme  czogen 
dusse  dry  fursten  semptlich  vor  drefarte  unnd  gewonnen  das  und  be- 
hilden  es  miteynander.  Bitte  geschach  nach  cristus  geburt  tusent 
1329  CCCXXIX  8  jar. 


othe«64  147.  Wy  einer  von  drefarte1  bulen  reid. 

<lfr>)  Hir  vor  wol  eyn  jar,  do  solde  der  eine  von  drefarte  eines  nächtens 
alleine  rite  über  den  heldersteyn 2  von  einer  frowen,  by  der  her  gewest 
was  uff  der  bulschafft,  wann  her  alleczit  den  wiben  unnd  den  meyden 
nach  gingk  unnd  dy  lesterto,  wu  her  konde,  also  das  in  synem  ge- 
richte  nymant  syne  tochter  über  cy  weift  jar  behalden  konde.  Nu  pflag 
her  einer  togunt  ,  das  her  alle  tage  unser  lieben  frowen  geeziten  bette,3 

»  HS:  «ob«  der  lantf  raten  von  (Unwtollung  nötig,  wt«  »uch  die  HS  andeutet). 

"  Sonneborn  wie  Goldbaeh  sind  Dörfer  im  Herzogtum  Sachsen -Koburg 
u.  Gotha,  erster<>s  im  Landrateamt  Waltcrshausen ,  letztere«  im  I>andrat*amt 
Gotha.  *  Die  Namen  Friedrich  und  Hermann  kehren  bei  den  Herreu 
v.  Treffurt  und  Spangen bere  stets  wieder.  s.  Hein,  a.  a.  O.  S.  203.  6  echter  (mhd 
auch  achter)  bedeutet  oft  „der  ( i eächtete. "  ,;  Dörfer  zwischen  Eisenach  und 
I^angcnsalza,  im  Herzogtum  Sachsen-Koburg  u.  Gotha  gelegen,  später  deu 
Wangenheims  zugehörig.  :  Diese  Nachricht  hat  Rothe  aus  der  histor.  Pistor.; 
sie  lindet  sich  atier  erst  in  der  aus  HSS  vervollständigten  Ausgabe  von  Struve, 
172«,  pag.  1342,  freilich  falsch  z..I.  1328.       •  Vielmehr  1339. 

147.  1  S.  Kein  a.  n.  <>.  S  211,  A.  2,  wo  auch  die  betreffende  Litteratur  an- 
gegelten  wird;  es  war  Graf  Heinrich  VI  von  Treffurt.  •  Helder-  oder  Hellcr- 
stein,  Heldrastein  bei  TreHurt,  s.  St.  115  A.  4.  ;'  Er  hatte  die  Gewohnheit, 
das  officium  parvum  in  honorem  beatae  Mariac  virginis  zu  beten,  wie  ea  auch 
Laien  thaCcn  und  noch  thuu.  „Geeziten'-  =  Tageszeiten  des  kirchlichen  Gebetee 
(breviarium). 


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148.  Stück. 


103 


wann  her  wol  gelort  was:  unnd  die  selbien  metten  von  unser  lieben 
frowen  bette  her  da,  do  her  ubir  den  heldersteyn  in  der  nacht  reyd. 
Do  wart  her  erre  unnd  hatte  misseret^n,  das  her  quam  ufl  den  hochen- 
stoyn, 1  unnd  das  pfert  an  das  ende  quam  unnd  konde  numme  gefusssse.5 
Do  stutczte  es  wedder  unnd  wolde  numme  fort  gehee.  Do  hiwe  her 
das  pfert  mit  den  sporn,  das  das  pfert  dy  grusslichen  hochen  hohe 
muste  abe  springe.  Her  wüste  des  abir  nicht,  wann  es  sere  finster 
was  in  der  nacht;  das  pfert  zu  vil  sich  gantcz  unnd  gar  tod,  der  satel 
lag  an  stucken  unnd  das  swärt  uff  siner  syten  zu  brach,  abir  her  bleib 
gantcz  unvorletczt  umme  des  gebetis  willen  unnd  anruße,  so  her 
unser  lieben  frowen  inneclich  in  deme  valle  angeruflen  hatte.  Von 
stunt  erkante  her  gotes  wunder  wergk  unnd  czeichen  unnd  vorliss  also 
balde  alles,  das  her  hatte,  unnd  vor  gab  gross  durch  got  armen  luthen, 
unnd  sine  lehen  gab  her  sinen  brudern  unnd  quam  keyn  isenache. 
Do  gingk  her  barfuss  winter  unnd  sommer  unde  gingk  zu  den  kerchen 
unnd  bad  alle  tage  das  brod  vor  den  husern,  unnd  wanne  her  des 
umme*  syne  notdorff  gass,  so  vorgab  her  das  oboryge  andern  armen 
luthen,  dy  mit  ome  gingen.  Also  starb  her  zu  isenache  in  grossen 
ruwen  unnd  leyden  siner  sunde  in  grosseme  ermuto  unnd  in  einem 
heiigen  leben;  unnd  do  her  sterben  solde,  do  koss  her  sine  begrafft  zu 
unser  lieben  frowen  an  dy  aller  vorsmehesten  stad  des  kirchoffis 
czwisschen  der  kerchen  unnd  der  stad  muren ,  do  dy  schuler  zu  orer 
notdorfft  |  hene  gingen.  Do  1yd  her  begraben ;  do  lissen  ome  dy  hern  * 
uff  deme  stiffte  unsers  hern  marter  an  eine  taffein  zu  sinen  fussen  an 
dy  kirchen  molen. 

148.  Von  deme  Wendelsteine  zu  grimme.1  no»h,öM 

Als  man  schreib  nach  cristus  geburt  tusent  CCCXXXII  jar,  do  wart  1332 
der  Wendelstein  by  wyhe  in  deme  gryrametal  zuerst  gebuwet  von 
den  Grafen  von  wymar  gebrudere. 


*  Zu  «atz,  In  IIS  vergeben. 

1  Es  wt  die  an  der  Nordacite  des  Heldrasteins  senkrecht  abfallende  Höhe 
des  Berges  gemeint.  r"  Wie  mhd  vue^en  heisst  hier  „gefi^eu"  „hintreten,"  d.  h. 
festauftreten. 

14S.  1  Uber  die  Ül>erlieferung  dieser  Nachricht  a  IIolder-Eggei,  N.  Archiv 
XXI  ö.  4.%  f.  Zur  Sache,  s.  A.  Jsebe,  Wendelstein,  1878,  S.  2-3;  H.  Grössler, 
Führer  durch  das  Unstrutthal,  Archiv  für  Laudeskunde  der  Pr.  Sachsen,  1802. 
S.  101  ff.  u.  12911.  Als  die  Grafen  von  Rabenswalde,  eine  selbständige  Linie  des 
begüterten  Grafenhauses  v.  Käfernburg,  1312  ausgestorben  waren,  fiel  ihr  reiches  ICrbe, 
die  Herrschaft  Wiehe,  an  den  Grafen  Hermann  von  Orlamünde,  den  Geinahl  der 
Erbtochter,  der  (iräfin  Mechthilde  von  Rabenswalde;  ihre  Sühne  waren  Hermann 
und  Friedrich  von  Orlamünde,  die  sich  nach  ihrer  Residenz  Grafen  von  Weimar 
nannten;  sie  haben  den  Wendelstein  nicht  erbaut,  wie  Rothe  und  Stolle  sagen, 
da  er  schon  eine  Bur?  trug,  sondern  nur  grösser  uml  schöner  umgebaut.  Was 
der  Chronist  mit  Grimme"  und  „Griinnietal"  will,  bleibt  unverständlich. 
K.  Stollea  Memorialo.  18 


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194 


149.  Stück. 


149.  Wye  dye  von  erffort  ge  kregen  haben  mit 
Roth,  tot  eynem  lantgrafen  zu  dornigen. 

133tf  Als  man  schreib  nach  cristus  geburt  tusent  CCCXXXYI1  jar,  do 
besamniete  lantgrafe  frederich  der  ernste  eyn  heer  unnd  quam  zu 
mittelhusen  von  geheiss  wegen  des  keyscrs2  unnd  von  bethe  wegen 
des  bisehotfes  zu  mentcz3  unnd  wolde  do  gerichte  sitczen  ubir  dy  von 
erfforte,  dy  der  pfaffheit  zu  erfforte  veJe  ubirlastes  gethon  hatten.  Do 
czogen  dy  von  erfforte  uss  mit  so  gethoner  macht,  das  sy  den  lant- 
grafen  von  deme  gerichte  treben,  unnd  umme  des  willen  so  wart  der 
lantgrafe  der  von  erfforte  vyent  unnd  thed  on  allen  enden  schaden,  wo 

Roth«  663  her  konde.  Unnd  do  dy  von  erfforte  gesogen,  do  mochten  sy  einen 
bunt4  mit  den  grafen  von  keffernbergk,  von  wymar,  von  bicheliugen 
unnd  von  rothenborg,1 5  dy  den  von  erfforte  alle  hulflen.  Unnd  do 
dusse  grafen  erkanten,fi  das  sy  von  deme  lantgrafen,  orem  rechten  er- 
behern, sere  gedrungen  worden  unnd  gross  beswert,  do  lissen  sy  von 
den  von  erfforte  unnd  bilden  sich  do  an  den  lantgrafen.  Unnd  do 
f>4  ditte  erkanten  dy  von  eröorte,  do  gewonnen7  sy  |  vierhundert  soldener 
unnd  befolen  dy  heinriche  von  blanckenheyn,  orem  houbtmanne;  unnd 
mit  deme  sso  czogen  sy  uss  unnd  vor  herten  den  nuwen  mart,  bottel- 
stete,  tur.gisbrucken,*  unnd  umme  gota  was  do  wass.  Darnoch  quomen 
sy  vor  kranchfelt.5*   Das  was  ufl  dy  czyd  der  grafen  von  swarezpurgk 

Roiboöcs  unnd  vorbranten  dor  ynne  wol  by  sechezig  menschen.  Dar  noch  be- 
sammete  sich10  der  lantgrafe  frederich  der  ernste  unnd  czoch  vor  dy 
stad  erffort  unnd  bebig  dy  unnd  vor  terbete  do  dy  fruchte  unnd  dy 

US  falsch:  kothenborgk. 

141K  '  Uber  die  Ereignisse,  besonder»  des  Jalires  1336,  über  welche  die  Oroii. 
St.  Petri  Erf.  1.  1.  pag.  4.r>8  (».  a.  MEH  pag.  370)  herichtet.  h.  bes.  C.  Beyer,  die  Stadt 
Erfurt  wahrend  de«  Streites  um  da«  Erzbist  um  Mainz  zw.  Heinrich  V.Virneburg  u.  Erz- 
bkchof  Balduin  v. Trier,  MGE, XI V,  1  »90,  S.  1  -32,  bes.  S.  23  ff.  (auch  BE  S.  95  ff. ) ;  vgl. 
a.ob.  uns.  Anmerkungen  zu  St.  65  u.  66.  Die  angestrebte  Einigung  mit  Erfurt  legt  «ich 
der  Chronist  durch  das  thüriug.  Laudgerichtzu  Mittelhauscu  zurecht;  hierüber  wird  ur- 
kundlich nichts  erwähnt,  während  es  «ich  vielmehr  um  ein  Schiedsgericht  han- 
delt«', ».  C.  Beyer  a.  a.  O.  S.  17  f.  '  Kaiser  Ludwig  der  Baver  «tand  auf  der  Seite 
seines  Schwiegersohnes,  des  Landgrafen  Friedrich  IL,  uud  luitte  im  Mai  1335  die 
Eiscnncher  Einigung  zustande  gebracht,  ».  <J.  Beyer  a.  a.  O.  S.  17,  UE  II  Nr.  131. 
'  Der  Chronist  meint  den  Erzbischof  Balduin  von  Trier.  Administrator  den  Erz- 
stiftes  Mainz,  der  erst  tiberall  in  Thüringen  uud  auch  in  Erfurt  anerkannt  war, 
dem  aber  Panst  Johann  XXII.  den  Bonner  Propst  Heinrieh  von  Virneburg  ent- 
gegengesetzt hatte;  im  November  DISO  unterwarf  sich  Balduin  dem  Papst  Bene- 
dikt XII.;  s.  C.  Bevera  a  O.  S.  27  f.  '  Bündnis  vom  30.  Oktober  1334,  s.  (\  Bever 
a.  a.  O.  S.  15  1'.;  Hegest,  (mit  der  betr.  Litterat ur)  im  I  E  II,  No.  120  u.  121.  r'*Es 
ist  der  Graf  von  Kotenburg,  ein  Beicblinger  Graf,  gemeint,  wie  die  Hist.  Pistor. 
pag.  1343  angiebt,  welche  liest:  de  Kotenberg.  Die  Ereignisse  sind  auf  Grund 
der  Crkunden  nicht  genau  festzustellen,  nur  scheint  ('s.  LEU  Nr.  139)  der  neue 
Bibeln >f  von  Naumburg  Witticho  1.  (133."»— 134^)  den  Umschwung  herbeigeführt 
zu  haben;  den  Aussehlag  gab,  dnss  Landgraf  Friedrich  1 1.  und  Frzbiscbof  Balduin 
v»ti  Trier  sieh  vertrugen,  s.  C.  Bever  a.  a.  O.  S  19  u.  23  f.,  FE  II  Nr.  137.  140.  142 
bis  145.  '  S  C.  Bevera.  a.  O.  S.  24  s  S.  ob.  St.  H*i.  A.  10.  IL  12.  »  S.  ob. 
St.  6G.  A.  13.       "'  S  (.'.  Bcvcr  a.  a.  < ).  S  24  f. 


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150.  Stück. 


195 


wingarten,  dy  do  umme  dy  stad  legen,  unnd  quoraen  in  deme  brule 
zu  samene  uss  deme  here  unnd  uss  der  stad  unnd  bieben  gar  vele 
luthe  tod  uff  beyde  syten.11  Also  lag  der  lantgrafe  vor  erfforte  XVI 
tage  unnd  thed  on  grossen  schaden.  Dar  noch  richten  sich12  dy  von 
erffort  mit  deme  lantgrafen  unnd  goben  ome  eine  grossse  summe  geldes. 


150.  Wy  dy  von  erffort  unnd  eyn  lantgrafe  mit 

den  grafen  ge  kregen  haben.1  Roth*«« 

Als  man  czalte  nach  cri.stus  gebuit  tusent  CCCXL1I  jar,  do  erhub  1342 
sich  grafe  herman  von  wymar  unnd  grafe  gunther  von  swarczburgk 
wedder  lantgrafen  frederichen  den  ernsten,  unnd  es  ge  schach,  das 
grafe  herman  von  wymar  uff  deme  rathusse  zu  erffort  was  und  tantczte 
do  mit  den  frawen,  unnd  ess  begab  sich,  das  dusser  furste,  lantgrafe 
frederich,  dorch  dy  stad  erffort  reyd  mit  posunen  und  pfiffen,  als  sieh 
das  eynem  fursten  wole  czemet.    Do  gingen  dy  frawen  uff  deme  rat- 
huse  an  dy  feuster  schouwen.    Also  thed  |  der  grafe  von  wymar  ouch;  * 
der  liff  an  eyn  fenster  unnd  riff  er  abe  homuticklich  dussem  lant- 
grafen noch  unnd  sprach:  frederich,  wodanne  rytestu,  unnd  wo  wiltu 
hene  ?    Do  sweig  der  lantgrafe  eine  weile  unnd  sprach  darnoch :  werlich 
ich  eu  wel  nymmer  recht  fro  werden,  ich  en  brenge  dich  danne  darzu, 
das  du  mich  herro  must  heysen!    Unnd  dar  noch  nicht  ubir  lange  R"*1» 
czid,  do  wart  der  lantgrafe  mit  den  von  erflorte  über  eyn,  das  sy  des 
grafen  von  wymar  vyend  worden  unnd  ouch  des  grafen  von  swaicz- 

n  Nncli  C.  Beyern,  a  O.  S.  25  verloren  die  Gegner  Erfurts,  Landgraf  Friedrich 
und  Erzbiachof  Balduin,  nur  einen  Reiter,  welcher  in  einen  Graben  gestürzt  war  und 
daselbst  ertrank:  ,s  Uber  den  Frieden,  welchen  Elisabeth,  die  Mutter  des 
Landgrafen  Friedrich  II.,  vermittelte,  s.  C.  Beyer  a.  a.  0.8.25  ff.,  UE  II  No.  148. 
150-155.  157  u.  158. 161.167— 169. 

150.  1  Über  den  sogenannten  „thüringischen  Grabenkrieg",  welchen  Rothe 
nach  der  bist.  Pistor  (Ausgabe  v.  J.  1583:  pag.  939  sq.,  in  der  Ausgabe  von 
Struve,  1726,  pag.  1844  sq.)  erzählt,  berichtet  die  Teterschronik  (1.  1.  pag.  460 sq.; 
s.  auch  MEH  pag.  375—377 )  nur  abgerissen,  ohne  richtige  Einsicht  in  den  Zusammen- 
hang der  EreigniHse,  welcher  noch  nicht  klar  dargelegt  ist,  wenn  auch  in  der 
heissigen  Arbeit  von  Frd  I»renz  Hoffmanu:  ., Günther  von  Schwarzburg,  er- 
wählter romischer  Konig',  in  Hessen  Taschen huch  der  Geschichte  und  Topographie 
Thüringens  gewidmet,  1819,  S  .  89  ff.,  bereits  ein  guter  Anfang  gemacht  worden 
ist,  namentlich  richtig  eine  Scheidung  der  Ereignis!  der  Jahre  1342  und  1343 
von  den  späteren  des  Jahres  1345  und  denen  des  Jahres  1346  in  betreff  der  Orla- 
münder  Grafen  (hierüber  s.  auch  Michclscn.  Urkundlicher  Ausgang  der  Grafschaft 
Orlamünde,  hauptsächlich  nach  Urkunden  der  Hoffmann-Heydenreichschen  Hand- 
schrift, 185«)  gemacht  ist.  Die  Ausnutzung  der  neu  eröffneten  Quellen,  besouders 
in  dem  UE,  wird  über  die  zwischen  den  im  vorigen  Stücke  (No.  149)  erzählten 
Ereignisse  und  dem  ,.Grafeukriegek<  liegenden,  die  nicht  so  glatt  verlaufen  sind, 
wie  mnn  bisher  annahm,  erst  Klarheit  schaffen  (s.  II  No.  160. 18:'..  186.  190.  192.  194. 
205),  über  den  „Grafenkrieg"  «  ebenda  No.  225.233.235  237.245.246.248—254; 
über  Erfurt«  Beleluiung  mit  der  Grafschaft  Vieselbach  ebenda  No.  227—231.  234.281 ; 
überdie Erwerbung  von  Zimmern (infrn)am  Ettersberg*  No.  2SH  293.  S.a.  BES.  104 ff. 

13* 


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196 


150.  Stück. 


burgk  unnd  czogen  mit  here  uft  on  unnd  vorterbeten  orae  dyforte,* 
kobinstete,  hardessleuben ,  breytenherde,  atterssleuben ,  witczeleuben, 
kercheira,  westhusen.  Onch  so  belogen  sy  disse  bürgen  fedelnhusen3 
unnd  vipech,  dy  gewonnen  unnd  zu  brochen  sy.  Dor  noch  gewonnen 
sy  hesselere4  unnd  zu  brochen  es  unnd  gewonnen  dy  stad  wyhe5  unnd 
vorbranten  sy,  unnd  das  sloss  besatczten  sy.  Dar  noch  gewonnen  sy 
willerstete'1  unnd  grotczhcym7  unnd  zu  brochen  sy.  Dar  noch  belogen 
sy  dorneborg8  unnd  gewonnen  das,  unnd  dy  von  erflorte  wolden  es 
ouch  zu  brochen  habe,  unnd  des  en  wolde  derlantgrafe  nicht,  sundern 
er  wolde  dorneborg  ome  selbest  behalde.  Dar  noch  czogen  sy  vor  tun- 
torff,''  unnd  das  zu  wynnen  unnd  on  behalde;  unnd  das  ge  schach. 
Also  besatczte  der  lantgrafe  dorneborgk,  unnd  dy  von  erflbrt  tuntdorff, 
Roth«  r.7o  das  sy  noch  haben.  Dar  umme  nu,  das  grafe  gunther  von  swarczburg 
deme  grafen  von  wyniar  in  symo  krige  by  gestanden  unnd  gehulffen 
hatte,  dar  umme  so  czoch  der  lantgrafe  unnd  dy  von  erflorte  vor  arn- 
9n  stete  unnd  logen  da  vor  unnd  toten  der  stad  unnd  den  dornen,  |  darumme 
legen,  grossen  schaden.  Unnd  dy  von  erflorte  goben  deme  lantgrafen 
vor:  wanne  sy  arnstete  gestormet  unnd  gewonnen  betten,  so  solde  man 
sy  gancz  vor  störe  unnd  vor  terben,  unnd  des  en  wolde  der  lantgrafe 
nicht,  unnd  darumme  sso  czogen  die  von  erflorte  abe,  unnd  der  lant- 
grafe bleyb  alleine10  mit  den  synen  da  vor  unnd  konde  der  stad  nicht 
gewynne,  wanne  dy  von  erflorte  hatten  den  geczugk11  en  wegk.  Dar 
noch  czoch  der  lantgrafe  ouch  abe  unnd  musto  von  nutwegen  in  das 
lant  zu  missen;  das  erfurn  dusse'  czwene  grafen  unnd  besanten  vele 
ore  frunde  unnd  ranton  vor  erftbrt  biss  in  dy  thor  unnd  in  dy  nuwen 
graben  unnd  meynten,  der  lantgrafe  were  ferne  en  wegk,  unnd  der  was 
noch  nicht  evne  mvle  von  erflorte.  Unnd  disse  reisten12  dy  von  erflorte 
vaste  uss  der  stad,  do  bestalten  dy  von  erflorte  deme  lantgrafen  wedder 

*  Es  sind  zunächst  folgende  Ortschaften  genannt:  1)  Tiefurt  a.  d.  Ilm,  Dorf 
im  Grosshzg.  Sachsen,  unweit  Weimar ;   2)  Kobstedt,  Dorf  im  Hrzg.  Snchsen- 
Koburg  u.  Gotha.  Landratsamt  Gotha:  3)  Hardisleben,  Dorf  im  Grosshzg  Sachsen, 
Verwaltungsbezirk    Apolda;    4)   Breitenheerda,    Dorf   im   Grosshzg.  Sachsen, 
Verwaltungsbezirk  Weimar;  5)  Attersleben  (in  der  ersten  Ausgabe  der  liist.  Pist: 
Artisleiben,  in  der  zweiten:  Maretisleiben),   mir  unbekannt,  vielleicht  das  alte 
Albrechtisleben,  später  Allersieben,  jetzt  Ollerslebcn,  Dorf  im  Groaslucg.  Sachsen, 
Verwaltungsbezirk  Apolda,  oder  Audisleben,  das  ursprünglich  Andersleben  hiess 
(s.o.  St.  141  A.4);  6)  Witzleben,  Dorf  im  F.  Sohwarzburg- Soudershausen,  Kreis 
Arnstadt;  7)  Kirehheiui,  preussisches  Dorf  im  Kleine  Erfurt;  8)  Westhausen,  Dorf 
im  Hzgt.  Sachsen -Koburg  u.  Gotha,  Landratsamt  Gotha.       3  Es  folgen  dann: 
1)  Fedelhusen  =  Vippachedelhausen,  Dorf  im  Grosshzg.  Sachsen,  Venvaltuugsbez. 
Weimar,  und  2)  Vqiech  —  Sehlossvinpach,  Flecken  im  Grosshzg.  Sachsen,  Ver- 
waltungsbez.  Weimar.      *  Burghessler,  preuss.  Dorf  im  Kreise  Eckarteberga. 
1  S.  St.  141  A.  1Ü.        ,;  Willerstedt,  Dorf  im  Grosshzg.  Sac  hsen,  Verwaltungsbez. 
Apolda.       7  In  der  bist.  Pistor.  Grysheim;  Griesheim,   Dorf  im  Fürstentum 
Sehwarzburg-Rudolstadt, Ldrateamt  liudolstadt,  a.  d.  Ilm.      *  Dornburg  a.  d.  Saale, 
Stallt  im  Grosxhzg.  Sachsen,  Verwaltungsbez.  Apolda.       9  Tonndorf,  Dorf  im 
Grosshzg.  Sachsen,  Verwaltungsbez.  Weimar,  lange  Zeit  im  Besitz  der  Stadt  Erfurt, 
auch  zu  Stolles  Zeit.       '"  So  erzählt  es  Kothe  nicht;  wohl  Zusatz  von  Stolle! 
u  S.St.44  A.  3.       "  Md  reisen  =  mhd  reisen  „reizen". 


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150.  Stück. 


107 


noch  wind  Dothen  on  wedder  umme  zu  keren;  unnd  das  geschach.  671 
Unnd  dy  von  erflorte  czogen  also  starg  uss,  das  sy  dusse  graten 
jageten  unnd  folgeten  on  noch  biss  an  das  dorf  genant  eginstete.13 
Do  wanten  sich  dy  graten  unnd  streten  mit  den  von  erflorte,  unnd  der 
lantgrafe  quam  on  do  czu  hulffe;  unnd  do  worden  gefangen  czwene 
grafon  von  swarczburgk  unnd  vele  erber  manschafft  mit  on  unnd  fürten 
sy  kovn  erfforto.   Der  lantgrate  volgete  den  fluchtigon  noch  biss  vor- 
arnstete ;  do  slug  her  rittere.  Indes  so  quam  der  grate  von  berneborg 11 
in  dy  stad  kein  arnstete  mit  czwen  hundert  gerugeten  mannen-,  der 
quam  noch  ebene  zu  deme  strite.    Wann  nu  der  lantgrafe  unnd  dy 
von  erfforte  gereyte  mude  waren,  dar  umme  so  worden  der  synen  gar 
vele  erslagen:  er  weczel  von  steine,  er  heinrich  von  aroldeshusen,15  er 
dittrich  von  |  tenstetelfi  rittere  unnd  vele  andere  erber  manschafft  Diss  * 
geschreye  quam  in  dy  stad  erffort,  das  vele  or  borgere  er  slagen  weren.  Rothe  «7* 
Do  schickte  der  apt  von  sancto  peter  vele  wagen   uss  mit  synen 
monchen,  dy  dy  toten  menschen  hole  solden.    Do  feien  uff  dy  wagen 
dy,  dy  uss  dor  stad  erffort  nach  folgeten,  unde  von  ungeschicht  quomen 
czwcy 17  pfert  gelouffen  under  wegen  zu  dissen  wagen  by  ichtriss- 
husen.1*   Do  werte  der  stryd  noch.    Do  beguunen  dusse  czwey  pfert 
unnd  dy  pferde  in  den  wagen  sich  zu  bissen  unnd  zu  schrien.  Das 
horte  der  grate  von  berncburgk  unnd  meynte,  es  quemen  andere  ge- 
rugete  manne  uff  den  wagen,  unnd  Hoch  in  dy  stad  arnstete,  anders 
were  der  lantgrafe  gefangon  worden.    Also  czogen  dy  gowunton  luthe 
unnd  dy  müden  von  stunt  zu  ertlort  in  dy  stad,  unnd  dy  monche,  dy 
luden  dy  toten  uff  dy  wagen  unnd  furton  sy  on  noch.    Also  bleib  der 
lantgrafe  wol  vier  wochen  zu  erflorte  unnd  liss  sich  heile,  wann  her 
sere  zu  slagen  unnd  vor  wundet  was.  Also  wart  do  eyne  richtunge  gc-  iu,tb*  «n 
teydinget,  das  der  grafe  von  wymar  unnd  alle  syne  herssschaftt,  sloss   (*  LJ 
unnd  steto  gab  in  des  lantgrafen.  hende;  dy  gab  ome  der  lantgrafe 
wedder,  also  das  her  unnd  do  sinen  or  gobruehe  solden  or  lobetage 
unnd  nicht  lenger,  sundern  orlemunde  das  behilt  der  lantgrafe  inne.  —  ^e*/3 
Als  man  schreib  nach  cristus  geburt  tusent  (X'CXLII  jar,  dy  von  mol-  Vii'2 
Imsen  worffen  nedder  den  graten  von  reinstem11*  unnd  den  von  wer- 
nyngerode  unnd  fingen  sy  mit  vele  erber  lutheu.-0 


1:1  Egstedt,  preußische.-*  Dorf  im  I/andkreise  Erfurt.  14  Es  war  wahr- 
scheinlich Graf  Kupprecht  III.  von  Virneburg,  Bruder  de»  Erzbisehofa  von  Mainz 
HHnrich  von  Virneburg  —  s.  Hoti'mann  a.  a.  O.  S.  113  (A..°.0).  "*  Orlishus«n, 
Dorf  im  Grosshzg.  Sachsen,  Verwaltuugsbcz.  Weimar.  ";  Tennstedt,  proussisches 
Städtchen,  Kreis  Langensalza.  ,;  Der  Abt  hiess  Hermann  von  Eichclborn 
1 1837  —  1353),  s.  Böckner,  MOE  X  S.  53.  Übrigens  arges  Missvorstündnis  des  Chro- 
nisten; nach  den  (Quellen,  denen  auch  Itothe  folgt,  sind  es  zwei  Pfeifer,  welehe  blasen; 
nach  seiner  Art  stellt  Stolle  breit  dar,  wie  die  Pferde  angelaufen  kommen  und  dann 
schreien:  an  sich  der  Situation  gar  nicht  nngepasst,  denn  nicht  vor  dem  Schreien 
der  Rosse,  sondern  vor  dor  kriegerischen  Musik,  welche  von  anrückenden  neuen 
Trupjien  herzurühren  schien,  zog  sich  der  tapfere  Graf  von  Virneburg  hinter 
Arnstadts  schützende  Mauern  zurück.  '*  Ichtershausen  (bekanntes  Kloster), 
Marktflecken  im  Herzg.  Sachsen  -  Koburg  u.  (iotlia,  zwischen  Erfurt  u.  Arnstadt. 


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151.  und  152.  Stück. 


151.  Wy  dy  von  erfforte  unnd  der  lantgrafe  vele 
^676  stete  unnd  slossere  gewonnen.1 

1345  Als  man  czalte  noch  cristus  geburt  tusent  CCCXLV  jar,  do  czogen 
dy  von  erfforte  uff  dy  grafen  von  swarczburgk  unnd  gewonnen  rudel- 
m  stad 2  unnd  brochten  vele  gutis  dar  uss  unnd  vor  branten  dar  noch  |  dy 
stad.  —  Item  in  deme  selbigen  jare,  do  czoch  lantgrafe  frederich  der 
ernste  mit  den  von  erfforte  an  deme  palmen  tage3  vor  willerstete* 
unnd  gewonnen  unnd  zu  brochen  das,  unnd  dar  nach  alkersleuben,5  unnd 
dar  nach  nach  unsers  hern  hyramelfart,6  do  czogen  sy  vor  kola7  unnd 
gewonnen  unnd  zu  brochen  das  unnd  fingen  darynne  woll  funffczig 
manne  erber  luthe.  Dar  noch  czogen  sy  vor  werichhusen8  unnd  ge- 
wonnen unnd  zu  brochen  das. 


<Roth*676)  152.  Wie  dy  liern  von  saleza1  or  lant  vorkouft  haben. 

Rette  681 

1346  Als  man  schreib  nach  cristus  geburt  tusent  COCXLVI  jar,  da  teylten 
sich  dy  gebrudere,  dy  hern  von  saleza,  unnd  czwcne,  dy  vorkoufften 
oren  teyl  deme  bisschoffe  zu  mentcz,  unnd  der  dritte  vor  kouffte  synen 
teyl  lantgrafen  frederiche  deme  ernsten;  unnd  dy  czwene  hern,  der 
bisschofl  unnd  der  lantgrafe,  hatten  orevoyte  gesatczt  in  dy  stad  saleza. 
Do  wart  des  lantgrafen  voyt  uss  getreben.  Do  czoch  der  lantgrafe 
mit  ge  wald  vor  dy  stad  saleza  unnd  belag  dy.  Do  spotten  sin  des 
Roth«  6»s  bisschoffes  dynere  unnd  onch  etliche  bürgere  uss  derselben  stad.  Do 
hiss  her  für  dor  in  schessen,  unnd  das  toten  dy  sinen  gar  ungerne, 
also  lange,  das  her  das  selbest  zu  erst  in  schoss.  Do  vorbranten  unnd 
vortorben  in  dor  stad  saleza  dy  manne,  das  man  czalte  achthundert 
unnd  achte  unnd  sobenezig  menschen,  unnd  gar  vele  luthe  feien  ubir 
dy  muren  beyne  unnd  arme  enezwey.  Unnd  do  der  lantgrafe  dy  stad 
saleza  also  vorbrant  hatte,  do  lag  her  noch  lange  vor  deme  slosse  unnd 
warff  mit  bliden  dar  in,  biss  also  lange,  das  eyne  richtunge  geteydingtt 

10  Ruine  Kegenstein,  Kr.  Hall>erstadt,  unweit  der  braunschweigischen  Stadt 
Blankenburga.Harz.-Wernigerode.dicbckannteStadtim Harze.  S.BES.  107.  »"Die 
Peterschronik  (a.  a.  O.  |>ag.  461)  erzählt  z.  J.  1346:  Castrum  Ercsberc  uf  deine 
Harze  expugnatuin  et  eversum  est  per  cives  Ernhordenses  et  Molhunenses,  uM 
Hermannus  de  Stolbere  et  Heinrieu*  de  Wirterdc  dccollatus  est.  Item  XV  ibi 
sunt  suspensi.  —  S.  auch  UEII  Nr.  263. 

151.  1  Diese  Ereignisse  gehören  noch  zum  sogen.  Grafenkriege.  *  Die  Er- 
oberung Rudolstadts  geschah  durch  die  Landgräflichen ,  s.  Hoffmann  a.  a.  O. 
S.  104  u.  115,  nähere*  im  I.  Bande  des  ob.  St.  150  A.  1  citierten  Tascheubucln* 
S.  40  f.  3  Der  Palmsonntag  d.  J.  1345  fiel  auf  den  20.  März.  4  S.  ob.  St.  150 
A.  6.  r'  Alkersleben,  Dorf  im  Fürstentum  Sehwarzburg- Sondersbausen,  bei 
Arnstadt.  ,;  Am  5.  Mai  1345.  7  Kahla,  Stadt  im  Herzogtum  Sachsen-Alten- 
burg,  bei  Jena,  an  der  Saale.  8  Werichhausen,  Dorf  im  Herzogtum  Saehsen- 
Koburg  u.  Gotha,  an  der  schmalen  Gera,  nördl.  von  Erfurt. 

152.  1  Auch  die  Peterschronik  erzählt  die  Vorgänge,  s.  a.  a.  ().  S.  461  sq.  — 
Göschel,  Chronik  der  Stadt  Langensalza,  löl8,  1,  S.  221-245. 


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153.  Stack. 


100 


wart  czwissehen  |  demo  bisschoffe  unnd  deme  lantgrafen,  also  das  sy  v 
beyde  glich  behaldo  solden  das  sloss  unnd  dy  stad.  —  Item  in  den  Rötha  es* 
selbigen  gecziten  do  machten  der  herczoge  von  Sachsen   unnd  der 
bisscuoffvon  roeydeborg  einen  muller  zu  eynem  margrafen  zu  branden- 
borg unnd  sprochen:  niarggrafe  woldemar*  were  wedder  lebennig 
worden,  der  vor  XXV  jaren  gestorben  unnd  begraben  was. 


153.  Wye  dy  korfursten  czweitrechtig  worden  in 

der  wehuige.  Rothe  686 

Also  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  COCXLVili  jar,  also  1348 
keyser  lodewigk  gestorben  was,  do  korn  enteyl  korfursten  karln,  den 
koning  zu  bchemen,  enteyl  korn  graten  Heinrich  von  berneborg,1  unnd 
der  bisschoff  von  mentcz  -  mit  etlichen  andern  korfursten3  korn  grafen 
gunthern  von  swarczburg,4  unnd  der  nam  an  sich  syner  frunde  hulffe 
unnd  lag  mit  beere  vor  frangfort  vier  woehen  unnd  wart  do  ge  krönet 
zu  konige;  unnd  darnach  ubir  korczo  czid  wart  ome  vorgeben;5  unnd 
do  her  enczup,0  das  her  nicht  genösse  konde,  do  schickte  her  konigo 
karl  zu  beheraen  das  rieh,7  unnd  der  gab  synen  frunden  vele  geldes  Rothe  687 


'  Mit  merkwürdig  Einsicht  durchschaut  Mit  der  Chronist  das  Ränkespiel 
namentlich  des  Erzbischofs  Ott«  (aus  dem  Geschlecht  der  Landgrafen  von 
Heesen,  1327—1361)  und  des  Herzog»  Rudolf  von  Sachsen,  welche  eineu 
Müller  (Jacob  Rehbock)  als  sogen,  „falschen  Waldemar"  aufstellten,  um  den 
Wittelsbachern  die  Mark  Brandenburg  zu  entreissen. 

Ktf.  1  Arges  Missverständnia  des  Chronisten:  nicht  der  Gewählte  war  ein 
Heinrich  von  Virneburg  |hist.  Pist. :  Hernien»  de  Verneborg],  sondern  der  Wähler, 
der  Erzbisehof  Heinrich  war  Graf  von  Virneburg.  Wohl  aber  hatte  die  wittels- 
bachische  Partei  ihr  Augenmerk  auf  Landgraf  Friedrich  JI.  von  Thüringen  ge- 
richtet, s.  C.  Wenck,  Die  Wettiner  im  14  Jahrb.,  1877,  8  6  ff.  Als  dieser  ab- 
lehnte, verfiel  man  auf  Graf  Günther  XXI.  von  Sehwarzburg-Arnatadt.  '-'  Erz- 
bischof  Heinrich  von  Virneburg  (im  Besitze  des  Erzstiftes  1337—1353),  nicht  sein 
Gegenbischof  Gerlaeh  von  Nassau,  vom  Papste  1340  ernannt,  welcher  auf  Karin  IV. 
Seite  stand.  3  Ausser  dem  genannten  Erzbischof  Heinrich  von  Mainz  waren 
es  der  Pfalzgraf  bei  Rhein  Rudolph,  Markgraf  Ludwig  von  Brandenburg  und 
Herzog  Rudolph  von  .Sachsen- Wittenberg.  *  Über  den  König  Günther  von 
Schwarzburg,  seine  Erwählung.  nein  Königtum  (1.  Jan.  — 14.  Juni  1349|,  seine  Ver- 
giftung nnd  seinen  T«*l  s.  näheres  bei  Friedr.  Lorenz  Hoflmann.  Günther  von 
Schwarzburg  i.  d.  genannten  Tawheii buche  der  Geschichte  nnd  Tojwgraphie 
Thüringens  gewidmet  von  Hesse  II.  1819,  S  132  ff.  •"'  Allgemein  verbreitete 
Ansicht  !  Der  Frankfurter  Arzt,  der  dem  Könige  Günther  das  Gift  gereicht  halten 
soll,  wird  Magister  Freidank  genannt.  Das*  es  der  in  Frankfurt  allgemein  ge- 
achtete, hochgelehrte  Arzt  Meister  ]'  reidauk,  aus  dem  alten  Geschlechte  derer  von 
Heringen,  nicht  gewesen  sein  kann,  erweist  Holtmann  a  a.  (  >.  16"»  f.  u.  S.  188  ff., 
da  dieser  schon  krank  am  IV  April  1349  testierte  und  am  29.  April  d.  J.  starb, 
die  Vergiftung  aber  erst  am  Anfang  Mai  1349  geschehen  sein  soll.  "  S.  ob. 
Si.  4  A  2  u.  St.  61  A.  2.  7  Der  Vertrag,  durch  welchen  König  Günther  der 
Krone  entsagte,  wurde  am  Dienstag  vor  Pfingsten,  am  26.  Mai  1349,  im  Felde 
vor  Eltville  am  Rhein  zwischen  ihm  und  König  Karl  IV.  geschlossen. 


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200 


154.  Stuck. 


unnd  ouch  das  schultheison  ammecht  zu  geylnhusen*  unnd  vclo  fry- 
heit;  unnd  hir  nach  ubir  eyn  jar  do  starpy  lantgrafo  frcderich  der 
134»  ernste,  als  her  XXXIX  jar  ald  was,  unnd  lid  begraben  zu  der  cellen 10 
im  lande  zu  missen.   

154.  Wy  lantgrafen  frederichs  des  ernsten  kindere1 

ge  friget  haben. 

Roth«  6*7  Frederich  der  frunthöldiger,  lantgrafe  in  doringen,  margrafe  zu 
97  missen  unnd  in  deme  j  ostorlande  mit  synen  dren  brudern  balthasar, 
wilhelm  und  lodewige,  das  worn  lantgrafen  frederichs  sone  des  ernsten. 
Dusser  lantgrafe  frederich  der  frunthouldiger,  der  nam  zu  der  e  des 
grafen  von  hennenberg  tochter,  frawen  katherinen.'-  Sin  bruder  baltasar 
nam  zu  der  e  borgrafen  johans  tochter  von  nomberg.  Sin  bruder 
wilhelm  nam  des  margrafen  tochter  von  merern,3  unnd  der  vierde 

8  Stadt  Gelnhausen  an  der  Kinzig,  in  Hessen,  Regbez.  Kassel.  Dom  Edlen 
Konrad  von  Trimberg  hatte  König  Günther,  um  ihn  in  seine  Dienste  zu  ziehen, 
die  von  Kaiser  Ludwig  dem  Bayer  geschehene  Verpfändung  des  Ungeldes  (in- 
direkte Steuern)  der  Stadt  Gelnhausen  bestätigt.  Bei  seiner  Thronentsagung  er- 
hielt König  Günther,  um  ihn  und  seine  Familie  (besondere  die  Grafen  von  Hohn- 
stein hatten  ihm  viel  Geld  vorgeschossen)  für  die  aufgewandten  grossen  Kosten 
zu  entschädigen,  20000  Mark  Silbers  und  noch  besonders  1200  Mark  für  die 
Ausgaben  in  Frankfurt;  als  Pfand  hierfür  erhielt  er  und  seine  Erben  u.  a.  die 
Burg  und  Stadt  Gelnhausen  von  König  Karl  IV.  0  Am  2.  Februar,  n.  and.  am 
18.  bezw.  20.  November  1349,  «.  BE  S.  112.  10  Altzelle,  königl.  säelis.  Dorf,  bei 
Meissen.  Altzelle  (Alt-Celle),  ehemaliges  Mönchskloster  bei  Nossen  in  Sachsen 
(Amtshauptmannschaft  Meissen),  war  1145  für  Benediktiner  gestiftet,  1175  in  ein 
Cistercienserkloster  umgewandelt,  wurde  1544  säcularisiert,  oft  erwähnt  RDThD  II, 
s.  Index,  pasr  456.  Hier  wurden  die  Wcttiner  von  Otto  dem  Keichen 
an  bestattet.  Friedrich  II.,  der  Ernste,  baute  1347  eine  Grabkapelle,  als  seine 
Gemahlin,  Mechthild  von  Bayern,  starb;  hier  fand  auch  er  seine  Kuhestätte.  und 
seine  Nachfolger  bis  auf  Friedrich  den  Strengen,  s.  Ed.  Beyer,  Das  Cister- 
oienserstift  und  Kloster  Altzelle,  1855:  ö.  Begräbnis  des  markgräflichen  Hauses 
S.  131  — 145,  und  Kaemmcl,  Ein  Gang  durch  die  Geschichte  Sachsens,  18*9,  S.  12. 

154.  1  Landgraf  Friedrich  II.  der  Ernste  hatte  mit  seiner  Gemahlin  Mech- 
thild von  Bayern  9  Kinder  erzeugt:  5  Söhne  und  4  Töchter.  Die  Söhne 
waren:  1)  Friedrich,  geb.  1330,  starb  bald  nach  seiner  Geburt,  2)  Friedrich,  geb. 
1332,  Friedrich  III.  der  Strenge  (1349—1381),  3)  Balthasar,  geb.  1336,  4)  Ludwig, 
geb.  1340  und  5)  Wilhelm,  geb.  1343  (s.  Wencka.a.  ü.  S.  96  A.  1  z.  S.  10).  Töch  ter: 
1)  Klara  und  2)  Anna,  Zwillinge,  starben  jung,  3)  Elisabeth,  vermählt  mit  dem 
Burggrafen  Friedrich  von  Nürnberg;  ihr  Sohn  war  Friedrich,  geb.  1372,  welcher 
die  Mark  Brandenburg  erwarb,  sie  wurde  also  Stammmutter  des  kurfürstlichen 
Hauses  von  Brandenburg,  der  Hohcnzolleru,  4)  Beatrix,  Gemahlin  Bernhards  IV. 
von  Anhalt;  nach  dessen  Tode,  1354,  trat  sie  in  den  geistlichen  Stand  und  wurde 
Äbtissin  von  Seuselitz,  s.  ob.  St.  145  A.  5.  5  Die  \  ermählung  mit  Katharina, 
Tochter  des  Grafen  Heinrich  VIII.  von  Hcnncbcrg,  hatte  schon  vor  ihrer  Voll- 
ziehung (1346)  und  auch  nachher,  da  der  Hennebergcr  Graf  die  beanspruchte  Mit- 
gift nicht  geben  wollte,  Irrungen  und  auch  Kämpfe  zur  Zeit  des  „Grafenkrieges'' 
heraufbeschworen,  war  jedoch  zu  gunsten  der  Wcttiner  beigelegt  und  hatte  sie 
auch  im  Süden  des  Thüringer  Waldes  durch  Erwerbung  von  Koburg  festen  Fuss 
fassen  lassen.  8  Der  Chronist  irrt  hier  wieder  einmal:  Balthasar  vermählte 
sich  mit  Margarete,  der  Tochter  des  Burggrafen  Albrecht  von  Nürnberg,  die 
i.J.  1374  als  Mitgift  Hildburghausen  den  Wettinern  zubrachte,  Wilhelm  ver- 


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155.  und  156.  Stück. 


201 


bruder,  der  wart  eyn  bisschoff  zu  halberstad,  dar  noch  zu  babenbergk, 
unnd  zu  letzt  wart  her  besteriget  von  deme  bobiste  zu  einem  bisschoffe 
zu  nientcz.  Dusser  lantgraio  frederich,  darummo  das  her  der  eldeste 
was  under  synen  brudern,  so  was  her  formunde  unnd  herre  in  oren 
landen  wol  by  czwenczig4  jarn. 


155.  Von  eynem  sterben.1  Rothes? 

In  deme  .jare,  als  man  schreib  nach  cristus  geburt  tusentCCCXLIX  KW« 
jar,  do  wart  eyn  gross  sterben1  im  lande  zu  doringen  unnd  in  andern 
landen  nicht  also  gar  unmeslich,  unnd  wart  ein  gomeyne  sage,  das 
dy  joden2  betten  alle  borner  vorgifftiget  unnd  zuvorstorne  den  heiigen 
cristen  glouben,  unnd  darummo  so  brante  man  alle  joden  also  wid,  also 
dusser  hern  land  was.   

156.  Von  den  geisselern1  unnd  cruezegern,  dy  in 

den  landen  um  nie  gingen.  "i*?* 

Also  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CC0L  jar,  do  gingen  1*>0 
dy  geysselere,  adir  *1  y  man  hiss  dy  erneze  brudere,  unnd  gingen  an 
grossen  scharen  in  den  steten  |  unnd  uff  den  dorftem  mit  fanen  unnd  » 
sungen  eygene  leysson2  unnd  hiwen  unnd  uitzten  sich,  unnd  dy  worden 
alle  vorbannet  von  deme  bobiste  ummo  des  willen,  das  sy  on  selber 
bussse  satzten  umme  ore  sunde  unnd  sich  do  meto  er  losse  wolden 
mit  orer  ufi'enbar  busse,  dy  dach  nymande  gebort  zu  thune  danne  den 
utt'enbarn  sundern,  den  ess  vom  heiigen  stole  zu  rome  gesatezt  worde. 
Wann  nu  dussen  selbigen  geisselern  adir  dy  sieh  lissen  heysse  dy 
eruezebrudero  eyn  solches  nicht  gesatezt  was  von  pristerlieher  gewald, 

lobtesieh  135S,  vermählte  sich  1363  mit  Elisabeth,  der  Tochter  des  Markgrafen  .To  hau  n 
(.Tobst)  von  Mähren.  4  Da  bei  dem  Tode  Markgraf  Friedrichs  Ii.  sein  Sohn 
Friedrich  zwar  erst  17  Jahr,  aber  sein  Bruder  Balthasar  13,  Ludwig  l)  und  Wilhelm 
6  Jahre  alt  waren,  so  regierte,  auf  den  Bat  ihrer  klugen  (rrossmutter  Elisabeth, 
die  noch  in  (jotha  lebte  (f  1350),  als  Vormund  der  3  Brüder,  zunächst  Friedrich  JH., 
der  Strenge,  auch  Frcundholde  (truntholde)  genannt,  und  zwar  allein  bis  1368,  wo 
eine  gemeinschaftliche  Regierung  aller  3  Brüder  (Ludwig  war  in  den  geistlichen 
Stand  getreten)  eingerichtet  wurde. 

1  Eine  verheerende  pestartige  Seuche,  ursprünglich  aus  Asien  stammend, 
genannt  der  „schwarze  Tod",  verbreitete  sich  über  Europa:  in  Deutschland  und 
hosouders  in  Thüringen  war  die  Sterblichkeit  sehr  gross.  1  Quelle  ist  die 
retersehrnnik  a.  a.  O.  S.  462  sq.  Über  den  Judenmord  in  Erfurt  s.  Michctscn,  Zur 
Beurkundung  des  Judensturmes  zu  Erfurt  i.  J.  13-1!»,  ZTh(}  Bd.  IV,  S.  145 -las, 
Nachtrag  ebenda  S.  319  —  324,  s.  a.  ME  S.  107  fT.  Die  Urkunden  siebe  jetzt  im 
EUII  No.  314.  315.  316;  über  die  Schulden  an  die  Juden,  die  wohl  eine  nicht 
geringe  Veranlassung  zur  Verfolgung  der  Juden  gegeben  haben,  s.  ebenda  Xo.  2S4. 
21)4.333;  über  die  Judensteuer  s.  ebmdn  No.  327.  :52S.  350. 

15«.  1  Auch  hier  ist  die  lVterscbronik  bis  pag.  463  Quelle.  Rothe  muss 
aber  noch  andere  Quellen  gehabt  haben  als  Lilienkron  (bist.  Pist.  pag.  1)51  i.  cp. 
105)  nenut.       *  Das  kirchliche  Kyrie  eleison. 


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202 


i57.  und  158.  Stück. 


sundern  on  seihest  zu  eyner  uff  ruckunge3  unnd  zu  swechunge  unnd 
missebethunge  der  pristeriicher  ere  unnd  gewald,  hirumme  so  worden 
sy  also  von  deme  heiigen  gnedigsten  vater,  derae  bobiste,  alle  vor- 
bannet. Ouch  geben  sy  czeichen,  das  man  sach,  was  sundo  or  iglicher 
besundern  hatte  gethon,  wann  or  enteyl  dy  vilen  uff  ore  rucke,  enteyl 
dy  vilen  uff  dy  syteu,  enteyl  uff  den  buch,  dor  noch  ore  sundo  warn, 
unnd  predigeten,  das  on  nicht  erloubet  was,  wanne  doch  nymant 
predige  sal,  er  sy  danne  darzu  gewyhet.  Hirumme  so  enstund  von 
Rothe  6oo  on  gar  vele  heymeJicher  ketezerye.  —  In  deme  selbigen  jare  wart  zu 
rome  vor  gebene  pyne  unnd  schult,  geheisen  das  gülden  jar.4 


uo698        157.  Wy  eyn  keyser  unnd  eyn  lantgrafe  zu 
doringen  czogen  uff  den  grafen  zu  plawe. 

1357  Als  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CCCLVM  jar,  do  czoch 
98  dusser  lantgrafe  frederich  der  fruntholder  mit  keyser  karle  |  uff*  den 
russsen  von  plawe,  der  danne  vele  sloss  von  der  krönen  zu  bohemen 
under  sich  hatte  bracht,  unnd  der  keyser  totte  gar  vele  luthe  in  den 
selben  slossen,  dy  her  gewan.  Darummo  so  worden  dy  voyte  des 
russsen  also  forchtig  uff'  den  andern  slossen,  das  sy  dy  deme  keysere 
ane  grosse  were  in  goben  unnd  dingeten  lip  unnd  leben  uss,  unnd 
ditte  vor  dross  den  russsen  also  sere,  das  her  dy  voyte  zu  ome  hisch 
unnd  treib  sy  in  eine  schunen  unnd  vorbrante  sy.  In  dissem  selben 
krige  worden  den  hern  zu  missen  dy  stad  czegerig,1  triptis,  huma, 
gythen  unnd  runebergk. 


15S.  ^Yy  der  lantgafc  zu  doringen  czocli  uff  den 
Kuth«  7o»  apt  zu  fiilda. 

Als  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  (XC-LXI  jar,  do  ezoeh 
lantgrafe  frodorich  der  frunthuldiger  in  das  land  zu  buchen  1  uff  den 
apt  zu  tu  Ida,  unnd  der  lantgrafe  zu  hessen-  quam  ouch  do  zu  ome, 

J  ,.rfruekunge"  -  „Aufrichtung",  lii<>r  in  tadelndem  Sinne  „Aufblähung",  Stolz 
und  Eigendünkel.  l)er  Standpunkt  Kot  hos  wir  Stollos  ist  dor  priesterliehe 
gegenüber  den  l>aion ,  welche  priesterlicho  Verrichtungen  sich  anniassteu. 
'  Pas  Jubeljahr  war  i:{.">0  ih.  IVterschronik  1. 1.  pag.  4o3i.  Näheres  über  Juhcl- 
jahro  s.  St.  :Ul  A.  1. 

157.  1  1  »i«.*  in  dem  Kampfe  seiton«  Kaiser  Karl  IV.  und  des  Landgrafen 
Friedrieh  III.  gewonnenen  Orte  sind  h  (Vorig  -  Ziegenrück,  proussisehe  Kreis- 
stadl i.  lieghez.  Kif'urt;  2)  Triptis  a.  d.  Orla,  Dorf  im  (irosr.hr/..  Sachsen.  Ver- 
waltiingsU'/..  Neustadt  a.  d.Orla;  H\  Huma,  verseil  riehen  für  Auma,  Städtehen 
im  <  Jrosshrz.  Sachsen,  Verwaltung*  bez..  Neustadt  a.  d.Orla;  4)  t  Sythen.,  eben- 
falls verschrieben,  vielleicht  —  lieuthen  i.  Altenbeuthen,  Dorf  im  preus«.  Kreise 
Ziegenrück;  •">;  Kouneherg       Ronneburg,  Stadt  im  Herzogt  Sachsen-Altenburg. 

158.  1  Ö.  ob.  St.  «2  A.;{.  Landgraf  Otb>  von  Hessen. 


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159.  Stück. 


203 


unnd  gewonnen  hunefeld3  unnd  toten  grosssen  schaden.  Do  liss  der 
apt  werben  umme  richtunge  unnd  quam  also  balde  zu  on  keyn 
gerstungen1  unnd  gab  sich  an  gnade. 


159*  Wy  eyn  lantgrafe  zu  doringen  unnd  eyn 

herezoge  zu  forunsswig  gekregen  liaben.  rouwwj 

Also  man  czalte  nach  cristns  geburt  tusent  CCCLXV  jar,  do  was  1365 
eyn  herezoge  zu  brunswigk,  genant  herezoge  albrecht  vom  salcze,1  der 
roubeto  unnd  beschedigete  dy  erbar  manschafflt  im  lande  zu  doringen 
unnd  wolde  des  nicht  losse  umme  schrifft  unnd  bethe  willen  des  lant- 
grafen  frederichs,  unnd  sprach,  her  wolde  sin  land  vor  den  doringen 
wol  behalde,  ab  ess  lantgrafen  reynte,2  unnd  hild  des  vele  roubere  |  uff v 
sy,*  dy  vord3  wolden  dy  doringe  beschedige.  Do  besammete  sich  dusscr 
lantgrafe  frederich  der  fruntholdiger  mit  gar  einem  grossen b  here  unnd 
czochdo  metein  Sachsen  unnd  gewandy  hindenborg1  unndwinthusen  unnd  ««>««> '07 
noch  czwey  ander  sloss  unnd  vor  herte  deme  herezogen  zu  brunswig 
alle  sin  land  unde  vor  branto  ome  ouch  sine  dorffere  unde  logertec  sich  Rotbe  <oe 
vor  das  salczd  unnd  liss  eyn  werg5  unnd  katezen  mache  unnd  treyp 
sy  darzu.    Do  hatte  der  herezoge  von  brunswig  eyne  bly  buchsen*' 
unnd  8choss  in  das  werg,  unnd  ditte  was  dy  erste  buchsen,  dy  da  ye 
in  dissen  landen  vornomen  was.    Dar  noch  brachte  der  lantgrafe  den  Ro  i*  707 
herezogen  dar  zu,  das  her  ome  musso  verbürgen  von  stund  ome  nach 

*  ■ 

•  IIS  u.  «  nicht,  erginxt  »ug  Rotte.      b  HS:  growr;  o:  g*r  ein  groMM.       0  HS:  lorRerte; 
e:  leite.       d  inhloa?  deun  Roth«:  das  Kakze  <1m  acbloi. 

'■'  Hünfeld,  preuss.  Kreisstadt  im  Rcgbez.  Kastel.      *  Flecken  an  der  Werrn, 
im  Grossherzogtuin  Sachsen,  Verwaltungsbcz.  Eisenaeh,  s.  u.  St.  17*  A.  2. 

1T>9.  1  Albreeht  II.,  Herzog  von  Braun  schweig,  nach  .seinem  Wohnsitze, 
Schlosa  Salz  der  Helden  (—  Salzderhclden  (Fleeken  in  der  preuss.  Landrostci 
Hildeshehn)  Herzog  von  Salza  genannt.  *  Kegeneu,  kontrahiert,  md  reinen 
und  rein,  praet.  reinte  =  regnete.  *  Vort,  nuf  vord,  adverb.,  räumlich  und 
zeitlieh,  im  letzteren  Sinne „fortan,  fernerhin.4'  *  Da  die  Orte  für  «He  thüring. 
Gbronisteu  entfernt  Ingen  und  daher  ihnen  unbekannt  waren,  so  sind  die  meinten 
Namen  entstellt-  Hiudcnbcrg  (schwerlich  das  Dorf  im  preuss.  Kreide  Osterburg, 
Reghez.  Magdeburg)  ist  uns  der  Lage  nach  unbekannt,  wahrseheinlieh  auf  dem 
Wege  vom  Eiehsfelde  muh  Salzderhelden;  Winthusen  —  Windhausen,  Dorf  im 
Herzogtum  Braunschweig,  Kr.  Gandersheim;  die  bist.  Pist.  nennt  noch  Went- 
luisen,  Kothe  Werghusen  (vielleicht  Willershausen)  und  Licehteuhayn,  vielleicht 
Lichtenhagen,  heide  hei  Gittelde  im  Braun-chweigisehen.  :'  D.  i.  „Antweike4", 
die  technischen  Hilfsmittel,  deren  man  sich  im  Mittelalter  bei  Belagerungen  be- 
diente: die  maehinac  oppugnatoriae,  jaculaloriae  (bes.  die  bilden)  und  tectoriae; 
zu  letzteren  gehörten  auch  als  Deckung  die  fahrbaren  Holzbrustwehren  und  be- 
deckte Stände  oder  Hallen,  Katze  (auch  Sau)  genannt,  meist  ein  Schirmdach 
oder  hölzernes  Blockhaus,  das  auf  Kadern  oder  Hollen  an  die  Mauer  geschoben 
wurde.  '''  Für  du*  nördliche  Deutschland  eins  der  ersten  Daten  des  Gebrauches 
von  Feuerrohren;  die  erste  urkundliche  Erwähnung  ist  nur  ungefähr  M)  Jahre 
früher,  z.  Jahr  1313  in  den  (renter  Annalen. 


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204 


160.  und  1(11.  Stück. 


zu  ritene  biss  kein  ysenaehe  unnd  sich  gutlichen  mit  onie  zu  vor- 
sunen.  Unnd  das  Aeschach.  —  Dar  noch  nicht  lange,  do  brach  der 
selbige  herczoge  den  frede,  unnd  do  czoch  dusser  lantgrafo  frcderich 
wedder  uff  den  horezogen  mit  achte  tusent  gewopenten  unnd  brochte 
den  herczogen   do  zu  ganczer  unnd  steter  vorsununge  unnd  rich- 

Hoth«  705  tunge.  —  Item  in  deme  selbigen  jare,  do  czoch  martgrafe  baltazar, 
lantgrafe  frederichs  bruder,  in  engcland7  zu  domo  konigc  uund  haltt* 

Kotiic  708  ome  do  wedder  den  konig  von  franckrich  unnd  wart  do  ritter,  unnd 
sin  bruder  wilhelni*  czoch  in  Elsasssen  widder  dy  goselsehafft  von 
brytanien. 


Ro«h. 7io  160.  Von  einem  ertbehunge." 

136«        Als  man  czalte  nach  eristus  geburt  tusent  CCCLXVI  jar,  do  wart 
i.e  eyn  ertbebunge»  |  zu  stad  molhusen  unnd  zu  isenache.  Dy  werte  eyne 
halbe  stunde  unnd  was  in  den  pfingiseheyligen  -  tagen. 


UM.  Wy  dy  von  crffort  wnsseiibors;1  unnd  dm 
»■'««»  swarezen  wähl   gekoufft  hatten. J 

Anfang.  ^ 

1300        Item  in  deine  selbigen  jare.  da  czoch  der  grafe  von  swarczpurg  in 
das   land   zu   francken   uff  den  bisschoff  von  werczpurg,1  unnd  des 

i 

r 

»  HS  schn'Hit  M  hreilit  ertl.eguuge,  v:  ertJ^bun^  Uuch  Koth«  nn). 

7  Die  Kämpf«'  des  Königs  Kduard  III.  (1327-  1377)  um  die  Krone  Frank- 
reichs sind  gemeint,  also  gegen  die  französischen  Könige  Philipp  VI.  (1328 
l:;.'.0).  Johann  den  Guten  "(l:s:»0-18O4)  und  Karl  V.  (1361_l:^Oj.  H  Aller- 
dings sieht  in  der  bist.  Fistoriana  1. 1.  pag. 'J44:  Itein  Wilhelmus  frater  Frideriei 
innior  arripnit  iter  versus  Alsatiam  cum  pluribus  prineipibus  contra  soeietatem 
malaui  de  Britaunia,  et  soeietas  fitii  fugata  et  multi  occisi.  Söldnerscharen,  die 
nach  Beendigung  der  Kriege  in  der  I/otnbardei  das  südliche  Deutschland  üIht- 
sehwcinnitcn  und  auch  Stras-burg  belagerten,  wurden  von  einer  Anzahl  deutscher 
Fürsten  zerstreut  und  vernichtet;  auch  Landgraf  Friedrieh  beteiligte  sich  an 
diesem  Kriegszuge  mit  300  Lanzen  rei l ern  ,  wie  Kolbe  St.  708  berichtet;  es  liegt 
also  wohl  eine  Verwechslung  der  Namen  Friedrich  und  Wilhelm  vor,  die  daher 
kam,  d:iss  letzterer  i.  J.  1370  mit  Kaiser  Karl  IV.  nach  der  Lunbardci  zog, 
s.  Kolbe  712  u.  unten  St.  1152  a.  K. 

100.  1  Nelien  erbibe,  ertbiben,  ertbibot  kommt  mhd  auch  schon  ertbihuuge 
vor.  das  md  zu  ertbebunge  wird.  '!  Mundartlieh  für  phingesthciligeu  tagen  = 
„  ITuigstfeiertagen.4' 

101.  1  S.  ob.  St.  3*»  A.  U.  '  Schwarzwald,  wachs,  goth.-kobiirgisebes  Dorf  im  Ohre- 
tliale.  zwischen  Oberhof  und  Ohrdruf,  i.  d.  Nähe  noch  die  liest e  einer  früheren 
Burg.  '  Iber  diese  Vorgänge  s.  C.  Bever.  Krfurt  im  Kample  um  seine  Selbst - 
-liiiidigkeit  gegen  die  Wettiuer,  JAK  XX,  S.  23:.;  ders.  DK  II,  Nr.  03«, 
^:».  Marz  13o'J:  Kaiser  Karl  IV.  verbietet  den  Grafen  Günther  und  Johann  von 
Schwarzburg,  die  Hingen  Wachsenburg.  Schwarzwald  und  Liebenstein  an  die  Stadl 
Krfurt  zu  verkaufen ;  s.  a.  BKS.  Hbf.  Liebenstcin, Burgruine b.d.glcichn.guthaisehen 


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162.  Stück.  205 

bisschoftes  manne  quomen  an  on  unnd  streten  mit  ome,  unnd  her  vor- 
loss  den  strit,  unnd  ome  worden  IX  erbar  manne  erslagen  unnd  wol 
LXXX  manne  gefangen,  unnd  er  ditterich  von  witczeleuben'*  wart  ge- 
wunt,  das  her  ouch  starb,  unnd  darumme  so  quam  der  grafe  von 
swarczpurgk  also  in  grosse  schuld,  das  her  dar  umme  muste  wassen- 
burg  vor  kouffe  unnd  den  swarczen  wald,  unnd  vorkouifte  dy  czwo 
borge  mit  aller  orer  zu  gehurungc  den  von  erflorte,  unnd  dy  von  erfforte 
wolden  mit  deme  grafen  von  swarczpurg  zu  deme  kevser  czehen,  das 
sy  disse  czwey  slossse  von  ome  zu  lehene  en  ptingen.  Unnd  des  worden 
sy  vormacht6  under  wegen  zu  liebe  deme  lantgrafen  zu  doringen, 
wedder  des  willen  dy  von  erfforte  solchen  kouft*  gethon  hatten.  Also 
fing  sy  underwegen  der  herczoge  von  beyern7  unnd  nam  on  alle  ore 
brefe  unnd  ore  gereitschafft,  nemelichen  IX  tusent  gülden.  Dar  noch  so 
gab  her  den  grafen  von  swarczpurg  ledig  mit  solchem  underscheide,  das 
her  den  kouff  mit  den  von  erfforte  wedder  spreche  solde.  Also  muste 
her  dy  obgenanten  sloss  vorkouffe  deme  lantgrafen  zu  doringen  vor 
XJI  tusent  margk  silbers;  unnd  das  geschach  also.  Unnd  der  lantgrafe 
wart  der  von  erfforte  vvend  unnd  leyte  on  dv  strosse  nedder.8  Also 
m usten  dy  von  erffort  domo  lantgrafen  des  geldes  das  halbeteyl 
beczalen.  | 


162.  Wy  dy  von  northusen  mii  den  grafen 

gekregen  hallen.  Rothe 

Also  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CCC  LXVI1I  jar,  do  er-  isgs 
hub  sich  eyn  krig  czwisschen  den  grafen  von  honsteyn  unnd  der  stad 
northusüii.  Unnd  dy  grafen  buweten  eine  borg  keyn  northusen,  dy 
hiss  dy  snabelborg 1  unnd  vor  terbeten  sich  underenander.  Do  nomen 
dy  von  northusen  soldener  uft,  unnd  dy  ranten  vor  beringen,-  unnd 
dy  von  honsteyn  quomen  er  uss.    Unnd  eyner  der  soldener  von  nort- 

Dorfe  an  der  Gera,  zwischen  Plane  und  Gräfenroda,  wird  nicht  von  Rothe,  uud 
deshalb  auch  nicht  von  Stolle  erwähnt;  in  der  bist.  Pistoriana  1.1.  pag.  944  ist  es 
genannt.  4  Bischof  Albert  Graf  von  Hohenlohe.  Galetti,  Gesch.  Thüringens, 
vermutet  (III,  S.  319),  gegen  den  Bischof  von  Bamberg;  da»  aber  wäre 
Ludwig,  der  3.  .Sohn  Landgraf  Friedrich»  II.,  der  im  April  1866  den  Bischof- 
stuhl  von  Bamberg  bestiegen  hatte,  daher  wäre  dann  auch  die  Feindschaft  der 
'i  landgräflichen  Brüder  des  Bischof».  Friedrich»  III.,  Balthasar  u.  Wilhelm,  sehr 
erklärlich.  •'*  Dietrich  von  Witzleben,  auf  Lirbenstein  gesessen,  war  des  Grafen 
erster  Hauptmann,  der  da»  Panier  führte.  "  „Vermaeheu"  =  verderben,  ver- 
»|«rren,  verhindern.  '  Herzog  Stephan  von  Niederbayern.  8  Die  I^ndgrafen 
lte*ctzteii  alle  nach  Erfurt  führeuden  Strassen,  »o  das»  der  Handel  der  Stadt 
darnieder  lag. 

HfcJ.  1  Die  Selmabelburg,  von  welcher  keine  Mauerreste  mehr  vorhanden 
sind,  la^  auf  der  Kcke  des  Kohnsteines,  zwischen  Nordhausen  und  Niedersachw- 
werfen  ;  s.  auch  VE  II  (No.  621,)  622.  *'  Heringen  an  der  Helme,  preuH»i.sches 
Städtchen  im  Kreise  Sangerhauseii ,  mit  altem  Schlosse  der  Grafen  von 
Hohnstein. 


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200 


168.  bis  165.  Stück. 


Imsen,  genant  andreas  von  butlar,3  gesessen  zu  brandenfels,4  der  fing 
graten  heinrichen  von  honsteyn,  abir  her  kante  sin  nicht,  wann  her 
nante  sich  er  heinrich  von  kelbra;5  unnd  darumme  so  gab  her  orae 
tag6  uff  deme  felde  also  einem  siechten  soldenere.  ünnd  do  dy  von 
northusen  das  er  furn ,  do  manten  sy  den  graten ,  das  her  sich  wolde 
in  stelle,  unnd  das  wolde  der  grafe  nicht  thun,  biss  so  lange,  das  lant- 
grafe  frederieh  dissen  krig  under  nam,  also  das  dy  von  northusen  deme 
graten  von  honsteyn  musten  geben  tusent  margk'  Silbers  vor  sinen 
schaden.  Also  wart  der  krig  bericht. 
KothoTu  Item  in  deme  selbigen  jare,  do  czoch  margrafe  wilhelm,  lantgrafen 
frederiehs  des  fruntholdigen b  bruder,  mit  konige  karle7  in  laraperten 
widdor  den  herezogen  von  meyelan,  unnd  wart  do  ritter. 


Kotho  713 


lf>3.  Wy  sangerhusen  vorkoufft«  wart* 


I36i>        Noch  cristus  geburt  tusent  CCCLXIX  jar,  dovorkouffte  der  horezoge 
von  luneburg 1  dy  stad  sangerhusen  lantgrafe  frederiche  zu  doringen. 


Kolbe  71*  164.  Von  den  bürgern  zu  north  usen. 

1309        In  deme  selbigen  jare,  do  morten  sich  dy  von  northusen  under- 
eynander,  unnd  dy  gemeyne  enthoubte  veJe  der  riehen. 


loo  165.  Wy  eyn  edelman  |  einem  bnrger  zu  Erffort  sin 
vis  wip  besliff. 

i:M>9  In  deme  selbigen  jare,  do  quam  borgrafe  albrecht  von  kerchberg 
keyn  erffort  in  eynes  burgers  huss,  geheisen  heinrich  zu  demd  pardiss, 
unnd  beslifi*  onie  do  syn  wip.  ünnd  der  wert  quam  mit  syme  knechte 

4 

*  HS;  uuigk.  vtTiwhrMien ;  «:  inarg.      b  IIS:  fruuthoMIgcr,  vcrwhriehen.      •  118:  vorkouff, 
vi-w.hfU-M'ii.       *'  „zu  dviu"  i»t  in  IIS  irrtümlich  nu*ice«trlcheii,  siuht  iu  * ;  Rothe:  von  dein  p. 

1  Andmts  von  Hinteler  wird  »1s  Feldhauntmann  der  Nordhäuser  ge- 
nannt, 4  I viiinc»  int  Amte  Sontra  (Regierungsbezirk  Kassel),  h.  St.  11T»  A.  8. 
''  Kelbra,  preusaisches  Stadtehen  an  der  Helme,  Kreis  Sangerhausen  ,  unter  der 
Rothenburg  auf  dem  KvH'häusergebiige.  "..Tag  geben"  „Frist  geben,"  einen 
Kriegsgefangenen  auf  Ehrenwort  entlassen.  T  Kr  begleitete  also  Kaiser  Karl  IV. 
auf  seinem  "J.  Romer/.uge  1367  —  1369. 

Uül.  1  Der  Herzog  Otto  von  Braunsehweig -  ( löttingen  ,  genannt  der  „Böse" 
(, <£uade"j ,  <Kler  „der  tobende  Hund  von  der  I^  ine"  (s.  W.  h  riedetisburg,  I*and- 
graf  Hermann  Ii.  der  Oelehrte  von  Heesen  und  ICrzbisehof  Adolf  I.  von  Mainz, 
137".  - 1  :'.i*3,  i.  d.  Zeitschr.  d.  Vereins  f.  Hess,  (iescli.  u.  Laudesk.  N.  V.  XI,  S.  IOi 
ist  gemeint;  die  Kinpfäiidungsurkiiude  der  Landgrafen  ist  vom  1.  August  1369, 
s.  C.Wenek,  Die  Wettiuer  im  ll..lahrh.,  1S77,  S."99  (A.9  zu  S.  17). 


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166.  und  167.  Stück.  207 

unde  stach  on  tod;  unnd  den  fürte  man  also  tod  unnd  nacket  vor  das 
gerichte  unnd  liss  ome  das  houbt  vor  der  stad  abe  slan;  unnd  dy 
frowe  liss  her  fohe,  [unnd  sy]»  starb  im  ge|fen|kenisse. 


166.  Wy  dy  stete  in  doringen  gekregen  haben.      Botbc  TU 

Also  man  czalte  noch  cristus  goburt  tusent  CCCLXXI  jar,  do  1371 
machten  dy  graten  zu  doringen  mit  den  von  ertt'orte,  roolhusen  unnd 
northusen  eynen  bund1  ubir  dy  grafen  von  honsteyn,2  dy  on  gar  vele 
schaden  hatten  gethon,  unnd  ezogen  mit  here  uff  sy  in  der  vasten  mit 
eyme  grosssen  heie  unnd  branten  uff  sy  wol  vier  tage.  In  des  sammento 
sich  herczoge  otto3  von  der  lyna  heymelichon  unnd  euseyte1  on  in  das 
her.  Unnd  do  sy  uff  brochen  unde  heim  ezogen,  do  czoch  her  on 
noch  unnd  greiff  sy  in  einem  engen  gründe, 5  das  sy  nicht  konden  zu 
sammene  kome,  unnd  streit  mit  on  unnd  er  slug  or  vele,  unnd  worden 
ouch  vele  gefangen,  das  or  nicht  vele  da  vone  quam.  Do  goben'"'  dy 
von  erfforto  zu  sohatczunge  alleine  vor  or  gefangen  XII  tusent  lotige 
raargk  Silbers,  unnd  dy  andern  grafen  unnd  stete  goben  ouch  grosssen 
schatcz. 


167.  Wy.  lierczoge  otto  von  line  mit  den  doringe- 

sehen  hern  ge  kregen  liad.  ^,, 

Als  man  czalte   nach  cristus  goburt  tusent  CCCLXXII  jar,   do  1372 
machte  herczoge  otto  von  der  lyne  eine  geselschatl't ,  dy  hissen  dy 
sterncr,1  unime  des  landes  zu  hessen  willen ,  |  das  her  gerne  hette  ▼ 

»  TcUwrift«  abgMchnitteae  lloifllgutiff  am  Rind©  v..n  118;  In  •  fehlt  der  letzte  Satt. 

16Ö.  '  S.  UE  II,  No.  656  vom  15.  Febr.  1371.  *  Haustein,  preusaisches 
1  ><>rf  und  Burg  im  Kreise  Heiligenstadt;  s.  Urkundliche  Geschichte  de«  Geschlechts 
derer  von  Haustein  in  dem  Eiehsfelde  in  Preußen,  2  Teile,  1856  u.  1857;  ferner 
UE  II,  No.  657.  058.  662.  675;  endlich  Friedensburg  a.  a.  O.  S.  29.  3  S.  ob.  A  I. 
4  „Entsagen"'  —  Fehde  ansagen."  11  Mit  diesem  Streite  vermengt  der  Chronist 
die  spätere  Fehde  zwischen  Landgraf  Hermann  von  Hessen  |s.  u.  St.  167  A.2) 
mit  den  Herren  von  Hanstein  i.  .1.  1377;  die  Niederlage,  welche  damals  die 
Truppen  des  mit  Landgraf  Hermann  verbündeten  Herzogs  Albrevht  von  Braun- 
schweig durch  die  Herren  von  Hanstein  und  »Siegfried  von  Bülzingsleiben,  Vogt 
des  Erzbischofs  Otto  von  Main/,  (s.u.  St.  167  A.l)  auf  Rustcberg ,  erlitten,  er- 
folgte im  Seharfensteinschcn  <  j  runde,  s.  Friedensburg  a.  a.  (.).  S.29  ff.  ,;  S.  I  E  II, 
No.  «02.  672.  673.  676. 

1K7.  1  Nach  dem  i.  J.  1366  erfolgten  Tode  des  Sohnes  Landgraf  Heinrichs  IL 
des  Eisernen  von  Hessen.  Otto  des  Schlitzen,  suchte  sich  Heinrichs  oben  ge- 
nannter Enkel,  Herzog  Otto  von  Bruunschwcig,  Sohn  Herzogs  Ernst  von  Braun- 
schweig und  der  Tochter  des  Landgrafen  Heinrich.  Elisabeth ,  eines  feiles  des 
I*nndcH,  auf  das  aber  seine  Mutter  im  Ehevertrage  (s.  Koniecki,  Die  Wcttiuer 
im  Kampf  mit  Adolf  1.  von  Mainz,  Leipziger  Diss.  1894.  S.  2  f.)  als  Erbe  ver- 
zichtet hatte ,  sich  zu  versichern.    Er  verband  sich  deshalb  mit  der  jüngst  auf- 


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208 


1GS.  Stuck. 


gehad.  Unnd  dy  geselschafft  trugen  steme,  unnd  der  wart  wol  bv 
czwey  tuseuten,  rittere  unud  knechte,  uss  hessen,  uss  westfoln,  uss  den 
buchen  unnd  uss  francken,  unnd  dy  swuren  alle  zu  samene,  das  sy 
forsten  unnd  steten  unnd  eyrae  iglichen  wedder  stehen  wolden,  unnd 
hüben  an  an  deme  lantgrafen  zu  hessen,  der  do  keinen  erben  harte 
denne  synes  bruder  son2;  unnd  also  der  zu  deme  lande  quam,  do 
gebruderte  her  sich  mit  margrafen  balthasar,3  lantgrafen  frederichs  zu 
doringen  bruder;  dy  czogen  vor  den  herberg4  uff  dy  selben  gesel- 
scbaffr.  Dy  quomen  also  starg,  das  dy  czwone  forsten  vor  on  wiche 
musten  keyn  herssfeld.  Noch  so  brochten  dusse  fursten  dy  geselschaift 
dar  zu  in  dryen  jarn,  das  sy  sich  schemeten  den  stern  zu  tragen. 


1(58.  WyB  dy  von  erffort  gekregen  haben  mit  den 
lantgraven  zu  doringen  umnie  eines  bissclioffes  willen 

he  MO  ZU    ^1^11^2'1  I 

1374       Do  man  schreib  nach  cristus  geburt  tusent  CCCLXXIV  jar,  do 
starp  der  erczbisschoff  Johannes  zu  mencz.2   Do  koin  dy  thumhern 

*  ns  pag.  lOOv  giebt  unten  In  16  Zellen  eine  andere  Fauang  des  Folgenden,  dl«e  irt  «her 
atwgeetrlchen.    Auf  pag.  101  der  HS  atebt  ak  Übenwhrifl:  Von  deme  banne. 

getauchten  Ritte  rgesellsehaft  vom  Stern  ^sic  trugen  den  Stern  des  Ziegenhainschen 
Wappens  am  Kleide  als  Zeichen  ihrer  Verbrüderung),  deren  Oberhaupt  der 
Schwager  Ottos,  der  hessische  Graf  Gottfried  VII.  von  Ziegenhain  (jetzt  Kreis- 
stadt im  Rgsbz.  Kassel),  war.  um  seinen  Ansprüchen  auf  die  hessische  Erbschaft 
Geltung  zu  verschaffen,  s.  Wenck  a.  a.  O.  S.  24 f. ,  welcher  auch  S.  101  A.2  zu 
S.  25  Landau,  Die  Rittergesellschaften  in  Hessen,  1840,  citiert;  ebenso  S.  102 
A.3  zu  S.  26  üImt  die  ritterlichen  Streitkräfte  Webers  Archiv  für  die  sächsische 
Geschichte  III,  S.  134;  ebenso  Friedensburg  a.a.O.  S.  9  ff.  *  Landgraf  Her- 
mann II.  der  Gelehrte  von  Hessen ,  s.  Wenck  a.  a.  O.  S.  25 ;  er  war  ein  Sohn 
Ludwigs,  des  2.  Bruders  des  Landgrafen  Heinrich  IL,  erst  zum  Geistlichen  be- 
stimmt (von  seinem  Oheim,  Erzbischof  Otto  von  Magdeburg,  dessen  Nachfolger 
er  werden  sollte),  seit  1367  in  den  weltlichen  Stand  zurückgetreten  und  mit 
.Jobanna  von  Nassau  am  15.  März  1367  verlobt,  wurde  er  zum  Mitregenten  und 
Nachfolger  des  Landgrafen  Heinrich  II.  von  diesem  bestimmt,  nachdem  Heinrichs 
Sohn,  Otto  der  Schütze,  im  Dezember  1366  gestorben  war.  a  Die  Landgrafen 
von  Thüringen  (früher,  1368,  im  Hunde;  mit  Herzog  Otto  von  Braunschweig) 
verbanden  sich  dann  mit  Lmdgraf  Hermann  von  Hessen,  mit  welchem  sie  die 
Erbverbrüderung  vom  8.  Juni  1373  schlössen,  s.  Wenck  a.a.O.  S. 25  — 26;  hier- 
durch wurde  Hessen  erst  zum  Range  eines  Reichsfürstentums  erhoben,  s.  Friedens- 
burg a.  a.  <>.  S.  6.  *  Mhd  herberge,  stswf.,  hier  md  herberg,  stm.,  in  alter 
Bedeutung  (..der  das  Heer  bergende  Ort,"  oft  =)  Lager:  „vor  den  herberg" 
ziehen  -  ins  Luger  ziehen.  Feinte  beginnen.  Die  Belagerung  Herzbergs  musste 
von  Balthasar  wegen  der  Übermacht  der  Ritter  aufgegeben  werden;  darauf  be- 
zieht sich  der  Chronist;  nach  3  Jahren  löste  »ich  der  Bund  auf,  da  die  Fürsten 
die  einzelnen  Ritler  angriffen  und  sie  so  mürbe  machten. 

16S.  '  Der  grosse  Krieg,  welcher  sich  an  die  i.  .1.  1374  seitens  des  Papstes 
erfolgte  Ernennung  des  Bischofs  Ludwig  von  Bamberg,  Bruders  der  3  Landgrafen 
Friedrich  III.,  Balthasar  und  Wilhelm,  zum  Erzbischof  von  Mainz,  knüpfte,  und 
in  dem  auf  der  einen  Seite  Erzbischof  Ludwig  und  seine  3  Brüder,  die  Land- 


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168.  Stuck. 


209 


zu  mentcz  bisschoflen  adolffen  von  nassow,  der  eyn  bisschoff  was  zu 
spire3  unnd  eyn  geborner  grafe  von  nassow,  unnd  goben  deme  in  alle 
sloss,  dy  zu  dem  bistbum  zu  mencz  gehorn,  unnd  santen  in  des  kegen 
rome  zu  deme  bobiste,4  das  her  on  bestetige  wolde  zu  einem  bisschoöo 
zu  mencz.  Do  sante  der  keyser,  genant  karlus,  sine  bothschaft  an  den 
bobist  unnd  bad  vor  bisschoffen  lodewigen  von  bobenberg,5  der  eyn 
bruder  was  der  lantgrafen  zu  doringen,  unnd  den  selbigen  lodewigen 
er  weite  unnd  bestetigete  der  bobist  zu  einem  erczbisschoffe  zu  mencz 
unnd  vor  warff  bischofen  adolft'en  von  nassaw.  Dy  thumhern  zu  mencz 
bilden  ess  mit  bisschoffe  adolfle,  unnd  ouch  dv  von  erffort  unnd  satczten 
sich  weder  bisschofen  lodewigen.  Do  sante  der  bisschoö  lodewig  sine 
brefe  ubir  dy  von  erfforte  unnd  thed  sy  in  den  ban  unnd  dar  zu  alle, 
dy  ess  mit  on  hilden,  beyde  pfaffen,  monche  unnd  leyen.  Do  czogen 
vel  thumhern  unnd  pfaffen  unnd  monche  uss  den  clostern  von  erfforte 
unnd  rumeten  dorch  den  gehorsam  des  bobistes  uss  der  stad  erfforte 
unnd  bieben  usse45  sechs  gancze  jar.  Ouch  waren  etliche,  dy  in  der 
stad  bieben;  dy  sungen  unnd  losson  in  deme  banne  (unnd  seynten  dy 
toufte  in  dem  banne;  dy  wart  stinckende)*  wanne  dy  von  erfforte  ge- 

*  Ohne  Angabe  de«  Ortet  der  Einfügung  mit  schwärzerer  Tinte,  aber  von  dereelhen  Haml 
unten  am  Rande  notiert;  wir  haben  die  Stelle  nach  dem  Sinne  eingefugt;  die  Worte  stehen  nicht 
bei  Rothe. 

grafen,  welche  vom  Kaiser  und  Papst  (Gregor  XI.  und  Urban  VI.)  begünstigt 
wurden,  Herzog  Albrecht  von  Braunsen weig-( 5 rubenhagen,  Burggraf  Friedrich  von 
Nürnberg  und  zuerst  auch  der  hessische  Landgraf,  sowie  ein  Teil  der  thüringischen 
Grafen-  und  Herreugesehlechtei,  auf  der  anderen  Seite  aber  der  vom  Mainzer 
Domkapitel  gewählte  Erzbischof  Adolf  (Graf  von  Nassau),  vorher  Bischof  von 
Speier,  die  Erfurter,  Mühlhäuner  und  Nordhäuser,  Herzog  Otto  von  Braun- 
schweig, der  Graf  von  Waldeclc,  der  Graf  von  Ziegenhayn  (also  die  Stern- 
briider)  und  der  grössere  Teil  der  thüringischen  DynaBteugeschleehter  standen, 
währte  v.  J.  1375  mehrere  Jahre;  über  ihn  s.  Wenck  a.  a.  O.  S.  26— 33  (m.  d.  Aura, 
auf  8.  102—106),  ferner  Handloss,  Adolf  I.,  Erzbischof  von  Mainz,  Graf  von 
Nassau  u.  s.  Gegner  Ludwig,  Bischof  von  Bamberg,  Markgraf  von  Meißen.  Bres- 
lauer Doktordiss.  1874.  Trefflich  hat  L\  Beyer,  Erfurt  im  Kampfe  um  seine? 
Selbständigkeit  gegen  die  Wettiner,  JAE  1894  S.  229— 268,  den  Gang  der  Er- 
eignisse erschöpfend  und  auf  Grund  der  Urkunden  (welche  er  daun  in  dem  II. 
Bande  seines  UE  1897  veröffentlichte:  das  friedl.  Verhältnis  zwischen  den  Land- 
grafen u.  Erfurt  1365:  No.  585  u.  58«,  1370:  No.  645.  646.  648  u.  noch  i.  J.  1374: 
710  u.  711,  der  Landfrieden  Kaiser  Karls  IV.  vom  28.  März  1372:  No.  688,  dann 
die  Jahre  1375—1380  in  ihren  Hanptereignissen  begleitend  die  meisten  Nummern 
von  720  bis  811)  dargestellt;  er  sagt  richtig  a.  a  O.  S.  237  „Wurde  Ludwig  [zum 
Erzbischof]  gewählt  und  allgemeiu  anerkannt,  dann  war  zu  fürchten,  dass  er  die 
mainzischen  Rechte  au  Erfurt  seinen  Brüdern  überliess.  Denn  Zoll,  Münze,  Ge- 
richt und  das  Institut  der  Freizinseu  —  aus  diesen  4  Dingen  setzte  sich  die 
Gerechtsame  des  Erzbischofs  in  Erfurt  zusammen  —  boten  Handhaben  und  Ge- 
legenheiten genug,  um  iu  der  Hand  eines  starken  Herrn  die  Freiheit  der  Stadt 
zu  untergraben  und  sie  zu  einer  thüringischen  Landstadt  zu  macheu."  S.  auch  BE 
S.  118  ff.  Gleichzeitig  hat  E.  Koniecki  in  seiner  Leipz.  Dissertation  1894  „Die  Wettiner 
im  Kampfe  mit  Adolf  I.  von  Mainz  1373— 1381,  vornehmlieh  im  Erfurter  Kriege  1375", 
jene  Ereignisse  eingehend  behandelt.  2  Johann  I.  von  Luxemburg-Ligny  137 1  — 1373 
s  Speier.  4  Gregor  XL,  1370—1378.  '  Er  war  Bischof  von  Halberstadt 
1358 — 1366  gewesen,  dann  wurde  er  i.  J.  13(56  zum  Bischof  von  Bamberg  erwählt. 
,:  Iu  Arnstadt. 


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210 


168.  Stück. 


lobeten  der  selbigen  pfafheid,  dy  by  on  bieben,  das*  sy  wolden  keyne 
richtunge  uflnemen,  dy  selbigen  presterschaft,  dy  ess  mit  on  hilden, 
weren  danne  raete  in  geslosssen  in  dy  richtunge.  Do  von  geschach 
▼  vil  1  ubels,  unnd  was  bisschoff  lodewigs  voyte  pfaffen  an  trofen,  dy  es 
mit  bisschoffe  adolffe  hilden,  dy  fingen  sy  alle  unnd  schatczten  dy;  des 
selbigen  glichen  toten  ouch  dy  eisfelder  der  margrafeschen  pfaflheit. 

Kothe  72i  Tegelichs  riten  unnd  rouben  was  czwisschen  der  lantgrafen  voyte  unnd 
der  mannen  zu  doringen  unnd  der  von  erfforte.  Unnd  do  bischoff 
adolffes  volk  duchte,  das  sy  das  ryten  gewonnen  betten  wedder 
bisschoffes  lodewiges  volk,  do  toten  sy  mit  den  graten  von  glichen  unnd 
andern  erbarn  lutlien  uss  deme  lande  zu  doringen  botschafft  zu  bis- 
schoffe adolffe,  das  her  zu  ome  queme,  sy  wolden  des  kriges  eyn  ende 
mache  mit  bisschoffe  lodewige,  unnd  solde  kome.  so  sterckst  her  konde. 
Do  dy  lantgrafen  zu  doringen,  bisschoff  lodewiges  frunde,  das  gesoen, 
unnd  das  dy  von  erfforte  soldener  uffgenomen  hatten,  unnd  ouch  etliche 
grafen  zu  on  in  dy  stad  zu  erfiort  czogen  unnd  mit  gewalt  alle  tage 
uss  czogen  unnd  der  lantgrafen  dorffer  vor  terbeten,  do  czoch  der  eldeste 
bruder,  margrafe  frederich  zu  missen,  unnd  warb  noch  volke  um  nie 
sich  unnd  sammete  eyn  gross  volk  uss  vele  landen.  Do  quam  ouch 
bisschoff  adolff  mit  den  rynlendern  mit  eynem  grosssen  heere.  Do  quomen 
zu  deme  selbigen  bisschoffe  dy  grafen  von  czegenhayn  unnd  von  wal- 
decke7 unnd  dy  eissfeldere  unnd  herczog  otto  von  brunswig  mit  vele 
volks  unnd  ouch  dy  von  tuderstad*  unnd  dy  von  heilgenstad9  mit 
grosssem  volke  unnd  czogen  alle  zu  erffort  in.  Das  geschach 
1375  MCCC°LXXV.  Dor  noch  czoch  bisschoff  adolft'  uss  erfforte  mit  syme 
i02  volke,  unnd  dy  von  erfforte  ouch  mit  or  |  me  volke  unnd  logerten  sich 
vor  gebosse10  unnd  wolden  das  gewinne.  Do  besammete  sich  margrafe 
baltasar  mit  synem  volke  unnd  machte  ouch  eyn  hecr  kegen  gebese  an 
der  andern  siten  der  onstrot,  unnd  tag  unnd  nacht  so  quam  ome  volk 

itoihe  72*  uss  hessen,  uss  buchen  unnd  uss  francken.  Do  liss  margrafe  baltasar 
brücken  mache  ubir  dy  unstrot  unnd  wolde  mit  dem  bisschoffe  adolffe 
unnd  den  von  erfforte  striten.  Do  enpod  ome  margrafe  frederich,  sin 
bruder,  er  solte  nicht  strite,  er  queme  danne  ome  zu  hulfie.  Ditte  er- 
furn  dy  von  erfforte  unnd  besorgeten:  queme  margrafe  baltasar  ubir 
dy  unstrot  mit  den  synen,  so  musten  sy  den  schaden  trage  alleyne, 
den  der  bisschoff,  der  herczoge  otto  unnd  dy  grafen  vor  gebese  nemen, 
unnd  des  schaden  vor  wunden  sy  nummer  mehir.  Unnd  dar  noch  sante 
bisschoff  adolff  eynen  bothen  zu  margrafe  baltasar  unnd  enpot  ome  des 

»  HS;  wma  (vorschrieben). 

7  Seit  1849  war  Waldeck  Reicbsiurstentum ;  der  Graf  Heinrich  von  Waldeck 
war  für  1000  Mark  loth.  Silber  gewonnen,  a.  Maiuz-Aacliaffenburger  Ingrosaatur- 
bmrh  Buch  IX  fol.  54a  (s.  Koniecki  a.  a.  O.  S.  13  u.  A.  100  auf  S.  30).  8  Duder- 
stadt, damals  inainzibch,  jetzt  preußische  Stadt,  Kr.  Osterode,  Landdrostei  Bilde«- 
beiui.  •  Heiligenstadt,  preu»8.  Kreisstadt  i.  Regbez.  Erfurt.  ,w  Ciebeaee,  preuas. 
Städtchen  im  Kreise  WcMxtfiisce,  Regbez.  Erfurt. 


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168.  Stück.  211 

abendes,  her  wolde  morgen  fru  mit  omo  striten.  Also  erliub  sich  mit 
deme  tage  bisschoff  adolff  mit  den  von  erfforte  unnd  den  grafen  unnd 
tloueh11  zu  erftbrt  in  dy  stad,  unnd  herczog  otto  czoch  zu  molhusen 
in.  Ditte  meldeten,  dy  zu  gebesse  uff  dorne  slosse  warn,  mit  orme  ge- 
schreye,  unnd  des  margrafen  volk  hatte  sich  zu  deme  strite  bereit  unnd 
tilen  in  dy  onstrot  unnd  quomen  mit  den  brücken,  dy  sy  gemacht 
atten,  ubir,  etliche  sw  emmeten  ubir  unnd  jageten  deme  bisschoffe  noch 
biss  zu  erfforte  in  dy  thor,  unnd  enteyl,  dy  wol  gereten  worn,  dy 
jageten  deme  herczogen  von  brunswig  noch  biss  kein  stad  molhusen. 
Darnoch  quam  |  des  margrafen  volk  wedder  zu  sammene  vor  gebese  * 
unnd  branten  do  dv  dorffer  abe,  dv  umme  erfforte  legen.  —  Wisiich  12  Rj,the  m» 
quam  do  margrafe  frederich  uss  deme  osterlande  unnd  brochte  gar  oyn 
grossses  heer,  unnd  czogen  do  umrae  erfforte  mit  bosunen  unnd  pfiffen ; 
unnd  dy  in  der  stad,  dy  liffen  uff  dy  muren  unnd  uff  dy  tonne,  das 
sy  das  volk  gesegen,  unnd  logerten  sich  do  hinter  sente  cyriacus  closter 
uff  den  berg.1*  Do  lag  das  her  also  gross  unnd  so  lang,  also  dy  stad 
erfforte  was.  Do  logen  sy  acht  wochen  unnd  hatten  in  deme  here  XXX 
tusent  gewopente  manne,  unnd  uss  deme  lande  zu  doringen  hatten  sy 
futer  unnd  spisse  genug.  Do  vorterbeten  sy  den  von  erfforte  or  ge- 
richte  unnd  ore  dorft'ere  zu  gründe  unnd  zu  brochen  dy  kerchen  unnd 
vorkoufllten  dy  glocken  unnd  hiwen  dy  wingorten  unnd  dy  boumgarten 
uss  unnd  gruben  dy  blien  vorn  uss,  dy  das  wasser11  goben  zu  deme 
lawen15  uff  sente  petersbergk,  unnd  der  selbige  wassergang  zu  gingk 
rcyne;  unnd  ranten  tegelichen  vor  erfforte  vor  dy  tor  unnd  slugen  do 
rittere.  Unnd  der  bisschoff  torste  nicht  uss  der  stad  geluge,  unnd  da- 
rum me  so  czornete  her  mit  deme  rote  zu  erfforte,  das  sy  noch  ome 
gesant  hatten  unnd  omo  von  grossen  dingen  enpoten,  das  her  nicht 
er  fant.  Dar  noch  quam  keyser1"  karl  unnd  dy  keyserinne  unnd  sin 
son  wenczelaus,  der  koning  von  bemen,  in  das  her  unnd  sprach:  her 
were  dar  komen  durch  der  fursten  willen  von  missen.  Unnd  dy  bemen 

11  Ansprechen d  erklärt  diese  Schlachfensage  und  die  dann  folgende  fast  un- 
begreifliche Flucht  Koniecki  a.  a.  O.  S.  20  als  Kriegslist,  weil  eine  Feld  Schlacht 
gegen  Landgraf  Balthasar  höchst  bedenklich  sein  musste,  da  Markgraf  Friedrich 
mit  »einem  grossen  Heer  in  unmittelbarer  Nähe  war.  11  Es  ist  wohl  besser 
jrislich-  zu  lesen,  wie  auch  Rothe  achreibt,  =  .bald',  »bald  darauf  13  Der 
Cyriaksberg,  ungefähr  50  m  über  dem  Spiegel  der  Gera,  16  in  höher  als  der 
Petersberg,  war  „der  beste  strategische  Punkt",  so  Koniecki  a.  a.  O.  S.  21  u  Der 
Abt  Wernber  hatte  i.  .1.  1136  eine  Wasserleitung  nachdem  Kloster  auf  dem  Peters- 
berge legen  lassen  {».  Cron.  St.  Petri  Erf.  mod.,  MGH  Scr.  XXX,  1,  pag.  365,  z.  J. 
1136).  näheres  bei  Böckner,  Petersklostcr  zu  Erfurt,  MGK,  XI,  1883,  S.  116  ff. 
15  Böckner  a.a.  O.  S.  118:  „Im  Kloster  ergoss  sich  das  Wasser  aus  dem  Rachen 
eines  aus  Bronze  gegossenen  Löwen":  s.  u.  A.  36  auf  derselb.  Seite.  10  In  der 
2.  Woche  des  Augusts  1375  kamen  Kaiser  Karl,  seine  Gemahlin  Elisabeth  luid 
sein  Sohn  Wenzel,  König  von  Böhmen,  in  das  landgräfliche  Lager  vor  Erfurt. 
Kaiser  Karl  spielte  hierbei  eine  nicht  gerade  schöne  Rolle,  Seine  Begünstigung 
der  Markgrafen  und  ihres  Bruders  Ludwig  geschah  nur  deshalb,  um  des  letzteren 
Stimme  als  Kurfürst  von  Mainz  für  seinen,  des  Kaisers  Sohu  Wenzel,  zu  er- 
halten; hier  vor  Erfurt  war  sein  Verhalten  auch  zweideutig:  che  er  abzog,  um 


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212 


168.  Stück. 


ranten  n  dy  tor  zu  erffort  unnd  fingen  des  bisschoffes  luthe  unnd  der 
103  von  erfforte  denere*  [unnd  den  graten  von  waldecke  unnd  den  grafen 
von  czegenhain  unnd  der  lanthern  faste;  unnd  dy  czogen  uss  erfforte 
unnd  belogen  gebesse,  unnd  baltazar,  lantgrafen  frederichs  bruder,  der 
czoch  mit  syme  volke  an  dy  unstrud  unnd  logerte  sich  keyn  deine 
bisschoffe  unnd  machten  eine  brücken  ubir  dy  unstrud.  Unnd  do  ditte 
dy  von  erfforte  mit  deme  bischoffe  ge  war  worden,  do  flohen  sy  wedder 
hinder  sich  in  dy  stad  erffort,  unnd  herczoge  otto  unnd  dy  von  mol- 
husen  unnd  nortnusen  unnd  dy  grafen  von  honsteyn  unnd  von  stol- 
berg,  dy  flohen  b  ouch  heim,  unnd  den  wart  gross  noch  jagen  von  deme 
lantgrafen  zu  doringen.  Unnd  do  quam  lantgrafe  frederich  der  frunt- 
holder,  unnd  der  brochte  eyn  gross  heer  uss  missen  unnd  belag  erfforte 
achte  wochen  mit  deme  bisschofle,  sinem  bruder,  unnd  hatten6  do  vor 
der  stad  erffort  drissig  tusent  gewopente  manne.  Unnd  do  quam 
keyser  karl  unnd  dy  keyserynne  unnd  sin  son  koning  wenczelaus 
unnd  machten  einen  frede  czwussen  on.]  dDer  keyser  teydingete  dar 
noch  einen  frede  czwuschen  deme  bisschoffe  unnd  der  stad  erfforte  unnd 
der  hern  von  missen,  also  das  sy  abe  czogen  unnd  ome  vele  geldes 
dar  uss  wart.  Dy  von  erffo[rte]  goben  XI.  tusent  gul[denj.  Also  bleib 
bisschoff  lodewig,  der  fursten  bruder  zu  doringen,  eyn  erczbisschoff  zu 
mentcz.  Unnd  do  disser  lantgrafe  [disse  lantgrafen] e  zu  doringen  von 
erfforte  coch  [czogen],  do  czoch  her  [czogen  sy]  uff  den  grafen  von 
glichen  in  das  gerichte  zu  glichen  [vor  dy  borg  thunna]  unnd  vor 
hertc  unnd  vorbrante  ome  [vorbranten  deine  grafen  alle]  syne  [ge- 
richte unnd]  dorffer  [dorffere].  —  Als  [Item  als]  man  nu  czalte  [schreib] 
1381  noch  cristusgeburt[nach  christus  gebort]  tusent  CCC  L  XXXI  jar,  do  starb 17 
[starp]  dusser  lantgrafe  frederich  der  fruntholdiger  unnd  lid  begraben 
zu  der  celle  in  missen. 

Baltasar,  lantgrafe  in  doringen,  der  eyn  son  was  lantgrafen  frede- 
v  richs  des  ernsten,  der  nam  frowen18  margreten,  des  borgrafen  johatis*  | 
tochter  von  nornberg,  unnd  der  gab  ome  mete  hiltperg1"  unnd  hilt- 
prechteshusen  unnd  essefeld.20    By  der  gewan  her  einen  son,  genant 
frederich,  unnd  eine  tochter,  dy  nam  den  herczogen  von  Sachsen.21 

•  Dl«  Worte :  unnd  den  grafen  —  exwnssen  on  sind  Wiederholung  von  der  Torhergeheaden  Seite;  die- 
•eilten  Worte  noch  einmal  151.  107  der  IIS,  denn  die  vordere  Solte  de«  Bl.  103  der  HS  ist  dorcbgeatrlchen 
und  der  Hauptinhalt  auf  Bl.  107  vordere  Seite  wiederholt.  —  b  HS. :  fohen.  —  0  Fehlt  in  HS,  vergessen. 
d  ZI.  16  der  keyser  —  ZI.  19  gülden  steht  auf  Blatt  107  der  HS  vordere  Seite  ZI.  3  -7.  —  •  Die 
abweichende!»  Lesarten  von  BL  107  der  HS.  sind  in  ot*igen  Klammern  «igeseUt. 

Tonna  zu  belagern  und  so  den  Grafen  Ernst  VI.  von  Gleichen,  der  wie  sein 


Begräbnis  im  Kloster  Altzelle  s.  o.  St.  153  A.  10.  ltt  S.  St.  153  A.  4.  Im  J.  1874 
fiel  also  die  Pflege  Koburg  an  die  Wettiner  ate  Erbteil  Margaretens  von  Henne- 
berg. ,n  Heldburg,  Stadt  im  Herzogtum  Sncbsen-Meiuingen,  desgl.  Hiltprechtes- 
husen  =  I  lildburghausen,  s.  ob.  St.  28  A.  4  u.  5.  ,0  Eisfeld,  Stadt  im  Herzogtum 
Sachsen-Meiningen.      11  Herzog  Rudolf  von  Sachsen. 


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169.  bi«  171.  Stück. 


213 


169.  Hy  starp  bisschoff  lodewig  zu  mentcz. 

Als  man  czalte  noch  cristus  goburt  tusent  CCCL  XXXII,  do  starb  1382 
bisschoö  lodewig  von  mejitcz,  des  margrafen  baltazar  bruder,  unnd  starb  Rothe  730 
zu  kalbe;1  do  vil  her  sich  tod,  wanne  her  ein  formunde2  was  worden 
des  bischtuiues  zu  meydeburg. 


170.  Von  brandenfelss.  Rothe731 

Hir  noch  ubir  eyn  jar,  do  belag  dusser  furste,  lantgrafe  baltazar,  mit  1383 
den  von  erfforte  unnd  molhusen  unnd  northusen  brandenfelss 1  unnd 
gewonnen  das,  unnd  wart  eyn  frede  vor  brefet  ewiglichen  zu  halden. 


171.  Hy  starb  dy  grafeschafft  zu  keffernberg1  Roth« 

erbeloss. 

Noch  cristus  geburt  tusent  CCCLXXXV  jar,  do  czoch  dergrafe  von  1385 
keffernberg  ubir  meher  zu  deme  heiigen  grabe  unnd  starb  under  wegen, 
unnd  dy  grafeschafft  von  keffernberg,  dy  vyel  uff  den  lantgrafen  zu 
d  oringen  Da  Itasar,  wanne  her  one  erben  starb,  unnd  wart  begraben  zu 
jorgental.2 


169.  1  Erzbischof  Ludwig  hatte  während  der  Wirren  in  Langensalza  resi- 
diert; al»  der  Erzbischof  Peter  von  Magdeburg,  „ein  Mähre,  der  mit  dem  Dom- 
kapitel in  Unfrieden  lag",  durch  den  Kardinal  Pileua  bewogen  wurde,  da» 
Erzstift  aufzugeben  und  dafür  da«  Olmützer  Bistum  einzutauschen,  gelangte 
Erzbischof  Ludwig  in  den  Besitz  des  Erzstiftes  Magdeburg,  wogegen  ihm  freilich 
die  Städte  Halle  und  Magdeburg  die  Huldigung  verweigerten  (s.  Wenck  a.  a.  O. 
8.  83).  Er  residierte  deshalb  in  Kalbe  (preuss.  Kreisstadt  im  Regbez.  Magdeburg, 
a.  d.  Saale)  wo  er  im  Febr.  1882  ein  so  jähes  und  schreckliches  Ende  fand, 
s.  Wenck  a.  a.  O.  S.  33  und  Anm.  dazu  auf  S.  105.  2  Übersetzung  der  Worte 
„provisor  ecclesiae  Magdeburgensis,"  hist.  Pist.  1. 1.  pag.  947. 

170.  1  S.ob.St  115  A.3u.St.  162  A.  4.  Über  das  Bündnis  zwischen  Land- 
graf Balthasar  von  Thüringen  und  den  Städten  Erfurt,  Mühlhausen  und  Nord- 
hausen s.  UE  II  No.  867.  868  869.  870.  Es  traten  auch  bei  die  Grafen  von 
Käfernberg,  Schwarzburg,  Gleichen  und  Hermann  v.  Kranichfeit,  ebenda  No.  871 
bis  874:  auch  die  Herren  v.  Blankenhayn  und  Heldrungen,  die  Grafen  v.  Beich- 
lingen, ebenda  No.  878  —  880.  Die  Ursache  des  Kampfes  gegen  die  von  Branden- 
fels  giebt  die  hist.  Pistorian.  1. 1.  pag.  947  mit  den  Worten  an:  „ubi  Semper  fucrunt, 
raptores  multis  terris  rapinis  nocentes";  es  galt  also  dem  Landfrieden!  S.  auch 
BE  8.  125. 

171.  1  Die  Käfernburg,  3  km  südöstlich  von  Arnstadt,  in  der  Oberherrschaft 
des  Fürstentums  Schwarzburg -Sondershausen,  war  der  Stammsitz  eines  der 
ältesten,  reichsten  und  mächtigsten  Dynastengeschlechter  in  Thüringen,  s.  RDThDI 
u.  II  a.  viel.  St;  bis  zum  Jahre  1280  war  sie  die  Residenz  des  Gesamthauses  Käfern- 
berg, von  da  bis  z.  J.  1385  die  der  älteren.  Linie,  welche  uud  mit  ihr  das  ganze 
Grafenhaus  in  diesem  Jahre  ausstarb.  Über  die  letzten  Käfernberger  s.  UEI1 
No.  871.  908. 911.  912.      9  S.  ob.  St.  76  A.  9. 


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214 


172.  Stück. 


178.  Wy  dry  fursten  kregen  mit  deine  lantgrafen 
Rouie735  zu  hessen.1 

1386       Also  man  czalte  noch  cristus  geburt  tusent  CCCLXXXVI  jar,  do 
kreig  der  bisschoff  von  mentcz  unde  herczog  otto  von  brunswig  unnd 

172.  1  Über  die  hessischen  Wirren  b.  in  der  Zeitschrift  des  Vereins  für 
hessische  Geschichte  u.  Landeskunde  N.  F.  Bd.  XI,  1885:  Walter  Friedensburg, 
Landgraf  Hermann  II.  der  Gelehrte  von  Hessen  und  Erzbischof  Adolf  I.  von 
Mainz,  1373-1393,  bes.  cap.  III.  IV.  V.  S.  70— 191.  Schon  iu  den  Jahren  1378, 
1380,  1381  u.  1384  fanden  Misshelligkeiten  zwischen  den  früher  verbundenen 
hessischen  und  thüringischen  Landgrafen,  Hermann  II.  und  Balthasar,  statt 
(a.a.O.  S.  87  ff.  u.  94  ff.);  hingegen  versöhnten  sich  1381  die  alten  Feinde,  Land- 

fraf  Hermann  und  Herzog  Otto  der  Quade  von  Braunschweig  (S.  90ff.):  der 
lesse  wollte  sich  von  der  i.  J.  1373  mit  den  thüringischen  Landgrafen  ge- 
schlossenen Erbverbrüderung  losmachen.  Andererseits  waren  der  Mainzer  Erz- 
bischof Adolf  von  Nassau  und  Landgraf  Balthasar  seit  dem  Jahre  1883  Freunde 
geworden  (S.  97);  i.  J.  1385  wurden  von  ihnen  die  Feindseligkeiten  gegen  Hessen 
eröffnet  (S.  98).  Somit  war  die  politische  Gruppierung  im  Jahre  1385  ganz 
anders  als  i.  J.  1375:  damals  standen  Erzbischof  Adolf  und  Otto  der  Quade  von 
Braunschweig  gegen  die  Thüringer  und  Hessen,  1385  Adolf  und  die  Thüringer 
gegen  Hessen.  Bald  sehloss  sich  ersteren  auch  Otto  der  Quade  nn  infolge  der 
zweiten  Heirat  Hermanns  von  Hessen  (dessen  erste  Ehe  mit  Johanna  von  Kassau 
kinderlos  geblieben  war!),  die  er  mit  Margarete,  der  Tochter  des  Burggrafen 
Friedrichs  V.  von  Nürnberg,  i.  J.  1383  geschlossen  hatte  (S.  93 f.):  so  standen  der 
Mainzer  Erzbischof  Adolf,  Landgraf  Balthasar  von  Thüringen  und  Herzog  Otto 
von  Braunschweig  gegen  Landgraf  Hermann  von  Hessen  (S.  99  ff.).  Ausser  diesen 
3  (oben  im  Texte  genannten)  Fürsten  waren  ihrem  Bunde  gegen  Hessen  bei- 
getreten: die  Stifter  von  Fulda  und  Hersfeld  (S.  102),  auch  der  Erzbischof 
Friedrich  von  Köln  und  die  Bischöfe  Dietrich  von  Osnabrück  und  Heidenreich 
von  Münster  nebst  dem  Grafen  Engelbrecht  von  der  Mark  (S.  104)  und  andere 
Ritter  und  Edele  (S.  108 1.  Im  Juli  1385  wurden  also  die  Feindseligkeiten  bei 
Kassel  eröffnet  (S.  126);  nach  der  Erstürmung  und  Einäscherung  der  hessischen 
Stadt  Immenhausen  (nördlich  von  Kassel,  Kreis  Hofgeismar),  am  19.  Juli  1385, 
wurde  bereits  am  22.  Juli  1385  im  Lager  vor  Immenhausen  der  Friede  geschlossen, 
freilich  ohne  Landgraf  Balthasar  tS.  l:»8ff.),  mit  welchem  der  Kampf  fortdauerte, 
bis  am  18.  Januar  1386  ein  Waffenstillstand  geschlossen  wurde  (S.  142),  der, 
unter  Vermittlung  von  Adolf  von  Mainz  mehrmals  verlängert,  schliesslich  bis 
zum  14.  April  1387  dauern  sollte  (S.  146  f.).  Obwohl  nun  wegen  kirchlicher 
Wirren  (Kloster  Heida)  im  Herbste  1386  Landgraf  Hermann  durch  Kommissare 
des  Mainzer  Erzbischof*  gebannt  und  sein  Land  mit  dem  Interdikt  belegt  war 
(S.  155),  vergieng  das  Jahr  1386  doch  ohne  Kampf,  aber  gegen  Ende  des  thüringisch- 
hessischen  Waffenstillstandes  verbanden  sich  Ende  März  1387  die  3  Bundes- 
genossen des  Jahres  ltts5,  Erzbischof  Adolf,  Landgraf  Balthasar  und  Herzog 
Otto,  zu  Eschwege  wiederum  gegen  Landgraf  Hermann  von  Hessen,  dessen  Land 
sie  förmlich  unter  sich  teilten  (S.  157  ff.);  doch  brachen  die  Feindseligkeiten  erst 
im  August  1387  aus  (S.  172 f.),  die  nach  Eroberung  der  unten  A.2  aufgezählten 
Städte  und  nach  der  zweiten ,  ebenfalls  vergeblichen  Belagerung  von  Kassel 
bereits  am  10.  September  1387  beendet  wurden  (S.  177  ff).  —  Die  Ereignisse  der 
folgenden  Jahre,  was  Hessen  angeht,  erwähnt  Stolle  nicht;  s.  Friedensburg  a.a.O. 
S.  191—227.  Die  ganze  Zeit  Wehandelt  auch  Lindner  im  I.Bande  seines  grossen 
Werkes  ,  Geschichte  des  deutschen  Reiches  vom  Ende  des  14.  Jahrh.  bis  zur 
Reformation.4  Die  hixt.  Pistoriuna  (1.1.  pag.  947)  erwähnt  für  das  Jahr  1386  den 
Kampf  zwischen  Balthasar  von  Thüringen  und  Hermann  von  Hessen  (Eroberung 
von  Esehwege  und  Sontra) ,  für  das  Jahr  1387  die  Kämpfe  zwischen  Erzbischof 
Adolf,  Landgraf  Balthasar  und  Herzog  Otto  gegen  Hermann  von  Hessen  (Er- 
oberung von  Rotenburg,  Melsungen,  Niedenstein  et  plur.  al.  civitat.) 


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173.  Stück. 


215 


lantgrafe*  baltasar  von  doringen  mit  lantgrafen  herman  von  hessen. 
Also  gowunnen  disso  dry  fursten  deme  lantgrafen  zu  hessen  vele  sloss 
abe:  gudenssberg,3  kaldensteyn,  nydensteyn,  immenhusen,  mylsungen, 
rotenberg.    Also  nara  lantgrafe  baltazar  in  essenwe  dy  |  stad  unnd  i<* 
ouch  somtra. 


173.  Von  en  wenigk  fisschen  hub  sich  eyii 

grosser  krigk.  K>th*n& 

Also  man  schreib  nach  cristus  geburt  tusent  CCCLXXXLX  jar,  do  1389 
quam  eyn  cardinal1  von  rome  kein  erfforte  unnd  wonte  do  wol  eyn 
halb  jar.  —  Item  in  deme  selben  jare,  do  wart  er  Erhard  von  harden- 
berga  gefangen  by  dorla  wol  mit  LX  wepenern  von  den  voyten  lant-     fc  7jj 
graten  baltazars  unnd  von  den  von  isenache.  —  Item  in  deme  selben  1389 
jare  geschach  ouch  eine  geschieht,  das  eyn  gebur3  der  margrafen 
frederichs  unnd  Wilhelms  von  landesberg,  dy  lantgrafen  baltazars  bruder 
kinder  warn,  des  fruntholdigen  frederich,1  der  selbie  gebur  ging  tische 
in  das  wasser  under  luchtenberg. 5   Do  quam  eyn  burger  von  erfforte, 
den  hiss  pardes,6  der  uff  dy  czit  luchtenberg  gemethb  hatte  grafen 

»  HS:  tentgrafen.   >»  HS:  feweth,  Schreibfehler. 

*  Stolle  in  seiner  kurzen  Notiz  zieht,  wie  Rothe,  die  2  Feldzüge  des  Jahres  1385 
ti.  1387  in  einen  zusammen,  den  er  aber  fälschlich  ins  Jahr  1380  Hetzt.  Die  Erobe- 
rung von  Eschwege,  Sontra  und  derBoineburg  i.  J.  1385,  erwähnt  er  am  Schlüsse, 
Immenhausen  (s.  A.  1),  welches  schon  1885  (am  21.  Juli)  erobert  und  eingeäschert 
wird,  nennt  er  neben  den  anderen,  die  dem  Gange  der  Ereignisse  nach  in 
folgender  Reihenfolge  (s.  Friedensburg  a.  a.  O.  8.  184)  genommen  wurden : 
1.  Rotenburg  a.  d.  Fulda  (Kreisstadt  i.  preuss.  Rgsbz.  Kassel),  2.  Melsungen 
a.  d.  Fulda  (Kreisstadt  i.  Rgsbz.  Kassel)  —  dann  die  Belagerung  von  Kassel  — 
3.  Gudensberg  (preuss.  Stadt  im  Kr.  Fritzlar,  Rgsbz.  Kassel),  4.  für  Kalden- 
steyn  ist  Fal  ken stein  zu  lesen  is.  Friedensburg  a.  a.  O.  S.  177.  180.  182 f.),  Burg- 
ruine über  dem  Dorfe  Sand  (Kr.  Wolfhagen,  Rgsbz.  Kassel)  und  5.  Nieden- 
stein (preuss.  Stadt  im  Kr.  Fritzlar,  Rgsbz.  Kassel). 

178.  1  Hist.  Pistor.  (1. 1.  pag.  948) :  Cardinalis  Philippus  de  Allinkonia,  Francigena. 
In  den  Jahren  1388  u.  1389  ist  Philipp  von  Alencon,  französischer  Prinz,  episcopus 
Ostiensis,  sacrosanete  ecclesie  Romane  eardinalis,  apostolice  sedis  legatus ,  inErfurt  an- 
wesend u  urkundet daselbst,  s.  UE  II.  No.  974.  975.  976.  978.  985.  986.  S.  a.  BE  S.  125. 
2  Der  Landvogt  des  Erzbischofs  von  Mainz  auf  dem  Eichsfelde,  Erhard  (Gerhard)  von 
Hartenberg,  war  bei  einem  Streifzuge  am  Hainich  mit  dem  landgräflichen 
Iturgvogt  von  Kreuzburg  und  dem  von  Eisenach  in  Kampf  geraten  und  bei 
Dorla  im  Hessischen  gefangen  genommen;  daran  knüpfte  sich  die  Erbauung 
der  Burg  Haineck  am  llaiuich  durch  Landgraf  Balthasar  (s.a.  hist.  Pistor.  1.1. 
nag.  948).  *  —  ,,Bauer."  4  Eh  ist  „Söhne"  zu  ergänzen:  Friedricn  III.  der 
Strenge,  auch  der  Frundholdige  genannt,  hintcrliess  drei  Söhne,  Friedrich  IV. 
den  Streitbaren  (1423  Kurfürst).  Wilhelm  II.  den  Reichen,  der  hier  „von  Lands- 
berg" genannt  wird,  und  Georg;  im  Teilungsvertrage  vom  13.  November  1382 
erhielten  sie  das  Osterland  mit  dem  Pleissuerlande.  *  Die  Leuchtenburg  liegt 
(%  Std.)  über  dem  alten burgiwhen  Städtchen  Kahla  (s.  St.  151  A.  7).  0  In  dem 
IJE  II  kommt  in  jenen  Jahren  ein  Dietrich  Härtung  (auch  Dietrich  cm  Har- 
tungis,  d.  h.  Härtung»  Sohu)  zu  dem  Paradiese  (von  dem  Namen  des  Hauses, 


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216 


174.  Stuck. 


hanses7  sono  von  swarczpurg  abe,  den  man  nante  mit  derue  hornchen; 
unime  des  fissches  willen,  so  hingk  der  borger  von  erfforte  den  armen 
man  an  eine  widen.  Darunime  so  szogen  dy  selbigen  jungen  raar- 
grafen  vor  luchtenberg  unnd  gewonnen  das  unnd  ouch  das  steteben 

Rothe  74a  kale.  Do  hisch  der  grafe  von  swarczpurg  ditte  sloss  luchtenberg 
wedder  zu  lossene;  das  wegerten  ome  dusse  junge  fursten.  Dar  limine 
so  wart  des  grafen  von  swarezpurges  votter,*  der  eyn  bisscholf  was 
zu  wirezpurgk,  mit  ome  der  selbigen  jungen  fursten  vyend,  unnd 
thoten  on  vaste  schaden  im  lande  zu  francken  umme  koborg,"  biss 
also  lange,  das  disse  jungen  fursten  des  bisschoffes  manne  feie  nydder 
worffen  unnd  fingen*  sy.    Do  vone  der  stifft  zu  wirezpurg  gar  in 

Rotbe  7.0  £rosse  schulde  quam.  |  Hir  umme  so  wolde  der  bisschofl  syne  stete 
besweren  mit  eyner  bethe,  das  her  mochte  wedder  dy  gefangen  gelosse. 
Dy  stete  unnd  besundem  dy  von  werezpurg  satezton  sich  dar  wedder 
unnd  sprochen:  sulche  schult  weren  nicht  von  des  stifftes  wegen  komen, 
sundern  von  des  von  swarezpurges  wegen.  Also  quam  der  bisschofl 
do  mit  synen  steten  zu  krige  unnd  kregen  zusammene.  Also  toten 
dy  von  werezpurg  der  pfafllieit  unnd  den  clostern  grosssen  schaden 
unnd  ubirlast  unnd  zu  brochen  dy  gotesshusere  unnd  stormeten  zu 
einem  raole  einen  kerebhoff'.  '  Do  quomen  czwene  thumhern  von  wercz- 
purg  mit  oren  frunden  unnd  mit  andern  erbarn  mannen  von  gotis- 
vorheugnisse  wegen  unnd  slugen  unnd  fingen  mehir  wann  czwey  tusent 
wepener  uss  werezpurg  unnd  czogen  do  also  balde  vor  dy  stad  werez- 
purg unnd  worffen  dy  muren  nidder  mit  den  formen  unnd  totthen 
ouch  vele  luthe  mit  gerichte  in  der  stad.  Ditte  geschach  noch  cristus 
1399  geburt  tusent  CCC  unde  XC IX  jar. 


ho  713       174.  Von  eynem  grossen  wasser  zu  isenache. 

1390       Als  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CCCXC  jar,  da  vyl  am 
ptingest  tage  umme  vesper  czid  zu  isenache  gar  eyn  grosser  sneller 
regen,  das  der  bach,1  der  durch  dy  stad  flusset,  dy  stad  muren  en 
eyl  nedder  warft"  unnd  enteyl  husere  in  der  lowerga.ssen 2  mit  allem 

t 

•  HS:  fing,  Schreibfehler. 

welches  oft  nach  einem  Steinhude  über  der  Hausthür,  z.  B.  also  hier  Darstellung 
des  Paradiese«,  genannt  war)  vor:  1387:  No.  942  u.  951,  1388:  No.  963  u.  971. 
1389:  No.  9f>9,  1.  Da»  „Hau»  zum  Paradiese'-  ist  jetzt  Fischmarkt  No.  27. 
1  Der  Sohn  des  Grafen  Johann  II.  von  Schwarzburg  (e.  ob.  St.  161  A.  3)  Hein- 
rich XXIV.,  genannt  mit  dem  Hörnchen.  8  Cierhard,  Graf  von  Sehwarzburg, 
1372—1400.  J  Erbteil  der  Mutter  der  jungen  Markgrafen  Friedrich,  Wilhelm 
und  Georg,  Katharina  von  Henneberg  (*.  ob.  St.  154  A.  2.) 

174.  1  Rothe  St.  743:  „unde  da»  cleyne  wassir  de»  Krummclhach.  das  durch 
die  »tadt  Müsset."  5  Die  bist.  Pistor.  I.  1.  pag.  949  liest:  plateu  cerdonuiu. 
W.  Kein,  Kurze  Geschichte  u.  mittelalterliche  Physiognomie  der  Stadt  Eisen  ach, 
ZThG  V,  1862,  giebt  S.  20  auf  dem  Plane  de»  mittelalterlichen  Eisenach  an: 
Am  Löbersbach  (die  Löber  sind  Lohgerber),  Plan  No.  22. 


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175.  bis.  177.  Stück.  217 

hussrate  enweg  fürte  unud  vele  vyes  unnd  nossere8  er  trenckete,  unnd 
floss  eyn  wasser  durch  dy  stad  gross  als  dy  werre. 


748 


175.  Hy  ko  ii  ff  ton  dy  lantgrafen  zu  doringen  etliche 
stete  unnd  sloss  im  Lande  zu  behenien.  ! 

Als  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CCCXCVIII  jar,  do  1»>S 
kouffte  inargrafe  wilhelra,  lantgrafen  baltazars  bruder,  yleborg,1  kol- 
ditcz2  unnd  resenborg8  in  behemen,  unnd  gewonnen  dar  noch  konge- 
steyn4  unnd  Pirn.5  —  Item  in  deme  selben  jare,  da  worn  an  sente 
elsebeten  nacht  grosser  fuer  dry  geseen  in  der  lufft  umme  isenache 
unnd  scharffenberg,6  dy  vylen  in  den  horsselberg,  das  gar  vele  luthe 
sahen.  Ditte  was  eyn  warezeichen  des  mordes  zu  wirezpurg,  der  in 
deme  jare  dar  noch  geschach. 

176.  Von  den  wolffen.  R«th.7f,i 

Item  in  deme  andern  jare  dar  nach,  do  frosssen  dy  wolfle  dy  1399 
kindere  unnd  dy  meyde  von  oren  XV  jarn  in  der  von  wangheim 
gebyete. 1 

177.  Wye  dye  liern  von  missen  czogen  vor  proge.  Rothe  ?5> 

Als  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CCCCI  jar,  do  czogen  1*01 
dy  hern  von  missen  in  behemen  vor  präge1  unnd  logen  do  sechs 
wochen.   Do  wart  lantgrafen  baltazars  son  frederich  ritter.   Item  in 

3  Nosser  =  Zugvieh,  von  noss  =  Stück  Vieh,  Schaf,  Ochs,  s.  Glossarium  diplo- 
maticum  von  Brinekmeier  II  S.  364. 

177>.  1  S.  St.  1  A.  23.  -  Colditz,  kgl.  sächsische  Stadt.  Amtshauptmannschaft 
Grinuua,  Kreishaiiptmannschaft  Leipzig.  3  Rieseuberg,  Dorf  in  Böhmen,  Bezirks- 
hauptmannschaft  Taus.  4  Königstein,  die  bekannte  sächsische  Bergfestung  mit 
gleichnamigem  Städtchen  am  Fusse  des  Festungsberges  au  der  Elbe.  ^  Pirna, 
kgl.  sächsische  Stadt  an  der  Elbe,  Kreishauptmannschaft  Dresden.  Über  die 
ganzen  Verhältnisse,  namentlich  Mai  kgraf  Wilhelms  Verhältnis  zu  den  böhmischen 
und  mährischen  Luxemburgern  (Wenzel,  Sigismund,  Jobst)  s.  Wenck,  Die  Wettiner 
im  14.  Jahrh.  S.  55—84  u.  87.  Übrigens  erwähnen  weder  Rothe  noch  seine 
Quelle,  die  histor.  Piatoriana,  wohl  aber  die  bist.  Eccardiana  (1.1.  pag.  466)  die 
Eroberung  von  Königstein  und  Pirna.  •  Seharfenburg,  jetzt  Ruine,  bei  Thal 
i.  Th.,  unweit  Ruhla. 

176.  1  Wahrscheinlich  in  dem  gothaischen  Dorfe  Winterstciu  am  Insellferge, 
das  damals  den  Herren  von  Wangenheim  (s.  ob.  St.  27  A.  2)  gehörte. 

177.  1  Gegen  König  Wenzel  zogen  dem  Markgrafen  Jobst  von  Mähren  zu 
Hilfe  und  lagerten  sich  vor  Prag:  Markgraf  Wilhelm  I.  von  Meissen,  sein  Neffe 
Friedrieh  IV.  (der  Streitbare)  und  sein  Bruder  Wilhelm  II.  (St.  173  A  4),  Land- 
graf Balthasars  Sohn,  Friedrich  der  Friedfertige,  der  damals,  1401,  15  Jahre 
alt  war. 


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218 


178.  bis  180.  Stück. 


domo  selbien  jare,  do  czoch  lantgrafe  baltazar  vor  scharffenbcrg 2  unnd 
gewan  das  era  heinriche  von  louche3  an,  dy  es  koyn  dissonie  lant- 
grafen  baltazar  vor  rnut  willete. 


uotho  753  178.  Von  eynem  cometen. 

1402       Als  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CCCCÜ  jar,  do  sach 
man  einon  stein  mit  einem  langen  czayle.1    Das  was  eine  bedutunge 
eines  grossen  Sterbens,  das  ouch  zu  hand  quam  in  deine  andern  jarc 
dar  noch.  —  Item  in  deme  selbigen  jare,  do  kouffte  lantgrafe  baltazar 
v  wedder  gerstunge2  |  von  deme  apte  zu  fulda.  —  Item  dar  nach  ubir 
Kotb« 755  czwey  jar,  da  vor  änderte  sich3  lantgrafe  baltasar  mit  der  wetteween,4 
1404  dy*  herczogen  frederichs  von  brunsswig  frowe  gewest  was,  unnd  hatten 
wortschafiV  in  der  stad  sangerhusen. 


Hutbe  757  179.  Hie  starp  lantrafe  baltasar. 

l  Als  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CCCC  unnd  VI  jar,  do 

starb  dusser  lantgrafe  baltasar  zu  wartperg  in  gutem  vollem  alder  achte 
tage  vor  sente  Urbans  tage1  unnd  lid  begraben  zu  reinhardessborn. 


180.  Von  deme  regement  lantgrafen  baltasars  sone. 

Herre  frederich,  lantgrafe  in  doringen  unnd  margrafe  zu  missen, 
der  hersste  noch  synes  vater  tode.  hern  baltasais,  unnd  dusser  herre 
lantgrafo  frederich,1  der  was  gar  eyn  gotlicher  eynteildiger  herre  unnd 
nicht  seie  gestrenge  unnd  hild  guten  frede  mit  allen  fursten  ummc 
sich  gesessen,  wo  her  konde  adir  mochte,  unnd  hild  sine  erber  man- 

•  Mf.t  In  HS. 

*  S.  ob  St.  17ö  A.  6.  3  Aus  dem  Ministerialengeschlechte,  das  sich  nnch 
dem  Dorfe  Laucha  (im  Herzogtum  Sachsen-Koburg  u.  Gotha,  bei  Waltersbausen) 
nannte;  dieser  Heinrich  von  Laucha  wird  1371  und  1396  urkundlich  erwähnt, 
s.  UE  Ii  Nu.  666  u.  81*6. 

178.  1  Czayl  —  ,,/agel,  Schwan/.,  Schweif'  *  Gerstungen  war  i.  .T.  1292 
während  der  Kämpfe  Albrechts  des  Entarteten  mit  s.  Söhnen  unter  die  Botmässigkeit 
des  Abtes  von  Fulda  gekommeu.  14U3  kaufte  es  Landgraf  Balthasar  zurück. 
J  Sich  verändern  (vereudern]  *=  „heiraten",  noch  heute  im  Volksmunde.  4  Land- 
graf  Balthasar  war  68  Jahr  alt,  als  er  sich  an»  14.  Juli  1404  mit  Anna,  Witwe 
des  Herzogs  Friedrich  von  Braunsehweig,  in  Sangerhausen  vermählte.  ft  S.  ob. 
St.  13*  A.  .rj. 

UM.  1  Am  18.  Mai  1404,  gerade  am  Ptingstsonntage. 

ISO.  1  Friedrieh,  im  Gegensätze  zu  Friedrieh  IV.  dem  Streitbaren  Friedrich 
der  jüngere  genannt,  hiess  auch  der  Friedfertige  oder  der  Einfältige,  regierte  von 
1404  —  1440  (t  4  Mai  1440  auf  der  Burg  zu  Weissensee).  Was  der  Chronist  von 
ihm  berichtet,  vielleicht  nach  Erzählungen  von  Zeitgenossen,  die  ihm  davon  be- 
riehteten.  beweist  nur  seine  eigene  Herzenseinfalt,  wie  jeder  Kenner  jener  un- 
ruhevollcn  und  fehdeerfn Ilten  Zeit  weiss. 


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181.  Stück. 


LI  10 


schafft  gar  lyp,  unnd  wanne  syue  arme  luthe  in  doringen  icht  ge- 
drungen adir  beschediget  worden  von  den  eissfeldern,8  dy  uff  dy  czid 
uff  dy  doringe  gerne  roubeten,  so  liss  her  sine  rethe  keyn  sy  uff  tage 
kome,3  wann  her  selbir  nicht  wol  dar  zu  tochto,  unnd  befalch  den,  das 
man  sine  fyndo  yo  stille  solde  mit  gute  adir  mit  gelde.  Unnd  das  ge- 
schach  gar  vele  mol,  das  man  eynen  frede  lange  czid  begreif^  unnd 
dar  um  nie  reichte  man  eyn  geld,  das  danne  deme  lande  nicht  gross  zu 
achten  was  unnd  doch  grossen  fromen  1  brochte,  wanne  her  arme  luthe 
unnd  syne  manschaff't  nicht  gerne  ubir  lestigete  mit  grossen  herfarten.  Rü,h0  768 
Dusser  lantgrafe  trederich  nam  zu  der  e  grafen  gun  |  ters  toehter5  von  106 
swarezpurg,  unnd  by  der  czugote  her  keine  erben,  unnd  also  ome  dy 
gestarp,  do  bleib  her  hirnochmals  alleyne  unnd  liss  das  ganteze  land 
zu  doringen  by  sime  leben  erphuldunge  thun,  synes  vettern  kindern, 
margrafen  frederichs  zu  missen,  ydoch  so  herschete  her  in  doringen, 
dy  wile  her  lebete,  in  grossem  frede. 


181.  Wye  alle  dutezselie  furaten  und  stete  czogen  mm»™ 

•  bist  Ptot 

mit  heere  in  das  laut  zu  beemen  umme  des       i  i  ^ 

950,  die  «U- 

lieilgen  glouben  willen.1 

Also  man  czalte  nach  cristus  geburt  tusent  CCCOXXVI  jar,  do  wart  1426 
gar  eyn  gross  herfart  uss  doringen,  missen,  hessen  unnd  allen  dutezen 
landen  in  das  land  zu  behemen  umme  des  heiigen  christlichen  glouben 
willen.  Dar  zu  sante  der  bobist  einen  cardinal,2  unnd  meynten  zu 
c/.ehene  vor  dy  stete  in  behemen,  dor  inne  sich  dy  ketezerie  gross  ge- 
samment  unnd  gemeret  hatte,  also  nemelichen  vor  dy  stad  genant 
ussezig,  vor  sotez  unnd  luna3  unnd  andere  ungloubige  bemsche  stete. 
Also  nu  ditte  duteze  volk  vom  rynstrome,  hessen,  buchen,  doringen 
unnd  missen  uff  den  bemschen  walt  quam,1  also  was  ess  von  vorreterie 

7  Öfter«,  besondere  der  Streifzug  i.  J.  1419  gegen  Mühlhausen,  s.  Poltick,  Die 
Landgrafen  von  Thüringen,  S.  427  f.  :l  Tac  in  der  Bedeutung  „Gerichtstag, 
Gericht",  also  „licsz  uf  tage  kommen"  =  „Hess  sie  vor  (Bericht  laden".  4  Das 
Adj.  from  (vrumj  =  „nützlich",  also  ,,da3  fromen"  —  „Nutzen."'  r>  Anna,  Tochter 
des  1868 — 1416  regierenden  Grafen  Günther  XXIX.  von  Schwarzburg  {Blanken- 
burger Linie),  Herr  von  Sondershauseu. 

INI.  '  Hinsichtlich  des  Hussitenkriege»  ist  dem  Chronisten,  welchem  wohl 
Augenzeugen  oder  d<ieh  Zeitgenossen  der  Begebenheiten  dieselben  in  seiner  Jugend 
(in  Langensalza?  8.  u.  A.  öj  erzählten,  die  furchtbare  Katastrophe  von  Aussig 
(Sehlacht  am  lö.  Juni  1426)  —  s.  Palacky.  Geschichte  Böhmens,  III,  2.  S.  412  ff.  — 
besonders  im  Gedächtnisse  geblieben,  und  um  sie  gruppiert  er  alles,  ohne  Be- 
rücksichtigung der  Chronologie,  nachfolgendes  zum  vorhergehenden  umformend 
oder  beides  umkehrend.  *  Es  war  der  neue  päpstliche  I>egat,  Kardinal  Jordan 
Orsini,  der  auf  dem  Reichstage  zu  Nürnberg,  19.  Mai— 1.  Juni  1426,  erschien; 
k.  Palacky,  Geschichte  Böhmens,  III,  2,  S.  411.  Oder  es  ist  dor  Kardinal  Julian 
Ccsarini  gemeint,  welcher  aher  erst  im  Frühjahr  1131  erscheint,  s.  Palacky  a.a.O. 
S.  518.  '  Es  sind  die  böhmischen  Städte  Aussig,  «atz  und  Laim  gemeint. 
4  Jene  Verräterei  fällt  auch  erst  ins  Jahr  1431,  al»  der  Herzog  Johann  von  Bay- 


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220 


182.  Stück. 


mit  etlichen  houbthiten  dosses  volkes  do  bestalt,  dye  sich  do  umrae 
karten  unnd  ranten  dissem  volke  alles  under  ougen  unnd  machten  do 
eyne  tlucht  mit  wenig  behemen  unnd  schregen  unnd  riffen  alle:  wendit 
unnd  keret  umrae,  es  were  anders  Üb  unnd  gud  vor  lorn.  unnd  das 
volk  was  noch  ungesehicket  unnd  wart  fluchtig.  In  der  selben  flucht 
erstickte  das  volk  im  harnasche  von  grossem  stoube  unnd  hitcze,  unnd 
v  ditte  was  |  uff'  sente  vitis  tag,  sundern  dy  gute  redeliche  ritterschaflt 
dy  ungerne  floen  unnd  den  eren  gerne  heften  gnugk  gethan,  dy  worden 
das  meisteteil  er  slagen,  wanne  das  volk  das  meisteteil  gemeinclich  wodder 
zunicke  floch.  Also  wart  do  er  slagen  grafe  frederich  von  bichelingen, 
grafe  erwin  unnd  grafe  ernst  von  glichen,  ein  herre  von  honstein,  ein 
herre  von  helderunge,  er  nein  rieh  von  erfta,  er  jaeoff  von  wangheim, 
er  kerstan  von  sebech,  er  kerstan  von  witczeleuben  rittere,  unnd  uss 
der  mosse  vele  andere  erber  manschaft  unnd  vele  redelicher  burger 
uss  den  steten  in  doringen,  sunderlichen  uss  der  stad  salcza5  bieben 
usse  vierdehalbhundert  erliche  manne,  unnd  uss  den  andern  steten 
unnd  redelichen  dorffern  gar  vele,  also  das  ess  gar  lütter6  was  von 
volke  in  den  steten  worden,  unnd  das  sich  das  volk  kume  wedder  in 
ezwenezig  jarn  konde  wedder  erhole.  Ditcz  volk  hir  vorczalt  was  alleine 
ussrae  lande  zu  doringen,  ussgeflossen  was  uss  andern  landen  unnd 
steten  ouch  usse  bleib ;  der  was  aneczal.  Hir  umme  schreib  unnd  ge- 
both  der  bobist  allen  cristen  menschen  gotis  rauter,  dy  heiigen  junc- 
frowen  marien,  an  zu  ruflen  unnd  vor  uns  zu  bethen  den  almechtigen 
got,  zu  befreden  dy  heiigen  cristenheit;  unnd  das  solde  man  in  einer 
iglichen  pfarre  kerchen  dry  mol  stunde  mit  der  glocken  in  deme  mittage 
alle  tage  unnd  darezu  sprechen  dry  ave  raaria,  unnd  welch  mensche 
107  das  höret  unnd  betet  dry  ave  maria,  der  had  do  das  |  romsche  ablas 
vordenet,  das  der  bobist  darzu  gegeben  had. 


182.  Von  der  forsten  teylunge1  des  landes. 

Als  man  schreib  noch  cristus  geburt  tusent  CCCLXXVi  jar,  do 
worn  dy  hern  von  missen,  er  frederich  der  fruntholdiger,  er  baltasar 
unnd  er  Wilhelm  des  under  eynander  eins,  das  sv  dv  drv  forsthum,  dy 
sy  hatten,  missen,  das  osterlant  unnd  doringen,  teyle  wolden,  unnd 
quomen  zu  sammene  unnd  losten  do  umme  dy  land.   Also  nu  dy  von 

trn  vor  der  Entscheidung  zuerst  floh,  hei  Taus*,  am  H.  August  1431  (s.  Palacky 
a.  a.  O.  S.  544  ff.),  und  andere  Fürsten  mit  sich  fortriss.  Und  damit  sind  die 
Ereignisse  der  Aussiger  Schlacht  verknüpft,  die  für  den  8t.  Vitustag  (15.  Juni) 
1526  angesetzt  sind.  "  Damit  ist  natürlich  wieder  Langensalza  gemeint,  und 
das  weist  auf  Stolle«  (icwährsmänner  hin,  der  iu  Langensalza  erzogen  wurde. 
,!  Lütze,  mhd  lützer,  nid  ohne  Umlaut  lutter,  „klein,  gering,  wenig",  also  gar 
lutter  =  „gar  wenige." 

1N2.  1  Bekanntlich  ist  die  Rothesche  Augabc  der  Teilung  v.  J.  1376  falsch, 
sie  fand  erst  nach  dem  Tode  Friedrichs  III.,  des  Strengen,  am  18.  Novbr.  1382 


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I 


183.  und  184.  Stück. 


221 


on  geteilt  worden  mit  den  steten,  slossen,  renten  unnd  czinssen  noch 
deme  glichsten,  das  sy  konden,  do  gehl  ern  frederiche,  deme  edelsten, 
das  osterlant,  ern  baltasar  doringer  land  unnd  deme  jungesten  bruder 
Wilhelme  |  misser  land. 


183.  Wy  dy  grafrschafft  keferaberg1  erbeloss  r««»?« 

gestorben  ess. 

Als  man  czalte  noch  cristus  geburt  MCCC°LXXXV  jar,  do  czoch  1385 
der  grafe  von  kefernberg,  eyn  junger  stolczer  herre,  umroe  ritterschaft 
über  raeer  zu  deme  heiigen  grabe  unnd  fort  in  dy  wustenunge  zu  sente 
katherinen  grabe  unnd  starb  do  in  fromden  landen.  Do  brochten  sine 
dinere  synen  lichnam  adir  gebeine  er  heym  unnd  begruben  das  zu 
jorgental  in  das  closter,  das  sine  alden  eidern  gestifft  hatten,  unnd  ore 
bygrafft  do  ist;  zu  deme  begrepnisse  quomen  vele  grafen  unnd  hern 
unnd  begruben  on  mit  grosssem  jammer  unnd  clage  unde  sin  wopen 
mit  ome,  wanne  her  der  letczte  grafe  von  keffernberg  was  unnd  keinen 
erben  liss.  Do  gevil  dy  grafeschafft  von  leens  wegen  an  den  lant- 
grafen  zu  doringen  ern  baltasar,  also  an  den  rechten  leen  hern.  AlsRothe74° 
man  schreib  M°CCC"XC  jar,  do  sammeten  sich  etliche  gebur  uss  den  1390 
dornen  umme  gotha  gelegen  von  anewisunge  etlicher  borger  gesessen 
zu  gota;  dy  ÜfFen  in  dy  stad  under  dy  judon  unnd  wolden  balde  richo 
werde  unnd  erslugen  dy  juden  unnd  nomen  on  ore  habe,  was  sy 
funden.  Do  begreften  sy  dy  borger  ore  enteyl  unnd  lissen  on  dy 
kopphe  abe  howen  umme  des  willen,  das  sy  solche  gewalt  gethon 
hatten  an  des  forsten  wissen  unde  des  ratis. 


184.  Von  deme  gülden  jare  zu  missen.  I 

Als  man  schreib  nach  cristus  geburt  M0CCC°XCni  jar  in  deme  1398 
achtentage  noch  ostern,  do  wart  das  güldene  jar  zu  missen.  Das 
schickte  margrafe  wilhelm 1  von  missen,  lantgrafen  baltasars  bruder  von 
doringen,  dar.  Das  stunt  uff  biss  sente  andreastag,2  das  alle  luthe  uss 
der  herschafft  missen,  osterlande  unnd  doringen,  dy  do  hene  quomen, 
in  ruwe  unnd  in  leyde  orer  sunde  uund  bichten,  den  worden  do  gencz- 
lichen  von  gote  vorgeben  alle  ore  sunde.  amen. 

statt:  s.  Böhne  Friedrich.  Wilhelm  und  Georg  erhielten  das  Osterland,  ihre  Vettern 
Wilhelm  I.  (der  Einäugige)  Meissen,  Balthasar  Thüringen. 

183.  '  Schon  St.  171  erzählt.  ■  Der  Legende  nach  haben  Engel  den 
Leichnam  der  in  Alexandria  307  enthaupteten  heiligen  Katharina  nach  dem 
Sinai  getragen. 

184.  1  Wilhelm  I.,  der  Einäugige,  Markgraf  von  Meissen,  reg.  bis  1407,  in 
welchem  Jahre  er  kinderlos  »Urb.      •  Es  ibC  der  30.  November. 


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222 


185.  bis  187.  Stück. 


185.  Von  einem  sterben. 

Als  man  schreib  MCCCXCIV  jar,  do  wart  ein  gross  sterben  zu 
isenache,  unnd  es  storben  in  (lerne  herbeste  da  vor,  also  dy  gnade  zu 
missen1  ussging,  dry  tnsent  menschen,  dy  do  gerechent  worden,  unnd 
niee.  Dith  thed  der  stad  ar.  redelichen  dingen  grossen  schaden.  — 
Item  in  deme  selben  jare,  do  hub  sich  eyn  krig  czwusschen  den  von 
erfforte  unnd  den  von  helderunge2  umme  eins  eymer  wins  willen,  den 
sy  von  etlichen  wingarten  zu  czinse  ome  geben,  unnd  meynten  den 
numme  zu  geben.  Dar  umme  so  vorbraute  her  den  von  erfforte  ore 
dorlfere  unnd  thed  grossen  schaden. 


Rotbo  746         186.  Von  einem  grossen  fnre1  zu  erfforte. 

y.VM\  Als  man  schreib  nach  cristus  gebort  tusent  CCO°XCVI  jar,  do  er- 
hub  sich  eyn  gross  für  vor  deme  lower  thore,  unnd  der  wint  treib  das 
für  in  dy  stad  graben,  das  dy  widen  vorbiante  unnd  uff  der  muren 
dy  bergkfred,  unnd  branto  zu  deme  nuwen  wercke  unnd  zu  den  bar- 
v  fussen  bis  an  kouffman  |  kerchen.  Des  brandes  goben  dy  von  erffort 
schult  margrafo  Wilhelme,  unnd  schulden  on  in  der  stad  gar  ubele,  wanne 
her  was  on  nicht  wol  gefrund,  unnd  brante  me  danne  eyn  ferteil  der 
stad  abe. 


Rothe  7*6  187.  Von  einem  gefangen  manne. 

1396  1°  deme  selben  jare,  do  fingen  dy  von  erfforte  ern  heinrichen  von 
lengefeld 1  unnd  Hessen  on  koppfen,  do  von  den  von  erfforte  nianigjare 
fede  wart. 


185.  1  Das  im  vorigen  Stücke  erwähnte  goldene  oder  Gnadenjahr  von  Meissen, 
1493.  *  Über  die  Fehde,  welche  Rudolph.  Edler  Herr  zu  Heldrungen  (preuss. 
Stadt  im  Kr.  Eckartsberga)  i.  J.  1394  gegen  Erfurt  begonnen  hatte,  starb  er  weg; 
tseiu  Bruder  Friedrich  setzte  sie  fort,  bis  durch  Markgraf  Wilhelm  von  Meissen 
ein  Friede  zu  stände  kam,  s.  FE  II,  No.  10158  (v.  31.  Juli  1395) ;  S.  C.  Beyer  im  Pro- 
gramm der  höh.  Bürgerschule  zu  Erfurt  1889.  S.  2  u.  6  f. 

ISt».  1  Das  Feuer  -  s.  Seebach,  Erffurthische  Feuerchronicka,  1736,  S.  4  — 
brach  also  vor  dem  Löberthor  aus,  zerstörte  die  zunächst  gelegenen  Türme  der 
Stadtmauer  ( Bergfriede  i  und  setzte  sich  einerseits  bis  zum  Neuwerkskloster, 
andererseits  bis  zur  Barfüsser-  und  Kaufmannskirche  fort;  danach  brannten  die 
heutigen  Strassen:  Löberstrasse.  Hie  ganze  Neuwcrkstrassc,  Anger  und  Barfüsser- 
strasse  mit  den  Nebengassen  ab,  wirklich  mehr  als  ein  Viertel  der  Stadt.  —  Ur- 
kundlich findet  «ich  bezüglich  des  Verdachts  gegen  Markgraf  Wilhelm  von 
Meissen  nicht«.    S.  C  Beyer.  Progr.  1889,  S.  10  f. 

187.  1  Die  Wirreu  bezüglich  der  in  Erfurt  enthaupteten  Herren  Heinrich  und 
Hans  von  Lengenfeld  währten  von  1394  —  1399.  Darüber  s.  Wenck,  Die  Wettiuer 
im  14.  Jahrb.  S.  51  ff.,  und  C.  Beyer,  Die  Händel  der  Stadt  Erfurt  mit  den  Lingen- 
felds und  dem  Markgrafen  Wilhelm  von  Meissen,  1889  ( Progr.  d.  höh.  Bürgerschule 
zu  Erfurt)  und  dessen  UE:  Totlesurteil  24.  Juli  1394  No.  1048;  Versöhnung  mit 


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188.  bis  190.  Stuck.    .  223 

188.  Wy  helderunge  gewinnen  wart.  notbe7«i 

Nach  cristus  gebort  M"CCCC°X  jar,  do  gewonnen  dy  forsten  hei-  uio 
derunge  unnd  ouch  wye,  das  sloss  unnd  dy  stad,  unnd  legen  das  grafen 
heinriche  von  honsteyn.    Derne  selbigen  von  honsteyn  hatte  der  von 
helderunge  sin  sloss  angewonnen.    Dar  noch  gar  korczlichen  wart  der 
von  helderunge  erslagen  von  den  kolern  uff  deme  harcze. 


189.  Von  der  gebort  herczogen  frederichs1  zu  «"tb^61 

Sachsen. 

Als  man  schreib  nach  cristus  gebort  M°CCCC°X  jar,  dowartgeborn  1410 
junge  herczoge  frederich  von  Sachsen,  des  nuwen  geraachten  korfursten 
unnd  herczogen  erster  son,  der  ouch  rnargrafe  zu  missen  unnd  lant- 
grafe  zu  doringen  ist. 


190.  Von  eynem  furo1  zu  erf  forte. 

Als  man  schreib  nach  cristus  gebort  tusent  CCCC°XILI,  do  waseyn  m$ 
gross  für  zu  erffort  uff  deme  angere  an  deme  nesten  donnerstage  noch 
sente  walpurgis  tage. 

Landgraf  Balthasar,  14.  Septbr.  1394:  No.  1051  u.  1052  und  Bündnis:  1083.  1084. 
1085.  Klage  des  Markgrafen  Wilhelm,  der  sich  eingemischt  hatte:  No.  1061. 
1064.  (Fehdeansage  noch  anderer  gegen  Erfurt;  No.  1072);  scheinbar  versöhnt 
1395:  No.  1073;  Anklage,  Aeht  und  Aberacht  gegen  Erfurt,  1395-1397:  No  1079. 
1082.  1096.  1097.  1102.  1103.  1104.  1110.  1120.1121;  Frieden  am  22.  Novbr.  1396: 
No.  1094;  neue  Irrungen  und  endliche  Versöhnung:  No.  1118.  1119.  1131.  Die 
endgiltige  Aufhebung  der  Acht  über  Erfurt  erfolgte  erat  durch  König  Ruprecht 
am  21. März  1401  (s  C.  Beyer  a.a.O.  S.  14,  dazu  S.  15  A.  68:  Urkunden  im  Kgl. 
Staatsarchiv  zu  Magdeburg,  Erf.  XXVIII,  22).   S.  auch  BE  S.  126  ff. 

188.  1  Über  diene  innerthüriugisehe  Fehde  —  s.  St.  185  -  berichtet  die  bist. 
Pistoriana  1. 1.  pag.  953  sq.,  woraus  hervorgeht,  da««  der  Heldrunger  zur  „liga 
Tritarum  videlieet  der  Flegellern''  gehörte,  S.  auch  die  Chronik  Haltung  Cammer- 
meisters, hg.  v.  Reiche,  S.  28  f. 

18».  1  Es  ist  Friedrichs  des  Streitbaren,  seit  1423  Kurfürst  zu  Sachacn, 
Sohn  Friedrich,  geb  1412,  genannt  der  Sanftmütige,  reg.  von  1428—1464;  im  sog. 
«ach«.  Bruderkriege  werden  wir  ihu  näher  kennen  lernen. 

190.  1  Bei  diesen  und  den  folgd.  Nachrichten  schöpfte  Stolle  wohl  aus  der 
lokalen  Tradition  in  Erfurt,  welcher  auch  Nicolau«  von  Siegen  folgt,  denn  er  ly- 
nchtet hierüber  (in  der  Ausgabe  von  Wegele)  pag.  419.  Das  Feuer  war  also  am 
4.  Mai  1413.  S.  Seebach,  Erffurthische  Feuerelironicka,  1736,  S.  5,  und  Volcmar 
Wendel,  Kurtzer  Histor.  Entwurf  der  meisten  Erffurth.  Feuerbrünste,  1711,  S.6. 


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224 


191.  und  102.  Stück. 


191.  Item  eyn  für.1 

141«  AJs  man  czalte  nach  cristus  gebort  tusent  CCCC°XYI  jar  an  unser 
lieben  frowen  tage  lichtewee  zu  nacht»,  als  dry  slug  noch  mitternacht,  | 
loa  do  erhub  sich  eyn  gross  für  zu  erffort  by  den  alden  fleischbencken 
under  den  schildern  unnd  brante  den  ruben  raart  abe,  dy  wissen  gassse, 
dy  pergemener  gasse,  dy  martbechen  gasse,  dy  weber  gasse  biss  zu 
sente  mauricien  dy  kerchen  abe,  sente  jorgen  kerchen  abe,  sente  ser- 
vacies  kerchen  abe  unnd  ouch  [sente]  andreas  [kerjchen b,  unnd  werte 
den  tag,  biss  das  ess  XII  slug  zu  mittage. 


192.  Wy  unser  liehen  frowen  gloeken  unnd  torme 
Kou»o  764  zu  erf forte  abe  brauten.1 

j4l6  Als  man  czalte  noch  cristus  gebort  tusent  CCCC°XVI  jar  an  sente 
mertins  abende,  •  als  man  zu  der  ganss  luteth,8  do  brante  das  liebe 
monster4  zu  unser  liebon  frowen  zu  erfforte  abe  unnd  dy  schonen 
weydelichen  torme  reyne  abe  unnd  das  edele  geluthe,  dy  guten  gloeken 
kleine  unnd  gross,  dy  vortorben  alle  mittenander,  das  was  der  kerchen 
eyn  grosser  schade.   

*  HS:  nach  (rloltolcht  aber  richtig  nach  Brandti,  Erfurter  Mundart  II  8.  7  -  -  Abfall  do« 
t).       b  Von  hier  ab  am  Rande  notiert,  teüweiie  ventümmelt. 


11)1.  1  S.  ebenfalls  Nicolaua  von  Siegen  a.  a.  O.  S.419.  Da  bei  dem  Bom- 
bardement im  November  1813  viele  von  den  Gassen  zerstört  und  auch  von  den 
genannten  4  Kirchen  nur  noch  eine  vorbanden  ist,  sollen  die  nicht  mebr  exi- 
stierenden gesperrt  gedruckt  werdeu:  1)  by  den  alden  fleischbencken  under  den 
scbildern :  am  Friedrich  Wilhelmsplatze,  am  Berge  vor  der  Scverikirche,  zwischen 
der  F ingerlingagasse  und  der  Gasse  Unter  den  Scbildern;  2)  ruben- 
uiart:  Rüben  mar  Jet:  der  Teil  der  Andreaestrasse,  der  von  der  Pergamentergasse 
bis  zur  Ackerhofsgasse  liegt;  3;  wissergassc  =  Weissengasse  (seit  1321  alba 
platea  in  tleu  Freizinsregistern,  also  v.  Tettau  falsch:  Waisengasse,  platea  pu- 
pillorum);  4)  pergamenergasse  =  Pergamcntergasse ;  5)  webergasse,  Webergasse; 
6)  die  M  oritzkirche  lag  am  Ende  der  beutigen  Moritzgasse;  7)  die  Georgen- 
kirche an  der  Ecke  der  heutigen  Michaelis.strasse  un«l  des  Georgeukircnbof, 
der  Turm  steht  noch;  8)die  Servatiuskircbe.Eckeder  Pergamenter-  u.  Turnier- 
gasse; 9)  die  Andreaskirche  existiert  noch,  in  der  Andreasstrasse,  »  v.  Tettau,  Bei- 
träge z.  I .  vergl.  Topographie  und  Statistik  von  Erfurt,  MGE  XII.  Das  Feuer 
war  in  der  Macht  von  Montag  dem  2.  Febr.  zu  Dienstag  dem  3.  Februar  1410. 
S.  Seebach,  Erfl.  Feuere!»  ronieka,  17.H6,  Ö.  5  und  Volontär  Wendel,  Kurtz.  hist. 
Entw.  S.  6. 

192.  '  S.  ebenfalls  Nicolaus  v.  Siegen  a.a.O.  8.  419  sq..  Seebacb  a.  a.  O.  S.  5, 
Wendel  a.  a.  O.  S.  6  f.  '  Also  am  Abend  des  10.  November  1416:  der  Martins- 
tag ist  der  11.  November.  »  Die  Vigilie  des  11.  NovemW  wurde  am  10.  No- 
vember um  6  Uhr  abends  eingeläutet;  dieses  nannte  man  ,,zur  Gans  läuten,"  da 
an  diesem  Abend  die  Martinsgans  gegessen  wurde,  ein  altdeutscher  Brauch,  da 
die  Gans  ein  Opfertier  des  Wodan  war,  von  dessen  Herb.stfe-.te  viele  Gebräuche 
auf  den  Martinstag  übergiengen,  s.  A.  Wuttke,  Der  Volksaberglaube  der  Gegen- 
wart, 18(59,  S.  83.     *  Stolle  bezeichnet  hier  in  alter  Weise  die  eedesia  (cathedraüs) 


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193.  bis  195.  Stück. 


225 


193,  Von  einem  joden,1  der  gebraut  vrart 

Als  man  czalte  noch  cristus  gebort  tusent  CCCC°XVIII  jar  zu  erffort  1418 
an  deme  nesten  montage  nach  sentejohans  tage  des  teuffers,2  do  braute 
man  einen  joden  zu  erffort,  der  hatte  sich  lossen  toufte  unnd  lift'  dor- 
noch  wedder  in  dy  joden  schule,  unnd  das  geschach  vor  den  greten,3 
<lo  wart  her  an  eine  sul  gesmeth  unnd  gancz  zu  asschen  gebrant. 

194.  Item  von  einem  fure1  zu  erf forte. 

Als  man  schreib  nach  cristus  gebort  tusent  CCCC°XXIT  jar,  an  H22 
dorne  nesten  montage  noch  unser  lieben  frowen  ablas  zu  erffort*  ;  v 
czwusschen  czwolffen  unnd  einen  noch  mitternacht,  do  brante  ess  zu 
demo  roten  hörne3  kegen  der  menezen  hofe4  zu  erffort,  unnd  ouch  dy 
husere  enteyl  do  by.  Do  vorbrante  der  wert  rudiger  genant,  unnd  was 
eyn  gasthelder,  unnd  sin  hussfrowe  unnd  sine  kindere  unnd  ouch  snst 
andere  geste,  also  das  XVI  menschen  vorbranten  do  selbest 


195.  Wy  niekel  talman  gefangen  wart  von  den 

von  erf  forte.  n^nA 

Als  man  schreib  nach  cristus  gebort  tusent  CCCC°XX1X  jar,  an  H29 
deme  nesten  sonabent  noch  michaelis1  brochten  dy  erffortschen  gebur 
gefangen  nickel  talman  mit  funff  knechten  kein  erfforte.  Der  was  gar 
eyn  köstlicher  man  gewest,  unnd  sere  unnd  lange  czit  geroubet  uff  dy 
von  erfforte.  Also  kregen  on  dy  gebur  unnd  hatten  on  gejaget  in  das 
holcz  zu  blanckenhain.2  Do  liss  her  sich  sine  dynere  under  das  loub 
begrabe,  ess  halff  abir  on  wenig,  dy  nachfolger  der  gebur  quomen  ome 
also  nohe,  das  her  nicht  vorborgen  konde  blibe.  Do  griffen  sy  on  unnd 

beatae  Mariae  Virginia  al*  Münnterkirehe,  denn  früher,  im  12.  Jahrhundert,  hie«! 
der  Dom  noch  Monaste-rium  bcatae  Mariae  virginis,  die  Domherren  nannten  sich 
fratrts  beatae  Mariae  Virginia. 

193.  1  6.  ebenfalls  Nicolaus  von  Siegen  a.  a.  O.  8. 420.  S.  Liebe ,  Die  wirt- 
schafte. Bedeutung  der  Juden  i.  d.  deutsch.  Vergangenheit ,  JAE,  XXVI,  1900, 
S.  115—123,  nebst  der  dort  verzeichneten  Litteratur.  S.  a.  unten  S.  239.  *  Am 
27.  Juni  1418.  a  Ante  gradus,  Vor  den  Graden,  die  von  der  Ostseite  zum  Dom 
und  zur  Severikirche  hinaufführenden  breiten  Stufen. 

IM.  1  S.  ebenfalls  Nicolaus  v.  Siegen  S.  420.  Während  die  Brände  von  1413 
(St.  190)  und  1416  (St.  192)  in  Volcm.  Wendel»  Histor.  Entwurf  der  meisten 
Erfurth.  Feuerebriinste,  1711,  S.  6—7,  und  Stebach  Erf.  Feuer-Chronicka,  1731, 
S.  5  erwähnt  werden,  schweigen  beide  von  der  Feuersbrunst  v.  J.  1422.  *  Am 
Tage  Maria  Himmelfahrt,  15.  August,  dem  Titularfest  der  Stiftskirche  Beatae 
Mariae  Virginia,  ist  ein  Ablass  bewilligt.  :'  Das  Haus  Mainzerhof  platz  No'4.  1  Der 
Mainzer  Hof,  ursprünglich  ein  Vorwerk  im  Brühl  (Vorstadt  von  Erfurt),  erz- 
bischöfliches Allod. 

19».  1  ALso  am  I.Oktober  1429.       'Städtchen  im  Grossherzogtum  Sachsen, 
Verwaltungsbezirk  Weimar. 

K.  Stolle.  Memorüüe.  15 


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19G.  Stück. 


sine  knechte  unnd  fürten  on  kegen  erfforte  oren  herrn.  Unnd  uff  den 
selbigen  sonabent  zu  nacht,  als  her  des  morgens  fru  gefangen  wart, 
do  Hessen  on  unnd  sine  dynere  dy  von  erffort  uss  fure  uff  den  raben 
stein3  unnd  lissen  on  alle  dy  koppfe  abo  slan.   Das  was  on  ungesunt 


196.  Wy  herczoge  frederich  zu  Sachsen  unnd 
lantgrafe  wilhelin  zu  doringen  gebrudere,  kregen 
mit  den  von  meydeburgk. 

1440  Als  man  schreib  noch  cristue  gebort  tusent  CCCC°  XL  jar,  herczoge 
110  frederich 1  |  unnd  lantgrafe  wilhelm2  von  Sachsen,  missen  unnd  doringen, 
dy  cwene  brudere  worden  czweytrechrig  mit  der  stad  meydeburg3 
umme  vier  sloss,4  dy  vorgecziten  zu  deme  lande  zu  Sachsen  gehört 
hatten  unnd  vor  satczt  worn,  unnd  das  sich  etliche  czid  vor  wilt  hatte. 
Dy  selbigen  sloss  wolden»  dy  hern  wedder  habe,  unnd  dar  ubir  wedder- 
statunge  ubir  dy  houbtsumme,  dy  dy  sloss  stunden,  wanne  dy  von 
meydeburg  dy  sloss  eine  benante  czid  inne  solden  gehad  haben,  unnd 
quomen  des  uff  einen  tag  keyn  isleuben.5  Do  wolden  sich  dy  von 
meydeburg  noch  dy  hern  nicht  losse  lencke  noch  underwisen.  So  das 
dy  genanten  fursten  noch  volke  zu  einer  herfart  uss  schreben  unnd 
meyuten  vor  meydeborg  zu  czene  unnd  gewynne,  unnd  dy  hern 
schreben  in  ore  stete  unnd  lande  unnd  oren  hern  unnd  trunden  noch 
volke,  das  on  alles  worden  were,  were  dy  meynunge  der  hern  vor  sich 
gegangen.  Nemelichen  czweyunndozwenczig  tusent  manne  von  ryne 
unnd  uss  oren  landen,  dy  danne  in  deme  ersten  futter0  zu  wissenfels 
uff  den  montag  sente  jocoffs  tag  zu  abent  lesen  solden.  Do  das  dy 
von  meydeburg  vornomen,  do  wart  evn  ander  tag  gemacht  abir  eins 
keyn  isleuben,"  unnd  wart  do  beteydinget,  das  dy  von  meydeburg  den 
genanten  forsten  dy  vier  sloss  wedder  gebe  solden,  unnd  darzu  vor 
muwe  unnd  vor  erbeit  czwolff  tusont  gülden,  unnd  musten  sich  den 
genanten  forsten  vorschriben,  wenne  on  dy  selben  hern  schreben,  das 

»  HS:  woldv  (8ohiwlbf«hl»r).  m  Üert  ebeofelU  woMon. 

1  Vor  dem  KrämDferthore  au  der  Strasse  nach  dem  Galgenbcrg  hin. 

11M5.  1  Kurfüret  Priedrich  II.  der  Sanftmütige,  regierte  von  142S  bin  1464. 
■  Wilhelm  IU.  der  Tapfere,  von  1428  bis  1482.  3  S.  Fr.  W.  Hoffmann,  Ge- 
schichte der  Stadt  Magdeburg,  neu  bearbeitet  von  G.  Hertel  u.  F.  Hülsse,  Bd.  II, 
1885,  S.  220-221.  4  Gommern,  Ranis,  Elbeuau,  Gottau.  s  Diese  Ver- 
sammlung sollte  in  Ei.sleben  stattfinden,  da  Graf  Vollrad  vou  Mangfeld  mm 
Schiedsrichter  gewählt  war.  Oh  sie  stattfand,  ist  ungewisa.  0  „Futter*4  auch  von 
menschlicher  Nahrung  gebraucht  s.  St.  202  A.  3.  '  Hingegen  gelang  es  endlich 
dem  Schiedsrichter  in  einer  Zusammenkunft  in  Eisleben  am  21.  Juli  1444  da« 
gute  Einvernehmen  zwischen  beiden  Parteien  herzustellen :  „Die  Stadt  Magdeburg 
zahlte  dem  Kurfürsten  Friedrich  1400  Gulden,  uud  dieser  verschrieb  ihr  dafür 
die  genannten  vier  Schlösser  nufs  neue,"  s.  die  Chroniken  der  deutschen  Städte: 
die  Chroniken  der  niedersäehsischeu  Städte:  Magdeburg,  Bd.  i,  1869,  S.  383. 


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197.  Stück. 


227 


sy  on  vier  hundert  man  vier  woehen  uft*  ore  eygen  koste  unnd  czerunge 
wolden  noch  fure,  wo  henie  sy  or  der  bedorfften.  Also  ging  dy 
herft'art  abe,  «nnd  man  meynte,  hettc  dy  selbige  herfart  vor  |  sieh  ge-  v 
gangen,  iss  were  dy  groste  herfart  worden,  dy  ye  eyn  man,  der  do 
lebete  zu  der  czit,  me  gedechte,  unnd  dy  stad  mit  andern  steten,  dorffern 
unnd  getreydich  vor  terbet. 

197.  Wy  proge  dy  stad  vorroten  wart.1 

Als  man  czalte  noch  eristus  gebort  tuset  unnd  XL  jar,  am  1440 

fritage  an  sente  oswaldes  tage,-  mit  deme  morgen  geschach  disse  ge- 
schieht in  der  stad  zu  proge  im  lande  zu  bemen;  das  man  dy  vor- 
roten wolde.  Iss  was  eyn  richer  burgermeister  do  selbst  zu  proge,  des 
jars  eyn  ratismeister3  unnd  eyn  Vorsteher  der  stad,  der  hatte  sieh  umme 
gutis  unnd  umme  habe  willen,  unnd  ouch  umme  hass  willen,  mit  den 
ketezern,  dy  do  wonten  in  der  stad  uff  deme  berge  tabar,4  dy  man 
nennet  dy  taberiten,  vor  eynet  unnd  vor  tragen,  das  her  on  dy  stad 
proge  uff  dy  genanten  nacht  vor  rote  unnd  in  antwerte  wolde,  unnd  hatte 
mit  on  bestalt,  das  sy  sieh  uff  dy  selbige  nacht  vor  dy  stad  nnder  dy 
widen,  dy  do  vor  der  stad  steen,  schicke  sohlen  mit  einer  grossen 

197.  'Der  Vorfall  ereignet*'  sich  nach  König  Albreohts  II.  Tode  (27.  Okt«  »her 
1439),  als  auf  dem  Prager  Wahllandtage  Mai  bin  Juni  1440  an  Stelle  des  später 
auerkannten  uachgeboreneu  Sohne«  Albreehts  l/udislnus  der  Herzog  Albrecht  von 
Bayern  zum  böhmischen  Könige  erwählt  war,  die  polnische  Partei  aher  durch 
einen  Handstreich   sich  der  Hauptstadt  Prag  heinächtigen  wollte,    um  ihren 
Kandidaten,  don  König  Wladismw  von  Polen,  den  auch  die  Ungarn  damals  zu 
ihrem  Herrseher  gewählt  hatten,  auf  den  Thron  Böhmens  zu  setzen;  s.  Palacky, 
Geschichte  von  Böhmen  IV.  1 ,  S.  35  f.    Vgl.  Härtung  Knramermeisters  Chronik, 
herausggb.  v.  Reiche,  No.38.  S.  07-  69  und  Einleitung  S.  LVII  f.  A.  1.  Stolles 
Quelle  ist  unbekannt.     -  Im.Iahrel440  fiel  der  St  Oswaldtag  auf  den  5.  August, 
seihst  auf  einen  Freitag,  also  war  es  am  29. Juli;  Palacky  a.a.O.:  Freitag  nach 
St.  Jaeob,  also  aueh  am 29.  Juli.    :1  Es  ist  der  altstädter  Ratsherr  Slama  von  Nexrew, 
das  Haupt  der  polnischen  Partei,  s.  Palacky  a.a.O.  8.35;  derselbe  sagt  S.  3ii 
A.  33.:  „Stari  letopisowc  (S.  120) :  Sie  brachen  in  die  Präger  Neustadt  ein  durch 
eine  Öffnung  unter  Horskä  Br&na  und  zogen  gegen  die  Altstadt,  nach  dem  Thore 
Odrana  ( Bartoschek  sagt:  Porta  antiquae  civitatis  proxima  curiae  regali,  S. 204), 
wo  jetzt  der  neue  Turm  aufgebaut  ist  (d.  i.  W  lad  isla  ws  Pulverturm);  und  hier 
riefen  sie,  der  Thorwächter  solle  sie  einlassen,  da  sie  Fische  für  Herrn  Slama 
mit  sich  führten,  die  sonst  zu  Grunde  geheu  würden ;  denn  so  hatte  ihnen  Slama 
zu  sprechen  l>efohlen.    Und  als  das  Weib  des  Thorwächters  die  Thürschlösser 
öffnete  und  durch  ein  I^och  hinaus  sah,  erblickte  sie  eine  Menge  bewaffneter 
Männer.    Da  sagte  sie  es  ihrem  Manne.     Oer  stand  auf  und  schrie  sie  an, 
worauf  sie  sogleich  zu  der  Öffnung  liefen,  durch  die  sie  gekommen,  und  sich 
hinaus  begaben,  während  andere  in  der  Neustadt  Zuflucht  suchten,  so  dass  alle 
ohne  Schaden  entgiengen.    Und  alsbald  nach  diesem  Verrat  flohen  Slama  und 
Schilling  |ein  Neustädter  Ratsherr    mit  vielen  anderen   aus  Prag  von  ihrem 
Besitztum.*'       1  Ursprünglich  war  Tabor  (—  „Lager")  das  befestigte  Kriegslager 
der  Hussiten,  von  Ziska  i.  .1.  1420  angelegt,  dann  Bezirksstadt  im  südlichen 
Böhmen.    Danach  nannte  sich  der  fanatische  Teil  der  Hussiten.    Der  Gleichklang 
mit  »lern  Berge  Tabor  in  Palästina  'Galiläa),    dem  Berge  der  Verklärung,  ist, 
Zufall. 

15* 


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228 


197.  Stück. 


menge  wol  gewopendes  volks  umme  mittern  acht,  und  soldes  ussrichte 
luthe  also  fischere,  dy  do  fische  brechten,  unnd  dy  solden  enczeln  noch 
enande  konie,  also  das  einer  deme  andern  noch  ginge,  unnd  riffen  uffe, 
das  der  torworte  dy  tor  deste  volkomelicher  unnd  deste  lenger  uflen 
beilüde,  so  sulden  danne  dy  gewopenten  do  hinden  den  fischern  noch 
folge  unnd  dy  thor  in  neme.    So  bette  her  gereite r'  bostalt  mit  den 
taboriten,  dy  in  der  stad  wonten,  dy  uss  unnd  in  czogen  in  kouffmans- 
in  wisse,  der  danne  gar  |  vele  gereyte  in  der  stad  worn,  unnd  wanne  sich 
das  geloutfte  hübe,  das  sy  danne  mete  zu  loufle  unnd  helfte  solden, 
unnd  des  ratishuss  war  neme  solden ,  das  danne  der  von  proge  beste 
were  unnd  der  schatcz  ist.   So  wolde  her  ouch  geen  zu  deme  torworten, 
unnd  wolde  on   heissen  unnd  ome  sagen,  wanne   des  nachtes  lute 
quemen  unnd  sprechen,  das  sy  fische  brechten,  das  her  dy  sulde  in 
lossse.    Also  ging  der  borgermeister  zu  deme  torworten  unnd  sprach, 
wanne  dy  fischere  quemen,  so  sulde  her  sy  nicht  lange  losse  steen,  her 
solde  dy  jn  losse,  das  dy  fische  nicht  storben,  her  musste  sy  vor  ere,; 
unnd  enweg  sende  uff  den  selben  fritag.    Der  torwarte  sprach,  her 
woldes  gerne  thun,  wanne  worumme,  derselbige  burgermeister  was 
mechtig.    Also  es  quam  zu  der  mittemacht,  db  quam  eyner  gegangen 
vor  das  thor  unnd  riff  deme  torworten  unnd  bad  on,  das  her  on  wolde 
in  losse;  do  fragete  on  der  torworte  unnd  der  wechter,  was  her  wolde, 
unnd  wer  her  were;  do  antwarto  her  on  unnd  sprach,  her  brechte 
fische.   Do  gedochte  der  torworte  an  dy  wort,  dy  ome  der  ratismeister 
en  pfolen  hatte,  unnd  sprach  zu  siner  frowen:  Stant  uff  unnd  loss  on 
jn!    Do  sprach  dy  frowe:  Ich  en  wel  nicht  uff  steen,  es  enfuget7  mir 
nicht;  wer  weiss,  was  volkes  do  ist.    In  des  quam  noch  eyn  fischer 
unnd  abir  eyner,  also  lange  das  her  sechse  wart,  unnd  sy  meinten,  sy 
weren  also  starg,  das  sy  den  torworten  griffe  und  dy  tor  uffene  halde 
wolden.   Der  torworte  stunt  ungerne  uff  unnde  ome  gruwete,  das  her 
eine  solche  mechtige  stad  uff  dy  czit  in  der  nacht  umme  der  fissche 
v  willen  1  uff  slessse  solde,  unnd  forchte  doch  den  czorn  des  burger- 
meisters.   Der  frowen  gruwete  ouch  und  stunt  ouch  uff,  unnd  ging  ufi 
deme  torme  an  eyn  fenstor,  unnd  sach  en  uss;  do  sach  sy,  das  ess 
glinserte*  in  deme  vinsterne  von  den  isenhuten  unnd  wopen,  unnd  horte 
ouch  das  gerumpele'J  des  volkes.    Do  schrey  dy  frowe  mit  luter  stymme 
orem  manne,  das  her  nicht  uff  sliessen  solde,  ess  were  gar  vele  ge- 
wopendes volks  vor  deme  thore.   Do  hatte  der  torworte  der  thor  gereite 
dry  uff  geton,  biss  uff  eyn  tor  das  usserste,  das  was  noch  zu,  unnd  her 
sloss  gereite  dor  an;  das  behilt  her  kume  zu,  wanne  dy  dusse10  worn, 

h  Gereite ,  adv.,  „alsbald ,  bereits ,  schon,''  8.  St.  28  A.  12 ;  öftere  in  dienern 
Stücke.  *  Ere  =  er,  , .früher,"  also  ,,vor  ere*' „früher."  7  Vuogen,  vüegen, 
intrans.,  —  „füglich  sein,  sich  passen,  passen ,"  mit  dem  Dativ.  "  Mhd 
glinjen  stv.  und  glinstern  swv.  ~*  md  glinsen  =  „schimmern,  glänzen."  9  Mhd 
gerummel  und  gerümniel  stn.  =  md  gerumpele  =  „Lärm,  Gepolter."  10  Mit 
unorganischem  (euphonischem)  Anfangs -d,  =  usse  (mhd  u$en),   adv.,  „aussen." 


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198.  Stück.  229 

dy  slugen  mit  exssen11  dar  an  iinnde  drungen  dor  an.  Do  liff  dy  frowe 
von  derae  thore  in  dy  stad  unnde  schrey  und  ritt",  das  dy  burger  in 
der  stad  uff  quomen  uund  Heften  zu  den  torn  zu,  noch  anewisunge 
der  frowen.  So  liff  or  enteil  zu  deine  rathusse  zu,  also  danne  eine  ge- 
wonheit  ist,  wanne  sich  was  hebet  in  der  stad,  so  louffen  sy  zu  stunt 
zu  deme  rathuse  zu.  Do  sy  zu  dorne  rathuse  quomen,  do  was  das 
rathuss  geuffent;  do  erschrocken  dy  bürgere  gar  sere  und  frageten,  wy 
das  zu  ginge;  ess  en  wolde  nymant  wisse.  Eyner  fragete  den  andern 
under  den  gewaldigen;12  sy  sprachen  alle,  sy  wosten  sin  nicht  Do 
hatten  sich  dy  taberiten ,  dy  in  der  stad  worn  unnd  helffe  wolden  den, 
dy  in  dy  stad  komen  solden,  in  eyn  adir  czwey  huser  gesamraet 
unnd  harreten  do,  wanne  dy  taberiten  ore  geschelschaflt  von  deme 
berge  in  dy  stad  quemen,  das  sy  on  heiße  wolden  dy  stad  betwingeu. 
Unnd  do  worden  dv  hern  I  alle  eyns,  unud  der  vorreter  mit  on,  unnd  n» 
liffen  enteyl  zu  den  torn  unnd  holffen  dy  were,  unnd  fingen  den  tor- 
worten  unnd  sine  frowen  unnd  frageten  sy,  wer  sy  hette  gebeisen  dy 
tor  uff  slesssen.  Do  bekanten  sy,  als  sy  der  burgermeister  geheisen 
unnde  en  pfohlen  hatte.  Do  griffen  sy  ouch  zu  hant  den  selben  burger- 
meister  unde  hiwen  on  an  vier  stucke,  unnd  ouch  andere  redeliche13 
gewaldige  luthe,  radmanne,  dy  das  mete  wüsten,  den  hiw  man  dy 
koppfe  abe,  er  es  morgen  wart,  wanne  sy  bekanten  zuhant,  wy  sy  das 
uss  gericht  hatten,  unnd  sageten,  wo  man  dy  andern  taberiten  funde. 
Do  czogen  sy  hen  unnd  funden  sy  gewopent  wol  bewart  in  den  husern, 
unnd  fingen  dy  enteil,  unnd  enteyl  quam  or  do  von,  unnd  satczten  sy 
in,  unde  köpften  dy  eyn  noch  dem  andern  tegelichen.  Also  wart  der 
torworte  unnd  sin  frowe  wedder  loss.  Dy  grossse  schalkeit  unnd  bos- 
heit  brochte  den  burgermeister  zu  deme  tode,  unnd  man  gloubete  ome 
alle  dingk,  und  was  der  allergewaldigiste  in  der  stad  proge  in  ßemen. 

1U8.  Wv  sich  der  aide  herre  zu  missen 
unnd  der  junge  herre  zu  doriugen  gebrudere* 
teylten  uss  den  landen.1 

Als  man  schreib  nach  cristus  gebort  tusent  CCCC0  XLVI  jar,  do  1*W 
teylten  sich  dy  czwene  forsten,  herczoge  frederich  unnd  herczoge  wil- 

•  HS:  wiederholt  „«ich"  au«  Vnwheo. 

11  Mhd  ackes,  stf.,  synkopiert  acks,  hier  mit  Umlaut,  =  „Axt,"  mit 
späterem  und  unorganischem  t.  11  Mhd  gewaltic,  plur.  die  gewaltigen  die  ein 
hohe«  städtisches  Amt  Bekleidenden ,  der  Rat.  13  =  „verständig",  s.  Rückert, 
Leben  d.  heilig.  Ludwig,  S.  148. 

198.  1  Uber  diese  und  tlie  nachfolgenden  Ereignisse,  namentlich  den  sächsischen 
Bruderkrieg,  s.  u.  a.  Res  Misnicac  ab  a.  MCCCOXXVI  ad  a.  MCCCXJLXXXVII1 
versioni  Germanicae  Chroniei  Vetero-Cellensis  additae  et  Johann i  Puchelero  ad- 
scriptae  a  C.  Öchurtzfleischio,  bei  MSCJ  II  pag.  417  ff.  Härtung  Kammenneister, 
Chronik,  herausg.  v.  Reiche,  8.  71  ft'.,  dazu  die  Einleitung  a.  a.  ü.,  bes.  p.  XJCVIff.; 
auf  die  von  Reiche  angeführte  Litteratur,  auch  auf  die  Urkunden,  die  er  be- 


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230  198.  Stuck. 

heim  gebrudere,  uss  oren  landen  mit  rate  unnd  hulfte  orer  rethe,  unnd 
wart  vor  gegeben,  das  der  junge  heire  herczoge  wilhelm  solde  teyle, 
so  sulde  der  aide  herre,  herczoge  frederich,  kysse.  Derne  rote  wart 
v  also  gefulget,  |  wanne  sulchen  rod  hatten  gegeben  vier  rittere  mit  andern 
reten,  dy  worn  by  deme  jungen  hern  herrzogen  Wilhelme  in  deme 
lande  zu  doringen  mechtig,  mit  namen  er  apel  unnd  er  bosse  vitcz- 
thum  gebrudere,  er  frederirh  von  witezeleuben,  unnd  er  bernhart  von 
kerchberg;  unnd  uff  dy  selbeczit  was  grafe  ernst  von  glichen  unnd 
herre  zu  Blankenhain  hofemeister  des  jungen  hern,  abir  her  was  nicht 
so  mechtig,  also  her  sin  sulde,  sundern  er  apel  vitczthum  unnd  er 
bosse,  dy  hatten  den  jungen  hern  also  gar  in  gewonnen;  was  sy 
wolden,  das  muste  der  herre  unnd  dy  andern  rethe  vor  folge.  Dy 
teylunge  der  lande  wart  vor  gegeben ,  also  das  der  junge  herre  teylte 
unnd  der  aide  koyss.  Das  geschach  darumme,  das  dy  vier  rittere,  dy 
dissen  rath  vor  goben,  dy  worn  also  mechtig  worden,  unnd  meynten, 

sonders  aus  dem  Weimarer  Staatsarchiv  anführt,  sei  hier  hingewiesen,  ohne  das» 
sie  im  einzelnen  noch  einmal  hier  erwähnt  werden.  Ferner  sei  verwiesen  auf 
Fabricius,  Orgines  Saxon.,  1597,  pag.  707  sqq. ,  Müller,  Reichstagstheatrum  I, 
Böttiger,  Geschichte  (Ich  Kurstaates  Sachsen,  Bd.  I,  und  d.  4.  Band  von  Galletti, 
Geschichte  Thüringens,  cndüch  auf  v.  Tettau,  Gleichensche  Rcgesten,  MOE  X,  1881, 
S.  230  ff.  Im  allgemeinen  liegt  noch  keine  genügende  Darstellung  des  sächsischen 
Bruderkrieges  vor;  Stolle,  der  aus  mündlicher  Tradition  und  gleichzeitigen  Aufzeich- 
nungen geschöpft  haben  muss,  ist  hier  massgebende«'  Quelle,  da  er  vieles  anders 
und  genauer  darstellt,  als  selbst  Härtung  Kammermeister.  In  Bezug  auf  die 
Genealogie  des  Wet tinischen  Hauses  sei  hier  an  Folgendes*  erinnert.  Kurfürst 
Friedrich  I.  (der  Streitbare)  starb  am  5.  Januar  1428;  er  hinterliess  4  Söhue: 

1.  Friedrich,  als  Kurfürst  Friedrich  II.  ider  Sanftmütige),  lebte  von  1414—1464. 

2.  Siegmund,  lebte  von  1416—1463  (1416— 1457  nach  Fabricii  Orgines  Saxonic. 
p.  704  sq.),  entsagte  (angeblich  um  einer  Nonne,  einer  Edeldame  von  Lohma,  willen) 
l.J.  1437  seinen  fürstlichen  Rechten,  dann  Domherr  in  und  1440  Bischof  von  Würz- 
burg; als  solcher  i.  .1.  1443  entsetzt,  kehrte  er  in  die  Heimat  zurück,  wurde  aber 
von  seinem  Bruder,  dem  Kurfürsten  Friedrich,  in  Haft  bis  an  sein  Lebensende 
gehalten.  3.  Heinrich,  lebte  von  1422—1435,  starb  also  unmündig.  4.  Wilhelm  III., 
lebte  von  1425 — 1482.  Bis  1440  regierten  die  Brüder  gemeinsam,  d.h.  der  allein 
volljährige  Friedrich.  Bei  der  Teilung  i.  ,T.  1441  war  Friedrich  35  —  36  Jahr  alt, 
hingegen  Wilhelm  erst  20—21  Jahre,  jener  also  ein  Mann,  der  sich  den  Vierzigern 
näherte,  dieser  ein  unerfahrener  Jüngling:  deshalb  scheidet  sie  der  Chronist  mit 
den  Namen:  der  „alte"  und  der  ,  junge"  Herr.  Die  Teilung  geschah  zu  Alten- 
burg am  10.  September  1445,  bestätigt  am  1.  April  1446  vom  Kaiser  Friedrich  III. 
(s.  Chmel,  Keg.  z.  Gesch.  Friedr.nQ  L  No.  2054).  Die  Räte  des  Herzogs  Wil- 
helm sind  Apel  und  Busso  von  Vitzthum ,  Friedrich  von  Witzleben  (s.  Riedel, 
codex  diplom.  Brandenburg.  IV,  S.  426)  und  Bernhard  von  Kirehberg;  sein  Hof- 
meister war  Graf  Ernst  von  Gleichen,  welcher  nachher  zu  Kurfürst  Friedrich 
übergieng.  Während  sonst  bei  Teilungen  zwischen  Brüdern  der  ältere  teilte  und 
der  jüngere  wühlte,  geschah  es  auf  die  Einflüsterungen  jener  vier  Räte  Wilhelms 
l>ei  der  Alteuburger  Teilung  grade  umgekehrt:  Wilhelm  teilte  und  Friedrich 
wählte.  Wann  die  Unzufriedenheit  entstand .  und  wer  zuerst  sich  unzufrieden 
zeigte ,  ist  unentschieden ,  da  jede  der  beiden  Parteien  das  Unrecht  der  anderen 
zuschob:  wahrscheinlich  ist  es,  dass  beide  sich  übervorteilt  glaubten,  Wilhelm 
ausserdem  von  seinen  Räten  angestachelt  wurde,  Friedrich  engherzig  auf  allen 
seinen  Rechten  bestand,  auch  auf  denen  in  Wilhelms  Landen,  in  der  Annahme, 
dass  die  Lande  an  ihn  oder  seine  Erben  späterhin  wieder  heimfallen  würden, 
wie  es  ja  auch  geschah. 


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198.  Stück.  281 

der  aide  herre  worde  kesse  das  lant  zu  missen,  do  her  inne  erczogen 
was,  unnd  der  junge  herre  solde  das  land  zu  doringen  unnd  francken 
etc.  behalde,  dar  inne  her  danne  er  wachsen  was,  unnd  dy  vier  rittere 
ouch  or  gud ,  habe  unnd  gesessen  hatten ,  unnd  mecbtig  worn  uff  das, 
das  sy  by  gewalt  unnd  macht  blyben  mochten,  unnd  vorder  geherssche 
ubir  land  unnd  lute,  als  sy  vor  gethon  hatten,  sy  unnd  ore  eidern. 
Er  bosse  vitczthum  der  aide  unnd  der  junge2  reten  ouch  deme  jungen 
hern,  das  her  sich  solde  lege  unnd  in  der  teylunge  mute8  des  landes 
zu  Sachsen,  das  danne  zu  deme  marschalkthum  des  romeschen  richs 
gehört,  unnd  der  aide  herre  alleine  personlich  do  mete  belent  was.  Also 
was  vor  einem  jare  |  ,  da  vor  er  apel  vitczthum  des  alden  hern  marschalk  1,8 
gewest  in  sinem  hofe,  unnd  was  also  mechtig  by  dissen  beiden  brudern, 
das  her  sich  kegen  deme  alden  hern  vor  messen  hatte  unnd  ome  zu 
gesaget  hatte ,  her  wolde  ome  schicke  in  der  teylunge,  welch  lant  her 
habe  wolde;  also  ome  danne  der  aide  herre  hindenoch  in  syner  kegen- 
wertickeit  zu  sayte  in  der  stad  halle,4  vor  allen  fursten  unnd  graten, 
rittern  unnd  knechten  unnd  steten  etc.,  dy  do  kegenwertick  worn,  wy 
her  czwene  kole  in  einem  toppfe  gekocht  hette.  Hir  noch  nu  also  der 
junge  herre  geteilt  hatte,  unnd  komen  uf  tage  zu  kysen,  do  koyss  der 
aide  herre  in  das  lant  zu  doringen  mit  zugehorunge,  also  das  geteylt 
was.  Do  erschrocken  dy  vitczthum  unnd  dy  andern  gar  swinde,  wanne 
der  aide  herre  was  gar  eyn  cluger  furste  unnd  wise,  unnd  sy  furchten, 
das  on  ore  gewalt  genomen  worde  unnd  forder  nicht,  mee  in  sinen  rath 
quemen,  do  von  sy  mochten  genedirt  unnd  under  gedruckt  werde, 
wanne  sy  hatten  ess  gehalden,  das  on  nymant  in  allen  landen  holt  was, 
unnd  sv  bedochten  ouch  mit  oren  behenden  listen  unnd  siechten  worten. 
unnd  sprochen,  dy  land  weren  unglich  geteylt,  unnd  dy  register,  dy 
deme  jungen  hern  unnd  on  weren  geantwart  uss  deme  lande  zu  missen 
obir  dy  sloss  unnd  stete,  rente  unnd  czinsse,  das  erfunde  sich  by 
XVIII  tusent  gülden  nicht,  unnd  dy  register  weren  falsch  gewest,  unnd 
dy  wile,  das  dy  register  falsch  gewest  weren,  so  hetten  sy  iss  nich  glich 
kont  geteyle,  also  wolden  sy  nicht  der  teylunge  in  geen.  Sy  |  sprochen  v 
ouch,  der  junge  herre  solde  des  ouch  nicht  zugebe,  unnd  sy  woldens 

!  Es  sind  2  Generationen  der  Vitzthume:    I.  Generation:  2  Brüder: 

I.  Apel  Vitzthum  zu  Rossla,  Rat  Landgraf  Friedrichs  IV.  (des  Einfältigen), 
»,  Härtung  Kammermeister,  Chronik,  h.  v.  Reiche,  S.  23  u.  30;  2.  Bosze  von  Vita- 
thum, des  vorigen  Bruder,  auch  Rat  Landgraf  Friedrich*  IV.,  dann  Wilhelms  II. 
(des  Reichen)  von  Meissen ,  s.  ebenda  S.  23  f.    Dieser  ist  der  hier  erwähnte.  — 

II.  Generation:  3  Brüder:  l.  der  berüchtigte  Ajwl  von  Vitzthum  auf  Nieder- 
rciHsla;  2.  Bernhard  von  Vitzthum  zu  Leuchtenburg  und  3.  Bosze  von  Vitzthum 
auf  Dornberg.  Der  erste  und  der  dritte  sind  die  später  vielfach  genannten ;  s.  auch 
Reiche,  Härtung  Kammermeister,  Chronik,  Register  8.245.  3  Md  muten  = 
rahd  muoten,  müeten,  swv. ,  —  „etwas  haben  wollen,  begehren,  verlangen." 
Übrigens  hatte  seit  Kaiser  Otto  III.  der  Herzog  von  Sachsen ,  damals  also  der 
Kurfürst  von  Sachsen ,  das  Erzmarschallamt  des  heiligen  römischen  Reiches. 
4  Das  war  beim  sogen.  „Hallischen  Machtspruch"  am  1.  Dezember  1445  (nach 
Riedel,  codex  dipl.  Brandenburg.  IV,  S. 858:  Sonnabend  nach  Concept.  Mariae  = 
11.  Dezember  1445). 


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2A2 


198.  Stück. 


uuch  nicht,  sundern  man  solde  andirtweilt  teyle;  so  nette  ouch  des  jungen 
Lern  frowelin5  or  lypgedinge  in  deme  lande  zu  doringen,  unnd  were 
ouch  dar  uff  in  das  lant  zu  doringen  uss  ungern"  gegeben,  unnd 
woldon,  man  soldo  andirtweit  teyle.  So  meinte  der  aide  berre,  der  junge 
herre  hette  geteylt,  so  nette  her  gekorn,  also  das  betey dinget  was,  ome 
solde  dar  an  wol  gnuge,  unnd  wolde  ouch  andere  teylunge  nicht  zu 
geben,  sundern  her  meynte  rüge  unnd  gemach  zu  haben  in  derao 
lande  zu  doringen;  der  junge  herre  solde  sich  ouch  vor  suche  im  lande 
zu  missen  keyn  den  beraen  unnd  andern  luten,  unnd  suchte  anders 
keyne  betriglickeit  dar  inne,  wanne  her  was  eyn  sweer  fetter  herre. 
Do  das  dy  vitczthum  soen,  das  der  aide  herre  im  lande  zu  doringen 
bliben  wolde,  do  vorchten  sy  orer  gewalt,  unnd  ryten  deme  jungen 
hern,  das  her  der  teylate 7  nicht  solde  vor  folgen ,  sundern  her  solde 
8chribe  allen  fursten,  bisschoflen,  grafen,  rittern,  steten  etc.  und  eynen 
tag  mache,  unnd  das  uff  sy  byete  zu  erkennen,  unnd  das  man  eyne 
andere  wise  dar  inne  er  dechte.  Dy  vitczthum  erbeyten  sich  der  sache 
so  swinde,  und  brochtens  dar  zu  mit  orer  behendickeit,  unnd  ryten 
deme  jungen  hern  also  vi),  das  her  dy  schone  grosse  stad  unnd  sloss 
aldenborg  in  missen  mit  vierhundert  dorffern  unnd  zugehorunge  unnd 
sust  anderlant  deme  alden  hern  liss  folge  zu  deme  lande  zu  missen, 
im  uff  |  genenteyl,8  uff  das,  das  das  lant  zu  doringen  deme  jungen  hern 
blebe,  das  danne  dy  vitczthum  gar  noe  halb  inne  hatten  unnd  hern 
worn,  unnd  das  sy  by  orer  grossen  gewalt  unnd  macht  blibe  mochten. 
Der  aide  herre  nam  das  lant  zu  missen  mit  der  stad  aldenborg  unnd 
orer  zu  gehorunge;  das  was  nu  vaste  besser,  danne  das  lant  zu  doringen, 
unnd  liss  deme  jungen  hern  dy  köre  zu  doringen.  Das  margte  der 
aide  herre,  wy  der  junge  herre  sin  bruder  nicht  also  klug  were,  das 
her  8ynen  notcz  unnd  fromen  konde  erkenne,  sundern  her  gehorchte 
den  reten,  den  vitczthum  etc.,  dy  ufl  oren  ort  ryethen,  das  sy  hern 
bieben.  Unnd  der  aide  herre  hette  gerne  geseen  unnd  bad  sinen  bruder 
den  jungen  hern,  das  her  dy  rethe  wolde  lossen,  mit  namen  dy  vier 
brudere  unnd  swegere,  ern  apel  unnd  ern  bossen  vitczthum,  ern 
frederichen  von  witczeleuben  unnd  ern  bernhart  von  kerchberg;  sy 
weren  ome  nicht  nutcze,  her  hette  sust  grafen  gnug  unnd  frome  hern, 
dy  do  ome  wol  fugeten  unnd  ome  wol  tochten.  Das  mochte  villichte 
der  junge  herre  den  vitczthummen  vorgoleyt  habe.  Do  nu  dy  viczthum 
das  vornommen,  do  trugen9  sy  mit  deme  jungen  hern  also  vil  an,y  das 
her  mit  sinen  grafen  in  dem  lande  zu  doringen  unnd  mit  on  eynen 
bunt10  machte  unnd  sich  kegenenander  gar  tiff  unnd  hoch  vor  schreben 
unnd  mit  eyden  zu  sammene  vorbunden  unnd  vorstrickten,  or  eynen 

5  Anna,  älteste  Tochter  Kaiser  Albrechts  II.  G  S.u.  A.  11.  7  „Tevlate," 
stf.,  —  „Teilung."  H  Md  gener  =  .jener."  b.  Weinhold,  Mhd  Gram.* 
w  „Antragen**  =  „den  Antrag  stellen,"  mit  dem  Dativ  „bei  jemand."  10  S. 
Härtung  Kammermeister  a.a.O.  S.  78  u.  A.  2;  hier  ist  klar,  dass  Stolle  mehr 
auf  seiten  des  Kurfürsten  Friedrich  steht,  Härtung  Kammenneistcr  auf  Herzog 
Wilhelms  Seite. 


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m.  stuck. 


233 


den  andern  zu  vorteydingen  also  synen  eygen  lip  unnd  gut  uft"  sine 
eygene  koste.  Dy  grafen  vorschreben  sich  keyn  den  rittern,  dy  rittere 
kein  den  grafen ;  das  brachten  dy  vitctz  thum  zu  mit  behendickeit  unnd  ▼ 
besorgeten  sich  vor  deme  alden  hern,  wanne  sy  wosten  wol,  das  her 
eyn  trefflicher,  ernster,  wisser  herre  was  unnd  wol  konde  erkenne,  wy 
sy  deme  jungen  hern  riethen.  In  des  hatte  der  junge  herre  wert- 
schaft11  mit  der  konicynnen  von  ungern  zu  ihene  uoime  sente  vitis 
tag,  unde  der  aide  herre  sin  bruder  was  ouch  gebeten  mit  andern 
forsten,  her  quam  abir  nicht,  suudern  dy  vitczthumme  worn  do  mechtig 
alles  des,  das  do  was,  unde  was  sy  toten,  das  was  wol  gethon.  Dy 
grafen  dy  do  zu  hofe  worn,  dy  rethen  vaste  deme  jungen  hern,  das 
her  iss  mit  sinem  brudere  bilde;  her  konde  ome  gehelffe  unnd  gerote. 
Kss  was  abir  ungehort.  Dy  vitczthum  raeinten,  der  aide  herre  were 
eyn  swer  alder  herre,  her  konde  nicht  lange  gelebe.  Dy  grafen  worn 
ouch  ungeacht  von  den  vitczthum  zu  hofe  unnd  un  mechtig.  Dy  vitcz- 
thum begunsten  vaste  uft  zu  stygen  unnd  yc  lenger  ye  mechtiger  unnd 
gedochten  tegelichen  uff  grossen  richtum  unnd  veste  sloss.  Also  wart 
von  on  im  lande  zu  doringen  gemacht  eyn  sprich  wort,  das  hiss  also: 
„Hossa,  hossa,  das  lant  ist  der  bossen."  Sy  bildens  ouch  mit  den 
riehen  joden,  wanne  dy  joden  arme  grafe  unnd  rittere  mit  gesucho  von 
oren  slossen  drungen,  mit  der  vitczthum  rothe  unnd  hulffe,  so  hulffen 
sy  danne  den  joden  getruwelichen,  unnd  dar  noch  koufften  sy  den 
joden  dy  sloss  abe  umme  halb  gelt  adir  wy  das  sy  woiden,  so  mussten 
danne  dy  arme  lute  under  deme  gebete  der  slosss  ore  gntere  unnd  or 
erbe  von  nuwens  zu  leene  |  en  pfaen  von  den  vitczthum.  Also  hisschen  110 
unnd  noraen  sy  den  czenden  gülden  zu  lenrecht  von  einem  iglichen* 
erbe  unnd  hüben  zu  leen rechte  uff  eine  giosse  summe  |  geldes,  danne 
dy  summe  was,  das  sy  umme  dy  bürg  gegeben  hatten.  Ess  hatten 
ouch  dy  von  erflforte  zu  der  czit  eyn  veste  sloss,  genant  Cappelndorff,1'* 
wol  unnd  veste  gebuwet,  unnd  or  beste  slos  was,  das  sy  hatten;  das 
teydingete  on  er  bosse  unnd  er  apel  viteztum  mit  oren  guten  worten 
abe,  das  sy  on  eine  summe  geldes  adir  silbers  dar  uff  leich  eine  czit, 
nemelichen  iXXI  jar,  unnd  solde  gliche  wol  or  uffene  sloss  sin.  Das 
toten  dy  guthen  luthe,  dy  hern  von  erftorte,  umme  schotez  undefredes 

•  HS:  talkbM. 

11  —  „Hochzeit"  (s.  St.  138  A.  5  u.  St  178  A.  5).  Im  .1.  1446  feiert«  Herzog 
Wilhelm  seine  Hochzeit  mit  Anna,  der  Tochter  Kaiser  Albrechts  II. ;  daher  wird 
jene  „Königin,*4  d.  h.  königliche  Prinzessin  von  Ungarn,  genannt,  weil  Albrecht 
auch  König  von  Ungarn  gewesen  war.  Stolle  setzt  die  Zeit  um  den  St.  Veitstag,  d.  h. 
15.  Juni,  genauer  die  Appendix  (s.  ob.  A.  1)  pag.  422  :  auff  inontag  nach  Viti,  da« 
war  der  20.  Juni  1546;  nach  anderen  fand  die  Hochzeit  am  20.  it.  21.  August  1446 
statt.  12  Capellendorf,  Verwaltungsbezirk  Weimar  im  Grossherzogtum  Sachsen, 
wurde  i.  Februar  1447  von  den  Erfurtern  verpfändet,  auch  Härtung  Kammet - 
meister  a.a.O.  8.74  nebst  der  Litterat ur  in  A.  1.  Stolle  sucht  die  Beweggründe 
der  Erfurter,  die  er  in  der  Stadt  selbst  gehört  haben  mochte,  darzulegen,  während 
Härtung  Kammermeister  merkwürdigerweise  schweigt,  obschon  er  in  diesem  Jahre 
zum  erstenmal  oberster  Katsmeister  Erfurts  war. 


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234 


198.  Stück. 


willen  orer  stad  erfforte  wind  oren  burgem,  unnd  meynten,  dy  wyle 
er  apel  so  raechtig  were  des  hern  unnd  des  landes,  ess  weere  orer 
stad  erffort  gar  eyne  grosse  hulffe  unnd  ouch  oren  armen  luthen.  Er 
bedochte  abir  sinen  notez  dar  inne  zu  enden,  unnd  ab  her  ubir 
czogen  worde,  das  her  unnd  dy  sinen  dar  uffe  schutcz  hetten.  Ess 
geschach  ouch  in  deme  selbigen  jare,  das  dy  von  erfforte  grosse  fede 
gewunnen,  do  hetten  sy  gerne  volle  uft  dy  borg  geleyd,  des  en  wolde 
her  on  nicht  gunnen ;  unnd  das  was  ouch  der  untruwe  eyne,  dy  her 
derstad  erfforte  bewiste,  unnd  schickete  ouch  heiraelichen  der  stad  erfforte 
fede  zu  etc.  Item  der  aide  herre  lag  deme  jnngen  herrn  vaste  an,  das  her 
dy  rethe  von  ome  lissse,  wanne  her  erkante  wol,  das  sy  ome  nicht 
nuteze  worn;  sy  hatten  ouch  vaste  landes  zu  sich  bracht,  nemelichen 
t  komburg,ls  dorneborg,13  isserstete,13  |  Cappelndorff;13  wye,13  den  steyn,18 
wassenburg,13  koderitchcz/3  madela,1 1  suleza13  etc.,  unnd  hatten  vor  XX 
jarn  nicht  mee  danne  neddir  rosla.14  Der  aide  herre  was  eyn  erbe  zu 
deme  lande  zu  doringen,-  wanne  der  junge  herre  ane  erben  sterbe, 
dar  umme  was  des  noyt,  das  her  zu  sach;  her  schreib  unnd  bad  den 
jungen  hern,  das  her  dy  rethe  lisse,  her  wolde  or  nicht  lide  in  syme 
rathe;  wolde  her  or  nicht  lossse,  so  wolde  her  sy  selber  straffe,  wanne 
her  wüste  wol,  was  sy  rieten.  Dy  vitezthum  unnd  ore  swegere  er 
schrocken  des  gar  sere,  unnd  sprochen  zu  deme  jungen  hern,  her  wüste 
wol,  wes  her  sich  kegen  on  vor  schreben  hette  unnd  vor  bunden  hette 
mit  breffen  unnd  mit  eyden;  were  her  cyn  fromer  herre,  her  hilde  syne 
eyde  unnd  sine  wort  unnd  vorteydingete  sy ;  unnd  sprochen  on  dar  zu, 
das  her  glich  unnd  recht  vor  sy  boyt,  unnd  sy  zu  tagen15  brochte. 
Der  aide  herre  quam  kein  on  zu  tage,r>  unnd  vorczalte  on  dy  schulde 
unnd  dy  sache,  dy  her  zu  on  hatte,  unnd  boyt  das  uff  dy  hern,  fursten 
unnd  lant  zu  erkennen,  unnd  uff  wen  her  iss  hoit,  des  wolden  dy 
viteztum  nicht,  sundern  sy  wolden  des  bliben,  by  werae  sy  wolden,  des 
en  wolde  der  aide  herre  ouch  nicht,  unnd  schiden  sich  dicke  ane  ende. 
Der  tage  wart  vaste  gemacht,  unnd  dy  viteztum  erboten  sich  alle  wege 
gnug,  sy  wolden  abir  nicht  volgen  unnd  logen  deme  jungen  hern  also 
vele  an  unnd  brochten  on  also  gar  in  ore  hant,  das  her  sy  meynte  zu 

"  Kamburg,  Städtchen  an  der  Saale,  Hauptort  der  zum  Herzogtum 
Sachsen-Meiningen  gehörenden  Grafschaft  gleichen  Namens.  Dorneborg  =  D o  r  n - 
bürg,  Städtchen,  Verwaltungsbezirk  Apolda  im  Grossherzogtum  Sachsen.  7  Kilo- 
meter von  Kamburg.  Isser*tete  =  Dort  Isscrstädt,  Verwaltungal>ezirk  Apolda 
im  Grossherzogtum  Sachsen,  bei  Jena.  Cappellendorf  s.  o.  A.  12  und  Wye  = 
Wiehe  s.  St.  141  A.  10.  Mit  „Stein"  ist  der  Wendelstein  über  Kloster 
Ro»!«lel>en  (im  preuns.  Kreise  Querfurt,  Rgbz  Merseburg),  unweit  Wiehe,  gemeint, 
w  elcher  Christian  von  Witzleben  gehörttjs.  u.  a.  den  Zug  vor  den  Steyn  S.  237  u.  Här- 
tung Kammermeister  a.  a.  O.  S.  79.  Wassenburg  |sic|  ■=  Wach  wen  bu  rg,  s.  St.  :V> 
A.5.  Koderitchez-  Kode  ritz  sch,  Dorf  im  Verwaltungsbezirk  Apolda  des  Gross- 
herzogtums  Sachsen.  Madela  =  Magdela,  Städtchen  im  Verwaltungsbezirk 
Weimar  des  Grossherzogtums  Sachsen.  Sulcza  ist  das  bekannte  Soolbad  Sulza 
im  Verwaltungsbezirk  Apolda  des  Grossherzogtums  Sachsen.  u  Nieder-Rossla, 
Sitz  dos  Apel  Vitzthum,  a.  d.  Ilm,  Verwaltungsbezirk  Apolda  im  Grossherzogtum 


Sachsen. 


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198.  Stück. 


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vorteydingen,  unnd  gerette  on,  her  wolde  sy  vorteydinge.  adir  wolde  er 
alle  sin  |  lant  vor  lysse,  unnd  wolde  mit  on  uss  dem  lande  geen.    Iss  u« 
was  nicht  eyn  cluger  herre,  so  worn  sy  ouch  nichtTclug,  das  sy  ome 
eyn  solches  rethen;  danne  was  sy  ome  ryeten,  das  teth  er  alles. 

Gräfe  ernst  von  glichen,  der  eyn  hofemeister  was  des  jungen  hern, 
unnd  der  grafe  von  stolberg,  der  von  swarczburg,  von  bichelingen,  dy 
netten  gerne  geseen,  das  sich  der  junge  herre  hette  lossen  lencke  unnd 
dy  vitcztum  gelossen  uss  syme  rate,  unnd  das  sich  dy  vitczthum  hetten 
ge  einfeldiget 17  unnd  hetten  sich  kegen  deme  alden  hern  geneyget  unnd 
in  gutlickeit  gesucht;  des  wolden  sy  nicht  thun,  sundem  or  humot 
unnd  ore  macht  was  also  gross,  das  dy  grafen  dar  zu  nicht  ge  thun 
konden  unnd  nomen  orloub  von  hofe  unnd  czogen  heyin.  Do  der  aide 
herre  vel  geschreib  unnd  gebad  unnd  nicht  helffe  wolde,  do  sammete 
her  sich  mit  einem  here  unnd  meynte  dye  vitcztum  zu  obirczene  unnd 
zu  straffen  unde  deme  jungen  hern  nicht  zu  thune,  es  en  were  danne, 
das  her  sich  dar  in  levte;  unnd  czouch  durch  dv  czwev  bischthum 
numburg  unnd  merseburg  an  dy  sal  kein  komborg.  Das  vordrossdy 
vitczthum,  das  dy  stiffte  gunsten,18  das  man  uff  sy  czoyge,  unnd  ge- 
dochten,  wy  sy  mochten,  das  der  junge  herre  sine  Ungnade  uft  den 
alden  hern  worfle,  unnd  machten  eine  sache  von  eynem  manne,  von 
eynem  pilgerim,  der  was  ertruncken  in  der  weta.1* 

Der  lantgrafe  von  hessen20  quam  in  das  land,  noch  deme  was  vil- 
lichte  von  den  vitcztum  gesant,  in  messen,  als  ob  her  wolde  ryte  zu  |  v 
deme  heiigen  blute;21  der  erbeite  sich  sere  unnd  konde  doch  nicht 
eynunge  treffe,  unnd  reyd  in  das  heer  zu  deme  alden  hern  unnd  hette 
gerne  gemacht,  dasdy  vitcztum  weren  uss  demerathegeczogen,  unnd  hette 
sy  lossen  sitcze  in  orer  behusunge;  des  wolden  sy  nicht  thun.  Sy  hatten  mit 
deme  jungen  hern  eine  vortraeht  gemacht,  das  er  or  nicht  losse  solde,  unnd 
hatten  ome  in  gebrefet,  her  were  eyn  herre  in  syme  lande,  her  solde 
zu  rathe  habe,  wen  her  wolde,  unnd  nicht  sin  bruder;  her  solde  ouch 
sine  rethe  vorteydinge,  das  were  billich.  Iss  meynte  abir  der  lantgrafe 
von  Hessen  unnd  ander  forsten  unnd  grafen,  iss  were  biblieher  also, 
als  der  herre  eyn  junger  man  were,  her  solde  mogelicher  cwelft  adir 
dritczen  synen  grafen,  mit  den  her  sich  ouch  vorbunden  hatte,  gehorche 
unnd  zu  forderst  synem  brudere,  der  eyn  mete  erbeling22  noch  ome 
were  des  landes,  danne  den  vitcthum;  das  konde  der  junge  herre  nicht 
erkenne,  sundern  her  wolde  dy  vitczthum  vorteydinge  unnd  schreib 
den  grafen  unnd  steten  umme  hulffe.  Dy  grafen  unnd  etliche  stete  wolden 

17  Das  Wort  ist  wahrscheinlich  von  Stolle  gebildet  oder  au*  dein  Erfurtisehen 
Dialekt  genommen,  =  „Frieden  auchen."  ,h  „Vergönnen,  gestatten.44  Die 
Weida  ist  ein  Nebenflüsschen  der  Auma,  die  ihrerseits  in  die  (weisse)  EMer 
fliesst.  w  Landgraf  Ludwig  von  Hessen.  *-1  Wilsnack,  preussische  Stadt  im 
Kreise  Westpriegnitz,  Itegbez.  Potsdam,  zuerst  1300  erwähnt,  wurde  durch  da* 
„Wunderblut"  laus  Hostien,  die  nach  dem  Brando  von  1883  unversehrt  auf- 
gefunden wurden)  ein  berühmter  Wallfahrtsort.  s?  Erbeling,  stm.,  „Erbe",  al* 
Diminutivum  gebildet,  nd  Erfling. 


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198.  Stück. 


ome  nicht  helffe  wedder  synen  brudor  in  den  suchen,  sundern  tete  ome 
sust  ymant  anders,  do  wolden  sy  lyp  unnd  leben,  gut  unnd  habe  by 
ome  losse,  unnd  meynten,  der  aide  lierre  were  also  wol  or  herre  also 
der  junge,  her  nette  sy  ouch  orer  hulfle  nicht  loss  gesaget,  unnd  dy 
grafen  meynten  ouch,  sy  mochten  orer  vorbindunge  in  sulcher  on- 
endelicher-3  sache  wedder  synen  bruder  oren  hern  durch  der  vitczth um 
unnd  orer  sweger  willen  ,  der  wol  zu  cnperne  stunde,21  nicht  gehalde. 
Sy  wolden  ouch  wedder  deme  jungen  noch  deme  aJden  heiße.  Der 
junge  herre  schreib  den  stenten  erflorte,  northusen,  molhusen  etc.  Der 
aide  herre  schreib  on  ouch,  sy  wolden  keyme  helffen;  iss  duchte  dy 
stete  unredelich  sy.  Her  schreib  fromden  hern,  ess  quam  nyraant.  Do 
nyiuant  quam  deme  jungen  hern  zu  hülfe  unnd  nyniant  helffe  wolde 
von  grafen  noch  von  steten,  do  quam  der  margrafe  von  brandenburg, 
der  bisschoff  von  meydeburg  etc.-5  unnd  machten  eynen  gutlichen  tag 
czwusschen  michaelis  unnd  sente  jorgen  tag  anno  11°  CCCC"  XLV1  unnd 
nomen  des  gancze  macht  von  beyden  hern.  Was  sy  sprechen,  das 
solden  beyde  partie  vor  folge,  unnd  der  aide  herre  solde  wedder  heim 
czee  ane  des  jungen  hern  schaden  unnd  sulde  gancz  in  gutlickeit  stee 
czwusschen  allen  den,  dy  mit  disser  sache  begriffen  worn.  Das  hatte 
nu  der  junge  herre  deme  margrafen  zu  geschreben,  das  ditczs  also  sulde 
ansteen  bynnen  sulcher  czit;  do  czogen  dy  vitczthum  in  dy  stete  unnd 
erboten  sich  gliches  unnd  rechtes,  unnd  grosses  dinges  uss,  unnd  fol- 
geten  deme  alles  nicht,  ouch  vorderte  sy  nyiuant,  wanne  der  aide  herre 
hilt  das  gutlich  steen.  Er  apel  vitczthum  was  ouch  zu  erflorte  vor 
dem  ratho  unnd  der  universitcten  etc.  lnnewendig  deme  gutlichen28 
tage  leyte  sich  der  junge  herre  noch  der  viteztum  rate  an  dy  stad 

"  „Unedel,  schlecht,"  ».St.  29  A.  10;  unten  (S.  239)  „uncndelieh".  "Wört- 
lich =  „zu  entbehren  (md  enjtern  =  mhdenbern*  stände1'  d.  i.  möglich  wäre,  sich 
geziemte  (ston  —  anstehen,  sieh  geziemen).  *5  Es  waren  vornehmlich  die  Mark- 
grafen Friedrich  (II.),  Johann  der  Alchimist  und  Albrecht  Achilles  von  Branden- 
burg, sowie  der  Erzbischof  Friedrich  III.  von  Magdeburg.  Graf  von  Beichlingen 
(1445  —  1404  —  s.  über  ihn  Härtung  Kammermeistcr  a.  a  O.  S.  72;  nach  Pott- 
hast, Wegweiser  durch  die  Gesehiehtswerke  de*  europ.  Mittelalters,  S.  351,  regierte 
er  bis  1  ttif»),  welche  den  Vcreöhnungstng  zu  Naumburg  zustande  brachten.  Der 
Chronist  ist  hier  ungenau,  da  er  bloss  treu  Frieden  von  Michaelis  (29.  Septeml)er) 
1446  bis  z.  St.  Ueorgstag  (23.  April)  1447  erwähnt,  während  erst  nach  dem  Tage 
von  Leipzig  zwischen  dem  Kurfürsten  Friedrich  uud  seinen  Ständen,  und  naen- 
dem  der  Kurfürst  am  21.  August  1446  gegen  Ai>el  von  Vitzthum  gezogen  war, 
endlich  vom  Herbst  1446  bis  Frühjahr  1447  die  gegenseitige  Verwüstung  der 
Vasallenschlosser  geschehen  war,  im  Februar  1447  der  erste  Tag  zu  Naumburg 
zustande  kam,  s.  u.  Stolle  St  19U,  Härtung  Kammermeister  a.  a.  ().  S.  81  f.  Darauf 
wurde  ein  Waffenstillstand  bis  zum  23.  April  1447  geschlossen.  Unterdessen  hatte  A|iel 
Vitzthum  das  böhmische  Heer  geworben,  das  Ende  April  1447  nach  Thüringen 
kam,  worauf  der  2.  Tag  zu  Naumburg  vom  23.  April  bis  etwa  den  6.  Mai  (bezw. 
14.  Mai)  erfolgte,  auf  welchem  ein  Waffenstillstand  bis  zum  Sonntag  naeh  Aegidi, 
also  bis  zum  3.  September,  1447  geschlossen  wurde;  während  dieser  Zeit  zog 
Herzog  Wilhelm  mit  seinen  Böhmen  vor  Soest.  D.  b.  während  des  Waffen- 

stillstandes (kurz  vorher  ein  „gutlich  steen"  genannt,  ebenso  St.  307  z.  E.,  —  treugas 
freit,  s.  H.  Hückert,  Leben  des  beilig.  Ludwig  S.  132),  der  al»er,  wie  in  der  vorigen 
Anmerkung  gezeigt  ist,  auch  wirklich  nicht  bestaud. 


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198.  Stück. 


237 


unnd  stifft  zu  numburg,  unnd  leyten  on  dy  strosse  nedder,  das  was 
umrae  |  wynachten,  unnd  ranten  vor  numburg  unde  schössen  noch  den  v 
luten,  dy  in  den  torn  worn,  unnd  fürten  ore  flusse  uff  deme  wassere 
en  weg;  sy  slugen  unnd  fingen  dy  lute,  dy  zu  numburg  zu  furn,  unnd 
plackten  dy  luthe,  dy  do  vor  furn  uff  den  strasen,  das  gar  unczemelich 
was  eyme  forsten  in  deme  gutlichen  tage,  unnd  hatte  villichte  vorgessen, 
wes  her  sich  vor  schreben  hatte;  also  ydoch  regirten  das  dy  vitcztum. 
Dy  vitcztum  worden  finde  der  grafen  von  bichelingen  unnd  hatten 
bestalt  unnd  or  gelt  dar  umme  gegeben,  das  man  sy  on  solde  vor  roten 
habe.  Sy  worden  ouch  fiende  grafen  ernsts  von  glichen  unnd  ander 
grafen  mehir.  Ein  ritter,  genant  er  herman  von  harres,27  den  vortreben 
sy  unnd  branten  ome  syne  borg  uss,  genant  ossro  astete. 28  Sy  schickten 
ouch  heymelichen  andere  fede  zu  den  grafen  unnd  steten  erflbrte,  nort- 
husen  unnd  molhusen  unnd  meynten,  sy  wolden  sy  bedrowe,  das  sy 
deme  jungen  hem  helffe  solden  zu  vorteydinge.  Dy  armen  grafen 
musten  sich  drucke;  grafe  ernst  von  glichen  muste  wiche  unnd  quam 
zu  deme  alden  hern  unnd  clagete  om,  wy  ess  zu  stunde  im  lande  zu 
doringen.  Do  behilt  on  der  aide  herre  by  ome  zu  eyme  rat  he,  unnd 
boyt  glich  unnd  recht  vor  on.  Dy  grafen  von  bichelingen  quomen 
ouch  unnd  clageten  dem  alden  hern  der  vitczthum  fede,  unnd  clageten 
orme  brudere,  deme  bisschoffe  zu  meydeburg,  den  hern  von  quernfart21* 
den  steten  halberstat,  asscherssleuben;  |  dy  quomen  den  grafen  zu  hulffe  118 
mit  domo  alden  hern  unnd  brachten  zu  sammene  achte  tusent  man 
adir  meer  unnd  zogen  vor  wye'w,  das  was  er  apels  vitczthums,  unnd 
gewonnen  das,  unde  czogen  dar  noch  vor  den  steyn.31  So  czoch  der 
junge  forste,  des  alten  hem  son,  vor  fryborg  unnd  logen  da  vor  by  acht 
tagen;  do  coch  her  wedder  abe  unnd  leyte  volk  keyn  numburg  unnd 
vorteydingete  dy  von  numburg.  Er  herman  harres  brante  das  gute 
dorff  rodirstorff82  an  der  nuraburger  strosse,  von  des  alden  hern  geheiss 
wegen.  Der  grafe  von  honsteyn,  heinrich  genant,  halff  deme  alden 
hern  unnd  leyte  sich  vor  ebeleuben*3  unnd  gewan  das.  Dy  hern  von 
bichelingen  gewonnen  nebra;M  so  rante  der  bisschoff  von  wirczpurg 
vor  isenache  unnd  hatte  das  volnach35  er  louffen,  unnd  vil  andere  eben- 

!7  Harras  ist  ein  Dorf  im  preuss.  Kreise  Eckarteberga,  unweit  Heldrungcn, 
an  der  hohen  Schrecke  gelegen;  nach  diesem  Dorfe  nannte  «ich  der  auch  sonst 
noch  begüterte  Ritter.  *8  Osmannstedt.  Verwaltungsbez.  Apolda  im  Grossherzog- 
tum Sachsen;  da«  Gut  gehörte  später  Wieland,  der  auch  hier  begraben  liegt. 
n  Querfurt,  preussische  Kreisstadt  im  Regbez.  Merseburg.  10  Stein,  s.  ob.  A.  18. 
:"  Irrtümlich,  da  Friedrich»  III.  Söhne  Heinrich,  Alexander  und  Friedrich  (geb. 
1430. 1488. 148»)  schon  jung  weggestorben  waren  (1433.  1446  u.  1440),  Ernst  und 
Albert,  die  späteren  Stifter  der  2  sächsischen  Linien,  damals  erst  5  bezw.  3  Jahre 
alt  waren.  Rudersdorf,  Dorf  im  Verwaltungsbez.  Apolda  des  Grossherzog- 

tums Sachsen.  J:|  Ebelel>en,  Marktflecken  in  <ler  Unternerrsehaft  des  Fürsten- 
tums Schwarzburg-Sooderehausen.  :"  Nebra,  Städtchen  an  der  Unstrut,  im 
preuss.  Kreise  Querfurt,  öftere  schon  erwähnt.  Das  Adverbium  vol  wird  mit 

Adjektiven  und  Adverbien  zusammengesetzt,  um  da*  Völlige  und  Vollständige  zu 
bezeichnen. 


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238 


198.  Stuck. 


ture  hub  sich  im  lande  zu  doringen,  das  machten  dye  vitczthum. 
Nymant  was  ouch  sicher  zu  gene,  zu  ryten,  noch  zu  fareu;  wer  den 
andern  vor  mochte,  der  gieift  on  an,  unnd  siugen  sich  underenander, 
unnd  einer  nam  dem  andern,  was  her  hatte.  Do  disse  geschieht  also 
erging,  do  was  ich  conrad  stolle,  der  ditte  geschreben  had,  by  mynen 
XVI  jarn,  also  das  ich  der  ebenture  wol  gedochte;  unnd  was  do  heime 
in  deine  dortfe  zu  czimmern  under  derae  eitersborge;  do  hatte  ich  vater 
unnd  muter  unnd  ging  do  by  einem  kerchenore  in  dy  schule  unnd 
sach  ouch  dy  für  der  dorfler  umme  her  in  des  jungen  hern  lande,  das 
man  dy  brante.   Do  floen  alle  lute  in  deme  eröbrteschen  gerichte  in  dy 

v  stad  erflbrt  |  mit  orem  guthe  unnd  habe,  unnd  das  gesmide  uss  den 
kerchen  unnd  alle  glocken,  das  fürten  alle  dorffer  in  dy  stad  erfforte, 
unnd  bleib  ouch  keyn  man  in  den  dorffern;  sy  besorgeten  sich,  das  sy 
gefangen  worden.  Sundern  der  von  erfforte  dorfer  bieben  alle  stene, 
das  man  der  nicht  brante.  Der  junge  herre  schreib  vaste  uss  noch 
manschafft,  ome  quam  abir  nymant,  unnd  hatte  sine  stete  wonunge  zu 
wymar  uff  der  borgk;  her  czerte  wymar  unnd  jene  uss  unnd  konde 
keine  redunge  nicht  gethun-  Sulchen  frede  unnd  gütlichen  tag,  also 
der  junge  herre  gebrochen  hatte,  wolde  sich  der  aide  herre  erclage  unnd 
schickte  keyn  erffort  grafen  ernsten  von  glichen,  sine  rechtickeit  zu  vor 
czelne,  in  welcher  macht  her  sich  wedder  synen  bruder  setezte;  das 
was  uff  den  suntag  noch  der  heiigen  dry  konige  tag.  Gräfe  ernst  liss 
dar  zu  bete  dy  czwey  capittel30  unser  lieben  frowen  unnd  sente  severi, 
doctores  unnd  meister  der  universiteten,  dy  stete  ouch  northusen  unnd 
molhusen.  Das  erfuren  dy  viteztum  unnd  brochten  den  jungen  hern 
selber  unvorselich  in  den  tag  unnd  quomen  mit  ome  in  dy  stad  keyn 
erfforte  unnd  meynten,  sy  wolden  den  grafen  toube,ST  den  der  aide 
herre  hatte  do  hene  gesant.  Her  torsto  ouch  nicht  in  orer  keyn- 
wertickeit  des  alden  hern  gereohtickeit  vorczele.  Unnd  do  der  junge 
herre  unnd  dy  viteztum  quomen  in  den  rath  zu  erfforte,  do  musten 
sy  deme  rathe  vor  rede,  das  sy  or  geleite  redelichen  halde  wolden, 

,.j  unnd  deme  grafen  keinen  |  vordriss  thun,  sundern  sine  wort  gutlichen 
höre.  Das  wart  vor  reth  uff  beyde  partie.  Der  rath  bestalte  dy  stad 
zu  erfforte  unnd  ouch  das  rathuss  mit  wepenern.  Gräfe  ernst  von 
glichen  uff  sinen  ort  von  des  alden  hern  wegen  quam  uff  das  rathuss 
unnd  bad  ouch  von  des  alden  hern  wegen,  das  man  on  vor  schutezte 
vor  gewalt  unnd  homuthe,  das  her  worbe  unnd  rede  wolde  von  sines 
hern  wegen;  das  wolde  her  vil  lieber  in  des  jungen  hern  unnd  der 
vitczthum  kegenwertig  rede  wanne  hinder  on;  danne  was  her  rette, 

Didier  „Tag"  zu  Erfurt,  der  also  ganz  im  Frühjahr  1447  'gewesen  sein 
musste,  wird  sonst  nirgends  erwähnt.  Die  2  Kapitel  waren  die  der  auf  der 
Dom  höhe  liegenden  Kirche  lieatae  Mariae  Virginia  und  der  Kirche  ist.  Severi, 
an  welcher  Atolle  später  Vicarius  ward.  Härtung  Katnmenneister  a  a.  O.  S.  81 
erwähnt  die  Anwesenheit  von  den  gegen  Herzog  Wilhelm  verbündeten  Fürsten  in 
Krturt  zu  Fastnacht,  ah>o  am  21.  Februar  1447.  sT  Touben,  »wv.  „taub",  d.  h. 
„kraftlos  macheu,  vernichten." 


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198.  Stück. 


231) 


das  wolde  her  wor  mache.  Der  junge  herre  quam  mit  den  vitczthum, 
unnd  er  frederich  von  witczeleuben  unnd  er  bernhart  von  kocheberg38 
oucli  uff  das  rathuss  zu  erffort;  das  hatte  orae  villichte  dy  vitczthum  ge- 
roten, wanne  sy  konden  wedder  gewiche  noch  gewancke  unnd  worn 
ouch  nergent  sicher.  Gräfe  ernst  hub  an  unnd  vorczalte  unnd  retthe 
also  trostlich  in  orer  keynwertickeit,  wy  sich  dy  vitcztum  in  oren 
rethen  untruwelich  gebalden  hotten,  unnd  wy  sy  das  lant  unnd  dy  ge- 
walt  under  sich  brocht  netten,  unnd  wy  er  apel  vitcztum  mit  synen 
hochen,  breiten  Worten  on  unnd  andere  orme  grafen  unnd  dy  hern  be- 
trogen nette,  unnd  ouch,  wy  her  on  unnd  andere  grafen  uss  des  jungen 
hern  hole  vor  treben  hette,  unnd  wy  her  mit  listen  das  vorbuntnisse 
mit  deme  hern  unnd  den  grafen  zu  brocht  hette,  unnd  wy  her  in  der 
teylunge  der  czweyer  fursten  sich  unerlich  gehalden  hette,  unnd  ouch 
wy  her  deme  jungen  hern  geroten  hatte,  sich  zu  vorbinden  mit  den 
bemen  wedder  den  alden  |  hern  synen  bruder,  unnd  sine  sloss  an  zu  v 
gewinnen,  dy  an  das  lant  zu  bemen  stossen,  item  wy  er  bosse  funde 
unnd  artikele  uff  register,  dy  in  der  teylate  gegeben  worn,  er  tracht8** 
hette,  item  wy  her  wedder  got  unnd  recht  dy  armen  grafen  von  biche- 
lingen  fete,40  item  wy  her  dy  armen  stiffte  merseburg  unnd  numburg 
vorterbet  hette,  item  wy  her  den  jungen  hern  mit  syme  ungetrnwen 
rathe  vorleitet  hette,  item  wy  her  umme  syner  gewalt  willen,  das  dy 
orae  icht  entginge,  deme  jungen  hern  also  stetlich  unnd  su  nohe  were, 
das  sin  bruder  der  aide  herre  noch  nymant  zu  ome  kome  künde,  noch 
gunne  wolde,  zu  ome  zu  rytene  noch  zu  reden,  item  wy  her  ouch  uss 
gesatczt  hette  den  brifl  des  vorbuntnisse  nicht  zu  meldene,  item  wy 
her  dy  macht  unnd  grafen  ernsten  den  nomen  des  hofemeisters  gehat 
hette,  unnd  vele  unendelicher  sache,  dy  ern  apel  vitczthum  ubel  lutten 
unnd  do  vorczalt,  item  wy  sy  ouch  glich  unde  recht  uss  boten  unnd 
nicht  volgeten  etc.  Do  das  alles  geschach,  do  vorczalte  er  apel  vitcz- 
thum, ouch  von  des  jungen  hern  wegen  wedder  dy  artikel  unnd  swur, 
man  thete  ome  ungutlich,  unde  der  aide  herre  hette  synen  hass  uff  sy 
geworffen,  unnd  meynte,  grafe  ernst  tete  das  gar  unmogelich,41  das  her 
eyn  sulches  von  des  alden  hern  wegen  worbe,  wenne  her  were  des 
jungen  hern  hofemeister  gewest  unnd  hette  das  alles  in  der  teylate 
mete  geroten,  unnd  her  were  strefflicher  wanne  er  apel,  unnd  her  liss 
dy  brefe  lesse,  dy  dy  grafen  gegeben  hatten,  unnd  wanne  her  eyn  ar- 
tikel lass,  so  glosirte42  |  on  danne  er  apel,  unnd  do  sprach  danne  grafe  iw 
ernst:  Lieben  hern  unnd  frunde,  an  worten  gebricht  ome  nicht,  her 
kan  wol  ge  glosire,  wolt  ir  ess  ome  gloube.    Her  hette  on  unnd  dy 

**  Oben  —  h.  A.  1  —  wird  er  ,.v.  Kirchberg"  genannt;  Härtung  Kammer- 
mei»ter  a.  a.  O.  S.  79  nennt  ihn  auch  von  Koehberg;  er  m uss  also  auch  im  heutigen 
liross-Koehberg  (Dorf  im  Kreise  Saalfeld  de*  Hereo<?tuni8  Sachsen-Meiningen) 
Hesitzungen  gehabt  haUm.  I!t  Krtrahten  swv.  —  „erdenken,  ersinnen."  10  FAte 
aw  veliete  von  vehen  swv.,  „l>efehden".  41  =  nieht  von  Recht**  wegen,  „wider 
Recht  und  Billigkeit",  a.  auch  H.  K Ackert,  Das  lieben  de«  heil.  Ludwig,  S.  139. 
"  Glueiereu  =  glosen  (aus  dem  Griechischen)  d.  h.  „erklären,  aualegen." 


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240 


198.  Stück. 


andern  grafen  hinder  sulche  brefe  brocht  mit  behender  list,  also  eyn 
behender  Schulmeister  sine  kindere.  Do  sprach  her  apel  vitcztum,  wy 
her  das  künde  zu  brocht  habe;  were  her  doch  hofemeister  gewest  unnd 
obirster  rad.  Do  sprach  grafe  ernst:  Lieben  hern,  ich  bekenne,  das  ich 
den  namen  hatte,  her  apel  hatte  abir  dy  gewalt.  Do  sprach  der  junge 
herro  zu  grafen  ernste:  Ir  hattet  meir  gewalt  wanne  mir  lip  ist.  Das 
vorantwerte  ome  grafe  ernst  gutliehen  unnd  sprach:  Gnediger  lieber 
herre,  nette  ich  meir  gewalt  gehat,  danne  ich  hatte,  iss  mochte  uwern 
gnaden  noch  lip  sy  unnd  werde.  Do  vorczalte  er  apel  vaste,  wy  her 
unnd  sine  gesellen  dicke  unnd  offte  glich  unnd  recht  ufl  frome  lute 
geboten  hetten  in  beyden  landen.  Der  aide  herre  wolde  nicht,  man 
wolde  sy  ouch  vor  Ungnaden,13  unnd  man  tete  on  unrecht.  Der  grafe 
satczte  dar  keyn  in  sinen  reden,  also  her  dy  vorczalte:  dy  vitcztum 
woldens  bliben,  by  weme  sy  wolden.  Der  aide  herre  woldes  by  den 
steten  unnd  by  den  lantschaflten  blibe  unnd  hatte  dy  benant;  des 
wolden  dy  vitcztum  nicht  thun,  unnd  dy  vitcztum  meynten,  or  herre 
tete  recht,  das  her  sy  vorteydingete,  sy  weren  sine  man  unnd  sine 
rethe.  So  meynte  der  grafe,  ess  were  billicher,  dy  wile  her  sege,  das 
ome  nymant  bystunde,  das  her  sinem  bruder  unnd  den  grafen  unnd 
sinen  landen  gehorchte,  wanne  dy  vitcztum  hettens  gehalden,  das  on 
v  nymant  holt  were.  Ouch  vorczalte  er  |  apel  vitczthum  selber,  uff  dy 
iss  der  aide  herre  bete  zu  erkennen,  dy  weren  sine  vyende,  by  den 
wolde  her  nicht  czweypfenning  werdes  gudes  blibe;  so  meynte  der 
grafe,  dy  lant  unnd  lute  weren  also  from  unnd  gerecht,  sy  erkenten 
nicht  unrecht  unnd  vele  worte,  dy  sy  uff  beyde  partie  vorczalten,  also 
vele,  das  sich  der  junge  herre  unnd  dye  viere  sich  gancz  mechtig  er- 
boten uft  dy  stad  erffort  alleine,  adir  uff  dy  czwey  capittel  unnd  dar 
zu  dy  universiteten,  uff  dy  czwo  stete  northusen  unnd  molhusen,  uff 
eyne*  ufl  czwo,  adir  alle  dry,  unnd  das  man  dar  by  neme  den  henger 
mit  alle  siner  zu  gehorunge,  mit  deme  swerte,  rade,  sag,"  unnd  was 
iglicher  mochte  vor  dynet  habe  mit  bosheit,  so  wolden  sy  kome  unnd 
deme  genug  thun,  noch  erkentnisse  uff  un vorwandelte  fusse:  weren  sy 
aber  gerecht,  das  man  danne  oren  kein  Sachen  noch  orkentnisse  richte. 
Do  boten  dy  vitczthum  dy  stad  erffort,  das  sy  iss  teten  umme  gotis- 
willen  unnd  an  sehen  solche  grosse  missebetunge,  dy  da  gote  geschege 
an  kerchen,  an  monstrancien,  an  gotis  lichenam,  an  vorgissunge  blutis 
der  lute  unde  vorterpnisse  der  lande,  unnd  understunden45  das,  das  sy 
wol  vormochten,  wanne  sy  is  thun  wolden,  unnd  ab  sy  eynen  adir 
beyde  hern  erczornten,  des  hetten  sy  sich  wol  zu  entrichten,  unnd  teten 
das  umme  gotis  willen  unnd  bewisten  sich  dar  inne  mit  ernstem  flissse; 
das  sulde  der  junge  herre  nummer  kegen  on  vorgesse,  wanne  sy  segen 

4a  Md  vorungnaden  =  mhd  verunguaedigen,  swv.  tr.,  =  „ungnädig  be- 
handeln" 44  Md  sag  mhd  sac  —  „Sack";  gemeint  ist  der  Sack  des  Henkern, 
in  welchem  Misscthäter  (besonders  Frauen)  mit  Hund,  Katze  oder  Schlange 
ertränkt  wurden.    ' '  In  md  oft,  wie  hier,  —  „zuHtandc  bringen,  bewirken,  erreichen." 


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199.  Stück. 


wo],  wy  das  itczunt  czwey  mechtige  grosse  her  in  den  landen  legen, 
den  her  nicht  wedder  steen  konde,  und  hette  dy  stad  erffort  gerne  dar  in 
gemenget,  das  sy  des  jungen  hern  unnd  or  netten  macht  |  genommen;  m 
do  bad  der  junge  herre,  herezog  wilhelm,  sclbens  umnie,  sy  solden  or 
zu  gliche  unnd  zu  rechte  niechtig  syn,  unnd  hette  her  ymaut  schaden 
gethon,  das  wolde  her  vor  hen  wedder  kero;  unnd  dy  erbctunge  was 
gross.  80  meynte  grate  ernst  von  glichen,  dy  werbunge,  dy  her  do 
gethon  hette,  dy  hette  her  getou  von  des  alden  hern  wegen,  unnd  was 
her  do  vorczalt  hette,  das  were  war,  unnd  wolde  das  wor  mache;  her 
wolde  sich  aldo  gefangen  setcze,  hette  her  was  Unrechts  gesaget,  unnd 
wolde  sich  dar  umme  lossen  toten,  unnd  hette  er  apel  ouch  unrecht, 
das  man  ouch  ome  also  niete  füre  noch  synem  vordinstnisse.  Also 
gingen  sy  von  deme  radhusse  zu  erflbrt,  unnd  der  junge  herre  bleib 
ubir  nacht  in  der  stad,  unnd  was  uffenberlich  zu  mercken,  hette  her 
der  stad  nicht  gedorttt,  her  were  on  nicht  heyin  gereten.  Dar  noch 
innewendig  achte  tagen  vor  unnd  noch  liss  der  junge  herre  unnd  dy 
vitczthum  durch  on  deme  alden  hern  sine  boten  fahen,  slaen  unnd  dy 
brefte  neme;  das  was  gar  unerlich  eynem  fursten.  Do  leyte  sich  der 
aide  herre  vor  borgow,";  das  sloss  poben  jene,  unnd  vorterbeten  dy 
pflege47  dar  umme,  lobeda,'N  animerbaeh,4*  rotensteyn1*  etc.  Dy  vitczthum, 
er  apel  unnd  er  bosse,  dy  ubirdingeten  ,!»  ore  dorffere  unnd  laut,  das 
sy  011  musten  gelt  gebe,  iglich  dorff  noch  syner  macht;  unnd  welche 
das  gelt  goben,  dy  wolden  sy  nicht  borne.  Unnd  do  dy  arme  lute 
das  gelt  uss  gerichten,  do  nomen  sy  on  voln,  was  sy  hatten,  unnd  vor- 
branten  sy  zu  gründe,  dy  guten  dorffere  czottestete/"0  matstete/'0  wicker- 
stete Wl  etc. ;  das  was  ore  grosse  untruwe.  | 


199.  Von  er  apel  von  taiirode,1  ritter.  v 

Ein  ritter,  genant  junge  er  apel  vitczthum,  zu  tanrode2  gesessen1 
der  hisch  zu  sammene  sine  man  in  deme  stetchene  tanrade  uff  dy 
mitwochen  unsser  lieben  frowen  tag  lechtewe,3  unnd  hisch  sy  by  liebe 
unnd  by  gute,  das  sy  alle  ore  habe  sulden  trage  unnd  schicken  uff  dy 

4<J  Jetzt  Burgau ,  Dorf  im  Verwaltungsbezirk  Apolda  im  (irossherzogtum 
Hachsen,  4  Kilometer  von  Jena,  am  linken  Saaleufer.  47  =•  ,,Amt,  Amta- 
Uezirk."  ,s  J/obeda,  Städtvhen  im  Verwaltungsbezirk  Apolda  im  (irossherzog- 
tum  Sachsen,  Burgau  ffegenüber  am  rechten  Saaleufer.  Ammerbaeh,  ebenda, 
Dorf,  ungefähr  einen  Kilometer  westlich  von  Burgau,  während  Rothenstein,  Dorf 
ebenda,  11  Kilometer  sudlich  von  Jena  liegt  und  Station  der  Saalbahn  ist. 
19  ul>erdingen,  swv  tr.,  —  „überfordern".  '°  Jetzt  Zottelstedt  ,  Mattstedt  und 
Wickerstedt,  Dörfer  im  Verwaltungsbezirk  Apolda  im  Grosaherzogtum  Sachsen. 

liM).  1  Tannrode  int  jetzt  ein  Städtchen  im  Verwaltungsbezirk  Weimar  im 
(irossherzg.  Sachsen.  S.  u.  St.  201,  wo  der  Brand  noch  einmal  erwähnt  wird, 
aber  nach  dem  23.  April  1417.  1  S.  St.  198  A.  2  "  Am  Donnerstag  den 
:J».  Februar  1447,  wenn  dieses  Jahr  gemeiut  ist,  was  nach  dem  Schlüsse  des 
vorigen  Stückes  wohl  anzunehmen  ist. 

K.  Stolle«  Memorial«.  \Q 


1 
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199.  Stuck. 


borg  do  selbenst;  er  wolde  das  stetchen  selbenst  an  stecke  unnd  vor- 
borne.  Do  besprochen  sich  dy  menre  unnd  sageten  ome  wedder,  unnd 
boten  on,  das  her  des  nicht  en  tete  unnd  beschedegete  sy  nicht  also 
unnd  ore  wibere  unnd  kindere,  sundern  sy  wolden  ome  williclichen 
alle  ore  gutere  unnd  habe  uff  einen  geswornen  eyt  willicklichen  halb 
gebe,  unnd  do  mete  zu  thune  unnd  zu  losene,  was  her  wolde,  das  her 
sy  lisse  sitcze;  sy  hoftcn,  sy  wolden  sich  were  unnd  homutige  kegen 
8ynen  linden  in  deme  stetchen  entsetcze,  dy  wile  das  sy  künden; 
wurden  danne  sy  also  hart  gedrungen,  so  das  sy  das  stetchen  nicht  er 
were  künden,  so  wolden  sy  dy  andern  habe,  dy  sy  noch  hetten,  uff  dy 
borg  brengen,  unnd  mete  dar  uff  fleen,  unnd  ome  dy  heißen  were,  so 
best  sy  konden  also  frome  lute.  Do  slug  her  den  man,  der  das  wort 
von  erentwegen  rette,  uff  das  mul  unnd  sprach,  ab  sy  nicht  horten,  was 
her  gesaget  nette,  unnd  schalt  sy  unnd  flöchte  ubirswenck3»  sere.  Also 
meynten  dy  armen  lute,  sy  wolden  syme  czorne  entwichen  unnd  wolden 
von  ome  geen,  so  lange  das  her  sich  eynes  bessern  bedechte,  unnd 
meynten  ouch  nicht,  das  her  eyn  sulches  tete,  unnd  gingen  von  ome 
in  vor  das  thor,  wanne  her  was  gar  |  eyn  ungesunder,4  ungetruwer  ritten 
Do  neylte5  her  dy  thor  selber  zu  unnd  stackte  das  stetchen  an  an 
vier  enden  unnd  brante  das  reyne  uss.  Do  floen  dy  wiber  unnd 
dy  kindere  vor  dy  borg  uff  den  plan;  dy  treib  her  in  eine  schune 
unnd  iueynte  dy  ouch  zu  vorbornen.  Do  quomen  dy  fiende 
zu,  grafe  lodewig  von  glichen,  herre  zu  blanckenhayn,  mit  einer  menge 
drabanten  unnd  hiwen  dy  thor  uff  unnd  er  retten  das  volk,  en  teil 
wibere  unnd  kindere;  unnd  hetten  sy  vordrockt,6  sy  hetten  ome  dy  borg 
tanrode  an  gewonnen,  wanne  her  hatte  alle  sin  geschutcze  abe  geschossseil. 
Unnd  dy  menre  von  tanrode  quomen  kein  erffort  in  dy  stad,  der  was 
zu  sammene  LXXI,  unnd  meynten,  sy  wolden  czeen  zu  grafen  lodewige 
von  glichen  unnd  ome  helffen  wedder  ern  apeln  von  tanrode,  unnd 
wolden  ome  dy  borg  beißen  gewinne,  unnd  sich  solches  schaden 
an  ome  erhole.  Ouch  slug  er  apel  von  tanrode  des  selben  tages  eynen 
prister  do  selbens,  genant  er  heinrich  mansfelt,  in  syme  eygen  husse, 
das  her  vor  tod  belag,  unnd  stackte  das  huss  ouch  selber  an,  also  das 
man  den  prister  kume  er  uss  brachte.  Item  do  dy  stad  begunste7  zu 
Dornen,  unnd  dy  frowen  floen  uss  den  husern  mit  oren  kindern  unnd 
trugen  dy  jungen  kindere  uff  oren  armen  unnd  rucken,  dy  reissheron 
abe  von  orme  halse  unnd  nam  on  dy,  unnd  sneyt  den  frowen  ore 
butele  abe  von  oren  gorteln,  unnd  nam  on  dy  butele  ouch  uss  oren 
bosseman  ;8  das  was  gar  eyn  gross  Unvernunft  unnd  bosheit  von  eynera  ' 

**  „Übermässig",  s.  H.  Rückcrt,  Leben  des  heiligen  Ludwig  S.  141.  4  =  „Uu- 
»chmeidig,  roh".  4  =  „nagelte"  (nagelen,  negelen,  neilen).  0  Mhd  drücken  = 
md  drucken,  also  „Vordrucken"  —  „sich  vordrängen,  vordringen".  7  Begunste  ist 
md  schwaches  Praetcritum  von  „beginnen".  ■  Mhd  buosem  =>  md  bösem  (noch 
jetzt  in  der  thüringischen  Volkssprache:  bossen,  ».  Mart.  Schulze,  Idiotikon  der 
nordthüringischen  Mundart,  1874,  S.  29)  =  „Busen",  d.h.  die  Kleidung  üher  dem 
Busen;  boseman  int  dialektischer  dat.  plur. 


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199.  Stück. 


243 


ungetruwen  ritter,  der  doch  in  rechte  schutcze  unnd  schüre9  sulde 
wettewen  unnd  weysen,  unnd  |  ted  eyn  solch  ding  an  synen  eygen  t 
armen  luten.  Es  hatte  ouch  darumme  gereth  sin  eygen  elich  wip,  dy 
danne  zu  der  czit  swanger  ging,  unnd  vor  sach10  sich  alle  tage,  der 
drawete  her  mit  allen  oren  unnd  sinen  kindern  also  zu  thune;  also 
moste  dy  frowe  on 11  ome  gee.  Es  meynten  ouch  vele  luthe,  er  were 
besessen  mit  deme  bossen  geiste,  her  hatte  ouch  wol  by  sechs  jarn  ny 
zu  gotis  lichnam  nicht  gegangen.  Dar  nach  in  der  selben  wochen  uff 
den  fritag,  do  brante  der  selbe  ritter  das  flecke  zu  kranchfelt.«  In  der 
andern  wochen  darnoch,  do  starb  dem  borgrafen  von  kirchberg  do 
sei  best  zu  kranchtelt  sin  eliche  frowe,  eyn  erbar  togentliche  frowe. 
Also  man  dy  solde  zu  grabe  trage,  do  quam  der  selbe  ritter  von  tan- 
rode  unnd  drang  mit  gewalt  dy  lute  von  der  lieh  unnd  schoss  zu 
on  under  dy  manne  unnd  frowen,  dy  do  mete  der  lieh  gingen,  also  das 
sy  alle  mosten  flee.  Dy  menre  quome  kume  uff  dy  borg,  der  fingk 
her  czwene,  unnd  dy  frowen  musten  ouch  flee,  unnd  dy  lieh  lossen 
an  deme  wege  steen,  unnd  do  her  wedder  en  weg  quam,  do  musten 
dy  frowen  dy  lieh  alleine  zu  grabe  trage  unnd  ouch  begrabe.  Sulche 
werg  von  eyme  rittere,  dy  worn  uncristlich,  unnd  were  nicht  wunder, 
das  dy  ganeze  cristenheit  wedder  einen  solchen  boshaft tigen  ritter 
fechten  unnd  getwedig13  machten. 

Item  dar  noch  wart  gemacht  eyn  gutlich  fruntlich  tag  von  den 
forsten  von  brandenborg  czwisschen  den  czwen  hern  gebrudern,  der 
aide  herre  unnd  der  junge  herre,  unnd  wart  geleyt  |  keyn  numburg.14 1« 
Dar  zu  worn  gebeten  unde  geheischen  dy  stete  Erftort,  northusen  unnd 
molhusen,  unnd  ouch  andere  der  fursten  stete,  also  das  der  junge  herre, 
herezoge  wilhelm,  solde  uff  den  tag  personlich  kome  unnd  der  vitez- 
tum  keinen  mit  ome  brengen.  Der  tag  wart  geleyt  uff  den  sontag 
exurge  an  der  fastnacht,  unnd  das  geschah  also.  Unnd  uff  deme 
selben  tage  wart  von  den  dryen  forsten  von  branden  borg 15  vorteydinget 
unnd  gemacht  eyn  gutlich  an  steen  biss  uff  sente  jorgen  tag 16  schirst 
körnende,  in  aller  mosse  also  vor,  czisschen  allen  den,  dy  mit  der  sache 

9  „Schirmen"  und  „schüren",  swv.,  „schützen,  beschützen";  davon  schür  = 
Scheuer,  Scheune.  10  „Sich  vorsehen",  stv.  =*  „vorhersehend  [hoffen  oder]  fürchten, 
sich  sorgen".  11  Ma  on  mhd  one,  on  (s.  Weinhold,  Mhd  Gram.',  S.  831), 
Praepos.  hier  mit  dem  Dativ  =  „an,  von".  11  S.  St.  66  A.  13.  "  =  „Focht 
und  ihn  zahm  machte";  der  Plural  des  Verbums  steht  nach  dem  Collectivum 
„Christenheit".  Fechten  (s.  Nibelungenlied  Str.  1957  Lachmann),  istCjctiv.  Impf.; 
getwedic,  Adject.,  „zahm,  willfährig",  schon  ob.  St.  80  A.  5.  u  Der  erste  „Tag"  . 
zu  Naumburg  (s.  St  198  A.  25):  Sonntag  Exsurge  (Anfang  der  Messe)  —  dem 
8.  8ontag  vor  Ostern,  Sexagesimae,  am  13.  Februar  1447.  Über  ihn  *.  auch 
Härtung  Kammermeister,  S.  82  f.,  der  ihn  S.  83  A.  1  vom  7.(8.)— 14.  Febr.  1447  an- 
setzt und  eine  Urkunde  des  Archivs  zu  Weimar,  Rg.  D  pag.  349  No.  7h  citiert. 
15  Kunürst  Friedrich  II.  („mit  den  eisernen  Zähnen")  von  Brandenburg,  als 
Gemahl  der  Katharina,  der  Schwester  der  zwei  streitenden  Brüder,  Schwager  der- 
selben, und  seine  zwei  Brüder  Johann  der  Alchimist  und  Albrecht  Achilles,  der 
spätere  Kurfürst.  "  D.  i.  23.  April ,  d.  i.  bis  zum  Sonntag  Misericordias 
Domini  des  Jahres  1447. 

16* 


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244  199.  Stuck. 

begriffen  warn.  Sulchen  tag  unnd  gutlich  an  steen  wolde  dy  czwene 
brudere  beyde  ungerne  lyden,  also  das  dy  von  brandenborgk  musten 
sy  bedrawe:  welcher  or  des  gutlichen  tages  nicht  Hde  wolde,  deme 
wolden  sy  mit  macht  helffe  vorterbe;  idoch  er  gab  sich  der  aide  herre 
czitlichen,  aber  der  junge  herre  meynte,  her  wolde  deme  alden  hern 
tusent  man  zu  vor  gebe,  dennocht  wolde  her  mit  ome  strite,  wo  er  on 
an  quome.  Also  wart  der  tag  gemacht.  Dar  noch  uff  den  sonnabent 
allernest  vor  esto  niichi,17  do  czoch  der  aide  herre,  herczoge  frederich, 
von  numburg,  unnd  der  bisschoff  von  meydeborg  mit  ome,  zu  der  erbarn 
stad  eröort  unnd  logen  do  wol  achte  tage  mit  XIH  graten  unnd  aebte- 
hundert  pferden  unnd  hilden  do  fastnacht  mit  den  von  erffort  unde 
stechen  do  mit  den  borgern  nnnd  worn  frolich  mit  on;  unnd  der  aide 
v  herre  quam  alleczit  |  mete  uff  den  anger,1"  die  frolickeit  zu  beschowen. 
Dy  stad  teth  ome  ouch  gross  gesehencke  an  haffern,  an  lant  wine, 
an  welschem  wine,  refal,19  unnd  ouch  how,  unnd  holten  on  in 
dy  stad  mit  dryen  hundert  pferden,  unnd  dy  burger  hatten  sich 
recht  unnd  fin  wol  uss  gemacht;  item  sy  machten  ouch  ome  toncze 
drv  abende  nochenander  uff  domo  rathuse  unnd  sinen  hern  an  der 
fastnacht,  unnd  der  aide  herre  selbest  unnd  sine  grafen  tanczten  mit 
den  burgern,  unnd  was  frolich  in  aller  mosse,  also  ab  her  uö  siner 
eygen  borg  unnd  bohusunge  gewest  were.  Sine  grafen,  stolberg,  biche- 
lingen,  dry  hern  von  glichen,  czwene  hern  von  quernfart,  von  nians- 
felt,  von  tetczsehen,20  von  honsteyn  etc.,  dy  vorstalten  sich  unnd 
machten  fastnacht.  Item  dy  stete  northusen  unnd  molhusen  worn  ouch 
zu  erflort  und  hatten  etliche  eynunge  zu  machen  mit  deme  alden  herrn, 
unnd  der  aide  herre  also  zu  den  burgern  coch  unnd  mit  on  frolich 
was;  das  behagete  den  burgern  unnd  deme  gemeynen  volke  gar  wol, 
unnd  worden  ome  sere  gunstig,  unnd  grosen  zu  fal  hatte  her  von  siner 

•  cyfeldickeit*1  wegen.  Uff  die  selbe  czit,  do  gingk  ich  conradus  stolle, 
der  ditcz  geschreben  hat,  zu  sente  severo  zu  erffort  in  dy  schule,  also 
das  ich  disser  geschieht  enteyl  wol  geseen  habe.  Itom  dy  wile  nu 
disser  alder  herre  unnd  furste  zu  erffort  was,  in  des  besorgete  sich  sin 
bruder,  der  junge  herre,  zu  wymar  unnd  liss  do  wache  unnd  coch  in 
der  selben  fastnacht  kein  salvelt,  unnd  were  gerne  kein  koburg  gewest, 

U4  unnd  konde  |  nicht  wol  über  den  doringer  walt  kome  vor  snee,  unnd 
muste  zu  salvelt  blibe  wolhalb  vorholn,  unnd  schreib  alle  sine  brefe, 
gegeben  zu  koburg.  Do  der  snee  abenam,  do  czoch  her  mit  den  vitezthum 
keyn  koburg  in  das  lant  zu  francken;  da  hatten  sy  zu  haut  numme 

17  Der  1-  Tag  von  Naumburg  dauerte  uach  Stolle  alßo  vom  12.  bis  zum 
17.  Februar  1447.  ,s  Damals,  wie  noch  heute,  ist  der  Anger  die  Hauptstrasse 
Erfurts.  ,ü  Refal,  dialektisch  —  reinfal,  d.  i.  vinum  llabiale,  lliviglio,  iötriacher 
Weiu,  in  Erfurt  gern  getrunken  (a.  C.  v.  Dalberg,  Beyträge  zur  Uesehiehte  der 
Erfurter  Handlung,  17ö0:  in  der  Geleitstafel  von  1441  (5?.  31)  „Rheiufahl"  ge- 
nannt. -°  TetscUen,  Stadt  an  der  Elbe,  in  der  gleichnamigen  ttezirkshaupt- 
niannschaft  in  lJöhmen.  11  Dialektisch  =  mhd  eiuvaltecheit,  stf.,  hier  im  Sinne 
von  „Einfachheit",  fast  „Leutseligkeit". 


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199.  Stück. 


245 


czerunge,  wanne  sy  hatten  das  lant  zu  doringen  vaste  uss  geezort, 
unnd  nani  deme  bisschofe  von  wirezburg22  XII  leste23  mit  fischen  in 
deme  gütlichen  tage,  unnd  brante  ouch  uff  den  bisschoff  von  wircz- 
burg.  Item  der  junge  herre  unnd  dy  vitezthum  hasseten  dy  stad 
erffort  dar  umme  unnd  besorgeten  sich  doch  sere  vor  on,  das  sy  icht 
deme  alden  hern  zu  feien.  Innewendig  deme  selben  gutlichen  tage 
toten  dy  viteztum  den  landen  vil  vordriss  dorch  den  jungen  hern  unnd 
fingen  unnd  schatezten  dy  riehen  bürgere  unnd  gebur  in  den  steten 
unnd  landen,  das  sy  deme  jungen  hern  schatezunge  gebe,  unnd  schickten 
ouch  den  grafen  im  lande  umme  her  vil  homutes  zu,  nemelichen  den 
von  glichen  zu  blanckenhain.  Dar  noch  sammete  sich  grafe  lodewig 
von  glichen  mit  vier  hundert  pferden  unnd  mannen  unnd  czoch 
des  nachtes  am  donnerstage  vor  palmen24  vor  lutenberg25  das 
sloss  unnd  raeynte  das  zu  gewynnen,  unnd  es  was  ome 
oygentlichen  vorkuntschafft,  das  nicht  meher  lute  ufl  der  borg 
weren  danne  czeen  manne,  der  worn  czweno  jungen,  unnd 
czogen  dy  nacht  unnd  beyten  zu  lange,  das  es  begunste  tag  zu  weren, 
unnd  stegen  in  dy  borg  unnd  uffenten  czwey  thor  unnd  quomen  in  dy 
vorborg;  betten  sy  vort  |  gestegen,  so  hetten  sy  es  gewonnen,  sundern  y 
sy  hatten  czwo  steyn  buchsen  mete  husse,  dy  schickten  sy  vor  dy 
thor  unnd  meynten  das  innerste  tor  uff  zu  schissen  unnd  hatten  vele 
arbeit  mit  den  buchsen,  das  es  eyn  junge  horte  uff  der  borg,  unnd 
schreyg:  Viendio!  Unnd  dy  in  der  borg  quomen  uff  unnd  werten 
sich.  Do  hiwen  dy  husse  in  das  thor  mit  exen  unnd  wolden  das  uff 
howen  unnd  lissen  czitlichen  abe,  abir  hetten  sv  vordruckt2'1  mit  howen 
so  hetten  sy  iss  gewonnen,  wanne  der  herre  grafe  heinrich  von  luten- 
berg  unnd  sine  gesellen,  dy  by  ome  uff  der  borg  worn,  liffen*  von  deme 
thore  uff  dy  torme,  unnd  konden  ander  were  nicht  gethun,  wann  das 
sy  mit  steynen  er  neddir  worften,  wann  sy  hatten  keyn  geschuteze 
dar  nffe,  unnd  worffen  doch  also  sere  unnd  schregen,  unnd  wart  ouch 
als  balde  tag,  das  grafe  lodewig  besorgete,  on  mochte  redunge  kome, 
das  her  beschediget  mochte  werde,  unnd  lissen  da  von  unnd  czogen 
wedder  heim,  unnd  lissen  dy  buchsen  do,  unnd  wart  also  vor  seen,  das 
dy  borg  nicht  gewonnen  wart 


HS:  riffen. 

"  Nach  der  am  23.  Nov.  1443  erfolgten  Absetzung  von  Wilhelms  Bruder 
Siegmund  war  Gottfried  IV.  von  Limpurg  (Herzog  von  F ranken)  Administrator 
des  Bistums  gewesen,  bis  er  am  17.  Febr.  1444  zum  Bischof  erwählt  wurde. 
?3  „Last1'  ein  Grossmass ,  meist  für  Schiittwaaren ,  in  ganz  Nordeuropa,  nach 
den  Gegenden  verschieden.  ■*  Am  80.  März  1447.  2A  I/eutehberg,  Stadt  im 
Landrateamt  Rudolstadt  des  Fürstentums  Sehwarzburg- Rudolstadt.  Es  ist  dies 
ein  Vorspiel  des  schwarzburgischen  Hauskrieges.  Graf  Ludwig  zu  Gleichen, 
Herr  zu  Blankenburg,  griff  Heinrieh  XJvX.  von  Schwarzburg-Leutenberg  an,  um 
das  i/outcnbcrger  Schloss  zu  überrumpeln,  s.  B.  Anemüller  in  dem  u.  St.  204  A.  6 
zu  erwähnenden  Rudolstädter  Programm  v.  J.  1867,  S.  2  f.     ?"  S.  St.  199  A.  6. 


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246 


200.  und  201.  Stuck. 


200.  Wy  dy  borger  von  tanrode1  orem  eygen 

hern  schaden  toten. 

Dar  noch  in  der  oster  wochen,2  do  besam mete  sich  eyn  winderlich 
volk  zu  kranchfelt,  dy  hiss  man  dy  taberiten,3  dy  logen  do  unnd 
roubeton  unnd  nomen  den  nornbergorn  czwene  wayno  mit  kouffman- 
schatz,  parchen,  safferan,  pfeffer  unnd  welschen  win  etc.  Das  vordross 
den  alden  hern  sere.  Do  besammete  sich  ouch  ern  apel  vitcztura  von 
tanrode  mennere,  dy  er  vor  troben  hatte  von  oren  gutern,  mit  andern 
geselschaiften  zu  kranchfelt  |  uff  der  undern  borg*  unnd  czogen  vor 
tanrode  am  sonabende  in  der  osterwochen,  unnd  nomen  do  das  vee, 
schon  unnd  kuwe;  unnd  netten  sy  vor  druckt,5  so  hetten  sy  dy  borg 
gewonnen;  unnd  das  vee  treben  sy  vor  erffort  koyn  taberstete6  unnd 
meynten  das  zu  vorkoufften,  unnd  vorkoufften  ouch  des  enteil.  Unnd 
do  das  dy  hern  zu  erfforte  orfurn,  do  vorboten  sy  orem  volke,  das  on 
nymant  solde  abe  kouffe,  das  der  stad  erffort  vor  driss  do  von  queme. 
Noch  wart  on  abe  gekouft,  wanne  sy  gobon  eine  gute  ku  umnie 
czehen  nuwe  grosschen.7  Uff  dy  selben  czit  richten  sich  gliche wol 
dy  von  erffort  uff  ore  were,  unnd  schickten  dy  buchsen  zu  ringe 
umme  dy  stad  uff  dy  ussersten  graben;  do  was  ich  zu  erffort  unde 
sach  das«  wanne  es  neto  sich  deme  tage  sente  jorgen,  unnd  ufi  den 
selben  tag  solde  frede  adir  unfredo  czwischen  den  czweyen  brudern  zu 
der  numburg  gemacht  unnd  beteydinget  werde. 


201.  Von  der  czweier  forsten  tage.1 

Den  tag,  den  dy  cywene  fursten  unnd  brudere,  der  aide  herre 
unnd  junge  herre,  der  ging  vor  sich  uff  sente  jorgen  tag.  Dar  zu 
quomen  vele  hern,  furston,  grafen,  rittere  unnd  knechte  etc.,  mit 

200.  1  S.  St.  199  A.  1.  a  Im  Jahre  1447  fiel  Palmarum  auf  den  2.  April, 
Ostern  demnach  auf  den  9.  April.  *  8.  St.  197  A.  4.  Es  waren  dies  böhmische 
Söldner,  welche  Herzog  Wilhelm  in  seinen  Dienst  genommen  hatte,  s.  Palacky, 
Gesch.  Böhmens  IV,  1,  S.  178.  4  In  Kranichfeld  sind  noch  heute  zwei  Schlösser, 
das  Oberechloss  ist  meiningisch,  das  [jetzt  verfallene]  Untcrschloss,  das  hier  ge- 
meint ist,  weimarisch.  *  S.  St.  199  A.  6.  "  S.St.29  A.6.  '  Da  das  da- 
malige Schock  Groschen  56/,  M.  galt,  so  wäre  demnach  die  Kuh  noch  nicht  für 
eine  volle  Mark  unseres  Geldes  verkauft. 

201.  1  Hierzu  s.  Härtung  Kammermeister  a.  o  O.  S.  84—87,  der  manches 
abweichend  erzählt,  durch  mehrere  Urkunden  aus  dem  Weimarer  Archiv  (l.Reg. 
D.  pag.  349  No.7*,  2.  Keg.  F.  fol.  269  No.  11.  J.  d.,  3.  Reg.  D  pag.  349  No.  V) 
erwähnt,  ebenso  J.  A.  v.  Schultes,  Historische  Schriften  und  Sammlungen.  1798, 
8.  251.  Im  Anschluss  an  den  2.  Naumburger  Tag  fanden  mehrere  BündniHse 
der  anderen  nicht  Beteiligten  statt,  deren  Urkunden  im  Kgl.  Staatsarchiv  zu 
Magdeburg  liegen :  1.  1447,  Naumburg,  Montag  nach  St.  Georgen  (24.  IV.  1447): 
der  Bischöfe  zu  Meissen  (Johannes  IV.  Hoffmann),  Merseburg  (Johannes  II. 
Bose)  und  Naumburg  (Peter  v.  Haugwitz)  und  vieler  Grafen  und  Herren,  Edel- 
leute  u.  Städte  Bündnis,  den  Krieg  zwischen  Kurfürst  Friedrich  u.  Herzog  Wilhelm 


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201.  Stück.  247 

nanien  disse  czwene  brudere,  der  lantgrafe  von  hessen,  dy  martgrafen 
von  brandenburg,  bisschoffe,  grafen,  prelaten,  unnd  dy.  stete.  Der  aide 
herre  was  mit  Xilü  hundert  pferden  zu  der  n  um  bürg,  unnd  der  junge 
herre,  der  lag  zu  fryborg,  unnd  hatten  uff  beyde  partie  vel  volkes, 
idoch  hatte  der  aide  herre  vel  mee  volks  danne  der  junge.  Der  tag 
werte  garna *  dry  woch|en,  unnd  schieden  sich  dicke  an  ende.  Unnd  T 
bynnen  deme  tage,  do  branten  dy  grafen  vele  landes,  nemelichen  grafe 
lodewig  von  glichen,  so  brante  er  apel  vitcztum  zu  tanrode,8  unnd  er 
bernhart  viczthuni  zu  madela,4  ouch  vele  der  grafen  lant,  oueb  dy  stad 
konigissee  etc.  Unnd  der  tagk  werte  so  lange,  das  dy  stete  erftort 
northusen  unnd  molhusen  unnd  ouch  etliche  grafen  unnd  dy  menezen5 
heym  reten,  unnd  eyn  yderman  meynte,  der  tag  worde  vor  sich  gehen 
biss  an  das  ende,  das  der  aide  herre  weg  wolde  von  deme  tage,  unnd 
meynte  do  von  zu  czehene.  Do  reyt  margrafe  frederich  von  branden- 
borg zu  deme  jungen  hern  keyn  fryborg  unnd  sageto  ome  also  vel 
unnd  bedrowete  on  unnd  ouch  dy  vitcztum,  sine  rethe,  also  das  sy  iss 
ome  gancz  macht  gobeu,  unnd  brochte  is  dar  zu,  unnd  den  jungen  hern 
ober  rette,  das  her  muntlichen  mit  deme  alden  hern,  sinem  bruder, 
solde  rede,  unnd  brochte  on  uff  von  fryburg  mit  hundert  pferden,  unnd 
reten  do  zu  felde.  Do  reyt  margrafe  frederich  von  brandenborg  zu 
deme  alden  hern  keyn  numburg,  unnd  holte  den  ouch,  unnd  brochte 
den  ouch  kume  dar  zu,  unnd  was  lange  usse,  unnd  quam  mit  tusent 
pferden  in  das  feit;  des  en  wolde  der  von  brandenborg  nicht,  unnd 
slug  das  volk  wedder  zu  rucke,  biss  uff  hundert  pfert.  Also  dy  beyde 
partie  keyn  enander  quomen,  do  reyd  der  margrafe  von  brandenborg 
zu  deme  alden  hern,  unnd  nam  den  alleyne  czwissehen  dy  czwene 
huflen  zu  mittelwege,  unnd  |  hiss  on  stille  halde,  unnd  holte  den  jungen  m 
hern  ouch  unnd  fürte  on  zu  deme  alden  hern,  unnd  brochte  sy  zu 
sammene,  unnd  reyt  vor  on  hen  biss  in  dy  stad  numburg.  Also  retten 

betreffend.  2.  1447,  Naumburg,  am  Sonnabend  nach  St  Georgen  (29.  IV.  1447): 
Bündnis  zwischen  Friedrich,  Erzbischof  zu  Magdeburg,  Friedrich,  Herzog  von 
Sachsen ,  den  Bischöfen  zu  Meissen,  Merseburg  und  Naumburg,  den  Grafen  von 
Stolberg,  Mansfeld,  Beichlingen,  Gleichen,  den  Herren  von  Querfurt,  Leisnig, 
Meissen,  Plauen,  Gera,  Schönburg  und  Tautenburg  etc.  gegen  Herzog  Wilbelm. 
3.  1447,  Eisleben,  Sonnabend  nach  vigilia  visit.  Mar.  (8.  VII.  1447) :  Friedrichs,  Erz- 
bischofe  von  Magdeburg,  des  Herzogs  Friedrich  von  Sachsen,  der  Bischöfe  von 
Halberstadt,  Meissen ,  Merseburg  und  Naumburg,  der  Fürsten  Bernhanl  von 
Anhalt,  der  Grafen  von  Stolberg,  Mansfeld,  Gleichen,  Beichlingen  und  der  Stadt  Erfurt 
Büadni*,  den  Krieg  mit  Herzog  Wilhelm  betreffend.  4.  1447,  Erfurt,  Montag  nach 
Mauritii  (25.  IX.  1447):  Heinrichs,  Grafen  zu  Sehwarzburg,  Friedrichs  von  Bopf- 
garten  und  Heinrichs  von  Hausen  Beitritt  zu  dem  Bündnis  5.1447,  Mittwoch 
nach  Mauritii  (27.  IX.  1447)  derselben  Bündnis  mit  dem  Erzbischof  von  Magde- 
burg usw.  1  Garna  dialektisch  =  mhd  gerne  =  „vielleicht,  etwa".  Also  währte 
der  2.  Naumburger  Tag  nach  Stolle  vom  28.  April  bis  zum  14.  Mai  1447. 
*  S.  oben  St.  199  A.  1  u.  3,  Härtung  Kamraermeister  a.  a.  O.  S.  84  f.  4  S.  St.  198 
A.  13.  *  Es  waren  auch  Gesandte  vom  Erzbischof  von  Mainz  gegenwärtig, 
s.  Bachmann,  Herzog  Wilhelm  von  Sachsen  und  sein  böhmisches  Söldnerheer  auf 
dem  Zuge  von  Soest,  Neues  Archiv  für  sächs.  Geschichte  und  Altertumskunde, 
II.  Bd.,  1881,  S.  101  u.  102. 


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248 


202.  Stück. 


do  dy  czwone  brudoro  zu  sanimene  gar  nae  eyno  stunde,  unnd  goben 
dy  heride  zu  sameno,  unnd  umme  Hngon  sich  mit  armen.  Unnd  do 
sy  vor  dy  stad  numburg  quomen,  do  reten  sy  von  enander,  unnd  von 
stunt  des  andern  tages  do  ossen  sy  mittenander,  unnd  wart  do  be- 
teydinget,  unnd  goben  iss  gancz  macht,  unnd  eyner  gerette  do  «lern«' 
andern  nummer  mehir  widder  enander  zu  syne.  Dy  selben  sache  nss 
zu  sprechen,  so  wart  eyn  tag  gemacht  Egidii0  keyn  molhusen,  do  solde 
der  uss  sproch  geschee  czwisschen  den  hern  unnd  grafen,  sundern  dy 
vitcztum  solde  der  aide  herre  schuldige,7  unnd  solden  omo  zu  rechte 
stee  noch  rechten  erkentnisse  unnd  ome  rechtes  pflege.  Den  selben 
tag  hette  der  aide  herre  gerne  keyn  erfforte  geleyt;  so  meynten  dy 
andern  hern  unnd  dy  vitcztum,  es  were  zu  grosse  werlt*  zu  erffort 
unnd  ungehorsam;  wanne  man  dy  vitcztum  an  schrege,  so  künde  deme 
volke  nyraant  gesture,  wanne  on  was  alle  werlt  gram. 


202.  Wy  dy  hern  vor  soessez1  ezogen. 

1447  Als  man  czalte  noch  cristus  gebort  tusent  vierhundert  unnd  XLVII 
jar,  dy  wile  disser  tag  der  uss  sprocho  der  czweyer  hern  gescheen 
solde  zu  molhusen,  in  dos  besamniete  sich  der  junge  herre  zu  doringen 
▼  in  der  ptiugestwochen2  mit  eyme  grossen  volke  der  bemen,  nemelichen 
achte  tusent  unnd  funfthundert,  unnd  uss  synem  lande  oueh  also  velo, 
unnd  czoch  zu  hultfe  deme  bisschofe  zu  kolne  über  dy  stad  soesst, 
unde  disser  bisschoff'  hatte  dissem  jungen  hern  von  doringen  gelobet 
unnd  geretzu  geben  gross  gelt,  das  her  ome  hnlffe  dy  selben  stad  bo- 
wingen  ufl  des  bissehoffes  kost  unnd  tutter.3  Unnd  also  der  junge 
herre  das  volk  sammete,  do  leite  her  das  in  dy  futterunge  umme  erflort, 

"  1.  September  (1447).  7  Mhd  wie  md  =  „beschuldigen,  anklagen".  8  In 
alter  Bedeutung :  „Volk,  I^eute",  s.  H.  Rfickert,  Leben  den  heiligen  Ludwig  S.  148. 

302.  1  Über  die  sogen.  Soest  er  Fehde  und  was  damit  zusamme.nhän<rt 
h.  Härtung  Kamniermeister,  herg.  v.  Reiche,  S.  83.  84.  85.  87—80.  DO— 91  nebst 
der  dort  verzeichneten  Litteratur.  S.  ferner  Adolph  Bachinann,  Herzog  Wilhelm 
von  Saehsen  und  »ein  böhmisches  Söldnerlieer  auf  dein  /uge  von  Soest  (Neues 
Archiv  f.  säehs.  Geschichte,  Bd.  II,  1881,  S.  97— 128),  welcher  die  wichtigere  ältere 
Litteratur  verzeichnet,  von  denen  liesonders  Erwähnung  verdient  Bachmann, 
Fontes  rerum  Austriae  Abtlg.  II,  Ikl.  XLII.  Doeh  ist  diese  Studie  bald  ülierbolt 
von  Joseph  Hansen  (Westdeutsche  Zeitschrift,  ErganznngHheft  III,  1886)  in 
seinen  Untersuchungen  zur  Vorgescliiehe  der  Soester  Fehde,  und  in  seiner  grossen 
Arbeit:  Westfalen  und  Rheinland  im  15.  Jahrhundert  (Publikationen  aus  den  Kg). 
Preuss.  Staatsarchiven,  Bd  XXXIV.  1888  -  s. ebenda  noch d. 2  Bd.,  XLII,  1890:  Die 
Münsterische  Stiftsfehde:  S.  11-14  die  Urkunde  von  ca.  20.  Mai  1447),  endlich 
von  demscllwii  Gelehrten  in:  Chroniken  der  deutschen  Städte  vom  14.  bis  ins 
16.  Jahrhundert,  Bd.  XXI.  —  Die  Chroniken  der  westfälischen  und  nieder- 
rheiuischen  Städte :  Bd.  II.,  Soest  (1889),  worin  sich  das  Kriegstagebuch,  die 
Lipjwtätlter  und  Werler  Reimohrouik  der  Soester  Fehde,  Lieder  und  sonstige 
Beilagen  finden.  S.  a.  R.  v.  Liliencron,  Die  bist.  Volkslieder  der  Deutschen  vom 
13.  bis  ins  10  Jahrh.,  I  .  1805,  S.  401-410.  *  1.  J.  1447  vom  22.-27.  Mai. 
3  „Futter4  und  das  gleich  dabeistehende  „Futterung"  wird  oft  in  der  alten 
Sprache  auch  von' der  menschlichen  Ernährung  gebraucht,  b.  oben  St.  196  A.  6. 


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202.  Stück. 


240 


nemelichen  kein  borcka,  tuntorft,4  wimar,  bottelstete  unnd  wissensee  etc. 
Uff  dy  selben  czit,  do  ging  ich,  Conrad  stolle,  zu  saleza5  in  dio  schule, 
unnd  do  gingk  eine  gemeine  redo,  her  wolde  vor  erffort  ezee,  also  das 
sich  dy  stad  erftort  glichewol  besachte,  unnd  schickten  sich  in  der  stad 
dar  noch  zu  bewarne,  wanne  der  stad  was  glichewol  wornungo  gethon 
von  deme  alden  horn  unnd  etlichen  grafen,  das  sy  sich  vor  segen, 
unnd  dy  beraen  meynton  also  nahe  by  der  stad  ubir  zu  czene  unnd 
dy  zu  besene,  unnd  on  ouch  nicht  wol  zu  glouben  was.  Also  bestalte  dy 
stad  dy  graben  uff  den  donnerstag  in  der  ptingestwochen  mit  ganczer 
macht.  Also  czogen  sy  by  einer  mile  von  der  stad  erftort  by  demo 
dorffe  rudestete6  in  das  futter,  unnd  zu  stusfart,7  unnd  in  dorne  czogo 
wart  der  junge  herre  gebeten  unnd  an  geruffen  von  eyme  hern  von 
brunswig,  genant  der  herczoge  von  grubenhayn,s  über  dy  stad  eym- 
becke,1' dy  hatten  ome  dy  czit  syner  jar  rento  unnd  gerechtickeit  nicht 
gegeben,  das  her  ome  dy  wolde  helffe  er  mane.  Also  hatte  sich  der 
bissehofT  von  hildensheim  ouch  gesammet,  unnd  wolde  deme  bischoffe 
zu  koln  ouch  zu  hulffe  komo  mit  sechs  hundert  mannen  unnd 
spise.  ]  Unnd  also  der  bisschoff  von  hildensheim1"  vornam,  das  der  junge  m 
herre  uff  dy  stad  deme  herezogen  von  grubenhain  zu  hulffe  czeen 
wolde,  do  czoch  her  mit  synen  mannen  unnd  spise  der  stad  eymbecke 
zu  hulffe  in  ore  stad.  Unnd  also  der  bisschoff  ore  beyde  sache  vor 
nam,  do  teydingete  her  dar  czwisschen  unnd  berichte  dy  stad  unnd 
den  herezogen,  also  das  dy  stad  eymbecke  solde  geben  orom  hern,  deme 
herezogen  von  grubenhain,  sine  jar  rente,  unnd  ouch  vor  koste,  muwe 
unnd  arbeit  czehen  tusent  gülden.  Also  czogen  sy  vort  an  den  rin  uff 
kost  unnd  uff  solt  des  bisschoffes  zu  koln  uff  dy  stad  soest. 

Innewendig  disser  czit,  das  dits  volk  usse  was,  do  schickten  sich 
dy  von  erffort  uff  geschuteze  unnd  were,  wanne  der  junge  herre,  der 
itezunt  vorgeezogen  was,  der  was  der  stad  erftort  etwas  gehass,  das  sy 
ome  dy  viteztum  nicht  wolden  helfton  vorteydingen,  unnd  der  mar- 
grafe  von  brandenborg  was  ouch  der  von  erffort  vient.  Also  wanne 
sy  wedder  heim  czogen,  ab  sy  dy  stad  erfforte  konden  gehumute,11  das 
sy  on  wedder  steen  konden,  unnd  dy  von  erffort  hatten  ouch  rath 
unnd  hulffe  von  deme  alden  hern  zu  missen ;  der  leich  on  uss  syme 

4  Neben  Weimar  und  Weisseusee  werden  noch  genannt  das  Städtchen  Berka 
au  der  Ilm,  Verwaltungsbezirk  Wcimnr  im  (irossherzogtum  Sachsen,  ebenda  daa 
Dorf  Tonndorf,  endlich  daa  Städtchen  Buttelstedt,  Verwaltungsbezirk  Apolda  im 
<  rrosßherzogtum  Hachsen.  ^  Das  heutige  Langensalza,  im  preus.s.  Regierungs- 
bezirk  Erfurt.  ,:  iirossrudestadt,  Verwaltungsbezirk  Weimar  im  Uro&sherzog- 
tnm  Sachsen.  7  Es  ist  unzweifelhaft  Straussfurt  gemeint,  Dorf  im  preuss. 
Kreise  Weisscnaee,  Regierungsbezirk  Erfurt.  s  Herzog  Wilhelm  von  Braun- 
schweig-(irubeuhagen.  y  Weussische  Kreisstadt  in  der  Lauddrostei  Hildcs- 
heim,  Provinz  Hannover.  Bischof  .Magnus  von  Hi  Idenheim,  ans  dem  <  ie- 

schleehte  der  Herzöge  von  Sachsen  -  Lauen  du  rg,  1424—  14.V2.  11  Homuten, 
homutigen,  hutuutigen,  in  gleichzeitigen  Briefen,  z.  B.  in  der  Korrespondenz  des 
Rates  von  Erfurt  (Stadtarchiv  Erfurt)  oft:  =  „jemandem  s.  Hochmut  zeigen, 
ihn  demütigen". 


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250 


202.  Stück. 


bofe  einen,  der  konde  wainborge  geslahe,  unnd  der  quam  kein  ei*ffort, 
unnd  dy  von  erffort  vor  botten  unnd  bisschen  enteyl  orer  gebur  uff 
deme  lande  mit  oren  wagen,  unnd  ye  uff  eynem  wagen  czwolft  wepener, 
unnd  brochten  zu  sammene  enteyl  der  waine  uss  oren  dorffen,  virde- 
halb  schog  waine,  unnd  ouch  enteyl  wayne  uss  der  stad,  unnd  von 
wepenern  gross  volk ;  also  man  das  achte,  das  in  der  wainborgk  |  weren 
by  dry  tusent  man  unnd  drittehalb  hundert  reysiges  geczuges,12  unnd 
czogen  by  den  rotenberg13  uff  die  wesen  hart  by  nusesse14  uff  den  mon- 
tag  noch  corporis  cristi,15  das  was  an  sente  bonifacius  tage,  unde  slugen 
do  eyne  waynborg  unnd  lernten  do  von  deme  meistere,  der  von  deme 
alden  hern  gesant  was,  wy  sy  oren  Sachen  thun  solden,  ab  es  on  nod 
worde.  Unnd  dy  reysingen  ranten  uff  dy  wainborg,  do  werten  sich, 
dy  in  der  wainborg  worn,  unnd  slugen  danne  dy  wainborg  in  deme 
rynnen,16  also  das  das  volk  gar  rüstig  unnd  gar  redelich 17  wart,  wanne 
es  vor  nymant18  gar  vele  geseen  hatte.  Unnd  der  rotenberg  was  also 
vol  volkes  uss  der  stad  erffort,  das  do  zu  sach  von  Studenten  unnd 
burgern,  das  man  meynte,  es  were  mee  danne  XXX  tusent  werhafftige 
menschen  do  gewest  Also  wart  eyne  grosse  sage  von  disser  wainborg 
in  vel  landen,  im  lande  zu  doringen  unnd  ouch  dort  in  deme  here  etc. 
Also  hatte  dar  noch  der  aide  herre  geschreben  der  stad  erffort,  unnd 
uff  einen  tag  gebeten  keyn  merseborg  mit  den  grafen  unnd  bisschoffen 
uff  den  donnerstag  viti,1!*  unnd  hatte  do  gross  volk,  nemlichen 
XVIII  tusent,  unnd  wanne  her  den  schrebe,  das  dy  do  solden  bereit 
sin,  unnd  uff  den  selbigen  tag  mochten  dy  von  erffort  eine  vortracht10 
gemacht  habe,  ab  der  junge  herre  unnd  sine  rethe,  dy  vitcztum,  dy 
bemen  wedder  in  das  lant  brechten,  das  sy  on  sture  wolden,  wanne  sy 
toten  grossen  schaden.  Unnd  in  der  czit  buweten  dy  von  erffort  ore 
stad  unnd  machten  krumme  thor,21  an  sente  johans  |  thor,  unnd  ouch 
an  andern  torn,  unnd  den  thorm  hinder  den  karthusern,28  unnd  dy 

,?  Mhd  reisig  zeug~md  reysig  geczug,  hier  =  Reiterei,  8.  Liebe,  Das  Kriegs- 
wesen der  Stadt  Erfurt,  1896,  S.  21  f.  1,1  Eine  Anhöhe  nördlich  von  Erfurt, 
etwa  3  Kilometer  entfernt.  11  Neuses  u.  d.  Rothenberge,  fieit  dem  16.  Jahr- 
hundert wüst,  s.  W.  v.  Tettau,  Geschieht!.  Darstellung  des  Gebietes  der  Stadt 
Erfurt  MGE  XIII.  1887,  S.  35;  Wernburg,  die  Namen  und  Wüstungen 
Thüringen«,  JAE  XII.,  1884,  8.  132  (Kaue  dazu).  ,A  Der  Montag  nach  dem 
Fronleichnamsfeste  war  der  12.  Juni  1447.  Demnach  versieht  sich  Stolle  hier 
um  1  Woche,  da  der  Bonifatiustag  (Bonifatius  ep.  Mogunt.  Apost.  Germ.)  am 
Montag  den  5.  Juni  1447  war.  Ansprechend  heilt  den  Irrtum  Reiche  A.  1, 
S.  83  s.  Ausgabe  von  Härtung  Kammermeister,  indem  er  vorschlägt:  vor  an- 
Htatt  nach  zu  lesen.  ,B  Rennen  stv.  =  das  „Rennen"  =  Turnier;  hier  ist  e* 
mehr  ein  Manöver.       "  =  „Geübt  und  recht  tapfer".  —  „Obgleich  es 

(das  Schlagen  der  Wagenburg)  vorher  niemand  öfters  gesehen  hatte."  19  15.  Juni 
1447.  ™  Dialektisch  =  allgem.  md  vortrac  =  „Vertrag".  "  Vor  den 
Thoren,  z.B.  vor  dem  Johannesthor  (s. Tettau  a.  a.  O.  S.  95),  wurden  gekrümmte 
Durchfahrten  angelegt,  die  wie  ein  liegendes  S  )  gestaltet  waren:  bei  Einnahme 
fies  Einganges  konnte  noch  der  Ausgang  besonders  verteidigt  werden.  Siehe 
Härtung  Kammermeister  a.  a.  O.  S.  92.  **  Zwischen  dem  Pfftrtchen  und  dem 
Löberthor  wurde  im  Jahre  1447  dieser  erste  Wallturm  erbaut,  s.  Härtung  Kammer- 
meister,  h.  v.  Reiche,  S.  91,  ferner  v.  Tettau  a.  a.  O.  S.  99,  liebe  a.  a.  O.  S.  57. 


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202.  Stück. 


251 


brostwere  uffdeme  tamme,23  unnd  graben  urarae  dy  stad;  des  was  eyn  an 
heber  unnd  meiste  regirer  eyn  vier  man,24  genant  er  heinrich  wisse,25  unnd 
eyn  ratismeister,  genant  er  frederich  rosenczwig,2ß  dy  lissen  es  on  gar  sur 
werde,  das  dy  stad  also  bef redet  wart.  Unnd  in  deme  jaresass  eyn  vier  man, 
genant  er  erhart  von  kolmen.27  Es  was  ouch  eyn  böte  komen  von 
wiraar  in  das  heir  vor  soest,  unnd  hatte  vor  deme  jungen  hern  unnd 
den  sinen  uffenberlich  gesaget,  wy  dy  von  erfiort  hetten  czwo  wain- 
borge  geslagen,  unnd  wolden  den  jungen  hern  in  das  lant  zu  doringen 
nicht  wedder  komen  lassen.  Das  was  unworhaftig,  sundern  dy  bür- 
gere zu  erflbrt  lissen  wain  bürge  slan,  unnd  lernten  unnd  stalten  sich 
zu  werne,  ab  on  ymant  zu  wolde;  sy  en  gerten  nymande  nicht  czu 
thune,  sundern  sy  besorgeten  sich  ye  vor  ungetruwekeit  der  fursten 
unnd  der  lande,  wanne  der  junge  herre  belag  vaste  stete,  nemelichen 
lingaw  unnd  blumenberg,28  eybicke,  unnd  ubirdingete2*  unnd  gewan 
dy.  Unnd  also  her  dy  stete  gewan  unnd  vordingete30  sy.  Dar  noch  ufi 
den  dinstag  nach  viti 31  czoch  der  junge  herre  vor  dy  stad,  genant  zu 
der  lippe,S2  unnd  lag  darvor  X  tage,  unnd  zu  schössen  einen  torm; 
das  koste  den  bisschoff  zu  koln  melier  wanno  achte  hundert  gülden; 
unnd  grosse  were  geschach  ouch  uss  der  stad  in  das  her,  unnd  dy 
stad  had  uff  einer  siten  eyn  wasser,  genant  dy  lippe,  do  von  sy  also 
veste  was,  das  sy  or  nicht  konden  an  j  gehabe  noch  gestorme  unnd  v 
ouch  nicht  gewynne,  unnd  enpoten  uss  der  stad  deme  bischoffe  von 
koln,  sy  en  wolden  onie  nicht  eynen  heller  gebe.  Also  wart  deme 
bisschoffe  unnd  deme  jungen  hern  keins  uss  der  stad,  unnd  czogen 
do  von  vor  dy  stad  soest  uff  den  fritag  petri  et  pauli.38  Do  czogen  on 
en  kein  uss  der  stad  soest  mit  funffhundert  pf erden  deme  here  en  kein 
mit  vor  rynnern,34  unnd  meynten,  das  her  zu  beschedigeno ;  also  sterckten 
sich  dy  bemen  also  sere  unnd  slugen  sich  mit  on  biss  in  dy  thor  zu 
soest  Also  lyt  eyn  closter35  hart  vor  soest  eyn  halb  armbrost  schoss, 
das  hatten  dy  von  soest  also  veste  gemacht  unnd  meynten  das  zu  be- 

71  D.  h.  auf  dem  Walle,  der  damals  au«  Erde  bestand,  noch  ohne  Mauerwerk. 
**  Vierherren  waren  die  Vertreter  der  Erfurter  Gemeinde  aus  den  4  Vierteln, 
1310  eingesetzt,  um  die  Gemeinde  gegen  die  Übergriffe  de«  Rates  zu  vertreten 
(ähnlich  den  römischen  Volkstribunen!);  später  wurden  sie  in  den  Rat  aufge- 
nommen und  von  ihm  gewählt  und  vergasscn  ihre  frühere  Stellung  so,  dass  sie 
die  wichtigsten  und  mächtigsten  Mitglieder  des  Rate»  wurden,  s.  0.  Beyer.  Die 
Entstehung  und  Entwicklung  des  Rats  der  Stadt  Erfurt  im  Mittelalter,  Progr. 
der  Realschule  zu  Erfurt,  181*2.  **  Sonst  nicht  nachweisbar,  wohl  al>er  ein 
Mathis  Wisse  ab  Vierherr  i.  J.  1456  und  auch  1466,  nach  der  „Willkür"  der 
Stadt  Erfurt.  w  Friedrich  Rosenzweig  ward  1446  und  1451  Ratsmeister. 
VT  Der  Name  „v.  Kolmena"  kommt  sonst  in  Erfurt  vor,  wenn  wir  auch  nicht  ein 
solches  Mitglied  des  Erfurter  Rates  aus  jener  Zeit  nachweisen  können.  ■*  Der  Chronist 
meinte  die  2  im  jetzigen  Fürstentum  Lippe  liegenden  Htadto  Lemgo  und  Blom- 
berg, s.  Bachmann  im  Archiv  für  sächs.  Geschichte  a.  a.  O.  S.  109.  Mit  Eybicke 
ist  wohl  die  jetzige  Bauerschaft  Ebbecker  (bei  Lipporg,  Krs  Beckum  in  West- 
falen) gemeint.  *9  S.  St.  198  A.  49.  ao  verpflichtete  sie  durch  eiuen  Vertrag. 
"  20.  Juni  1447.       32  Die  heutige  preussische  Kreisstadt  Lippstadt  im  Regbez. 


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252  203.  Stuck. 

halden ;  das  selbe  closter  er  liffen  dy  bemen  in  deme  selben  schermusel,™ 
wanne  das  das  volk  in  deme  closter  was;  das  wolde  nicht  schösse  mit 
buchsen  under  das  volk,  wanne  der  von  soest  was  vele  dar  under. 
Also  nomen  de  bemen  das  closter  in  unnd  er  slugen  dar  inne  meer 
danne  XXX  adir  XL  man,  unnd  gewonnen  dar  inne  sechs  grossse  stein 
buchsen;  dar  niete  toten  sy  der  stad  grossen  schaden  uss  deme  clostere, 
unnd  schössen  der  stad  dv  muron  neddir,  unnd  dv  von  soest  liffen  uss 
der  stad  zu  den  herluten  in  dy  futterunge*17  unnd  slugen  or  vele  tod, 
unnd  wunten  sv.  Also  levte  sich  das  her  vor  soest  nae  uff  drv  am- 
brost  schösse,  unnd  das  her  machte  einen  grossen  graben  vor  sich 
unnd  oynen  thara,  also  das  man  or  uss  der  stad  nicht  gebuchsen88 
künde,  unnd  sy  toten  vaste  schaden  in  dy  stad,  wanne  sy  had  sust 
129  kleine  trocken  graben,  unnd  eyne  |  aide  bosse  rauren,  unnd  der  herc- 
zoge  von  cleve85'  was  by  on  in  der  stad  mit  anderthalbhundert  pferden, 
unnd  wore  gerne  von  on  uss  der  stad  gewest,  abir  sy  wolden  on  nicht 
lossen  czehen.  Grosen  hunger  unnd  dorst  leden  sy  in  deme  here, 
unnd  man  meynte,  konde  sy  der  bisschoff  von  koln  gespiset  habe  vier 
wochen,  so  meynten  sy  dy  stad  zu  gewinnen.  Unnd  das  her  wart  an 
geslain  an  vierczig  tusent  man.  Also  logen  sy  vor  der  stad  dry  wochen, 
unnd  leden  grossen  hunger  unnd  gebroch,  unnd  stormeten40  dy  stad 
an  vier  enden;  unnd  wanne  sy  storme  wolden,  das  wüsten  sy  in  der 
stad,  unnd  richten  sich  dar  noch  an  dy  stete  desto  sterker,  unnd  werten 
sich  also  frome  lute  mit  armbrosten  unnd  mit  hevsem  sodeadir  wasser, 
das  was  gereyte  gemacht,  unnd  machten  dy  pfile  gluende,  do  sy  mete 
schössen,  unnd  es  bleib  vil  volks  tod;  unnd  was  volks  tod  bleib  in 
deme  here,  das  er  leubeten  dy  in  der  stad  en  weg  zu  brengen,  unnd 
was  or  wunt  wart,  dy  nomen  sy  in  dy  stad  unnd  lessen  dy  heyle; 
mit  buchsen  toten  sy  wenig  were  uss  der  stad.  Also  nu  dy  hern  soen 
unnd  merckten,  das  sy  der  stad  nicht  gewinne  konden,  do  czogen  sy 
abe,  unnd  wart  eyn  gemein  geruchte,  wy  das  er  apel  vitczthum,  des 
jungen  hern  roth,  es  hotte  mit  der  stad  gehalden,  unnd  were  sin  schult, 
das  man  der  stad  nicht  gewinne  künde,  unnd  wart  eyne  grosse  czwey- 
tracht  czwisschen  deme  here,  als  sy  heim  czogen. 

203.  Hy  czoch  der  junge  herre  von  soest 

y       Dy  bemen  erreten  sich1  mit  deme  hern  entoyl  unde  |  czogen 
von  omc  umrae  des  soldes  willen,  unnd  der  herre  nette  sy  gerne 

an  Md.  Nebenform  für  Scharmützel.  17  I>.  h.  die  Soester  hinderten  durch 
häufige  Anfalle  die  Zufuhr  (*.  ob  A.  s.  Bachmann  a.  a.  Ö.  S.  114.  ;W  Da» 
Verhuin  ..gobuehsen''  i^t  sonst  nicht  nachzuweisen,  also  wohl  von  Stolle  selbst 
gebildet,  —  ,,mit  der  Büchse  treffen"  (sie  waren  niclit  in  Schicss  weite).  SB  Der  Sohn 
Herzog  Adolf  von  Cleve,  Herzog  Johann,  Hess  sich  freiwillig  mit  in  Soest  ein- 
sch Messen.  xu  Der  Hauptsturm,  der  aber  auch  abgeschlagen  wurde,  geschah  am 
21.  Juli  1447. 

„  20S.  '„Sich  erren"  (inhd  irren)  =  ..sicli  veruneinigen",  i.  a.  Sinn  St.  229.  A.  1. 
Uber  das  Folgende  s.  Haltung  Kammermeister,  h.  v.  Reiche,  S.  90— 91. 


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203.  Stück. 


bebakten,  wanne  her  wolde  czeen  in  dy  marg2;  also  wolden  sy 
nicht,  sundern  sy  wolden  oren  solt  haben  unnd  heim  czeen.  Des 
soldes  wolde  on  der  herre  nicht  gebe,  wanne  sy  hatten  deine  jungen 
hern  geret,:{  sy  wolden  ome  dy  stad  gewinnen  unnd  ome  antwerte,  ess 
were  danne  saehe,  das  dy  stad  soest  ein  gewelbe  oben  or  hette,  unnd 
das  es  nicht  mogelich  were,  das  dy  ymant  konde  gewynne.  Also  hoch 
hatten  sich  dy  bemeu  keyn  deme  jungen  hern  vor  messen,  unnd  ge- 
wunnen  or  nicht.  Also  Scheden  sich  dy  bemen  doch  in  gute  von  deme 
hern,  nemelichen  funff  tusent  bemen,  unnd  czogen  heim,  unnd  broehten 
grosse  habe  mit  on  von  kelchen,  buchern,  unnd  messegowande,  des  dy 
menge  nemelichen  uss  XXJIII  clostern  ane  andere  kerchen,  dy  sy  alle 
beroubet  hatten,  mit  on  enheym.  Item  in  doringen  zu  gangolff  somnie- 
ringen,1  do  nomon  dy  bemen  dy  monstrancien  uss  der  kerchen,  unnd 
der  das  thed,  den  liss  der  junge  herre  borne.  Do  slugen  dy  bemen 
eynen  andern  dutczschen  man  tod  dor  gein,  unnd  wo  dy  bemen  ubir 
einen  dutschen  man  quomen,  der  was  gutes  hatte,  den  slugen  sy  tod 
unde  nomen  ome,  was  her  hatte.  Also  czogen  sy  vor  erffort  ubir, 
unnd  logerten  sich  by  vargela;5  also  treben  sy  dy  von  der  borg  abe 
mit  huchsen;  unnd  do  dy  in  der  stad  erffort  erfurn,  das  sy  quemen, 
do  czogen  dy  von  erffort  starg  uss  mit  macht  mit  orem  volke,  unnd 
bruchten  zu  sammene  achtelialb  schog  wayne,  unnd  vierhundert  reysigen 
geczuges,  das  zu  sammene  wart  geaeht  |  an  X  tusent  man,  unnd  worn  wo 
der  meynunge,  teteu  dy  bemen  schaden  in  orem  lande,  so  wolden  dy 
von  erffort  dy  bemen  umme  ringet  habe  unnd  sy  behalde.  Also  czogen 
sy  durch  der  von  erffbrte  land  ane  schaden,  unnd  leden  grossen  gebroeh 
den  tag  an  sente  peters  tage  schune  tegor,';  wanne  dy  rey singen  bemen 
wolden  nicht,  das  ore  trabanten  en  wenig  schoten  betten  mit  sich  ge- 
nomen;  unnd  wo  sy  des  gewor  worden,  do  hiwen  sy  sy  mit  geiselu 
dar  von;  also  sere  forchten  sy  sich  von  den  von  erfforte,  unnd  schreben 
in  dy  stad  erffort  gutlichen  unnd  betende  einen  briff  mit  czwolff  in- 
gesegeln, das  sy  sy  wolden  lasse  czeen  umme  gotis  willen,  sy  wolden 
orme  lande  keinen  schaden  thun,  sy  weren  vor  furt  unnd  betrogen 
schomelichen  durch  ern  apel  vitczthum.  Do  quam  eyn  herre  uss  deme 
rathe  zu  erffort,  genant  er  heinrich  wisse,7  eyn  vier  man,  der  reit  zu 
den  bemen  uft  das  feit  keyn  vipech  unnd  exstete,*  unnd  rette  mit  on 
von  der  stad  erfforte  wegen,  was  do  ome  enpfolen  was.  Also  worn 
dy  bemen  in  meynunge,  sy  wolden  wymar  in  neme  vor  oren  solt, 

*  Die  westfälische  Grafschaft  Mark,  jetzt  im  Regbez.  Arnsberg,  fiel  als  ein 
Teil  der  jülisch-clevischen  Erbschaft  1614  an  Brandenburg.  „Reden"  mit 

d.  Dat.  d.  Pereon  heis*t  „versprechen/*  *  Ganglofaömmern ,  Dorf  im  preuss. 
Kreise  Weissensee,  Kcgbez.  Erfurt.  "  Grossvargula,  Dorf  im  preus«.  Kreise 
Langensalza,  Regbez.  Erfurt.  "  Dienstag  d.  1.  August  1447,  thüringische  Be- 
zeichnung des  Peterstages  in  der  Ernte,  s.  Konrnd  Stolle,  herausggb.  v.  Hesse, 
pag.  XXVII,  ferner  Rückert,  Leben  des  heiligen  Ludwig  S.  122.  T  S.  St.  202 
A.  25.  8  Vippachedelhausen ,  Dorf  im  Verwaltungsbezirk  Weimar  im  Gross- 
herzogtum Sachsen,  Egstedt  im  preus».  Kreise  Erfurt. 


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254 


203.  Stück. 


unnd  dy  von  wymar  hatten  sich  ouch  uff  wehere  gericht,  es  hette  abir 
wening  geholflen  kein  also  vele  bemen.  Do  lissen  dy  von  erfforte  eyne 
wainborg  slaen  unnd  logerten  sich  unnd  meynten,  netten  sich  dy  bemen 
vor  wymar  geleyt,  so  wolden  dy  von  erffort  den  von  wymar  sy  zu 
hulffe  komen.  Der  junge  herre  hartes  den  von  eröort  nicht  befolen, 
noch  so  wolden  sy  ome  das  sine,  helffen  vorteydinge.  Das  sagete  her 
▼  on  hir  noch  grossen  dang,  das  sy  sin  lant  also  |  beschermen  wolden  in 
synem  ab  wesen.  Also  were  das  gemeyne  volk  zu  erffort  zu  mole 
gerne  an  dy  bemen  gewest,  unnd  sy  zu  er  slane  unnd  das  grosse  gut 
behalde,  das  dy  bemen  hen  unnd  her  geroubet  hatten.  So  meynte  der 
rath  zu  eröort,  wanne  sy  dy  bemen  slugen,  so  spreche  der  junge  herre, 
sy  hetten  ome  dy  synen  in  synem  dinste  unde  geleite  erslagen,  unnd 
were  hir  noch  uff  dy  stad  erffort  gefallen  unnd  sy  bedränget,  unnd 
mochte  villichte  eine  vor  gobe  unnd  eine  beschidickeit*  sy  von  deme 
jungen  hern,  das  her  dy  bemen  do  liss  ubir  czeen,  wanne  her  meynte, 
dy  von  erffort  Jessen  nicht,  sy  slugen  sy,  wanne  dy  bemen  hatten  den 
von  erfforte  gereite  vele  schaden  gethon  in  deme  hen  czoge;  so  wolde 
her  danne  er  noch  komen  sy  mit  deme  andern  here,  das  her  noch  by 
ome  hatte,  unnd  wolde  vor  dy  stad  gerucket  habe.  Also  was  eyn  sage, 
sundern  der  Wahrheit  wüste  man  nicht  unnd  umme  sulchen  schaden, 
den  dy  bemen  gethon  hatten  an  fischen  zu  tuntorff  unnd  an  andern 
enden,  retten  dy  von  erffort  mit  on  uff  deme  felde  zu  vipech.  Do 
sprochen  dy  bemen,  er  apel  vitczthum,  des  jungen  hern  rath,  hette  sy 
das  geheisen.  Also  lessen  es  dy  von  erfforte  gut  syn,  sundern  teten 
sy  ymande  mee  schaden  in  orem  lande,  so  hetten  sy  den  kämpf  an 
der  hant;  unnd  teten  sy  deme  jungen  hern  schaden  unnd  syme  lande, 
worden  sy  danne  an  geruffen,  so  mnsten  sy  danne  helffe  were.  Also 
czogen  sy  den  tag  ane  schaden  vor  erfforte  en  weg,  eine  grosse  mile 
i8i  von  der  stad,  biss  kein  meildingen ; 10  do  logen  sy  ubir  nacht;  |  unnd 
weren  dy  von  erffort  nicht  also  starg  uff  deme  felde  gewest,  so  hetten 
sich  dy  bemen  vor  wymar  geleyt  unnd  das  gestormet  unnd  gewonnen. 
Unnd  der  aide  herre  hatte  der  stad  erffort  uff  das  mal  gelegen  czwei- 
hundert  reysinges  geczuges,  unnd  her  wolde  on  tusent  gelegen  habe 
hetten  sy  ess  begert.  Also  hatte  der  junge  herre  ouch  enteyl  des 
heres  by  ome  im  lande  zu  francken ;  das  behilt  her  lange  unnd  meynte 
zu  czene  uff  bobenberg  adir  wirczburg;  dar  zu  wolden  ome  helffe  dy 
margrafen  von  brandenborg.  In  des  besorgeten  sich  dy  von  nornberg,11 

•  —  mhd  bcschidekeit  stf.  (v.  Adj.  beachlde  =  schlau)  =  „Schlauheit". 
10  Mellingen,  Flecken  im  Verwaltungabez.  Weimar  im  GroMsherzogtum  Sachsen, 
schon  öftere  erwähnt.  11  Es  ist  die  Fehde  zwisch.  Markgraf  Albrecht  v.  Brandenburg 
nebst  s.  Verbündeten  gegen  Nürnberg  gemeint,  die  aber  erst  in  das  Jahr  1449  fallt; 
näher  schildert  sie  Härtung  Kammermeister,  h.  v.  Reiche,  S.  97 — 99.  Siehe  auch 
Chroniken  der  deutschen  Städte:  Die  Chroniken  der  fränkischen  Städte:  Nürn- 
berg, 2.  Bd.,  1864:  V  Nürnbergs  Krieg  gegen  den  Markgrafen  Albrecht  (Achilles) 
von  Brandenburg  1449  u.  1450:  Kriegsbericht  und  Ordnungen,  zusammengestellt 
von  Erhard  Schürstab,  h.  v.  F.  v.  Weech,  S.  93-534;  bes.  S.  414  u.584. 


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204.  und  205.  Stück. 


255 


unnd  brochten  zu  sammene  mit  andern  oren  vorbunden  steten  XII 
tu8ent  man,  unnd  meynten,  hetten  dy  von  brandenborg  ufi  dy  stiffte 
geczogen,  so  wolden  sy  dy  wile  or  lant  dort  haben  in  genomen.  Also 
wart  es  getaget  unnd  uff  genomen.  Unnd  es  nete  sich  vaste  deme  tage 
egidii,  der  do  geleit  unnd  berufen  was  keyn  molhusen,  czwusschen 
deme  alden  hern  unnd  den  vitczthum  unnd  etlichen  grafen  etc. 
ßinnen  der  czit  buweten  dy  von  erfforte  torme  greben  unnd  krumme 
thor,  unnd  befretten  sich,  unnd  vor  sogen  sich  steteclich  kriges. 


204.  Hy  was  der  tag  czwusschen  deme  alden  hern 
unnd  deme  jungen  hern  gehrudere. 

Ufi  den  tag  egidii  quam  der  aide  herre  keyn  erfforte  mit  sechs 
hundert  pferden  unnd  bleib  ubir  nacht  do.  Den  andern  tag  czoch  her 
kein  molhusen,  unnd  schickte  sich,  das  der  junge  herre  uff  deme  felde 
zu  ome  quam,  unnd  czogen  nochenander  in  dy  stad,  der  aide  herre 
vor,  der  junge  herre  noch  mit  orem  volke;  der  junge  herre  hatte  by 
dry  hundert  pferden  adir  en  wenig  meha  |  Unnd  logen  aldo  zu  mol-  v 
husen  dry  wochen,  unde  teydingeten  tegelichen  von  nuyn  vor  mittage 
biss  zu  funffen  des  abendes  zu  den  barfussen  zu  molhusen,  unnd  ny~ 
mand  konde  erfare,  was  sy  teydingeten,  unnd  hatten  gerichte,  unnd 
richtens  dorch  enander,  der  lantgrafe  von  hessen,  margrafe  frederich 
unnd  margrafe  albrecht  von  brandenborg,  das  nymant  wüste,  wy  es 
sich  schicke  wolde,  unnd  schiden  zu  letczt  ane  ende.  Also  czoch  der 
aide  herre  mit  sinen  grafen  wider  uff  erfforte,  uff  den  fritag  mauricii,1 
unnd  von  stunt  uff  den  sonabent  dar  noch  quam  margrafe  albrecht  von 
brandenborg  ouch  keyn  erfforte,  des  was  dy  schult  sere  gewest,  als 
man  sayte,  unde  hatte  dy  richtunge  vaste  gehindert  zu  molhusen.  Dy 
czwene  fursten  logen  zu  erfforte  dry  tage  mit  oren  grafen,  unnd  des 
jungen  hern  rethe  enteyl,  der  von  swarczburg,  unnd  stochen  do  czwene 
tage  mit  glevelingen,2  unnd  ouch  mit  krön8  eynen  tag,  unnd  machten 
do  mit  der  stad  erffort  hulffe  unnd  rath  eyne  gutliche  richtunge. 


205.  Von  der  czweytracht  der  czweyer  hrudere 
herczogen  frederichs  unnd  herczogen  Wilhelms. 

Als  man  schreib  nach  criatus  gebort  tusent  vierhundert  unnd  1450 
funffczig  jar,1  do  was  das  güldene  jar  unnd  eyne  grosse  romfart.  In 

204.  1  Freitag  d.  22.  September  1447.  Der  Tag  von  MühlhauHcn  ist  von 
Stolle  sehr  ungenau  behandelt;  ausführlicher  berichtet  über  ihn  Härtung  Kammer- 
meiHter,  h.  v.  Reiche,  S.  89—90.  *  Deminutiv  von  gleve  =  „Lanze"  (s  St.  22  A.  1). 
8  D.  h.  mit  stumpfen  Turnierlanzen,  die  anstatt  der  Spitze  ein  gezacktes  Kröulein 
tragen. 

205.  *  Die  Jahre  1448  u.  1449  überspringt  Stollo  gänzlich;  da*  Folgende,  die 
Jahre  1450—1451  betreffend,  ist  von  ihm  auch  sehr  ungenau,  mindestens  un- 


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256 


205.  Stück. 


denie  selben  jare  was  ouch  eyn  gemeyne  sterben  im  lande  zu  doringen 
wind  zu  erffort,  also  das  vaste  bürgere  enweg  czogen  mit  oren  frowen 
unnd  kindern  uss  der  stad  in  dy  andern  stete  kein  czwickuw2  in  das 
osterlant  unnd  wenig  in  doringer  laut,  wanne  der  junge  herre,  herczoge 
Wilhelm,  in  doringer  lande  was  der  stad  |  Krftort  etwas  wedder  üeyme- 
liehen,  darumme  das  sy  omo  dy  vitczthum  nicht  wolden  beiden  vor- 
tey dingen.  Unnd  dy  von  erffort  bilden  sieh  vaste  au  den  alden  hern, 
der  was  or  gute  frunt  unnd  hilt  iss  mit  on  unnd  thet  synem  bunde,^ 
gelobede  unnd  breft'en  gnug,  unnd  der  junge  herre  nicht,  sundern  her 
liss  uff  dy  stad  erffort  roube  dorch  sin  laut  uss  sinen  steten.  Dy  von 
erffort  schenckten  deme  jungen  hern  unnd  geben  ome  vele  geldes  unnd 
silbers  zu  ge  schenke  unnd  vorbunden  sich  ouch  mit  ome  mit  treff- 
lichen breffen  1  unnd  eyden«  her  sohle  dy  oren  glich  helflen  beschormen 
unnd  vorteydinge,  als  sine  eygen  manne.  Der  junge  herre  sach  dorch 
dy  fingere:  her  nam  von  den  von  erfforte  das  gelt,  silber  unnd  golt  zu 
ge  schoncke,  unnd  liss  sy  gliche  sere  vor  folgen,  schinden  unnd  rouben. 
Gräfe  heinrich  von  swarczburg  was  der  von  erfforte  gute  frunt,  der  teth 
des  selbigen  glichen  ouch,  der  hilt  der  von  erfforte  tiende  uff  in  synen 
steten  unnd  liss  sy  uff  sy  roube.  Gräfe  adolff  zu  thonna,  grafe  sege- 
munt  zu  glichen  worn  der  stad  erfforte  gram  unnd  toten  ouch  also, 
unnd  totens  selber.  Einer,  genant  lips  von  beiden,5  der  was  der  stad 
erffort  fient;  deme  hulffen  dy  grafen,  unnd  rieten  ome  heymelichen. 
Das  werte  etliche  czit.  Dy  .stad  erfforte  dulte  das  gutlichen.  Kss  machte 
sich  nicht  lange  dar  nach,  der  aide  herre,  herczog  frederich,  hatte  fede 

glcichmässig  behandelt,  auch  chronologisch  Rehr  verwirrt;  Stolle  kann  daher  für 
eine  wissenschaftliche  Behandlung  gerade  jener  Zeit  nur  für  Einzelheiten  massgebend 
»ein.  Die  folgenden  Bemerkungen  erläutern  selbstverständlich  das  nur  in  der 
Chronik  Stehende,  ohne  die  Löcken  auszufüllen.  Nur  sei  noch  bemerkt,  das» 
das  Magdeburger  und  Weimarer  Staatsarchiv  mehrere  für  diese  Zeit  wichtige  Ur- 
kunden enthalten,  sowie  dass  die  im  Magdeburger  Staatsarchiv  liegenden  Libri 
dominorum  (Erfurts),  III  IM.  (1448—1455),  sowie  Urkunden  und  zahlreiche 
Originalsehreiben  im  Stadtarchiv  zu  Erfurt,  und  solche  andere  Urkunden  (die 
im  III.  IM.  des  UE  abgedruckt  werden  sollen)  für  eiue  wissenschaftliche  Ge- 
schichtsschreibung, welche  diese  Zeit  zu  schildern  unternimmt,  eine  reiche  Aus- 
beute liefern  und  eine  solche  erst  ermöglichen  werden.  —  Über  das  Jahr  1450 
als  Jubeljahr  s.  Härtung  Kammermeistor,  h.  v.  Reiche,  S.  127  tf.  •  D.  i.  Zwickau 
im  Königreich  Sachsen.  a  1450,  Sonnabend  nach  Mariae  Heimsuchung 
(4.  VII  1450) :  Friedrichs,  Kurfürsten,  Schutzbrief  für  die  Stadt  Erfurt  während 
des  Krieges  mit  seinem  Hruder  Wilhelm:  im  Felde  bei  Molsdorf  (im  Magde- 
burger Staatsarchiv);  desgl.  Libri  dominorum  III  fol.  89:  Der  Hat  bekennt,  dass 
Herzog  Friedrich  sich  mit  ihm  so  lauge  verbinde,  bis  ihrer  beider  Sache  zu 
einem  guteu  Ende  gekommen  9ei.  4  Nicht  recht  glaublich,  da  der  Rat  (Libri 
dominorum  III  fol.  81  —  Staatsarchiv  in  Magdeburg)  IVa  p.  corp.  Christi  18.  VI) 
1450  das  Ansinnen  abgelehnt  hatte ,  dem  Herzog  Wilhelm  gegen  Kurfürst 
Friedrich  l>eizustehen.  n  Einer  der  grimmigsten  Feinde  der  Stadt  Erfurt  unter 
den  kleinen  Dynasten  Thüringens.  In  den  libri  dominorum  (s  ob.  A.  1)  findet 
sieh  der  Fehdebrief  des  (trafen  Heinrieh  von  (jleiclien  an  Lips  von  Herde 
(III  fol.  51),  sab.  post  Laetare  (21.111)  14ö0;  ebenso  viele  Briefe  (im  Erfurter 
Stadtarchiv)  betr.  Lips  von  Herde,  dabei  auch  ein  Verzeichnis  der  Feinde  der 
Stadt  Erfurt,  darunter  die  Gleichonschen  Grafen  Adolf  v.  Ton  na  und  Siegmund. 


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205.  Stuck. 


257 


schafft  zu  grafen  heinriche  von  swarczburg,0  das  was  umme  dy  bürg 
swarczburg  an  der  swarcza,  dy  grafen  gunters  gewest  was  seliger;  der 
gab  sy  by  sineiu  leben  deme  alden  hern  umme  roehlitcz.7  Do  meynte 
grafe  heinrich,  her  wolde  eyn  erbe  dar  zu  syn,  von  synes  vettern,  grate 
gunthers  wegen,  unnd  kregen  sich  lange  umme  dy  burgk  mit  eynem 
ritende  krigc  Der  aide  herre  spisete  |  dy  borg  uss  eifl'orte  unnd  leyte  volk  v 
dar  uff,  unnd  von  deme  volke  fingk  ome  ey  ns  abe  grafe  heinrieh  von  swarcz- 
burg funflezig  man  unnd  ouch  den  houbtman;*  dy  sossen  lange  gefangen. 

Ouch  was  der  von  swarczburg  eyn  bürge  vor  dy  vitezthum,  das 
dy  solden  uss  deme  rathe  kome  des  jungen  hern,  unnd  ouch  uss  deme 
lande  czeen,  also  das  beteydinget  was;  czogen  dy  vitcztliumme  nicht 
abe,  so  sohle  der  von  swarezburgk  dar  zu  helife,  das  man  sy  vor  trebe, 
wanne  der  aide  herre  was  vormals  eins  im  lande,  unde  dy  vitezthum 
wol  en  uss  bracht.  Das  werete  nu  mit  guten  Worten  der  von  swarcz- 
burg, wanne  her  was  riebe  unnd  meehtig,  unnd  hilt  es  gancz  mit  deme 
jungen  hern  unnd  den  vitezthum,  do  alle  grafen  von  getreten  worn, 
wanne  alle  krig  unnd  ungelucke  hub  sich  von  er  apel  vitezthum. 

Ess  schickte  sich,  das  der  aide  herre  von  den  bemen  beswort  wart, 
unnd  wolden  ome,  also  meynten  sy,a  brox' an  gewinne  unnd  andere  stete, 
dy  do  rurten  an  das  laut  zu  bemen,  unnd  das  worn  dy  preger,  dy 
taberiten  unnd  ore  bosse  geselschatft,  dy  hatten  eynen  koning  ulf  ge- 
rucket.''*  Nu  worn  vel  bemisscher  hern,  dy  besten  unnd  dy  meeh- 
tigeston  in  deme  lande  zu  bemen,  dy  hildens  mit  deme  alden  hern,  dy 
worn  cristen,  so  worn  das  andere  ketezere.  Mit  den  selbigen  ketezern 
hatte  sich  nu  der  junge  herre  verbunden;  das  hatte  er  apel  vitezthum 
selber  uss  gericht,  das  sy  ome  sulden  zu  hulfl'e  kome,  deme  jungen  hern 
unnd  margrafen  bansen  von  brandenborg  ubir  dy  von  nornberg.  VVedder 
dv  selbigen  bemen  meynte  nu  zu  czene  der  aide  herre  uss  missen 

»  Kehlt  la  118. 

,;  Das  ist  der  sogen.  „Schwarzburgischc  Hauskrieg,"  welcher  in  den  „Sächsischen 
Bruderkrieg"  hineinspielt.  S.  das  i'rogramin  von  Rudolstadt,  18ti7:  B.  Alle- 
in filier,  Der  Schwarzburgische  Hauskrieg  im  15.  Jahrhundert.  —  Ende  Januar  Ul,0 
war  Graf  Günther  XXXI I.  von  Schwarzburg  gestorl)eu.  Seine  gesetzlichen  Erben 
waren  die  Grafen  Heinrich  XXXI.  von  der  Arnstadter  Linie  und  Heinrich  von 
Leutenl>erg  —  sie  begünstigte  Herzog  Wilhelm  von  Sachsen,  —  während  der 
alte  (traf  Günther  zu  seinen  Erlten  bestimmt  hatte  den  Grafen  Ludwig  von 
Gleichen  und  Herrn  Heinrich  von  Gera,  die  der  Kurfürst  Friedrich  be- 
günstigte, welchem  früher  Graf  Günther  XXXII.  am  22.  November  1448  Grat- 
schaft und  Sehloss  Schwarzburg,  die  Stadt  Königssee  und  die  Vogtei  über  l'aulin- 
zelle  verkauft  hatte,  s.  Anemüllcr  a.  a.  ().  S.  6.  So  entstand  der  Krieg;  näheres 
erzählt  Härtung  Kammermeister,  h.  v.  Iteicbe,  S.  90  — 113  (und  die  dort  angeführte 
Litteratur).  ti.  auch  Appendix  ver».  germ.  Vetero-Cellensis  Chronic.  (MSG  II) 
pag.  42b  f.  7  Stadt  im  Königreich  Sachsen  a.  d  Zwickauer  Mulde.  *  Eine 
t>cene  aus  dem  Schwarzburgischen  Ii  auskriege,  welche  Auemüller  a.  a.  O.  S.  14  er- 
zählt; der  Hauptmann  war  Edler  von  Wildenfels.  "  .Brüx,  Stadt  in  der  gleich- 
namigen Cezirkshauptmanuschaft  im  nördl.  Böhmen.  Über  den  Angriff  auf  Brüx 
s.  Palaeky.  Gesch.  Böhmens  IV,  1,  S.  235  u.  Fontes  rerum  Austriac.  Bd.  XLIl 
No.  42.  M  erheben,  befördern,  in  eine  höhere  oder  hohe  Stellung  bringen, 
s.  H.  Kückert,  Leben  des  heilig.  Ludwig,  S.  im. 

17 


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205.  Stück. 


unnd  den  zu  werne  vor  syme  schaden,  unnd  sammete  gross  volk  in 
synem  lande  unnd  sehreib  den  von  erfiort  ouch  umme  volk,  dy  legen 
na  oine  XV  glefelinge  unnd  etliche  trabanton.  Also  nu  sich  der  |  aide 
herre  gesammet  hatte,  unnd  wolde  in  beraen  czee  unnd  was  gereite  uff 
deine  czoge,  do  wart  es  gütlichen  mit  den  bomen  getaget.  Also  körte 
her  widder  umtue  unnd  wolde  heym  czee  unnd  liss  sin  volk  zu  rite. 
Dy  wile  sammete  der  junge  herre,  sin  bruder,  und  der  von  swarezburg 
volk  unnd  wolden  in  dy  voite  lant  czee  ubir  den  hern  von  gera  unnd 
in  missen  laut,  unnd  meynten  das  zu  vorterben,  unnd  hatten  gross 
volk  unnd  czogen  biss  an  dy  sal  zu  lobeda.  Das  branten  sy  uss,  das 
was  des  jungen  hern,10  des  alden  hern  son,  unnd  en  teil  des  von  gera* 
unnd  ouch  des  alden  hern ;  idoch  so  enezageten  sy  ome  vor  hin.  Also 
der  aide  herre  wedder  umme  karte,  als  is  mit  den  beraen  getaget  was, 
do  quomen  ome  dy  entseige  briffe  von  grafen  heiuriche  von  swarez- 
burg unnd  grafen  adolffe  unnd  grafen  segemunde  von  glichen  in  syn 
heer,  unnd  in  dorne  selbigen  heim  wege  czoch  her  vort  in  das  lant  zu 
doringen  by  osterfelt,11  komborg  an  dy  ihnen,  zu  rusla,  uff  madela  unnd 
meyldingen;  dy  alle  zu  sammene  liss  er  bernhart  viteztum,  des  jungen 
hern  rath,  selber  alle  abo  borne,  unnd  ouch  sine  eygene  dorffore;  das 
tetli  her  dar  umme,  das  der  aide  herre  kein  futter  solde  finde,  unnd 
der  aide  herre  teth  keinen  schaden  deme  jungen  hern,  synem  bruder, 
unnd  was  gancz  der  meynunge,  das  her  ome  keinen  schaden  wolde 
thu  an  synem  lande,  es  were  danne,  das  her  sich  wolde  an  neme,  das 
her  were  in  das  lant  komen.  Er  was  ouch  dar  umme  in  das  lant 
komen,  das  her  sine  fiende  suche  wolde.  dy  ome  entsaget  hetten,  hoffte 
her,  das  gunne  ome  wol  sin  bruder,  der  junge  herre.  Der  aide  herre 
v  czoch  in  dy  lengewitcz  by  erffort  keyn  |  ichtersshusen,12  dar  noch  vor 
ilmene11;  do  lag  her  czwene  adir  dry  tage,  nemelichen  visitacionis  marie 
unnd  peter  et  pauli;11  den  teth  her  nicht,  wanne  her  virte  dy  heiligen 
tage  alloczit.  Her  schickete  by  dryhundert  waine  in  dy  stad  erffort 
unnd  kouftte  spise  dar  inne  umme  sin  gelt  unnd  spisete  sin  her  unnd 
dy  borg  swarezborgk. 

Also  sammete  der  junge  herre  gross  volk 

zu  wissensee,  unnd  das  c/.erten  sy  in  drien  tagen  reine  uss.  So  lag 
der  junge  herre  zu  arnstete  by  deme  von  swarezborg  unnd  hatten  gross 
volk  dar  inne.    Also  dy  wayne  des  alden  hern  zu  erffort  gespiset 

lu  Es  ist  gemeint  Ernst,  der  spätere  Kurfürst,  der  Stifter  der  Erncstinischeu 
Liuie  der  Wettiner  (t  14*<>i.  "  Ausser  (Merfeld,  Städtchen  im  preuHaigcheu 
Kreise  Wehden  fels.  Rcgbez.  Merseburg,  sind  die  folgenden  Kamburg  [allerdings 
an  der  Saale,  nicht  an  der  Ilm,  wie  der  Chronist  schreibt],  N  icderrossla,  Magdala 
und   Mellingen    schon    öfters   erwähnt.  Die  Lengwitz  ist  ein  Gau  in 

Thüringen  an  der  (»bereu  Ilm  >  Lnngiiizza,  I^engvicz  steht  bei  RDThDI  ]No.  840. 
1029  '  ii.  ö.)  —  s.  Brandis,  Berg-  und  Thalnanieu  im  Thüriugerwalde.  S.  48.  — 
Ichtershausen  bei  Arnstadt,  sclxm  öfnrs  genannt.  '-;  Stadtilm,  Stadtchen  im 
Eürstentum  Scliw«rzburg-Kud<»lstndt.  a.  d.  Ilm.  11  Umzukehren:  v.  Montag 
d.  29.  Juni  «JVter-  und  Puulstag)  bis  Donnerstag  d.  2.  Juli  (Visit.  Mar.)  1450. 


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205.  Stuck.  259 

worn,  do  geleyten  sy  dy  von  erffort  mit  grosser  macht  in  dy  lenge- 
witcz,  unnd  man  besorgete  sich,  der  junge  herre  adir  der  von  swarcz- 
borg  worden  dy  spise  waine  an  rynne  unnd  or  Heil  vor  suche.  Do 
worn  dy  von  erflort  gancz  rüstig,  dy  hern  hatten  ouch  zu  arnsteto 
wenig  spise,  sy  konden  do  nicht  geniale,  dy  inollen  worn  zu  brochen. 
Unnd  des  alden  hern  her  brach  uff  vor  ilmena,  unnd  czogen  don  spise 
wain  en  kein,  unnd  wart  also  in  das  her  bracht  mit  behendickeit,  wy 
das  man  dy  waine  wolde  unime  werffe,  das  das  her  uff  brach,  wanne 
sy  hatten  etliche  hofelute  zu  ilmena  vor  legen,  dy  konden  nicht  er  uss 
korae,  dy  worden  do  loss.  Dy  waine  quomen  in  das  heer,  unnd  vort 
uff  swarczburg,  wanne  sy  fürten  spisse;  alle  dy  stete  im  lande  zu 
doringen  konden  sy  nicht  eine  wochen  gespisset  habe,  unnd  das  toten 
dy  von  erffort  ufl  einen  tag,  unnd  was  au  unser  lieben  frowon  tago 
visitacionis ;  do  muste  man  male  unnd  backe.  Also  ezoch  des  alden 
hern  her  unnd  logerte  sich  zu  |  molstorff'15  in  das  dorff;  do  lag  her  134 
anderthalben  tag,  unnd  ezoch  wedder  vor  ilmena. 

Dy  von  erfforte  entsageten  den  czwen  grafen  von  glichen, 

grafen  adolffe  unnd  grafen  segemunde,  am  dinstage  noch  sente  ulrichs10 
tage.  Dy  hatten  der  stad  erffort  vele  uberlastes  gethon,  unnd  czogen  uß 
dy  mittewochen  kyliani17  fru  uss  erfforte,  unnd  logerten  sich  gensit  . 
dy  borg  glichen  in  das  feit,  by  des  alden  hern  her,  unnd  logen  do  by 
deine  hern,  wanne  der  aide  herre  wolde  nicht  an  heben  zu  stormene 
nach  zu  gewinnene,  her  hetto  danno  vier  wochen  gelegen  im  lande 
unnd  strites  gewort.  Dy  von  erfforte  brauten  den  grafen  ore  dorffere 
abe  unnd  pochten1"  dy,  ingerssleuben,  sulczebrugken,11*  ordorff,  borg- 
tunna,  gretetnnna  etc.  unnd  marttlecke  zu  samene  by  XX  adir  meer. 
Dy  wile  samraeten  sich  der  von  glichen  nienre  uss  den  dorffern,  unnd 
dy  grafen  mit  on,  unnd  branten  dy  erft'ortschen  dorffer  frinstete,20  notte- 
leyben,  kercheim  etc.,  dry  adir  vier  dorfter.  Also  schickte  der  aide 
herre  grafen  ornsten  von  glichen,  der  eyn  kostlicher  wiser  man  was, 
unnd  den  jungen  hern  von  gera  in  dy  stad  zu  erffort  an  den  rath, 
unnd  mutten  unnd  begorten,  das  dy  stad  erffort  mit  ome  wolden  an 
stee,  sy  wolden  uff  beide  partie,  des  jungen  hern  unnd  des  von  swarcz- 
purges,  fient  werde  unnd  or  geschuteze  dar  zu  leen,  wanne  her  hatte 
nicht  vele  geschutezes  mit  ome  genomen,  sundern  manschafft  hatten 
sy  gnug,  das  was  uff  den  fritag  kyliani/1  unnd  des  bereten  sich  funt 

K>  Molndorf,  Pfarrdurf  hu  Landratsamte  Gotha  dos  Herzogtums  Saehsen- 
Koburg  und  Gotha.  Nach  der  oben  A.  3  angeführten  Urkunde  blieb  Friedrich 
bis  Sonnabend  den  4.  Juli  1450  dort.  "r  7.  Juli  1450.  ,:  8.  Juli  1450. 
,H  Mhd  bochen  =  ind  pochen  (auch  puchen)  =  ^Kindern'',  s.  BE  »S.  147  ff.  Von 
den  genannten  sind  Ingersleben,  Burg-  und  Gräfentonna  schon  genannt,  dann 
noch  Sulzcuhrückcn,  Dorf  im  Land ratsamt  Gotha  des  Herzogtum»  Haehsen-Koburg 
und  Gotha;  Ohrdruf  ist  ein  Städtchen  im  gleichnamigen  Landrataamt  elienda. 
*"  Frienstedt,  Nottlelten  und  Kirchheini  sind  preuMS.  Dörfer  im  LandkreiHe  Erfurt. 
11  10.  Juli  1450. 

17» 


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260 


205.  Stück 


rethe22  zu  erffort  unnd  dy  gemeine,  nnnd  wolden  des  nicht  thun, 
v  sundern  oren  bunt  keyn  |  deme  jungen  hern  unnd  von  den  von  swarez- 
burg halde,  unnd  ober  sy  nicht  helffe,  sy  hüben  danne  an.  Also  brach 
der  aide  herre  mit  synem  here  uft,  unnd  coch2-5  wedder  heimwart,  von 
thunna  uff  gebese,  zu  deynstete,  zu  der  numburg  zu,  wanne  dy  rede 
ging,  \vy  der  junge  herre  vor  czitcz  lege,  das  meynte  der  aide  herre 
zu  redene.  Unnd  uff  der  selbien  reisse  do  branten  sy  den  uuwen  raart, 
bottel stete,24  unnd  vele  dorffere  unnd  landes  vor  terbeten  sy.  Noch 
margarete25  do  branten  dy  von  glichen  den  von  erfforte  ynehant2'*  ore 
doifiere,  wanne  dy  von  erfforte  hatten  sich  nicht  wol  noch  uff  hofe- 
werg2<:  gericht,  unnd  musten  das  vor  see,  ouch  so  wolden  des  alden 
hern  gewaldien  nicht  lenger  in  deme  lande  bliben,  wanne  der  aide  herre 
Avas  ane  oren  rath  in  das  lant  zu  doringen  geczogen  unvorsenlich. 
Hotten  ome  dy  grafen  von  swarezburg  unnd  von  glichen  nicht  ent- 
saget, do  her  noch  in  missen  was,  so  were  her  in  ditcz  lant  uff  sy  nicht 
geczogen.  Dy  von  erfforte  wüsten  ouch  nicht  dar  von,  wanne  do  her 
an  dy  sal  keyn  komborg  quam;  unnd  hetten  ome  dy  von  erftort  wolt 
helflen  wedder  den  jungen  hern  unnd  den  von  swarezburg,  mit  ge- 
schuteze  unnd  manschaff't,  so  hette  her  den  von  swarezburg  vor  terbet 
in  grünt,  unnd  ouch  enteil  des  landes  zu  doringen.  Des  wolden  dy 
von  erftort  nicht  thun,  sundern  brot,  trang  unnd  spisse  vor  koutt'ten  ome 
dy  von  erffort  um  nie  or  gelt.  Also  hetten  dy  von  erfforte  deme  jungen 
hern  ouch  gethon,  hette  her  ess  begert,  wanne  man  liss  des  jungen 
hern  volk  unde  des  von  swarezpurges  volk  uss  unnd  in  cehe  zu  erfforte, 
las  das  sy  konftten  unnd  vorkoufften,  was  |  on  uod  was,  unnd  wereten  des 
nicht.  Aber  den  von  erfforte  geschach  vaste  schaden  an  oren  dorffern. 
Uss  deme  dorfte  ingerssleuben,  do  worn  stende  bieben  etliche  hofe  der 
erbarn  unde  drissig  hussere,  umme  strichen  schaden,  den  sy  toten;  dar 
umme  so  czogen  dy  von  erffort  uss  unnd  vorterbeten  allerdinge 
das  dorff  ingerssleuben,  do  der  schade  uss  geschach,  unnd  ouch 
gunderleuben 27  das  dorff,  unnd  fingen  vaste  volks  dar  inne,  unnd 
brachten  vele  vihis,  pferde  unnd  kuwe,  unnd  spiseten  als  balde  or  sloss 
molborg. 

??  Nach  Ausbildung  der  Rats  Verfassung  gab  es  in  Erfurt  einen  fünfjährigen 
Ratstransitus.  d.h. die  im  Kate  sitzenden  ßürger  zerfielen  in  5  Räte,  von  denen 
immer  einer  ein  Jahr  regierte,  der  sitzende  Rat;  bei  besondere  wichtigen  An- 
gelegenheiten traten  aber  die  5  Kate  zur  Beratung  zusammen,  sogar  bisweilen 
noch  verstärkt  durch  Vertreter  der  Gemeinde,  wie  hier.  5:1  Reiche  i.  s.  Ausgabe 
des  Härtung  Kammermeister  S.  1U»>  A.  1  nennt  dies»'  Kückzugslinie  Kurfürst 
Friedrichs  die  natürliche  über  Gebesee,  Tennstädt  (Stolle:  Deynstete;  preussische 
Stadt  im  Kreise  l^angenealza)  und  Naumburg.  ''  Neumarkt  und  Buttelstedt 
liefen  im  Grossherzogtum  Sachsen,  Verwaltungsbezirk  Weimar  bezw.  Apolda. 
•  Also  nach  dem  I H.  Juli  1450.  -M  .Und  „inhanl"  —  md  „ynehant",  adv., 
„zuweilen,  hier  und  da ''  '"!  hove-were,  inhd,  stm.  „berittene  Krieger,  Reisige." 
v;  Günthersleben,  Dorf  im  Kreise  Gotha  des  Herzogtum»  Sachsen -Koburg 
und  Gotha. 


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205.  Stück. 


261 


Hy  czoch  der  junge  herre  vor  gera 

mit  grossem  volke,  unnd  hatten  sieh  vor  graben  da  vor,  nnnd  meynten, 
des  alden  hern,  synes  bruders,  da  zu  beyten  unnd  mit  ome  zu  striten; 
der  aide  herre  quam,  unnd  coich  zu  ome  also  nahe,  das  sy  beyde  uss 
eyme  flure  futterten,  unnd  logen  keyn  einander  etliche  tage.  In  der 
selbigen  czit,  do  schickte  sichs,  das  das  volk  uss  beyden  hern  quam  zu 
sammene  in  der  trencke,  unnd  des  jungen  hern  volks  was  mee  danne 
des  alden  hern,  unnd  slugen  sich  miteinander.  Also  wart  grafe  lode- 
wig  von  glichen,  eyn  fromer,  trefflicher  herre,  von  des  jungen  hern 
mannen  gefangen;  den  liss  der  junge  herre  zu  wida28  in  den  thorm 
setcze,  unnd  mit  henden  unnd  mit  fussen  uff  slaen,  also  einen  obel  tether. 
Dar  umme  retten  etliche,  des  jungen  hern  graten,  rittere  unnd  knechte, 
unnd  meynten,  der  gefangene  were  eyn  grafe,  man  solde  on  nicht  also 
hart  setcze;  sy  wern  itczunt  ouch  by  ome;  ab  man  sy  oueh  finge,  so 
worde  man  on  ouch  also  thun;  do  wolden  sy  nicht  by  syn.  Unnd  des 
czogen  etliche  heym,  neinlichen  [  grafe  heinrich  von  honsteyn  unnd  sine  v 
man.  Also  logen  dy  beyde  her  vor  gera,  biss  so  lange  das  der  junge 
herre  uff  brach,  unnd  czoich  in  mi9ser  lant. 

Hy  czoich  der  junge  herre  in  das  lant  zu  missen  mit  syme  here 

unnd  vorterbete  vele  dorffere,  also  man  meynte  meher  danne  funff  adir 
sechs  hundert  dorfter.  Der  aide  herre,  sin  bruder,  czoich  ome  noch, 
unnd  ruuste  syme  brudere  gunnen,  das  her  syn  lant  also  vorterbete, 
wanne  der  junge  herre  was  deine  alden  hern  ubir  legen  mit  roysigem 
geczuge  unnd  volke,  wanne  herczoge  ernst,  des  alden  hern  sou,  hatte 
vele  volks  kein  deme  margrafen  von  brandenborg  in  der  roarg,  dem« 
gewan  herczoge  ernst  vele  volks  abo  unnd  vele  baner  hern,  ritter- 
mesige  luyte,  unnd  eyne  grosse  nedder  löge  geschach  do  deme  mar- 
grafen von  brandenborg,29  also  das  sich  des  das  gancze  lant  zu  missen 
frowete,  unnd  sungen  messe  unnd  lobeten  got.  Der  junge  herre  tet 
deme  alden  hern  vaste  schaden,  von  keranitcz  biss  an  liptcz,  czohon 
mile  lang  unnd  vier  adir  funfe  breit.  Dor  aide  herre  logerte  sich  by 
liptcz  uff  czwene  orte,  unnd  lag  alda  gar  nahe  dry  wochen.  Der  junge 
herre  czoch  umme  her  im  lande  unnd  brante,  unnd  wante  sich  unnd 
czoch  vor  czitcz. 

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3*  Die  schon  öftere  genannte  sacbsen-weimariBche  Stadt  Weida.  m  Es  ist 
dor  Krieg  des  Kurfürsten  Friedrich»  II.  von  Saehsen  gegen  Kurfürst  Friedrich  II. 
vou  Brandenburg  in  der  Lausitz  geraeint.  Hierüber  8.  u.  a.  Riedel,  codex  diplon». 
Braudenburgensis  B.  IV  S.  437.  437.438.  438-440.  445—451  u.  451^456.457  -  460. 
460,  die  Ereignisse  vom  28.  Juni  1450  bis  zum  28.  Januar  1451  behandelnd; 

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2K2 


206.  bis  209.  Stück. 


206.  Hy  lag  der  junge  herre  vor  ezitcz 

unnd  stormote  das  dos  nachts,  unnd  schoss  für  in,  unnd  brante  dy 
vorstad  unnd  das  closter  zu  sente  steffau,1  unnd  dy  fromen  lute  er- 
woreten  sich  kume,  unnd  dy  für  ptile,  dy  in  dy  stad  quomen,  dy 
werckten  nicht.  Das  lant  unnd  dy  dorfl'er,  das  dar  urame  was,  das 
vortorbcte  her  reyne  unnd  muste  abo  lossen  von  der  stad.  | 

207.  Hy  ezoch  der  junge  lierre  wedder  vor  gera 

unnd  logerte  sich  da  vor  unnd  vor  terberte  das  gerische  lant  gancz 
unnd  gar.  unnd  stormete  gera,  unnd  der  von  gera'  was  selber  in  der 
stad,  unnd  dy  nienre  in  der  stad  betten  sich  ertlichen  ergeben,  were 
der  herre  von  gera  mit  syner  mansehaflt  nicht  selber  dar  inne  gewest. 
Also  muste  der  junge  herre  abe  losse, 

unde  ezoch  vor  borgow- 

am  sontago  vor  laureneiP  unnd  wolde  das  storme.  Also  gap  der  voyt, 
der  dar  ufto  was,  das  von  sich,  wanne  dy  inenro,  dy  dar  uffe  worn, 
dy  wolden  ome  nicht  helffen.  Also  brante  her  lobeda4  unnd  das  dorff 
borgow. 


208.  ITy  ezoch  der  junge  lierre  vor  ldanekenliaiu 1 

unnd  logerte  sich  dar  vor,  unnd  dy  dar  inne  worn,  dy  wereten  sich 
also  ritterlichen,  unnd  was  eyner  dar  inne  von  orlaraunde,  unnd  das 
man  meynto,  sy  mochten  mit  eren  wol  rittere  worden  syn  dar  uffe. 


209.  Hy  ezoeli  der  aide  lierre  wedder  in  doringen. 

Hy  er  hub  sich  der  aide  herre  von  lipez  unnd  hatte  vele  volks 
gesamiuent,  unnd  hatte  vele  bemen  uff  genomen  zu  solde,  unnd 
ezoch  wedder  herwart  in  das  lant,  unnd  logerte  sich  vor  wissonfels. 
Do  lag  her  vier  tage  unnd  ouch  vor  friburg  unnd  vorbrante  das  lant 
dar  ummeher  gancz  abe,  mochole  unnd  luchow1  etc.,  unnd  greift*  den 
bisschoff  von  inersseborg-'  an,  der  was  von  ome  getreten,  unnd  was  sin 

20«.  1  Bei  der  Kirche  des  heiligen  Stephan  zu  Zeitz  plante  Bischof  Dietrich 
von  Naumburg  (1111 — 1123)  ein  Augustiner- Chorherrnstift  einzurichten  (1119), 
wurde  aber  vor  der  Ausführung  ermordet;  s.  2.  Nachfolger  Bischof  Udo  (1125 
bis  1148)  stiftete  ebenda  ein  Nonnenkloster,  8.  HDThl)  I  No.  1140.  1577. 
157* 

207.  '  Der  ob.  St.  20t  A  6  erwähnte  Heinrich  Herr  von  Gera.  -Burgau, 
Dorf  im  Verwaltungsbezirk  Apolda,  im  Grossherzogtum  Sachsen.  s  9.  August 
1 4r>0.  '  Stadt  im  Verwaltungsbezirk  AjM)lda,  im  Grossherzogtum  Sachsen,  mit 
der  an  eiwm  steilen  Jiergabhang  liegenden,  noch  jetzt  gut  erhalteneu  Lobdaburg. 

20S.   1  Stadt  im  VerwaltunirsW.irk  Weimar  im  Grossherzogtum  Sachsen. 

*20».  '  Mücheln,  Städtchen  im  preuss.  Kreise  Querfurt,  Kegbez.  Merseburg; 
elwiida  liegt  das  Städtchen  Laucha.       ■  Johannes  IV.  Hoff/mann  1447—1451. 


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209.  Stück. 


26S 


orbirster  hemolicher  rath,  den  wolde  her  reyne  vorterbet  habe,  der  vil 
in  gnode  unnd  gab  ome  vede  geldes  unnd  dingete  mit  ome.  Her 
czoch  vort  vor  nebra3  unnd  nam  das  wedder  in,  das  hatte  |  vor  der  v 
junge  herre  in  genomen  unnd  vorterbet,  unnd  czoch  vort  vor  Eckers- 
berge, unnd  was  do  ezwissohen  was,  huhow,  wye,  bebra,  rassenbergk 
etc.,  alle  dorffere  vorbrante  her  reyne.  Er  vor  brante  ouch  eckersberge' 
dy  stad,  butstete,  rudofflssdorff,  brampach,  ouwerstete,  nehusen,  unnd 
grosse  mechtigo  dorffere  unnd  stetchene,  wol  also  gut,  also  alle  dorffere, 
dy  in  deine  lande  zu  missen  vorterbet  worn.  Her  vor  dingete  ouch 
kollede/'  voylsborg,  spreten  etc,  dy  geben  vele  geldes.  Her  sammeto 
grosse  habe  in  der  ouwe  unnd  in  dorne  virteil  des  landes.  Dy  wilo 
lag  der  junge  herre  vor  blanckenhain.  Also  her  vor  nam,  das  der  aide 
herre  in  das  lant  komen  were,  do  brach  her  uff  unnd  wolde  ome 
enkeyn  czee  unnd  ome  were.  Do  entreit  unnd  entlifl  deme  jungen 
hern  vaste'*  synes  volks,  wanne  das  volk  was  mude  worden  des 
erreezehens.  Also  czoch  her  keyn  wymar,  unnd  rugete  do  dry  adir 
vier  tage  unnd  sante  noch  den  von  erffbrte  unnd  bath  sy,  das  sy  ome 
hulfte  teten  mit  gelde,  unnd  bat  sy,  das  sy  deine  alden  hern  kein  brot 
adir  spisse  vorkouffen  wolden,  das  wolde  her  umme  sy  vordyene,  so 
hoffte,  her  wolde  on  wol  uss  deme  lande  brengen;  wolden  sy  des  nicht 
thun,  so  fugeten  sy  ome  den  schaden  zu,  des  wolde  her  sich  an  on  er 
hole.  Dy  von  erffort  worn  betreten,  unnd  hatten  gnug  zu  schickon, 
das  sy  sich  bewarten,  unnd  sprechen,  sy  wolden  deme  alden  hern  nicht 
heißen  wedder  on,  noch  ome  wedder  den  alden  hern,  sundern  futter 
unnd  brot  |  wolde  sy  on  beyden  vorkouffen,  was  sy  über  sich  hetten,  i»* 
sundern  sy  hetten  gerne  zu  richtunge  beyder  hern  geroten.  Der  junge 
herre  hette  dy  von  erffort  gerne  by  sich  brocht,  das  sy  deme  alden  hern 
abe  unnd  ome  zu  geleget  hetten;  des  wolden  sy  nicht  thun,  sundern 
sy  werns  gerne  gliche  luthe  gewest,  eyme  geton  also  deme  andern. 
Das  wolde  der  junge  herre  nicht  vor  gut  uff  uome,  Also  in  dor  czit, 
de  wile  der  junge  herre  mit  den  von  erffbrte  tagete,  so  orloubete  der 
junge  herre  synen  mennern  uff  deme  lando,  das  eyn  iglicher  soldo 

3  Die  meisten  Ortschafton  —  über  mehrere  derselben  s.  die  lehrreiche 
Abhandlung  von  Georg  Schmidt.  Die  Siedelungen  an  der  Uainleite,  Schmücke- 
Schrecke  und  Finne,  Mi«,  d.  Vor.  f.  Erdkunde  in  Halle  a.  8.,  1900  ,  8.  22  ff.  — 
sind  schon  oft  genannt,  auch  Bebra,  Dörfchen  unmittelbar  bei  Sondershausen, 
Rassenbergk  ist  wohl  Hartenberg,  oft  schon  erwähnt,  im  Grossherzogtum  Sachsen, 
Verwaltungsbezirk  Apolda.  4  AuBsor  den  bekannten  Eck  arte berga  und  Bütt- 
stedt werden  genannt  Rudersdorf,  Dorf  im  Verwaltungsbezirk  Apolda  im  Gross- 
herzogtum  Sachsen,  Brampach,  Wüstung,  südlich  von  Kölleda,  (von  Werneburg 
JAE  XII.,  1884,  S.  66  als  Wüstung  nachgewiesen),  Ouwerstete  =  Auerstedt,  das 
durch  die  preussische  Niederlage  bekannte  Dorf  im  preuss.  Kreise  Eckartsberga, 
Nehusen  —  Gross-  und  Kleinneuhausen,  i.  Verwaltungsbezirk  Apolda  im  Gross- 
herzogtum  Sachsen.  5  Kölleda,  Stadt  im  preuss.  Kreise  Eckartsberga ;  Vogels  - 
herg,  Dorf  im  Verwaltungsbezirk  Weimar,  im  Grossherzogtum  Sachsen ;  Sprötau, 
Dorf  im  Verwaltungsbezirk  Weimar  im  G  rossherzogt  um  Sachsen.  '"'  „Veste" 
istt  substant.  Adverbium,  das  sich  mit  dein  genet.  part.  verbindet,  „viel",  siehe 
auch  St.  St.  215:  der  gefangen  veste,  b.  H.  Rückert,  Leben  des  h.  Ludwig,  S.  128. 


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264 


209.  und  210.  Stück. 


syne  habe  fluchene,  wo  hene  her  konde,  in  dy  stete  keyn  erfforte  unnd 
ouch  andersswo  hen.  Also  quam  vele  gutis  in  dy  stad  keyn  erffort. 
Also  nu  solche  vorlegunge  des  jungen  horn  nicht  vor  gang  gewan,  do 
besammete  her  sich  wedder  zu  wymar  mit  grossem  volke,  unnd  logerte 
sich  an  den  evtersberg,  unnd  meynte  ye  den  alden  herrn  uss  demo 
lande  zu  tribene,  unnd  lag  do  dry  adir  vier  tage.  Do  brach  der  aide  herre 
uff,  der  lag  in  deme  felde  zu  butstete,  unnd  czoch  wedder  hinder  sich 
ufl  nebra  unnd  uff  numburg,  unnd  liss  sich  den  jungen  hern  sammene. 
Bynnen  sulcher  czit  wart  eyn  gutlich  tag  uff  genommen  czwisschen 
den  von  glichen  unnd  der  stad  erfforte  von  assumpcionis  marie  biss 
uff  den  sontag  noch  sente  bajtholomeus  tage.,;  Das  was  vele  luten  in 
der  stad  erffort  wedder,  wanne  dy  graten  hatten  uft  oren  borgen  wedder 
zu  essen  noch  zu  trincken,  unnd  thet  on  nod,  das  sy  sich  wedder  ge- 
v  spiseten.  Also  liss  der  junge  herre  sin  volk  cnteyl  wedder  J  zu  ryte, 
unnd  dy  von  erfforte  wolden  ore  borg  molborg  spise,  unnd  drabanten 
dar  uff  lege.  Do  quomen  orer  soben  an  dy  von  erffort;  dy  worn  cn- 
teyl Ups  von  herden  unnd  enteyl  ern  bossen  gesinde,  unnd  ranten  zu 
don  von  erfforte,  unnd  dy  von  erffort  jageten  sy  uff  den  kerchoff  zu 
appelstete;7  das  was  uff  dy  mittewoehen  noch  bartolomei,s  unnd  konden 
or  von  deme  kerchoff  torme  nicht  gewine.  Do  santen  sy  hinder  sich 
in  die  stad  erffort;  do  schickte  on  der  rath  hulffe,  unnd  dy  von  erffort 
meynten,  ess  were  Ups  von  herden  selbest.  dar  unime  czogen  dy  von 
erffort  also  starg  uss,  nemelichen  mit  funff  hundert  man,  unnd  schössen 
in  dy  kirchen  czu  appfelstete,  unnd  sicherten  sy  er  abe,  unnd  fürten 
sy  kein  erfforte,  einen,  genant  eyerman,  in  dy  terupniczey'  dy  andern 
in  dy  herberge  zum  traehen;10  do  logen  sy  fünf  tage,  biss  so  lange  das 
sy  kuntschaflt  brocbten.   

210.  Hy  codi  der  junge  herre  vor  remde. 

Binnen  der  czit  uff  den  tag  Johannis  decollaeionis1  czoch  der  junge 
herre  vor  remde,2  unnd  gewan  das;  das  was  graten  ernstes  von 
glichen.  Unnd  dar  noch  czoch  her  vor  blanckenhain,  unnd  meynte 
nicht  abe  zu  czenc,  her  hette  is  danne  gewunnen,  unnd  lag  da  vor 
etliche  czit,  unnd  bestalte  grosse  arbeit,  unnd  dy  in  deme  stetchen 
werten  sich  gar  trostlich2*  von  der  borg,  unnd  dy  von  der  borg  fingen 

,:  Von  Sonnabend  d.  15.  August  bis  Sonntag  don  30.  August  1450.  7  Apfel- 
städt ,  Dort  im  Landratpamt  Gotha  de*  Herzogtum*  Sachsen  -  Koburg  und 
< Intim.  *  26.  August  14f>0.  "  Temnitz  oder  Tempnitz,  auch  Temlitze  (s. 
Brandis  a.  a.  (.).  II.  S.  10),  ein  Gefängnis  (unterirdisch,  im  Rathause).  Falkenstcin. 
Civitatis  Erffortensift  bist,  erit.  et  dinloni..  17:»0,  S.  ?45,  im  Zuchtbriefe  v.  J  1350: 
„in  die  Demnitz  oder  in  den  Stork";  ebenso  8  480.  Sie  war  um  das  Jahr  1250 
gebaut,  s.  BE  S.  58.  "'  ,.Da.s  Hans  zur  kl.  Arche  Noali,  olim  z.  Drachen  ge- 
nannt.' Härtung,  Häuserchronik  der  Stadt  Erfurt,  1861.  S.  69;  jetzt  MichaehV 
strasse  :K    Hier  sollen  später  die  epistolae  obseurorum  virorum  geschrieben  ftein. 

210.  1  Sonnabend  den  2'.».  August  1450.  '  Stadtremda,  Stadt  im  Ver- 
naitung-bcziik  Weimar  i.  Grossher/.ngt.  Sachsen  '-*  Mhd  ..turaticliche",  adv., 
au -  h  „torstielielC      Lexer  s.  v.),  =  md  „toretiieh",  hier  durch  Metathesis  „tröstlich." 


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210.  Stück. 


265 


eynen  hern  von  honsteyn.  "Do  wart  is  geteydinget,  das  grafe  lodewig 
loss  wart,  unnd  dy  graten  beydo  solden  wedder  den  jungen  hern  nicht 
thun  etc. 

Dar  noch  czoch  der  junge  herre  vor  tanrode,  aber  her  stoimete 
nicht,  sundern  her  czoch  vor  nebra  unnd  schoss  für  in  unnd  brante 
das  us8,  |  aber  dy  borg  er  "werten  sy.  Dar  noch  czoch  her  an  den  U8 
salberg  by  franckow3  kein  deme  clostere  zu  der  pforten,  unnd  liss  do 
scherme  machen  unnd  meynte  sich  vor  nnraburg  zu  legen,  unde  das 
zu  gewynnen,  unnd  harrete  do  noch  den  bemen,  noch  den  hatte  her 
geschicket^  der  was  XX  tusent;  dy  logen  zu  pegow,1  unnd  worn  ge- 
czogen  dorch  das  lant  zu  missen,  unnd  hatten  grossen  schaden  gethon. 
Dy  selbigen  bemen  hisch  der  junge  herre,  unnd  schreib  on  eyn  eit- 
bruder.5  Also  czoch  her  numborg  vor  ubir  zu  den  bemen.  Do  nomen 
ome  dy  von  numbure:  vaste  wayne  unnd  volks  abe,  wanne  in  der 
stad  numborg  worn  grafe  ernst  von  glichen,  der  russse  von  groiez,'1  er 
herman  harres.  er  apel  vitczthum  von  tanrode  etc.  unnd  vele  redelicher 
ritter:  das  was  in  der  gemeynt  wochen  7  unnd  in  der  winerne:  ufl  dy 
czit  liss  der  junge  herre  dy  von  friborg  unnd  dy  von  wissenfels  den 
win  alles  abe  lesse  umme  numborg  hen,  unnd  toten  den  von  num- 
burg  grossen  schaden. 

Hy  czoch  der  junge  herre  das  drittemal  vor  dy  stad  Gera 

unnd  logerte  sich  da  vor  mit  den  bemen,  unnd  dy  bemen  worn  vor 
gewest  vor  pegow.  Do  machten  sy  vele  korbe  von  widen;  unnd  wereu 
nicht  andere  bemen  in  der  stad  gewest,  so  mochten  sy  dy  stad  ge- 
wiinnen habe.  Also  stormeten  sy  dy  stad  gera,  unnd  gewunnen  sy 
unnd  branten  sy  gancz  uss,  unnd  fingen  dar  inne  den  hern  von  gera8 
unnd  vele  redelicher  manschafft,  das  gar  clegelich  was,  unnd  vor  seen 
was  zu  mole  schemelichen.  wanne  es  was  nicht  wol  bestalt.  Es  was 
vele  volks  dar  ynne  unnd  vele  habe,  das  fürten  dy  bemen  |  alle  mitten-  t 
ander  on  weg,  unnd  der  herre  von  gera  wolde  sich  nicht  in  des 
jungen  hern  hant  gefangen  gebe,  ir  netto  her  sich  lossen  toten,  sundern 
in  des  jersicks0  hende,  des  bemschen  hern;  deme  gap  her  sich  gefangen, 
unnd  fürten  on  mit  andern  mansehafften,  den  borgrafen,  den  jungen 

3  Ungefähr  da,  wo  jetzt  die  Sanihäuser  bei  Kösen  liegen,  denn  Frankenau 
ist  eine  Wüstung  nördlich  von  Kösen  (s.  Werneburg,  OrUchaften  und  Wüstuugen 
Thüringens,  JAE  XII.,  S.  64).  Der  Herzog  Wilhelm  lies*  „Schutzdächer" 
(scherme^  bauen,  um  die  Belagerung  Naumburgs  beginnen  zu  können.  4  Pegau, 
Stadt  in  der  Kreishauptruaunscliaft  Leipzig  im  Königreich  Sachsen,  an  der 
Elster.  &  „Eidbruder"  =  Eideshelfer:  wir  ergänzen  ein  „als4*,  „als  ihr  Eid- 
bruder."  6  D.  h.  „ein  Reusse  von  Plauen",  nach  meiner  Residenz  Greiz  ge- 
nannt 1  S.  Weidenbach.  Calendarium  IIistorico-( 'hristianum,  18*5,  S.  184:  die 
Woche  zwischen  d.  1.  u.  2.  Sonntag  nach  Michaelis,  in  welcher  täglich  Messen  für 
die  Gestorbenen  gelesen  wurden.  *  Heinrieh  von  Gera  mit  seinem  ganzen 
Adel,  von  dem  die  Vornehmsten  unten  genannt  sind.  Anemüller  a.  o.  O.  8.  18 
nennt  diese  Einnahme  „das  schwärzeste  Blatt"  in  der  Geschichte  ( Jera« ,  so  grau- 
snm  hausten  die  Böhmen.  "  Jersik  —  Georg,  d.  i.  der  spätere  böhmische 
König  Georg  Podiebrad  (1457—1471). 


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26fi 


211.  Stuck. 


von  kerchberg,  den  grafen  von  orlamunde  etc.  Item  der  aide  herre 
hatte  gross  volk  bye  einander,  unnd  lag  kunie  chwo  mile  von  des 
jungen  Horn  hoir,  unnd  hetto  dy  stad  gera  wol  gereth,  unnd  dy  nein, 
dy  dar  inne  gefangen  worn,  hette  her  gewolt,  unnd  liss  dy  also  vorterbe, 
dy  hern  unnd  dy  habe,  dy  dy  bemen  vnczelich  uss  der  stad  en  weg 
brochten,  unnd  fürten  das  ussme  lande.  Unnd  do  der  schade  er 
gangen  was,  do  quomen  dy  gewaldigen  unsers  hern  von  mencz 10  in  des 
jungen  hern  heirvor  gera,  unnd  machten  do  einen  fruntlichen  tag  unnd 
gütlichen  ansteen  unnd  einen  frede,  unde  den  tag  vortoydingeten  sy  zu 
syne  zu  bamberg  uff  den  zukünftigen  sontag  reminiscere; 11  in  deine 
fruntlichen  tage  brochten  dy  bemen  das  gut  unnd  dy  hern  en  weg 
uss  demo  lande.  Item  uff  dy  selbige  czit  wart  es  ouch  gericht12  mit 
den  grafon  von  glichen  unnd  der  stad  erflorte  eyn  gutlich  tag  unnd 
ansteen  gemacht,  biss  uft  niittefaston,  wanne  dy  grafen  hatten  kein 
dorft'  meir,  unnd  dy  stad  erffort  hatte  noch  vaste  dorfler,  abir  sy  worden 
on  des  nachtes  heymelichen  an  geleyt  unnd  vorbraut;  den  goburnwart 
ouch  vorboten  von  der  stad  by  liebe  unnd  by  gute,  dy  dorffer  zu 
rumen  unnd  dar  inne  nicht  zu  bliben  etc. 


211.  Hy  czocli  der  aide  herre  unnd  der  junge  herre 
heym  |  unde  worden  wedder  gute  ffrunde. 

Also  nu  solch  frede1  geteydinget  wart,  do  czogen  dy  hern  beyde 
gebrudete  heyin  mit  orem  Volke,  unnd  hatten  nicht  vele  fromen  ge  ant1* 

Do  ezoch  kein  rome  grafe  heinrich  von  swarezburg  unnd  er  apel 
vitezthura,  dy  disses  kriges  Ursache  unnd  anhebere  warn,  unnd  wolden 
ore  sunde  bichte  unnd  bussse.  Dy  wile  machten  dy  andern  rath  geben 
fruntliche  tagekeyn  einander,  unnd  leyten  eynen  tag  keyn  nwjrseborg,  unnd 
schiden  anende,lb  sundern  sy  vorteydingeten  einen  andern  tag  keyn 

lu  (»esandto  des  Kurfürsten  von  Mainz.  Anemüller  a.  a.  (.).  S.  18  f.;  „Das 
grüsste  Verdienst  hierbei  [d.  h.  um  Herstellung  des  Friedens  zwischen  Kurfürst 
Friedrieh  und  seinem  Bruder  Herzog  Wilhelm]  erwarb  sich  Erzbischof  Dietrich 
von  Mainz,  des  röm.  Reiches  Erzkanzler.  Dieser  brachte  es  durch  sein  uneigen- 
nützig, wahrhaft  christliches  Bemuhen  dahin  ,  dass  der  Kaiser  Friedrieh  III. 
Kommissarien  |  Hans  von  Neuberg  und  Ulrich  RedrerJ  mit  Vollmacht  zur  Er- 
richtung eines  Vergleiches  ernannte,  welche  die  beiden  st  reitenden  Mächte  nötigen- 
falls unter  Androhung  d«-r  Reiehsacht  zu  Ruhe  und  Frieden  bringen  sollten." 
11  21.  März  1451.  Mi  tf asten  fiel   im  Jahre   1151  auf  den  31.  3Iürz.  Der 

Friede  zwischen  Erfurt  und  Gleichen  kam  am  Freitag  nach  Miserieordias  Domini 
(14.  Mai  Mol :  zustande;  die  Urkunde  befindet  sich  im  Staatsarchiv  zu  Magdeburg. 

211.  1  Der  I  Yiede  zwischen  Kurfürst  Friedrich  II.  und  meinem  Bruder  Wil- 
helm wurde  am  21.  Januar  M.r>l  in  Naumburg  geschlossen;  damit  endete  der 
traurige  sächsische  Bruderkrieg.  Wegen  der  Streitigkeiten  um  Schwarzburg  ver- 
zögerte sich  der  Friede  bis  Invocavit.  d.  i.  bis  zum  18.  Februar  1453,  s.  Ane- 
müller a.a.O.  S.  19.  Über  die  betr.  Vertrage  s.  Rietlei,  Cod.  dipl.  Brandenburg. 
II,  4  S.  145  II'.  ",,geanf'  ist  part.  praet.  von  enden,  mit  Rückumlaut,  fromen  ^ 
„Nutzen"  (s.  St.  ISOA.4),  also  hier:  ,.sie  hatten  nicht  viel  Nutzen  gestiftet.-' 
,b  „anetulc"  —  anc  ende  [a.  den  ScIiIues  dieses  Stückes)  ~  „ohne  Erfolg." 


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211.  Stück. 


267 


nuniburg  uff  den  dinstag  tri  um  regum.2  Dar  zu  quam  der  lantgrafo 
vou  hessen,  unnd  der  aide  herre  iag  zu  nuniburg,  so  lag  der  junge 
herre  zu  fryborg,  unnd  dy  von  nuniburg  leden  gross  gedreneknisso 
von  deiue  jungen  hern.  Nymant  torste  on  zu  fure,  noch  von  on  füren, 
unnd  worn  vaste  betreten  biss  uff  den  selbigen  tag.  Der  tag  ging  vor 
sich,  unnd  werte  by  dryen  woehen,  dar  zu  quam  margrafo  frederich 
uss  der  marg  unnd  margrafe  albrecht,  dy  logen  mit  deme  jungen  hern 
zu  friborg,  sundern  margrafe  albrecht  reyt  czwisschen  den  czwen  hern 
von  friborg  keyn  nuniburg,  unnd  musten  leuger  dacne  vierczen  tage 
stetelich  unnd  tegelich  ubir  dy  brücken  zu  kosins  ryte,  wanne  das 
gewessere  au  der  sal  was  also  gross,  das  nymant  könde  uss  kome. 
LTndo  uff  deme  selbigen  tage  worn  nicht  stete,  wanne  alleine  dy  von 
erfforte,  unnd  dy  von  lipcz.  Ess  vor  czoch  sich  gar  lange  in  den 
sachen  ;  unnd  dy  sache  hemete  sich  gar  lange  an  den  gefangen,  dy 
der  aide  herre  adir  sin  son  domo  margrafen  an  gewonnen  hatten,  dy 
wolde  der  junge  here  yledig  habe,  unnd  wolde  den  von  gera  |  unnd  » 
den  von  orlemunde,  unnd  den  borgrafen  von  kirchberg,  unnd  vole 
andere  hern ,  dy  in  der  stad  gera  begriffen  unnd  gefangen  worn,  dyo 
dy  bemen  en  weg  t'urteu,  nicht  ledig  mache,  das  danne  eynen  yderman 
unbillich  duchte,  unde  werte  also  lange,  das  margrafe  albrecht  unnd 
der  lantgrafe  von  hessen  doch  also  lange  dar  in  retten  unnd  griffen 
sich  selber  an,  unnd  brachtens  dar  zu,  unnd  underwisten  den  jungen 
hern,  das  da  billich  whs,  unnd  beteydingeten  das,  das  der  aide  herre 
sine  gefangen  gancz  unnd  gar  ledig  gap,  unnd  der  junge  herre  solde 
dy  von  gera  etc.  unud  was  zum  sehildo  geborn  were,  von  den  bemen 
euch  ledig  mache,  unnd  solden  den  eynen  tag  keyn  egra*  lege,  keyn 
den  bemen,  unnd  vor  suchten,  ab  sy  dy  künden  ledig  gemache ;  künden 
sy  der  nicht  geledigen,  so  solden  sich  dy  gefangen  losse  schatczen  uff 
or  gut  noch  orem  werde,  unnd  dy  schatczunge  sohlen  dy  dry  forsten, 
der  junge  herre  unnd  dye  czwene  von  brandenborg,  vor  dy  gefangen 
gebe;  dar  über  solden  dy  fursten  beyde  gebrudere  unnd  ouch  dy 
andern  kegenenander  aller  sache  gutlich  bericht  unnd  gc  oynit  syn, 
unnd  was  eyner  deme  andern  an  gewonnen  hette,  gutlichen  wedder 
gebe,  unnd  ouch  oren  rethen  unnd  manschafften  eyme  iglichen  was 
ome  genomen  unnd  an  gewonnen  was,  wedder  kere,  unnd  dy  czwene 
brudere  solden  nummer  wedder  eynander  gethu,  sundern  eyner  demo 
andern  behulffen  syn,  unnd  bystendig  syn  mit  liebe  unud  mit  gute. 
Es  solde  ouch  orer  keiner  vorder  me  bemen  in  das  lant  fure,  unnd 
guten  trode  ewiglichen  halde,  nach  einor  deme  andern  vorwerfte;  unnd 
dar  in  solden  geslossen  sin  alle  ore  beyder  helffere  unvordechlich,  Unnd 
b rechten  dy  czwene  |  forsten  gebrudere  zu  sammene  in  das  closter  zu  uo 
der  pforten  by  nuniburg.  Doswurndy  czwene  forsten  mit  uff  ge nickten 
tingern  zu  den  heyigen  zu  haldcn,  also  is  czwusschen  on  beteydinget 

■  rt.  Januar  1451.        ;!  Kü(*en,  der  bekannte  Badeort  an  der  Saale,  Kreia 
Naumburg.       '  Egcr  in  Bölnnen. 


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I 

268  212.  Stück. 

were.  Unde  dy  fursten  swuren  zu  sammene,  margrafe  frederich  unnd 
dy  czwene  fursten  einen  ewigen  frede,  unnd  wart  ouch  beteydinget 
ezwusschen  den  von  mim  borg  unnd  orem  bissehoffe  unnd  deme  jungen 
hern,  unnd  was  der  junge  herre  schulde  wedder  den  bisschoff  und  der 
stad  numburg  hette,  solde  her  schriftlich  zu  ou  thun ,  unnd  sy  solden 
or  antwort  dar  uff  thun;  das  solde  der  lantgrafe  von  hessen  gancz 
macht  habe,  sy  dar  uss  zu  entscheiden;  was  der  spreche,  das  solde 
denie  jungen  hern  unnd  der  stad  numburg  mit  orem  bisschofle  wol 
unnd  wee  thun,  unnd  soldens  dar  by  lossen  blibe.  Also  wart  der 
fruntliche  unnd  gütliche  tag  gemacht  von  den  forsten,  unnd  worden 
alle  ^gütlichen  entricht.  Dar  umme  wart  der  tag  zu  egra  beruffen, 
unnd  do  hene  geleget  umme  der  bemen  willen,  unnd  umme  der  gefangen 
willen  von  gern,  unnd  dy  andern  manschafft.  Uft  den  tag  reyt  unnd 
quam  der  junge  herre,  herezog  wilhelin,  mit  den  synen,  unnd  dy  bemen 
quomen  ouch  do  hen,  aber  der  sache  wart  nicht  zu  rechte  gedocht,  noch 
vorgenommen,  anders  danne  dy  bemschen  hern  sprochen,  sy  hetten  mit 
deme  jungen  herrn  nicht  zu  schicken,  sundern  mit  deme  alden  hern; 
wanne  der  do  were  ader  dy  synen,  so  wolden  sy  gerne  von  den  Sachen 
rede,  al  von  der  gefangen  wegen.   Also  ging  der  tag  abe  ane  ende. 


212.  Von  lutczeliiborgk. 

Item  bynnen  der  czit  in  dorne  jare,  als  man  schreib  nach  cristus 
gebort  tusent  vierhundert  unde  evnundefunffezig  jar,  umme  sentc 
v  johans  tag  |  des  toufers,  do  starp*  der  herezoge  von  burgundien,1  der 
do  lutezen  borg  inne  hatte,  dar  zu  danne  das  frowelin  dy  konigen,* 
herezoge  Wilhelms,  lantgrafe  zu  doringen,  elicho  gemal,  eine  neste 
erbneme,  unnd  uft  sy  gefallen  was  unnd  ouch  zu  metegift  gegeben  was. 
Dar  ummo  zu  reden,  so  schickten  beide  forsten,  herezoge  frederich  unnd 
herezoge  wilhelm  gebrudere,  als  sy  na  recht  brüderlichen  ein  worn,  dy 
edeln  unnd  gestrengen  grafen  ernsten  von  glichen,  ern  jorgeu  von 
bomberg,  unnd  doctorem  johan  von  allenblumen,  eyn  vitezthum  zu 
erftbrt,*  kein  ache;  do  quomen  des  herezogen  von  burgundien  rethe 

*  HS:  ichrplb;  m  hat  die  rUhtlge  Lc»art  (falsch  ichon  SagJttnriiu  Hhrt  .  d.  Qrafrchaft  Gleichen 

S.  L"!7>. 

I 

212.  1  Philipp  Her  Gute  hatte  Herzog  Wilhelm  dos  Herzogtum  Luxemburg 
und  die  Grafschaft  Chymai,  auf  welche  dieser  Anspruch  hatte ,  da  beide  ihm  für  die 
ihm  als  Mitgift  seiner  Gattin  Anna,  ältesten  Tochter  Kaiser  Albrechts  II.  zuge- 
sicherten 120.1  hk)  Dukaten  verpfändet  waren,  streitig  gemacht  und  den  Gesandten 
Herzog  Wilhelms,  den  Grafen  Kniet  von  Gleichen,  aus  Luxemburg  verjagt;  jetzt 
sollte  die  Versöhnung  eintreten.  •  S.  ob.  St.  H)8  A.  5  u.  11.  '  Der  Vitzthum 
i  Vicedominusi  war  in  Erfurt  ursprünglich  Vorsteher  der  Verwaltung  des 
er/bischöflichen  Hofgutes,  damals  aoer  (neben  Schultheis*  und  Vogt)  nur  ein 
richterlicher  Beamter  de«  Krzbischofs.  Über  die  Allenblumen ,  8.  St.  215  A.  4, 
326  A.  30  u.  349  A.  3. 


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218.  Stück. 


ouch  do  ben,  unnd  bilden  do  tage  keyn  einander.  Das  werte  lange 
sundern  es  wart  do  guüichen  betaget.  Also  logen  disse  teydinges 
luthe  lange  zu  ache,  unnd  quomen  uff  eine  andere  saehe  von  eyner 
friete  unnd  machten  do  also  eynen  anslag,  mit  des  berczogen  von 
burgundien  sone4  unnd  des  alden  hern,  berczoge  frederichs,  tocbter  etc. 


218.  Hir  noch  folget  \vy  der  junge  herre  den 
vitczthunimen,1  sinen  retheii.  gruin  wart,  dy  do  reelite 
Ursache  wom  disses  kriges  des  alden  unnd  jungen 

liern  gebrudei*e. 

Als  man  schreib  noch  cristus  gebort  vierezen  hundert  unnd  eyn 
unnd  fnnffczig  jar,  do  was  gesessen  eyn  jude  zu  erftort,  genant  schalam,  1451 
der  was  eyn  underkoufter3  unnd  eyn  undertolker,1'  uff  setczer4  unnd 
betriger  beyder  forsten  gebrudere  unnd  der  von  erftorte.  Der  selbe 
jude  was  ern  apels  unnd  ern  bossen  vitcztbum,  des  jungen  hern  rethe, 
heymelicher  rath,  unnd  alle  ore  heymelkeit  eyn  usstreger  unnd  erforsser 
was.  |  Der  selbe  jude  wart  von  deme  forsten,  deme  jungen  hern,  ge-  ui 
fangen  unnd  umme  syne  schalkeit  vorhort  unnd  so  sere  geworget,  das 
her  starp  in  deme  stocke.  Der  hatte  do  also  vele  bekant  der  vorgober> 
unnd  untogunt  der  vitezthum,  das  der  junge  herre  dar  uss  markte,  das 
on  dy  vitcztbum  ny  mit  truwen  gemeynt  hatten,  unnd  begunde  den 
vitcztbum,  sinen  retben,  gram  zu  werden,  unnd  besante  ern  apeln,  unnd 
schaffte  fruntlicho  tage,  unnd  liss  mit  on  rede  umme  das  sloss  koborg, 
das  her  ome  das  hatte  in  fruntliehkeit  in  getbon,  unnd  ern  bernhart 
hatte  der  junge  herre  in  gethon  das  sloss  luchtenberg,  das  her  in 
amptes  wisse  inne  hatte;  das  wegerten  sy  ome  wedder  zu  geben.  Das 

4  Der  später  so  hochberühmte  Karl  der  Kühne  von  Burgund.  Die  geplante 
Vermählung  .mit  einer  Tochter  Kurfürst  Friedrichs  II.  kam  aber  nicht  zustande. 

213.  1  Über  die  Vitztliumsche  Fehde  s.  Heinrich  Kammermeister,  h.  v.  Beielie, 
S.  113—127  u.S.  214  mit  der  dort  angeführten  Littcratur;  ferner  Appendix  vers. 
germ.  Vcteroccllensis  chronic,  b.  MS(.i  II.,  S.  427.  Manches  bietet  auch  Orig. 
Sax.  v.  Fabricius  S.  720  Die  Libri  dominorum  von  Erfurt  (Staatsarchiv  in 
Magdeburg),  welche  meint  nur  Schreiben  an  Fürsten  und  Grafen,  Bischöfe 
und  Äbte  enthalten,  Bd.  III,  144^—1455,  bieten  wenig,  z.  B.  (1451)  sabbato 
p.  Cathriu.  —  27.  XI.  Die  libri  Oominunium,  welche  die  Briefe  an  die  Vitz- 
thume  enthalten  hatten,  —  Stolle  weist  ja  auf  solche  Briefe  hin  —  sind  lür  jene 
Zeit  verloren,  denn  f»ie  beginnen  erst  1471  Hingegen  enthält  ein  Aktenfascikef 
im  Erfurter  Stadtarchiv  (XI.  A.  Nr.  2)  einige  Briefe  (Originale  wie  Kopien)  des 
Kurfürsten  Friedrich  11.  und  des  Herzogs  Wilhelm  an  den  Rat,  welch«;  für  die  ganzen 
damaligen  kriegerischen  Verhältnisse,  und  so  auch  für  die  Vitzthumsche  Fehde 
einer  wissenschaftl.- genauen  Darstellung  jener  Zeit  einige  Auslaute  gewähren 
werden.  7  Zwischenhändler.  3  Während  sonst  tolken  =■  „dollnietschen "  ohne 
tadelnden  Sinn  bedeutet,  ist  hier  wohl  das  Kompositum  soviel  als  „Zuträger.  Ver- 
leumder". '  Feindselig  —  hinterlistiger  Mensch,  hängt  mit  dem  späteren 
..aufsässig",  das  einen  milderen  Sinn  hat,  zusammen.  '"'  Vorg:il>e  mhd,  vorteil- 
hafte Stellung,  hier  mit  dem  Nebensinn  «Im  Unrechtmässigen;  es  handelte  sieh  um 
Verschlechterung  der  Münze,  s.  Liliencron  D.  bist.  Volkslieder  d.  D.,  1.,  S.  44911*. 


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270 


213.  Stuck. 


nam  der  junge  her  zu  herczen,  unnd  gedachte,  wy  getruwelich  her  on 
solche  borge  unnd  lant  ingetan  hette,  unnd  hettc  lant  unnd  luthe 
durch  oren  willen  zu  gesatczt  gross  wedder  sinen  bruder,  den  alden 
hern,  unnd  sy  vorteydinget  hette,  unnd  das  sy  onie  also  snielich  mete 
turn,  unnd  ome  das  sine  wedder  recht  vor  hilden,  das  wolde  her  reche. 
Demo  jungen  hern  wart  ouch  do  by  gar  utfenbar,  wy  dy  vitczthum 
eynen  besundern  bunt  mit  den  grafen,  rittem  unnd  knechten  gemacht 
hatten,  unnd  dar  umme  hatten  dy  vitczthum  den  jungen  hern  vor 
soest,  uss  deme  lande  zu  doringen  gefurt,  in  meynunge,  das  hererslagen 
solde  werde,  uff  das,  das  sy  unnd  dy  andern,  oro  genossen,  das  lant  zu 
doringen  mochten  besitczen  unnd  behalde.  Eyn  solches  bedochte  unnd 
betrachte  der  junge  herre,  unnd  nam  das  sore  zu  hefczen,  das  her 
v  also  gross  ungetruwelichen  |  gemeynt  wart.  Do  czoch  der  junge  herre, 
herczoge  Wilhelm,  keyn  erflorte  in  dy  stad,  das  was  umme  sente  bar- 
tholomous  tag,''  unde  liss  zu  sammeno  bethe  dy  funfl  rethe,7  dy  czwey 
stiffte,  unnd  alle  doctores  unnd  meistere,  uff  das  rathus  zu  erfforte, 
unnd  teth  do  sine  anclage,  unnd  clagete,  wy  her  dy  vitczthurae,  syne 
rethe,  gemeynt  hette  mit  ganczen  truwen,  unnd  hette  sy  vorteydinget, 
unnd  gross  uff  sy  gesatczt,  borge  land  unnd  luthe  on  in  gegeben  hette, 
unnd  sy  hetten  ouch  sin  ingesegel  vele  jar  inne  gehat  unnd  sy  dar 
mete  gethon,  was  sy  gewolt  hetten,  unnd  hilden  nu  ome  das  sine  unnd 
veterliche  erbe  vor,  wedder  got  unnd  wedder  recht;  unnd  bat  do  den 
rath  zu  erübrt,  unnd  alle  dy  da  keyn  wertig  warn,  das  sy  ome  wolden 
beroten  unnd  behelftlich  sin,  unnd  dy  vitczthum  underwisen,  das  sy 
ome  lissen  volgeu,  was  do  sin  wero,  unnd  das  her  on  gutlichen  in  ge- 
thon hette.  Unnd  also  der  junge  herre  nu  kein  erfforte  komen  was, 
do  toten  ome  dy  von  erfforte  grosse  ere,  unnd  vortrug8  sich  do  gut- 
lichen mit  der  stad  erflort,  her  wolde  or  ouch  helffe  unnd  rathe,  so 
wolde  dy  stad  ome  wedder  by  stee  noch  orer  vormoge.  Von  bethe 
wegen  des  hern,  so  schreib  dy  stad  erffort  den  vitcztbummen,  unnd 
sy  schreben  wedder  also  vel,  das  eyn  tag  gemacht  wart  keyn  kuborg. 
Do  worn  ouch  andere  hern  unnd  t'ursten  hene  gebeten.  Sy  teydingeten 
umme  dy  borg  do  selbest,  das  dy  er  apel  wolde  wedder  gebe;  des 
wolde  her  nicht  thun,  sundern  es  wart  getaget  sechs  wochen  biss  uff 
sente  mertins  tag;  in  des  solde  sich  er  apel  bedencke,  unnd  deme  hern 
das  lant  wedder  gebe  unnd  rume,  bynnen  der  czit  umme  aller  heiigen 
14*  tag.J  Do  quomen  dy  rethe  beyder  |  hern  gebrudere  wedder  von  ache, 
*dy  do  hatten  geteydinget  umme  lutczelnborg,  unnd  brochten  mit  on 
drissig  franezosen  ader  walen,  unnd  eynen  apt  genant  attrabatensis ; 10 
den  selbigen  apt  saeh  ich  dor  noch  zu  rome,  do  wart  her  eyn  cardinal 
in  deine  nunden  jare  hir  nach,  unnd  brochten  ouch  mit  on  eynen 
ritten  dy  hatten  volle  macht  umme  dy  trieto  des  alden  hern  tochter, 

,:  24.  August  1451.  '  8.  oh.  St.  205  A.  22.  *  S.  Urkunde,  1451,  Weimar, 
Montag  vor  Knuzerhöhung  (13.  Sepibr.  1451) :  Herzog  Wilhelms  Friede  mit  der 
Stadt  Erfurt  (im  Kgl.  Staatsarchiv  zu  Magdeburg).  "  1.  November  1451. 
10  Es  war  ein  Abt  aun  Arras  (Stadt,  jetzt  im  Dcpart.  Pa«  de  Calais). 


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213.  Stück. 


271 


unde  umme  das  lant  zu  lotczolnborg.  Sy  brachten  ouch  mit  on  grosse 
cleynode  unnd  vele  geldes,  unnd  quonien  keyn  erfforte.  Das  vor  nam 
er  apel  vitczthum  zu  koburg,  unnd  schreib  em  bossen  unnd  ern  bern- 
harde  keyn  cappelndorft  unud  wassonborg,  sy  solden  gedencke,  das  sy 
konden  by  dy  walen  kome,  unnd  dy  fahen,  ab  sy  urnnier  kondon  zu 
gnaden  kome.  Er  bernhart  vitczthum  richte  sich  uff'  hofewerg,  unnd 
brochte  zu  sammene  by  funffczig  pferden,  unnd  liss  vor  speten  in  der 
stad  erffort,  wanne  dy  walen  ryto  woldcn.  Do  geleyte  sy  daniel,  der 
voyt  von  gotha,  unnd  der  vitczthum  zu  erfforte  doctor  johan  von  allen- 
blumen  unnd  sin  son  wilhelm,  dy  ich  allo  wol  gekant  habe,  unnd 
wolden  ryto  keyn  numburg;  unnd  also  sy  quonien  an  den  salberg  keyn 
hassenhusen. 11  Do  er  reyt  sy  er  bernhart  vitczthum  mit  synie  hofe- 
wercke,unnd  fingsy  uff  denio  kerchoffe  zu  hassenhusen  unnd  fürte  sy  uff  das 
sloss  Cappelndorff  unnd  en  teyl  uff  luchtenberg.  Unnd  daniel,  der  voyt  von 
gota,  orgeleitsman  reyt  von  on  stille,  swigende,das  her  keyn  geruchte  machte 
biss  kein  erfforte,  unnd  «inte  eynen  boten  keyn  wymar  dorne  jungen  hern. 
Also  richte  der  junge  j  herre  gross  volk  uss  unnd  uff  dy  Strasse  keyn  deme  v 
bemer  walde  unnd  vor  lag  dy,  also  das  man  dy  gefangen  nicht  konde  uss 
deme  lande  breiigen;  unnd  der  junge  herre  liss  als  Balde  der  vitczthum 
borge  vor  rynne,  nemelichen  capellndorff,  dorneborg,  luchtenberg,  Wassen- 
berg, koburg,  unnd  andere  ore  festou,  wo  sy  dy  hatten,  also  rischlich, 
das  sy  sichs  nicht  vor  soheu,  wanne  dy  vitczthum  meynten,  der  junge 
herre  were  nicht  also  ernst  noch  so  torstig,  dy  wile  es  in  deme  wintere 
wert»,  das  her  sich  wedder  sy  leyte,  mochte  ess  zu  reden  komen  sin, 
'  wanne  sy  fingen  dy  walon  dar  umme,  unnd  den  vitczthum  von  erffort 
mit  on  unnd  meynten,  sy  wolden  ore  sacho  deste  bas  zu  usstrago 
brenge,  unnd  ouch  dy  ungnado,  dy  die  forsten  uff*  sy  gewant  hotten, 
zu  gnade  unnd  zu  richtunge  brengen,  unnd  ditss  geschach  in  der 
wochen  noch  allei  heiigen  tage.12  Der  junge  herre  bestalte  alle  strossse, 
das  man  dy  gefangen  nicht  konde  uss  deme  lande  brenge,  unnd  liss 
dy  sloss  alle  berynne  als  balde,  also  das  dy  vitczthum  nicht  mehir 
volks  zu  on  uff  dy  sloss  brechten,  wanne  sy  hatten  wenig  volk  by  on. 
Der  junge  herre,  der  forste,  wolde  ouch  des  geleitssmans  von  gotha13 
keyne  gnade  habe,  unnd  muste  uss  deme  lande,  wanne  hette  her  eyn 
geruchte  gemacht  in  der  czit,  so  were  das  lant  volk  uff  komen  unnd 
noch  gefolget  in  der  pflege  zu  eckersberge,  das  sy  dy  gefangen  nicht 
hetten  kont  en  weg  brenge,  wanne  or  was  by  XXXViiI, dy  dogefangen 
worn,  so  hatten  dy  vitczthum  by  funffczig  pferden,  do  was  er  bernhart 
vitczthum  solbost  mete,  unnd  eyner  genant  hartung  sebinstete,  dy  worn 

11  Hassenhauaen,  Dorf  im  preuss.  Kreise  Naumburg  a.  S.  '»  D.  h.  zwischen 
dem  2.  ii.  6.  November  1451.  11  Die  Gesandten  waren  unter  dem  Schutze  des 
herzogl.  Geleitsmannes  von  Gotha,  Daniel,  gezogen ;  »1er  Herzog  hat  gegen  ihn 
Verdacht,  wenigstens  Iteschuldigtc  er  ihn  o!es  Mangeln  an  Umsieht  und  Th'atkratt : 
hätte  er  rasch  Lärm  gemacht,  so  wäre  das  Landvolk  aufgestanden,  und  man  hätte 
den  Räubern  ihre  Gefangenen  noch  abjagen  können,  ehe  sie  dieselben  in  ihre 
festen  Schlösser  gebracht  hätten. 


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272 


214.  Stfick. 


houbtluthe,  unde  |  was  gesamment  volk  von  grafen  unnd  ritterskn echten, 
dy  hatten  das  also  eigentlichen  nss  der  stad  ertfbrt  lossen  vorkunt- 
schaffen,  das  sy  wüsten,  wer  under  deine  huffen  was,  linde  ufl  welche 
czit  sy  quemen.  Sy  hatten  euch  wol  czwene  tage  do  selbst  gehalden 
ntt'  den  jungen  hern,  der  was  zu  wissenteis;  unnd  hette  her  nicht  de 
gensit  der  sal  gereten,  unnd  were  ulf  disse  siten  der  sal  uffeekersberge 
gereten,  so  were  her  den  vitczthum  in  ure  hende  komen,  unnd  hotten 
on  an  geglitten.  Ouch  was  her  gar  na  also  starg  als  sy.  Also  vor  trug 
sich11  der  junge  forste  mit  der  stad  ei  Horte,  das  sy  sich  nicht  solden 
dar  an  ergere  noch  lossen  vordressen,  wy  wol,  das  das  sloss  cappeln- 
dorft"  der  von  orftbrt  ist,  her  wolde  sich  mit  here  da  vor  lege,  unnd 
vorsuche,  ab  her  das  gewynne  konde.  Do"  was  uffe  der  ritter,  der  ge- 
fangen, unnd  der  junge  vitczthum  von  erftorte,  eyn  borger,  genant 
wilhehn  von  allenblumen,  unnd  or  was  by  -XIII  oder  X IUI,  unnd  ab  der 
forste  das  sloss  gewunne,  das  solde  den  von  erftorte  an  orer  erbeschaflt 
nicht  beschedige;  her  wolde  nicht  meir  dar  an  gewynnen,  danne  was 
dy  vitczthum  dar  an  betten,  danne  es  ist  der  von  erftorte,  unnd  hattens 
er  apel  in  geton  vor  eyne  summe  geldes,  unnd  umme  sehotczes  unnd 
umme  vorteydinges  willen,  so  sulden  dar  kegen  dy  von  erffort  vor 
Wassenberg  czeen,  unnd  das  gewynne,  ab  sy  konden  eynigiicher  ufl* 
syne  kost  (Jewunnen  sy  das,  so  sohlen  sy  das  inne  behalde,  so  lange 
das  on  cappelndorfl"  wedder  worde. 

214.  Hy  ezogen  dy  von  erffort  vor  wass<»nl>org. 

t  Als  man  schreib  nach  cristus  gebort  tusent  |  vierhundert  nnnd 
1451  eyn  unnd  funff'czig  jar  am  montage  noch  martini.1  Dorch  bethe  willen 
des  jungen  hern,  herczoge  Wilhelms  unnd  lantgrafe  zu  doringen,  ezogen 
dy  von  erffort  uss  mit  macht  vor  das  sloss  genant  wassenborg,  unnd 
brachten  dar  vor  grosser  buchsen  sechse,  unnd  logen  dar  vor  nicht 
vollon  vier  wochen,  unnd  zu  schössen  das,  das  es  nidder  vil,  unnd 
gruben  eyn  loch  under  der  erden,  gar  nahe  andortWbhundert  elaffter 
lang  under  dy  borg.  Das  wüsten  dy  nicht  uff  der  borg,  wanne  sy 
gruben  graben,  do  sy  inne  geen  unnd  steen  mochten;  also  hetten  sy 
iss  mit  deine  graben  gewunnen,  so  schössen  dy  andern  oro  partio,  dus 

»  HS  u  hrollit:  Cappolndor. 

"  S.  das  Schreiben  Herzog  Wilhelm»  an  den  Hat  von  Erfurt  wegen  der  bur- 
gundischeu  lie*andten,  IV.  p.  ouin.  snnet.  —  5.  November  1451  in  den  Libri  domi- 
norum  a.  a.  ().  fol.  201.  FVrner:  die  l  'rkunde  im  Magdeburger  „Staatsarchiv 
Dienstag  vor  Martini  --  9  November  1  IM  :  Herzog-  Wilhelms  Übereinkunft 
wegen  der  Wiedeleroberung  der  tiuhlüsser  Wachsenburg  und  (  apelleudorf.  letztere»* 
belassen  die  Erfurter  seit  )H4S,  *.  BE  r*v  184. 

214.  '  Am  l.">.  November  1-151 .  Über  den  Zug  der  Erfurter  vor  die  Waehsen- 
burg «.ein  histor.  Volkslied,  da«  E.  E.  Hesse  in  Haupts  Zeit  sehr,  f .  dtseh.  Altert., 
Bd.  VÜI  S.  470-470  aus  einer  Jenaer  HS  iMs  Btider  fol.  145  Bl.  308*  bis  3l0a) 
mitteilt,  und  das  Eiliencron,  Die  bist.  Volkslieder  d.  Deutsehen  I,  1865,  S.  443  -449, 
wieder  abgedruckt  hat. 


I 

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214.  Stück. 


eyn  gross  stucke  der  muren  umme  vil,  unnd  eyn  keminenate.  Do 
riffen  dy  uff  der  borg  frede,  unnd  erboten  sich  dy  borg  zu  geben,  unnd 
dingeten  uss  pferde,  barnasch  unnd  was  or  were,  unnd  sageten  on  das 
zu.  Also  was  vaste  geldes  ufl  der  borg,  nngerisch  unnd  rinsch  golt, 
als  man  fant  sechs  tusent  gülden,  unnd  vaste  vil  brefle,  dy  worn  or 
bossen  vitczthnmmes.  Das  gelt  hatten  dy  uff  der  borg  also  by  sich 
brocht  unnd  vor  nehit,  in  jopen,  in  hosen,  in  satele,  in  kochere,  in  isen- 
hnte,  unnd  meynten,  das  gelt  en  weg  zu  brengcn,  unnd  hatton  willen- 
gehat,1'  des  nachtea  von  der  borg  zu  komen  mit  (lerne  gelde,  unnd  dy 
borg  lossen  steen.  Dy  wile,  das  sy  teydingeten  unnd  dingeten,  do 
schicketen  sich  dy  gesellen,  dy  da  uff  der  borg  worn,  zu  oren  pferden, 
unnd  meynten  also  balde  von  dannen.1b  Do  was  das  thor  also  hart  vor 
tammet2  unnd  mit  miste  vor  ronety*  das  man  kume  eynen  tag  konde 
dar  zu  gerume,*  unnd  musten  ubir  nacht  dar  uffe  blibe.  Also  hatte 
der  gesellen  eyner  eynen  isenhoyt  besit  brocht  unnd  besrhorren/'  den 
fant  eyner  |  der  von  erfforte  trabanten,  unnd  fant  dar  inne  raee  danne  m 
czweyhundert  gülden  an  golde.  Item  so  enpfilen  oynem  uss  eyner 
Steffeln*5  czwene  gülden.  Also  wart  das  uffenbar,  unnd  griffen*  sy  alle, 
dy  uff'  der  borg  worn,  unnd  satozten  sy  in  den  torm  in  der  nacht, 
uund  besuchten  sy,  do  funden  sy  by  on  dryhundert  XLII  ungerisscho 
gülden,  unnd  aehczeen  liundert  unnd  XXII  rinsche  gülden,  unnd  anders 
geldes  also  vele,  das  es  macht  an  der  summe  melier  danne  sechs  tusent 
gülden.  Unud  dy  hatten  vor  zu  den  heiigen  gesworn,  sy  wolden  nicht 
mee  neme,  danne  pferde  unnd  harnasch,  das  or  were,  unnd  worden 
also  meyeneyde;  dar  umme  greift  man  sy,  man  hette  on  sust  gohalden, 
was  man  on  gereth  hatte.  Das  schreben  dy  Vorsteher  unnd  houbtluthe 
deme  rathe  zu  erffort,  unnd  dy  quomen  en  uss  keyn  wassenborg,  unnd 
holten  dy  gefangen  unnd  das  gelt  mete,  unnd  noraen  dy  borg  in,  unnd 
fürten  dy  gefangen  keyn  erfforte,  der  was  XX VII.  Dar  under  was  eyn 
houbtman  genant  kerstan  von  hayn,  der  was  gesessen  zu  alden  guttern,7 
das  was  sin  halb,  unnd  mit  onie  was  öuch  eyn  houbtman  genant 
thomas  von  der  tannen,  deme  wart  uff  der  borg  dy  stern  abe  ge- 
schossen, das  her  zu  haut  starp;  unnd  do  der  starp,  do  was  on  der 
trost  enpfallen,  wanne  sy  hatten  keinen  man  mee,  der  mit  den  buchsen 
also  wol  künde  also  her.    Sy  hatten  gute  buchsen,  sy  hatten  abir  nicht 

»IIS:  griff. 

,a  willenhaben,  muudartlielic  Bildung  nach  der  Analogie  von  (mlid)  willcnvarn. 
,h  Ergänze:  zu  flien.  *  Md  vortammen  mlid  vertammen  — -  verdoumen,  swv.  „ver- 
stopfen". :l  Md  vorronen  mlul  verrunen,  swv.  =  „verrammeln,  versperren."  '  ( Je- 
rümen  =  ,,1'latz  machen."  '  Bencherren  =  „verscharren."  ,;  Md  Bteflel,  swf,  i^t 
=  mhd  *tival  (u.  vielen  and.  Formen),  da*  aber  ma»cul.  ist.  1  Altengotteru, 
preuss».  Dorf  im  Kreise  Langensalza,  Kegln«.  Erfurt.  Ihm  fallt  wohl  die  Verant- 
wortung für  den  Vertragsbruch  zu,  den  Stolle  vorher  ausführlich  erzählt  hat; 
mehrere  Schreiben  hierüber  und  die  Behandlung  der  Gefangenen  s.  i.  d.  Libri  do- 
minorura  Bd.  III,  aus  d.J.  1452,  bo  fol.  217  (Vigil.z.  puritic.  Mariae.  1.  Kebr.  1452), 
oder  üher  den  anderen  Hauptmann  Thomas  (i.d.  Briefen:  Antonius)  v.  d.  Taimen 
fol.  281  (Domin.  Cantate,  7.  Mai  1452). 

K.  Stolle«  MeniorlaU».  ]S 


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215.  Stück. 


buchsen  nieisters.  Ouch  wart  on  dy  wore  also  von  stunt  abe  geschossen, 
wanne  dy  von  erfforte  brachten  ore  buchsen  also  nohen  an,  das  sy  on 
nicht  er  were  konden.  Das  geschach  des  nachtes  mit  behendickeit. 
•  v  Dy  von  j  erfforte  reckten  unnd  schregen  uff  eyme  orte  also  sere  in  der 
nacht,  in  »llermos.se  also,  ab  sy  dy  buchsen  fürten,  abir  sy  brachten 
dy  buchsen  an  deme  andern  orte  stilleswigene  en  an,  unnd  der  buchsen 
was  sechse,  also  das  sy  in  der  borg  nyrgent  sichern  worn  etc.  Also 
man  dy  gefangen  in  dy  stad  brochte,  uff  den  sonabent  noch  unsser 
lieben  frowen  tag  concepcionis,8  satczten  sy  der  enteyl  in  dy  tem- 
nitozen**  unnd  enteyl  liss  man  in  dy  herberge,  unnd  das  gelt,  unnd  was 
sy  uff  der  borg  funden  von  gerethe,  von  wollen,  von  wyne,  von  körne 
mele,  salcz  unnd  haflern  etc.,  wart  irrethum  in  der  buthe,-'  wanne  das 
volk  hatte  gereite  enteyl  gehütet,  eher  der  rath  dar  zu  quam, 
unnd  hinder  deine  rathe,  unnd  wart  nicht  also  wislich  vorgenomeu,  also 
man  sohle  gethon  habe,  unnd  enpfolen  was,  idoeh  so  rauwete  sich  der 
rath  dar  inne  also  sere,  das  es  entricht  wart,  wanne  dy  reisingo  unnd 
dy  dvnere  wolden  alles  das  habe,  das  uff  der  borg  was,  unnd  den 
sebutczen  unnd  dy  trabanten  solde  nichtes  werde,  dy  dye  borg  ge- 
wunnen  unnd  er  ließen,  eher  danne  sy  sy  gaben. 


215.  Hy  czocli  der  junge  herre  vor  luchtenberg 

unde  vor  eappel ndorf f. 

Noch  deme  als  dy  von  erfforte  wassenborg  gewunnen  hatten,  do 
czoch  der  junge  herre  vor  das  sloss  luchtenberg,  dar  uffe  was  er  bern- 
hart vitczthum,  unnd  dar  uffe  der  gefangen  enteyl,  den  apt  von  franck- 
rich,  unnd  den  viczthum  von  erfforte  doctor  johan  von  allenblumeu. 
Der  apt  was  welsch  unnd  konde  nicht  dutczsch,  sundern  der  vitczthum 
von  erfforte  was  eyn  cluger  wiser  man,  unde  konde  wol  bedencke,  wo 
U5  zu  es  kome  mochte.  Der  |  rith  unde  under  wiste  ern  bernharten  vitcz- 
tum,  das  es  nicht  zu  thune  stunde,  zu  fechten  wedder  den  jungen  hern, 
wenne  sy  uff"  der  borg  keyne  rodunge1  nicht  en  hetten,  also  konde  her 
der  borg  vor  deme  fursten  ewiglichen  nicht  er  halde,  wanne  sy  lege  in 
des  fursten  lande,  euch  so  were  her  eyn  ernster  man,  unnd  solde  Vor- 
gang habe,  was  her  vor  neme,  her  tete  bas,  das  her  sich  in  gnade  gebo 
keyn  ome,  her  wolde  ouch  dar  zu  dyne  unnd  rathe,  sine  sache  mochte 
besser  werde  danne  also.  Also  teydingete  der  vitczthum  von  erffort 
dar  czwisschen,  das  her  sich  in  guade  gap,  unnd  czoch  von  der  borgk, 
sundern  sin  frowe  bleib  nach  dar  uffe  lange  czit,  uund  der  furste  gap 
ern  bernharde  vitcztum  geleite  vier  wochen  in  syme  lande,  das  her  sin 
ding  vor  ebente;  dar  noch  so  wolde  her  on  sichere  uss  deme  lande, 
unnd  geleite  gebe,  das  her  czoge,  wor  kein  her  wolde,  unnd  fürte  on 
als  balde  vor  Cappelndorff;  do  hatte  der  furste  gereite  IX  adir  X  wochen 

8 1 1.  D<«embcr  1451.  **  S.  8t.  U09  A.  i».  0  „Streit  und  Zwwtigkeit  bei  der  Beute." 
215.  1  Md  reduug  =  uilid  ritunge,  stf.,  „Reiterei". 


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21o.  Stück. 


vor  gelegen,  zu  erweichunge  schinsteten 2  uund  dy  uff  der  borg  worii; 
wanne  sy  soen  wol,  das  er  bernhart  vitczthum  syne  borg  gegeben 
hatte,  so  solden  sy  Cappelndorff  ouch  gebe;  das  wolden  sy  nicht  thun, 
sundern  sy  hatten  der  gefangen  vaste2*  dar  ufle,  den  ritter,  den  jungen 
vitczthum  von  erflbrte  unnd  vele  knechte.  Dar  noch  entliff  der  junge 
vitcztlnun,  als  sy  zu  einem  male  dy  gefangen  wiston.  ab  sy  noch  lede- 
gancz3  weren.  Ein  jüde,  genant  slemichen,  der  htflte  den  jungen  vitcz- 
thum von  erffort  an  einem  stricke  unnd  vor  sach,  das  her  ome  ent- 
ruckte1 unde  vil  in  den  graben,  unde  ontlitt,  unde  |  quam  zu  unser  v 
lieben  frowen  zu  deme  czegenhayn,Ä  dy  on  gnedicklichen  dar  von  halff. 
Die  vitczthum  behilden  dy  borg.  Der  furste  schickte  sich  dar  nach  unnd 
bestalte  noch  mee  volks,  unnd  ineynte  dy  borg  zu  stormene,  das  wart 
ome  wedder  rothen  von  deme  alden  hern,  sinem  brudere,  wanne  her 
muste  vele  Volkes  dar  vor  gewoget  habe,  unnd  ezoeh  mit  deme  sel- 
bigen volke  vor  dorneborg,  unnd  liss  graten  adoltt'en  von  glichen0  mit 
eyme  here  vor  cappelndorft"  blibe  czwene  adir  dry  tage.  Also  teydingete 
grafe  adolft  vel  mit  den  uft  der  borg,  das  sy  dy  borg  geben,  unnd 
dingete  vor  lip  unnd  lede,7  unnd  welcher  im  lande  blibe  wolde,  den 
solde  man  behalde,  unnd  welcher  nicht  blibe  wolde,  den  sohle  man  ge- 
leyte  uss  deme  lande.  Also  reit  or  vaste  en  wegk  uss  deme  lande  by 
XX  adir  meer,  sundern  schinstete  unnd  der  jftde  slemichen  bloben  by 
graten  adolffe  von  glichen,  unnd  worden  sin  eygen.  Also  worden  dy 
gefangen  alle  loss.  Also  lag  der  junge  herre  mit  den  steten  Erflbrte, 
northusen  unde  molhusen  vor  dorneborg  dry  wochen,  unnd  der  aide 
herre  unnd  sine  stete  hatten  vor  lange  da  vor  gelegen,  unnd  also  dy 
von  erflbrte  do  hene  komen  mit  orem  volke,  do  goben  sy  dy  stad  von 
stunt,  sundern  eynes  tages  davor,  do  was  er  bossen  frowe  by  deme 
jungen  hern  im  here  gewest,  unnd  steig  über  dy  muren,  unde  der 
junge  herre  hette  er  gerne  wedder  gegeben  isserstete  unnd  ebeleuben, 
unnd  darzu  ander  gerothe  unnd  hussrath,  das  sy  dy  borg  dorneborg 
unnd  dy  stad  gegeben  hette;  das  wolde  sy  nicht  thun.  Dar  noch  nicht 

-  Härtung  Kammermeiater  a.  a.  O.  S.  120  bezeichnet  ihn  genauer  als  Dietrich 
Schynstett,  Hauptmann  Apels  von  Vitzthum  auf  der  Burg  Gahlendorf.  S. 
St.  209  A.  5*.  Niederdeutach,  =  „vollständig"  (besondere  von  Siegeln  und  Ur- 
kunden), „unversehrt",  s.  Schiller  und  Lübbeu,  mittelniederdeutsches  Wörter- 
buch II  S.  U4«;  auch  von  Crecelius,  OberhesBisches  Wörterbuch  S.  5ö9  f.,  erwähnt 
als  lideganz  (aus  lid,  —  Glied,  entstanden  aus  ge-lied,  letzteres  in  Augen-lid,  u. 
ganz)  — »  „ganz  an  den  Gliedern,  unversehrt".  *  „Entrücken"  ist  hier  abweichend 
vom  sonstigen  Sprachgebrauch  intransitiv  gebraucht,  ■=  „entfliehen".  Es  war 
Wilhelm  von  Allenblumen.  Sohn  des  Yitztums  Johann  von  Allenblumen,  also 
eines  Gerichtsbeamten  des  Erzbischofs  von  Mainz  in  Erfurt,  da  die  Erzbischöfe 
dieses  Amt,  wie  auch  ihre  anderen,  an  Erfurter  Bürger  verpachteten. 
1  Ziegenhain,  Dorf  im  Verwaltungsbezirk  Apolda  im  Grossherzogtum  Sachsen. 
6  Nach  Härtung  Kammermeister  a.  a.  O.  S.  121  ein  Fcldhauptmanu  des  Herzog» 
Wilhelm.  1  Das  md  stf.  lede  =  „Freiheit"  ist  nicht  gemeindeutsch  geworden, 
sondern  nur  das  davon  abgeleitete  Adjectivum:  mhd  ledic  oder  ledec  ,frei'; 
Wackernagel  im  Glosaar  z.  s.  Altdeutschen  Lesebuch  s.  v.  ledec  leitet  es  von  litten 
„geben"  ab,  also  —  „freien  Ganges." 

18* 


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! 


270  216.  Stück. 

i4c  lauge,  bette  sy  is  gerne  |  gethan,  do  wolde  der  herre  nicht,  sundern  her 
wolde  dy  borg  mit  gewalt  gewinne.  Also  logen  sy  etliche  tage  da  vor, 
unnd  zu  schössen  dy  borg  so  sere,  das  dy  tonne  nedder  fyln  unnd  dy 
luthe  uff  der  were  vor  fyln,  das  sy  sich  siecht  musten  gebe  in  des 
furston  gnade.  Also  nam  der  furste  dy  borg  in,  dy  was  gar  sere  zu 
schössen,  unnd  fing  alle  dy,  dy  uff  der  borg  worn,  unnd  sante  sy  keyn 
jheno,  unud  ero  bossAi  frowe  sante  her  keyn  apolde  mit  oren  kindern. 
Do  musten  dy  Junckern  von  apolde  vor  rede,  das  sy  dy  wolden  be- 
ware,  wanne  ern  bossen  frowe  war  der  selbien  junckern  swester,  unnd 
der  furste  Jiss  der  gefangen  ouch  enteyl  richte  zu  jene.  Der  furste  der 
hatte  em  bernharden  vitczthum  geleyte  gegeben  in  syme  lande  eyne 
czit  unnd  zu  gesaget,  unde  wolde  on  lassen  geleyte,  wanne  her  uss 
deine  lande  wolde,  das  her  sicher  czoge,  wor  keyn  her  wolde:  das  wolde 
er  bernhart  nicht  erbeyte,  unnd  machte  sich  utt  selb  achte,  unnd  nomen 
Imsen  gorn  *  uff  ore  rucke,  als  ab  sy  wolden  hassen  tauen,  unnd  gingen 
tag  uund  nacht,  unnd  meynte,  her  wolde  also  uss  deme  lande  czeen 
vor  holen,  unnd  mochte  ouch  eyne  summe  geldes  by  sich  genomen 
habe,  also  dy  rede  ging  achte  hundert  gülden,  unnd  als  her  quam 
umme  lobesteyn,1*  do  worden  sy  erre  uft'  «lerne  geholcze,  unnd  gingen 
fragene  unnd  quomen  von  eynander,  unnd  eyner  quam  in  deme  walde 
in  eyne  Hutten,  den  fingen  dy  walt  luthe;  do  quomen  noch  cwene,  der 
griffen  sy  eynen,  der  andere  entliff,  unde  quam  weddei  zu  den  andern, 
v  unnd  sprach,  das  dy  |  czwene  gefangen  wem.  Do  quam  er  bernhart 
mit  den  andern  sechsen,  unnd  hl  in  dy  hutten  unnd  nam  dy  czwene 
wedder  er  uss.  Do  quam  das  lant  folk  uff  unnd  fingen  ern  bernharden 
unnd  syne  dynere  alle,  unnd  brachten  sy  deme  alden  hern  von  gera, 
der  satczte  sy  in  etc.   Hye  had  disse  historia  eyn  ende. 


210.  Hy  czocli  der  junge  lierre  zu  deine  heyligen 

grabe  keyn  jlieriisalem.1 

14fil  Nach  cristus  geburt  tusent  vier  hundert  unnd  eyn  undesechczigisten 
jare  ist  goczogeu  zu  deme  heiligen  grabe  umme  ablas  unnd  gnade 
willen  der  hochgoborne  furste  unnd  lierre  herczoge  vvilhelra  zu  Sachsen, 
lantgrafe  in  doringen  unnd  margrafe  zu  missen,  unnd  nam  vor  sich 
zu  czene  und  czoch  zu  deme  heiligen  grabe  über  meer,  unnd  theth  das 

«  t=  „Garn,  Netz",  hier  also  ein  „Hasennetz".  9  Lobenstein,  im  jetzigen 
Fürstentuni  Keuss  jüngere  Linie. 

216.  1  S.  Härtung  Kammermeister  hg.  v.  Reiche  S.  1«4 — 196  nebst  der  dort 
verz.  Litteratur,  aus  welcher  besonders  hervorzuheben  ist  Johannes  Falke.  Herzog 
Wilhelm*  III.  Reise  in  da«  heilige  Land  1461.  Archiv  f.  sächsische  Geschichte,  IV. 
1866,  S.  283—320,  welcher  auf  Anregung  Heeses  nach  2  Manuscripteu  in  der 
Gothaer  Bibliothek  (Cod.  chart.  A.  No.  159,  4",  Hl.  197- 205  u.  R  No.  54)  arbeitete: 
Beschreibung  Her  Reine,  Ergänzung  dazu,  Berechnung  der  Kosten.  iStolle  ist 
nur  wichtig,  weil  er  die  Teilnehmer  am  vollständigsten  angieht:   1.  die  Grafen 


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216.  Stück. 


277 


mit  rathe  siner  grafen,  hern,  ritterschafft  unnd  steten/  Item 
disse  nachgeschrieben  hern  sint  alle  mit  deme  obgeschrebeu  hern  unnd 
forsten  geczogen  zu  deme  heiigen  grabe.  Zum  ersten  grafe  lodewig  von 
glichen,  grafe  heinrich  von  stolberg,  grafe  gunther  von  swarczborg,  grafe 
erwin  von  glichen,  grafe  hans  von  honsteyn,  grafe  ernst  von  hon- 
steyn, burgrafe  albrecht  von  kerchberg,  herre  heinrich  russe 
von  plawe,  herre  vith  von  schonenberg  herre  zu  gluchowe,  herre 
otto  schencke  von  landessberg  herre  zu  sydawe,  hans  unnd  joige 
schencke  j  zu  tutenbergk,  wolff  von  senssheym  herre  zum  swarczenberge,  147 
acharius  von  poppenheym  erbmarschalk. 

Rittereb:  jorge  vitczthum  von  apolde,  apel  von  ebeleyben,  hans  von 
wangheym ,  heinrich  von  bonow  zu  scolen,  heinrich  von  bunow  zu 
droczk,  bastian  von  kerchberg,  melchiar  vitczthum,  heinrich  von  witczo- 
leuben,  rudolfF  marschalk,  werner  von  hansteyn,  frederich  theme, 
heinrich  von  wolfestorff. 

Rittere  uss  francken,  beyern  unnd c  osterrich :  otto  von  lechtensteyn, 
wiprecht  wolffkele,  cristofel  houfelder,  ulrich  von  arnsberg,  heinrich 
tandorffer,  Conrad  hartensteyn. 

Rittere  uss  missen:  jorge  von  sliniczd,  caspar  von  schowenberg, 
Bitterich  von  schenckeberg. 

Rittere  des  von  stolberges;  hans  knuth,  Conrad  gerraar,  cristoftel 
vom  rode. 

Rittere  des  von  swarczburg:  jorge  vonslotheym,  kcrstan  von  slot- 
heim,  heinrich  von  ruxleuben,  caspar  schutcze. 

Rittere  uss  hessen  lande:  Tylo  von  kostenrode,6  bode  von  bodenhusen. 

Geistliche  personen:  hunolt  von  Plettenberg'  doctor  in  der  erczdie, 
er  heinrich  lessemeister  bichtvatear  barfusen  |  ordens,  er  henning  ▼ 
cappelan ,  er  johan  eyn  prister  bodenhusen  dyner,  er  kerstan  von  stad 
northusen  doctor  barfusen  ordens/  mit  deme  hern  von  stolberg  unnd 
syn  bichtvater;  er  herman  holczapphel  barfusen  ordens,  er  heinrich 
jacobi  cappelan  des  von  stolberg. 

»  HS  Mtst  noch  gethon  hinzu:  der  VerTaner  fällt  aus  der  Konstruktion.  b  g  hat  Doch  uas 
Düringen.  <  g :  und»  an.  d  g :  Caspar  von  Senönbergk ,  Dltterich  von  Sclionbergk. 
•  g:  Köi tinrode.       '  g:  Planthlnborgen.       6  fehlt  tu  g. 

und  Edol Herren:  hier  Aeharius  v.  Pappenheim  noch  erwähnt.  2.  Die 
Kitter:  hier  noch  genannt,  wenn  mau  von  ungenauer  Bezeichnung  absieht  bei 
Friedl  ich  Theme  =  Dune,  Caspar  vou  Sehowenberg  und  Dietrich  von  Schenkenberg, 
wo  bei  Kummermeister  Caspar  und  Dietrich  vor  Schon bergk  steht,  endlich  Wölfl" 
Koll  =  Wiprecht  Wolffkele  bei  Stolle  —  Cristofel  Houfelder,  Ulrich  von  Arnsberg, 
Heinrich  Tandorfer,  Conrad  Hartensteyn,  Kerstan  von  Slotheym,  Heinrich  von 
Ruxleuben,  Caspar  Schutcze,  Tylo  von  *  Kostenrode ,  während  bei  Kamniermeister 
mehr  vorkommt  Thiele  von  Kesselingerocke.  3.  Geistliche:  nur  Hunold  bei 
Kanimermeister.  4.  Ehrbare  Knechte  der  Grafen,  Knechte  und  Diener  der 
Fürsten  und  gemeine  Knechte  fehlen  bei  Kammcriueister  ganz.  5.  Von 
den  Bürgern  tindeu  sich  bei  letzterem  nur  die  zuerst  genannten  Ziegler  und 
Hottermann  aus  Erfurt.  Jedenfalls  aber  haben  Kammormeister  und  Stolle 
dieselbe  Quelle  benutzt,  letzterer  nur  ausführlicher.  Die  Fahrt  selbst  schildert 
Stolle  merkwürdiger  Webe  gar  nicht 


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278  217.  Stück. 

Erbar  knechte  der  grafen:  frederich  von  kussbade,  ebeleuben 
dyner;  jorge  von  wildenborn,  der  schencken  dyner;  henning  von  Berkow, 
stolbergers  dyner;  hans  von  solmenicz,  des  rusen  dyner;  herman  gans, 
grafen  lodewigen  dyner;  hans  von  schinstete;  schencke  von  sydowe 
diner;  hermann  henning  unnd  heinrich  molich,  der  von  honsteyn 
dyner:  conrad  flanss  unnd  hans  schiding,  knechte;  hans  von  barowe, 
jorgen  von  slynicz  dyner;  hans  von  ulssin,  hans  knuth  knecht. 

Des  fursten  knechte  unnd  dynere:  pawel  norbe,  schencke;  hans 
brun,  burger  zu  wymar,  kuche  raeister;  apel  steynhuse,  schriber  des 
forsten;  jacoff  ufflande,  talmetczscher ;  hans  kumpfan,  kammer  dyner: 
hans  koch;  heinrich  koch;  stenczel,  uff  treger  der  kuchen. 

Gemeyne  knechte:  hans  fyneberg,  des  von  swarczburg;  peter 
ii«  brenser,  des  burgrafen;  |  hans  syder,  grafen  erwins  knecht;  claus  d., 
des  von  senssheym  knecht;  ullen,  tandorflfers  knecht;  kerstan  lorencz, 
witczeleuben  knecht;  heinrich  schalam,  der  von  hansteyn  knecht;  jorge 
otto,  otten  von  lichtensteyn knecht;  kylian,  der  von  schowenberg  knecht; 
hans  koch,  des  von  stolberges  knecht.   Jacoff  eyn  gemeyne  knecht 

Burgere  uss  den  steten:*  rudolff  czygeler,  hans  hotterman,  von 
erfforte;  niclaus  muffel,  hans  mogenhoffer,  von  nornberg;  herman 
kollestete,  von  stad  niolhusen ;  hans  brun,  von  northusen ;  berlt  Sperling, 
der  starb  zu  rodiss;  ditterich  von  wertern,  von  stolberg.  Do  worn 
ouchb  meer  personen.  Etliche  uss  hispanien,  etliche  uss  franckrich,  etliche 
uss  engellant 

1482  Anno  dm  M°CCCC°LXXXn  an  sente  lamperten  abende  starb2  dusser 
hochgeborner  furste  lantgrate  wilhelm  zu  doringen,  unnd  starb  zu 
wimar  uff  dem  sloss  unnd  wart  begraben  do  selbest  zu  wymar  in  der 
barbessen  kloster.3  |   

y    217.  De  obitu  gersici  et  rockencani 1  in  boheinisu 
hu  anno  domini  M°CCCCLXXI. 

Post-  debitani   obedienciamc   oracionum,   ut  negocia  legacionis 
vestrae4   felicem   sorciantur  elfectuni,   utinam   domino*  acceptaruin 

•  cxwev  «etat  k  hinzu.        b  muten  setzt  g  hinzu.         c  obedlcntiam  O.         d  v<'«tra<- 

fehlt  In  St.     «  deo  O. 

■  16.  September  1482.  "  In  dem  von  ihm  selbst  im  Jabre  1453  erbauten 
Frauziskamerkloster,  später  (n.  Galetti,  IV,  8.  217>  in  der  Peter-  und  Paulskirche. 

217.  1  Magister  Johann  Kokyzana  war  der  einzige  (Ende  Septemljer  1435 
erwählte)  Erzbischof  der  böhmischen  Utraquistcn,  welcher  ein  halbes  Jahrhundert 
an  der  Spitze  ihrer  Kirche  stand,  ihr  geistiges  Leben  regelte  und  ihre  Be- 
wegungen leitete.  ,,Es  Ut  in  der  That  schwer  zu  sagen,  was  ihm  in  dieser  Welt 
mehr  zu  teil  wurde,  ob  Liebe  und  Verehrung  oder  Hast*  und  Verabscheu ung.  Ge- 
wiss  hat  das  15. Jahrhundert  keinen  Mann  gesehen,  gegen  welchen  sich  mehr 
Zungen  und  Federn  in  Bewegung  gesetzt  haben,  als  gegen  ihn.  Nach  dem 
Zeugnisse  seiner  Jünger  hätte  er  als  ein  Heiliger  gelebt  und  wäre  als  Seliger  ge- 
storben ;  nach  dem  der  Gegner  aber  führte  er  ««in  gottloses ,  verbrecherisches 
Lelxm  und  starb  in  Verzweiflung"  (am  22.  Februar  1471  zu  Prag),  s.  Franz 
Palacky,  Geschichte  Böhmens  IV,  1,  S.  662  u.  663.— Erat  nach  dem  Tode  Rokyzanas 


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217.  Stück. 


279 


frequenciam,  reverendissime  in  cristo  pater  ac  domino  graciosissime. 
Quamquam»reverendissimam  paternitatem  vostramb  minime  fugere  nun 

•  Qoemqaam  8t.      *  fehlt  in  O. 

versöhnte  sich  der  seit  1466  im  grossen  Kirchenbnnnc  befindliche  König  Georg  mit 
der  Kirche  und  starb  einen  Monat  darnach  seibat  (Wetzer  u.  Welte,  Kirchen- 
lexikon, 2.A.,  her.  v.  Kaulen,  VI.  Bd.  s.  v.  Hussiten  S.  501  u.  506).  —  Der  von 
Stolle  mitgeteilte,  aber  am  Anfange  verstümmelte  Bericht  ist,  wie  die  Anrede 
beweist,  an  einen  hohen  geistliehen  vorgesetzten  gerichtet  und  ist  unter  dem  un- 
mittelbaren Eindrucke  der  Ereignisse  von  dem  unterzeichneten  Dechanten  von 
ßunzlau  und  Prager  Domherrn  Siegismund  verfasst.  Die  Prager  Domherrn, 
die  eine  andere  Stellung  nicht  hatten,  weilten  während  der  Sedisvaeanz  des  erz- 
hischöflichen  Stuhles  von  Prag  vom  Jahre  1421  an  teils  in  Zittau,  teils  in  Olmütz, 
seit  1451  bis  zum  Tode  des  Königs  Georg  Podiebrad  (am  22.  März  1471)  in 
Pilsen,  von  wo  sie  unter  König  l^adislaus  nach  Prag  zurückkehrten  und  an 
seiner  Krönung  am  22.  Aug.  1471  teilnahmen.  Siegismund  ist  also  keinesfalls  Augen- 
zeuge vom  Tode  Rokyzanas  gewesen.  Das  Schreiben  ist  entweder  an  den  Papst 
Paul  II.  selbst  oder,  was  wahrscheinlicher  ist,  an  den  päpstlichen  Legaten  Laurenz 
Rovarella,  Bisehof  von  Ferrara,  gerichtet,  welcher  in  den  vorhergehenden  Jahren 
in  die  böhmischen  Wirren  sehr  thätig  eingegriffen  hatte.  —  Die  Quelle  Palackys 
ist  eine  Handschritt  in  der  Bibliothek  des  Kardinals  Ottoboni  gewesen.  Iu 
diesem  Bericht  wird  ebenso  die  Anschauung  der  streng- katholischen  Partei 
widergegeben ,  wie  sie  sich  auch  in  einem  anderen  Berichte  eines  frater 
Johannes  Aquensis  (Palacky  a.  a.  O.  S.  66ft  A.  456  nennt  ihn  „den  Mönch 
Wodniansky")  findet.  Palacky  giebt  beide  Berichte  in  den  Pontes  rerum 
Austriacarum,  2.  Abteilung:  Diplomata  et  acta,  Bd.  XX  :  Urkundliche  Beiträge 
zur  Geschichte  Böhmens  und  seiner  Nachbarländer  im  Zeitalter  Georgs  von 
Podiebrad,  1860,  S.  661— 663  u.  664—  665  (ex  codiee  manuscr.  bibliotbccae  emin. 
Card.  Ottoboni  —  aus  Schannats  Nachlasse  mitgeteilt  von  Höfler),  doch  ver- 
hält er  sich  (i.  d.  angef.  Aum.  456)  ablehnend  gegen  beide  Berichte,  welche  das 
Gerücht  verbreitet  hatten,  Rokyzana  sei  vor  seinem  Tode  zur  Erkenntnis  seiner 
schweren  Schuld  als  Volksverführer  gekommen  und  hat«  sie  auch  bekannt; 
„wenn  aber  solches  auf  Wahrheit  und  offenbaren  Thatsachen  beruhte,  so  hätten 
diesen  Umstand  gewiss  weder  der  Prager  Domdechant  Johann  von  Krumau  in 
seinem  Briefe  an  den  Legaten  Rovarella  vom  12.  März  1471  noch  auch  Peter 
Escheloer  verschwiegen,  der  ausdrücklich  sagt,  Rokyzana  sei  in  seiner  Ketzerei 
verstockt  gestorben ;  und  auch  lxi  anderen  Schriftstellern  fanden  sich  Spuren 
davon."  —  Da  der  Ottoboninche  Codex  einzelne  bessere  Lesarten  als  der  Stollesche 
Text,  dessen  Quelle  wir  nicht  kennen,  bietet,  aber  doch  auch  viele  Fehler  hat  (z.  B. 
solche,  die  durch  Überspringen  von  Zeilen  entstanden  sind),  so  ergänzen  sich 
beide,  und  unter  Zugrundelegung  des  Stolleschen  Textes  (mit  St.  T>ezeichnet) 
haben  wir  es  mit  Zuhilfenahme  des  Ottobonischen  Codex  (mit  O.  bezeichnet) 
versucht,  einen  lesbaren  Text  herzustellen,  wobei  selbstverständlich  die  nur 
orthographischen  Abweichungen  unberücksichtigt  bleiben.  —  Eine  andere  katho- 
lische, natürlich  Rokyzana  auch  feindliche  Tradition  vom  Lebensende  des  tie- 
nannten und  von  seinem  Verhältnisse  zu  König  Georg  Podiebrad  findet  sich  bei 
Schlesinger,  Geschichte  Böhmens,  1869,  S.  375:  „Der  Utraquistcnbischof  wird 
häufig  als  der  böse  Ratgeber  des  Königs  hingestellt.  Als  Rokyzan,  der  einen 
Monat  vor  dem  Könige  starb,  erkrankt  war,  soll  ihn  Georg  mit  einem  Besuch 
bedacht  haben.  Rokyzan  habe  noch  jetzt  dem  Könige  abgeraten,  mit  Rom  zu 
unterhandeln,  Georg  aber  geantwortet:  »Meister,  du  hast  nun  lange  genug  ge- 
meistert; jetzt  überlasse  das  mir,  hätte  ich  deinen  Ratschlägen  nicht  gefolgt,  so 
wäre  ich  ein  ruhmvoller  König,  und  die  armen  Böhmen  würden  jetzt  nicht  vor 
Hunger  sterben."  *  Der  Anfang  ist  entweder  verstümmelt  und  darum  nicht  zu 
verstehen,  oder  mau  muss  obedienciam  in  obedienciuin  ändern  und  verbinden: 
post  debitam  obediencium  oracionum  .  .  .  frequenciam ;  das  eingeschaltete  utinam 
domino  aeeeptarum  ist  für  das  hier  dargebotene  Latein  nicht  verwunderlich. 


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280  217.  Stück. 

dubiteni  illius*  heresiarche  dampnate  memorie  johannisb  do  rockencana 
mortem  in  vigilia  beati  mathie  apostoli3  contigisse,  de  qua  cristi  fide- 
lium  non  modicum  tripudium  hussitarum«  verod  permagnume  suborie- 
batur  lamentumf  in  terra  nostra.  De  quo  quidem*  infelici  obitu  varia 
per  loca  currith  fama,  sed  non  rei  geste  per  omnia  consona.  Ea 
proptor,  reverende  pater,  vestram  paternitatem1  hiis  de  rebus  cer- 
ciorem  reddere  curansk  humilime  nosse  exopto,  pro  speciali  consola- 
cione  conclusionem 1  vite  eius  in  nunc  modum  factam.  Cum  eninim 
heresiarcha  ipsen  iam  aliqua  die0  decubuissetp  in  lecto  doloris  et 
futurum  supplicium  penitenciarumq  pena  minimumr  pregustasset ,  iusto 
dei  iudicio  compulsus  est*  errorem  suum  confiteri  et  divine  sentencie 
consonare1  ac  sepius  dieero:  „ve  michi,  ve  michi.  et  in  eternum  ve!u 
Que  verba  alumpni  et  serviu  ipsius  et  capellani  aliquando'  audientes 
cum  omni  diligencia  caverunt,w  ne  in  eorum  confusionem  ad  lucem 
pervenire  possent,*  \  nec  cuiquam  aecessum  ad  ipsum  prebuere.  Sed 
quod  prius*  nephandissimi*  oceultare  querebant,  ibi  prodiit  tandem** 
in  palam.  Nam  certo  die  Gersicus, M*  rex  Bohemorm,  misit  quendam 
militem  sue  curie  ad  hereticum  Rockecanamcc  indd  nomine  suovisitan- 
dum  et  consulandum.  Intimans*  sibi  per  eundem  militem,  *•  si  qua 
nosset  medieamina/'  quibus«  refocillari  posset,  rexhh  sibi  promptissimo 
animo  proeuraret,  etiam11  si  de  Veneciis  adduci  oporteret.  Postkk  hec 
saltora,  si  non  plene  unaretur,  tarnen  pro  suorura  unitate  et  salute 
vitam  suam  prolongaret.  Ad  quod  prefatus  Rockecana"  nec  verbum 
quidemm,n  respondit.  Cumque1"1  miles  verba  repeteret,  et,  quid  regi 
remandari  iuberet,  instaret,  miser  ille  respondit:  „ve  michi,  ve  michi, 
et  in  eternum  ve!  sie  renuncia  regi,00  domino  tuo:  quod  heu  tarn 
multos  homines  seduxi  et  ad  dampnacionem  mi8i,pp  quos^  oportebit 
ad  penam  me  sequi."  Heo  audiens"  miles  mirabatur  ac,  si  compos 
racionis  ista  proferret,  ab  eo"  sciscitabatur.  Respondit  miser  üle:lt  „ex 
bona  racione  loquor;  et  iterum  dico,  ut  renuncies  domino  tuo,  quod 
nunquam  extiti  legitimus  sacerdos,  sedou  simulatis  sacramentis  populum 
delusi,  et  heu  iam  non  superest  tempus  penitencie."  Videns  autem 
*  miles,  quod  nec  an  im  um  nec  verba  niutaret,"  valedicens  |  ei  rediit  ad 
regem  Gcrsiconemww   tristis"  dolorem  cordis  vultus  in  mutacione17 

*  UHu»  fehlt  in  8t.  b  Johnnnl  St.  «  haerettcJg  O.  d  HuiaJtJa  Mtxt  O.  hinan.  «  mag 
num  O.  •  tormenttim  O.  *  fehlt  In  O  h  percurrlt  Ioca  O.  1  revereodae  |j«ternitaU 
vettrae  O.  *  volo  (>..  wo  die  Worte  haiaillliDe  bis  factum  fehlen.  1  coiuoUrioue  St. 
'»  fehlt  lu  O.  »  ille  O.  "  aHquamdlu  O.  P  recubateMt  8t.  *  praeeeatium  O. 
r  mlniiue  St.,  poeuaruin  nuntio  O.  •  de  ie  fcritatcm  profiterl  O.  1  connoiiaoa  dlcere 
•aopliia  O.  «et  nervi  fehlt  in  O  »  aliquotl««.  »  fehlt  In  8t.  *  hier  lie*t  St.  cavore. 
r  po«t  St.  >  rei  veritatcin  aetzt  8t.  hlnsu.  **  fehlt  In  St.  bb  Gertikonus  O.  04  Rorlen- 
Minnm  O.         d«l  ex  8t.        00  fehlt  In   O.        n  quam  vellet  mediclnam  O.  qua  O. 

hh  enm  O.  "  et  fA  St.  kk  von  pogt  -  prolonfftret  fehlt  in  O.  "  fehlt  In  O.  ,u™  fehlt 
In  O.  nn  von  cuu)<|ue  —  resjiondit  fehlt  in  O.  00  rege  SI.  l'l»  prumlei  St.  Tl  et 
'«  8t.  "  fehlt  In  O.  "  ah  eo  fehlt  In  St.  11  fohlt  In  8t.  un  sl  St.  y*  vetractaret  O. 
"w  Glrelkonem  O.       "  fehlt  In  O.       JT  Imuiutaüone  O. 


*  2&  Februar  1471.  *  intimare  (alicui)  =  „anvertrauen,  vertraulich  bei 
jemand  anfragen  '. 


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217.  Stück. 


281 


pretendens.  Cui  Gersicus*:  „quomodo  habet  seb  magister  noster  ?' e  „Miles 
ad  hec:  „Infirmus  est  valde."    „Gersicus*:  „quid"  respondit  ad  vota 
mea?    oportetnef  aliquid?"   Miles:  „nichil.u   Gersicus s  dixit :  „quid 
alias  dixit ?u  Miles  respondit:  „Non  audeo  enarrare.u  Gersicus:  „dicasu. 
Miles:  „ad  partein  dicam  serenitati  tue,  alias  dod.u  Gersicus b  dixit:1 
„Oportet,  quod  publice  renuncies,  quia  te  publice  misimus.w  Tunc  miles 
captatak  benevolencia,  que  dicta  sibi  erant,   protulit  publice  coram 
tota  curia.    Attonitus  Gersicus,1  tandem  respondit:  „Jam  nirais  tardo 
est;  cur  ista  non  revelavit  in  tempore?4  Hec  audiens  quidam  familiaris 
domini  Johannis  de  Hassenborgk,  mox  ei  intimavit  in  Budissam,»5  et  illo 
mihi  per  dominum  Nicolaum  de  rudenicz,  canonicum  ecclesie  Boles- 
lavien8is,6  ulterius  intimavit  in  Zittau11,  sicut°  ex  eadem*  relacione" 
accepi.    Postera  die  Bohemiae'  heretici»  magno  numero  venerunt  ad 
Rockecanam1  causa  consolaciouis,0  qui  interT  cetera*  laudabilia  eiusx 
opera  sie  ad  memoriam  revocabant,T  quod*  tantum  gregem  virginum" 
continencium  cristo  anquisivisset,bb  de  quarum  Corona  iam  ad  celos 
evolaturus  spirituale  gaudium  adipisceretur.    Quibus  ille  cum  multa 
indignacione  respondit:  „Siniteme;  non  |  perveniam  ego  ad  celos  sursum,  wo 
nec   erit   michi   aliqua   sors   inter  electos."    Sed   extenso  indice: 
„deorsum",  inquit,  „mihi"  locus  eritdd  tot  animarum  seduetori,"  et  vos 
me  sequemini^  nisi  errores  correxeritis,  quos  seminavi."  Cumque** 
autemhh  ille u  rockencana  instancius  loqueretur,  iussit  eos  eicere  a  sekk 
manens  in  sua  desperata  penitencia."  Gersicus  igitur  rex  hiis  auditis"" 
misit  pernn  ecclesias,  ut  tierent,>"  obsecracionespp  rockencano  de  am- 
bonibus,  ut'N  dignarentur"7  allegare*88  infirmitatem  ipsius,"  ex  cuius 
vehemencia   racionis   usum   amisisset.    Sic   igitur  factum  est,  ut 
hereticiuu  revocacionem  illam  errorum"  non  ex  racionis  arbitrio,  sed 
aniencia™  quadam  factani  devulgarent"   Hec,  reverendissimo  pator, 
pro"  certo"  scribere  audeo. 

Sigismundus,    decanus    ecclesie**»    boleslaviensis    et  pragensis 
canonicus  inmeritus:bbb 

»  Giralkoniu  O.  b  fohlt  in  O.  «  tehlt  In  O.  d  Qtraikonua  O.  •  qnod  O.  r  op- 
Utne  O.  K  Giralkonua,  doch  fehlt  in  O.  dixit  hla  Genicut,  ca  folgt  gleich  dlca«.  Giralkonua. 
1  fehlt  In  O,  k  c&pta  O.  1  Uireikonua  O.  u>  Jildlaoam  St.  n  fehlt  In  O.  °  ceteram  ut  O. 
i»  «ödem  O.  1  fehlt  In  0.  r  begone  St.,  fehlt  in  O.  *  heretfee  St.  1  Rokiaeonm  O. 
"  eonaolandl  O.  T  fehlt  In  O.  w  cuncU  O.  *  fenlt  lu  St.  7  revoenrunt  O.  *  von 
(juod  —  adlplacoretur  fehlt  In  O.      ■*  St.  nnoht  ac.         bb  acqulatviaaet  St.  fehlt  In  St. 

«"  aeduetorun  In  St.,  da*  tu  tilgen  tat.  «•  fohlt  in  St.  n  aequimlni  St.  **  cum  O.  ■»  fehlt 
In  St.  11  UH  adbuc  loquerontur  O.,  hingegen  fcldt  Ille  bla  loqueretur  In  O.  kk8t.: »  ae  et  (manena). 
»  In  aoo  deapereto  atntu  O.  mm  Giralkonua  haec  andiene  O.  »«tdO.  00  St.  Ileat  noch : 
pro  eo.  PP  obeeermeionea  pro  niaglatro  O.  W  et  8t..  nt  dominua  O.  rr  disnarrtur  In  St.  n.  O. 
■»  alleviaro  in  St.  u.  O.  "  fohlt  in  8t.  uu  es  folgt  in  O. :  aeülcet  Ipal  Boheml.  TV  et  errorem 
.St.,  errorem  O.  *"  ex  dementia  O.  "  dlvulgaverlnt O.  V*  que  pro  certla  St.  "  vorla  O. 
—  In  O.  nach  Prageuale.       ■»  Inmerttla  St.,  fehlt  In  O. 

*  Bautzen  (Budüasin).  "  Altbunzlau  (Str4-Boiestav)  in  Böhmen.  7  „Das« 
man  geruhe,"  d.  i.  wolle.  5  „Seine  Krankheit  geltend  machen",  d.  h.  „Heiner  Krank- 
heit et»  zuschreiben". 


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292 


218.  Stück. 


218.1 
A. 

i)  Eaceihu  H  P»r  7H9  (Wb.  cro«.     i)  A.nno  dm.  438  Erffbrdia  cepit  primitus 
p"*  7<8)  fundari. 
s)  En^ihu»  i  u.  ii       7»«>  u.  7»i    2)  Anno  dm.  1066*  Erffbrdia  circumdata 

(Lib.  croolc.  pag.  778:  Addit.  ad.  I.arab.         '  . 

schAffn.  pag.  44o).  muro  lapideo. 

3)  Eofeiha»  ii  p»g.  70i  (st.  p«tr.  3)  Item  anno  dm.  1079b  Erffordia  exuritur 
IJS  bTt.  T  pS:  48J  uP exercitu  Heinrici  cum  ecclesia  sancti 
Addit.  ad.  Lamb.  Schaifn.  pag.  4s5 «.  ■>.  Severi  et  monasterio  sancti  Petri  cum  multi- 

1078.  Cron.  St.  Petri  mod.  pag.  35«*.  J.  ...  ,.  , 

T  1078,  Sifr.  d«  Balohuttn  p»R.  679).         tUüine  popUll.  | 

4)  Knieiho,  i  u.  ii  pa«.  790  u.  -91    4)  Anno  dm.  H23c  moniales  sancti  Bene- 

(Ub.cn».  pag.  77*);  cf.  u.  Nc.  34.  trans,ate  gunt    de    mmte   Sftncti  geveri 

ad  montem  sancti  Ciriaei. 
s»)  Eageihut  ii  pag.  7!>»  x.  j  ii7»»    5«)  Anno  dm.  1184  Fridericus  imperator 
^£U^^^  habuit  consilium  Erffordie,  ubi  multos  prin- 

&«>.  EnteihM  i  o  ii  paK.  794  u.  79!»  cjDes  concordavit.    5b)  Iinperatore  residente 

(Cron.  St.  Petr.  mod.  pag.  374,  Ctod.      »  '.       r  , 

Rainh.  pa«.  54i.  Addit.  ad  Umb.  SchatTn.  CUm    alllS    mUltlS    paVimentO    HiptO  plUTOS 

ceciderunt  in  cloacam.  quorum  multi  in 
ceno  soffocati  sunt,  inter  quos  erant  nobiles 
sive  nobiliores,  scilicet  comcs  Thuringie, 
comes  de  Kirchbergk.  comes  Hassic  VII4 
kalendas  Augusti. 


PM-  430.  Stfr.  d«  BaJnhus.  p»f.  Ü!»8  »q. 


'  HS:  ir.,..       b  \\n    ,79        *  HS    1»:».       ■»  HS:  *II  (gegen  die  Quellen). 

218.  1  Die  72,  chronologisch  nicht  geordneten,  Einzelnotizen  zerfallen  in  3 
Gruppen:  A:  1—24,  B:  25—71  und  C:  72;  sie  sind  zum  Teil  veröffentlicht  in 
MEH,  1899,  pag.  807— 810;  ».  auch  hierül>er  im  allgemeinen  Holder-Egger  i.  N. 
Archiv  f.  alt.  deutsche Geschichtskunde:  Studien  z.  thüring.  Gesrhiehtaquellen :  I :  Bd. 
XX  S.  375—421 ;  II :  ebenda  S. 571—  637 ;  III:  Bd.  XXI.  8.237-297;  IV:  ebenda 
S.  443— 546;  V:  ebenda  S.  687-735;  dazu:  Aus  Handschriften  des  Erfurter  St. 
Pcterek lottere  Bd.  XXII  S.  503— 541.  Ferner  M.  Baltzer,  Zur  KuiulcJLhfiriiigischer 
Geschiehtsquellen  des  14.  u.  15.  Jahrb.,  besonders  ihrer  handschriftl.  Überlieferung, 
S»»paratal>druck  aus  der  ZThG,  XVIII.  Bd.,  1896,  8.1-60. 

Hauptquelle  Stolles  für  A  ist  gewesen  der  sog.  Pseudo-Engelhus,  d.  i.  Chronica 
Erfordensis  civitatis,  quorum  autor  creditur  Theotlorus  Engelhuaius,  desciip*.  .To. 
Georgius  ab  Eckart,  bei  M8GII,  pag.  561—566,  jetzt  mustergültig  als  Cronicae 
Erfordenses  Engelhusianae  herausgegeben  von  Holder  -  Egger  in  den  MEH 
pag.  784  —  806.  Dann  stimmen  mit  den  Notizen  mehrfach  »ach lieh  noch 
folgende  Quellen  überein,  die  wir  zutreff*.  Fall«  in  Klammern  neben  der  Haupt- 
quelle am  Rande  verzeichnet  haben:  St.  Petri  Erphesfurtensis  auetuarium  et  cou- 
tinuatio  Chronici  Ekkehardi  ed.  Holder  -  Eg^er  in  den  MGH  pag.  23— 44, 
Annales  St.  Petri  Ernhesfurtenses  breves  et  maiores,  ed.  Holder-Egger  el>endR 
pag.  45— 67;  ferner  Additionen  ad  Lambertum  ScbatFnaburgen*cm  (Pistorius-Struve, 
script.  rer.  Genn.  I,  1726,  pag.  425—440  —  vielleicht  von  Nicolaus  v.  Siegen?}, 
ferner  Nicolaus  v.  Siegen,  chron.  ecclesiast.,  hcrausg.  v.  Wegele,  1855,  die  Peters- 
chronik: Chronica  St.  Petri  Erfordensis  moderua  ed.  Holder-Egger,  MGH,  Scr. 
XXX,  1  pag.  335 — 489,  die  Cronica  Reinhartbrunnensix,  ed.  Holder-Egger  ebenda 
S.  490  -656;  einzelnes  steht  auch  in  dem  Liber  cronicoruni  Erfordensis,  herausg. 
von  Holder-Egger,  MEH  pag.  724—781  (dadurch  sind  die  stückweisen  Veröffent- 


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218.  Stack.  283 

6)  Anno  dm.  1203*  Bobemi  vastaverunt   6>  *****  i  «  «  p»c  ?m  0. 

,n.      •  73'J   (LI*,  cron.   paf.   767;  Cron.  St. 

Inurillgiam.  Petr.  mod   pa*  379,  Croo.  Keioh.  pag. 

566,  Sifr.  d«  Balnbnt.  paf.  691»). 

7)  Item  predones  spoliaverunt   munaste-   7>  fc*»»«»  i  n.  n  pm  794  u.  795 

».;,™  o  T>«^   110Q  (Cron.  St.  PeU.  m.  pag.  378,  Cron.  Ralnb. 

num  s.  rem  liyo.  pa<.  *.6l)# 

8)  Anno  dm.  1216  incendium  magnum   8>  Eofeihua  1  n.  11  p*c-  794  0.  7»6 

ti  t*>    j.  0  ».  J.  1113  (Cron.  St.  Petr.  m.  S.  383 

.hrnordie  consnmpsit  pontem  mercatorum.    u.  cron.  R«iab.  Pag.  öss  ».  j.  ms. 

Adait.  ad  Lamb.  Schaffe,  pafi.  430). 

9)  Anno  dm.  1351  in  vigilia  sancti  Lau-   »)  zn^um«  i  o.  u  pac  so«  o.  so» 
roncii  fuit  incendium  magnum  Erffordie  apud  (Croa  8t'  P*,r  moi'  m)' 
sanctum  Laurencium. 


10)  Anno  dm.  1221  Erffordie  incendium  ,  «»>         » «•  »  ™ 

.   .  .  .  .        ,      (Cron.  St.  Potr.  mo4.  pagr.389«.  J.  1S22, 

magnum  pJateam  latam  consumpsit  et  eccle-  •b..  cron.  lumh.  P*V  597,  Ada»,  m 
siam  omnium  sanctorum.  Lamb  ^***0-      430  *  J- m3>- 

Item  eodem  anno  occisi  sunt  septuaginta 
sex  judei  a  peregrinis. 

11*)  Item  eodem  anno  orta  sedicione  inter  u»)Bntrf*Mi 7»; .11»)*.  j. 

.  .         ,    11hW.  j  12*7  (Cron.  St.  Petri  mod.  pa«.  38"J; 

cives  plures  occisi  sunt.  llb)Item  eodem  anno  nicoi.  d«  siegeu  pa«.  350). 
archiepiscopus  maguntinus  celebravit  ordines 
ad  sanctum  Petrum,  episcopus  halberstaden- 
sis  ad  beatam  virginem  et  lynoniensis  in 


•  HS:  lt. 


lichungen  von  Lorenz  in  den  Geschieh  tsquellen  der  Prov.  Sachsen  I,  1870:  Chro- 
nicon  Thuringicuro  S.  197-214  u.  Wenck  im  XII.  Bd.  d.  ZThG,  1884,  8. 187—251 
antiquiert),  endlich  auch  in  der  Hist.  universalis  Sifridi  presbyteri  de  Balnhusin, 
ed.  Holder-Egger,  MGH,  Ser.  XXV  pag.  679—718.  Vollständigkeit  im  Nachweis,  wo 
die  betPßftenden  Notizen  auch  immer  gerundet)  werden,  kann  weder  hier  noch  im 
folgenden  unsere  Aufgabe  sein,  ebensowenig  eine  genaue  Kommentierung  der 
einzelnen  Notizen.  Die  Notizen  19  u.  20  a  u.  b  entlehnt  Stolle  wohl  lokalen 
Quellen  bezw.  lokaler  Tradition. 

Hauptquelle  für  B  (25-71)  ist  der  Liber  cronicorum  (MEH  pag.  724—781), 
dann  ausser  den  schon  oben  genannten:  den  cronicae  Erfordenses  Eugel- 
husianae  I  u.  II,  dem  8t.  Petri  auetuarium  et  contiuatio  Chronici  Ekkehard!, 
den  Annales  St.  Petri  Erphesfurtenses  breves  et  minores,  der  Chronik  Sigfrieds 
von  Ballliausen,  der  Petereclironik  und  der  Chronik  von  Reinhardsbrunn,  dem 
Chronicon  ecclesiasticum  des  Nicolaus  von  Siegen  und  den  additiones  ad  Lam- 
bertum  Schafrnaburgensem  noch  die  Annales  Hersfeldenses  ed.  Pertz,  die  annale« 
St.  Petri  Erphesfurtenses  antiqui  ed.  Holder-Egger  (MEH  pag.  3—22),  die  annale* 
Erphordenses  fratrum  praedicatorum  ed.  Holder-Egger  (ebenda  jiag.  72 — 116),  u. 
Cronica  minor  auetore  minorita  Erjihordensi  ed.  Holder-Egger  (ebenda  pag.  486 
bis  723,  auch  i.  d.  MGH,  8er.  XXIV  j>ag.  172—213).  No.  34  ist  Wiederholung  von 
No.  4 ;  No.  35  setzt  für  instaurata  der  Quelle  das  falsche  fundata.  Nicht  aus  dem 
lib.  cronicorum  sind  folgende  Notizen:  40  aus  Engelhus,  41  u.  60  aus  der  Peters- 
chronik, 42  mit  Änderung  ebendaher,  43  u.  59  aus  Eugelhus.  In  No.  60  findet 
f*ieh  das  merkwürdige  Versehen,  dass  der  Abt  des  Peterskloster  Wernhcr,  der  die 
Wasserleitung  anlegte  —  s.  oben  St.  168  A.  14  u.  15  —  „Hirssanger"  genannt  wird, 
da  er  ein  „monachus  Hireaugiensis"  war,  s.  „Peterschronik"  pag.  800  z.  J.  1136. 

C  No.  72  ist  Selbsterlebtes. 

Kommentiert  haben  wir  die  Exccpte  unter  B  u.  C  auch  uicht,  da  sie  histor. 
ganz  wertlos  sind ;  das  Nötige  zum  Verständnis  bat  die  elwiiso  umsichtige  als  un- 
erschöpfliche Crelelirsamkeit  Holder-Eggere  z.d.  angef.  Stelion  bereits  beigebracht. 


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284  218. 

capella  sancte  Marie  Magdalena,  qui  simiil 
electuni  episeopum  pragensem  consecravo- 
runt  in  ecclesia  sancti  Petri. 

,  V)»Se™        801  (Lib  c,ünic'  Anno  dm-  1284  fratres  s.  augustini 

cenobium»  construere  ceperunt  Erfifordie. 

Mi3)Ȋ?"UMU 11  *01  (Lib- cronlc-  13)  Anno  dm.  1285  elaustrum  novi  operis 
I1,1*-  <&<->)■  ...  * 

lniciatum  est. 

illl^*?"1".* 1  u-  *l  2**.  800  u-  ™l     14)  Anno  1291  oritur  incendium  in  curia 

( Aildit.  ad  Lambert.  äcbannaburgeDP.  pag. 

■las,  cron.  st.  petri  Inod.  pag.        novi  operis  et  consumpsit  vere  terciam  partem 

civitatis;  monasterium  exustum  fuerat,  mo- 
nasteria  minoruni,  regularium,  albarum  do- 
niinarum,  ecclesia  s.  BartholomeL  Eodem 
anno  aliud  incendium  centum  curiarum  cum 
ecclesia  s.  iobannis. 

wV^XSJSi.^SZ  15)  Anno  dm-  1293  incendium  in  ponte 
cron.  st.  Petri  mod.  pag.  42«).         niercatorum  totum  consumpsit  cum  ecclesia 

s.  Egidii  cum  edificiis  mulüs. 

m£  ÄtÄ  *LX.S.13.*e£  »«>  Anno  dm-  1296  i"<=eidium  grande  in 
st.  petri  mod.  paK.  4»o).  foro  raparum  et  pergamentorum. 

i7)  Engeihu»  i  u.  ii  Pag.  <M»  u.  803.    17)  item  armo  incendium  in  pede 

montis  s.  Petri,  quod  ecclesiam  s.  Leonhardi 
consumpsit 

l«)  Ent-eihu«  ii  pag.  &o;i  i.  J.  Wo»     iü\  Anno  dm    1309b  fnsa   est  camnana 

«rot».  St.  Petiiiuod.pt*.  t.W.a.J.  1.101 :        ,ö/  ÄDtn"    UIU.   lOU»      IUba    Ohl  OUIIip^IlH 

sie.  de  siegen  pag.  37»  i.  j.  i;io7).    magna  ad  beatam  virginem  nomine  gloriosa. 
i9)  Kuge.hu.  11  pM.     -wo«.         10)  Anno  dm.  1397  inceiidiuoi  a  s.  üangolfo 

consumpsit  ecclesias  s.  bartholomei  et  s.  viti 
et  cerdones  s.  servacii  et  quasi  quartam 
partem  civitatis.  Iste  ignis  circuivit  Carthu- 
sienses,  novum  opus  et  fratres  minores. 

ao*)  Lacfibu*  ii  p«g.  *06.  20*)  Anno   dm.  1413   ignis   in  monte 

passerum  tetigit  dy  vottergasse,  den  angor 
et  ecclesiam  s.  Laurencii. 

irob)  tng.  ih»*  11  pag.  so«  u  j.  14K0.    20b)  Item  ignis  prope  fulloch  by  den  alden 

flcischbenckeu  tetigit  forum  raparum,  eccle- 
sias sancti  Andree,  üeorgii,  Servacii,  Mau- 
ricii  et  Johannis,  et  quasi  sextam  partem 
civitatis  firffordensis  combussit  | 

»nLogeihoa  iu  ii  pag  wi  ».  »o;,    21)  Anno  dm.  1350  positus  est  primus 

(Cron.  St.  retri  mod.  pag.  470  hj.)  .  '        ...         «     .     1  •       •     •  • 

lapis  novi  chori  ecclesie  beate  Marie  virginis 
in  Ertlbrdia.  Item  eodem  anno  Constantinus 
nomine  quidam  hcreticus,  qui  dixit,  sc  esse 
tilium  doi  et  post  ubitum  ejus  die  tercia 
surrecturum,  sed  ad  gradus  beate  Marie  vir- 
ginis vor  den  greten  combustus  fuit;  non  rediit. 

*  Fehlt  ia  der  US  (vergeeaen).      »»HS:  13.». 


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218.  Stflck.  28!» 
22)  Item  eodem  anno  pestilencia  vigens,  ,  M>  i  u  ir  w.  »04  0.  sor, 

....  ,         (u»icek  J'.«ih«iifolei')  il'ruu,  8t.  fetrimod. 

postquam  omma  cimitena  civitatis  repleta  w.  471 ). 
sunt  in  villa  Nusessse  facte*  sunt  XI  fovee. 
Itera  eodem  anno  facte  [sie]  sunt  gradus 
ridee  (sie]  ante 


23)  b  Item  fames  magna  et  pestilencia  facta   *?)  ' u  "  »'•«•  w*  »•  •*» 

,,,„,,  r      „  _         t.  I.  1318  (Addit.  ad  Lamb.  Srhafloab. 

est,  unde  brftordenses  quinque  foveas  fece-  «.  j.  isit;  p««.  4»*,  cm»,  st.  p«tri  n. 
ruut  fieri  in  Smedestete  ante  eivitatem,  ubi ^Jr,£f,-.44*;  (  ron  ^0"  *• J- 
centum  et  triginta  tria  sexagenec  hominum 
sunt  sepulti. 

24)  Anno  1342  in  vigilia  s.  Marie  Magdalene   **\  KD«eihu\'  0  "      80*  u  8M 

r        '       ..         ,     .      &  ..     (Addtt.  ad  Lamb.  BchafTnab.  pa*.  43S>. 

tacta  est  inundacio  aquarum  Jkrfiordie,  ita  <>on  st.  i>m  mod  Pa*  4 cor 
ut  nemo  potuit  [sie]  equitare  in  plateis  cir- 

eumquaquam.  |  tu 

B. 

25i  Anno  dm.  M"CCXVI  eanoniei   heute   *r'>,u\ cron,  1  J-  li0»  ***  JJ* 

.  •  .  (fcogelhu*  1  1.  J.  ISIS  paf  7»4,  Ctod. 

marie  virgmis  hrfionlenses  pnmo  meeperunt  st.  v»tri  m.  p»t.  3%,  n*.  de  siac» 

processionem  facere  ad  niontem  s.  Petri  ex  PH  M*  •q-) 

ordinacione  domini  Gerwiei,  plebani  ecclesie 

s.  Pauli,  in  die  puriticaeionis  beate  marie 

virginis. 

26)  Anno  dm.  M°  CC  XXX  VII  idus  julii  Jg*"*-  CJ'"-      7,:3  {( r0B-  Raln 
pueri  Erttbrdenses ,  niillenarium  numerum4'  ,Mnlbr  p**'  "M* 
exeedentes,  dueentes  ehoream  et  nsque  Arn- 

stete  venernnt. 

27)  Anno  dm.  M'  COL  minores  fratres  ha-    sn  ui».  «..n.  p»*.  76«. 
bentes  conventum  in  Gotar  transtulerunt  se 

et  eesserunt  domui'  sue,  quibus  sancrimo- 
niales  successerunt. 

Eodem  anno  corpus  Cristi  inventum  est 
in  piscina  *  Erftordie.  Eodem  anno  fratres 
minores  fecerunt  cenobium  in  arnstete. 

28)  Anno  dm.  M"CCL1II  magna  diseordia  }^s\^  rTnn  pat  7Cß  (0ron 
in  terra  Thuringia  orta  fuit,  que  per  novem 

annos  durans  terram  Thuringie,  Hassie  et 
Saxonie  nimium  devastavit. 

29)  Anno  dm.  M"CCLXX  in  Erffordia  in    *»>      "n,»c  P»«.  770 
platea  fullonuni  natus  fuit   puer  hirsutus 

quasi  canis  horribili  aspectu,  volens  iterato 
introire  in  ventrem  marris  sue,  qui  vix  a 
viro  fortissimo  interfectus  fuit. 

30)  Anno  dm.CCCC°XXX0  cepit  ordo  regu-  t  m.n.  ,*f,  777  <(W  si. 
larium  canonicorum,  apostolicam  vi  tarn  <hi-  Petr1  m  w  'r,:,)" 

•  HS:  facta.      b  Am  Rand«  toi.  »leicher  Hand:  aan»  1316.      «  HS  d  HS: 

•  H8:  »rlit  et  hintu.       t  HS:  donnt.       S  IIS:  piMorr 


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286  218.  Stück. 

centes,  a  beato  Augustino,  episcopo  in  eccle- 
sia  Yponnesi. 

si)  ub  cro...  w  :w  (s  ivtri  Erph     31)  ^nno  &m  VII«  vn°  monasterium  s. 

»uet.  Uüceh.  pa«.  2;>,  Engolhu*  1.  u.  II  „      '  .  „ 

pik  7«w  u.  -*»,  L*mb.  Heif.  ann.  Pa».  a  Petn  in  erffordia  fuiidatum  fint  a  Tu^aberto, 
ui:^.^^^0^.  ™&>  Francorum,  deleto  prius  Castro  ibidem 

posito,  Merguigis  regia  nuncupato. 
..ÄS2!7Ä    32)  Anno  dm.  VUPXI.II  ossa  s.  Severi, 
Ii,  p»c  7s;i,  (  rou.  Reiiih.  p«».  ;,if,  episcopi   ravenensis,  translata   fuerunt  de 

Maguncia  ad  erffordiam  per  dominum  oth- 
garium,  archiepiscopum  niaguntinum,  et  collo- 
cavit  in  capella  s.  pauli  apostoli  in  alto 
monte  sita,  ubi  nunc  est  occlesia  s.  Severi. 

,  f.,"*». TJÜ.  33)  Ann°  dra-  VITC  LH  monasterium  beate 

v  schäm.,  p«  4io).  Marie  virginis  j  in  Erffordia  primo  eonstruc- 

tum  tuit  per  beatum  Bonifacium,  primum 
archiepiscopum  maguntinum. 
M)iA.eioi^  m.7w-;;»iKiirt.    34)  Anno  dm.  MWC"XX1II  moniales  or- 

bus  I  u.  II  pag.  7!»0  u.  .91)  —  cf.  ok.         .  ' 

no.  4.  dinis  s.  Benedicti  translate*  sunt  de  monte 

8.  Sevori  in  Erffordia  ad  montem  s.  Ciriaci 
per  dominum  adelbertum  episcopum  magun- 
tinum, et  Castrum  munitissimum  idem  epis- 
copus  in  monte  s.  Sevori  sibi  construxit 
.«.Ä  ^fw*9*  7T"  (ABa""    35)  Anno  dm-  M'CXXXl»  fundata  est 


ecclesia  augustiuensium  in  Erffordia  per 
dominum  Adelbertum  archiepiscopum. 
u  f\  Uh  ZT V w  JTp  ,iSirr'  de    36)  Auno  dm.  M°CC0VH°  incepit  ordo 

Bai  nh.  pag.  700,  'Ann.  St.  rewl  m.  pa».  '  r  % 

cron.  minor  Pa*.  j:»«;  »q.,  cron.  predicatorum  et  anno  M°CC°  XVI  coniirma- 

Itelnh.  pa».  ^u|t  ft  pftpa  gonori0 

3-)  Mb.  cruntc  pa».  77<j-7»o  üb-    37)  ^nno  ^m.  M°0C°XXi  minores  tratres 

weichend)  U.  J.    122»;  Cron.  M.  l'«tri       .    '  T, 

,„.  P»f.  wo,  er«.«,  iteiüb.  P*».  598.  primo  venerunt  Erffordiam  et  extra  muros 
cr.>0  minor  ,o«  i»7,  Ann.  Krt  j»ir.  ^^23  UDi  nunc  manent  fratres servi Marie 

prardic.  pa» .  sl,  Nc.de  Siegen  pa».  3.>0).    *  •  *^v».-><  """v'  *-"""v'" fc  """^  '  ■—••*»*  v 

ante  portam  spasmi. 
a«)  i.ib.  crontc  pai ;.  7ho  (Kac^kus    3g)  gt        XI  annos  habitabant  ibidem, 

1  u.  11   p«».    7!»ti  u.  7S><    «.  J.  1228,  ,  r  .    ,  ^  n  «• 

KrphMf.  ftiir.  praedic.  pi«.  m.  et  anno  diu.  M°  CCÄ  XXXU  lntravemnt  hrfior- 


diam  et  construxerunt  claustrum,  ubi  nunc 
habitant. 

y£05l  Är^Ä  pS:  39)  Anno  dm.  M-CC-XXIX  predicatores 
da.  Anuai.  Krph.  fr««r.  pra^d.c.  PaK  M:t  cenobium  Erffordie  construxerunt  in  predio 

1  J' lTSl  dominorum  de  Honsteyn. 

10  u.  4D  F...«eii.u«  1  u.  u  p«».  7<h;    4Q)  ^nno  jm  Mo  cc°xxv  factum  fuerat 

u.  7'.»7  ».  J.  122ti  (Cron.  St.  l'etri  mod.  7  _  ,     .  , 

p««.  :j;»o).  Organa  magna  Erfiordie  in  ecclesia  beato 

Marie  virginis.  41)  Item  eodem  anno  factum 
tuit  Organum  magnum  Erfiordie  ad  s.  Petrum. 

•  IIS:  tcan.lail. 


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218.  Stück.  28? 

42)  Anno  dm.  M°CC°XX1V  Erffordenses   *8)  <Cro0-  st-  Plrtli  mud  w 

V.    j.  j       .    .  ..    .      .      a.        CtobIc.  Reinh.  W.  600,  Nlcol.  deSie«. 

mgratitudinom  domim  magunüm  et  onen-  p**.  v,o  •<].) 
sam  graviter  incurrebant,  ideo  a  quarta 
feria  ante  palmarum  usque  ad  kalendas 
augusti  divinis  caruerunt,  quo  die  medi- 
antibus  lantgravio  atque  prelatis  erfforden- 
sibus  compusicio  statuebatur  satisfactione 
pecuniaria  contirmata,  sicque  divina*  re- 
sumpta  fuerunt. 

43)  Anno  dm.  M°CC°  XLI°  episcopus  ma-       EoKemu»  n  p»*.  799  1.  j.  is4o  153 
guntinus  Eitfordensibus  a  feste  penthecostes  £K;  Ä  ««.^Ai^S 
usque  ad  assuinpcionem  tercii  anni  divina        s<h'ffn-       <ai  *  j  uu. 

^        ...  r  Aon*l.    Krphesf.   ftatr.    prardic»!.  pa,?. 

suspendit  4«  .<<.  x  1.  ims). 

44)  Anno  dm.  Jklu  CCC°  VII  in  die  pai^s- (>  «<>«'<•  p**:  m  i^».  st. 
ceues  infra  matutinas  transfixus  est  Theo-  JS. mo  p**  431,  lyron  Reloh  *"* 
dericus  lantgravius   senior  cum  cultro  a 

quodam  servo  suo,  qui  servus  requisitus  et 
iuventus  horribili  morte  interemptus  fuit. 

45)  Anno  dm.  M*UüüXCI°  cum  civitas  "•:•>  ub.  crom.,  p«  -71-;;«  «.roo. 
aconensis  per  suldanum  Babüonie  capta  pi/SS)  m<'d  P*"  *u'  <  ru°'  lUiuh 
esset,  dicitur,  quod  ad  dorn  um  templariorum 

peneb  VH  milia  hominum  confugerunt,  sed 
tandera  omnes  a  Sarracenis  sunt  occisL 
Deinde  ibidem  soldanus  subvertit  et  pervenit 
ante  quoddam  cenubium  virginum  elaustra- 
lium,  ubi  intellexit,  quod  ibi  essent  speciose 
et  pulcherrime  puelle  numoro  LXXX  deo 
servientes  in  sanctitate  et  castitate.  Tunc 
comminatusc  est  soldanus  eisdem  sacris 
virginibus,  quod  cum  sodalibus  et  faniilia- 
ribus  amicis  altera  velit  intrare  die  et  eas 
cum  inpudica  et  inmunda  violacione  omnes 
meretrices  emcere;  quod  cum  nunciatum 
esset  ab  aliquibus  cristianis  eisdem  puelüs, 
tunc  meror  et  luctus  factus  fuerat  magnus 
omni  um,  clamantes  et  dicentes:  0  dous, 
utinam  nunquam  essemus  nate  et  ad  hanc 
etatem  profecte,  quod  tarn  flagiciosis  homi- 
nibus  sumus  deputate.d  Tunc  abbatissa  fecit 
pulsum  ad  capitulum0  et  convocatis  Omni- 
bus in  capitulum"  fecit  exhortaeionem 
egregiam  de  voto  continencie  et  castitatis; 
et  in  fine  sermonis  allocüta  est  hüs  verbis 
universas:   0   aniatissime'  tilie  et  dilecte 


•  HS:  UiriBiJ.        b  HS:  b«ne.        •  HS:  cominatus.       <»  US;  dupuUtl.        «  HS:  capittulum. 

S: 


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28*  218.  Stück. 

sorores,  si  dominum  nostrum  Jhesum 
Oristum  verum  sponsum  animarum  vestramm 
ardenter  amatis  et  cordialiter  diligitis,  tunc 
faciliter  omnia  deformia  pro  ejus  nomine  in 
vestro  corpore  membra  rautilata  et  distorta  | 
sustinetis;  melius  et  gloriosius  est*  nobis 
cum  despecto  vultu1»  et  horribili  facie  casti- 
tatis  lilium  servare  quam  in  cloacam  libidi- 
nose  voluptatis  et  spurcicie  cadere  et  per 
luxuriam  animas  n ostras  maculare.  Unde, 
si  mente  integra  vere  deura,  amatorem 
vestrum,  diligitis,  tunc  ostendite  hodie  et 
facite  ob  ejus  amorem,  quatenus  ego  nunc 
tacio.  Et  hiis  dictis  abscidit  sibi  nasum; 
quod  tunc  factum  cum  cetere  vidissent,  fe- 
ceruut  similiter  omnes.  Altera  autem  die, 
rum  soldanus  intrasset,  claustrum  cum  suis 
et  omnes  videret  absque  naribus,  admira- 
tus  est  valde  et  obstupuit  constanciam 
earumc  et  confusus  intra  se  nimis  cum  suis 
erubescendo  recessit. 

4«".)  Mb.  cronir.  pa*,  777  (l>n.  SI,  46)  Anno  dm.  CC°  I,  cepit  monasticus  ordo 
»••tr  m^paR  SM).  ajj  antonio  monacho  et  abbate  ind  thebaya, 

ubi  tunc  beatus  paulus  priraus  beremita 
claruit,  ibidem  multi  servi  dei. 

47)  Lib.  cronic  pa«.  777  (oon.  st.  47)  Anno  dni.  nxxvil*  cepit  ordo  et  re- 
L'l I^m*  t .'Aj6r,a5*an   r  nif"  Sl^a  monachorum  a  beato  benedicto  abbate 

in  monte  cassino  in  campania  de  roma. 

4h)  uu.  rronic.  paK.  777  (si.  Pein    4g)  Anno  dni.  POG°XLII  gewilione  ma- 

Frphe.f  .«.t.  KkUrh.rdi  pa*.  S«  ,,  ,      guntinenai  episcopo  dep08itO  BonifaciuS,  qui 

antea  vocabatur  winfridus,  successit  et  a 
wormacia  dignitas  motropolitana  translata 
est.  in  mogunciam  do  precepto  zacbarie  pape. 

4s»)  ..>.».  rroni,.  pa«.  :77.  49)  item  eodeni  anno  cepit  ordo  canoni- 

comm  et  canonissarum  per  beatum  boni- 
faeium  in  tbeutonia. 

r.(»  in.,  crnnir.  par.  777  (si  rein    fiO)  Anno  dni.  DCC XXXVI  iniciatum  est 

aurt.  Ekkehard!  pa?.  SO,  Ijm'>    Umt.  .  .      ■        r  u 

Annaj.pag.7o.       d^si^n  P»K  u7).  monastenum  in  nersteldenso. 

51)  MI.,  eronie.pa«.  777  (Ann.  Limb.       fjj)  ^nnO  dlii.  DCCXLV  iniciatlim  Cst  1110- 

nastenum  fuldense. 
r.s)  LH»,  crouk.  ph.  777  (st.  ivirt    52)  Anno  dni.  DCCLXXV1I  beatus  lullus 
,m  An«  SÄ  ™m  28 '  ' am"        archiepiscopus  I  maguntinensis  dedicavit  ecc- 

lesiam  in  ordorff  in  honorem  beatornm  petri 

*  TIS :  et       *  HS:  wultu.       •  IIS :  eomm.        «>  HS:  et.       «  d,  cbenio  Ko.  48.  M>.  T.l.  6S. 
M   :>4  61 


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218.  Stück.  28 <» 

et  pauli   apostolorum  et  sancti  michaelis 
archangeli. 

53)  Anno  dni.  I)  CO  LXXXII »  karoius  impe-   ™>  Ub-  "ünic  w.  777  (u.nb.  h«h. 

.  ..       A  .    .  .  r.     pa«.  U  /.  J.  781). 

rator    divisit    terram    inter   episcopos  in 
Saxonia. 

54)  Anno  dni.  lu.'CC  »  epit    in    hererao  p ;^m^-  ™,B£- ^  777  st. 
wilbelmitarum  ordo  sub  wilbelmo  dm*«  in 

aquitania  ad  regulam  beati  benedicti. 
öö)  Anno  dni.  M "  XCVIII  eepit  ordo  cister-    r'r,)  L,h-  m,nic        777  tf  ™"'1": 

\  .  *  minor  par.        ;  Sifrlü  Je  Italnh.  p;ij<  6:i7 

ciensiuin  gnseorum  extractus  et  assumptus  1  j.  10..7). 
a  regula  beati  benedicti  a  ruperto  abbate 
in  burgundia. 

56)  Anuo  dui.  Al°C"XXI  nortpertus  an-hi-       Llb-  m,ftic  p»<-  "?  (lr,n  Sl- 

7  1  .  IVtn  med.  p»«,  U.V.;   Cron.  min.  Pai;. 

episcopus   magdeburgensiii  claruit,    a  quo  iyi:  nie.  de  sie*««  Pat.  an  ».1 ) 
nortpertini  canonici  prodierunt. 

57»)  Anno  dni.  M°'XXIX  ordo  templari- ,  n*)  Lib-  r*»™-  ^      >■  ■'• 
orura  conhrmatur  ab  honono  papa  quinto,  ram.  pai?  inv       <**>.,.  K,,,.h.  ,«„. 
57l)  et  eodem  anno  claustrum  griseorum  in  f,si  1  J  n-SK 
walkenrede b  fundatur. 

58)  Anno  dni.  AT'CXXXVII  cronica  euse-    r,s)  s  »">««^«'»  *■  '-«•».  p»« 

7:t7 

bii  cesarieusis  conscripta  ab  origine  mundi 
usque  ad  annuin  MmCXXX VJLm  producta  est. 
Ip.se  vero  eusebius  obiit  anno  dni.  DXXV. 

59)  Anno  dni.  M"C°XUI  VII  idus  maii    •'*>  1  "-  " ™*  »■  ™ 

.    .  ,         „      ,  ......     1.  J.  1141  V«  ion.  M.  P<  tn  m.  i-m.  3»i6: 

civitas  erphessfordensis  occulto  dei  judicio  cr»n.  iu*i»b  P->*.  ;,jr.:  a™.  st.  ivtr. 
magna  ex  parte  igne  consumpta  tuit,  monas-  «i,1  tj'ti' 

teria  quoque  sancti  petri  sanctique  Soven  cum 
aliis  sanctorum  ecclesiis  consumpta c  fuerunt. 

60)  Anno  dni.  M°C XXXVI   auiia  ducta   r,0)  c,on-  s».  »>tr.  nv.d.  P>?.  s«;. . 

».  . ,  L  .    .  1  .      ,  (Ann.   8t.    Potr.    Krpli.   .nit.    p.m.  17; 

tuit  super  montem  sancti  petri  m  erpesturt  xu-„\.    su-.»  p»*.  ;u»». 

per  abbatem  werneruni  dictum  hirssanger.  v 

61)  Anno  dni.  M°CXXXV1  cenobium  in    «d  mi>.  rron*  P»^.  77«  *  .1.  113s 
volkolderoded  iniciatum  fuit. 

62)  Anno  dni.  M°CXLVIJ  cenobium  in    «*>  1»-  77s 
valle  sancti  georgii  iniciatum  fuit. 

63)  Anno  dni.  CCCC" XXX  VIII  tempore  clo-   «>  uv  roni,-.  P»«.  77s  u:n«ihM 
dii,  regis  franckorum,  et  tempore  marcko-  1 11  v>'~  u 

medis,  regis  thuringorum,  civitas  erpbesfort 
inicium  sumpsit. 

64)  Anno  dni.  Im C  VII  monasterium  sancti    «4)  -  h...  31. 
petri  in  erffbrdia  fundatum  fuit  a  tag.iberto, 

rege  francorum,  deleto  prius  Castro  ibidem 
posito  mergwigis  regis  nuncupato. 


»HS:  dCCC  LXXXII.  »HS:  walkenrod«..  c  HS :  coiwumpte.  ««II«:  walkenn.l«, 
aber  ».  ob.  No.  57  ». 

K.  Stollei  MemorUle.  19 


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290  218.  Stück. 

«:,)  ub.  croni-.  p*.  77».  fä)  Anno  dni.   M°  XXXVI  monasteriuM 

scotorum   in   orffordia  edificatum  fuit  per 
dominum  walterum  de  glissbergk. 
^6«)  im.  «o»ir.  p»k.  77«  -     ob.  Anno  dni    iQQfi  civitas  erffordensis 

primo  cireunicincta  fuit  niuro  lapideo,  pro- 
pugnaculis  in  circuitu  positis. 

, -7«'i 'iriVMSriSa  07)  Anno  dni-  M°CL1Y  corPor*  sanctorum 
st.  i'ftri  Erph.  major.  p»K.  67;  cron.  cpiscoporum  adelarii  et  eobani  in  Erftbrdia 

sch^'pi  K/Si.Tsi^en^:  f°PultÄ  in  nionasterio  beate  marie  virginis 
mw-  inventa  sunt  et  cum  magna  gloria  translata, 

et  non  longe  post  nova  ecclesia  cum  turri- 
bus  munitissimis,  ut  jam  cernitur,  fabricata* 
est  de  oblacionibus  sanctorum  predictorum. 
i  uVpÜ  7ry"lcu  'S;  7?5>  (tn'!e,hu,    ö8)  Anno  dni.  M°CLXXXII  civitas  erflor- 

densis  distributa  est  in  diversas  paroclüas; 
nam  antea  sola  ecclesia  sancte  marie  fuit  caput 
omnium  ecclesiarum  et  parochia  generalis 
tocius  civitatis  excepta  ecclesia  sancti  severi. 
Alie  vero  Capelle  sanctorum  edificate  fuerunt 
per  intervalla  temporum  a  nobilibus  terre, 
qui  de  precepto  maguntinensis  episcopi  ob 
tuicionem  predicte  civitatis  ibidem  habi- 
i5f,  tabant.  | 

es»)  i.n».  cronic.  pac  77h  (Cwn.  min.     ()[))  Anno  dni.  M°('C°  cenit  ordo  domus 

paf.  1!»»:  i'ronic.  Kcinh.  p*R.  ß«4i.  .      /     .  ,     .  i  • 

theoton  ice  ab  imperatore  hemneo  sexto  m 
ackon;  sed  coniirmatus  fuit  anno  M°CC°XX. 

70)  i  n.,  rrouir.  pag.  77:<  ((r„0.  st.    70)  Anno  dni.  MM(X?W  VII  ineepit  ordo  pre- 

IVlrl  m.  pa<.  »hl),       So.  ..  u     *    j       •  •    l  •  •  * 

dicatorum  a  beato  doramico  in  hispama,  et  con- 
firmatus  fuit  anno  M°CCXV1  a  papa  honorio. 

71)  iib.  cronic.  p*g.  77ij  (crooic  min.    71)  Anno  dni.  M°CC°X  ineepit  ordo  mi- 
1M"  M|  )  norum  fratrum  a  saneto  francisco  in  valle 

spoletana  civitate  assisii;  et  eontirmatus  fuit 
a  domino  papa  honorio  anno  M°CC°XXII. 

C. 

14+7  72)  Anno  dni.  MÜCCCC°XLYI1  fuit  bellum 

grave  inter  civitatem  zuzatensem  et  epis- 
copum  coloniensem.  Et  episcopus  postea 
cepit  lantgravium  thuringie  cum  bohemis 
in  auxilium,  et  obsedit  civitatem  et  quasi 
no ngen ti  de  bohemis  occisi  sunt,  quia  tUius 
ducis  clivensis  cum  exercitu  copioso  fuit  in 
civitate  zuzato  prope  zost. 


*  HS:  obhta  (\vr*chni'hen  ve^en  dei  fottrd.  oblacionibus). 


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1 


219.  und  220.  Stüc  k. 


291 


Anno1  domini  M°CCCC°  quinquagesimo  t'uit  grave  bellum  intor 
lantgravium  wilhelmum  thuringie  et  fratrem  suum  friderioum, 
marchionem  missenensem,  et  mutuo  devastabant  terras  suas  habentes 
in  auxiliura  bohemos.  Apel  vitcztum  dicebatur  fuisso  causa  discordie, 
et  tarnen  cito2  composicio  facta  fuit  Sed  amici  apel  vitcztluims 
detinuerunt  abbatera  quendam  legatum3  ducis  burgundie  in  salvo  con- 
ductu  lantgravii  thuringie;  idoo  apel  cum  suis  ainicis  amissis  castris 
expulsi  fuerunt  de-  terra  thuringie.  Et  abbas  predictus  ]>ostea  factus 
[est]  cardinalis,  propterea*'  cardinalis  attrabatensis  de  burgundia  (dictusj, 
quem  sepe  vidi  ego  conradns  stolle  in  urbe  Romana  anno  14  LV1I1 
[MCCCULV11I]  tempore  pape  »  ?lii  II]. 


Anno  dm.  M°(X''CCML111°  civitas  constantinopolis 1  a  turcis  misera-  1453 
biliter  versa  fuit  in  ruinam.  Ibidem  imperator  constantinopolitauus-  per 
ipsos  turcos  truncatur  et  intertieitur.  Posthoc  intrantes  ungariam,* 
quam  devastabant  per  predas  et  gnerras.  Sed  tarnen  statim  permittente 
deo  circa  Castrum  kriclüsschen  weissenburg  per  ipsos  ungaros  aliosque 
cruciferos  acriter  cesi  sunt  et  a  terra  ista  depulsi  fuerunt. 

Anno  dm.  M0CCCC0LX1T  die  XII  mensis  aprilis  quidam  nobili  [sie]  n«2 
cives  de  constantinopoli  portaverunt  ad  urbem  romanam  boatissimum 
caput  saneti  andree 1  apostoli,  quod  rapuerunt  de  civitateconstantinopoli.b 
Et  papa  pius  aeeepit  idem  caput  et  introduxit  urbem  cum  magna 
solempnitate,  videlicet  cum  XXIV  cardinalibus  et  XUY  episcopis  neenon 
magna  populi  caterva,  eciam  me  conrado  stolle  pre.sente  vidi  et  singula 

; 

*  HS:  Et  abbat  predlctaa  poatea  fartua  cardinaliii  quora  cope  vidi  e^o  courailns  »tolle  In  url»e 
romana   prope  canthtalts  attrabatenHb  de   burgiiDdtn  aun«  14  LVUI  tempore  pape  P  .  .  .  [ad 


21».  1  Selbsterlebtes,  s.  ob.  St.  198-215.  2  S.  St-  211  A.  1.  n  Jenen  Abt 
vod  Anas,  «.St.  218  A.  10.       4  Papst  Piu*  II.,  145X-14<>4. 

220.  1  S.  (ieschichte  des  Osman.  Meiches  von  Hammer  I."'  S.  391— 421,  und 
Geschichte  des  Osmau.  Reiches  in  Kuropa  v.  .I.M.  Zinkeiseu.  1S40,  I,  8.  SU  bis 
855.  *  Bekanntlich  lies*  der  ««manische  Sultan  Mahmud  II.,  welcher  am 
29.  Mai  1453  Konstantinopel  eroberte,  als  der  letzte  griechische  Kaisrr  (Konstantin  IX. 
Dragoses,  aus  dem  Hause  der  Paläologen,  bei  der  Einnahme  seiner  Hauptstadt 
gefallen  war,  der  kaiserlichen  Leiche  noch  den  Kopf  abschlagen,  s.  Hammer 
a.a.O.  S.415  u.  421,  Zinkeisen  a.  a.  O.  S.  H4i>  u.  H52.  J  Es  ist  der  Feldzug 
des  Jahres  1454  gemeint,  der  für  die  Türken  nicht  glücklich  war.  da  sie  von  den 
Ungarn  unter  Huuyades  bei  Krusovaz  a.  d.  Morawa  geschlagen  wurden,  s.  Hammer 
a.  a.  O.  S.  433  f.  und  Zinkeisen  a.  a.  O.  II.,  S.  74  f.,  Mailath,  Geschichte  der 
Magyaren  II.,  1852,  S.  202.        *  S.  Samson,  Die  Heiligen  als  Kirchenpatrone, 


220. 


v 


19* 


L 


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2<J2  221.  Stuck. 

audivi.  Et  collocavit  idem  eaput  sancti  andree  ad  ecclesiam  .sancti 
petri  in  opposituin  altaris  samte  veronice. 


881. 

1472  Anno  domini  MMCCCC°LXXI1  do  in  deme  mouden  januarii  noch 
der  heiigen  drie  konige  tage,  do  wart  go  seen  zu  erflort  unnd  in  vil 
landen  eyn  grossor  stein  an  deine  himmel  mit  eynem  langen  ezayle,  der 
do  vil  bedutonisse  gegeben  hat,  nemelichen  von  deine  herczogen  von 
burgundien,'  von  vele  tod  slone,  unnd  von  deme  grosssen  Iure  zu  erffort 
unnd  ouch  anders  wo  mehee. 

1472  Item  anno  domini  M0CXCC0LXXI1  circa  fest  um  trium  regum,*  do 
wart  er  slagon  der  pferner 5  zu  grosen  rudestete1  von  siner  pfarre 
manne  einem*  unnd  hub  sich5  von  ban  breffen  wegen,  do  wart  nicht 
gesungen  bie  vier  wochen,  also  wiet  als  die  probistie  is  unser  lieben 
frowen  zu  erflort,  unnd  ouch  in  der  stad  zu  erffort  ouch  nicht. 

1472  Item  anno  domini  M"CCCC°LXXII  feria  secunda  post  trinitatis,ü  do 
wart  er  slagen  eyn  prister  in  dem  dorft  solczbich7  bie  kappein  dort!',  do 
wart  nedder  geleget  gotis  dinst  dry  wochen  in  der  probistie  unser 
lieben  frowen  zu  erffort. 

1472  Item  anno  domini  M°C<  C<:°LXXII  an  deme  frytagevor*  sant  johans 
tage  baptisten,  als  eyns  geslagen  hatte  noch  mittage,  erhub  sich  eyn 
gross  fuer  zu  erflort  uft  der  kremerbruckcn,  unnd  brante  die  gancz 
unnd  gar  abe  uff  beide  kirchen.'*  »Sant  ilgen  bleib  gancz  steene,  sante 
benedictus  branten  alle  glocken  unnd  der  torm  uss,  sundern  die  kirche 
v  bleib  stene,  unnd  brante  |  ouch  nicht  witer,  wann  alleyne  die  brücken 
abe.  Item  den  selbien  tag  unnd  stunde  noch  czween  stunden  do 
brante  die  mol  ganez  uss  zu  deme  swarczen  raben  10  bie  sante  Viti.u 
Zu  der  selbien  stuuden  hub  es  ouch  zu  bornen  zu  deme  bocke12  vor 

»  HS:  einer. 

221.  '  Herzog  Knrl  der  Kühne  von  Burgund,  reg.  1467  -1477.  1  Also 
Anfang  Januar  1472.  1  Mhd  pharraere,  umgelautet,  besonders  im  md  pherner, 
Nebei  tiform  pferuere  neben  pferner,  welch  letzteres  Stolle  hier  und  S.  135  u.  173 
gebraucht.  1  < «rossrudestedt,  Dorf  im  Verwaltungsbezirk  Weimar  des  Gross- 
lierzogtums  Sachsen.  "  Sich  heben  —  „«ich  erheben,  au  fangen",  also  die  Ur- 
sache war  ein  Hannbrief,  den  der  Pfarrer  gegen  den  Mann  veröffentlicht  hatte, 
welcher  wahrscheinlich  Schulden  nicht  bezahlen  konnte  und  deshalb  von  dem 
weltlichen  und  dann  dem  geistlichen  Gericht  verurteilt  war.  ü  25.  Februar  1472. 
7  Sulzbach,  Dorf  im  Verwaltungsbezirk  Weimar  de*  Gronsherzogtunis  Sachsen. 
s  19.  Juni  1472.  Über  den  großen  Brand  von  Erfurt  s.  auch  Kicol.  v.  Siegen, 
chronic,  eccl.,  h.  v.  Wegcle,  pag.  450  »au.,  und  Scebach,  Erffurthinche  Feuerchronicka, 
1736,  S.  5—7.  "  Vor  der  Krämerbrücke  am  Wcnigenmarkte  lagen  die  beiden  Kirchen 
St.  Ägidii  (St.  Ilgen)  und  St.  Benedikti,  die  jetzt  nicht  mehr  Kirchen  sind.  Über 
diese  und  die  folgenden  Bezeich  innigen  8.  Härtung,  Die  Häuserchronik  der  Stadt 
Erturt.  2  Bde.  1861,1878,  und  v.  Tettau,  Beiträge  zu  einer  vergl.  Topographie  u. 
Statintik  von  Erfurt,  MGE,  XII,  1885,  S.  1-220.  10  Rabcnmühle,  jetzt  Lange- 
brücke  o7.  11  Die  Kirche  St.  Vi ti  ist  abgebrochen,  jetzt  Gaehof  zum  Rheinischen 
Hof,  Langebrücke  27.       Haus  zum  [blauen  j  Bock,  jetzt  Friedrich- Wilhelmsplatz  36. 


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221.  Stück. 


2JK* 


den  greten  unde  zu  deme  walfissche,13  zu  der  kemnaten14  uff  denie 
ruben  marte,i:i  zu  den  konniges  stoln16  bie  der  nientczeu  furwereke,17 
unnd  die  lauwen  gasse,18  item  der  rote  Iawo  bie  allen  heiigen ,y  unnd 


allen  beiigen,  den  ruben  raart  alle  abe  biss  zu  sant  andreas  kirchen, 
den  rossmart,22  den  heiigen  born 2:1  abe,  die  metergasse21  unnd  die 
czwo  kirchen  unser  lieben  frowen  unnd  sant  severs  gancz  unnd  gar, 
torme,  kirch  dache,  glocken,  orgeln  gancz  unnd  gar  uss  gebrant,  der 
mentczen  hoff  gancz  uss  gebrant,  sant  mertins 25  kirchen  unnd  clostor  allis 
ussgebrant,  biss  uff  den  glocken  torm,  der  bleib  alleine,  unnd  brante  vort 
en  uss  biss  an  das  ussersste  thor;2R  das  brachte  alles  der  grossse  wint 
zu,  der  zu  der  Relbien  czit  was.  Die  nuwestad27  die  bleib  uff  die 
siten,  als  das  nuwe  werg28  ist;  die  andere  site2!>  die  brante  gancz  unnd 
gar  abe.  Das  alles  zu  samene  wart  eyn  für,  unnd  was  sust  sere  warm 
von  natürlicher  hitcze  unnd  sonnen  wegen.  Item  |  die  lute  en  teyl,  die  157 
vor  den  greten  unnd  umme  her  do  heyme  wom,  die  worn  ge  loufien 
uff  die  kremer  brücken,  das  für  zu  lesschen,  unnd  do  sie  gewor  worden, 
das  is  in  orem  heymet30  ouch  brente,  do  liffen  sie  en  heim;  do  was 
alle  dingk  vorbrant,  unnd  do  worden  vile  anner  lute,  unnd  was  eyn 
gross  jararaer  in  der  stad,  unnd  nymant  konde  gewissen,  wes  die  schult 
were  adir  wo  is  her  queme;  etliche  meynten,  is  were  derpfaffen  schult, 
das  sie  nicht  sungen,  unnd  man  swoig  zu  der  selbien  czit  umme  der 
prister  willen,31  die  er  slagen  warn;  etliche  meynten,  es  were  eyn  plage 

von  gote,  unnd  etlichen  liffen  ubir  die  pfaffen  unnd  wolden  sie  tod 

• 

13  Gehörte  zu  den  „Salzhäusern''  (s.  Härtung  a.a.O.  I  pag.  Uli)  No.  154, 
vor  der  Domtreppe  (s.  v.  Tettau  a.a.O.  S.  Gl).  u  Haus  zur  Kemenate,  jetzt 
Friedrich -Wilhelmsplatz  1.  ,&  Riibenmarkt,  s.  St.  191  A.  1.  10  Haus  „zum 
Königagtuhl",  jetzt  Mainzerhofplatz  9.  17  Der  Mainzerhof,  die  erzbischöfliche 
Domäne.  ,B  Lauen-  (erfurtisch)  =  Löwengasse,  früher  eine  Strasse,  welche 
vom  Fusse  des  Petersberges  bis  zum  Lauen-  -=  Löwenthore  führte,  jetzt  Termin 
der  Königl.  Gewehrfabrik  in  der  Mainzerhofstrasse.  ,!>  Das  Haus  zum  roteu 
Lauen  =  Löwen,  zur  Pfarrei  der  Allerheil  igen  kirche  gehörig,  ist  jetzt  Hinterhaus 
zum  Hause  MarktMrasse  21.  ?"  Gegenüber  dem  vorigen:  das  Haus  zum 
Schwanring  in  der  breiten  Strasse  (lata  platea),  jetzt  Marktstrasse  38.  -1  Die 
Servatiuskirche  lag  in  der  Pergamentergasse;  sie  ist  abgerissen,  jetzt  Haus 
Pcrgamentergasse  36  (s.  St.  191  A.  1).  ?*  Rossinarkt,  jetzt  Herrmannsplatz. 
73  Heute  die  „Heiligen  -  Brunn  -  Kirche",  Fischersand  25,  erbaut  infolge  der  oben 
St.  118  erzählten  Geschichte.  ?J.  Die  Mettergassc  (Mettengasse)  ist  unter  diesem 
Namen  nicht  mehr  vorhanden.  Über  ihre  Lage  giebt  es  verschiedene  Meinungen 
(s.  v.  Tettau  a.  a.  O.  S.  56,  anders  H.  Bever  u.  Böckner  i.  ders.  Zeitschr.  VI  S.  189) ; 


(Cistercicnserinnen)  in  der  Brühler  Vorstadt,  Martini  extra  genannt.  ',!  D.h. 
da*  Äussere  Brühler  Thor.  !7  D.  h.  die  Neustadt,  der  Stadtteil  zwischen 
Neuwerk-,  Eichen-  und  Kegierungsstrasse,  der  früher  selbst  die  „Neustadt"  hiess. 

Die  Neuwerkstrasse,  bis  zum  Neuwerkkloster.  *'  I).  h.  bis  zum  Fischersand. 
a"  Auffallig  ist  bei  der  Nebenform  heimet  (so  auch  in  der  Zimmerischen  Chronik, 
herausg.  v.  Barak,  IV,  1869,  S.  304)  das  neutrale  Geschlecht.  31  Es  bestand  also 
das  über  die  Stadt  wegen  der  oben  erzählten  Priestennorde  in  Grossrudestedt 
und  Sulzbach  im  Januar  und  Februar  1472  verhängte  Interdikt  noch. 


,;'  Kirche  des  Martinsklosters 


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294 


222.  Stück. 


slan  unnd  sprachen:  disse  plage  ist  uwer  pfaffen  schult,  ir  wolt  nicht 
singen;  singet  nu  in  aller  namen  etc.! 

An  deine  dritten  tago  dar  noch  adir  an  deine  andern,  do  brachte 
man  den  rechtschuldigen ,  der  das  für  mittenander  hatte  an  geleyt, 
unnd  wolde  die  gancze  stad  vorbrant  höbe,  unnd  was  eyn  monch  uss 
deme  closter  zu  der  pforten™  bie  der  numburgk,  der  hatte  gesolschafft 
unnd  das  gelt  darumme  genomen  von  er  apel  von  tanrode;  die  worden 
alle  gefangen  unnd  gebrant,  mit  czangen  zu  rissen,  gesleiöt,  gerade- 
brecht unnd  vorbrant.  Item  die  von  erffort  hatten  VII  bisschoffe  uff 
deme  rathusse,  die  deme  monche  sine  wehe  widder  nomen,  unnd  man 
*  braute  on  |  euch  bie  deme  raben  steyne.  Dor  noch  goben  die  von 
erffort  eyn  gebot  uss,  wer  den  selben  apel  von  tanrode  tod  adir  leben- 
nig  on  enheim  breebte,  deme  wolden  sie  gross  gelt  gebe;  also  starb  er 
in  fromden  landen  etc. 


222.  Versus1  super  ineendium  Erffordense. 

1472  Anno  milleno  C  quater  duo  septuageno 

Protasii2  festo  danipni  passi  memor  esto, 

n  RandlMMnerkung  oben:  Dlaae  &eM:l)lcht  korto^  dy  von  «rffort  me«  dann«  XIUI«  Rtilden. 

„Rehtschuldic"  ist  einer,  welcher  eines  Vergehens  rechtlich  überfuhrt  ist. 
™  Das  heutige  „Seh  ulpf  orte",  ehemals  ein  Cistercienserkloster.  Der  schuldige 
Mönch  wird  in  den  Chroniken  Dietrich  Bereker,  liecker,  auch  Burkardi  genannt; 
s.  auch  Nicolaus  v.  biegen,  chron.  eccles.,  pag.  451.  w  8.  St.  195  A.  3.  "  So- 
wohl die  wegen  der  Degradation  des  Mönches  in  Erfurt  anwesenden  Bischöfe 
(u.a.  von  Halberstadt,  Naumburg,  Merseburg),  als  auch  Herzog  Wilhelm,  welcher 
jenen  Vorgang  mit  ansah,  mussten  von  der  Stadt  bewirtet  werden ;  dieses  kostete 
nach  Falekeustein ,  civitatis  Erf.  hist.  crit,  et  dipl.,  1730,  pag.  8:49:  2285  Reichs- 
thaler,  ebenso  waren  die  Nachforschungen  nach  dem  Mönche,  welcher  in  Sachsen 
verhaftet  wimle,  wie  seine  Überführung  nach  Erfurt  sehr  kostspielig. 

*H2.  '  Der  grosse  Brand  von  Erfurt  i.  J.  1472  in  uss  ülwrall  einen  grossen  Ein- 
druck gemacht  haben  :  es  entstanden  eine  Menge  Gedichte  darüber.  Dasjenige,  was 
uns  Stolle,  in  leoninischcii  Hexametern  geschrieben,  autbewahrt  hat,  liegt  in  kürzerer 
Form  vor  in  den  Additiones  ad  Lambertum  Schaffnaburgensem  (Pistorius- 
Struve,  I.  pag.  410 1,  in  18  Versen;  das  bei  Stolle  ist  auf  29  Verse  erweitert. 
Endlich  findet  sich  dasselbe  Geflieht  in  einer  Handschrift  auf  der  Leipziger  Stadt- 
bibliothek (codex  (Vi  XXVII  Rcp.  II  10 *,  codex  chartaceus,  s.  XV  —  vgl.  Gate- 
logus  lihrorum  manuscriptorum  ed.  Rob.  Naumann  ,  1838,  —  fol.  261 a  u.  261 b), 
auf  14  Verse  erweitert ,  im  ganzen ,  von  einzelnen  Umstellungen  und  Abände- 
rungen im  Ausdruck  abgesehen,  mit  dem  Stollesehen  Gedichte  bis  Vers  28  überein- 
stimmend, nur  der  letzte  Stollesche  Vera  fehlt  ,  dafür  sind  Vers  28 — 44  noch 
amlere  Schilderungen  hinzugefügt.  Ein  gleiches  Gedieht  erwähnt  auch  noch 
\\\  Selm  in  in  einem  Münchner  Codex  (Cod.  lat.  No.  3861  fol.  162)  über  diesen 
Krfurter  Brand  (s.  MGF,  VI,  Erfurter  Handschriften  in  auswärtigen  Bibliotheken, 
S.  271  f. ).  —  In  Humanistenkreisen  ist  der  Brand  in  Distichen  beschrieben:  in 
kürzester  Form  in  *>  Distichen  ebenfalls  in  den  Additiones  ad  Lamb.  Schaffna- 
burg.  a.a.O.  S.  440;  dann  hat  \V.  Wattenbach  33  Distichen  in  dem  „Anzeiger 
für  Kunde  der  deutschen  Vorzeit",  1870,  S.  120-182  veröffentlicht.  Nach  W. 
Wattenbach  sollen  sich  die  oben  bezeichneten  Stolleschcn  Verse  einzeln  in  der 


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222.  Stück. 


295 


Erffort  preclara.   Tibi  fax  tunc  luxit  amara, 

Deperit  eceleaia  tua  virgo  bcata  maria; 

Presul3  sincerus  dampna  tulit  ipse  Severus,' 

Pons  niercatorum,  domus*  omnes  canonicoruni 

Kaparumque  forum  ex  post  pluriura  laycorum, 

Cartas  radentes,*  in  funiculis  laborantes,5 

Ferrum  eudentes0  et  campanas  facientes.7 

In  lata  strata  pereunt  habitacula  grata, 

Ante  gradus  multe  pereunt  domus1'  et  bene  culte. 

Annulus*  in  flamen  cecidit  fetidumque  foramen,0 

Pisces  vendentes10  in  viminibusquec  suentes,11 

Hinc  peccatricum 12  comburi  postea  vicum 

Contigit  hinc  forum,13  quod  probat  cursus  equorum, 

Et  sacri  fontis 14  templum,  longi  quoque  pontis ; 

Quamd  Gerpstet15  struxit,  domui  fax  pessima  luxit, 

Et  quam  dotavit  libris  multisque  beavit. 

Aula  maguntina16  tibi  venit  magna  ruina, 

Hinc  in  bruletum  ruit  ignis  edax,  ubi  cetum17 

Inuenit  Carum  devotarum  monacharum. 

Tgnis  flamma,  venis  in  parochiis  duodenis. 

Ignis  vi  tanti  pereunt  homines  aliquanti,  | 

Ut  duo  presbiteri,  pueri  duo,  mulier  una  las 

Et  studens  letus,  cum  Cristo  sit  requietus! 

Ignis  dum  repit,  quot  torcularia  cepit, 

Quot  molendina,  quot  balnea,  quot  bona  vina, 

*  HS:  domo«.       b  IIS:  domo«.      «  HS:  flmlnlbtuqn«.       d  H8:  quem. 


HS  der  Fürstl.  Wallereteinschen  Bibliothek  zu  Maihingen  No.  3  cod.  chart.  s.  XV. 
fol.  78  finden.  Ein  Gedicht  hierüber  findet  sich  noch  nach  Sehum,  Erfurter  Hand- 
schriften in  auswärtigen  Bibliotheken  (a.  a.  O.  S.  265),  in  der  Gräfl.  Schönbornachen 
Bibliothek  auf  Schloss  Pommerefelden  im  Codex  No.  2801.  —  Der  Stollesche  Text 
i*t  mit  Hilfe  des  Leipziger  Textes  von  uns  emendiert  und  richtig  interpungiert, 
auch  kommentiert,  soweit  es  nach  den  Anmerkungen  zu  St.  221  noch  nötig  er- 
schien. *  Der  Tag  des  Protasius  und  Gervasius  ist  der  19.  Juni.  3  Die 
Kirche  St.  Severi  ist  gemeint.  *  Pergamentergasse.  f>  Seilerbuden ;  sie  lagen 
vor  den  Graden  (Domstufen).  11  „Unter  den  Schwertfegern",  in  der  Nähe  der 
Allerheiligeukirche.  7  „Unter  den  Glockengiessern",  jetzt  Kettenstrasse. 
*  =  inter  annulatores,  „Fingorliugsgasse",  jetzt  ein  Teil  des  Friedrich  -Wilhelms- 
platzes. 9  "  „Faulloch'4  oder  „Volloch",  d.  h.  die  Stelle,  wo  der  überdeckte 
Abflug*  des  .Tuliusgrabens  ins  Freie  trat,  jetzt  nordwestliche  Ecke  des  Friedrich- 
Wilhdmsplatze«.  Näheres  s.  bei  H.Beyer,  Kurze  Geschichte  der  Stiftskirche  Beat. 
Mariae  Virg.,  i.  d.  MGE,  VI,  S.  218  f.  10  „Fiscbmarkt".  11  „Unter  den  Weiden", 
jetzt  Weidenstrasse.  n  „Frauen-"  oder  „Halbmondga>se",  jetzt  die  eine  Seite 
des  Artillerieplatzes.  '•'  „Roasmarkt',  jetzt  Hermannsplatz  (s.  St.  221  A.  22). 
u  „Heilige  Brunnenkirche"  (ebenda  A.  23).  IS  l>as  coliegium  iuris  Marianuni, 
von  Heinrich  von  Gerbstcdt,  Doiuproi*t  beim  Stille  B.  M.  V.  (bcatae  Mariae 
virginis),  am  14.  Oktober  1448  gestiftet  (s.  Hartwig  a.  a.  O.  I  S.  124),  jetzt  Mainzer- 
hofstrasse  12.  10  Mainzerhof  (s.  St.  221  A.  17).  17  Das  Martinskloster  (siehe 
ebenda  A.  25). 


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296  223.  und  224.  Stück. 

Libros  insontcs,  clenodia  quot  quotque»  fontes, 
Solas  nouit  ille,  qui  seit  scrutinia  cordis. 

Fi  nis. 


223. 

1472  Anno  domini  M° CCCCW LXX11  an  sante  margareten  tage'  wart  er 
slagen  eyn  prister  in  deine  dorffe  zu  molher,2  unnd  do  sweig  man 
alloyne  in  deme  selbien  stule. 

147:$  Anno  domini  M°CCCC0LXXIII  an  deme  achten  tage  unser  lieben 
frowen  worezewee3  noch  mittage  zu  vieren  er  hub  sich  eyn  gross 
meohtigk  für  in  der  stad  numburgk,  unnd  brante  reine  uss,  uff  funff- 
czigk  hofo,  unnd  man  sagite,  das  is  ouch  er  apel  von  tanrode  ritter 
hatte  also  bestalt  etc. 

1*73  Anno  domini  M°CCCC°LXXIII  an  sant  lamperten  abende,4  warl  eyn 
gross  für  in  deme  stetchen  artern5  genant;  das  brante  gancz  uss. 

1474  Anno  domini  M°  C(TC°LXX1III  erhub  sich  eyn  gross  für  zu  wissen- 
see  unnd  brante  vilnach6  ouch  gancz  uss,  von  eigen  fure.  | 


221.  Mappa  miindi.1 

Induum  mare2  in  oceano  protenditur  usque  in  regiones  inhabita- 
biles  per  tantam  longitudinem,  quantum  una  navis  cum  pleno  vento 
navigare  potest  per  dies  XL,8  in  quo  esse  dicuntur  Septem  milia  insule 
a  meridie  usque  in  septentrionem.» 

"  «juoqae. 

18  toreularia  =  Keltern,  mollcndina  =  Mühlen,  balnea  =  Badestuben,  fönten 
=  Brunnen. 

228.  1  Montag  den  1».  Juli  1472.  *  Obermehler,  Dorf  im  Landratamte 
Gotha  des  Herzogtums  Sacbsen-Koburg  und  (iotha,  s.  A.  Werneburg,  Die  Namen  der 
Ortschaften  und  Wüstungen  Thüringens,  JAE  XII,  1884,  S.  24.  3  Sonntag  den 
15.  August  1473.  1  Donnerstag  den  16.  September  1478.  5  Städtchen  im 
preussisehen  Kreise  Sangerhausen,  Regl>ez.  Merseburg.  *  Mundartl.  md.  Adver- 
bium =  völlig,  «.auch  St,  198  A.35  und  St.  347  A.  26. 

224.  1  Durch  da*  Meisterwerk  des  Professors  Dr.  Konrad  Miller  in  Stuttgart: 
Mappaemundi,  die  ältesten  Weltkarten,  6  Bände,  1895-1898,  ist  die  Kenntnis 
dieser  schwierigen  Materie  endlich  auf  wissenschaftlich -solide  Basis  gestellt  und 
sozusagen  erst  zugänglich  geworden,  denn  Miller  hat  in  den  5  ersten  Bänden  das 
Material  der  mittelalterlichen  Weltkarten  mit  den  Quellcnbelegen"  dargeboten, 
also  „die  auf  dem  Altertum  fussenden  Weltkarten  des  Mittelalters  vom  8.  bis  zum 
beginnenden  14.  Jahrhundert ,  soweit  dieselben  von  den  Entdeckungen  der  Neuzeit, 
den  Arabern,  von  der  W'iedcrentdcckung  des  griechischen  Philosophen  Ptolemäus 
'i  2.  christl.  Jahrh.h  sowie  von  den  Oontpasskarten  der  Italiener  nnbeeinflusst  sind;" 
in  dem  6.  Bande  hat  er  dann  „die  Schlussfolgerungen  bezüglich  der  römischen 
Weltkarte,  der  Orientierung  und  Anlage  derselben  gezogen,  Schritt  für  Schritt 
der  Entwicklung  der  mittelalterlichen  und  der  römischen  Karte  rückwärts  folgend, 


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224.  Stück. 


297 


Alia  insula. 

Trapabana5  optima  insularum  Tndie,  germinat  raargaritas  et  alias 
gemmasfi  et  aromata  multa;  ibi  nascuntur  homines  majores  aliis,7  et 
qui*  in  anno  centeno  moritur,  dicitur  juvenis  decessisse;8  pecuniis  non 

»  Io  HS  vergessen. 

die  Bilder  aus  den  Beschreibungen  konstruierend,  und  so  vom  7.  Jahrh.  n.  Chr. 
bis  zum  ersten  aufsteigend." 

Da  wir  in  Stolle  eine  solche  mappa  mundi  fanden,  aber  auf  diesem  schwierigen 
Gebiete  nicht  so  bewandert  waren,  um  nur  einen  selbständigen  Schritt  zu  thun, 
so  haben  wir  uns  an  den  Meister  selbst  gewandt,  und  Kollege  Prof,  Dr.  Miller 
hat  <lie  Oute  gehabt,  da  ihn  die  übersandte  Darstellung  Stolles  interessierte,  für 
unsere  Ausgabe  die  einleitende  Einführung  zu  dem  folgenden  Abschnitt  wie  den 
Kommentar  zu  schreiben.  Diese  Ausfuhrungen  geben  wir  im  folgenden  unter 
Millers  Namen  wieder: 

Der  folgende  Abschnitt  enthalt  die  Legenden  einer  Mantnaner  Welt- 
karte, welche  nach  «1er  am  Schlüsse  gegebenen  Mitteilung  i.  J.  1458  von  Stolle 
in  Mantua  abgeschrieben  worden  sind.  Von  der  Karte  selbst  sagt  Stolle  nur, 
dass  sie  mit  all  den  hier  wiedergegebenen  Schriften  überaus  kostbar  gemalt  sei. 
Von  der  Existenz  dieser  Karte  ist  uns  sonst  nichts  bekannt.  Sie  ist  aber  in 
mehrfacher  Hinsicht  interessant.  Die  Wiedergabe  der  Legenden  durch  Stolle 
scheint  eine. recht  befriedigende  zu  sein.  In  Bezug  auf  die  Vollständigkeit  findet 
man  beim  Überblick  über  das  Ganze  bald  heraus,  dass  Stolle  nur  die  eigent- 
lichen Legenden,  d.  h.  grösseren  Schriftgruppen,  und  dazu  die  Ländernamen  auf- 
genommen, dagegen  die  einfachen  Städte-,  Flüsse-  und  Gebirgsnamen  grössten- 
teils ausgelassen  hat.  Die  Zahl  der  Legenden  int  deshalb  keine  grosse  —  es  sind 
nur  etwa  240,  —  aber  viele  derselben  sind  so  lang,  dass  sie  doch  eine  grössere 
Karte,  etwa  von  dem  Umfange  wie  die  eatalanisehen,  voraussetzen. 

Stolle  liest  die  Karte  ab,  indem  er  oben  in  Indien  beginnt  und  immer  von 
oben  nach  unten  und  dann  von  rechts  nach  links  fortschreitet.  Zuerst  kommt 
Asien,  hier  wieder  zuerst  der  Osten,  vom  Indischen  Ocean  gegen  Norden  bis 
Kussland  und  Siebenbürgen,  welche  noch  zu  Asien  gerechnet  werden;  dann  folgen 
Arabien,  Syrien  und  Kleinasien,  dann  die  Inseln  des  indischen  Ocean.-.  dann 
Afrika,  die  Mittelmeerinseln,  Europa,  der  Ocean  und  die  Inseln  der  Glücklichen. 
Die  mantuanische  Weltkarte  nimmt  unter  den  uns  bekannten  Karten  des  14.  bis 
15.  Jahrhunderts  eine  Mittelstellung  ein.  In  der  äusseren  Form  gehört  sie  noch 
der  Vergangenheit  an,  der  grossen  Gruppe  der  alten  mappae  mundi.  Die 
Erde  ist  kreisförmig,  vom  Ocean  umflossen,  während  es  sonst  im  15.  Jahrhundert 
üblich  war,  das  Paradies  in  Acthiopien  anzusetzen.  Damit  stimmen  die  zahl- 
reichen Legenden  aus  der  römisch -mittelalterlichen  Weltkarte  überein:  ich  ver- 
weise nur  auf  die  Legenden  zu  Chryse,  Argyra,  Monoculi,  Gangis  latitudo,  for- 
micae  in>rentes,  homines  odore  viventes.  Alexander  und  Poms,  Gog,  statuae 
Alexandri,  Albani  canes,  paludes  Moeotides,  Hyperborci,  Amazone«,  Scythia  in- 
ferior, Arabia  u.  s.  w.  Wir  begegnen  aber  auch  einzelnen  Angaben,  welche  alten 
Schriftstellern  entstammen,  ohne  aus  der  alten  Weltkarte  entnommen  zu  sein. 
Die  Benutzung  von  Solinus  und  Plinius,  welche  auch  citiert  werden,  ist  nicht  auf- 
fällig, wohl  al»er  ist  die  Benutzung  des  Ptolemaeus  beachtenswert.  Aus  Ptole- 
maeus  sind  die  meisten  Meeresnamen,  sodann  septem  insulae  Senobum,  mous 
Arauga,  myrrhifera  regio,  fons  solis  entnommen. 

Im  übrigen  ist  der  Inhalt  der  Mantuana  modernisiert,  und  es  sind  namentlich 
folgende  Quellen  nachweisbar.  Am  engsten  schlicsst  sich  der  Autor  au  die  so- 
genannten Catalanischen  Karten  an,  deren  miin  vom  Jahre  1380  an  eine 
grössere  Anzahl,  teils  mit  lateinischem,  teils  mit  cntalanischem  Text  könnt; 
Kretschmer  zählt  deren  14  auf,  s.  Zeitschrift  dor  Ges.  für  Erdkunde  zu  Berlin, 
1897,  Bd. 33,  S.-A.  pag.2.    Unter  diesen  steht  wieder  die  Karte  von  Modena, 


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298 


22-1.  Stück. 


utuntur,  conimutantes  insimul  mercancias;9  vineas  non  habent,  tsed 
omni  tempore  habent  blada  10  et  duas  estates  et  duas  hieines.11 

Kegio  insula. 
Trapabana  est  regio  in  medio  insule  Trapabane.12 

welche  Kretschmer  ebenda  beschrieben  hat,  am  nächsten.  Es  ist  dies  die  einzige 
unter  den  Catalanischcn,  welche  das  vollständig  runde  Erdbild  giebt,  während 
alle  anderen  die  Form  eines  langen,  von  W.  nach  O.  gestreckten  Streifens  haben, 
welcher  im  N.  und  S.  gradlinig  abschliesst.  Leider  sind  noch  nicht  alle  Cata- 
lanischen Karten  gut  zugänglich,  und  mussten  wir  die  Vergleichung  auf  die 
Pariser  Karte  (abgekürzt  Ctl),  die  Karte  von  Modena  ed.  Kretschmer  (abgekürzt 
Mod.),  und  die  Karten  von  Dulceti,  Soleri  und  Diladestes,  diese  3  herausgegeben 
von  Marcel,  1896.  beschränken.  Fast  alle  wichtigeren  Bilder  sind  aus  dem  Wort- 
laute wohl  erkennbar,  wofür  ich  auf  die  Alexandersäulen,  die  Perlenfischer,  die 
septem  castra  in  Siebenbürgen,  die  columnae  Herculis  verweise,  ganz  besondere 
aber  auf  Stollea  Zusatz  bei  der  Frauenverbrennung  in  Indien :  prope  eyn  pfanne 
mit  fure.  Auch  die  Karte  des  Vesconti-Sanuto,  die  Borgiakarte,  die  de»  Wals- 
perger und  fra  Mauro  zeigen  manche  Übereinstimmung. 

Neben  den  Catalanischen  Karten  kommt  als  Hauptquelle  in  Betracht  Marco 
Polo  (1295  n.Chr.),  welcher  aber  auch  den  Catalanischen  Karten  zu  Grunde 
liegt,  so  dass  es  im  einzelnen  Falle  schwer  ist,  zu  entscheiden,  ob  Polo  direkt 
oder  nur  mittels  jener  den  Stoff  geliefert  hat.  Die  meisten  Legenden  über  die 
Tartaren  und  fast  ganz  Asien  gehen  auf  Polo  zurück.  Wir  citieren  nach  Recueil 
de  voyages  et  de  memoire«,  tom.  I,  Paris  1824.  Die  Angabe  über  desena  Indiae 
und  die  Legenda  über  Catbay  geht  auf  Hai  ton  (1307)  zurück.  Die  Legenden 
über  Albani  und  die  Totenaussetzung  in  Tibet  stammen  von  Odorico  (t  1331) 
her.  Auch  bei  Joh.  de  Marignol  (1341)  findet  man  Ähnliches  (Saba,  Columbum, 
der  Priesterkönig  Johannes  nach  Nubien  versetzt). 

Auffällig  ist,  dass  im  Atlantischen  Ocean  alle  die  neuen td eckten  Inseln 
(Canaren,  Madeira,  Azoren),  welche  man  teilweise  schon  im  14.  Jahrhundert  kannte, 
und  welche  auf  den  Catalanischen  Karten  sich  linden,  unerwähnt  bleiben,  und 
die  Fortunatae  oder  Deperditae  nach  alten  Quellen  beschrieben  werden,  während 
über  den  Ocean  das  zu  Stolles  Zeit  vielgenannte  Citat  aus  dem  Buche  Esdras 
Verwendung  fand,  welches  auch  Columbus  stark  beschäftigte. 

Die  Man  tu  anische  Weltkarte  scheint  um  das  Jahr  1400  n.Chr.,  keinesfalls 
viel  später,  abgefasst  worden  zu  sein.  Als  jüngstes  Datum  fanden  wir  das 
Herzogtum  Mailand  (errichtet  a.  1395) ;  Bosnien  als  Königreich  weist  auf  die  Zeit 
nach  1366,  Bulgarien  nicht  nach  1896  hin,  doch  darf  auf  solche  vereinzelte  An- 
gaben kein  Gewicht  gelegt  werden.  Immerhin  ist  das  Bild  der  Staaten  Europa* 
ein  für  diese  Zeit  über  Erwarten  getreues. 

Ohne  Zweifel  werden  die  Quellennachweise  für  die  Legenden  der  Mantuaua 
sich  noeh  um  einig«  vermehren  lassen.  Ein  paar  Angaben  fand  ich  noch  in  der 
Abhandlung  des  Matthias  von  Miehow  De  Sarmatia  Asiana  atque  Europaea  (ed. 
Orbis  Xovus  Basel  1555  pag.  449  ff.),  darunter  diejenige  über  das  idolum  zlotabala, 
weichet*  doch  wohl  identisch  ist  mit  Stolle«  Delotobola;  aber  die  Quelle  kenne 
ich  nicht. 

Bezüglich  der  Citate  der  alten  Karten  —  wir  stellen  hier  die  Abkürzungen 
alphabetisch  zusammen:  Be  =  Beatus;  Borg.  =  Borgiskarte  in  Rom;  Ctl.  =. 
Catalana  (bes.  Pariser);  Co  Cottoniona  in  London;  Dulceti  —  Karte  von  Dul- 
ceti ed.  Marcel;  Eb  =  Ebsdorf;  tif  =  Genfer  Sallustkartc;  Gu  =  Guido;  Hf  = 
Hereford karte;  Hi  —  Hieronymus:  Orient,  Palästina;  Hn  =  Heinrich  v.  Mainz; 
Is.  u.  Isidor  =  die  Weltkarte  von  Isidor  v.  Sevilla;  Lb  =  Lambert  v.  St.  Omer; 
Mauro  =  Karte  von  Fra  Mauro;  Ml  —  Pomponius  Mela  —  die  Weltkarte  von  Pompo- 
nins  Mela;  Mod.  =  Catalana  von  Modena  ed.  Kretsehmer ;  Orosius  =  die  Weltkarte 
des  Orosius;  Ps  =  Psalterkarte  von  London ;  Pt  —  Ptolemaeus ;  Rf  —  Ranulf  Higden ; 
Sanuto  =  die  Weltkarte  des  Vesconti-Sanuto;  So  —  Kurte  von  Soleri  ed.  Marcel; 
T-Karteu  =  viele  Kopien  vom  8.  Jahrh.  an  (Noachidenkarten,  Strassburger  Kärtchen, 


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224.  Stück.  299 
Insula. 

Argira  insula 13  habet  copiosam  mineram  argenti 14 ;  in  qua  habitant 
gentes  feminine  multuni  divites.15 

Insula. 

Crisa  insula  adeo  habundans  auro,  quod  tota  dicitur  esse  aurea,16 
circa  quam  habitant  homines  pilosi,  non  loquentes,  sed  laborantes,  sil- 
vestres;  hii  vivunt  de  piscibus  so] um,  quos  capiunt  in  mare.17 

Una  patria  extra  aquam  in  terra. 
Ibidem  sunt  homines  habentes  solum  unum  pedem,  in  quo  sunt 
octo  digiti,  et  tegunt  se  cum  illo  pede  ad  defensionem  incensi  caloris.1* 
Et  ista  patria  est  clausa  cum  montibus  in  circuitu.  ^ 

Paradisus. 

Paradisus  deliciarum. 20  Et  est  clausa  in  circuitu  cum  montibus21 
et  cum  porta  aurea,22  et  angelus  stat  |  supra  portam  habens  gladium  in 
manu  sua.28  Et  interius  est  fons,  de  qua  [sie]  fluunt  quatuor  aque,  qua- 
rum  nomina  sunt  hec:  Eufrates,  gion,  tygris,  phison.24  Et  sunt  ibi  Jo- 
hannes ewangelista  [sie],  enoch  et  helias.25   Et  in  cireuitum  currit  aqua.20 

India  superior.27 

Minima»  Ganges  latitudo  per  octo  milia  passuum,  maxima  per  vi- 
ginti  patet.28 

Formice  habentes  cornua,  aurum,  gemmas  custodientes.2u 
Hic  allexander  vicit  Porrum,  regem  indorum.30 
Homines  ibi  nati  quodamb  tempore  anni  solum  de  odore  quorun- 
dam  pomorum  vivunt.31 

»  HS:  ota.       b  HS:  qaoddam. 

Weltkarte  von  Oxford  a.  1100,  Wilhelm  v.  Tripolis,  Arras);  Ta  —  Tabula  Peu- 
ting. ;  Viladeates  —  Karte  von  Viladeates  ed.  Marcel;  Walsp.  =  WalBpergers 
Karte  u.  a.  Abkürzungen,  z.  B.  PI  =  Plinius,  verweise  ich  auf  meine  Mappae- 
mundi  (Abkürzung  Mm)  I— VI,  1895-1898,  wo  sich  alle«  Nötige  findet. 

5  Indicum  —  Eb.  3  Unbekannt.  *  7748  Inseln  —  Polo  III,  8,  danach 
Ctl.  :>  Trapobana  —  Ctl,  sonst  Taprobana.  •'  Margaritis  et  gemmis  repleta  — 
Bo.  7  Solinus  53, 11;  Ctl.  "  Solinus  58, 12 ;  Pseudocallisthenes.  9  Plinius 
6,89  sagt  im  Gegenteil:  aurum  argentumque  ibi  in  pretio.  10  vites  uesciunt, 
pomis  abundant  —  Sol.  53, 13.  11  Rf,  Eb,  Ctl.  12  Unbekannt.  ,;*  Auf  alleu 
Karten.  11  So  u.  a.  K.  u  ef  regio  feminanim  —  Polo  111,37;  Ctl.  ,,!  So 
u.a.K.  17  Ctl;  s.  Ichthyophagi  Mm  V.  49.  18  S.  die  Monoculi  Hf(Mm  IV,  33) 
an  derselben  Stelle  im  Osten,  Sciopodes  des  Isidor  und  Beatus  in  Äthiopien.  Auf 
Hf  zeigt  das  Bild  noch  die  8  Zehen ;  inoensi  statt  immenai.  ,n  An  derselben 
Stelle  hat  Eb  die  ringsum  von  Gebirgen  eingeschlossene  Seres.  Vgl.  geus  Atta- 
coriim  PI.  6.55.  -°  locus  deliciarum  —  Borg.  -'  A.a.  K.  -Neu.  Hf, 
Borg.  M  A.a.  K.  '•'  Enoch  und  Elias  s.  Lb  (Mm  111,50).  w  Siehe  dns 
Bild  Lb  (Mm  III,  46),  Hf,  Hn.  -1  Hi.  Gf.  ,R  So  52,7;  Hf  ;  PI.  6,65. 
™  So  30,  23;  El>  (Mm  V,27).  Walsp.  Die  Hörner  nur  bei  PI.  11,111.  "ü  Walsp; 
Hf  (Mm  IV,  34).  Hi.  Eb  (Mm  V,50k  Aus  dem  Alexanderroman.  "  So  52, 30; 
Hf,  Eb  (Mm  IV,  34),  Jean  de  .Maudcvilles  Reisen  (1372)  in  Indien  an  derselben 
Stelle,  bei  Walsp.  dagegen  in  Äthiopien. 


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300  224.  Stück. 

Sepulchrum  sancti  thonie. 
In  ista  regione  cuiusdara  potentis  cristiani  suppositi  imperio  pres- 
byteri  johannis32  requiescit  corpus -sancti  thome,  qui  convertit  indos 
et  etiopes,33  et  in  magna  parte  est  inhabitabilis  propter  serpentes.34 

Regio. 

Calumbinum  regnum35  est  habens  ydolum  quoddam,  cui  incole 
illius  regni  ymmolant  filios;36  habundant  elephantibus  et  sunt  gentes 
ille  habundantes  diviciis  propter  portum  maris,  quem  babont.  Et  jacet 
in  fine  terro  et  vocatur  Asia. 

Regio  basam." 

In  hoc  regno88  est  quidam  soldanus,  qui  potest  congregare  centum 
milia  equites,  quum  wult  [sie],  cum  multis  bellicis  elefantibus.39  Habun- 
dant incole  illi  multis  margaritis40  et  papagallis41  proprio  eyn  setch.15 

Regnum  Tarsie.43 

Deserta  Indie.*41  | 

v       In  hoc  deserto  sunt  multa  monstra,  que  multum  impedierunt 
alexandrum  magnum,  quum  acquisivit  orientem.15 

Regio. 

In  hac  regione  sunt  alique  rupes  habentes  horribiles  cavornas,  in 
qnas  si  quis  velit  intrare,  retinetur  et  nescit,  unde  hoc  eveniat,  et  cum 
aliqui  ex  permissione  intraverint,  putantes  se  intrasso  paradisum  ter- 
restre,  reperiunt  se  esso  ultra  inicium  fluvii  ganges. 

Una  patria. 

Hic  homines  proiciunt  membra  mortuorum  suorum  avibus  celi 
dicentes,  quod  ipsi  sunt  angeli  celi.4,i 

Alia  provincia. 

Hic  habitant  gentes,  qui  [sie]  audito  ab  eoruni  ydolo,  quod  inlirmus, 
non  liberabitur,  cum  in  solompni  convivio  comedunt.17 

Alia  provincia. 

Provincia  Catay  est  maxima  et  copiosa  populis  et  diviciis  multis 
pulchros  habet  homines  imberbos  ot  parvos  habentes  oculos.48 

•  HS  «welmM  (Bl.  15»  nnten  u.  Bl.  159 »  oben). 

•'■  Die  Ctl  hat:  lo  rev  Steve  Christian,  wo  der  Leib  des  heilig.  Thomas  ist. 
M  Polo  III.  27.  14  Polo  111,29.  Si  Colombo  Ctl,  Palombo  Odorico,  Coilum 
Polo,  Quilon  an  der  Küste  von  Malabar.  3r'  Odorico  c.  10  (cd.Cordier  pag.  102). 
17  Vgl.  regnum  Basman  —  auf  der  Insel  Java.  Polo  III,  14.  38  Nach  Ctl  und 
Mod.  da»  Reich  von  Doli.  ™  Ebenso  Ctl  u.  Mod.  (ed.  Krctschraer  Legende 
No.  31).  40  Ctl  u.  Mod.  berichten  von  kostbaren  Steinen.  41  Polo  III,  30 
nennt  dieselben  in  Coilum  (Colombo).  J?  Scheint  die  Verdeutschung  sein  zu 
»ollen:  setseh  =  Sittige  —  psittacus?  4;  Ctl,  Mod.  Haiton  —  das  Land  der 
heiligen  3  Könige.  **  Haiton  cp.  6.  '"'  Haiton  ep.  6.  Vgl.  die  Wüste  mit 
den  wilden  Tieren  auf  Eb.  *f'  Odorico  cp.  29  (ed.  Cordier  pag.  451),  in  Tibet. 
4T  Polo  111,17.      49  Aus  Haiton  cp.  1.    Vgl.  Ctl,  Mod.  27. 


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224.  Stück.  301 
AJia  provincia. 

In  ista  provincia  est  ydoluui,  vocatur  delotobola,49  valde  antiquum 
et  situatum  in  regione  quadaru  super  mare  caspium,  unde  a  septeu- 
trionalibus  offeruntur  illi  lapides  preciosi  et  aurum  in  tanta  copia,  qtiod 
od  veno  illa  cernentes  credunt,  hoc  miraculose  factum  in  virtute 
illius  dei.50 

Unus  rex. 

Magnus  canis  est  valde  dives  super  oniues  principes  mundi  et 
custoditur  per  XII  milia  milites.51 

Provincia  gog.62 

Provincia  gog,  in  qua  judei  sunt  inclusi  tempore  alexandri 
magni^;  artizerius,M  suus  imperator,  misit  innumerabiles  Judeos  hic 
ad  habitandum, 55  qui  dobent  exire  tempore  antecristi,'*"  .et  ibi  adorant 
vitulum/'7 

Asya.M 

Statue  alexandri,™  in  quibus  stant  duo  pueri  cum  tubis.150  J 

Finis  persii,  est  provincia.  iao 
Kcclesia  s.  mathei  est  prope  lacu  ysicol.61 

Desertum  lopi.02 

E(|iiitando  per  desertum  lopi  longitudine  dieruni  XXX  si  contigerit, 
quod  aliquis  causa  aliqua  de  nocte  a  sociis  deviaverit,  voces  demonum 
audit,  silens  vocibus  sociorum  suorum  et  tali  modo  perditur.'53 

Möns  trapanus.''4 

Hic  nmlieres  maritis  mortuis  sponte  se  inrogo  proiciunt'  ''  prope  eyn 
pfanne  mit  fure.,;,;   Et  hoc  est  in  regione  albanie. 

Deserta  Sitica07  et  ibi  habitat  rex  tartarorum/^ 
Hic  non  colligunt  panem  nec  vinum  proptor  frigusr"  et  habont  ju- 
menta  multa,  quorum  carnibus  et  lacte  vivunt.     Et  faciunt  eastra 
pastoribus  de  curribus  et  tentoriis.70 

Möns  Sebur,71  ubi  oritur  Ras,7?  fluvius  magnus. 
Albanie  ibi  gentes73  canes  animo  et  corpore,  qui  tauros  premant, 
leones  perimant7*  et  superent  elefantes,  ut  ait  Plinius.75 

49  Mathias  a  Michow  (Novus  orbi*  l-r>55,  pag.  483  A)  berichtet:  post  terram 
Viathea  in  Seythiam  penetrando  iacet  magnum  idolum  Zlototababa,  quod  inter- 
pretatum  est  aurea  anus  vel  vetula.  °"  Unbekannt.  51  Polo  II,  12.  Vgl. 
Mod.  29.  •'-  A.  a.  K.  41  Rf,  Eb.  Artaxercis  —  Borg,  quon  Iudaeon 
Artaxes  rex  collexit  de  oranibue  partibua  Perearuni  —  Borg.  Mod.  40,  Rf, 

Eb.  ',:  Neu.  M  Asia  als  Erdteil  Ctl,  Mod.  69  Alexandersage,  Ctl,  Mod. 
w  Siehe  da»  Bild  —  mit  2  Trompeten  —  auf  Ctl,  Mod.  41.  ul  Ctl,  Mod.  42, 
Borg.,  Mauro;  ander»  Eb  (Mm  V,  46).  Polo  I,  44;  Ctl,  Mod.  43,  Mauro. 

w  Polo  1.  c,  Ctl  (Paris).       M  Unbekannt.  Polo  111,  21  (in  Var.);  WaUp. 

(in  Altalicia  cum  vir  moritur,  mulier  cum  eo  viro  sepelitur) ;  Ctl  (bei  den  Montes 
Caapii).  Eine  PfAune  mit  Feuer;  a.  daB  Bild  der  Ctl.    Die  Vorlage  Stollen 

hatte  womit  dasselbe  Bild.  01  Denerta  Scvthiat»  —  Mela,  deserta  Hl',  arenosa 
und  iuhabiiabilia  ße.     «"  Ctl,  Mod.  29,  Öanuto.        Polo  I,  61.      70  Polo  1,59. 


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302  Stück. 

Regio  messine. 

Canis,  qui  sangwinetn  [sie]  sitivit  et  sangwine  [sie]  impletus  fuit,  de 
quo  ait  dantes,  sanguine  sitisti  et  jo.  dicit  sanguine  tepio.™ 

Palludes  meatiles.77  Et  ibi  finilur  Asya  maior.  Nunc  ineipit 
Europa.78 

Sitya  superior.7'-' 

Homines  isti  adoraut  solera  vel  lunam*0  vel  ydolum,  quod  habet 
eentuni  capita  et  totidem  manus.81 

Iliperborri  incole  propter  abeundi K-  tarditatem  rupe  nota  preeipitem 
casum  in  uiaria  desinant*3  secundum  solinum.*4 

4 

Regina  Amasonura.N"' 
Sithia  inferior.*'' 
Iperboreii8  occeanus*7  et  siticum  litus.**  | 

Sepulchrum  magni  canis*'-'  i.e.»  regis. 

Post  fiois  magni  canis  occiduntur  servi  eins,  ut  illorum  aninie 
associeut  et  serviant  spiritui  magni  canis.1K' 

Incole  korges  habitant  sub  terra  propter  nimium  frigus,  habundant 
pellibus  narii  et  cibelliniIM  bestiarum  et  ex  illis  mercantur,  ut  vivant92 

Regio  septem  castrorum.''3  Regio  tramplusina.  Rossia  regio;  ho- 
mines ibi  adorant  ignem. 

Transpinarum  regio,'1  ultima  Arabia,,,!l  regina  Saba.w,; 

Arabe  idem  est  quod  regio  saera,5'7  ubi  nascuntur  incensum,  mirra,!>8 
eanella,  spicinardi  et  alia  aromata.*'  Et  ista  insula  in  magna  sui  parte 
et  arenosa  et  deserta  propter  serpentes. 

Oraculus  sinus.100 
Sepulchrum  Mahumeti101  suspensum  in  aere  virtuto  magnetis.,ftä 

•  IIS  blow  i. 


71  Schür  civ.  [u.  Gebirge)  Ctl,  Walsp  (Segur),  Mauro  (Sugul).  7*  Ebenso 
Isstachri,  Rha  —  Pt.  7*  Statt  iugentes  verschrieben.  74  Isid.  etymol.  14,  3, 
39;  He  (Mm  1,48),  Eb  (Mm  V,31).  7-  Plinius  8,  149-150;  So  15,  6  u.  7. 
7r>  Unbekannt.  77  Maeotidea  —  a.  a.  K.  78  lin,  Be  u.  a.  n  ls,  Rf,  — 
suprenia  Iii.  *"  Diw»elbe  Angabe  hat  Mathias  a  Michow  (Novus  orbis  pag. 
483  B.)  Polo  111,7  berichtet  auf  der  Insel  Zipangri  von  einem  Idol  mit  3 

Kopien  und  100  Händen.  obeundi.  81  dentiiiant.  w  So  1«,  4—5  (wört- 
lich); Hf.  *:'  2  Königinnen  -  Aethicus;  regio  —  Eb,  Walsp.  "*  Ebenso  Is, 
El»,  Rf,  Sauuto.  Pf.       "s  Scytbicuin  niare  —  Or.       H"  Mod.,  Mauro. 

"°  Polo  1.54.  Mod.  47;  ähnlich  Leardo.  »'  varii  u.  zambelini  —  Polo  III,  50. 
01  Dasselbe  sagt  Mauro  von  den  Permiani  im  äussersten  Norden.  Septem 
ca*tra  der  Iuhuri  in  Sarmatia  s.  Mathias  a  Michow  (Orbis  novus  pag.  467  A);  das 
Bild  der  7  Städte  ohne  Namen  hat  Ctl  u.  Mod.  über  der  Donaumündung.  Die 
Ctl  von  Viladestea  (ed.  Marcel)  pl.  V  giebt  auch  den  Namen  ceptum  Castrum; 
regio  septem  castra  —  Dulceti.  Jetzt  Siebenbürgen.  ,M  Unbekannt.  w'  Un- 
bekannt. »•  Ctl  u.  Mod.  mit  Bild.  87  Ih,  Be,  So.  "  Ctl.  09  Unbekannt. 
100  Unbekannt;  statt  Arabicus  ?  ,01  Walsp.  10-  S.  Mathias  a  Michow  (Orbis 
novne,  1555,  pag.  241 B). 


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224.  Stück.  303 

Nabacia103  provincia. 
Möns  Synay.104   Sepulchrum  sancte  katherine  virginis.105 

Desertura  esides.106 

Arabia  deserta.107  Arabia  petrosa.lüs  Prima  babylonia.109  Terra 
de  babylonia.  Mesopotanda.110  Rex  mesopotanie.111  Möns  de  Ar- 
menia;  ibi  stat  archa  noe.112  Montes  lybani ;  ibi  exiit  flunien  jordanis.113 
Provincia  galilea,114  mare  galilee,115  jericho,116  daraasco.117  Syria  est 
provincia.  Terra  sancta,11*  Jerusalem,  mons  olyveti.111'  Iste  est  carbu- 
lanus,  qui  cepit  basan.12°  Gallicia121  est  una  provincia.  Princops  tur- 
eorum.122  Cilicie123  est  una  provincia  clausa  cum  montibus124  et  vo- 
eatur  anianus.1*-5  Capadocia  est  una  provincia.12*1   Mons  thamus.127  | 

Sequuntur  alie  insule  in  mare  extra  terram.  im 

Insula  jan,128  est  una  regio  in  mare  extra  terram. 

Insula  lainbri129;  incedunt  gentes  ille  nude,130  comedentes  tarn 
carnes  humanas131  quam  aliarum  bestiarum  s.  bufl'alorum  et  pecudum. 

Insula  piperis 132  habet  longitudiuem  pariter  viginti  dierum,  plena 
serpentibus,133  et  volunt  colligere  piper,  ponunt  intus  ignem,  ut  ex- 
pellant  serpentes. 

Alia  insula. 

Ex  ista  insula  habentur  cinaniomum,  alces  et  nuces  muscate,134  et 
habentur  ibi  due  estates  et  duo  hyeme  [sie].135 
Insula  stil  in  mare  et  est  una  provincia.1™ 

Alic  insule. 

In  istis  insulis  habetur  quantitas  nueum  muscarum,137  canelle, 
galbine  et  margaritarum ,  et  ad  illas  veuiunt  mercatores  de  persia  et 
arabia.13* 

Mare. 

In  isto  mari  piscantur  incole  i Iii  inargaritas,  rubinos  et  alias  gemmas, 
et  habent  aliquos  modos  incantandi  magnos  pisces,  ne  devorentur  ab 
ipsis,  dum  piscantur  genimas.13" 

,03  Nabataea,  Is  u.  a.  104  A.  a.  K.  m  Ctl,  Mod.  108  Unbekannt. 
107  Sanuto,  Bf,  Hn,  Co.  {oH  Petraea  —  Pt.  '•■  Babylonia  magna  —  Ctl, 
Mod.  1,0  Ctl,  Manro,  Walsp.  111  Meso|>otamia  heisst  jetzt  Turchia  —  Ctl, 
Mal.  m  Ctl,  Mal.,  Haiton.  1,1  Ctl,  a.  a.  K.  ,,4A.a.K.  1 15  Ctl,  Walsp. 
11H  Walsp.        u»  Mod.,  Walsp.        "*  Borg.  A.  a.  K.        1,0  Unbekannt. 

,s»  Galatia  —  Hf  u.  a.  l*  S.  da«  Bild  Ctl  n.  Mod.  1,3  Ctl.  1,4  S.  das 
Bild  der  Ctl.  ,?i  montium  Tauri  et  Amani  jugis  clausa  —  So  38, 2.  m  Walsp 
u.  a.  a.  K.  1,7  Taurus  a.  a.  K.  1M  Jana  —  Ctl,  Mal.,  Polo  III,  10  sq. 
"9  Polo  111,18;  es  ist  Sumatra.  ,5W  Polo  III,  20.  22.23.  481  Polo  III,  17 
u.ßl.  m  Sanuto,  Walsp.  ,s*  Joh.  de  Hese,  Jean  de  Maudevilles  Reisen 
^1372).  184  Polo  III,  9  u.  10  (lignum  aloes  et  nuces  muscatarum).  Hf, 
Eb,  lsid.  von  Taprobane,  Ctl  unter  Taprobana  im  Meer.  13,1  Seilam  —  Polo 
111,22;  8illam  —  Odorico;  Seilana  -  Conti;  Ceylon.  ,:,T  Polo  III,  8. 
1,8  Vgl.  Polo  III,  21  u.  III,  8.  ,8»  Polo  III,  21,  Mod.  Siehe  das  Bild  der 
Perlenfischerei  auf  Ctl  u.  Mod. 


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304       .  224.  Stück. 

Septem  insuJe  Senobum.140 
Mare. 

Ad  istud  mare  persicuin  proveniuut  omnes  mereancie,  que  ferunt 
ab  insulis  indiaüis  et  postea  per  fluvium  tigridem  transferuntur  ad  eivi- 
tatem  baldac,141  deinde  ad  damascum.1'* 

Mare  persicum.J4S 
Edem  144  est  civitas  magna  et  est  situata  in  tine  mari  [sicj,  et  in 
alia  parte  civitatis  incipit  mare  rubrum  et  vadit  quasi  in  jerusalem.145 
v       Incipit  nunc  maxima  patria  inhabitabilis  |  propter  nimio  estu.  üna 
alia  pars  terre  torride  sone  subraissa.14'1 
Incipit  nunc  patria  ethiopia. 

Ofrir  regio.147  Crisopasus,  adamantes  et  plurimas  gemmas,  psitacos, 
sunias  et  plurimas  species  monstruosas  producit. 

Regio  ferens  mirram.14* 
In  hoc  deserto  etiopie14''  est  multitudo  ferarum  160  et  serpentum,,M 
et  hic  cynamomum152  et  aromata  plurima  sunt.    In  hoc  deserto  are- 
noso153  habitant  silvani,  tauni  et  satiri.154 

Maximus  rex  ethiopie. 
Prosbiter  johannes  habitat  in  prima,  que  vocatur  Nubia.,r,:> 
Sunt  quidam  etiopie  in  monte  areuges,156  et  vocatur  trogodice,  qui 
male  dicuntur  solem. 

Est  una  alia  patria.    Ibi  sunt  homines  habentes  capita  in  petrtore.157 

Garamatica  laux1'*  est  una  patria. 

In  illa  provincia  cristiani  pugnant  contra  sarraccnos.,r,!' 

Extra  illis  partibus  est  mare  magnum,  et  vocatur  mare  ethiopum.100 

Rex  etiopie  in  terra. 

Populi  psambati summa  regie  potestatis  uni  cani  tradunt,  de 
cuius  motibus  quidam  interito102  augurantur.1'1-1 

Möns  quillam,1*4  in  quo  etiopi  habent  convivium  magnum. 

Est  quidam  mons,1**  de  quo  exiunt  quinque  aque  et  congregantnr 
in  uno  Joco,  et  postea  vocatur  mare  missa  sive  locus  tul,,fiC  et  sie 
finitur  ista  provincia. 

un  Zenobii  insulae  septeni  —  Pt.      Ul  Vgl.  Polo  1,16.  Ctl  u.  Mod.  84. 

14:1  Ctl  u.  a.  u*  Ebenso  Polo  111,46;  Aden  -  Ctl,  Adern  —  Mod.  1,5  Ähnlich 
Polo  111,46.  u*  Der  südliche  unbewohnbare  Erdteil;  s.  Lambert  (Mm  III, 50;, 
feiner  die  Bilder  auf  Mod.  u.  Walnp;  ferner  Sanuto  (inhabitabilis  propter  ca- 
lorem).  inaula  —  Walsp.        MS  Myrrhifera  regio  —  Pt.        MS  So  30, 12. 

So  80, 19.  Siehe  das  Bild  der  Eb.  ,:"  S.  Bild  auf  Eb.  "*  So  30,  80.  Pt 
(cinna  momifera  regio).      '    P*.  nilvestres,  fauni  u.  aatvri  Eb  (Mm  V,  61); 

fauni  u.aatyri  Hf  (Mm  111,38).       ,i5  Ebenso  Ctl,  Mod.  Aranga  mons  — 

Pt.      i«  Hf,  1«.  So  u.a.  Vallis  Garamantica  -  Pt.  Siehe  Mod.  14 

(rex  Organa).  ,w>  Siehe  die  Melakarte.  Psambari  So,,  Hf,  Eb.  ,0,quidnam 
imperitet  —  So.  Wörtlich   aus   So.  30,  5.     Ahnlich    Plinius  6,  192. 

Stadt  Quillam  —  Mod.  '"^  Nach  der  Legende  Mod.  5  das  Mondgebirge. 
moiM  lunae  Pt,  Gibeleamar.  Auf  Mod.  bildlich  dargestellt:  5  Flüsse  vom 


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224.  Stuck.  305 

Egiptus  superior.1'17 

Tempore  beati  jeronimi  habitarunt  in  deserto  egiptilßs  heremite 
XL  milia,  miracula  facientes.169 

Soldanus  babylonie,1'0  fons*  solis,171  silva  maxima.172  |  Libia  sara-  im 
cenorum.173   Deserta  libie.171   Mare  arenosum.175 

Affrica. l7ß 

Rex  organe.177  Sunt  quidara  fsic]  bestie  habentes  capita  horainum,178 
que,  8i  bibendo  viderint  in  aqua  ymaginem  propriam,  plorant  mon- 
struosamb  deformitatem  suam.179 

Regio  septem  moncium.1*0 

Rex  gamig181  vocatus  mussaneli182  et  adorat  ydolum;  hic  cristiani 
[sic|  vendit,  laborant  ut  bestie  in  aratro.1*3 

Libia  interior.1*4 

Pentapolis,185  est  quidam  princeps  et  adorat  philenorum  ydolum.,K,; 
Rex  de  barbaria.1*7   Rex  de  balaberiro.lss 

Nunc  incipit  mare,  quod  venit  de  jerusalem 
et  vadit  usque  veneciis.185* 

Egipcium  pelagus.1*0  Insula  cipri;  et  est  regio  in  aqua,  et  sola  ex 
orientalibus  regnis  cristicolis  remansit. 

Insula  rodi,  sedos  johannitarum,  defensatrix  ciistianorum  contra 
turcos  remanet.  Candia  est  eciam  una  insula  in  aqua.  Mare  egeum.1*1 

Creta  fertilis  insula  inclita  producit  mina. 

Libicum  pelagus.1'*2  Marc  mediterraneum  ruptis  limitibus,M  oeei- 
dentis  in  quodam  strictum194  vocatum  moroc,1*5  et  attigit  usque  ad  mo- 
diani  terre,  habitabilis,  dividens  Affricam  ab  Europa.'9'1 

Achara  inter  egeum  et  ionium  mare  sita  fertilis  insula  dicitur.,;'7 
Cilicia,1"*  propter  fertilitatem  cerei  [sicj  consecrata,  fistnlis r  netis  et 

»  HS:  ffon*.      b  HS:  moiKttama.       c  IIS:  fiatul  (»m  Ze!lo»r*wl«). 

Mondgebirge  ergiessen  sieh  i»  den  namenlosen  See.  welcher  auf  der  C'tl  laciis  Nill 
heiaat.  Dir  Ctl  von  Viladestes  pl.  IV  (ed.  Marcelo  hat  an  den  See  eine  ciutat 
de  Nil.  "!;  A.  a.  K.  "w  Deserta  Egypti  Eb,  Gf,  Ctl;  Heremua  Hf.  »•»  hic 
Paulus  et  ceteri  eremitae  —  Hi.  ,:<t  Ctl,  Mod.  171  Pt,  MI,  sonst  fons 
Ammonis  —  So,  Eb.  ,;*  ebenum  generalis  —  Ml.  173  Auf  Karten  nicht 
bekannt.     171  Auf  Karten  nicht  bekaunt.  Rf.    Schon  der  heil.  Hieronymus 

in  vita  Macharii.  Siehe  das  Bild  der  Wüste  auf  Mod.,  und  die  liegenden  10 
u.  II.  l7ft  Als  Erdteil  -  Ctl.  ,:;  Ctl,  Mal.,  Mauro.  ,7S  Cvnocephali  au 
dereelben  Stelle  —  Eb.  ,7!*  Unbekannt.  iH"  A.a.  K.  Dulceti  pl.  2.  ,s'  Ga- 
uuya  —  Duheti  pl.  2;  Ginuia  Ctl;  Guiueva  Mod.  12  u.a.  Ih?  Musamelli  — 
Mod.,  Ctl,  Pizigani,  Viladestes.       l**  Unbekannt.  Strabo,  Pt;  Africa  in- 

ferior PI.  »"■',  Eb,  Hf.  19,1  Philaenorum  arae  —  a.  a.  K.  1H1  Mauro,  Walsp., 
Ctl  (am  Oceanl.  Vgl.  Beimaria  Bianco,  Belramariua  —  Walsp.  Viladeates 

hat  einen  Rex  Bubeder.  Es  ist  Adriaticum  mare  oder  pelagus  in  der  Eretreckung, 
wie  es  auf  den  alten  Karten  z.  B.  Ta  hat.  ™  Pt.  A.  a.  K.  ,!*  Pt,  Ta.  ,s,s  1», 
Gu,  Mauro.       im  strictum  mare  Eb.  Maroc  —  Bianco.       Ii,<l  Vgl.  So  23, 

18  fl  ;  Eb  (Mm  V,  9:  Gaditanum  fretum).      107  Achaia  als  Insel  Hf.  ,M*Sicilia. 

K.StoUesMomorUW».  20 


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:Jü»>  224.  Stück. 

sulfure  habundat,  unde  illie  miUeanus  [sie]  ineendia  esse  dicuntur,  in 
niari  navigantes  earduis1:'"  absorbet,  et  est  una  regio  magna. 

Sardinia   provincia.     Carsica  provineia,    affricauum*  pelagus,*10 
v  sardinia  patria  quasi  |  silvestris,  inontuosa,  capris  et  equis  silvestribus 
plurimum  copiosa.     Maritanicuni  pelagus.2"1     Minorica202  provincia; 
maioriea 2o:I  regio.    Nota:  orania  suprascripta  sunt  in  niari. 

Constantinopolis  est  situata  prope  aquas.   Imperium  Grecorum,201 
burgaria*05  provincia.    Dispot  prineeps.    Rex  bosine.*"1    Albania  pro- 
vincia; panonia  provincia.    Carnatia  provincia.    Dahnucia.  Ungaria; 
dux  austrue.     Calandrie2"7  provincia.    Neapolis.     Appulia  provincia. 
Koma.     fcJenis;    tlorencia,  bononia.  -padua ,  mantua,  veneeiis.  Item 
hoc  mare.  quod  venit  de  jerusaleni1'  venit  usque  veneeiis  et  prope 
neapolis  vocatur  maro  adriaticum   et  prope  veneeiis  vocatur  mare 
veneciarum.     Dux  mediolani.     Rex  ungarie;  ungaria  provincia;  dal- 
matica;    dux  aust/ie.      Rex  polonie;     dux  prussie;    rex  boheraie; 
dux  saxonie.    Saxonia.    Turingia.    Reno.    Oolonia;  dux  burgundie; 
rex  francorum.     Normandia.    Catelonia;  rex  arragonie;  rex  navarie; 
rex  de  granata;   rex  de  portugallie;    rex  uispauie.    Ecclesia  saneti 
jacobi  in  gallicia.    Item  gentes  norvegia  certo  tempore  anni  operantur 
tenam  cum  candelis  vel  luminibus,  quia  istis  diebus  non  videtur  sol. 
Mare   rossie;    rossia   provincia;    gothia;    occeanus.  Sarmatieus20*; 
mare  glaceum2*'5';  stagnum  staeol210;  essia.211    Sueeia212;  rex  suecie; 
laeus  starse.2"    Selandia2";  occeanus  germanieus,21i  regia  frigidissinia 
»  t  infruetuosa,  euius  incole  plus  depiscantur  et  venacione  vivunt  quam 
de  pane2Ui;    rex  norvegie;    norvegia;    mare  germanicum;  rex  anglie; 
loa  norgales.  |  Rex  scocie.-17    In  hoc  mare  seotica  [sie |  sunt  XXX  insule,21* 
et  sunt  ibidem  arbores,  genant  aves.211'    Hibernia  domestica.  Sanctus 
patrieius220;  hibernia  sil  vestres  [sie];  occeanus  hibernicus.221    In  hibernia 
est  mirabilis  lacus,  in  quam  |sic|  si  proiciuntur  una  quantitas  coralli,  subito 
efh'eiuntur  segmina  et  e  converso,  et  in  aliquibus  locis  carnes  mortu- 
orum  non  marcescunt. 222   Item  iu  quadam  parva  insula  homines  pre- 
nimio  senio  non  possunt  mori  nisi  asportantur.223    Ibi  non  sunt  ser- 
pentes  nee  bestie  venenose,224  quia  terra  illa  valet  contra  venenum.225 

a  IIS :  ffricanum.       *»  HS:  irlui. 

(  harvbdis  -  L,  Hf,  Hn.         Pt.  IV  c.  3.  Or  (fehlt  bei  Pt).     ?02  Lb, 

1h  -u'  Ctl,  Lb,  Gf.  -°»  Contst.  caput  Graeconim  —  Walsp.  *M  Ebenso 
Ctl,  Walsp.  Hosna  als  Stadt  -  Ctl.       MI  Calabria.       -'*"  Pt.       ?ftn  Con- 

gi-bitum  Ctl.  >u'  Stocol,  Stadt  und  See,  Ctl  u.  Mod.;  Stockolm  -  Walsp. 
•"  Suessia  —  Ctl.  Ctl,  Matiro,  Dulceti  (doppelt).        '•M3  Stadt  und  See 

Starsa  —  Ctl,  Mod.;  Scarsa  —  Dulceti.  '-',*  Salandra  —  Ctl;  Silaudra  —  Mod.; 
Salandria       Dulceti.  Pt;  sinus  Mauro,  Hn,  Hf.  Ebeuso  die  ganze 

Legende  Dulceti;  Ctl  —  auf  Norwegen  bezogen.  ?'7  Anglia,  Norgalles, 
Scotia  —  Ctl.        ■l*  Orcade.s  a.  a.  K.  In  Hibernia  fiunt  aves  in  arbori- 

bus  -   Walsp.;  Dulceti,  Benim-asa.       ?,n  Hf.  Pt,       m  Vgl.  lacus»  fortu- 

nutus  Ctl,  Mod.  (Krcischmer,  Modenakarte  S.  74).       ";;  Ctl,  Dulceti,  Mod.  57, 
Hf   Mm  III,  lüfti,  Walsp.  (Mm  III,  148  -  insula  Jovis).       "*  Ctl,  Dulceti. 
Mod.  57,  Ctl,  Dulceti,  Rf  (venenosa  fugat  -  Mm  III,  100). 


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I 


225.  Stuck.  307 

Hic  dicuntur  esse  eolumpne  herculis.2*5 
Occeauum  innre  totam  torram  circuit  excepta  septima  parte  terre, 
quam  deus  voluit  discopertam  manere227  ad  salutein  et  protectuni 
hominuni  et  omnium  animanciuni ,  ut  dicit  Plinius*  Hoc  mare  ruptis 
raontibus  occidentis  inter  calphe  et  hispaniam 22H  mit  in  barbariam  et  fluit 
usque  ad  medium  terre  habitabUis  [sic],2?!>  sie  quod  per  illud  navigentur 
multe  marcancie.  Et  est  ita  volox  in  cursu  suo,  quod  devastendo  [sie] 
repeute  multa  monstra  marina  dimittit  in  sicco  et  subito  supercrescendo 
multa  animalia  iu  sicco  pascencia  suffocat.  In  istis  insulis,  que  dicuntur 
deperdite,230  iiabitant  bomines  silvestres,  que  [siel  vestiuntur  caprinis  pelli- 
bus,  et  cum  caprarum  eornibus  laborant  et  colunt  agros  suos  publice,1' 
et  inverecunde  scilicetc  in  actu  venereo  commiscentnrd;  adorant  solem 
et  lunam,  et  regio  illa  est  amenissima,  ut  ait  ysidorus.38*1 

Explicit  mappa  mundi  in  civitate  mantuana  in  ytalia;  ibidem 
est  preciosa  valde  depicta  cum  omnibus  scriptis  ut  supra.  Anno 
doraini  11°  CCCC°  LV1II0  vgo  Conradus  Stolle  ibidem  scripsi. 

Finis.  | 


225. 

Anno  dni.  M°  CCCCC"  LXXX110  Roma  carebit  papa.  v 
Anno  LXXXIII"  multi  peribunt  fame. 
Anno  LXXX1V  clerus  interticietur. 

«  HS:  PthHi«.       «»  pubiw.       •  »II'.       ''  HS:  -•ommi^tur 

• 

"6  ö.  das  Bild  und  die  Legende  von  Mod..  das  Bild  auch  Viladeste*.  2,7  Das* 
da«  Meer  nur  den  7.  Teil  der  Erde  bedecke,  lehrten  Albertus  Magnus,  Roger 
Bacon,  Petrus  AUiacu*,  unter  Berufung  auf  das  apokryphe  4.  Buch  Esdras  (auch 
Columbus  beruft  sich  auf  diese  Angäbet:  quod  «ex  parte«  terrae  sunt  habitatae. 

Vgl.  PI.  3,  3—5,  besonders  aber  6,1.  **>  S.  oben;  aus  der  T- Karte  ent- 
nommen. 73"  insuln  perdita  —  Eb;  sonst  Sei.  Brandani.  *ai  Das  Citat  von 
Isidor  bat  noch  Mod.;  sonst  meist  eigentümlich.  ,        Konrad  Miller. 

225.    Die  Prophezeiungen,  meist  aus  dem  Kreise  der  Kleriker,  ent- 
sprangen, in  der  damals  —  abso  im  15.  Jahrhundert,  besonders  im  letzten  Drittel 
desselben  —  tief  erregten  Zeit  namentlich  den  Befürchtungen  über  die  Zukunft 
der  Kirche,  der  Besorgnis  wegen  der  Türkengefahr  seit  der  Eroberung  Constanti- 
nopels  durch  dieselben  und  ihrem  Vordringen  in  Ungarn  und  gegen  das  Abend- 
land ,  andere  auch  patriotischen  Beklemmungen  wegen  des  Verhältnisses  zwischen 
Deutschland  und  Frankreich.   Die  Prophetie  gab  somit  alles  wieder,  was  man 
damals  befürchtete,  was  der  Geistliche,  namentlich  der  asketische,  und  der  Diplo- 
mat dachte,  was  Bürger  und  Bauer  beschäftigte  und  ängstigte,  und  darum  war 
sie  populär  in  klerikalen  wie  in  Laienkreisen.    S.  Historisches  Jahrbuch,  im  Auf- 
trage der  Görresgesellschaft  herausggb.  von  Jos.  Weiss,  XIX.  Bd,  1898:  J.Rohr, 
Die  Prophetie  im  letzten  Jahrhundert  vor  der  Reformation  als  Geschichtsquelle 
und  Geschichtsfaktor:  1:  Die  Prophetie  im  allgemeinen  (S.  29—  31);  2:  Prophe- 
zeiungen aus  dem  letzten  Jahrhundert  vor  der  Reformation  im  einzelnen  (8.  32 
bis  56);  3:  Kirche  und  Reich  im  Jahrhundert  vor  der  Reformation  auf  Grund 
der  Prophetie;   aj  die  Kirche,  b)  das  Reich  (S.  447— 452);  4:  Prophetie  und  Ge- 
schichte »3. 453— 466).  —  Das,  was  Stolle  hior  bietet,  sind  zwar  nur  einzelne 
Brocken,  aber  sie  sind  nicht  iininteressant. 

20* 

■ 

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226.  Stück. 


Anno  LXXXY  Tuicua  possidebit  roraam  usque  ad  portam  latinam. 
Anno  LXXXVI  rex  francie  fugabit  turcura  usque  ad  soldauum,  et 
eliget  papam,  qui  sub  arbore  sicca  celebrabit  in  jerusalern,*  et  arbor 


Anno  LXXXVTI  erit  unio  universalis  ecclesie. 
Anno  LXXXVIII  rex  francorum  uiorietnr. 


iß*  22G.  3!emoriale  domini  Conradi  Stolle. b    Et  prote- 
staeio  mea  in  hac  parte  de  veritate  et  mendacia  feli- 
U74  citer  ineipit  anno  domini  M°CCCC«LXX1III°  factum.1 

Durch  metelidunge2  <lerc  bekummernisse  unde  sunderlichs  raisse- 
fals,3  cznfelliglichs  gedrengnisses/  grosses  Schadens*  unnd  wedder- 
wertigkeit,  zu  gemessen  deme  erlichen  stiffte,  steten,  schlosssen  unnd 
lande  kollen  unnd  nüss4  etc.  des  erczbischtums  zu  kollen,  ge  sehen 
unnd  gethan  von  deine  herezogen  von  burgundien  widder  got  unnd 
alle  recht  unde  erkant  ''  von  bebistlicher  unnd  keyserlicherf  gewalt  unnd 
erkenntnisse  aller  korfursten  unnd  anderer  des  richs  fursten  unnd  steten 
ome  allerdinge  onpfiln"  in  deme  jare,  do  man  schreib  noch  cristus  ge- 
U74  burt  unsers  lieben  hern  tusent  CCCC  unnd  vier  unnd  sobinezigk  von 
sant  jacobs  tage 7  biss  her  uff  disse  ezit,  habe  ich  conradus  N.  etliche 
stucke  des  kriges  czwisschen  dorne  herezogen  von  burgundien  unnd 
des  bischoffes  zu  kollen,  als  ich  die  hie  zu  erfforte  in  geraeinen  reden 
unnd  vel  sagen  vorstanden,  gehört  unnd  vornomen  habe,  von  pristern, 
geistlichen  unnd  wörtlichen8  Studenten,  kouffluten,  burgern,  geburn, 
wallebrudern,  rutern  unnd  andern  fromen  luthen  alle  her  in  myn  rae- 
moriale  geezeichent,  unnd  inczwifele  der  worheit,  der  ich  zu  geeziten 
nicht  vor  wahir  gewust  habe,  ab  es  also  gescheen  ist  adir  nicht,  sundem 
noch  den  sagen,  unnd  darumbe  wil  ich  ungenant  sy  unnd  mich  dar 

•  Hfl:  Win.      b  „Stolle"  erat  nmcliträgllch  eingefügt.     «  HS:  unud.      *  HS:  gwIrengnlMc. 
«  HS:  »chaden.       '  HS:  keywrllche. 

2*2ft.  1  Für  die  Nachrichten  über  die  Belagerung  von  Neu»«  ist  Stolle,  der 
sich  hier  nicht  nennen  will  (darum  ist  Stölln  hinter  Conradi  in  der  HS  erst 
sjwter  eingefügt),  aber  doch  unzweideutig  mit  N.  sich  seilet  meint,  Quelle  nur 


genössischer  Ohrenzeuge,  d.h.  er  selbst  hat  Erzählungen,  Mitteilungen  u.  a. 
von  Augenzeugen  wiedergegeben.  Aber  er  schreibt  *eine  Nachrichten  zum  Teil 
unmittelbar  nieder,  während  sie  noch  geschehen,  und  ehe  sie  vollendet  sind,  wie 
der  gesamte  Ton  der  Darstellung  in  dem  folgenden  beweist.  Das  bisher  Be- 
kannt«? ergänzt  er  auch  in  nicht  wenigen  bedeutsamen  Einzelheiten.  *  S.  St.  48 
A.  3.  a  „Unglück",  mundartlich.  4  Neuss,  preuss.  Kreisstadt  im  Regierungs- 
bezirk Düsseldorf.  r'  „Erkennen"  =s  „bekannt  machen,  öffentlich  be-  und  ver- 
urteilen". "  ome  =  „über  ihn  gefallen",  „ihm  zugestossen".  Der  ganze  Satz, 
deinen  Konstruktion  keine  regelrechte  ist,  bleibt  in  seinem  schiechten  Deutach 
fast  unverständlich.  7  25.  Juli  1474.  8  =  „werblichen"  =  „weltlichen,  d.  h. 
nicht  geistlichen",  also  Studenten  der  Medicin  und  Jurisprudenz. 


florebit. 


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226.  Stück. 


309 


inne  bewaret  habe,  sundern  solch  gedrerrgnisse  unnd  grossir  schade  ist 
mir  in  mynem  herczen  leyd  unnd  bekummirt  mich,  ab  nicht  redungc 
geschee  der  stad  nüss,  dor  inne  vil  fromer  redelicber  lute,  hern,  |  grafen,  v 
rittere  unnd  knechte,  die  sich  mit  mennelichis  herczen  unnd  getrost 
gewest  sint,  die  sich  so  trostlich  gewerit  haben,  vil  storme  VIII  adder 
czehen  wochen,  von  jacobi  bi3s  uff  michaelis,  das  man  saget,  der 
herczoge  von  burgundia  spreche,  er  wolde  sy  gerne  sehe  in  der  stad 
nuss,  ab  is  menschen,  engel  adir  tufele  weren,  also  trostlich  weren  sy 
sich,  unnd  her  habe  on  doch  abe  geschossen  alle  torme,  husere  unnd 
muren  unnd  thor,  wann  dor  inne  ist  eyn  hene  von  hessen,  genant 
lantgrave  herman,"  mit  siner  besten  manschafft,  unnd  haben,  als  man 
saget,  sechs  tusent  werhafftiger  mann  redelicher  person,  unnd  der 
herczoge  von  burgundien  lihet  do  vor  mit  hundertmal  tusent  unnd 
virczigk  tusent  man,  unnd  hat  sich  mit  siner  wagenbuigk  hart  do  vor 
grabin  unnd  eine  stad  gemacht  dar  uss;  er  meinte,  on  sulde  nimant 
dor  von  triben,  unnd  nieynte  onch  dy  stad  nuss  zu  gewinnen,  uss 
hungern,  stormess  halben  zu  uberwinden,  mit  listen  mancherleye,  als 
ich  hir  noch  geschreben  habe.   Ab  es  war  sy,  wirt  oyn  iglicher  noch 

0  Nach  dem  Tode  des  prachtliebenden  und  verschwenderischen  Erzbischofs 
und  Kurfürsten  Dietrich  von  Mors,  welcher  von  1414  —  1463  den  erzbischöflichen 
Stuhl  von  Köln  innegehabt  hatte,  wurde  vom  Domkapitel  mit  den  Ständen 
(Grafen,  Ritterschaft  u.  s.  w.)  die  sogenannte  „E^blandvereinigung,,  vereinbart, 
gleichsam  ein  Staatgrundgesetz,  durch  welches  die  geistliche  Macht  wie  die  Ein- 
künfte des  Erzbischofs  mit  engen  Schranken  unigeben  wurden.  Der  neue  Erz- 
bischof,  Pfalzgraf  Ruprecht  (1463—1480),  ertrug  von  vornherein  diese  Beschränkung 
»einer  Macht  nur  mit  grossem  Widerwillen.  Um  die  leere  Staatskasse  zu  füllen, 
musste  er  hohe  Umlagen  ausschreiben,  welche  Geistlichkeit  und  Ritterschaft  ver- 
weigerten; da  sie  Ruprecht  trotzdem  eintreiben  wollte,  entsetzte  ihn  das  Dom- 
kapitel seiner  Würde  und  wählte  den  Landgrafen  Hermann  von  Hessen,  welcher 
Probst  in  Aachen  und  in  St.  Gereon  in  Köln  (h.  Koelhofsche  Chronik,  Städte- 
chroniken: Niedorrhein.  Städte:  Köln,  III,  S.  825),  auch  Domherr  in  Köln  war, 
zum  Administrator  der  Erzdiöeose  Köln.  Den  zum  Schiedsrichter  angerufenen 
Kaiser  Friedrich  III.  verwarf  der  Erzbiechof  Ruprecht  und  wandte  sieh  dann  an 
den  Herzog  Karl  den  Kähnen  von  Burgund,  mit  dessen  Hilfe  er  den  erzbischöf- 
lichen Stuhl  wiederzugewinnen  hoffte.  Gern  ergriff  Herzog  Karl  die  Gelegenheit, 
sich  in  die  Kölner  Wirren  einzumischen,  in  der  Hoffnung,  auch  die  Länder  am 
Niederrhein  zu  gewinnen  Darum  rückte  er  im  Juli  1474  mit  einem  gewaltigen 
Heere  in  das  Erzstift  Köln  ein  und  wandte  sich  zunächst  gegen  die  kleine,  aber 
wohl  befestigte  Stadt  Neuss,  welche  der  Landgraf  Heinrich  III.  von  Hessen- 
Marburg  (1471—1483)  und  sein  Bruder  Hermann,  der  erwählte  Administrator 
von  Köln,  mit  einer  geringen  Kriegsmacht  verteidigten.  Die  Belagerung,  welche 
vom  politischen  wie  vom  kriegswissenschaftlichen  Standpunkte  aus  ebenso  wichtig 
wie  interessant  ist,  dauerte  vom  29.  Juli  1474  bis  zum  10.  Juni  1475,  ohne 
dass  Neuss  erobert  wurde. 

Ober  den  Kampf  um  Neuss  s.  die  Chroniken  der  deutschen  Städte  vom 
14.— 16.  Jahrb.,  XX  Bd.:  die  Chroniken  der  westfälischen  und  niederrheinischen 
Städte:  I.  Dortmund.  Neuss.  1887 :  Christianus  Wierstraat,  Histori  des  beleegs 
van  Nuis,  herausggb.  von  Adolf  Ulrich,  S.  474—616,  wo  in  der  Vorrede,  in  An- 
merkungen und  auf  S.  615—616  zusammenfassend  die  betr.  Litteratur  verzeichnet 
ist  Vgl.  noch  R.  v.  Liliencron,  Die  histor.  Volkslieder  der  Deutschen,  II.  Bd., 
1860,  S.  42-58. 


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310 


227.  Stück. 


wol  er  fare.  Ich  habes  durch  merkunge  willen  gesatczt  unnd  bitte  dor 
inne  unvordocht  zu  sine  in  gutlicher  meynunge,  wann  ich  bin  do  nicht 
gewest,  so  habe  ichs  nicht  gesehen. 


227.  Der  anefangk  disses  kriges. 

Man  saget  zu  deme  ersten,  das  dy  sache  kome  do  von :  der  bisschofi 
zu  koln,  genant  rupertus,  habe  etliche  fei  jar  do  niete  urame  gegangen, 
das  er  dy  stad  koln,  nuss  unnd  andere  stete  des  stifftis  allis  under 
sine  hant  unde  gehorsam  brenge  wolde,  dy  ome  danne  enteil  also 
nicht  gehorsamlich  gewant  woren,  also  |  die  deinen  stote  unnd  sloss, 
unnd  sunderlichen  kollen  unnd  nuss,  unnd  dorumbe  meinte  der  bisschoff 
dy  selbien  stete  mit  listen  unnd  behend ickeiten,  etliche  sagen,  mit  vor 
retnisse,  dy  stete  an  sich  unnd  sinen  bruder,  den  pfalczgraven  am  ryn,1 
brenge,  den  er  dar  inne  zu  hulffe  unnd  rate  nam,  als  man  saget,  das 
der  pfalczgrave  vor  czwen  jarn  do  vor  mit  VI1IC  pferden  lange  ezit  zu 
kollen  lag,  unnd  hatte  dannoch  vorborgen  lute,  dar  inne  zu  fusse  fei 
tusent,  unde  dorch  list  des  bisschoffes  solde  der  pfalczgrave  das  an  deme 
guten  fritage2  zu  nacht  mit  einem  grosssen  uft'louffte  in  neme,  das 
solde  der  ubersten  einer  in  der  stad  raete  gewust  habe,  der  wart  krangk 
unnd  lebete  nicht  lenger  danne  dry  tilge  in  syner  kranckeit,  unnd 
bichte  das  einem  barfussen  monche,  unnd  sagete  om,  wo  man  des 
kuntschaflt  unnd  breffe  funde,  das  dy  stad  ubirgehen  solde,  unnd  hatte 
dorumbe  ruwe  unnd  leide,  unnd  wornte  das  uff  sin  sterben  unnd  hiss 
den  monch  das  uffenbara  Also  toten  dy  von  kollen  also  wisse  luthe 
unnd  bewarten  sich  unnd  den  bichtvater,  den  monch,  unnd  mochten 
das  also  funde,  unnd  behilden  das  heimelichen  by  on  unnd  hatten  des 
achtunge  uff  oren  bisschoff,  unnd  mochten  den  by  on  nicht  geliden, 
sundern  uff  sinen  slossen  unnd  andern  deinen  steten  gunsten  sy  orae 
sines  wessen s  wol.  Sinen  bruder,  den  pfalczgraven,  der  eyn  mol  so 
lange  in  der  stad  kollen  hatte  gelegen  by  sinem  bruder,  dorne  bisschoffe, 
taten  sy  zu  vorstehene,  das  is  on  nicht  also  wol  zu  danckewere,  unnd 
brochton  das  hobisch3  zu,  das  sy  nicht  gemerckt  künden  worden  durch 
oren  kouffschatcz  der  lande;  sundern  der  pfalczgrave  unnd  der  bis- 
schoff schickten  oymol  ore  rothe  hen  |  in  kegen  kollen  unnd  nüss,  der 
fingen  dy  von  kollen  viere  dy  besten,  unnd  fertelten  dy  also  vorretere, 
unnd  dy  wolden  dy  stad  koln  vorrote;  unnd  etliche  sagen,  sy  wolden 
dy  besten  vier  manne  uss  der  stad  gewonnen  unnd  enwegk  brocht 
habe,  dy  hette  der  bisschoff  gerne  gehabt  unnd  sy  enthoyben. 

237.  1  Pfalzgraf'  Friedrich  der  Siegreiche  (1449-1476).  5  Charfreitag. 
'  Mhd  höveach  —  md  hubisch  und  hobwch  „höflich ,  auf  feine  Art"  (siehe 
St.  47  A.  2). 


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228.  und  229.  Stuck. 


311 


228.  Wy  ein  vitter  dy  stad  nuss  vor  roten  sohle. 

Man  saget  ouch,  das  derselbige  bisschoff  rupertus  eimo  rittere,  ge- 
nant N.,  grosse  gobe  unnd  gelt  gelobet  hatte,  breffe  unnd  ingesegel  mit 
siner  eygen  hand  schriftt,  dy  man  kante,  der  er  nicht  geloukene  konde, 
gegeben  hatte,  das  er  nuss,  do  er  eyn  soldener  inno  wass  unnd  eyn 
houbtman,  vorroton  soldo.  Das  wart  gewornt,  unnd  man  greiff  den  ritter 
unnd  fertelte  on ;  der  bekante  alle  anslege,  unnd  als  man  den  fertelte, 
do  hingk  man  den  breff  des  bisschoffes  hantschrifft  an  eine  sul  by  den 
ritter,  das  idermann  den  briff  mochte  lesson  unnd  sehen,  unnd  man 
kante  des  bisschoffes  hant;  sso  bekante  on  der  vorreter.  Do  quomen 
von  kollen  by  drie  hundert  Studenten  kein  nuss  uff  deme  wasser  gc- 
faren.  die  den  breff  sohen  unnd  lossen,  unnd  ouch  den  ritter  fertele, 
das  haben  mir  eyn  prister  unnd  czwene  Studenten  gesaget,  die  de» 
kegenwertigk  gewest  worn. 


229.  Wy  der  bisschoff  zu  koln  etliche  sloss  unde 
stete  vor  satzt  hatte  ane  noyd  der  kerchen. 

Man  saget  ouch,  das  der  selbige  bisschoff  rupertus  deme  stiffte  zu 
kollen  vier  sloss  unnd  stete  vor  satzt  habe  ane  nod  sache  der  kerchen, 
unnd  brachte  das  gelt  unnotezevor;  dorumbe  errete1  das  capittel,  unnd 
clageten  das  deme  pfalczgraven,  des  bisschoffes  bruder;  der  quam  kein 
kollen  adir  in  I  andere  stete,  unnd  wart  vor  tey dinget,  das  das  capittel  i*56 
etliche  czollo  solde  also  lange  in  nemo,  dy  wile  er  bischoff  were,  das 
man  also  feie  gesammete,  das  man  die  pflege2  wedder  losse  mochte. 
Do  man  das  czwey  jar  gesammete  zu  bonne  in  der  stad  unnd  andirs 
wo.  do  quam  der  bisschoff  do  hon  unnd  slug  die  beheltnisse  uff  mit 
siner  manschafft  unnd  rate,  unnd  nam  das  gelt  mit  gewalt  en  wegk. 
Das  schreben  die  capittels  horn  deme  pfalczgravcn  unnd  clageten  ome 
das  unnd  manten  on  dar  umbe  dos  vorteidinges  unnd  vortracht;  der 
hatte  dor  vor  geredt  unnd  sich  vorschreben.  Der  pfalczgrave  schreib 
dem  capittel  wedder,  es  wehere  ome  leyd,  das  sin  bruder,  der  bisschoff, 
des  nicht  helde,  her  konde  dor  zu  nicht  gethu,  er  wehere  eyn  pfaffe, 
unnd  were  sin  nicht  mechtigk;  so  wüsten  wol,  wye  sy  is  mit  ome 
halden  solden.  So  hatte  der  bisschoff  ouch  etliche  pfand  hern,  graven 
unnd  rittere,  die  deme  stiffte  gelt  gelegen  hatten  uff  etliche  sloss  in 
deme  krege  zu  ssusst,3  die  selbigen  vorpfandunge  wedder  genomen  mit 
grossen  listen.  Er  bad  sich  ouch  selber  zu  on  zu  gaste  unnd  quam 
also  stargk  uff  die  bürge,  wanne  her  danne  wolgelebet  hatte,  so  fing 
her  den»  wirt  unnd  schätzte  ome  die  bürg  wedder  abe.    Dar  uss  wart 

*  HS:  denn. 

220.  1  Mhd  irren  =  md  erren.  swv.  intr..  „tmgewisa  sein,  in  Verwirrung  sein 
oder  geraten",  im  anderen  Sinne  s.  St.  203  A.  1  u.  St.  2K2  A.  2.  ?  „Pflege"  — 
fremde  Verwaltung  der  verpfändeten  Schlosser  und  Städte;  *.  auch  St.  198  A.  47. 
:t  Während  der  Soeeter  Fehde,  s.  St  202  A.  1. 


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312 


230.  Stück. 


deme  stiffte  unnd  stad  kollen  unnd  kouffluten  grosse  fehede.  Also  be- 
stalte1 das  capittel  kein  roiue,  do  bestalte  her  onch  raete,  unnd  er- 
worben zu  rome,  das  man  deme  stiffte  einen  pfleger  adir  gubernatorem 
setzen  solde,  unnd  solde  deme  bisscboffe  eine  pflicht 5  jerlicben  gebe, 
die  wiele  er  also  ungeroten  were.  Dar  zu  was  nu  dy  stad  koln  ouch 
geneiget,  wann  si  getruweten  ome  nicht,  unnd  worn  des  gar  wol  eyn 
mit  deme  |  eapittel  unnd  koren  zu  einem  pflegere  der  pfandhern  lant- 
graven  herman  von  hessen,  der  eyn  thnmherre  was  zu  koln;  der  was 
from  unnd  togentlichen,  unnd  hartes  in  der  stad  koln  also  gehalden, 
das  om  iderman  gunstig  was,  in  deme  capittel  unnd  in  der  stad,  unnd 
her  was  deme  gemeinen  volke  wol  gewegen,  unnd  bewiste  das  wol  an 
den  zu  nuss:  zu  den  czoch  her  in  ore  stad  mit  siner  besten  inanschafft, 
unnd  geredte  by  on  tod  unnd  leben  zu  bliben,  unnd  werete  ouch  dy 
selbige  stad  eyn  gancz  jar  biss  her,  unde  hoffe,  got  helffe  ome,  das  er 
noch  lange  dy  er  were  möge  unnd  behalde,  wann  er  weiss  wol,  wann 
der  herzöge  von  burgundien  die  stad  nuss  gewunne,  so  muste  her  unnd 
alle,  die  dor  inne  sin,  alle  sterbe.  Der  burgundir  habe"  ouch  gesaget, 
gewönne  her  die  stad  nuss  mit  stormen,  alle  die  dor  inne  lebende  sint 
ubir  funfP  jar  alt,  die  sollen  alle  von  siner  hand  adir  den  sinen  sterben. 


230.  Wie  der  herezoge  von  burgundien  oine  selbest 

grosse  ere  zu  czouch. 

Man  saget,  das  der  herezoge  von  burgundien  gesprochen  had,  iss 
mögen  nicht  mehir  gesin  in  der  werlt  wann  drye  hern;  der  sie  einer 
in  deme  himmele,  das  sy  got,  einer  in  der  helle,  das  sie  der  tufel  lu- 
eifer,  unnd  einer  uff  der  erden,  das  wolle  her  sy;  got  habe  on  dor  mete 
vorsehen,  das  er  die  werlt  undir  sich  brenge  sulle,  also  koningk 
allexander  gethon  hat,  unnd  gesprochen  hat,  alexander  sie  eyn  beide 
gewest  unnd  habe  die  ganteze  werlt  in  XII  jarn  under  sich  gebracht 
unnd  gewunnen,  unnd  habe  nicht  also  feie  geldes  unnd  Silbers  unnd 
volks  gehabt,  als  her  habe;  so  sy  her  |  eyn  cristener  mensche,  unnd 
got  habe  ome  den  seheg1  gegeben,  er  sulle  under  sich  gewinne  die 
cristenheit  unnd  die  werlt.  Er  sulle  ouch  romisch  konig  werde  unnd 
rechtfertige  allis,  das  in  der  cristenheit  vor  erret  sy,  unnd  her  thu  das 
umme  der  gerechtickeit  willen.  Er  spricht  ouch,  "er  wolle  frede  unnd 
glouben  mache  in  aller  werlt,  unnd  die  ungetruwekeit  der  fursten 
straffe,  unnd  die  Ungerechtigkeit  unnd  die  gewalt,  die  do  stehit  uff 
armon  luthen,  in  den  grossen  steten;  unnd  list  ome  alloczit  lessen  zu 
tische  historiani  alexandri;  unnd  her  meint  also  gerecht  zu  sine,  also 

»  IIS:  h*t.et.       *"  HS:  funfft. 

1  „Bestellen",  d.h.  „Nachricht  «enden".      *  „Pflicht,  Dienst.  Abgabe". 

230.  1  Wenn  die  Form  nicht  von  Stolle  verschrieben  ist.  >*o  ist  es  eine  mund- 
artliche Nebenform  von  segen  (stm)  =  „Zeichen",  ursprünglich  des  Kreuzes, 
Segensformel,  Segen. 


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231.  Stück. 


313 


alexander  was  in  der  heideuschafit,  unnd  hildet  guten  frede  in  sinen 
landen  unnd  ouch  in  sinem  here,  das  nymant  deme  andern  ichtis 
nemen  torste;  wer  das  teth,  den  liss  her  toten,  unnd  spricht,  er  habe 
den  bisschoft  zu  lutch,  sinen  bastart,2  wedder  in  bracht,  den  die  stad 
zu  lutch  mit  sinen  pristern  uss  gewisset  hatten,  als  man  saget,  so  sulden 
sie  die  pristere  uss  gewisset  unnd  mit  geissein  uss  der  stad  gehouwen 
haben,  unnd  iglichem  nicht  meher,  dann  sin  buch  under  sinen  arm 
gegeben  haben,  unnd  musten  sust  in  der  stad  losssen,  wass  sy  hatten; 
das  toten  sy  deme  bisschoffe  von  lutch  zu  smoheit;  das  habet  on  er- 
barmet, das  er  die  stad  gewan8  unnd  treib  die  bürgere  uss  gebunden 
unnd  gefangen,  unnd  schatczte  sy,  unnd  totede  ore  wibere  unnd  kin- 
dere.  Also  wolde  her  der  stad  kolnde  ouch  thu;  das  wolde  got  nicht, 
dorumbe  das  si  oren  bisschoß  uss  getreben  unnd  vor  worffen  hatten, 
die  von  koln  haben  ore  pristerschafft  noch  by  on  unnd  sint  gut  ein 
mit  on.  sundern  man  hofft,  das  das  unschuldige  blud  der  unschuldigen 
kindere  unde  wibere,  die  her  zu  lutch  liss  in  deme  wassere,  |  als  man  ▼ 
saget,  dry  schiff  fol  ertrencke,  dasselbige  blud  ist  von  den  von  koln 
unnd  der  herschafft  der  kurfursten  unnd  keysere  gerochen  worden. 
Nu  was  her  also  hochmutig,  das  her  nicht  meinte,  abe  zu  czehene  von 
der  stad  nuss,  er  hette  sy  dann  gewonnen,  unnd  wann  her  das  ge- 
wönne, so  wolde  her  vor  francfort  czehen,  unnd  do  lege  vier  wochen, 
das  sie  on  in  lessen  adir  das  gewinne  unnd  sich  lossen  kröne  zu 
einem  romeschen  konige. 

231.  Hy  vor  rumet  sich  der  herczoge  von  burguiidicn, 
wy  her  den  ganezen  ryn  ström  gewinne  wolde. 

Man  saget  ouch,  wann  her  dy  stad  nuss  gewönne'  so  hette  her  den 
Rinstrom  beslosssen  von  unden  uff,  so  gewunne  her  bonne  gar  lich- 
tiglich,  so  weren  dio  von  kollen  ane  swert  Zugewinnen,  unnd  man 
mochte  on  nichtis  hulffe  bistant  thu  noch  zu  gefure,  kouffmanschatez 
noch  spise  noch  trangk;  unnd  wann  her  koln  hette,  so  gewunne  her 
den  ganczen  rin  ström  in,  unnd  nemelichen  die  vier  korfursten  koln, 
trere,  mentcz,  unnd  den  pfalcz,  unnd  zu  breche  die  ordenunge  des 
heiigen  romschen  richs,  unnd  die  gülden  bullen,  dy  dann  heldet,1  wie 
man  eyn  romischen  konigk  adir  keyser  kysen  sal,  unnd  wo  man  den 
kessen  unnd  krönen  sal,  das  brechte  her  allis  under  sich,  also  das 
keine  ordenunge  were,  sundem  er  wolde  selbest  korfurste,  koning, 

*  Stolle  irrt :  der  Bischof  von  Lüttich,  der  hier  genannt  ist,  war  Ludwig  von 
Bourbon,  ein  Neffe  Herzog  Philipps  von  Burgund,  also  ein  Vetter  Karls  de* 
Kühnen,  und  sas*  von  1456—1482  auf  dem  bischöflichen  Stuhle  von  Lüttich. 
während  David,  Bastard  von  Burgund  (ein  natürlicher  Sohn  Philipps)  in  Utnvht 
Bischof  war.  :l  Der  Chronist  hat  offenbar  keino  Ahnung  von  dem  tragischen  Ge- 
schicke, das  Karl  der  Kühne  dreimal  (in  den  Jahren  1465.  1466—67  —  Härtung 
Kaininermeisters  Chronik,  herausggb.  v.  Reiche,  S.  220 f.  —  und  besonder«  1468) 
der  unglücklichen  Stadt  Lüttich  durch  Eroberung  und  Zerstörung  bereitete. 

231.  1  „halten"  und  „halden"  —  „halten,  festhalten,  fest  bestimmen". 


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314 


232.  Stflck. 


keiser  unnd  bobist  sin,  unnd  alle  korfursten  unnd  ouch  andere  fursten 
worden  sine  knechte  unnd  schkleven,2  unnd  gewönne  also  dy  cristen- 
heit,  unnd  alle  fursten  unnd  stete  gancz  undir  sich,  unud  zubreche 
alle  ordenunge  der  cristenheit,  wy  wol  er  guten  trede  mochte  gemacht 
habe,  idoch  so  saget  man,  wann  her  dy  stete  gewinnet,  was  her  ubir 
houbt  gewinnet,  so  tötet  er  dy  lute  gar,  unnd  wann  her  sy  geschatczt, ' 
168  geben  sie  sich  in  gute,  so  nimpt  er  on  allis,  das  sy  haben  an  har- 
nasche  unnd  an  gute,  unnd  den  steten  oren  schatcz  gantcz  unnd  gar, 
unnd  ore  breffo  unnd  fryheit,  unnd  leget  die  muren  nidder  gantcz 
unnd  gar  unnd  dy  thorme.  unnd  schatczet  sy  dor  noch  alle  jax  also 
hart,  das  sie  nicht  wedder  gebuwen  können,  unnd  wo  her  fursten 
under  sich  gebrachte  unnd  land,  der  hatte  her  zu  der  zit  XVI  inne,  so 
nam  her  die  fursten  hin  weg  unnd  tötet  dy  adir  forte  dy  in  sin  land 
unnd  satczte  andere  fursten  an  ore  stad,  die  ome  gehorsam  worn.  Er 
hatte  ouch  die  wisse,  wo  her  zu  felde  in  krigesswise  lag,  so  schaffte 
her  grossen  frede,  das  man  in  das  beer  füren  mochte  alles,  das  man 
dorffte,  unnd  her  gab  solt,  unnd  eyn  igliehir  muste  sich  selber  bekoste 
unnd  kouffe,  was  her  dorffte,  unnd  was  man  vorkoufflte  in  dem  heer, 
do  wart  ome  sin  teyl  ron,  unnd  das  gelt  bleib  by  ome  unnd  kam 
wedder  zu  ome.  Also  musten  die  soldeuer  feie  geldes  by  on  habe, 
das  sie  sich  emerten.  Er  hilt  ouch  kleyn  kost  zu  sinem  hofe,  unnd 
wo  her  dann  lag,  do  czoch  gross  folgk  zu  ome  nrame  des  soldes  willen, 
unnd  wann  er  den  soldenern  oren  wochen  solt  solde  geben,  so  schaffte 
her,  das  man  uff  den  fritag3  adir  sonnabent  storme  muste,  unnd  schickte 
dann  das  arme  folk  vorne  an  dy  spitczen,  das  man  dy  graben  fullete 
domete;  was  dann  er  slagen  wart,  den  dorffte  her  keinen  solt  gebe,  also 
das  or  dicke  drie  adir  vier  tusent*  erslagen  worden.  Also  geschah  es 
ouch  vor  der  stad  nuss.  _ 

232.  Wy  sieh  der  aide  bisschoff,  piant  rnnertus  von 
koln,  unnd  sin  bruder,  der  pfalczgrafe  am  ryne.  mit 
deine  herezogen  von  burgnndien  vor  bunden  unde 

vor  selireben  liatten. 

v  Man  saget  ouch,  das  der  keyser  den  pfalczgraven  allirdinge  von 
dorne  korfurstenthum  geworffen  unnd  vorachtet  hatte  aller  siner  ere; 
unnd  do  sin  bruder,  rupertus,  eyn  bisschoff  zu  kollen,  ouch  von  sinem 
bischthum  vorworften  unnd  vor  achtet  was,  worden  die  czwene  brudere 
eins  unnd  worffen  sich  an  den  herezogen  von  burgundien  unnd  vor- 
schreben  sich  kegen  ome  bistant  in  allen  sinen  sachen  zu  thune.  Der 
pfalczgrave  besorgete  sich,  das  on  der  keyser  obir  czoge  mit  gewalt 

•  IIS:  tuaen. 

7  Mundartlich;  bei  MeUter  Altswert,  lierausgg.  von  Holland  u.  Keller  (1850), 
252,32:  schklafe  (noch  Lexer,  Mhd.  Wörterbuch  s.  v.  slave).  3  Diesen  Zug  er- 
wähnt das  2  Lied  ebenfalls,  s.  u.  Sf.  314  V.  310  ff. 


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232.  Stück.  315 

des  richs  steten  unnd  korfursten,  unnd  ried  deme  brudere,  deme  bis- 
schoffe,  das  her  sich  befrunte  zu  deme  herczogen  von  burgundien,  der 
were  ore  geborne  frunt,  das  her  wedder  orae  in  sin  bischthum  hulffe 
unnd  brechte,  so  konde  her  ome  ouch  wol  gehelffe  in  sinem  wedder 
stände.  Also  haben  die  czwene  brudere,  der  bisschoff  von  koln  unnd 
der  pfalezgravc,  sin  bruder,  den  herczogen  von  burgundien  in  das  land 
bracht  zu  grosschem  schaden  der  heiligen  cristenheit  unnd  den  stifiten 
kollen,  trere  unnd  mentcz  unnd  deme  ganczen  rinstrome,  das  danno 
eyn  pardiss  dutczcher  lande  geheiset  ist,  unnd  haben  gedocht,  das  zu 
vorterben  unnd  zu  vorstoren,  unnd  das  got  der  almechtige  gnediclichen 
bewart  unnd  behütet  had.  Unnd  das  geschach  alles  in  deme  jare  do 
man  czalte  noch  cristus  geburt  tusent  CCCO  unnd  vier  unnd  sobenczig.  1474 
Also  quam  der  herczoge  von  burgundien  in  das  land  durch  bosse 
liste,  unnd  hatte  deme  heiligen  romischen  riche  oche1  in  gewonnen 
unnd  gedochte  noch  vorder,  unnd  man  sprach  zu  der  selbigen  czit,  der 
herczoge  von  borgundien  hette  gesprochen ,  er  wolde  deme  keyser 
frideriche,  der  ouch  an  den  rin  quam,  sine  krönen  von  sinem  houbte 
risse,  das  deme  heiligen  riche  gar  honlich  were  gewest.  Es  quam  abir 
nicht  do  hen,  das  der  keiser  unnd  alle  sine  fursten,  dor  zu  die  grossen 
stete,  fry  stete,  bisschofts  stete,  des  richs  stete  sulden  also  gestrafft 
werde,  sundern  got  schickte  das  noch  |  sinem  gütlichen  willen.  Die  i«» 
arme  werlt  ist  gnug  gestrofft  von  den  hern  unnd  gewaldigen  der 
werlde;  die  geistlichen  haben  ouch  durch  gebrochen  mit  oren  refor- 
macien;  villichte  ist  es  nu  au  den  fursten  unnd  steten,  die  dy  andern 
reformert  haben  unnd  Wullen  sich  selber  nicht  reforraeren.  Es  mag 
eyn  arm  man  nicht  adir  kurae  zu  rechte  kome,  wedder  durch  gift, 
gunst  noch  zu  kouffe,  sundern  gewalt  recht  regniren  in  allir  werlde, 
unnd  were  doch  besser,  man  besserte  sich  in  allen  steten  unnd  landen 
unnd  weren  unnd  bieben  ein  unnd  machten  gute  regement  unnd  wedder- 
stunden  itczunt  gemeineclichen  deme  burgundigere  unnd  strofften  sich 
selber,  dann  das  her  or  streffer  solde  sin,  unnd  machten  selber  guteu 
frede  in  oren  landen,  bilden  or  geleite  unnd  beczalten  ore  schulde,  die 
man  on  gutlichen  gelien  had,  unnd  hilden  truwe  unnd  worheit,  unnd 
lissen  nicht  das  für  zu  gross  werde;  wann  das  zu  gross  wirt,  so  mag 
das  nimant  gelesche.  Das  sach  man  wol  zu  erffort,  do  eyn  fiertel  der 
stad  unnd  die  houbtkirchen  abe  branten.2  Hette  man  das  fromde  volk 
in  gelossen  also,  als  am  tage  was  unnd  kein  fehede,  so  were  feie  dingis 
er  redt.  Eyn  iglich  man  in  synom  husse  konde  alleine  sin  huss  nicht 
gerede  ane  ander  lute  hulffe,  wann  er  wüste  nicht,  was  her  thun  solde, 
als  man  schreib  anno  domini  M°CCCC°LXXII  in  die  gervasii  etprotasii,  1472 
die  veneris.  Also  konden  noch  en  mochten  die  fromen  lute  von  koln 
unnd  nuss  alleine  das  fuer  unnd  den  czorn  unnd  wedderwertickeit 
unnd  freysamkeit3  des  herczogen  oon  burgundien  nicht  sich  noch  die 

232.  1  =  Aachen.  ?  Es  ist  das  grosse  Feuer  am  19.  Juni  1472  <s.  ob. 
8t.  221—222)  gemeint.  3  Mhd  vreissamkeit,  stf.,  vom  Adject.  vrcissam  (ebenso 
wie  frei&slickeit,  8t.  14.45  u.ö.,  vom  Adject.  vreißlich.  s.  St.  1  A.  7),  =  „Wildheit". 


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316 


233.  Stuck. 


land  er  were  ane  hulffe  unnd  bystand  unsers  gnedigsten  hern  dos 
keysers  wind  aller  korfursten  mit  sampt  allen  gemeinen  fromen  luthen, 
die  solden  on  zu  hulffe  komen  unnd  snnderlichen  der  stad  nuss,  unnd 
y  der  |  fromen  herschafft  unnd  manscbaftt  hessen  landes,  des  getrawen 
blutes,  das  her  die  nicht  gewönne.  Hotte  her  nu  nuss  gewunnen,  so 
were  das  fuher  grosser  worden ;  so  hette  er  ouch  koln  gewonnen,  dor 
noch  den  rinstrom,  kobelencz,  mentcz,  francfort;  da  liet  die  gülden  bulle 
unnd  alle  ordenunge  des  heiigen  romschen  richs  unnd  der  cristenheit, 
unnd  dor  noch  furstenthum,  land  unnd  lute;  so  mag  dann  nimant  ge- 
lesene. Oot  der  almechtige  erwecke  den  keisser  unnd  alle  fursten,  das 
zu  understehene,  andirs  sie  worden  alle  bliben  stehen,  der  turcke  uff 
einen  ort,  der  burgunder  uff  den  andern,  die  behemen  unnd  ketezere, 
adir  ungern  uff  den  dritten,  die  heiden  uff  den  Vierden.  Got,  der  stehe 
den  von  nuss  unnd  koln  by,  das  sy  ore  stete  er  weren,  so  wirt  solchs 
nicht  noyd  sy.  Die  von  nuss  haben  sich  also  lange  geweret  das  man 
sprach,  sy  weren  alle  wol  wehert  in  der  stad,  das  man  sie  alle  zu 
rittere  sluge,  danne  sechs  tusent  kegen  czweymal  hundert  tusent  ist 
gar  gantcz  ge  vuglicher4  gotis  hulffe  ist  dor  by  ungeczwifelt. 


233.  Wye  der  bischoff  zu  koln  sieh  erbeitte,  das  her 
widder  mochte  komen  zu  sinem  bischthum. 

Man  saget  ouch,  als  der  bisschoff  von  kollen  sy  komen  zu  dem 
herezogen  von  burgundien  unnd  habe  on  gebeten,  ome  unnd  sinem 
bruder,  deme  pfalczgraven,  bystant  zu  thune,  unnd  ome  helffe,  das  er 
widder  zu  sinem  bischthum  kome,  unnd  habe  deme  herezogen  vor 
heisschen  unnd  gelobet,  was  her  gewönne,  das  solde  sin  erbe  sin  von 
des  stifftis  guten  sloss.  stete  unnd  Jand,  die  sulle  er  wol  gewynne  ane 
swert,  sundern  eyn  adir  czwene  czolle  unde  stete  sulle  er  uss  genomen 
habe,  die  wolde  her  zu  sinem  liebe  behalde,  noch  sinem  tode  so  sulle 
»ft»  es  deme  j  herezogen  gantcz  folge,  unnd  hatte  sich  in  sinem  hoff  ome 
zu  einem  cappellane  gegeben,  unnd  hat  vor  synem  tische  stehende  das 
benedicite  unnd  gratias1  gesprochen,  also  ein  slechter  prister.  Uff 
sulche  zu  sagunge  unnd  gelobede  ist  der  herezoge  von  burgundien  in 
das  land  unnd  czum  ersten  vor  nuss  geezogen,  als  man  schreib  noch 
1*7+  cristus  geburt  tusent  CCCCÜ  LXXIIII0  umme  sant  laurencien  tag,8  unnd 
hatte  die  stad  nuss  also  sere  genotiget  mit  stormen  unnd  mit  schissen, 
das  sie  wedder  thorme,  husere  noch  muren  behilden,  also  musten  sie 
mit  oren  wibern  unnd  kindern  wono  in  den  kellern,  unnd  hatte  sie 

4  Mhd  gevuoclich  =  md  gevuelich  —  „passend ,  nötig."  Der  Chronist  fallt 
au*  der  Konstruktion.  Hier,  wie  schon  öfters  seit  St.  226,  wo  da»  alte  Memoriale 
l>eginnt  (».  ob.  S.  11),  wird  ez  aus  der  Un freien kigkeit,  ja  Mangelhaftigkeit  des 
Stiles  so  recht  klar,  das«  wir  hier  das  erste  und  älteste  Stück  der  Chronik  vor 
uns  haben,  da  Stolle  in  der  Darstellung  noch  ganz  ungeübt  ist. 

233.  1  Das  Tischgebet  vor  und  nach  dem  Essen.    *  Mittwoch  den  10.  Aug.  1474. 


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234.  Stflck.  317 

also  umme  legen,  das  man  on  nichtis  konde  zu  gefuren,  es  konde  ouch 
nimant  er  uss  komen,  unnd  sie  hatten  vierhundert  pterd  dor  inne,  die 
leden  grosse  nod  unnd  toten  on  beswernisse,  unnd  man  konde  on 
nichts  zu  gefure  unnd  zu  hulffe  kome  mit  keinerley,  widder  mit  volke, 
mit  spisse,  noch  trangk,  wann  her  hatte  alle  Strosse  unnd  thor  vor  legen 
unnd  bolwerg  gemacht  vor  der  stad  thor  hart,  das  man  mit  steinen 
dor  in  geworffen  hatte,  sundern  es  kompt  zu  gecziten  in  den  storraen 
einer  adir  czwene  er  uss,  als  man  sagete,  sie  hatten  sust  gerne  frisch 
geruget  folk,  unnd  her  hatte  ouch  gesworn,  her  wolde  nicht  abe  czehen, 
her  hette  dann  die  stad  nuss  gewonnen,  unnd  wolde  sie  alle  toten. 
Des  musten  sie  wortende  sy;  got  der  halff  on! 


234.  Wy  der  herezoge  von  burgundien  eyne  brücken 
hatte  gemacht  uff  den  ryn  zu  deme  werde.1 

Man  saget,  iss  sy  ein  wehirt  in  deme  rine  adir  dar  by,  do  hatte  her 
eino  brücken  zu  gemacht,  darvon  theed  er  on  gar  wehe,  unnd  da  vor 

284.  1  Mhd  wert,  stm.,  =  md  wen!  —  „Insel".  Über  die  topographischen 
Verhältnisse  *.  Ad.  Ulrich  in  der  Vorrede  zu:  Chroniken  d.  deutsch.  Städte  (8.  ob. 
St.  226  A.  9  z.  E.)  S.  4V*4— 495:  [Neuss  war]  „gesichert  durch  starke  Befestigungen 
und  verleidigt  von  kriegsgeübten  Bürgern  und  Söldnern;  die  Ortsbesehaffenheit 
(A.  2:  Vgl.  chron.  magn.  bclg.  418,  35  -51.  Molinet  [s.  LitteraturberichtJ  28—34.  — 
Karten  bei  Altsinger  de  leone  Belgico  fl«58J;  Karte  des  Preussischen  General- 
stabes, Bl.  35,  Düsseldorf,  mit  Nachträgen  von  1879)  erleichterte  die  Verteidigung. 
Auf  der  Lage  am  Rhein  hatte  die  Bedeutung  der  Stadt  im  frühen  Mittelalter 
lieruht,  und  wegen  der  Erhaltung  dieser  Verbindung  war  die  Bürgerschaft  nicht 
grundlos  in  steter  Sorge  gewesen.  Denn  bereit«  im  13.  Jahrhundert  drohte  der 
Strom  von  dem  2  km  oberhalb  der  StAdt  gelegenen  Dorfe  Grimlinghausen  an 
»ein  bisheriges  Bett,  welche»  ihn  in  nordwestlicher  Richtung  auf  Neuss  zu  führte, 
zu  verlassen  und  gerade  nach  Norden  sich  einen  Weg  zu  Dahnen.  Zur  Zeit  der 
burgundischen  Belagerung  war  ihm  dies  soweit  gelungen,  dass  die  Hauptwasser- 
masse das  neue  Strombett  erfüllte,  und  nur  ein  schmaler  Arm  im  alten  halbkreis- 
förmigen Bette  an  der  östlichen  Stadtmauer  entlang  floss,  um  sich  etwa  2  km 
unterhalb  der  Stadt  unfern  des  Dorfes  Heerdt  mit  dem  Hauptarm  wieder  zu 
vereinen.  Die  auf  solche  Weise  entstandene  Insel  im  Rhein  war  durch  einen 
schmalen,  vom  Hauptstrom  ausgehenden  Arm  in  zwei  etwa  gleich  grosse  Teile 
zerlegt,  deren  oberer  das  Hamm  genannt  wurde,  wahrend  der  nördlichere  den 
Namen  des  »Werth*  oder  ,Waidt'  führte.  Die  Stadt  lag  am  linken  Ufer  des 
Neusser  Rbeinnrms.  Fünf  Thore  vermittelten  den  Verkehr  mit  dem  Lande. 
Von  dem  südlichen  Oberthor,  vor  welchem  an  der  Kölner  Landstrasse  das  Ober- 
kloster lag,  führte  mitten  durch  die  Stadt  die  Hanptstrasse  zu  dem  entsprechenden 
nördlichen  (S.  495)  Niederthor;  zwischen  l>eiden  führte  in  westlicher  Richtung 
auf  Aachen  zu  die  Strasse  aus  dem  Zollthor  und  die  aus  dem  Hammthor  nach 
Nordwesten;  wo  die  Stadtmauer  im  Norden  an  den  Rhein  stiess,  lag  das  Rhein- 
thor ;  mehrere  kleine  Thore,  wie  Judensteig  und  Pfaffen p forte,  führten  zum  Rhein 
und  den  Rheininseln.  Zwei  Flüsschen,  Erft  uud  Krur,  lieferten  Wasser  für  den 
Stadtgraben,  und  ausser  diesem  und  einer  Stadtmauer  sicherte  vom  Rhein  bis 
zum  Hammthor  eine  zweite  Mauer  und  von  hier  südlich  zum  Oberthor  ein 
äusserer  Wall  und  ein  zweiter  Graben  die  Stadt  ;  auch  waren  Lebens- 
mittel auf  mehr  als  ein  halbes  Jahr  nach  Neuss  hineingeschafft  worden.  Es 
begann  das  Ringen  zwischen  einer  wohlausgerüsteten  Bürgerschaft  und  einem 
vielsprachigen,  aber  bestgefühlten  Soldheere." 


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318 


234.  Stück. 


▼  sohlen  die  kolnere  gedocht  habe,  unnd  hatten  vaste  schiff  |  mitwepenern 
geladen,  unde  hatten  eyn  schiff  dar  undir  mit  swefele  unnd  beche  ge- 
laden, unnd  meynten,  das  selbige  schiff  under  die  brücken  zu  brengen 
unnd  an  zu  czunden,  das  es  die  brücken  vor  burne  solde.  Also  hatten 
sie  das  schiff  zu  beezite  an  geezundet,  das  is  brante,  ehir  wann  is  an 
die  brücken  quam,a  unnd  wass  umbe  sust2  unnd  vorlorn. 

Item  man  sagit,  das  die  von  kolin  sullen  gehabt  habe  einen  muller 
knecht,  der  konde  das  wasser  getrete,  unnd  ouch  under  deme  wasser 
ge  gehen  unnd  das  wasser  über  swumnie,  unnd  der  hatte  sine  brieffe 
bye  ome  in  einem  legeln,H  der  brochte  schriftte  uff  unnd  abe,  so  lange 
das  iss  vorkuntschafft  wart.  Do  hatten  die  burgundisschen  achtunge 
uff  on  unnd  schosschen  noch  om  in  das  wasser  unnd  fingen  on  unnd 
brochten  on  vor  den  herezogen ,  der  liss  ou  toten ,  etliche  sagen  er- 
trencken,  wann  her  wolde  deme  herezogeu  nicht  ouch  also  thun. 

Item  man  sagit,  das  der  herezoge  von  burgundien  von  laurencii 
biss  uff  michaelis  soben  mol  gestorraet  habe,  unnd  wann  her  also 
stormete,  so  quomen1'  dy  von  kolln  von  binden  adir  zu  der  syten  zu, 
unnd  singen  ome  vaste  Volkes  abe;  abir  iss  hilfft  die  deine  in  der 
zu  nüss. 

Item  man  sagit  ouch,  wie  der  burgundier  solde  haben  brieffe  lossen 
schribe,  glich  als  sie  vom  keysere  unnd  den  von  kolin  gingen,  unnd 
botschafft  gecleidet  als  des  keysers  boten,  unnd  liss  die  gruwelich  zu 
der  stad  nftss  zu  rite,  unnd  sie  liessen  den  boten  in  unnd  nomen  die 
brieffe  unnd  besahin  die  unnd  lisssin  sich  doch  duncken,  die  botschafll 
l-i  unde  |  die  schrifft  were  nicht  recht,  unnd  fingen  den  boten  unnd  wolden 
on  tote.  Do  bad  der  böte  unnd  bekante,  wie  unnd  worumme  her  in 
die  stad  koruen  were;  der  burgundiger  hette  on  also  hingeschicket,  er 
solde  die  stad  nuss  vier  adir  funff  enden  an  lege  mit  fure,  unnd  wann 
das  uff  ginge,  so  wolde  her  mit  einem  storme  zu  trete.  Also  taten 
die  in  der  stad  eine  behendickeit,1  unnd  trugen  holtcz  uff  hülfen  drie 
adir  vier  enden  in  der  stad  unnd  stackteu  die  an,  unnd  schickten  dar  by 
zu  sehene,  unnd  schickten,5  das  die  wibere  sendeten,  unnd  ließen  ouch 
uff  die  mure,  unde  die  in  der  stad  traten  mechticlich  an  ore  wehere. 
Unnd  also  der  herezoge  von  burgundien  in  deme  here  sach  das  für 
uff  gehen  uff*  die  czit,  als  erss  mit  deme  boten  bestalt  hatte,  do  trat  her 
mit  deme  storme  zu  der  stad  unnd  stormete  gar  hart.  Do  hatten  ome 
die  in  der  stad  funffezeuhundert  man  tod  geslagen,  unnd  beilüden  ore 
stad;  got  gebe,  lange! 

a  HS  :  qwam.       «>  HS :  qwomon. 

'  =  „umbe  sunst"  =  „umsonst".  8  Md  legel  =  mhd  lfigel  und  laegel,  stn., 
hier  aber  schwach  dekliniert,  aus  mittellateinischem  lagellum  entstanden, 
«=»  „Fauchen."  4  Mhd  behendecheit  =  md  behendickeit,  liier  in  der  Bedeu- 
tung „List";  s.  H.Rüekert,  Leben  des  heilig.  Ludwig,  S.  150.  6  =  „machen" 
oder  „bewirken,  dass  etwas  geschieht". 


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4 


235.  bis  237.  Stück.  319 

235.  Wy  der  herczoge  von  burgundien  dy  stad 
nuss  sere  ge  engest  Latte  mit  stormen. 

Item  mau  sagit  ouch,  das  der  herczoge  von  burgundie  die  stad 
nuss  offte  gestormet  habe,  unnd  nemelichen  uinbe  nativitatis  marie1 
XYIH  stunde  an  euander,  das  sie  gar'mude  warn  worden  in  der  stad, 
unnd  got  halff  on,  unnd  do  die  fiende  mit  leytern  die  murn  an  stegen, 
so  Stessen  sie  mit  gabeln  abe,  unnd  thad  on  also  wehe,  das  sie  schiere 
mude  warn.  Do  quomon*  dy  frowen  mit  heissem  wasser,  do  wass  kalk 
unnd  bech  inne,  die  vorbranten  also  vele  gewopeuter  lute,  als  man 
sagete,  anderthalb  tusent  man;  i  unde  die  do  brauten,  die  litten  in  das  t 
wasser  uude  wolden  sich  lesche,  die  ortruncken  do,  unnd  die  innre 
was  on  gantcz  niddor  geschosssen  unnd  ouch  die  tonne,  unnd  sie  hatten 
innewendig  eine  schote2  gemacht,  das  sie  geriiiglich"  utt"  die  innre 
Heften. 


236.  Wy  der  herczoge  von  burgimdien  der  stad 
nnss  feie  leides  gethon  had. 

Item  man  sagit  ouch,  das  er  der  stad  gar  wehe  gethon  had  mit 
schössen  der  buchsen ;  der  haben  ;>ie  ome  ouch  enteyl  abe  gedrungen, 
sundern  mit  in  werftis  gestanckis,  mit  bliden,  quadbl  unnd  unflad  thed 
her  der  stad  gar  grossen  vordriss;  das  breiigen  die  frowen  uss  deine 
wege.  Item  so  werten  sy  mit  dem  morstere-  grosse  steyne  in  die  stad 
durch  äussere  unnd  gewelbe;  do  vor  haben  sie  die  steyn  wege  in  der 
stad  utt*  gebrochen,  unnd  mit  sande  titl'  besehet,  wanne  der  steyn  feilet, 
das  er  in  den  sand  feie,  das  er  nicht  geloufte  noch  gesprungen  kan. 

Item  man  sagit,  wann  sie  etliche  toten  ore  hern  begraben  wollen, 
so  rufleu  sie  frede,  abir  sie  musssen  gunne,;{  das  die  in  der  stad  die 
toten  von  harnissche  unnd  gelde  vor  hin  plündern:  was  dann  von  den 
toten  blibet,  schickten  sie  in  den  ryn  adir  ander  wasser. 


237.  Wy  dy  von  koln  unnd  dy  burgundischen  sich 

ge  czencket  haben. 

Item  man  sagit  ouch,  das  die  hofelute  zu  koln,  der  sal  sie  gewest 
IX  tusent  uff  michaelis,  die  habn  zu  geeziten  uss  gereten  unnd  haben 

»  HS:  <|WOinen.       b  HS:  qwad. 

235.  1  Donnerstag  den  8.  September  1474.  5  Mundartlich  (niederdeutsch?), 
—  „Schutz,  .Schutzwand".       J  Sonst  ..geringen",  „ringsum". 

236.  1  „Kot",  s.ob.  St.  48  A.  1.  s  „Morstcr",  mundartliche  Nebenform  (mit 
unorganischem  t)  von  morser  =  „Mörser'  als  Geschütz,  v.  mittellat.  mortaiiuin, 
ahd  mortari  u.  moiuari.       :|  „erlauben",  s.  St.  110  A.  5. 


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I 


238.  und  239.  Stück. 


sich  geczencket  mit  den  burgundien  unnd  slan  or  vil  tod  unnd  plündern 
die,  unnd  funden  vil  geldes  by  on.  unnd  sullen  or  ubir  sechs  tusent 
iT*  erslagen  habe;  es  dutit  abir  nichts;  so  sullen  |  sye  or  ouch  vil  ge- 
fangen habe,  unnd  sunderlichen  einen  giossen  riehen  hern,  der  solde 
sebatezunge  gebe. 

Item  man  sagit  ouch,  das  etliche  gesellen  von  kolin  sullen  durch 
ore  lossunge  in  der  nacht  in  die  burgundische  cancelie  komen  sin, 
unnd  dor  uss  vil  tusent  gülden  unnd  sigil  genomen  hatten,  unnd  en 
teyl  schribere  unnd  canceleier  erslagen  hatten. 


238.  Wy  dy  burgundischen  dy  stad  nuss  nae 

erstehen  hatten. 

Item  man  sagit  ouch,  das  des  von  burgundien  banir  in  einem 
harten  storme  uff  die  inurn  zu  nuss  komen  was,  unnd  meynten,  sie 
hetten  die  stad  gewonnen.  Do  ermanneten  sie  sich  in  der  stad  unnd 
stisssen  die  von  der  muren  unnd  nomen  das  banir  zu  on  in  die  stad 
unnd  sl ugen  das  nidder.  Do  das  banir  lag,  do  troten  sie  zu  rucke,  unnd 
hatten  gar  vil  Volkes  er  slagen,  das  man  die  graben  do  mete  fullete. 
Do  sie  weg  quomen,*  do  ruckten  die  in  der  stad  das  banir  uff  unnd 
sprochen,  wolden  sie  or  banir  wedder  habe,  das  sie  das  holten,  unnd 
troten  do  mete  uff  die  muren:  do  schusssen  sie  mit  buchssen  dor  noch, 
unnd  schosssen  den  tod,  der  das  banir  hatte,  abir  sie  behelden  das 
banir  in  der  stad.  Dorumbe  ist  der  burgunder  er  grymmet,  das  er  sich 
nicht  wil  lossen  abe  triben,  er  wil  das  banir  widder  ge  winne  unnd  die 
stad  dar  zu. 


239.  Wy  der  pfalczgrafe  deine  herezogen  von 
biirguitdigen  hatte  abe  gesehreben. 

Item  man  sagit  ouch,  das  der  pfalczgrave  deme  herezogen  von 
burgundien  habe  abe  geschreben  sine  vortracht,  als  er  sich  mit  ome 
t  vortragen  |  hatte;  also  der  burgunder  hatte  deme  pfalczgraven  geschreben 
unnd  gemand  sinss  vorbuntnisse  unnd  hulffe;  dor  ufl  hatte  ome  der 
pfalczgrave  wedder  geschreben,  das  er  die  vortracht  ansehec,  er  wüste 
nicht  anders,  er  hette  sich  kegen  ome  verbunden  hulffe  zu  thune,  wo 
er  nicht  widdir  das  heilige  rieh  tete,  unnd  das  er  vom  riche  nicht 
er  mand  worde;  nu  were  er  evn  korfurste  unnd  worde  itezunt  vom 
keysere  er  mand  unnd  tete  widder  das  rieh  an  oche  unnd  kolln,  unnd 
dor  umbe  fugete1  ome  nicht  wedder  das  rieh  zu  thune;  er  wolde  thun 
als  eyn  from  korfurste  unnd  deme  riche  gehorsam  sy;  er  hette  sich 


239.  1  S.  St.  197  A.  7;  hier  mehr  =  „sich  schicken,  anstehen". 


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240.  und  241.  Stück. 


321 


ouch  anders  nicht  vor  schreben ;  also  solde  der  burgunder  gar  czornig 
sy  worden,  unnd  sulde  den  bisschoff,  des  pfalczgraven  bruder,  gefangen 
habe,  gar  hart  gesatczt,  das  er  orae  nicht  ouch  also  tede. 


240.  Wy  sich  der  keyser  unnd  vele  fursten  unnd 
stete  samnieten  zu  czehene  wedder  den  herczogen 

von  burgundien. 

Item  man  sagit  ouch,  das  der  keyser1  wolde  mit  allin  korfursten 
unnd  richsteten  unde  andern  fursten  der  stad  nuss  zu  hulfFe  komen, 
unnd  hatte  gereite  allin  fursten  zu  sich  geschreben  kein  auspurgk; 
do  czoch  herczog  wilhelm  zu  doringen  unnd  herczoge  ernst  zu  missen3 
hin  in  die  michaelis  anno  domini  M  °  OCCC  LXXEUI,  unnd  die  von  erfibrt  1474 
sind  ouch  hin  by  unserm  gnedigen  hern  von  mentcz  adolff  de  nassau3 
zu  wirczpurgk. 


841.  Der  koningk  von  denemarcken  quam  ouch 

do  hin. 

Item  man  sagit,  das  der  koning  von  dennemargk1  unnd  eyn  her- 
czoge von  brunsswig2  mit  grossem  174 

a 

unnd  sulle  deme  volke  sage,  das  sie  got  vor  ougon  unnd  zu  getruwen 
haben;  got  wil  sie  boscherme;  sye  sullen  ouch  ein  sye  unnd  sieh  ge- 
truwelichen  were;  her  bete  got  vor  sy,  das  sie  beschermet  werden. 


»  Bl.  173  ist  In  der  Handschrift  herauageriaaon. 

* 

240.  1  Auf  dem  Reichstage  zu  Augsburg  wurde  zwar  der  Reichakrieg  gegen 
Herzog  Karl  von  Burgund  beschlossen,  aber  erst  im  August  1474  gab  man  diesem 
Beschlüsse  Folge ;  Oberbefehlshaber  war  Kurfürst  Albrecht  Achilles  von  Branden- 
burg. Er  war  dem  Kaiser  ergeben ,  und  damit  dessen  Pläne  bezuglich  der  Ver- 
mahlung seines  Sohnes,  des  Erzherzogs  Maximilian,  mit  Maria  von  Burguud 
nicht  gestört  würden,  verzögerte  Albrecht  Achilles  den  Angriff,  obwohl  das 
lveichsheer  allmählich  sehr  bedeutend  geworden  war,  ja  Hess  Karl  sich  seiner 
gefahrlichen  Lage,  in  welche  er  nnch  und  nach  vor  Neuss  geraten  war,  entziehen. 
*  Ernst,  Kurfürst  von  Sachsen,  regierte  seit  dem  am  7.  September  1464  erfolgten 
Tode  seines  Vaters,  Friedrichs  des  Sanftmütigen,  mit  seinem  Bruder  Albrecht 
damals  noch  gemeinsam ,  bis  am  26.  August  1485  durch  den  Leipziger  Vertrag 
die  Teiluug  der  Wettmachen  Länder,  die  seitdem  nicht  wieder  vereinigt  worden 
sind,  erfolgte;  Kurfürst  Ernst  starb  bereits  1486,  Herzog  Albrecht  i.  J.  1500 
3  Erzbischof  Adolf  II.  von  Nassau,  1461-1475. 

241.  1  König  Christian  I.,  1448—1481,  welcher  durch  einen  zur  See  unter- 
nommenen Angriff  auf  die  niederländischen  Provinzen  des  Herzogs  Karl  von 
Burgund  diesen  von  der  Belagerung  von  Neuss  abzuziehen  suchte.  J  Herzog 
Wilhelm  der  Siegreiche,  f  1482. 


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322 


242.  und  243.  Stück. 


242.  Wy  sich  dy  kolner  vor  yren  eygen  soldernen 

besorgeten. 

Item  uff  don  fritag  sergi  et  bachi 1  war  gesagit,  das  die  von  kolin 
netten  vaste  trabanton  lussen  gehin,  das  warn  westfei ingeunnd  trenckere,2 
als  die  doringe  unnd  tregere  5  saiten;  die  hie  uss  deme  lande  under  den 
worn,  die  hetten  sie  wol  gerne  behalden,  unnd  lisssen  die  dorumbe 
gehen,  das  sie  sich  vor  on  besorgeten,  das  sie  icht  uff  loyffte  adir 
irrethum  machten  mit  disssen  luten,  unde  das  vor  retnissse  dor  uss 
quenie;  snndern  sie  hatten  gliche  wol  noch  gar  vil  trabanten  unde  vil 
reissiges  geezuges,  unnd  die" von  koln  hetten  die  von  burgundien  wol 
von  dem  werde  getreben  unde  hetten  die  stad  nuss  gespisset  mit  vil 
schiften,  futter  den  pferden  unnd  ouch  sust  menschen  spisso.  Etliche 
sageten,  das  pferde  futter  solden  die  von  koln  deme  here  dos  herezogen 
abe  gedrungen  habe,  unnd  ouch  die  von  nuss  niete;  unnd  man  saget 
ouch,  das  der  keiser  were  komen  geyn  wirezpurg,  unnd  die  swebischen 
stete  unde  ander  rieh  stete  folgeten  ome  alle  mit  noch  mit  grossem 
folke,  unnd  wolden  zu  hulft'e  komen  deme  rinstrome. 

Item  es  wart  ouch  uff  den  tag  gesaget,  das  hirezuge  sigimunt* 
von  osterrich  mit  den  switezern  tete  deme  burgundier  üben  her  grossseu 
v  schaden,  unnd  der  bastait,5  das  ist  des  |  herezoge  von  burgundien 
kebessson,  der  hatte  sich  gewant  kegen  deme  selben  zu  werne.  So  lag 
der  koning  von  denemarcken n  unden  vor  einer  stad,  dy  solde  zu  sinera 
riebe  gebore,  die  hatte  der  burgunder  deine  koninge  etwan  abe  ge- 
wunnen  unnd  hatte  dio  langeezit  iune  gehabt 


243.  Wy  dy  von  koln  dy  stad  nuss  gespisset  hatten. 

Item  uff  den  sontag  dionisii 1  wart  vor  dio  worheit  gesagit,  das  die 
kolner  mit  macht  gespiset  hetten  die  stad  nuss  mit  czwen  schiften,  eyn 
mit  salcze.  das  andere  mit  pulvere,  unnd  hatten  sich  sere  mit  deme 
here  geslageu,  unnd  hatten  der  burgundier  czwey  tusent  tod  geslagen. 


242.  1  7.  Oktober  1474.  2  Stolle  meint  wohl  Trenthero  =  Drenthere,  d.  h. 
Bewohner  der  holländkehen  Provinz  Drenthc.  "  Krieger  aus  Trier.  *  Sieg- 
mund, Erzherzog  von  Ö>terreieh  (Tirol),  1446—1496.  r*  E<*  \*t  Anton  de  Ta 
Koche,  „der  grosse  Bastard  von  Burgund",  gemeint,  der  grftrtstc  der  (16)  natur- 
lichen Sühne  Herzog  Philipps  des  Guten  von  Burgund.  c  König  Christian  I. 
von  Dänemark  (s.  St.  241  A.  1)  zog  dann  an  den  Rhein ,  um  zwischen  Kaiser 
Friedrich  III.  und  dein  Herzog  Karl  dem  Kuhnen  von  Burgund  zu  vermitteln. 

243.  1  9.  Oktober  1474. 


/ 

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244.  bis  247.  Stuck. 


323 


244.  Von  der  untrmve  des  herczogen  von  burgundien. 

Item  dor  noch  uff  den  diustag 1  wart  gesaget,  wie  der  burgundir 
mit  der  stad  nuss  getaget  hatte,  unnd  wie  her  undir  deme  tage  die 
stad  liss  stornie,  unnd  die  menre  worn  von  der  wehere  gegangen,  unnd 
die  pristere  unnd  die  frowen  hatten  den  storm  mit  hoissem  wasser  er- 
wehert,  unnd  er  wolde  sie  also  schelglich1*  uf!  gewinne,  also  zugeten3 
die  burgundere  ledderne  kogele,3  das  dass  wasser  abe  trug.* 


245.  Eine  ploge  des  volks  von  burgundien. 

Item  es  wart  ouch  gesagit,  wilch  bargundier  [sie]  wunt  worden  wehere, 
als  balde  were  ome  dye  wunde  enczundit  unnd  fulete,  das  er  sterben 
mäste,  unnd  dos  had  der  liebe  sanctus  quirinus 1  des  gewalt  do  niete 
zu  strofen. 


246.  Wy  sich  der  herezoge  von  burgundien  nicht 
besorgete  vor  deine  keysere  noch  vor  nymande.j 

Item  es  wart  ouch  gesagit,  das  man  deme  herczogen  von  bur-  175 
gundien  gesagit  hatte,  wie  das  dor  keyser  mit  den  korfursten  unnd 
des  richs  steten  queme»  dar,  unnd  wolde  die  stad  nuss  errede  unnd  on 
abe  tribe,  do  solde  her  mit  glichen  fusssen  uff  gesprungen  habe  unnd 
ge  sprochen,  des  were  her  sere  fro;  des  keysers  unnd  aller  fursten,  die 
uff  erden  lebeten,  der  wolde  her  do  er  beyte,  unnd  wolde  dy  stad  ge- 
winne adir  do  vor  sterbe,  unnd  hatte  einen  knaben  vor  ome  stene 
unde  syn  birrot  abe  genomen,  mit  synen  harn  uss  gemufft  unnd  ge- 
sprochen, also  wolde  her  noch  deme  keysere  sine  krönen  mit  synen 
horn  abe  nemen  unnd  on  mit  fusssen  treten. 


247.  Wy  des  herczogen  von  bnrgundien  volkb  müde 

worden  des  krigis. 

Item  man  sagit  ouch,  das  des  herczogen  lute  des  krigis  unnd 
legers  unnd  stormenss  gancz  mude  weren,  unnd  wolden  nicht  meher 

>  HS:  stete  qweme.      b  „rolk"  v<m  8 toll«  apiter  zugesetzt. 

244.  1  11.  Oktober  1474.  "  Mhd  sohalcltche,  mit  Umlaut  und  verkürzt 
achelclicb,  =  nid  schelglich,  adv.  ■=  „auf  hinterlistige  Weise".  *  Mhd  ziugen  = 
md  zugen,  =  „anschaffen,  herbeischaffen."  s  kogel  r=  guggel  ==  „Kapuze". 
*  „tragen"  =  tragen,  fuhren,  also  abtragen  —  „abführen",  d.  hT  ablaufen  lassen. 

24«.  1  Am  30.  April  1050  wurde  der  Leib  des  Märtyrers  Quirinus  von  Rom 
nach  Neuss  feierlich  übergeführt;  so  wurde  Quirinus,  dem  die  Pfarrkirche  in 
Neuss  geweiht  ist,  Schutzpatron  der  Stadt. 

21- 


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324 


248.  biß  252.  Stück. 


storme,  wann  sie  marckten,  das  sie  der  stad  nicht  gewinne  konden; 
got  unnd  der  liebe  sanctus  kurinus1  be  schermete  die. 


248.  Wy  gar  freisslichen  der  herczoge  von  bnrgundien 
in  dy  stad  nuss  liss  stormen. 

Item  man  sagit  ouch,  das  her  mit  issern  kopfira,  czenen  unnd 
blien  steinen  ane  underloss  in  die  stad  schussse,  also  gross  als  die 
monschen  houbte,  unnd  hatte  uff  die  czit  nicht  mehir  folks,  wann  bie 
vierczig  tusent  guter  redelicher  macschaift,  unnd  bie  drye  tusent  ge- 
meyne  folk.  kremere  unnd  diedo  esssen  unnd  trincken  zu  fürten,  unnd 
t  frowen  unnd  |  kindere  das  er  by  LXX  tusent  folks  in  sinom  here  nette. 


249.  Der  herczoge  von  burgundien  hatte  ge  macht 
czwo  brücken  über  den  ryn. 

Item  man  sagite  ouch,  das  er  czwo  brücken  ubir  den  ryn  gemacht 
nette,  unnd  des  rins  en  teyl  abe  geslagen,  das  er  besiot  hin  ginge,  das 
er  dy  stad  nuss  kein  deme  ryne  ouch  gestormen  mochte,  unnd  zu 
deme  werde,  den  er  inne  hatte,  abe  unnd  zu  kome  mochte.  Unnd 
man  meynte,  das  es  der  stad  gar  hartelin  worde. 


250.  Von  den  von  koln  unnd  yrem  volke.* 

Item  es  wart  ouch  gesagit,  das  die  kölner  oro  trabanten  enteyl 
Hessen  geen,  sundern  reysigis  geezugis  hatten  sie  by  vier  tusent  man 
unnd  reuten  yenthand1  uff  der  bnrgunder  heer  unnd  sluhen  on  vaste 
lute  abe.   

251.  Von  den  toten  luthen,  die  vor  nuss  logen. 

Item  die  stad  graben  zu  nuss,  die  logen  also  fol  toter  lute,  das  sie 
zu  haut  glich  worn;  item  die  uss  der  stad  hatten  dorn  burgunder  ouch 
einen  adir  czwene  grosse  fursten  erslagen;  die  hatte  her  losson  begrabe, 
unde  meynten,  man  solde  ome  achte  tusent  man  habe  tod  geslagen  zu 
der  czit.  _____ 

252.  Von  dem  doringesschen  lantgrafcn. 

Item  wart  gesagit  uff  ealixti  et  burckardi,1  das  der  furste  herczoge 
unnd  lantgrave  wilhelm  von  doringen  were  von  deme  keysere  gesatezt 

*  HS:  yre«  volkw. 
247.  1  —  Quirinus  (St.  245  A.  1),  öfters. 

250.  '  Örtlich  -  ,  jener  Hand,''  mundartlich,  =  „drüben,  jenseits";  zeitlich 
».  St,  205  A.  25  '. 

252.  1  Freitag,  d.  14.  Oktober  1474. 


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253.  und  254.  Stuck. 


325 


eyn  vor  wesser  des  römischen  |  richs,  in  dissen  Sachen  mit  allen  kor-  m 
forsten,  bisschoßen  unnd  des  richs  steten  zu  fechten  widder  den  von 
burgundien,  unnd  die  stad  nuss  zu  reden  unnd  ouch  die  von  kolin, 
unnd  der  koyser  hatte  willen  zu  setczen  raargraven  albrechten  von 
brandenburg;  do  woron  die  richs  stete  nicht  zu  geneiget  gewest,  sun- 
dern zu  herczogen  wilhelmon  von  doringen,  wann  margrave  albrecht 
was  den  stoten  gram  unnd  wolden  ome  ouch  nicht  getruwe,  unnd  uff 
den  selben  tag  komen  die  von  erßort  zu  deme  keyser. 


253.  Von  den  czwen  lantgrafen  von  liesssen. 

Item  uff  die  selbigen  czit  schreib  eyn  burger  von  koln  einem 
prester  kein  erffort,  das  lantgrave  heinrich  von  hessen 1  mit  driehundert 
pherden  kein  koln  komen  wehere,  unnd  sagete,  sin  folk  queme  er  noch, 
unnd  sie  meinten,  er  tete  swechlich  zu  sinem  bruder  herman,  der  in 
nuss  lag.  Unde  die  von  nuss  czogen  zu  geeziten  uss  der  stad  unnd 
slugen  sich  mit  deme  heree  des  burgundiers,  unde  slugen  ome  feie 
folks  tod,  unnd  er  hatte  sich  vor  graben,  das  er  meynte  do  zu  bliben. 
So  hofften  die  in  der  stad  des  keysers  unnd  der  fursten  zukunfft;  wann 
die  quemen,  so  wolden  sie  besehen,  das  sie  on  uss  sinen  Wagenburgen 
brechten. 


254.  Wy  dy  von  nuas  gantcz  müde  worden.  | 

Item  man  sagito  dominica  galli,1  wio  das  her  die  stad  nuss  vor  v 
achte  tagen  zu  mole  hart  gestormet  hatte,  unnd  hatte  IX  storme  noch 
enander  uff  eine  nacht  gethon  unnd  des  abendes  an  gehaben  unnd  die 
ganteze  nacht  gestormet,  unnd  die  in  der  stad  nuss  also  mude  ge 
macht,  das  sie  czagehafftig  warn  worden,  unnd  meynten,  von  der  wehere 
zu  gehene  unnd  sich  lossen  gewinne  Also  was  eyn  man  undir  on  in 
der  stad  vor  on  wol  gewopent,  der  sprach  zu  on,  was  sie  thun  wolden. 
Etliche  sagen,  es  sie  sanetus  quirinus  gewest.  Sie  sullen  meulich 
fechte,  got  wil  bie  on  steheen,  unnd  ouch  sanetus  quirinus;  sie  sullen 
ouch  ane  schaden  vor  den  stormen  kome.  Also  schickten  sio  sich 
widder  an  die  wehore,  unnd  zu  hant  gingk  des  herczogen  von  bur- 
gundien heir  achte  enden  mit  fure  iu%  unnd  wart  gar  ein  gross  für, 
dass  die  burgundischeu  von  deme  storme  ließen,  unnd  ließen  zu  deme 
heree  zu  unnd  flohen.  Also  folgeten  die  in  der  stad  nach  unnd  slugen 
vil  fulkes  tod;  etliche  sagen  von  czwey  tusent  mannen.  So  was  ouch 
vaste  folkes  in  deme  heree  vorbrant  Also  sagete  man,  her  hette  das 
beer  vorder  geslagen.  Also  wart  die  stad  uff  das  mol  erlost  von 
gotishulffe  unnd  saneti  quirini 


'2*5.  1  S.  St.  226  A  I  a.  E. 

254.  Sonntag  d.  16.  Oktober  1474. 


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:!2<3 


255.  bis  257  Stück. 


255.  Wy  herczoge  wilhelm  zu  Sachsen  sinem  vettern 

wolde  zu  hulffe  komen. 

Item  uff  den  fritag  uff  sant  sevors  abent1  sagite  man,  dasberczoge 
177  wilhelm  zu  Sachsen  alle  sine  inanschafft  zu  sich  vor  bod  bette-'  |  kegen 
bottelstete3  unnd  wolde  rad  slage,  das  er  sineni  vettern,  lantgravcn 
herman,  der  in  nuss  lag,  zu  hulffe  querae. 


256.  Wunder  von  sancto  quirino  zu  nuss. 

Item  man  sagete  uff  die  czit,  wie  das  einer  in  dorne  burgundischen 
here  solde  gesagit  habe,  was  heiigen  das  wehere,  der  die  stad  nuss 
bescermete.*  Do  antwerte,  der  do  gefragit  wart,  on  hisse  sanctus 
quirinus.  Do  sprach  der,  was  es  vor  ein  heilige.  Do  sproch  der,  er 
wore  eyn  ritter.  Do  fragete  der  andere,  ab  her  lebennig  wehere.  Do 
sprach  der  andere,  neyn,  er  wehere  tod  unud  raste  sust  do  in  der 
kerchen.  Do  sprach  der  frager:  Also  ist  er  tod  unnd  begraben  unnd 
vor  fulet;  wie  mag  er  on  dann  geholfen  unnd  sie  beschorme?  So  thud 
her  mir  noch  nimande  nicht.  Also  balde  was  der  nidder  gefallen  unnd 
gestorben.  Do  quomen  die  rede  vor  den  herczogen,  unnd  wart  also 
gesagit  vor  deme  hern.  Do  stunt  einer  do  by,  vor  deme  hern;  als 
man  sagete,  das  der  also  balde  gestorben  wehere,  der  sprach  spotlich: 
solde  der  dor  umbe  gestorben  sy?  ome  ist  sust  eyn  anmacht  zu 
gogangen  unnd  gestorben,  unnd  gloubete  des  nicht,  unnd  der  selbige 
fil  ouch  also  balde  nidder  unnd  starb.  Das  wart  vor  eine  gantcze 
worheit  gesagit.   

257.  Von  der  predigate1  des  burgunders. 

Item  man  sagite  uff  den  sontag  noch  severi,2  der  burgunder  hette 
einen  doctorem  bie  ome,  der  predigete  ome  zu  hoen  gecziten,  der  hatte 
v  ome  |  geprediget  von  den  heiigen  engein,  wie  got  durch  die  beschutczte 
die  menscheit,  unnd  dorch  vorbethe  der  lieben  heiigen,  unnd  was  komen 
uff  die  materien  des  krigis  unnd  stormens  unnd  mochte  villichte  ge- 
sagit habe,  das  es  un  menschlich  wehere,  das  die  von  nuss  sich  also 
lange  mochten  uff  gehalde  sulchs  stormens,  wann  on  got  nicht  hulffe 
unnd  die  heilgen  engele,  unnd  der  liebe  heiige  sanctus  kurinus  etc.; 

■  HS:  bMtermeto. 

255.  1  21.  Oktober  1474.  *  vorbieten  =  wie  oben  St.  38  A.  2:  entbieten,  za 
sich  entbieten;  8.  H.  Rückert,  Leben  des  heilig.  Ludwig  S.  100:  „besenden",  der 
auch  näheres  über  dieses  Wort  bietet.  3  Buttelatedt,  Städtchen  im  Verwaltungs- 
bezirk Apolda  des  Grossherzogtums  Sachsen. 

257.  1  predigate,  stswf ,  Predigt  (wohl  aus  dem  mittellat.  praedicatiu). 
*  25.  Oktober  1474. 


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258.  IStüdL 


327 


unnd  noch  der  predigete  sohle  der  von  burgundien  gesagit  Jiabe:  lieber 
er  doctor,  ir  soldot  lange  predigen,  das  ir  mich  in  den  glouben  breclitet, 
das  got  adir  sine  heiigen  adir  die  engele  sich  unsers  krigis  adir  wessens 
hir  uff  ertriche  sich  an  nemen  adir  sich  do  mete  bewerten;3  got  mit 
sinen  engein  unnd  heiigen  regirote  im  hymmele  unnd  hette  sine 
heiligen  unnd  engele  bie  ome  unnd  krotto  sich4  unser  ufi  demeertricli 
nicht,  sundern  er  unnd  sine  glichen  soldeu  ufi  deme  ertriche  regeren 
unnd  herrschen. 

So  hatte  siner  graven  unnd  fursten  ouch  einer  gesaget:  gnediger 
herre,  uwere  gnaden  were  wol  nod  gutis  ratis  unnd  bedenckunge,  ir 
vorliessot  zu  mole  feie  Volkes  vor  der  stad  unnd  merket  wol,  das  sie 
got  bewaret;  is  were  gut,  das  uwer  gnade  uff  horte  unnd  czoge  von 
dannen,  unnd  behilt  uwer  volk.  Do  hatte  der  herczoge  von  bur- 
gundien dor  uff  ge  antwart,  her  hette  volkes  gnug;  wanne  die  allo  er 
slagen  wern,  die  her  \  itczunt  hette,  so  wolde  her  noch  andirm  volke  i7» 
schicke.  Do  hatte  der  grave  widder  geantwart  zu  ome:  lieber  herre, 
ir  komet  abir  do  mete  um be  uwer  fursten,  graven,  rittere  unnd  knechte. 
Do  antwerte  der  herczoge,  ab  er  die  fursten  unnd  graven  unnd 
rittere  vor  lore,  er  konde  wol  andere  gemache;  er  konde  ouch  selber 
fursten,  graven  unnd  rittere  gemache,  wann  her  heym  qnerao.  Do  der 
grave  das  horte,  das  her  solcher  lute.sso  geringe  achte  unnd  sich  der 
er  wegen5  wolde,  do  sweig  or  stille;  was  er  gedochte,  das  sagete 
her  nicht. 


258.  Ein  gross  wumlerczeichen  von  sancto  quirino. 

Item  man  sagete  uff  den  montag  severini,1  der  liebe  hoilge  sanctus 
quirinus  wehere  er  schenen  deme  aldon  kirchenere,  also  for  geschreben 
stehit,  des  morgens  fru,  als  er  zu  der  metten  solde  luthe,  unnd  hatte 
eyn  licht  in  siner  hant  gehad  unnd  sprach  deme  kerchenere  zu.  Do 
erschrag  der  kirchener  zu  mole  sere  unnd  vil  nidder.  Do  sprach  der 
hoilge  zu  ome  unnd  tröste  on  unnd  sprach:  Erschrig  nicht!  ich  bins, 
sanctus  quirinus,  deme  du  so  lange  ge  dinet  hast  Do  er  mannete  her 
widder  unnd  stunt  uff  unnd  sprach:  Liober  herre,  was  meynstu,  das 
du  mir  en  schinest?  Do  sprach  der  liebe  heiige:  Ich  uffenbare  mich 
dir  darum  be,  das  du  sagest  den  gewaldigen  disser  stad,  das  sie  sich 
gotruwelichen  weheren  unnd  setczen  ore  hoffenunge  zu  gote  unnd 
loben  den  unde  beten  on  |  "umbe  sine  hulffe  unnd  gnade,  eren  unnd  ▼ 
under  einandor,  unnd  was  sie  thun,  das  sie  das  eintrechtigchien  thun, 
werdigenon,  unnd  sint  eyn  unnd  stehen  getruwelichen  bie  einandir, 
also  brudere  unnd  frome  luthe;  on  sulle  nicht  gewerre2  in  dissem  krige, 

a  Mundartlich,  „sich  beweren"  —  „sich  beschäftigen",  s.  auch  H.  Rückert, 
Leben  des  h.  Ludwig  S.  112.  4  „»ich  krotten"  —  „sich  einer  Sache  annehmen, 
sich  darum  bekümmern."  ö  „sich  envegen"  =  „sich  aufregen",  „der"  =  „deret- 
wegen." 

258.  1  24.  Oktober  1474.      *  gewerren,  stv.,  intrans.  „schaden". 


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328 


JV28.  Htrtck. 


aber  sie  musssen  note  liden,  unnd  doch  or  könne,*  das  sie  got  hanthaben 8 
wil.  (Jnde  vorswant  also.  Das  sageto  der  kerchener  den  horn  unnd  ge- 
waldigen der  stad  nuss;  die  vor  nomen  das  wol,  aber  sie  meynten,  es 
wehere  eyn  troyin  gewest,  unnd  achten  des  nicht  gross,  sundern  sie 
hatten  glichewol  des  oren  achtunge  unnd  gloubeten  der  uffenbarunge 
nicht.  Ubir  czwene  adir  dry  tage  er  schein  er  deme  kirchenere  abir 
unnd  mochto  villichte  eyn  aldir  fromer  prister  sy,  wann  uff  stiflten  hat 
man  pristere  zu  kirchenern,  unnd  sagito  ome  abir  die  vor  geschreben 
rede  unnd  sprach:  Sie  wollin  dir  nicht  gloube  unnd  meynen,  es  habe 
dir  getroymet.  Nu  saltu  on  eyn  worczeichenb  sage,  do  bie  stillen  sie 
mcrcken  die  worheit.  Got  wil  diel)  heische  unnd  zu  sinen  gnaden 
neme  umbe  dines  langen  getruwen  dinstes  willen;  du  salt  sterben  am 
dritten  tage,  unnd  is  geschiet  dir  zu  grosor  selickeit,  das  dir  got  dorch 
mich  uffenbart  den  tag  dines  todis.  Do  erschrag  dor  korchener,  das  er 
niddor  fil;  do  tröste  on  der  heilige  man  unnd  sprach:  |  Du  salt  nicht 
er  schrecke,  das  dir  got  sulche  offenbarungo  thud ;  is  geschiet  dir  zu 
grossser  selickeit,  unnd  disser  stad  unnd  orem  folke  zu  einem  vesten 
glouben.  Do  ermanito6  her  sich4  widder  unnd  sprach:  0  über  here,  ich 
bin  also  eyn  grossir  sunder  gewest  unntl  vil  sundc  gethon  von  miner 
jogunt  bis  her  in  myn  alder;  der  kan  ich  in  sulcher  czit  nicht  gebusse 
noch  bedencke  etc.  Do  sprach  der  heiige  sanetus  quirinus:  Du  salt 
bichte  unnd  ruwe  unnd  leide  umbe  dine  sunde  habe.  Oot  hat  dinen 
getruwen  dinst  an  ge  sehon  unnd  thut  dir  die  uffenbarunge,  unnd  salt 
disso  uffenbarunge  unnd  myne  rede,  dio  ich  dir  von  gitis  wegen  itezunt 
gesagit  habe,  den  gewaldigen  disser  stad  getruwelichen  unde  ernstlichen 
sage,  unnd  zu  vorezeichene  dinen  tod,  tag  unnd  stunde  dinos  todis 
sage,  unnd  das  sy  got  vor  yn  haben  unnd  oren  trost  unnd  hulffe  zu 
gote  setezen;  got  wille  sy  hanthaben  unnd  er  lossen;  es  sal  on  sust 
hart  gnug  lege.  Wann  sie  dann  das  worezeichen  enfinden  an  dinem 
tode,  so  werden  sie  disse  uffenbarunge  gloube.  Der  kirchener  tad 
das  gancz  unnd  wol,  unnd  sagete  alle  geschieht,  als  man  sagit 
unnd  vor  geschreben  steint.  Do  worden  sie  erfrowet  unnd  hatten 
achtunge  uff  den  man,  das  er  icht  rossete  unnd  sich  selber  totte 
vor  forchte  des  kriges,  unnd  Jisssen  sin  wol  Worten.  Der  kirchener 
bichte  unnd  hatte  ruwe  |  unnd  leide  umme  sine  sunde  unnd  starb  unnd 
nam  eyn  seligis  ende,  uff  die  czit  als  her  gesaget  hatte.  Do  gloubete 
das  volk  gancz  unnd  gewonnen  grossen  zu  flucht  zu  domo  lieben 
heiigen  unnd  zu  vordirst  zu  gothe.  Unnd  eyn  iglicher  nam  an  sich 
eyn  czeichen  des  lieben  heiigen,  unnd  werten  sich  also  menlich,  das  es 
lust  was,  unnd  man  sagete  also  balde,  als  eyn  trefflich  burger  adir 

*  BS:  eo  kenne.      b  H8:  worchelchen.       c  HS:  ermatte. 

3  hanthaben"  =  „schützen,  beschützen".  *  Die  handschriftliche  Lesart 
„ermatte  sich"  =  „erfreute,  ergötzte  sich",  ißt  zwar  an  sich  verständlich,  passt 
aber  hier  nicht,  deshalb  haben  wir  geändert;  auch  Hesse  liesst  in  s.  Aus- 
gabe so. 


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259.  Stück. 


320 


man  hatte  eyn  czeichen  des  heiligen  vor  sich,  unnd  einer  schoss  uff 
on  unde  triff  das  czeichen,  unnd  der  schoss  prallete  widder  unnd 
schatte  ome  nicht,  unnd  zu  eyme  czeichen  hing  her  das  czeichen  in 
das  raonster,  unnd  das  findet  man  dor  inne  zu  einem  wunder  wercke. 


259.  Von  dem  konige  zu  poln  unnd  dem  konige 

zu  ungern.1 

Item  man  sagite  ouch  uff  die  selbigo  czit,  wie  das  der  koning  von 
poln  eyn  gross  hchir  hotte  von  funlfczig  tusent  resigen  geczugis  unnd 
funffczig  adir  seehezig  tusent  zu  fusse,  unnd  lege  zu  feldo  widder  den 
koning  von  ungern,  unnd  die  bohemen  wolden  des  konnigis  von  poln 
son  habe  zu  einem  konnige  unnd  nicht  den  koning  von  ungern,  deme 
is  der  bobist  unnd  der  koyser  zu  gesaget  hatten.  Unnd  der  koning  von 
ungern  hatte  ouch  gross  volk,  drissig  adir  vierczig  tusent  man,  unnd 
der  koning  von  poln  drang  den  koning  von  ungern  zu  rucke,  das  her 
vor  deme  poln  flihen  muste  in  dio  stad  zu  bressla;  also  |  wolden  on  iso 
die  von  brossla  nicht  in  losse,  dann  mit  enteil  volks,  nemelich  mit 
czweu  tusent  man,  in  ore  vorstad;  unnd  das  andere  sin  volk  tloch  in 
eine  stad  czwo  mile  dar  von;  da  vor  czoch  dor  koning  von  poln  unnd 
belag  die  selbigen  stad,  unnd  wolde  das  volk  ye  bestrite.  Als  czog 
herczog  ernst  von  missen,  der  hern  einer  uss  missen  unnd  eyn  kor- 
furste,  kein  bressla  unnd  meynte,  ab  er  icht  dar  czwisschon  konde  go- 
reden  unnd  das  zu  turen,  wann  die  sage  ging,  der  koning  von  ungern 
hette  vasto  czorunge-  uft  behemor  land  gethan;  er  lisse  sich  besage3 
unnd  neme  widderkar-  siner  czorunge,  unnd  Hesse  das  koningrich  zu 
behemen,  unnd  lisse  den  jungen  poln  eyn  koning  sin.  So  wolde  der 
pole  nicht  lossen  dar  czwisschen  rede,  sundern  er  wolde  den  koning 
von  ungern  uss  deine  lande  tribe  mit  gewalt  unnd  wolde  ouch  mit 
ome  strite,  unnd  meynto  ouch  das  koningrich  zu  ungern  under  sich 
gewynne,  unnd  meynte  sich  ouch  zu  legen  vor  die  sechs  stete  gorlitcz, 
budewitcz,  legenitcz5  etc.  unnd  wie  sieheissen;  die  hatten  gereite  deine 
konige  von  ungern  gehuldet,  unnd  die  sossscn  in  grossen  noten. 
Also  ging  iss  zu  derselbigen  czit  ubir  die  stete  unnd  laud  ;  wann  der 

359.  1  Es  handelt  Mich  hier  um  die  Kampfe  zwischen  König  Matthias  von 
Ungarn  —  schon  1469  noch  zu  Lebzeiten  Georg  Podiehrads  zum  Könige  von 
Böhmen  gewählt— nach  dem  Tode  König  Georg  Podiebrads  (22.  März  1471)  mit 
dem  Könige  Kasimir  von  Polen  und  dessen  ebenfalls  zum  böhmischen  Könige  ge- 
wählten Bohne  Wladislaus,  die  von  1471  bis  1479  dauerten,  und  in  die  auch 
Kurfürst  Ernst  von  Sachsen  (s.  St.  240  A.  1)  hineingezogen  wurde.  Der  Chronist, 
welcher  deutsch-patriotisch  fühlte,  beklagt  Deutschland*  Geschick,  das  in  West 
und  Ost  damals  so  schwer  bedrängt  wurde.  -  ,, Aufwand,  Kosten."  '  D.  h.  Hesse 
mit  sich  reden.  1  Mhd  widerker  =  md  widerkar,  sff.,  „Rückerstattung,  Er- 
satz.4* 5  Görlitz,  Bautzen,  Lieguitz.  Zu  dem  im  Jahre  1846  geschlossenen 
Sechsstädtebund  gehörten:  Bautzen,  Görlitz,  Kamenz ,  Lauban ,  Lübau  und 
Zittau  (nicht  aber  Liegnitz). 


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260.  und  261.  Stück. 


koning  von  poln  ubirhant  genomeu  liette  an  deme  ende,  unnd  der 
herczoge  von  burgundien  uft  den  andern  ort,  so  betten  dissse  land  | 
▼  gelegen  in  grossser  besorgunge  unnd  noten. 


260.  Von  der  gmsssen  kunheit  von  den  von  nuss. 

Item  wart  gesagot  von  den  von  nuss,  das  sie  an  sant  lucas  tage1 
noch  lust  vor  or  stad  thor  czwei  adir  dry  hundert  man  mit  enander 
vor  or  thor  Iiefl'en  unnd  sich  zu  czemrken  mit  den  burgundischen 
unnd  schössen  sich  mit  on,  wan  der  herczoge  hatte  lange  nicht  ge- 
stormet,  das  sie  musssig  gingen,  wann  sin  volk  wolde  omo  numme 
hclfle,  unnd  die  uss  der  stad  vorsogen  die  schancze,*  das  die  burgun- 
dischen zu  starg  worden,  *  das  sie  in  die  stad  wiche  musten,  unnd 
drungen  sie  also  swinde,  das  sie  kume  die  stad  zu  brochten,  unnd 
bieben  dann  noch  da  vor  by  funflczig  mannen,  die  fingen  die  burgun- 
disschen  unnd  fürten  sie  in  das  heir;  die  musten  sage,  wie  iss  in  der 
stad  gestalt  was,  sundern  do  by  sagete*  man,  dass  sie  wol  getrost 
weren  in  der  stad,  unnd  wolden  oro  stad  vor  deme  horczogen  wol  be- 
halde;  unnd  man  meynte  glichewol,  er  mochte  noch  en  kon de  or  nicht 
gewynne.  Sie  hatten  die  stad  ouch  innewendig  also  gemacht,  ab  her 
sie  schone  gewonnen,  sie  wolden  en  wol  widder  en  uss  tribe,  adir  sy 
alle  tod  slaho  adir  werffe,  die  en  in  quemen,  unnd  ab  her  sie  gewonnen 
hotte,  so  wolden  sye  dannoch  in  einem  teile  der  stad  bieben  sin;  also 
hatten  sie  einen  graben  gemacht  in  der  stad,  sie  wolden  sich  ouch  wol 
als  lange  erhalde  mit  gotishulffe,  das  der  herczoge  muste  abeczehen, 
i8i  wann  sie  hatten  wenig  zu  esssen  in  deme  here.  Ein  brot  also  |  gross 
als  eyn  ey  galt  einen  wissen  phenning3  in  deme  here,  das  man  nieynte, 
or  würde  nicht  lange  da  vor  bliben,  sundern  er  hatte  da  vor  von  alden 
hussen  also  veste  gebuwet,  von  eichen  holcze  gemacht,  das  man  sie 
nicht  eruss  geschessse  nocli  getriben  konde,  man  hette  on  dann  uss 
gohungert.   

261.  Wy  der  junge  Burgunder1  sinen  vater  straffte. 

Item  man  sagete  ouch,  am  sontage  noch  raartini,2  wio  das  der 
bastart  von  burgundien  komen  were  in  das  heir  zu  sinem  vater  unnd 
vasto  vil  volks  brocht  hette,  frisschir  drabanten  achte  hundert,  unnd  hatte 

*  IIS:  ttgutcn. 

260.  '  Dienstag  d.  18.  Oktober  1474.  '  „sie  versahen  sieh  zu  dem 
Wagestück"  (s.  II.  Rückcrt,  Leben  des  heiligen  Ludwig  S.  159),  schanze  =  d. 
frz.  ebange,  so  schon  St.  142  A.  7.  'Nach  dem  Müuzvertrage  der  4  rheinischen 
Kurfürsten  v.J.  1386  galt  der  Gulden  20  neue  Silberpfennige  (wysse  penning). 

361.  1  Stollo  irrt,  denn  ein  natürlicher  Solm  Kails  ist  nicht  bekannt,  es  ist 
wohl  der  St.  212  A.5 -genannte  (jüngere)  Halbbruder  des  Herzogs  gemeint,  unten 
im  Gedicht,  St.  313,  Vers  78,  auch  genannt.      2  13.  November  1471 


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262.  und  263.  Stück. 


331 


den  herczogen,  sinen  vater  gestrafft,  was  her  do  lege  unnd  tete  nicht 
vliess,  unnd  er  mochte  eine  solche  stad  wol  gewynne,  unnd  hette  vor- 
mals vele  guter  stete  gewonnen  unnd  worde  nu  zu  einer  metczen.  Do 
antwerte  omo  der  herczogo,  er  wehero  doch  gar  bosse;  er  hettes  uff  on 
gespart,  das  er  ouch  sine  manheit  dor  an  vorsuchte.  Also  trad  er  hin 
an  mit  sinem  nuwen  folke  unnd  stormete  die  stad,  unnd  die  fromen 
lute  werten  sich  also  lange,  das  der  burgunder  keinen  man  mehe  behilt 
von  den  drabanten,  die  er  brocht  hatte,  unde  in  dor  stad  schosssen 
nicht,  sundern  sie  stroweten  pulver  unnd  stro  in  die  graben,  wann 
dann  die  Inte  an  gestegen,  so  worffen  sy  für  in  das  stro  unnd  pulver, 
das  erstickte  unnd  vorbrante  die  burgundischen,  das  sie  alle  storbeu. 


262.  Hy  saute  der  koning  von  engelant  deine 
herczogen  von  burgundien  vele  volks.  | 

Item  man  sagete  ouch,  wie  der  koning  von  engilland 1  sohle  dem  * 
burgunder  vaste  vil  volks  gesand  habe,  unnd  ouch  andere  sine  fursten, 
also  das  dry  beir  do  byennander  worn,  die  betten  sich  ge  erret2  umbe 
das  stormen;  iglich  partige  wolde  sine  manschafft  bewisse,  unnd  troten 
alle  gliche  zu  an  die  stad  an  drien  enden,  unnd  stormeten  gar  hart 
unnd  die  in  der  stad  erwerten  sich  mit  fnre  unnd  pulvere,  unnd  ouch, 
an  einem  ende  mit  heissem  wasssere,  unnd  musten  mit  schänden  abo 
lossen;  unnd  als  balde  ging  das  heir  vier  enden  an  unnd  brante  also 
sero  unnd  undereinander,  das  sie  sich  slugen,  das  ir  bio  vier  tusent 
tod  bloben  worn  unnd  die  vorbrant  worn. 


263.  Wy  der  herczoge  von  burgundien  gerne  bette 
gehat  den  lantgrafen  hermann  von  hessen  nss  der 

stad  nuss. 

Item  man  sagete  ouch,  wie  der  herczoge  solde  einen  boten  in  die 
stad  nuss  mit  sicherunge  geschicket  unnd  geschreben  habe  lantgraven 
herraan  von  hesssen,  das  er  abeczicht  tethe  unnd  uss  der  stad  czoge 
mit  den  sinen;  er  wolde  on  sicher  lossen  von  dannen  kome,  wo  heu 
er  wolde,  unde  on  dar  zu  geleite,  das  er  sicher  czoge  Als  der  böte 
vor  die  stad  quam,*  do  lesssen  sie  on  in  unnd  bunden  das  pfert  in  das 
thor  unnd  bunden  ome  sine  ougen  zu  unnd  fürten  on  zu  lantgraven 
hermans  herbarge,  unnd  bunden  on  widder  uff,  das  her  lantgraven 
herman  sach,  unnd  antwarte  sinen  |  brieff  unnd  ass  unnd  trang;  das  1*2 
hiss  ome  der  lantgrave  gebe,  unnd  hiss  ome  wedder  breffe  schribe  unnd 

•  H8:  qwam. 

262.    1  Eduard  IV.,  aus  dem  Hause  York,  1461-1483.        ■  „«ich  verun- 
einigen", s.  St.  203  A.  1. 


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264  bis  266.  Stück. 


rauntlich  werb  entpfahiln1;  wind  fürten  on  widder  in  das  thor  mit 
vorbundon  ougen  unnd  lisssen  on  uff  sin  pfert  sitczen  unnd  mit  frede 
riton.  Do  er  an  das  heir  quam  vor  den  horczogen,  do  lieffen  die 
andern  sine  fursteu  unnd  hinschafft  zu  unnd  wolden  alle  zubore,  was 
er  brechte.  Do  antwarte  er  sine  breffe  schrift  lich  unnd  muntlich.  Also 
fragete  on  der  herczoge,  wie  es  in  der  stad  gestalt  were.  Do  sprach 
er,  er  wüste  is  nicht.  Do  verwundirte  is  den  herczogen,  die  wile  er  in 
der  stad  were  gowest,  unnd  brechte  antwart;  er  solde  ye  wisse,  wie  es 
gestalt  were;  en  teyl  meinten,  er  were  nicht  dor  inne  gewest  Do 
sprach  er:  Ich  bin  dar  inne  gewest  unnd  habe  mit  Iantgrave  herman 
gesssen  unnd  getruncken  unnd  alle  sin  hofegesindo  wol  gesehen  unnd 
mit  on  gereth  unnd  sine  botschafft  wol  geworben.  Er  wüste  abir 
nicht,  wie  is  in  der  stad  gestalt  were;  er  hette  ouch  keinen  menschen 
dor  inno  geseon  noch  gehört,  dann  die  thor  worten  unnd  lantgraven 
herman.  Do  man  sie  des  alle  wunder.  Also  sagete  er  on,  sie  hetten 
ome  sine  ougen  vorbunden  in  unnd  usswart,  unnd  dorumbe  hette 
er  nichts  geseen,  er  wusto  ouch  nicht  zu  sagen  von  der  stad.  Do  wart 
der  herczoge  von  burgundien  czorning  unnd  solde  gesprochen  habe, 
▼  sie  weren  nicht  menschen  mit  sulcher  |  list,  sie  weren  tufele,  das  sie 
nimant  ubirlisten  konde;  unnd  liss  abir  an  sie  storme. 


264.  Wy  dy  von  koln  sich  czwaekten  mit  dem  beer. 

Item  man  sagite,  wie  die  richstete  viiste  weren  do  nidden  zu  kolin 
unnd  zwackten  den  herczogen  ynohant1  uff  das  heir,  unnd  her  were 
czwo  mile  zu  rucke  geezogen  unnd  hette  sich  andertweit  gelogert  unnd 
vor  graben. 

265.  Von  einem  klugen  Joden,  der  was  zu  nuss. 

Item  man  sagite  ouch,  wie  die  von  nuss  hetten  bie  on  gar  einen 
clugen  joden,  der  were  also  uff  sine  jodischeit  also  wol  gelart,  das  er 
konde  zukunftige  ding  gesagen.  Der  selbie  hette  practicert:  behilden 
sie  die  stad  vor  martini,  so  solden  sie  vor  wor  wisse,  das  er  der  nicht 
dor  noch  gewönne,  unnd  der  von  burgundien  worde  vor  der  stad  mit 
alle  sinem  volke  erslagcn ;  unnd  doruff  hette  sicli  der  jode  gefangen  gegeben. 


266.  Wy  sanetus  quirinus  grossse  ezeichen  tethe. 

Item  man  sagite  ouch,  das  got  unnd  der  liebe  heiige  sanetus 
karinus  grosse  ezeichen  tete  an  deme  horczogen  von  burgundion,  das 

263.  1  werp  gewerp  „Vertrag*',  auch  „Hotschaft";  mhd  euiphcllcu  —  ind 
empfelen  —  „zur  Besorgung  od«>r  Bewahrung  übergeben,  übertragen",  —  also :  der 
Landgraf  hiess  dem  Boten  Briefe  (Antwort)  zu  schreiben,  und  auch  mündlich 
trug  er  ihm  auf,  die  Nachricht  zu  überbringen. 

264.  1  S.  St.  250  A.  1. 


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267.  und  268.  Stück. 


er  nicht  konde  von  der  stad  uss  der  pflege  kome  noch  geczihe,  dorummo 
das  er  bette  losse  schiessen  noch  der  kirchen  sancti  quirini,  unnd  der 
liebe  heiige  bette  die  gewalt  von  gote,  wer  on  beschedigete,  der  konde 
ane  schaden  nicht  do  von  kome;  glich  also  zu  gangolfl  sommeringen,1 
wer  in  der  kirchen  stehilt,  der  kan  nicht  von  dannen  komen  mit  der 
duberie,2  er  wirt  begriffen.  Unnd  man  sagit,  das  der  herczoge  sin  bette 
harte  enpur  gemacht;  wann  er  uff  |  die  erden  quam,*  so  wart  er  kräng;  m 
unnd  man  nieynte,  er  worde  vor  der  stad  tod  blibe.  Das  wart  gesagit 
umme  das  fest  sancte  elizabeth.3 


267.  Wy  üy  von  nuss  in  das  burgundische  heir 

quomen  dos  nacktes. 

Item  es  wart  gesagit,  das  sich  funffhundirt  uss  der  stad  nuss  uff 
sente  mertins  abint1  zusamen  worffen,  unnd  gingen  bie  nacht  uss  der 
stad  unnd  quomen  an  das  hehir;  do  quomen  on  czwene  wechter  zu, 
die  fingen  sy  unnd  wolden  sie  tote,  unnd  totten  den  einen,  der  andere 
bad  also  sere  umbe  das  leben,  das  sie  on  leben  Jossen,  er  wolde  on 
under  wisunge'thu  unde  die  lossunge  sage,  das  sie  in  das  heir  mochten 
gehon  unnd  grossen  schaden  thun  unnd  gut  erwerbe;  also  Hessen  sie 
on  leben,  unnd  er  sagete  on  die  lossunge  unnd  gab  on  under  wisunge. 
Unnd  sie  quomen  in  das  heir.  Do  funden  sie  die  heir  luthe  in  gruben 
sitczen  unnd  in  löchern  by  deme  furo,  unnd  wann  sie  vor  hin  gingen, 
so  frageten  die  in  den  löchern,  wer  da  were,  so  antwerten  sie:  frunt. 
So  frageten  gene  wedder  die  lossungo,  so  sageten  die  die  lossunge, 
unnd  besohen  das  heir  gancz  unnd  gar,,  wann  der  heir  was  mehe  wann 
eins,  sundern  das  besohen  sie  alleine.  Unnd  do  si  das  wol  beseen 
hatten,  do  machten  sie  an  einem  ende,  do  sie  es  bequeme  duchte,  ein 
gross  geschreye,  unnd  filen  zu  on  in  die  gruben,  unnd  slugen  under 
sie  unnd  slugen  gar  vil  luthe  tod,  unnd  nomen,  wass  sie  von  dannen 
nioehton  brengen,  unnd  brochten  als  vil  von  |  dannen,  das  sie  budten,*-  * 
das  einen  iglichen  worden  funffczig  gülden. 


268.  Von  der  stad  nuss. 

Item  man  sagite,  das  man  nuss  hatte  gespiset  mit  salcze  unnd 
putern  unnd  sie  musten  selber  male  unnd  backe  unnd  worden  on  sweer. 

Item  man'*  sagete,  das  der  herczoge  von  burgundien  het  vier- 
hundert mollen  unnd  baekoffen  in  sinem  heir. 


*  HS:  qvrun.       h  fohlt  in  der  Hfi. 

266.  1  Gangloffsömmern,  Dorf  im  nreuss.  Kreisn  Weissenaee,  l{egl>ez.  Erfurt. 
'  Mhd  diuberie      nid  dnberie,  stf.,  „Diel>erei".    ;|  Sonnabend  d.  19.  Novbr.  1474. 

267.  1  Donneretag  d.  10.  Novbr.  1474.     3  Mhd  biuten  ~  md  buten  „erbeuten". 


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334 


269.  bis  27  I.Stück. 


209.  Wy  der  lierczoge  von  burgundien  linss  hatte 

gestercket 

Item  es  wart  gesagt  das  der  herczoge  von  burgundien  hette  dy 
stad  linss1  gesterket  mit  vier  tusent  man,  unnd  der  aide  bisscboff  von 
koln  were  dor  inne,  unnd  die  werten,  das  man  nichts  den  von  koln 
kondo  zu  gefure,  unnd  das  volk,  das  hie  uss  diesssem  lande  czehen 
solde,  das  solde  vor  linss  unde  das  gewinne.  Item  man  sagite  ouch, 
das  sich  der  pfalczgrave  gross  gesammet  hatte,  unnd  man  rneynte,  her 
worde  sinem  bruder  dem  bisschoffe  zu  koln  reduuge  thu,  etliche 
meynten,  der  czog  worde  über  on  gee.  Item  man  sagite  ouch,  wie  die 
swiezen*  gar  mit  grossem  volke  deme  von  burgundien  in  sinem  lande 
lege.  Etliche  sageten,  das  der  koning  von  frankrich  ouch  in  deme 
burgundischen  lande  lege  zu  schadene  unnd  beitete,  wann  die  dutczen 
fursten  quemen,  so  wolde  her  deme  riche  ouch  helfte. 


270.  Der  heimzöge  von  der  etczch  hilt  dy  hüte. 

Item  man  sagite  ouch,  das  der  herczoge  von  der  etcz1  do  heime 
184  wehere  unnd  wolde  harre,  wann  |  die  venedigere  quemen  unnd  wolden 
in  die  switczen  czehen,  wann  sie  solden  sich  mit  dem  herczogen  von 
burgundien  vorbunden  haben,  unnd  wolde  die  venedigere  do  in  deme 
dutczen  ge  berge  der  nidder  werffe. 


271.   Wy  dye  stad  nuss  ge  sterckct  wart. 

147*  Item  uff  die  selbige  czit  anno  domini  M° CXXJC°LXXim  andree1 
wart  gesagit,  wie  das  achtehundert  drabanten  solden  zu  nuss  in  konien 
sie,  unnd  die  solden  durch  das  burgundisscho  heir  gegangen  sy,  unnd 
oyn  iglicher  nam  als  vil  er  getragen  konde,  pulver  unnd  salpeter,  unnd 
beroubeten  das  heir  also  des  geczuges  unnd  brachtens  alles  keyn  nuss. 


369.  1  Linz,  Städtchen  am  Rhein,  im  preussiachen  Kreise  Neuwied,  Re- 
gierungsbezirk Koblenz.  3  Zwischen  der  schweizerischen  Eidgenossenschaft 
und  Österreich  vermittelte  damals  (1474)  König  Ludwig  XI.  von  Frankreich 
die  sogenannte  „ewige  Richtung",  ein  Bund,  der  seine  Spitze  gegen  Herzog 
Karl  von  Burgund  kehrte,  und  welchem  Frankreich  und  die  deutschen  Fürsten 
sich  anaclüossen. 

270.  1  Es  ist  der  St.  242  A.  4  erwähnte  Erzherzog  Siegmund  von  Österreich- 
Tirol  gemeint,  ».  u.  St.  283. 

271.  1  Mittwoch  d.  30.  November  1474. 


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272.  und  273.  Stück. 


272.  Von  der  betregunge  des  berczogen  von 

burgundien. 

Item  man  sagite  ouch  uff  das  mal,  wie  der  burgundier  solde  mit 
den  von  nuss  nfl'  aller  heiigen  abont1  getaget  habe,  unnd  undir  deme 
tage  bestalte  her  drye  storme  an  die  stad.  Do  was  der  bastart2  bie 
oine  unnd  hatte  bracht  frisch  volk  czwei  tusent  Alss  hatte  lantgrave 
herman  achtuuge  uff  deme  tagunge,  des  er  icht  mit  tusscherige  umbe 
ginge  unnd  er  sieche  sie,  unnd  bestalte  gliche  wol  die  stad.  Also  begerte 
er,  das  sie  ome  dy  stad  wolden  antwerten  unnd  sich  dorumbe  bo- 
dencken  in  sechs  stunden,  adir  wolde  sie  hart  storme  von  stunt.  Also 
goben  sie  ome  antwart,  sie  wolden  sich  bedencke  czwisschen  hir  unnd 
ostern.  Also  wart  er  czornig  unnd  stormete  gar  hart  an  drien  enden. 
Also  |  was  der  eine  storm,  do  die  frowen  unnd  pristere  stunden,  czwey  ▼ 
tusent  man  in  die  stad  quomen  unnd  hatten  der  frowen  andirthalb- 
hundirt  er  slagen.  Also  was  lantgrave  herman  uff  deme  margte  mit 
czwey  tusent  mannen,  der  liff  zu  unnd  sing  der  czwolff  hundirt  tod, 
die  andern  viln  wedder  ubir  die  muren  unnd  quomen  enteil  in  das 
wasser  unnd  ersuffen;  en  teyl  viln  sich  zu  tode.  Also  erwerten  sie 
die  stad  mit  gotishulffe  ritterlichen. 

Item  man  sagite  ouch  uff  den  sontag  barbare,3  wie  margrafe 
albrecht  von  brandenborgk  mit  den  richsteten  grosse  erbeit  tote.  Der 
sch08sse  zu  mole  hart  in  das  heir,  unnd  hette  sich  doch  nicht  gelogert, 
unnd  tete  den  burgundiern  grosssen  schaden. 


273.  Von  herezoge  albrechte  von  missen. 

Item  in  vigilia  barbare1  czoch  zu  erffort  in  der  erluchte  hoch- 
geborn  furste  herezoge  albrecht2  von  Sachsen  uss  missen  lande  mit 
tusent  pferden  unnd  mannen,  rod  gecleidit  unnd  gar  wol  gerüstet,  unnd 
fürte  mit  ome  funff  hundert  ungerische  ossen,  unnd  man  sagite,  das 
sechs  tusent  behemen  solden  czehen  durch  das  swarezpurgissche  land; 
das  worn  Vll  tusent  mann.  Unnd  die  sage  ging,  sundern  der  warheit 
wüste  man  nicht,  er  solde  eyn  romisch  koning  werde.  Also  bleib  er 
ubir  nacht  in  der  stad  zu  erffort,  unnd  czoch  des  morgens  fru  uff 
sontag  barbare  hin  weg,  unnd  der  rad  zu  erffort  loste  on  uss  der  her- 
berge  |  unnd  schanckten  ome  dar  zu  ein  vass  winss,  eyn  vass  num-  isr» 
burgischen  behers,  eyn  kästen  haffern  unnd  eyn  fuder  howes,  unnd 
ander  geschencke  von  susssen  wine,  also  gewonheit  ist  einem  fursten 
zu  schencken.   Do  czoch  er  an  den  rin. 


4?3 


Montag  den  31.  Oktober  1474.         '  S.  St,  261  A.  1  (St.  242  A.  b\ 
*  4  Dez.  1474.    Die  Notiz  ist  ganz  verworren. 

278.  1  Sonnabend  den  3.  Dezember  1474.      5  S.  St.  240  A.  2. 


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336 


274.  biB.  276.  Stück. 


274.  Von  deine  bisschoffe  von  wirczburgk. 

Item  uff  den  montag  vigilia  nicolai 1  quam  der  bisschoff  von  wircz- 
purg2  keyn  erffort  in  die  stad;  der  hatte  sache  zu  thune  mit  dem 
fursten,  herczogon  Wilhelm.3  Wass  die  sache  was,  weiss  ich  nicht; 
es  was  umbe  gelt  zu  thune. 


376.  Von  lantgrafen  Wilhelmen  zu  doringen. 

Item  uff  den  dinstag  nicolai1  gar  spete  zu  funffen  uff  den  abind 
quam  herczog  wilhelm  von  sachssen  keyn  erfforte,  do  hatte  man  fru 
die  vier  hern  zu  erfforte  gemacht,  das  was  er  symon  tenstete,  er  johan 
funcke,  er  johan  rabe  unnd  er  claus  gaberwitcz.  Uff  die  mittewochen 
concepcionis  marie2  worn  sie  uff  deme  rothuse  unnd  handelten  ore 
sache,  unnd  brachten  die  zu  einem  ende. 


276.  Von  einem  gronsen  storme  an  nuss. 

Item  concepcionis  marie1  sagite  man,  das  der  burgundir  in  vigilia 
katherine2  solde  den  gauczen  tag  biss  in  die  nacht  gestormet  unnd 
hatte  on  gar  wehe  gethon,  unde  erweret  sich,  unnd  harten  eyn  geferte 
uff  radon  an  die  stad  nuss  bracht,  do  worn  troppon  inne,  das  sie 
meynten«  ubir  die  muren  zu  louffen,  unnd  das  zu  schössen  sie  uss  der 
stad,  unnd  der  burgundir  bleiben  tod  bie  sobenczen  hundirt.  | 

Item  man  sagite  ouch,  das  achtohundirt  switczere  weren  komon  in 
die  stad  nuss  mit  hulffe  der  kolner.  Do  sie  gosssen  unnd  getruncken, 
do  czogen  sie  uss  der  stad  nuss  unnd  quomen  in  das  burgundische 
heir  unnd  slugen  deme  here  czwo  gasssen  abe,  unnd  slugen  ouch  vil 
pickardien  tod  bie  achtehundirten ,  unnd  fingen  oren  houbt  mann,  der 
was  sere  wunt  worden ;  der  boyt  on  vil  geldes  zu  geben  vor  sin  leben, 
ab  er  leben  bliben  mochte  vor  on ;  die  alle  zusamene  fürten  sie  in 
die  stad  nuss;  unnd  derselbige  houbtman  sagite  on  ouch  unnd  warnete 
sie,  das  sie  ye  nicht  gütlich  mit  deme  herczogen  von  burgundien  tagen 
solden,  wanne  er  bilde  keinen  glouben,  unnd  ab  er  sie  felichte  wolde 
libis  unnd  gutis  sichere,  er  hildis  nicht,  er  totte  sie  doch,  wann  er  sie 
mit  guten  Worten  ubir  rette.  Unnd  do  die  switczere  in  die  stad  nuss 
quomen,  do  brachte  iglicher  in  die  stad  acht  phunt  pulvers  unnd  Sal- 
peters unnd  swefels  mit  on. 


274.  1  5.  Dezember  1474.  *  Hiachof  Rudolf  II.  von  Scheerenberg,  1466 
bi«  1495.      s  Der  früher  ho  oft  erwähnte  Herzog  Wilhelm  vou  Sachsen,  f  1482. 

276.  '  6.  Dezember  1474.       -  7.  Dezember  1474. 

276.  1  Donnerstag  den  8.  Dez.  1474.      2  Donnerstag  den  24.  Nov.  1474. 


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277.  und  278.  Stück.  337 

277.  Wy  das  hurgundissche  heir  wart  1>estalt 

zu  vor  hörnende. 

Item  man  sagite  uff  winachten,  das  der  herczoge  nette  der  frien 
frowen  vil  in  deme  here,  die  den  luten  wuschen  ore  liemdc  unnd 
cleidungc,  unnd  on  zu  dinste  stunden,  der  were  bie  dry  hundirten, 
unnd  under  den  solde  die  houbt  frowe  bestalt  habe  mit  X  frowen,  das 
man  das  heir  solde  an  gelegit  habe  vil  enden  unnd  vorbrante,  das  der 
herczoge  kume  da  von  komen  was,  unnd  were  gar  vi]  Volkes  vortorben, 
unnd  dar  |  zu  were  vorbrand  sin  pallacium  unnd  ein  gewelbe,  das  er  i*- 
hatte  lossen  buwen,  dar  inne  were  gar  vil  pulvers  gewest,  das  hette 
grossen  schaden  gethon,  unnd  er  wehere  zurucke  geczogen  zu  oche  zu. 


278,  Von  etlichen  knahen,  dy  einen  keyser  unnd 
einen  herezogen  under  sich  ge  macht  hatten. 

Item  uff  die  czit,  als  der  herezoge  von  burgundien  vor  nuss  ge- 
legen was,  do  geschach  disse  geschieht  zu  staffilsteyn 1  in  deme  lande 
zu  francken.  Bo  hutten  etliche  knaben  der  kuwe  unnd  pferde  uff  deme 
fehle,  die  worden  undirenander  eins,  unnd  kossen  under  sich  einen 
keyser,  einen  koning  von  franckrich,  die  hildens  mitenandor,  unnd 
streten  widder  den  herezogen  von  burgundien,  unnd  worden  do  eins, 
das  der  keyser  unnd  der  herczoge  von  burgundien  iglicher  alleine  solde 
widder  enander  fechte.  Nu  was  der  knabe,  der  der  herczoge .  von 
burgundien  was,  vaste  grosser  unnd  stercker*  wann  der  andern 
eyn,  unnd  gluckte  doch  deme  keyser,  das  er  den  herezogen  von 
burgundien  undir  sich  warff,  unnd  der  herczoge  von  burgundien  fihil 
gar  swerlich  uff  einen  steyn  adir  kloss,  also  das  er  amechtig  wart, 
unnd  lag  stille.  Do  meynte  der  keyser,  er  tete  is  mit  willen  gerne, 
unnd  riff  den  koning  von  franckrich  an,  das  er  ome  zu  hnlffe  queme, 
unnd  das  thet  der  koning  unnd  liff  zu,  unnd  sprach :  |  er  keyser,  halt  v 
on  feste  unnd  losset  on  nicht  uff  kome  von  uch,  er  gerede  dann  einen 
ewigen  frede!  kompt  er  uff,  so  ist  er  sterker  wann  unser  einer,  unnd 
tribet  uns  uss  deme  lande.  Also  logen  sie  uff  ome,  unnd  er  lag  stille. 
Unnd  die  czwene  meynten,  er  tete  iss  uff  list  unnd  vorteil,  unnd  er 
wolde  sich  nicht  gefangen  gebe,  bissolange  das  sie  uff  stunden.  Do 
bleib  er  legende,  unnd  sie  netten  on  gerne  uff  brocht;  do  was  er  tod. 
Do  er  schracken  sie  unnd  wichen  en  weg;  einer  quam  keyn  koburg,  der 
andere  kein  bobinberg.2  Also  wart  das  geruchto  in  deme  lande,  der 
keyser  hette  den  herezogen  von  burgundien  gefangen  unnd  getötet. 
Also  sicherten  die  gewaldien  des  landes  die  czwene  knaben  zu  vor- 

*  IIS  setzt  noch  „wm"  hinzu. 

278.    '  Staffelstein,   Ort  im  gleichnamigen  bayrischen  Bezirksamt,  Kgsbz. 
Oberfranken.      *  Bamberg. 

K.  Stolle«  Memorial«.  22 


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338  279.  und  280.  Stück. 

hörne,  wie  is  zu  gegangen  hette;  do  fand  sichs,  das  iss  schyrapf3  was 
gewost  unnd  in  schimpfe  ge  schehen,  unnd  man  meynte,  das  iss  eyn 
tigure  1  unnd  eyn  vorspel  were,  unnd  mochte  villichte  in  der  warheit 
dor  zu  kome,  unnd  goben  do  den  knaben  Sicherheit  allir  woge. 


279.  Wy  dy  piekardien  unnd  die  von  eiigelant  deine 
here  von  burgundien  spisse  brocht  hatten. 

1475  Item  anno  domini  M° CCC€°LXXV,  circumcisionis  domini,1  wart 
gesagit,  das  die  von  engelland  unnd  pickardien  solden  czwey  tusent 
komen  sie  unnd  deme  here  zu  burgundien  spise  haben  gebracht,  unnd 
also  sio  quomen  uff  czwo  mile  wegis  undir  nuss,  do  hatten  pich  die 
ist  kolner  unnd  die  herschafft  margrave  albrecht  mit  |  andern  hcrn  dar  zu 
geschickt  adir  ore  manschaftr,  unnd  zu  on  stritbar  komen  in  ein  dorff, 
unnd  slugen  unnd  fingen  sio,  unnd  nomen  die  spise  mit  on,  unnd  das 
ny  keiner  da  von  quam.   

280.  Wy  sich  lantgrafe  herinan  willicklichen  in 

den  tod  gab. 

Item  man  sagite  ouch,  das  der  herczoge  von  burgundien  an  der 
stad  nuss  also  ,  grossen  vliss  thun  liss,  unnd  was  selber  nicht  ferne 
da  von,  unnd  liss  also  hart  storme,  das  alle  die  mode  warn,  die  in  der 
stad  worn,  unnd  lantgrave  herman  was  ouch  also  müde  worden,  das 
er  meynte,  sie  konden  der  stad  nicht  Jenger  er  haWe,  unnd  ging  in  die 
kirchen  unnd  knyte  vor  den  altar  uider,  unnd  bad  got  umbe  hulffe, 
unnd  sprach:  alhir  wil  ich  sterben  als  ein  fromer  furste,  unnd  riff 
got  an  unnd  den  liebon  heiigen  sanctum  quirinum.  Unnd  die  wile 
dass  [sie]  das*  volk  mude  was,  do  fochten  die  pristere  unnd  frawen  unnd 
werten  einen  stürm,  das  die  manne  rugeten,  unnd  enteil  gedochten,  wie 
sie  von  danne  komen  mochten.  l)o  quam  eyn  stymme  zu  lantgrave 
herman  in  der  kirchen,  die  sprach,  er  sach  abir  nymandes:  stand  uff 
unnd  biss  getrost,  unde  tröste  vort  das  volk  unnd  were  dich  getruwe- 
lich!  dir  sal  nicht  gebreche;  itezunt  weren  sich  die  pristere  unnd  die 
frowen,  unnd  er  weren  sich  or;  du  salt  dich  menlich  wehere!  got  wil 
t  dii  bystaut  thu,  du  salt  or  mit  dinem  volke  |  gar  vil  erslahen. 

Also  liff  lantgrave  herman  widder  an  die  wehere  unnd  tröste  das 
volk,  unnd  die  luthe  worden  also  getrost,  das  sie  die  thor  uff  toten 
unnd  lissen  or  enteil  in,  unnd  slugen  sie  tod,  unnd  do  dio  andern 
flohen,  do  czogen  sie  uss  der  stad  deme  here  noch  unnd  slugen  orgar 
vil  tod,  nemlieh  achtehundirt. 

»  fohlt  In  HS. 

8  Im  alten  Sinne:  „Scherz,  Kurzweil,  Spiel1'.     4  „figun:'4  —  „Figur,  Symbol, 
( MHehni*",  „vorspel"  {—  mlid  vorapil)  =  „Vorzeichen''. 
279.   1  Sonntat:  den  1.  Januar  1475. 


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281.  und  282.  Stuck. 


281.  Hy  quam  das  heir  an  dy  stad  nuss. 

Item  man  sagite  ouch,  wie  die  burgundischen  die  stad  thor  uff 
hiwen  unnd  gewonnen  die  thor  unnd  quomen  in  die  stad  bie  funff- 
hundirten  unnd  slugen  vil  tod,  pristero,  monche,  frawen  unnd  junc- 
frawen,  die  do  werten  an  deme  storme,  die  wile  lantgrave  liernian  in 
der  kirchen  was,  als  hir  vor  gesagit  ist. 


2S2.  Von  den  koningen1  von»  poln,  ungern  unnd  bemen. 

Itera  anno  1475°  circumcisionis  domini  wart  ouch  vil  gesagit  von  1*75 
deine  krige  der  konige  von  poln,  ungern  unnd  behemen,  wie  der  pole 
solde  habe  gehat  funffczig  tusent  wol  geezugetes  reisiger  man  unnd  vil 
tusent  wagen  unnd  fussfulg,  unnd  der  koning  von  ungern  hatte  nicht 
mehir  wann  XII  tusent  man,  die  hatte  er  enteil  in  die  stete  geteilt, 
unnd  er  lag  zu  bressla,  da  tloch  er  in,  unnd  das  in  fleen  hatt  nu  die 
von  bressla  eigen  gemacht,  als  man  sagit,  der  koning  sie  or  nu  allir- 
dioge  mechtig,  unnd  er  fahe  den  rad  unnd  koppfe  sie  enteil  unnd  louffe 
on  durch  huss  unnd  hoff,  unnd  zu  breche  on  ore  privilegia,  unnd  is 
were  nu  getaget.  Unnd  alsb  sie  nu  begunsten  zu  tagen,  do  czoch  der 
pole  den  keyser  met  in  die  J  richtunge;  des  en  wolde  der  koning  von  im 
uugern  nicht  habe  in  die  richtunge,  so  woldo  der  koning  von  poln  iss 
nicht  Iosse  richto  noch  tage,  der  keyser  muste  mete  in  die  richtunge. 
Also  muste  der  koning  von  ungern  den  keyser  mete  in  die  richtunge 
iieme.  So  were  der  koning  von  ungern  sere  widder  den  keyser  gewest, 
unnd  hatte  sich  mit  deme  herczogen  von  burgundien  vorbunden  unnd 
vortragen,  das  der  herczoge  von  burgundien  der  solde  under  der  gestalt 
das  bisthum  zu  koln  gewinne  unnd  in  neme  den  ryn  ström,  die  bis- 
thumme  unnd  die  stete,  so  wolde  der  koning  von  ungern  gewynne  mit 
hulffe  der  stad  bressla  unnd  die  slesiere  behemer  land,  unde  wann  er 
das  gewönne,  so  wolde  er  die  hern  zu  missen  unnd  herczogen  zu 
sachssen  angriffe;  was  sie  des  landes  gehörende  betten  zu  der  krön  zu 
behemen,  das  solden  sie  lasse  adir  wolde  sie  ubir  czehen  unnd  gewinne; 
unnd  der  herczoge  von  burgundien  unnd  er  wolden  zu  samen  ge- 
winne unnd  komen  in  duczen  landen  unnd  die  koifursten  alle  undir 
sich  brechen,  alsdanne  der  herczoge  von  burgundien  solde  eyn  romisch 
koning  werde.  Also  meynten  die  czwene  hern  das  rieh  unnd  die 
dutezen  fursten  unnd  des  richs  stete  under  sich  zu  brengen,  unde  das 
were  alles  also  ergangen,  hette  der  koning  von  ungern  recht  unnd 
ubirhant  genomen,  unnd  das  die  poln  nicht  also  starg  gewost  weren, 
sundern  gotis  schickungo  unnd  hulffe  ist  dar  bie  gewest;  dann  hatte 
der  koning  von  ungern  gewonnen,  so  hotten  die  hern  von  missen  unnd 

•  Fehlt  In  HS.       *»  HS:  »l. 

282.  »  8.  S.  259  A.  1. 

22* 


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340 


283.  und  284.  Stuck. 


herczoge  wilhelm  deine  keysore  widder  den  von  burgundien  nicht 
v  kunst  zu  hulffe  kome.  |  So  netto  der  burgundier  grosssen  schaden  ge- 
than  deme  riebe  unnd  deme  rin  ströme;  unnd  man  sagite  ouch,  das  der 
pfalczgrave  vaste  volks  bienander  hatte  unnd  tethe  doch  nicht,  sundern 
er  besorgete  sich  vor  deme  keysere,  wann  er  was  gut  burgundisch 
unnd  hatte  den  in  das  land  bracht,  unnd  wann  der  burgundier  kolin 
unnd  nuss  gewonnen  bette,  so  bette  der  pfalczgrave  den  ryn  oben 
gancz  beslossen  unnd  hette  dann  deme  burgundier  geholffen,  also  betten 
sie  gancz  den  rin  ström  in  genomen  unnd  francfort  unnd  alle  bisthum 
unnd  graveschafft.  Do  wart  ouch  gesagit,  das  herczoge  albrecht  von 
missen  unnd  unser  herre  von  mentcz  vaste  schaden  hatten  genomen 
in  der  futterunge.-   

283.  Wy  der  herczoge  von  der  etczseh  dem 
hurgumler  grosen  schaden  thed. 

1475  Item  ufl  den  fritag  trium  regum1  anno  domini  M°  CCCC°  LXXV° 
wart  gesagit,  wie  das  herczoge  sygimunt  von  der  etczh  mit  den 
switczern2  solde  denio  herczogen  von  burgundien  hoen  burgundien 
gancz  abe  gewunnen  habe,  unnd  vil  stete  unnd  dorff  dar  zu,  unnd  er- 
slagen  habe  XIV  tusent  man  VI  hundirt  unnd  funff  unnd  sechczig  man, 
unnd  das  was  gancz  worhafttig,  unnd  der  koning  von  dennemarcken 
unnd  der  bisschoff  von  raagdeburg3  hetten  getaget  czwisschen  deme 
herczogen  von  burgundien  unnd  den  von  koln  unnd  nuss  unnd 
woldens  gerne  berieht  habo,  das  er  abe  ezoge,  unnd  was  getagit  uff 
sant  anthonius  tag,4  der*  neest  zu  kuntfftig  was,  unnd  in  deme  selbigen  ge- 
tageten  unnd  gutlichen  an  steen  hatte  margrave  albrecht b  von  branden- 
189  bürg  evtl  beer  czwisschen  |  nuss  unnd  koln  nahe  bie  den  burgundien 
geslagen,  unnd  sich  ouch  vorgraben,  das  man  die  von  nuss  nurame 
gestorme  unnd  wol  gespise  mochte. 


284.  Wy  der  hurgunder  nuss  enteil  hatte  gewonnen. 

Item  uff  den  sontag  vor  der  heiigen  drie  konigo  tag1  wart  gesagit 
anno  1475,  wie  der  von  burgundien  an  sant  steffans  tage2  zu  winachten 
von  einer  mitternacht  zu  der  andern  tag  unnd  nacht  stets  solde  also 
hart  nuss  gestormet  habe,c  unnd  hatte  on  einen  torm  ane  gewonnen 

•  Fohlt  In  ns.       »>  HS  .  albrecb.       *  HS  :  Imtto. 

*  Auch  hier  wieder  von  in c unehlicher  Nahrung,  s.  8t.  202  A.  3. 

28S.  1  D.  h.  Freitag  d.  6.  Januar  1475.  4  Im  Anfange  des  Januars  1475 
brachen  die  »Schweizer  gegen  Karl  den  Kühnen  los,  Kämpfe,  in  deren  Verlauf 
die  Tage  von  Grauson  und  Multen  liegen,  und  die  mit  dem  Tode  Karl*  l>et 
Nancy  enden.  ;|  ErzbUchof  Johannes  von  liaiern  (Pfalz-Simmernj,  1464—1475. 
4  Dienstag  den  17.  Januar  1475. 

284.  Y  1.  Januar  1475.      ?  Montag  d.  26.  Dccember  1474. 


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2Sö.  und  286.  Stück. 


341 


unnd  den  drie  tage  inne  bebalden.  Unnd  die  in  der  stad  musten  den 
torm  mit  gewalt  widder  gewinne,  unnd  vorlorn  vaste  volks  da  vor,  unnd 
worden  alle  mude,  unnd  meynten,  sie  kondes  nicht  erherte.3  Also 
wart  on  eyn  redelich  edil  man  von  deme  torme  unnd  in  denie  storme 
geworft'en,  das  man  on  vor  tod  handilte,  unnd  was  ouch  tod,  unnd  on 
lag  gross  macht  an  deme  manne.  Also  hatten  sie  den  toten  man  in 
die  kirchen  getragen,  als  villichte  ore  gewonheit  do  was,  wann  sie  in 
den  husern  wenig  zu  sulchen  Sachen  licht  unnd  andere  ding  hatten, 
unnd  hatten  den  man  gelegit  uff  das  grab  unnd  reliquien  sancti 
quirini  unnd  liesssen  den  vor  tod  lege  einen  tag,  als  wart  her  widder 
lebende,  unnd  man  meint  nicht  anders,  wann  got  unnd  der  liebe  heiige 
von  vorbethe  des  volkis  haben  da  gross  wundirczeiehen  gethan,  unnd 
ist  gancz  war. 


285.  Hy  czogen  dy  von  erffort  den  von  koln 

zu  hulffe. 

Item  uff  den  dinstag  anthonii1  czogen  die  von  erflorte  en  weg  zu 
hulffe  den  von  koln  unnd  nuss  mit  dryhundirt  unnd  XIJI1  man,  der 
waren  hundirt  unnd  dry  resigiss  geczuges  |  unnd  hundirt  drabanten,  » 
der  was  LXX  mit  armbrosten  unnd  XXX  mit  hantbuchssen,  die  andern 
gehörten  zu  den  waynen,  unnd  der  waine  wass  vicrczigk. 


286.  Wy  margrafe  albrecht  von  brandenburg  dem 

burgunder  schaden  thed. 

Item  uff  den  selbigen  tag  wart  gesagit,  wie  das  raargrave  albrecht * 
von  brandenburg  lege  nicht  ferre1  von  deme  burgundisschen  here 
unnd  hette  bie  soben  tusint  mann;  also  were  deme  burgundir1'  kernen 
LXIIII  waino  mit  spisse  unnd  eyn  kammirwain,2  unnd  da  bie  solden 
gcwest  sy  bie  VI  tusent  reisiges  geczugis,  die  hatte  margrave  albrecht 
an  gegangen  unnd  der  vil  erslayn  unnd  gefangen,  unnd  er  hatte  ouch 
vaste  schaden  genomen,  sundern  er  hatte  das  feit  unnd  die  waine  be- 
halden  unnd  uff"  dem  kammerwaine  vil  goldos  unnd  gutis  funden. 


»  H8:  albroch.      b  HS:  burgudlr. 

3  „Aushalten,  ertragen." 

285.  1  17.  Januar  1475  (St.  283  A.  4). 

2N6.  1  Wie  mhd  verre  als  Hauptform  aus  „verne'4  ent8tanden  ist,  so  steht 
auch  md  ferre  neben  „fern".  Sachlich  s.  St.  283.  3  „Kammerwagen  ist  der 
Wagen,  welcher  auf  der  Reise  die  fürstliche  Kammer  (Gewänder,  Kleinodien, 
Silberzeug  n.  s.  w.  führte"  (s.  Lexer,  mhd  Wörterbuch  s.v.). 


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342 


287.  bi*  289.  Stück. 


287.  Wy  der  biirgimder  abereynmal  nuss  hart  hatte 

gestormet. 

Item  pauli  conversionis  1  wait  gesagit,  wie  der  von  burgundieu  abir 
eins  zu  raole  hart  solde  gestormet  habe  in  deme  grossen  winde,  der 
dann  zu  raole  starg  wass  gewest  zu  der  selbigen  ezit,  unnd  er  liss 
ouch  einen  grossen  rouch  mache,  unnd  der  rouch  stunt  uff  die  stad 
nuss,  unnd  in  derae  rauche  hatte  er  gar  hart  gestormet,  - unnd  solde 
vil  volks  von  den  sinen  in  die  stad  koinen  sie,  unnd  vil  trowen  unnd 
pristere  unnd  ander  volk  in  der  stad  er  slagen  höbe,  unnd  die  in  der 
stad  ernianten  widder,  unnd  slugen  «lie  finde,  die  in  die  stad  quomen 
worn,  alle  tod  unnd  treben  sie  ouch  enteil  wedder  uss,  unnd  vil  erslagen. 


288.  Hy  wolden  dy  hern  einen  frede  machen. 

Item  man  sagite  ouch,  wie  der  koning  von  dennemarcken  unnd 
junckar  gerhart,*  einor'  von  aldenburg  gebrudere,  sich  vaste  erbeiten 
czwissohen  derae  keysere  unnd  derae  herczogen  von  burgundien  uund 
wolden  gerne  zu  frede  teydingen,  unnd  das  der  burgundier  abe  ezoge, 
also  wolde  der  burgundier  nicht,  suudorn  er  legete  brefe  unnd  iu- 
gesegelo  vor,  die  ome  unser  heiligiste  vater  der  bobist,2  unnd  unser 
gnediger  herre  der  keysor  solden  gegeben  habe,  geheisen  unnd  en- 
pfahiln,  cyn  sulches  zu  thune,  unnd  do  hin  bracht  betten.  Wie  wol  sie 
nu  sehrebeu  unnd  sprechen,  sie  weren  der  suche  nicht  recht  bericht 
unnd  widersprechen  unnd  widderschrebeu  die  gelobede  unnd  enptel- 
nisse  ome  gesehen,  dar  an  wolde  nu  er  nicht  gnug  habe,  sie  hetten  on 
da  hin  bracht,  unnd  uff  ore  gelobte  unnd  schriffte  on  gehorsam  zu 
sine,  were  er  dahin  geezogen,  sin  gut  unnd  habe  vorezehirt  unnd  sinen 
grossen  schaden  gethan;  wanne  ome  sine  grossen  koste,  czerunge  unnd 
schaden,  vorlust  siner  lute  unnd  gutis  gelegit  unde  beezalt  worde, 
danne  wolde  er  gerne  abeezicht  thun  unnd  wolde  heim  czeen. 


289.  Dy  kolner  erbeiten  sieh  sere  frede  zu  maehen. 

Item  wart  ouch  gesagit,  wie  die  kolner  derae  konige  von  denne- 
marcken X  tusent  gülden  solden  geschändet  habe,  das  er  den  frede 

*  HS:  unnd. 

287.  1  Mittwoch  d.  25.  Januar  1475. 

2S8.  1  Da  nach  St.  289  Junker  Oerhart  Graf  von  Altenberg  ist,  *o  ist  das 
„unnd  '  der  118  zu  ntreichen;  wahrscheinlich  i.-t  der  Herzog  Gerhard  II.  von  Iterg 
gemeint,  da  die  früheren  (trafen  von  llcrg  .sieh  auch  von  ,. Allenberg*'  nannten, 
nach  ihrer  Stammburg,  die  vom  Grafen  Adolf  I.  U25J  in  ein  Cistereienserkloster 
umgewandelt  wurde ;  s.  übrigens  auch  St  306  A.  4.     -  Papst  Sixtus  IV.,  147 1—1484. 


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■ 


2!.H).biK  292.  Stück.  Z4:\ 

teydingete  unnd  sich  dor  inne  muwen  solde;  das  gescheneke  solde  er 
genomen  habe,  uiind  nicht  verdienet  habe,  suudern  sich  mit  deine 
herczogen  von  burgunjdien  unnd  deme  konnige  von  engelland  vor-  v 
bunden  habe*  widder  sie  unnd  widder  das  rieh  zu  thune;  dar  unibe  solde 
on  der  koyser  unnd  den  graven  von  aldenberge,  junckar  gerhart,  ge- 
fangen habe. 

Item  etliche  sageten  ouch,  des  konniges  son  von  dennemarcken 
solde  des  burgundien  tochter1  habe,  der  vortraeht  weren  sie  eins  unnd 
nicht  widder  das  rieh  noch  die  dutsehon  fursten,  danue  also  vil  als 
das  von  sulchir  fruntsehaflt  komen  mag. 


21)0.  Von  der  grosssen  unlost  der  von  koln. 

Item  man  sagite  ouch,  das  gross  volk  zu  koln  were,  unnd  die 
kolner  leden  also  grosse  unlost  unnd  smaheit  orer  wiber  unnd  kindere, 
das  is  vordrossen  weren,  unnd  netten  kein  recht  in  oren  hussem,  unnd 
were  das  volk  von  on  uss  der  stad,  sie  geben  sieh  deme  burgundigere. 
Wie  es  dar  unibe  was,  kau  man  wol  mercken,  unnd  das  volk  lag  do 
unnd  czerten  unnd  ernten11  nichts,  die  fursten  unnd  die  stete  czogen 
abe  unnd  zu,  unnd  weren  nicht  also  eins,  als  sie  sin  solden  unnd 
(jiiemen  ouch  selber  zu  grossir  czerunge. 


291.  Wy  der  herezoge  von  burgundien  sprach, 
her  wolde  nyniandc  schade. 

Item  wart  ouch  gesagit,  der  herezoge  von  burgundien  spreche,  er 
begerte  deme  riebe  unnd  nymande  nicht  zu  thune,  sundern  er  were  do 
hin  vor  nuss  bracht  unnd  löge  do  umbo  sinen  solt;  wann  man  ome 
den  gebe,  so  wolde  er  heim  czehee. 


292.  Wy  dy  von  nuss  wedder  ore  finde  ritterlichen 

gefliehten  haben.  | 

Item  uff  den  sontag  esto  michi 1  wart  gesagit,  wie  die  von  nuss  uff" 
den  tag  sebastiani2  uss  der  stad  widder  ire  fiende  getreten  weren  uff 
den  wehirt,  unnd  hetten  mit  on  hertlichen  gefochten  unnd  gestormit 
widder  sie,  unnd  hatten  den  wehirt  widder  gewunnen  unnd  dor  inne 
er  slagen  dry  hundert  man,  unnd  hatten  on  an  gewonnen  XXX  geczelt 
unnd  I  XXX  tarres  unnd  hocken  buchsson,  VJH  slangen  buchssen  unde 

■  HS:  hatte.       b  HS:  outen. 

289.  1  Maria  von  Hurgund ,  die  «iwtere  Gemahlin  des  deutschen  Kaisers 
Maximilian  I. 

292.  1  5.  Februar  1475.      3  Donnerstag  d.  20.  Januar  1475. 


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344 


293.  und  294.  Stück. 


czwo  grosse  steyn  buchssen;3  die  hatten  sie  zu  slagen,  unnd  die  stucke 
in  den  rin  gesencket,  unnd  hatten  vaste  geczugis4  dar  uffe  gewonnen 
von  pulvere  unnd  salpetero,  swefil,  spisse,  win  unnd  brot,  unnd  hatten 
das  alles  in  ore  stad  nuss  bracht,  unnd  sie  hatten  nu  win  unnd  brotis 
gnug  czwisschir  hir  unnd  pfingisten,  sundern  on  gebrach  salcz,  fleiss 
unnd  scho,  unnd  hatten  ore  stad  gancz  innewendig  uss  gebrochen 
unnd  also  durchgraben  innewendig,  das  gross  volk  vorter'ben  niuste,  ab 
man  sie  gewunne,  das  die  graben  gofullet  worden,  unnd  sie  konden 
ouch  ufi  den  hussern  gelouffe;  item  unde  was  steine  uss  deme  heir 
geschosssen  worden  noch  deme  thurme"  der  kerchen,  die  steine  zu 
turn  als  stoub. 


293.  Hy  lagk  der  keyser  vor  der  stad  linss. 

Item  man  sagite  ouch,  das  der  keiser  zu  felde  lege  vor  der  stad 
linss  unnd  czoge  gross  volk  zu  ome,  unnd  man  vormutte  sich,  das  er 
das  gewunne  vor  invocavit,1  unnd  wann  das  gewunnen  worde,  so  hette 
v  nuss  keine  |  nod  mehir,  die  wile  das  sie  nu  den  werder  widder  hotten, 
unnd  die  von  erffort  logen  bie  unserme  hern  von  mentcze  zu  francfort 
mit  alle  orem  volke,  unnd  hatte  on  zu  gesaget,  er  wolde  on  gnug  zu 
losson  t'ure  umbe  or  gelt,  korn,  haffern,  brot,  fleiss  unnd  salcz,  unnd 
wo  der  bisschoff  blebe,  do  solden  die  von  erffort  ouch  blibe  etc. 


294.  Dy  von  linss  nomen  deme  keysere  czwey 

schiff  mit  spisse. 

Item  man  sagite  ouch,  wie  der  keiser  czwei  schiff  mit  spise,  brot, 
win  unnd  raancherleie  nodsachen  zu  franekfort  hatte  losson  lade;  die 
solden  vor  linss  in  das  heir  des  keisers;  unnd  do  die  schiff  quomen 
an  das  heir,  nicht  forne  von  linss,  des  nächtens  quomen  die  von  linss 
uss  der  stad,  wanne  worumme,  die  schiff  worden  on  vorkuntschafft, 
unnd  slugen  die  procuratores  unnd  custodes  uss  den  schiffen  tod,  unnd 
worflen  sie  uss  den  schiffen,  unnd  sncten  die  schiff  abe  unnd  Hessen 
die  Hesse  vor  die  stad  linss;  do  liefen  sie  uss  der  stad  unnd  nomen 
ullis,  das  dor  inne  was,  unnd  der  keiser  unnd  sin  volk  muste  des  en- 
peren.   Das  vor  dross  den  keiser  gar  sere. 

*  HS:  thmnc. 

1  tarrcsbuchsen  =  terrajbüchsen  =  „Festungskanonen*4,  aus  welchen  man  Stein  - 
oder  Feuerkugeln  mit  Schlagen  scho.«*«;  hockenbuchsen  sind  grössere  Handfeuer- 
waffen, die  mittels  eines  Hakens  auf  einem  Gestelle  befestigt  wurden;  slangen- 
buchten  waren  eine  Art  lange  Kanonen  (später  ^  „Feldschlangen"),  steinbuchseu 
tieschütz,  aus  welchen  SteinkugeJu  geschossen  wurden.  1  Hier  geczug  = 
kriegerische  Ausrüstung,  d.  h.  alles,  was  zuin  Gebrauche  im  Kriege  gehört  (s.  St.  44 
A.  3  u.  150  A.  11). 

2fl3.  1  12.  Februar  1475. 


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295.  und  296.  Stück. 


345 


Item  is  wart  ouch  gesagit,  das  vierunndczwenczig  man  weren 
an  der  fastnacht»1  zu  mentcz  bie  unserme  gnedigen  heru  gewest  uss 
der  stad  nuss,  die  lange  ezit  dor  inne  gelegen  hatten;  die  harten  ge- 
sagit, das  die  von  koln  hetten  die  stad  nuss  mit  spisse  unnd  manschafft 
gespiset  unnd  gesterket,  die  wile  der  werder  gewonnen  wehere,  |  unnd 
sie  worn  also  er  uss  komen  unnd  woldeu  widder  hin  in,  durch  der 
bute  willen,  wanne  sie  hetten  also  vil  gutis  in  der  stad  nuss  zu  buten 
uff  glichen  teil,  mehir  wanne  sie  vorlorn  hetten,  unnd  wehere  geldes 
unnd  gutis  gnug  in  der  stad  nuss,  sundern  spisse,  scho  unnd  tieisch 
were  gebroch  gewest,  unde  sie  hetten  mehir  gewonnen,  dann  sie  vorlorn 
hetten. 


295.  Item  von  der  stad  linss. 

Item  man  sagite  ouch,  wie  der  keiser  lege  zu  andarnach,  unnd  is 
legen  bie  vier  tusent  mannen  vor  linss,  die  hetten  on  eyn  bolwerg  an 
gewonnen  unnd  vorbrant,  do  die  von  linss  grosse  were  von  gethon 
hatten,  unnd  meinten,  sie  konden  der  stad  linss  nicht  lange  erhalden, 
sie  worden  sie  gewinne;  sundern  wolden  sich  gerne  gegeben  habe  uff 
das  letczte,  also  das  man  die  pickardien,  die  in  der  stad  worn,  unnd 
das  andere  volk  Hesse  rite  unnd  en  weg  kome;  das  wolde  der  keiser 
nicht  thun,  sundern  er  wolde  sie  rocht  unnd  mit  gewalt  gewinne,  wann 
es  thet  grosse  nod,  man  konde  den  von  koln  unnd  nuss  nicht  zu 
hulffe  kome,  man  konde  ouch  kegen  deme  herczogen  von  burgundien 
nichtis  ge  endo,  linss  muste  gewunnen  werde,  unnd  der  rin  muste  uffen 
sy,  das  man  deme  heir  konde  zu  gefure.  Man  konde  ouch  kein  heir 
umbe  koln  gemache  widder  den  herczogen,  man  muste  die  stad  linss 
vor  gewinne,  unnd  der  koning  von  dennemarcken  solde  vaste  zu 
trede  |  erbeito,  wann  er  was  sore  geneiget  uff  den  herczogen  von  bur-  v 
gundien,  also  das  omo  nicht  zu  gloubene  stunde,  wann  er  hette  zu 
brocht,  das  das  volk  zu  czoge,  so  were  der  groste  schade  komen  etc. 


296.  Hy  wart  linss  ge  spisei 

Item  uff  den  sontag  oculi 1  wart  gesagit,  wie  der  herczoge  von 
burgundien  mit  macht,  nemlichon  mit  Vin  tusent  reisigis  geczugis 
hatte  gespisset  die  stad  linss  mit  gewalt,  mit  spise,  pulvere  unnd  was 
sie  dorfften,  unnd  gesterket  mit  funff  tusent  man,  mit  einem  graven, 
der  mete  dor  inne  were  genant  eyn  grave  von  arberg,  unnd  der  keyser 
unnd  sin  volk  moynten  das  zu  werne,  unnd  vor  sogen  das,  wann  die 
burgundischen  worn  zu  stargk  unnd  der  keyser  hatte  eyn  gut  bol- 
werg gemacht  kein  der  stad  linss,  do  durch  man  meynte  die  stad  zu 

*  HS:  futnach. 

294.  1  Dienstag  d.  7.  Februar  1475. 
296.  1  26.  Februar  1475. 


Di 


346 


297.  und  298.  .Stück. 


benötigen  unnd  zu  gewinnen;  do  der  grave  obgenant  von  burgundien 
quam,  do  czoch  er  mit  macht  vor  das  bohverg  unnd  stormete  das  unnd 
gewan  das  unnd  totte  alle,  die  dor  uft'e  woren,  unnd  die  selben  worn 
gemeniclieh  von  andirnach,  als  man  sagite,  wol  bie  czwey  hundirt  man, 
die  totte  der  grave  alle:  er  )iss  on  die  kopphe  abe  houwo,  unnd  hing 
sie  enteil,  das  muste  also  des  keysers  volk  zu  sehee,  unnd  konden  des 
nicht  geweron  unnd  konden  on  ouch  nicht  zu  hirtffe  komeu;  und« 
hetten  die  burgundissehen  vordrugkt,  sie  hetten  herczogen  albrechten 
von  missen  unnd  margreflen  albrechten  von  brandenborg  mit  orem 
volke  gefangen  adir  er  slagen,  wann  sie  logen  zu  mole  nicht  rode- 
ns liehen;  enteil  woren  hie  dessit  deme  j  wassir,  enteil  do  genesit,  unnd 
nomen  ouch  schaden,  unnd  des  wart  eyn  piister  gewar  unnd  sach 
einen  grossen  hinderhalt,  der  wass  gewest  bie  fünf  tusent;  anders  were 
der  schade  ge  scheen,  das  sie  den  fursten  mit  alle  sinem  volke  gefangen 
adir  er  slagen  hetten. 

2t)7.  \Yy  dy  turcken  ezogen  uff  den  koningk  zu 

ungern. 

147*"»  Item  uff  den  dinstag  letare '  anno  domini  M'MXCC0  LXXV°  wart 
gesagit,  wie  <lie  turcken  durch  einen  nuwen  weg,  den  sie  hatten  lossen 
machen,  dorch  gross  gewelde  weren  gec/.ogen  uff  den  koning  von 
ungorn,  unnd  der  gubernator  mit  sampt  den  soben  borgen  war  des  ge- 
war unnd  vor  hew  on  den  walt  widder  binden  unnd  forne  unnd  slug 
or  fünft  unnd  drisig  tusent  tnrken  tod  in  drien  tagen,  unnd  ting  or 
viei tusent  unnd  des  turcken  son  mete,  eyn  bastart,  unde  der  turcken 
was  noch  zu  mole  eine  grosse  czal  do  hindene  gewest,  die  konden  zu 
dissen  nicht  kome,  unnd  wann  die  komen  weren,  so  weren  sie  den 
ungern  vil  zu  stargk  ge  west;  quinto  die  mareii. 


298.  Hy  wart  dy  stad  linss  ge  wunnen. 

Item  uff  den  mittewoehen  letare1  wart  gesagit,  das  linss  uö  den 
fritag  da  vor  were  erstegen  unnd  gewonnen,  unnd  hetten  die  bürgere 
gefangen  unnd  die  pickardien  unnd  burgunder  alle  getötet,  unnd  wart 
ouch  gesagit,  das  die  von  koln  hetten  nuss  gar  wol  gespiset  unnd  mit 
manschafft  gestercket,  unnd  der  herczoge  von  burgundien  stormete  sie 
noch  ynehant2  Also  quam  die  botschafft  gar  sehiro  über  achte  tage 
v  dar  noch  hie  heir  keyn  |  erfforto,  die  schreib  unnd  sagite,  das  man 

2H7.  1  Eh  ist  der  7.  März  1475,  nicht  der  fünfte,  wie  am  Ende  des  Ab- 
sehnil tes  stelrt.  Gemeint  sind  die  Kampfe  unter  König  Matthias  von  Ungarn, 
im  besonderen  tles  kraftvollen  Moldau  flirrten  Stephan  des  Grossen  Sieg  in  einer 
eingeschlossenen  Waldgegend  am  Flusse  lierlat,  durch  welchen  dem  Vordringen 
der  Türken  nach  Osten  ein  Ziel  gesetzt  wurde. 

21».  1  8.  März  1475,  Freitag  Vorher  war  also  der  3.  März  1475.     s  S.  St.  250  A.  1. 


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299.  und  30o.  Stück. 


347 


linss  uff  den  montag  nach  lctare3  hart  gestorrnet  bette,  unnd  rutere  da 
vor  ge  slagen  unnd  vaste  thorme  da  niüdirgestossen,  unnd  taten  den  in 
der  stad  also  wehe,  das  sie  die  stad  uff  den  abent  zu  vesperczit  ge- 
geben hatten  an  des  keysers  haut,  unnd  margrave  albrecht  von  branden- 
bürg  unnd  herezoge  albrecht  von  Sachsen  unnd  missen  noinon  die 
stad  in,  unnd  lieseu  die  bürgere  mit  oren  wibeu  unnd  k indem  in  die 
hirchen  unnd  kirchoff  geen;  do  bieben  sie  ubir  nacht  in  grossem 
jamer  unde  armute  unud  betrubnisse,  in  grosser  kulde,  unnd  hatten 
do  widder  zu  essen  noch  zu  trincken  noch  gebettewant ta  mit  oren 
kindern,  unnd  leden  do  grossen  f'rost,  unnd  die  obgenanten  fursten 
czogen  in  die  stad  mit  orem  here  in  die  husere  unnd  budten,1  wass 
sie  dar  inne  funden,  unde  fehelichte  die  burgundier  unnd  pickardien 
bie  funffhundirten  uss  der  stad  ezwo  mile  weges  mit  pferden  unnd 
gute  unnd  Hessen  sie  czehe.  Etliche  sagiten,  wie  wol  sie  die  rieh 
stete  solden  dar  noch  an  komen  sy,  die  sulden  sie  geplundiit  habe 
unnd  enteyl  tod  geslagen;  man  sagitc  ouch,  das  der  von  burgundien 
die  stad  nuss  uff  den  selben  tag  gar  sere  solde  gestormet  unnd  vor- 
sucht habe  von  fern5  fru  bis  widder  zu  fern  uff  den  abint;  unud  die  uss 
der  stad  hatten  gar  eyn  gut  bolwerg;  das  hatten  sie  mit  willen  ge- 
rumet;  dar  in  weren  komen  die  burgundier  unde  hatten  do  or  banir 
uff  gericht  habe  |sic]  bie  czwen  tusent,  unnd  worn  ouch  an  die  thorge 
louffen,  das  die  in  die  stad  czogen.  schere  ubir  wunden  j  worn,  unnd  er  m 
manneten  widder,  unnd  singen  dio  burgundier  uss  dor  stad  unnd  ge- 
wonnen ouch  or  bolwerg  widder,  unnd  worffen  die  burgundier  oben 
uss  mit  deme  halsse,  unnd  beilüden  do  ore  stad  ritterlichen,  als  sie  vor 
gethon  hatten.   

299.  Von  fuss  yssen  vor  linss. 

Item  man  sagite  ouch,  das  die  von  linss  hatten  vil  fuss  issen  ge- 
worffen  uuder  ore  finde;  do  lissen  des  keisers  lute,  die  do  die  stad 
stormeten,  iserne  soln  an  ore  schu  mache,  umbo  gebunden,  also  fuss  isen. 


300.  Herezoge  albrecht  von  missen. 

Item  herezoge  albrecht  von  missen  sante  vaste  volks  heim,  unnd 
das  lag  zu  erffort  bie  fünft  hundirten  uff  den  ostertag,  unnd  bichten 
unnd  communicerten  do.  Sie  sprochen  ouch,  sie  musten  wedder  umbe 
kere  adir  andere  sende  widder  an  den  rin  Etliche  sageten,  das  her- 
ezoge albrecht  obgenant  unnd  margrave  albrecht  von  brandenburgk 
czweitrechtig  worden  sin  umbo  dio  bute  zu  linss. 


3  0.  März  1475.  M  Mhd  bettewat,  stf.,  =  md  gebettewant  —  „Bettzeug, 
Bettdecke".  4  Md  buten  —  „schlafen,  zerschlagen".  •'  Mhd  vernc  (adverlu 
ist  Nebenform  zu  „verre",  —  md  fem:  (».  St.  2S(i  A.  Ii  u.  fern  —  „fern,  weit,  sehr"; 
also  hier:  „von  früh  morgens  bis  wieder  spät  auf  den  Abend". 


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348 


301.  bis  «03.  Stuck. 


301.  Wy  der  keyser  wolde  nuss  spisse. 

Item  man  sagite  ouch,  das  der  keyser  hette  lassen  mache  grosse 
flusse  zu  koln  unnd  ouch  feie  schifte,  unnd  wolde  ouch  nuss  spise 
mit  folke  unnd  was  on  nod  wehere,  unnd  die  von  koln  hatten  eyn  heir 
kegen  deine  burguudisschen  unnd  sehosssen  on  in  or  heir,  abir  sie 
mochten  on  nicht  schaden  gethu  nach  er  wehere,  das  er  nuss  nicht 
stormete,  sundern  er  spreche,  er  wolde  die  stad  nuss  ge  winne,  solde  er 
mit  alle  sinem  volke  da  vor  erslagen  werde. 


302.  Der  koning  zu  franckrich.  | 

v  Item  man  sagite  ouch,  das  der  koning  von  francrich1  korclichen 
worde  deme  keysser  zu  hulffe  kome  mit  XXXVI  tusint  mannen  wol 
geczuget,  unnd  die  switczer2  czogen  bie  XXX  tusent  in  hoon  bor- 
gundien  widder  den  herczogen  von  burgundion. 


303.  Wy  dy  von  koln  nuss  wolden  spisse,  do  worden 
sy  widder  zu  rucke  getreben. 

Item  uff  den  dinstag  post  misericordia  [sic|  domiui 1  quomen  die  kouff- 
lute  von  franckfort,  die  czogen  kein  liptz  uff  den  margt,  die  sprochen 
hie  zu  erffort,  wie  man  mit  XX] III  flusssen  unnd  achte  schiffen  uff  den 
dinstag  in  der  osterwochen2  die  stad  nuss  hatten  wolt  spissen  mit  alle 
deme,  das  on  nod  wass,  cleidunge,  saltcz  unnd  scho  etc.,  unnd  worn 
sechs  tusent  man  uff  den  flusssen  unnd  schiffen  unnd  quomen  des 
nachtes  also  nahe  uff  eine  halbe  mile  ubir  nuss;  do  quomen  die  bur- 
gundier  unnd  schosssen  zu  on  in  die  schiff,  wann  das  was  vor  kunt- 
schafft  in  das  heir,  das  die  uff  den  Aussen  unnd  schiffen  kume  das  gut 
wedder  umbe  brochten,  unnd  die  sechs  tusent  musten  uss  den  schiffen 
loufte,  in  orem  harnasche  zu  fusso  fünf!  mile  gehin  ungesson  unnd  un- 
getruncken,  das  sie  kume  engingen;  unnd  or  was  bie  fuuffhundirten 
von  mudekeit  unnd  louffen  uff  deme  felde  bieben,  die  nicht  konden  die 
stad  koln  ergehe,  unnd  weren  der  burgundier  eyn  tusent  noch  go- 
folget,  so  betten  sie  die  sechs  tusent  behalden,  unnd  die  schiff  dar  czu. 
Got  half  on  gnediglichen.  Man  sagite  ouch,  das  der  herezoge  von  bur- 
i:'*  gundien  die  |  stad  nuss  gantcz  umme  ringet  unnd  belegen  hatte,  das 
man  on  keinerleie  konde  czugefure,  widder  spise  noch  manschafit,  dann 

302.  '  Im  Mai  1475  drang  König  Ludwig  XI.  von  Frankreich  bis  vor  die 
Thore  von  Arras  vor.  -  „Bereits  im  April  1475  waren  die  Berner,  unterstützt 
von  Biel,  Freiburg.  Solothurn  und  anderen  Kantonen  an  den  Jura  geruckt  und 
hatten  Pontarlier  und  die  altberühmtcn  Festen  von  (irnnson,  Orbe  und  Irigen 
mit  grosser  Tapferkeit  erstürmt",  -  und  Herzog  Karl  lag  noch  immer  vor  Neues ! 

m.  1  11.  April  1475.      *  21.  März  1475. 


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304.  und  805.  Stuck. 


H49 


durch  sin  heir,  unnd  konde  on  ouch  nicht  wol  abegetribe,  wann  he 
hatte  eine  feste  stad  do  vor  gebuwet.  in  deme  heir,  unnd  hatte  sechs 
heir,  unnd  hundirt  mal  tusent  unnd  vierczig  mal  tusint  wolgewopentes 
volks,3  das  man  meynte,  is  muste  von  gote  hulffe  ge  sehe,  man  konde 
on  andirs  nicht  ubir  winde.  Er  sprach  ouch,  er  wolde  die  stad  haben, 
solde  er  mit  alle  sinem  volke  tod  da  vor  blibe. 


304.  Von  dem  konige  zu  franckrich. 

Item  man  sagite  ouch,  wie  das  der  koningk  von  franckrich  queme 
deme  keysere  zu  hulfte,  unnd  meynten  etliche,  ome  wehere  ouch  nicht 
alzuwol  zu  gloubon,  her  hette  gar  ubile  an  den  von  luthehe1  getan,  die 
solde  er  vorteidinget  habe;  do  halff  er  sie  gewynne,  sundern  der 
koningk  von  dennemarcken  unn<l  eyn  herezoge  von  brunswig2  toten 
grossen  fliss,  fruntschafft  unnd  tag  zu  machen  unnd  gutlich  zu  richten; 
der  burgundir  wass  abir  also  hoemutigk,  das  er  sich  nicht  wolde 
lossen  lencken. 

Item  man  sagite  ouch,  das  die  seestete  gross  volk  brechten  deme 
keysere  zu  hultfe,  unnd  den  ryn  steten  solden  ouch  vele  behenien 
komen  sin. 


305.  Dy  stad  nuss  wa#  bekümmert 

Item  das  volk  in  der  stad  nuss  was  zu  mole  sere  bekümmert,  als 
sie  das  vornomen,  die  sich  also  lange  ritterlichen  vor  sulchem  |  grosssem  * 
volke  bewart  hatten,  unnd  solden  nu  vorterben  unnd  sterbe.  Czu  der 
selbigen  czit  der  rad  in  der  stad  erffort  beweget  wart  solchs  grossen 
jammers,  bestalten  da  in  orer  stad  erftbrt  processien  zu  gehene  unnd 
messe  zu  singen,  unnd  got  zu  beten  umbe  einen  gütlichen  frede  unnd 
den  krig  zu  wenden  unnd  gutlichen  bie  gethon  worde,  unnd  das  volk 
mit  den  geistlichen  achte  tage  grossen  fliss  taten  mit  gebete,  singen 
unnd  lessen. 

Item  achte  tage  dar  noch  uff  sant  marcustag 1  wart  gesagit  vor 
war,  das  sich  der  krig  schickte  zu  gutem  frede,  unnd  were  vorhanden 

*Arge  Übertreibung!  Stolle  schöpft  aus  mündlicher  Überlieferung,  wie  er  am 
Anfange  des  Stücke»  erwähnt. 

304.  1  Schmachvoll  war  ja  auch  die  Rolle  gewesen,  welche  König  Ludwig  XI. 
bei  der  Eroberung  und  Zerstörung  von  Lütticn  i.  J.  1468  gespielt  hatte,  wo  er 
nicht  nur  Karl  den  Kühnen  mit  einein  Haufen  französischen  Kriegsvolks  unter- 
stützte, sondern  auch  selbst  Zeuge  des  heldenmütigen  Unterganges  der  tapferen 
Wallonenstadt  hatte  sdn  müssen,  t!nd  den  Herzog  zu  seinem  Erfolge  über  eine 
Stadt  beglückwünschte,  welche  er,  bar  alles  Ehrgefühles,  seinem  Kivnlen  preis- 
gegeben hatte.      *  S.'  ob.  St.  241. 

30».  1  Dienstag  d.  25.  April  1475. 


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350 


30«.  und  307.  Stuck. 


in  grosser  hoffenunge,  das  alle  orrethum  in  gutlichen  frede  gesatczt 
were;  des  was  das  volk  in  allen  landen  gar  fro.  Der  babist  durch 
czwene  legaten*  hatten  das  uff  geuoiuen. 

306,  Von  deine  keyser  uinid  den  fursten. 

1475  Item  uff  den  sonnabint  noch  ascensionis1  domini  M°CCCC°LXXV 
wart  gesagit,  wie  der  keyser  mit  sinen  fursten,  mit  den  bisschofifen 
von*  mentcz,2  triere,  bremen,  eistete  etc.  unnd  herczogen  albrecht  unnd 
raargraven  albrecht  unnd  graven  vonb  wertenberg*  unnd  vil  andere 
fursten,  graven,  rittere  unnd  knechte  weren  alle  zu  felde  geruckt  nahe 
uff  andirthalbe  mile  wegis  deme  herczogen  von  burgundien,  also  das 
sie  in  deme  here  nuss  sogen,  unnd  sie  widder  in  das  heir,  unnd  hatten 
das  heir  über  slagen  uff  volkomenheit  uff  XXX  tusint  wolgeczugites 
volkes,  unnd  man  fürte  on  gnug  zu,  unnd  die  rede  gingen,  der  koning 
»aß  von  franckjrich  queme  mit  XXX  tusint  mann,  unnd  eyn  herre  von 
lunergen,  der  were  sin  houbtman  unnd  hette  gereite  vaste  stete  her 
uss gewonnen;  so  queme  der  herczoge  von  der  etzch  mit  den  s witzern, 
der  czoge  in  ubir  burgundien  unnd  hette  bie  sechs  steten  gewunnen, 
unnd  der  keyser  schickte  in  alle  land  des  herczogen  von  burgundien, 
was  er  gewonnen  hette,  das  wolde  er  der  hirschafll  unnd  kirchen 
wedder  gebe,  unnd  was  der  herczoge  von  burgundien  ome  abe  ge- 
wonnen hette,  ouch  widder  fry  unnd  ledig  gebe;  unnd  des  was  das 
volk  fro. 

Item  man  sagite  ouch,  das  der  burguudir  gerne  sich  lesso  lencke, 
so  wolde  der  keyser  des  nicht  uff'  nerae,  er  wolde  sich  danne  in  des 
richs  gnade  gebe,  wann  er  heldit  nicht,  was  er  gereth. 

Item  eyn  herczoge,  genant  von  berge,4  hat  in  synem  lande  eyn 
eigen  heir  deme  keyser  zu  hulffe  bie  VI  tusent  man,  unnd  were  dem 
burgundir  die  spisse  uff  einen  ort  zu  zu  furne. 


#07.  Wy  Hielt  der  stete  volk  ge  slagen  hatten. 

Item  in  octava  corporis  cristi 1  wart  gesagit,  wie  sich  die  stete 
nornberg,  straspurg,  franckfort  mit  den  bremsehen  nmbe  suffenss  willen 

a  „von"  fehlt  in  der  HS.       b  „fraven  von"  fehlt  in  der  US. 

■  Besonders  wird  nl«  solcher  Alexander,  Bischof  von  Forli,  genannt. 

:$06.  1  C.  Mai  1475.  -  Ausser  dem  schon  öfters  genannten  Erzbisehof 
Adolf  II.  von  Koiwau  werden  hier  erwähnt  der  Trierer  Erzbi*chof  Johannen  II., 
Markgraf  von  Baden  (14.r>(> — 150o> ,  der  Bremer  Erzbigchof  Heinrich  III.,  Graf 
von  Schwarzburg  (1408  —  1496),  und  der  Bischof  von  Kallstadt,  Wilhelm  von 
Keicheuau  (1464-  1496).  3  Wir  haben  „Grafen  von"  ergänzt;  es  L»t  (iraf 
Ulrich  V.  von  Württemberg  (1419-14*0)  gemeint,  '  S.  St.  288  A.  1.  Gerhard  IL, 
Herzog  von  Jülich  und  Berg  regierte  von  1437  bis  1475;  ihm  folgte  in  diesem  Jahre 
Wilhelm  II.,  reg.  von  1475  bis  1511. 


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307.  Stuck. 


«51 


in  deine  heir  sero  solden  ge  slagen  habe,  unnd  mit  buchsen  geschossen, 
das  funffczig  man  tod  woren  bieben,  unnd  funffczig  Jogen  am  tode  unud 
LX  pfert  erschossen,  unnd  der  bisschoff  von  bremon  hatte  orloub  ge- 
nomen  vom  keyser,  unnd  |  der  keiser  hatte  on  doch  er  beten  zu  bliben.  v 

Item  man  sagite  ouch,  wie  der  burgundiger  gar  trotczlich  were 
gewest,  unnd  wolde  deme  keysere  in  sine  wagenburg  falle,  unnd  hatte 
gar  sere  zu  on  geschosssen,  unnd  als  der  keyser  sin  heir  slug  na  bie 
den  burgunder  uff  eine  halbe  mile  unnd  muste  sich  sin  mit  gewalt 
er  wehere,  unnd  man  konde  ome  grossen  schaden  gethun,  unnd  solde 
ouch  nuss  gar  sere  genotiget  habe,  das  sie  sich  siu  kume  uff  gehalden 
hatten. 

Item  bonifaeii2  wait  gesagit,  wie  der  keyser  gar  nahe  mit  sinem 
volke  solde  sine  wagenburg  geslagen  haben  kume  uff*  dry  armbrost 
schossse  adir  en wenig  fordir,  als  der  das  thuu  wolde,  unnd  was  vasto 
en  an  komen  unnd  wolde  die  geczelt  uff  slan,  unde  das  volk  hatte 
sinen  harnasch  uss  geczogen  unnd  stalten  sich  zu  der  erbeit,  do 
schickte  der  herczoge  von  burgundien  ein  gross  volk  zu  pferde  unnd 
zu  fusse  kegin  den  keyser,  unnd  der  keyser  wüste  des  nicht,  sundern 
als  vil,  als  die  vormercke  konden,  die  do  achtunge  dor  uff  zu  haben 
ge  schickt  warn,  die  sahen  die  burgundier  krefftiglichen  körne,  unnd 
das  geschreie  quam  in  des  keysers  heir,  das  sich  das  volk  kume 
widder  an  geczehen  konden,  unnd  der  reisige  geczug  was  zu  forderst, 
unnd  das  volk  mit  den  hantbuchsen  unnd  andern  buchsen  der  was 
bie  achte  tusent  hantbuchsen,  die  schössen  so  si«re  in  die  burgundier, 
das  sie  mnsten  wedder  kere,  unnd  schössen  gar  vil  volks  unnd  pferde 
tod.  |  Uude  dio  burgundier  hatten  ouch  so  sere  geschossen  unnd  sich  so  197 
menlich  gestalt,  das  man  des  keysers  bauir,  das  fürte  herczog  albrecht 
von  missen,  muste  nidder  lege,  unnd  niargrave  albrecht  von  branden- 
burg  brachte  kume  das  volk  widder  umbo  in  die  wainburgk,  sie  netten 
anders  grossen  schaden  genomen,  unnd  do  was  eyn  sulch  schiessen 
gewest  mit  buchsen,  das  man  meynte,  hymmel  unud  erden  wolden 
vorgehe,  unnd  die  burgundier  musten  flien,  unnd  teilten  sich  also  wid 
von  ein  andir,  das  man  sie  nicht  ge  schesse  konde.  Item  dar  nach  quomen 
zu  band  des  andern  tagis  des  burgundien  rethe  unnd  tageten  mit  deme 
keysere,  als  man  sagite;  die  worn  zu  mole  kostlich  gekleidet  gewest, 
unnd  der  keyser  wolde  nicht  tage  mit  omo,  er  czoge  dann  uss  deme 
loche,3  do  er  inne  lag  vor  der  stad  nuss;  das  beteydingete  evn  legato 
von  rorae,  das  er  dry  mile  weges  mit  otlicheme  sinen  volke  zu  rucke 
was  geczogen,  unnd  der  keyser  lag  nuss  also  nahe,  das  er  in  dio  stad 

307.  1  Donnerstag  den  l.Juni  1475.  Um  diese  Zeit  lagerte  also  das  Reichs- 
heer mit  dem  Kaiser  unter  dem  Kurfürsten  und  Markgrafen  Albrecht  von 
Brandenburg,  dem  Kcn-hsteMherrn ,  dem  Herzog  Kurl  gegenüber;  über  einzelne, 
aber  wenig  entscheidende  und  für  boide  Teile  nicht  eben  ehrenvolle  Kämpfe 
berichtet  die  Chronik  von  Wierstraat  genauer.  •  Montag  den  5.  Juni  1475. 
s  Karl  hatte  sich  mit  Keinem  Heere  „eingegraben",  um  sich  vor  den  Ausfallen 
der  Relagerten  zu  sichern. 


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852 


308.  bis  310.  Stück. 


konde  ge  seen.  Man  sagite  ouch,  das  eyn  iderman  uss  des  keysers  heir 
unnd  des  burgundiger  here  gee  unnd  rite  mochte  in  die  stad  uuss, 
unnd  were  uffen  in  einem  gutlichen  steende,4  unnd  stunt  also  uff  viti.5 
Item  uff  den  dinstag  noch  bonifacii"  wart  gesagit,  der  krig  were 
gancz  bericht  czwisschen  deine  keyserc  unnd  deme  burgundier,  unnd 
was  die  wertliche  achte  an  geet,  das  stehit  uff  deme  keysere,  unnd 
v  was  die  |  geistliche  achte  an  langet,  das  stet  uff  dem  babist 


308.  Hye  czoch  der  herczoge  von  burgundien 

zu  rucke. 

Item  petri  et  pauli 1  wart  gesagit,  is  were  getagit,  unnd  der  her- 
czoge von  burgundien  were  zu  rucke  geczogen  eine  halbe  mile  weges 
uss  syme  loche,  unnd  hatte  das  vorbrant,  unnd  sine  wagen  worn  ome 
an  den  raden  ful  worden,  das  er  nicht  konde  von  dannen  komen,  unnd 
hatte  den  keyser  umbe  waine  gebeten,  das  er  sine  buchssen  unnd 
geczelt  mochte  vorder  brenge.  Do  besorgete  der  keyser  andir  sache 
unnd  vor  sagite  ome  die  waine,  sundern  sie  logen  zu  trotcze  kein- 
enander;  der  keyser  meynte,  der  herczoge  solde  mit  erst  uff  breche 
unnd  czehen,  so  meynte  der  herczoge,  der  keyser  solde  ehir  uff  breche; 
also  stunt  iss  lange  an.  _ 

309.  Hy  czoclien  dy  uss  deme  here  in  die  stad  nuss. 

Item  wart  ouch  gesagit,  das  vil  volks  uss  des  burgundien  heir  in 
die  stad  nuss  czogen  zu  deme  lieben  heiigen  sant  quirini,  die  sich 
da  hin  gelobit  hatten,  unnd  man  schanckte  beer  unnd  win  in  der  stad, 
unnd  der  keyser  quam  ouch  in  die  stad  nuss,  die  zu  beschawe. 


310.  Hie  fürte  der  herczoge  von  burgundien  syn 

gut  enweg. 

Item  wart  ouch  gesagit,  das  der  burgundiger  hatte  vier  grossse 
schiff1  mit  feie  gutis  uss  sime  here  geladen  heim  zu  füren  unnd  uff 
zu  brechen;  dar  ubir  quomen  die  von  koln,  die  don  wehirt  inne 
hatten,  unnd  nomen  ome  die  schiff  unnd  singen  vil  lute  tod  dar  ubir, 
unnd  man  sagite  alzu  gruss  gut  XXX  mal  hundirt  tusent  gülden,  unnd 
das  selbe  gut  wolde  der  burgundier  widder  habe  adir  wolde  nicht 
wiche;  also  teydingiten  sie  dar  umbe.    Etliche  sagiten,  er  hette  die 

*  S.  ob.  St.  198  A.  26.  6  Donnerstag  den  15.  Juni  1475.  «  6.  Juni  1475. 
30*.  1  Freitag  den  29.  Juni  1475. 

310.  1  Genaueres  bietet  die  Chronik  von  Wierstraat  V.  2858  fT.  Der  Abzug 
des  Burgunders  erfolgte  am  10.  Juni,  der  Friede  am  26.  Juni  1475. 


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311.  und  812.  Stück. 


853 


vier  |  schiff  uss  sinem  lande  er  erst  lassen  breiige,  unnd  hettes  dar  umbe  i»8 
losssen  tage,  das  er  die  schiff  mit  gelde  unnd  gute  in  sin  heir  hette 
lasseD  brenge,  unnd  wan  das  gesehen  were,  so  hette  hers  nicht  lossen 
tage,  unnd  netten  die  von  koln  unnd  der  bisschoff  von  bremen  nicht 
die  schiff  uff  getreben,  es  were  mit  ome  nye  zu  richtunge  komen, 
sundern  wann  sie  die  schiff  mit  deme  gute  widder  geben,  so  wolde  er 
abe  czihe;  also  meynte  man,  man*  muste  das  gut  widder  gebe,  iss  were 
in  gutlicheit  uff  getreben,  unnd  were  unrecht  unnd  unerlich,  unnd 
musten  noch  feie  lute  tod  dar  ubir  blibe,  gebe  man  das  nicht  widder. 


311.  Hye  quomen  dy  von  erffort  uss  deme  here. 

Item  anno  domini  M°COOC°LXXVI  uff  den  dinstag  benedicti  vor  1476 
margarete1  quomen  die  von  erffort  widder  uss  deme  heir  des  keysers 
von  koln  adir  nuss,  unnd  wass  gancz  bericht,  das  der  herezoge  von 
burgundien  heim  czoch;  nimant  konde  die  warheit  erfare,  wie  is  bericht 
wart.  Der  keyser  bleib  lange  linde*  zu  kolne,  unnd  czoich  dor  noch 
keyn  ache  unnd  nuss.  Dor  noch  nativitatis  marie3  starb  der  bisschoff 
zu  mentcz,  grave  adolff  von  nassaw;  deme  solde  sin  vorgeben  gewest 
zu  franckfort;  idoch  was  er  gor  lange  krangk  gewest.  Dor  noch  wart 
zu  bisschoffe  gekorn4  grave  dither  von  isenberg;  das  hatte  der  aide 
bisschoff  begert  an  sinem  letezten  ende.  Item  in  deme  selben  jare 
starb  ouch  der  bisschoff  zu  meideburg,5  eyn  herezoge  zu  beyern,  unnd 
wart  zu  bisschoffe  gekorn  |  ein  junger  herezoge  von  Sachsen  von  * 
xnil  jarn. 

Item  dy  von  erffort  hatten  vierhundert  man  unnd  wom  ussse  an 
deme  ryne  XXVI  wochen  unnd  vor  czereten  mee  danne  XV  tusent 
gülden,  das  danne  nummer  mee  gescheen  wirt. 


812.  Von  der  vor  lost  des  herezogen  von  burgundien 
im  lande  zu  switezen  von  den  eyt  gnossen  anno 

domini  M*  CCCO  LXXVL 

Uff  den  sonnabint  noch  invoeavit1  in  der  beiigen  fasten,  als  man 
schreib  noch  cristus  geburt  tusent  vierhundirt  unnd  sechss  unnd  sobinezig, 

*  HS  ltort  nur  «tnmal  nun. 

311.  1  11.  Juli  1475.  '  „sanft,  ruhig".  »  Sonnabend  den  9.  Sept.  1475 
(8.8eptember  =  Geburt  Maria).  *  Dietrich  II.  (l)iether),  Graf  von  Isenburg, 
wurde  zum  zweitenmal  (zum  erstenmal  reg.  er  von  1459-  1461 ;  am  21.  August  d.  J. 
wurde  er  vom  Pajwte  abgesetzt)  zum  Erzbischof  von  Mainz  gewählt,  als  welcher  er 
dann  von  1475  —  1482  regierte.  6  Johannes,  Herzog  von  Bayern  (Pfalz-Simmern), 
starb  am  13.  Dezember  1475 ;  am  8.  Januar  1476  wurde  Ernst,  Herzog  von  Sachsen, 
zum  Erzbischof  von  Magdeburg  gewählt,  reg.  von  1476—1513. 

312.  1  Arge  Verwechslung  des  Chronisten!  Er  meint  die  Schlacht  bei 
Granson  (nicht  von  Nancy),  die  am  1.  März  1476  (aber  „sonnabint"  nach  Invoeavit 


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312.  Stuck. 


ist  der  herczoge  von  burgundien  vor  nanse  im  felde  gewest  mit  funffczig 
tusent  man  zu  rosse  unnd  zu  fussse,  unnd  die  eitgnosssen  haben 
gehat  bie  XX1III  tusent  man,  unnd  hatten  das  feit  unnd  vil  gutis 
behalden,  als  hirnoch  geschreben  stehit: 

Item  zu  dem  ersten  haben  die  switczer  dem  herczogen  von  bur- 
gundien  an  gewonnen  sechs  hundirt  buchsen  unnd  mehir,  item  czwey 
tusent  wagen,  item  sinen  gülden  stul  mit  sinem  geczirde  unnd  czeptor, 
wann  er  gerichte  sass;  den  stul  haben  die  von  luceme.  Item  sin 
geezelt  ist  wiss  samit  gewest  mit  edelm  gesteine  unnd  von  cipirscheme5 
golde;  das  selbe  haben  die  von  berne  in  swiczen,  unnd  haben  das 
sancto  vincencio,  orer  kirchen  houbthern,  zu  gotes  lobe  unnd  dinste 
gegeben.  Item  die  von  berne  unnd  ore  nackebur  gingen  zu  berne 
in  mit  einenundesechcig  banir,  under  den  sint  drie  banir  von  den 

»9  ubirsten  gewest  des  herczogen  von  burgundien,  ein  |  guldeniss ,  unnd 
in  deme  andern  gesticket  maria  mit  orem  lieben  kinde ;  in  deme  dritten 
was  sanctus  andreas  uff  einem  gülden  sessile  unnd  hat  sin  crucze  in 
siner  hant  mit  kostlichen  buchstaben,  unnd  die  andirn  worn  oueh  vaste 
kostlichen  mit  geczirde. 

Item  die  switczer  haben  gross  lob  behaHen  in  dissem  geschicke, 
danne  sie  worn  die  vordersten  gewest  undir  deme  volke;  der  selbigen 
sind  bie  LXXX  wunt  unnd  tod  bieben. 

Item  drye  tusent  secke  mit  haffern  ane  andere  vele  stucke  haben 
die  switczer  gewonnen.  Item  drye  tusent  czentener  pulvere,  item  czwey 
fass  mit  strengen,  da  mit  man  die  lute  an  henget,  item  czwey  tusent 
tonnen  mit  heringe,  item  vil  tonnen  mit  geroucherten  fischen,  item  vil 
ge  salczenor  fische,  dorre  fische  unnd  ehele,  item  vil'  tonnen  mit  andirn 
gesalc?en  fischen,  item  vil  stogfische,  figen,  rosin,  mandeln,  czugker, 
ane  czal,  mit  sampt  ander  spisse,  item  vier  wagen  fol  hantbogen,  item 
eyn  vass  fol  senen,  item  vil  wagen  mit  englischem  ge  schutcze,  item 
achte  tusent  stritkulben  mit  gewichte,  eine  achte  pfunt  swer,  mit  isern 
nageln  mit  bly  urabegosssen,  enteil  mannes  lang,  enteil  czweier  elbogen 
lang,  item  vil  edels  gesteins,  goldes  unnd  silbers-,  item  czwei  tusent 

▼  stucke  silbern  gefisses  uff  einem  wagen,  |  item  andirthalb  tusent  Silbers 
gefisses  uff  einem  andern  wagen,  etlichs  vor  guldet,  item  sin  credencz 
vass  unnd  gissse  vass  silbern,  da  man  ubir  die  hende  wassir  gibet, 
item  syn  grosse  unnd  deine  sigil  gülden  haben  dy  von  bern,  item  sin 
alterstein,  derwass  ge  schatczt  vor  achte  tusent  gülden,  item  sin  pitschir 
haben  die  von  basile,  item  das  messebuch,  das  in  die  Capellen  gehörte, 
was  vaste  kostlich;  das  haben  die  von  berne.  Sust  haben  sie  eyn  buch 
ouch  funden,  wie  er  pflachg  ordenunge  zu  machen  undir  vil  volkes 
reysegen  geczuges  unnd  fuss  knechten,  unnd  iglichis  besundern,  unnd 

ist  i.  J.  1477  der  1.  März,  1476  wäre  es  der  9.  März  gewogen!)  geschlagen  ist; 
die  aufgezählte  Beute  ist  die  oft  beschriebene  von  Grausen.  In  der  Schlacht  von 
Nancy  (5.  Januar  1477)  fiel  bekanntlich  Karl  der  Kühne;  nach  der  Ausführung 
weiter  unten  flieht  er  und  bestraft  dann  einige  seiner  Leute.  Der  Chronist  hat 
auch  diesen  Widerspruch  nicht  gemerkt;  s.  uuten  St.  315.      *  Gold  vonCypern. 


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312.  Stück. 


355 


ouch  wann  sie  bie  enandir  worn,  item  vil  kostlicher  gülden  unnd  siden 
unnd  wollen  tucher,  rocke,  Schüben  unnd  wammen,  der  unczelich  wass, 
item  czwene  wagen  mit  ruchem  wisssen  korschen8  wergk  mit  deme 
allirbesten  unnd  schönsten ;  item  eyn  vass  fol  kartenspei.  Item  er  hatte 
ouch  einen  fryen  mart  gehat,  da  sint  der  merer  teil  vele  kouff  lute 
gewest,  die  er  stochen  worn  in  demo  logere,  die  gross  kouffrnanschatez 
da  gehat  hatten.  Item  czwei  schiff  mit  luten  sint  in  der  flucht  under 
gegangen.  Item  die  buchssen,  die  sie  er  ubirget  haben,  die  worden 
geteilt;  item  eine  grossen  buchssen  wart  geschatczt  an  drie  unde 
drisigk  centener,  die  brachten  die  swiczer  ouch  enwegk;  item  den  von 
czorch,  basele  unnd  beru  unnd  andern  steten,  graven  unnd  hern  sint 
worden  achte  unnd  funffczig  buchsen,  |  die  wegen  dryhundirt  unnd  *°o 
soben  unnd  achczig  centener;  die  andern  alle  unnd  die  groste  bieben 
noch  ungeteilt;  item  den  von  basile  czwo  lange  buchssen,  etliche 
XII II  scho  lang,  unnd  derselben  worn  feie  ungeteilt;  item  uff  die  mitte- 
wochen  nach  gregorii4  komen  die  von  basile  widder  heim,  unnd 
brochten  mit  on  banire  unnd  fenchen  mit  gülden  buchstaben  gesticket, 
unnd  das  mererteil  hatten  sine  geselschafft  gehat,  das  was  ome  gar 
eyn  gross  vor  driessen;  item  sie  brachten  ouch  mit  on  grosse  haken 
buchsen,  die  hatten  burgundissche  schilde  dar  uff  gegosssen,  unnd  die 
groste  wass  XXXV  centener  swer  unnd  die  andern  XHII  centener; 
item  uff  den  sonnabint  dar  nach  haben  die  von  basile  eine  messe  lassen 
singe  von  unser  lieben  frawen,  unnd  haben  da  alle  geoppfert  XXIII1 
banir  unnd  fenchen,  die  sie  deme  herczogen  von  burgundien  abe  ge- 
wonnen hatten.  Item  dar  noch  quomen  breffe  von  der  stad  berne  in 
die  stad  basile,  wie  der  herezoge  von  burgundien  gefloen  was,  unnd 
hatte  die  erste  nacht  zu  wuruchen  gelegen;  uff  die  andern  nacht  hatte 
er  sich  gefuget  keyn  nazareth0  unnd  was  do  bieben  czwene  tage 
ungessen  unnd  ungetruncken ;  unnd  do  er  sin  volk  widder  zu  samen 
hatte  bracht,  do  hatte  er  etlichen  sinen  edeln  luthen  lossen  die  houbt 
abe  slaen,  darumbe  dass  sie  ome  vormalss  hatten  gesaget,  das  die  eit- 
gnossen  uss  switezen  unnd  die  duthschen  blöde,  bloss  unde  lichteclich 
zu  erworgen  weren,  unnd  J  er  rüste  sich  mechticlich  widder  zu.  Item  * 
die  von  berne  hatten  den  von  basile  unnd  andern  steten,  die  mit  in 
deme  bunde  worn,  widder  geschreben,  unnd  sich  ouch  mechtig  widder 
zu  zu  machen  widder  den  burgundier.  Item  uff  den  montag  noch 
oculiH  quomen  sie  zu  samen -mit  grossir  gewalt  unnd  ordenunge,  rat 
slag  zu  haben,  das  sie  deme  burgunder  widder  stand  mochten  ge  thun. 
Item  uff  des  herczogen  von  burgundien  siten  sint  disse  nach  geschreben 
man  tod  bieben:  item  der  herre  von  stetigen  von  fürstlichem  stamme, 
item  eyn  herre,  genant  johan  von  sigelon,  item  eyn  herre  jaeoff  von 

0  Mhd  küraen,  stf.,  —  rad  korechen,  =  „Pelz".  4  13.  April  1476.  r'  Herzog 
Karl  floh  durch  die  Jurapnaae  (Wuruchen)  und  eilte  ohne  Aufenthalt  bis  nach 
Noceroy  (Hauptort  im  gleichnamigen  Kanton  im  französ.  Departement  Jura), 
16  Std.  von  Granson  entfernt,  um  seine  zersprengten  Truppen  zu  sammeln. 
ü  lö.  März  Hm 

23* 


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856  313.  Stück. 

guete  eyn  pickardier,  item  eyn  berre  von  ilem,  eyn  mechtig  landitt 
herre,  item  eyn  herre  peter  von  hagenaw,  eyn  grave  uss  bonyt,  unnd 
vaste  vele  der  houbt  lute  unnd  edeler  sint  wunt  worden. 

Item  die  burgundier  furchten  mehe  der  swiczer  spissse  wanne  die 
bucbssen. 

Item  deme  herczogen  von  burgundien  worn  ouch  genomen  czwey 
halss  bant  unnd  sine  liberie,7  die  er  gar  hoch  geschatczt  unde  gar  un- 
gerne  vor  lorn  hatte. 


313.  Hir  folget  noch  ein  lied1  von  der  obgeschreben 
geschieht  des  herczogen  von  burgundien  etc. 

Nu  höret  da  eyn  nuwe  mer!» 
was  man  sagit  hen  unnd  her, 
unden  unnd  oben  in  den  landen, 
das  ist  allis  von  einem  manne  von  burgundien,  | 
toi  5   von  sachin  manchirhande, 

Die  er  eine  czit  begangen  hat. 
Manchir  hubischer  man  ist  bieben  [tot],b 
als  durch  sinen  mudwillen; 
nach  wil  er  nirgint  habe  rüge  nach  frede, 
10  nimant  kan  on  gestillen. 

Er  hats  in  nidder  lande  gar  wilde  gekocht, 
nu  had  er  sich  hin  uff  gemacht 
an  die  eitgnosssen  nu, 
er  hat  noch0  nicht  vil  an  on  gewonnen, 
15  sie  8etczen  ome  allis  enczeln  zu, 

Sie  haben  om  vil  landes  zu  schänden  ge  macht 
unnd  manchen  man  nidder  gelacht,2 
schier  in  einem  jare; 

•  HS:  ro«hlr  (L).    Dm  LUienkron  Verbesserungen  gemacht  bat,  ist  durch  »In  mtprevtzte* 
L  zur  bsndschrtftUcbea  Lesung  bezeichnet.       b  Zusatz  von  L.       •  IIS:  nach. 

7  ßuchersammlung;  besondere  berühmt  war  sein  Gebetbuch,  in  rotem  Sanimet 
gebunden  und  mit  Gold  und  herrlicher  Malerei  verziert. 

313.  1  Das  erste  der  zwei  Lieder  über  Karl  den  Kühnen  ist  von  R.  v.  Lilien- 
krön,  Die  histor.  Volkslieder  der  Deutschen  vom  13.  bis  16.  Jahrhundert,  Bd.  II, 
1866,  S.84— 89  nach  Stolle  auf  Grund  der  Jenaer  HS  und  der  Publikation  von 
Hesse  in  Haupts  Zeitschr.  f.  deutsch.  Altertum  VIII,  319  ff.  u.  in  s.  Ausgabe 
Stolle«  abgedruckt,  mit  manchen  Änderungen.  Wir  legen  nur  die  handschriftL 
Uberlieferung  zu  Grunde  und  bessern,  was  der  Sinn  oder  der  Reim  verlangt, 
indem  wir  Lilienkrons  Verbesserungsvoreehläge  annehmen,  wo  uns  dieselben  not- 
wendig und  richtig  erscheinen.  Nach  Lilienkrons  Vorgange  haben  wir  das  Lied 
in  Strophen  zu  5  Versen  abgeteilt,  mit  dem  Keimbilde  aa  beb;  natürlich  findet 
sich  statt  des  Reimes  oft  nur  Assonanz,  auch  unreine  Reime  sind  nicht  selten, 
die  zum  Teil  nur  bei  Berücksichtigung  der  md  Aussprache  der  Vocale  er- 
klärlich sind.      2  Mundartlich  für  niedergelegt,  d.  h.  getötet. 


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313.  Stück. 


357 


er  hat  on  irst  eyn  gross  gut  heim  gefurt 
20  in  ore  land  vorware.» 

Das  sie  seiher  nicht  konden  geholen, b 
das  rede  ich  nu  wol  unvorholen, 
sie  mochten  ome  raogeüchen8  sagen  dangk, 
doch  furchte  ich,  hetten  sie  on  bie  deme  halsse, 
25  sin  leben  were  werlich  krangk. 

Iss  ist  ge  scheen  vor  vastnacht, 
do  hatte  er  eyn  vastnach  spil  gemacht, 
von  gransee  ist  er  komen, 
da  sint  etliche  switczere  inne  gewest, 
30  die  hatten  is  vor  in  genomen. 

Wie  ers  da  hatte  gekocht  mit  on, 
sie  mochten  siner  gewalt  nicht  widderstoen,0 
sie  sind  uff  gnade  er  uss  gegangen. 
Da  hatte  er  die  fromen  lute  widder  got 
35  ertrenckit  unnd  ouch  gehangen, 

Uff  vierhundirt  adir  med; 
das  tad  den  eitgnosssen  gar  we,e 
unnd  sint  kein  welschen  numburg4  komen, 
wol  uff  czwenczig  tusent  man, 
40  als  ich  habe  vor  nomen, 

Uff  den  ersten  donrstag  in  der  vasten, 
sie  hatten  widder  rüge  nach  rasten, 

sie  hatten  zu  sammene  ge  sprochen :  v 
wir  wollen  alle  dar  umbo  sterben  tod, 
45  das  unschuldige  blud  muss  werde  gerochen. 

Dar  nach  uff  sonnabent  fru/ 
do  czogen  sie  hin  kein  fammerku«5 
vor  das  sloss,  als  ich  uch  sage. 
Das  hatte  der  herczoge  von  burgund" 
50  gewunnen  vor  an  dem  tage. 

Das  wolden  die  swiczere  widder  gewinnen. 
Vier  tusent  czogen  vort  mit  synnon, 
da  quomen  on  behende  mehir. 

»  H8:  Yorwar  (L).  *  H8:  ffehelen  (L).  «  HS:  widdcntonen  (L).  •»  HS:  mehir  (L). 
•  HS:  wehe  (L).  '  HS:  fro  (I.).  *  HS:  «untnerku  (L).  h  HS:  burffundien  vor  gewunnra: 
die  Lesung  und  Ergänzung  v.  V.  50  Ton  L. 

•  „Wie  08  recht  und  billig  ist,"  s.  H.  Riickort,  lieben  de*  heiligen  Ludwig, 
S.  139.  Das  Gegenteil  ist  „unmogelich",  s.  »St.  198  A.  41.  4  Neufchatel.  *  Vaux- 
marcus,  ein  Schlots,  das  die  Strasse  nach  Neufchatel  beherrschte,  und  das  Karl 
am  1.  März  mit  400  Schützen  unter  CJeorg  von  Rosimboz  hatte  besetzen  lassen 
(s.  Lilienkron,  a.  a.  U.  S.  "?>). 


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358 


313.  Stück 


Der  herczoge  quam*  on  engein 
55  mit  einem  grossen  heir, 

Is  was  czwo  mile  von  der  wagenborg, 
uff  die  swiczere  was  er  also  arg, 
unnd  was  on  enkein  geczogen, 
er  hatte  die  wagenborg  gerumet, 
60  unnd  hatte  sich  selben  betrogen. 

Were  er  in  der  wagenborg  bieben, 
wer  on  dar  uss  solde  haben  getreben, 
is  nette  noch  vil  lute  gekost. 
Das  her  die  wagenborgk  bette  gerumet, 
65  das  was  sine  grosse  vorlust 

Danne  er  lag  starg  unde  veste  in  sinem  lager 
unnd  hatte  eine  wagenborg  geslagen, 
unnd  die  wol  begraben  in  die  erden ; 
funff  unnd  czwenczig  tusent  manb 
70  hatte  er  gehabt  zu  pferde. 

Unde  czwei  tusent  man  zu  fuss,c 
sint  man  die  warheit  sagen  muss, 
das  warn  soben  unnd  czwenczig  tusent  man, 
hatte  er  gehabt  in  deme  felded 
75  wol  geczuget  schon," 

Der  herczoge  was  selber  mete  uff  der  fart 
unnd  sin  bruder  der  bastart 
unnd  manchir  hobischer  man, 
die  hatten  alle  gancze  krebisse  an 
80  unnd  glissen  als  eyn  spigel  schon/ 

Das  alle  die  sprechen  unnd  jehen, 
die  on  vor  nuss  haben  gesehen 
gelegen  in  deme  felde, 
2os  das  die  waginborg  |  vil  kostlicher  was 

85  von  husern  unnd  von  geczelte. 

Die  eitgnosssen  hatten  sich  dar  czu  geschieht,8 
vier  tusent  man  hin  vor  gericht 
glich  an  des  herezogen  heir; 
die  walen  sprochen:  sie  weren  alle  unsir. 
90  Des  konden  sie  sich  nicht  er  weren. 

Da  die  switezere  worden  das  heir  ansihe,h 
da  vilen  sie  nidder  uffe  ore  knye 
unnd  boten  got  den  herren, 

*  Die  HS  eine  Zeile,  Abtl*.  n.  ErgämuDg  von:  „on  ©o*cln"  nach  L.  »»  Abteilen«  nach  U 
*  HS:  fuaw*  (10.  d  Abteilung  nach  L.  «  HS:  actione  (L).  i  HS:  acbono  (L).  *  HS: 
Beschicket  vL).       "  HS:  ansehen  {!,) 


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313.  Stück. 


359 


das  er  wolde  bie  on  stehen. 
95  Der  herczoge  hatte  uff  sie  grosse  begereng.» 

Da  die  switczere  vilen  uff  ore  knye, 
da  warn  die  walen  ane  sihe,b 
sie  dochten  in  orem  mute, 
sie  wolden  sich  on  glich  er  geben  han, 
100  unDd  bieten  also  urabe  gnade. 

Der  switczere  hinderhalt  was  nicht  gross  noch  wit,e 
der  herczoge  kunlich  kegen  on  reyt 
unnd  hatte  drie  spitczen  gemacht, 
mit  trometen  unnd  grossem  ge  schrey. 
105  Nim  an  t  horte  nach  ny  grossser  gepracht 

Uff  die  viertusent  wart  er  rucken, 
die  switczere  worden  ouch  vor  sich  drucken 
unnd  hatten  sich  glich  an  sie  gewant, 
unnd  sich  so  ritterlich  gestalt, 
110  das  die  walen  gancz  worden  vor  blendt,d 

Mit  oren  langen  spiessen  unnd  hellebarten, 
wie  sie  uff  die  rutere  warten, 
wo  sie  drungen  heer, 
do  worn  die  spiesse  unnd  hellnbarten  dar 
115  or  worten  unnd  scharff  begern. 

Sie  hatten  mit  on  gemangilt  also, 
die  andern  eitgnossen  komen  vollent  dar  czu 
uff  beide  siten  in  gedrungen, 
got  hatte  on  das  glucke  gegeben, 
120  das  on  wart  der  seg  gegeben, 

Sie  hatten  die  walen  von  on  gedrungen, 
einer  ist  noch  deme  andern  |  enweg  geronnen,  • 
unnd  haben  die  flucht  gegeben. 
Wer  nicht  wol  zu  fusse  was, 
125  das  koste  ome  sin  leben. 

Sie  hatten  on  mit  rechter  macht, 
dorch  alle  sin  loger  enweg  gejagt,9 
durch  die  Wagenburg  hin  uss, 
zu  einer  siten  flouch  er  in 
130  unnd  zu  der  andern  widder  uss. 

Die  Wagenburg  lag,  nu  merket  mehe, 
czwisssen  einem  bruche  unde  einem  sehe; 
sie  mochten  uff  keiner  siten  komen  uss, 

•  HS:  b©SOTTin«o  (L).      <*  118:  »De  «che  (L).      e  HS:  wüwt  (I.).     •»  HS:  *ar  blrndet  (L). 
•  HS:  «ejftcet  (I.). 


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318.  Stück. 

danne  glich  durch  die  Wagenburg 
135  treben  sie  die  mit  gewalt  en  uss. 

So  sint  sie  alle  geflohen  hin  dann* 
unnd  haben  nichts  gebracht  da  von; 
koch,  kremer  unnd  kenczelere, 
die  haben  do  vorkoufft  ane  gelt, 
140  was  die  switczer  funden  in  dem  heir  unnd  geczelt, 

Da  haben  sie  die  mererteil  erslagen, 
unnd  die,  die  da  warn  bie  den  wagen, 
unnd  konden  nicht  entrinnen. 
Der  reisige  geczug  flouch  alles  von  dannen 
146  unnd  musten  ouch  da  hynnenb 

Gross  unsprechlich  gut  lassen6; 
des  was  vil  uss  der  mosssen, 
nicht  zu  singen  noch  zu  sagen. 
Grosser  glucke  hat  ny  keyn  man  ge  sehen 
150  bie  allen  unsern  tagen, 

Danne  das  die  swiczere  haben  gehat, 
zu  gewinnen  solch  grosssen  schätz,4 
unnd  wenig  volks  erlagen  wart, 
das  nie  keyn  man  hat  gehört  sagen 
155  bie  allen  unsem  lebetagen. 

Derne  herczogen  sint  da  tod  bieben 
sechs  hundert  man  adir  söben,« 
unnd  der  switczere  zu  der  stund 
sind  funff  unnd  czwenczig  man  erslagen  | 
160  unnd  virczig  man  wunt. 

Die  switczere  haben  da  funden  uff  deme  lagerf 
mit  namen  funffczenhundert  wagen, 
geladen  uff  alle  ore  siten, 
mit  wofifen  unnd  allem  geczuge, 
165  das  da  gehört  zu  deme  strite. 

Sie  haben  ouch  funden  hacken  buchsen,  cwene  grosse  wagen 
ouch  haben  sie  funden  uff  deme  lager« 
buchsen  pulver  hundirt  tunnen,h 
unnd  czwei  hundirt  slangenbuchsen 
170  funden  sie  ouch  zu  den  stunden, 

Drie  grosse  mechtige  houbtbuchsen  mor,' 
da  etliche  ist  sobenczig  centener  sweer, 
vil  mehir  geschutczes  unnd  wehere, 

"  HS:  danne  (L).         b  HS:  bynden.        «  n8:  lawaen.         d  H8:   ■okta«  groww«  gut«. 

«  HS:  »oben,       f  HS:  ü»««>rc  (I.).       «  HS:  Ugere.       h  HS:  tonnen.       1  IIS:  her  (L>. 


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313.  Stück. 


3«! 


das  is  nimant  vor  sagen  kan 
176  nach  vol  schriben»  die  mehere. 

Sie  haben  da  gewonnen  sechshundirt  geczelt, 
dar  inne  haben  sie  funden  an  barem  gelde 
von  silbere  unnd  von  golde, 
das  czwene  wagen  nicht  konden  getragen, 
180  sie  mochten  ome  mogelichen6  sin  gar  holde,b 

Das  er  sie  so  wol  hatte  bedacht 
unnd  on  solch  gross  gut  heimbracht, 
sie  solden  ome  bil  Lieh  nygen, 
sie  mögen  nu  wol  desto  bas 
185  herfarten  unnd  krigen. 

Sie  sint  ouch  komen   in  des  herezogen  von  burgundien 

canczelige,6 
do  haben  sie  funden  die  rechten  krige, 
grosse  silberne  kannen  unde  alle  sin  trincke  ge  scherre,d 
güldene  kannen  unnd  güldene  koppfe, 
190  der  was  vil  unnd  dar  zu  swere. 

Sie  haben  funden  einen  stul  von  silbere  unnd  goldo  rod, 
da  der  herezoge  selbest  uffe  gesessen  bot," 
platen  von  silbern  tiff  unde  wyd, 
vil  rucke  unnd  Schüben  |  von  kostlichem  gewande, 
195  von  samit  unnd  von  siden. 

Es  were  nicht  wunder,  merckt  mer!f 
das  darubir  nirgent  eyn  switezer  wer,* 
er  trüge  an  eine  sydene  Schüben. 
Were  on  der  printcz  nicht  entreten, 
200  sie  hetten  on  geslagen  durch  sine  hüben. 

Sie  haben  ouch  funden  siner  ingesegil  dry, 
grosse  bullen  unnd  brieffe  ouch  da  by, 
unnd  etliche  heimeliche  hinder  hüte, 
das  on  werlich  ruwet  vil  mehir, 
205  danne  alle  das  grosse  gut, 

Das  er  da  vorloren  hoth 
Sie  funden  eyn  banir,  das  was  von  siden  rot, 
dar  uff  gesticket  mit  clarem  golde, 
sine  wopen  unnd  alle  sine  land  dar  an, 
210  ge  czird  mit  richem  golde. 

*  nS:  vor  achriben  (L).  b  HS:  holt  (L).  0  HS:  cancselle.  d  H8:  alle  aln  trinke 
ge  schirre  unde  ktwäo  aüberno  kannen.  °  HS:  hatte  (L).  f  HS:  mehlr  (L).  *  H8: 
were  (I>).       «•  HS:  hatt«  (L). 

"  8.  oben  A.  3. 


■ 


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362  313.  Stück. 

Nimant  kan  gesagen  nach  gefacht,' 
was  der  herczoge  hat  in  disser  geschieht 
grosses  Schadens  genomen; 
man  bat  is  uff  das  geringeste  ubir  slagen, 
215  man  sagit  von  einer  sommen, 

Es  sie  drie  hundirt  mal  tusent  gülden  wert 
an  barem  silber  unnd  golde,  ane  alle  geverd,b 
ane  die  buchssen  unnd  andire  geschuteze. 
Der  printcz  hatte  die  schanteze  vor  seheen; 
220  er  hatte  sich  da  zu  hant  lassen  nuteze. 

Er  mochte  wol  sprechen  unnd  sagen: 
hat  mich  der  tufel  her  getragen 
an  die  switezere  unde  eitgnossen? 
Vor  war  er  liss  nicht  davon, 
225  unnd  solde  er  nach  eins  legen  einen  blossen. 

Sie  haben  drie  tage  unnd  drie  nacht  gelegen 
uff  der  legerstad  in  sulcher  pflege 
unnd  haben  siner  gewart c 

 nach  strites  rechte; 

230  were  er  widder  komen  uff  der  fart, 

So  wolden  sie  on  menlichen  bestan* 
m  unnd  da*  er  |  das  selbige  nicht  hatte  gethan/ 

so  haben  sie  fammerk  unnd  gransse  uss  gebrant 
unnd  haben  das  gut  heim  gefurt, 
235  kegen  switezen  al  in  das  land. 

Sie  sagen  lob  unnd  ere  deme  ewigen  got,f 
das  er  sie  behütet  hotb 
vor  sulchen  schedelichen  gesten, 
unnd  das  so  wenig  volks  ist  bieben  tod, 
240  das  duncket  mich  das  allerbeste. 

Is  wart  ny  mogelich  nach  recht, 
das  cristene  lute  mittenandere  sullen  fecht1 
unnd  vor  giesssen  das  cristenliche  blut, 
wy  wol  eine  sele  besser  ist 
245  danne  allir  der  werlde  gut. 

Wol  an,  wir  müssen  habe  gedult, 
is  ist  leider  unsir  sunde  schult, 
is  blibit  dar  bie  nicht  stan,k 
ich  furchte,  is  sie  nach  nicht  da, 
250  sie  müssen  nach  eins  dar  an. 


»  HS:  K*ticht*n  ff  ).  b  HS:  gevente  (L).  e  HS:  cewort  (U.  d  b»ben  bo»t»d  (L). 
■  HS:  dM  (W.  1  HS:  gethon  (L).  «  HS:  gote  iL).  «•  HS;  b*tto  (1.).  '  H8:  fecht«  {!•). 
*  HS:  »t»beo. 


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314.  Stück.  363 

Doch  sal  man  bitten  got  den  hern, 
das  er  die  Sache  zu  deme  besten  ker* 
noch  sinem  gotlichin  willen, 
unnd  wulle  doch  dissemb  fursten, 
255  sin  ungetruwe  gemute  stillen, 

Das  er  von  dem  mortlichen6  Irrige  lasse, 
das  so  jemraerlichen  nicht  werde  vor  gössen 
das  cristenliche  blut, 
unnd  das  das  ge  schege, 
260  das  sullon  wir  alle  bitten  got! 

Amen.  Finis. 


314.  Der  anefangk  unde  das  ende  der  geschieht  her- 
ezogen  karls  von  burgundien,  unnd  wie  das  ein  ende 
nam  trium  regum  anno  ftPCCCC^LXXVII.1  1477 

Als  man  czalte  nach  cristus  geburt  unsers  hern  vierczen- 

hundirt  sechczig  unnd  funff  jar,2 
czoch  herczog  karl  von  burgundien  gar  uffenbar, 
mit  andern  fursten  gar  mechtiglich.  | 
Ubir  den  edeln  koning  in  franckrich, 
5  also  ab  sie  on  wolden  mit  gewalt  vortriben; 
yedoch  musten  sie  on  lassen  einen  koning  bliben. 
Danne  is  wart  eine  richtunge  troffen,3 
das  eyn  idermann  heim  czoich  sloffen. 
Dar  nach  greiff  er  zu  der  heiigen  ehe4 
10  bynnen  drien  jarn  adir  enwenig  mehe. 

Uff  der  hochczit  was  hocher  schöner  frawen  tancz. 
Da  sprach  er,  er  sehe  vil  lieber  grossis  strites  glancz, 
tod  slahen  unnd  gorgiln  abe  stechen, 
stormen,  fechten,  stete  unnd  sloss  brechen, 

•  HS:  kere  (L).      b  HS:  dlaum  (U.      0  HS:  mortllcbem. 

314.  1  Am  ß.  Januar  1577  wurde  die  Schlacht  bei  Nancy  geschlagen.  —  Da» 
Gedicht  ist  in  Reimpaaren  ohne  strophische  Gliederung  mit  Versen  von  un- 
gleicher Länge  geschrieben.  Es  erzählt  Karls  des  Kühnen  ganzes  Leben,  aber 
ohne  historische  Richtigkeit.  2  Im  Jahre  1456  floh  der  si&tere  König  Ludwig  XI. 
vor  seinem  Vater  König  Karl  VII.  zum  Herzog  Philipp  dem  Guten  von  Burgund; 
es  schwebt  dem  Dichter  wohl  der  Zug  Karls  gegen  Ludwig  XL  i.  J.  1464  vor. 
a  Es  ist  der  Bund  der  Ijgue,  der  „malcontenten  Feudalherrn"  Frankreichs,  den 
Herzog  Karl  den  Kühnen  von  Burgund  mit  eingeschlossen,  gegen  König  Lud- 
wig XL  von  Frankreich  i.  J.  1465  gemeint.  *  Seine  erste  Ehe  schlosa  Herzog 
Karl  i.  J.  1454  mit  Isnbella  von  Bourbon ;  nach  deren  Tode  vermählte  er  sich  am 
2.  Juli  1468  mit  Margarete  von  York,  der  Schwester  des  Königs  Eduards  IV. 
von  England.  Es  war  ein  prachtvolles  Vermählungsfest,  das  Karl  in  Brügge 
feierte. 


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364 


314.  Stück. 


15  als  er  vormals  zu  ynohant5  hatte  gethan, 

da  nicht  bleib  eines  burgers  huss  bestan. 

Dar  nach  hatte  er  lutch6  die  grossen  stad 

gewonnen  unnd  vorbrant,* 

die  muren  gefellit,  die  lute  gesleüft 
20  unnd  ubir  czwey  tusent  swanerer  frawen  vor  sentit 

in  das  wasser  mit  schiffen,  die  liss  er  dorch  boren, 

das  die  kindertraginden  frawen  balde  ertruncken  woren. 

In  deme  czwei  unnd  sobinczigsten  jare  in  der  sommerczit, 

czoch  er  abir  in  franekrich  gar  wyet, 
25  dorch  sinen  hömut  deme  koninge  zu  nide  unnd  zu  hass, 

vor  eine  stad  genant  beonas;7 

die  tat  er  be  schiesssen  unnd  be  stormen  vast;b 

doch  muste  er  dar  von  scheiden  als  oyn  gast, 

und  czoich  in  normadie  vor  robean ; 8 
30  der  selbien  stad  gewan  er  ouch  nichts  an, 

danne  das  er  mit  vil  rouben  unnd  brande 

grossen  schaden  tat  in  deme  lande 
'    unnd  vil  unschuldiger  armer  lute  liss  toten, 

jemmerlichen  liss  martern  unnd  enelendiclich  noten, 
35  dar  meto  er  gar  grossen  grussal  den  luten  machte,  | 

das  man  sine  gewalt  daste  erschrecklichir  furchte  unde  betrachte. 

Unnd  also  sin  vetter,  der  herczoge  von  gelren,9  gehorsamlich 

zu  ome  reyt, 

do  hatte  er  on  gefangen  unnd  hart  in  gefeucknisse  geleit. 

Unde  dor  noch  sin  herczogtum  gelren  mit  heres  kraftV 
40  ubir  czogen,  gewonnen  unnd  mit  worten  zu  sinen  henden  bracht 

Dar  nach  in  deme  drye  unnd  sobinczigsten  jare 

gedachte  er  dorch  sine  hoffart  vor  wäre, 

ein  mechtiger  koning  in  frisslant  zu  werde* 

mit  ersunhunge  grossir  liste  unnd  mancherhande  geverde, 
45  deme  heiigen  romschen  richo  also  abe  czogen.' 

Da  ubir  gemerkert  wart  sine  list  unnd  behende  abtrogen.f 

Da  wolde  der  keyser  dar  in  nicht  geen  zu  triere.10 

•  Dl«  HS  teilt  V.  17  n.  18,  eben»  V.  1»  u.  SO  nicht.      *>  HS:  vacte.      •  H8  teilt  die  Veno 
39  a.  40  nicht  ab.      d  HS:  werden.      •  HS:  czofo.      f  HS:  abtragen. 

5  Rachezug  und  Zerstörung  der  Stadt  Dinant  (in  der  Provinz  Namur 
im  heutigen-  Königreich  Belgien)  i.  J.  1466.  M  S.  St.  230  A.  3.  7  Gemeint  ist 
Beauvais,  Stadt  in  der  Normandie,  welche  Karl  im  Juni  1474  vergebens  be- 
stürmte. *  Koueu.  9  Nach  den  Kämpfen  zwischen  Herzog  Arnold  von 
Geldern  und  seiuem  entarteten  Sohne  Adolf,  in  welche  Karl  der  Kühne,  der  auf 
Arnolds  Si4tc  stand,  eingriff,  erlangte  Burgund  dieses  Reich,  indem  Arnold  zu 
gunsten  Karls  i.  .T.  1473  dem  Throne  entsagte,  sein  Sohn  Adolf  aber  eingekerkert 
wurde.  Nach  Auslieferung  der  unmündigen  Kinder  Adolf*  seitens  der  von  Karl 
eroberten  Stadt  Nymwegen  wurde  die  burgundische  Herrschaft  in  Geldern  uud 
Zütpuen  überall  anerkannt.       lu  Kaisir  Friedrichs  III.  und  Herzog  Karls  von 


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314.  Stück. 


Bor  noch  in  deme  vier  unnd  sobinczigisten  jare  gar  schere 

wolde  der  burgundier  in  den  stifft  zu  koln  ouch  griffen, 
50  als  er  horte  krigis  tancz  dar  inne  pfiffen. 

Da  coich  er  mit  siner  manschafft  vor  lamperten 11 

unnd  siner  geselschafit  der  pickardien, 

auch  mit  vil  buchssen  deine  unnd  gross 

vor  die  stad  nuss,  die  er  vaste  beschoss* 
55  czu  oren  tormen,  muren  unnd  pforten, 

die  kein  ome  geslosssen  warn  an  allen  orten, 

das  er  nicht  mochte  komen  dorin, 

wie  wol  er  doch  gerne  or  herre  were  gesin. 

Er  tad  sine  hobischen  tancz  knaben 
60  tag  unnd  nacht  ane  undirlass  graben. 

Die  von  nuss  grymmeten  als  die  behern, 

die  da  widder  were  zu  tbune  begern, 

mit  hulfie  des  ediln  fursten  unnd  siner  man, 

von  hesssen  eyn  lantgrave,  genant  herman.  | 
65  Wanne  sie  is  beduchte  zu  haben  guten  fug, 

so  erslugen  sie  der  burgundier  gnngk 

unnd  werten  sich  also  gar  lauge  czit,b 

bi88  das  der  romissche  keyser  do  hin  czoich  zu  strit. 

Da  quam  eyn  legate  zu  stunt, 
70  der  erwarb  abeczehens  frunt, 

des  folgete  der  burgundier 

darum be,  das  er  gerne  in  lotringen  gewest  werc 

ubir  den  fromen  fursten,  herczogen  reynhart,12 

der  da  nicht  wolde  mit  ome  sin 

75  widder  den  keyser  uff  sinen  part, 

 a 

sundern  er  hatte  sich  getan  uß  des  keysers  sif 
unnd  in  den  dutczschen  bunt  in  geborlicher  czit. 
ÜS8  redelichen  mercklichen  Ursachen  sich  anefing 
80  unnd  durch  des  al  Im  echtigen  gotis  schick  unge  zu  gingk 
unnd  dorch  sine  gotliche  gnade  ist  in  gegossen, 
das  der  herczoge  von  osterich  ewigen  frede  hatte  beslossen 
mit  der  ganczen  gemeine  eitgnossenschaflt 
unnd  sich  ouch  mit  lobelicher  einunge  behafft 

1  H8 :  bewhoiM.     b  Randbemerkung :  ane  eeehi  Wochen  eyn  Jar.     *  HS:  were.     d  Vert  76 
fehlt  la  der  H8£.  d^Reta^der  noch^ümetellunt  von  V.  74  u.  75  verlangt),  die  auch  die  Veno 

Burgund  Zusammenkunft  in  Trier,  welche  durch  die  plötzliche  Abreise  des  Kaisers, 
am  25.  November  1478,  jäh  abgebrochen  wurde.  M  Der  Lambertu&tag  ist  der 
U.September.  Die  Belagerung  von  Neuss  begann  aber  bereits  am  29.  Juli  1474. 
Hierüber  s.  die  Bemerkungen  von  St.  226  ab,  welche  auch  das  Folgende  ge- 
nügend erläutern.  12  Kene"  II.  von  Vaudemont,  Enkel  des  alten  „Königs" 
Kene"  I.,  seit  1473  Herzog  von  Ix>thringen,  focht,  25  Jahre  alt,  in  der  Schlacht 
bei  Mutten  mit. 


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306 


314.  Stück. 


85  czu  andern  fursten,  hern  unnd  steten, 

den  der  hagenbach18  das  ore  wolde  abe  wetten, 

der  des  von  burgundien  lantvoyt  was 

unnd  regirete  uss  hoffart,  nyde  unde  hass; 

wanne  die  osterichsse  lantschaftt  was  also  vorpfant, 
90  das  man  sie  solde  in  burgundischer  hant 

die  alden  friheiten,  rechten  unnd  gewonheiten  behalden; 

dar  von  wolde  sie  der  lantvoyt  haginbach  spalden, 

mit  nuwen  funden  nuwe  recht  mache, 

95  in  dorflern,  steten  unnd  slosssen,  | 
sog  da  dorch  er  sie  hatte  allirdinge  ubir  nosssen. 

Er  wolde  ouch  mit  gewalt  den  busssen  pfenning14  han 

unnd  tad  den  frowen  person  vil  schände  unnd  laster  an. 

Erent  houbte  etliche  erbare  bürgere  ane  recht  unnd  un vorschult, 
100  die  andern  bürgere  brachte  er  zu  swerer  ungedult; 

er  machte  mit  drawen  worten  grusse  grussen 

meistern15  unnd  rad  der  stad  mulnhussen, 

so  vil  das  sie  gedachten  einen  fund, 

do  mete  sie  quomen  in  der  eitgnosssen  bunt. 
105  Czu  deme,  das  sie  in  des  pfalczgraven  bescherme  worn, 

der  hagenbach  wolde  burgundische  gewalt  da  uffenborn. 

In  dissen  sinen  hoen  freveln  worten, 

die  er  rette,  weren  babist  unnd  keyser  an  czweien  orten,b 

pfalczgrave  unnd  die  eitgnossen  an  den  andern  czweien  enden ; 
110  dannoch  muste  mulnhusen  werde  burgundisschin  henden. 

Allir  erbar  burgerschaffit  in  brysach 

under  stunt  ouch  der  lantvoyt  hagenbach 

czuzufugen  jammer  unde  nodc 

unnd  sie  alle  zu  brengen  in  den  tod. 
115  Sulchein  sinem  anslage  nochd 

quam10  in  die  selben  stad  gar  goch 

»  Vem  94  fehlt  in  der  ns  (b.  d.  Reim).      »>  IIS:  ortern.       •  HS:  noyd.       *  IIS:  nach. 

"  Den  Landvogt  Peter  von  Hagenbach  setzte  Karl  der  Kühne  über  die  vom 
Erzherzog  Siegmund  für  50000  Goldgulden  verpfändeten  österreichischen  alten  Erb- 
lande uut*  beiden  Seiten  de«  Obeirheins,  im  Eisaas  und  Sundgau,  u.a.;  der  durch 
blutige  Strenge  verhafte  Mann  endete  am  9.  Mai  1-174,  in  Breisach  von  den  er- 
grimmten Bürgern  gefangen  genommen  und  nach  kurzer,  mehr  scheinbarer  Ge- 
richtsverhandlung zum  Tode  verurteilt,  unter  dem  Beile  des  Henkers;  s.  a.  von 
Lilien  krön,  Die  Volkslieder  der  Deutschen  II,  S.  30 — 37.  "  Unter  dem 
„schlimmen  Pfennig*'  ist  die  Steuer  zu  verstehen,  welche  Hagenbach  auf  den 
Verkauf  von  Wein  und  Lebensmitteln  legte.  ir'  meister  =  Katsmeister;  der 
beschirmende  „Pfalzgraf4'  ist  wohl  der  Bischof  von  Strassburg,  Pfalzgraf  Rupert 
von  Simmern,  s.  u.  A.  27.  "'  Hagenbach  nahm  mit  seinen  meist  ausländischen 
Söldnern  Besitz  von  der  Stadt  Breisach;  es  war  dieses  ein  Schachzug  gegen 
die  im  April  1474  gegründete  sogen,  „niedrige  Vereinigung",  d.  h.  der  Bund  der 
in  der  oberrheinischen  Tiefebene  gelegenen  Städte  Mülhausen,  Kol  mar  u.a., 


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314.  Stück. 


ein  gross  reysig  gesinde; 

der  uff  satcz  wart  von  den  burgern  gemerket  gar  swinde, 

die  reysingen  knaben  worden  balde  uss  getreben, 
120  der  lantvoyt  hagenbach  ist  vor  die  orte  da  bieben, 

den  behilden  sie  unnd  wart  gefragit  ane  lachen 

von  sinen  manigfeldigen  bossen  Sachen. 

Er  bekante  siner  mortlicbin  gefecht, 

wie  er  hette  dicke  unnd  vil  erbar  bürgere  er  tötet  ane  recht.  | 
125  Andere  sine  ubiltete  warn  ouch  gar  uffinbar,  r 

darumbo  fugite  om  zu  machen  eyn  korcz  jar, 

unnd  vor  orteilte  on  umbe  sinen  tod  siag, 

das  om  sin  houbt  abe  fiel  unnd  uff  der  erden  lagk. 

Da  mete  nam  sine  bosse  gewalt  ein  ende, 
130  es  wart  ouch  da  vor  nach  anegefange  des  bundes  bellende 

deine  burgundischin  siner  pfant  schafft  losunge  vorkundigit,» 

mit  einem  herolde  in  brieffen  der  pfant  Schilling 17  gegrundit, 

wie  der  in  eine  benante  frye  stad  an  golde  rod 

were  geleyt  zu  nemen  fru  unnd  spot. 
135  Solche  lossunge  hat  der  burgundier  vor  achtet 

unnd  sich  uff  vientliche  krige  betrachtet, 

des  er  sich  dorch  die  sinen  hat  gefangen  an 

mit  kirchen  burnen,  berouben  frowen  unnd  man, 

mit  prister  beschedigungen,  kirchen,  heiigen  geezirden  zu  sehenden, 
140  mit  tod  slahen  unnd  roberigen  an  vil  enden. 

Des  halben  fursten,  hern,  stete  unnd  lande  gemeyn 

lobelichir  hoer  czoge  quomen  ubir  ein, 

da  mete  sie  ellekort18  er  ubirten 

unnd  der  burgundier  gar  vil  zum  tode  erkoberten19 
145  uff  sontag  nach  saneti  martini 

bie  deme  guten  nuwen  wini 

in  deme  vier  unnd  sobinezigisten  jare. 

Darnach  in  deme  neesten  jare  czware 

wart  geezogen  vor  gransee  unnd  lyle20 

»IIS:  vorknndlget. 

denen  sich  auch  die  Bischöfe  von  Strassburg  und  Basel  angeschlossen  hatten, 
während  kurz  vorher  durch  die  Vermittelung  des  Königs  Ludwigs  XI.  von  Frank- 
reich in  Konstanz  zwischen  Österreich  und  den  Schweizern  die  sogenannte 
„ewige  Richtung"  al »geschlossen  war:  Alles  gegen  Herzog  Karl  von  Burgund! 
S.  a.  von  Lilienkron  a.  a.  O.  S.  21  ff.  17  Die  50  000  Goldgulden,  —  s.  oh.  A.  13  — 
welche,  wie  jetzt  nach  der  Konstanzer  Übereinkunft  der  Herzog  Sieground  von 
Österreich  Karl  dem  Kühnen  meldete,  in  Basel  zur  Zurückzahlung  für  ihn  hereit 
lägen.  18  Die  Festung  H^ricourt  in  Hochburgund  (jetzt  Stadt  im  franz.  Departe- 
ment Haut-Saöne)  wurde  von  den  Sehweizern  am  13.  November  1474  (s.  V.  14-r») 
erobert;  s.  auch  von  Lilienkron,  a.  a  O.  8.  37 — 42.  „erkobern"  =  „erobern,  ge- 
winnen'', s.  St.  115  A.  14,  hier  in  etwas  and.  Sinne:  „ihnen  den  Tod  zufügten." 
"'  Lille;  Karl  kam  mit  seinem  Schwager  Konig  Eduard  IV.  im  August  1475  in 
Piquigui  an  der  Somme  zusammen. 


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368 


314.  Stück. 


150  wind  blaniunt21  gewonnen  subtile 

unnd  ouch  sust  vor  stört  andere  roubneste, 

unnd  getötet  alt  unnd  jungk  das  beste, 

biss  das  sie  die  roubhusere  alle  umbe  brechen. 

unnd  die  ubiln  bossen  gescichte  rochen.*  j 
155  Burgundischer  grosser  hömut  achte  des  alles  clein,b 

er  was  in  kritischer  ubunge  vorhertet  als  ein  steyn. 

Seiden  ymant  konde  vor  om  genessen, 

nach  deine  er  horte  den  grosssen  alexandrum  lessen, 

wie  der  alle  werlt  ubir  want, 
160  des  glichin  luste  on  ouch,  also  werden  genant, 

unnd  hatte  sich  des  ubirwindens  vormessen, 

er  hatte  abir  des  rechten  anefangis  vorgessen, 

das  er  also  eyn  mechtiger  furste  nach  cristenlichen  rechten, 

zum  ersten  widder  die  turken  helffec  fechten, 
165  die  kurczlich  in  der  keyserlichin  magistat  erblanden, 

klegelich  unnd  m ort] ich  haben  genomen  ubir  handen, 

manigis  cristen  menschen  blut  haben  vor  gössen; 

das  hat  den  burgundier  nicht  vor  drossen, 

er  hat  vil  lieber  cristen  menschen  getötet 
170  unnd  ge  schaffen  zu  toten  genotet.d 

Nu  als  der  burgundissche  herczoge  in  lotringen  czoch," 

unnd  darinne  iderman  sine  grosse  macht  noch, 

da  ergaben  sich  ome  die  lotringisschin  stete;2* 

unnd  wer  da  gerne  frede  vor  om  nette, 
175  der  ging  zu  geloben  an  sine  hant; 

da  mete  gewan  er  gar  vil  lute  unde  lant 

unnd  czoich  da  in  burgundien  vorbas, 

als  danne  siner  grosser  an  slag  was, 

czu  helffen  den  zu  sophoien 23  unnd  den,  die  om  woren  gewant, 
180  die  sich  hatten  uss  der  eitgnossen  bunde  zu  tränt, 

dar  inne  ore  eidern  unnd  sie  gar  lange  worden  gesyn; 

das  was  deme  burgundier  gar  keine 1  grosse  pin,  | 

unnd  brachte  sie  uff  sine  site; 

darumbe  czoich  er  uss  zu  strite, 

•  IIS:  rechen.        b  nS:  deine.        •  HS:  helffen.        *  HS:  genotfaret.        •  HS:  czoich. 


51  Rlümont  (jetzt  Stadt  im  franz.  Departement  Doubs),  zwischen  Pruntrut 


von  der  „niederen  Vereinigung"  erobert  (s.  von  Lilienkron  a.  a.  O.  S.  65—67), 
wurde  aber  im  Winterfeldzuge  1475—1476  von  Karl  wiedergewonnen.  **  Ge- 
meint ist  Karl««  siegreicher  lothringischer  Feldzug  im  Herbst  1475.  *s  Die 
Herzogin  Jolante  von  Savoyen  (Schwester  de«  Königs  Ludwig  XI.  von  Frank- 
reich) hielt  mehr  zu  Burgund  als  zu  Frankreich;  auch  nach  der  Schlacht  bei 
Granson  bleibt  sie  mit  Karl  dem  Kühnen  verbunden;  s.  von  Lilienkron  a.  a.  O. 


f  HS: 


S.68ff. 


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314.  Stück.  369 

•  * 

185  czu  reysen  unnd  zu  vechten, 

undo  belag  der  eitgnossen  knechte, 

vierhundirt  in  gransee'-'  bie  deine  see, 

darinne  gcschach  on  von  hungere  gar  wee,a 

das  sy  uft  sine  zu  ge  sagete  gnade  er  uss  quoraen  gegangen, 
1!>0  da  worden  sie  alle  getotit  unnd  gehangen. 

Das  ging  den  gemoynon  eitgnossen  zu  herczon 

unnd  erwugen  sich  alle  zu  lidene  totliche  smerczcn 

adir  sulche  sine  mortliche  ungnado  zu  rechen, 

unnd  hüben  an  on  unnd  die  sinen  zu  slaen  unnd  stechen 
r.)">  unnd  er  singen  mit  gotis  hulffe  vil  der  sinen  tod 

unnd  brochten  on  balde  in  fliehens  nod; 

uff  sonabent  vor  invoeavit25 

worden  gar  vil  der  sinen  ores  lebens  quyd, 

unnd  wart  ome  an  gewonnen  mit  stritis  kraftt 
200  sine  Wagenburg  unud  was  dar  inne  bleib  behaft, 

silber,  golt,  sidengewant  unnd  clenod, 

sin  ingesigil  unnd  gar  vil  dingis,  das  on  got 

also    mit  grossen   unnd    mit   deinen    buchsen  gnediclichin 

beschert,1» 

do  mete  er  sich  kegen  on  wolde  haben  gewert 
2or>  durch  sin  volk  unnd  buchsen  schicsscro, 

onch  sine  bogenere  unnd  langen  spiesscre, 

die  sich  alle  haben  da  von  ge  macht, 

da  sie  der  vil  hol'mbatten  nomen  acht0 

unnd  der  vil  switezere  lanczen,d 
210  do  lernten  sie  ouch  tlicn,  tanezon; 

doch  bleib  or  gar  vil  kleben, 

die  do  alle  vor  lorn  or  leben 

mit  erslahen  unnd  eririnoken  in  deme  sehee,  [ 

dar  nach  wart  on  abir  gelosten  mchee,  -o« 
215  der  eitgnossen  macht  zu  schowen, 

dar  umbe  was  er  kegin  losan  geezogen 

unde  hat  sich  widder  an  gerust  mit  andein  büchssen,« 

ouch  sin  ungeslagen  volk  lassen  wissen, 

er  wolle  als  eyn  fürstlicher  man 
220  andir  weit  gar  kun liehen  dar  an. 

vil  volks  mehir,  danne  vor,  ist  zu  ome  körnen, 

»  IlS  wPlie...       b  HS:  bem-Wrle.        e  HS:  «rl.t«.        d  HS:  «bmcwn.         '  HS:  buchssen. 

74  Die  Horner  Besatzung  der  Burg  Granson  wurde,  trotzdem  sie  sieh 
nach  tapferer  zehntägiger  liegen  wehr  auf  Gnade  ergehen  hatte,  vertragswidrig 
von  Karl  getötet,  teils  gehenkt,  teils  ertränkt,  am  20.  Februar  147(5,  also  am 
Tage  vor  der  Gransoiwr  ^ehlaeht,  s.  von  Lilienkron  a.  a.  O.  S.  7  J  -S4.  Das 
wäre  der  J.  März  147«,  während  der  Sehlaehttag  von  (iranson  gewöhn! ieh  am 
1.  März  14711  angenommen  wird. 

K.  Stolle«  M«wnorlnl«.  24 

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370 


314.  Stuck. 


unud  er  hat  sinen  heir  czog  widder  an  genomen. 

Vor  das  stetelin  mortin  sich  geleyt, 

der  grave  von  remond^  ist  ouch  mit  ome  bereit 

225  Mit  den  sofovern  in  das  leger  geczogen ; 
die  stad  mure  hat  sich  kegen  on  gebogen 
Von  deme  schiessen  der  grosssen  buchssen  stcvn; 
der  stad  lute  kegenwere  was  ouch  nicht  klein,* 
Biss  das  die  gemeine  der  eitgnosssen 

230  unnd  ore  zu  gewanten  sint  zu  sammene  gestossen, 

Nemelichen  des  horczogen  von  ostcrichs  sigismundis  macht, 
herczoge  reinhart  von  lodringen  hat  sich  selbir  dar  ge  acht, 
Der  ezweier  bisschoffe  unnd  stete  strassburgk  unnd  basile-'7  lute, 


235   " 

Colmar,  sletstad  unnd  andere  richstete  sumetcn  sich  nicht, 
Under  deme  volke  worn  feie  graven,  hern  unnd  edilknechte, 
die  worden  ritter  geslagcn  zu  ritterlichem  gefechte, 
FfunfT  pater  noster  unnd  ave  maria  den  wunden  cristi 

240  worden  demutiglich  gebetet  mit  geboygeten  knien 
Unnd  mit  witen  uss  gespannen  armen, 
das  sich  got  gnediclichen  wulde  über  uns  erbarmen 
Noch  siner  gotlichin  gnadin  gewonhit.0 
Amen  haben  sie  alle  frolichen  unnd  getrost  gesagit  | 

245  Unnd  sint  in  deme  namen  gotis  kegen  domo  burgundier  hin 

geczogin,d 

unnd  haben  gar  ritterlichen  dar  in  gehowin,«' 

Mit  redelichis  stritis  ordenunge  an  on  gewant, 

da  ist  er  abir  fluchticlich  dar  von  gerant. 

Doch  musten  or  ubir  vierczentusent  bliben, 
250  mit  tod  slahen  unnd  in  den  see  sich  lassen  triben, 

Uff  sonabent  der  czeentusent  ritter  tag,-*8 

als  man  tusint  vierhundirt  sechs  unnd  sobinczig  jar  czelen  mag. 

Buchsen  unnd  andirs  geczugis  gar  vil 

liesen  sie  auch  dar  uff  das  selbige  czil. 
255  Der  burgunder  gar  balde  genstf  kegen  salen29  floich; 

■  IIS:  klein©.    b  V.  234  ti.  H35  fehlen  In  der  IIS  (m  fehlt  dor  Reim  *.  V.  ISS  n.  zu  V.  >5£l 
c  HS:  gewonheit.       d  118:  geczogen.       •  IIS :  ffehauwvn.       f  II«:  goOM. 

Vi  Graf  Jacob  von  Romont,  aus  dem  Hause  Savoyen,  Jolantes  Schwager. 
Murschall  von  Burgund.  Sie  gehörten  mit  zur  „niederen  Vereinigung4*, 

«.  ob.  A.  16.  Bischof  von  Strasburg  war  damals  Rupert,  Pfalzgraf  von  Simmeni 
(1440—1478),  Bischof  von  Basel  .Johannes  V.  von  Venningen  (1458  —  1478). 
™  Sonnabend  den  22.  Juni  1476.  Uher  die  Schlacht  von  Murteu  8.  v.  Lilicnkron 
a.a.O.  S.  89  — 103.  ?''  Salins,  jetzt  Stadt  im  franz.  Departement  Jura,  daninl* 
in  dor  Freigrafschaft  Burgund  gelegen,  wohin  Karl  die  Stände  der  Freigrafschaft 
entbot,  um  Geldmittel  zur  Fortsetzung  des  Kampfes  gegen  die  Schweizer  zu 
fordern. 


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314.  Stück. 


371 


der  eitgnossen  volk  des  von  romond  laut  an  sich  czoich,* 

Unnd  czogen  or  en  teil  kein  losan, 

da  bie  fingen  die  sofoyssche  rethe  an, 

Es  zu  teydingen  widder  in  den  alden  bunt, 
2f»o  den  landen  zu  freden  ist  gar  gesunt, 

Unde  sprochen,  sie  wolden  geben,  was  sie  sohlen 

adir  was  die  eitgnossen  vorgnuglichs  haben  wolden. 

Das  wart  al  da  be  slossen  zu  friburg  in  ocht  land,30 

uff  einem  gutlichen  tage  da  seibist  zu  band, 
2»;r>  In  biew essen  des  herczogen  von  lodringen, 

der  halff  is  mit  des  konigis  reten  zum  besten  bringeu. 

Uarumbe  haben  die  lande  nu  widder  oren  frien  waudel, 

kegen  enander  mit  allen  fruntlichen  handel. 

Als  nu  der  burgundor  nach  siner  flucht 
270  ist  zu  salen  gelegen  in  stiller  czucht 

Unnd  keine  bosse  adir  hat  geroget, 

so  ist  doch  binnen  des  der  herczoge  von  lodringen  worden 

beweget, 

Dar  umbe  das  er  orae  nansee  hatte  umme  legen  unnd  vor  gehalden, 

unnd  hatte  sich  gerust  uff  ein  glucke  unde  got  walden, 
275  Das  er  nansee  die  stad,  sin  eigen  unnd  erbgut, 

widdor  mochte  brengen  in  sinis  Seibis  hud  | 

Unnd  had  das  mit  siner  buntgnossen  macht 

widdir  zu  brengen  zu  sinen  banden  geacht 

Nach  langem  leger  undo  vil  schiossen; 
2K0  das  hat  den  burgundier  wollon  vor  drissen, 

Unnd  sich  abir  be  worben  mit  allen  sinen  künden 

unnd  des  eine  grosso  czal  helffendes  volks  funden 

Uss  sinen  ubirn  unde  niddir  landen, 

die  sind  alle  körnen  zu  sinen  handen, 
285  In  sin  feit  lager  vor  nansee, 

dar  inne  ist  allir  erbarkeit  go  sehen  gar  weeb 

Mit  hungir  liden  unnd  mit  schiessen, 

müsse  hundc  unde  katczen  genyesssen, 

Ouch  etliche  tage  pferde  fleisch  musten  essen; 
290  der  burgundier  hatte  sio  so  harte  besossen, 

Das  er  sie  alle  wolde  haben  tod 

unnd  brengen  swerlich  in  Sterbens  nod. 

Er  hatte  eyn  vas  fol  strengke,0 

dar  niete  wolde  er  sie  alle  hencke, 

»  HS:  coch.       b  HS:  wie.       c  HS:  elrenge. 

30  Uechtland ,  Oiehtland ,  ehemals  Gau  in  der  Schweiz ,  zwischen  dem 
Neufchatelersee  und  der  Aar,  jetzt  meist  zum  Kanton  Freiburg  gehörend. 

24* 


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372  314.  Stuck. 

295  [unnd 81  keiner  fürstlichen  gnaden  kegen  on  nicht  gedeneke,] 
Unnd  hatte  die  gerechtickeit  gar  zu  rucke  geslagen, 
das  wolde  om  got  nicht  lenger  vortragen, 
Nemlichen  uff  sontag  der  heiligen  dry  konnige  aben,a 
on  gestrofft  mit  totlichen  gaben,b 

3(»0  Vil  bitterer,  danne  der  mirre, 

ist  sin  sele  von  sinis  liebes  geschirre 

In  wye  rauche  sinir  hochfart  hin  gefarn; 

got  wolle  mit  deme  golde  sinir  gnaden  die  sele  bewarn 

Unnd  allir  toten  libe  seien, 

305  die  siner  halben  sind  komen  in  quelenc 
In  allen  striten,  stormen  unnd  vechten, 
von  hern,  rittern,  edil  luten  unnd  armen  knechten, 
Der  er  unmossen  vil  hat  zum  tode  bracht, 
zu  solde  uff  gonomen  unnd  sie  zum  tode  ge  acht; 

310  Wanne32  er  on  oren  wochen  sold  solde  geben, 

so  schickte  er  sie  zu  stormen,  das  sie  vorlorn  or  leben.  | 
v  So  behilt  er  danne  das  selbige  gelt, 

da  mete  besserte  er  danne  abir  sin  heir  feit; 

Unnd  ouch  sonderlichen  die  in  lodringen  sint  gelegen  dar  nidder, 

315  als  er  in  stritis  wise  facht  da  widder 

Unnd  sich  hatte  mit  stritbuchscn  zu  gericht, 

zu  vol  brengen  an  der  stad  nanso  grosse  totliche  geschieht, 

Die  danne  got  der  alm echtige  gnediclichen  wante, 

unnd  gab  schickunge,  das  man  on  unvorselich  an  rante 

320  Nach  ritter  slahens  gewonheit 

unnd  nach  geborte  der  eitgnossen  bescheyt, 
On  ouch  ritterlich  unnd  fientlichen  an  greife,* 
da  was  sin  fochten  nicht  anders  dann  im  stegrefte," 
Unnd  stach  vaste  fleende  unden  mit  den  sporn, 

325  üben  was  sine  wehere  des  Stechens  gancz  erfroin; 

Nach  siner  flucht  ubir  andire  tage  unnd  stundon 

wart  er  als  eyn  armer  knecht  nackt  unnd  tod  funden, 

Danne  so  balde  sin  hofemeister,  kammercre  unnd  arezt, 
 .   _  f 

330  on  legende  an  sochen,g 

klegelichen  weinende  vor  war  sie  sprachen: 
Das  ist  unser  herro  von  burgundien  gewesen; 
der  almechtige  got  lasse  sine  sele  genessen ! 

»  HS:  abtnd.       b  HS:  «oben.       «  118:  qunlo.        d  HS:  an  Breffon.       °  IIS:  sUsgereiffe. 
•  V.        fohlt  (m  fcblt  der  Keim  tu  „arcit").       *  HS:  «*»>«n. 

31  V.295  haben  wir  a.U  unecht  eingeklammert:  in  seiner  I^eere  Rtört  er  nur 
den  Sinn;  es  wäre  auch  im  ganzen  (iediehte  das  einzige  Mal,  dass  3  Verse 
aufeinnnderreiinten.  32  8.  ob.  St.  231 ,  wo  diese  schnöde  Handlungsweise  de« 
Herzogs  auch  erwähnt  wird. 


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315.  Stück. 


0  ewiger,  gerechtir  got  in  hymmels  trone, 
335  o  koniginne  der  barmherczickeit  allir  höchste  kröne, 

Als  den  dutczen  landen  unnd  nacion, 

die  in  fruntlichom  vorbuntnisse  ston,* 

Gnedige  hulffe  von  dir  grossKch  ist  gescheen  unnd  gethan, 

das  sie  des  burgundiers  ge  walt  sint  worden  anb; 
340  Des  sagen  sie  dir  got  hoch  lob  dang  unnd  ere  gar  schon, 

alle  cristenliche  demutigen  undirthon,0 

Die  der  liebo  ewige  barmherczige  got  nuromer  wil  gelan, 

sundern  alleczit  trostlich  beschermen 

mit  gnediger  sonnen  unnd  mand  unnd  sternen,* 
345  Unde  uns  allen  helffen  zu  ewiger  selickeit, 

amen  |  sie  in  froiden  von  uns  allen  ewiglich  geseyt.  sio 

Hir  nympt  des  herczogen  von  burgundien  macht  unnd  leben 

eyn  ende, 

das  uns  got  sinen  heiligen  engil  sende, 
Der  uns  allen  beware  vor  sulchen  forsten,0 
350  die  also  nach  armer  lute  gute  unnd  blud  dorsten, 

Bisthum  unnd  richstete  meinen  undir  sich  zu  brechen, 

des  sollen  wir  got  bete  zu  rochen, 

Unnd  das  er  uns  da  vor  be  hüte  gnedielichen/ 

dar  ummo  «nllcn  wir  om  dang  sagen  ewiglichen.  —  Amen! 

Finis. 


315.  Hye  wart  der  herezoge  von  burgundien 

er  slagen. 

Anno  domini  M"  Crcc°  LXXVIl0,  als  der  herezoge  von  burgundien  1477 
vor  nanse  lag  unnd  den  herczogen  von  lod ringen  1  also  notigete,  unnd 
umnie  winaehten,  triuin  regum  vor  unnd  nach,  was  is  also  kalt  unnd 
also  ein«  kalder  winter,  unnd  also  gross  snehe,  das  deme  herczogen  von 
burgundien  vil  volks  unnd  pfert  er  frorn,  unnd  man  konde  orae  vor 
snehe  nichtes  zu  gefuren;  unnd  uff  die  selbie  czit,  als  er  starb  unnd 
er  slagen  wart,  was  vorsehelieh,  das  von  om  ykeine  wehere  gescheen 
mochte,  danne  tlien,  unnd  das  man  on  so  korcz  unvorselich  an  reyt, 
unnd  sin  heir  tet  ome  schaden,  unnd  man  vor  rante  ome  sine  Zuflucht; 
also  wart  er  erslagen. 

»  H*:  >tAii.       >•  HS:  ah«n.       «  IIS:  undlrtliAn.       J  Nach  ,U»m  Keime  crRÜDil.       «  HS: 
flirrten        '  HS;  gm-UclIch.       «  IIB:  einer. 

315.  1  Rcnd  II.,  s.  St.  314  A.  12.    Über  die  Schlacht  von  Nancy  8.  v.  Lilien- 
kron  a.  a.  O.  .S.  103  HOl». 


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374  316.  und  317.  Stück. 

316.  Von  einem  grosssen  snehee. 

Item  is  was  im  lande  zu  doringen,  hessen,  missen  unnd  am  ryne 
unnd  andern  landen  mehe  alsu  gross  snehe,  von  katetine1  au  unnd 
lag  zu  ostern,  unnd  hilt  die  lute  uff  mit  allir  arbeit  biss  nach  ostein, 
v  unnd  was  also  sere  kalt,  das  keyn  mensche  sulchir  kulde  mo  |  gedochte, 
unnd  der  snehe  was  so  gross  biss  uff  ambrosii,2  das  man  nicht  geeren* 
noch  gesewen  konde,  unnd  bieben  vil  sommerfruchte  ungesewet  biss 
noch  walpurgis.1  Is  storben  ouch  unde  vortorben  vil  schefferie  in  feie 
landen,  das  man  nicht  howes  konde  bekome;  der  rad  zu  erßbrte  vor- 
kouffte  dorch  bethe  willen  uff  das  land  den  graven  unnd  ediln  luten 
vil  howes,  etlich  fuder  vor  XX  gülden  unnd  hocher;  wan  man  is  vor 
die  stad  brachte,  so  luden  sie  uss  einen  fuder  drv  adir  vier  fuder  etc. 
1477  Item  in  deme  selben  winter  1477  an  deme  noch  tage  der  heiligen 
dry  konige,5  do  ging  ich,  conradus  stolle,  der  ditcz  ge  schrebon  hat, 
unnd  myn  bruder,  er  johann  linderbech,  beide  vicarien  sant  severi 
kirchen  zu  erffort,  gingen  zu  samene  von  erffort  in  die  heiligen  stad 
zu  roma;  do  leden  wir  solche  kulde,  das  ich  des  nicht  vor  schriben 
noch  vor  sagen  kan.  Were  des  almechtigen  gotis  hulffe  unnd  bewa- 
runge  nicht  bie  uns  gewest,  so  weren  wir  wol  tusint  mal  er  frorn, 
wann  es  was  uss  der  mosse  sere  kalt.  Do  wir  komen  uff  den  doringer 
walt,  do  was  der  snehe  tiff  biss  an  minen  gortel,  unnd  zu  unserm 
gluck  gingen  VII  waine  vor  uns  ubir  den  walt;  weren  die  nicht  ge- 
west, so  heften  wir  nicht  kont  ubir  kome,  unnd  leden  solche  grosse 
kulde,  das  is  nimautgloubet,  unnd  der  snehe  werte,  bis  das  wir  komen 
kein  romo  in  die  stad,  unnd  ging  als  wol  zu  gutem  glucke  uss,  das 
unser  keiner  krangk  noch  sich  wart,  vor  unde  noch,  unnd  gesunt 
widdir  heim  quomen  in  der  crueze wochin.6 


sn      317.  Von  deme  selmtczen  hofe,  unnd  von  den 

ingeleiten  eziddeln. 

1477        Anno  domini  M°  CCCO°  I,XXV1L°  uff  den  montag  nach  sente  jaeoffs 
tage1  unnd  die  wochen  ubir  wart  eyn  gross  schutezen  hoff  zu  erffort; 

816.  1  Montag  den  25.  November  1476.  s  Freitag  den  4.  April  1477. 
3  geern,  sw.,  „pflügen".  4  Bis  nach  dem  l.Mai  1477.  5  Am  7.  Januar  1477. 
fi  Die  Kreuzwoche  beginnt  mit  dem  Sonntag  Vocem  iueunditatis ,  d.  h.  mit 
dem  5.  Sonntag  nach  Ostern  fauch  liogate  genannt),  i.  J.  1477  also  am  11.  Mai. 
Da  in  diese  Woche  auch  Christi  Himmelfahrt  fällt,  Stolle  sie  aber  nicht  als 
datuinsbestimmcnd  erwähnt,  so  wird  er  wahrscheinlich  am  Montag  oder  Dienstag 
der  Kreuz woche,  also  am  12.  oder  13.  Mai  1477  zurückgekehrt  sein;  die  Reise 
währte  also  18  Wochen. 

317.  1  Vom  28.  Juli  bis  zum  2.  August  1477.  Das  Fest  war  eine  Erwide- 
rung für  eine  Einladung,  welche  die  Erfurter  Armbrust-  und  Büchsenschfitzen 
früher   von    den  sächsischen  Fürsten  zu  einem  „Sehutzeuhofe"  nach  Weimar 


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317.  Stück. 


375 


der  furste  herczog  wilhelm,  gesossen  zu  wimar,  unnd  grave  hoinrich 
von  swarczpurg  der  aide  mit  sinen  sonen,  grave  ernst  von  glichin, 
unnd  andere  graven  unnd  stete  im  laude  zu  doringen  quomen  keyn 
erffort,  unnd  schössen  dry  tage  in  der  leyraen  gruben  vor  deme  lower 
tore,a  umbe  X  cleynote,  silberne  bechere,  unnd  silberne  schaln;  das 
beste  was  drisigk  gülden  wert,  das  gewan  eyn  schutczemeister  czu 
erffort,  unnd  der  furste  gewan  gewant  etc.  Unde  undir  deme  schutczen- 
hofe  machten  dio  von  erfibrt  eine  frolickeit  unnd  goben  cleinote  uss; 
der  was  sechczen  silbern  bechere,  der  beste  was  czwolff  schog  wert, 
unnd  schaln,  gülden  ringe,  siden  borten,  gewant,  bocksehin,s  parchin, 
unnd  das  eyn  yderman,  wer  da  wolde,  furste,  grave,  rittere  unnd 
knecht,  burger  unnd  gebur,  frowe  unnd  mau,  knecht  unnd  raayt,  rieh 
unnd  arm,  bettelere  unnd  bettelerynne,  schillere  unnd  allirieye  fulk, 
inlendisch  adir  fromde,  mochte  in  lege  einen  nuwen  grosschen,  funffe, 
czeen,  ezwenezig,  oinen  gülden,  II  gülden,  X  gülden,  dry  adir  vier 
gülden,  unnd  ye  oine*  cziddele  losso  vor  einen  nuwen  groschen  unnd 
vor  einen  gülden  XXV  cziddeln;  unnd  also  manchen  nuwen  groschen 
eyn  iglich  mensche  gab,  also  mancho  cziddeln  machte  man,  unnd 
schreib  sinen  namen  dar  uff,  unnd  tat  die  in  ein  fass.  Also  leiten  die 
lute  vil  geldes  zu  samene,  etlicher  dry,  vier,  funff  gülden,  etlicher 
sechsse  unnd  soben  gülden,  |  die  armen  zu  nuwen  groschen  unnd  zu  t 
funff,  X,  XV,  XX  nuwe  groschen,  yderman  noch  siner  vormoge.  Also 
man  hatte  gesament,  als  man  sagete,  soben  adir  achte  hundirt  schog, 
dar  uff  machte  man  cleynote,  als  vor  geschreben  steed;  unnd  als  vil 
cziddeln,  als  man  mit  der  lute  namen  geezeichent  hatte,  als  vil  machte 
man  ungeschreben  cziddeln,  unnd  tad  die  ouch  in  eyn  vass,  unnd 
machte  danne  XVI  cziddeln,  dar  an  schreib  man  die  gewynne  unnd 
mengite  die  undir  die  ungeschreben  cziddeln,  unnd  man  band  die  vass 
üben  veste  zu,  unnd  schickte  einen  knecht,  der  da  ungelart  was,  der 
die  cziddeln  uffenborlichin  uff  deme  fisschemarte4  uff  einem  gehusse, 
das  der  rad  dar  zu  liss  mache,  uss  nam,  in  kegenwertickeit  der  rad 
hern,  die  dar  zu  geschickt  warn,  unnd  uff  igliche  syten  des  knechts 

erhalten  hatten,  wo  gie  sehr  freundlich  aufgenommen  worden  waren ;  s.  0.  Beyer, 
Geschichte  der  Erfurter  Sehützencompagnie,  in  der  Festschrift  für  das  XIII. 
Mitteldeutsche  Bundesschiessen,  1891,  S.  XII— XXIV.  2  Vor  dem  Löberthor 
in  der  sogenannten  Lehmgrube*'  (jetzt  in  dem  Terrain  vor  der  Mangoldschen 
Braueroi)  lag  damals  der  Schützenhof.  3  Buckskin,  englisch,  Bockfell, 
geköpertes  Wollengewebe ,  aus  England  nach  Deutschland  gebracht.  Der  Preis 
war  also  Tuch  zu  einer  Hose.  Auch  Barchent  (parclun)  wurde  gegeben. 
*  Der  Rat  stellte  einen  sogen.  „Glückstopf"  auf  dem  Markte  (Fischmarkte) 
in  einer  eigens  dazu  gebauten  Bude  auf;  s.  Falckenstcin ,  civitatis  Erfurt,  bist, 
crit.  et  dipL,  1730.  S.  341.  Der  „Glückstopf  war  ein  bauchiges  Thongefass,  in 
welches  die  Lose  für  kleinere  Stadt-  und  Marktlotterien  hineingeworfen  wurden, 
mit  so  engem  Halse,  dass  man  nur  lünein  greifen  konnte,  um  die  Lose  heraus- 
zuholen, ohne  sie  sehen  zu  können.  Der  „Gluckstopf*'  kam  im  15.  Jahrh.  aus  Italien 
nach  Deutschland,  zunächst  zu  gunsten  der  öffentlichen  Schiessen,  denen  auch  der 
Gewinn  zufiel.  Diese  von  Stolle  ausführlich  geschilderte  Lotterie  ist  wohl  eine 
der  ältesten  in  Deutschland,  und  als  solche  kulturhistorisch  wichtig. 


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370 


318.  Stück. 


einen  sehriber.  Unnd  eyn  iglicher  nam  von  (lerne  knechte  die  eziddeln. 
die  kegen  om  was.  uss  der  haut,  unnd  bant  die  uff,  unnd  der  schribei 
uff  den  ort,  da  die  eziddeln  mit  den  namen  warn,  der  lass  den  namci 
des  mannes,  so  sprach  der  ander  uff  der  andern  siten;  wann  er  eine 
ungeschreben  eziddeln  fant,  der  sprach:  nichts;  wanne  er  abir  eire 
eziddeln  fand,  da  ein  gewin  inne  gesehreben  was,  so  tromete  man  uff 
unnd  lass  die  eziddeln  kegen  enander;  wes  namen  man  danue  fand, 
der  gewan  das  cleynod;  unnd  etliche  hatten  vil  in  geleyt  zu  V,  V], 
VII  gülden,  die  meinten  \il  zu  gewinnen,  dio  gewonnen  nichts,  unnd 
der  allirerste,  den  man  erwuschte  an  der  eziddeln,  der  gewan  |  czwo 
gensse  unnd  eyn  pfunt  ingebers,  der  letezte  gewan  einen  gülden,  unnd 
den  gewan  eyn  stobenheiser  vor  der  langen  brücken,  der  hatte  nicht 
meher,  wann  einen  nuwen  groschen  ingeleget;  die  da  hatten  ingeleget 
V  adir  vi  gülden,  die  gewonnen  keins,  die  hatten  andirthalb  hundirt 
eziddeln  mit  orem  namen  geezeichint,  sundern  die  da  hatten  V  ad«r 
X  nuwe  groschen  ingelegit,  die  gewonnen  zu  wiln;  unnd  der  eziddeln 
was  also  vil,  das  man  fünft'  tage  dar  ubir  uss  las,  unnd  herezoge 
Wilhelm  unnd  der  von  swarezpurg  unnd  andere  graven,  rittere  unnd 
knechte  hatten  vaste  in  geleget,  sie  gewonnen  abir  keins,  unnd  manch 
mensche  leite  gelt  in,  dinstboten,  Studenten,  bettelere,  sulden  sie  sust 
einem  rate  einen  pfenning  gegeben  habe,  des  betten  sie  nicht  gethan: 
unde  eyn  rad  er  ubiriete  etwas  ubir  die  kost  des  schotschen  hofes,5 
unnd  der  forste  hatte  des  ge  lacht  nach  der  ge  schiebt,  da  er  nichtig 
gewan,  unde  gesprochen:  die  von  erfforte  siut  beschide  lute,  sie 
sehatezen  nymandis  nach  nemen  keinen  behern  in  orer  pflege,  sundern 
die  lute  geben s  on  williclieh,  unnd  sie  nemens  von  mir  unnd  yder- 
man,  der  on  das  gibet;  unnd  was  ome  gar  lechcrlieh  gowest,  unnd 
einer  solcher  kortewile  geflachte  keyn  mensche  mee  zu  erffbit.  Dar 
ubir  warn  geschiekit  ezwene  burgire,  die  das  gelt  in  uomen  von  den 
luten  unnd  lissen  dio  cziddiln  sehribin,  unnd  wann  einer  einen  gülden 
in  leite,  deine  schreib  man  zu  XXV  eziddeln  mit  synem  namen;  gab 
er  |  ezwene  gülden,  so  hatte  ei  funll'czig  eziddeln  etc.  Unnd  von  des 
ratis  wegen  warn  geschieket,  als  man  die  eziddeln  uss  las,  er  her- 
bote  von  der  niariüen,  unnd  er  herman  bruekslegel. 

Fiuifi. 

318.  Wie  das  juu^e  volk  lieff  zu  deine  heiligen  blute 
zu  der  welssnaeht 1  da  genesit  meide)»  urgk. 

Als  man  schreib  nach  cristus  geburt  tusent  vierhundirt  unnd  funfl' 
;>  unnd  sobinezigk,  da  hub  sieh  eine  windeiliehe  geschieht  in  der  woehen 

*  Kaum  verständlich;  »1er  „schotsehe  hui  "  ist  der  Sehützenhof,  das  Schützen- 
fest. l>er  Hat  nalmi  mehr  durch  den  „(ilüekstopf'  ein,  als  ihm  die  lieköstigutig 
der  fremden  Schlitzen,  namentlich  des  Herzogs  Wilhelm  von  Weimar,  kostete. 

:{|S.  1  Wilsnack,  Städtchen  im  preußischen  Kreis«-  Wcstpriegnit./.  (liegbez 
lir:i!-deuhiir«r\  durch  ,,das  heilige  Klüt"  bekiinnt,  s.  St.  H'S  A  21. 


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318.  Stück.  377 

nach  sente  johans  tage  baptiste  im  lande  zu  doringen,  francken,  hessen, 
missen  nnnd  andern  landen,  das  die  jungen  lute,  knaben  unnd  junc- 
t'rawen,  czwissehen  czwcnczig  unnd  achte  jaren,  zu  male  kleine  kindere 
zu  deme  heiigen  blute  Heften,  ane  gelt,  ane  wissen  dor  eidern,  die  sust 
nicht  uss  deme  husse  hetten  gegangen  ane  geheisse  der  eidern,  fromer 
lute  kindere  unnd  wol  geczogen,  dinst  boten,  meydo  unnd  knechte, 
lissen  ore  cleydere  unnd  was  sie  hatten,  unbewart,  unnd  konden  des 
nicht  zu  houöo  breiigen,  sundein  Hessen  stehe  unnd  lie,  was  da  was, 
unnd  Hoffen  ore  Strassen,  also  das  or  dicke  unnd  \il  czwey  adir  dry- 
hundirt  an  einem  huffin  ging,  unnd  sungen  leyssen2  unnd  hatten 
banir,  unnd  sprochen  enteil,  on  ginge  evn  rot  crucze  vor:  dio  kindere 
entließen  mit  gewalt  oren  eidein,  die  tochtere  oren  muUern,  das  die 
muttero  nach  folgeten  weyneude  unnd  sehnende  unnd  konden  der  |  kin- 
(lere  nicht  er  halde;  unnd  wanne  man  sie  in  sporrete,  so  worden  sie 
unsynnig,  unnd  wann  sie  is  an  quam,  so  hüben  sie  an  zu  weynen, 
wie  gross,  wie  alt,  wie  cleino  sie  worn,  unnd  begunsten  zu  czetterne, 
als  die  das  kaldes  haben,  das  sie  nicht  ge  sprechen  konden,  unnd 
weinten  aJso  lange,  biss  das  sie  uss  den  husern  quomen  uff  den  weg, 
unnd  eutlieffen  den  luten  mit  gewalt;  unnd  als  balde,  als  sie  an  quam, 
als  balde  Heften  sie  ore  Strasse,  barfuss,  halbnackt,  in  hemden,  in 
ketteln,  barhoubt,  ane  gelt,  ane  brot  unnd  ane  alle  vorsichtickeit;  unnd 
wann  das  osssen  uff'  deme  tissche  stunt,  das  man  soldo  essse,  unnd  sie 
nach  nuchlim  warn,  nach  so  Helfen  sie  enweg  ungesssen,  unnd  man 
mochte  or  in  keinewisse  behalde;  undir  hundirt  behilt  man  kume  ein 
mensche,  das  man  ubir  rette;  man  fürte  sie  zu  der  bichte,  die  bicht 
vetere  konden  or  nicht  ubir  rede.  Czu  wilen  quam  is  kume  ein,  das 
sich  liss  bedutß.  Uss  der  stad  arnstete  Heften  driehundert  unnd  XXI III 
kindere,  schillere,  meydiehen  unnd  knechtchen,  unnd  der  Schulmeister 
ging  mit  den  schulein,  unnd  darnach  die  knaben,  zu  Ietczt  die  mey- 
dichen, unde  warn  enteil  also  deine,  das  man  nicht  getruwete  eine 
mite  weges  zu  geliene;  nach  Herten  sie  da  hin  unnd  gingen  gliche  serc. 
enteil  Heften  tag  unnd  nacht,  unnd  is  reinte  also  sere  an  sente  peter 
unde  pawels  abinde  unnd  die  nacht,  nach  als  |  iss  am  allirseresten  ▼ 
reinde,  wilche  is  anquam,  die  hüben  sich  unnd  Heften,  unnd  trageten 
nicht  nach  deme  reyne.  Ttem  uss  tenstete 1  Heften  uft'  eyn  mol  vier 
unde  drisig  kindere,  unnd  uss  allen  steten  unnd  dornen ,  unnd  des 
dingis  wart  also  vil,  das  der  rad  zu  erftort  unnd  die  geistlichen  lichtere 
lissen  gebeten  zu  erftorte,  iss  sohle  nymant  ane  loube  synis  pferners 
unnd  ane  bichte  geen;  abir  man  f'ragite  wening  dar  nach.  Manch  man 
m uste  umbe  siner  kinder  willen,  manch  frowe  umtue  orer  tochtere 

-  Mhd  Iris,  leise  —  md  levsse  (aus  kyrie  eleison),  stswm.,  später  allgemein 
„geistlicher  Volksgesanir'  im  Mittelalter.  '  Jas  kalde,  z.  erg.  \ve  -  „Krankheit', 
das  „kalte  Fieher*',  s.  I  I.  Kiiekert,  Leben  des  heiligen  Ludwig,  S.  40:  .,do  bestunt 
den  «-dein  l'ürstin  »Ii  grt^e  krankheit  di  man  nennet  daj  kalde,  zu  latine  di 
febres"  (s.  ebenda  S.  12'»).  '  Tennstedt,  Städtehen  im  preussischen  Kreise 
Langensalza  (Kegbez.  Erfurt). 


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318.  Stück. 


willeu,  dicke  unnd  vil,  der  man  uinbo  der  frowen  willen  da  hin  louffo. 
Item  sechswoehcn  frowen  mit  kindern,  item  manch  junge  frowe  hatte 
funff  atlir  sechs  kindere  da  heime,  die  liessen  sie  alle  uubesorget  unnd 
unbestalt  unnd  Heften  da  hin,  fie,  kuwe  unnd  schoff,  huss  unnd  hofl 
Hessen  sie  unbestalt  stee,  unnd  Heften  von  dem  felde,  von  den  pflügen, 
von  dorne  weite,''  vom  grasse;  die  knaben,  die  der  pferde  hutten,  die 
hatten  ore  ezoyme  an  oren  helssen  unnd  Heften  da  hin,  unnd  etliche, 
die  uff  dorne  felde  füren,  die  liessen  waine  unnd  pfert  steen'unnd 
ließen  oro  strosse;  item  is  hatte  eyn  man  zu  erffort  weit  vor  kouü't, 
unde  die  kindere  von  arnstete  gingen  durch  hin,  dogab  er  den  kinderu 
einen  grossolien  zu  spisso  unnd  liss  pfert  unnd  wain  stehe  unnd  ließ 
meto,  unnd  hatte  eyn  par  nuwer  sehe  gekouilt,  die  Hess  er  uft  deine 
wayne  üen.  Item  dinste  knechte  unnd  meyde,  |  unnd  wanne  man  sich 
aJ lir  mynst  vor  sach,  so  quam  sie  das  an,  unnd  begunsten  zu  weineude 
unnd  lieffen  ore  Strasse.  Enteil  sageten  nymande  nichts  unnd  liessen 
all  is  stehe  unnd  üen,  was  sie  hatten.  Item  uss  dorne  lande  zu  franckeu 
bio  koburg  adir  bobinberg  quomen  or  uss  einem  dorffe  bie  XXX,  die 
hatten  zu  tage  unnd  zu  nacht  achezen  mile  wegis  gegangen  unnd  ouch 
banir,  eine  monstrancien  dar  uff  gemalet.  Item  die  von  arnstete  hatten 
einen  adiler  in  orem  banir;  unnd  nyniant  gesellete  sich  mittonander 
zu  gene,  sundern  wann  sie  uff  die  Strasse  quomen,  so  quomen  on  ge 
seischafft  gnug  zu.  Item  undir  wegen  goben  on  die  lute  essen  unnd 
trinckon  al  sad;  wer  nicht  gelt  hatte  zu  vor  czerne,  der  bettelte,  so 
wart  ome  sad,  unnd  sie  konden  ouch  des  oren  keinsrt  gebruche  nach 
zu  sammende  gelessen;  das  was  gar  eyn  w  inderlich  ding.  Item  die 
wissen  ge  larten  doctores  meynten,  es  were  eyn  iutloss  des  hymmels, 
den  luten,  die  der  complexien  wern.7  Etliche  meynten,  es  were  nicht 
gut,  is  queme  von  deme  bossen  geiste.  Etliche  meinten,  is  were  von 
gote  eyn  ingeben  unnd  eyn  wunderwerg,  also  das  die  lute  zu  wilen 
sere  czweitrechtig  worn.  Item  die  wiessen  zu  erffort  goben  also  vor, 
das  man  der  selbien  lute,  dio  also  lieffen,  keinen  solde  in  lossen  zu 
den  stad  thoren,  wann  worumme,  man  meynte,  wann  die  kindere  unnd 
dio  lute  das  volk  also  seen  louffo,  so  worden  sie  ouch  dar  zu  geneyet 
der  geselschafft  unnd  lieffen  dann  ouch  meto;  unnd  das  |  fant  sich  ouch 
an  der  worheit  also,  unnd  uff  deme  lande  uss  allen  dorffen  lieffen  sie 
also  wol,  als  uss  den  steten.  Item  mau  sagite  ouch,  das  vil  grosir 
louffte  were  de  partibus  stagnantibus*  da  hin,  wann  is  lieffen  kindere, 
die  nach  nicht  gebeten  konden,  unnd  die  frawen  trugen  sie  mete  unnd 
wüsten  ouch  nicht,  was  das  heiige  blud  was,  unnd  wüsten  ouch  nicht, 

5  Waid,  eine  Farbcpflanzo,  welche  schön  blau  (auch  grün)  färbt  und  damals  l>ei 
Erfurt  viel  angebaut  wurde,  eine  Quelle  grossen  Reichtums  für  Erfurt,  siehe 
1'.  Zschiesehe,  Der  Erfurter  Waidbau  und  Waidhandel,  MGE,  XVIII,  1896,  S.  19 
bis  7t).  ,;  „keins"  ist  hier  Substantiv,  gebraucht,  8.  H.  Rückert,  Leben  des  heilig. 
Ludwig.  S.  128.  '•  conipU'xie  ;aus  lat.  oomplcxio)  „Köi^perbesehaflenheit",  al&o  ,.der 
eoinpU'xien  weren"  =  „der  natürlichen  Körperbcschall'enheit  Gewalt  anthun." 
*  I).  h.  ,,aiw  sumpfigen  Gegenden." 


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319.  Stück.  379 

was  sie  taten.  Unnd  das  sie  sust  nirgcu  andirs  hin  lieffen  danne  da 
hin,  das  was  oyn  gross  wunder.  Iss  lieft'  manch  meydichon,  wol  ge- 
ezogen  kind,  das  nicht  vor  die  thor  ane  der  mutter  adir  vater  willen 
hette  gegangen  zu  ores  nackeburs  kinden,  adir  hette  nicht  kont  eyn 
tirtel  wins  gchole,  dns  lieft'  mit  gewalt  enweg  unnd  fragite  nicht  noch 
vatir  noch  muter.  Item  enteil  kindere  hatten  win  geholt,  die  gobcn 
einem  andern  menschen  den  win,  oren  eidern  zu  brengen,  unnd  heften 
en  weg  barfuss  ane  mantel,  ane  slovger,  ane  hud  adir  kogel:"  wie  is 
si  an  quam,  also  lieffen  sie  da  hin. 

Item  uss  der  stad  issleuben  HcfVen  eilft"  hundirt.  item  uss  hetstete ,M 
dry  hundirt,  item  gross  volk  uss  osterich  unde  ungern  unnd  uss  alleu 
steten  unnd  landen,  das  unezelich  was.  Item  dio  von  arnstete  quonieu 
widder  unnd  worn  Xllil  tage  ussse  gewest.  Man  wolde  sy  zu  erftbrt 
nicht  in  lossen,  sundern  sie  gingen  uft  deme  graben  hin  mit  orem 
banir,  unnd  or  was  dry  hundirt  unnd  ezeheno,  knechtchen  unnd  mey- 
dichen,  unnd  sie  sagiten,  das  on  die  marggraven  von  brandenburg  zu 
angermunde  allen  liessse  essen  unnd  trincken  gebe,  zu  tissche  siteze 
uö  siuen  sal,  unde  einem  iglichen  menschen  |  einen  berlinschen  grosschen 
dar  czu,  unnd  in  die  sammenunge  vier  gülden:  unnd  die  von  mansfelt 
gabeu  allen  luton  brod  unnd  bier,  unnd  die  marggraven  bestalten a  die 
strosse,  das  on  nimaut  torste  thun,  unnd  Hessen  sie  zu  werben 11  umme 
sust  ubir  füre;  unnd  wo  sie  gingen,  do  lieffen  on  die  lute  enkoin  unnd 
boten  on  herberge  an,  ane  zu  erftbrt,  da  wolde  man  sie  nicht  in  lossse. 
Item  das  selbie  louften  werete  also  lange,  uss  ungern,  polen,  das  in 
doringen  oyn  sterben  quam,  unnd  starb  sero1-  oueh  zu  halle,  num- 
burg,  erftbrt,  gote  unnd  isenache  etc.b  | 


319.  Pisse  geschieht  ist  gescheen  in  deme  lande  ▼ 
zu  francken  genesit  wirezpurg  ubir  Avertheiui  in  deine 

tuhar  tal  zu  niekelsshusen.1 

Nach  cristus  geburt  vierezenhundirt  jar,  dar  nach  in  deme  sechs  Ü7ö 
unnd  sobinezigisten  jare,  hat  sich  disse  geschieht  begeben,  das  einer, 

»  IIS:  bcstalto.       b  IIS  Bl.  »15  vord.  Seite  Ist  kaum  halb  beschrieben. 

"  Kapuze,  niundnrtlich  kachel  (9.  M.  Schnitze,  Idiotikon  der  nordthür.  Mundart 
S.  34  n.  Hertel,  Thiirinjr.  Sprachschatz ,  S.  1-13)  im  Sinn«-  von  „Fraucinmitze," 
f.  St  244  A.  3.  10  Hcttstädt,  Stadt  im  Mansfelder  (Jebirgskreise  im  preuss. 
Kegbez.  Merseburg.  11  Stadt  an  der  Klbe,  im  preuss.  Kreise  Osterburg,  Kegbez. 
Magdeburg.  Der  Kurfürst  von  Brandenburg  schützte  und  unterstützte  die  Pilger 
wenigstens  äußerlich.  12  1).  i.  sero  des  volkes  =-  es  starb  viel  Volk«;  aas 
Adverb,  sere  =  dem  Adverb,  vaste,  s.  ob.  St.  209  A.  5'. 

319.  1  Wie  aufgeregt  die  damalige  Zeit  in  kirchlicher  wie  in  socialer  Hinsicht 
war.  zeigt  die  Verirrung  der  Wallfahrten  nach  Wilsnack  wie  auch  die  Wirren  in 
Niclashansrn,  welche  einen  unverschämten  Betrug  mehrerer  Edelleute  (v.  Stetteu) 
uiul  des  Orttspfarrer»  Thunfeit  darstellen,  welche  einen  Pl'eiller,   Hans  Böhm,  bc- 


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380  319.  Stück. 

genant  hans  boliemc,  wonhafflig  in  deine  dorffe  helmestat,  eyn  halber 
thore,2  als  man  on  von  jogunt  uft  geraerket  hatte,  von  drien  erbarn 
mannen  edil  lute,  vilJichte  bosse  ciisten  unnd  ketczere,  genant  die  von 
Stetten,  unnd  eyn  pfarrer  bie  ou  wonende,  genant  conradus  thunfeit, 
umme  geldis  unnd  gutis  willen  den  genanten  thonm  dar  zu  gesprochen 
unnd  ome  anewisunge  goben,  gelort  unnd  vor  gegeben  hatten  uff  die 
forme,  er  sulde  uffenberlich  uff  trete  unnd  predige  unnd  sulde  spreche, 
unser  liebe  frowcmaiia,  die  muter  gotis,  sie  ome  entechenen  personlich 
drio  adir  vier  mal,  unnd  entsehine  ome  tegelich  unde  habo  ome  ge- 
sagit,  er  sullo  ufllnberlich  predige  unnd  vor  nimande  sehe  unnd  den 
luteu  sage  unnd  in  die  land  vor  kundige  allem  volke,  das  alle  volk  uss 
allen  landen  sullc  in  pilgeiimss  wisse  zu  or  kome  in  ore  Capellen  adir 
kirchen  zu  nirkelsshusen  in  deme  tubar  tal  neben  wertheim,  da  wolde 
sie  gnedig  sin,  unnd  is  wero  ouch  ubir  al  nirgent  kein  applas  danne 
da  sei  best.  Das  thet  der  arme  mensche  mit  vorhencknisse 3  der  erbar 
lute  unnd  des  pfar  rers  unnd  trat  uft'  unnd  predigete  unnd  sprach,  alle 
ding  seiden  sin  gemeyne,  unnd  die  czit  niete  sich,  das  man  alle 
pristero  toten  solde,  unnd  wer  XXX  pristero  getote  konde,  der  solde 
gross  vordiene,  sie  betten  euch  keine  macht  mehe  von  gote,  es  were 
uss,  man  funde  ouch  keinen  prister  mehir,  beide  wertlich  noch  geistlich, 
noch  in  keinem  erden,  unnd  straffte  gliche  wol  dar  bio  die  brosttucher,1 
kerte  cleidere  unnd  spitezige  scluY  Das  missehagite  unser  lieben 
froweu  alczu  sere,  unde  got  wolde  sere  dar  umme  straffe,  sunderu  sie 
biete  da  vor,  unnd  man  solde  sie  dar  umme  zu  nickelshusen  ersuche, 
andirs  die  straflunge  erginge,  unnd  predigite  vil  bosser  ketczerige  unnd 
grosse  wunderwerg,  die  da  zu  nickelshusen  geschegen,  der  kein  war 

wogen  zu  erzählen,  die?  Jungfrau  Marin  sei  ihm  erschienen  und  habe  ihm  lehren 
offenbart,  welche  er  vortragen  solle,  Ansichten,  welcJie  alle  kirchliche  Ordnungen 
angriffen  und  rein  kommunistisch  waren,  weit  radikaler,  als  die  Forderungen  der 
Bauern  in  dem  etwa  ein  halbes  Jahrhundert  sj>äter  ausbrechenden  Bauernkriege. 
Über  den  ganzen  Vorfall  s,  Archiv  des  bist.  Vereins  von  Unterfranken  und 
Aschalfcnburg  XIV,  o.  1  nach  von  Lilicnkron,  welcher  ein  Lied  alniruckt:  ,,l)ie 
niebishäuser  Kart'  a.  a.  <).  II  S.  115  12r>.  Böhm  stammte  aus  dem  würz- 
buigischen  Horte  Heimstellt  i  jetzt  im  bayrischen  Regierungsbezirke  lTnterfranken), 
sein  Landesherr  war  also  der  Bisehof  von  Wurzburg,  damals  Rudolf  II.  von 
Scherenberg  (14U6— 141) -Vi ;  sein  Unwesen  aber  trieb  Böhm  in  Niclashausen  ( jetzt 
badisches  Dort  !,  das  damals  dem  Grafen  .lohann  von  Wertheim  (jetzt  badische 
Statlt,  am  Einfluss  der  Tauber  in  den  Main)  gehörte,  kirchlich  über  dem  Erz- 
bistuiu  Mainz  angehörte,  weshalb  Erzbischof  Uither  den  Würzburger  Bischof  zum 
Einschreiten  veranlasste.  Jn  Nielashausen  befand  sieh  von  alten»  her  ein  be- 
rühmtes (tnadeubild  der  Jungtrau  Maria,  und  die  Pfarrkirche  war  mit  einem 
Ablass  ausgestattet.  -  Erfreulich  ist,  wie  Stulle,  trotz  allersehärfster  Ver- 
urteilung des  Schwindels,  «loch  so  menschlich-teilnehmend  urteilt:  er  erkennt,  wie 
Böhm  nicht  der  wahre  Schuldige,  wenigstens  nicht  der  Hauptschuldige  ist, 
sondern  seine  Hintermänner  es  sind,  welche  den  Schwindel  ersannen  und  in  dem 
Lhöriehten,  aber  sicherlich  eingebildeten  Hirten  ein  leider  allzu  willige«  Werkzeug 
ihres  Frevels  fanden,  welcher  nun  die  im  Volke  ohnehin  verbreiteten  und  von 
ihm  sicherlieh  auch  geteilten  Anschauungen,  Hotfnungen  und  Wünsche  lehrte. 
'  vorhencknisse,  stf.,  ,,Erlaubnis,  Schickung,"  hier  mehr  „Veranlassung'. 
*  Über  Kleiderlnxus  s.  u.  St.  oöt>"  u.  :.it>7. 


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319.  Stiick. 


381 


was,  unnd  sprach  ouch,  unser  iiebe  frowe  hette  ome  zu  gc  sagit,  vor 
wehen  er  biete  unnd  was  er  biete,  das  solde  geseheen  unnd  erhört 
werde;  unnd  das  volk  gloubete  ome  unnd  hilden  on  als  einen  pro- 
pheten,  wann  er  was  sust  oyn  siecht  leyeman  unnd  halb  unwisse.  Die 
erbar  lute  unnd  der  pfarrer  santen  andere  lute  uss  unnd  Uesen  das 
ouch  vorkundigen  unnd  sagen  in  vil  land,  das  unser  liebe  frowe  da 
gnedig  were  unnd  geschogen  grosse  czeichen,  der  was  kein  war,  unnd 
doch  von  deme  geschroye  unnd  predigen  von  ingebunge  des  bosson 
geistis  gar  nahe  das  gautcze  |  land  zu  francken  unnd  ouch  andere  land  v 
beweget  worden;  unnd  das  volk  liö'  an  grossssen  houffen  uss  allen  bis- 
thum  unnd  landen  mit  banirn  unnd  fanen  kevn  nickelsshusen  unnd 
trugen  mit  on  grosse  mechtige  lichte  unnd  kerczen  von  waclisse  also 
gross,  das  drieadir  vier  manne  kume  eine  kondcn  er  trage,  unnd  ließen 
ane  alle  vornunfft  unnd  loubo  orer  pfarrer  unnd  prelaten,  die  das 
dann  mit  sampt  der  bisschofle  vor  boten  hatten  bie  deme  banne;  das 
volk  fragite  abir  nicht  dar  nach,  sie  Heften  gliche  sere,  die  juncfrowen 
liefTen  mit  zu  slagenden  hären, •'  die  sechswochen  frowen,  junge 
knaben,  jung  unnd  aide  menre,  sehregen  unnd  sungen  leyssson  durch 
stete  unnd  dorftere,  die  die  selbige  ketczerie  unnd  tusscherie  gelieht 
hatten,  unnd  quam  dicke  nnde  vil,  das  uff  einen  sonabcnt  zu  samen 
quomen  bie  sobenczigk  tusent  mensehen ,  kindere  unnd  aide  lute, 
frowen  unnd  man,  also  das  is  erschrecklich  zu  sehene  was,  unnd  eyn 
iederman  quam  mit  sinem  wergkgeczuge,  ein  ackorinan  mit  siner 
geissseln,  eyn  steynmeteze  mit  siner  bicken,  eyn  smed  mit  sinem 
hammer  etc. 

Der  bisschoff  zu  wirczburg  liss  das  vorbete,  iss  halff  nicht;  die 
erbar  luthe  wolden  das  habe,  wann  sie  hüben  das  gelt  uff  etc.  Der 
bisschoff  zu  wirczburgk  hatte  rad  dar  ubir,  das  hiss  on  rudolffus,  eyn 
fromer  alder  man,  unde  schreib  dar  noch  deine  crczbisschoHo  zu 
mentcz,  herra  dytero  von  isenborgk,  unnd  clagito  die  torheit  des  I  volks.  m 
Do  schreib  der  bisschofl  zu  mentcz  widder,  das  er  den  boffen,,:  den 
prediger,  solde  lassen  griffen  unnd  vor  höre,  wie  is  gestalt  were;  das 
ted  der  bisschoff  zu  wirczburg,  der  sante  keyn  nickelsshusen  vier  unnd 
drissigk  gewopent  zu  pferde,  die  fingen  den  gnanten  hansen  behenien, 
der  sass  nacket  in  der  tafern7  unnd  predigite  den  Iuten  grosse  wunder 
wergk,  die  on  der  pharrer  unnd  die  erbar  lute  gelart  hatten,  unnd 
bundon  on  also  nackt  uff  eyn  pfert  unnd  fürten  on  keyn  wirczburg  in 
einen  torm  uff  der  borg  unser  lieben  frowen  berg;8  da  worn  kegen- 
wertig  bio  sechstusint  menschen,  also  sie  on  fingen;  abir  is  nam  sich 
uymant  an  unnd  worn  allirmeist  fronde  lute,9  die  allir  erst  körnen 

*  Mlid  „zerfleh  Iahen"  —  md  „zuslagen"  --  „auwinanderschlagen,  auabreiten," 
hier  intransitiv  gebraucht.  6  Mhd  „buobe"  —  md  „bAfe",  hier  mundartlich 
„hoffe"  =  „Trossknecht,  Kuecht";  unten  St.  3'20:  „je,  du  boszer  bute."  '  „taienie" 
(Iat.  tabernal,  stewf.,  „Schenke".  *  Der  „Frauenberg"  in  Würzburg,  am  linken 
Mainufer,  war  bis  z.  J.  1720  Residenz  der  Fürstbischöfe.  0  „vröncn",  „dienen", 
also  „dienende  Leute,  Arbeiter." 


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382 


310.  Stuck. 


worn.  Do  das  die  crbar  lute  er  turn,  die  worden  czornig  unde  swurn 
zu  houffe  unnd  norneu  vil  voJks  an  sieh,  die  der  bosse  geist  ouch  dar 
zu  sterkete,  also  das  ir  wart  bie  czwolff  tusent,  unnd  was  an  saute 
Margareten  abent,'0  unnd  die  lute  worn  uss  vele  landen  gesainnient 
die  nomen  bie  funft'hundirt  kerezen  uss  der  Capellen  zu  nickelsshusen. 
die  die  lute  bracht  hatten,  unnd  czogen  die  gantcze  nacht  bie  lichte 
bis  keyu  wirczburg  vor  die  bürg,  das  man  nennet  unser  üebeu  frowen 
berg;  an  deme  selbigen  sonabent  an  sant  inargareten  tage  fru  zu 
funner  czit  quomon  sie  vor  die  borg  mit  den  enpranten  kerezen  unnd 
hissehou  |  on  den  gefangen  gebe  luterlichen  umme  sust  ledigk,  adir  sie 
wolden  alle  dar  ubir  sterben.  Der  bisschoif  wart  besorgit  unde  bestalte 
sine  borgk,  so  best  er  konde,  unnd  lies  enteil  buchsen  an  gehe  ane 
schaden;  das  thet  er  durch  er  Schrecknisse  willen.  Unnd  is  wart  ouch 
ein  gross  murmuln  in  der  stad  zu  wirczburg  uft  die  pristerschaflt,  das 
die  da  widder  retten,  die  da  villichto  wol  wüsten,  das  is  tusseherie 
was,  unde  sprechen  den  pristern  gar  ubile  von  der  sache  halben,  also 
vil,  das  czwene  erbare  rittere,  "fromer  menre,  ermanten  das  volk  gut- 
liehen unnd  mit  guten  worten,  das  sie  von  der  torheit  abe  liessen  unnd 
czogen  heyin  eyn  iglieber,  da  er  hin  gehorto  in  sin  land,  unnd  geboten 
bie  gehorsam,  was  des  bisschoffs  menre  da  mitte  wem.  das  sie  heim 
czogen  unnd  wem  gehorsam  orem  hem,  deme  bisschoffe  unnd  pfarrer, 
unnd  gloubeten  nicht  also  lichtlich  den  Sachen;  is  gehörte  die  geist- 
liche achte  an.12  Also  czogen  or  entoil  heim,  enteil  bieben  unnd 
meinten  den  thorm  zu  haben  adir  dar  ubir  sterben.  Die  erbar  czwene 
rittere  sprachen,  der  bisschon"  hette  einen  armen  man  gefangen,  den 
wolde  er  vor  hören ;  wann  er  den  vor  horte,  were  er  dann  gerecht,  er 
worde  on  wol  widder.  Der  selbie  hans  beheme  bekante  in  deme  ge- 
fencknisse,  das  is  ome  die  junckern  von  stettyn  unnd  or  pfarrer  golart 
unnd  ingegoben  hetten,  unnd  das  also  zu  predigene  unnd  uss  zu 
brengen,  unnd  hatten  ome  ouch  gelt  dar  umme  gegeben,  unnd  hatten 
der  predigere  ouch  mehe  uss  gesant  zu  vorkundigene,  den  sie  ouch 
gelt  goben;  abir  sie  beilüden  das  meiste  gelt.  Do  quam  der  von  wert- 
heim  unnd  nam  gross  gelt  uss  der  Capellen.  Unnd  als  die  luthe  von 
der  borg  nicht  wolde  abelasse,  do  schickte  der  bischoff  uss  nach  siner 
manschaflt  unnd  ouch  uss  der  stad  unnd  stalte  sich  zu  weherne13 

10  Freitag  d.  12.  Juli  1476.  Lilienkron  a.a.O.  S.  115 f.  bemerkt,  das*  Hau» 
Böhm  erst  Lätarc,  also  am  24.  März  1476,  auftrat,  so  das»  wenige  Monate  genügten, 
die  Bewegung  zu  solcher  Ausdehnung  ansehwellen  zu  lassen.  11  Der  Bischof 
.sandte  zuerst  seinen  Marschall,  Jörg  von  (.-Jelhsattcl,  gegen  die  Aufruhrer,  der 
aber  nichts  ausrichtete,  vielmehr  mit  Steiuwürfen  auf  den  Frauenberg  zurück- 
getrieben wurde;  besseren  Erfolg  hatte  der  darauf  zu  ihnen  geschickte  wegen 
Heiner  Biederkeit  und  Milde  beim  Volk  beliebte  Konrad  von  Hutten;  er  erreichte 
wenigstens  so  viel ,  dass  l>ei  2000  von  des  Bischofs  eigenen  Unterthanen  die 
anderen  Scharen  verliessen;  s.  von  Lilienkron  a.a.O.  S.  llfif.  '*  „achte"  — 
öffentliche  gel>otene  gerichtliche  Verfolgung,  hier  also  „geistliches  Geriebt"; 
„gehören  an"  m.  d.  Accusativ  —  „angehören,  zukommen."  l*  Besonders  auf  dem 
Kirchhofe  des  Dorfes  VValdbüttelbruuu. 


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320.  Stück. 


3*3 


unnd  treib  das  volk  mit  ge  walt  abe,  unnd  liss  ouch  mit  buchssen 
schiesse  propter  terrorem,  uDnd  liss  sie  von  der  borg  tribe.  Also  wart 
or  achte  unnd  drisig  er  slagen,  hundirt  unnd  XX'Vif  gelangen.  Da 
flohen  die  andern  alle  mittenandere,  unnd  der  bisschoff  liss  on  noch 
ezehen,  doch  gutlich,  das  man  on  nicht  mehir  schaden  thun  solde. 
Hette  er  gewolt,  er  nette  sie  alle  wol  behalden.  Also  liss  er  hir  nach 
den  man  verhöre.  Der  bekaut.e  alle  geschieht,  wie  er  dar  zu  körnen 
unnd  undirwisst  wehere.  Des  er  tur  sich  <ler  bisschoff  al  wol.  Da  er 
nu  alle  ding  war  fand,  das  is  tussoheric  were  unnd  keine  warehafftigo 
ezeichen  weren,  sundorn  ytele  fantasie  were,  do  mete  das  volk  vor  leitet 
worde,  unnd  geschege  umme  geldos  wollen,  do  liss  er  den  selbien 
bansen  behemen  durch  er  schregknisse  willen  der  andern  unnd  durch 
sulcher  ketezerie  willen,  die  da  von  quome  mochte,  liss  er  on  borne, 
unnd  fing  den  pfarrer,  er  Conrad  donnefelt,  der  on  das  geleret  unnd 
underwiset  hatte,  unnd  santo  on  deine  bisischoffe  zu  mentez.  Also  v 
sagite  man,  das  der  von  wertheim  nemo  das  oppfer  uff  unnd  wil  pferncr 
sin  dar  czu,  unnd  die  erbar  luthe  worden  fyent  des  bischoffes  unnd 
toten  ome  schaden  in  sinem  lande,  unnd  hetten  gerne  den  louftt.  gc- 
stercket  umme  des  geldes  willen,  so  woldis  der  bisschoff  nicht  Hede 
unnd  was  gar  sere  da  mete  betreten ;  abir  is  wart  zu  letezt  allis  vnr- 
gesssen,  unnd  wart  keins  11  mehir  dar  uss. 

Finis. 


320.  Von  nnssir  Hohen  frowen  kirchen  zu  erffort:  wy 
rty  ent wehet  wart  von  czwen  kor  schillern. 

In  deme  jare,  da  man  schreib  nach  cristus  geburr  unsere  hern  J470 
vierezenhundirt  jar  unnd  sechss  unnd  sobinezig  jar,  uff  die  mitte- 
wochen  saneti  dyonisii1  martiris  vor  mittage  in  der  achten  stunde  ge- 
schach  disse  geseicht  in  der  kirchen  unser  lieben  frowen  zu  erffort. 
Als  man  die  prime*  hatte  an  gehaben,  do  sprach  eyn  coralis3  zu  der 
jungen  corali  einen:  Signere  die  vers,  das  wir  nicht  erre  werden!  Do 
sprach  der  junge,  er  lissse  on  wol  eyn  bosse  jar  haben,  worumme 
er  is  nicht  selber  tete;  unnd  fluchte  ome  ubile.  Do  sprach  der  grosse 
coralis:  Ye, 1  du  bosser  bufe,  wie  fluchstu?  is  gebort  dir  zu  thune. 
Unnd  rouffte  on  enwenig  bie  den  harn.  Da  trat  der  junge  en- 
wonig  ubir  ort  unnd  fluchte  nach  swinder  unnd  warft"  ome  sine  |  muter  m. 

"  Substantivisch,  a.  ob.  St  818  A.  6. 

320.  1  22.  M«i  1476.  *  Die  horae  caiionicae,  die  priesterlichen  Tageszeiten 
oder  das  Chorgebet  sind:  matutinum,  prima  (Vormittags  in  der  Frühe),  tertia, 
sexta  (nach  dem  Choramt),  nona,  vesperae  cum  completorio.  Ä  Chorsänger, 
Gehilfe  der  Chorherren  beim  »Singen,  oft  bloss  „Schüler".  4  „Je"  =**  ,Joch"  =  „ja 
doch",  Affirmationapartikel,  Kückert,  lieben  des  heilig.  Ludwig,  S.  153,  ebenso 
oben  St.  276  (S.836):  „warnete  sie,  das  si  ye  nicht  gutlich  tagen  sohlen." 


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384 


320.  Stück. 


imnd  swester  vor,  was  er  dann  thun  woldo,  unnd  was  eyn  bosser  bufe 
knme  XI  II  jar  alt,  unnd  gesehach  uff  deme  lincken  kore.  Da  sprach 
der  grosse  coralis:  Ye,  du  bossir  bufe,  was  fluchstu  mir?  ich  muste  ye  dich 
bas  strafe.  Unnd  wolde  on  noch  eins  rcuffe,  wann  er  was  eyn  vornunfitiger 
fromer  geselle,  unnd  greiff  nach  den  harn.  Da  hatte  der  junge  sin 
brod  messir,  das  was  gar  spitzig,  uss  geczogen  unnd  stach  den  gesellen 
durch  sinen  arm  undir  den  elubogen  zu  mittelnwege  czwisschen  der 
band  unnd  deme  einbogen  innewendig  des  armes,  unnd  das  blut  sprang 
in  den  kor,  unnd  blutete  also  sere  in  deine  kore  unnd  uff  deme  kirch- 
hofe,  unnd  lifT  zu  hant  czu  deme  scherere,5  unnd  der  scherer  konde  on 
das  blut  nicht  vorbinde,  imnd  blutete  eyn  schere  becken  vol  blutes, 
das  er  telemal  amechtig  wart  unnd  vor  tod  gehandelt  wart.  Do  er 
johan  starcke  organista  das  blut  uff  deme  kirchhofe  sach  unnd  sporte 
is  in  die  kirchen  von  der  kalfaten0  biss  in  den  kor,  do  ging  er  zu  den 
coralibus  unnd  fragite,  was  das  bedutte.  Do  sagiten  sie  ome  die  sache, 
unnd  sagiten,  wie  ein  bosse  lecker7  das  were.  Do  gingk  er  zu  ome 
unnd  straffte  on  unnd  sprach:  Nu  bistu  kume  als  eyn  bretspel  worffel 
gross,  unnd  wilt  mit  messern  steche  an  solchen  steten?  Do  sprach  der 
v  junge:  Worummo  rouflte  er  mich?  Da  antwarte  |  der  organista  ome: 
Ab  er  dich  mit  fusscn  getreten  hette,  noch  soldestn  nicht  mit  messern 
steche  an  solchen  steten;  dir  gebort  den  vers  zu  signereu.  Unnd 
sprach  zu  ome:  Heb  dich,  du  böser  bufe!  der  geselle  wirf  sterben, 
so  tötet  man  dich  ouch ,  wie  deine  du  bist.  Friste  din  leben! 
Also  wolde  er  nicht  geen,  unnd  bleib,  biss  man  sexte*  gesangk. 
Also  wart  das  vorswegen  den  ptelaten  unnd  hern1'  biss  zu  der  vesper- 
czit,  unnd  des  morgens  fru  des  andirn  tagis,  do  machten  die  hern  eyn 
capittel  unnd  consulerten  doetores  dar  umbe;  die  sprachen,  wiewol  der 
knabe  eyn  kint  unnd  jung  were,  ye  doch  so  er  volletc  sine  bossheit 
das  alder;  wile  er  so  sehalkbafftig  were,  so  were  die  kirehe  mittenander 
entwehit.  Er  was  ouch  also  einer  bosser  bufe,  das  er  den  Schulmeister, 
die  locaten  10  unnd  sine  eigen  muter,  als  man  sagite,  wolde  stechen. 
Also  Hessen  die  hern  nicht  mehir  singen  in  der  kirchen  noch  lessen, 
ouch  nicht  lutc  keynerley,  biss  uff  saut  severs  abent,"  sundern  sie  be- 
stalten noch  deme  wie  bisscholfe,12  der  was  das  mal  zu  mentcz,  der 
quam  unnd  reconcilierte  den  kor,  kirchen  unnd  kirchhoff,  kaflaten 
unnd  die  klultt ,a  unnd  sacristien,  cruezegangk,  die  Capellen,  den  hon 
altar  unnd  allen  enden  in  der  selbigen  kirchen,  unnd  hatte  grosse 

:'  Die  Barbiere  (Hader)  waren  im  Mittelalter  auch  Wundarzt*.  fi  Der  auf 
Gewölben  ruhende  Umgang  des  Krf'urter  Dohih  (aus  «lern  lat.  eavum  aedium). 
7  „Lecker"  =  „Fresser,  Schelm" ;  J  lertel,  Thür.  Sprachschatz  weist  S.  l.r>t>  „lecken"  — 
,, naschen"  nach.  N  8.  ob.  A.  2.  !'  Die  Prälaien  des  Doms  waren  der  Dekan, 
Scholaster  und  Kantor;  die  „Herren"  sind  die  Domherren.  "'  canonici  minores, 
die  Kxspeklanten  auf  DomheiTUStellcn,  auch  domicellarcs  genannt.  "  Montag 
d.  21.  <  »ktoher  1 17C.  '  Kr.  Bertold  von  Oberg  aus  dem  l'rcdigerorden,  lA'ktor  der 
Theologie  und  Titularbisehot'  von  l'anadns  in  Threcina,  s.  Kcldkamm,  Gcschichtl. 
Nacbrii  ■Ilten  über  die  Krfurter  Weihhischöfe,  MGK  XXI,  S.  T»8— 60.  ,s  Die 
Krypta  des  Domes. 


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321.  Stuck. 


385 


erbeit,  unnd  das  ammecht  stnnt  zu  niole  barmlich,11  unnd  satczte 
crucze  umme  her,  also  das  der  bisschoff  gancz  unnd  gar  |  al  limine  die  »so 
kirchen  is  ganez  wichete,  unnd  ouch  die  nuwon  altaria,  die  do  gemacht 
worn,  noch  deme  brande.  Bor  noch  Hessen  die  hern  zu  sanct  sever 
ore  kirclien  sancti  severi  ouch  heimelichen  des  morgens  fru  recon- 
ciliere,  ab  sie  durch  mancherleye  heimeliche  sunde  were  gewest  ent- 
wehrt, so  were  sie  nu  aller  dinge  ouch  go  wihet  etc.  Item  der  geselle, 
der  do  gestochen  was,  der  bleib  lebennigk,  snndern  er  lag  sere  lange 
krangk,  den  ich  zu  feie  maln  wol  gesehen  habe;  hec  conradus  stolle, 
qui  scripsit  etc. 


821.  Von  der  grossen  glocken1  gloriosa  zu  erffort 

Als  man  schreib  nach  gotis  geburt  vierczenhundirt  unnd  soben  U77 
unnd  sobenczigk  jar  uff  den  donnerstag  sente  coliax  abint,2  goiss  man 
die  grossen  glocken  zu  unsir  lieben  frowen  zu  erffort,  die  hatt  czwei- 
hundirt  czentener  adir  da  bie,  czwisschen  den  czweyen  kirchen  unser 
lieben  trowen  unnd  sancti  severi.  Unnd  als  man  die  glocken  goyss, 
noch  mittage  umme  drye  stunde,  do  begrub  man  den  meister,3  der  die 
forme  unnd  ore  unnd  alle  dingk  gemacht  hatte;  er  hatte  ouch  vor  hin 
lange  gekrancket.  Etliche  sprochen,  ome  were  vor  geben  von  den 
glockengissern  zu  erffort,  die  worn  ome  sere  gram  |  umme  siner  kunst  ▼ 
willen,  unnd  was  nach  eyn  junger  man,  unnd  er  was  von  molhusen 
keyn  erffort  geczogen,  unnd  liet  uff  sante  severs  kirchen  bie  deme 
beinhuse  be  graben.  Ich  stnnt  do  bye,  das  man  on  begrub,  unnd  ouch, 
do  man  die  selben  glocken  goyss.  Item  der  selbige  meister  hatt  ouch 
die  grossen  glocken  zu  sant  sever  gegosssen,  genant  osanna,  unnd 
ouch  vier  andore  glocken  do  seibist.  Der  selbio  meister,  deme  got 
gnade,  hatte  fromde  meistere  zu  sich  gebeten,  von  sundershusen  1  unnd 
northusen,  die  solden  ome  helffe  den  ofen  lade  unnd  die  forme  in  die 
erden  brenge;  das  taten  sie;  da  starb  er;  da  gosssen  sie  die  glocken, 
unnd  gerid  wol  unnd  ist  eyn  gute  glocke,  unnd  hingen  sie  uff  den 
kirch  hoft  bie  den  driangel5  unnd  luten  sie  alda  wol  bie  czweien  jarn, 
biss  das  die  torme  widder  gemacht  worden,  die  danne  sere  vor  brant  worn. 


"  ammecht  O  mlid  ambahte,  St.  12  A.  8)  hier  =  „Gottesdienst"  ;  barmlich 
baruielieh  —  „zum  Erbarmen,  Erbarmen  erregend";  umgelautet  St.:i84  A  Iii. 
Uber  diese  Weihe  ».  H.Beyer,  Kurz.  Gesch.  d.  Stiftskirche  B.  Mar.  Virg.,  M(iE  VI, 
8. 151  u.  A.  41  auf  S.  196. 

821./  Über  <len  Glockengus«  v.J.  1477  nowie  i.  .1.  1497  (s.  u.  St.  364  u.  365) 
8.  i.  d.  MGE:  v.  Tettau,  Der  Meister  und  die  Kosten  des  Gns«es  der  grossen  Pom- 
glocke zu  Erfurt,  II,  1866,  S.  1:57.  143  fl*. ;  ferner  H.  Beyer  in  cbemJ.  Mitteilung.  VI 
S.  151.  1  7.  Aug.  1477.  '  Meister  Claus  von  Muhlhauaco.  *  Den  UräH. 
Schwarzburg.  Büchnen  meister  Hermann  au«  Sonderahausen.  **.  H.  Bever  a.a.O. 
S.  151.  *  =  „Triangel'',  das  dreieckige  Portal  der  Domkirche,  *.  II.  Beyer  a.  a.  O. 
S.  151  u.  A.  43a  S.  196. 

K.  Stolle«  Memoria»«.  25 


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386 


322.  bis  324.  Stuck. 


Von  der  grossen  glocken  zu  sunt  Sever. 

1473  Item  anno  domini  M°CCCC°LXXiri  VII01  die  mensis  octobris,  der 
obgnante  meister  elaus,  der  die  grossen  glocken  zu  unser  lieben 
frowen  gegossen  hat,  der  selbie  meister  goyss  eine  grosse  glocken  bie 
hundirt  cendenern  der  kerchen  sente  Severs  zu  erflort,  unde  goyss  die 
in  der  stad  zugotha;  worumme?  dio  von  erffort  wolden  nicht,  das  cyn 
fremde  meister  solde  glocken  gisse  in  oror  stad  erffort;  unnd  die 
sst  glocke  gerit  wol  unnd  lutet  also  wol  unnd  lieblich,  das  is  |  alle  man 
vor  wundirte,  unnd  horten  sio  gerne  unnd  fürten  sie  keyn  erffort  mit 
XII  pferden,  unnd  wart  getoufft  adir  gebenediget  unnd  wart  uff  den 
torm  gehangen  unnd  wart  gelutet  zum  ersten  uff  den  heiigen  crist 
abent  zu  der  vesper.  Item  die  selbie  glucke  zubrach,  do  man  sie 
lntete  uft  der  heiligen  kindor  tag,  also  lutet  sie  nicht  lenger,  wan  drie 
tilge.  Item  dor  noch  czoch  der  selbie  glockenmeister  in  die  stad  zu 
erffort  unnd  wart  borger  unnd  goyss  die  glocken  noch  eins;*  die  gerit 
ouch  wol,  alsy  noch  ist,  genant  osanna;  das  habe  ich  alles  gesehen, 
conradus  stolie,  vicarius  saneti  severi,  der  dits  geschreben  had. 

Von  quedelnborgk. 

1477  Anno  domini  M°  CCCC°  LXXV1I,  in  der  wochen  noch  sant  jacobs 
tage,  czogen  dio  fursten  von  missen  vor  die  stad  quedelnborg,  unnd 
drungen  sie,  das  sie  sich  ergaben,  unnd  dor  eptisschen  holde1  musten 
unnd  or  gehorsam  worden  da  seibist;  die  was  der  selbien  hern  swester. 
unde  die  stete  halbirstad  nnnd  asscherssleuben  worden  von  on  geschatezt 
unime  XVI  tiisont  gülden  zu  geben,  un<le  der  bisschoff  von  halberstat 
mit  sinen  rittern  unnd  knechten  musten  on  ouch  houldo  thun,  rede 

v  unnd  gelobe  nicht  widder  sie  zu  thune.  | 

> 

$24.  Von  north  ii sen. 

1477        Anno  domini  M"  t'CCC"  LXX  VII ,  quinta1  post  assumpeionis  marie, 
goschavh  disse  geschieht  in  der  stad  northuson.    Do  quam  cyn  hofe- 

;«  Am  Itanrtoder  US  von  SU.IIoh  IIaikI  n»eh«:  fecund«  cnmuMia. 

IVl'l.  1  Also  bald  nach  dem  grossen  Urämie  v.  .1.  1472,  in  welchem  mich  die 
Severi kirehe  abbrannte. 

Ifcltt.  '  Mhd  hnlden  ---  ind  holden,  swv. ,  ..huldigen".  Unter  der  Äbtissin 
Hedwig,  Herzogin  von  Saehsen .  14.*>S— 1M1,  entstand  zwischen  ihr  und  der 
Bürgerschaft  ein  Streit,  da  letztere  die  Voglei  (unter  dem  Schulz  de«  Bischofs 
von  Halberstadtl  in  Anspruch  nahm.  Der  Äbtissin  kamen  d>re  Brüder,  die 
Herzöge  von  Sachsen,  Kurfürst  Ernst  und  Herzog  Albrecht,  zu  Hilfe,  denn  die 
Herzöge  von  Sachsen  waren  seit  dem  Knde  des  14.  Jahrhunderts  erbliche  Schutz- 
herren  des  Stifts:  sie  erstürmten  die  Stadt,  welche  viele  von  ihren  Privilegien 
verlor.  S.  Hermann  Lorenz,  AlUjUe<llinburg  (Neujahrsblätter,  h.  v.  d.  H ist.  Koni, 
d.  Provinz  Sachsen,  No.  24i,  1!K)0,  S.l!  u  "». 

:V»4.    '  Mittwtx-li  den  20.  August  1477. 


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325.  Stück.  387 

wert  des  von  reynsteyn,2  unnd  reten  in  die  stad  northuson  bie  schönem 
tage  vor  mittage,  der  was  by  drissigk  pferden;  die  sprochen,  sie  weren 
frunde,  unnd  frageten  dor  nocli,  ab  der  stad  houbtraan  do  lieime  were, 
sie  wolden  mit  ome  eyn  morgenbrot  essen,  unnd  reten  in  die  stad 
unnd  liesen  ore  pferdo  be  slahen.  Da  die  beslaen  worn,  do  quam  das 
geruchte  in  die  stad,  is  were  eyn  hofowerga  dar  inne;  do  gingen  die 
luto  dar,  unnd  das  zu  besene,  ratismeister  unnd  ouch  andere  bürgere. 
Do  das  hofewergk  ore  czit  er  sach,  do  reten  sie  ubir  das  volk  unnd 
slugen  undir  sie,  unnd  fingen  czwene  ratismeistere  unnd  czwolff 
bürgere  inwendig  unnd  ussewendig  der  stad  unnd  fürten  die  en  wogk, 
also  das  nymaut  nach  folgete;  sie  enkonden  ouch  nicht  nach  gefolge, 
wanne  sie  hatten  oren  houbtman  mit  alle  oren  dienern  unnd  reysingem 
geezuge  gelegen1  eynem  horn  von  honstein,  der  hatte  sie  dar  uniine 
gebeten,  unnd  hatte  on  go  schreben,  is  wero  eyn  hofewergk  vor  handen, 
er  besorgite  sich,  das  is  uff  on  gethon  were.  Unnd  man  meynte,  der 
selbio  von  honsteyu  hette  das  mete  gewust,  unnd  were  also  mit  be- 
hendiekeit  der  stad  zu  bracht.  Des  nomen  sich  die  von  erffort  mit 
den  von  nortliusen  an,  unnd  ritten  herezogen  Wilhelm  |  zu  doringen  an  2« 
zu  wvmar,  der  mit  on  in  vortracht  was,  der  brachte  is  dar  zu,  das  sie 
die  gefangen  musten  ledigk  unnd  loss  widder  gebe. 

32».  Von  der  stad  florentez1  in  welschen  landen. 

Als  man  schreib  noch  gotis  gehurt  unsers  hern  vicrezenhundirt  1  '7s 
unnd  achte  unnd  sobonezigk  jar,  ist  disse  geschieht  gescheen  in  welschen 
landen  zu  florentez,  unnd  da  von  in  die  stete  nurenberg  unnd  erftbrte 

-  Hofvorwalter  der  (.trafen  von  Rein-  oder  Regenstein  (heute  Ruine  liei  der 
hrauuschweigisohen  Stadt  Blankenburg  am  Harz),  welche  ein  uraltes  und  fehde- 
lustiges Rittergcschlecht  im  Harze  waren.  '  S.  St.  205  A.2G.  *  Mundartlich 
(von  lihen)  ^=  „geliehen''. 

1  Die  Verschwörung  der  Pazzi  gegen  dio  Medici,  sowie  ilie  Geschehnisse  des 
blutigen  20.  April  1478,  an  welchem  Tage  »ie  ausbrach  und  Giuliani >  de  Medici  ermordet 
wurde,  hatte  schon  unter  den  Zeitgenossen  ungeheuren  Aufsehen  erregt,  und  sie 
ist  von  Angelo  I'oliziano  (1478,  also  bereit*  im  Vergeh wörungsjahre)  und  Macchiavelli 
an  uuzähligemal  geschildert  worden,  zuletzt  v.  Hoyck,  Die  Medieeer  (Monographien 
zur  Weltgeschichte),  1897,  S.  8311*.  Dio  Zeitgenossen  müssen  sie  sich,  namentlich 
solche,  welche  damals  in  Italien  weilten,  unmittelbar  unter  dem  frischen  Ein- 
drucke jener  verhängnisvollen  Ereignisse  geschildert  haben.  So  erwähnt  Stolle 
Briefe  nach  Erfurt  und  Nürnberg  (ein  solcher  war  schon  am  28.  Mai  1478  dort 
angekommen),  aus  denen  er  seine  Nachrichten  genommen  hat,  woraus  sich 
manche  Wiederholungen  erklären.  Da  er  nun  zwei  von  einander  unabhängig«* 
Berichte  erwähut,  uud  von  dem  zweiten  sagt,  dass  er  in  einem  Briefe  des  Hans 
Bucheler,  wohnhaft  zu  Florenz,  an  den  Meissner  Bischof  [Johannes  V.  von 
Weisseubach j  enthalten  gewesen  sei,  so  haben  wir  beide  Berichte  geschieden,  sie 
A  und  B  genannt  uud  nach  der  Einleitung  nacheinander  abdrucken  hissen : 
A.  Der  Nürnberger  Bericht:  An  montage  urbani  (S.  388)  bis:  gestossen  unnd 
erworget  (S.  390).  B.  Der  Meissner  Bericht:  Item  es  was  ouch  (S.  390)  bis 
zum  Ende  (S.  394).  Dan  Ganze  hat  dio  Geltung  einer  Quelle,  da  es  auf  den 
Aufzeichnungen  von  Augenzeugen  beruht,  welche  es  unmittelbar  wiedergiebt. 


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388 


825.  Stück. 


geschreben;  von  sulchen  schritten  ich  conradus  stolle  ditcz  al  heer 
colligert  habe  nnnd  in  myn  moruorial  ge  schreben  habe. 

A.  An  montage  urbani2  sint  disse  zithunge  durch  wäre  schritt 
unnd  botschafft  kegen  norenberg  komen.  Item  zu  florencz  sint  czwey 
gesiechte  von  alder  her  komen  erbarkeit;  eins  ist  genant  medicis,  das 
andere  peczi,  die  selbien  czwei  gesiechte  danne  allewege  unnd  alleczit 
von  aldir  herkomen  das  regement  unnd  regalia  gehabt  unnd  do  seibist 
regirt  haben,  unnd  itczunt  etliche  jar  die  medici  inne  gohabit  haben 
unnd  ouch  ge  regirt,  des  sie  danne  durch  die  peczi,  in  grosor  abegunst 
unnd  nyde  gewest  sint.  Nu  haben  die  selben  peczii,  der  danne  vil 
unnd  meer  ge  west  sint  wann  der  andern,  unnd  hatten  einen  sulchen  | 
*  anslag  gemacht,  das  sie  die  medici  mochten  von  deme  leben  zu  deme 
tode  Brenge,  unnd  das  in  vil  unnd  mancherleie  wege  vorsucht  hatten, 
unnd  doch  mit  fugen  nye  haben  mögen  vol  enden,  biss  uff  eine  czit 
korczlichen  bie  drien  wochena  gescheen,  haben  sie  mit  sampt  deme 
bisschoffe  da  selbest  also  beslossen  eine  kostliche  malczit  unnd  collacien 
zu  haben,  in  des  einen  medici  husse,  unnd  der  brudere  de  medici  was 
czwene,  die  ich  conradus  stolle  obgnant  oucli  dicke  unnd  wol  ge  seen 
habe,  do  ich  zu  florencz  unnd  rome  wonende  was  etc.  Unnd  des 
solden  etliche,  die  sie  dann  de  pacii  dar  zu  bestalt  hatten,  den  medici 
beiden  go  bruderen  or  leben  nenien,  die  wile  man  also  in  der  malczit3 
sesoe.  Xu  sint  die  selbien  czwo  partige  vor  unnd  ehir,  dann  sie  zu 
tissche  gingen,  sint  sie  allesampt  zu  der  kirchen  gegangen,  unnd  der 
bisschoft1  hatte  selber  messe  gehaldeu;  do  hatten  die,  die  danne  sulche 
tad  thun  solden,  undir  on  selbest  an  siege  gemacht  unnd  eins  worden, 
sie  wolden  die  czwene  brudere  de  medici  in  der  kirchen  under  der 
messe  zu  tode  slan;  unde  die  wile  das  man  das  heilige  sacramont  hatte 
gehaben,  ist  der  eine  medici,  genant  julianus,  neben  deme  alter  gekuyet, 
ist  der  eine  pecii  selbest  zu  ome  gekniffen  unnd  on  mortlichen  ge- 
stochen, unnd  zu  vil  maln  gewundit  unnd  getötet;  da  ist  einer  siner  | 
medici  diener  zu  gesprungen,  unnd  den  selbien  pecii  nbir  deme  toten 
medici  ouch  zu  tode  geslagen  hatte,5  unnd  die  andern  pecii0  viln  ubir 

'  Die  IIS  hat  hier  eine  LOcke. 

v  25.  Mai  1478.  :|  Diese  Nachricht,  ist  in  dieser  Fassung  falsch:  nach  einem 
zweimaligen  vereitelten  Versuche  der  Pazzi,  die  Gehrüder  lx>renzo  und  Giuliani) 
de  Medici  während  eines  Gastmahl*  zu  ermorden ,  wurde  der  Anschlag  für  die 
Tötung  während  des  Gottesdienste«  am  26.  April  1478  gemacht.  *  Der  neue 
Erzbisehof  von  Pisa  Francesco  de'  Salviati  war  gelbst  Mitglied  der  Verschwörung; 
seine  Feindschaft  schrieb  sich  daher,  dass  er  von  Mediceern  nicht  als  Erzhischof 
anerkannt  wurde.  &  Falsch:  Francesco  dei  Pazzi  stürzte  sich  auf  Giuliano  de 
Medici,  welchen  Rernardo  di  Handini  Boroncelli  niedergestossen  hatte,  und 
durchbohrte  ihn  ebenfalls  mit  seinem  Dolch;  dabei  aber  stiess  er  so  heftig,  dass 
er  sich  selbst  schwer  am  Heine  verwundete.  '"'  D.  h.  Anhänger  der  Pazzi;  es 
sind  die  2  Priester  Antonio  MiUTei,  (Geistlicher  aus  Voltcrru  uud  pä|>stlicher 
»Schreiber,  und  Stefhino  liagogni,  ein  Geistlicher,  welcher  in  Jacopo  dei  Pazzis 
Hause  Tuterricht  gab;  ihnen  war  die  Ermordung  Loreuzos  de  Medici  übertragen ; 
sie  konnten  ihn  aber  nur  am  Halse  verwunden,  da  er  rasch  sein  Schwert  zog, 


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325.  Stück. 


den  andern  medici  bruder,  der  was  stargk  unnd  werete  sich,  unnd 
wart  doch  sore  wunt,  unnd  also  groser  ufflouft  undirenander,  das  der 
starcke  medici  quam  in  deme  grossen  ufflouffto  in  das  sacrarium  unnd 
slug  die  thor  nach  omo  zu;  unnd  in  deme  ufflouffto  bieben  vil  lute 
tod  unnd  sere  vorwundot,  unnd  wart  vor  seon,  das  der  eine  medici  in 
die  sacristen  (jiiani,  unnd  sie  meynten  alle,  er  were  ouch  tod.  Unnd 
der  bisschoff7  hatto  mit  den  sinen  des  ratis  unnd  der  stad  das  palacium 
in  gonomen,  unnd  in  sulchem  uffloufifte  hatte  sich  der  eine  medici  in 
der  sacristen  also  vorburgen  unnd  was  ouch  sere  wunt  worden,  biss 
so  lange,  das  das  gethummere  unnd  uffloufft  uss  der  kirehen  komen 
was.  Xu  was  das  in  der  stad  er  schulleu,  unnd  nymant  hatto  eygent- 
lich  gewust,  was  der  uffloufft  bedutet  adir  wo  is  her  queme,  undo  der 
gemeine  man  unnd  das  gemeine  volk  was  in  der  medici  huss  unnd 
hoff  gelouffen,  also  zu  orem  ubirsteu  Senatoren,  zu  lerne  undo  zu 
er  faren,  was  sie  in  don  dingen  thun  solden ,  unnd  funden  des  hern 
nicht,  sundern  das  geruchte  was,  er  solde  ouch  tod  sy,  unnd  also  des 
medici  frowe  erloubete  alle  sinen  harnass  unnd  geezug  zu  nemen  | 
unnd  zu  der  kirehen  zu  louffen  unnd  oren  hern  zu  suchen.  Deme  v 
toten  die  lute  also,  unde  funden  den  einen  medici,  oren  hern,  tod,  ge- 
nant julianus,  unnd  funden  den  andern  nicht,  genant  laurencius,  unnd 
wüsten  on  ouch  nicht  zu  suchene,  unnd  uffenten  mit  gewalt  die 
sacristien  unnd  funden  on  noch  an  deme  leben;  des  wurn  sie  sere 
erfrowet;  unnd  das  er  sere  wunt  was,  des  er  sehrocken  sie  sere  unnd 
fyolen  ome  zu  fusse  unnd  begerten  gnade,  unnd  erboten  sich  also 
getruwe  frome  luthe  allis,  das  er  sie  hiesse,  das  wolden  sie  gerne  thun 
williglichen  ane  alle  widder  rede.  Do  hatte  er  nicht  mehir  von  on 
begert,  wann  das  sie  on  en  heim  in  sin  pallacium  unnd  huss  beleyten, 
das  dann  also  von  on  getruwelich  gescheen  was;  unnd  also  er  mit 
deme  volke  uff  sinen  hoff  komen  was,  do  was  er  iu  innen  worden, 
das  er  des  pallacium  dos  ratishuss  unmochtig  worden  were,  unnd  hatte 
da  sich  mit  deme  volke  wol  vorsonnen  unnd  sie  vormant  unde  ge 
heissen,  das  sie  das  pallacium  widder  gewynne  unnd  in  nemen  solden, 
das  hatte  der  bisschoff  in  genomen.  Do  hatto  das  volk  abirmals  also 
die  getruwen  unnd  gehorsamon  lute  gethon,  unnd  das  pallacium  mit 
macht  gewonnen,  unnd  den  bisschoff  unnd  alle  die,  die  mit  ome  dar 
inne  geweest  worn,  von  stunt  allinthalben  zu  den  fenstern  uss  gehangon 
unnd  getötet  hatten.   Nu  ist  in  dissen  dingen  der  eyne  pecii,  jaeoff,*  j 

und  seine  Begleiter,  Andrea  und  Lorenzo  do  Cavalcanti,  Um  so  verteidigten, 
dass  er  in  die  Sakristei  (sacrarium)  entkommen  konnte.  7  Der  Erzbischof  von 
Pisa  drang  in  den  Bargello  (Palast  der  Si^noria,  Residenz  de«  Podestä)  ein,  um  die 
Signoren  zu  verhaften ;  allein  diese  ergriffen  ihn  und  Hessen  ihn  am  Fenstor- 
kreuze  aufhänjreu,  später  auch  den  verwundeten  Francesco  dei  Pazzi,  den  mau 
aus  seinem  Hause  herbeigeschleppt  hatte.  *  Jocopo  dei  Pazzi,  der  Oheim 
Francescos  dei  Pazzi,  der  das  Volk  aufreizen  sollte,  aber  keinen  Erfolg  hatte 
und  dann  floh;  auf  der  Flucht  aber  wurde  er  von  den  Gebirgsbewohnern  er- 
griffen und  nach  Florenz  zunickgebracht,  wo  er  4  Tage  spater  ebenfalls  auf- 
gehängt wurde. 


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390 


325.  Stück. 


«4  eyn  ritter,  uss  der  stad  uff  siner slossere  eins  gewichen,  aber  sie  hatten 
on  widder  er  haben  unnd  in  die  stad  bracht;  unnd  als  man  on  also 
gefenglich  gefurt  unnd  gehalden  hatte,  do  hatte  man  alle  ding  unnd 
an  siege  genezlich  von  om  erfarn,  unnd  on  zu  letczt  ouch  gericht  mit 
denie  stränge;  unnd  als  er  am  gerichte  also  gestanden  was,  do  hatte  on- 
der  henger  vor  mand,  sich  siner  sunde  lassen  beruwen,  ruwe  unnd 
Jeyde  dar  um  nie  zu  haben  als  eyn  cristen  menscho  thun  sal  etc.  Also 
hatte  er  nicht  andirs  da  gcredt,  wann  disse  wort  hirnoch  geschreben 
unnd  gesprochen:  herre  jacoff  peezii,  wo  ist  nu  din  grosses  gut  unnd 
dine  grosse  sehetcze,  do  von  du  gote  noch  der  weide  wening  gutes 
gethon  hast?  wo  ist  nu  dine  grosso  herlickeit?  wo  ist  dine  grosse 
gewalt  unnd  homut  unnd  dine  grosso  ungetruwe  vorneinunge?  komet. 
alle  tufele  in  der  helle,  füret  lieb  unnd  scle  in  die  undirste  abtgrunt 
der  helle!  Unnd  was  also  balde  von  der  galgen  loitten y  gestosssen 
unnd  erworgot. 

B.  Item  es  was  ouch  in  dissen  geschienten  gewest  eyn  cardinal,10 
den  selbien  hatten  man  an  gefangen  unnd  alle  sine  dienere  gehangen; 
abir  er  hatte  der  dingk  keino  gewust.  Item  in  der  selbien  vorreterie 
v  sint  gewest  der  koningk  von  neapolis,11  der  herezoge  von  |  ferrere,12 
der  grave  von  orbin  ,lH  der  grave  jorouinius  de  pnezii  zu  roma,1*  der 
bisschoff  von  pisa  unnd  das  ganeze  geslechto  paez15  zu  florencz,  die 
alle  haben  das  tradiment  ubir  die  fromen  unnd  eintrechtigen  laurencium 
unnd  julianum  de  medicis  an  gericht,  unnd  got  hatte  des  nicht  wolle 
vorhengen,  unnd  als  die  medici  vorgnant  uff  den  sontag  noch  sonte 
jorgentage lf'  anno  ut  supra,  haben  den  kardinal,  des  bobistis  frunt, 
achezen  jar  alt,  unnd  den  bisschoff  von  pisa  haben  in  eren  unnd  rede- 
lickeit,  unnd  in  rechter  fruntschaftt  in  oren  hoff  zu  gaste  gebeten  unnd 
alle  or  hofegesindo,  gar  in  grosssen  fruntlichen  triumpho,  sint  sie  zu 
vor  in  die  ki rohen  zu  sanete  librata17  gegangen,  unnd  die  medici  worn 
ouch  beide  in  der  kirchen,  sie  stunden  abir  nicht  bic  enander,  unnd 
also  julianus  nicht  ferne  von  deme  altere  knyte,  do  man  agnus  dei1* 

!'  Mhd  „leitcr,  leitere"',  stf..  —  md  „leite",  swf.,  mundartlich.  10  Raflaclc 
Iviario,  Nelle  des  römischen  (trafen  (Jirolaino  Riario,  eines  Verwandten  des 
Papstes  Sixtus  IV.;  letzterer  hatte  den  jungen  Riario,  18  Jahre  alt.  zum  Kardinal 
erhoben,  als  derselbe  auf  der  von  Ix>renzo  de  Mediei  in  Pisa  gegründeten  Hoch- 
schule  Kirchenrecht  studierte.  Vom  Erzbisehof  Francesco  de'  Salviati  wurde 
der  junge  Kiario  überredet,  «ich  in  Florenz  vorzustellen,  und  während  seiner 
Anwesenheit  sollte  der  Mordplan  ausgeführt  werden.  Er  selbst  war  unschuldig, 
wurde  zwar  verhaftet,  aber  dann  wieder  freigelassen.  11  Ferrante  I.,  1458  bis 
1490.  '-'  Herkules  I.  von  Este,  Herzog  von  Ferrara,  1471—1505.  18  Die 
(■trafen  von  Montcfeltre ,  Herren  von  Urbino,  wurden  i.  J.  1474  vom  Papste 
Sixtus  IV.  zu  Herzögen  von  Urbino  unter  näjwtlieher  Hoheit  erhoben;  damals 
herrschte  Graf  Foderigo.  "  Ein  Zweig  Oer  Pazzi  hatte  sich  in  Rom  nieder- 
gelassen ,  wo  sie  Horb  anquiers  des  Papstes  waren.  !i  In  Mechern» ,  Über- 
setzung von  Roseoe,  Leben  l^orenzo  des  Erlauchten,  findet  sieh  ein  Stammbaum 
der  Pazzi;  s.  Uu,  (^schichte  Italiens,  IV,  S.  8*:,.  1H  26.  April  1478.  17  Fehler, 
für  Saneta  Repa  rata ,  wie  früher  der  Dom  von  Florenz  (jetzt:  Santa  Maria  del 
Kiorel  genannt  wurde.  ls  Das  „agnus  dei,  qui  tollis  peeeata  mundi"  ist  ein 
(iebet  in  der  Mes-. ,  im  ordo  missae  vor  der  Konnnunion  des  Priesters. 


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320.  Stuck. 


3Ü1 


sang,  tutete  sich  bie  on  franciscus  de  pacz  ritter  unnd  stach  on  tod; 
des  wart  laurencius,  julianus  bruder,  gewar,  das  sin  bruder  vil  unud 
starb,  der  lieff  zu  unnd  sine  f runde  unud  knechte  unnd  wunten  den 
franciscum  ouch,  abir  er  wart  ge  sehutezt,  unnd  slugen  ufi  laurencium 
de  inedieis,  der  wart  gar  sere  geslagen,  unnd  das  volk  brachte  on  in 
die  sacristen,  unnd  was  ein  gross  errethum  in  der  kirchen,  unnd  man 
konde  bie  einer  stunde  kume  gelerne,  was  is  vor  eyn  ding  unnd  eine 
vorreterie  were,  |  unnd  bieben  vil  luto  tod,  unde  inischere1«'  jaeoff  de  *tb 
pacz  unnd  ritter  unnd  sin  cappellan,  misscher  Steffen,  slugen  uff  lauren- 
cium de  raedicis;  den  schutezte  eyn  burger,  der  vil  uffon  unnd  d rockte 
on  linder  sich,  der  wart  uff' omo  er  stechen;  also  brochte  on  das  grosse 
volk  in  die  sacristen;  du  bie  was  eyn  hoer  dutezer,  genant  grosse  hans, 
der  slug  gar  swinde  uft'  laurencium,  unnd  der  selbie  hans  hatte  vor  in 
der  kirchen  Vil  menschen  erworget,  der  wart  do  zu  stucken  gehowen 
von  deine  volke,  wann  er  wolde  sich  nicht  gefangen  gebe,  unnd  der 
vorrethere  knechte  wom  alle  gocloidet  als  die  Studenten,  unnd  des 
cardinals  capellan,  der  ome  das  cruezo  vortrug,  wart  ouch  crslagen, 
unnd  was  do  eyn  gross  jammer  in  der  kirchen  unnd  in  der  stad 
tlorencz;  unnd  in  den  geschienten  quam  der  bissehoff  von  pisa  unnd 
nam  das  pallacium  der  stad  in,  unnd  ersolde  den  potestaten  er  stochen 
habe.  Do  wart  ome  der  wegk  undergangen,  sundern  der  rittor,  misscher 
jaeoff*  de  pacz,  der  solde  deine  bisschoff'e  zu  hulffe  komo,  das  pallacium 
in  zunemen.  Do  er  vor  das  pallacium  quam,  do  was  also  vil  volks 
vor  deine  pallacium,  das  er  nicht  konde  dar  zu  kome,  unnd  floeh  mit 
sineiu  volke,  das  er  hatte,  zum  thore  uss  mit  vierezig  pferden  unnd 
LX  fnss  fönten,*'0  wann  er  hatte  die  slosssele  zu  der  |  pforten  unnd» 
(juam  also  da  von;  unnd  an  dem  XXVJ1  tage  aprilis  hat  man  den 
franciscum  de  pacz,  ritter  unnd  gewaldiger  richer  man,  bloss  unnd 
nacket  uss  dem  pallas  zu  floreuez  gehangen,  der  do  julianum  de  medicis 
hatte  er  mort  in  der  kirchen,  unnd  noch  sinem  tode  hatten  sie  on  an 
eyn  ross  gebunden,  unnd  in  der  stad  florenez  von  g:isseu  zu  gassen 
gesleifft,  unnd  die,  die  ome  hatten  gehulfcn  er  slahen  julianum,  die 
hatten  sie  gefirteilt,  unnd  hatten  eyn  ferteil  mit  deine  rechten  arme 
unnd  ore  houbt  uff'  stangen  gestackt  unnd  in  der  stad  umme  ge  furt 
unnd  ge  sehregen  palla,21  unnd  die  kindere  no  mondie  stucke  unnd 
sleifl'ten  sie  in  der  stad  umme.  Dar  nach  uomen  sie  den  bissehoff'  von 
pisa  mit  czwen  brudein,  unnd  hingen  die  an  das  pallas  zu  florenez 
unud  hvewen  sie  dar  nach  zu  kleinen  stucken.  Item  man  hatte  ouch 
vier  bruder  des  ritters  jaeofts  von  pacz  gehangen,  bie  den  fand  man 

l*  Mundartlich  für  „nioasire"  „Herr",  Bezeichnung  für  Edclleute  und 
lindere  höhrr  gestellte  Männer.  V1>  „vende",  swni.,  „Kiial>e,  .Junge"  (aus  lalein. 
infaus),  auch  „FussaoldaC,  hier  besonders  ,,I'uj*s  feut"  -=  „Fusugäng^r".  Vom 
ital.  jwdla  —  ,, Kugel";  die  Kugeln  waren  im  Wnpjien  der  Medieeer  {»  Heyck 
a.a.O.  S.Ii»,  aus  der  Kirche  der  Badia  zu  Klorenz).  Das  Volk  schrie:  vivano 
le  palle,  palle;  muojauo  i  traditori  „e*  leben  die  Kugelr  !  Tod  den  Ver- 
rätern !" 


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325.  Stück. 


stige  leitteru  mit  stricken  in  oren  busern,  da  niete  sie  wolden  die 
seidenere  in  die  stad  breugen  unnd  die  stad  zu  gewinnen,  uund  in 
oro  haut  zu  antwerten.  Item  sie  hatten  ouch  alle  reverendarii,  doctores, 
capellani,  stuterer,-  unnd  allis  hof'egesiude  des  bisschoffs  unnd  cardiuals 
gehangen,  unnd  was  nicht  gehangen  wart,  das  wart  doch  sust  erslagen. 
*-«  Alse  hatten  sie  XI  gesellen,  des  bisschoffs  hofegesinde  unde  |  frunde, 
nacket  unnd  lebende  uss  deine  pallas  zu  einem  fenstere  uss  goworffen; 
da  stunden  mehir  wann  seehss  tuseut  man  gewopent  in  orem  harnasch, 
die  fingen  die  gesellen  in  ore  spiesse,  das  sie  steckten;  dar  nach  hiewen 
sie  die  zu  kleinen  stucken,  die  nomen  die  kindere  unnd  sleiflten  die 
stucke  in  der  stad  umuie  unnd  riffen:  viva  palla,  viva  paüa.  Das  ist 
der  medici  wopon  ruff.  Item  dar  nach  in  deine  XXVni  tage  aprilis 
hingen  sie  dritczen  mechtige  tlorentiner  vor  des  potestaten  pallas Ji 
unnd  süssen  alle  tage  gerichte,  unnd  forsten  nach  den  vorretern,  wo 
die  verborgen  logen;  unnd  was  mau  der  or  für,  die  hingen  sie  zu 
oren  eigen  huseru  uss,  die  in  deme  bunde  worn.  Item  an  deine 
sclbicn  tage  holten  sie  misschere  jacoff  de  pacz,  den  ritter,  der  gellohen 
was,  mit  XI.  pferden  unnd  LX  schutezen  fuss  knechte;  der  was  komen 
XXVill  welsche  mile  von  florencz,  unnd  hette  er  nach  VJ  mile  vordir 
komen,  so  were  er  sicher  gewost;  den  brachten  sie  gefangen  mit 
VII  knechten,  unnd  wolden  on  henge;  do  bad  er  umme  das  swert,  das 
wart  omo  vor  sagit,  er  muste  hange.  Also  sprach  er  uffintlich: 
ich  habe  myn  gesiechte,  wib  unnd  kindere,  gut  unnd  ere  vor 
lorn;  die  sele  wil  ich  deine  tutile  gebe.  Also  hingen  sie  on  unnd 
begruben  on  in  des  heiligen  crucis  kirchen21;  da  hattes  also 
▼  grusam  gelebet  des  nachtes  in  der  kirchcn  umme  |  das  grab,  das 
die  monche  wolden  unsynnig  werde;  also  gruben  sio  on  weddir  uss, 
unnd  gruben  on  ussewendig  der  stad  muren;  dar  nach  grub  on 
der  stad  soldenor  uss  unnd  sleift'ten  on  in  der  stad  dorch  alle  gassen, 
unnd  worffcn  on  in  das  wasser.  Item  den  cardinal  fingen  sie  unnd 
nomen  ome  alle  sine  gülden,  golt,  silber,  pferde  unnd  harnasch,  was 
or  dos  hatte,  unnd  hingen  allo  sine  roverendarii ,  doctores,  cappellani, 
einen  abbrevintorem  literarum  apostolicarum  ,SÄ  stuterer,  credencerer, 
marstaller,  stalknechte;  unnd  was  nicht  gehangen  wart,  ist  allis  er- 
slagen.   Item  sie  hatten  ouch  dem  comiti  jeronimo  de  pacz20  hundirt 

Übersetzung  von  marsehal  (»der  Stallmeister,"  denn  Stotarius  i*t  (nach 
Hrinckmeier,  glossariutn  diplomat.  ».  v.)  „Aufseber  in  der  Stuterer'  (stota  =  Pferde- 
stall). ri  Das  Bargello  in  Florenz.  21  D.i.  die  Kirche  Santa  Croce,  in  deren 
Kreuzgang  sich  die  capella  Pazzi  befand  und  noeb  l)efiridet,  eine  der  anmutigsten 
Schöpfungen  der  Frührcnaissance ,  von  Brunellesco  i.  J.  1420  erbaut.  24  (Je- 
wöbnlich  imbreviator  genannt.  Koncipist,  d.i.  derjenige,  welcher  die  erste  Nieder- 
schrift besorgt,  nach  dem  heutigen  Sprachgebrauch :  „päpstlicher  (tehcimsekret«r"; 
»•in  solcher  ist  wohl  auch  der  bald  genannte  ineister  (magister)  Walther.  Diese 
Beamten  der  päpstlichen  Kanzlei  schildert  Piatina.  Vita  Pauli  II,  als  ein 
Kollegium  der  trefflichsten,  gelehrtesten  Leute:  „da  waren  die  erfahrensten 
Juristen,  da  waren  Redner  und  Dichter,  welche  der  Kurie  ebensoviel  Glanz  ver- 
liehen, als  sie  von  ihr  empfiengeu."  S.  ob.  A.  14;  über  die  anderen  Pazzi 
s.  auch  die  ob.  A.  15  erwähnte  Stammtafel  der  Fazzi. 


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325.  Stück.  393 

tusent  ducaten  in  der  wecbsol  bangk  genomen.  Item  is  wart  oueh  ge- 
fangen ratiea  de  pacz,  ritter,  unnd  czwene  antonio  de  pacz,  allis  ge- 
fangen unud  gehangen.  Item  wilhelmus  de  pacz-7  was  laurencius  de 
medicis  swager,  unud  der  wüste  nicht  umme  das  tradiment  nach  von 
den  sachen,  unnd  andere  mehir;  yo  doch  so  musten  sie  alle  gefangen 
unnd  gehangen  werden.  Item  unnd  were  der  laurencius  de  medicis 
erwürget  unnd  gestorben  so  weren  ubir  X  tusent  menschen  in  der 
stad  er  slagen  worden,  also  grosse  vor  rcterie  hatten  die  paczi  an  geriebt; 
unnd  der  grave  jeroniinus,  der  quam  keyn  klein  tlorencz  mit  grossem 
volke  zu  rosse  unnd  zu  fusse,  die  soldeu  alle  zu  deine  tradiment  in 
die  stad  kome,  unnd  betten  |  danne  die  stad  genotiget.  Item  des 
babists  diener,  meister  walthait,  wart  zu  scarparia-s  gefangen  unnd 
keyn  tlorencz  gefurt,  unnd  czogen  on  uss  unnd  brochen  orae  alle  sine 
brefe  ufl;  dar  inno  fand  man  den  grünt  der  sache.  Item  die  von 
tlorencz  hatten  oueh  lassen  gebieten  arm  unde  rieh,  wer  den  minien 
der  pacz  nennete  in  ciagewisse,  der  solde  das  leben  vor  lern  habe. 
Item  die  wibe  unnd  kindere  der  paeze  gesiechte  sint  alle  worden  ge- 
fangen unnd  sulden  dar  inne  gefencklich  bliben  hiss  an  or  ende,  unnd 
dar  inno  sterben,  also  das  sie  alle  tod  unnd  getilget  worden  zu  ewigen 
geeziten.  Item  die  von  tlorencz  hatten  oueh  vil  der  vorretere  lasen 
cordiln,  das  ist,  or  hereze  lassen  uss  orem  liebe  snvton,  unnd  uff  stehe 
gestackt,  unnd  dio  laurencio  de  medicis  an  sin  angesichte  bracht,  uff 
das  oro  bossheit  worde  uss  ge  breitet,  wie  ore  falsche  vorrettersche  hereze 
sulehis  fromes  getruwes  unnd  eintrechtigis  ge  siechte  de  medicis  iu  den 
tod  vor  raten  hatten,  die  danne  alle  tage  mehir  wann  dry  hundert 
arme  menschen  Hessen  spissen,  unnd  stillten  vil  pfrunde,  ehor  hern, 
thumhern  pfrunde,  clostere,  Kirchen,  Capellen,  unnd  gruss  gut  umme 
gotis  willen  geben  unnd  vil  gutis  toten.  Item  dio  von  tlorencz  hatten 
oueh  einen  gardian2y  mit  funffezen  I  monchen  lassen  hengen,  die  worn  v 
oueh  in  der  vorreterie  gewest.  Item  die  von  tlorencz  hatten  oueh 
ernstlichen  lassen  gebieten,  also  wid  or  laut  beruren  ist,  alle,  die  da 
haben  ducaten,  gülden,  grosschen  adir  munteze,  dar  uff  das  gemercke 
unnd  czeichen  des  gesleehtes  de  pacz  stohit,  das  sint  czwene  fische, 
unnd  alle  munteze,  die  sie  haben  lasen  slahen,  dio  Salden  sie  bie 
czweien  mandon  alle  keyn  tlorencz  breiigen,  darumme  wolden  sie  on 
gnugsam  thun  unnd  andere  munteze  geben  unnd  wechsele  pflege,  uff 
das  die  selbio  munteze  gancz  solde  getilget  werde  unnd  zu  ewigen 
geeziten  nummer  mehir  genomen  nach  genant  werde.  Item  die  von 
tlorencz  haben  graven  jeronimo  de  pacz  genomen  allis  silbern  getissse, 
das  er  deme  kardinal  gelihen  hatte,  unnd  dar  zu  alle  sin  gut  unnd 
habe,  unnd  die  vorreterie  unnd  tradiment  ist  wordon  an  geslagen  in 

"  (Juglielmo  dei  Pazzi  war  vermählt  mit  Bianca  de  Mediei,  Tochter  Pietms 
und  Schwester  Lorenzos  und  (liulianos  de  Medici.  38  Scarneria,  Gemeinde  im 
Distrikt  und  in  der  Provinz  Florenz.  73  „Guardian''  Wessen  ursprünglich  die 
Vorsteher  (put er  superinr)  der  Franziskanerklöster,  dann  auch  der  Klöster  der 
Minoriten  und  Kapuziner. 


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394 


326.  Stück. 


oren  herczon  vor  drien  jarn  unnd  an  gefangen,  unnd  hat  sich  in  dissem 
1478  jaro  aller  erst  uss  gewist  anno  domini  11°  CCCC°  LX  XVIII0,  XXVl  die 
meusis  aprilis  [secunda  feria]:{0  prima  die  post  marci  ewangeliste  [sie  |, 
unnd  das  hatte  haus  bueheler,  cyu  inwoner  zu  florenez,  dem  ebisschofle 
von  missen  ^cschreben.   

320.  Hir  noch  folget  eine  grosse  ezweitracht, 
krigk  iuuhI  hatfder  czwissclieii  den  von  erffort  nnnd 
deine  bisschoffe  zu  mentez  nnnd  den  hern  zu  missen 
unnd  dornigen,  ge  selieen  in  mynen  geeziten,  genant 
er  eonrad  stolle,  eyn  viearier  zu  sant  Sever  zu  erffort, 
der  ditezs  ge  selireben  liad.1  I 

**»  Von  denie  bisschoffe  zu  mentez  unnd  der  stad  erffort. 

Als  man  schreib  nach  gotis  gebort  vierezeuhundert  unnd  sechss 
1I<<>  unnd  sobenezigk  jar,  nativitatis  marie,  starb  der  bisschoff  zu  mencz, 
adolfus  von  nassaw,2  der  was  gar  eyn  fromer  man,  unnd  hilts  gar 
gutlichen  mit  der  stad  erffort,  wann  er  wass  gar  vi I  jar  eyn  provisor3 
gewest  uff  deme  eissfelde,  unnd  was  vil  zu  erffort,  die  wiele  er  eyn 
provisor  was.  Item  noch  ome  wart  zu  bisschoffe  gekorn  grave  diether 
von  isenbergk,1  der  vor  XVIII  jarn  ouch  was  bisschoff  zu  meuez 
gewost,  unnd  wart  aller  dinge  abe  gesatezt  von  deme  babisle  pio  unnd 
ouch  deme  capittel  do  selbest  zu  menez.    Unnd  do  der  gnaute  bisschoff 

a"  Die  Wurte  „secunda  feria"  haben  wir  im  Texte  eingeklammert,  weil  sie 
unverständlich  nind.  Per  Tag  des  St.  Marcus  evangelista  war  der  25.  April, 
i.  .1.  147S  ein  Sonnal>end ,  der  berüchtigte  26.  April  1478  war  alno  der  darauf- 
folgende Bonntag. 

32<i.  1  Die  hier  erzählten  Wirren  zwischen  Erfurt  und  den»  Erzbischofe 
Dicther  von  Mainz,  1470  -  14H0,  sind  (mit  Ausnahme  der  kurzen  Darstellung  bei 
v.  Tcttau,  Das  Staatsrecht!.  Verhältnis  v.  Erfurt  z.  Erzstift  Mainz,  JAE,  N.  F.  I, 
IW50,  S.lloll'.,  und  ('.  Weyer,  (icHchichte  der  Stadt  Erfurt,  1893.  S.  32  ff.)  noch 
nicht  wissenschaftlich  behandelt  worden;  s.  sonst  v.  Falckenstein ,  Civitatis  Er- 
furtensis  histor.  crit.  et  diplom.,  1730,  S.  344tf.  Die  in  grosser  Zahl  vorhandenen, 
mit  Ausnahme  der  Anschläge  des  Erzbisehofs  und  des  Rates  -  über  diese 
s.  St.  327  A.  1  u.  St.  328  A.  I  —  noch  ungedruckten  Urkunden  wird  der  in  Vor- 
bereitung begriffene  Iii.  Hand  des  UE  bringen.    Stolle  giebt  nur  Unvollständiges. 

Am  (>.  September  1475.  Über  ihu  und  den  Streit  mit  Diether  von  Isenburg 
n.K.  Menzel,  Diether  von  Isenburg,  Erzbischof  von  Mainz,  1459—1463,  1868. 
Adolf  war  vom  Papste  Pius  II.  am  21.  August  1461  zum  Erzbisehof  ernannt 
worden.  8  Also  zum  Statthalter,  s  Menzel  a.a.O.  S.  151,  u.  A  2  daselbst;  die 
Bestallungsnrkunde  d.  d.  Ohnen  dinstag  noch  divis.  apostol.  (=  17.  Juli)  1459. 
Auch  in  Erfurt  hatte  der  Erzbischof  einen  provisor  ( procura tor  alodii,  an  Stelle 
des  früher  erblichen  Vi/.thiims,  näheres  s.  bei  C.  Iteyer,  Die  Entstehung  des 
Knies  der  Stadt  Erfurt  im  Mittelalter,  Programm  der  Realschule  z.  Erfurt,  1892, 
S.  17).  Die  einzelnen  zählt  V.  P»e\er  i.  UE,  Pegister  Rd.  I  pag.  488  u.  Rd.  II 
pag.  892  auf.  4  Zum  erstenmal  gewählt  i.  .1.1459,  abgesetzt  von  Papst  Pius  II. 
am  21.  Aupust  1161,  kämpft  gegen  Adolf  von  Nassau,  entsagt  aber  durch  Ver- 
trag vom  5.  Oktober  14ü3.  zum  zweitenmal  gewählt  am  9.  November  1475,  stirbt 
am  7.  Mai  1482. 


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326.  Stück.  895 

adolff  nu  gestorben  was,  do  machte  das  cnpittol  dissen  selbien  diethe- 
rum  widder  zu  einem  bissohoff,  deine  bisthum  zu  gute,  wann  er  hatte 
noch  vile  stete,  slosserc  unnd  czolle  inne,6  die  alle  zu  deine  bisthum 
geborten.  Er  hatte  euch  zu  der  vergangen  czit  das  stifft  zu  mencz  in 
grossen  unrad  bracht,  unnd  man  meinte,  er  solde  das  stiftt  nu  widder 
brenge  in  rad.  Er  hatte  ouch  die  bergk  Strasse  vor  satezt  dorne  pfalcz- 
graven''  otc.  Unnd  als  er  nu  bestetigit  wart,  do  schickte  er  sinen 
bruder,  junckir  johann  von  isenbergk,''  keyn  erflbrte,  er  ebirhart  von 
clleuben,  oyn  thumherre  zu  fresslar,8  unnd  einen  schriber  ewalt  wymar; 
dio  lagen  wol  eyn  firteil  jars  zu  erfl'ort,  unde  roten  alle  wochen  umme 
die  stad  uff  den  graben  hon  unnd  her,  unnd  besahen  unnd  lerten9  vil 
der  gewonheit  zu  erflorte,  unnd  der  |  worden  sie  ouch  underwist  von  ▼ 
vil  luthen  der  gefrund,10  unnd  ouch  gemeyne.10  Es  was  ouch  eyn 
boubtmau  zu  erftort  zu  der  czit  gnant  er  ditterich  von  harras,  der  wass 
im  lande  zu  missen  da  heime,  unnd  den  fursten  zu  missen,  herezogen 
ernste  unnd  herezogen  albrecht;  der  selbie  houbtman  was  tegolich  bio 
den  von  mencz  in  deine  hofe,11  unnd  do  was  eyn  vitezthum,  gnant 
gunther  bogk,1'-  der  was  ein  geborn  burger»  zu  erfl'ort,  unnd  was  vor- 
geeziten  eyn  ratismeister  gewest,  der  wüste  vil  der  stad  erftort  gewon- 
lieit, unnd  von  den  lernten  die  menezschin  vil  dingis.  Unnd  do  sie 
wol  eyn  ferteil  jars  zu  erflbrte  gelegen  unnd  gelernt  hatten,  was  <"m  n 
noyd  was,  do  werben11  sie  vor  eym  rad  zu  erfl'ort  etwas  zu  werben," 

*  HS:  ln.«or. 

r'  „Höchst,  Steinheim  uutl  Dieburg  mit  ihren  Zubehöruugen ,  und  mit  aller 
Obrigkeit,  Herrlichkeit,  geistlichen  und  weltlichen  liehen"  (s.  Vertrag  vom 
5.  Oktober  1463,  Menzel  a.  a.  O.  S.  214).  "  Mit  Friedrieh  von  der  Pfalz  sehloss 
Diether  am  19.  November  1461  den  Vertrag  zu  Weinheini .  in  welchem  ihm  die 
„Bergstraße"  mit  den  Städten  Starkenburg,  Hepj>cuhcim,  Bcushcim  und  Mörlen- 
bach u.  a.  verschrieben  wurde;  in  diesem  Besitze  behauptete  »ich  der  Pfalzgral' 
im  endgiltigen  Frieden  i.  J.  1403,  s.  Menzel  a.a.O.  S.  16H  u.  220.  7  Diether 
stammte  aus  dem  Hause  der  edlen  Herren  von  Isenburg,  welche  in  dcrWetterau 
reiche  Besitzungen  hatten:  1  Methers  gleichnamiger  Vater  regierte  die  Herrschaft 
Büdingen,  welche  Kaiser  Friedrich  III.  i.J.1412  zur  Reichsgrafschaft  erhob;  von 
seiner  Gemahlin  Elisabeth,  (iräfin  von  Solms,  hatte  er  eine  stattliche  Reihe  Söhne: 
hier  wird  neben  Diether  Johann  erwähnt  |s.  auch  Menzel  a.  a.  O.  S.  18;.  *  Fritzlar. 
"  Eine  der  nicht  seltenen  Stellen,  au  welchen,  wie  schon  in  der  ganzen  mhd.  Zeit 
(s.  die  Ijcxika),  die  beiden  Verba  , .lernen''  und  „lehren"  miteinander  verwechselt 
werden,  wie  es  uoch  heute  im  Volksmunde  geschieht.  10  Es  gab  also  Mit- 
glieder sowohl  der  edlen  Geschlechter  (der  alten  Ministerialen),  sowie  in  der  im 
Gegensatz  zu  ihnen  stehenden  grossen  Menge  der  sonstigen  Bürger,  namentlich 
der  Zünfte,  Leute,  welche  es  mit  Mainz  hielten.  11  Mainzerhof.  '•'  Vgl.  Gudenus, 
bist.  Erf.  i».  130 ;  Härtung  Kammerineister,  h.  v.  Reiche.  S.  73  n.  A.  1.  Bogk  ist  ein 
angesehener  Erfurter  Bürger;  er  kauft  14V>  einen  Teil  der  Erfurter  Stadtgräben  vom 
Rate;  1401  — 1470  ist  er  mich  den  Erkunden  mainzischer  Vizthum  =  Viecdominus 
(s.  SammelUind  des  Georg  Balthasar  von  Millwitz  im  Stadtarchiv  zu  Erfurt). 
1:1  In  diesem  Stücke,  wie  in  St.  327  u.  328  finden  wir  umgelautete  Formen  des 
pron.  personal.  III.  Person  wie  des  von  ihm  abgeleiteten  Possessivpronomens, 
welche  sonst  nicht  vorkommen:  i'une,  ön,  ör,  öre,  örem,  ören  u.a.  "  „werben", 
Mtv.,  intransitiv -=  „sich  bemühen  ',  trans.^  „ausrichten",  also  hier:  „sie  bemühten 
sich,  etwas  auszurichten,  sie  baten  um  Erlaubnis,  etwas  vor  dem  Rate  vortragen 
zu  dürfen". 


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396  326.  Stück. 

das  erlich  were  von  örom  hern  von  mencz  wegen.  Da  schickte  der 
rad  zu  ön  vier  uss  deme  rate  zu  vorhoren  ör  gewerb;  do  woldeu  sie 
nicht  vorczclen  ör  gewerb,  sundirn  sie  wolden  seibist  vor  den  rad. 
Der  rad  werte  sich  lange,  wann  es  was  nicht  öro  gewonheit,  sulcho 
luthe  in  ören  rad  vor  sio  zu  geene,  sundern  er  uss  zu  senden.  Sie 
wolden  ye  vor  den  rad,  unnd  als  mau  sie  en  in  Hess,  do  vorczalte  der 
ewalt  wyraar  czwey  adir  drie  artikel,  unnd  czoich  dar  nach  eine 
eziddele15  er  uss,  die  liilt  XVJ1I  artickel,  wie  die  von  erflorte  unrede- 
licb  teten  widder  ören  hern  von  mencz,  unnd  eoich  sich  vaste  zu 
czwey tracht  zu  machen  in  der  stad.  Der  rad  was  des  nicht  wol  zu 
freden,  sundern  sie  sprechen,  sio  wern  uff  sulche  artickel  I  zu  ant- 
worten nicht  bedacht,  sundern  das  sio  ön  eine  copien  der  sache  Hessen, 
so  wolden  sie  ön  dar  uff  antwerte.  Unnd  dar  uff  taten  die  von  erffort 
öre  antwart,  unnd  beslossen  sie  mit  örer  eigen  clage,  das  sie  unrede- 
lich  bericht  worden.  Also  czogen  die  von  mencz  hin  weg,  unde 
schütten  dar  nach,  das  der  bisschoff  von  mencz  sine  ampte  uff  deme 
eissfelde  bostellon  sohle.  Do  was  einer  von  swarezpurg  eyn  provisor. 
gnant  grave  hoinrich,  den  drang  der  bisschoff  mit  gewalt  von  deme 
provisor  ampt,  unnd  der  houbtmau  von  erffort.  er  ditterich  von  harras 
gnant,  der  brachte  den  bisschoff  von  mencz  den  hern  von  misson  zu 
künde;  die  hatten  vil  geldes,  wann  der  sneberg16  zu  czwickaw  gab 
grross  gut.  Item  er  eberhart  von  elleuben  unnd  der  houbtman  von 
erffort  roten  dar  czwisschin  unnd  hrachtens  dar  zu,  das  eyn  junger 
horre  von  missen,  gnant  herezoge  albrecht,17  bye  IX  jarn  alt,  horezogen 
ernstes  son,  des  korforsten,  eyn  thumherre  zu  mencz  wart,  unnd  koufften 
oucli  eine  vortorben  grave  schafft,  das  der  selbie  junge  horre  ouch  eyn 
rin  gravo  syn  sohle,  uff  den  slag,  das  er  mochte  eyn  provisor  werde 
uff  deme  eissfelde  unnd  zu  erfforte  in  domo  hofe,  unnd  hir  nach  eyn 
bisschoff  zu  mencz.  Der  bisschoff  zu  mencz  schreib  den  von  erfforte, 
her  woldo  sine  ampt  bestelle,  unnd  bette  zu  einem  provisor  gemacht 
unnd  gesatezt  herezogen  ernst  son  von  missen  in  sinem  fürstlichen 
hofe  zu  erffort,  unnd  begerte,  das  man  den  wolde  dar  in  losse,  unnd 
roohonunge  von  den  amptluten  zu  nemen,  unnd  vordir  den  hoff  zu 
v  bestellen.  Die  von  erfforte  vornomen  |  die  schrifft  des  bisschoffis,  das 
er  den  hoff  zu  erffort,  gnant  allodiura,  eyn  für  werg,  vor  eynen  fursten 
hoft  lialde,  den  die  von  erffort  ubir  soben  jar  eins  stormen,  unnd  ouch 
ön  czinssbar  unnd  schossbar  ist,  unnd  nomen  zu  der  selbien  czit  den 
selbien  hoff  selbir  in  unnd  bestalten  den,  das  dar  in  nymant  czehon 
sohle  ano  oren  willen;  unnd  die  von  erfforte  meynten  ouch,  is  wer© 

'•*•  Mhd  zedcle  =  nid  eziddele,  abweichend  vom  heutigen  Sprachgehrauch 
*tf.,  au.s  lat.  schedula.  "!  Die  Bergt»tadt  Schneeberg  im  Königreich  Sachsen, 
KroisIiauptmann.Hehaft  Zwickau,  bekannt  durch  ihre  Silberbergwerke,  an  welchen 
viele  reiche  Erfurter  Bürger  Anteil  hatten.  "  Der  2.  Sohn  de»  Kurfürsten 
Ernst  des  Sanftmütigen,  geb.  am  17.  Dezember  1464.  Die  unten  genannten 
Kürslen  von  Meissen  sind  also  Kurfürst  Ernst  und  »ein  Bruder  Albrecht. 
S  auch  Xicoüius  von  Siegen,  chron.  eccl.  pag.  464  u.  465. 


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826.  Stück 


307 


noch  nye  keyn  furste  eyn  provisor  gowest,  unnd  sie  wolden  ouch 
nicht,  das  sie  der  bisschofi'  also  mit  solchen  amptluten  ubir  setczcn 
solde,  unnd  befoln  ören  thor  Worten,  nymandes  in  zu  lassen,  der  in 
den  hoff  riten  wolde.  Unnd  der  bisschoff  von  mencz,  gnant  dieterus, 
begunste  die  stad  erflort  vaste  zu  ubirschriben  unnd  ubir  sie  clagcn 
den  fursten  zu  missen.  Die  fursten  von  missen  nomen  sich  des  sere 
an  unnd  worden  czorning,  dar  um  nie  das  die  von  erffort  nicht  wolden 
zu  lasse,  das  ör  son  eyn  provisor  mochte  werde,  unnd  schieben  deme 
rate  zu  erfforte  dar  um  nie,  unnd  meynten,  is  were  ön  einer  grosser 
hun  unnd  schände.  Der  rad  zu  erfforte  wolde  dar  in  nicht  willige 
unnd  besorgiten  sich  ouch,  das  ön  nicht  geschege  als  den  von  halle, lH 
unnd  meynten  zu  Vorsorgen  öre  stad  erffort,  wann  die  fursten  gingen 
mit  hinderlisten  urame  Item  die  fursten  sehreben  ouch  den  hant- 
wetgen  unnd  czunflten  zu  erflort  grosse  unnd  vil  brefle  unde  clagiten 
ubir  den  rad,  unnd  meynten,  die  czunftte  wüsten  nicht  dar  von,  was 
eyn  rad  tete,  unnd  wolden  errethum  mache  in  der  stad  erffort.  Item 
die  hantwerge  zu  erffort  schreben  den  fursten  |  widder  nach  willen  des  no 
rats,  wanne  die  hantwerge  hatten  alle  öre  brefe  alles  zu  gesigilt  deme  rate 
geantwart.  Unnd  die  antwart  lutet  also:  sie  netten  deme  rate  alsogehuldet 
unnd  gelobet,  was  die  teten  unnd  vor  das  beste  eikenten  uff  öre  eide, 
das  wolden  sie  vorvolge  unnd  helffen  vor  teydingen  mit  liebe  unnd  mit 
gute.  Do  hatten  die  selbien  fursten  deme  bisschoffe  zu  mencz  gross 
gelt  gelegen  uff"  das  eissfelt,  unnd  hatten  Öme  des  gereyte  zu  fulda  be- 
czaltXXXU  tusent  gülden,  unnd  der  bisschoff  satezte  herezogen  albrecht 
zu  einem  provisor  uff  deme  eissfelde  zu  rusteuberg,  tudirstat  unnd 
heilgenstat,  das  nam  er  in,  unnd  satezte  eynen  russin  von  greutcz  l!l 
keyn  rusteberg.  Der  noch  alzuhant  vaste  der  bisschoff  die  von  erffort 
an  zu  notigen  unnd  gefrunte  sich  zu  den  furston  zu  missen  zu  widder 
drisse  der  stad  erffort,  unnd  uieynte  also,  wass  er  nicht  zu  künde 
breiige  noch  vormochte,  das  sulden  öme  die  fursten  helffen,  in  der 
meynunge,  das  er  meynte,  die  von  erffort  zu  betwingen  unnd  eygen  zu 
machen.  Unnd  als  die  von  erflort  nu  marckten,  was  der  bisschoff  unnd 
die  fursten  gemeynt  worn,  do  appellirten  unnd  beriffen  sich  widder  den 
bisschoff  an  unsern  heiigesten  vater,  den  babist,  unnd  schickten  keyn 

,N  Kurfürst  Ernsts  3.  Sohn  Ernst  (geb.  am  26.  Septbr.  1466)  war  zum  Erz- 
bischof  von  Milseburg  am  8.  Januar  1476  gewählt  worden.  Das  letzte  Werk 
Reines  Vorgängers  Johann  von  Bayern,  Pfalzgrat  bei  Rhein  (1464—1475),  war  ge- 
wesen, die  Streitigkeiten  zwischen  Rat  und  Pfannerschaft  (Besitzer  der  Thal- oder 
Salzgüter  zu  Halle)  beizulegen.  Da  die  Stadt  Halle  unentgeltliche  Belehnung  ver- 
langte, auch  mit  der  Huldigung  Schwierigkeiten  machte,  so  benutzte  Er/bisehot 
Ernst,  auf  Rat  und  Veranlassung  seines  Vaters,  des  Kurfürsten  Emst,  die  Ge- 
legenheit, die  erzbischöfliche  Gewalt  weiter  auszudehnen  und  den  Freiheiten  der 
Stadt  ein  Ende  zu  bereiten :  er  griff*,  als  die  Volkspartci  im  September  1478  einen 
Aufstand  gegen  die  vornehmen  Geschlechter  der  Pfänner  machte,  ein,  bestrafte 
die  Streitenden  und  gab  i.  J.  1479  eine  neue  Ordnung  des  Stad  tregi  inen  ts,  in 
welcher  die  Freiheiten  der  Stadt  sehr  verkürzt  wurden.  Reusnen  von  Greiz, 

d.i.  einer  der  Vögte,  der  Reusse  von  Plauen,  der  in  Greiz  sass  und  sich  danach 
nannte,  s.  St.  210  A.  (5. 


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39« 


32**.  Stück. 


rome  ören  srad  sehriber  doctorem  hormanuum  steinbergk 2°,  eyn  tcchant 
zu  sant  sever  zu  erffort;  der  lag  wol  eyn  halb  jar  zu  rome,  unnd  die 
sache  wart  en  pfalen  eynie  cardinal  tituli  sancti  niarci.21  Der  bisschoft 
hatte  ouch  sine  ambasiatores 22  zu  rome.    Herczoge  ernst,  des  jungen 

v  bissehoffes  vater,  eoich  oucli  koyn  rome  kost  lieh  unnd  nam  vil  wisse 
pferde  mit,  zu  vorscheneken  die  zu  rome  den  cardinaln,  unnd  meynte 
villiehto  zu  erwerben,  das  sin  son  eyn  bisschoft  zu  mencz  solde  werde, 
eyn  knabe  ron  czehen  jarn,  adir  eyn  provisor,  unnd  eyn  gubernator 

•  des  stifftis  zu  mencz.  Die  von  erfforte  weiten  das,  so  best  sie  konden, 
unnd  schiften  sich'-'-1  dar  nach  in  orer  stad  mit  soldonern  unnd  mit 
geschuteze  unnd  mit  oren  burgern,  also  das  sie  bio  acht  adir  IX  tusent 
schutezen  hatten  mit  buchssen  unnd  armbrusten,  unnd  warnten  sich21 
das  beste  sie  konden,  wann  sie  wolden  keinen  fursten  zu  einem  ampt- 
manne  habe,  wann  is  was  vor  nye  gewest,  is  sohle  ouch  vorder  nicht 
gescheen ;  unnd  widdor  solche  beswerunge  hatten  sie  appellirt  unnd 
wolden  des  wortende  syn,  unnd  das  zu  rechte  mit  orem  bisschoffe  uss 
trage.  Sie  hatten  ouch  mit  den  fursten  zu  missen  ouch  nichts  zu 
schicken;  wolden  die  fursten  sie  dar  ubir  Schede,-'  were  on  nicht  lip, 
doch  musten  sie  sich  des  schutezen,  so  best  sie  konden,  unnd  hilden 
siel»  an  herezogen  Wilhelmen in  doringen  zu  wimar  gesessen,  der 
was  der  fursten  von  missen  vettere,  oris  vater  bruder,  unnd  wann  der 
gostorbe,  so  worde  das  land  zu  doringen  den  hern  zu  missen.  Item 
die  von  erfforte  bestalten  koyn  rome  unnd  Hasen  on  erwerbe,  das  sie 
das  olostor  zu  sant  eiliax 27  bio  deme  bruler  thore  mochten  abo  breche 

•°  Vgl.  Härtung  Kammermeister,  h.  v.  Reiche,  8.  194  n.  A.  1;  dort  wird  er 
protonotarius  und  doetor  juris  utriusqne  gennnnt.  Er  stammte  aus  Duderstadt 
iiml  wurde  in  Erfurt  inseribiert  Michaeli*  1444.  um  Jura  zu  studieren;  sein 
Studium  setzte  er  in  Leipzig  fort,  wo  er  i.  .1.  1457  als  juris  utriusque  doctor 
Rektor  war;  Michaelis  14»54  bis  Ostern  1405  war  er  Rektor  in  Erfurt  und  pro- 
tonotarius  der  Stadt,  auch  Canonieus  zu  St.  Sever,  später  auch  Canonici»  von 
Beat.  Maria  Virg. ;  als  Decan  der  juristischen  Fakultät  wird  er  1471,  1474  u.  1481 
erwähnt;  s.  Akten  <ler  Universität  Erfurt  v.  Weissenborn,  I,  S.  201.  209.305. 

Zu  den  2S  presbiteri  cardinales  (Kardinalpriester]  gehört  als  20.  der  Rresbiter 
Cardinnlis  tit  tili  sancti  Marci,  d.h.  der  Kirche  San  Alareo  in  Rom  (au  der  Piazza 
di  Venczia),  deren  erster  Hau  an  der  Via  lata  nahe  beim  Circus  Flaminius  schon 
ins  I.  .lahrh.  gesetzt  wird;  vielleicht  ist  der  hier  bezeichnete  Kardinal  Erzbischof 
Capranica.  "  Verderbt  aus  italien.  ambassiatorc  =  fr/s.  ambassadeur  =^  „(U~ 
sandter,  Botschafter."  •*  „sich  anschicken",  ,.sieh  rüsten".  '-'  ™  „warten  sich" 
„wehrten,  verteidigten  sich";  die  Nasalierung  ist  mundartlich.       !"'  Per  Umlaut 

mundartlich,  =  „schaden;"  sonst  findet  sich  Umlaut  nur  in  schedigen  von 
schadegen  „schädigen".  S.  St.  198  A.  1  und  noch  öfters.       ■'  Es  war  be- 

sonders seit  der  Belagerung  i.  .1.  1875  hervorgetreten,  das«  in  dem  seit  dem  Jahre 
112"  extra  muros  auf  den  Cyriaksberg  verlegten  Jungfrauen-Kloster  St.  Cyriaci 
sich  die  die  Stadt  belagernden  Feinde  festsetzen  und  dieselbe  von  da  aus  arg 
schädigen  könnten.  Da  nun  der  Rat  in  Besorgnis  eines  Krieges  mit  den  sächsischen 
Fürsten  war,  die  von  der  Höhe  des  Berges  aus  die  ganze  Stadt  zusammen- 
schicssen  konnten,  verlegte  er  mit  päpstlicher  und  kaiserlicher  (ieuehmigung  das 
Kloster  14S0  in  die  Stadt,  neben  dio  Andreaskirche;  zunächst  bezogen  allerdings 
die  Nonnen  das  Hospital  im  Brühl  (die  Klcndenherberge),  da  erst  zu  Weih- 
nachten HH2  der  Neubau  au  der  Andreaskirche  fertig  wurde  (s.  (\  Beyer,  Zur 


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326.  Stuck. 


309 


unnd  eino  borg  dar  uss  zu  machen,  unnd  erworben  ouch  am2S  keyser; 
der  gab  on  die  stad  unnd  den  bergk',  das  sio  eine  borgk  dar  uff 
buweten.  Das  taten  sie  als  balde,  unnd  das  verdroiss  sere  dio  fursteu  | 
von  missen  unnd  den  bisseboff,  unnd  kondens  doch  nicht  gewere.  Sie 
hetten  ouch  gerne  gesehen,  das  der  fursto,  herezoge  Wilhelm,  hette  ge- 
weret;  der  woldo  des  nicht  thun,  unnd  künde  is  ouch  nicht  gethun,  ei- 
nniste vor  hin  or  fient  worden  sin,  so  hetten  die  von  erffort  alle  sin 
land  vor  terbet  unnd  hetten  gliche  wol  gebuwet.  Item  die  fursten  von 
missen  lissen  uff  die  von  erffort  in  orom  lande  placken,21'  wo  die  lute 
u ft  die  jarmartho  czogen  lipez  unnd  halle  etc.  unnd  schickten  bossc 
bufen  dar  zu.  Itom  sie  lissen  ouch  den  von  erfforte  oren  teyl  uff  dorne 
sneberge  nemen  oynen,  gnant  wilhelm  von  allenblumen,"1  der  was  eyn 
burger  zu  erffort  gewest.  Sio  wolden  is  nicht  thun,  sundern  sie 
schickten,  das  is  geschach,  -  unnd  was  eine  winderlicho  geschieht, 
sundern  dor  fursto  in  doringen,  horezoge  wilhelm,  hilts  mit  der  stad 
erffort.  Item  die  stad  erfforte  hatte  czwene  man,  einer  genant  hans 
bogk,:"  eyn  ratismeister,  der  andere  ditterich  brampach,  '-  eyn  vier  man 
unnd  eyn  tockeman  unnd  eyn  statschriber,  gnant  doctor  herman 
steynberg,  eyn  techant  zu  sant  sever,  unnd  eyn  kenczeler,  gnant  ber- 
toldus  bobenczen;;U  die  vier  manne  worn  herliche  manhafftige  menre 
unnd  erbetsam,!ir'  wisse  unnd  vornunfftig;  die  worn  dor  stad  erffort 

Geschichte  der  Hospitäler...  in  Erfurt,  i.  d.  M(iE,  XIX,  189*,S.  156).  An  der 
Stelle  des  Klosters  wurde  eino  Rurg  angelegt,  welche  als  CyriaksUirg  bis  zur 
Entfestigung  Erfurt«  i.  J.1S72  ein  Hauptstützpunkt ..der  Hefeatigung  und  nchen 
dem  Petersberg  eine  2.  C'itadelle  gehliehen  ist.  Über  die  Verlegung  s.  auch 
Nicolaus  v.  Siegen,  chnm.  eccl.  pag.  4n6  sqq.  s  „erwerben  an  jem."  —  von  jem. 
-=  d.  h.  bei  jemand  etwas  ausrichten,  z.  ü.  Erlaubnis  erlangen  von  jem.,  wie  üier. 

Nd  —  mhd  plagen,  hier  „Verfolgung  durch  Strassen  räuber  nnbefenlen'-,  denn  ein 
placker  ist  „Strasseuräuber";  placken  schon  oben  S.  2^i7 ,  jiochen  ist  synonym 
(s.  S.  259).  :'°  Derselbe,  welcher  in  der  Vilzlhunisehen  Fehde  bei  Capellen  - 
dorf  entsprang,  s.  ob.  St.  215  A.  4.  Er  war  von  Erfurt  nach  Leipzig  gezogen 
(s.  St.  349  A.  :i)  und  klagt  gegen  den  Rat  von  Erfurt  wegen  Sömmerda,  das 
sein  Vater  Johann  von  Allenblumen  vom  Rate,  gepachtet  hatte.  Zur  Sicherung 
seiner  Ansprüche  veranlassten  ihn  die  sächsischen  Fürsten  Kösching  auf  dieAn- 
teile  der  Erfurter  Bürger  an  dem  Schneebeiger  Silberbergwerk  zu  legen.  Über 
die  Allenblumen  u.  i.  bes.  über  Wilhelms  v.  Allenblumen  Vorgehen  gegen  Erfurt 
8.  Zacke,  Das  Totenbuch  des  Dominikanerklosters  und  die  Predigerkirche  zu 
Erfurt,  JAK  II,  S.  70.  "  .Seit  1476  sass  er  fast  ununterbrochen  im  Rate,  1481 
war  er  Olwrsteratsmeistor  und  gehörte  zu  den  octoviri  (s.  A.  33);  über  ihn  siehe 
St.  345  a.  E.  12  Er  war  wiederholt  Mitglied  des  Rates  und  1483  Viorherr. 
™  Die  tockeherren  (sgl.  tockeman)  war  ein  geheimer  Ausschuss  des  Rates*  das 
Wort  ist  erst  seit  Ende  des  15.  Jahrh.  nachweisbar,  bisher  nicht  erklärt;  C  licycr 
hält  es  (nach  mündlicher  Mitteilung)  für  eine  Verstümmelung  von  octoviri,  da 
diese  im  Rats-Trausitus  (Verzeichnis  der  Ratsmitglieder)  erwähnt  werden.  "Nach 
Reiche,  Härtung  Kammermeister,  8.195  (,i.d  Anm.)  i.  J.  1402  Syndikus  der  Stadt 
Erfurt  (s.  Magd.  Archiv,  Erf.  A  VII  57  u.  5S);  er  gieng  dann  in  die  Niederlande 
(ungewiss,  wann);  dann  rief  ihn  der  Rat  zurück,  und  nun  nahm  er  die 
Vokation  als  Syndikus  der  Stadt  Erfurt  definitiv  an;  i.  J.  1514  wurde  er,  an- 
geblich wegen  Hochverrats,  geviertcilt  (s.  Erphurdiauus  Antiquitatum  Vardoquus, 
s.  MSG  II,  nag.  523 sqq.)  ''  Mundartlich  für  „arbeitsam";  der  Umlaut  ist  bei 
arbeit  =  erbett  nachzuweisen,  sonst  aber  beim  Adjektivum  ,,arbeiteaui"  nicht. 


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400 


327.  Stuck. 


sere  nutcze  in  den  Sachen;  die  reten,  füren  unnd  czogen  zu  den 
fursten  steten  hen  unde  beer  unnd  regirten  dio  sache,  unnd  der 
schriber  bertoldus  schreib  unnd  satczte3'*'  alle  or  vornemende  sache, 
unnd  was  ein  behender  man ;  dar  zu  halff  der  doctor  etc.,  unnd  das 
v  volk  was  den  hern  gehorsam  unnd  wol  ge  wegen,  unnd  worn  vele  rede- 
liehe manne.  Sie  furchten  ouch  nicht  widder  bisschofl  nach  fursten 
unnd  toten  also  frome  lute  bie  der  stad.  Der  bisschoff  hette  öme  gerne 
erffort  eygen  gemacht;  er  schreib  ön  ouch  in  czuritene  zu  erffort,  abir 
er  wolde  ön  öre  fryheit  nicht  zu  geben  nach  vor  sigele,  sundern  hette 
er  sich  gutlichen  mit  ön  vortragen  unnd  öre  fryheit  vorsigelt  gegeben, 
so  hetten  sie  ön  gerne  lassen  in  rite,  abir  einen  provisor  zu  machen 
mit  den  fursten  wolden  sie  nicht,  wann  es  was  nye  mehir  gewest. 
Item  do  er  den  von  erffort  nicht  konde  an  gehabo,  do  liss  er  vile  brefe 
drucke,37  darin ne  liss  er  berure  alle  syne  ubirkeit  unnd  recht,  die  er 
meynte  zu  haben  zu  erffort  in  der  stat,  unnd  Hess  die  brefe  an  slaen 
in  vil  landen  unnd  steten,  unnd  meynte  domete  erffort  zu  gewynnen 
unnd  zu  bedrauwen;  is  was  aber  in  als  der  wint,  der  do  ubir  hin 
wehite.  Item  dar  kein  lissen  die  von  erffort  öre  ubirkeit,  die  sie  in 
der  stad  haben,  ouch  vil  brefe  drucke  unnd  schriben,  unnd  lissen  die 
ouch  in  den  landen  unnd  steten  an  slnbcn,3*  der  excerpta*  hir  korcz 
nach  folgen,  unnd  gescheen  ist,  als  man  schreib  nach  cristus  geburt 
148(»  vierezenhundirt  unnd  achezigk  jar. 


327.  Unde  zum  ersten  des  bisselioffes  ubirkeit 

Das  ist  geezogen  uss  den  breffen,  die  unser  herre  von  mencz1  hat 
ciagewisse  lassen  an  slahen  widder  die  von  orffort  korcz  geschreben, 
saa  unnd  zum  ersten  enput  er  allen  fursten,  hern  unnd  steten  |  synen 
dinst  unnd  gab  ön  zu  vorsteene,  wie  er  zu  bisschoffe  gekoru  was,  unnd 

•  HS:  excepta. 

„setzen"  in  bes.  Gebrauch  =  „schriftlich  ausdrucken,  aufsetzen".  _  37  Da.* 
sind  die  2  „Anschlüge",  weichest.  327  auszugsweise  mitgeteilt  werden.  Über  dm 
ganzen  Streit  s  die  Charakter.  Äusserungen  im  Chronic,  eccles.  des  Nicolaus  von 
Siegen  pag.  461.  465  u.  4ö7  sqq.  **  Von  deu  Antwort  8  eh  reiben  ist  das  erste 
St  328  mitgeteilt. 

327.  1  Die  2  Schreiben  des  Erzbisehofs  Diether  von  Isenburg,  durch  welche 
dieser  „den  Nachweis  fiihreu  wollte,  das*  Erfurt  keine  freie,  sondern  des  Erz- 
bischofs  Stadt  sei",  v.  29.  Juni  14^0,  sind  mehrfach  gedruckt  (15:35.  1583.  15S0), 
ohne  dass  Originale  dieser  wichtigen  Schritten  bekannt  waren,  welche  wahr- 
scheinlich von  dem  oben  St.  32»}  genannten  Schreiber  (d  h.  Sekretär,  also  gelehrler 
Jurist)  Ewald  Wymar  mitverfasst  sind.  Hierüber  s  auch  u.  St.  383.  äS5».  386.  387. 
Endlieh  sind  Originale  dieser  Anschlage  des  Erzhisehofs  Diether  im  Stadtarchiv 
zu  Strassburg  entdeckt  worden.  Danach  hat  sie  Prof.  Dr.  C.  Beyer  im  14.  Hefte 
der  .MOE,  lStK),  S.  175  -202  diplomatisch  genau  abdrucken  hissen ;  wir  verweisen 
auf  diesen  AMruck;  eine  genauere  Kominentierung  zu  geben,  unterlassen  wir,  da 
dieses  über  unsere  Aufgabe  hinausgeht,  weil  Stolle  nur  einen  mehr  oder  minder 
genauen  Auszug  giebt ; "erklart  wird  im  folgenden  nur  Unverständliches. 


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327.  Stück. 


401 


hatte  alle  ding  zu  fridden  gobracht,  adea  die  von  erffort  weren  öme 
widder  spennig  umme  sine  pflichte  unud  irreten  ön  an  bestetigunge 
siner  ampte  da  seibist  zu  erffort;  item  er  setezt  darnach  sine  ubirkuit, 
die  er  meynt  zu  erffort  zu  haben. 

1.  Czu  deine  ersten  setezt  er,  das  erfforte  sente  mertins  unnd  des 
stifftis  zu  mencz  gancz  eygenthum  sy,  unnd  mag  das  bewisse  mit  ören 
breffen.  schrifften  unnd  ingesegil.  — 

2.  Item  das  das  also  sy,  so  swere  eyn  iglich  burger,  der  uff  ge- 
nomen  wirt,  deme  erezbischoffe  erbhuldunge  unnd  gebe  öme  syn  buiger 
recht  unnd  gelobe  öme  folge  zu  thnne,  unnd  ör  ingesigil  halde  zu 
latine:  secretum  erffordie  tidelis  filie  sedis  raaguntini  (sie),  unnd  des 
entredin  sy  sich  nicht  unnd  füren  euch  das  wopen,  das  er  unnd  das 
stifft  füret:  eyn  wiss  rad  in  einem  roten  felde,  unnd  sente  mertin  stehe 
an  örem  radhusse  zu  einem  bekentnisse.  — 

3.  Item  er  habe  die  rounteze  zu  erffort  unnd  möge  die  alle  jar 
vor  andere,  unnd  wer  der  nicht  gebrucht,  der  sie  öme  buss  fellig,  unnd 
man  möge  Wechsel  halde  mit  silber  unnd  golde  von  siner  gnade.  — 

4.  Item  er  habe  husere  zu  gewande,  brote,  schu,  leddir,  korsse- 
werg.  Darinne  sal  man  koufte  unnd  vor  kouffe.  Wer  des  nicht  thut, 
sy  öme  buss  fellig.  — 

5.  Item  die  fiesende  wasser  sint  alle  sin,  dar  in  unnd  dar  ubir 
sulle  nymant  buwe  nach  die  abe  slaen  ane  siner  amptlute  loube  by 
der  pene  dar  uff  gesatezt.  — 

b\  Item  der  gemeyne  placz  sal  alles  sin  sy,  unnd  |  des  nymant  ge  v 
bruche  sulle  dann  mit  synem  willen. 

7.  Item  die  hantwergismeistere  der  hantwercke  Nullen  gekorn  unnd 
bestetigit  werde,  ören  handel  unnd  gericht  unnd  eyde  zu  thune  von 
sinen  amptluten. 

8.  Item  er  habe  den  czoll  von  alle  deme,  das  uff  den  margkt 
kompt,  unnd  slegeschatcz  von  holcze,  koln,  salcz  etc. 

9.  Item  er  habe  die  gerichte  hoe  unnd  nidder,  geistlich  unnd  wert- 
lich ubir  lip  unnd  gut,  galgen  unnd  stocke,  unnd  zu  er  kennen  ubir 
fleisch  unnd  brodt,  den  burgern  zu  er  leuben  gefencknisse  in  ören 
husern  zu  haben,  geleyte  zu  geben,  unnd  eyn  iglich  rad  swere  ome 
in  biewessen  siner  amptlute,  unnd  sint  das  jerlich  pflichtig  zu  thune. 

lü.  Item  als  er  von  örem  widderstande  in  irruuge  komen  sy,  habe 
er  die  syn  keyn  erffort  ge  schickt,  die  sache  zu  handilue,  haben  die  von 
erffort  allis  gehört,  unnd  er  habe  on  dar  uff  geschreben,  unnd  sie  haben 
die  ören  dar  uff  keyn  mencz  geschickt;  die  haben  nicht  wollen  einen' 
tagk  harren,  sine  vor  gäbe  zu  hörne,  unnd  die  selben  sint  trotczlich 
unnd  homutiglich  von  dannen  en  wegk  geezogen,  «las  ön,  als  er  ge- 
truwe,  vom  rate  unnd  der  gemeyne  zu  erftort  nicht  entfoln  sy. 

11.  Item  er  habe  eiuen  hoff',  dar  inne  sich  enthalden  sine  amptlute, 
provisor,  viezthum,  judiees  generales  spirituales  et  seculares,  den  habe 

»  IIS :  ane  (ad«  -  ndw  =  „aber",  ».  WolnhoW,  Mb<l.  Gr.*  4S  331). 
K.Stollwlfwnorlale.  26 


i 


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40'J 


327.  Stuck. 


er,  also  zu  wymar  vor  tey dinget  syn  sa),  ingethon  herczogen  albrechte 
von  missen,  da  stillen  sye  gesagit  habe,  des  nicht  zu  hinderne.  Dar 
nach  haben  sie  das  ge  irret  unnd  sich  gerust  |  mit  reysigem  geczuge. 
schutczen,  armbroste  unnd  buehsen  unnd  der  gemeyne  einen  glanoz 
ge  macht,  sent  ciliax  bergk  in  eyn  andir  wessen  bracht  vor  postiet,2 
(las  ön  nicht  gehöre  den  bürgern  unnd  der  gemeyne  zu  schaden.  Er 
habe  ön  dar  umme  ge  schreben,  do  sint  sie  alle  er  hitczigit  uff  unnd  widder 
ön,  sie  haben  sich  der  wertlichen  gerichte  unnd  achte  underczogen,  die 
synen  mit  drawe  dar  von  ge  sprochen  sich  zu  enthalden,  unnd  sie  haben 
die  entpfelunge  von  deme  keysere  ön  gesehen  selber  uss  getragen. 

12.  Item  die  von  erfiort  solden  sich  des  wertlichen  gerichtis  hinder 
öme  nach  hinder  deme  capittel  zu  mentcz  nicht  underezogen  nach 
dar  in  geflochten  habe,  nach  deme  sie  öme  eythafftig  sint,  unnd  haben 
sich  vormals  des  richs  alleczit  entflayn,  ön  unnd  sine  vorfarn  ersucht, 
das"  er  öre  bret'e  habe  unnd  seteze  der  korlich  einen  etc. 

Iii.  Item  wie  er  czum  koyser  ge  schickt  habe  umme  die  regalia,  hat 
er  mancherley  ge  satezt  unnd  meynt,  die  von  erffort  haben  ön  dar  an 
vorhindert  unnd  gar  unmögelich  gethon,  nach  deme  sie  sente  mertin 
gewant  unnd  eythafftig  sint,  unnd  underezeen  sich  der  gerichte,  sie 
bestetigen  die  hantwergismeister  unnd  besetezen  die  gerichte  mit  den 
ören  unnd  vor  triben  sine  amptlute  mit  drawe  worten. 

14.  Item  sie  vorhindern  ön  an  synem  gefengnisse  im  hofe,  wie  wol 
er  kein  burger  dar  in  setezen  wolde,  sundern  die  ufi  siner  fryheit 
frevelten,  die  solde  öm  eyn  rad  zu  rechte  halden.  — 

15.  Item  alle  sine  dienere  stillen  öm  zu  stehen  in  dem  hofe,  ubir 
die  sulle  nymant  dann  er  zu  gebetende  habe,  die  stillen  die  von  erfiort 

v  von  |  sinem  dinste  unnd  ampte  gefangen  in  stocke  gehalden  unnd  an 
sinem  liebe  geletczt  haben  öme  zu  vor  drisse.  — 

1(>.  Item  die  statknechte  stillen  eyn  man  geletczt  unnd  in  gefurt 
habe,  der  sie  gestorben  in  der  temlitczen  unnd  begraben,  das  sin  ge- 
richte nicht  dar  zu  komen  sy,  als  sich  von  rechte  gebore  nach  louffte 
des  gerichtis.  — 

17.  Item  so  er  die  gerichte  habe  mit  allir  ubirkeit,  das  die  von 
erfiort.  Inilich  sterken  solden,  so  twingen  sie  die  lute,  syne  bürgere,  von 
den  gerichten  unnd  orteiln  unnd  erkennen  sie  von  den  orteiln,  die  sie 
an  gerichte  erlangit  haben.  — 

IS.  Item  wann  die  lute  gekümmert15  werden  mit  sinem  gerichte, 
die  entledingen  die  von  erfiort,  das  sie  uss  deme  kümmere  czeen  ane 
loube  des  gerichtis,  unnd  die  partige,  die  den  kuinmer4  thut,  muss  also 
lmlffeloss  unnd  rechteloss  blibe.  — 

»  nS:  <!«*. 

'  „verpnstoien",  swv.,  —  „Basteien  bauen",  d.  h.  sie  habon  Basteien,  Be- 
festigungen auf  dem  (Vriaxberg  angelegt.  3  „Mit  Beschlag  belegen".  4  Des 
Ussereii  VerständnisseH  halber  setze  ieh  die  grunze  Stelle  aus  Beyer  a.a.O.  8.  Iö7 
ZI.  2u-  24  hierher:  „Darüber  so  kommer  von  unsere  gericht«  wegen  l>eaeheen, 
haben  sif  myt  selhliehem  gewait  die  erlediget  and  usm  den  kommera  und  be- 


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:V27.  Stück.  403 

19.  Item  die  do  vor  achtit  sint  am  gerichte  mit  rechte,  den  selbien 
echtem  geben  die  von  erffort  ge  leyte  unnd  halden  sie  dar  zu,  das  sie 
der  gerichte  noddorftt  nicht  ersuchen  sullen,  das  ön  dann  nicht  wol  zu 
stehe,  so  sie  deme  bischoffe  eythafttig  sint.  — 

20.  Item  des  Stocks  under  des  hengers  husse,  da  man  die  schonen 
frawichen  insetczt,  des  czeeu  sie  sich  an,  unnd  haben  das  sloss  dar  von 
abe  geslagen  unnd  die  frawichen  dar  uss  geslossen  ane  geböte  des 
hengers,  wann  eyne  sal  dem  henger  einen  Schilling  gebe.  — 

21.  Item  des  martmeisters  czehen  sie  sich  ouch  an,  unnd  der  wassere 
underwinden  sie  sich  also  gemeyne  wasser  unnd  buwen  dar  in  unnd 
dar  |  ubir,  sie  machen  ouch  öre  eigene  buwemeistere  nach  örem  ge- 
fallen,  die  ubir  gebuwede  gehin  sal,  das  gebore  dos  bischoffes  werg- 
meister.  — 

22.  Item  wie  sie  des  bischoffis  amptlute,  ubir  das  salcz  unnd 
andere  ding  gesatezt,  dringen  zu  dinste  unnd  wachin,  des  sie  solden 
siner  halben  billich  fry  syn.  — 

'23.  Item  sie  twingen  die  czolner  knechte,  das  sie  nicht  czoll  nemen 
sollin  an  den  enden,  da  sie  vormals  vor  aldere  czoll  genomen  haben.  — 

24.  Item  öre  gebur  unnd  menre,  die  den  czoll  entfurn,  schutezen 
unnd  vorteydingen  sie,  das  man  sie  muss  lassen  faren  unnd  vorfurt 
gut  widder  geben.  — 

25.  Item  sie  enezihen  öme  sine  czinsse  uff  ge  meynen  pletczen  under 
den  schildern  unde  an  andern  enden,  unnd  vorhowon  öme  sine  weide, 
bestellen  unnd  bejagen  öme  sine  wiltbane.  — 

26.  Item  als  er  uff  deine  eyssfelde  sy  gewest,  habe  er  den  von 
erflort  geschreben  in  zu  riten;  das  sie  öme  von  on  gewegert,  unnd  sie 
haben  sinen  hoff  ingenomen  unnd  mit  eigen  pfortenern  bestalt,  unnd 
lange  inne  gehabt  die  gerichte,  under  der  gestalt  des  keysers  enpfelunge 
ingenomen  unnd  vor  irrig  gemacht,  unnd  setezit  manchirleie  stucke 
unnd  fryheit^  die  er  zu  erffort  habe,  dar  bie  man  raercken  sulle,  das 
er  allirdinge  recht  zu  erffort  habe,  unnd  die  stat  sie  syn  als  eyn  andere 
siner  stete  eyne,  unnd  bit  eyn  yderman,  die  von  erffort  zu  undirwisen, 
ön  an  siner  vor  gäbe  nicht  zu  irren,  unnd  or  sine  ampte  bestellen  lassen, 
unde  setezit  einen  briff  der  von  erffort,  wie  sie  öm  vor  geeziten  ge 
schreben  haben,  als  sie  der  |  keyser  zu  dinste  gefordirt  habe.  Datum  r 
disser  clage  cziddiln  petor  et  pauli  anno  1480.5 

Hir  nach  fulgenn  die  excerpta»  der  andern  cziddeln  uff  das  kortezte 
uss  geezogen,  die  der  bischoff  bie  die  vorgeschreben  cziddeln  hatte 
lassen  an  slaen,  siner  gerechtigkeit,  die  er  meynte  zu  erffort  zu  haben, 
dar  bie  man  merke  sulde,  das  die  stad  erßort  gancz  syn  eigen  sin 
solde,  die  von  erfforte  haben  abir  die  slossele  zu  den  thorn  au  der  stad- 

■ 

»  H8  .  exceptft. 

hafftunge  unserer  gerichte  die  bekomuierten  persoueo  der  oberkeyt  unsera  gerichts 
entzogen,  da  durch  ein  pnrthvc  der  unsern  vou  Erfturt  thait  halb  hait  reehtloisa 
bliben  mussaen."       4      Juni  U8U. 

26« 


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404  327.  Stück. 

1.  Czu  domo  ersten.  Der  bissohoff  setezt,  das  die  stad  orffort  sal 
nicht  evn  frv  stad  sin.  sundern  dos  stifftis  zu  mencz  unnd  sin  sy,  nach 
lutc  üros  ingesegils  unnd  wapens  dos  wissen  rades  in  einem  roten 
feldo,  unnd  sente  mertin  am  radhuss,  des  habe  er  öre  brefe  unnd  in- 
gesegil.  — 

2.  Item  eyn  rad  zu  erffort  swere  jerlioben  deme  bisschoffe  vor  deine 
vitezthum,  das  sie  dyo  bestetingunge  des  ratis.  — 

3.  Item  wan  er  in  ryto,  so  swort  öme  der  rad  unnd  die  gemeyne 
mit  uff  gorackten  fingern  unnd  schencken  öme  hundirt  pfunt  orflor- 
tiseher  pfenge.  — 

4.  Item  das  alle  vor  wissote  unnd  vor  eebtigete  luto  mit  öme  in 
czehin  ane  widder  rede  dos  ratis.  — 

5.  Item  eyn  iglich  burgor  swere  öme  unnd  gebe  öm  sin  burger 
recht,  wanne  er  burger  werde.  — 

0.  Item  die  von  orffort  sollen  öme  ptlichtigk  sy  zu  folgende  unnd 
zu  dienen  uss  den  nrtikeln. 

7.  Item  er  habe  die  gerichte  geistlich  unnd  wertlich  in  der  stad  in 
«sä  allen  husern,  wo  er  wil,  also  |  an  den  geordinten  steten.  — 

8.  Item  er  habe  zu  setezen  unnd  zu  entsetezen  die  amptlute, 
richten?,  knechte,  hongoro,  zu  buwon  galgen,  kagk  "  unnd  stocke  durch 
die  wergluto  da  seibist,  die  müssen  das  thun.  — 

&  Item  ungelt7  unnd  woge  gehöre  ön  an  unnd  sy  vor  satezt,  wie 
wol  die  von  orffort  des  oyn  loyckon  haben.  — 

10.  Item  der  hongor  sal  einen  Schilling  habe  von  eyner  frawen, 
die  in  deme  stocke  undir  sinom  husse  gesessen  habe,  wann  sie  loss 
gelossen  wirt.  — 

11.  Item  er  habe  gerichte  in  deme  brnl  unnd  uff  der  löwer 
brücken,  dar  zu  möge  er  einen  eigen  schultheissen  haben.  — 

12.  Jtem  wann  einer  er  slagen  wirt,  den  sal  nymant  ane  das  ge- 
richte uff  heben,  der  teter  sy  danno  ge  ochtigit,  unnd  der  selbie  sal  ouch 
nicht  in  die  stat  keine  ane  dos  gerichtis  loubo.  — 

13.  Item  die  messero,  dy  man  nympt,  sullen  des  gerichtis  sy, 
sundern  was  der  die  stat  knechte  nomen,  die  sal  man  von  stunt  zu 
brechen.  -- 

14.  Item  er  setezt  ouch,  er  habe  einen  frien  hoff  zu  erffort  unnd 
ilor  inne  eyn  gofencknisse,  gnant  das  hunthuss,  dar  uss  sie  dicke 
unnd  vil  gerieht  zu  furo,  zu  dem  rade,  zu  swerte  etc. 

lf>.  Item  das  evn  iglicher  burger  möge  mit  loube  der  amptlute  eyn 
eigen  gefengknisso  habe  in  sinem  husse  ubir  sine  schuldigere. 

10.  Item  er  setezt,  das  krumme  huss  under  sent  Severe  sal  ouch 
sin  sy,  unnd  er  habe  eyn  gerichte  dar  an. 
v       17.  Item  eyn  huss  in  deine  brul,  gnant  zu  deme  fei  i  kener,  sie  ouch 
sin,  dar  inne  lege  sin  felkcner. 

18.  Item  wann  eyn  erezbissehoff  zu  orffort  ist,  so  sal  der  margkt 

'  AM  und  nd,  stn».f  „Pranger".       7  Alle  indirekten  Stenern. 


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I 


U27.  Stack.  405 

stetlichen  vor  den  treten  sin  unnd  dar  urame  so  er  alleczit  IX  tage 
vor  unnd  IX  tage  noch  vor  den  greten  vor  den  festen  winachtcn, 
ostern  unnd  Johannis  baptiste. 

19.  Item  der  bisschoff  habe  den  martmeistcr  zu  setczen  unnd  zu 
entsetczen,  der  hat  zu  setczen  ubir  die  gebuwede,  mist  uff  der  Strasse 
zu  vor  bieten  unnd  kammern  ubir  den  weg. 

20.  Item  is  sal  keyn  mist  vor  den  greten  unnd  den  schildern  unnd 
uff  sente  Sevors  hofe  uss  getragen  werde  ane  loube  der  amptlute. 

21.  Item  iss  sint  czweno  pletczo  zu  erffort,  dar  uffe  sal  man 
wechsele  unnd  muntcze  halde. 

22.  Item  er  habe  kouflhusere  zu  gewande,  schu,  pelcze,  leddir 
unnd  zu  brote. 

23.  Item,  er  habe  f'iy  czinssc  von  den  tleischbonekon  vor  tage  uff 
den  fritag  noch  martini. 

24.  Item  die  fleischowere  sullen  sinen  felkenern  als  vil  fleisch  gebe 
als  die  falken  gösse  mögen,  die  wiele  eyn  bisschoft  zu  erftort  liet. 

25.  Item  bisschoff  werner  hat  erloubct,  das  fromde  fleischowere 
fleisch  unnd  die  bocken  brod  mögen  feyle  habe  zu  erffort,  also  das  die 
selbien  vor  einem  schultheisen  zu  rechte  sto  sullen,  was  man  sie  zu 
schuldigen  hat. 

2G.  Item  er  habo  slegeschatcz  von  ercze,  czinnen,  holeze,  koppfer, 
messinge  etc.,  hoppfen,  malcz,  wie  man  das  vor  koufft,  yo  von  einem 
pfunde  geldes  sechs  pfenge. 

27.  Item  er  habe  den  czoll  von  alle  dorne,  das  vorkoufft  wirf,  vom 
Schillinge  eiuen  phcnnigk  unnd  |  von  sechs  pfongen  ein  scherff.  8 

2*.  Item  er  habe  die  czolner  zu  setczen,  unnd  wer  den  czoll  ent- 
fürt,  der  vor  feilet  dry  phunt  unnd  dry  scherff  zu  busse  ubir  die 
brücken  vor  den  torn. 

29.  Item  er  habe  einen  salczgravon,  der  hat  zu  richten  ubir  das 
salcz  unnd  ubir  die  XV  salcz  kreme. 

30.  Item  die  hantwercke*  haben  heiigen s  unnd  stab  unnd  besteti- 
gungo  von  dorne  schultheisen,  unud  des  geben  die  smede  XXXVI  pfunt 
koppfers  zu  toppfen,  das  müssen  dio  glockengisser  umme  sust  gissen, 
unnd  was  man  darff  in  den  hoff. 

31.  Item  die  golt  smede  sullen  umme  sust  machen  alle  silbern  ge- 
fiesse  in  den  hoff. 

32.  Item  die  wullenweber,  schumecher,  schildere,  setelere,  reme- 
snitere  geben  gelt  secundum  registrum. 

33.  Hein  die  hutere  geben  filcze  zu  zwen  par  busch  schun,;>  vitcz- 
thum  unnd  schultheisen. 

*  HS:  houbtworck«. 

8  Bever  a.  a.  O.  S.  198  ZI. 6— 8:  „Paniflnogibt  Jine  «lesErczhischofrsschultcss  von 
dt«  Env.bischorTH  wegen  heiligen"  (die  auf  ein  »Stück  1 T« dz  gemalten  Heiliiron)  ,,und 
stab",  welche  alsSymbole  der  <  tericht*barkcit  alljährlich  zu  Jacobi  (25.  Juli)  die  Zunft- 
meister von  den  Maiuzischen  Beamten  erhielten.      0  Beyer  u.  a.  O.  S.  189  ZI.  24: 


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406  327.  btück. 

34.  Item  scho  unnd  cleydere  gekouflt  zu  erffortmuss  man  vor  czolle. 

35.  Item  die  heringere  geben  lachs  gelt  XXY  solidos  unnd  in  der 
fasten  iglicher  eyn  schog  beringe  unnd  VI  heringe. 

36.  Item  wer  oley  feyle  hat,  der  muss  gebe  1V2  pfunt  oleys  in 
der  tasten. 

37.  Item  wer  grünen  lachs  feyle  hat,  der  muss  geben  einen  rucke 
uss  einem  lachsse  in  der  fasten. 

38.  Item  die  nsschere  geben  alle  wochen  iglicher  eyn  dinst  fisch, 
die,  die  wasser  inne  haben. 

3(J.  Item  die  futterero  unnd  die  vorkoufere  linen  tuch  unnd  muss 
wergk,10  die  geben  alle  fenstergelt. 

40.  Item  die  winschrotere  sullen  des  bischofles  wine  umme  sust 
in  lege. 

41.  Item  die  bruwchusere  geben  V  Schillinge  erffortischen  geldes 
nivnner  eines  pfenniges  uff  dry  mal  puritieacionis,  walpurgis  et 
michaelis.11 

42.  Item  die  biereygen,  eyn  iglicher  gebit  VW  groschen  von  den 
klein  beern.  J 

43.  Item  nymant  sal  fromde  bier  zu  denie  czappfen  schencken, 
friheit  von  bisschoffo  gerlach. 

44.  Item  der  pitczscherer 12  sal  die  vass  vor  pitczschere,  wann  man 
schenckt,  das  man  in  den  win  nicht  andir  dingk  gefullen  möge,  ex 
parte  episcopi. 

45.  Item  die  czechenere13  geben  eyn  tischlachen  von  VI  eilen  unnd 
IV  Schillinge,  unnd  nemen  öre  bestetigunge  von  deme  schuitheissen  vor 
deme  lowerthore,  unnd  sweren  öme. 

46.  Itom  wer  den  fryon  czinss  vor  sitczt  von  einem  iglichen  fryeu 
dry  pfunt  dry  obolos  erflbrtischen  geldes. 

47.  Item  umme  die  leen  der  frien  czinsse  von  einer  margk  einen 
solidum,  unnd  der  rad  nach  geistliche  lute  sullen  der  nicht  habe. 

48.  Item  die  koln  mass  steen  deme  bisschoffe  zu,  unnd  da  mit  sal 
man  die  koln  messe. 

49.  Item  der  kolstoub  ist  des  bisschoffos,  den  nympt  sin  dyner, 
der  henger. 

50.  Item  die  wassere  in  der  stad,  die  gera  unnd  kersslache,  sullen 
des  bisschoffis  sin. 

51.  Item  umme  die  wasser  fege  der  kersslachen,  sal  das  gerichte 
besehen  unnd  das  bussse,  wo  das  unrecht  unnd  felligk  ist 

52.  Item  der  rad  zu  erffort  sal  keyne  nuwe  statuta  mache  ane  des 
bisschoffus  loube,  des  haben  sie  sich  vor  schreben. 

„bontschuw"  =  „Schübe  mit  Kiemen  zum  Umschnüren  der  Beine,  Buntechuh". 
Vielleicht  schon  ein  Kehler  im  Original  für  „boBst  huch"  „grober  plumper  Schuh", 
(s.  St.  45  A.  4).  Kircbhotr.  Die  ältesten  Weistiimer  der  Stadt  Erfurt,  1870,  S.  81 
u.  A.  180.  H'  „Handel  mit  Gemüse",  s.  Kirchhof?  a.  a.  O.8.  57  u.  A.  100.  11  Also 
am  2.  Februar,  1.  Mai  und  ÜU.  September.  12  Versiegter.  u  =  „Bettzeug- 
weber, Leineweber." 


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328.  Stück. 


407 


53.  Item  schilt  wache  zu  riten  unnd  zu  gehene  ist  deme  rate  er 
loubet  des  nachtins  in  der  stad  durch  fredes  willen. 

54.  Item  die  joden  haben  jerlichen  geben  hundirt  marg  silbers.  dry 
efunt  pfefters,  czwe  gensse  unnd,  wann  eyn  bisschoff  in  ryt,  XX  pfunt 
prllortiseher  pfenge  unnd  pergamynt  in  dio  canczelie,  so  vil  als  noyt 
ist,  die  wile  eyn  bisschoff  do  ist. 

55.  Item  wann  man  einen  fromden  joden  begrub,  der  muste  XXX 
erflortischer  pfenge  gebe. 

tinis.  | 


328.  Hir  folget  nach  der  von  erffort1  gerechtickcit 
in  örer  ntad,  uss  gwzogcn  von  öreii  angcslagcn  czeddeln 
n und  dariiine  sie  zu  erkeiuien  geben  öre  gei*eclitickeit 
widder  den  bisschoff  zu  mencz,  unbeschediget  örer 

iippellacien. 

1.  Czu  deine  ersten  enpeten  sie  allen  kurfursten,  fursten  etc.,  steten, 
amptluten  oren  dinst  unnd  clagen,  das  die  an  geslagen  briefe  des  bissehol's 
dythers  von  mencz  sie  vaste  vor  ungelimppfet  hat  unnd  ön  naho  ge- 
sehreben  luten,  das  sie  nicht  vor  dind  haben  unnd  ungorncthun  wolden, 
sundern  gerne  mit  synen  gnaden  also  mit  synen  vortarn  in  gutliclier 
voreynunge  syn  wolden,  wann  mans  von  ön  wolde  ufi  nemo  unnd  ön 
öre  fryheit  lasse  nach  aldir  herkomen  wessen  unnd  bestetigen  unnd 
dar  umme  thu  ön  ouch  nod  an  das  licht  zu  breiigen,  was  ubirkeit  sy 
in  örer  stad  haben,  unde  das  der  bisschott  von  mentcz  mit  allirdinge 
alle  ubirkeit  habe  zu  erftort,  als  er  berurt.  — 

2.  Item  umme  das  gefencknisse,  gnant  das  hunthuss,  das  vor  geist- 
liche lute  zu  twingen  ge<lienet  hat,  das  öme  der  bisschoff  an  czuhit  vor 
eyn  gemeync  gefencknisse,  das  ye  dar  inne  gewest  sy,  das  nicht  ist, 
dar  umme  die  von  erftort  zu  öme  keyn  mencz  geezogen  sint,  do  habe 

#2$.  1  tiefen  jene  2  Anschläge  veröffentlichte  der  Hat  von  Erfurt  «einerseits 
..zwei  Erwiderungen,  durch  welche  die  Behauptungen  und  Ansprüche  des  Erz- 
bischofs  mit  Hinweis  auf  die  Gerechtsame  der  Stadt  widerlegt  und  zurück- 
gewiesen wurden  (Beyer  a.  a.  O.  S.  177  ) ;  sie  sind  wahrscheinlich  von  den  oben 
St.  326  (A.  20.  31.  32.  34)  genannten  Erfurtern  Steinberg,  Bock,  Brambach  und 
Bobenheim  abgefasst  worden.  Den  ersten  Anschlag  vom  17.  Dezember  1780  bat 
C.  Beyer  a.  a.  O.  Heft  15,  18!>2,  S.  209— 224,  aus  einem  Originale  aus  dem  Stadt- 
archive zu  Lüneburg  diplomatisch  genau  abdrucken  lassen.  Den  2.  Anschlag, 
von  dem  ein  Original  im  Stadtarchiv  zu  Strassburg  liegt  (s  Beyer  a  a.  O.  H.Heft, 
S.  177),  hat  Bevor  nicht  abdrucken  lassen,  da  er  nur  3  kaiserliche  Dekrete  von 
Friedrich  III.  vom  23.  August  1479,  1.  Dezemtor  1479  u.  2.  Mai  HHJ  enthält, 
durch  welche  den  Erfurtern  untersagt  wird,  dem  Erzhischof  Dicther  zu  gehorchen, 
da  derselbe  die  Kegalien  nicht  empfangen  hat,  sodann  den  Eid,  den  die  Bürger 
Erfurts  schworen,  endlich  den  Eid,  den  beim  Ratswechsel  ein  Hat  zu  Erfurt 
dem  andern  schwört.  Für  diesen  2.  Anschlag  sind  wir  also  noch  auf  die  Drucke 
von  1535. 1583. 1589  und  auf  Falckensteiu  S.  381  ff.  augewiesen. 


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408  328.  Stück. 

er  ör  nicht  wollen  höre  nach  sie  vorneme  Also  sint  sie  widder  hevm 
geczogen  dorch  vor  midunge  kost  unnd  czerunge  unnd  nicht  in  trotcze, 
als  er  setczt,  unnd  dannoch  mit  sinem  geleite.  — 

3.  Item  die  von  erffort  haben  nicht  abegelossen,  |  sundern  deme 
techan  unnd  capittele  zu  mencz  ge  schreben  unnd  begerten  eyn  general 
capittel  zu  machen  keyn  franckfort  unnd  ön  zu  bescheiden  unnd  ore 
bete  zu  boren  umme  ore  fryheit  unnd  gewonde  zu  lassen,  unnd  das 
sie  bie  der  kirchen  fredelichen  blibe  mochten,  wann  on  ye  zu  frede 
liebe  were,  wann  sie  unfredes  nach  nye  begeit  haben,  mit  den  fursten, 
graven  unnd  rittern  lange  czit  in  gutem  frede  gesessen  haben  unnd 
mit  oreu  burgern  unnd  geistlichim  state  alle  czit  frede  gehalden  haben, 
also  wolden  sy  ouch  mit  deme  bisschofle  zu  mencz  unnd  deme  capittel 
euch  gerne  unezutrant  halden.  — 

4.  Item  sie  setezen  ouch,  das  sie  deme  stiffte  zu  mencz  also  ge- 
want  sint,  das  sie  ungerne  dar  von  wolden  lasssen  tronnen,  sundern  sie 
haben  gross  gelt  unnd  gut  dar  ufl  gewant  unnd  bie  den  bebisten  unnd 
keysern  bullen  unnd  brefo  er  werben,  das  sie  ye  by  der  kirchen  bliben 
wolden,  unnd  sy  deme  bisehoffe  ouch  noyt  gewest  zu  setezene,  das 
erffort  nicht  eyn  frv  stad  sv.  — 

5.  Item  umme  den  bergk  sente  celiax  haben  sie  mit  gunst,  willen 
unnd  wissen  des  babistes  unnd  keysers  nach  lute  orer  bullen  unnd 
breffe  in  genomen  den  junefrowen  ane  allen  oren  schaden  unnd  vorder 
die  zu  besorgen  mit  allir  noytdorflt,  unnd  haben  den  berg,  der  in  noten 
unnd  unfrede  der  stad  sere  schedelichen  were,  lassen  buwe  zu  eyner 
vesten,  die  stad  da  niete  zu  bewaren,  als  on  ge  raten  sy  von  vil  vor- 
suchten krigis  luten,  unnd  dio  gerichte  zu  sich  genomen  von  geböte 
des  keysers  bie  groser  pene,  unnd  die  bestalt  unnd  nicht  zu  ab  broche 
der  kirchen  nach  stiffte.—  | 

6.  Item  als  om  mvn  herre  von  mencz  alle  ubirkeit  zu  czuhit 
zu  erffort,  setezen  sie,  is  sy  on  noyd  ore  ubirkeit  ouch  an  den 
tag  zu  brengen,  wann  sie  haben  ouch  ubirkeit  unnd  gereehtickeit  in 
orer  stad,  der  eyn  bisschoff  nicht  zu  thune  habe,  sundern  was  er  ome 
zu  zuhit,  habe  keyn  ander  bisschoff  vor  ome  gethanv  das  steint  zu 
eynem  uss  trage  orer  appel laden.  - 

7.  Item  sie  haben  gewonheil  unnd  alt  herkomen,  das  sie  alle  jar 
einen  nuwen  rad  kyson,  unnd  der  selbie  nuwe  rad  swert  zu  dem 
aldcn  rate,  unnd  der  aide  rad  bestetigit  den  nuwen  rad.  unnd  nymant 
anders,  alt  her  komen.  — 

8.  Item  eyn  rad  zu  erffort  macht  alle  jar  ratismeister ,  burger- 
meister,  kemmerere,  stad  foyte,  ungeldere,  brücken  meistere,  unnd  alle 
ampt  bestellet,  unnd  hat  die  zu  setezene  ane  intragk  eins  erezbisschoffes 
zu  mencz,  alt  her  komen.  — 

{>.  Item  eyn  rad  zu  erffort  nympt  alle  jar  hulde  von  den  alden 
rothen  unnd  allon  inwonen  der  stad  wörtlicher  achte,  unnd  gelobede 
unde  dorften  vort  nymande  hulde.  — 

10.  Item  eyn  rad  hat  alle  rogerunge  in  der  stad  ubir  den  margkt 


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328.  Stück.  409 

konffs  unnd  vorkouffs,  gewichte,  die  mass  zu  richten,  wind  wer  buss- 
fellig  wert,  zu  bussenn  ane  intrag  eins  bisschoffs,  unnd  das  alle  macht 
der  gemeyne  bie  deme  rate  stehit  zu  thune  unnd  zu  lassen,  unnd  eyn 
rad  hat  macht  das  volk  zu  schicken  zu  geschutcze,  buchsen  unnd  arm- 
brost,  der  stad  zu  nutczc  unnd  wehere  alle  jar  zu  thune  unnd  zu 
besserne,  alt  her  komen,  absque  consensu  episcopi.  — 

11.  Item  eyn  rad  hat*  macht  zu  buweu  die  stad  mit  muren,  thor- 
mon,  graben  unnd  brücken  noch  orer  notorfft  zu  befesten,  darin  eyn 
bisschoff  uss  |  ubirkeit  nicht  zu  reden  hat  — 

12.  Item  eyn  rad  hat  sloss  unnd  slossele  zu  allen  tormen  unnd  v 
thorn  unnd  pforten  unnd  lassen  uss  unnd  in,  wen  sie  wollen,  unnd 
behalden  ouch  ore  slossele,  wann  eyn  bisschoff  in  ryt,  unnd  darffen 
der  nymande  gebe  noch  antwerte.  — 

13.  Item  eyn  rad  hat  macht  alle  handwerge  zu  rechtfertigene  uund 
die  zu  befreyen  unnd  begnaden,  unnd  ouch  das  widder  zu  nenien  ane 
des  bisschoffes'in  rede.  — 

14.  Item  eyn  rad  hat  macht  allen  hantwergen,  tleisshouwern  acht- 
mann, den  wullewebern  czeichmeistern,  den  smeden  achtmann  etc.,  ore 
Vormunden  zu  bestetigenn  absque  consensu  episcopi.  — 

15.  Item  eyn  rad  hat  macht  bürgere  uff  zu  nemenn,  die  sweren 
deme  rate  unnd  nemen  uff,  wen  sie  wullon,  dar  von  wer  is  vormag  von 
einem  XX  gr.  ald.,  daran  haben  die  schribero  unnd  knechte  das  mererteil, 
sundern  mit  deme  rate  muss  sich  einer  vortrage,  nach  deme  er  ist.  — 

16.  Item  die  also  uff  genomen  worden,  sweren  nicht  deme  bisschofte 
zu  mencz  getruwe  unnd  gewere,  gehorsam  zu  sync  adir  tu  Ige  zu 
thune  mit  liebe  unnd  gute,  sundern  or  burgerreeht  in  des  ratis  hant 
gehorsam,  eyde  unde  gelobede,  unnd  was  on  der  rad  heist  zu  thune 
adir  zu  lassen.  — 

17.  Item  eyn  rad  hat  macht  einem  iglichen  geistlichen  unnd  wert- 
lichen geleyte  zu  geben  adir  zu  vor  sagen,  sie  schutczen  unnd  be- 
schermcn  als  die  Studenten  unnd  pristerschafft,  dar  in  eyn  bisschofl 
nicht  zu  legen  hat,  unnd  die  aniptlute  in  deme  Vorwerks  hofe  trösten 
sich  des  ouch  unnd  sint  in  des  ratis  schutcze  unde  goleito,  wie  wol 
sie  sich  enteil  vorgessen  |  unde  mercken  lassen.  —  »s» 

18.  Item  eyn  rad  hat  ubir  erbis  gefelle,  erbliche  gutor  dar  zu, 
backensiege,  Scheltwort,  rouften  in  erffort  zu  richten, auch  ratisgetwang, 
busso  unnd  straffe  unnd  mag  gerichtis  getwang  üben.  — 

19.  Item  eyn  rad  zu  erflbrt  ist  des  wertlichin  gerichtis  da  selbinst 
ubirste  scheppfe,  wer  sich  dar  an  pynlich  adir  borglichin  Sachen  durch 
gefellete  orteyl  beswert  dunckot,  der  mag  das  straffen  an  den  rad,  der 
hat  dar  ubir  zu  erkennen  ane  mittil,  des  ratis  ubirkeit  alt  her  komen. 

20.  Item  eyn  rad  hat  zu  heißen  ubir  die  erfordirten  unnd  die  er- 
fordirten  zu  schoben  dorch  oren  schriber  in  des  ratis  buch,  unnd  eyn 
rad  hat  das  inne  in  siner  gewalt,  uborkeit  des  ratis.  — 

»  In  IIS  fehlt  „hat",  allerdings  »lebt  ein  Zeichen  da,  um  da»  Fehlwi  anzudeuten. 


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4 


410  328.  Stück. 

21.  Item  eyn  rad  hat  macht  zu  griffen  unnd  in  gefencknisse  zu 
lasssen  unnd  ledig  zu  geben  alle,  die  da  freveln  unnd  ubirfaren  in  der 
stad  absque  consensu  episcopi  et  suorum.  — 

22.  Item  eyn  rad  hat  eyn  gemeyne  gefencknisse,  ubilteterer*  unnd 
ander  lute  dar  in  zu  setczen  unnd  loss  zu  geben,  unnd  orfede  zu 
nemen,  unnd  nymant  andirs.  — 

23.  Item  eyn  stogk  uff  deme  weningen  inarte,  dar  in  zu  setczen, 
wer  is  vor  bricht.  — 

24.  Item  der  stogk  bie  des  hengers  huse  steet  deme  rate  zu,  unnd 
hat  on  lasen  machen  zu  den  frien  frawen,  unnd  wann  die  ubir  treten, 
die  dar  inne  zu  bussene  von  eines  ratis  wegen,  unnd  nymant  anders, 
ubirkeit  des  ratis.  — 

2f>  Item  eyn  rad  hat  hals  isen  an  deme  rathuse,  an  den  thorm  b 
unnd  in  der  stad  hin  unnd  her  unnd  darin  zu  süssen  unnd  loss  zugeben 
die  das  vor  wircken,  ane  intrag  des  bisschoffes  unde  siner  amptlute.  — ! 
7  2b'.  Item  is  werden  ouch  keine  menschen  von  deme  gerichte  zu 
erffort  gericht,  sie  werden  dann  von  deme  rate  strefflichen  erfunden 
unnd  dorne  gerichte  von  deme  rate  geantwart  uss  orera  gefengknisse.  — 

27.  Item  eyn  rad  hat  strefflieho  person  zu  vor  wisen  umme  un- 
erlicho  tete  ewiglich  adir  uff  gnade,  dar  in  eyn  bisschoff  nicht  zu 
reden  hat  — 

28.  Item  eyn  rad  hat  ore  ungehorsammen  bürgere  uff  thor  unnd 
thorme  zu  legen  unnd  zu  straffen  ane  eins  bisschofts  in  reden.  — 

29.  Item  eyn  rad  hat  macht  in  eines  iglichen  burgers  husern  zu 
schickene  adir  senden  ore  knechte,  wirt  adir  gast  zu  griffen  unnd  in 
das  gefencknisse  zu  furne,  unnd  des  bisschoffes  amptlute  haben  des 
nicht  macht  zu  thune  dar  inne  ymandes  zu  beleydingen  ane  eynis 
ratis  vorhenguisse.  — 

30.  Item  eyn  rad  hat  macht  inwonere  unnd  ouch  fromde  lute  zu 
bussen,  die  das  vor  worlossen  in  der  stad  an  fryheit  unnd  ander 
Sachen.  — 

31.  Item  die  zu  erffort  tot  siege  thun,  müssen  die  stad  unnd  or 
wichbilde  funff  jar  rumen,  unnd  ab  sie  wol  mit  den  clegern  unnd  ge- 
richte ontsetczen,  so  hat  on  nymant  gnade  zu  thune  wann  alleine 
eyn  rad.  — 

32.  Item  eyn  rad  hat  macht,  raessere  unnd  swerte,  die  da  gerucket 
adir  vor  boten  werden,  zu  nemen  unnd  zu  brechen  dorch  ore  knechte.  — 

33.  Item  das  rathuss  ist  des  ratis  unnd  der  gemeyne,  unnd  der 
rad  hat  sloss  unnd  slossele,  unnd  was  bie  eyn  rad  gelegit  wirt,  golt, 
silber  adir  muncxe,  hat  gut  geleyte  unnd  mag  nicht  vorkummert  werde 
mit  keinem  gorichte,  geistlichen  noch  wertlichen.  — 

xio  34.  Item  so  hat  ouch  eyn  rad  gemeyne  schenke  stete  |  in  der  stad, 
die  zu  machen,  zu  meren  unnd  zu  mynnern,  ouch  oren  burgern  zu  er- 
louben,  dar  in  eyn  bisschoff  nicht  zu  reden  hat  nach  dar  uff  zu  setczen.  — 

»  HS:  uMlterer.       «»  IIS:  thora  corri&lert  atu  „tbonn". 


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328.  Stück. 


411 


35.  Item  eyn  rad  hat  macht  fryunge  zu  geben  gutern  unnd 
person  nach  orem  gefalle,  vordinsten  unnd  statpflichten ,  unnd  das 
nymande  andirs  zu  steint.  — 

36.  Item  eyn  rad  hat  hersschaffte,  slosse,  stete  unnd  dorffere,  ge- 
richte,  gebiete  unnd  andere  ding  kouffe  unnd  vorkoufle  unnd  der 
nutczunge  gebruche,  unnd  dorffen  einen  bisschoft  nach  capittele  dar  von 
keins  pflege,  sagen  nach  thun.  — 

37.  Item  eyn  rad  mag  sich  in  eynunge  unnd  vortracht  geben  mit 
fursten,  hern,  grayen,  steten  unnd  andern  luten  einer  gemeyne  unnd 
der  stad  zu  nutcze,  einen  bisschoff  nach  capittel  darumme  nicht  zu 
fragen  n,  alt  her  komen,  ubirkeit.  — 

38.  Item  eyn  rad  hat  in  besitcz lieber*  ubunge  herbracht  die 
buwemeistere  unnd  der  stad  wergklute  ubir  gebuwede  zu  gehene 
lassen  unnd  besehen  husere,  hole,  gründe,  fullemundeb.  Ist  die  irrunge 
gross,  so  gehit  eyn  rad  dar  nach,  meister  unnd  viere,  dar  ubir,  was 
danne  die  erkennen,  dar  nach  halden  sich  die  ge  irreten  partigen.  — 

39.  Item  die  lobeliche  hoe  schule  steint  dorne  rate  zu  erffort  zu, 
unnd  von  des  ratis  gelde  da  hin  bracht  unnd  bestetigit  vom  babiste, 
unnd  nicht  von  des  bisschoffes  adir  stifltis  gelde,  unnd  die  collegiaten 
hat  eyn  rad  zu  setezen  unnd  zu  entsetezen  unnd  ouch  doctores  zu 
vor  solden.  — 

40  Item  alle  gassen  in  der  stad  sint  in  des  ratis  macht,  die  zu 
rechtfertigen  mit  wasserlouften,  wie  eyn  rad  das  erkennet,  unnd  die  zu 
straffen,  die  das  nicht  reyne  halden,  zu  bussen.  — 

41.  Item  in  des  ratis  macht  stehin  alle  stege  unnd  |  brücken  zu  v 
machen  ubir  alle  wasser  in  der  stad  nach  noddorftt.  — 

42.  Item  nymand  thar  weit  kouffe,  der  in  die  stad  gefurt  wirt,  er 
habe  dann  eine  czeddele  vom  rate,  unnd  ehir  wann  man  die  weit 
glocken  lutet.  — 

43.  Item  eyn  rad  hat  macht  den  weit  mart  zu  logen  in  adir  vor 
die  stad,  unnd  thar  nymant  geballoten  weit  kouffe,  er  sy  dann  eyn 
bürgere  unnd  deme  rate  gnug  gethan  unnd  sin  gebore  gegeben,  dar 
an  eyn  rad  ge  rechtigkeit  weitgelt  hat. 

44.  Item  iss  sal  nymant  eyn  bier  bruwen  unnd  vorkonffen,  er  sie 
dann  oyn  bürgere  unnd  oyn  bieroige,  noch  malcz  mache;  wer  das 
thut,  den  bust  eyn  rad.  — 

45.  Item  das  wagehuss  mit  allir  siner  zu  gehorunge  stehit  domo 
rate  zu,  unnd  was  dar  in  korapt,  hat  des  ratis  goloyte  vor  allen 
kommern.  — 

46.  Item  eyn  rad  setezt  dar  in  einen  wagemeistere  unnd  knechte, 
sweren  demo  rate  sich  recht  zu  halden  an  gewichte  unnd  andern 
Sachen,  bie  hocher  pene,  unnd  was  dar  uss  getellet,  gebort  deme  rate 
unde  nymant  andirs.  — 

47.  Item  eyn  rad  hat  ouch  macht  einen  martmeister  zu  bestellen, 

1  HS:  bcslUllcho  ubunge.       »»  HS:  fulienunde. 


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412 


3'28.  ^tiick. 


der  swert  deme  rate  zu  zu  seen  ubir  alle  fissche,  vogile,  wiltprodt,  das 
in  die  stad  zu  marte  bracht  weit.  — 

48.  Item  iss  en  thar  euch  nymant  wine  schencken,  er  sie  dann 
bürgere  unnd  vor  ungelde2  die,  unnd  sint  gewachssen  in  der  stad  ge- 
bite,  unnd  fromde  wine  mag  nymant  schencken  ane  loube  des  ratis, 
unde  geistliche  lute  müssen  loube  des  ratis  habe. 

49.  Item  der  rad  unnd  die  gemeyno  der  stad  erffort  sint  uss 
pflichte  nicht  schuldig  einen  bisschoff  zu  mencz  adir  deme  stiffte 
in  eygen  oren  sachen  mit  liebe  adir  gute  zu  dienen  adir  zu  fulgen, 
unnd  haben  on  in  der  müsse  keyne  dinste  nach  folge  gethan,  was  abir 

»»»  der  gescheen  wero  uff  |  betlich  ersuchen,  uss  fruntschafft  unnd  nicht 
durch  pflicht,  ouch  zu  geeziten  uff  fruntliche  vor  rechte  gesehen,  des  sie 
deme  rate  gutlich  gedanckt  haben,  das  man  breffe  czeyen  magk.  — 

50.  Item  der  rad  zu  erffort  ist  ouch  uss  pflicht  nicht  schuldig 
eynem  bisschoffe  zu  mencz  nach  deme  stiffte  von  des  ratis  adir  gemeyner 
stad  wegen  jerlichen  wedder  sture  nach  bete,3  silber  nach  golt  nach 
ycheinerley  anders  zu  geben,  des  ratis  unnd  stad  fryheit  alt  her  komen.  — 

51.  Item  der  rad  nacli  die  gemeyne  der  stad  erffort  sullen  von 
nymande,  er  sie  furste,  grave,  ritter,  dinstman  gefedit  werde,  beschediget 
nach  boleydigit  umme  sachc,  den  bisschoff  adir  stiffte  zu  mencz  be- 
langende, nach  vorkummert  adir  uff  gehalden  werde,  des  ratis  unnd 
gemeyno  stad  fryheit.  — 

52.  Item  wann  eyn  bisschoff  zu  erffort  in  riten  wil,  so  sal  er  einem 
rate  schribe  unnd  bescheide  uff'  das  eissfelt  unnd  mit  omo  handiln, 
wass  nod  ist,  unnd  on  ore  friheit  bostetigen;  tud  her  des  nicht,  so 
mögen  sie  das  inriten  nicht  gestate,  unnd  wie  wol  on  der  bisschoff 
dieter  schreib,  er  wolde  inrite,  er  beschid  on  abir  nicht  zu  om  zu 
komen,  handil  zu  haben  orer  friheit,  dar  umme  bleib  is  an  stehende, 
sundern  bette  er  on  oro  friheit  bestetigot,  so  hotten  sie  ome  ouch  alle 
gebore  gethon.  Er  vor  sagite  on  dio,  des  mögen  sie  brefo  czeige,  unnd 
der  feil  ist  an*  ome  gewest  unnd  nicht  an  den  von  erffort  gewest.  — 

53.  Item  uss  den  stucken  allen  ist  zu  merken,  der  nach  vil  mehir 
ist  unnd  zu  lang  zu  schriben,  das  einem  bisschoffe  nicht  alle  ubirkeit 
zu  steint  nach  deme  stiffte.  — 

54.  Item  sie  setezen  ouch,  was  eyn  bisschoff  adir  stiftt  zu  mencz 
t  gerechtickoit,  herlickeit  hat,  zu  [  erffort,  wolden  sie  on  ungerne  erezorne, 

unnd  sal  ouch  von  on  nummer  er  farn  nach  er  funden  werden,  das  in 
nicht  zu  sagen  anders  danne  alt  her  komen.  — 

55.  Item  setezen  ouch,  das  der  stiftt  zu  mencz  hat  einen  hoff'  zu 
erffort,  der  alle  wege  in  der  stad  nicht  gewest  ist  unnd  ouch  nicht  fry 
ist,  sundern  deme  rato  unnd  etlichen  burgern  czinssbar  ist;  unnd  die 
bürgere  unnd  biereygen  pflegen  den  nach  alt  herkomm  ubir  etliche  jar 


»  IIS  :  on. 


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I 


329.  Stück.  413 

zu  stormen  unnd  in  nemen,  darumme  das  er  nicht  fry  sin  sal  nach  ist, 
unnd  ist  das  storinen  vil  ge  schehen,  den  czuhit  orae  der  bisschoff  von 
niencz  vor  einen  fürstlichen  hoff,  des  nicht  ist,  sundern  eyn  vor- 
wergks  lioff,  als  sie  dann  selbir  in  etlichen  oren  breffen  schriben  undc 
ge  schreben  haben,  dar  inne  sich  eyn  provisor,  schultheisso,  sigiler,  acker- 
knechte unnd  vihemeyde  enthalden,  unnd  umme  die  anczehunge  des 
fürstlichen  hoffes  haben  die  von  erffort  appellirt  an  unsern*  heiligisten 
vater  den  bobist;  zu  uss trage  der  appelacien  wollen  sie  folge  und  wollen 
ouch  eine  getruwe  tochter  des  stifttis  blibe  met  gotis*  unnd  des  rechten 
hulffe  unnd  orem  ingesegele  gnug  thuu,  sich  nicht  under  andere  hir- 
schafft  geben  nach  wenden,  unnd  der  selbie  er  diether  von  isenbergk 
hat  on  vor  geeziton  gar  gutlichen  geschreben  unnd  gedanckt,  das  sie 
also  veste  bie  der  Kirchen  gestanden  unnd  sich  nicht  haben  wollen 
lassssen  trennen  von  der  kerchen,  so  on  doch  mancherleye  an  setcze 
sullen  gescheen  sy,  unde  setczen  des  eyn  britf  von  om  geschreben  uft" 
sontag  judica  annodomini  M°(XV0°LXI1  unnd  herum,  das  sie  viel  lieber 
in  gutlichim  wesen  mit  ome  syn  wolden  danne  in  Unwillen,  j  unnd  wolden  2« 
gerne  bie  om  syn  unnd  bliben,  das  er  on  ore  fry  hei  te  gebe  unnd  liesse 
unnd  keyne  nuwerunge  inbrengen  wolde  etc.  Kr  sehen  unnd  ge 
schreben  unnd  uss  gegangen  lucie  virginis4  anno  domini  M"  CO«  "0°  LXXX 
Item  sente  celiax  borgk  kostdy  von  ertlort  zu  buwen  LX  tusent  gülden. 


329.  Eyn  lyd  von  den  von  erffort  iinnd  deine  bisschoff 
zu  meiitcz<\  anno  domini  M°CTCC°LXXX1V  usi 

Nu  hilft"  uns  got  von  hymmelrich, 
der  alle  dingk  wol  kan  machen  glich 
in  himmel  unnd  uft  eitlen! 

vil  groser  b reffe-'  sint  an  geslagen:  was  wil  dar  uss  werden? 

5     Die  brefe  halden,  höre  ich  sage, 
myn  herre  von  niencz  thu  sich  vil  der  clage, 
ouch  hat  mans  wol  voniomen, 

.wie  viel  rechts  er  zu  erfiort  habe  unnd  kan  dar  zu  nicht  komen. 

*  IIS;  iinscrm. 

4  17.  Dezember. 

1  Das  Lied  ist  nach  Stolle,  Ausgabe  von  Hesse,  1854  (ausserdem  von 
demselben  Verfasser  in  Haupt«  Zeitschrift  f.  dtsch.  Altert.  VIII,  S.  316  ff.  und  von 
Michelsen  i.  s.  Aufsatze,  ÜImt  die  ungedruekte  thfir.  Chmoik  von  Conrad  »Stolle, 
ZThG  I,  1854,  S.  ff),  bei  von  Lilienkrou,  Die  Iiistor.  Volkslieder  d  Deutschen 
v.  18.- Iß.  Jahrb.,  Bd.  II,  1866,  S.  16« -170  (mit  Einleitung)  abgedruckt.  Wir 
haben  es,  wie  der  Reim  (aa  hl»)  fordert,  in  Strophen  zu  4  Versen  abgeteilt,  wobei 
allerdings  der  4.  Vers  eine  ungewöhnliche  Länge  bekommt.  Der  Dichter  heisst 
Hcnze  (=-  Hcinzc,  »«ine  der  Koseformen  von  Heinrieb)  Outjar,  ein  fahrender 
Hänger,  der  wohl  aus  Erfurt  stammt  und  im  Interesse  Erfurts  (daher  seine  lütte 
an  den  Rat  in  der  letzten  Strophe)  das  Lied  unter  dem  unmittelbaren  Kindnicke 
der  Ereignisse  verfasste,  jedenfalls  vor  den  Verträgen  von  Amorbaeh  (1488)  und 
Weimar  (1488).       *  ö.  ob.  St.  326-828. 


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414  329.  Stück. 

.  Worum me  das  ist,  das  lasse  ich  steen, 
10  wanne  man  sal  zum  glichen  seen, 
in  rechte  sich  das  geboret; 

ein  man  thut  eine  halbe  rede,  essy  billich,  das  man  beide  vor  höret. 

Nyhit  unnd  hass  bringit  vil  der  clagen; 
breffe  unnd  sigil  stillen  das  sagen,* 
15  was  die  von  erffort  habe!b 

wer  das  sine  umme  gelt  gibit,  der  ist  mit  rechte  her  abe. 

Das  ist  an  oni  seibist  also, 
zu  Schilden  rode 3  unnd  andersswo: 
Erffort  wil  ich  nennen, 
20  da  ist  ge  hört  ein  antwort  uff  die  clage,  als  danne  kan  man  recht 

erkennen. 

Clage  unnd  atitwert  unvorletczt, 
die  sal  man  bie  enandir  setczc 
vor  fursten  unnd  vor  heren;d 

also  Wullen  die  von  erffort  thun  ore  anwart  |  wol  mit  eren. 

2ö     Die  von  erffort  beten  gar  siecht 
gancz  volmechtigk  allis  or  recht, 
als  is  ist  vor  mich  komen, 

uff  unsern  heiigen  vater  den  babist,4  der  hat  das  also  uff  ge  nomen. 

Bie  deine  Wullen  sie  alle  ores  rechten  bliben; 
:«)  wer  die  dingk  wil  vorbass  triben 
unnd  mag  sichs  nicht  gemassen, 

weme  das  houbt  gebore,  der  schere  den  bart,  wil  ers  abir  eyn 

nicht  lassen.0 

Werf  noch  das  beste  dar  inno  konde  gewende, 
abs  mochte  komen  zu  einem  guten  ende ; 
35  man  spricht  doch  ubir  lute: 

wer  sinen  galten  vorkoufft,  der  darff  nurame  dar  in  krute.5 

Wer  gibit  rayncni  hern  von  mencz  den  rad, 
das  er  wil  eine  sulche  stad 
an  andere  hern  wenden? 
40  Isswere  eyme  stifte  zu  mencz  eine  sture,"  beilüde  er  sy  in  synen  henden. 

»  HS:  sag*.       ■>  HS:  haben.      '  HS:  teteen.     «»  HS:  h«ro.     «  HS:  Uue      r  HS:  Wer,- 

:l  S.  St.  23A.2;  der  Verfasser  meint  mit  dem  Nameii  de«  Dorfes,  au  dessen 
Stelle  später  die  Stadt  Erfurt  trat,  diese  selbst.  1  S.  ob.  St.  326  (üesandUchalt 
an  de«  Papst  Sixtus  IV.).  '  „kruten'1  =  „Kraut  holen";  Anspielung  darauf,  dasa 
man  erzählte,  Erzbischof  Diether  von  Mainz  habe  dafür,  dass  er  Herzog  Albrecht, 
den  Sohn  de«  Kurfürsten  Ernst  von  Sachsen,  zum  Provisor  des  Erzstiftes  auf 
dem  Eiehsfclde  und  in  Erfurt  ernannt,  viel  Geld  von  den  sächsischen  Fürsten 
iaus  ihren  Sill>erbergwerken)  erhalten,  also  Erfurt  wie  einen  Krautgarten  ver- 
kauft, iu  welchem  er  nun  nichts  mehr  zu  suchen  habe.  ''  Mhd  stiure  —  md 
„sture4,  stf.  (von  stiur  —  Steuerruder),  „Stütze,  Unterstützung,  Hilfe." 


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330.  Stück.  415 

Wirdiger  furste  von  mencze,  so  gut 
haldet  die  von  erffort  in  uwerer  hudt! 
iss  mochte  nach  komen  zu  gecziten, 

sie  konden  uch  brennen  czeen  tusint  man  zu  stormen  unnd  zu  striten. 

45     Das  ist  einer  stad  eyne  grosse  czal; 
die  nuen  stete  ubir  al 
mit  allen  oren  zu  gehören, 

solden  sie  brengen  dry  tusent  man,  man  muste  gar  hart  dar  um  nie 

Sporen.» 

Der  selben  ist  eyn  teyl  vor  setczt,b 
50  sente  mertins7  niantel  ist  sere  vor  letczt, 
zu  rissen  unnd  zu  brochen; 

is  muste  eyn  guter  snider  syil,  der  on  solde  widder  mocben,c 

Sente  mertins  mantel  der  slisst*  sich  sere 
unnd  kan  sich  brechen«  nicht  er  were; 
55  were  er  schone  vornehit  mit  syden ! 

doch  hiebe  erffort  gerne  da  by,  wanne  mans  mochte  erlydeu.  | 

Das  thun  die  von  erffort  wol  mit  eren,  tu 
wann  sie  begern  keins  andern  heren,d;' 
dann  bie  deme  stiffie  zu  bliben; 
UO  sie  undir  stehen  sich  des  zu  wehern,  wil  man  sie  dar  von  triben. 

Hencze  gutiar  uns  dicz  lidelin  sangk, 
sine  winter  cleydcre  die  sint  ome  krangk; 
ir  mercket  wol,  wye  ichs  mcyne, 
64  myne  hern  von  erffort  die  cleytten  mich  wol  unnd  schad  on  ver- 
lieh clevne. 

Finis  1431". 

330.  Von  howschrecken  in  ungem. 

Als  man  schreib  nach  cristus  geburt  vierczehen  hundert  jar,  dar  147* 
nacli  in  deme  vier  unde  sobenczigisten  jare,  wart  vor  eine  gancze  war- 
heit  ge  schreben  keyn  erffort,  wie  der  koningk  von  ungern1  der  alden 
frowen  zu  missen,2  gcborn  zu  osterich,  des  keissers  friderichs  swester, 

*  HS:  «pora.       b  IIS:  wrtMt.       «  HS:  machen.       d  IIS:  hcrreo. 

7  Der  heilige  Martin  war  der  Schutzpatron  des  Erzstiften  Mainz,  also  auch 
Erfurt«.  Sein  Mantel  ist  verletzt,  d.  h.  der  Wohlstand  des  Erzstiftes  ixt  infolge 
der  vielen  Kämpfe  in  den  letzten  Jahrzehnten  «ehr  gesunken.  M  Mhd  „s^en4*  — 
md  ,,schlissen" ,  intrans.,  „reissen ,  zerreissen4'.  "  Die  Erfurter  wollten  wohl 
mainzim-h  bleil>enf  fürchteten  aber  eine  etwaige  Abtretung  ihrer  Stadt  an  die 
sächsischen  Fürsten  und  sahen  in  <ler  Ernennung  Herzog  Albrechts  zum  Provisor 
den  Anfang  dazu. 

.130.  1  Matthias  Corvinns  (1458—1490).  5  Margarete,  Tochter  de«  Erz- 
herzog« Ernst  I.  de«  Eisernen  von  Österreich,  Witwe  Kurfürst  Friedrichs  II.  de* 
Sanftmütigen,  lebte  in  Altenburg,  ihrem  Witwensitze,  f  daselbst  12.  Febr.  1486. 


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41G 


331.  Stuck. 


ge  sehreben  hatte,  also  syner  guten  frunden,  wie  das  in  ungern  czogen 
kegen  melieren  landH  wart  drye  heliir  houweschrecken,  unnd  die 
vorderste  houweschreeke,  die  den  andern  vor  czoch,  die  was  also  gross 
als  eine  wachtele,  unnd  jo  eyn  heir  were  zu  mole  gross  eyner  mile 
wegis  breyt  unnd  langk,  unnd  wann  sieh  die  logerten  uff  das  ertriche, 
die  flössen  alle  fruchte,  grass,  krut,  boyme  unnd  worczeln  uss  der 
erden,  unnd  machten  das  ertrich  gancz  unfruchtbar.  Nu  was  eyn 
grave  unnd  wolgeborn  man  also  manhafftigk  gewest  unnd  hatte  mit 
sinen  knechten  undir  die  houweschrecken  buchssen  pulver  gestrowet 
unnd  das  angestackt  mit  füre,  unnd  was  mit  den  synen  erstickt  unnd  , 
vorbrant,  unnd  schatte  den  howesehreeken  nicht;  das  was  eyn  gross 
wuudir;  unnd  der  koning  schreib  das  der  furstin,  unnd  die  furstin 
schreib  das  vurder  der  alden  frowen  graven  lodewigis  von  glichen4  zu 
blanckenhayn,  unnd  sante  or  des  konigis  briff  eyne  abeschrifflt,  die 
hatte  gelessen  doctor  froweschuch,  eyn  artczt  zu  erffort,  et  ille  dixit. 


331.  Von  einem  toten  manne1  vor  der  stad  erffort. 

Als  man  schreib  nach  gotis  geburt  tusent  vierhundert  unnd  eyn 
unde  achczigk,  am  sontage  nach  sant  pawels  tage  conversionis,2  wart 
eyn  man  erslagen  vor  sant  andreas  thore  vor  erftorte  usssewendigk 
der  rechten  strassse,  der  was  von  herbesslouben*,  unnd  die  strosse  ging 
ussewendig  ubir  den  acker  funflezig  schrete  von  der  rechten  Strasse, 
unnd  die  rechte  Strasse  was  also  tieft'  von  snehe,  das  man  nicht  konde 
dar  inue  getare,  gegeben  nach  gerithe,  nicht  ferre  von  der  stad  dry 
armbrost  schösse,  als  man  keyn  gispeissleuben4  gehit.  Ubir  den  mau 
liss  man  eyn  kubil  storcze,  das  on  die  wolfie  nicht  fressen,  unnd  die 
von  erftort  lesssen  den  mau  lege  in  der  massse,  das  der  furste  zu 
doringen5  sohle  lassen  besehen,  das  er  nicht  in  der  rechten  Strasse* 
lege,  unnd  bleib  alse  lygene  IX  tage.  Also  czogen  die  von  erflort,  er  - 
johans  bogk'1  unnd  er  ditterich  brampach*;,  zu  deine  fursten,  herczogen 
Wilhelm,  ufl  das  furwergk,  genant  waldichen  by  czimmern;7  do  lag  er 
dry  tage  unnd  liss  rep  huncre  fahe;  die  sageten  ome  von  deme  toten 

a  IIS:  -Uam.. 

"  Mähren.  4  Ludwig,  Graf  von  Gleichen -Blankenhain,  starb  1477;  »eine 
ihn  iiberlelx'tide  Witwe,  seine  zweite  Frau,  war  Katharina  von  Waldenburg 
(s.  Sagittarius,  Gescliiehte  der  Grafschaft  Gleichen,  1732.  S.  279). 

$tl.  1  Der  an  sieh  un1>edeiiteiide  Vorfall  iht  doch  nieht  uninteressant  so- 
wohl  kulturgeschichtlich  wegen  der  damaligen  Rechtsverhältnisse  der  Strassen 
als  auch  in  Kezug  auf  das  Verhältnis  der  Erfurter  zu  den  sächsischen  Fürsten, 
hier  im  besonderen  zu  Herzog  Wilhelm,  der  in  Weimar  residierte.  *  29.  Ja- 
nuar 14*1.  ;  Flecken  Herhsleben  a.  d.  tristrut,  im  Landratsamt  Gotha  des 
Herzogiums  Sachsen -Kohurg  und  Gotha.  'Gispersleben:  2  nebeneinander- 
liegende preussischo  Dörfer  im  l>andkreise  Erfurt,  Gisjiersleben  -  Kiliani  und 
Gis|x  isleben-Viti.  '"'  Herzog  Wilhelm  hatte  als  Landgraf  von  Thüringen  da»* 
Strassen  recht.  '  S.  ob.  St.  320  A.  M  u.  32.  ;  Das  sächsische  Vorwerk  lag 
beim  Dorfe  Niederzimmern  ,  dem  Geburtsorte  Stolle« ,  jetzt  im  Verwaltungsbez. 
Weimar  des  Gro-sherzogtums  Sachsen. 


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331.  Stück. 


41? 


manne.  Do  sprach  [  der  furste,  er  wolde  lasssen  dar  zu  be  stelle;  unnd  au 
die  wile  die  von  erffort  bie  omo  warn,  do  quam  der  voyt  unnd 
schosser  von  gote,8  unnd  nomen  den  toten  mann  unnd  fürten  on  keyn 
alich zu  gote  zu.  Do  quam  das  geruchte  in  die  stad  erflbrt;  do 
lieffen  die  stad  knechte  zu  fussse  uss  der  stad,  unnd  namen  pferde  uss 
czwen  wagen  undirwegen,  unnd  ranten  den  nach,  unnd  eyn  dyener, 
gnant  goyppesteyn,  quam  ouch  ungeverlich 10  darzu,  unnd  drungon  den 
toten  man  den  amptluten  abe,  durch  hulffe  der  menre  zu  alich,  die 
lutten  zu  storme,  das  das  volk  uss  quam,  unnd  musten  on  widder 
fure  an  die  stat,  da  er  vor  lag,  unnd  die  amptlute  czogen  en  weg. 
Als  balde  enpoten  die  von  erfforte  oren  hern  unnd  frunden  keyn 
waldichen,  das  die  deme  fursten  sageten  unnd  clageten,  das  sine  ampt- 
lute den  toten  man  genomen  hetten.  Do  sprach  der  furste,  betten  sie 
on  enwegk,  were  is  nicht  recht;  er  wolde  sich  wol  mit  on  dar  umme 
vortrage.  Unnd  sie  wüsten  alle  nicht,  das  die  knechte  unnd  dynere 
den  man  behalden  hatten.  Do  bestalte  der  furste  ubir  czwene  tagt* 
keyn  erffort  sine  amptlute,  zu  besehene,  wo  der  tote  man  lege;  unnd 
sie  meynten,  er  lege  in  der  Strasse,  unnd  die  Strasse  wero  dos  fursten, 
wie  wol  sie  ubir  den  acker  ginge  winterczit  von  deme  snehe,  das  man 
der  tieften  strassse  nicht  getaren  konde.  So  meynten  die  von  erflort, 
das  were  nicht  eyne  Strasse;  wer  dar  ubir  furo,  mochte  der  man,  des 
der  acker  were,  wol  pfende,  sundern  sie  woldens  lassen  erkenne. 
Bynnen  der  czit  ubir  dry  adir  veir  tage  quomeu  ungewornt  die  ampt- 
lute von  gote  in  der  nacht  also  stargk  |  gewopent  uff  waynen  unnd  v 
fürten  den  toten  man  hyn  wegk.  Do  er  hin  weg  was,  do  meynten  die 
von  erffort,  der  furste  tete  iss  on  unmogelichen  11 ,  unnd  s wegen  doch 
stille  unnd  wolden  nicht  rede  dar  uss  mache,  wann  sie  dornten  des 
fuisten  in  den  Sachen  der  von  northussen,1-  die  die  graven  fudten,15 
unnd  leyten  on  die  strassse  nidder,  unnd  die  wile  die  hern  von  missen 
ouch  widder  die  von  erffort  worn  etc.  Unnd  liesssen  das  allis  an  stehen 
unnd  ubir  sich  gehen.    Der  furste  liss  die  syneu  gerichte  sitcze  an  der 

*  Die  Beamten  des  Herzog«  Wilhelm  von  Sachsen  (s.  Casp.  Sagittarii  bist. 
Gothaua,  herausg.  v.  Tenzel,  1713,  pag.  250  s<jq.),  von  welchen  hier  erzähl t  wird, 
waren:  1.  der  Schult  heiss  (nicht  Vogt,  wie  Stolle  schreibt  —  das  war  damals 
Friedrich  von  Witzleben)  Johannes  Crawel  und  2.  der  Schösser  (Steuer-  und 
Verwaltungsbeamter)  Johannes  Böttener  (Büttener,  Bot  teuer,  Büttner;  von 
ihm  .sind  mehrere  Originalsehreiben  an  den  Rat  vou  Erfurt  erhalten,  Stadtarchiv 
zu  Erfurt,  Akten  Ia  Up).  Über  den  Vorfall  selbst  ist  eine  Originalurkunde 
auf  Pergameut  im  Sachs.  Ernest.  Gesamtarchiv  zu  Weimar  vorhanden  (Reg.  G. 
fol.  467  No.  lj,  welche  bezeugt:  Hans  Krauwela  (da«  Siegel  hat  Krawel),  Herzog 
Wilhelms  von  Sachsen  Richter  im  3.  Achtgericht  vor  dem  Andreasthor  zu  Erfurt 
auf  freier  Landstrasse  lässt  durch  13  Schoppen  die  vom  Gothaer  Amtmann 
Johann  Büttener  angeklagten  Männer,  die  den  Leichnam  eines  erschlagenen 
Mannes  weggenommen  und  beraubt,  auf  ihr  Nichterscheinen  vor  dem  Gerichte 
nach  dreimaliger  Liduug  in  die  Acht  erklären.  Mittwoch  nach  Iuvocavit  14*1  •= 
14.  Marz  1481.  "  Alach,  preussisches  Dorf  im  Landkreise  Erfurt.  10  Mhd 
„ungevaerliche"  —  ind  „ungeverlich"  Adverb.,  „von  ungefähr,  zufällig".     11  Siehe 


ienen"  =  „feindlich,  behandeln*'. 


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331.  Stück. 


stad,  do  der  tote  man  lag,  uff  das  dritte  gerichte,  das  was  uff  den 
dinstag  nach  invocavit.14  Die  amptlute,  die  das  gerichte  sasssen.  taten 
den  gnyppsteyn  unnd  sine  helffere  unnd  das  dorff  zu  alich  alle  in  die 
achte.  Der  rad  zu  erffort  tad  nicht  dar  zu  unnd  lissen  das  alles  ge 
schelie,  unnd  der  rad  zu  erfforte  dar  zu  nicht  tad,  unnd  er  suchten 
ouch  den  fursten  dar  urame  nicht.  Do  schreib  der  furste  in  syne 
pflege,  wo  man  die  echtere  an  queme,1'*  die  solden  sie  griffe,  unnd  man 
solde  ouch  keynen  erffortissehen  man  nach  gut ,,J  geleyte.  Also  griffen 
die  amptlute  ubir17  die  schriffte  unnd  hilden  den  von  erffort  soben 
wayne  uff  mit  numburgischem  behere  zu  eckers-sbei-ge,1''  unnd  Vorboten 
keynerleye  keyn  erffort  zu  furne,  holcz,  koln  etc.  Das  stuut  achte 
tage;  bvnnen  des  sante  der  furste  den  von  erffort  or  bier  widder.  Do 
sehreben  sy  ome,  sie  hotten  mit  ome  zu  ieden,  ab  er  sie  höre  wolde,* 
das  er  on  bescbeide  wolde.  Also  schreib  er  on  zu  zu  hornde  eyn  tag. 
Do  wart  onio  von  den  von  erffort  vor  czalt,  wie  er  on  gewalt  unnd 
s4.n  unrecht  tete.  Er  sessse  ouch  mit  on  in  gutlicher  |  vortracht,  die  bilde 
also;  wann  er  mit  der  stad  in  irrunge  queme,  so  solde  er  das  lossen 
erkenne,  die  were  bestymmet  in  der  vortracht;  konden  die  dann  keine 
richtunge  treffe,  so  solde  der  von  swarczpurg  unnd  nach  sinera  tode 
der  von  glichen  arbitrator  sy  ;  des  nette  er  nicht  gehalden  unde  tete 
on  den  nun,  unnd  raeynten  ouch  das  vorder  zu  clagende,  unnd  sie 
weren  ouch  ome  alle  czit  bereyt  zu  dienen,  unnd  hetten  ouch  dorch 
synen  willen  gross  gethan,  ubir  ern  apil  vitczthum  zu  tannenrode, ,:* 
dar  von  sie  zu  grossscm  schaden  kernen  weren,  unnd  er  tete  gar 
unrecht,  das  er  bossen  luten  gloubete;  die  irrethum  czwisschen  om 
unnd  der  stad  machten,  die  wein  nicht  from,  unnd  wann  er  den 
folgete,  so  queme  is  ome  also  wol  zu  schaden  als  der  stad,  danne 
wann  er  mit  der  stad  in  uneynickeit  queme  unnd  liesse  sie  be- 
schedigen,  so  worden  sie  sich  ouch  wehere  unnd  widder  schaden  thun, 
so  worden  die  land  vor  terbit;  sie  truwen  ore  stad  wol  zu  behalden, 
unnd  das  volk  worde  gar  unwillig,  der  en  mochten  sie  in  gute  nicht 
behalde;  weme  schade  geschee,  den  won  -'°  sich  reche,  unnd  retten  als 
vi  1  mit  «lerne  fursten,  das  er  die  gebot  abe  tat  unnd  liss  ouch  die  lute 
wedder  uss  der  achte  thun,  unnd  wart  allirdingc  hin  geleyt  unnd  bleib, 
als  lange  gewest  was. 

Item  uff  das  selbie  mal  hatten  die  von  northusen21  mit  den  graven 

"  IIS:  woMon. 

11  13.  März  1481  ,  s.  aber  oben  A.  S.         Transitiv.,  kommen  auf,  d.  i.  „an- 
tretlcn".       "!  ,.(iul"  —  ..Wiircn  17  „dnriilier  hinaus",  sie  thaten  mehr,  al* 

di  r  Herzog  geboten  hatte.  tH  Krfurter  Handelsleute  führten  <h«  Naumburger 
Hier  muh  Eekartsherga  i  preussisehc  Kreisstadt  im  Rgsbz.  Merseburg).  S.  ob. 
St.  19S— 215.  '"  Mundartlieh  für:  „den  woln"  —  „für  den  wollten  sie  sich 
rächen''.  '-'  In  den  .lahren  1464--1466  führten  die  (irafen  Heinrieh  von 
Schwarzburg  und  Heinrich  von  Stolberg  einen  ernsten  Str«»it  mit  Nordbausen, 
indem  sie  einige  landesherrliche  Rechte  im(Jel»iete  dieser  Reichsstadt  in  Anspruch 
nahmen.  Hie  "Nord  hau  »er  wandten  sieh  hilfesuchend  an  den  Herzog  Wilhelm 
von  Sachsen,  Landgrafen  von  Thüringen,  ihren  Scbutzherrn,  welcher  auch  daa 


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331.  Stück. 


419 


äru  harcze  ouch  grossse  czweytracht.  Die  graven  leyten  on  die  strossse 
nidder,  da  geboyt  on  der  furste,  zu  wymar  gosessen,  das  abe  zu  thune; 
das  wolden  sie  nicht  thun;  do  leicli  der  furste  den  von  nortliusen  die 
eynrossere,22  der  was  XL  adir  L;  die  spiseten  |  die  von  nortliusen,  uund  v 
czogen  uss  mit  gewalt  unnd  holten  uff  einem  czog  vier  hundert  fudir 
holcz,  wo  sie  die  in  den  dorffen  funden,  unnd  fünft"  hundert  fuder 
koln;  unnd  was  sie  dorflten,  das  holten  sie,  unnd  boten  alleore  sache  uff 
den  fursten,-3  unnd  die  graven»  bilden  sich  vaste  an  die  hern  von  missen, 
unnd  mochte  sy,  das  die  raissonere  hern  die  graven  meynten  zu  hant- 
haben 24  widder  den  fursten,  unnd  die  von  nortliusen  unnd  die  von  erffort. 

Item  is  wart  ouch  eyn  krig  am  ryne  mit  deine  bisschoffe  ditterozu  mencz 
unnd  mit  den  von  wertheim2''  umme  abe  losunge  einer  stad  unnd  borg. 

Item  die  borgk  zu  mencz  brante20  gancz  uss  uff  den  tri  tag  vor 
esto  michi27  des  nachtis.  Etliche  sagiten,  is  were  an  geleyt;  etliche 
sprachen,  das  für  were  von  hymmel  gefallen,  das  hotte  man  gesehen." 
Unnd  der  bisschon"  diether  von  isenberg  unnd  der  junge  fursto  von 
missen,28  der  oyn  gubernator  sin  solde  unnd  was  kume  XI  jar  alt, 

•  HS:  «osebeen. 

Schultheissetiamt  (d.  h.  da«  bürgerliche  Recht  nebst  Geleit,  Zoll  und  Münze)  in 
ihrer  {Stadt  vom  Reiche  zu  liehen  trug.  Trotz  kaiserlicher  Befehle  vom  4.  Aj>ril 
1465,  durch  welche  die  Parteien  vor  das  kaiserlich«!  Gericht  geladen  wurden, 
wurde  die  Sache  vom  Herzog  Wilhelm  weiter  verhandelt  und  um  19.  April  1466 
zu  Weimar  ein  Vergleich  geschlossen.  Aber  der  alte  Streit  brach  bald  wieder 
uns  und  zwar  in  den  Jahren  1471,  1475,  1477,  1478,  besonder«  aber  1479- -1480, 
so  dass  am  20.  August  14S0  die  Grafeu  Heinrich  von  Stolberg,  Heinrich  von 
Schwarzburg,  Ernst  und  Hans  von  Hohnstein  den  Nordhänsern  den  Vertrag 
v.  J.  1466  aufkündigten  und  Fehde  ansagten;  diese  Aufkündigung  nahmen  dir 
Nordhäuser  am  25.  August  1480  an  um!  rüsteten  sich  zum  Kampfe,  besserten 
auch  ihre  Stadtmauern  und  Turme  aus.  Sie  fanden  Unterstützung  beim  Herzog 
Wilhelm  von  Sachsen  und  bei  den  Städten  Erfurt  und  Mühlhausen.  Alle  Be- 
mühungen des  Weimarer  Herzogs,  auch  ein  Befehl  des  Kaisers  Friedrich  III. 
vom  5.  Dezember  14(50  gegen  die  genannten  3  Harzgrafen  und  den  Grafen  Ulrich 
von  Reinstein,  den  Verbündeten  derselben,  bliebeu  ohne  Erfolg,  auch  dass  der 
Herzog  Wilhelm  ihnen  reiasige  Knechte  (Einrösser)  zu  Hilfe  sandte  (s.  Spangen- 
berg,  Mausfeld ische  Chronik,  S.  396).  Erst  dem  Kurfürsten  Ernst  von  Sachsen, 
nachdem  die  Herzöge  von  Sachsen  sieh  des  Streites  angenommen  hatten,  gelang 
am  19.  Mai  1485  eine  vorläufige  gütliche  Beilegung  des  bösen  Streites,  den 
erst  der  Vertrag  von  Bielen  am  3.  Juni  1490  abschloß;  s.  Fr.  fh.  l^essers 
Hiator.  Nachricht  von  der  freien  Reichsstadt  Nordhausen  (1740),  umgearbeitet 
und  fortgesetzt  von  E.  G.  Förstemann,  1S60,  S.  310—319.  -  „eynrosser"  = 
mhd  „einrüsse",  d.  b.  dem  nur  ein  Pferd  zusteht,  die  einspännigen,  d.  h.  die  ohne 
Gefolge  reitenden  „reisigen  Knechte".  ?;l  „auf  eiuen  bieten"  —  „ihn  als 
Schiedsmann  aufstellen'*,  also  hier:  „tue  übcrliessen  in  allen  ihren  Sachen  die 
Entscheidung  und  Vermittlung  «lern  Fürsten".  S.  St.  258  A.  3.  Krieg 

zwischen  dem  Erzbischofe  Diether  von  Isenburg  und  dem  Grafen  Johann  von 
Wertheim  i.  J.  14*0  wegen  der  Stadt  Külsheim  (s.  Joannis,  reruni  Mogunt.  I.  V, 
1722,  S.  792).  ":  Über  den  Braud  der  Martinsburg  s.  ebenda  S.  790.  Damals 
war  Kurfürst  Ernst  von  Sachsen  gerade  zum  Besuch  l>ei  seinem  Sohne  Albrecht, 
dem  Provisor  und  bald  darauf  Administrator  von  Mainz,  und  dem  Erzbisehot 
Diether  von  Isenburg.  -7  2.  März  1481.  -H  Allerdings  war  er  nicht.  11  Jahre, 
sondern  (s.  St.  326  A.  17)  lß  Jahre;  Stolle  hat  wohl  hier  aus  Versehen  XI  für 
XVI  geschrieben. 

27* 


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420 


331  Stuck. 


nnnd  dar  noch  bisschoff  solde  werde,  wann  er  XXXT  jar  alt  worde,  die 
quoraen  nackt  adir  enwenig  bedackt  dar  von,  unnd  on  vortorben  vil 
cleynote  beyden  hern.  Unnd  uff  den  sontag  reminiscere  wart  er 
herman  koning,2y  eyn  burger  zu  orffort,  ubir  reten  bie  deme  dorffe 
walterssleuben30  von  einem  witczeleuben  von  plawe31  unnd  mit  eynem 
«werte  gesiagen,  dar  umme  das  er  nicht  berichte  woldo;  er  was  selb 
Vierde,  unnd  der  von  witczeleube  selb  andere.  | 


u6    332.  Wie  die  turcken  die  insel  uimd  stad  rodis' 

gewynne  wolden. 

J4SO       Anno  doniini  M"  CCCC°  LXXX"  die  nona  decinia*  monsis  junii  horis 
duabus  ante  lucem  accesserunt  turci  ad  expugnandam u  turrim  sancti 

»  IIS:  noiui.       «•  IIS:  expugnandam. 

Am  18.  März  1481  wurde  dieser  Erfurter  Bürger,  als  er  auf  der  Strafe 
von  Erfurt  nach  Arnstadt  oder  zurückzog,  angefallen  uud,  da  er  nicht  bezahlen 
(berichten)  wollte,  erschlagen.  :io  Preussisches  Dorf,  im  Landkreise  Erfurt. 
:"  Die  Herren  von  Witzleben  waren  ein  ursprünglich  rcichsuumittelbares  Kitter-, 
dann  ein  Ministerialengeschlecht,  deren  gleichnamige  Burg  (l1,..  Std.  von  Arn- 
stadt) im  sogen,  thüringischen  <  Jrafenkriego  (a.  ob.  St.  150  A.  1)  zerstört  wurde. 
Die  Liebensteiner  Linie  (Liebenstein,  Dort  im  Herzogtum  Sachsen -Koburg  und 
Gotha,  Landratsamt  Ohrdruf)  gründete  1434  Heinrich  von  Witzleben  (1412  bis 
1454);  seine  3  Söhne,  Friedrich,  Klaus  und  Konrad.  traten  ihr  Vorwerk  zu  Plaue 
(Städteheii  in  der  Oberherrschaft  des  Fürstentums  Schwarzburg- Sondershausen ) 
1454  an  «las  schwarzburgisehe  Haus  ab.  Der  hier  genannte  Stegreifritter  scheint 
Konrad  gewesen  zu  sein,  da  es  in  der  Witzlebensehen  Familiengeschichte  (von 
(i.A.  v.  Witzleben  und  K.  G.  A.  v.  Witzleben,  1880,  II,  S.  245)  von  ihm  heisst,  er 
habe  seine  Schwägerin,  die  Gemahlin  von  Klaus,  aus  dem  Schlosse  in  Gräfiuau 
(Dort  im  Fürstentum  Schwarzburg-Rudolatadi,  a.  d.  Ilm),  wo  er  hauste,  vertrieben; 
er  scheint  also  ein  roher  und  gewaltthätigcr  Mensch  gewesen  zu  sein. 

Jftfci.  '  Die  letzte  grossere  Unternehmung,  welche  der  gewaltige  Eroberer 
Sultan  Mohammed  IL  kurz  vor  seinem  am  3.  Mai  1481  erfolgten  Tode  gegen  die 
('bristen  ausführte,  war  der  Fehlzug  des  Jahres  1480  gegen  Rhodus;  Mesich 
Pascha  war  der  Anführer  der  Türken.  Die  furchtbare  Gefahr,  welche  der 
Christenheit  und  ihrem  vorgeschobensten  und  wackersten  Posten,  dem  Johann  iter- 
orden  auf  Hhodus,  drohte,  wurde  jedoch  wie  durch  ein  Wunder  abgewendet: 
schon  schien  infolge  der  gewaltigen  Anstrengungen  der  Türken  bei  dem  ersten 
Sturme  im  Mai  14VU  (bei  welchem  der  Turm  des  heiligen  Nicolas,  eines  der 
Hauptbollwerke  der  Stadt,  durch  die  grossen  und  zahlreichen  Steinkugeln, 
welche  die  Türken  aus  ihren  Riesenkanonen  schössen,  fast  dem  Erdboden  gleich- 
gemacht wurde)  trotz  aller  Gegenmassrcgehi  der  Verteidiger,  besonders  bei  dem 
zweiten  Sturme  am  19.  Juni  1480,  die  Stadt  verloren,  und  der  Hauptangritl  am 
28.  Juli  1480  musstc  die  Entscheidung  bringen,  welcher  der  Orden  und  ihr 
tapferer  Hochmeister  Pierre  d'Auhusson  mit  Bangen  entgegensahen.  In  der 
höchsten  Gefahr  Hess  der  Grossmeister  mitten  im  Schlachtgewühl  das  grosse 
Panier  des  Ordens  mit  dem  Bilde  de*  Heilands  entfalten:  zwei  volle  Stunden 
kämpften  nun  Mann  gegen  Mann,  bis  es  endlich  gelang,  die  Türken  zurück- 
zusehlagen und  ihrer  auf  der  Flucht  so  viele  niederzumachen,  dass  sie  gezwungen 
waren  abzuziehen.  Das  ist  der  einfache  Verlauf  der  Ereignisse,  wie  ihn  die 
GesehiehtssehreilK-r  mitteilen  (s.  Zinekeisen,  Geschichte  des  oemanischen  Reiches 


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332.  Stück.  421 

nicolai  ante  civitateru  rodis  sitara.*  Prima  vice  in  ipsa  expugnaeiono 
sexcenti  turci  obcubuere,  mane  vero  sequenti  ex  hostium  fugitivis,  qui 
in  civitatem  rodis  admissi  fueruut,  publico  preconio  affirmatum  fuit  in 
rastris,  vismn  fuisse  in  suprenia  parte  turris  debachasse  duos  virus 
equestres,  qui  aciem  hostium  acerrime  prosternebant.  Aliqui  eciam 
ex  tureis  retulerunt  seb  vidisse  matronam,  scilicet  beatam  mariain 
virginem,   quandam   insignem  granditatec  in  ambitu  ipsius  turris 

»  IIS:  ■ltum.       »>  eo  fehlt  In  IIS.       •  H:  gmviUte. 

in  Europa,  II. Teil,  1854,  S.  462 ff.;  K.  Falkeustcin,  Geschichte  den  .Tohanniter- 
ordens,  2.  A.,  1867,  8. 148  IM),  l>csonders  auf  ( J rund  eines  eingehenden  Berichtes, 
welchen  der  Großmeister  Pierre  d'Aubusson  nach  dorn  Abzüge  der  Osmanen  bereits 
unter  «lern  23.  September  1480  an  den  Kaiser  Friedrich  III.  abstattete;  er  findet 
»ich  bei  Raynald,  Fortsetzung  <ler  annahm  ecelesiastici  des  Cesar  Baronius,  totu. 
XIX  pag.  286  288.  Darin  steht  nichts  von  irgend  welchen  wunderbaren  Er- 
eignissen ,  die  sieh  bei  dem  Kampfe  zugetragen  haben  sollen ,  er  sagt  nur  im 
allgemeinen:  ,.nec  id  profecto  sine  divino  auxilio  contigit,  cjni  tantnm  ckidom 
avertit;  misit  enim  Dens,  uon  ambigimus,  de  coclo  auxilium."  Diese  Worte, 
welche  ganz  unliefangen  hingeschrieben  sind,  scheinen  Veranlassung  gewinn  zu 
sein,  dass  bereits  im  November  1480  infolge  eines  Briefes,  der  im  ganzen  Abend  - 
lande  überall  feilgel>oten  wurde,  eine  liegende  von  der  wunderbaren  Rettung  der 
Christen  auf  Rhodus  sich  verbreitete.  Dieser  Brief  scheint  ausgegangen  bezw. 
zurückzuführen  zu  sein  auf  Guiliclmus  Oahorsius,  deu  Vicekanzlcr  des  Ordens, 
welcher  Augenzeuge  des  Kampfes  war  und  mündlich  vielleicht  und  später  auch 
schriftlich  jenes  Entfalten  des  grossen  Paniers,  wodurch  der  Kampf  plötzlich  eine 
für  die  Christen  ho  günstige  Wendung  lu  kam ,  schwärmerisch  als  ein  Wunder- 
zeichen umdeutete,  s.  Oahorsius,  Obsidionis  Rhodiae  urbis  deseriptio,  Caesaraugustae 
1.481,  4",  idem  l'hnae  per  Juan  nein  Reger,  1496;  davon  giebt  es  eine  deutsche 
Übersetzung,  gedruckt  zu  Strasburg  durch  Martin  Flach,  IM 3,  fol.  Auch  heisst 
es  in  der  Annalinin  ecclesiasticorum  Caesaris  Baronii  continuatio  per  Henricum 
Sj»ondanuin,  tom.  II,  167K,  pag.  167:  „Hoc  enim  [das  Wunder)  Guiliclmus  Cahor- 
si uh  ,  vicecancellarius  ordinis,  qui  Rhodi  tunc  emt .  testatur  in  suo  de  hac  ob- 
^idione  comineutario ,  qui  suh  nomine  Bernardi  Breitenbachii  excussus  est  inter 

auctores  rerum  Tureicarum  post  Chalcondylam  unde  et  plerique  alii 

auctores  sumpserunt."  Auch  bei  Raynald  a.a.O.,  Zwischenbemerkung  zum  Briefe 
des  Hochmeisters  11,  steht  die  Erzählung  des  Wunders,  und  auch  Papst  Sixtus  IV. 
(wie  bei  Raynald  ebenda  zu  lesen  ist  ,  welcher  sich  auf  Eib.  br.  et  bull.  pag.  240 
u.  242  beruftl  hat  bald  darauf  von  der  Rettung  der  Rhodior  wie  von  einem 
Wunder  gesprochen :  „ab  Turcarum  oppuguatioue  tutari  miraculose  potuerint." 
Eine  vollständige  Erzählung  des  Wunders  bringt  dann  das  Diarium  Parinense 
(s.  rerum  Italicarum  scriptores,  ed.  Lud.  Ant.  Muratorius,  tom.  XXII,  1733, 
j>ag.  357),  welche  ich  wegen  der  Vergleichung  mit  Stolle,  dessen  genaue  Quelle 
wir  nicht  kennen,  hierher  setze:  „Hoc  meuse  Novembris  [1480]  ubique  per  civi- 
tutes  et  plateas  vendebatur  epistola  eloquentissime  coudita  literali  sermone  de 
hello  Turci  hac  aetate  promota  Rhodi,  in  quo  hello  Turci  victi  sunt,  et  expulsi, 
licet  illic  centum  vela  et  ceutum  mille  pedites  haberent,  et  licet  tot  et  tantis 
ictibus  bombardarnm  magnam  partem  murorum  demoliti  fuissent,  quam  inulta 
ex  Turcis  millia  necati,  et  obtruucati  sunt.  Et  narratur  mimm,  quod  cum 
ultitnate  Turci  victoriam  sperarent ,  moenia  iam  urbis  ascendentes ,  repleta  fovea, 
quod  in  aere  illius  clare  cernentibus  supra  vexillum  Hierosolymormn,  in  quo  est 
imago  domini  nostri  .resu  Christi .  Virginia  Mariae  et  beati  Johannis  Baptistae, 
appnniit  Crux  aurea  splendidissima,  et  insujier  candidissima  virgo  clypeum  et 
hastam  gerens,  ac  homo  vili  veste  obsitus,  splcndidissimo  comitatu  stipatus. 
Quae  visio  tantum  terrorem  ineussit,  quod  Turci  nullo  pacto  ausi  sunt  ultra 
progredi  e.  q.  s." 


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422  333.  Stuck. 

prodieti,*  bque  cristianorum  cohortem  ad  pugnam  conjpellebat.  Kx  cuius 
rci  novitato  turci  supra  modum  extorriti  et  admirati  fuere,  quum  ipsi 
piano  noverant,  nec  honiines  equestres  ncque  muliorem  in  turri  in- 

'  sedisse. 

Item  deeima  oetava  eiusdom  mensis  in  seeunda  expngnacione 
ipsius  turris  visiim  fuit  a  quamplurimis  hostium  in  illius  suprema 
parte  maxiinara  propugnatorum  falagnera  albis  vestibus  amictaru 
divagare,  manus  cum  hostibus  accerime  <  on  seien  tem ,  ac  eciam  visum 
est  totum  molum  et  ipsam  turrira  armatis  militibus  oppleri.  Quod  fuit 
apud  bostes  insigne  miraculum,  nam  pro  defensione  turris  et  nioli 
exiguam  militum  quantitatem  statutam  comperuerunt,c  in  quo  oon- 
flictu  duo  railia  quingenti  turci  eecidore. 

Item  die  vicesirua  soptiraa2  julii  eo  die,  quo  ipsa  urbs  fuit  atro- 
cissime*  expugnata,8  fngitivi  ex  castris  tureorum  in  eivitatem  excepti 
v  aftirmarunt  a  pluribus  hostibus  visamr  extitisse  ingentem  |  armatorum 
eatervam  albis  vestibus  circumamictam  per  raenia  urbis  divagasse,  qui 
Höstes  viritim  a  raenibus  arcebant.  Aliqui  eciam  ex  turcis  asseverant 
sc*  conspexisse  mulierem  quandam,  que  suas  vestes  dilatareth  in  hostium 
obtutum,  ne  possent  in  cristicolas  manus  inferre. 

Item  ab  uno  hebreo  relatum  est,  so  conspexisse  in  scala  menium 
civitatis  rodis,  ex  qua  descenditur  in  vicum  judeorura,  crucem  aureara 
operoso  pulchritudinis,  quam  ob  rem  iJlico  cristianus  effectus  est 

Item  in  tribus  conflictibus,  ut  ex  litteris8  reverendissimi  domini 
inagistri  de  rodis  accepi,  tureorum  circiter  novem  milia  occisi  sunt, 
a  quampluribus  fidedignis  refertur  majorem  numerum  hostium  cecidisse. 

Miracula  predicta,  que  tempore  obsidionis  et  conflictuum  civitatis 
rodi  per  misericordiam  dei  contigerunt. 


m. 

1**8  Item  anno  domini  Mü  CCX'C"  I. XXXIII0,1  do  wart  eyne  ewige  vor 
schribunge  unnd  frede  gemacht  czwisschen  den  von  erftbrt  unnd  den 
lantgrafen  zu  doringen,  als  steet  geschrebon  unnd  der  czal  M"CCCC° 

*  IIS:  predlct'.         b  IIS  «et*l  unch  connpoxtsse  hinzu.        e  HS:  comiwraimo.  d  HS: 

acrolUniiuo.       «  US:  cxpuiuoiat».       (  IIS:  viautu.       «  m  fehlt  lu  HS.       L  HS:  illlaUn«. 

-  F>  war  der  28.  Juli  1480.  :1  In  <ler  Zuschrift  des  Groiwniei»tera  Pierre 
d'Aubnsson  au  Kaiser  Friedrich  III.  vom  13.  September  1180  iKaynald ,  Annal. 
eecle*.  toni.  XIX,  pug.  287- -28S)  ht  isst  es  :  ,,Fo  in  eonllictu  vexillum  nacratiiwiine 
imn^inis  domini  nostri  Jesu  Chrwti  et  rrlijjioui*  nostrae  ante  hostis  conapcvttini 
cVexiinu* :  summa  itaejue  vi  horis  duahiis  pugnatum  est.    Tandem  Turci  preswi. 

faligati,  j>erterriti,  vulneribus  quoque  lewu  terga  vertunt  Noc  id  profecto 

sin.  divino  anxilio  Contimit,  qui  tantam  cladem  uvertit ;  inisit  enim  Dcus,  non 
nmhigimuN,  de  eoelo  uuxiliuiii,  m«  plcbeuiil»  Ohri»tum  colens  Mahometis  spurcitiis 
iiiluvrotur." 

1  S.  u.  8t.  387,  wo  das  Nähere  angegel>en  werden  wird. 


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334.  Stück.    .  423 

LXXXI1I  jar.  Vorsolchegros.se  unnd  ewige  vortracht  unnd  vorschribungc 
haben  dy  von  erll'ort  gegeben  eyne  grosse  summo  geldes,  nemelichen 
anderthalb  hundert  mal  tusent  gülden,  unnd  deine  bisschoffe  zu  mentez, 
gnant  diterus  von  isenbergk,  goben  sy  funffezigk  tusent  gülden,2  unnd 
dy  Ursache  dits  geldes  was  mit  ingeezogen,  das  der  lantgrafe  ader 
herre  zu  missen  unnd  eyn  korfurste  was,  grosse  kost  uund  czerungo 
hatte  gethon  ummo  der  von  erffort  willen,  al  sy  lange  czitzu  sammenne 
kregen,  zu  rome,  do  danne  der  lantgrafe  personlich  was,  gnant  ernst  ; 
noch  der  rieht  unge  wart  dy  czerunge  also  hoch  an  geslageu.  | 


334. 

Beatissime  pater!1  Not  um  facimus  sanctitati  vestre  incepisso  eon-  1*82 
cilium  ex  parte  de  annunciacione  virginis  gloriose  marie  in  ecclesia 

2  Kurfürst  Ernst  von  Sachsen  reiste  1481  von  Mainz  mich  Rom,  um  sich 
die  Nachfolge  meines  Sohnes  Albreeht  auf  dem  crzbischöfliehen  Stuhle  von  Mainz 
beim  Papste  Sixtus  IV.  zusichern  zu  lassen.  Er  erreichte  dieses  nicht  bloss, 
sondern  auch  die  Verurteilung  der  Erfurter,  die  ihm  durch  diese  ganzen  Wirren 
und  die  Reise  entstandenen  Unkosten  zu  ersetzen;  er  erhielt  durch  Vermittlung 
des  Erzhischofs  Diether  von  Mainz  .'»0  000  Gulden.  Ausserdem  musste  die  Stadt 
149  600  Gulden  bar  an  die  sächsischen  Fürsteu  zahlen. 

$U.  1  Die  von  Stolle  mitgeteilte,  an  den  Pnjwt  Sixtus  IV.  (1471  —  1484) 
gerichtete Ci tat ion  des  Erzbischofs  Andreas  Zamometic'  von  Krain  (archiepiscopus 
i'rayucnsis)  —  s.  über  ihn  u.  a,  Jac.  Burckhardt,  Erzbischof  Andreas  von  Kraiu 
und  der  letzte  Konzilversuch  in  Basel,  148*2 — 1484.  in  den  „Beiträgen  zur  vater- 
ländischen Geschichte",  Bd.  V,  Basel  1854,  S.  1  —  106;  ferner  Andrea  Zamometic', 
Münchner  Dissertation  von  Jos.  Schlecht,  18U4,  welche  aber  in  der  Lebens- 
beschreibung unmittelbar  vor  dem  Konflikte  abbricht;  das  vollständige  Werk 
wird  erwartet ,  ist  aber  bis  zum  Drucke  dieser  Zeilen  noch  nicht  erschienen  — 
ist  wahrscheinlich  aus  den  Papieren  des  Hugo  von  Laudenberg,  Prolwtes  zu 
Erfurt,  abgeseh  rieben,  landen  borg  war  im  Mai  1482  als  päpstlicher  Bote  in 
Begleitung  des  Bürgermeisters  von  Zürich,  Hugo  Rösch,  nach  Basel  gekommen 
und  hatte  Anfangs  Juni  14^2  die  Auslieferung  „des  Verbrechers"  an  den  Papst 
verlangt  (Burckhardt  a.a.O.  S.  32).  Landenberg  ist  noch  am  3.  September  1482 
in  Basel  und  tritt  mit  dem  päpstlichen  Gesandten  Prior  Huttenheim  vor  dem 
Rate  auf,  und  im  Anfange  des  Jahres  1483  wurde  von  ihm  im  päpstlichen  Auf- 
trage sowohl  Venedig  als  Basel  zu  gleicher  Zeit  bei  den  Eidgenossen  verklagt 
(s.  Burckhardt  a.  a.  O.  S.  47  u.  87).  Dass  Landenberg  später  in  Erfurt  verweilte, 
so  dass  Stolle  mit  ihm  verkehren  und  Abschriften  aus  seinen  Papieren  nehmen 
konnte,  geht  daraus  hervor,  dass  er,  der  Probst  von  St  Maricsu  in  Erfurt,  sich 
im  Herbste  14U7  an  der  Erfurter  Universität  inscribieren  Hess:  Dominus  Hugo 
de  Landenberg  de  Alto  Landenberg,  praepositus  ecclesie  beute  Marie  Ertfurdensis, 
Constanciensis,  Basileensis.  Curiensis  ecclesiarum  canonici»,  sanete  sedis  apostolice 
prothonotarius,  s.  Weissenborn ,  Erfurter  Studentenmatrikel ,  Akten  der  Erfurter 
Universität,  I,  18SI ,  S.  418.  Das  Material,  welches  Numagen,  der  Sekretär  des 
unglücklichen  Erzbischofs  Andreas,  der  seit  dem  18.  Dezember  1482  verhallet, 
am  13.  November  1484  in  seinem  Gefängnisse  erhängt  gefunden  wurde,  als  Gesta 
Archiepiscopi  Andrcae  Craynensis  in  facto  Indictionis  Concilii  zusammengestellt 
hatte,  und  das  in  der  bibliotheca  ecclesiae  Tigurinae,  also  in  Zürich,  aufbewahrt 
wird,  ist  von  dem  informierten  Theologen  J.  H.  llottinger  1657  in  seinem  Historiae 
ccclesiasticae  Novi  Teetamenti  saeculum  XV  (d.  i.  Teil  IV)  pag.  347—604  ver- 
öffentlicht. —  Wir  können  hier  natürlich  nicht  Näheres  über  Andreas  von  Krau 


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424 


354.  Stuck. 


kathedrali  basilee  post  majorem  missam  presenti  clero  et  populo  cum 
solempnitate  magna  promissa  et  protestacione  in  hunc  finem,  ut  iu 

beibringen,  von  welchem  Joseph  Schlecht  (der  auf  der  breitesten  Grundlage  aller, 
und  zwar  darunter  virler  bisher  unbekannter  Quellen  und  mit  Benutzung  aller 
Hilfsmittel,  gründlich  und  gelehrt  über  ihn  forscht)  a.  a.  O.  S.  2  mit  Recht 
sagt,  du**  «eine  Person  im  Lieht«  der  zeitgenössischen  Politik  aufzufassen,  und 
dass  seine  Ideen  aus  den  Absichten  der  in  Italien  und  Deutochland  miteinander 
ringenden  Mächte  zu  erläutern  seien.  Nur  möge  erwähnt  «ein,  dann  er  nach 
Schlecht  i.  d.  a.  Dissertation  Erzbischof  von  Grauen  im  damaligen  Albanien  war, 
das  heute  Krania  heisst  und  an  der  Küste  unterhalb  Sa  Ion  ich  i ,  Snndsehak 
Sclanik,  Vilajet  Monastir,  liegt.  Die  folgenden  Bemerkungen  erschienen  nötig, 
das  von  Stolle  (Gebotene  zu  erläutern. 

Dieser  Erzbischof  Andrcius,  früher  als  Diplomat  im  Dienste  de»  Kaisers 
Friedrich  III.  und  als  solcher  mehrmals  als  Gesandter  in  Koni  und  auch  in 
Deutsehland  thätig,  dann  mit  dem  Papste  zerfallen  und  im  Juni  1481  auf  kurze 
Zeit  in  Rom  eingekerkert,  worauf  er  erbittert  über  Florenz  und  Bern  nach  Basel, 
den«  Sitze  des  letzten  Konzils,  reiste,  verkündigte  im  Münster  zu  Basel  am 
25.  März  1482  feierlich  während  der  Messe  (des  nmpto,  s.  Staatsarchiv  d«*  Kantons 
Basel-Stadt,  Urkunde  vom  7.  Juni  1482,  Bescheid  des  Rates  an  Hugo  von  Landen- 
berg) in  einer  an  den  Papst  Sixtus  IV.  gerichteten  und  mit  den  heftigsten  Anklagen 
gegen  ihn  erfüllten  Rede  die  Zusammenberufung  eines  allgemeinen  Konzils  als 
Fortsetzung  des  Baseler  Konzils.  Das  in  seinem  ganzen  Verlaufe  (1431  —  1443)  im 
Gegensätze  zu  Paj>st  Eugen  IV.  stehende  Konzil  zu  Basel,  das  überhaupt  dem 
Primate  des  Papstes  feindlich  gesinnt  war  und  sich  über  ihn  stellte,  hcschloss  in 
seiner  letzten  (45.)  Sitzung  am  16.  Mai  1443,  dass  binnen  3  Jahren  ein  anderes 
allgemeines  Konzil  in  Lyon  abgebalten,  bis  zu  dessen  Eröffnung  aber  das  Baseler 
Konzil  fortgesetzt  werden  sollte  I*.  J.  Hergenröther ,  Handbuch  d.  allg.  Kirehen- 
geschichte,  II,  1,  8. 94—  lifo*).  Es  kam  aber  in  der  Folge  kein  anderes  Konzil 
zustande,  trotz  „des  damals  herrschenden  Kitzels,  die  Obergewalt  des  Konzils  über 
den  Pajwt  zum  Fcldgeschrei  zu  machen"  (s.  Hergenröther  a.  a.  O.  S.  117).  weder  in 
Konstanz  noch  in  Augsburg,  wie  es  Kaiser  Fried  rieh  III.  vorsehlug.  Das  Baseler 
Konzil  schleppte  sich  nominell  noch  hin,  da  auf  dem  Reichstage  zu  Frankfurt  im 
September  1440  der  Kardinal  d'Allemand  noch  als  I,egat  des  Baseler  Konzils 
erschien  (s.  Hergenröther  a.  a.  O.  S.  118),  ein  Gesandter  von  ihm  auch  auf  der 
Versammlung  von  Bourges  1447  erwähnt  wird  (ebenda  S.  120);  dann  wurde  1448 
das  Konzil  nach  Lausanne  verlegt,  wo  die  Baseler  in  Gegenwart  ihres  Gegen- 
papstes Felix  V.  am  24.  Juli  1418  wieder  eine  Sitzung  hielten,  erklärte  sich 
jedoch  endlic  h  in  der  5.  Sitzung  am  25.  April  1449  für  aufgelöst  (ebenda  S.  121). 
Demnach  kann  die  Behauptung,  welche  in  jener  Zeit  mehrfach  aufstösst,  als  ob 
das  Baseler  Konzil  kein  rechtliches  Ende  gefunden  habe,  nicht  als  gerechtfertigt 
gelten.  Gleichwohl  erschien  jene  Ankündigung  des  Erzbischofs  Andreas,  welcher 
sogar  den  Papst  vor  dasselbe  citierte  (s  Burekhardt  a.  a.  O.  S.  3—4  u.  28).  Wir 
finden  diese  Gitation  aber  bei  Numagen- Hot  tinger  nicht,  nur  heisst  es  a.  a.  O. 
pag.  355:  „miser  ille  Andreas  dictus  Craynensi«  ]>ostquam  corde  invido  et 
dementi  audaeia  in  choro  ecclesiao  Basileensis  execrabilia  in  summum  nostmni 
Pontificem  Dominum  Sixtum  IV.  pnpugissct,  saernm  Concilium  Ecclesiae  sanetae 
Gatholieae  insulsa  pronuntiatione  prominens,  e.  q.  s."  Denn  Numagen  scheute 
sieh  wohl,  da  er  seinen  Patron  bald  als  „eerebro  laesus,  non  sui  compos  semper, 
sed  amens.  in  parte  vero  amente  periculosior4,  glaubte  erkannt  zu  haben,  diese 
anklagende  Gitation  seinen  Papieren  einzuverleiben,  oW'hon  er  sie  doch  selbst 
dem  Wortlaute  nach  auf  Weisung  des  Erzbisehofs  abgefassl  haben  muss,  wenn 
auch  die  spätere  Veröffentlichung  durch  einen  anderen  als  den  vorsichtigen 
Numagen  geschah.  Ich  schliesse  »lies  gerade  aus  Numagens  gewundenen  Worten, 
a.a.O.  pag.  357:  ..{»ostquam  citationeni  contra  dictum  Pontificem  summum,  non 
stilo  per  se,  i|uatnvis  ritu  seribendi  incomptam ,  ne  dicam  iure,  ineptissimam, 
>ed  >olo  jussu  |ht  alium  quendam  edidisset,  multa  eius  rogatu  scripsi ,  quae  me 
habita  illius  intentione  oj>ortuit  componerc ,  et  aliquo  fuleire  ornatu,  ne  de 


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334.  Stück.  425 

gacro  concilio  provideatur  fidei  katholicc  oppresse,  et  ut  restauretur  et 
reformetur  ecclesia  parte  dissipata,  quod  ita  fit  ex  artieulis  subscriptis. 

Sanctitas  tua  potest  precipere,  quod  sacrosancta»  ecclesia  roraana, 
que  dissipata,  desolata  et  ruinata  est,  concilium  petit  pro  restauraciono 
et  reformacione.b  0  dive  imperator  Semper  auguste,  o  cristianissime 
et  devotissime  rex  francornm,  o  viri  religiosi,c  o  viri  serenissimi  reges 
hispanie,  portigallie,d  anglie,  scocie,  dacio,  polonie,  bohemie,  ungarie 
et  regni  cecilie0  illustrissimi  principe« f,  reddituri  estis  racioaem  deo 
exg  negligentia  vestra,  quia  permittitish  sixto  pontifici  destruere  fidom 
katholicani  et  sacro  sanetam  ecclesiam,  matrem  vestrara,  cuius  sixti 
pontificis  condiciones  et  opera   respicite  et  considerate.    In  primis 

■  B  Ittfftnnt:  Sacrow neta  RnmiMia  ecclotla  diacluata,  dcanlata  et  rninatA  concilium  petlt  ... 
Diejenigen  Ahweichunpou ,  Hlo  sich  au*  der  Vvrwchicdenlioit  holdor,  unm-rer  HS  und  dew  ItaM'ler 
Drucke«,  hinsichtlich  der  KammiR  Id  der  JS.  oder  3.  Perw>n  erxetw-n ,  bleib»-»!  unbertlckuk'btlKt  ■ 
»'  B  wtr.t  bJiwn:  mii  Ifwlu«.  c  B:  o  «orcnlMlml  roRo«  HUpauie.  J  B:  Port;i|t«lllc.  u  B: 
O  llh»«trlwiuil.        r  B  wt/.t  hinzu :  et  omucs  Chrlntl  Adeln.        K  B:  di>.  IIS  fjüaeh:  pro 

ralttltla. 


ineptiis  suis,  qua*  articuli  sui  et  citatio  praedesignata  mille  Iocis  ostendunt, 
scriptor  potius  arsruatur  quam  praeeeptor."  —  Wohl  aber  teilt  Numagen  zwei 
andere  Anklageschriften  des  Andreas  mit:  1.  vom  Margareten  tage  1482.  also 
vom  18.  Juli  1482.  a.  a.  O.  pag.  SRO -367,  und  2.  vom  21.  Juli  1482,  a.  a.  O. 
pag.  368— 374;  s.  über  diese  Burekhardt  a.a.O.  8.35 ff.  Hier  bei  Stolle  er- 
scheint der  Wortlaut  der  wichtigeu  und  entscheidenden  Citation  (schon  am 
27.  A pril  1482  ist  ein  päpstliche»  Breve  an  den  Bischof"  von  Basel  erlassen, 
s.  Burekhardt  a.a.O.  8.29),  in  der  Form  der  Hede,  wie  sie  Andreas  am  25.  März 
1482  im  Chor«1  des  Münsters  zu  Basel  hielt.  Dieselbe  soll  (nach  eiuer  briefl. 
Mitteilung  de«  Herrn  Prof.  Dr.  Schlecht)  noch  in  einer  Münchner  Handschrift 
vorhanden  sein,  die  mir  nicht  zugänglich  war:  dahingegen  hat  mir  ein  Baseler  v 
Druck  (ans  dem  Staatsarchiv  des  Kantons  Basel-Stadt,  in  einem  Rotulus:  Andreas 
von  Krain,  Oopiae  1482  Mai  4  ff.)  vorgelegen,  der  aber  die  Citation  nicht  iu  der 
Form  der  Anrede  an  den  Papst  mitteilt,  sondern  in  der  3.  Person  (wohl  ein 
öffentlicher  Anschlag),  auch  den  Anfang  und  das  Ende  weglässt.  Mit  Hilfe 
dieses  Drucke«  (B  von  mir  genannt)  glaube  ich  einen  lesbaren  Text  hergestellt 
zu  haben,  denn  die  Abschrift  ist  von  Stolle  fehlerhaft,  weil  hastig  gemacht; 
wurde  doch  schon  der  Besitz  oder  das  Zurückbehalten  von  Schriften  des  Erz- 
bisehofs Andreas  (s.  Creditiv  des  päpstlichen  Gesandten  Mansella  vom  15.  Dezbr. 
1484,  s.  Burekhardt  a  a.  O.  S.  9*)  mit  dem  Interdikte  bedroht.  —  Weiteres  und 
Genaueres  über  die  ganze  Angelegenheit  bietet:  Staatsarchiv  zu  Basel  u.  a.  Ur- 
kunden aus  dem  Jahre  1482;  desgl.  Offnungsbueh  1482  ff. :  s.  auch  Anshelm, 
Berner  Chronik;  Raynaldus  in  seiner  Fortsetzung  der  Annales  ecclesiastici  von 
Caesar  Baronius,  Bd.  XIX ;  Ochs,  Geschichte  von  Basel,  IV.  S.  383  ff,  405. 
Wurstisen,  Baseler  Chronik,  VI,  cap.  14:  ferner  Beumont,  Geschichte  der  Stadt 
Rom,  III,  1,  184  und  im  Archivio  stor.  ital.  u.  ser.  II,  2,  249  sqq.;  desgl.  in 
Lorenzo  dc'Mcdici  TI,  254 ff.  Ranke,  Geschichte  des  nun.  Papsttums.  S.  292; 
Pastor,  Papstgeschichte  II  ?.  515 ;  Chmel,  Monum.Habsb.il,  330  ff.  Erich  Frantz, 
Sixtus  IV.  und  die  Republik  Florenz,  S. 343  ff :  Wetzer  und  Welter,  Kirchen- 
lexikon, 2.  A.  von  Hergenröther,  I.  S.  H37.  Ul»er  Sixtus  IV.  s.  d.  röm.  Notar 
Stephano  Infessura  (b.  Eccard,  corp.  bist.  med.  aevi  II),  welcher  selbst  Augeuzeuge 
der  Greuel  jener  Tage  gewesen  ist  und  über  Papst  Sixtus  nicht  eben  vorteilhaft 
urteilt,  s.  Burekhardt  a.a.O.  S.  22  ff.  —  Unser  Kommentar  erstreckt  sich  nur  auf 
die  nicht  allgemein  U'kannten  Thntsaehen,  sieht  aber  von  strittigen  Kragen,  die 
in  grosser  Anzahl  der  Natur  der  Sache  nach  erwähnt  werden,  und  von  Funzel - 
heiten  ab,  namentlich  der  italienischen  Territorialgeschichte,  in  welche  der  Papst 
vielfach  verwickelt  war. 


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426 


334.  Stück. 


tu,  sixto  pontifex ,  tanqnarn  heretieus  postposuisti  deum,  justiciara, 
eius  fidem  katholicani  et  honorem  romane  ecclesie*  Item  tu,  sixte, 
lieretice  tenes,  quod  preter  istam  gloriam  mundanamb  asseris  nullam 
aliam  esse.  Et  hecc  approbas,  quia  ad  te  vigent  superbia,  vana 
gloria,  pompa,  injusticia,  vanitas  et  ambicio  et  omnis  iniquitas." 
Item  tu,  sixto,  lieretice,  diaboliee'  et  inimicabiliter  approbata  por 
summum  et  verum  pontiheem  pium-  bone  memorie  et  per  uni- 
versalemp  eoclesiam  reprobastih  Stigmata  videlicet  sancto  katherino 
de  senis:t  sacratissimi'  ordinisk  predieatorum.  Et  do  hoc  disputabitur 
in1  concilio  futuro.m  Item  tu,  sixte,  per  symoniam  ascendisli  kathedram 
v  Petri";  quod  itasit,  interrogandi  |  sunt  reverondissimi  domini  cardinales, 
qui  hoc  sciunt,  et  tota  curia  romana."  Item  tu,  sixte,  syraoniace  et  pro 
pecunia  concedis  ecclesias  tarn  majores  quam  minores.«'  Item  tu,  sixte, 
symoniace  et  pro  pecunia i  fecisti  et  facisr  cardinales/  Item,'  sixte, 
(pii  replent  manus  tuas  muneribus,  efficiuntur"  prelati  et  sacerdotes.* 
Item  tu,  sixte,  exaltasti  et  sublimasti  pueros  stabularios  et  ydeotas; 
bonos  et  sapientes  oppressisti."  Et  quidem  prelati  digni*  existencia* 
tarne  pereunt*  Item  tu,  sixte  pontifex,  multociens  signasti  suppli- 
caciones  fraudulenter,  quo  sepe  symoniace  dotantur."  Item  tu,  sixte,bb 
concedis  bullas  graciosas  symoniace  et  pro  pecunia,  quas  habitasc< 

revocas  et  iterumdd  concedis  et  nunc'0  modum  invenisti  exaetionandi" 

- 

• 

■  B  «>t*t  hinzu:  denigrando  elua  famam.  b  K:  tiutuanam.  0  B:  hoc.  *  B:  in. 
"  »  «ebit  hinzu:  quo  sunt  dlrccte  contra  utatuui  pontlficalcm.  f  Bt  dlaboliceque.  *  |{  fallt 
die  Micke  in  HS  durrb  dlo  Worte:  et  per  universalem  au«.  «•  H  stellt  videlicet  um.  1  Am  B. 
k  B  M-tet  hltwn:  fratrum.  *  B  acut  hin*«:  »aen».  •"  B:  Um  pronnm-lato.  n  Fohlt  in  I«. 
"  Ii  netzt  hinzu:  qui«  di»|ienaavorit  cum  eo  de  «yinonia,  rclinquo  divlno  iudlclo.  f  B  «etat 
biuzu:  cum  tnaano  diacrimtno  ecclenie  sau«  te  del,  'I  et  pro  pecunia  fehlt  in  B.  r  B  setit 
hii:zu :  dominus.  "  B  nvirt  hinzu:  ceeletle  lomaiif.  Hots  totl  mundo  notuin  c«rt.  (  IIS  fetoh: 
Item  tu.  u  HS:  efticiunt,  B :  efticiuntur.  v  B  *etit  hlnxu:  (lerobeain  qui  diel*  de  roinisterio. 
w  B  setiet  hiiina:  et  »ppreuog  tenot.  *  B:  dlRiil^nlmi.  Z  B:  existente»  in  urbe.  •  B  »rttt 
hlu/.u:  prnpter  impletatem    Slxti  pontlriela,  qnia  boul  et  aaplentea  aunt.  B:  <!ailnt«  fuemnt 

•■t  d.-ulautur   falc).     Item  qui  a  Sixto  andicnoiaui  voluut,  lauitorluu«  pecunia«  aolvunt.    O  renale 
Kenn«  Dominum,  (juld  fnd«  in  loco  wincto?       ,,b  B:  coiic«  «dt  et  comedlt.        "  HS:  qua  babite 
dl1  B  «etat  hinzu:  pro  prenomiuata  •ynomla.       L«  B:  Hnnc  enlm.       n  HS:  exacelonaadl. 


*  Papst  Pius  II,  (1-458— 1464>.  8  Katharina  von  Siena  (de  Seni*\  Do- 
minikanerin, heilig  gesprochen  von  Papst  Pius  II.  i.  J.  14(51.  Später  erhob  «ich 
ihretwegen  ein  Streit  zwischen  den  Dominikanern  und  Franziskanern.  Sie  hatte 
nämlich  auch  die  so»;.  Stigmata  an  ihrem  Leibe  getragen  und  wurde  von  ihren 
( irdensgcnosscn  mit  diesen  Abzeichen  dargestellt  und  verehrt,  wie  es  scheint, 
unter  Zustimmung  von  Pius  II.  Dagegen  erhol>en  die  Franziskaner  FJnsprueb, 
unter  dem  Vorwande,  dass  diese  Abzeichen  allein  ihrem  Ordcnnstifter,  dem 
heilig.  Franziscus.  zukämen.  Sixtus  IV.  als  Frauziskaner  (als  Minoritenbruder 
Franz  von  Savona  lehrte  er  als  Professor  in  Padua)  stand  darin  seinen  Ordens- 
genossen  hei,  und  verbot  unter  schweren  Straten,  an  den  Bilderu  und  Statuen 
dieser  Heiliiren,  die  Stigmata  anzublinken,  vielmehr  sollten  sie,  wo  sie  vorhauden 
wäiien,  durch  Übermalen  oder  Abmeis.selu  entfernt  werden.  Das  brachte  grosse 
Aufregung  und  Krhittcruug  l>ei  den  Dominikanern  hervor,  die  durch  den  Übermut, 
mit  dem  die  Franziskaner  die  Ausführung  dieser  päpstlichen  Verordnung  betrieben, 
noch  gesteigert  wurde.  Wirklich  hob  Sixtus  seine  Verneinung  wieder  auf;  aber 
das  ges«  hah  erst  i.  J.  MfsJ  uml  mag  durch  diese  Anklage  des  Dominikaners 
Andreas  mit  veranlasst  sein.  Zur  Sache  s,  Hot  Untrer  bist.  eccl.  s.  XV  (s.  pars.  IV) 
pag.  M  s<|. 


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334.  Stück.  427- 

et  depredandi  clorum  et»  cristifidoles. b  Item  tu,  sixte,  cum  pueris,  qui 
te  et  ecclesiam  regunt,  polluendo  sacrum  pallacium  patriarchale  anichi- 
lasti  et  deturbasti  honorem  ecelesie  per  totum  orbem  terrarum.0  Item 
tu,  sixte,  cum  fratre  petro,  cardinali  ordinis  minorum,  et  thiresia 
meretrice  etconcubina,  dissipasti  thesaurumd  congrogatum0  per  summumf 
et  verum  pontiiicem  paulum,1  bone*  memorie,  predecessorem  tuum,  in 
conviviisb  et  aliis 1  vanitatibus.  Item  tu,  sixte,  cum  puero  jeroniuio,5 
filio  tuo,k  dissipasti1  bona  et  pecunias,  videlicet  reverondissimorum 
dominorum  eardinalium,'1  qui  obierunt,m  videlicet  theanensis,"  nicensis," 
reatini,  aquilegensis,''  januensis,*»  arelatensis. r  de  ursinis,  spoletani, 
pactensis,*  comensis,1  terracinensis,"  castellani,  bononiensis'/  ame- 
!iensisw  et  tratris  petri  et  multorum*  aliorum  prelatorum  et  curialium, 
et  omnes  pecunias,  quas  recepisti  prevendieione>  ecclesiarum  et  digni- 
tatum  cardinalatus.«  Item  tu,  sixte,  cum  filio  tuo  jeronimo  puero  sce- 
leratissimo"  |  dissipasti bb  substanciam  ecelesie  totamcc  et  non  desistis. -4s 
dissipare.,,d  Item  tu,  sixte,  alionasti  civitates,  castra  et  oppida  ecelesie 
ab  ecelesia*"  et  dedisti  parentibus  tuis  ecclesiam  dej)auperando  et  pa- 
rentes  tuosff  ditando.  Item  tu,  sixte,  oppida  et  castra  plura  ecelesie 
vendidisti  et  pignori  tradidisti;  quas  pecunias  in  bello  injusto  contra 
dominos  florontinos7  exposuisti.  Item  tu,  sixte,  injuste  et  nequiter 
volens^  facore  filium  tuumhb  regem  romanorum  et  dominum  tuscie" 
etkk  tlorencie,  misisti  eardinalem*  saneti  georgii  legatum"  puerum 
cum  muJtis  armatis  florenciam,  qui  satellites  tui  f!orenciemm  in 
ecclesia  kathedrali  dicto  legato  presento  et  in  elevaciono  corporis™ 


•  Fehlt  In  118.  b  B  a^tzt  hinzu :  por  tolutu  orinsm  terrarutu.  Ad  hoc  quid  dlxerunt  elvi  - 
tat««  Imperial«**,  que  hal.uorunt  cxperieuclam,  vel  iiuid  In  e.oneillo.  c  11  setzt  hinzu:  et  quod 
pciiw  eat,  tnlldele«  et  hrretiel  n«n  Ignorant.  a  B :  tlicuatirtM  eceleaic.  •  B :  conttregatos. 
■  HS:  aummum  pontltkem  et  verum.  *  B:  pH*.  **  B  aetzt  hinzu:  in  pompla.  '  B:  In 
aliia.  **  B  aetzt  hinzu:  deatrnetore  ecelesie.  '  B  setzt  hinzu:  ot  conaumpait  iuuUllter  «t 
absqu«  atllitate  occlaal«.  m  Ii:  <|ut  all  hoc  secuta  deceaaerunt  In  numoro  duodecün  <c<  fchlon 
dann  die  14  Namen).  n  BS:  tbyaneotL».  °  HS:  nlceni.  I'  HS:  aqullt-gl«*.  'i  IIS:  Janue. 
r  HS:  arelatonal.  ■  HS:  paeienit.  »  HS:  contcnal.  u  HS:  tymaonenal.  v  IIS:  bono- 
nlenal.  w  HS:  ammonleuals.  *  B:  niultorumque  prelatorum  ut  allorum  curtalluiu.  f  IIS: 
perveodiclono.  ■  B  setzt  hinzu:  <]uoiiu>du  orgo  atant  cardiuos  [nie]  ecelesie  erneute«  digultatom. 
*«  IIS:  teloratlaalmo.  tb  B:  con.uiiq.ait.  ec  B  astzt  hluzu:  In  pompia.  ,,J  B:  coasumere, 
al  aliquid  nit  realduJ.  *»  B:  ab  ca.  n  B  «olzt  hlozu :  rm.Bc.».  s*  B:  dcslderan«.  ,lh  B  setzt 
biuzu:  Jemnlmum.  "  HS  und  B:  Ttuaie.  kk  B  netzt  hinzu:  prveipue.  "  B  setzt  hinzu: 
B'-dL*  ai>oxt<>llci>.  tam  B  setzt  hinzu:  ot.  nn  B  Best  etwa«  veritndert  und  vollständiger: 
Jesus  Christi  interfercruut  qucnriain  Invcneiii  lunucentoiu,  de  Medicia  Jollauum  nomine,  plum  et 
bonuui,  —  O  Saraceni  quid  dirltla  d«  boc  —  et  elc*  l  rat  rem  videlicet   inaifnilicuin  Uurenciuw 


4  Papst  Paul  II.  1464—1471.  0  dirolanio  Hiario,  von  welchem  mau  nie  genau 
gewusst  hat,  oh  er  als  Neffe  oder  Sohn  dem  Papst  Sixtus  IV.  nahe  stand.  In  der 
R«  »magna  gelaug  es  ihm,  sich  in  Imola  und  Forli  ein  Fürstentum  zu  grüuden; 
h.  Hurckhardt  a.  a.  O.  S.  22  f.  Hei  der  nicht  hu  ige  währenden  Kinkel  kerung  des 
Frzbischofs  Andrea.«*  in  Rom  (hu  Juni  s.  Jacob  Volaterra ,  Diarium 

Roiuariiim,  hei  Miiratori,  script.  vol.  XXIII)  war  er  heteiliut  (■•».  Infcssura  I.  I. 
col.  1U07);  ea  he.stand  al«o  eine  p*'rsonliehe  Feindschaft  zwischen  beiden.  ''  Die 
Ortnnanien  der  Kardinäle  *ind  verderbt;  wir  haben  sie  durch  Verinutuni;  fest- 
zustellen versucht,  ohne  für  jeden  Namen  hür<ren  zu  wollen.  7  Dieses  und  das 
Folgende  bezieht  sich  auf  das  Verhältnis  des  Papstes  zu  Florenz  und  zu  den  Medi- 
ceern  vor  und  nach  der  Verschwörung  der  Pazzi  und  zu  dieser  seihst,  worüber 
schwerlich  sich  je  wird  ganz  (Jenaues  teststellen  lassen.  s  S.  ob  St.  325  A.  10. 
Raffaele  Riario  war  diaconu»  cardinalis  saneti  CJeorgii  ad  veluin  aureuni. 


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428  384.  Stück. 

Cristi  interfecerunt  quendam  juvenem  innocentera  nomino  Julianuni  de 
Medicis  et  eius  fmtrcm  magnifieum  Laurencium  vulneraverunt,  volentes 
cum  eciam*  interficere;  anxilianteb  virgiue  gloriosa  evasit.  Ex  qua 
injusticia  et  prodicione0  archiepiseopi,  sacordotes«1  et  multi  nobiles  sus- 
pensi  et  intorfeeti  fuerunt,  quia  proditores  erant  per  te°  missi  ad  hoc 
malura  peipetrandura.  Et  ultra  hoc  fecisti  eis  bellum  per  annum  in- 
justum/  dcmuni*  interdietum  posuisti  in  eivitate  florentina,  quod  per 
duos  annos  duravit,  et  hoc  sine  ulla  justicia  et  absqne  culpa h  ipsorum 
dominoruni  florentinorum.  ltetn'  tu,  sixte,  fecisti  contra  justiciam 
h'Iium  tuum  jeronimum  dominum''  forlinii  et1  jussisti  interficero  duos 
juvcnes  innocentissimos,  qui  erant  veri  heredes  et™  veri  domini  alnie 
urbis  prenominate.  Item  te  sciente  puer  jeronimus  subniergi  fecit  in 
tyberim  prope"  pontcm  sancli  angeli  quendam  juvenem  nobilem  civem 
immolensem0  absque  culpa  illius.  Item  tu,  sixte,  habebas  fedus  et«* 
intelligencias  secretas  cum  soldano  babilonie  ad  perficiendum  id,*»  quod 
desiderabas  contra  predictos  dominus  florentinos  et  alios  potentatus 
»  ytalie.*  Item  tu,  sixte,  desiderans*  |  desolacionem  illustrissimi  dominii 
venetorum  misisti  roginam  cypri  '•'  catliolicam  et  satis  speciosam  ad  sol- 
danum  babilonie  ad  inducendum  ipsum  per  eam  contra  prcnominatum 
dominium,  que1  per  duos  annos  moram  traxit  apud  cum,  et  hoc  est" 
contra  fidein  katholicam.  Item  tu,  sixte  pontifex,  una  cum  puero  jero- 
nimo  oppressos  tenes  revercndissimos  dominos  cardinales,  qui  diligunt 
justiciam v  et  bonum  statum  occlesiew  O*  patres  venerandissiroi* 
et  eristianissimi  principcs,  apcrito  oculos  vostros  et  respicite  eonsi- 
derantcs  statum  vestrum/  ne  pcreatis,  quia  homo  subverse  pacis, 
sixtus  pontifex,  nichil  aliud  desiderat  tiisi  discordias  nec  aliud  querit 
nisi  ponero  disscnsiones,  querelas  et  tribulaciones,  ut  ipso  possit  regnare 
et  ditare  parentes  dissipando  destruendoque  occlesiam  cum  filio  suo 
jeronimo  puero.  O  intclix  ecclesia  doi,  quia  pueri  te  regunt  et  prin- 
cipcs precipiunt,  ita  ac  si  non  cssent  principcs.  Item  tu,  Sixte,  sus- 
citasti  divisiones  inter  potentatus  ytalie  tempore,  quo  debebat  fiel i 
expedioio  contra M  inmanissimos  Turcosbb,  et  contra cc  nonnullosdd  fecisti 


*  B:  eriam  eadoui  hvrn.       b  H  volWländljter :  auxlllante  cristo  et  vir«  Ine  glorluaa,  cnias  e»l 
devntii«,  ^vAsit  roaniiM  Impl'irtna      e  B  »etzt  hinzu:  Sixtl.       *•  K  «etcl  hinzu:  doctore*.      e  IIS: 
fort?,  aber  II    per  Slxtuiii  jiontiHccin       I'  R  sottt  hinzu:  i<t  indebltuni.       K  B  netzt  hfnsu  :  ecUm. 
h  iwh  Ii:  HS  Heut  :  Uloram  euiKeorHirnin.       '  B  »tollt  die  W««rte :  „Hein  ......  contra  jiutlciam" 

bis  ,.»Iiwjik>  culpa  illliw"  hinter:  bonum  atatuin  ecchnle  («ncto  >\vl).  k  Aus  B  ergänzt.  '  B  aetzt 
luwu:  u«  im|«.lircDt  eum.  '»  An*  B  cruiiuzl.  "  IIS:  per  (faUche  Auflösung  einer  Ab- 
kürzung).       "  NVh  B:  FS:  tnvaleinwm.  Au*  B  ergänzt.        1  Au*  B  ergänzt.       r  B  wttt 

bltuti:  Holum  iuI  Imic  fincm ,  ne  tiervt  exiKdiel-  i-oiitrr.  inuianiiuimuiu  Turcum.  "  HS. 
iIc-mIcKthh  *  N»oh  H:  IIS:  (|iiih1.  u  U:  et  h«c  fult  dln«rte  euntra.  T  B  netzt  hlnm: 
liilcm  <-ath«llcam.  w  B  netzt  hinzu :  »aoc.tc  dei.  *  Man  Folgende  fehlt  In  B;  auaeerdum  Ut  viel«« 
umgestellt.  7  HS  «>.  p.  v.  *  IIS  nimm  ...  pari*  vr  (f'ulwhe  Stellung).  "  Krgäntt  au« 
B,  <l<-rt:  espediel.,  contra  honte»  commune«,  »idelieet  Turcos.  >-b  IIS:  iniuaniMiiniini  Turcoruro. 
cc  Krgün/.t  -«u»  B.  HS:  nouuullas. 


9  Cateriiia  Coniuru,  grb.  14M  in  VenMig,  vermählte  stich  1472  mit  König 
Jacob  II.  von  l.'ypern;  nach  drs.-cii  ToiU ,  i  J.  l-l-SO,  wurdr si<-  von  di  u  Venezianern 
veranlasst,  ilnx n  «Iii  Ins.  l  zu  üb«  rlassi  u ;  « l«  r  liier  p  nannt«-  Hnltan  ist  Moham- 
med II.,  der  (iro-se,  der  Eroberer  von  Constantinoi»«'! ;  er  regierte  v.  1451—1481. 


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334.  Stück.  420 


bellum  justum  et  indebite*  ad  hoc,b  ne  fieret  expedicio  contra6  hostes 
religionis  cristiane,  qui  fuderunt*  sanguinem  innocentem  et  continue 
effundunt  te  permittente.  0,  sixte  pontifex,  reddes0  racionem  deo  in 
novissimo  d;e,  nif  forte  in  hac  vita  ages*  penitenciam  et  petes'1  veniani.1 
O  infelix  causator*  malorum,1  nim  forte  parcet  tibi  deus.  0  eximiin 
patres  opiscopi  raanentes  in  curia  romana  cur  sequimini  porupam  sixti 
pontificis  et  ejus  curie  caudas  mulorum"  et  mularunJ,,  exponitis  redditusq 
ecclesiarum  vestrarum  inutiliter  et  illiciter  postponentes  pascere*  oves 
cristi  jhesu,  quas  debetis1  conservare  verbo  et  exemplo,  et  de  ipsis 
reddere  racionem  deo  in  novissimo  die;  et  hec  omnia  mala  proveniunt" 
ex  te,  sixte  pontifex,  pater  pompe  et  vane  glorie!  Item  |  tu,  sixte,  24» 
coegisti  illustrissimum  et  devotissiumm  dominium  venetorum  inire 
pacem  cumT  inmanissimo  thurco  sitibundo  sanguine  cristiano,*  hoc 
cum  magno  discrimine  et  periculo  tocius  religionis  cristiane.*  Item 
tu,  sixte,  per  dominum  gentilem  de  spoleto  episcopum5  ananenseru* 
seducendo  induxisti  cristianissimos  dominos  foderatos**  contra  illustris- 
simum et  devotissimum bb  ducemce  mediolani,  qui  tantam  stragem  fece- 
runt  effundentes  sanguinem  innocentem dd  in  dominio,c  serenitatis  sue 
credentes  benofacere,"  attamen  male  fecerunt  et  injuste,  quia  per  te, 
sixte,  decepti  fuerunt.  Item  tu,  sixte,  posuisti  discordias  et  lites  janue 
inter  duos  presbiteros,  videlicet  intor  reverondissimum  dominum  archi- 
episcopum  januensem w  cardinalem  et  inter  illustrissimum  et  revcren- 
duin  dominum  prothonotarium  do  flischo,  qui  inter  se,,h  magnam1' 
stragem  hominum  feceruut;  quem  prothonotarium  decepisti  in  dignitate 
cardinalatus,  akk  quo  tot  et  tanta  beneficia  recepisti,  quuin"  totus 
mundus  contra  te  erat  et  precipue  tota  ytalia.  Item  tu,  sixte,  tam- 
quam,nlI,  amieus  turcorum,  voluisti  inducere  totam  nacionem  germauieani 
et  regnum  ungarie  contra  illustrissimum  et  serenissimum  dominium 
venetorum,  quasi  non  esset  illustrissinmm  dominium  venetorum  vere 
religionis""  cristiane."0  Item  tu.  sixte,  suscitasti  preliap»'  inter  cristi- 
anissimum,,,'  imperatorem  et  serenissimum  regem  ungarie  et  conservas 
illa.,r    Itenr"  tu,  sixte,  suseitasti  prelium  inter  cristianissimum  itnpera- 

■  HS;  I nl iiüte.  b  It:  ad  tiunc  rinen.  0  II  setzt  hinzu:  preiiominatos.  u  HS:  effude- 
runt.  «  HS:  rodde;  B:  ruddet.  •  HS:  ue.  K  HS:  age.  ^  HS:  pete.  '  B  liest  den 
ganzen  Satt  anders,  allerdliiK*  fehlerhaft:  Kt  de  hoc.  Slxiu*  pontlfev  reddot  nu-tonem  deo  in  oovi« 
shuo  die.  Et  ue  forte  etlam  in  hat:  vita  et  *i  adhuc  egerit  penitoiH-lam  et  petlorit  vniian«  a  de... 
k  HS:  arlwitor.  1  HS  setzt  die  hier  unverständlichen  Worte  hinzu:  et  »I  te  penitebit.  m  HS:  ne. 
n  It  ander*:  Item  SIxto  regnante  patres  eplscopi  maoentes  in  curia  seqticntes  ponipain  ipsius  et 
curie  eluft.  "  HS:  tu  da*  nulorum  ■>  HS:  et,  nach  It  et  niulanim.  '>  HS:  reddltoa;  It : 
introttn*.  r  B:  illicite  et  iodehlte.  ■  HS:  pastor.  1  B:  ha  beut  et  debent.  "  It:  prove- 
unruut  et  proyciiiuiit.  v  ergiluzt  au«  It.  n  B  netzt  hinzu:  et.  *  IS  netzt  hinzu:  per 
Slxtum  coscti  fuerunt.  V'c ,  vc  eeclesle  turne  to  dei  haheati  talem  porititlecuj  inimieuui  rellginnia 
Christiane.  -v  ergänzt  aus  Ii.  *  IIS:  auauifiiaeui.  •»  HS:  eonlense«.  bb  B:  iimocentis 
ilmom.  enjiinzt  aus  B.        ,M  HS:  hnmacentem.  HS:  domino.        n  B  netzt  hinzu: 

pro  defenaloue  eccle»le  ,  und  filhrt  so  fort :  quia  per  Slstuio  indncti  et  decepti  fuerant ,  fcuuquam 
vorl  et  Indubitatl  chri.tianl  ««  HS:  januensem  et  cardinalem.  ,,h  IIS:  In  te  «e  "  IIS: 
magnum.  kk  B:  ae.  11  B:  tempore,  quo.  ,nm  aus  B,  HS:  eauls,  jaui.  ""  HS:  rcllgione. 
°«  B  liest  die  (ranze  Stelle  andern:  dominium  Veootorum,  quod  qutdeiu  (Druckfehler:  quldaro1 
dominium  temporibuK  lapgis  mnlta  teclt  pro  dofenaloue  fidel.  Kt  nunc  caiutante  Slxto  nh-hil,  quo<t 
fedus  habet  cum  Türe»,  prent  «uperlui  dictum  ost.  W  HS;  prelium.  'l'i  B  netzt  hiuzn : 
dominum  rr  H  setzt  Hinzu :  inulta  pennitteudo  et  pecnula*  |K>rrigendo  domino  rogl  (Druckfehler 
rege)  Ungarie.       «  Dieser  Satz  fehlt  In  B. 


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430 


SM.  Stück. 


torem  et  serenissimum  dominium  venetorum,  quasi  non  esset  prelium 
inter1  illustrissiraum  impeiatorem  et  serenissimum  regem  ungarie,  et 
conservas  illa.  Item  tu,  sixte,  suseitastib  discordias  inter  serenissimum c 
imperatorem  et  illustrissimos  principes.d  Item  tu,  sixte,  quociens' 
posuistU  gnerras  inter  cristianissimunU  regem  trancorum  et  illustrissi- 
nuim  ducem  burgundie  karolum,  pie  memorie,  et  nunc  conservas 
▼  preliah  |  inter1  suam  majestatem  et  inter  illustrissimum  arehiducem 
maximilianum.k  Item  tu,  sixte,  paratus  es1  suscitare  prelia  inter  sere- 
nissimum regem  polonie  et  magistrum  ruthenorum.m  10  Item  tu,  sixte, 
prestitisti  favorem"  ruthenis"  exconimunicando'>  magistrum  Iivonie,*1 11 

A  „prclinni  inter"  int  von  nn*  ergäuxt.  h  It:  wpe  prwuit  et  ponit  divUione*.  e  B  »ettt 
hinzu:  'flumUiiiin.  ™  B  m*t/.t  hinzu:  wwrl  roinani  impurll,  quia  sunt  nimi*  boni  rbrittl&ul  eredenle* 
Slxto  pontinci ,  quo  noi»  *uut  vt*ra.  •  fublt  In  H.  r  B:  et  simtiUvit  prelia.  *  B  tctzt 
hinzu:  et  «levotiiwiniuui.  '*  fehlt  in  R.  1  HS:  iu.  k  IIS:  tnaxUnum.  B  Mtr.t  hinzu: 
Iteio  Sixtu«  dedit  operam  »tuwlt&ndi  prelia  inter  Kerrubutimuni  regem  Illtpanie  et  epUcopum  Tollr- 
tanum  1  15:  fuit  in  cau*a  preliortim.       "'  IIS:   rittonorum ,  B:  llrntenoram.       n  118: 

fervt-rrm.         °  IIS:  In  thente.  IIS:  excitando.       *i  US  :  llnuncm. 


Es  scheint,  als  ob  Erzbisehof  Andren«  als  Slave  Partei  für  den  polnischen 
König  Kasimir  II.  in  dessen  Streitigkeiten  mit  dem  wackeren  Hochmeister  des« 
deutschen  Ritterordens  (Rutheiiorum  —  Russorum  -  Borussorum)  Martin  Trueh- 
sess  von  Wetzhausen  (1477  1489)  genommen  habe,  als  der  letztere  nach  seiner 
Erwählung  zum  Hochmeister  dem  polnischen  Könige  den  Huldigungseid  nicht 
leisten  wollte.  Auf  des  Hochmeisters  Seite  standen  und  unterstützten  ihn  der 
König  Matthias  Corvinus  von  Ungarn  und  der  Papst  Sixtus  IV.  Joh.  Voigt 
((ieseh.  Preussens,  9.  Bd,  1839,  S.  99)  schreibt:  „Daher  erliess,  um  ihn  [d.h.  König 
Kasiniirj  im  Zaume  zu  halten,  der  papstliche  Nuntius  Balthasar  vou  Piscia  von 
Breslau  aus  (denn  der  Ordensmeister  erkannte  nur  den  Papst  als  Richter  in 
seinen  Streitigkeiten  mit  dem  Polen könige  au)  an  alle  Geistlichen  Deutschlands. 
Böhmens,  Ungarns  und  Polens  ein  öffentliches  Ausschreiben  vom  24.  Mai  1477, 
worin  er  bekannt  machte,  das*  er  kraft  päpstlicher  Vollmacht  den  König  von 
Polen  auf  das  nachdrücklichste  ermahnt  habe,  den  König  von  Ungarn,  welcher 
gegen  Türken  und  Ungläubige  (d.  Ii.  gegen  die  Böhmen  und  ihren  König  Georg 
BodiebnuL  kämpfte,  nicht  durch  Krieg  zu  belästigen",  eine  Mahnung,  welche 
überall  durch  die  ( ieistlicben  beim  Gottesdienste  bekannt  gemacht  werden  sollte, 
Audi  wurde  der  Kampf  des  Polenkönigs  gegen  den  deutschen  Ritterorden  wirk- 
lich eine  Zeitlang  hingehalten  und  wesentlich  gemildert,  später  sogar  der  Polen- 
könig durch  päpstliches  Breve  vom  15.  Januar  1478  wegen  der  Nichtbeachtung 
des  obigen  Erlasses  förmlich  iu  den  Bann  gethan ,  und  alle  seine  Unterthanen 
durch  Erlass  des  obeu  genannten  päpstlichen  I  Legaten  vom  19.  Januar  1478  ihres 
Unterthaneneides ,  auch  der  deutsche  Ritterorden  seines  Ijchnseides  entbunden. 
Diese  Einmischung  des  Papstes  ist  sicherlich  von  Andreas  gemeint.  11  Dies«* 
Itezieht  sieh  auf  die  ärgerlichen  Strcithäudel  des  Erzbischofs  Stephan  vou  Riga 
mit  dem  Meister  und  dem  Orden  der  Schwerthrüder  in  Livland.  Dieser  Orden, 
durch  den  livläudischen  Bisehof  Albert  von  Appeldern  120*2  gegründet,  war 
durch  päpstliches  Breve  vom  14.  Mai  1237  mit  dein  deutschen  Ritterorden 
vereinigt  worden,  doch  m> ,  dass  der  Inländische  Teil  des  Ordens  noch  als  ein 
selbständiges  Ganze  betrachtet  wurde,  der  livläudischc  Land-  oder  Ordeusmeister 
ab«  r  der  dem  Hochmeister  zwar  verantwortliche  Regent  des  Landes  war,  jedoch 
noch  im  Innern  wie  nach  Aussen  mit  voller  Regierungsgewalt  bekleidet  war; 
s.  v.  Bunge,  Der  Orden  der  Schwertbrüder,  1*75.  Schon  im  Jahre  1476  (S.Voigt. 
Gesch.  Preussens,  9.  Bd.  S.  9:$  f.)  hatte  der  Hochmeister  des  deutschen  Ritterordens 
Heinrich  Refle  von  Richtenberg  1  170—  1  177)  persönlich  vermitteln  wollen,  aber 
nur  gereizte  Entgegnung  gefunden.  Durch  Breve  des  Papstes  Sixtus  IV.  vom 
24.  Mai  1481  war  der  Nachfolger  Kichtenbergs,  der  i.A.  10  genannte  Hochmeister 


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* 


334.  Stück.  431 

qui  seraper  egita  bellum  contra  eos  pro  defensione  fidei,b  et  tu  injuste 
oppressisti  eum.c  Item  tu,  sixto,  pcrmisisti  turcos  invadered  regnum 
Serenissimi  regis  fernandi,0  desiderans  ejus  expulsionem  a  regUo  suo 
et  continuef  desiderans,  qui  noluit  annuere*  maliciis  tuis.  Item  tu, 
sixte,  romam  fecisti  esse  babiloniani,  quia  in  ea  vigenth  blasphemie 
dei  et  sanctorum,  ludus,  homicidia,  latrociuia,  deperdaciones,'  oppres- 
siones  viduarum  et  pupillorum,  violaoionesk  virginum,  adulteria,' 
tbmicaciones  zodomite  et  meretrices,  violaeiones  monasteriorum  m  sancti- 
monialium  et  beginarum,  et  quod  peius  est,  a  pluribus  monasteriis, 
que  seronissimi  imperatores  eonstruxerunt,"  expulisti0  eas,  que  glori- 
ticabant  deum,  et  dedisti  illa''  parentibus  tuis,  ut  ditares  eos,  in  quibus 
nunc  inhabitant  latrones  etf|  ribaldi;  ipse  vero  neeessitate  conpulse 
effecte  sunt  meretricos  in  urbe.r  Ecce,  o-  fidelissimi  eristiani,  opera" 
sixti  pontificis  et  condiciones  ipsius  male  et  pessime,  quia  nemo  audet 
oo  regnante1  contiteri  veritatem"  neque  defendere  justiciam,  idcirco  ne 
totaliter  destruatur  religio  cristiana  et  ne  desolctur*  funditus  ecclesia 
romana,  sed  refornietur,w  te  sixtum  pontiticem  cum  omnibus  eomplici- 
bus  tuis  sancta*  et  inmaculata  justicia  citat  ad  concilium'  sub  penis 
et  censuris  sacri1  concilii.  Et  quum  aa  a  noticia  presencium  de  eeterobb 
non  valeas  exercere  officium  pontrticis,  etsi  presumeres,11  exnunc  prout 
extunc  et  extunc  prout  exnunc  justicia  cassat,,,J  irritat,  reprobat  et 

*  K:  aglt.  b  it  »cUt  hinzn:  catbolico.  c  B  liest:  Kt  ipae.  Sixtim  Injimte  oppreasit  cum 
et  tenet  opproiwam.  O  pllMltni  et  chrl»tl;inla«lml  prlnHpe« ,  aperite  oeulos  ventros  i-t  rmpSeite 
eonsideranlea  statum  vestruni,  no  pcroatls,  quia  bomo  iulmlcuR  pacta,  vldvltcet  Sixtus  poutifox, 
nirhll  aliud  deaidcrat  nlnl  pnnero  diwordia*  Inter  voa,  noque  aliud  <|ucrif,  Iii«!  generan-  dlvi»|i<iu-n, 
g  i«>rra»  et  trlliulacloiie»,  ut  ip*o  posalt  regnarc  et  dltare  parentea  suua  nmtico*  dlaaipando  et 
iteHtrueudo  ei-cleaiam  uua  cum  HlU>  auo  Jeronlmo  puero.  O  Infclix  eroUnla  sancta  dci,  quia  pueri 
te  regunt  et  prini-ipibu»  preclptunt  Ita  a<-  si  in>n  ensent  prluclpea!  IIS:  uvadere.        L-  B: 

Kenlenandl.       f  Ii:  cotitiniio.  LüYke  in  der  IIS  (liest  aueö  quia» ,  die  beiden   Worte  au«  H. 

B  fal«cb  :tlent.  »  auch  It  lieat:  de|>erdaclou«i.  *  H  :  atupra.  1  HS:  adultorl.  "'  IIS  setzt 
hlnxu:  «tc.  "  B:  eonatructU  per  Berenlaniiiio«  deminos  Imperator«*  °  HS:  extullstl,  B:  expullt. 
i'  au*  B  ergänzt,  h  au»  B  organat.  r  B  setzt  u<icb  liinxu :  O  *poiue  Chriatl,  cur  b<>e.  facitia? 
<>  reverciiditaluii  palre«  eccleaiaaticl  et  omues  aereniaaiuii  principe*,  tbeaaurue  ctuleaie  congregatu« 
per  toturo  orberu  terraruro,  et  qtii  contimie  enngregatiir,  per  indulgcncUa  Sixti  pontifici«,  que  mint 
itiagne,  exorbitacic,  deiiigriuitc*  Adern  ratliulican),  qnomodn  exponltaa  e«t  et  qualitcr  exponltur  male 
et  lii'leblto  j.er  Slxtuiu  poutitfeein  et  per  oiu»  liliuni  Jeronimuui  1  ltetu  pecunle  d<-  anuatia  pereepte 
et  <|iie  perHpiuntur,  item  peounlo  di-cimanun ,  item  |iecuiile  extorte  a  «uliditici  «cclcsio  per  phan  et 
uephax  ot  ati  «iunibim  allis  ('hrigticolln ,  otnnea  et  «In pule  perveidunt  ad  luaiitm  puer!  Jcronimi. 
cum  utiximo  dampno  ot  dedeooro  ecekueie  remane.  Et  alc  exponuntur  subsidia  data  et  que  dantur 
cuutra  iuiinanbtaiiDuin  Turcum,  iti  favorem  Ipsii»  Turcl;  nah  »p«-*dc  liuiua  (Oruck fehler:  cuIub) 
Tunl  Slxtua  poutllex  Uitnm  niundum  declpit.  »  ergHnxt  aun  B.  1  IIS:  regnautl.  "  B  aetzt 
bln/u:  In  curia  nunnna.  r  B:  ruat.  w  B  actst  lilu/.u:  et  Aden  catliolka  dct'eiulatiir.  «  HS: 
aanetam.  r  B  »oltt  hlnr.u:  generale  Um  pronuuclatutn  et  ineeptum.  1  B:  aacratiaaimi. 
■»  »:  qaod.       bb  fcblt  in  Ii.       cc  it  *«titt  hitixu :  quoquo  m<»lo.       «»«'  HS:  caaaatti«. 

Martin  Tmclisess  von  Wctzhauwqi,  angewiesen  worden,  dem  zum  ErzbiHchof  von 
Ri^a  ernannten  Stephan  (irube,  tler  Hie.h  naeh  seiner  Rückkehr  au*  Rom  längere 
Zeit  in  Timm  und  Danzig  aufhielt,  unter  allen  (JmHtämlen  zum  Besitze  der 
Ki^aisehen  iStiftsgüter  zu  verhelfen.  Daher  lw?klagt  «ich  Krzbisehof  Andreas  ul»er 
tlie  auf  liefehl  de«  l'apstes  einpenommene  feindliche  Stellung  des  Hochmeisters 
gegen  den  livläiidischen  Meister  und  dessen  Vergewaltigung  durch  den  Paj>st, 
obechon  wir  eine  Exkommunikation  des  livländischen  MeisttM-s  nirgends  erwähnt 
gefunden  haben.  Nach  Voigt  a.a.O.  S.  140  A.2  findet  sich  Näheres  über  diesen 
»Streit  des  Meisters  vun  Jdvland  mit  dem  Erzbisehof  v«»n  Rica  bei  («adebuBch, 
Livl.  Jahrb.  Teil  I  S.2:WiT.  Es  Hchcint,  als  ob  Erabischoi  Aiulreas  hier  Partei 
gegen  den  geldgierigen  Erzbisehof  von  Riga  nimmt. 


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1 


432  335.  Stück. 

reprobata*  dicit,  quousque  in  saero  concilio  aliter  determinabitur.1'  Ego 
sr.o  andreas,  archiepiscopus  craynensis%  te  sixtum  |  pontificem  cum  reveren- 
cia,  premissa  protestacione,  requiro,  cito  ad  concilium  propter  desola- 
cionetn  ecclesie  et  injuriam  faetam  serenissiruo  domino  imperatori  et 
prineipibus  sacri  romani  imperii,  raichi  iUata<md  injusticiam  non  semel, 
sed  pluries.  Et  ut  justioia  habeat  locum  in  omnibus  causis  concernen- 
tibus  personam  nieam,  elegi  judiccs  sanctissimum  concilium  generale, 
dominum  imperatorem  cristianissimuiu  et  justissimum  regem  francorum; 
advocatam  meam  eligo  gloriosissimam  et  sapientissimam  uuiversitatem 
parisieusem,  nie  in  omnibus  subiciens,  que  jura  volunt6  Datum 
basilee  anno  doniini  M°  IXX'C°LXX;X1I0  in  die  annunciacionis  virginis 
gloriose  [transscriptum '  undeeiina12  aprilis,  pontifieatus  domini  sixti 
pape  anno  ejus  tredeeirnoj. 


Von  einer  processien  zu  erffort 

Als  man  schreib  noch  cristi  gebort  unsers  lieben  hern  vierczen- 
US"l  hundert  unnd  czwey  unde  achczigk  jar,  an  derae  fritage  noch  sente 
bonifaries  tage,1  do  hatte  der  erssame  unnd  wisse  rath  zu  erffort  be- 
stalt zu  gehene  eyne  lobeliche  processien  umme  dv  stad  erffort,  sunder- 
lichen  zu  bethen  den  nlmechtigen  ewigen  got  umme  syne  gotliche 
gnade  zu  enthaldende-  unnd  bewarendc  dy  fruchte  uff  deme  felde, 
thurunge  unnd  steten .  frede  zu  nalden,"  das  do  eyn  iglich  mensche 
junck  unnd  alt,  geistlichen  unnd  wertlichen  den  almechtigen  got  bethe 
umme  syne  gnade,  solche  ploge  über  lant  unnd  luthe  geen,  abe  wende 

*  US:  Mttzt  hinzu:  vtw.  b  l>er  ScIUum  hU  zum  Datum  fehlt  In  H.  c  HS:  trayanruii*. 
d  erRÄnit,  IIS:  mich!  In  juntlclani.  <-'  II:  Datum  baallee  anno  domini  luiltolmo  qu*driug*utwim.j 
««•tuageBliiio  »oi  ud<Io  in  die  annuurUcionl»  \inrinb  gloriose.       f  Kränzt. 

'•'  Dies*'«  zweite  Datum  ist  merkwürdig,  es  ist  der  11.  April  1484,  da 
Sixtus  IV.  um  9.  August  1471  zum  Paj*te  gewühlt  und  am  81.  d.  Mts.  geweiht 
worden  war.  Es  ist  nur  durch  den  Ausfall  eines  Wortes  zu  erklären,  wahr- 
scheinlich „transscriptum  —  Abschrift  genommen",  «Ins  wir  ergänzt  haben.  l)a- 
mals  gerade  brannte  der  Streit  um  die  Auslieferung  des  Erzbischo(s  an  den 
Papst  lichterloh.  Am  1.  August  14*3  war  der  Ratsherr  Heinrich  Zeygler  nach 
Rom  geschickt,  um  die  Appellation  der  Baseler  gegen  das  Interdikt  des  Bischofs 
Angelus  vou  Snessa  dem  J'a|>ste  zu  ül>erbringeu ;  am  16.  März  1484  war  er 
zurückgekehrt,  und  man  erwartete  für  deu  12.  April  1484  eine  päpst liehe  Gesandt- 
schaft (s.  Burekhardt  a.  a.  O.  S.  88  u.  Hl).  Aller  (ieinüt  war  erregt,  und  es  ist 
selbstverständlich,  das«  man  damals  gerade  eine  Alwehrift  der  ersten  und  ge- 
waltigsten Erklärung  des  Ei zbisehots  Andreas  nahm,  besonders  da  die  Venetiauer 
auf  ihre  Exkommunikation  vom  Mai  1488  hin  ebenfalls  an  ein  allgemeines 
Konzil  appelliert  und  den  Patriarchen  von  Aqiülcja,  den  Kardinal  Barho,  ver- 
anlasst hatten,  -ein  solches  zu  berufen  und  den  Papst  Sixtus  vor  dasselbe  zu 
laden,  s.  Burekhardt  a.  a.  U.  S.  87  f. 

38.'».  '  7.  Juni  1-182.  "  „enthalten"  =^  „erhalten" ;  in  ,,zu  enthaldende'1  und 
,.hewarende",  Dativ  des  (ierundiums  imhd  -ennei,  sU-ckt  das  epeuthetisebe  d, 
•bis  s»  it  dem  12.  Jahrhundert  im  l'Vänkisih- Thüringischen  vorkommt  (s.  Wein- 
hold ,  Mhd.  Ciiam.'  §  400t.  :  Ein  Zeugma,  da  „halden"  (=  „halten")  mit 
„Urning'  verbunden  „bewahren  vor",  mit  j.frede1'  verbunden  „erhalten"  heisst. 


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1 

\ 


335.  Stück.  433 

woldo,  unnd  oucli  dy  pcstilcncze.  |  Uff  den  selbigen  fütagk  fni,  als  v 
funffe  geslagen  hatte,  do  quam  der  erssame  wisse  rath  zu  enToit  mit 
czweien  langen  kerczen  zu  unser  Heben  t'rowen  kirchen  gegangen,  do 
sangk  man  eyne  messse  zu  unser  lieben  frowen  unnd  oueh  zu  sentc 
Sever,  unnd  in  allen  pharren  eyne  lobeliche  messse  von  unser  lieben 
frowen.  Es  quomen  oueh  a"e  pferner1  mit  yrem  folke,  item  dy  hern 
zu  den  regelorn,5  mit  yren  schillern,  item  der  apt  zu  den  Scholien  mit 
yren  schulern,  item  dy  monche  Cluster7  bieben  alle  do  heime,  man 
orgelte  oueh  nicht  zu  der  selbigon  messe.  Item  do  es  vi i  slugk,  dn 
gingk  dy  processie  an.  Zu  dorne  ersten  gingen  dye  schuler  von  den 
schotten,  dar  noch  dy  schuler  von  den  regelem,  dar  noch  dy  schuler 
von  sonte  Sever,  dar  noch  dy  schuler  von  unser  lieben  frowen,  alle  zu 
samone  achtehundert  mit  cruezen  nnnd  mit  kerczen.  Item  vor  den 
scholern  gingen  dy  jundrowen,  werde  wolde,  sy  worn  nicht  gehoisrhet 
noch  vor  mant;  der  was  an  der  czjd  soben  hundert  unnd  ezwenezigk, 
unnd  dy  gingen  alle  mit  uff  gelosten  horn,  unnd  hatten  alle  krenteze 
von  wennute  adder  biboss,*  unnd  sungen  alle  zu  glioh  feie  guter 
loyssen'*  von  unser  lieben  frowen  unnd  von  deine  heiigen  woren  lieh- 
nam  unsers  Meben  hern  jhesu  cristo,  ereten  unnd  lobeten  den  ewigen 
got  in  synem  rieh.  Dar  noch  |  gingen  alle  pferner,  dar  noch  dy  hern 
von  sente  sever  unnd  unser  lieben  frowen;10  unnd  dy  hern  von  den 
regelern,  dar  noch  der  rector  uss  deme  kaleigem  11  mit  allen  Studenten, 
dar  noch  der  ganeze  rath,  dar  noch  dy  gemeynen  manne,  dar  noch  dy 
andechligon  trowen,  das  folk,  alle  glich  gingen  uss  unser  lieben  frowen 
kirchen  dorch  sente  Severs  kerehen  hen,   unnd   dorch   sente  peters 

•  S.  8t.  221  A.  3.  f'  Die  Chorherren  (Domherren)  <lcs  Kegle  rk  Itters,  St. 
Aupistini  de  regula  (s.  v.  Mülverstedt,  Hicrographia  Ertönlensis,  MOE,  III,S.  153). 
Die  Schüler  der  Kegler,  ebenso  die  von  <l»*n  Schotten,  sowie  der  C*>IIeyiat*tirte 
B.  Mariac  Virg.  und  St.  Soven  sind  dir  Schüler  drr  daselbst  liest«  hend«  n 
Klosterschulen,  welche  jedoch  mir  solche  als  Schüler  aufm  Innen  durften,  die  dein 
Orden  später  angehören  wollten,  s.  II.  Heyer,  Kurze  Oesch.  d.  Stiftskirche  H.  M.  V., 
MOE,  VI,  S.  1.%,  und  K.  Thiele,  Die  Gründung  des  evang.  Katsgymnasiums  zu 
Erfurt,  189«,  S.  3  u.  55,  wo  die  dieses  regelnde  Urkunde  des  Erzbischofs  Konrnd 
von  Mainz  iwahrsch.  aus  d.J.  1184,  Domarchiv  zu  Erfurt,  Urkunde  s)  abgeil  ruckt 
ist.  "  Schotton  kloster,  Ordensrcgel  St.  Henedicti  oder  auch  St.  .lacobi  Sootorum; 
s.  v.  Mülverstedt  a.  a.  O.  S.  162  i\  Es  ist  fraglich,  oh  es  dcrsell*-  Abt  ist,  welcher 
u.  St.  300  A.S  erwähnt  wird.  ;  Die  Insassen  folgender  Mönchsklöster,  die  damals 
in  Erfurt  l>cstanden:  des  IVtorsklosters,  Prcdigerklosters,  des  Dartüss<  rklosterv, 
der  Augustiner-Eremiten,  der  Marien  knechte,  des  Karthäuscrklostcrs,  des  St.  Annen- 
klosters (s.  v.  Mülverstedt  a.  a.  O.  S.  152.154—158).  »  „Heifuss"  (arleinisiuni). 
Hertel,  Thüring.  Sprachschatz  S.  60  weist  bibs  nach;  nordlhür.  hiiwest  (s.  M. 
Schnitze,  Nordthüring.  Idiotikon  S.  30).  !'  „Bittgesang",  s.  St,  156  A.  2.  '"  Oir 
Stiftsherren  der  Collegiatstifter  St.  Severi  und  Ii.  Mariae  Virg.  "  kaleigem 
—  collegium,  also  das  collegium  niaius  (über  das  Cr.  Oergel  in  einer  hes.  Schrift, 
das  collegium  mauis  z.  Erfurt,  18!>4,  gehandelt  hat),  die  ehemal.  Universität,  d.h. 
das  Collegiengebäude  der  Artistenfakultät,  Michael  isstrasac,  jetzt  etädt.  Realschule. 
Rektor  der  Universität  Erfurt  war  im  Sommersemostor  14*2  Petrus  Petz  ..rl< 
Herhi|K>li,  arcium  tnagister,  sacre  seripture  lieentiatus",  während  seines  Rektorats 
zum  Doktor  der  Theologie  promoviert,  „maioris  collegii  collegiuluv' ,  s.  UYisscn- 
born,  Akten  der  Erfurter  Universität,  I,  pag.  390. 

K.  Stolle*  MetnwW«.  28 


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4M  335.  Btfick. 

kerchen 11  hen ,  unnd  do  selbest  zu  seilte  peter  hilden  dy  hern ,  dy 
pristerschafft  eyne  stacien  mit  gebogenden  knien13  uff  dy  erden,  unnd 
sungen  alle  glich  den  lobelichon  gesangk  von  unser  lieben  frowen : 
alnia  redemptoris 11  mater  mit  eyner  colleeten;  dar  noch  gingen  sy 
bindet  sento  peters  closter  hen  zu  sente  andres15  thore  en  uss,  vor 
sente  moricies  thore  hon,  vor  sento  johans  thore  hen,  vor  deme  krampfen- 
thore  hen,  unnd  gingen  zu  deme  smedesteten  thore  in,  unnd  gingen 
zu  den  regelern  in  dy  kerchen  unnd  sungen  do  den  lobelichen  gesangk 
von  unser  lieben  frowen  mit  gebogen  knyen:  Salve  regina,  cum  collecta ; 
dar  noch  by  sente  bartholomeus  kerchen  hen  vor  sente  wyperecht  hen, 
vor  sente  vito  hen,  unnd  gingen  alle  glich  wedder  zu  unser  lieben 
frowen  kerchen  zu.  Do  saugk  man  uff  der  grossen  orgeln u  den  lobe- 
lichen gesangk  von  unser  lieben  frowen :  Rocordaro  mater.  Dar  noch 

»  sungen  sy :  Te  deum  laudamus.  In  des  vor  gingk  das  volk  alles  dorch 
dy  kerchen  wedder  zu  huss;  do  das  eyn  ende  hatte,  do  slugk  das 
seyer17  XI,  et  sie  est  finis. 

-  Als  man  schroib  noch  cristi  gebort  XJIII0  unnd  czwey  unnd  ach- 
czigk  jar,  am  dinstage1*  noch  unser  lieben  frowen  tago  vor  winachten, 
gnant  coneepeionis  marie,  do  liss  der  rath  zu  erffort  dy  closter  junc- 
frowon  von  sento  celiax  berge  furo  mit  sechs  wagen  furo  in  das  nuwe 
closter  zu  sente  andres11'  in  dy  stad  erffort,  unnd  sungen  zu  dem 
ersten  mole  eyn  schone  messe  zu  seilte  andres.  Dar  noch  gingen  sy 
zu  fussse  in  das  nuwe  kloster  unnd  nomen  do  dy  ersten  besitezunge, 
do  sy  noch  syn  unnd  bliben  sollen  ewigklichon.  Das  selbe  kloster 
koste  dy  von  erffort  zu  buwen  XLV  tusent  gülden. 

w  Dir  Kirche  de»  berühmten  St.  Petersklosters  auf  dem  Petersberge,  erbaut 
1108-  1147  aus  Seeberger  Saudstein;  über  sie  B.  Bökncr,  Petersklostcr  zu  Erfurt, 
MOE,  Heft  X  und  XI,  ebenda  Erlaudsen  XI.  S.  180-185;  derselbe,  Die  Peters- 
klosterkirche  zu  Erfurt  (hierzu  1  Tafel  mit  Abbildungen),  MOE,  XVII,  S.  68-73. 
13 (I. h.  sie  machten  halt,  um  niederzukuieu  und  zu  beten;  wieder  das  epenthetische 
,d4  (s.  ob.  A.  2).  u  Bei  der  Prozession,  die  von  dem  der  Jungfrau  Maria  ge- 
weihten Dome  ausgieng  und  wieder  zu  ihm  zurückkehrte,  wurden  nur  Lieder  zu 
l'.hrcn  derselben  gesungen :  1)  alma  redemptoris  mater  mit  Oolleote  (d.  h.  auf  den 
Gesang  des  Chores  folgte  ein  gesungeues  Gebet  des  Priesters),  sonst  der  Schluss- 
^esang  des  Officiunis  vom  1.  Advent  bis  Maria  Lichtmess;  2)  Salve  regina,  mater 
misencordiae  mit  Collect«',  desgl.  von  Trinitas  bis  Advent;  3)  Recordare,  mater, 
ein  Gebet  zu  Ehren  der  licata  Maria  virgo;  4)  Zuletzt  wurde  der  Ambrosianische 
Lobgesang  Te  deum  laudamus  angestimmt.  4i  Die  Prozession  kam  vom  Peters- 
berge herab  und  zog  um  die  Stadt  vom  Andreasthor,  Moritzthor,  Jobanues-  uud 
Kriimpferthor  bis  zum  Sehnudtstedterthor  und  gieng  dann  in  die  jetzige  Hahnhof- 
strasse, wo  die  Keglerkirche  liegt.  Darauf  zog  sie  zur  ßartholomäusklrcbe  (1525 
in  den  Besitz  der  Evangelischen  gelangt,  1575  geschlossen,  1660  durch  Brand 
zerstört;  ihr  Turm  stellt  noch  am  Anger;  v.  Tettau,  To|>ographie,  MGE,  XII, 
S.  102),  dann  zur  Wigbertikirehe  (in  der  beutigen  Kegierungsstrasse),  zur  St 
Vitikircbe  (jetzt  „Gasthof  zum  rheinischen  Hofe",  1571  geschlossen,  s.  v.  Tcttau 
a.  a.  O.  S.  117  t,  von  da  zum  Dome  zurück.  1,1  Über  diese  grosse  Orgel,  welche 
Stephan  Kaschendorf  aus  Schweidnitz  baute,  ihre  Herstellung,  Kosten  u.  s.  w. 
s.  H.  Beyer  a.  a.  O.  S.  151—152.  11  Mundartlich  neutral,  sonst  m.,  ursprüngüch 
die  Wage  zur  Prüfung  des  Wertes  der  Münzen  (s.  A.  Kirchhof!',  Die  ältest.  Weistümcr 
der  Stadt  Erfurt,  S.  19  A.  28).  dann:  Uhr;  so  noch  im  Volksmunde,  s.  Hertel, Thür. 
Sprachschutz,  s.  v.  Seiger  S.  227.  10.  Dezember  1484.        19  S.  St.  326  A.  27. 


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336.  Stuck  435 

* 

Item  anno  domini  MCCCCL° XXXI 111°  an  sente  bastiens  tage20,  do  1484 
wart  der  nuwe  kor  gewyet  zu  sente  andrees,  der  kloster  juncfrowen. 

Item  in  deine  selbigen  jare,  am  montage  achte  tage  noch  sonto 
severs21  kermesse,  do  wart  uff  gericht  unnd  gemacht  dy  spitczo  uff  den 
torra 22  zu  den  predigern  zu  erffort. 

Item  anno  domini  M"  CCCC°LXXXV°,  do  worden   gemacht  dy  i486 
nu wen  stule  in  deine  köre  zu  sente  Scver  zu  erffort.    Item  in  demc 
selben  jare  wart  an  gehaben  dy  nuwe  sacristia  do  selbest  zu  sente 
Sever  zu  erffort.  | 


336.  Wye  dy  sonne  yren  schin  vor  loss,  wind  wass  k» 
missewachs  dar  noch  quam  unnd  werte. 

Von  eynem 1  finsternisse. 

Item  anno  domini  MCCCC°LXXXV°  an  sente  gerdruten abende2,  do  14ST» 
es  dry  slugk  nach  mittage,  do  vor  loss  dy  sonne  yren  schin  unnd 
stunt  also  lange  cnwenigk  noch  deme,  al  es  viere  geslagen  hatte.  Ich, 
conrad  stelle,  der  ditcz  geschreben  had,  habe  das  ge  sehen.  Der  sonnen 
schin,  der  was  gancz  gel  unnd  halb  nacht,  in  aller  forme,  als  der  monde 
schint  des  nachtes,  unnd  dy  sonne  hatte  dy  forme  als  der  monde  mit 
czweien  spitczen;  also  was  der  monde  vor  dye  sonnen  gotroten,  das 
was  eyn  gross  wunder  under  den  luten;  unnd  do  es  viore  ge  slagen 
hatte,  do  wart  es  wedder  tagk. 

Item  in  deme  selbigen  jaro  am  dinstage  achte  tage  noch  ostern, 
do  brante  uss  dye  bru  esse  adder  bruwe  huss  koin  sente  gotharte3  zu 
erfforte. 

Item  anno  1485°  in  vigilia  s.  adelarii4  fuit  natus  andreas  stolle  de  i4«c, 
mano  hora  sexta  feria  tercia. 

Item  in  deme  selbigen  jore  1485°  an  sente  walpurgen*  tage  unnd  i486 

70  Dienstag  den  20.  Januar  1484.  71  Die  Kirchweihe  von  St.  Sevcri  ist  niu 
K.  Sonntage  nach  Ostern,  hier  also  am  17.  Mai  1484.  "  Der  Glockenturm  der 
Kirehc  den  Prcdigerklostcrs,  diesem  gegenüber,  da  die  Dominikaner,  wie  alle 
Bettelmönchc,  keinen  Glockenturm  auf  ihrer  Kirche  haben  durften. 

386.  1  fiusternisse  ist  neutral  gebraucht  ?  Mittwoch  den  16.  März  1485. 
3  Kein  sente  (totharte  —  „l>ci  St.  Gotthardt,"  ho  hiess  früher  ein  Teil  der  Gott- 
hardtstraase zwischen  der  klein.  Schottengasse  und  der  Johauucsstrasse  (8.  v.  Tettau 
a.  a.  O.  S.  46).  4  Die  Bemerkung  ist  iu  der  HS  eingesehol)cn.  In  welchem 
Grade -dieser  Andrea«  Stolle  (geb.  25.  August  1485,  an  einem  Donnerstage,  nicht 
an  einem  Dienstage,  feria  tertia,  wie  Stolle  schreibt)  mit  unserm  Chronisten  ver- 
wandt war,  steht  nicht  fest:  er  war  wahrscheinlich  ein  Bruderssohn.  Auch  liegt 
sicherlieh  ein  Versehen  vor:  anstatt  de  mane,  was  unlat  ist  (.für  a  maue  ,das 
aber  hier  keinen  Sinn  giebt)  ist  wohl  zu  lesen  „benc  mane"  =  „frühe  am  Morgen." 
Der  heilige  Adolarius  war  mit  dem  heiligen  Eoban  Schutzpatron  von  Erfurt. 
Einst  Gefahrte  des  Bonifatius  auf  dessen  Missionsreiseu,  gilt  er  als  erster  und 
einziger  Bischof  von  Erfurt,  dessen  Gebeine  am  20.  April  ILM  Ihm  einem  Kr- 
weiteruugsbaue  des  Domes  gefunden  wurden  und  seitdem  im  Dome  mit  denen 
»eines  am  26.  April  1154  gefundenen  Gefährten  Eoban,  Bischofs  von  Utrecht,  in 
einem  Sarkophage  in  der  sogen,  heilig.  Blutkajielle  des  Domes  aufbewahrt  werden. 
11  Am  Sonntag  den  1.  und  Dienstag  den  3.  Mai  1485. 

28» 

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436  3S7.  Stuck. 

czwene  tage  dar  noch,  do  erfross  der  win  umme  erffort,  unnd  ouch  in 
andern  landen,  also  das  kein  troppfe  wins  wart  das  jar.  Do  galt  eyn 
fertel  wins  III  pfenge*,  unnd  was  felefernesr>  wins  allen  enden,  do  steigk 
der  win  uft7  in  achte  tagen,  das  er  Hu  pfenge  galt,  dar  noch  V  pfenge 
unnd  VI  pfenge  galt;  über  eyn  jar,  do  galt  er  VII  phenge.  Item  es 
hatte  ouch  bye  VIII  wochen  nicht  geregent,  do  steigk  das  korn  ouch 
uff.  Item  petri  et  pauU  zu  hant  dar  noch  folgende,  do  hub  es  an  zu 
regende  *  zu  mole  feie  unnd  an  derae  noch  tage  unser  lieben  frowen 
tage  visitacionis1',  do  hub  es  an  zu  regende  den  tagk 


337.  Von  oynem  grosssen  wasser.1  | 

v  unnd  die  gancze  nacht  also  sere  in  aller  forme,  als  man  mit 
schuften 2  gussse.  Do  er  goss  sich  das  wasser  zu  erffort  so  sere,  das 
es  gingk  in  alle  gorten  in  deme  brule,  unnd  gingk  vor  deme  nuwen 
thore  Ivnder  den  kaithusern  uff  deme  acker  allen  enden.  Dy  stad 
graben  dyc  worn  ouch  allen  enden  fol,  das  sy  über  Heften  in  "dy  feit 
vor  dorne  lower  thore,  vor  deme  smedesteten  thore,  vor  deme  krampfen 
thore  unnd  vor  sente  johans  thore,  gingk  das  wasser  über  al  uff  deme 
acker,  unnd  reiss  den  stad  graben  bye  der  karthuser  thorme  en  czwey 
unnd  war  ff  dy  hulczern  brücken  umme  hinder  den  karthusern  unnd 
iff  in  den  wilden  graben'1  biss  in  dye  wilden  gere  do  selbest,  unnd 
fürte  tele  tische  en  wegk,  unnd  gingk  oben  an  dye  lower  brocken,  das 
man  das  wasser  langeto  mit  der  hant  uff  der  heimelickeit4  do  selbest. 
Item  das  wasser  er  goss  sich  so  balde  unnd  dye  lute  hatten  sin  nicht 
in  achtunge,  also  das  sy  In  deme  biüle  gerne  gefloen  weren,  unnd 
konden  nicht  uss  kome.  Sy  stegen  uft*  dy  husere  unnd  uff  dye  boume, 
etliche  muste  man  mit  pferden  uss  fure.  Item  hinder  deme  nuwen 
weifke  uft  deme  borgkstege5,  do  konde  man  das  wasser  ouch  ge  lange 
mit  den  henden,  unnd  bedackte  das  geiynne5*  mittenander,  unnd  warft 
feie  husere  umme  unnd  fürte  sy  enwegk  unnd  fole  hussrotes,  unnd 
warft  feie  wende  nedder.  Do  worden  dy  kellore  folle  wassers  zu  den 
aö$  karthusern  unnd  in  deme  kloster  zu  sente  mertin,"  unnd  in  deme  |  spetal7 

*  HS:  pfondo. 

"  Mlul  virne  —  md  vonie  —  „alt."  '  Aufsteigen  ist  =  „teuer  werden".  s  Über 
das  epenthet.  d,  s.  8t.  3I?5  A.  2.  B  Nach  den  Regengüssen  am  Freitag  den  29. 
Juni  1 485  (Peter  und  Paul)  begann  es  wieder  am  Ii  Juli  heftig  zu  regnen. 

fctt.  1  Die  Überschrift  steht  unten  auf  pag.  252  der  HS.  *  Mhd  schuofe, 
sehof  md  schufle  —  „Schopfeimer".  3  Mit  dem  „wilden  Graben"  ist  wahr- 
scheinlich derjenige  Graben  der  i.J.  1429  angelegten  Befestigung  gemeint,  welcher 
sich  vom  Karthäuserufer  bis  zur  wilden  Gera  erstreckte.  4  Abtritt.  5  Später 
die  sogen.  ,,Vogelsbrücke",  überdachte  Fussgängerbrücke  über  die  „wilde  Gera" 
(s.  v.  Tettau  n.  a.  O.  S.  41),  Ende  des  Jahres  lSy 9  abgebrochen,  als  jener  Teil  der 
„wilden  Gera"  zugeschüttet  wurde.  fia  S.  unten  St.  347  A.  15.  n  Das  Jungfrauen - 
kloster  St.  Martini  extni  muros,  in  der  Brühlervorstadt  gelegen ,  s.  v.  Mülverstedt, 
Ilierog.  Erf.  a.a.O.  S.  261.  7  Die  „Klendenherberge"  (d.h.  der  Aussätzigen) 
oder  das  Hospital  im  Brühl,  s.  C.  Beyer  Zur  Geschichte  der  Hospitäler  und  des 
Armenweseu*  in  Erfurt,  MGE,  XJX,  1898,  S.  155  f. 


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33*.  Stück. 


437 


do  selbestj  unnd  uff  d  me  rossruaite,  unnd  gemeintlich  in  allen  kellern 
in  der  borger  hofe,  als  wid  als  dye  stad  es,  also  das  dy  vass  von  deu 
logern  Mffen  unnd  swummen  in  demo  wasser,  unnd  musten  dy  vas  zu 
spunde,  das  on  der  win  unnd  byer  nicht  uss  lifie,  unnd  hatten  grossse 
sorge  dar  zu.  Do  sich  das  wasser  wedder  satczte,  do  mosten  sy  das 
wasser  uss  den  kellern  trage,  unnd  dye  kellere  worden  sere  mad,*  das 
sy  dye  wine  vorkouffe  musten  widder  yren  willen.  Dy  dorlor  eilferss- 
gehofen5',  gisperssleuben  unnd  dye  andern  dorfter  an  der  gere,  dy 
swummen  in  dem  wasser,  als  eyn  and  uff  dorne  see.  Von  dorne  wasser 
wart  gesaget,  das  kein  mensche  lebete,  der  solch  gross  wasser  mee 
gedechte. 

Item  in  deme  selben  jare  1485  was  eyn  gross  krigk  cz wissen  demo  HS»"» 
bisschoffe  unnd  der  stad  hildenssheim,10  also  das  uff  beide  partie  gross 
volk  er  slagen  wart,  unnd  das  lant  vor  terbet  wart. 

Item,  als  oben  ge  schreben  steed,  1485  an  sente  walpurgen  tage  wy 
der  win  er  fross,  als  das  keyn  tropphe  wins  wart  das  jar,  unnd  was 
dar  noch  eyn  kalt  sommer  biss  hene  bartholomei,11  do  wart  es  sere  warm 
biss  hene  zu  unser  lieben  frowen  tagk 12  letczern  unnd  regente  sere  feie. 
Das  koin  ufi  deme  felde  unnd  gersten  unnd  haffer  wuchs  unglich, 
wann  es  gingk  nicht  glich  uft,  unnd  regente  nicht,  do  es  uff  gingk 
unnd  solde  an  dem  besten  wacbsse.  Unnd  worn  ouch  feie  müsse  uff 
deme  felde;  wo  eyn  mandel  garben  Jagk  lenger  waun  eyuo  nacht,  do 
bleib  kein  seil  gantcz  an. 


338.  Eclipsis  solis. 

Item  anno  domini  Xllli0  LXXXV1°  an  deine  sechsten  tage  des  i486 
merczen  dos  morgens  hora  quaita  eyn  halbe  stunde  laugk,  do  was 

"  Adjektiv,  von  madc  „Verwesungswurm"  abgeleitet,  „stinkend";  sonst  nicht 
nachweisbar.  "Ilversgehofen,  Dorf  unmittelbar  vor  Erfurt,  der  ältere  Name 
ist  Eylbrechtisgehoveu  (aus  Albnxjhtisgehoven),  s.  UEII,  1897,  .Register  8.  869. 
10  Wie  an  vicl<*n  Orten  in  drr  2.  Hälfte  dos  15.  Jahrb.  die  geistlichen  Landes- 
herren mit  ihren  Städten  wegen  freiheitlicher  Bestrebungen  derselben  in  Streit 
gerieten,  so  auch  der  Bischof  Berthold  II.  von  Landsberg  (1481 —  1503)  mit  seiner 
Stadt  Hildesheim  i.  J.  1483,  weil  dieselbe  eigenmächtig  iure  Festungswerke  nach 
W.  erweitert  hatte  und  eine  ihr  von  dem  Bischof  aufgelegte  Biersteuer  nicht  be- 
zahlen wollte,  überhaupt  ihm  das  Recht  eigenmächtiger  Besteuerung  absprach. 
Beide  Teile  hatten  Verbündete:  der  Bischof  mehrere  braunschweigisclie  Fürsten, 
die  Stadt  andere  Fürsten  und  Bischöfe,  besonders  aber  die  Städte  des  Hansa- 
bundes. Vergeblich  war  ein  Befehl  des  Kaisers,  die  Feindseligkeiten  einzustellen. 
Der  Krieg  bietet  ein  widerliches  Bild  beständigen  Kaubens  und  Brennens  dar. 
Am  29.  August  1486  schloss  der  Bischof  mit  den  kriegführenden  Fürsten,  am 
15. Dezember  1486  erst  mit  d<-n  Städten  Friede:  Die  Hildesheimer  retteten  ihre 
alten  Freiheiten  und  Gerechtigkeiten.  S.  die  gleichzeitige  Darstellung  in  Henning 
Brandis'  Diarium,  herausggb.  von  Häusehnanu,  189G,  8.  96;  ferner  Havemann, 
Gesch.  der  Lande  Braunschweig  uutl  Lüneburg,  I,  18(J3,  S.  729  f ,  Wachsmuth, 
Gesch.  von  Hildesheim,  1862,  S.  89  und  Bauer,  Gesch.  von  Hildesheim,  1892, 
S.  51.  11  Die  Kühle  des  Sommers  dauerte  vom  Beginn  des  Mais  bis  Ende  (24.) 
August  1485.      ,s  8.  September  1485. 


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•138 


339.  Stück. 


eclipsis  solis  en  wenigk;  dar  noch  an  sente  jorgen  abende1,  do  wart  es 
also  kalt,  das  es  gefross  czweyer  finger  dicke;  des  andern  tages,  do  fil 
oyn  gross  snohe,  der  lagk  eynen  tagk,  do  worn  dy  win berge  dy  heifite 
wol  geboygetla,  unnd  dye  reben  worn  er  koilen lb,  also  das  weningk  wins 
wart,  unnd  frisch,2  wanne  es  was  ouch  eyn  kalt  sommer,  das  er  nicht 
konde  riff  werde. 

Item  in  demo  selben  jare  ouch  an  sente  jorgen  abende,  do  wart 
eyner  zu  walssleuben3  met  czwen  kuwen  gebrant,  do  her  unczemeliche 
wergk  hatte  mitte  geubet  unnd  vor  bracht. 

Item  in  deme  selben  jare  am  mittewochen  vor  pfingesten4  do  wart 
uff  gesatczt  das  grosse  cruczefix  zu  unser  lieben  frowen  vor  deme  koro 
zu  erßort. 

Itom  in  deme  selben  jare  1486  umme  sente  jacoffs  tage5,  do  wart 
gemacht  dy  torm  spitcze  zu  sente  mertin  w  vor  der  langen  stoge.7 


839.  Eclipsis  lune. 

14*7  Item  anno  domini  M°  CCCC0  LXXXVII0  octavo  die  mensis  februarii 
an  sente  apollonicu  abende1,  do  vorloss  der  monde  synen  schin  mitt- 
enander unde  was  gestalt  als  eyn  brun  tuch  unnd  stunt  also  von  der 
SM  Vierden  stunde  biss  an  die  funfiten  |  stunde  des  morgens;  unnd  der 
monde  was  fol.  In  deme  selben  jare  an  sente  gregorien  tage,*  do  was 
eyn  gross  für  zu  stad  molhusen,  also  das  schere  dye  heifite  der  stad 
uss  brante,  unnd  wart  an  geleyd. 

Item  an  sente  Valentins  tage  an  biss  uff  sente  gerdruden3  tagk,  do 
wart  es  sere  warm,  das  dy  lute  meynten,  wan  dy  czit  unnd  das  wetter 
were  vor  sich  gegangen,  es  were  eyn  kostlich  jar  worden,  fruchte 
halben,  unnd  dy  winberge  worn  dye  nieremenge  vorsneten,  do  wart  es 
wedder  kalt  unnd  snigete,  also  das  der  stad  grabe  gefross  mit  isse 
spanne  dicke,  unnd  glad  iste,4  do  er  fron  dye  boyge5  reben  dye  mere- 
menge,  das  sy  nicht  loub  noch  win  brochten,  unnd  wart  wenigk  wins. 
Dar  noch  wart  wedder  gud  wetter,  also  hene  nicht  zu  warm,  feie  winde 
unnd  regen,  das  vor  hinderte  feie  arbeit.   Walpurgis  was  das  holcz 

338.  1  Sonnabend  d.  22.  April  1486.  "  S.  u.  St.  339  A.  5  u.  St.  361  A.  26. 
th  S.  u.  St.  343  A.  1.  *  Mhd  vrieaon,  bIv.,  •=  md  frischen,  intrans.,  „frieren" 
(ob.  St.  330  erfross  —  „erfror*').  3  Walschleben,  preuss.  Marktflecken,  im 
Landkreise  Erfurt  Kulturgeschichtlich  richtig  ist,  dass  Sodomiterei,  wie  sie  hier 
erwähnt  ist,  mit  dem  Feuertode  bestraft  wurde,  auch  die  Objekte  mitverbrannt 
wurden.  4  10.  Mai  1486.  5  Dienstag  d.  25  Juli  i486.  0  Die  Kirche  St. 
Martini  intra,  ursprünglich  auf  dem  Fiscnmarkt,  dann  am  „langen  Stege"  (s.  d. 
folg  A.)  d.h  an  der  Schlösserbrücke,  wurde  erst  1736  durch  einen  Brand  zerstört 
und  dann  abgetragen  (a.  v.  Tettau  a.  a.  O.  S.  111  f.)  T  Jetzige  Schlosserbrücke, 
s.  v.  Tettau  a.  a.  O.  S.  53 

1  Donnerstag  d.  8.  Februar  1487.  *  Montag  d.  12.  März  1487.  '  Von 
Mittwoch  d.  14.  Febr  bis  Sonnabend  d.  17  März  1487.  *  Mundartlich  gladbrn; 
noch  heute  in  Erfurt:  „es  glatt  eist."  ''  Mundartlich  für  „gebogen";  über  den 
Kuri.-itautfdruck  b.  Weinbau  s.  u.  St.  :561  A.  26.  Uber  den  Weinbau  bei  Erfurt, 
k  K  Herrnmun,  Einige  Nachrichten  über  den  Erfurter  Weinbau,  MOE,  VII, 
S  79-85,  Nachtrag  von  Weissenborn,  ebenda  S.  101-102. 


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340.  Stück. 


439 


kunie  geledes  langk,  das  selbe,  das  do  grüne  bleib;  do  wart  eynem  mee 
wins  danne  deine  andern,  unnd  wart  frisch,  her  bluete  ouch  dye  meer- 
menge vor  sente  johans  tage;  es  regente  ouch  unimer  dar,  das  man 
nicht  konde  wol  gehacko  nochgerure;  also  wart  sur  win  nnnd  weningk. 

Item  in  deine  selben  jare  1487  in  der  cruczewochen,"  do  wart  uft*  1W* 
gesatezt  dye  tonn  spitcze  zu  allen  heiigen7  zu  erffort.  | 

Item  anno  domini  M°  CCCC0  LXXXVII0  an  des  heiigen  crucis  tage  >  mh7 
in  deme  horbest,8  welch  win  in  der  fasten  nit  erfron  worden,  dye  er 
fron  uft  dissen  tagk  alle  mittenander;  dar  noch  wart  es  wedder  gut 
warm  werter,  unnd  den  ganczen  winter  uss,  also  das  nye  kein  gross 
frost  was  noch  snee,  stete  lutter  gut  warm  wetter,  biss  hene  elisabeth;9 
dar  noch  wart  es  etlichor  mosse  kalt,  nit  feie. 


340.  Wye  eyii  prister  er  slagen  wart 

Item  anno  domini  1488  am  dinstage  vor  sente  bastians  tage1  in  MM 
deme  dorffe  lengefelt*  wart  eyn  from  prister  er  slagen,  das  er  nit  vor 
schult  hatte.  Do  wart  der  ban  in  gelutet  zu  erftort  über  dy  gancze 
j>robistie  unser  lieben  frowen3  do  selbest,  unnd  dye  hern  zu  sente  Sever 
sungen  dry  tage  lenger;  do  swegen  sy  ouch,  unnd  an  sente  severs 
tage,4  der  do  wert  vor  unser  lieben  frowen  tage  lochte  wee,  sungen  sy 
ouch  nicht,  unnd  ufi  unser  lieben  frowen  tagk  lechteweho  sangk  man 
ouch  nicht,  als  wid  als  erffort  unnd  dy  gancze  probistie;  dy  lichte  uff 
unser  lieben  frowen  tagk  worden  heymelichen  ge  wyeth  mit  beslosson 
toren;  do  wart  ouch  kein  glocke  ge  luteth,  dy  lutlie  worn  ouch  nicht 
gegen  wertigk  in  den  korn,  do  man  dy  lechte  wehete,  sundern  do  sy 
gewehet  worn,  do  sloss  man  utf  unnd  liss  eyn  iglich  mensche  syn 
lecht  wedder  neme;  zu  der  prediate5  luthe  man  alleyne,  unnd  des 
morgens  unnd  des  abendes  warth  geluth  das  ave  mariafi  unnd  nicht 
ineer,  unde  stunt  dry  wochen.  | 


•  Die  Kreuzwoch«!  begann  mit  dem  Sonntag  Vocem  iucunditatis  d  i.  Rogate. 
also  i.J.  1487  mit  dem  20.  Mai.  7  Die  noch  jrtzt  vorhandene  „Allerheiligen- 
kirehe"  an  der  Mnrkt-  und  Allerheiligenstrassenecke.  "  Krcuzcrhöhuiig, 
Freitag  d.  14.  Septbr.  1487       ■  Montag  d.  19  Novbr.  1487. 

340.  1  15.  Januar  1488.  1  Es  muss  unter  den  vielen  Lengefelds  hier  da« 
sachsen-weimarische  Dorf  (Verwaltungsbezirk  Weimar)  gemeint  «ein,  da  dieses 
im  Arehidiakonatsbezirk  der  Probstei  Beatae  Mariae  Virgini*  lag,  Parochie  Weüuar; 
s.  Würdtwein,  Thuringia  et  Eichsfeldia  in  arehidiaconatus  distincta,  1790,  pag.  102. 
3  Das  Interdikt  wurde  über  deu  ganzen  Arehidiakonatsbezirk  (».  Würdtwein 
a.a.O.  pag.  61— 107)  verhängt.  1  Freitag  den  1.  Februar  1488,  Tag  vor  Maria* 
Liehtmess.  5  „prediate"  —  „predigate"  (s.  St  257  A.  1)  „Predigt,  Predigt- 
gnttesdienst".  a  Jetzt  in  Erfurt  das  Angelus  -  Lauten  (von  den  Anfangsworten 
des  Gebetes:  Angelus  dei  nuntiavit  Mariae)  genannt,  am  Morgen  (.Mittag)  und 
Abend ,  wobei  das  Gebet :  Ave  Maria  stets  am  Schlüsse  gesprochen  wird ;  daher 
jene  obige  Bezeichnung  Stolles. 


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440 


341.  Stück. 


I 


*e«        341.  Von  eyneni  gülden  roinesschcii  jare.1 

14**  Item  anuodomini  Xilir  LXXXYJl!«  noch  niittofasten-, do  quam  eyn 
legate  kein  ei  If ort,  gesant  von  deme  bobiste  zu  rome  innoeencio  Vlll"3, 
der  bcstalte  eyn  grossse  proeessien  zu  geheue  au  des  heiigen  blutes 
tage,1  der  do  ist  an  deme  noch  tage  unser  lieben  frowen  tage  ;n  der 
tasten.  Do  gingen  dy  hei.i  zu  sente  sever  ouch  mit,  wind  der  legate 
'•ss  do  grosser  mechtigor  brMen  ezwo  trage  in  der  proeessien.  Das 
habe  ich  geseen,  ieli  gingk  ouch  mit  ;n  der  proeessien,  wind  der 
probist  unnd  techant  von  unser  '»eben  i'rowen,  dy  trugen  dy  ezwo 
bu'len;  do  was  der  legate  ouch  gegen  wertigk,  unnd  gross  folk ;  do  warn 
gosutezt  XXV  piister,  dy  hatten  a)le  wisse  stebicheu,  uff  dye  romissche 
wisse;  das  warn  aMo  bichte  veter  geistlichen  unnd  wertlichen,  dy  gingen 
olle  mit  in  der  proeessien,  unnd  der  legate  geboth,  das  man  eyn  gross 
rod  ciuce  satezte  mitten  »n  dy  k'rehen  unser  ''eben  frowen  mit  czwen 
banir,  do  stnnt  des  bobistes  wopen  an,  unnd  worn  rod,  uund  eyne 
grossen  iseFne  kisten  da  bye,  urnd  der  selbige  legate  hatte  solche 
grossse  macht  unnd  gowalt  ablas  zu  geben,  unnd  satezte  do  das  guldeo 
jar  in  aüer  forme,  als  eyn  mensche  were  zu  rome  in  deme  gülden 
jare,  unnd  wer  do  s\ne  bichte  thete,  der  solde  teilhaftigk  werde  des 
gülden  jars,  als  her  zu  rome  were,  wind  enpinde  von  pine  unnd  von 
schult,  von  allen  s^aen  suuden,  wyc  gross  dy  weren;  des  ablas  gliche 
v  ist  noch  nye  ]  zu  erfforte  gewest,  unnd  eyn  ig'»ch  bichte  kint  gab  in 
den  kästen  noch  svnem  vor  mögen;  man  gab  ouch  vor  dy  vorstorben 
menschen  «n  den  kästen;  das  solde  on  ouch  zu  holffe  kome.  Item 
her  Mss  ouch  bichte  breffe  gebe;  von  ejaem  menschen  gab  man  VII 
nuwe  groseh en;  do  was  solch  gross  bichten  von  den  luten,  unnd  dy 
dy  breffe  nomen,  das  es  nicht  zu  sagen  steed.  Dye  breffe  worn  von 
solcher  ge  wall,  das  man  den  menschen  solde  en  pinde  von  allen  synen 
sunden,  als  dicke  ome  noyd  were,  uss  geslossen  dy  kein  rome  gehorn; 
unnd  am  tod  bette  solde  nnm  den  menschen  en  pinde  von  pine  unnd 
von  schult,  unnd  querae  der  mensche  des  legers  uff,  so  solde  her  doch 
nicht  beroubet  syn  syner  gnade  als  vor,  unnd  als  dicko  dos  noyd 
geschee;  ouch  solde  eyn  iglich  mensche,  das  do  syne  bichte  gethoo 

JIM.  1  Eiu  goldenes  oder  Jubeljahr  ist  ein  Jahr,  iu  welchem  diejenigen,  die 
in  Rom  die  Kirehen  der  Apostel  Petrus  und  Paulus  „unter  wahrer  Reue  und 
hn-sfertigein  Bekenntnisse  ihrer  Sunden''  beziehen  würden  (die  Römer  30,  die 
Fremden  15  Tage  i,  den  vollkommensten  AMass  ihrer  Sünden  (Nachlas«  aller 
zeit  liehen  Sündeiist  raten  1  erhallen  sollten,  nach  der  Rulle  des  Papstes  Ronifiiz  VIII. 
Antiqiif irtim  habet  v.  J.  1300  für  alle  100  Jahre  eingeführt,  durch  die  Rulle  de» 
Papstes  Clemens  VI.  Unitrenitus  Dei  filius  i.J.  134'J  für  alle  50  Jahre  angeordnet, 
durch  Papst  Urban  VI.  i.  J.  13sy  für  alle  :W  Jahre,  endlieh  durch  Papst  Paul  II. 
i.J.  1470  hir  alle  'lh  Jahre  festgesetzt;  auch  wurde  dieses  später  noch  auf  andere 
Oite  als  Rom  ausgedehnt.  I>er  Regat.  welcher  den  Ablass  nach  Erfurt  brachte, 
war  der  Kardinal  Raymond  is.  u.  St.  '.YM  A.  1).  nach  Nicolaus  v.  Siegen,  chronic, 
i  ei  I.  p:tLr.  171>:  „doetor  eximius ,  archidiaeonus  Ahnsieusis ,  sedis  apostolieac 
l»n>tii.»i)i'tiii ins."    Weder  Stolle  noch  Nicolaus  v.  Siegen  sind  hierüber  erfreut. 

12.  März  Mss.       :  Inuoceuz  VIII.  regierte  von  14*4—1492.       4  Montag  den 
•J4.  Marz  M>S. 


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j 


842.  Stück. 


441 


hatto  unnd  syn  oppfer  do  gegeben  heüe,  der  solde  ouch  teilhafftigk 
werde  alle  der  guten  wergk,  dy  do  ge  schegen,  als  wid  als  dye  hei  Ige 
ciistenheit  were;  unnd  ouch  vor  dy  vor  stürben  menschen,  wer  vor 
die  sv n  oppfer  tete,  dy  solden  des  ablas  ouch  teilhafftigk  werde;  des 
glichen  was  nye  inee  gehört  von  den  luton,  unnd  anderer  feie  artikel, 
dye  hy  nicht  vor  czeichent  steen.  Item  her  hatte  ouch  ge  ordent  VII 
houbt  kerchen,5  das  was  unser  liebe  frowe  eyn,  sente  sever,  sente  peter, 
zu  |  den  predigern,  zu  den  barbessen,  zu  kouffmanskerehen,  unnd  zu  »5»; 
deme  nuwen  wercke;  item  wer  dy  Vli  kerchen  nicht  gegen  konde,  den 
ordinert  her  VJl  alter"  in  der  kerchon  zu  unser  ,;ebon  froweu.  Unnd 

■ 

eyn  mensche,  das  dy  VII  kerchen  ginge  adder  dy  Vil  alter,  das  solde 
in  igücher  kerchen  adder  alter  j  II  pater  noster  spreche,  das  erste  pater 
noster  vor  den  bobist,  das  ander  vor  dy  heiigen  kerchon,  das  dritte  vor 
einigunge  alle  christlicher  forsten.  Item  do  was  ouch  ge  ordineit  alle 
tage  eyne  prodiate  zu  thune  von  deme  ablas  zu  unser  Heben  frowen 
von  grossen  gelerten  doctoribus,  geistlichen  unnd  wörtlichen,  frue  under 
der  pfarre  messe7;  unnd  dy  bicht  veter  dy  sossen  bichte  von  deme 
morgen  an  biss  in  dy  nacht,  unnd  worden  des  bichte  horn  unnd  alle 
tage  zu  predigeno  schere  gancz  mude.  Das  selbige  ablas  stunt  funff 
gantcze  wochen  zu  erffbit;  do  quam  mechtigk  gross  gelt  en  wegk  uss 
deme  lande.  Zu  hant  dar  noch  do  steigk  der  gulde  uff,  das  her  XXVI 
nuwe  grosschen  galt,  unnd  galt  vor  hen  nicht  ger*H  fuufttehalben  unnd 
czwenczigk.  Item  das  selbige  ablas  was  ouch  in  andern  landen  unnd 
steten  über  al. 

Item  1488  an  sente  baitholomeus  tage,9  des  abendes  do  es  nfine  l+ss 
slugk  in  der  nacht,  do  fi!  das  für  uss  den  wölken  in  eynem  donner 
slagk  |  unnd  fil  zu  eiöort  by  deme  grossen  spetal10  an  deme  graben  v 
nidder  unnd  vorbrante  diy  schonen  mit  how,  stro  unnd  korns  unnd 
regente  also  sere  mechtigk,  noch  kondes  das  für  nicht  gelessche,  biss 
das  es  nicht  meer  zu  vorbornen  hatte,  unnd  brantes  aller  dinge  iu  den 
grünt;  es  konde  ouch  nymant  gelesche.  ^ 

342.  Eelipais  solis. 

Item  anno  domini  1488  am  muwochen  vor  viti \  do  vorloss  dye 
sonne  oren  sch;n,  gar  weningk;  do  wart  gantcz  eyn  unfruchtbar  jar.  1488 
In  demo  merezen  wart  es  en  weningk  warm,  das  man  meynte,  es 

•  H8:  gorfunfflehalben. 

Ä  .Sie  existieren  mit  Ausnahme  der  Petersklosterkirche  noch  in  Erfurt,  ka- 
tholisch od.  evangelisch :  1.  Dom  (k.),  2.  St.  Scver  (k.),  3.  Peterskirchc,  4.  Predigel- 
kirche (cv.) ,  5.  Unrfüsscrkirehe  (ev.),  6.  Kaufnianuskirche  (ev.)  und  7.  Neuwerks- 
kirche (k.).  h  Er  bestimmte  7  Altäre  im  Dome  dazu.  7  Piarrinesse  ist  die 
Messe,  welche  der  Pfarrer  (parochus)  selbst  liest.  *  v8,'r<>»  md.  adv.  —  „gar' 
(der  Umlaut  findet  sieh  auch  im  Mhd),  hervurhel>end,  aber  in  abschwächender 
Bedeutung,  also:  „nicht  gar*'  —  „nicht  ganz,  etwa'- ;  s.  Grimm,  D.W.  IV,  1,  S. 
1319  Ii*.  u  Sonntag  d.  24.  Aug.  1488  ,u  Das  grosse  Hospital  vordem  Kräinpfer- 
thore,  s.  C.  Ueyer  l.  d.  St.  387  A.  7  angeführten  Aufsätze  S.  139 ff. 

342.  «11.  Juni  1488. 


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442  343.  Stuck. 

wolde  den  sommer  were:  also  stunt  das  guthe  werter  kume  bye  XI11I 
tagen,  du  wart  es  wedder  kalt  unnd  werte  den  ganezen  sommer.  Unime 
sente  vits  tage,  do  gefross  es  noch  iss,  unnd  was  ummerdar  kalt,  winde 
unnd  regen  biss  hene  barthulouiei,  also  das  feie  luthe  jouebanti  in 
heisten,  dy  do  kleine  kindore  hatten.  Do  stunt  weningk  wins  an  den 
stocken  frostes  halben,  der  do  quam.  Do  der  win  uss  gingk,  unnd 
umme  unser  lieben  frowen  tagk  letczern,3  do  worn  dy  win  drüben 
noch  gancz  hart;  dar  noch  was  Ummer  kalt,  also  das  der  win  nicht 
konde  riff  werde;  dy  lute  lissen  on  also  lange  steen,  alsy  konden,  biss 
hene  zu  sente  mertins  tage;  noch  was  her  nicht  sere  weich.  An  sente 
mertins  abende,  do  quam  eyn  frost  also  gross,  das  es  schere  eile  tiffin 
dy  erden  gefross;  do  gefross  der  win  an  den  stocken  unnd  stunt  by 
257  Xllll  tagen,  ir  es  wedder  uff  towete.  |  In  des  lossen  dy  lute  den  selbigen 
betrubeten1  win  abe;  den  konde  nymant  zu  trete,5  sy  trugen  in  dy 
dornczon6  in  dy  kellere,  wo  sy  konden;  der  wart  also  suer,  das  in 
nymant  trincke  wolde,  unnd  lagk  vier  adder  funff  wochen  in  den 
fassen,  ir  her  jere  wolde;  umme  sente  thomas  tage7,  do  jar  etlicher 
noch,  etlicher  wolde  ouch  nicht  jere,  der  wart  swarcz,  als  eyn  schlich; 
unnd  wer  den  selbigen  win  in  syne  essige  goss,  dy  vortorben  allcr- 
dinge,  als  wid  als  land  zu  doringen  was.  Item  do  es  wedder  uff 
towete  en  weningk,  do  dacten  etliche  ore  winberge,  etliche  lissen  ire 
berge  ungedackt,  dy  erfron  gancz  zu  gründe,  das  man  dy  muste  uff 
deme  stocke  abe  snite. 


343.  Kclipsis  lune. 

148»  Anno  domini  M" CCCC0  LXXXIX",  do  vor  loss  der  moude  synen 

schin  en  weuigk;  das  selbige  jar  was  ouch  sere  unfruchtbar;  in  deine 
merczen  was  es  ouch  etlicher  müsse  gut  wetere  zu  der  erbeit  uff  deme 
fehle;  das  win  holcz  was  das  andere  jar  sere  erkollen,1  also  das  feie 
holcz  ussso  bleib  unnd  nicht  fruchte  brochte.  Do  er  .am  besten  blute, 
do  quam  eyn  kalt  regen,  der  werte  also  lange,  das  her  reine  vor  blüt 
hatte.  Do  fil  das  selbige  feie  abe,  unnd  wart  weningk,  unnd  was  ouch 
ummer  dar  feie  regens,  winde  unnd  kalt,  das  dy  lute  ummer  dar 

2  Mundartlich  für  mhd  inhant  =  „hie  und  da,  zuweilen"  (».ander«:  St  250 
A.  1  u.  St  298  A.  2»,  s.  H.  Rackert,  lieben  de*  heil  Ludwig,  S.  121.  a  8.  Sep- 
tember 14S8.  1  Mhd  betrüeben  =  md  betrüben  =-  „trübe  machen,  schwarz 
machen",  Iiier:  die  vom  Froste  schwarz  gewordenen  Trauben.  &  „zutreten" 
„zertreten"  —  „zerstampfen",  vgl.  „trote,  trotte4'  —  „die  W  einpresse,  die 
Kelt«  r".  in  Tiefthal  (preuss.  Dorf*  im  Landkreise  Erfurt,  wo  noch  jetzt  allein 
Weinbau  getrieben  wird)  wurde  der  Wein  früher  in  hohen  Trettrögen  von  Ar- 
beitern, welche  Holzschuhe  anhatten,  getreten,  (hierfür  sind  jetzt  sogen.  „Wein- 
mühlen" vorhanden),  dann  auf  die  Trester  3  Tage  gelegt  und  endlich  gekeltert. 
"  Mhd  dürnitze.  wtswf.,  mundartlich  dorneze,  „Badestube",  hier  „Speisestulte, 
Hofstulie".  überhaupt  jede  heizbare  Stube.  Im  folgenden  oft  erwähnt  7  Sonn- 
tag den  21.  Dezember  148*. 

'MÜ.  1  Das  Participium  „erkollen"  setzt  ein  Verb  um  „erkcllen"  voraus,  mund- 


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344.  Stück.  443 

gingen  in  rochen2  kleydern  biss  hene  uff  sente  bartholomeus  abent. 
Do  wart  os  also  warm,  unnd  dy  sonne  sehein  also  heiss,  das  nymant 
schere  blyben  konde  vor  hiteze,  unnd  stunt  also  lange  bis  hene  XII II 
tage  noch  s.  michaelis  tage,  unnd  wart  gud  win,  also  das  eyn  fertel 
galt  X  phenge.  | 

Item  das  selbige  jar  gered  das  korn  wol,  dy  gerste  dünne,  der  r 
haffer  oueh  wol,  feie  nippen,  also  das  keyn  apphel,  bern,  ptlumen  adder 
spillingo3  worden  umrae  erffort. 


344.  EcHpsia  lune. 

Anno  domini  M°CCCC°XC°  do  was  eyn  heiss  unnd  trucken  sonimer,  1490 
do  dy  fruchte,  korn,  gersteu,  haffer  etc.  unnd  win  an  domo  besten 
wachsse  solden,  do  was  es  also  heiss  von  der  sonnen,  das  dy  luthe  vor 
hiteze  nicht  wol  künden  uff  denie  felde  blibe.  Umme  sanete  bartholo- 
meus tagk,  do  wart  es  wedder  kalt  unnd  stunt  den  ganezen  herbest; 
zu  haut  noch  sanete  michaelis  tag,  do  quam  eyn  frost,  also  das  man 
den  win  muste  in  lessen;  her  hotte  wol  lenger  gestanden,  es  konde 
nicht  gesin,  unnd  der  win  wart  gut  unnd  feie,  unnd  der  gaueze  winter 
wass  gancz  trocken,  es  regente  nicht,  es  fil  oueh  keyn  snehe,  unnd  dy 
wassere  worn  sere  kleine;  wan  es  nette  hart  gefron,  so  weren  dy 
mullen  alle  zugefrorn,  des  was  nicht;  dy  lute  vor  den  weldon  sprochon, 
sy  hetten  keyn  wasser,  also  das  an  feie  enden  grosse  noyd  was  wassers 
halben,  unnd  stunt  also  an,  das  es  nicht  regente,  von  margarethe  an 
biss  hone  an  sente  tliomas  tage,1  do  fil  eyn  suche.  Item  am  sonabende 
vor  andree  fru,2  als  sechsse  slugk,  biss  das  es  seben  slugk,  do  vor  loss 
der  moudo  synen  schin,  gantcz  geel,  dor  noch  brun,  dor  noch  gancz 
swarcz,  do  wart  es  gancz  finster.  Item  etlicli  korn,  das  do  langsam 
ge  sewet  was,  das  konde  nicht  uff  ge  gee  unnd  lagk  in  der  erden  unnd 
vor  tommete,3  unnd  dy  müsse  unnd  dy  raben  unnd  andere  teer  frosssen 
das.  Umme  sente  tliomas  tagk  do  ge  |  fil  eyn  snehe,  der  lag  biss  zu 
deme  nuwen  jare,  unnd  in  der  czid  froin  alle  wassere  unnd  mullen 
zu,  das  man  nicht  ge  malen  konde,  unnd  stunt  nicht  lengor  dann  zu 
deme  nuvvon  jare,  do  vor  gingk  dor  snehe,  unnd  regente  do  widder, 
also  das  wedder  wasser  wart.  Item  in  deme  selben  winter  gefrorn  dy 
wasser  mit  isse,  das  man  lange  nicht  gemale  konde;  man  konde  kein 
beer  noch  covent*  gebrue.  Der  rath  zu  erffort  liss  brod  backe,  eyn 
brod  umme  II  pfenge,  das  was  grop  brud.    By  XV  menschen  storbeu 

artlich  für  „erkelten"  =  ,,kalt  machen",  i.  Pasxiv  „erfrieren".  -  „ruch",  Adj., 
=  „rauh,  haarig*',  also  „ruche  kleyder"  =--  „Pelzkleider".  3  ..spiUinc"  („spin- 
linc.  spenelinc")  =  „Spilling",  „die  Frucht  des  gemeinen  Pflaumenbaums",  so 
noch  mundartlich,  s.  Hertel,  Thüriug.  Sprachschatz,  S.  231  u.  M.  Schul t/,e,  Idiotikon 
d.  nordthiir.  Mundart,  S.  44. 

$44.  1  Vom  13.  Juli  bis  21.  Dezember,  also  mehr  al*  5  Monate  regnete  e« 
i.  J.  1490  nicht.  *  27.  November  1490.  :'  Mhd  „vertummen"  =  md  „vortouuien"  — 
„dumpf  werden,  verderben".     *  „covent"  aus  „convent",  geistliche  Hrüdcrsehaft, 


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444 


345.  Stück. 


uff  der  Strasse,  uff  dorne  felde  von  kulde  halben;*  feie  luthe  logen  in 
den  dornczen5  mit  den  kinderu,  dy  sich  nicht  er  wernie  kouden.  Es 
quam  holcz  gnugk  zu  marte,  wer  es  beczale  konde,  wann  es  was  gancz 
trnckon  unnd  dorre  uff  deine  felde;  man  konde  ouch  in  der  stad  erflortb 
in  felo  gassen  nicht  ge  faro  mit  den  wagen  vor  denie  grossson  unnd 
dicken  isse,  das  danne  me  danne  eile  laugk  dicke  was.  Wer  do  holcz 
koufte,  der  muste  das  heym  trage  adder  sleiffe;  dy  wasser  worn  in 
den  gassen  zu  gründe  gefroin.  Es  musten  ouch  alle  nacht  11  manne 
wachen  mit  den  wechtern  in  allen  pfarren  umme  fures  willen,  unnd 
ouch  uff  den  tormen;  das  fulloch"  gingk  kleine,  das  man  das  kume  ge 
scheppfe  konde.  Dy  borner  in  der  stad  hatten  weningk  wasser;  wann 
dy  eyuier  in  das  wasser  gingen,  so  nuten  sy  den  grünt  Do  der  snehe 
▼  gefil,  do  kochten  dy  luthe  mit  |  snohe.  In  feie  doiffern  hatten  dy 
boruer  koyn  wasser,  dy  lüden  grosso  noyd  unnd  mosten  bornquelle 
suchen,  wo  sy  konden.  Uff  den  weiden  was  mechtigk  gross  sneha 
An  unser  lieben  frowen  abende  lichte  wehe,  do  brach  das  wetter  unnd 
towete  weddor,  unnd  wart  gross  wasser  undc  süss  umme  den  stegk  by 
deme  grossen  spetal,7  unnd  den  stegk  uff  deine  ungehurn  grissse* 
unnd  zu  brach  das  weher  under  sente  coliax  berge,  also  das  wasser 
dy  meer  mengo  liff  in  dy  wilden  gero  umme  dy  stad  hen,  es  zu  stiss 
ouch  den  borgk  stegk9  unnd  thet  feie  schaden.  Keyn  mensche,  das  zu 
der  czid  lebete,  gedochte  nicht  solches  kalden  winters,  als  der  was; 
vierezen  jar  da  vor  was  ouch  eyn  kalder  winter,  als  oben  vor  czoichent 
steet,  adder  er  was  dissom  winter  nicht  glich.  Do  es  noch  ostern 
quam,  do  sterben  feie  luthe;  sy  meynten,  die  luthe  wem  also  er  frorn, 
das  funde  sich  nu  al  erst  Item  an  sente  Valentin  tage,10  do  wart  es 
widdor  kalt  unnd  stunt  XVI  tage.  Item  am  andern  sontage  in  der 
fasten,"  do  fil  eyn  snohe  olle  dicke  unnd  lagk  kume  achte  tage;  dor 
noch  wart  es  gud  wetter  etc. 


345.  Eclipsis  solis. 

14<U        Anno  domiui  M"CCCC°  LXXXXI0  am  sontage  vor  der  crueze  wochen, 
das  was  der  dritte  tagk  noch  sente  johans  tagk  ante  portani  latinam,1 

»  HM:  haben.       b  HM:  erffur. 

< 

d.  h.  da»  Bier  fiir  sie,  das  Kloaterbier,  da»  dünne  oder  Naehbier;  so  noch  jetzt 
volkstümlich:  kowweut  bei  M.  Schnitze,  Idiotikon  der  nordthür.  Mundart  S.  36  u. 
köfe,  kut'cnd,  kowt-nd  u.  ä.  bei  Hertel,  Thür.  Sprachschatz,  8.144.  5  S.  8t.  342 
A.  «.  ,;  S.  St.  222  A.  9.  7  S.  ob.  St.  341  A.  9:  jetzt  der  Hospitalsteg  über  die 
wilde  Gera.  "  „ungeheuer'  heisst  in  der  Erfurter  Mundart  „gross,  lang"; 
„grbs-'  — =  „Gekröse"  (Ansammlung  vou  Kies;  daher  der  Name:  Crislache 
Kirsehlache,  jetzt  Hirscblache,  ».  Kirehboff,  Dir  ältesten  Webtümer  Erfurts,  S.  92 
A.  230).  Das  „ungebeure  Gekröar''  lag  da,  wo  die  Gera  in  die  Stadt  einfloss, 
bei  der  Kartliäusermühle,  später:  Ungeheure  Kricsgassc,  jetzt  Lubenstras*e, 
s.  Brandis  :t.  a.  O.  I  S.U.  Das  „Wehr"  ist  das  sogenannte  Paph-rwehr  an  der 
Steiiibnicksinnel.  'J  S.  St.  337  A.  5.  10  Sonntag  den  14.  Februar  1490. 
11  7.  März  1490. 

;)!.">.  1  8.  Mai  1491.    Der  sente  Johans  tagk  ante  portam  latinam  (von  der 


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345.  Stuck. 


445 


noch  mittage  czwisschen  II  nnnd  III  vor  loss  dy  sonne  oron  schin  das 
dritte  teil,  unnd  in  aller  forme,  als  vor  sechs  jarn  hir  vor  geschreben 
steet,  also  was  es  hie  ouch.  |  Unnd  an  sente  walpurgis  tage  fru,  do  er  m 
fro8s  der  win,  was  er  uss  wass,  nnnd  den  andern  tagk  dar  noch,  unnd 
an  des  heiigen  cruczes2  tage,  do  quam  oyn  grosser  frost,  also  das  nicht 
feie  bleib,  das  was  das  beste;  der  wyn  was  noch  nicht  geledes  langk 
er  uss;  es  was  ouch  ummer  kalt,  wyndicht  unnd  regen  unnd  slossen, 
das  man  ummer  dar  moste  in  heisse,  zu  pfingesten,  zu  dorne  ablas,!t 
zu  sente  bonifacius  tage.1 

Item  an  deme  ablas  montage6  noch  mittage  do  hingk  sich  selber 
eyner  richer  burger  zu  erffort  in  der  nuwenstad  zu  deme  swarczen 
am,;  gesessen,  den  sleiffre  man  uff  dy  mittewochen  dar  noch  noch 
mittage  unnd  vor  brante  den  zu  pulver,  unnd  zu  der  czid  galt  eyn 
malder  rocken  vier  schogk,  geraanckorn  V  schock,  das  beste  korn  sechs 
schogk,  eyn  gulde  galt  XXVI  1.1  nuwe  groschen,  eyn  viertel  wins  das 
kleine  moss  das  galt  fünft  pfenge.  Item  zu  hant  noch  sente  bonifacies 
tage  begunde  es  etlicher  mossse  warm  zu  werden,  adder  feie  starke 
kalde  wynde.  Item  an  sente  vites  tage7  hub  es  an  warm  zu  werden 
unnd  gantcz  heiss,  das  man  kume  vor  hitcze  blibe  konde,  unnd  weret 
bis  hene  petii  unde  pauli.  Item  in  deme  selbigen  sommer  forte  man 
also  feie  korns  uss  der  stad  eitfbrt,  das  nymant  gegloube  kan,  als  man 
sagete,  tegeüch  XL  adder  ftinttczigk  wagen  unnd  karren,  in  hessen, 
francken,  an  iin,  in  hollant  unnd  probant*  es  was  in  allen  landen 
ture  das  brod.  Item  man  boch  ouch  zu  eiffort  nicht  meer  danne  II,1, 
pfunt  uff  eyn  groschen  brod;  das  machte  |  das  mal  gelt,  das  dy  bocken  v 
gehen  musten  uff  das  rad  huss  zu  erffort,  von  eynem  malder  korns 
XVI  gr.,  von  geraten  VIII  gr.  Item  der  rad  hatte  der  pfaffheit  ouch 
gerne  erloubet  oren  win  zu  schencken  das  kleine  moss;  adder  der 
bisschoff  zu  mentcz  wolde,  das  sy  das  aide  moss  gebe  solden;  also 
stunt  das  an,  das  die  pfatt'heit  nicht  schenckte  oyn  gantcz  jar  unnd 
XIX  wochen;  do  '»sssen  dy  von  erffort  das  aide  win  moss  wedder  kome. 

Item  in  deme  selbigen  jnre  an  demo  montage  vor  sente  johans 
tage  baptiste,  do  brante  gantcz  unnd  gar  uss  das  stetchen  grusssen9 
gonant;  man  sagete,  es  were  wol  an  achten  enden  an  geleget  von 
bussen  luten. 

Item  an  sento  vits  tage  wait  es  wedder  warm  unnd  werte  kume 
achte  tage,  dar  noch  feie  winde  unnd  regen  unde  kalt. 

Item  am  sontage  noch  sente  johans  tago  in  der  nacht,  als  achte 
slugk,  do  quam  also  eyu  mechligk  gross  donner  wetter  unnd  regen, 

Legende,  dass  der  Apostel  Johannes  vor  dem  lateinischen  Thorc  in  Horn ,  wo  er 
den  Dianatcmpel  umgestürzt  hatte,  in  einen  Kessel  sirdVndcn  Ölen  geworfen  wurde, 
aber  unversehrt  blieb  —  jetzt  8.  Giovanni  in  oleo  u.  S.  Giovanni  a  Porta  latina, 
welche  seit  1808  geschlossen  ist)  war  der  6.  Mai.  *  Dienstag  den  3.  Mai  1491. 
n  Ablaaswoche,  d.  h.  die  Fronleichnaniswoche ,  vom  29.  Mai  bis  4.  Juni  1491. 
4  Sonntag  den  5.  Juni  1491.  r'  30.  Mai  1491.  "  Der  „Schwarze  Adler", 
Löberstrasse  4.       7  Mittwoch  den  15.  Juni  1491.       8  Brabant.       !'  Greussen, 


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446  346.  Stück. 

das  man  meynte,  dy  gancze  stad  erflort  unnd  das  land  werde  vor  gee, 
unnd  werte  nicht  lenger  danne  II  stunde. 

Item  noch  unser  lieben  frowen  tage  visitacionis10  den  nesten 
tagk  wart  es  sere  heiss  unnd  stund  XU  tage;  in  der  czit  begunde  der 
win  zu  blune  unnd  blute  hene  zu  sente  margareten  tage.  In  des 
uuam  eyn  warm  regen  in  die  blute,  der  thed  ouch  etlichen  enden 
schaden,  das  es  sehetter11  wart. 

Item  an  sente  margareten  tagk  zu  nacht,  do  starph  er  johan  bogk 12 
unnd  liss  sich  in  der  grawen    barfoscn   kappen11  begrabe  zu  den 
barfussen,  der  gor  lange  jar  by  XXII1J  jarn  hatte  dy  stad  erffort  | 
2«o  geregeret. 


846.  Von  eynem  grossen  winde. 

Anno  M°CCCC°XCI°. 

14M  jfL.m  an  sente  marion  magdalenen  abende1  zu  nacht,  als  elfe  slugk, 
in  der  czid  was  es  so  heiss,  das  dy  luthe  nicht  gesloffe  konden  in  der 
ho2,  sie  mussten  in  den  husern  uff  der  erden  lege.  In  der  selbien 
nacht  do  quam  also  eyn  gestrenge,  ungehure,  mechtigk,  grossser  storm 
windt,  der  warff  sere  feie  hussere,  schunen,  hotten  unnd  dechere  nedder, 
das  wir  meynten,  dy  gancze  werlt  worde  vor  gee,  unnd  donnerte  nicht, 
es  regente  mich  nicht,  etliche  meynten,  es  were  ouch  mete  gewest  eyn 
ertbebungc;  dy  luthe  sprochen,  es  were  keyn  naturlich  wind;sy  meynten, 
es  were  keyn  tufel  in  der  helle  bieben,  sy  weren  alle  hussse  gewest 
und  wolden  uns  vorterbe.  Das  wolde  got  nicht  habe;  god  der  al- 
mochtige  mochte  on  vorhengnisse :1  habe  gegeben  in  etlicher  mossse, 
adder  nicht  volle  macht.  Es  reiss  steyne  us  den  muren,  item  in  mynem 
dache  in  mvnem  husse4  do  macht  es  eynen  grossen  buch,6  es  czoch 
dv  bon  nayie"  mit  den  bonen  uss  den  gesparren  unnd  zu  brach  ouch 
siist  keynerley  unnd  bleib  ouch  allen  enden  gancz  unnd  werte  nicht 

länger  danne  ~  stunde. 


Stadt  im  Fürstentum  Schwarzburg  -  Sondershauscn.  Sonnabend  den  2.  Juli 

1401-  der  Wein  l)lühle  also  bi*  Mittwoch  den  13.  Juli  (Margareten tag). 
"  Mhd  „scheter"  utid  „sehiter",  =  „schadhaft,  dünn,  schlecht".  "  8.  St.  326 
A  31        ,J  Kr  licsß  *ich  in  der  grauen  Kutte  der  Ihirfiissermönche  begraben. 

34«.  '  Donnerstag  den  21.  Juli  1491.  D.  h.  hier Jn  ihren  Betten,  denn 
die  Bettladen  waren  in  jener  Zeit  ziemlich  hoch.  J  S.  St.  319  A.  3.  *  i Stolle 
wohnte  wie  die  anderen  Viearii  von  St.  Sevcr,  jedenfalls  in  derfcahe  der  Kirche, 
wahrscheinlich  hinter  derselben,  da,  wo  jetzt  die  Domsehänke  steht.  Ander» 

Geschichte  der  Stiftskirche 

und 
,boIe", 
14) 

aus  '„nagei",  also  die"„BretUiagel". 


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347.  Stuck. 


447 


S47.  Von  eyiiem  grosssen  wasser. 

Item  anno  proscnti  scilicet  M°OCCC°  LXXXX1"  hub  es  an  zu  regen,  1491 
czwo  nacht  unnd  eyn  tagk,  vor  sente  celiax  tage,1  unnd  regento  gantez  \ 
sere,  das  es  ny  uff  gehörte  biss  uff  sente  celiax  tagk;  unnd  in  der 
selben  nacht  sente  ciliax,  do  begunde  |  das  wasser  zu  erfforte  zu  v 
wachsene;  es  was  zu  ordorff*  unnd  vor  den  weiden  er  nedder  gelouffen, 
als  dy  kubeln,  so  sere  hattes  uff  den  weiden  geregen t,  unnd  liff  zu 
erffort  zu,  unnd  was  under  wregen  was  uff  den  wesen,  uff  deme  felde, 
das  es  er  lange  konde,  das  forte  es  alles  en  wegk,  es  zu  reiss  dasweer* 
under  sente  celiax  borgk  gancz  unnd  gar  unnd  gingk  by  den  dryen 
born4  über  al  unnd  in  deme  espiclr*  hocher,  danne  eyn  man  langk 
ist,  es  lieff  vor  deme  nuwen  tore  über  al  uff  deme  acker,  unnd  lift'  in 
den  stad  graben  by  der  kartuser  torme  unnd  zu  reiss  do  den  stad 
grabon  unnd  dy  muren  do  selbest  unnd  warft'  do  dy  brücken  reyne 
nedder  unnd  liff  in  den  wilden  graben0  biss  in  dy  wilden  gere,  dy  do 
geed  vor  den  czechenern7  hen.  Der  stad  grabe  do  selbest  was  tbl,  das 
her  über  liff;  es  liff  zu  deme  ussern  lower  thore  in  über  dy  brocken 
unnd  zu  den  bochsen  löchern K  zu  cynom  in,  zu  dem  andern  wedder 
uss  unnd  ouch  zu  deme  tore  in  vor  sonte  tomas  kerehensa  hen,  unnd 
machte  dy  gere  under  den  czechenern  so  gross,  das  es  den  luten  do 
selbest  in  dy  husere  ge  wolde;  sy  mosten  were;  das  geschach,  er 
dannes  mittagk  wart  au  sente  celiax  tage;  do  stunden  alle  husere  fol 
wassers,  es  gingk  ouch  vor  deme  selben  krominen  ussorsten  lower 
thore  über  dye  brocken,  also  hoch,  das  über  dy  lenen  gingk,  |  dy  uff  sei 
beide  syten  uff  der  brücken  sint,  unnd  uff  domo  acker  über  al  biss 
an  das  spelberger  thor;1'  do  liff  es  ouch  in  biss  in  dy  wilden  gera, 
unnd  liff  vor  deme  krampten  tore  uff  deme  nuwen  erbe 10  über  al  in 
der  mergen knechten  kloster11  biss  an  dy  kerchon.  Wer  do  selbest  uff 
deme  kerchhofe  stunt,  der  konde  das  wasser  mit  syner  hant  gelange. 

347.  1  Der  Cyriaxtag  i«t  der  8.  August;  es  begann  also  zu  regnen  in  der 
Nacht  von  Sonnabend  d.  6.  zu  Sonntag  d.  7.  August  1491.  Über  diese  Über- 
schwemmung berichtet  auch  Nicolaus  v.  Siegen,  chron.  eccl.  pag.4,r>8sq.  *  Ohr- 
druf, Stadt  im  Herzogtum  Saehaen-Koburg  und  Gotha,  im  gleichnamigen  Dand- 
ratsamte,  an  der  Ohre,  am  Fusse  des  rhiiringenvaldes.  11  S.  St.  344  A.  8. 
4  Drei  Quellen  zwischen  Erfurt  und  «lern  nahen  Dorfe  Hochheim,  jetzt  der 
„Dreienbrunnen'',  s.  v. Tettau  a.a.O.  S.  180.  "  Esbach  (aus  Asbach),  ein  Arm 
der  Uera,  s.  v.  Tettau  a.a.O.  S.  185;  Brandis  a.  a.  O.J  S.  7,  der  aber.  II  S.7  aus 
dem  heutigen  Erfurter  Dialekt  Formen  giebt  wie  Asserich,  sogar  Ässdrich.  — 
Derselbe,  Berg-  u.  Thalnamcn  im  Thüringer  Walde,  1894,  S.  50  erklärt  Esbach  = 
Espicb  =  asp-ahi,  „Espeubusch".  11  S.  St.  337  A.3.  7  S.  St.  327  A.  13. 
s  Löcher  für  die  Wallbüehsen,  Schiessscharten.  **  Die  St.  Thomaskirche,  in 
der  Löberstrasse ;  v.J.  1900  au  wird  eine  neue  St.  Thoninskirche  in  derSchillcr- 
strasse  gebaut.  ;'  Früher  das  äussere  Augustthor,  später  die  sogen,  „hohe- 
Batterie",»,  v.  Tettau  a.  a.  O.  S.  93 f.  10  „Neuerbe"  (nova  hcreditas)  ist  noch  heute 
eine  Strasse  in  Erfurt,  wahrscheinlich  mit  deren  Namen  zusammenhängend,  welcher 
im  Angelsächs.  das  „erfe,  yrfe"  ■=  „Vieh"  bedeutet,  also  ursprünglich  die  „neue  Vieh- 
trift". "  Marienknechts-  oder  Servitenkloster,  vor  dem  Krämpferthor  gelegen;  s. 
v.  Mülverstedt,  Hierogr.  Erf.,MGE,  III,  pag.  156  f.,  und  v.  Tettau  ebcndaXll  S.  127 


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347.  Stuck. 


Es  gingk  ouch  in  den  grossen  spetal12  über  al,  das  sy  flee  musten 
•  mit  deine  vee,  pferden,  kuwen,  swinen,  schoffen.   Dy  arme  luthe1* 
hieben  in  orem  wessen,  do  quam  es  nicht  hene.   Item  by  deme  nuwen 
wercke  warff  es  den  borgk  stegk14  umme  unnd  fnrte  on  vor  dasgoiynne,15 
do  dy  kersslache  in  louffet;  do  lag  er  dy  querch,  das  man  den  mit 
seylen  moste  er  uss  czhee,a  anders  das  wasser  nette  das  gerynne  umme 
geworffcn.    Das  gerynne  was  oueli  lochericht  worden,  also  das  keyn 
wasser  under  dy  lower,,:  gingk.    Es  lifF  ouch  zu  der  borgk  stege 
pforten17  in  unnd  zu  den  löchern  an  der  muren  do  selbest,  unnd  zu 
dem  thoro  do  selbest ls  uss  unnd  in,  und  liff  zu  der  stad  pforten ,:'  in, 
dy  do  steed  by  des  nuwen  wergks  kerchofte;  do  battes  in  der  pforten 
eyne  gruben  gemacht;  sechs  manne  hotten  dar  wol  inno  gestanden. 
Item  es  b*ff  ouch  in  deme  herssbrule20  unnd  sente  mertins  brule,21  das 
feie  lutho  musten  Mibe  in  oren  husern,  etliche  quomen  da  von,  dy 
▼  kowe,  swin  unnd  czegen  stalleten  |  in  ore  dornczen,  etliche  uff  dy 
bodeme,  etliche  ertruncken.  Etliche  luthe  Pflen  in  das  kloster  zu  sente 
mertin.2*   Es  gingk  ouch  in  sente  mertins  kerchen2S  an  dem  ho  altar 
eyncm  an  synen  gortel,  do  muste  man  aUe  dingk  uss  trage,  unnd 
liff  zu  deme  menczen  thore-'  in,  unnd  ouch  en  teil  in  den  hoff,  unnd 
vor  deme  hofe  hen  biss  hene  an  das  kaleygem  uft  deme  ross25  marte 
über  al  fol,  unnd  gingk,  als  wid  als  dy  stad  was.    Vor  den  gretcn  was 
allen  enden  fol,  das  den  smeden,  den  glockengissern  folnach2,:  in  dy 
hussere  gingk,  hetten  sy  nicht  gewert.    Es  worn  ouch  alle  keller  fol 
gemeiniclichen ,  als  wid  als  dy  stad  was,  alleyne  umme  den  bergk,*7  . 

*  IIS:  or  n*  cheo. 

bis  129;  Härtung,  Häuserchronik  voll  Erfurt,  II,  S.  69-72.  1?  S.  St.  341  A.fl. 
1:1  D.  i.  die  Kranken  im  Hospitale.  u  S.  St.  337  A.  5.  15  Die  Überleitung  der 
Hirschlache  über  die  wilde  Gera,  gebaut  1322.  Frfiher  giengein  Steg  daneben,  dann 
lief  die  Hirschlaehe  (bis  zur  Zustluittung  der  wilden  Gera,  die  innerhalb  der  Stadt 
v.  J.  1899  an  erfolgt  ist)  unter  dem  Stege  durch,  der  zur  oberen  Gartenstrasse  führte, 
über  den  Klus«;  s.  v.  Tcttau  a.a.  O.  S.  1U2  u.  185.  ,,;  Die  Hirechlacbe  lief  also  damals 
bei  dem  „Gerinne"  in  die  „wilde  Gera"  aus,  wo  das«  die  Lohgerber  in  der  weiter 
unten  gelegenen  Löberstrasse  von  ihr  das  ihnen  nötigt)  Wasser  nicht  mehr  be- 
kamen. "  Eine  Pforte  am  „Burgstcgc",  der  spät  ren  „Vogelsbrücke,"  8.  St.  337  A.  5. 
,s  Das  Wasserthor,  das  bei  dem  Bunrstegc  und  unweit  der  Neuwerkf»kirche  lag.  Die 
Brücke  konnte  zum  Stauen  der  wilden  Gera  benutzt  werden,  sie  wurde  durch 
einen  Turm  daneben  gedeckt.  19  Also  durch  die  Durchfahrt  des  oben  genannten 
Wasserthores.  *"  Hirschbrühl  (s.  die  Karte,  welche-  Kirchhoff  seinen  „Ältesten 
Weist fimern  der  Stadt  Erfurt",  1870,  beigegeben  hat)  ist,  damals  Gartenland, 
jetzt  Vorstadt,  der  westliche  Teil  der  südlichen  Stadt  auf  dein  rechten  Ufer  der 
Gera,  jetzt  Dalberg« weg,  Luiseustrasse  u.  s.  w.  *'  Auf  «lern  linken  Ufer  der 
Gera,  jetzt  Brühlervorstadt:  Briihlerstras.se,  Brü  hierwallst  rasse,  Cyriaxstrasse  u.  s.  w. 
»'-'  S.  St.  337  A.G.  M  S.  St.  338  A.  6.  "  Am  Mainzerhof,  also  das  inneie 
Brühlerthor,  das  sogen,  krumme  Thor.  5S  Am  Kos*marktc  (jetzt  „Herrmanns- 
platz") lagen  viele  Häuser  von  Geistlichen,  d.  h.  von  Kauonikern  uud  Vikarien 
von  B.  Mariae  V.  und  St.  Severi  u.  a.  Von  einem  collegium  daselbst  ist  uns 
nichts  bekannt;  vielleicht  ist  eins  dieser  geistlichen  Häuser  gemeint,  in  welchem 
Vorlesungen  für  junge  Kleriker  gehalten  wurden.  '2C  Mundartliches  Adverbiuni 
aus  dem"  Adjektivstamm  „voll4-  gebildet,  =  „völlig",  wie  wir  schon  „volnacli" 
St.  198  A.  35  fanden.       ST  Der  Petcrsbcrg. 


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347.  Stück.  449 

unnd  liff  dy  strossse  hen,  das  do  nymant  gewandere  konde.  Es  gingk 
zu  allen  heiigen28  an  dy  ubersten  stuffen  an  der  kerchen,  alle  thor 
worn  vor  schutczt  mit  miste,  das  wasser  breite  sich,  als  wid  als  dy 
stad  was,  der  ross  mart,  der  heilgeborn,2**  dy  nuwe  stad  stund  alles  in 
dem  wasser,  unnd  weichte  feie  wende  nedder  und  husere  unnd  steynende 
muren  unnd  gewelbe.  Der  stegk  by  deme  grosen  spetal  zu  brach 
halb.  Item  das  wasser  quam  alles  zu  samen  vor  sente  moritcz  thor; 
do  was  solch  jammer  unnd  nod,  es  mochte  eyn  steynen  hercze  er- 
barmet habe.  Czwisschen  den  czweyen  torn  sente  moritcz  stunden  dy 
husere  im  wassere,  das  nymant  gegrunde  konde  zu  riten  noch  zu 
gene.  Der  peterer  mol30  nam  grossen  |  schaden,  me  danne  vor  dry  m 
hundert  gülden  schaden.  Item  es  warft  ouch  umme  eyn  stocke  muren 
mit  czwen  gewelben  an  der  ussern  muren  vor  sente  moritcz  thore, 
wan  man  uft  den  rasen  geed,  do  das  wasser  steteklich  dorch  loufet. 
Vor  deme  selben  thore  was  also  gross  wasser  und  gingk  über  al  in 
alle  garten,  unnd  was  gestalt  als  eyn  see.  Do  sach  ich,  das  das  wasser 
vele  husere  unnd  holcz  brochte,  das  stees  muren  unnd  gewelbe  en 
czwey  unnd  thed  grossen  schaden  hen  unnd  her  an  der  stad  erffort, 
an  den  graben,  an  muren,  an  tonnen  unnd  an  gewelben  unnd  husern, 
das  man  meynte,  man  konde  solchen  schaden  in  erffort  alleine  mit 
eynem  schoffel  gülden  nicht  beczale.  Item  umme  vesper  czid  satczte 
sich  das  wasser  eine  halbe  eile  tiff,  unnd  ummer  dar  mee  unnd  mee: 
noch  was  feie  wassers  wol  by  achte  tagen.  Item  in  der  selbigen  nacht 
sente  celiax  umme  mitternachts  als  das  wasser  begonde  zu  komen 
unnd  uff  horte  zu  regen,  do  wart  ge  seen  von  den  wechtern  uff  den 
tornien,  unnd  ouch  etliche  pristere  unnd  borgere,  von  den  ich  das 
gehört  habe,  das  sie  geseen  hetten  für  in  den  wölken  unnd  nedder 
falle  als  brente,  unnd  dy  wechtere  hingen  uss  ore  lattern,  als  man 
phleget  zu  thune,  wan  es  bornt,  unnd  wolden  zu  furo  luthe,  unnd 
theden  des  nicht  umme  erschreckenisse  der  |  lute.  Es  wart  ouch  ge-  v 
saget,  wymar  unnd  jene  weren  dy  selbe  nacht  mee  danne  halb  uss 
gebrant;  das  machte,  das  dy  wechtere  geseen  hatten.  Dy  selben  stete 
worn  nicht  vor  brant,  alleine  wart  es  in  den  wölken  geseen,  als  god 
also  eyn  czeichen  gab  dorch  das  wasser  unnd  das  für,  ab  sich  das 
folk  noch  bekere  unnd  bessere  wolde;  des  gesichtes  des  fures  konde 
nymant  wisse  werde.  Wann  an  sente  marien  magdalenen  nacht,  als 
oben  ge  schreben  steed,  do  was  gar  eyner  grosser  trefflicher  mechtiger 
wint,  feie  grussslicher  danne  ditcz  wasser;  wir  meynten,  wir  musten 
alle  sterbe,  also  grusslichen  thed  der  wintd,  unnd  werte  eyne  halbe 
stunde.  Item  an  sente  walpurgen  tage,  ouch  in  dissem  jare,  als  oben 
ge  schreben  steed,  do  quam  eyn  gross  frost,  der  nam  des  wins  vele  en 

•  HS:  mitteramcb  (■.  ob.  St.  191). 

?a  Die  AJlcrheiligenkirche.  19  8.  St.  118  u.221  A.28.  80  Grosse  Peters- 
mühle,  d.  h.  die  Mühle  des  Peteraklostere ,  jetzt  die  Lederfabrik  von  Herrmann, 
Moritzgaa&e  28;  8.  R.  Böckner,  Peterekloeter ,  i.  d.  MOE,  XI,  8. 145 ff. 

K.  Stoll**  Memo  r  Laie.  29 


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450 


847.  Stück. 


wegk,  iinnd  was  den  sommer  iimmer  dar  kalt,  das  dy  luthe  ummor  dar 
in  pelczen  gingen.  Item  so  batton  wir  ouch  vor  des  eynen  grossen 
rnechtien  kalden  winter,  als  oben  gesclireben  steed.  Also  bad  uns 
unser  lieber  berre  gut  feie  czeichen  beweist  unnd  gegeben,  adder  weningk 
menschen  sich  dar  an  keren ;  etliche  schregen  über  das  male  gelt,11 
etliche  über  das  kleine  moss,*-'  etliche  ubir  dy  kouft  czeddeln,33  etliche 
über  das  one  endelie 34  regement  geistlichen  unnd  wertlichen;  dar  umme 
«es  steen  wir  ummer  dar  in  grosser  geverlichkeit  des  alniech|tigen  gotis. 
God  der  alraechtige  sy  uns  gnedigk !  In  dissem  jare  ben  ich,  der  ditcz 
geschreben  had,  gnant  conradus  stolle,  eyn  vicarius  zu  seute  sever, 
i'unff  unnd  funffczigk  jar  alt,  do  ditcz  gescheen  ist.  Item  am  nesten 
tage  noch  sente  lorencz  tage,85  do  gingk  der  rath  zu  erffort  unnd  in 
woner  der  stad  eyne  schone  processien  uff  den  bergk  zu  unser  lieben 
frowen,  unnd  sungen  eyne  schone  messe  von  unser  lieben  frowen,  unnd 
ouch.  zu  sente  sever,  dar  noch  te  deum  laudamus,  unnd  lobetcn  dogotl 
den  alineehtigen,  das  her  uns  das  wasser  unnd  andere  zufellunge  also 
gnedigk  hatte  er  czeiget,  das  her  dy  stad  erflort  unnd  das  lant  nicht 
gancz  hatte  er  troncket,  wanne  do  bleib  kein  mensche  thodt  in  erffort 
Do  das  wasser  quam,  do  sleffen  dy  luthe  an  dem  besten,  etliche  er- 
wachten von  dem  wasserrusschen,  etliche  von  dem  geschreye  der  thir, 
dy  in  deme  wasser  stunden,  als  kuwe ,  schoff,  czegen,  swin  unnd 
andere  thir,  dy  man  muste  dy  nierc  mengo  uff  dy  bodeme  czee  unnd 
sleiffe  en  pür.  Item  es  wart  ouch  ge  saget,  das  in  feie  landen  feie 
gewesseres  were  gewest  uff  disse  czid,  nicht  alleyne  zu  erffort,  sundcm 
in  nedder  landen,  in  Sachsen,  an  der  sal  unnd  in  missen ;  do  was  solch 
jammer  unnd  noid  zu  erffort,  als  gross  von  den  luten,  das  ich  des 
nicht  vor  schriben  kan ;  es  kan  ouch  nimant  geloube,  wer  des  nicht  ge 
seen  had  etc.  | 

1+91       Item  in  deme  selben  jare  M°CCCC°LXXXXr°  an  sente  lorencz 

31  Man  niusste  damals  viel  (leid  für  da»  Mahlen  geben,  eine  hohe  indirekte 
Steuer  (Ungeld),  8.  Nicolaus  von  Siegen,  ehron.  eccles.  pag.  476:  Erlordcnses  pre- 
consules  fecerunt  satis  inauditum  statutum  de  molendinis  et  taxain  super  unani- 
quainque  mensuram,  et  nisi  quis  portaret  cedulam,  nullus  molitorum  eidom  inolere 
ausus  fuit;  und  png.  480:  Consolatus  Erfordensi*  posuit  gravem  taxam  super 
molendina,  de  uno  raaldro  tritici  dari  debent  16  grossi.  de  maldro  ordei  8  gro**'. 
et  similiter  avene  8  grossi.  "  1).  h.  Weinmass.  S.  Falckensteiu,  eivit.  Erl.  bist, 
crit.  et dipl.  S.  424  ff.:  „Um  das  Jahr  1491  hat  der  Magistrat,  wegen  der  Stadt 
allzu  grosser  Schuldeulaal,  ein»  Riugerung  des  Zapfen  Masses  bei  den  Wein- 
schenken vorgenommen,  welch«*  aber  der  Kurfürst  Berthold  nicht  gestatten  wollte, 
weil  die  Ordnung  der  Mas«*  zu  des  Erzstiftes  Obrigkeit  gehörig.  Daher  befahl 
der  Kurfürst  seiner  Clerisei  anders  nicht  als  mit  dem  grossen  Mass  zu  schenken 
[das  kurfürstliche  Dekret  druckt  Falckenstcin  8. 425  ab].  Obwohl  nun  die  Stadt 
des  Kurfürsten  Verbote  sich  lauge  Zeit  widersetzte,  so  hat  sie  doch  solche 
Ringerung  des  Masnes  im  folgenden  Jahro  wieder  abthun  müssen."  8.  auch  Nie 
v.  Siegen,  chrou.  eccl.  pag.  4*1.  482  sqq.  488.  33  S.  Nicol.  v.  Siegen,  chron.  eccL 
pag.  478  u.  488  (eedula*  in  foro).  Niemand  durfte  kaufen  oder  verkaufen,  wenn 
er  nicht  vorher  auf  dem  Rathause  einen  Zettel  gelöst  hatte  -  eine  ebenso  hohe 
als  unbequeme  indirekte  Steuer.  B1  8.  St.  29  A.  10 ;  hier  —  „unordentlich" ;  unten: 
one  eudilge  ;  St  348:  kein  endelich;  s.  auch  St.  198  A.  23.  SÄ  Donnerstag  d. 
11.  August  1491. 


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347.  Stuck. 


451 


tage,86  do  regentes  wedder  an  unnd  werto  eynen  tagt,  unnd  horte 
wedder  uff,  uiind  wedder  an,  unnd  wart  eyn  nass  erne  zu  sniten,  do 
konde  man  gemercke,  das  eclipsis  solis  wel  recht  habe,  in  welchem 
jare  dy  komen,  das  bedutcth  eyn  unfruclitbar  jar  unnd  mit  feie  schaden 
allo  der  fruchte.  Es  was  ouch  thurc  czid  in  nedder  landen,  holland, 
brobant,  flandern,  frisland,  also  das  dy  lute  do  feie  vor  smachten 
hungers  halben. 

Czu  der  czit  furte  man  feie  korns  uss  erffort,  eyn  malder  umme 
V  unnd  VI  schogk,  in  nedder  landen  eyn  fertel  umme  XVI  gülden. 
Item  noch  den  tinsternissen  unnd  unfruchtbaren  jaren  folgen  gerne 
grosse  unnd  mergliche 37  czid,  als  hunger,  adder  pestilencie.  In  der 
czid  starb  seiden  eyn  mensche;  do  worn  mechtigk  feie  kindere  unnd 
lutho.  Als  nu  keyn  besserunge  sich  nicht  er  czeyget  von  den  luton, 
als  wol  nud  wege,  so  besorge  ich,  der  almechtige  ewige  god  wert38  uns 
feie  grober  stroffe,  er  gebe  es  uns  gnedigk !  Dy  geistlichkeit,  monche 
unnd  wertliche  pfaifen  haben  ditcz  ganze  uss  gene  jar  so  sere  ge  pre- 
diget, uff  das  one  ondilge3*1  regement  in  erffort,  also  das  sich  der  rath 
zu  erffort  des  ane  nam,  unnd  vor  clagete  do  dy  monche  unnd  pfafien 
keyn  oren  obersten ,  das  sye  das  abe  stelten ;  also  hebet  es  an  zu 
ketczerie.  Item  jacobi  unnd  bartholomei  ,3y  do  heisten  etliche  ore 
dornczen.  Item  noch  sente  bartholomeus  tage  wart  es  warm  IUI  tage, 
dar  noch  regen  unde  winde.  Item  an  sente  johans  tage  decollajcionis40  sc* 
sante  unser  herre  von  mentcz41  der  pfaflheit  kein  erffort  eyn  gebod, 
das  kein  pfaffe,  geistlich,  wertlich,  nnnne  adder  monch,  das  kleine  win 
moss  nicht  schencke  solde,  by  deine  höchsten  banne.  Dy  pfaffheit 
hatte  ouch  nicht  ge  schencket  win  von  sente  michels  tage  an  anno 
domini  M "  (XXX) °  I.XXXX  °  ditcz  gancze  jar,  unnd  steed  noch  also  an,  1490 
ane  ende.  Unnd  das  gelobete  unnd  gerette  zu  halden  dy  pfaffheit 
Item  solche  unmesliche  ploge  unnd  stroffunge  von  gotho  unserm 
lieben  hern,  als  oben  hen  unnd  heer  ge  schreben  steed,  es  wart  ouch 
•  mancherleye  hande  gereth.  Etliche  sprochen,  dy  von  erffort  hetten 
deme  monche,  der  das  mechtige  grossse  für  gemacht  hatte  zu  erfforte, 
als  geschreben  steet  folio  CLVi,4a  deme  selben  monche  Hessen  die  von 
erffort  sine  wee  beneme,  das  on  nicht  zu  steed,  unde  lissen  on  vor 
borne.  Item  etliche  sprochen,  es  were  dy  scholt,  das  dy  von  erffort 
hetten  zu  brochen  das  kloster  sente  celiax43  uff  deme  berge  vor  erffort 
unnd  hetten  eyne  borgk  do  hene  gebuwet.  Etliche  sprochen,  es  were 
dy  scholt  des  klcyn  win  mosses.  Etliche  sprochen,  es  were  dy  scholt 
der  male  czedeln.  Etliche  meynten,  es  were  dy  scholt,  das  nymant 
dorste  keynerleye  getreydich  koufle 44  uff  demo  marte  hen  unnd  her  in 

30  Mittwoch  d.  10.  August  1491.  "  Mhd  „merklich"  —  md  „merglich"  =  „be- 
merkenswert.'* SH  „werden,"  swv.,  für  „wert  halten"  (auch  im  üblen  Sinne).  a  S. 
ob.  A.  34.  Ende  Juli  (25.)  und  August  (24).  40  Montag  d.  29.  Aug.  1491. 
41  8.  ob.  A.  32.  Da«  kurfürstliche  Dekret  ist  vom  20.  August  1491,  bekannt 
wurde  es  in  Erfurt  am  29.  August.  41  S.  St.  221.  4*  8.  St.  326  A.  27.  44  Die- 
selben Kaufzettel,  welche  A.  33  erwähnt  werden,  galten  auch  vom  ( Jetreidekaufe. 

29* 


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452 


348.  Stuck. 


der  stad  erffort  ane  czeddeln  des  rathes.  Das  vor  dross  dy  herczoges 
manne45  gar  sere,  dy  do  was  keuffe  wolden  uff  dem  marte,  unnd  dy 
sich  do  schemeten  uff  das  rath  huss  zu  gene  unnd  solche  ozedeln  do 
zu  vorderne,  das  ny  mye  was  gewest.  Item  dye  sechste  sache  was, 
▼  das  man  |  kein  fremde  win  noch  bier 


(348.  Hye  wart  den  von  erffort  dy  strosse  nedder 
um         geleyt  anuo  domini  M°  CCCC°  LXXXXK) 

h"ess  in  dy  stad  erffort  fure,  do  dorch  manch  man  geistlich  unnd  wert- 
lich vor  smachte  moste  trinckens  halben.  Item  dy  VII.  sache  was,  das 
keyn  endelich  regement  nicht  was,  do  dorch  solcher  oben  geschrcben 
stucko  uns  der  almechtige  god  so  grosse  unmessige  grossse  czeichen 
gegeben  had  in  dissem  jare,  nemelichen  mit  eynem  mechtigen  grossen 
kalden  winter,  mit  eynem  grosssen  frosto  in  denie  meyen,  der  dy  win- 
berge  erfrorte,  mit  eynem  grossen  winde,  unnd  finsternisse  der  sonnen, 
als  oben  ge  sehreben  steed  folio  CCLIX,  item  mit  grossen  donnern  unnd 
blixon,  unnd  feie  grosse  winde  unnd  regen  unnd  ummer  dar  kalt,  unnd 
mit  eyner  nassen  korn  ernne,  unnd  mit  eynem  grossen  wasser,  unnd 
feie  andere  zu  fellige  anefechtunge,  der  nicht  en  wenigk  ist.  Item  dy 
hern  von  missen !,  dy  leyten  den  von  erffort  dy  strossse  nidder  am  fri- 
tage  vor  des  heiigen  crucis  tage2  im  herbeste,  do  torste  keyn  man  uss 
der  forsten  lande  nicht  keyn  erfforte  fare  adder  trage  holcz,  koln,  korn, 
adder  keynerleye.  Wo  sy  dy  er  kregen,  dy  treben  sy  widder  urame, 
sundern  dy  von  erfforte  manne  liss  man  fare,  wo  sy  wolden.  Es  was 
ouch  sust  keyn  finschafft.  Etliche  sprochen,  unser  herre  von  mencz, 
gnant  bertoldus  von  hennenbergk,*  der  hettes  mit  den  hern  zu  missen 

46  Die  Unterthanen  der  sächsischen  Herzöge,  Bauern  aus  den  sächsischen 
bei  Erfurt  gelegenen  Dörfern.  War  doch  Erfurt  im  ganzen  Mittelalter  der 
Marktplatz,  wo  Fürsten  und  Geistliche,  Grafen  und  Bitter,  Herreu  und  Diener, 
Kleinstädter  und  Bauern  von  ganz  Thüringen  alle  Bedürfnisse  dt*  Leben«  billig 
einkaufen  konnten  und  in  reicher  Auswahl  vorfanden. 

848.  1  Da  in  der  Leipziger  Teilung  vom  26.  August  1485  die  Wettiner  die 
Schut/.herrschaft  über  Meissen  gemeinsam  behielten,  ebenso  die  seit  1483  be- 
stehende Sehutzherrschaft  über  Erfurt,  so  spricht  Stolle  mit  Hecht  von  den 
„Herren  von  Meissen."  Diese,  der  Kurfürst  V  riedrich  der  Weise  und  neben  ihm 
sein  Bruder  Johann,  auch  G«*>rg,  der  Sohn  Albrechts  des  Beherzten  (der  in  den 
Niederlanden  kriegte),  gerieten  mit  den  Erfurtern  in  Streit,  namentlich  wegen 
der  Geltung  der  sächsischen  Münzen,  und  wegen  de»  Verbotes,  fremde  Weine  und 
Biere  in  Erfurt  einzuführen.  Welche  Massregeln  die  sächsischen  Fürsten  da- 
gegen ergriffen,  erzählt  der  Chronist;  gleiche  Nachrichten  bringt  Nicolaus  von 
Siegen,  chron.  eccl.  pag.  486  sq.  Durch  Vermittlung  des  Erzbischofs  Emst  von 
Magdeburg  (3.  Sohnes  des  am  26.  Aug.  1486  verstorbenen  Kurfürsten  Ernst  — s.o. 
St.  326  A.  18)  kam  am  26.  November  1492  ein  Vergleich  zustande  —  s.  auch 
Nicolaus  von  Siegen,  chron.  eccl.  pag.  489,  -  welchen  Falekenstein  a.  a.  O.  S.  427 
mitteilt.  4  9.  September  1491.  s  Berthold  von  Heuueberg,  1484—1504.  Stolle 
nimmt  ein  Einverständnis  mit  den  sächsischen  Fürsten  als  möglich  an.  Es  kam 
hinzu,  dass  die  Mahl-  und  Kaufzettel  (s.  St.347  Aum.  31  u.  38),  wie  bei  Nicolaus  von 


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I 


349.  Stück.  458 

also  an  geleget,  unnd  eynen  grossen  Unwillen  dor  inne  hatte,  das  dy  von 
erfiort  also  kune  weren,  das  sye  |  dy  win  raoss  anders  setczten,  wan  w& 
es  vor  ge  west  ist,  das  doch  on  nicht  geboret  zu  thune  hinder  orem 
rechten  erbe  hern,  das  ist  unser  herre  von  mencz;  das  heisssen  regalia, 
dy  nymande  meer  geboren  wan  konige,  forsten,  als  ist  dy  moss,  dy 
eile,  dy  messgerten,  das  gewichte,  dy  muncze  etc.  Item  unser  herre 
von  mencz  hatte  ouch  eynen  vor  dross  in  den  mal  czedeln  unnd  dy 
kouff  czedeln ;  dy  forsten  hatten  ouch  eynen  vor  dross,  das  dy  muntcze 
nicht  glich  gingk  in  der  stad  unnd  uff  denie  lande,  unnd  dy  thor  uflen 
den  in  zu  füren  win  unnd  beer  etc.  Item  dy  hern  von  missen  wora 
ouch  unwilligk  über  dye  stad  erffort,  das  sy  nicht  wolden  setczen  den 
potter  kästen,1  als  geschroben  steed  folio  CCIXVIL*  Item  der  bisschoff 
bertoldus  hette  ouch  gerne  in  geroten  zu  orffort,  so  hettons  dy  von 
erfiort  ouch  losssen  ge  schee,  sundern  er  wolde  on  yre  privilegia  nicht 
be  stetigo,  als  ire  gewonheit  uss  wiset,  dar  umme  hub  sich  feie  wedder 
willen  czwisschen  der  stad  unnd  bischofe  unnd  ouch  den  hern  von  missen. 

Item  in  dissem  jare  LXXXXI",  do  wart  der  win  ingelessen  umme  1401 
aller  heiigen  tagk,5  unnd  was  nicht  halb  riff;  der  wart  sür  unnd 
weningk;  feie  luthe  lissen  den  steen;  do  gab  unser  lieber  herregot  das 
kleine  moss.  Item  am  sontage  noch  sente  scolastien ,;  tage  an  der  fast- 
nacht,  do  lissen  dy  von  erfiort  das  grosse  aide  win  moss  wedder  kome, 
unnd  das  kleine  moss  stunt  alleine  eyn  gancz  jar  unnd  XIX  wochen, 
das  was  anno  LXXXXI10.  |  1492 


349.  Von  eynein  halssbaitde. 

Anno  domini  M°  CCCC°  LXXXXU0  umme  sente  severs  tagk,1  do  1492 
quam  eyn  arm  edel  vortorben  man  von  lipcz  kein  erfiort,  unnd  gingk 
do  by  drien  wochen  uf  unnd  nedder,  biss  so  lauge  das  her  zu  der 
ebenthure  quam,  dar  umme  her  uss  geschicket  was.  Es  was  eyn 
burger  unnd  rotissmeistcr  zu  erfiort,  genant  frederich  reinbote,2  der 
hatte  eine  frowen,  dy  wass  eyn  swester  Wilhelms  von  allenblumen,3 
ouch  et  wan  eyn  burger  zu  erffort;  dy  czwene  hatten  einen  errethum 
zu  saramene  guter  teilunge  halben,  unnd  konden  des  nicht  eyns  werden. 
Also  czoch  der  genante  wilhelm  von  allenblumen  von  erffort  kein  lipcz 

•  HS:  XI/VIl,  «abgestrichen  von  anderer  Hand,  dallir  gesetzt  LXV11  (e.  St.  350»). 

Siegen,  chron.  eecl.  öftere  (z.  B.  pag.  487  sq.)  zu  lesen  steht,  grosse  Erbitterung  auch 
im  übrigen  Thüringen  hervorriefen.  4  S.  St.  350  a.  5  1.  November  1491. 
"  12.  Februar  1492. 

34».  1  Montag  d.  22.  Oktober  1492.  -  Er  war  i.  J.  1492  zweiter  Ratemeister. 
Schon  i.  J.  1480  orwälint  von  ihm  Falckenstein  (hist.  Erf.  pag.  389),  das»  er  dem 
Kate  angehört  habe;  er  stammte  aus  einer  alten  Erfurter  Bürgerfamilie,  die 
zuerst  1228  urkundlich  erwähnt  wird,  h.  UE,  I,  No.  100;  ihr  Wappen  bestätigte 
Kaiser  Siegern  und  i.  J.  1432,  s.  Zacke,  Totenbuch  des  Dominikanerklosters,  JAEII, 
S.  34.  f  S.  St.  215  A.  4  u.  326  A.  30,  auch  Härtung  Kammermeister,  h.  v.  Reiche, 
S.  73  nebet  A.  1. 


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454 


349.  Stück; 


linder  dy  hem  zu  missen,  unnd  suchte  vor  teidingk,  er  konde  aber 
wenig  gewercke,  er  starp  über  deme  krige,  er  liss  etliche  kindere.  Koch 
ores  vater  tode  santen  sye  dissen  obgnanten  edeln  man  kein  erffort, 
unnd  gelobeten  ome  eyne  summe  geldes,  unnd  goben  ome  eyn  halss- 
bant  mete,  das  was  von  isene  ge  macht  unnd  hatte  feie  gelencke  unnd 
stacheln  innewendigk,  eyn  uss  dor  mosse  kostlich  unnd  geferlich  kleynod ; 
wer  das  an  synen  halss  kreigk,  der  moste  sterbe  innewendigk  X  adder 
XII  tagen;  es  konde  ouch  nymant  uff  gethu  ane  slossel,  der  zu  dem 
dinge  gehört;  es  konde  ouch  nymant  en  czwey  ge  tile  adder  abe  ge 
neme.  Der  selbe  edel  man  ging  aldo  unde  fugete  sich  zu  deme  ge- 
nanten ratismeister,  reinbote  genant,  uff  der  gassen  unnd  retten  mit 
eyn  ander,  unnd  eyner  kante  den  andern  wol,  also  das  nicht  vor  docbt 
czwisschen  on  wass.  Czu  einem  mol  bad  disser  reinbote  dissen  edeln 
man  zu  huse,  das  er  mit  ome  essen  solde.  Das  geschach  also.  Do  j 
266  sy  nu  zu  hant  gessen  hatten,  do  sach  der  gast  den  ratismeister  sere 
heftig  an,  unnd  hette  gerne  sine  kunst  ge  übet,  uund  hette  deme  ratis- 
meister das  halsbant  gerne  an  den  hals  gebrocht,  unnd  was  doch  nit 
so  kune.  Der  wert  marckte  was  an  sinem  gaste  unnd  begunste  zu 
grusene,  unnd  erdochte  eyn  list,  unnd  stunt  uff  von  dem  tissche,  unnd 
gingk  zu  der  dornczen  uss  unnd  riff  sinem  knechte  unnd  sprach:  "Wo 
blibostu?  wiltu  nicht  trincken  brengeu?  Also  quam  der  knecht  kegen- 
wertigk;  hette  der  wert  sine  hussfrowen  noch  deme  knechte  gesant, 
indes  so  hette  der  gast  deme  werte  das  halssbaut  gern  an  geworffeu, 
das  er  danne  by  ome  hatte.  Do  hub  der  wort  an  unnd  sprach:  Lieber 
gast,  wy  seed  ir  mich  so  hefftigk  an?  Do  sprach  der  gast:  Lieber  er 
ratismeister,  woldet  ir  mir  eyu  geschencke  geben;  ich  wolde  uch 
uffen  bare,  was  mir  befolen  ist  von  uwern  Verfolgern;  unnd  uffen 
barte  do  alle  sine  heymelkeit  disser  geschieht.  Disser  ratismeister  nam 
das  halssbant  zu  sich,  adder  gab  deme  keins4  nicht,  unnd  liss  ou 
gee,  wo  er  zu  schicken  hatte.  Der  ratissmeister  trugk  das  halssbant 
uff  das  ratisshuss,  unnd  uffenbarte  do  alle  dingk,  als  er  gangen  was. 
Do  bleib  der  edel  man  noch  in  siner  herberge.  Des  andern  tages 
lissen  on  dy  hern  hole  unnd  satezten  on  in  dye  temlitczen.5  Do 
sass  er  gor  lange  czit  inne. 

Item  der  selbie  edel  man  hattes  also  in  synem  heymet  vor  losssen, 
queme  her  nicht  wedder  innewendigk  vierezen  tagen,  so  solden  sy  ome 
synen  knecht  sende  mit  czerunge.  An  sente  mertins  abende6  quam 
▼  sin  knecht  keyn  erflort  unnd  sochte  |  sinen  hern  zu  deme  roten  lawen 
uff  dem  korn  marte.7  Do  der  wert  markte,*  das  der  eyner  were,  der 
in  der  teralitczen  were,  unnd  be  stalte  noch  den  stad  knechten;  in  des 

»  HS:  tnarcke. 

4  Substantiv.  S.  S.  318  A.  6.  6  Gefängnis  im  Rathause,  s.  St.  209  A.  9;  oft 
erwähnt.  *'  Sonnabend  den  10.  November  1492.  '  Jetzt  Hinterhaus  zum 
Hause  Marktstra^se  21. 


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350.  und  850  a.  Stück 


455 


begonste  dissem  knechte  zu  grusen,  das  er  synen  hern  nicht  fant,  unnd 
thed,  als  er  wolde  in  den  hoff  geon,  unnd  hub  sich  unnd  liff  uff  den 
bergk  in  unser  lieben  frowen  kerchen ;  do  bleib  er  inne  tag  unnd 
nacht  von  sento  mertins  abende  bis  hene  uff  seilte  thoraas  abent,8  das 
sint  sechs  wochen.  Dy  stad  knechte  logen  do  in  der  kerchen  urame 
dy  kerchen,  als  dy  hunde;  sy  hetten  on  gerne  er  uss  genomen.  Do 
sprach  der  segeler,9  woldon  sy  dos  hutens  nicht  abe  gee,  so  wolde  her 
den  ban  ley,  als  wid  als  dy  stad  ist.  Do  gingen  sye  des  hutens  abo, 
noch  so  bleib  er  so  lange  dar  inne;  er  meynte,  er  wolde  mit  deme 
rechten  loss  werde;  es  quam  nicht  do  hene,  sundern  er  quam  heyme- 
lichen  en  wogk,  das  nymant  wüste,  wo  hene  her  quam;  abersyn  herre 
bleib  imo  go  fencknisse  sitczenc. 


350.  Von  eynem  froste  unnd  heisssen  sominer. 

Item  anno  domini  M°CCCC°  LXXXXH  an  des  hoilgen  cristis  tage  1492 
hub  sich  eyiie  mechtige  grossso  kulde,  feie  keldor,  wan  vor  XU  jarn  hy 
vor,  unnd  stund  hene  utt  sente  gerdruten  tagk1;  do  wart  es  warm,  biss 
hene  uff  sente  johans  tagk  ante  portam  latinam5;  als  balde  dar  noch 
wart  es  wedder  kalt;  do  was  der  win  uss  gewachsen  geledes  langk, 
unnd  erfross  als  mittenander,  also  das  weningk  wins  wart.  Do  der 
frost  über  hen  quam,  do  wart  es  sere  beiss  unnd  warm  den  ganczen 
sonimer  über  unnd  regente  nicht  biss  hene  zu  sente  lorenczjtage,3  also  t67 
das  korn  unnd  ander  getreydigk  kort  unnd  kloyne  wart.  Umme  sente 
michaelis  tagk  was  es  noch  gantcz  warm,  das  dy  luthe  in  den  hemden 
gingen;  unnd  do  wart  ouch  der  win  ingelessen,  unnd  weningk  unnd 
gud,  unnd  wart  feie  kostliches  gutes  win  holcz  unnd  gancz  rifle. 


Vorderseite  des  eingehefteten  Blättchens. 

350a.1 

do  musten  dy  von  erffort  etliche  dorffer  den  hern  zu  missen  wed[der] 
gebe  an  deme  selben  gelde,  nemelichen  bisschofesleuben,2  swan[see]3 
unnd  andere  ende  mee;  unnd  dy  von  erffort  satzten  uff  do  [das]  kleine 
win  nioss,  dy  male  czeddeln  von  eynem  malder  korns  [  1  aide  groschen, 

*  Iiis  zum  Donnerstag  <1.  20.  Dezember  1492.  9  Der  Siegler  war  einer  der 
Mainzischen  Beamten .  der  da*  Gerichtssiegel  führte. 

350.  1  Sonntag  d.  17  Marz  1493.  -  Montag  d.  6.  Mai  1493  (s.  St.  345  A.  1). 
3  Sonnabend  d.  10.  August  1493. 

350a.  1  Zwischen  Seite  266v  und  267  der  HS  ißt  ein  kleines  Blatt  einge- 
heftet, allerdings  am  Rande  etwas  beschnitten,  so  daias  die  in  eckige  Klammern 
gesetzten  Ergänzungen  nötig  waren;  es  enthält  die  obigen  Worte.  Auf  dieses 
bezieht  sich  die  St.  348  A.  4  erwähnte  Zahl  CCLXVII.  Sachlich  s.  St.  348  A.  1, 
auch  8t.  347  A.  32.  31.  u.  33.  2  Bischleben.  Dorf  an  der  Gera  im  Landratsamte 
Gotha  des  Herzogtums  Saehsen-Koburg  und  Gotha.  "  Dorf  Schwansee  im  Ver- 
waltungsbezirk Weimar  des  Grossherzogtums  Sachsen. 


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456  350  b.  Stück. 

von  geraten  Vin  aide  groschen;  da  torfte»  auch  nim[ant]  getreidich 
kouffe  uff  deme  marte,  her  hette  danne  eyn  czedde[l  von]  deme  rothe. 
Sy  lisssen  ouch  keyn  fromde  beer  adder  win  in  dy  [stad]  erfforte  komme, 
unnd  nomen  czwefach  geschoss.  Also  wart  der  [sture]  sere  feie,  das 
dy  gemeyne  sere  dar  ufl  redete.  Dar  noch  dy  [hem]  von  missen  netten 
sich  ouch  gerne  wedder  dy  von  erffort  gesperret  [unnd]  wüsten  nicht 
rechte  ur  sache  zu  finden.  Etliche  sprachen,  [sy]  vor  drossse  das  kleine 
mos8,  dy  male  czedeln,  das  den  von  [erfforte]  nicht  zu  stunde  zu 
8etczen  hihder  orem  erbhern  des  bisschoffes  zu  [mentcz].  Sy  hatten 
ouch  vor  Unwillen,  das  dy  von  erffort  nicht  Jessen  [steen]  eyn  gelt 
kästen  zu  der  brocken  über  dy  elbe  zu  torgawe,  do  [der]  bobist  hatte 
loube  zu  gegeben  in  der  fursten  lande,  wer  do  czw[een]  sneberger 
grosschen  in  den  kästen  gebe,  der  mochte  putter[n]  in  der  fasten.  Das 
was  al  wid  als  der.  fursten  gebiete  was,  [unnd]  nicht  zu  erffort,  unnd 
hub  sich  an  anno  domini  M°  CCCC°  LXXXX[n].  Item  noch  des  heilgen 
crucis  tage*  im  herbeste,  do  leiten  dy  |bern]  zu  missen  den  von  erffort 
dy  strosso  nedder,  als  geschreb[en]  steed  under  der  czal  CCLXV  hievor.5 


Kückseite  des  eingehefteten  Blättchens.b 

350b.1 

Anno  domini  M°CCCC°LXXX  do  vorgingen  dy  lange  snebele  an 
den  mannes  schon.  Dar  noch  gingen  uss  dy  breiten  scho  genant  kowe 
muler.  Item  in  denselben  jaren  gingk  uss  der  trottart  tantz,  der  vor 
noch  ny  ge  seen  wass.  Item  dy  breiten  hemde  mit  den  grossen  breiten 
brost  listen  gingen  ouch  uss  in  dissen  jaren,  dy  trugen  dy  manne 
unnd  forne  geriket;  dy  frowon  unnd  meyde  trugen  kostliche  brost 
tuchere,  ouch  vorne  mit  breiten  kostlichen  listen  gesticket  mit  syden, 
mit  perlen  adder  füttern,  unnd  ore  hemde  dy  hatten  secke,  do  sy  dy 
broste  in  stackten,  das  vor  mals  nicht  meer  ge  west  was,  unnd  lange 
spitzen  an  den  schoen  mit  wisssen  schefften,  unnd  alle  trugen  patyn 
adder  pantofen,  alles  unczuchtigk.  Sy  trugen  auch  kollerechtige  brost- 
chene,  unde  dy  manne  trugen  yopen  vorne  uffene  mittenander  unnd 
kostliche  brostuchere  adder  hemde.  Unnd  über  her  gestiuret  mit  syden 
adder  breiten  senckeln,  unnd  breite  prissen  an  den  yopen  ermein,  unnd 
dy  mentel  hatten  dorch  howen  sweife,  dy  hosseu  gehelbert  mit  mancher- 
leye  färbe,  kleyne  hüte  adder  biret  mit  oren,  allos  unczuchtigk. 

Syc  trugen  ouch  hüben  uff  der  gassse  in  mancherleye  wisse  unnd 

■  HS:  tonte.        k  Ol«  ganze  Seite  ist  In  der  H8  durchgetrieben.        c  Von  hier  ui  mh 
Wa*-er  Tinte,  aber  dieselbe  alte  Hand. 

*  S.  St.  348  A.  2.  Allerdinga  steht  in  der  H8  pag.  264\  6  In  der  HS 
stand  zuerst  hiernoch,  das  aber  ausgestrichen  ist. 

350b.  1  Da  diese  Bemerkungen  in  St.  367  fast  in  derselben  Fassung  wieder- 
kehren, so  lassen  wir  sie  hier  unkommentiert,  indem  wir  dort  die  abweichenden 
Worte  in  eckigen  Klammern  dabeisetzen. 


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351.  und  852.  Stück. 


457 


färbe,  als  die  frowen  pflegen.  Dy  syden  hüben  dy  vorgyngen  reyne, 
nu  tragen  sy  haben  mit  langen  zippfein  unnd  forne  her  kostliche 
sternchene,  schone  her  als  dy  riche  lute,  gut  narren  spei. 


351.  Von  eynem  fure. 

Item  anno  XCn°  an  dinstage  noch  sente  johans  tage  ante  portam  1*92 
latinam,1  do  was  zu  erffort  eyn  gross  für  by  sente  johansse.2    Ttem  in 
deme  selben  jore  do  worden  uff  gesatczt  dy  czwo  nuwen  taöeln3  zu 
koufmans  kerchen,  unnd  oucb  zu  sente  pawel.4 


Von  brunssswigk.1 

Item  als  man  schreib  noch  cristi  gebort  tusent  vierhundert  unnd  1*92 
czwey  unnd  nunczigk,  wass  eyn  gross  krigk  czwisschen  der  stad 
brunsswigk  unnd  deme  herczogen  von  brunsswigk;  der  lagk  vor  der 
selbigen  Stadt  lenger  danne  eyn  halb  jar,  unnd  meynte  dy  zu  ge- 
winnen, unnd  vor  loss  feie  guter  man,  wanne  dy  see  stete2  unnd 
hildenssheim  hulffen  mit  foller  macht,  mit  spisse  unnd  foller  macht  der 

351.  1  8.  Mai  1892.  7  Die  Johanneskirche,  in  der  Johannesstrasse;  seit 
1525  wurde  in  ihr  kein  Gottesdienst  gehalten,  1819  wurde  sie  bis  auf  den  noch 
stehenden  Turm  abgebrochen,  s.  v.  Tettau  a.  a.  O.  S.  108  -  109.  3  Mhd  „tavele", 
8tswf.,  =  md  ,,taffel'',  =  „Tafel,  Gemälde,"  bes.  Altargemälde.  4  Die  Paulskirche 
wurde  seit  der  Einführung  der  Reformation  nicht  mehr  als  Kirche  benutzt ;  1736 
brannte  sie  ab  und  wurde  1759  völlig  abgebrochen;  ihr  Turm  ist  jetzt  der  Neben- 
glockenturm der  Predigergenieindc,  s.v.  Tettau  a.  a.  O.  S. 115. 

352.  1  Dass  der  Kampf  zwischen  Herzog  Heinrich  I.  von  Braunschweig- 
Wolfenbüttel  und  der  Stadt  Braunschweig  i.  J.  1492—1493  grosses  Aufsehen  wie 
überall  (s.  v.  Lilienkron,  Die  hist.  Volkslieder  der  Deutschen,  Bd.  II,  S.  312— 329: 
4  Volkslieder),  so  auch  in  Thüringen  machte,  beweist,  dass  Nicolaus  von  Siegen, 
ebrou.  eccl.  pag.  492,  denselben  ebenfalls  erwähnt.  —  Nachdem  Heinrich  auch  iü 
Braunschweig  zum  Throne  gelangt  war,  wollte  er  die  von  seinen  Vorfahren  an  die 
Stadt  verpfändeten  alten  fürstlichen  Gerechtsame,  namentlich  Gericht  und  Zoll, 
sich  wieder  verschaffen;  aber  der  Rat  widersetzte  sich  der  Wicdereinlosung.  wies 
auch  die  vom  Herzoge  vorgeschlagenen  Schiedsrichter,  den  Kurfürsten  Johann 
von  Brandenburg  und  Erzbischof  Ernst  von  Magdeburg,  zurück,  und  so  brach 
im  August  1492  der  Kampf  aus,  in  welchem  der  Herzog  ebenso  von  seinem 
Bruder  Erich  und  seinem  Vetter  dem  Herzog  Heinrich  dem  Mittleren  von  Celle, 
wie  von  vielen  Fürsten,  z.  B.  den  Kurfürsten  Friedrich  von  Sachsen  und  Johann  von 
Brandenburg,  vom  Herzog  Johann  von  Sachsen,  vom  Erzbischof  Ernst  von  Magde- 
burg Ii.  a.  unterstützt  wurde  Der  Herzog  umlagerte  mit  seinem  Heere  die  Stadt 
Braunschweig  während  des  Winters  1492/93.  Gegen  ihn  boten  die  Hansestädte, 
deren  eine  Quartierstadt  Braunschweig  war,  alle  ihre  Streitkräfte  auf,  die  sich  in 
Hildesheim  sammelten  und  Braunschweig  zu  Hilfe  zogen,  auch  am  13.  Febr.  1493 
das  belagernde  Heer  uchlugen  und  in  Braunschweig  zur  Hilfe  einzogen,  dem  sie 
neuen  Proviant  brachten.  Der  Kampf  währte  noeh  einige  Zeit  fort,  bis  endlich, 
ohne  dass  der  Herzog  Erfolg  hatte,  am  3.  Juni  1494  der  Friede  geschlossen 
wurde.  S.  Havemann,  Gesch.  der  Lande  Brauuschweig  und  Lüneburg  I,  1853, 
S.  734-746.      *  D.  h.  die  Städte  des  Hansabundes. 


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458  353.  und  354.  St  uck. 

stad  brunsswigk;  dy  forsten  umnie  her  santen  irue  etlich  folk,  adder 
nicht  feie.  Do  her  sieh  uss  geezorot  hatte,  do  czoeh  her  da  vone. 
unnd  bleib  umbericht.3 


u<<«    853.  Anno  domini  MCCCCXCIH0  eclipsis  lune. 

In  deuie  jorc  wass  eyn  gut  wetter  von  seilte  bastians  tage  an  biss 
zu  seute  gerdruden  tagk;1  do  wart  es  wedder  gauez  kalt,  frost,  snee, 
v  unnd  kalde  winde,  unnd  an  deine  andern  tage  des  |  aprilis  in  der 
nacht  von  XI  an,  biss  das  es  viere  slngk  des  morgens,  do  vor  loss  der 
monde  synen  schin  gancz  unnd  gar,  unnd  dar  noch  vier  tage  mit 
grosssem  nebel,  unnd  das  letezto  viertel  des  monden  grossen  regen 
unnd  kalt.  Item  er  noch  uft'  des  heiigen  crucis  tagk  invencionis,2  do 
erfross  der  win  an  feel  enden;  am  hern  berge3  bleib  er  gancz  uner- 
frorn.  Item  in  dorne  selben  sommer  umme  petri  et  pauli,  fürte  man 
mechtigk  tele  korns  von  erffort  uit  pferden,  feie  mol  XL,  funflczigk  adder 
LX  pferde  utf  eyn  mol,  in  das  stitft  zu  koln  unnd  an  den  rin  unnd 
kein  brunsswigk.  Das  habe  ich  geseon,  der  dits  ge  sehreben  had,  ouch 
uff  wagen,  welche  nao4  worn. 

1493  Iteni  in  (iemo  selben  jare  XCIII0  umme  ptingesten,  do  czoch  her- 
czoge  frederich  von  missen,  eyn  jungk  lierre  by  XXVI  jarn  unnd  eyn 
korfursto,  keyn  jerusalcmf'  zu  deine  heiigen  grabe;  der  hatte  noch  keyn 
elich  wip;   unnd   quam   wedder   an  sente    mauricius  tage.6  Item 

1493  selben  jare  XCüT°  an  unser  lieben  frowen  tage  letezern,  do  starb  der 
keyscr  gnant  fridericus. 

354.  Dy  spitezen1  zu  unser  lieben  frowen. 

1403  Ttem  in  dem  selben  jare  XC1I10  in  der  wochen  vor  pfingesten  wart 
uff  gericht  unnd  ge  satezt  dy  tonn  spiteze  zu  unser  lieben  frowen  zu 

3  Mhd  „unberiht"  aus  un  berichtet  =  nid  „umbericht":  blieb  „umbericht"  = 
„er  führte  die  Sache  nicht  zu  Ende." 

353.  «  Von  Sonntag  d.  20.  Januar  bis  Sonntag  d.  17.  Marz  1493.  '  Frei- 
tag d.  3.  Mai  1493.  s  Der  Herrenberg  (Grosser  und  Kleiner  Herrenberg)  — 
qui  vulgo  Hiruszberg  appellatur  («.Urkunde  v.J.  1207,  UE,  I,  No.  212)  ist  der 
Höhenzug  südöstlich  von  Erfurt,  zwischen  den  Dörfern  Dittelstedt  und  Melchen- 
dorf, im  Landkreise  Erfurt.  4  Entweder  nae,  mundartlicho  Nebenform  für  da? 
Adverb,  nahe  (na)  „nahe",  oder  das  Adj.  nawe  (nou)  „eng,  schmal."  5  Kurfürst 
Friedrich  von  Suchten  unternahm  —  ein  Nachklang  aus  den  Zeiten  der  Kreuz- 
züge! i.  J.  141)3  eine  Pilgerfahrt  nach  dem  heiligen  Lande;  am  heiligen  Grabe 
erteilte  ihm  sein  Begleiter,  der  Kitter  Heinrich  von  Schaumburg,  den  Ritter- 
schlag. Übrigens  batte  auch  schon  vorher  sein  Oheim,  Herzog  Albrecht  der  Bc- 
herzte  von  Sachsen,  i.  J.  147<i  eine  solche  Pilgerreise  unternommen,  dessen  inter- 
essantes Keise-Tagebuch  in  MSG  II  pag.  2103  -  2112  sien  findet.  "Sonntag 
d.  22.  Scptbr. :  die  Heise  nach  Palastina  hatte  also  nur  17  Wochen  gedauert. 

:ir»4.  1  H.  Beyer,  Kurze  Gesch.  d.  Stiftskirche  B.  Mariae  V.  (MOE  VI  S.  152): 
„Das  Jahr  149!»  brachte  derselben  (dem  Dom)  die  schlanken  Spitzen  seiner  Türme 
wieder  (d.h.  seit  dem  Brande  vom  J.  1472J;  in  der  Woche  vor  Pfingsten  (20.  bis 


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355.  Stück. 


459 


erffort  kein  deine  ross  marte  wart.2   Ttem  in  deine  selben  soiumer  uff 
unser  lieben  frowen  abent  worcze  wee,  do  wart  uff  gesatczt  dy  mittelste 
spiteze  do  selbest.    Item  an  dem  |  noch  tage  aller  heiigen  in  dorne  s«s 
selbien  jare  XCIIl,  do  wart  uff  gesatczt  dy  dritte  spitczen  uff  den  14'.)3 
dritten  torm  zu  unser  lieben  frowen  kevn  sento  severe  wart.  Also 
worden  sy  alle  dry  in  eynem  jare  gesatczt,  adder  nicht  geduckt 

Item  anno  domini  M° CCCC" LXXXXIU0,  do  geboteu  dy  von  erffort  14** 
allen  fleischowern  ,3  also  das  sye  keyn  fleisch  mee  sohlen  feyle  habo 
am  sontage,  sundern  wan  es  nünc  sluge  biss  zu  XII,  unnd  nicht 
lenger;  dy  dry  stunde  mochten  sy  feyle  habe. 


355.  Von  eynem  nasssen  lierbeste. 

Item  anno  domini  M°  CCCC°  LXXXXIU,  do  was  eyn  lieyser  sommer  14JW 
unnd  reinte  nicht,  also  das  das  korn  unnd  gerste  klein  kornigk  wart; 
der  win  wart  ouch  nicht  recht  naturlich  gut.  Item  an  sente  severs 
a^bende,1  do  vor  loss  dy  sonne  iren  schin  das  vierde  teil;  dry  tage  er 
noch,  do  quam  eyn  gross  frost,  do  hatte  noch  nymant  wimer2  gelessen. 
Do  hub  es  an  zu  regen,  stetes  regens  achte  wochon;  seiden  das  es  eyn 
tagk  gantcz  uff  horte  adder  czwene.  Do  wart  solch  gross  lessen  eynem 
kinde  VI,  Vll,  vui  groschen  zu  lessen,  eynem  botteu  treger:i  VI  adder 
.  VII  gr.,  unnd  wart  also  tiff  unnd  dreckecht,  das  man  VT  adder  VIII  pferdo 
muste  vor  spanne,  unnd  von  einer  fure  eyn  schogk,  einen  gülden,1  dor 
noch  es  ferne  were,  noch  bieben  etliche  leyten  '■>  uff  deme  fehle  steen, 
das  man  dy  nicht  uss  brenge  konde  dicke  czwene  tage.  Uff  dy  letczte 
wart  es  also  tiff,  das  dy  lute  lisssen  ir  gefessse  uff  deme  fehle 
stee  noch  |  winachten,  unnd  wart  dünne  tele  wins,  eyn  fertel  umme  ▼ 
V,  YJ  pfenge,  unnd  was  den  gauczen  winter  warm,  nicht  zu  kalt, 

25.  Mai)  erstand  die  südliche,  am  14.  August  die  mittelste,  nin  2.  November  die 
nördliche  Spitze,  freilich  nur  im  Spurren  werk ,  doch  wird  die  Bedachung  bald 
erfolgt  sein."  Ebenda  im  Nachtrag  S.  211:  „vorläufig  war  nur  das  Sparrenwerk 
mit  der  Bretterschalung  hergestellt,  auf  welche  mau  später  die  Kupferbedeckung 
befestigte,  die  .sich  bis  zum  Brande  1717  erhielt."  s  Mhd  „wertes",  mundartl. 
„wart",  -  -  „wärt*«".  3  Md  „hVisehower  —  mhd  „vleisehhouwer".  „Fleischer". 
Im  übrigen  ist  dieser  Anfang  einer  Sonntagsruhe  höchst  bemerkenswert. 

355.  1  Montag  den  21.  Oktober  1193.      2  Mundartlich  „wimer"  —  „winl>er", 
—  „Weinbeere".  ;|  „hotte"  mundartlich  für  mhd  „hüte"  (swstf),  —  „Bütte, 

Gefüss".  *  Von  den  damaligen  Münzen,  welche  im  folgenden  öfters  vorkommen, 
seien  hauptsächlich  folgende  erwähnt:  Goldgulden  (7,20  M.),  Ungarischer 
Gulden  (9  M.),  ein  Schock  Groschen  (sexagena)  —  60  alte  ({raschen  (;\  3  Pf.) 
oder  20  neue  Groschen  u\  9  Ff.);  der  Pfennig  heisst  auch  denarias,  dalier  die 
Abkürzung  .1;  der  Heller  ist  ein  halber  Pfennig;  der  Löwengroschen  (s.u. 
St.  361)  war  eine  »ächsiseh-thü ringische  Münze  und  zeigt  auf  der  einen  Seite  den 


galt  .4  alte  Groschen,  ein  Talent  20  Schillinge  (2,40  M.).  h  „leite",  st 
=  „Fuhre,  Wageuladung",  auch  „Fass". 


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356.  bis  358.  Stück. 


sundern  es  regente  feie,  also  das  das  holcz,  koln,  körn,  geraten  ture 
wart.  Es  konde  nyniant  uss  kome;  alle  berge  unnd  teler  quollen 
mit  wasser. 


356.  Von  denie  gleitssmanne. 

l*»2  Item  anno  domini  M°CCCC°LXXXX1I0  noch  allerheilgen  tage1  zu 
hant,  do  wart  en  wegk  gefurt  des  gleitssmans  frowe2  zu  erffort,  dy 
hatte  solch  gross  gelt,  kleidere,  kleinote,  silber  unnd  golt  mit  sich  en 
wegk  bracht  by  XV  hundert  gülden  wert;  unde  konde  noch  uy  so 
wisse  werde,  das  her  konde  erfare,  wo  sy  heno  quome  adder  komen 
wore;  unde  wer  das  go  thon  hette,  adder  ab  sy  am  leben  adder  am 
tode  wcre.  Er  liss  sich  das  feie  koste  dorch  dy  forsten  des  landes  zu 
doringen;  er  konde  nicht  uff  dy  worheit  kome;  her  hatte  etliche  in 
vordacht;  der  quam  eyner  mit  geleite  der  von  erffort  unnd  ent 
schuldigete  sich,  das  beste  her  konde;  dy  andern  bieben  ussse.  Das 
selbige  kloine  bosso  wibechen  den  selbigen  tagk,  als  sy  en  wegk  quam, 
do  was  sy  kume  den  tagk  do  vor  uss  den  sechs  wochen  komen,  unnd 
zu  kerchen  gegangen,  unnd  liss  do  irrae  hern,  deme  gleitssman,  da» 
kleine  junge  kindichen,  unnd  ouch  andere  kleine  kindere. 


357.  Eclipsis  solis. 

im  Item  anno  domini  M°  CCCC0XCilll°  in  die  perpetue  circa  carnis 
privium1  hora  prima  post  meridiem  usque  ad  terciam  horam,  do  vor 
loss  dy  sonne  oren  schin  das  dritte  teyl.  [ 


s6o  358.  Eclipsis  lune. 

149*  Anno  domini  M°  (XCC°  XCIIJI°  in  die  s.  benedicti1  in  quadragesima 
post  medium  noctis  hora  secunda  usque  ad  horam  quartam,  da  vor 
lo8s  der  monde  synen  schin  unnd  was  tunckel  als  eyn  tuen. 

IV>6.  1  Freitag  den  2.  November  1492.  5  Der  Geleitsmann  war  Beamterde»» 
sächsischen  Fürsten,  welcher  in  Erfurt  wohnte  und  mit  seinen  Knechten  die  Fuhr- 
werke auf  den  Strassen,  über  welche  die  sächsischen  Fürsten  das  Schutzrecht  hatten, 
geleitete.  Näheres  s.  u.  a.  bei  Härtung  Kammermeister  (der  selbst  Geleitsmann 
war),  herausg.  v.  Reiche,  Einleitung  S.  X.  Nach  ihm  war  Geleitsmann  Härtung 
Gernod,  Curt  Hotermanu,  Klaus  Hildebrand  (s.  Reiche  a.a.O.  S. XI),  dann  der 
Fridang  von  Wildenrode,  dem  jene»  Unglück  widerfuhr;  er  hatte  das  Geleit 
i.  J.  1481  in  Pacht  genommen  und  hatte  es  noch  i.  .T.  1500  inne  (nach  den  Akten 
d.  Sachs.  Ernest.  Gesamtarchivs  zu  Weimar). 

357.   1  Mittwoch  den  12.  Februar  1494  (Aschermittwoch). 

IVtS.  1  Freitag  den  21.  März  1494;  m  quadragesima,  d.  i.  in  der  40 tagigen 
Fastenzeit,  welche  i.  J.  1494  am  16.  Febr.  (Sanntag  Invocavit)  bezw.  am  12.  Febr. 
(Aschermittwoch)  begann. 


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359.  bis  861.  Stuck. 


461 


Item  den  nesten  tagk  noch  sente  adelarins  tagk  unnd  den  nesten 
tagk*  dar  noch,  do  er  fross  der  win  umrae  erffort  her,  am  hern 
berge,  am  celiax  berge  unnd  zu  bisschoffes  leuben,  unnd  an  andern 
enden  nicht. 


359.  Swere  jar. 

Anno  domini  M°CCCC°LXXX  was  eyn  swere  jar.  14*0 
Anno  domini  M°CCÜC°XC1H  ader  XCII1I  ouch  swere  jar. 


360.  Severe. 

Anno  domini  M°CCCC°  XCII110  in  der  wochen  noch  sente  ilgen  HW 
tage1,  do  wart  dy  mittel  spitcze  zu  sente  sever  zu  erflbrt  uff  den 
torm  gesatczt. 

Anno  domini  M°CC0C°XCV°  in  der  palmen  wochen2  wart  dy  1495 
andere  spitcze  zu  sente  sever  uff  ge  satczt  keyn  sente  severs  hofe  wart.3 

Anno  domini  li°CCCC°XCV0  in  der  wochen  noch  sente  michaelis*  U&"> 
wart  dy  dritte  spitcze  zu  sente  sever  uff  gesatczt  keyn  unser  lieben 
frowen  wart. 


361.  Anno  XIIII'XCV  »» 

purificacionis  marie  virginis1  wart  es  sere  warm,  unde  stunt  hene 
petri,2  dar  noch  zu  hant  fross  es  wedder  XI III  tage,  dar  noch  wedder 
warm  VIII  tage,  also  das  der  win  begunde  zu  palmen,3  unnd  dar  | 
noch  achte  tage  vor  gerdrudis*  do  fross  es  wedder  gantcz  sere,  unnd» 
snee  unnd  regen.  Achte  tage  dor  noch  wart  gantcz  eyn  gemenget 
wetter,  itczunt  kalt,  warm,  unnd  feie  tunckel.  Wart  feie  win,  adder 
scharff;  do  er  gelagk  in  den  sommer,  do  wart  her  sere  gutd  unnd 
naturlich  zu  trincken. 

Anno  domini  M°CCCC°XCV1°  prima  die  apriiis,  do  worn  dy  win  1406 
berge  nicht  dy  helftte  ufl  ge  zogen  noch  ge  sneten  von  grosser  kolde 
wegen.    Ambrosii5  hub  es  an  zu  regen  unnd  regen te  feie  niol  eynen 
ganczen  tagk  unnd  nacht,  unnd  horte  en  wenigk  uff,  unnd  als  balde 


3  Montag  und  Dienstag  den  21.  u.  22.  April  1494;  Herrnberg  8.  St.  853  A3, 
Celiax     CyriaxbergK.  St.  326A.  27 ;  Bischoffesleuben  =  Biachlebeu  s.  St.  350  a  A.2. 

JJflO.   1  Ilgen  =  Ägitlius:  Dienstag  den  2.  bin  Sonnabend  den  6.  Sept.  1494. 

*  Vom  13.  bi»  zum  18.  April  1495.  s  S.  St.  354  A.  2.  4  Entweder  nur  die 
Tage  vom  1.  bis  3.,  oder  vom  5.  bin  10.  Oktol>er  1495. 

361.  '  Montag  den  2.  Februar  1495.  ■  Sonntag  den  22.  Februar  1494. 
n  „palmeu"  mm»  hier  heissen :  ,, Wedel,  Blatter  bekommen.''  „Balmen"  von  Herl*1!, 
Thüring.  Sprachschatz,  S.  62  nachgewiesen,  bedeutet  bezüglich:  „sieh  ballen"'  (v. 
Schnee),  „sich  bäumen"   (v.  Pferd),   „sich   balgen,"    auch   intrann.  „springen." 

*  Dienetag  den  10.  März  1495.       6  Mittwoch  den  4.  April  1493. 


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462 


361.  Stück. 


hub  es  widder  an  zu  regen,  unnd  ezoch  dy  arbeit  uff  unde  was  doch 
gancz  warm,  unnd  dass  win  holcz  begunde  zu  palmentt;  unnd  das  Ion 
wart  gross,  eyner  boygern  7  XV  adder  XVI  A,  eyner  snyter  VII  adder 
VIII  lawen  gr.  Man  konde  den  acker  ouch  nicht  ge  ere,  unnd  stunt 
ine  danne  vier  wochen  also.  Uff  sente  walpurgis8  tagk  snigetes  unnd 
regen  dorcli  ey  minder,  unnd  das  wasser  wart  sere  gross  allen  enden, 
unnd  fross  nicht.  Walpurgis  worn  dy  berge  kume  halb  vor  boyget1'; 
octava  walpurgis  konde  man  noch  nicht  erkenne  sommerlaten 10  andern 
winholcze;  über  XIJ1I  tage  noch  walpurgis  hatte  sich  das  winholez 
gescheiden,  danne  es  war  warm;  dar  noch  wart  es  wodder  kalt  ane 
frost,  kalde  winde,  unnd  wart  gancz  hart  zuhackene;  am  ablas  abende 11 
regen  unnd  snee,  das  man  muste  inheissse;  das  was  urbani;12  item 
270  bonifacii1'  ingeheist;  dar  noch  lt  wochen  gancz  |  wann.  Albani 13 frost 
unnd  tunckel,  Johannis  baptiste11  grosse  hiteze,  octava  johannis  do 
blute  der  win,  du  wart  es  sere  warm  biss  assumpeionis  marie'4;  do 
(juoinen  kalde  winde  unnd  regen,  do  man  snite  solde  das  korn.  Es 
stunt  feie  wins  an  den  stocken;  do  galt  eyn  fertel  wins  IUI  A,  eyii 
maldor  korns  III  sexag.  von  dem  besten.  Egidii ,:'  begunde  der  win  zu 
weichende,  wanne  von  assumpeionis  marie  biss  hene  egidii  wart  es 
mechtigk  warm.  Nativitatis  marie10  kalt  unnd  regen,  wol  by  czweien 
wochen.  Umme  senten  gallen  tagk17  begunde  man  den  win  in  zu 
lessen.  An  sente  lucas  tage,,s  do  wart  es  sere  kalt  unnd  kalde  regen, 
so  das  nymant  gelesse  konde  biss  uff  s.  severs  tagk,19  unnd  wart  sere 
tiff  unnd  stunt  also  biss  hene  aller  heiigen  tagk,20  unnd  wart  gancz 
tiff.  Zu  lessen  XIII  A,  zu  treten  VU  lawen  gr.,  unnd  feie  zufuren, 
unnd  wart  feie  wins  gud;  geineyne  wine  eyn  fertel  umme  dry  laweu 
phonge.  Uff  dy  czit  lebete  herezoge  frederich  und  hans,81  syn  bruder, 
by  XXX  jarn  alt  unnd  hatten  beyde  nicht  eliche  wibero. 

Item  eodem  anno  in  die  cecilie-  virginis  do  nam  herezoge  jorge 
von  Sachsen  des  koniges  von  poln  tochter  zu  der  ee,  unnd  hatten 

"  S.  ob.  A.  3.  7  „l»oyger",  mundartlich,  s.  St.  339  A.  5;  über  die  Sache 
h.  u.  A.  26.  „Boyger"  wie  „schnitter'-  (d.  i.  W  ei  ü  Schneid  er)  sind  Arbeiter  im 
\Veinl>erge.  s  Sonntag  den  l.Mai,  die  Octave  also  Sonntag  den  H.Mai  1490. 
"  „vorboygen"      ..gebogen",  sachlich  s.  u.  A.  26.  Schösslingc  aus  deuis«ellH;ii 

Sommer.  11  Der  Tag  vor  dem  Frohnleichnainsfcsh» ,  also  Mittwoch  der  l.Juui 
1496.  11  Mittwoch  den  25.  Mai  1496.  1:1  Sonntag  den  5.  Juni  1496,  Dienstag 
den  21.  Juni  1496,  Freitag  den  24.  Juni  1496.  14  Montag  den  15.  August  1496. 
r-  Donnerstag  den  1.  September  1496.  Donnerstag  den  x.  September  1496. 

17  Sonntag  den  16.  Oktober  1496.  l*  Dienstag  den  18.  Oktober  1196.  ,  J  Sonnabend 
den  22.  Oktober  1496.  *"  Sonnabend  den  1.  November  1496.  "  Kurfürst  Friedrieh 
der  Weise,  Herzog  von  Sachsen,  geb.  am  17.  Januar  1463,  reg.  vou  1486—1525; 
Herzog  Johann  von  Sach.scn,  als  Kurfürst  Johann  der  Beständige,  geb.  30.  Juni 
146S,  reg.  von  1525-1532;  der  erstcre  war  also  damals  etwas  älter,  der  letztere 
jünger  als  30  Jahre;  Friedrich  blieb  uu  vermählt,  Johann  vermählt*?  sich  zweimal: 
zuerst  mit  Sophie  von  Mecklenburg  (f  15031,  dann  mit  Margarete  vou  Anhalt 
(1*1521).  Am  Dienstag  d.  22.  November  1496  vermählte  sich  Herzog  (ieorg 

von  Sachsen  (reg.  von  1500—1539}  mit  Barbara,  der  Tochter  des  Königs  Kasimir 
von  Polen. 


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361.  Stück. 


463 


hochczit  zu  lipcz.  Do  quam  grosse  hersschafft  hene,  also  das  man 
sprach,  dy  czerunge  unnd  kost  woro  anklagen  an  dry  tusont  gülden; 
also  sorc  kostlich  was  alle  diugk  bereit. 

Item  anno  domini  M°  CC(?C°  LXXXXVIl "  umme  ostern,  dt»  dy  arbeit  1497 
zu  erftort  an  gingk  in  den  winbergen,  do  wart  das  Ion  gross:  eynem 
manne  zu  sniten  |  eynen  tag  XXI  A  lanven  gelt  Do  meynte  eyn  » 
erbar  rath,  es  were  zu  feie,  unnd  lessen  dy  stad  knechte  vor  dy 
brücken  geen  alle  morgen  unnd  gebethen,  das  nimant  solde  nemen 
unnd  ouch  uss  geben  eynen  tagk  zu  Inno  danno  XVIII  lawen  A;  wer 
do  mee  hisch,  den  satezten  sy  in  den  stogk  uff  deine  wenigen  marte-8; 
unnd  welch  win  meister  nie  gap  danno  XVIII  Ai  den  satezten  sy  ouch 
in  den  stogk  adder  ouch  in  dy  temmelitczen  unnd  lisssen  in  allen 
enden  dar  noch  frage.  Wer  der  hern  geboth  nicht  bilde,  den  holten 
dy  knechte  unnd  fürten  sy  alle  in  dy  temmelitczen.  Also  mustes  by 
deme  Jone  bliben.  Es  was  ouch  keines  junckern  win  meister  vor 
haben-';  hinder  wen  man  kam,  der  das  geboth  nicht  hilt,  dy  musten 
alle  in  den  gehorsam.  Item  eyn  erbar  rath  hatte  ouch  bestalt,  das 
man  alle  stad  thor  des  abendess  nicht  eher  solde  uff  slesse,25  es  hette 
danne  sechsse  geslagen.  Sie  nomen  sich  an  unnd  Helfen  czitlich  von 
der  arbeit,  unnd  langsam  an,  unnd  feie  lonss.  Item  in  der  boyge2,!  gab 
man  eynem  XT1  A,  eynem  manne,  der  do  pfele  stärkte,  XVUlA;  item 
in  der  hacke37  ouch  XV III  phenge.  Item  in  der  selben  czid  achte  tage 
vor  des  heiigen  crucis  tage  noch  ostern ?s  quam  eyn  gross  frost  unnd 
nam  des  wins  feie  en  wegk  ane  am  hern  berge  unnd  am  celiax  berge, 
am  stolberge TJ  alle  en  wegk. 

,J  Der  Wenigenmarkt,  noch  jetzt  in  Erfurt.  Sl  Mbd  „vorhaben'*  =  mund- 
artlich „vorhaben"  =  „versteckt  halten,  verbergen".  *r'  Damit  die  Arbeiter  nicht 
früher  von  der  Feld-,  d.  i.  dor  WeinbergsarlHiit  heimkehren  könnten.  ?,:  Siehe 
St.  331)  A.  5  u.  ob.  A.7.  „Royge"  —  „die  Beugezeit",  d.h.  wenn  man  den  Wein- 
stock beugte.  Im  ersten  Frühjahre  schnitt  man  die  Rehen  zurück  auf  die 
„Augen"  (3,  4,  höchstens  5),  dann,  nachdem  die  Frostzeit  vorüber  war,  bog  man 
sie,  d.  h.  es  wurden  3  Pfühle  eingeschlagen,  vor,  links  und  rechts  vor  jeder  Rel>e, 
die  dann  von  dazu  angelernten  Arbeitern  nach  rechts  und  links  gebogen  und 
mit  Weiden  an  die  bezeichneten  Pfahle  angebunden  wurde.  In  Tiefthal  (s.  St.  342 
A.  5)  heisst  dieses  noch  heutzutage:  „beien";  später  wird  dort  der  Weinstock,  um 
ihn  zusammenzuhalten,  mit  Stroh  umbiinden,  er  wird  „geheftet".  *r  Die  Zeit, 
wo  die  Weinstöcke  behackt  wurden ,  was  besonders  vor  und  auch  nach  der 
„Beugezeit"  geschah,  um  das  Unkraut  zu  vernichten;  das  zweite  Hacken  heisst 
jetzt  in  Tiefthal  „röhren";  darauf  folgt  dort  das  „geizen"  des  Weines,  d.h.  das 
Abschneiden  der  Spitzen,  damit  der  Weinstock  sich  mehr  breit  entfalte.  -*  Diens- 
tag den  26.  April  14%.  w  Der  „Stolberg"  ist  ein  Höhenzug  nordöstlich  von 
Erfurt,  der  sich  aus  dem  weimarischeu  Gebiete,  östlich  von  Stotternheim,  bis  in 
die  Nähe  von  Erfurt  zieht ;  urkundlich  zuersterwähnt  i.  J.  1354.  s.  IE,  II.  No.418. 
Über  die  genannten  Berge:  Heirenberg  s.  St.  358  A.  3  und  Ccliaxberg  s.  St.  320 
A.  27.  Weinberge  werden  dort  zuerst  urkundlich  erwähnt  ums  Jahr  1250, 
s.  UE,  I,  No.  147. 


I 

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464 


362.  Stück 


1497  Anno  domini  m°  cccc°  lxxxxtii«  eelipsis  seife  et  lue.* 

Der  gantcze  winter  kalt,  feie  regen  unnd  grosse  winde:  nnnd  werte 
sere  lange  in  das  jar  umme  ostern.50   Do  man  solde  arbeite,  do  konde 
nymant  uss  korae  vor  regen.    Czwene  adder  dry  tage  horte  ess  uff 
unnd  wedder  an  |  unnd  unimer  dar  kalt  unnd  feie  regen  unnd  kalt 
Trinitatis  regen,  das  man  nicht  umme  gingk  mit  der  processien.  unnd 
heisten  dy  dornczen  in  biss  hene  Johannis  baptiste,  unnd  feie  donner 
unnd  ungewotter  unnd  kalde  winde.    Noch  Johannis  baptiste  vierczehen 
tage  gancz  wann,  dar  noch  wedder  kalt,  regen  unnd  kalde  winde. 
Petri  et  pauii  begunde  der  win  zu  bluende  unnd  ver  blute  kume  vor 
sente  jacofe  tage.    Do  wart  es  wedder  warm  XII II  tag[ej.    Do  steigk 
der  win  uff  an  deme  kouffe  unnd  galt  vier  A,  unnd  vor  galt  her  alle 
czit  dry  phenge.    Item  alles  getreidich,  körn,  rocken,  gersten .  haffer 
stunt  gancz  wol  alleyne,  der  win  unnd  alles  obess  leyd  feie  note,  keyn 
apphel  noch  beern  umme  erffort.    Umme  dar  tunckel  werter,  kaide 
winde.   Item  do  der  win  bluete,  do  regente  es  um  nie  r  dar;  dar  noch, 
do  her  wachsse  solde,  do  fil  her  abe  unnd  wart  dünne  unnd  schetter.'1 
Item  jacobi  galt  der  win  eyn  viertel  funff  pfenge.    Item  uff  sente 
celiax  tage  galt  eyn  virtel  sechs  pfenge.    Item  uff  denselben  sente 
celiax  tage  wart  das  werter  sere  beiss  unnd  warm,  unnd  werte  dry 
wochen;  dar  noch  kalde  winde.    Egidii  nicht  sere  kalt.    Cmme  sente 
severe  tagk,  do  komen  czwene  froste;  do  begunden  dy  luthe  zu  lesen, 
unnd  wass  alle  wegen  trüge  werter3*;  wenigk  wins,  kume  das  dritte 
teil  als  vor  deme  jare  was.  unnd  nicht  gud,  frisch  win.   Item  einem 
kinde  zu  lessen  XV  A,  XUII  A,  XII  A,  X  A.  VIII  A;  eynem  treter53 
XVI II  A  etc.  | 

r  362.  Von  den  franezossen.  1 

14»7  Anno  domini  M"  CCCCXCVU,  do  wanderte  eyne  krangkeit*  im 
lande  zu  doringen  unnd  zu  erffort  in  der  stad  unnd  in  feie  landen, 
dy  man  hiss  dy  franczossen,  unnd  man  sprach,  sy  were  by  hundert 

a  In  HS  «tebt  unter  der  Svit«  m»ch  von  Stolle»  Hand:  eclipcfe  lane  In  die  prter«  vifttnb, 34 
eclipei*  «oli«  »bbato  pact  jacntrl      hör*  2*  pont  meridirm 

*  Die  im  Jahre  1497  genannten  Tage  sind:  Ostern  26.  Märt.  Trinitatis 
21.  Mai,  Johannis  baptistae  Sinnabend  den  24  Juni,  Peterund  Paul  Freitag  den 
29.  Juni,  Jacobi  Dienstag  den  2r»  Juli,  Sonnabend  naeh  Jacobi  29.  Juli,  St.Celiax- 
tag  Dienstag  den  8.  August,  Aegidii  Freitajr  den  1.  September, 8.  Severstag  Sonn- 
tag den  22.  Oktober.  M  „sehet  t".  s.  St.  345  A.  11.  ■*  Da^  Wort  ist  sonst  nicht 
uachzuweist  ii,  aber  nach  * ler  Analogie  \icler  Zusammensetzungen  mit  mhd  „trüge'* 
md  „trüge-  {rebildet,  also  ..betrügerisches  d.  i.  unsicheres«  Detter.'4  33  Siehe 
St.  342  A.  5.       M  Mittwoch  den  18.  Januar  1497.      3i  29.  Juli  1497. 

3ö2.  1  Die  französische  Krankheit  oder  Franzosenkrankheit,  die  Syphilis  oder 
Ltifftseuche,  fimr  damals  an,  auch  in  Erfurt  epidemisch  aufzutreten;  die  Angaben 
Stollen  wind  cülturhistorisch  wichtig.  *  Mhd  „krane"  =  md  „kräng-',  aus 

letzterem  i*t  „krangkeit"  gebildet. 


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363.  Stück. 


465 


jareu  nicht  mee  gowest,  unnd  wass  eyne  flechtene  suche.3  Es  worden 
mit  ersten  breite  blättern,  dar  noch  worden  sy  breite  grinder  unnd 
rochen  sere  ubele,  unnd  brante  unnd  hitczete  als  gebraut  were,a  uund 
werete  manchen  eyn  halb  jar  adder  eyn  gancz  jar.  Etliche  koinen 
wedder  uff  unnd  etliche11  storben,  unnd  etliche'  feien  wedder  nidder 
in  kranckeit;  etliche  logen  wol  eyn  jar;  ouch  storben  feie  luthe  dar  an. 
Uff  der  prediger  kerchoff1  lagk  es  vol.  Man  buwete  by  dem  grossen 
spettal5  by  deme  graben  eyn  eigen  nuss,  do  logen  sy  inne.  Es  quomen 
ouch  feie  fromder  armer  luthe  kein  erffort,  dy  dy  kranckeit  hatten. 
Dy  von  sente  jacoff  quomen/5  dy  hatten  ouch  feie  dy  selben  kranckeit 
d Etliche  hatten  dy  kranckeit  II,  dry  jar  unde  logen;  etliche  gingen, 
unnd  brach  es  in  den  beynen  unnd  ardmen,7  unnd  wer  das  vortriben 
wolde  dorch  mancherleye  arcztie,  deme  slugk  dy  kranckheit  inwart;  der 
moste  das  lange  trage;  es  wolde  ouch  unvortreben  sy. 


363:  Von  einem  elstern  neste  uff  dem  prediger 

torme  zu  erffort 

Anno  domini  M"CCCC"  XCUI0,  do  hatten  dy  elstern  eyn  nest  ge  1498 
macht  zu  erffort  in  der  prediger  kloster1  in  deme  cruczogange  uff 
evnem  boume.f  Dv  monche  zubrochen  das  nest  alle  zu  mole;  do 
machten  dy  selbigen  elstern  eyn  ander  nest  uff  den  knouff  dos  tornies 
do  selbest  zu  den  predigern;  es  vor  dross  dy  monche  sere.  Do  dy 
elstern  uss  geheckten  unnd  dy  flucke  wordon,  do  machten  sy  eyn 
gerusto  uss  den  glocken  fenstern  |  unde  zu  Stessen  das  neest,  adder  *7i» 

■  in  HS  aiu  Rande  (tolla  abgeschnitten ,  daher  vou  uns  ergänst)  steht  noch:  [etlicbje  hatten« 
[in  d)em  munde.  6  tn  IIS  Ist  „utile he"  versehentlich  auagefallen.  c  „e[tlicbej"  am  Hände 
von  HS  notiert  und  nach  dem  Zeichen  vor  „feien"  einzusetzen.  d  „etliche  hatten"  bis  „mich  un- 
vortreben sy"  steht  unten  auf  der  Seite  von  HS,  teils  abgeschnitten ;  üben  iu  Texte  ein  Zeichen  ;'; 
■  Dio  Stücke  363  :i»S  (incl.)  sind  in  der  IIS  nicht  paginiert,  wir  fahren  daher  in  der  PaglniorunR 
nicht  fort,  sondern  «eteeti  271  *  ob  271  y.        r  u».  i,omne. 

"  Mhd  „vlchten".  stn.,  Flechte  (Hautkrankheit),  hier  also  „flechtenartige 
Krankheit";  über  „Buche"  siehe  H.  Rückert,  Leben  des  heil.  Ludwig,  S.  152. 
4  Kirchhof  an  der  Predigerkircue.  6  S.  St.  341  A.  9.  C.  Beyer  in  dem  8t.  337 
A  i  erwähnten  Aufsatze  sagt  S.  159:  „Unter  dem  Graben  ist  der  Stadtgraben, 
der  heutige  UmAutgraben,  gemeint;  das  Lazarett  lag  also  dem  grasen  Hospital 
gegenüber  am  Spittelrasen ,  jetzt  Hospital  platz  genannt,  und  erstreckte  sich  bis 
in  die  Nähe  des  inneren  Stadtwalles.  Über  seine  Geschichte  ist  fast  nichts  auf 
un»  gekommen."  Das  Wenige  berichtet  C.  Beyer  dann  a.a.O.  S.  159f.  ö  D.  h. 
diejenigen,  welche  von  einer  Wallfahrt  nach  St.  Jago  di  Compostella,  dem  be- 
rühmten Wallfahrtsort  in  Spanien,  also  über  Frankreich  zurückkamen.  7  Das 
d  ist  epenthetisch  und  erseheint  hier  bei  r,  wie  sonst  nur  bei  lingualer  Liquida, 
s.  Woinhold,  Mhd  Gram.5  §  186  u.  189  (nur  Beispiele  bei  1  und  n). 

3<i3.  1  Mann6kloster :  Prediger-,  Dominikaner-  oder  Paulskloster  genannt, 
gestiftet  von  Elger,  Graf  zu  Hohnstein,  1228—29,  um  1590  säkularisiert  und 
aufgehoben;  es  lag  an  der  Südseite  der  jetzigen  Predigerkirche;  s.  V.Mülverstedt, 
Hierogr.  Erf.,  MGE,  III.  S.  154,  u.  v.  Tettau,  Beiträge  zu  einer  vergl.  Topographie 
von  Erfurt,  ebenda  XII,  S.  134  f.    Harmlos  witzig  dargestellt. 

K.  Stolle«  M «mortale.  30 


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466 


364.  Stfictc. 


sy  konden  nicht  das  neest  gantcz  zu  vorstore.  Sy  besorgten  sich,  dy 
elstern  quenion  eyn  ander  jar  wedder.  Dy  monche  bestalten  so  feie, 
das  sy  eynen  ebenturer  man 3  er  forsten  unnd  worden  mit  deme  eyns. 
was  er  nemen  wolde  unnd  wolde  uff  den  torm  stige  by  den  knouff 
unnd  wolde  das  neest  er  abe  nemen;  unnd  das  geschach,  unnd  satezte 
ufF  den  knouff'  uff  evne  stacheln  des  knouffes  eyn  fenchen  mit  evnem 
schelchen;  wanne  der  wint  wehet,  so  dreet  sich  das  fenchen  mit  deme 
schelehene  umme  unnd  clinget,  so  das  sich  dy  fogele  dar  vor  forebten, 
das  danne  noch  do  stehet,  unnd  dy  elstern  sint  ouch  nicht  wedder 
komen,  unnd  mosten  deme  stiger  funff  gülden,  unnd  dry  wochen  dy 
kost  geben.  Ouch  sprochen  dy  luthe,  dy  monche  hassseten  dy  elstern 
dar  umme,  das  sy  ores  ordens  weren;  das  wiste  dy  gestalt  der  klei- 
dunge  uss:  dy  monche  trugen  wissse  rocke  unnd  swareze  mentele  dar 
über;  also  were  dy  eister  ouch  wiss  unnd  swarez. 


3<>4.  Von  der  grossen  glocken  gloriosa1  zu  erffort 
in  unser  lieben  frowen  kerchen. 

14D7  Anno  domini  M°CCCC°  XCV11  °,  das  capittel  zu  unser  lieben  frowen 
bestalten  noch  eyneu  glockcngissser  in  das  lant  zu  gulich,2  gnant 
s7,b  gerhardus  kams;  der  selbige  meister  nam  das  |  wergk  an  sich.  Am 
montago  noch  dem  erflbrten  ablas1  Hess  her  eyn  huss  buwe  uff  sente 
severe  hofo,  do  her  dy  formen  inne  machte;  unnd  by  der  sacristen 
saneti  severi  liss  her  mache  ezwene  hoche  ofene,  wol  dry  manne  langk 
hoch,  sere  kostlichen.  Do  dy  forme  gereit  was,  do  liss  her  dy  in  dy 
erden  brenge  mit  köstlichem©  geezuge6  unnd  dy  köstlichen6  zu  vor 
sorgen  noe  by  dy  czwene  ofen.  Unnd  an  sente  kiliani  abende,7  das 
was  an  eynem  fritage,  als  eyns  slugk  noch  mittago,  liss  her  für  iu 

*  Mhd  aventiuraere  =  der  auf  (ritterliche)  Wagnisse  auszieht,  später  Aben- 
teurer; Stolle  bildet  umständlicher  ebenturer  (mit  Umlaut,  der  beim  mhd  Sub- 
»»tantivum  aventiure  npnter  auch  vorkommt,  8.  Lexer,  mhd.  Lexikon,  8.  v.)  man  = 
„Wachab.44 

»64.  1  S.  hierzu  und  zu  St.  365  v.  Tettau ,  Der  Meister  und  die  Kosten  de» 
Gusses  der  großen  l>omglocke  zu  Erfurt,  MOE,  II,  S.  129 — 175,  Nachträge,  ebenda 
III,  S.  178—186;  ferner  H.  lievnr,  Kurze  Gesch.  d.  Stiftskirche  B.  Mariae  V., 
elwnda  VI,  S.  152  f.  u.  198.  7  Per  Meister  wurde  (nach  v.  Tettau  a.  a.  O.  S.  142) 
aus  dem  Herzogtum  Jfilieh  geholt.  *  Nach  v.  Tettau  hiess  er  Gerhard  Woa 
von  Kiimpen,  in  Holland,  Provinz  Over-Yssel.  *  Während  früher  die  einzelnen 
Kirchen  in  Erfurt  entweder  am  Kirchweihtage  oder  am  Tage  ihres  Schutzpatron* 
ein  Ablaufest  feierten  (so  noch  jetzt  z.  B.  in  Ostdeutschland),  i&t  dieses  ab- 
gekommen; für  ganz  Erfurt  konnte  ein  solche»  Fest  entweder  nur  an  dem  Tage 
der  beiden  Schutzheiligen  der  Stadt,  Eobanus  und  Adolarius,  am  26.  August  stattfinden 
(dann  wäre  liier  der  J8.  Auguat  gemeint;  das  ist  aber  unmöglich,  da  der  Glocken- 
guß am  7.  Juli  1497  stattfand),  oder  eines  der  beiden  Schutzbeiligen,  des  Eoban w 
am  *>.  Juni,  oder  des  Adolarius  am  21.  April,  also  demnach  wäre  entweder  der 
12.  Juni  oder  der  24.  April  gemeint;  wir  entscheiden  uns  für  den  ereteren. 
r'  Mhd  „geziue1',  stm.,  =  md  „geezue",  =  „Stoff",  hier  also  „Glockengut";  das 
Wort  heiöst  aber  auch  „Werkzeug".  "  Adverb.  —  „mit  grossem  Aufwände" 
7  7.  Juli  1497;  s.  auch  Erphordianus  antiq.  Variloquug,  bei  MSG  II,  pag.  510. 


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365.  Stuck.  467 

mache  in  beide  offene.  Dy  spisse  wart  gar  in  der  nacht,  als  czeene 
slugk.  Do  quomen  dy  herns  zu  unser  lieben  frowen  mit  dem  heiigen 
sacrament  cum  letaniis9  unde  satczten  das  uff  eyncn  tisch  schone 
gecziret  mit  mancherleye  blumen  unnd  wolrichen  gekruten,  feie  lechte 
unnd  fanen  unnd  kerczen.  Do  es  eyn  slugk,  do  stiss  der  raeister 
oynen  czapphen.  Do  der  schere  numme  geen  wolde,  do  stiss  her  den 
andern  czapphen  in  deme  andern  ofene.  Do  es  czwey  slugk,  do  was" 
das  wergk  lobelichen  unnd  foHekomen  wol  vorbrocht,b  unnd  alles  fol. 
Do  sungen  dy  hern:  Te  deum  laudaraus.   Habet  lljc,°  czentener. 


365.  Von  andern  czweien  glocken. 

Item  eodem  anno  XCVII°  quo  supral  do  nu  dy  gnante  glocke  1497 
gloriosa  goroiniget  wart,  do  machte  der  gnante  meister  gerhardus  c/.wo 
ander  glocken,  LXXX  czentener  eyne  zu  unser  lieben  |  frowen,  dy  371« 
andern  zu  sente  Severe1  by  LX  centener,  unnd  dy  spisse  zu  beiden 
glucken  wart  zugemacht  in  eynem  ofen.  Do  eyno  forme  eyner  glocken 
tolle  was,  do  wisto  her  dy  spisse  uff  dy  ander  forme  unnd  gingk 
glucksam,  richtigk  unnd  wol.  Das  geschach  am  nesten  tage  noch 
unser  lieben  frowen  tagk  worcze  weo.2  Item  der  selbige  buwemeistor 
zu  unser  lieben  frowen,  der  dits  wergk  had  uss  gericht,  genant  doctor 
lasfee,3  eyn  thumherre  do  selbest,  der  wart  gewelet  von  unserm  hern 
zu  mentcz,  gnant  bertoldus  de  hennenbergk,  zu  eynem  wee  bisschoffe 
in  deme  jare  XCV1II,  unnd  wonte  zu  erfforte. 


»  HS:  ivaHK        b  H8:  borbrocht. 


H  Wie  schon  oft  =  „Domherren".  "  Mittellat.  „letania"  (aus  „litania")  = 
„letanle",  =  „Gebet".       10  Es  ist  also  mit  II  ±*  -  250  Centner  aufzulösen. 

365.  1  Der  .sogen.  „Schreier",  s.  v.  Tettau  n.  a.  O.  S.  134.  !  Mittwoch  den 
16.  August  1497.  1  Kr  war  mngister  fabricae,  d.i.  Verwalter  der  Dombau- 
kasse.  Der  Weihbischof  Johann  Boncinilch  von  Lasphe  (aus  dem  heutigen 
I^nasphe,  j>reuss.  Stadt  im  westfälischen  Kreise  Wittgenstein)  wurde  auf  der 
Erfurter  l  niversitiit  im  Wintersemester  1462/03  inskribiert,  dann  sacrae  pagiuae 
licentiatus,  magister  und  maioris  collegii  collegiatus,  auch  plebauus  der  Michaelis- 
kirehe, Dekan  der  philo*.  Fakultät  1478/79,  Rektor  im  Wintersemester  1485/8«, 
zum  Doktor  der  Theologie  kreiert  am  19.  Februar  1487,  Professor  in  der  theol.' 
Fakultät,  deren  Dekan  er  1493  war;  1495  wird  er  als  Kanonikus  des  Dornst ifte* 
genannt  ;  zum  zweitenmal  war  er  Rektor  der  Universität  14y.c>  96,  zum  Bischof 
i.  p.  i.  von  Sidon  in  Phönizien  (episcopus  Sidoniensis)  am  17.  Januar  1498  kou- 
sekriert  und  zum  Weihbischof  in  Erfurt  ernannt,  zum  drittenmal  Rektor  1503 
bis  1504.  vicarius  iu  pontificalibus  des  Mainzer  Erzbischofs  Herthold;  er  ist  es 
welcher  Martin  Luther  i.  J.  1507  am  Sonntag  Cantate  zum  Priester  geweiht  hat; 
i.  J.  1508  legte  er  seine  Ämter  nieder,  starb  am  17.  Oktober  1510  und  wurde  im 
Hauptschiffe  des  Erfurter  Domes  begraben ;  s.  u.  a.  F.  A.  Koch,  Die  Erfurter  Weih- 
bischöfe. ZThG  VI,  S.  83-85,  und  Feldkamm.  Gesch.  Nachrichten  über  die  Er- 
furter Weihbischöfe,  MOE  XXI,  S.  64f. 

30* 


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36G.  und  367.  Stück. 


366.  Von  eynem  füre  zu  erfforte. 

U98  Anno  domini  M°XCVm  an  der  mitwochen  in  der  Vierden  woclien 
noch  ostern,1  do  braute  das  steynen  huss  gantcz  uss  in  der  mergen- 
knechten2  hofe  zu  erfforte.  On  vorbrante  feie  korns;  sy  hatten  ge- 
bruet;  an  dem  andern  tage  dar  noch  in  der  nacht,  als  czwolffe  slugk, 
hub  sich  das  für  unnd  thed  grossen  schaden. 


367.  Von  eynem  gimsen  wassser. 

149S  Anno  domini  M°CCOC°  XCVITI,  von  fastnacht  an  biss  hene  uff 
sento  albanus1  tagk,  der  do  ist  vier  tage  vor  sente  johans  tage  des 
toufers,  das  worn  XVIII  wochen,  das  es  noch  ny  kein  regen  gethad, 
do  quam  eyn  regen  eynen  halben  tagk.    Vor  des  was*  es  so  mechtigk 

S71«»  heiss  von  ostern  an  biss  hene  |  uff  sento  kylianus2  tagk;  der  win  vor 
blute  achte  tage  vor  sente  johans  tage.  Das  korn  uf  dem  fehl  leid 
grosse  nod.  Dy  gorste  unnd  haffer  wart  kume  *  eile  langk.  Uff  sente 
kylianus  tagk  fru  in  der  nacht,  do  quam  das  aller  groste  wasser  zu 
erffoit,  das  man  meynte,  dy  wile  erffort  ge  standen  had,  so  were  noch 
ny  grosser  wasser  gewest.  Es  gingk  in  aller  forme  in  alle  orte,  als 
geschrcbcn  steed  in  folio  CCLX.-'  Es  was  me,  danne  eyner  eile  hoch, 
grossser  danne  das  wassser,  das  vor  VII  jaren  was'*  hye  vor.  Es  gingk 
in  sente  mertins  kerehcn  in  dem  brule  an  den  alter  steyn  in  dem 
koro.  Dy  lute  m usten  or  fee  uff  dy  boddeme  brenge.  Es  gingk  uff 
dy  lower  brocken1  unnd  in  der  czeehener  hussere  über  al,  unnd  warlT 
aile  stege  nedder  in  der  stad  unnd  ussewendigk.  Dy  lange  Stegen  dy 
hieben  stene.  Es  thed  den  mergenknechten  mechtigen  grosssen  schaden, 
den  sy  nummer  vor  winden  by  hundert  jarn.  Es  liff  dorch  dengrossen 
spettel  hene,  das  sy  das  fee  kume  uff  den  graben  brochten.  Item 
czwene  manne  noch  evn  ander  bv  den  karthusern,  dv  wolden  mit  hoken 
uss  czee,  dy  feien  noch  enandor  en  in  unnd  er  truncken.  Item 
II  manne,  dy  stunden  uff  dem  stege  by  dem  grossen  spettal  unnd 
sogen  deine  wasser  czo;  der  stegk  bricht  under  on  in  unnd  fallen  en 
noch  unnd  er  trincken.    Es  had  feie  husere  um mo  geworfen  unnd 

»7i«  uniine  geweicht  alle  wende  unde  1  feie  muren  umme  geworffen.  Item 
alle  kellere  in  der  stad,  dy  worn  fülle  wasser,  en  teil  biss  oben  an. 
Heer  unnd  win  swam  in  dem  wasser,  etlich  sponten  dy  lute  zu  unnd 
czogen  das  er  uss.  Etliche  fass  lieffen  umme,  unnd  weichte  feie  gute 
kellere  in,  das  sy  umme  feien,  als  oben  geschreben  steed  vor  VII  jaren. 

»  IIS :  wa*..       "  IIS:  wfc.f 

im.  1  9.  Juni  1498.      '  S.  St.  347  A.  11. 

34>7.  1  Von  Dienstag  d.  27.  Februar  bin  Donnerstag  d.  21.  Juni  1498,  das  sind 
nl*i>  nur  IG  Wochen  und  2  Tage.  ?  Sonntag  den  8.  Juli  1498.  Ä  FoL  2ti0 
der  HS;  h.  St.  Ml,  auf  da«  wir  verweisen,  indem  hier  nur  das  erklart  wird,  was 
dort  nicht  steht.      *  lÄiberbrücke. 


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307.  St  iiek. 


1f>9 


Under  der  czal  OCLX  findostu  das  klar.  Adder  liy  hat  es  feie  ^rosssern 
schaden  gethan,  der  nicht  steed  uss  zu  sprechen.  Das  wasser  quam 
von  regen.  Item  czwene  tage  unnd  eyne  nacht  regentos  raechtigk 
sere,  unnd  das  in  feie  landen  unnd  enden.  Item  dy  arme  lute  in  der 
understen  temmelitezen,  dy  worn  schere  ertruncken.  Item  in  dem  selben 
jare,  do  was  eyn  doctor  zu  den  barfussen5  zu  erffort,  eyn  kostlicher 
gelerter  man,  der  predigete  in  allen  kirchon,  wo  man  on  hene  bad, 
unnd  das  folk  lietf  ome  sere  noch;  er  stroffte  dy  gewaldigen fi  sere,  das 
sy  also  eyn  bosse  regement  fürten;  es  wart  über  speit,7  so  feie,8  er 
moste  uss  dem  kloster;  er  quam  uff  den  bergk,  er  predigete  zu  unser 
lieben  frowen  dy  gantcze  fasten  biss  noch  ostern ;  do  quam  er  en  wegk. 
Er  hattes  feie  mol  vorkundiget,  grosse  ploge  worde  erfforte  über  geen ; 
es  half  nicht.  Nu  ist  es  leider  alzu  wor  worden.  Dar  noch  regentes 
yne  hant,5*  also  das  man  gerne  geseen  hette,  das  es  hotte  uff  gehört. 
Do  man  kora  sniten  ßolde,  do  regentes  |  yne  hant.  Item  eyn  ander  »nf 
ploge:  anno  XCVIIT  umme  sente  johans  tagk  baptisto  zu  martvipech10 
er  slugk  der  donner  eynen  schefferknecht  uff  synes  herren  eliohe  wip 
zu  tode,  unnd  das  wip  bleib  lebende,  sundern  ore  hör  hattes  vor 
brant  unnd  dy  scho  an  oren  fussen;  sy  ted  bossse  unnd  trugk  ore 
czopphe  keyn  wissen see  zu  sente  conrade.11 

Item  eodem  anno  an  deme  noch  tage  unser  lieben  frowen  visi- 
tacionis13  er  slugk  der  donner  eynen  man  uff  dem  tonne  liinder  der 
nienczen  mol13  uff  der  muren  unnd  an  feel  enden  des  tormes.  Item 
das  obgnante  wasser  gingk  dry  eile  über  den  borgk  stegk  by  dem 
nuwen  wercke  unnd  brach  den  selben  stegk  nidder  unnd  fürte  das 
holcz  vor  das  gerynne  unnd  schutczte  das  unnd  brach  dos  gervnnes, 
do  dy  kersslache  inne  geet,  wol  czwo  messgerten14  langk  nedder;  do 
lieft"  das  wasser  zu  der  stad  pforten  in  zu  dem  nuwen  wercke,  in  den 
hoff,  in  das  kloster  unnd  in  dy  kerchen,  des  noch  ny  gehört  ist  worden. 

"  Nach  Mötsch  manu,  Erfordia  literata,  P>'l.  II.  Verzeichnis  der  Doktoren  der 
Theologie,  S.  20  ff.,  kommen  in  Betracht  von  den  Minoriteninonehcn ,  welche 
Doktoren  der  Theologie  waren:  1.  Johannes  Heimstete  (kreiert  ain  19.  Okt.  1482), 
2.  Lndovicus  de  Segen  und  3.  Paulus  Carnifici«  de  Lcipzik  (beide  kreiert  am 
7.  Februar  1491),  endlich  4.  Johannes  Kotler  de  Saalfeld  ^kreiert  am  H.Oktober 
1491).  Näheres  ist  un?i  über  alle  diese  nicht  bekannt.  Der  Mönch  wurde  also 
auf  Betreiben  des  Rates  aus  seinem  Kloster  entfernt,  die  Kanoniker  des  Dom- 
stiftes aber  nahmen  ihn  auf,  und  er  predigte  die  ganze  Fastenzeit  hindurch  im 
Dome;  doch  es  gelang  dem  Rate,  auch  von  hier  seine  Entfernung  zu  bewirken. 
*  Bezeichnung  für  den  Rat  und  seine  Vorsteher,  so  schon  von  Prag  8t.  197  A.  12. 
7  Mhd  .,über*piln"  —  md  „über  speln",  personlich:  „jemand  im  Spiele  besiegen, 
überlisten'';  unpersönlich:  , .mit  jemand  ein  üble?  Spiel  treiben".  8  Mhd  „so 
vile",  Adv.,  „so  sehr".  0  S.  St,  250  A.  1 ,  St.  298  A.  2  u.  St.  342  A.  2  (dort 
„ione  hant")  „bisweilen".  10  Markvippach,  Dorf  im  Verwaltungsbezirk  Weimar 
des  Grosahe  rxogt  ums  Sachsen.  11  Gemeint  ist  das  Grab  des  Konrad  Bächerer  — 
s.  St.  136  A.  1  u.  unten  St.  369  No.  10  ,  des  angeblich  von  den  Juden  i.  J.  1303  ge- 
mordeten Knaben,  an»  dessen  Grabe,  wie  Stolle  a.  a.  O.  sagt,  viele  grosse  Zeichen 
geschahen.  Dienstag  den  3.  Juli  149£>.       11  Mainzerhofniiihle;  sie  lag  um 

Bergstrome  am  Ende  der  Mainzerhofmühlgasse ,  wo  jetzt  die  Gewehrfabrik  liegt, 
s.  v.  Tettau,  Topographie,  MGE  XII,  S.  191.      »  „Messruten". 


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470  367.  Stück. 

In  deme  kore  zu  deme  nuwen  wercke  gingk  das  wasser  eynern  au 
synen  gortel  tiff. 

HSO        Anno  domini  M° CCCC°  do  vorgingen  dy  langen  snebeleali 

an  den  [mannes]  sehuon;  dar  noch  komen  dy  breyten  scho.  als  dy 
kümuler  [genant  kowe  muler]  mit  über  siegen.  In  der  czit  gingk  uss 
der  trottart  tantcz,16  der  vor  ny  geseen  was,  unnd  weret  noch  biss  her. 
Item  dy  manne  trugen  breite  grosse  hemde  mit  grossen  breiten  brost 
listen  unnd  forne  gericket.17  Item  dy  frowen  unde  dy  meyde  trugen 
s7i«  kostliche  brost  tuchere, 16  ouch  forne  mit  breiten  kostlichen  listen  gel  sticket, 
mit  syden,  mit  perlin  adder  flittern;  unnd  ore  hemde  hatten  secke,  do 
sy  dy  broste  in  stackten,  das  alles  vor  nicht  mee  gewest  was,  unnd  dy 
frowen  lange  spitczen  an  den  schon  mit  patyn,  unnd  dy  scho  hatten 
alle  wisse  scheflte,  alles  unczuchtigk  [unnd  lange  spitczen  an  den  schon 
mit  wisssen  schefflen,  unnd  alle  trugen  patyn  adder  pantofen,  alles 
unczuchtigk].  Sy  trugen  ouch  kollerechte  brostchene,19  unnd  dy  manne 
trugen  jopen,20  forne  uffene  mittenander  unnd  wisse,  adder  von  ge- 
wande  kostliche  brost  tuchere  [adder  hemde]  unnd  über  her  gesnuret 
mit  syden  snuren  adder  mit  breiten  senckeln21  unnd  breite  prissen« 
an  den  jopen  ermein;  unnd  dy  mentele  [hatten  dorch  howen  sweife,] 
forne  uffen  unnd  kort  unnd  uff  don  syten  arme  löchere  mit  breiten 
knouffen,23  unnd  unden  umme  her  zu  howene"  sweiffe,  körte  jopen, 
dy  koller  tiff  uss  gesneten  in  den  rocke,  zu  halbe  wegk  lange  hossen 
gehalbert25  mit  mancherleye  färbe,  kleyne  hüte  adder  bereth  mit  oren, 
alles  unczuchtigk.  Sy  trugen  ouch  hüben  uf  der  gassse  in  mancherley 
wisse  unnd  färbe,  als  dy  frowen  pflegen.  Dy  syden  hüben  der  frowen 
vorgingen  reyne;  dy  frowen  [hüben  mit  langen  czippfeln  unnd  forne 

*  Daa  Eingeklammerte  nach  »liier  andern  (durchstrlchenen)  Darstellung  der  Sache  auf  der  2. 
Seite  eine«  hinter  fol.  3166  der  HS  eingehefteten  Blattohew. 

18  Die  Schnabelschuhe  erscheinen  schon  am  Ende  des  11.  Jahrhunderts,  denn 
Graf  Fuelo  von  Anjou  soll  sie  1089  wegen  seiner  übelgebauten  Füsse  aufgebracht 
haben;  allgemein  üblich  wurden  sie  in  der  2.  Hälfte  des  14.  Jabrh.,  im  15.  Jahrb. 
waren  sie  »pitzig,  fast  ellenlang;  gegen  1480—145)0  gab  man  eie  auf,  gieng  aber 
ins  andere  Extrem  über,  nämlich  zum  breiten,  sonst  cntenschnabelformig,  hier 
von  Stolle  kuhraaulförmig  genannten  Schuh.  10  Der  „Tanz"  im  engeren  Sinne 
wurde  ge treten  oder  gegangen, der  ,. Heiben"  gesprungen;  von  mittellatcinisch. 
trotare,  frzs.  trotter,  „mit  kurzen  Schritten  laufen'  ,  vergl.  Weinhold  „Die  deutschen 
Frauen  in  dem  Mittelalter",  S.  389  ff.  Nach  Voss  „Der  Tanz  und  seine  Geschichte", 
1869,  8.81,  gab  es  im  deutwehen  Mittelalter  einen  Tanz  am  Johannisfest,  welcher 
„Drotter"  hiess.  17  ricken  =--  „häkeln,  zusammenschnüren."  18  „Der  Hals- 
ausschnitt blieb  weit,  ja  er  vertiefte  sich  noch  und  nahm  das  kostbare,  feine, 
aber  durchsichtige  Vorstecktuch  auf,  das  die  (testalt  eines  Kragens  oder  Brust- 
latzes hatte,  darin  die  «on.-t  völlig  freien  Brüste,  vom  Leibchen  unterstützt, 
ruhten"  (Götzinger,  Realkxikon  der  deutschen  Altertümer).  ,u  „kollerartigi- 
Leithen"  (Lexer,  mhd.  Lexikon  s.  v.  kollerecht).  50  Jacke.  71  „Nestel" 
(noch  jetzt  in  „Schuhsenkel"  erhalten).  91  Mhd  „brise",  stf.,  =  „prisze"  = 
„Einfassung  von  Kleidungsstücken,  Einfransung."  1:1  knouf,  stm.,  =  „Knopf, 
Knoten.  Schlinge",  Schnürwerk  mit  Knöpfen  in  dichtester  Reihe.  "zuhouwen 
=  eine  Gewandung  zur  Zierde  schlitzen  und  dann  kostbar  füttern,  so  das»  der 
Kock  fast  in  einzelne  Streifen  zerfiel.       »R  halbern  ■=  „halben"  =  „der  Hälfte 


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36*.  Stück. 


471 


her  kostliche  sternchene]  lange  czippfelichte  hüben,  dy  wunden  sy  unime 
dy  houbte,  adder  grosse  dicke  breyte  wolste,  unnd  forne  her  an  den 
hüben  köstliche  sterneche,  schone  her,  als  dy  riebe  luthe;  gut  narren 
speel. 

Item  do  man  schreib  14XL  jar  hy  vor,  do  trugk  man  mentele  ane  1444) 
snure;  dy  frowen  trugen  rocke  mit  kragen  unnd  forne  zu  allerdinge; 
dy  manne  trugen  rocke,  dy  woren  forne  czu  allerdinge  unnd  gerickte 
ermel,  wenigk  parchens  jopen ;  |  keine  ganeze  hossen,  dy  bant  man  mit  mh 
czween  senckkeln  an;  stomphe  scho;  unnd  dy  mentel  worn  uft  beyden 
syten  czo;  grosse  breite  huthe;  dy  meyde  trugen  ore  czopphe  binden 
nidder  hangen  unnd  weningk  czopphe  bender,  gancz  goczuchtigk,  keyne 
wisse  noch  rothe  scheflte  an  den  schon;  sy  trugen  ouch  keyne  mentelo 
biss  hene,  das  sy  brüte  worden. 


368.  Von  deme  malegelde.1 

Anno  domini  M 0  CCCC0  XC1X  do  gingk  das  malegelt  wedder  an.  Von  1499 
eynem  malder  korns  musteman  gebe  zu  malen  uff  das  rothuss  zu 
erffort  XVI  aide  gr.,  von  eynem  malder  gersten  VH1  grosschen.  Item 
wor  syne  wine  vorkouffte,  der  muste  von  eynem  schocke  grosschen 
gebe  VIü  aide  gr.,  unnd  dar  zu  von  eynem  eymer  eyn  stobichen.2 
Item  das  phunt  fleisch  gingk  ouch  uss  zu  dem  ersten  male  in  dissem 

jare.  Von  eynem  phunde  rintfleisch  8  A,  von  den  broten  4n'  A, 
schopisssen  fleisch  von  eynem  phunde  8  A,  swinen  fleisch  8  A,  reben 

broten  -4^b  A.  Wer  eyn  swin  slacht  in  syn  huss  vi  gr.,  von  eynem  kalbe 
IX  A,  von  eynem  lambe  eynen  s wert  grosschen,  von  eynem  erffortschen 
beer  X  sex.,  etliche  jar  XX  schogk. 

Item  als  man  schreib  tusent  CCCC0  unnd  XCIXGy  do  hub  man  an  1499 
zu  weihen  dy  kerchen  zu  sente  peter3  zu  erffort.    Item  in  dem  selben 
jaro  was  eyn  warm  winter,  unnd  der  hornungk  gancz  warm,  unnd  der 
mereze  gancz  kalt,  kelder  danne  der  winter  was.  | 


a  US:  IV}.       b  HS:  IV).       0  HS:  tnMnt  unnd  ZCIZ. 

nach  teilen"  (s.  St.  57,  A.  1),  damals  Mode,  denn  man  jrieng  in  der  „Gehnlwirung" 
(miparti)  so  weit,  da?o  nicht  bloss  d«;r  Tappert,  der  Überziehrock,  sondern  auch 
tlie  Hose  in  2  Hfdften  zerfiel,  nach  Farbe,  Form  und  Stoff,  z.  B.  rot  und  blau, 
manche  trugen  sogar  drei  und  noch  mehr  Farben  (Götzinger,  Keallexikon  der 
deutschen  Altertümer). 

368.  1  S.  St.  347  A.  31.     1  Mhd  „stubechin"  (v.  stouf  =  Becher)  „Stübchen", 
jetzt  nur  noch  mundartlich  für  das  Getös»,  nicht  mehr  als  Maass,  s.  M.  Schnitze, 
Idiotikon  der  nordthür.  Mundart.  S.  45  (stöbbiehen),  Hertel,  Thür.  Sprachschatz  . 
8.  239  (stübchen). 


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472  369.  Stück. 

369. 

*JJX       1-  Anno  dni  CCCC°XXV1  regnanto  theodosio  imperatore  romano  et 
P.  »lo    merwigo  rege  tburingoruni  civitas  northusensis  est  fuodata  et  muro 
imdj.   c|rcu m data,  ot  longe  post  hoc  villa  erffordia. 
u.  p.p. 9i»       2.  Anno  dni.  DCCCLXXXV1  comites  de  keffembergk  construxerunt 
1        nionasterium  prope  wassenborgk  in  honorem  sancte  walpurgis  nongen- 
tesimo  XXV,  qnod  postea  translatum  est  in  opidum  arnstete. 
"(wo«)13       3  Anno  dni*  M°xxv  Conrad U8  dux  franckorura  habuit  unum  avun- 
oii«t."   culum  nomine  ludewicum;  qui  ludewicus  venit  in  thuringiam  so  pre- 
lcC320).P'  sentans  nobilibus  torro,  civitatibus  et  villis  officia  sibi  ab  episcopo  ma- 
guntino  commissa  prudenter  exercuit  et  benefieia  sibi  concessa  recepit 
et  Joca  occupavit  et  specialiter  in  confinibus  silve  proprio  blosseleiben 
juxta  montes  katenbergk,  aldenbergk,  cornebergk,  et  ibidem  faeiendo» 
villas,  terras  et  arbusta  in  carapi  planicies,  et  villas  nominavit  frede- 
richenrode,  reynhardisborn;  et  erexit  Castrum  schowenbergk  prope  reiu- 
hardisborn  et  frederichenrode  cottidianam  ibidem  mansionem  habuit 
"(1306)914       4-  Anno  dni-  M°  XXXVI  nobilis  vir  walterus  de  glissbergk  fundavit 
(Ltb.  eron.  mouasterium  scotorum  in  erffordia. 

p.  778. 
Cr.  St.Petr. 
mod.p.366). 

H.p.p.916       5.  Anno  dni.  M°CX°XIV°  monasterium  in  walkenrode  funda- 

(1313)  (Nie.  . 
deSlegeop.  tum  6St. 
888  u.  314. 
Llb.  cron.p. 
778). 

H*(i3iw ie  &  Anno  dni-  M°  CXLV11  fundatum  monasterium  vallis  saneti  georgii 
(H.B.p.3'77.  a  coraitibus  de  kefernbergk.  | 

Llb.  cron. 
p.  778). 
*7l* 

H.p.p.917       7.  Ludewicus  thuringorura   lantgravius  secundus  et  quartus  in 
(h?  e?V  ordine  duxit  uxorem  juttam,  filiam  conradi  ducis  suevie,  protiinc  impe- 
3T8>-    ratoris  anno  dni.  M°CL°.    Ködern  anno  construetum  est  cenobium  in 


*  H8  fehlerhaft:  f*clen*  rllla*  coequaudo. 

369—882.  1  Die  oben  stehenden  einzelnen  84  lateinischen  chronikalischen 
Notizen,  welche  Stolle  vielfach  schon  in  der  deutschen  Erzählung  verwendet  hat 
(s.  die  Register),  hat  er  sämtlich  aus  der  sog.  Historia  Pistoriana,  nach 
Holder-Egger  (Studieu  z.  thüring.  Gcschichtsqucllen,  N.  Arch.  f.  alt.  deutsch.  Ge- 
schichtsquellen XX,  S.  398)  Cronica  Thuringorum  auetore  Praedicatore  Iaenacensi 
(s.  St.  1  A.  1)  entnommen  ;  wir  halten  daherdie  Seitenzahlen  sowohl  der  1.  Ausgabe  von 
Pistnrius,  1583,  ala  auch  in  Klammern  die  der  Ausgabe  von  Struve  v.  J.  1726  an 
den  Rand  geschrieben.  Mehrere«  (13  Stellen:  3.  6.  7.  20-  25.27.  29.  31.32)  findet 
sich  auch  in  der  sogen,  historia  Eeeardiana,  nach  Holder-Egger  (ebenda  8.  411) 
Cronita  Thuringorum  amplificata  (a  patre  Minore  Isenaecnsi),  hei  Joh  Georg 
Eccard,  Hist.  genealog.  als  Hist.  genculog.  veter.  Lamlgraviorum  Thuringiae  (722, 
pag.  309  —  488.  Anderes  (3  Stellen:  4.5.6)  steht  auch  im  Libcr  cronicorum 
l.  d  MEH  1899,  Weiteres  (5 Stellen:  4.  8-11)  auch  in  derCronic.  St.  Petri  Erf.  mod., 
MGH,  Scr.  XXX.  1,  1896,  endlich  1  Stelle  (No.  5)  auch  bei  Nicolaus  v.  Siegen, ed. 
Wegele,  1855.   Von  einer  Commentierung  glauben  wir  auch  hier  absehen  zu  sollen. 


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I 


< 


370. 8tfick.  473 

uchtrishu8en  per  comites  grnmbech.  Mortno  iuoperatoreConrado  predicto, 
qui  imperavit  XIV  annis,  successit  ei  filius  suus  in  imperio  fridericus  primus 
hujus  nominis  anno  dni.  M"LilI.  Iste  fridericus  primo  fuit  piissimus 
.  et  cristianissimus,  postea  autem  impiissimus  et  ecclesiam  dei  mnltum 
persequebatur,  propter  quod  a  papa  excommunicatur  et  deponitur.  Et 
quia  conradus  archiepiscopus  maguntinus  adhesit  pape  contra  fridericum, 
idoo  a  friderico  est  episcopatu  privatus,  et  maxima  clades  depressit 
episcopatum  et  destruxit  plura  castra  scilicet  rostebergk,  horborgk, 
ammolborgk,  bingen  etc.  Et  a  ludewico  thuringorum  lantgravio  jussu 
a  friderico  ejus  sororio  raurus  civitatis  erffordensis  in  conteraptum 
episcopi  destruitur  et  evertitur. 

8.  Anno  dni.  M0CC°LXVIII  agnes  marchionissa  miscie  vidit  in  "jfjji,9*0 
sompnis  angeluni  sibi  propinantem  in  cypho  aureo  vinum  amarum  et  (cronfst. 
postea  in  brevi  defuncta  est.  —  Eodem  anno  stotternheym  Castrum  per  ^JofjJ' 
erffordenses  destructura  est.  *o6). 

9.  Anno  dni.  M°CCC°  IIJ  Castrum  hopfgarten  funditus  est  destructum  "-^933 
per  dominos  terre  et  erffordenses.  (Cron  St. 

Prtri  Brf. 
p.  135). 

10.  Eodem  anno  judei   in  wissensee  occiderunt  occulte  filium  H.p.p.933 

(1336) 

ejusdem  castrensis  nomine  conradum;  propter  quod  malum  judei  per  <cron.  st. 
totam  terram  occisi  sunt.  Pot?i«Lf" 

11.  Item  sequenti  anno  cives  erffordenses  ceperunt  castra  bur-  "^jj,;*83 
gravii  do  kirchbergk  scilicet  griffenbergk,  wintberg,  kirchbergk.  leysten.  (crou.  st. 

Potri  Erf. 
p.  436  sq). 
H.E.p.  451 

12.  Anno  dni.  M°CCC°XX1  fridericus,  marcliio  in  terra  orientali  et  H-1Jiji»M 
plisnensi,  multa  castra  cepit  etaliqua  |  retinuit,  scilicet  destruxit  rassen-  ».  i.  issi. 
bergk,  ot  eckorssberge,  quod  erat  berngeri  de  schidingen,  expugnavit.     871 1 

18.  Anno  dni.  M°CCC°XLVl  destructum  est  Castrum  evterssbererk  11. p.p. 9*0 

(1316) 

uff  dem  harcze  per  comitem  de  sundersshusen  et  erffordenses  et  rnol- 
husenses,*  et  XIX  raptores  ibidem  capti  et  suspensi  sunt,  et  hcrmannus, 
comes  de  stolbergk,  et  heinricus  de  wertirde  miles  deeollati  sunt. 

14.  Anno  dni.  MÜCCC°XXXV  ventus  validus  fuit,  qui  in  civitatibus 
et  villis,  castris,  campis  et  uemoribus  innumerabües  ruinas  fecit. 


370.  Discordia  inter  nrnrcliioneni  et  erffordenses 
orta  de  duobus  episeopis. 

loa.  Anno  dni.  M°  CCC°XXX  mortuo  mathia  archiepiscopo1'  magun-  "  v.v-w» 
tini  canonici  elegerunt  baldewinum,  episcopum  treverenseni,  cui  ad-  <l"-w,) 
heserunt  erflbrdenses;  e  contra  dominus  papa  dedit  heinricum  de  verne- 
borgk,  prepositum  bunnonscm;  et  orta  est  discordia  magna  in  dyocisi, 

»  IIS:  ro.Um.eu.       h  IIS  falsch :  arcbiepisoopl. 


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474 


370.  8t0ck. 


nam  ajiqui  adheserunt  uni  in  thuringis,  alten  aliqui,  et  fueruot  partes 
in  terra  et  in  civibus  inter  laycos  et  clericos;  et  erffordenses,  qui  ad- 
heserunt electo,  habuerunt  aliquos  clericos,  qui  adheserunt  dato  a  papa, 
suspectos  et  ceperunt  eos,  yramo  aliquos  occiderunt,  nec  ad  preces 
baldewini,  episeopi  electi,  detentos  a  vinculis  absolvere  volebant ;  propter 
quod  nialum  eos  excoramunicavit  et  excommunicari  fecit.  Et  frede- 
ricus  niarchio  contra  eos  et  quamplures  alios  nobiles  in  thuringia  conci- 
tavit.  Tandem  aliquibus  annis  transactis  erffordensibus  in  sua  perti- 
271««  nacia  manentibus  fredericum  marchionem  |  ob  favorem  ecclesie  dei  et 
episcopi  maguntini  electi  per  capitulum  in  moguncia  et  ad  mandatum 
imperatoris  collegerunt  aliquera  exercitum.  Et  iu  metelhusen  villani 
veniens  imperator  volens  ibi  sedere  pro  tribunali  et  tamquam  publicos 
hostes  cleri  et  terre  cives  sentencialiter  condempnare.  Sed  cives  erffor- 
denses cum  turma  magna  civitatem  oxiverunt  et  marchionem  in 
judicio  fugaverunt;  propter  quam  contumaciam  et  proterviam  cepit  eos 
undique  persequi  incendiis  et  rapinis.  Hoc  videntes  conspiraverunt 
cum  comitibus  terre,  de  kevernbergk,  de  wymar,  de  bichelingen,  de 
rotenborgk,  qui  eos  juverunt.  Et  hü  sencientes  se  nimis  a  marchione 
perurgeri  erffordenses  diraiserunt  et  ad  marchionem  se  contulerunt, 
quod  videntes  erffordenses  aliunde  trecentas*  lanceas  conduxerunt  et 
cum  heinrico  de  blankenhayn,  capitaneo  eorum,  civitatem  erffordensem 
exiverunt  et  villas  marchionis  circa  nuwenmarte,  bottelstete,  gotha, 
tommesbrucken  rapinis  et  incendiis  dcstruxerunt.  Tandem  venerunt 
ad  oppidumb  kranchfelt,  quod  fuerat  comitum  de  swarczpurgk,  et  civi- 
tatem kranchfelt  incenderunt  et  plus  quam  LX  homines  perierunt;  et 
post  hoc  erffordiam  sunt  reversi. 
!»•»-••*  15  b.  Eodem  anno  ut  supra  baldewinus,  electus  episcopus  magun- 
4S)  tinus,  intravit  thuringiam  contra  aliquos  nobiles,  qui  adheserunt  suo 
adversario,  et  obsedit  tulstete,  et  magnum  populum  posuit  de  voluntate 
frederici  de  wangheym  in  wangheym  contra  orffordenses  occulte,  spe- 
rans,  quod  civitas  erffordensis  per  aliquos  cives  sibi  traderetur.  Cui 
episcopo  com  es  do  kaczenborn  debebat  venire  in  adjutorium  et  per  ad- 
»71-  vocatum  marchionis  captus  fuit  cum  omnibus  suis.  )  Et  postea  epis- 
copus vidcns  tradicionem  civitatis  erffordensis  non  evenire  ad  effectum, 
concordavit  cum  marchione  inimico  erftbrdcnsi,  et  obsederunt  civitatem 
erffordensem  in  cireuitu.  Ibi  fuerunt  XVI  prineipes  cum  suis  congre- 
gati.  Et  in  cireuitu  fruges  et  segetes  terre  defalcaric  fecerunt  et  vineta 
sueeidi.  Et  multis  hincinde  dampnis  ex  utraque  parte d  factis  tandem 
pervenitur  ad  contlictum  per  consequens  in  bruleto;  multi  occisi  sunt 
OK  utraque  parte.  Et  tinaliter  coacti  sunt  cives  erffordenses  pecuniani 
dare  marehioni  et  episcopo,  et  eciam  solutis  a  vinculis  clericis  per 
cives  detentis  et  facta  pace  quilibet  rediit  ad  sua. 

»  HS  fatacb:  trocout«.       "  US:  oplduw.       •  IIS:  defalcaro.       rt  In  HS  fohlt  parte. 


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371.  und  372.  Stück.  475 

371.  De  Heldernnge. 

16.  Anno  dni.  M0CCC°XCIU  nobilis  baro  rudolfus  de  helderungen 
miles  infestavit  civitatera  erffordenseiu  et  villas  eorum  destruxit  ra- 
pinisa  ot  incendiisb  rusticos  capiendo  et  deducendo  et  satis  gloriose 
cum  exercitu  suo,  scilicet  cum  sexeentis  lanceis  visus  est  ante  civi- 
tatem  erffordensem  sine  omnic  resistencia.  Postea  in  brevi  idem  miles 
mortuus  est.  Et  frater  suus  adhuc  juvenculus  tenuit  gwerram  cum 
erffordensibus  per  annum;  et  eciam  circa  festum  pasche  cum  exercitu 
suo  fuit  in  villis  erffordensibus  et  satis  prope  civitatem  sibi  tunc  in 
propria  persona  cooperante  frederico  de  brunswigk  et  aliquibus  comiti- 
bus,  scilicet d  de  honsteyn,  sine6  omni  resistencia.  Tandem  gwerra 
durante  et  cottidie  ex  utraque  parte  se  ledentibus  et  capientibus,  com- 
posicio  fuitf  facta  per  fredericum  ducem  predictum  reconciliatum  cum 
erflordensibus*  et  adjutor  eorum  seu  capitaneus  in  cunctish  litibus 
factus  |  pro  aliqua  summa  pecunie  nobilibus  terre  tunc  in  civitato  2"° 
erford1  kcomite  et  duce  de  helderungen  presentibus  sub  anno  dni. 
MOCCCOXCV.   

\ 

Ol  <9a 

17.  Cum  Romani  niminm  crescere  ccoerunt  in  diviciis  et  potencia  h.p  ,p,9os 
et  tot  um  mundum  nitebantur  subjugare  suo  imperio,  audiontes  in  par- 

tibus  germanie  ad  septentrionem  multos  esse  reges  et  principes,  qui  se 
ipsos  rexerunt  et  regnum  romanorum  minime  curabant.  Habito  con- 
silio,  quomodo  ipsos  humiliarent  et1  tributarios  faceront,  sicut  fecerunt, 
multos  reges  et  provincias  seu  terrasm  in  partibus  transmarinis,  Romani" 
miserunt  strennuissimum  militem  et  nobilem  romanum  nomine  julium 
cum  maxima  multitudine  populi  et  cum  infinite  thesauro  in  alemaniam, 
ut  reges  ibidem  deponeret  et  terras  tributarias  et  subjectas  romano  im- 
perio faceret.  Julius  enim"  voniens  in  alemaniam1*  per  decem  aunos 
regnum  thuringie  et  alia  regna  scilicet  galliam  debellando  romano  im- 
perio subjecit,  et  destruxit  non  absque  magna  strage  hominum  utriusquo 
partis.  Nam  quinque  annis  pugnavit  in  thuringia  ot  ibi  moram  traxit, 
et  ut  regna  manerent  destructa  et  populus  subjectus  romanis;  tunc 
julius  multa  castra  in  diversis  partibus  alemanie  construxit  et  multos 
nobilos  ibidem  posuit,  ut  si  thuringi  vel  alii  aliquem^  regem  crearent 
vel  se  romanis  opponerent  quod  compcscerentur.  Nam  iu  partibus  nunc 
saxonie  ob  veneracionem  lune,  cujus  radios  vidit  quadam  noete,  in  |  s7)1, 
quodam  monte  editicavit  Castrum  luneborgk  et  compellabat  thuringos 
adorare  lunam  secundum  modum  romanorum.  Item  in  partibus  orien- 
talibus  mysne  edificavit  julborgk,  quod  modor  nominatur  ilborgk;  item 

*  In  HS  fehlt  raplnls.  b  HS  falsch  IncendlU  et  e  In  HS  fohlt  omni  d  Kehlt  iu  IIS. 
°  Fehlt  In  HS.  r  Fohlt  In  HS.  e  ,ot  adjutfr'  bl*  ,n«l>UitiuR  terre'  nur  tu  Piatorius-Stuve. 
h  IIS:  cvrtl*.  '  Krford  fehlt  in  US.  k  HS  sinnlos:  una  cum  illo  de  Heldernngeu  ot  duce. 
1  HS  noch  «ucmi.  HS  fchich:  multl*  reKibua  «t  provincll»  ot  terrU.         n  Setit  IIS  hluxu. 

•  HS:  cum.        V  HS:  Alemanla.        i  SeUt  HS  au.        *  Fehlt  in  HS. 


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47« 


373.  bw  375  Stück. 


in*  partibus  nunc  thuringie  oditicavit  kuffesse,  quod  est  nornen  gallicum 
et  est  idem,  quod  confusio,  in  perpetuum  argumentum,  quod  regnum 
thuringiaeb  fuit  per  eum  confusum.  Item  in  partibus  hassie  construxit 
boymelbor^kc  et  posuit  ibi  plus  quam  LXX  milites  contra  thuringos; 
item  plura  castra  edih'cavit  in  reno  et  in  francia  contra  regem  fran- 
corum  scilieet  juliacum,  novimagium.  Et  postea  julius  omnibus  castris 
cum  nobilibus  et  militibus  bene  munitis  reversus  et  romam.  Et  tandem 
imperator  factus  est  romanorum ;  et  eomortuo  octavianus,  qui  et  augustus 
dicebatur,  factus  est  iinperator  et  dominus  tocius  orbis;  sub  quo  natus 
est  cristus. 


373. 

h.i'  p^so       18.  Anno  dni.  M°CXC1II  fluvius  unstrot  totaliterfuit  exsiccatus,  nec 

(IS19     aliqua  aqua  ibi  invoniebatur  multis  diebus. 
H.p.p.921        19.  Anno  dni.  M°CCV1  facta  est  fames  valida  per  omnes  regiones 

{13SO.   ^urans  per  jres  annos% 

374. 

h.p.p.»26       20.  Anno  dni.  M°CC° XXXIV  heinricus  lantgravius  thuringie  et 
(h."!^.'  hassie  cepit  Castrum  viselbceh  comitis  heinrici  de  glichen  et  XX III 
malefactorum d  captos  decollari  precepit.  Eodem  anno  idem  lantgravius 
thuringie"  piopter  plura  mala,  que  paciebatur  ab  eodem  comite  heinrico f 
87i'i  de  glichen  ipsum  legittime  citatum  ac  postea  sen.tencia  condompnatum 
et  proseriptum  omni  jure  feodali  privavit 


375. 

h.p.p.öüö  21.  Anno  dni.  M " CO° XXX V°  in  ytalia  civitate  porusinu*  in  con- 
(hV'SV  ve,»t»  fratrum  predieatorum  canonizata  est  beata  elisabeth  quondam 
«*>•  lantgravia  thuringie,  filia  regis  ungarie,  a  papa  gregorio  nono,h  multis 
prelatis  ecclesie  et  magnis  presentibus.  Item  sequenti  anno  trauslata 
sunt  ossa  de  humili  loco  ad  locum  magis  roverendum  ejusdem  s.  elisa- 
beth, presentibus  archiepiscopis  scilieet1  moguntinensi,  coloniensi,  bre- 
mensi  et  pluribus  aliis  episcopis  et  prelatis,  item  presentibus  friderico 
imperatore  et  heinrico  lantgravio  thuringie  et  hassie  et  suo  germanu 
fratre  eonrado  magistrok  ordinis  theotonico  et  matre  corum  langra- 
viorum  scilieet  domina  sophia  et  hermanno  filio  beate  elisabeth  et 
sophia  filia  sanete  elisabeth  et  multis  aliis. 


*  Fehlt  In  IIS.         b  IIS :  ThurliiKoram        0  Ptstorlu«:  Wimoltarg.        d  118:  malcfectoras 
Fehlt  bei  PihioriuH.       (  Fohlt  lu  IIS.        &  118:  Teruall,       h  Fehlt  bei  Pirtortua.        1  Fehlt 
bei  Ptsturlu«.       k  F»hlt  iu  US. 


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376.  und  377.  Stück. 


477 


376. 

22.  Eodom  anno  de  mandato  et  consilio  doinini  pape  gregorie  noni  h.p.|».9s6 
heinricus  lantgravius  thuriugie  et  hassie  incepit  editicare  conventuni  (n'J^p. 
fratrum  predicatorum  in  isenache  et  consecrari  voluit  in  honorem  s.  421 
elisabeth.    Ex  eo  quod  ipse  elim  iniquo  consilio  secutus  ipsam  de 
castro  wartbergk  ejecit  et  molestari  permisit.    Quod  intelligens  fiater 
conrad us  germanus  heinrici  lantgravii  adjunxit  illi  conventui  pro  pa- 
trono  sanctum  johannem  baptistam,  ex  eo,  quod  ipsura  in  frisslaria 
ecclesias  suas  destrueudo  offenderit  et  incinerando  molestavit;  ubi  tunc 
in  conventu  fuit  primus  prior  veinerabilis  pater  frater  elgerus  coines  *7ir 
de  honstein  sanctus  dei. 


377.  De  blaspliemia  friderici  iniperatoris  in  deum. 

23.  Anno  dni.  MCCC°  XLFI  fridericus  imperator  cum  regnasset  H.p.p.iwe 
XXXI  annis,  convocavit  principes  alemanie  in  franegfort  volens  cum  eis  ^,15^* 
tractare,  qualiter  filium  suum  conradum  in  regem  romanorum  crearet.  4*5— i»«', 
Ubi  spiritu  dyabolico  ipsum  instigante  blasphemavit  in  deum  et  in  ^X'r*" 
sanctam  ecclesiam,  dicons:  tres  sunt,  qui  in  regiuiinibus  suis  se- 
duxerunt  mundum,  scilicet  moyses,  qui  seduxit  judeos,  et  cristus,  qui 
seduxit  cristianos,  et  machametus  gentiles;  quam  ob  rem  si  vos,  prin- 
cipes, velletis  michi  consentire,  ego  utique  multum  meliorem  moduni 
credendi  et  vivendi  cunctis  nacionibus  ordinärem.  Haue  blasphemiam 
omnes  principes  et  nobiles  mox  ut  audierunt,  nimium  sunt  turbati,  et 
facies  eorum  pre  dolore  et  stupore  sunt  iumutate,  quod  audiverunt  i tu— 
peratorem  et  regem  ecclesie  dei  heresi  permaxime  esse  maculatum. 
Sed  pre  aliis  prineipibus  talia  audientibus  heinricus  lantgravius  thuriugie 
singuia  verba  imperatoris  per  legatos  solempnes  in  scriptis,  ut  verum 
membrum  ecclesie  cristi  talia  audire  abhorreret,  pape  gregorio  iusinuavit. 
Quapropter  idem  papa  predictum  imperatorem  exeommunieavit,  quamvis 
hoc  ipse  modicum  curavit.  Et  papa  innocencius  sequons  gregoriura 
aliqnibus  annis  postea  transactis  exeommunicacionem  approbavit,  ymmo 
ipsum  fridericum  imperatorem  deposuit.  Et  apud  principes  |  alemanie  -71 - 
procuravit  eligi  in  regem  romanorum  heinricum  lantgravium  thurin- 
gorum,  prineipom  cristianissimum  et  militem  strenuum.  Et  quia  papa 
innocencius  quartus  fuit  multum  pecuniosus,  ideo  ut*  predictus  heinricus 
do  thuringia,  tilius  ecclesie  dei  et  membrum  cristi,  gubernacula  regni 
suseiperet,  ei  XXV  milia  marcarum  argenti  puri  in  supplementum 
transmisit.  Item  eodem  anno  et  tempore  sicut  principes  fuerunt  in 
franckenfort  vocati  ad  imperatorem  fridericum,  obiit  frater  elgerus  de 
honsteyn  prior  in  isenaco  ordinis  predicatorum,  confessor  heinrici  lant- 
gravii, quem  secum  adduxit  in  franckenfort  tarn  quam  sanctum  diroc- 
torem,  et  ipsum  mortuum  reduxit  in  isenacum  ad  suum  conventum. 
Eodem  tempore  et  in  eadem  congregacione  prineipum  sophia  tilia  lude- 

» Fout  in  ns. 


■ 


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4?8 


878.  bi*  880.  Stück. 


wici  lantgravii  et  beate  elisabeth  atque  filia  fratris  heinrici  lantgravii 
desponsata  fuit  duci  brabancie. 


378.  De  episcopo  banibergensi. 

n.p.p.986       24.  Anuo  dni.  M°CC"XLVI  eaptus  fuit  episcopus  ba  m  bergen  si  s  a 
<i:«7).   eomite  bertoldo  de  kevernbergk  et  per  tempus  in    custodia  tentus, 
("_b).p"  <l,,ein  postea  heinrieus  lantgravius  a  vineulis  absolvit.    Item  eodom 
anno  fratres  minores  haben tes  conventum  in  gotha  traust  lücrunt  se  in 
arnstete,  quibus  successerunt  fratres  augustinenses. 


379.  De  promocione  lieinriei  lantgravii  in  regem 

romanum. 

ii. i*. p. o*7      2fr  Anno  dni.  M°CC°XLVI1,  anno  pontiticatus  domini  pape  innocencii 
(H  E^'p.  secundo  heinrieus  lantgravius  tluiriugie*  ad  mandatum  ejusdem  pape  in 
42«       regem  romanorum  est  electus  in  franekenfort.    Kt  ibidem  prope  renum 
cum  magno  oxercitu  prineipibus  sibi  cooperantibus  cum  conrado  filio 
27i»  friderici,  quem  patcr  prefocit  et  libenter  ipsum  pro  rege  |  post  ipsum 
habuisset,  conflixit  et  eum  cum  suo  exercitu  vicit  et  confudit  in  die 
beati  dominici  confessoris;  et  habita  victoria  profectus  est  in  sweviam 
contra  eundein  ducem  swevie  conradum  et  patrem  suum  fridoricum1' 
olim  imperatorein  ipsos  humiliando.  Post  hoc  reversus  est  ad  thuringiam, 
vonit  in  Castrum  wartporgk  et  infirmari  cepit,  et  dum  Jaboraret  in  ex- 
tremis, petivit  corpus  suum  apud  patrem  suum  ad  sanetam  katherinam 
extra  muros  isenace  et  cor  suum  sepeliri  ad  fratres  predicatorum  ad 
sanetam  elisabeth,  in  cujus  honore  conventus  fuit  dedicatus;  quod  et 
factum  est.  _______ 

380.  Scisma. 

u.p.p.947       26.  Anno  dni.  M"CCC"LXXIX  oitum  est  heu  maximum  scisma  in 
(mm),    ecclesia  dei  per  duos,  qui  ambo  se  gesserunt  proc  papa.  Quorum  unus 
sedit  in  roma,  dictus  urbanus,  alter  in  avingona  in  francia  et  dictus 
clemens.     Quibus  mortuis  quolibet  pars  elegit  alium.     Et  duravit 
XXXVI  annis  usque  ad  conciliura  constanciense,d  in  quo  electus  fuit 
martinus.    Item  eodem  anno  Castrum  brandenborgk  devenit  ad  potes- 
tatem  cum  oiuni  jurisdictione  ad  lantgravium  thuringie. 
h. p.p. 949       27.  Anno  dni.  M" CCC°LXXX.V  comes  de  kevernbergk «  in  pere- 
n:tr.i).    grinacione  jerosolimitana  mortuus  est  nulluni  relinquens  heredem;  cui 
'iss).1''  successit  in  eomitatu  et  in  omnibns  bonis  suis  baltasar,  lantgravius 
thuringif,  collator. 

*  HS:  flccunrli  ( falsch,  ilenn  dir  rt.-unaliuv  Pap«t  bieaa  Innocen?  IV.  ;  die  Bemühungen  de« 
Paj.iUs  fallen  bereit*  iu  «ein  t.  RopieiuneHjahr,  124ö,  die  Wahl  Heinrichs  fand  allerding«  ont  am 
21    Mai  124f.  ntatt)       b  Kehlt  iu  IIS.      p  IIS :  eww.     <1  118:  constantleoil.       6  H8: 


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381.  und  382.  Stflck. 


479 


28.  Anno  dni.  M°CCC°XCIT1  in  die  penthecostes  hora  completorii"  P-p-»*9 
facta  est  magna  inundacia  alquarum  in  isenaco  versus  plagam  australem 
et  pertransivit  conventuni  karthusianum  quasi  ad  altitudinem  ho- 
minis. Doinde  descenditad  fossata  civitatis  isenacensis  et  non  potenspro- 
eedere  erevit  ibi  ad  magnam  altitudinem  in  tantum,  quod  murum 
civitatis  dejecit  et  depressit  et  cum  impetu  intrans  civitatem  ad  plateam 
cerdonum  deponendo  domus  et  multa  deportando  et  cum  suo  impetu 
clausit  valvas  porte  sancti  nicolai.  Quibus  clausis  congregabantur  ibi 
in  tantum,  quod  destruxerunt  portam  violentor.  Et  multa  pecora  et 
suppellectilia  perierunt  et  in  campis  inveniebantur.  Item  eodem  anno 
fuit  magna  pestilencia  in  isenaco  et  in  northusen. 


381.  Von  den  werwolffen. 

29.  Anno  dni.  M0CCCC°  in  territorio  nobilium  de  wangheym  lupi  h.p.m.u 
scilicet  werwolffe  devoraverunt  pueros,  et  alii  homines  aliquos  XV  anno-  «ijJJÜifl, 
rum  lacoraverunt,  ymmo  villas  clara   die  intraverunt  et  pueros  de  ^JJJJJJ* 
januis  et  domibus  receporunt  presentibus  parentibus  et  deportaverunt. 

30.  Anno  dni.  M°  CCCC/'IITI  circa  festum  nenthecostes  fuit  ventus  n.p.p.ar.* 

(13K0) 

validus  cum  tempestato  magna,  que  multa  milia  arborum  in  nemoribus 
radicitus  de  terra  dejecit,  et  specialiter  sub  Castro  wartbergk  propo  iscnach. 

31.  Anno  dni.  M°CCCC°VI  fuit  eclipsis  solis  generalis  in  dio  sancti  h. p.p. 95» 
viti,  que  fuit  protunc  quarta  feria,  circa  horain  septimam;  et  duravit  ^^p. 
quasi  per  dimidiam  horam.    Eodem  anno  fuit  pestilencia  magna  per  «w. 
totam  thuringiam  et  duravit  usque  ad  festum  nativitatis  cristi,  in  qua 

multi  I  homines  utriusque  sexus  obierunt   et  multi  prelati,  episcopi,  ä7iT 
abbates,  comitos,  barones,  milites  et  militares. 

32.  Anno  dni.  MWCCCC°VI1  fuit  ventus  validus  circa  festum  snnctc  n.p.p.05» 
kathcrine,  qui  multas  arbores  et  domus  evellit.»  Item  circa  festum  (Jr^{iJ;ch 
sancte  elisabeth  quasi  in  die  ejusdem  iucepit  hiemps  intensus  [sie]  fri-  h.k.m«o. 
goribus,  qualis  in  centum  annis  non  creditur  fuisse,  et  duravit  usque 

ad  festum  puritieationis.1'  


382.  Hcrenis  in  bohemia. 

33.  Nota,  quod  inmediate  post  concilium  constanciense,  quod  fuit  n.p.p.»si 
anno  dni.  M"  CCCC0  XX1V,C  auditis  bohemis  condempnacionem  et  incine-  ^S'^.) 
racionem  illoruni  duorum,  scilicet  johannes  hus  et  jeronimus,  hereti-  ■JJJJJJJ1 
corum,  publice  incepit  pullulare  heresis  et  infectio  tocius  regni  bohemie.  Wortlaut. 
Verum  quia  extunc  insultaverunt   suis  malis   blasphomacionibus  et 
frivolis  in  cristi  nomen  et  in  seivos  dei  irruentesque  in  eos  multos 
diversis  cruciatibus  occiderunt.    Et  omnia  monasteria  quorumcunque 
ordinum  funditus  evellebantd  et  destruxerunt,  imaginesque  sanctorum 

*  Plstortus:  evertlt.  IIS:  usque  purilicat  tonb.        c  Der  Kelativmitz  fehlt  l>ei  Plirtorlu». 

d  HS:  ovellatwint. 

1 

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■ 


480  382.  Stück. 

confregerunt  et  eombusserunt  calices  et  omnia  ecclesiastica  ornamenta 
in  usus  prophanos  verterunt.  Et  sie  a  nobili  usque  ad  ultimum  rusti- 
4'iun  tocius  regni  bohemie  a  tide  katholica  declinaverunt  cum  magna 
eede  et  strage  cleri  et  religiosorum  utriusque  sexus  nomen  cristi  eon- 
htentes.    Quapropter  anno  dni.  M°CCCC°XXMI  domini  missenenses 

«7i»  atque  lantgravius  |  thuringie  tamquam  veri  katbolici  et  boni  emulatores 
et  zelatores  fidei  visceraliter  commoti  magnum  collegerunt  exercitnm 
nobilium  et  militarium,  nomen  cristi  corpore  et  anima  defendere  vo- 
lentes  usque  pragam  pervenerunt  et  eandem  obsederunt.  Et  multos 
stronnuos  [sie]  viros  ab  horeticis  interemptos  perdiderunt,  et  sie  sine  fruetu 
inde  recesserunt.  Attamen  pragam  cepissent,  si  sigismundus,  romanorum 
rex,  non  obstetisset;  qui,  ut  dicitur,  auditus  fuit*  dixisse:  „nosrratesb 
sunt,  quos  perditisUc  quia  tbrtassed  regnum  bohemie  libenter  cum  pace 
habuisset,  quia  ipseverus  fuit  heres  ab  utroque  parente  ad  hocgenitus: 
sed  bohemi  eum  in  regem  nolebant  habere,  sed  alium  ribaldum  et  in- 
stitutum  et  rusticum  natum  in  regem  orexerunt.  Quapropter  papa 
martinus  anno  XX  °  contra  eos  crucem  dedit  et  generale  indixit  passa- 
gium  cum  magnis  indulgenciis  per  quendam  cardinalem  legatum  a  la- 
tero,  ad  hoc  negocium  specialiter  deputatum.  Ob  que  tarn  superiores 
quam  inferiores  partes  alemanie  ob  predicacionem  crucis  tidem  eristia- 
norum  et  cristi  nomen  volentes  defendere  ad  arma  cueurrerunt,  et 
quasi  multitudo  innumerabilis  hominurn  diversarura  regionum  in  bo- 
hemia  contra  hereticos  convenit,  et  quasdam  obsidentes  civitates  scilicet 
usczkc  aliasque  villas  rapinis  et  incendiis  devastarunt.  Et  ad  ultimum 
sine  omni  magnifico  actu  ad  propria  redierunt,  multos  tarnen  1  ex  utraque 
parte  oeeisos  relinquentes,  paucis  tarnen  castris  obtentis.  In  quadain 
congregacione  exercitus  fuerunt  episcopi  scilicet  maguntinus,  coloniensis 

s7i7  et  leodicensis  in  propriis  personis  et  multi  alii  prelati  ecclesie  |  cum 
suis  armigeris;  post  vero  dominus  lantgravius  thuringie  fridericus« 
et  patrui  sui  tenuerunt  sumptuoso  stipendarios  usque  ad  XXVB  annum 
contra  hereticos  predictos.  Attanien  ipsi  heretici  post,  reditum  domi- 
norum  castra  et  civitates  atrociter  invaserunt,  quaeh  vix  ymmo  dei 
adjutorio,  tenuerunt. 
ii. p.p. um  ;U.  Anno  dni.  M°C<!CC°  XXlfl  domiuus  fridericus  senior,  inarchio 
,1:JW)  misnensis,  emit  ducatum  saxonie  et  dux  saxonie  ab  omnibus  pro- 
clamatur. 


(Anderthalb  Seiten  leer.) 


»  HS:  fulimo,  al.cr  <tareh«e«tr1ch«n  b  IIS:  nrate*.  «"  Fohlt  in  HS.  *  HS;  fcrtaifa. 
PiNtoriun:  spoclaliter  Salr.lt.  '   HS:   tm.ltu«quo.  *    HS   seüst   hlnrn:    vj  (videlicct?) 

118:  flinKl. 


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383.  Stück. 


4*1 


383.  Hir  hebet  sieh  an,  wye  dye  von  erffort  uiind  eyii  «a- 
bisschoff  zu  mentez,  umid  damocli  die  hern  zu  missen 
alle  drye  partie  eyne  ewige  vor  traeht  unnd  frede 
gemacht  haben  under  eynander,  unnd  das  ewigliehen 

zu  halden.1 

i. 

Anno  dni.  M"CCCC0LXXX11D>.  UHJ 

Wir  ratismeister,  rath,  rethe  unnd  gantcze  geraeyne  der  stad 
erffort  bekennen  unnd  thun  kunt  vor  uns  unnd  unser  nachkomen 
allen  den,  dy  dissen  breft'  seenb  adder  hören  werden.  Als  byc  ge- 
czitend  erczbisschofl"  dyether,  herre  zu  mentez*  etc.  unsere  lieben  hern 
seligen  loblicher  gedechtnisse,  etliche  czwey  tracht f unnd  spenne  czwisschen  * 
synon  gnaden  von  syn  unnd  des  stitftes  wegen  eins  unnd  uns  ander1' 
teils  eitstanden*  gewest  syn  unnd  al  so  biss  uff  zu  komenk  unnd  rege- 
runge  des  hochwerdigesten 1  unnd  hochgebornen  fursten  unnd  herren 
hern  albrechts,  des  heiigen  stuls  zu  mencz  in  geistlichen  unnd  wert- 
lieben111  vol  mechtiger  administrator,  des  heiigen  romisschen  richs  durch 

•  Von  hier  beginnt  dl«  Stollcache  Pagiaierun«  wieder,  mit  872.  b  O:  toben.  c  O:  ble. 
J0:  xcllten.  *'  O:  Diothern  zeu  Moatz.  '  O:  seweytreebto.  K  O:  zctiMchon.  h  0:  ander«. 
1  ü:  entttanden.       *  O:  ankörnen.       1  O:  hoehwlrdlj;taton.       '»  geUtlichcm  und  werntllchem. 

I$S8.  1  Da»  Jahr  1483  kann  für  Erfurt  alt»  da»  grosse  Friedensjahr  gelten, 
denn  in  ihm  landen  sowohl  die  langen  Streitigkeiten  zwischen  Main/  und  Erfurt 
(s.  ob.  St.  326  bis  329)  in  dem  Amorbacher  Vertrage  vom  3.  Februar  1483,  aueh 
Concordata  All«  rti  administratoris  genannt ,  als  auch  die  jahrhundertelangen 
Streitigkeiten  zwischen  den  meissniseb-sächsischen  Fürsten,  welche  als  Nachfolger 
der  alten  Landgrafen  seit  der  Mitte  des  13.  Jahrhunderts  Thüringen  beherrschten, 
und  Erfurt,  durch  den  Weimarer  Vertrag  vom  3.  Februar  1483  einen  relativen  Ab- 
schluss.  Über  beide  Streitigkeiten  s.  v.  Tcttau,  Das  staatsrechtliche  Verhältnis 
von  Erfurt  zum  Erzstifte  Mainz,  JAE  I,  1860,  S.  116  ff.,  der  hier  Nicolaus  von 
Siegen,  chronic,  ecclesiast.  pag.  461  sq.  folgt;  ferner  C.  Beyer,  Geschichte  der  Stadt 
Erfurt  bis  z.  J.  1664,  1893,  S.  36  ff.  Stolle  will  beide  Verträge  zusammenfassen ; 
er  teilt  zuerst  den  Amorbacher  Vertrag  (I  von  uns  genanut)  mit,  dann  aber 
eiue  Zuschrift  der  sächsischen  Fürsten  (II  von  uns  genannt)  an  ihre  Stände, 
Amtleute  wie  Städteverwaltungen ,  gegeben  zu  Weimar  den  2.  Februar  1483, 
worin  die  sächsischen  Fürsten  jenen  einschärfen,  die  Bestimmungen  des  eigent- 
lichen Weimarer  Vertrages,  welcher  erst  unten  St.  387  mitgeteilt  wird,  genau  zu 
befolgen. 

I.  Es  liegen:  1.  das  Original  im  Kgl.  Staatsarchiv  zu  Magdeburg,  also  das 
einst  in  Erfurt  aufbewahrte  Exemplar  (Rep.  14  VI  9);  2.  der  Revern  im  Kgl. 
Kreisarchiv  zu  Würzburg,  also  das  für  Mainz  in  Erfurt  ausgestellte  Exemplar:  Ver- 
trag hertcogen  Albrechten  Administrator  des  Ertzstifft  Mentz  mit  denen  von  Erffurt, 
anno  1483  (Ad  ladul.  71  No.  56).  Dieses  letztere  Exemplar,  schöu  auf  Pergament 
geschrieben,  mit  angehängt.  Siegel,  war  für  uns  einzusehen,  und  danach  wurde  der 
Stollesche  Text,  soweit  es  nötig  war,  berichtigt,  denn  die  altertümliche  Fassung 
Stolles  ist  wohl  von  einer  gleichzeitigen,  in  Erfurt  angefertigten  Abschrift  des 
Reverses  wiederum  abgeschrieben,  wenigstens  spricht  dafür  die  Natur  einer  Menge 
von  Fehlern. 

II.  Das  Original  von  II  ist  von  uns  trotz  aller  Bemühungen  (Nachfragen 
u.  a.  bei  den  Archiven  in  Weimar,  Magdeburg,  Erfurt,  Würzburg  u.  a.)  nicht  auf- 


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482  m.  stnck. 

dutczelant*  ertczkanczeler  unnd  kurfursten,  herczogen  zu  sachseu,  lant- 
▼  grafen  in  doringen  unnd  margrafenb  |  zu  missen,  unsere  gnedionr  hern. 
unentricht  an  steen  bieben  ,d  das  wir  sulche  gebrechen  unnd  czwei- 
tracht"  hone  zu  legen/  euch  kunfitige  irrunge  zu  vor  hüten*  unnd  zu 
vor  miden  mit  dem  itczunt  gonant h  unserme  gnedigen  hern  unnd  stifft 
mentcz  als  mit  unserme  rechten  erbehern  gnediclich,  gunstlich  unde 
gutlich  vor  eyniget,  vortragen  unnd  bericht  sintv  noch  luthe  einer  vor 
schribungek  von  sinen  gnaden,  mit  bewilligunge  der  orwirdigen,1  hoch- 
geborn  unnd  wirdigen  thum  tecuantsm  unnd  capittels  ussgangen,B  dye 
er  noch"  folget p  unnd  begriffen  ist^Uso  lutende: 

Wir  albrecht,  von  gotis*  gnaden  des  heiigen  stuls  zu  mentcz  in 
geistlichen  unnd  wertlichen r  admiuistrator,  des  heilgen  romesschen 

•  O:  Germanien        •»  O:  mararraffen.       r  O:  Kündigen.        d  O:  blieben.       «  O:  »rWfT- 
tivehte.       r  O:  hlnzcatocea.      *  HS :  vor  guten  ;  O ".  verbaten.     ■  O:  U*t«on»nt*n.     '  O:  «in. 
k  O:  laut  eyner  verochriebnnR.       1  O:  crenwlrdig.-n.      "'  O:  tUumnochaut.      »  HS:  u««aiic« 
°  O:  hlrnacb.        V  HS:  folfen.        <*  O:  «ots.        r  HS:  werUIgen.  O:  gelittenem  and  wernt 
liebem  rolmechtiger. 

efuudeu  worden.  Auch  hier  ist  die  Fassung  altertümlich.  Wo  Fehler  sind, 
aben  wir  «sie  nach  dem  Texte  des  grossen  Vertrages,  ober  in  Stollescber  Spraclu1 
uncl  Schreibweise,  211  verbessern  gesucht  oder  an  einzelnen  Stellen  anch  durch 
Konjektur  das  uns  richtig  Scheinende  eingesetzt. 

Der  älteste  Druck  de.«  Amorbacher  Vertrage«  aus  dem  Jahre  1492  auf  Pergament 
(Stadtarchiv  zu  Erfurt)  ist  zwar  bemerkenswert,  ändert  aber  schon;  so  giebt  or 
z.  H.  schon  die  Überschriften  als  Inhaltsnilgaben ,  welche  die  Originale  nicht 
haben;  die  Drucke  aus  dem  Jahrb.,  z.  B.  vom  J  1535,  sind  für  die  Herstellung 
des  Stollesehen  Textes  ganz  unbrauchbar,  da  sie  die  Orthographie  nach  der- 
jenigen, die  in  ihrer  Zeit  galt,  umgestaltet  haben,  noch  mehr  that  dies  Falcken- 
stein,  welcher  a.  a.  O.  S.  395  ff.  den  Vertrag  von  Amorbach  bringt. 

Hinsichtlich  der  abweichenden  Lesarten  des  Originaltextes  des  Amorbacher 
Vertrages  (O  von  uns  genannt)  sei  noch  bemerkt,  dass  Stolle  bei  der  Abschrift, 
die  im  ganzen  sorgfaltig  ist,  die  Sprache  in  die  ihm  geläufigen  Formen  um- 
gesetzt hat,  wohl  meist  unwillkürlich  und  ohne  dass  er  merkte,  was  er  that.  — 
Wir  haben  selbstverständlich  als  Grundlage  den  Stolleschen  Text  festgehalten, 
aber  alle  abweichenden  Formen  des  Originals  in  der  adnotatio  critica  wieder- 
gegeben, auch  die  offenkundigen  Fehler  Stolle*  emendiert,  jedoch  nicht  ohne  An- 
gabe der  Versehen  Stolles.  Abweichungen,  die  nur  orthographisch  sind  und  immer 
wiederkehren  (an  einzelnen  Lauten;  wenn  bei  Stolle  tez  und  cz  =  im  Originale 
zc,  z  =  zc  und  umgekehrt,  t  —  tt  und  d  —  dd,  d  =  t  und  umgekehrt,  t  =  tb. 
fehlendes  h,  g  und  c  in  der  Endsilbe  ic,  n  =  nn,  k  ck,  g  =  gk  und  um- 
gekehrt, p  —  b  und  umgekehrt,  y  =  i,  i  =  ie  steht,  weun  das  schliessende  e 
1111  Dativ,  auch  beim  Pronomen,  oder  e  vor  dem  casusbildenden  s  des  Genetiv» 
oiler  in  der  Endsilbe  des  Dativ  plur.  oder  sonst  am  Ende  weggelassen  ist,  ebenso 
das  schließende  n  im  Infinitiv),  sind  der  Übersichtlichkeit  halber  unberücksichtigt 
geblieben.  Auch  andere  stets  wiederkehrende  Abweichungen  seien  hier  bloss 
einmal  bezeichnet:  unde  —  und  (unnd),  Vorsetzsilbe  vor  =  ver,  vor  =  für  und 
für,  disser  =  dieser  (in  allen  Casus),  dy  und  dye  =  die,  stad  =  statt  (stet), 
Erflort  -■=  Erifurt,  her  =  herr  (auch  in  anderen  Casus),  in  =  inn,  sulch  ^  solich 
(in  allen  Formen),  sullen  =  sollen,  Wullen  =  wollen,  ouch  =  auch,  ore  =  ire 
un  allen  Casus,  auch  in  den  übrigen  Formen  des  Personal-  und  Possessiv- 
pronomens der  III.  Person),  doreh  -=  durch,  noch  =  nach,  her  er.  --  Vor 
dem  2.  bis  5.  Punkte  steht  im  Originale  item,  was  Stolle  also  viermal  weggelassen 
hat,  dann  setzt  er  es. 

Von  einer  Komincntieruug  haben  wir  hier  und  unten  Stück  387  abgesehen, 
da  sich  die  Verträge  selbst  erklären. 


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3*3.  Stück. 


richs  durch  dutczhelant*  erezkanezeler  unnd  kurfurste,  horczog  zu 
Sachsen,  lantgrafe  in  doringen  unnd  margrafe''  zu  missen,0  thun  kunt 
allen  den,  dy  dissen  brefF  seend  adder  hören  werden:  als  in  cziten  des 
hochwerdigi8ten 0  in  got  vaters  hern  ditters'  von  isenbergk/  ercz- 
bisschoffsh  zu  mentcz  etc.,  unsers  lieben  hern  unnd  vorfaren  selgen1 
loblichere  gedechtnisse,k  czwisschen1  siner  liebe  von  sinerm  unnd  des 
ge  melten  stiffts  wegen  eyns  unnd  den  erssamen,  wissen n  unsern"  unnd 
unseres  stiffs  underthanen  unnd  lieben  getruwen  ratismeistem,»*  rathe, 
rethen  unnd  ganczer  gemeyne«  unser  stat  erffort  andern  teyls  etliche 
czweytracht  unnd  spenne  entstanden  |  unnd  biss  nach  abeganger  des  27s 
gemelten  unsers  lieben  hern  seligen  beharret  unnd  in  czit  unser  re- 
girungo  bestanden  gewest  sin,  wan  abir  wir  ernstJichs  gemuts  erstlich s 
zu  gemeynem  nutcze  unde  freden1  unnd  sunderlich  unser  stat  unnd 
unsern  burgern  zu  erffort  gemeiniglich11  zu  gnaden  unnd  gunst  ge- 
neigetv  unnd  alle  czit  gemeint  sin,  uffrure,  krige  unnd  beswerunge,w 
ouch  irrunge  in  zukünftigen  cziten*  zu  vorhalden  unnd  zu  vorkomen, 
dar  ummeT  bekennen  wir  vor  uns,  unser*  nochkomen11*  unnd  stifft 
mentcz,  das  wir  uns  mit  domo  rathe  unnd  gemeiner  stadbh  erffort  mit 
czitigen  betrachtungen,  ouch  rate  unnd  vor  willigungo  der  wirdigen,  hoch 
unnd  wolgeborn  unde  erssamen  hern  bertolduscc  grafen  unnd  herrendd 
zu  hennenbergk,  techants,"1  unsers  lieben  ohemen,,f  unnd  des  eapittels 
gemeyniglich?R  unsers  thumstiffts  czuhh  mentcz  sulcher  czweitracht 
unnd  spenne  gnediglichen41  unnd  gunstiglichenkk  uff  nochgeschreben 
moss11  voreyni  get,  berichtet  unnd  hon  furmm  dye  noch  geschreben"u 
artikel,  was  dar  inno  begriffen  adder  vor  fast  ist,  czwusschen  uns  unnd 
unsern00  nochkomen  unnd  stifft  unnd  unser  stat  erffort  unnd  den 
bürgern  also**  ewiglichen"  zu  halten,  vor  tragen  unnd  von  beydcn 
teylen  be  slossen  haben. 

Czum  ersten  als  dy  stat  erflbrt  von  alder  her  deme  heiigen  sent 
mertin,"  unserm  patron,  unserme  stifft  mentcz  unnd  uns  zu  stoet," 
unnd  wir  unnd  unser  stifft  ore  rechter  erbherre  i  sin,  ouch  dio  burger  >• 
do  Reibest,"  rath  unde  gemeine,  unserme  stiffte  mit  truwen  unde  eyden 
in  forme,  wye  von  alder  her  komen  ist,  gewant  unnd  von  unserme 
stiffte  mit  etlichen  friheiten  begnadet  unnd  begäbet  sin.  Deme  nochuu 
sollen  rath  unnd  gemeine  sich  gegen  uns,  unsern  nochkomen  unnd 
stifft  getruwelich  mit  herkomen  vor  wentenisso™  halden  unnd  bevvisen, 
unnd   wir,  unser  nochkomen ww  unnd  stifft"  mentcz  sye  unnd  ire 

»  O:  Germanien.         »•  O:  margirraff.  *  O:  MieMea.  O:  »hen.  •  O :  hoch- 

wtrdictetenn  ♦  O:  Dtctherno.  *  von  Isenbergek  fehlt  in  O.  »'  HS:  «rcsbischoff.  1  HS: 
nelger,  O:  »eilten  k  löblicher  grdochtnkx.  1  O:  zauachcnn.  m  O:  sin.  n  O:  wlewnn. 
°  O:  unnncrn.  I'  O:  ntti»m«l*ter.  <*  O:  gemeyndc.  r  O:  abgange.  *  HS:  <>rn«tllch. 
1  (>:  frieden.  u  ():  gemcynltch.  v  O:  gnolget.  w  HS:  b«Borgungc ,  O:  tanworuug. 
*  0:  kunfftlg  xoitt.  ?  O:  daramb.  ■  HS:  unae.  "  O:  nachkoounu.  ht>  HS:  und«? 
aantezer  gemeine  der  «tat.  00  O:  Bertolt«.  ,w  HS:  grafe  unnd  berif.  ■  00  IIS:  tecluuit. 
»"  O:  obeimb.  KK  O:  gonMiynllch.  "»h  Fehlt  In  HS.  11  HS:  jrnedl.licb.  kk  O:  gnimt- 
lleheun.       11  O:  narhgeftchi-ie1x>no  maaz.  O:  hlnfur.      nn  O:  aaehgeachrieboDe.  HS: 

uniierm.       PI'  IIS :  «y.       M'i  O:  «wlgllch.       "  «in  t  Martin.         O :  tciMtolict.      »  O:  dasei lwt. 
"»  Denuiarb.       vv  O:  vorwantnlwen.       ww  O:  nachkomeno.  "0:rtin"to. 

:n* 


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383.  Stück. 


nochkomeD*  wedder  ummeb  bye  allen  unnd  iglichenc  iren  uberkeyten,0 
herlickeiten,  gnaden,  friheiten,  rechten  unnd  erbarn  gewonheiten,  was 
sye  der  vom  stifft  mentcz  herbracht  haben,  bliben  lossen*  zu  ewigen 
tagen  unnd  yn  dar  inne  keinen  abebruch  adder  intragunge'  tliun  in 
keinen  wegk.* 

Dyo  unsern  von  erffort  sullen  oueh  uns,  unseren  nochkomenh 
unnd  stifft  mentcz  bye  unseren  oberkeyten  unnd  herlickeiten,  dye  wir 
unnd  unser  stifft  zu  erffort  haben,  ouch  geriehten,  geistlich  ader  wert- 
lich,' hohe  unnd  nidder,  ouch  gewonlich  unnd  czemelich*  gerichtes 
fellin1  unnd  nutezen  unnd  andern  unsere  stiffts  rechten,  gutern  unnd 
czinsen  nicht  erren,m  vorhindern  noch  verspern11  dar  in  nicht  tragen.0 
ader  dorch  die  burger  ader  ander,?  der  sie  mechtigk  weren,  tragen 
lossen«  in  keinem  wege,r  sundern  den  geriehten  oren  frien»  louflt 
wullen  geen  lossen,'  dye  wir  ouch"  unnd  unser  nochkomen*  noch 
redelicher  erbarer  niosse*  mit  personen  unnd  schribern  bestellen,  be- 
setezeu  unnd  ordenern x  mögen,  unnd  dy  gerichtet  bye  erbarn  alten 
*7  t  herkomenden1  gewon  heiten  bliben  lossen**  sullen,  damit  unsern  burgern bt 
unnd  meniglichen  noch  geborniss"  rechts  vorhulffendd  werden  möge, 
unnd  das  die  partien  des  schribers  halben  nicht  ungeburlich**  beswert 
werden,  alles  ungeverlich. 

Das  der  ratli  zu  erffort  unserm  hoff  do  selbest"  mit  den  dorffern, 
litten  unnd  gutern  darzu  gehörende,  ouch  unser  amptlute  unnd  diener 
getruwelichen  *K  entschutezen hh  unnd  enttreten,"  unnd  dy  selbigen  an 
irem  liebe  unnd  gute,  sokk  veleu  au  on«rm  ist,  nicht  vor  unrechten  lassen 
sullen,  wann  sye  des  er  sucht  ader  vor  sich  selbestnn  inne00  werden, 
ungeverlich. 

Der  rath  sal'1'  ouch0-«  unser  pfaffheit  bye  oren  rechten,  friheiten 
unnd  aldem  horkomen  bliben  losseu." 

So»*  die  unseren,  der  rath  von  erffort,  yruande"  geleyte  geben, 
das  syuu  zu  thun  macht  haben,  vor  gewalt  unnd  nicht  vor  recht,  ader 
unser  gerichte,  sunderliehe"  vor  bekante™  ader  er  forderte  schulde,  so 
sullen  sy  doch  in  solchem"  geleite  uss  nemen  unser  unnd  unsers» 
stiffts  abegesageten x*  hendeaaa  unnd  dye  jenen,  dye  uff  unserme  ader 
unsers  stifftes  schaden  gewest,  das  unvortey  dingt ,)bb  were;  ouch  sunder- 
lichenccc  den  jenen  nicht  geleitddd  geben,  dye  in  unsers  gerichtes 
acht«**  weren. 


■'  O:  DActikouien.  0  O:  widdcraisb.  *  HS:  aDeme  unnd  JgUcbem.  4  O:  oberkeiu-nri 
'  U:  blieben  laascn.  fO:  intreg«.  HO:  keine  Wege.  b  O :  nachkomern.  1  O-:  geistlichen  und 
werntlieben.  k  O:  pewonlfcben  ond  zcyrollcben.  1  O:  gertchtafeUon.  ■  O:  Irren.  ■  Fehlt 
iu  HS.  °  0:  L-oclj  versperren  darin  nit  tragenn.  I'  O:  andere.  1  O:  laason.  r  O:  keine 
weg«.  *  O:  treyenn.  1  O:  geheim  lannen.  n  O:  die  auch  wir.  T  O:  nachkomenn. 
w  O:  iDaa*o.  «  O :  «  rdenen.  ?0:  «bricht.  ■  HS:  erbar  alt  berkomea.  •»  O:  Uewn. 
bh  1IS4  iin«or  bürgere.  c0  O:  nach  geburnl«.  '»d  O:  verhoSfenn.  ~  O:  ungeborllcli. 
f  O  :  «I»  ^llwt.  <> :  «<  trnwllcben.        "b  U:  eutarhutten.        »  O:  entfetten  "HS:!;. 

"  O:  mm  HS:  nner..       nn  O:  iwibst.       00  O:  Jnnen.       W  O  »teilt  wegen  de«  Item  am : 

Item  w,  aolle  der  rath.  <w  Kohlt  ui  ü  "  O:  lauen.  «•  HS:  sy.  «  <>:  jiuandi.  u«  ,ituvi 
»>"  l'eblon  in  HS.  vv  O:  Kinderlieb.  ww  O:  brkant.  **  O:  »..Uenem,  TT  HS:  outer 
äende  tuiMT«         "  O:  angesagt«-'  HS:  üude.  O:  lyonde.        bM»  HS:  anyorleydlngk,  Ot 

unverteidingt.       '«*  O:  minrterMch.       «•*»  US:  geleite.       mm  O:  achte 


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8tück. 


485 


p 

Item  als  unser  burger  zu  erffort  uff  walpurgis  den  ersten»  tag 
<les  meyen  in  nnsern  walt,  genant  dye  wawit,  von  aldemb  herkomen 
phlegen  zu  gehene,c  sulled  eyn  ratb  by  sy*  vorfugen,  das  sy  den 
walt  an  merg]icbenf  boumen,  |  lossrisern*  unnd  anderme  goholcze  v 
nicht  ungeborlichh  bescbedigen  über*  alt  her  körnen  ane  geverde. 
Ouch  dar  ink  zu  keiner  czit  von  yn  geiaget  noch  geweidewergkt 1 
werden;  woB  das  abirn  über  faren  wurde,  das  wir  in  czemelicher 
wisse,0  dye  sulchs  tethen,  dar  ummeT  zu  pfenden  unnd  zu  recht- 
fertigen haben. 

Item  als  das  wasser  unnd  wasserlouffte «  von  unser  unnd  unsors 
stiffts  uberkeit'  sin,  ab*  ymant  der  wasser  halben'  vor  handelte,  sullen 
sulche  uberfarunge  uns  vorbussset  werden ,  sou  hinfur  dy  wasser 
meister  yniantev  ab  geboten*  unnd  pfant  erkennen  wurden,  als  sich 
gebort.  Wurden  *  danne  unser  amplute  unnd  wassermoister  am  rathe 
gesynnen,  einen  yren  knecht  dar  zu  zu  schicken,  das  sal  eyn  rath 
thun  unvorczoglich,  dar  mit'  dy  pfandunge  deste  richtiger  volgen,* 
unnd  als  dann  solle  deme  knechte  eyn  Schilling  phenge"  gegeben 
werde,bb  doch  sollen  der  rathcc  unnd  unser  burger  zu  erffort  wasser  in 
dy  gassen  zu  leiten  noch  der  stat  notdorflt  macht  haben,  unschede- 
lichendd  den  mullenM  unnd  den  rechten  wasser  gengen,  also  das  sy 
keinen  nuwen  gebuff  ane  wissen  unnd  willen  der  wassermeister  unnd 
unser  amplutne  thun  sullen. 

Item  ess  sullen  ouch  alle  gewantsnider  unnd  kurschen  wergkhh 
veileli  zu  haben  nyndertkk  gestatet"  werden  danne,  in  unsers  stiffts 
kammern  unnd  husem,  dye  von  alder  hermm  dar  zu  ge  ordent  sint.nn  Dye 
selbigen00  kammern  |  wir  in  czemelichen  gebuwedew  halden  wullen.  »75 
Des  glichen"  sullen  becker,  schumecher  unnd  Iedderere"  oreware  feile 
haben  in  unsern  husern  unnd  Stenden,  dye  von  alder  dar  zu  geordent" 
gewest  sint,"  unnd  uns  unnd  unsem  nochkomenuu  unser  czinse  unnd 
gebore™  davon  gebe,*1*  wyedas  von"  alder  her  komen  ist.  Dar  zu" 
ouch  eyn  rath  ernstlich  sin  sal,  das  ein  sulchs  ge  schehe.  Unnd  so" 
sulche  unser  stende,  nemelichen»"  brotbencke  unnd  schubencke,  mit 
sulcher  wäre  be  satczt  unnd  vorczinset  werden,  haben  wir  von  gemeines 
nutczesbbb  wegen  unnd  unseren  bürgern  zu  gute  noch  gelossen,ccc  das 
die  becker  unnd  schumecherddd  vre  wäre  in  oren  husem  veyle«"  habe 
mögen m  unnd  vorkouffe*«  mögen  ane  alles  geverde. 


•  HS:  der  errte.        b  HS:  »Wer.        «  O:  geheo.        <»  O:  «al.        •  O:  ble  yn.        r  O 
»         mercklichen.       *  O:  Ijwartaern.       »  O:  ungeburllcb.       «  HS:  aber.       k  O:  darjnoe.       1  HS: 
jrewofdi>wergk  ,   O:  gewoldewerckt.  ,Q  HS:   wyc.  n  O:  aber.  °  HS:  stceniellcho, 

O:  zcymlicbor  wiese.  V  O:  darumb.  1  O:  waararleuiTe.  r  O:  oberkeit.  *  O:  ob. 
1  O:  halbe.  u  IIS:  *u.  *  IIS:  ymanta;  O:  jmander  (aUo  mit  TtLrunffspunkt  Uber  dem  r). 
w  Oz  alK-g*lK>ten  x  <):  worden.  y  O:  damitte.  1  O:  ffefolgeun.  »»  O:  pheonynge. 
*b  O:  werden.  fc  IIS:  dornuch.  dd  O:  unnehodeltch.  ••  O:  luolen.  "O:  buwe. 
fr*  O:  irewandw:hDV-(o  hh  O:  k  unten  were.k.  11  O:  feil.  kk  O:  nyncent.  11  O:  geetatt. 
mra  fehlt  in  O  (da.  „alther"  licet,  woraui  Stoib«  Abänderung  erklärlich  wird).  O:  «in. 

00  O:  dieeelbetio.  V9  O:  In  »cvralicJicm  buwe.  11  0:  deazy  fliehen.  "  0:  lederer. 

"  fehlt  in  n.S.  "0:«in.  u»  O:  nach  komen.  ™  0-  gebar.  ww  O:  gebenu.  "0: 
vor.  TS  0:  daroh.  «•  fehlt  in  HS.  «*•  0:  nemllch.  bbb  0:  gomeyn*  uarw.  ooe  0: 
naohgelaaten.      <"'»  0:  «ehastcr.       «•»  0:  feil.       nt  0:  nur:  baboun.       «*  0:  verkeafeno. 


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486 


383.  Stück. 


Item  als'  unserb  stiift  gerechtigkeit  hat,  das  von  iglichem  beer, 
so1  zu  erffort  gebruwetd  wirt,  acht  grosschen  gegeben  werden  sullen, 
damit  uns,  unserme  stiflte  unde  nochkomen  kein  abe  bruch  geschee,' 
salf  hiufur  eyme  iglichen*  brumeisterh  von  deme  rathe  uff  sinen  eid 
befolen  werde,1  flisslichk  zu  merckeu  unnd  uff  zu1  czeichen,  wye 
velem  unde  von  werae  beer  in  syneni  bruhussn  das  jar  gebruwet0 
werden;  unnd  so»  her  dar  uiniuei  von  unseren  ampluten  er  sucht 
wurde,  sulle  her  in  das  getruwelieh  unnd  unvorczog!ichr  bye  der 
uff*  gelegeten  püicht  sagen  unnd  vorczeichent  geben,  unnd  als 
danne  evnem  ifflichem  vor  syne  muwe1  unnd  erbeit"  des  selbigen r 
▼  jares  |  czwene  schillingk  pfengew  gemeyner  werschafft  gegeben 
werden. 

Item  es  sullen  ouchx  dye  hantwergenieister*  der  hantwergk,'  dye 
von  alder  here  vre  bestetegunge  unndM  ouch  stabe  unnd  heiligen H' 
ontpfangencc  haben,  sulche  bestetegunge,  ouch  stap  unnd  heiligen  von 
unsorn  ampluten  in  unserm  hoffe  entpfaen  unnd  uff  nemen  uond 
dar  umme  thun,  als  von  alder  her  komen  ist. 

Item  wir  sullen  unnd  wollen  ouch  unsern  gerichten,  geistlich 
unnd  wertlich,dd  iglichom  synen  uffrichtigen ee  loufft  unnd  dye  geriehts- 
czwenge"  in  dorne  erkentnisso  nicht  vor  misschen,  sunderu  was«  sich 
gebort hh  an  geistlichen  gerichten  geistlichen,1'  unnd  an  wertlichen kk 
gerichte  wertlich  berechten11  lossen,ralE  unnd  ouch  dye  sachenn  nicht  dar 
abe  czien,  alle,00  wye  sichs  gebort unnd  recht  ist. 

Item  zu  meren  unnd  zu  hanthaben  dye  werde««»  unser"  gerichtet 
geistlichs  unnd  wertlichs,"  ouch  unczucht  unnd  frevelichen  mutwillen" 
zu  vorhuthon,  ab  hin  für  ymant  vor  gerioht  unczemelich"  grobe  wort 
kein  ymandes,ww  der  vor  ader  in  deme  gerichte  zu  schicken  hotte,  ubete. 
ein  sulcher  sal  vor  fallen  sin  funff  Schillinge,  unnd  das  gerichte  das" 
also  erkennen  unnd  deme  erkentnisse  volge  gescheen  sal  als  uinoie 
andere  erforderte  sache"  unnd  orteilen."  Wo  aber»**  ymant,,bb  mit  un- 
czemelichen ccc  unnd  lesterlichen  ddd  Worten,  dye  da  busswirdig  sint,"e  das 
gemeyne  gerichte  lestert  ader  beswert,  der  sal  deme  gerichte  dry  pfunt"1 
276  unnd  dry  j  scherff  geben  unnd  vor  fallen  sin,  unvorgrifflich  in  den 
allen***  der  personen,  dye  also  mit  worteu  an  yren  eren  gelestert,  dye 
mocht  yrenhalbenhhh  mit  rechte  handeln,  so111  vil  yr  fuglich kkk  unndge- 

*  IIS:  alles.  b  IIS:  unsera.  «  H8:  §y.  d  O:  gebruwenn.  °  O:  uns,  onsernn  nach 
komen  und  »tifft  keyn  abbrach  (die  1  letzten  Wort«  mit  anderer  Tinte  nachgetragen,  auch  auf  der 
folgenden  Zelle  noch  einmal  -bruch)  beacb.ee.  '  0:  solle.  &  HS:  eyn  Irlich.  *  0:  bmw- 
melator.  1  0:  werdenn.  k  0:  n  (ewiglich.  1  fehlt  In  U8.  m  Os  wie  vil.  n  0:  bruw- 
huae.  °  0:  gebntweu.  P  IIS:  «y.  10:  <larumb.  r  0:  nngeverlicb.  ■  HS:  ua-  a 
1  Os  mube.  u  0:  arbeit.  v  0:  detwelbonn.  w  0:  pfennynge.  *  fehlt  In  0.  r  ö: 
hantwerckroeUtere.  *  0:  hantwereke.  •»  fehlt  In  O.  ►>»»  O:  stab  und  Innigen.  *  0: 
eupfsngen.  <"  0;  werntlich.  •«  fehlt  In  HS.  *  nS:  gerichte  «wenge.  **  0:  wo». 
>»»»  0:  Reburte.  Ii  0:  geigtllchem  gerichte  geUtlksh.  kk  IIS:  ader  wertlichen.  <»:  t.nd  »n 
werutllchem  ««richte  werntlich.  11  HS:  bereeben.  nuu  o  :  lassen.  nn  '>:  »acheu.  M  H.S  : 
al«.  0:  ttfburt-        'ij  0:  wlnle.       rr  ■"»:  nusen-r.        »»  HS:  gorlcht.        "  HS:  geirturh. 

wörtlich;  0:  geiiitlicfci  und  werntlich*.  "u  fehlt  tu  US.  vv  0:  un/.cymllctie.  ww  0:  *rtn 
jiuande*.  fehlt  in  HS.  0:  Jnn  andernti  erforderte  nn  aachenn.     "  0:  urtellnn.     ***  : 

w»r  al>.  ht>b  HS:  vniandea,  0:  Jmaudts.  c<*  O:  unzcvinltchenu.  ddd  fehlt  in  HS. 

«**  HS:  sin        <«■  O:  pfund«.       KSK  0:  dem  allem        hW»  HS:  yr  en  halb,  O:  Jrenn  halbenn. 
>»  HH:  haldeu,  «y        «*k  HS:  vre  gefugllch. 


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383.  Stück. 


487 


meint  were,  in  dorne  allein  der  rath  hulffe  unnd  stat  recht  thun  sulle, 
als  sichs"  uff  er  furderte  sacheb  gebort.0 

Iterad  als  bis  beer6  dyo  gerichts  knechte  unsers  wertlichenr  Be- 
richtes der  partien6  vorsprocben  ge  west  sint,h  Wullen  wir,  das  dye 
selbigen1  unser  gerichts  knechte  furder  an  unserm  gerichte  kein  vor 
spruchon  sin  sullen. 

Item  als  unsere k  vorfarn  des  stifftes1  mentcz  deme  rechten  zu 
sture,  ouch  unser  burger11*  kost  unnd  schaden»  zu  vor  hüten,  ewig- 
lichen" zu  gelassen  unnd  vorwilliget  haben,  das  dye  orteylp  unsers 
wertlichen 11  gerichts  zu  orffort  mögen  vor  den  rath  gestrafft  werden, 
sor  sich  sulchs  begibet,*  da  mit  denen  partien  furderlichon  recht- 
vurtiunge  geschee,1  sal  eyn  rath  hin  für  synen  spruch  des  zu  falles  der 
furdern  orteilnu  unsers  gerichtes  oder  aber*  dv  straff  thun  unnd  des 
glaublichen  schein w  an  gerichte*  schicken  inne wendig  acht  wochen 
von  czit  der  straffungey  vor  gericht  gescheen.  Ab*  aber  eyn  sulchs 
durch  den  rathaa  nicht  geschee,  sal  unnd  magk  unser  gerichtbb  uff'  an 
suchen  der  partien  vol  faren«  noch  gerichts  ordenunge,  unvorhindert 
cinicher  yn  rede,  was  ouch  also  ader  andere  des  gerichts  |  gewonliche  » 
ubungo  or  claget,  ader  ouch  vor  dorne  rathe  mit  ge  straffte  orteiln,dd 
wye  vor  gemeldet, ec  er  fordert  wurde,  sal  der  rath  unvorezoglich  uff 
stunt  ane  uss  rede  dar  ob  sin,  das  mit  vollencziungeff  dar  uff  geschee, 
so  veleÄg  unnd  deme  rathe  zu  gehöret  zu  thune.bh 

Item  wann  Sachen'4  von  unserm  wertlichen kk  gericht  vor  den  rath 
gestrofft11  werden, mm  unnd  dye  partie  in  acht  wochen  den  nesten  dar 
inne  der  rath  den  zufall0"  ader  straffe  thun  sulle,00  sulcjier  Sachen  pp 
gutlich  vor  fragen  sullen*'  werde,"  haben  wir  unsern  burgeron  zugute 
nach  gelossen,*»  das  sy  als  danne  der  funff  Schillinge  straffe  geldes  zu 
geben  nicht  schuldig  sin  sullen. 

Als"  das  helffe  geltuu  über  er  furderte  sache"  uns  unnd  unserm 
stiffte  zu  stehit,ww  sal  sulch  helffe  gelt"  vor  fallen  sin,  sody  erforderten 
uff  begeren^  unnd  bete  des  clegers  in  des  raths  buch  unter  dem  torm 
ge  schreben  werden."  Doch  ab***  sich  darnach  in  vierezen  ^1'  tagen  der 
clegermit  dem  or  forderten  gutlichen"0  vortragen  wurde,  salherddd  das 
helffe  gelteü0  zu  geben  nicht  schuldig  sin,  so  forre  er  deme  schultheisen 
in  czwenf,f  ader  in  drien«^  tagen  neest  dar  nach  an  sage,bhh  das  her  sich 
gutlichen  beriebt  habe,  das  danne  ouch  vom  schultheisen  deme  rathe 

•  O:  lieh.  b  0:  orforderte  sachenn.  0  0:  gebort.  *  0  setzt  Idniu:  and.  •  0: 
bischer,  t  O:  weratllchen.  *  nach  0;  HS:  dye  vorezlten.  *  O:  sin.  '  0:  dieselbcan. 
k  O:  anier.  1  0:  and  stlfft.  m  0:  unsern  bürgern.  "  0:  schedeun.  °  0:  ewiglich. 
P  O:  urteil.  <i  O:  werntlicuen.  r  US:  sy.  *  MS:  sich  sulch»  tu  begibet,  0:  sich  eolicac 
begibt.  1  O;  damltte  den  parthienn  furdorlich  rechtvertigung  geschee,  HS:  furderliche  unde 
recht  vertluuge  gescheen  sal.  °  O:  urteil.  v  H8:  ab.  w  0:  aehyn.  1  HS:  gericht.  /  0: 
straffe.  *  0:  ob.  •»  Ot  aber  durch  den  rath  sollchs.  hb  Os  gerichte.  ec  HS:  wollen 
fareu.  d''  0;  urtolln.  «*  ö:  vorgetuelt.  ^rt:  vullezciehnng.  «  HS:  su  vele.  hh  0: 
«su  thun  geburt.        n  IIS:  sache.        kk  0:  worntllchen.        11  0:  gestrafft.  fehlt  in  0. 

nn  HS:  Z.U  fallen.  °"  HS:  sullen,  O;  solle.  VV  HS:  sache.  M  fehlt  in  0.  "  0  :  werdenn. 
-  O:  nacliselasson.  «  febU  iu  HS;  <>:  Item  als.  »«  0:  helffgelt.  "  0:  orforderte  aaebenn. 
ww  0:  acustehet.        «  0:  helffgolt.        TT  HS    uff  tigern.         »■  HS:  werde.  0:  ob. 

bhb  0    vlontcehonn.        «*  0:  gütlich.  0:  er.         ««>  0:  helffgelt.        «  0:  «eweven. 

«*  0:  ader  dryon.       »W«  HS  :  an  sagen. 


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488  Stück. 

sal  vorkundiget  werden*;  unnd  wob  der  rath  hulffe  thud,  sal  oyn  rath 
von  den,  dy  erforderunge  erlanget  haben,  das  helffe  geltc  in  nemen 
unnd  sampt  deme  vorczeicheniss,d  wer8  das  unnd  wve  vil  gegeben 
habe,f  unseren  ampluten  über  antworten.8  Abh  aber  dye  cleger'  uff 
*77  stunt  noch  deme  schriben  hulffe  |  unnd  volcziungek  der  orteil1  haben 
wolden,10  das  her  macht  haben  sal,  sulche  hulffe  durch  eynenn  rath 
mit  der  ordenunge,  wye  her  komen  ist,  unvorczoglich  gescheen  unnd 
volczogen"  werden. 

Item  als  wir  imp  ankörnen  unsers  regements  an  unsern  geist- 
lichen unnd  wertlichen  «>  gerichten  zu  erffort  etliche'  ubunge  funden 
haben,  uns  beduncket  hat  billich»  zu  andern  sin.  Darurarae1  so  Wullen 
wir,  das  unser  geistliche  richter  den,  dye  ummeu  elich  leben  ader  ander 
sache  gefordert  unnd  absolvertv  unnd  unschuldig  funden  werden,  vor 
solche  orteil w  kein  gelt  abe  nemen  sullen.  Ab*  aber  dyeT  partien 
orteil  breffe*  gesynnen  wurden,"  dar  ummebb  zu  nemen,  sullen  sich  unser 
richter  czemelichen  unnd  geborlichcc  halden. 

Wir  ordenen  unnd  wullen  ouch,  wann  unsere  geistliche1141  richter 
er  sucht  werden,  eyne™  gemeyne  ummeff  gemeynschaftt  willen,  dy  sye 
einem  bennischen  ge  than  hotten,  zu  banne,  sohh  sullen  sydyselbipen 
ge  meynen1'  vor  henekk  vor  mane,  den  bennischen1'  uss  zu  wisssen 
unnd  keine  ge  meinschafft  zu  thune,  unnd  somm  dy  gemeine  dem  also1* 
thud,  so  sal  sy  dar  über  nicht  gebannet00  werde,  so  ferre  dorch  dy 
gemeine  nicht pp  geverde  ge  sucht  werde.«»1'  Ab"  aber  ymanf*  dem 
selbigen  bennischen"  frevelichennu  gemeynschafft  tette,™  den  mochte 
man  banne  in  sunderheit.™ 

Item  wann  ouch  yraant"  tot  geslagen  wurde yy  ader  von  anderm 
schaden"  stirbet,  unnd  sin  pferner  bekennet,  das  her  sich  in  synem 
▼  leben  cristlich  gehalden  habe  unnd  in  keinem  banne  sy,  so  |  sullen 
unser  geistlichen5"  richter  vor  das  begrebedeM,h  kein  gelt  nemen  danne 
einen  Schilling  vor  das  indult,  ab  rrc  es  not  ist. 

Item  zu  hanthabungddd  des  fredeseee  in  unser  stad  erffort  wullen  wir. 
das  unser  schultheisso  ader  unser  gorichte,™  dye  jenen,  dye  tot  sle^e 
gethonKs*  haben  aderhhh  hetten  unnd  in  d  ye  achte  ge  thonm  wurden,  deme 
ratho  beschrebenkkk  geben,  dy  furder  in  der  stad  buch  zu1»  schoben 
unnd  sich  mit  den  echtem  hinder  deme  rathe  nicht  richten.  Des- 
gleichen sol  der  rathmaun  ouch  hinder  unsern  richternnnn  keine  richtunge 


»  „worden"  fehlt  In  HS;  0:  verkündet  werdeun.        b  HS:  wu.       •  O;  taelffgelt.       *  0: 
vonscolbenhw         -  HS:  were.        f  IIS:  ha  hon.        *  0:  uborantwurtenn.        h  O :  Ob.  1 
der  cleger.      k  0:  volzeiehunir.       1  O:  urteil.       ra  0:  wolt.       n  O:  eyn.       °  HS:  voreiogcn. 
0:  volle&cogen.         I"  O:  Inn  <l  '>:  worntllo.hon.        r  0:  otzllch.         *  nS:  vüllch.        1  0: 

•laruroh.  «  0:  umh.  v  O:  &h*«lvtn>t.  w  O;  urteil.  *  0:  ob.  T  HS:  der,  0:  «He. 
■  0:  urtoilbrieffe.  **  O:  wnrdenu.  bb  O:  davor.  p0  O:  zcvmllcb  unnd  pebnrHch.  Ai  HS: 
unser  (festlichen.  •*  HS:  eyn.  a  HS:  unde,  O:  umb.  »ff  HS:  eynen  bcnscuen.  ***  ffblt 
In  IIS.  11  0:  die  seihen  gemeyne.  kk  0:  vorhin.  11  HS:  honscheu.  mm  HS:  »y. 
nn  HS:  sy.  00  nS :  gobantieu.  PI'  HS  setzt  noch  hln«u:  mit.  «  O;  wurde.  "  0:  oh. 
M  O:  jmants.  «  HS:  dou  selbbjen  beuschen.  "u  0:  frevetlche.  vv  HS:  bette.  w*  HS: 
«nudc-belt.        «  0:  jmanta.        77  0:  wirdet.        "  HS;  andern  sachon.  O:  geistliche. 

bbb  O:  die  begrehde.  c0°  0:  oh.  dJd  HS:  hautbahen.  «"  0:  frlden.  m  HS:  gerecht. 
«W  0:  Ktthan.  hbh  „haben  ader"  fohlt  in  0.  >>'  0:  gethati.  kkk  0:  beschrieben 

Ul  fehlt  In  HS.       «"»»»  Dkne  4  Worte  fehlen  In  HS.       »■»  0 :  unsorm  gorichte. 


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383.  Stuck. 


481) 


mit  oii*  uff  nemcn.  Were  es  aber,  das  unser  sehulthoisse  den  rath 
ersuchte,1'  darbyec  zu  schicken,  unnd  darane  der  rarhd  sumig  wurde,0 
so  mochte  der  schultheisse  als  danne  richtunge  von  on  uff  nemo,  doch 
mit  beholtenisse  deme  rate  sinerf  gerechtickeit. 

Item  uff  das  unrath,  soonsteen*  mochto,  vormodenh  werde,  Wullen 
wir,  das  echter1  unsers  gerichts  zu  erffort  durch  unser  amplute  zu 
taberstetek  ader  andern  enden  umrne'  erffort  über  achte  tage  nicht 
geleitet,"1  gesichert  noch  enthalden  sullen  werden,0  also  das  der  rath 
dye  selbigen  echter  in  syenen  dorffern  unnd  gebieten  ouch  nicht  ge- 
leite noch  enthalde.0 

Item  die  bussse,  dye  uns  von  wunden  gebort,p  so  unser  sehult- 
heise  dyeq  er  fordert  hat  an  unserm  wertlichen'  gerichte,  geschee 
ome  danne  keine  uss  richtunge  zu  thun,8  als  danne  sal  her  dye  domo 
rathe  besehreben1  gebe  unnd"  dye  selben  dar  zu  halden,v  wunden 
recht  zu  thune  unnd  nicht  in  dye  stat  zu  komen,  deme  schnltheisen  - 
sy  |  danne  ussrichtnnge  von  onw  ge  scheen. 

Item  wann  leider  vil  unraths,  raordons  unnd  blut  vorgissens* 
komen  unnd  nff  gestanden  ist  umme?  des  willen,  das  dye  lute  in  der 
stat  zu  erffort  zu  sulcher  czit,  als  eyn  ufflomV  in  der  selbigen  stat  zu 
erffort»»  uff  Strossen hh  ader  nffcc  gassen,  in  husern  ader  in  hofen  ge- 
seheen,  cynerdd  ge  slagen  ader™  gewunt  ader  gonotiget  worden  ist,  nicht 
haben  also  uff  richtig[keit] ff  dich  thoren**  zu  louffen,  unnd  sulchs 
understen  zuhh  weren  umme  furcht1'  willen,  das  sich  eyn  iglicher  un- 
schuldiger1^ besorgen  moste,11  das  her  als  eyn  schuldiger  beclaget 
mochte  werden,  unnd  dye  that  swerlich  vor  rechten  moste.mm  Sulchen 
grossen  unrath  zu  vor  komen,  sal  der  rath  uberall nn  gebieten00  unnd 
vorknndigen  lassen,  wanne  unnd  wye  dicke  sich w  sulchs  uff  louffr^ 
mache,  das"  eyn  yderman,  wer  des"9  gewar  wurde,  ane  furcht  zu  louffe 
unnd  were  mag,u  das  sulch  ufflaufft  abe  gethan,  blutvorgissungeuu 
unnd  mort  vor  hütet  unnd  vor  wart.  unndTV  dye  missetetigen  ww  unnd  dyo 
sulchen  uff  laufft  machen,  in  dye  czucht  gebracht  unnd  gehalden  werden  ; 
unnd  wo"  dv  missetetigen"  wunden  gethan  hetten,  dye  sal  man  von 
dannen  nicht  komen  Jossen,"  sye  hetten  dann  wunden  recht  gethan 
unnd  gosworen*"  es  were  danne  das  der  eine  not  were  gethan w*  hefte, 
dye  her  danne  bye  brengen  sal  selbander,tT  mit  unvorsprochen  fromen 
mennern,  dye  nicht  partigiscb ddd  sint.e«°  Wurdefff  ouch  ymant  dar  über*« 

a  HS:  n!cht,  0:  mit  yn.  b  HS:  ersucht.  0  0:  d«hle.  d  0:  und  der  rntb  daran. 
«  0:  wonle.  f  HS:  «Jim.  k  HS:  enstren.  h  0:  voroiyden.  '  O:  echtere.  k  O: 
Tafferstatt.  1  O:  umb.  ■»  HS:  geleite.  "  0:  worden  sollen.  "  HS:  unnd  tuilden. 
l'O:  gebureu.  •<  fohlt  In  HS,  welche  Host :  so  ungern  ac-hultheiae.  r0:  werntllchenn.  "fehlt  in  O. 
1  O:  Itcscbrioben.  u  fehlt  in  O  v  O  :  zcuhaltenn.  w  fehlt  In  O.  x  HS:  mit  morden  nnnd  Mut  vor 
ffbwoQ.     y  HS:un«,  <>:  Uml<.      »  HS:  oft,  die  KivauzuoR  au»  o.      «  fehlt  in  °.      bb  0:  «trauen. 

O;  jn.  dd  IIS :  oynen.  ••  fehlt  In  <'.  ,f  0:  nffrirhtlirlltnen.  »*?  HS:  weren.  bu  HS: 
inide.  il  »>:  umh  forebt«.  kk  HS:  bescbuldiffer.  11  0:  miiB/.te  mm  <>:  schwerlich"» 
Vorrechten  musxto.  ™  HS:  «her  alle.  u°  HS:  jrereltten.  l'P  fehlt  in  HS.  <w  0:  «oliclio 
nfflauirte.  "  HS:  doeh.  ■*  HS:  were  der  da«.  11  HS;  mocht*.  uu  O:  blutvorgh-sso». 
"v  fohlt  In  HS.  ww  HS:  misschotlfnitiKe.  "  HS:  wu.  >r  HS:  ralmetotlger.  *»  O : 
lassen.  ■**  fehlt  In  HS.  bbb  fohlt  In  HS  <*»  fehlt  in  HS.  ddd  HS:  »artigls,  0: 
parthellich,  und  setzt  hluzu:  ader  verdeutlich.  °»°  <>:  «in.          m*<>:  Wörde  <>: 

do ruber  jinants. 


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4<»0 


38?..  Stück. 


von  bürgern  ader  innowonor,  dye  dünne  zu  den  sachon  gelouflen 
weren,  beschuldiget,  der  sal  des  ledig  werden  wind  ane  ansproch 
v  bliben,  thor  her»  synen  cyd  dar  zu  thun,  das  hör  in  dem  besten  |  unnd 
wnnieb  den  uffloufft  zu  weren  unnd  ane  vor  satez  unnd  geverde, 
dorch  vorhengnisse  willen  disses  gebotes  dar  zu  komen  sye,  unnd 
dar  uniniec  sal  nymantd  messer  ader  woffen  tragon  ubir  dye  mossse,c 
dye  an  denie  rathusso  hanget,1  unnd  wer  messer  ader  woffen  über 
sulche  mossc*  tragen  wurde,  haben  wir  umnie  richtungh  willen  ufl 
ewigkeit1  zu  gelassen  wind  vorgunnen,k  das  der  rath  dar  umme1  zu 
straften  hat. 

Item  dye  messer  unnd  dym  were,  dyen  in  den  uffloufllen  ge- 
rzugket  werden,0  sullen  unsern  geriehtenp  vor  fallen  sin,  als  von  alder 
hör  komen  ist,  uss  genomen  dy  were,  wannq  des  rathis  knechter  zu 
den  geschienten'  komen  unnd  dye  were  als  balde  nemen,  dye  sullen 
zu  brechen  werden. 

Item  so  ymant  in  ader  vor*  eines  burgers  huss  zu  erffort  tot  ge 
sla^en  wurde,"  were  er*  oyn  inheymmesschew  persone  unnd  zu  erffort 
gefrunt,  sal  man  den  corper  uff  der*  iruude  beclagen  einen y  tag  unnd 
nacht  legen  losssen1;  were  her  abir"  eyn  fromder,  so  sal  man  eyn 
libczeichcn  von  ome  nemen  mit  desgerichtis,,h  wissen,  unnd  den  danne*"' 
von  stunt  begraben  unnd  mit  der  achte  etliche  dd  tage  uff'  zukunfft  der 
frunde  vorezehen  «*  unnd  dar  noch  echtigen,  wye  vou  alder  her  komen  ist. 

Item  das  dye,  so  usserhalbeu f'  unsor  stad  erffort  unnd  deme  wich- 
pilde**  wunden  ader  tot  siege  teten  von  unsern  wertlichen hh  Hentern 
nicht  ge  echtiget  noch  dar  umme"  gebusset  werden  sullen,  des  glichen 
abkk  sulche  vorwunten  zu  den  erezten,  oren  frunden  ader  sust  kein" 
erffort  kernen"1111  |  unnd  in  des  da  selbest  sulcher  wunden  halben  vor 
storben  worden,00  ouch  nicht  zu  gescheen.00 

Item  abp,>  sich  ymant  selbest  von  deme  leben  brechte,  mit  deme 
selbigen  unnd  synem  guthe  sal  es  gehalden  werde,  als  es  von  alder 
her  komen  ist. 

Item  es  sal  ouch  der  rath  des  itezunt«*  gomelten  unsers  stifits 
amplute,  dynere"  unnd  dy  ummeM  dye  stat  in  unsern  gerichten  ge- 
sessen sint,u  nicht  vahen,  grillen  ader  in  das  gefengnisso  setezen,  das 
der  rath  uss  aldem  herkomen  zu  ewigkeit  ussuu  bewilligunge  unnd 
gunst  unser  vorfarn  unnd  stiHts  had,  sundorn  wer  zu  unseren  amp- 
luten  unnd  dynern  zu  sprechen  ader  zu  fordern  vormeynte,  der  mag 
das  thun  vor  uns  unnd"  unsern  nochkomenww  ader  unsern  ampluten 

*  O:  th»r  vt  b  HS:  ome,  O:  umb.        c  0:  darum)».         d  O:  nymaata.         c  0:  ader 

w&M'it  trogi  n  nitcr  »lie  nmn»e.  f  O:  banget.  •?  (> :  w.iffun  über  aolicb  mame.  h  O:  umb 
rlidiHcunj?.'      *  US:  *wl*.       k  O:  viTgaurt..       1  O:  darunib.       ,u  fetüt  Iii  O.      n  fehlt  tu  O. 

f..|»lt  In  O.  )'  O:  iinru-rni  gorlrlito  'i  US;  vou.  '  HS:  knechten.  »  O :  scu  der 
^•Hi-Iiiclit".  '  „:^1«t  vor*' fvlik'ii  In  Iis  u  ():  wirt.  v  HS:  m«.  *  HS:  Inheymmeitcbor,  O: 
jnbflinwrbr.        *  HS;  r| \f.       y  O.  fvn.        *  O:  Hkcii  Ibhwu.       ■»  O:  aber.       bb  O:  jerichU 

(>:  lUnti  .U>n.       <IJ  u;  acht  ct/.liihe.       co  <»:  vonuleheu.       n  HS:  uuerth&ltrtn .  »>:  umer- 
halb.  HS:  witiplldc.         uu  i>:  «vriitliclii  u.        j-  <»:  daromb.       kk  *':  ob.       "  •':  gvln 

1111,1  <»:  kuuion        ""  O;  wurdo».  HS:  rustvou.       i'i'  i>:  ob.      'l1'  *•:  jUt.      n  '»:  dletwr. 

"  I':  uuib.       u  <.<:  bIu.  HS :  tu.       vv  icldt  in  n.       wvr  <>:  nachkotueu. 


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383.  Stfick. 


■101 


des  hoffes  zu  erffort  Ab*  aber  ymant  an  dye  unsern,  dye  umme1' 
unser  «tat  erffort  in  unsern  gorichten  gesessen  sin,  zu  fordern  ge- 
wunne,  dye  mögen  den  vor  unsern  gorichten c  zu  erffort  in-  gebur- 
lichen  feilen  zu  sprechen,  dach  sod  dye  solbigen  dye  unsern  an 
unser ai  gerichte"  begerten,  sy  vor  unser  araplute  unsers  hoffes  zu 
wisssen,  so  sullen  syo  also  durch  unser  richter  ge  wiesen,  als  danne 
salf  deme  ader  den  selbigen  uft  das  leugeste*  in  czweien  monath  ent- 
lich rechts'  vor  holften  werdo,  es  wore  danne,  das  sich  dy  sache  mit 
rechte  noddorfftiglich  vor  lengete.  Wok  man  aber  dar  ane  sumigk 
wurde,  mag  man  sye  vor1  unsern  geistlichen  ader  wertlichen m  go- 
richten vornemen,  das"  cynen  yderman0  furderlich  recht  geen1'  |  sal;T 
ab''  aber  der  vorgemelten  unserer'  amplute  ader  diner  eyner  ader 
meer  vorhandelten,  dar  umme*  sye  an  liebe  ader  an1  geledern u  zu 
straften  weren,  ader  nss  eigen v  mutwillen  einen  schlugen,  dy  mag  der* 
rath  zu  frisscher  thatt  an  griffen  lassen,  unnd  wo  das  by  tage  gesehee, 
in  unsern  hoff  antwerten*  sullen:  wo  es  aber  bve  nacht  gesehee, 
so  mag  eyn  rath?  den  ader  dye  in  synem1  gefengnisse  behalden 
biss  uff  den  tagk,aa  doch  on  dar  inne  an  orem  liebe  keinw>  andere 
beswerunge  uff  legen  noch  gescheen  lossenrc:  unnd  sal  ein  sulehs  deme 
schultheisen  ader  anderen  unsern  ampluten  im  hoffe  zu  erffort  zu  er- 
kennon  geben,  unnd  wo  der  schultheisse  als  dann  sulchen  gefangen 
furderndd  unnd  rechts  über  on  zu  verhelften**  erbieten  wurde,  sal  yme 
der"  inne  unser  gefengnisse  ge  antwert™  unnd  dar  inne  sulcher  ver- 
handelter gohalden  unnd  vor  wart  unnd  mit  ome  gehandelt  worden, 
wy  sich  noch  gestalterhh  sache  zu  recht  unnd  billigkeit  geburt,"  alles 
ane  geverde. 

Item  wokk  aber  unser  underthanen  eyner  ader  meer,  dy  ussso- 
wendigk11  unser  stat  erffort  in  unsern  gorichten  gesesson  weren.  in 
der  gedachten  unser  stat  vor  handelten,  dye  mag  der  rath  zu  frisscher 
that  au  griffen  unnd  den  ader  dyo  in  hafftunge  an  nemen  unnd  ane"™ 
ierrer  beswerunge  ores  liebes  behalden.  Doch  so  unser  schultheisse 
adernn  ander  unser  amplute  sulchen  unsern00  gefangen  fordern  unnd 
rechts  über  on  zu  helffenPP  erbieten  wurden,  so^  sal  on  der  ader  dye 
in  unser  gefengnisse  geantwart"  unnd  dar  inne  solcher  vorhandelterM 
gehalden  |  unnd  vor  wart  werden,  unnd  mit  den  gehandelt,  wvo  sich  sso 
noch  gestalter  sache"  zu  recht  unnd  billigkeit  gebort""  aneVT  geverde. 

Item  sal  der  rath  nymandes  gostaten,  uff  unsers  stifftesHW  fryheit 
zu  erffort  zu  freveln;  unnd  wer  es  dar  über  thete,  den  mochten"  unser 


»  fehlt  Iii  HS.  b  uuib.  0  <>:  ungern»  gerlchte  *  HS:  syo.  «  <>:  un*er  goricht. 
'  HS:  «illo.       *  <»:  lenstot».       h  IIS :  monvt  0:  mnnden       '  HS:  entllchs  reell«.      k  HS:  wy. 

I  HS:  von.  m  0:  wcrutlichen.  »  (>:  d«  l>  0:  ydea.  V  <>;  forderlich  recht  ergehen. 
«Ii»:  o»>.  r  0:  umor  *  <>:  danunli.  1  fehlt  in  0.  "  <>•  gollderu.  v  O:  oygoiieti). 
w  .,mag  der"  fehlen  in  IIS  *  O  :  antwurten.  *  O:  nuk-s  dor  rath.  *  HS  :  deu  in  oro».  **  O  :  ia«o. 
>'*»  O:  kviav.  06  O:  huwen.  HS:  furderte.  ,v  HS:  bolffuu.  n  HS:  dar.  *t?  O: 
In  aoscr  pofengniaz  gcantwurt.      1,u  IIS:  «.«taltdor.      u  U:  gettort.      kk  O:  Wo,  HS:  ltom  wu. 

II  O:  uirawcndig.  ,,,m  HS:  an  HS.  unnd.  uu  fohlt  lo  O.  w  <».  verhelften  *n  fohlt 
In  O,  "O:  ».«antwurt.  w  HS:  vorband«lt.  11  H8:  ge«tall  der  «acho,  '»:iiacben. 
"«  U:  gehurt.       "  ü:  «inder.       ™  O:  «ttflu.       "  O  totzt  hin«u:  uu«  (mehr  am  Rande). 


... 

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402 


383.  Stück. 


nochkomen*  unnd  stiffts  amplute  griffen,  in  unser  gefengniss,  das 
hunthuss,1'  setczen  unde  straffen  noch  nottorft  ane  insagunger  unnd 
ane  intragk  des  rates,  als  ferre  der  ubel  teter  kein  burger,  in  woner 
ader  ird  gebrotte6  dyner  zu  erffort  were.  Were  her  aber  eyn  burger, 
inwoner  ader  ir  gebrott  dyner  zu  erffort/  den  sal*  man  dem  rathe 
in  gefengnisse  antwerten,h  unnd  sy  sullen  uns  den  halden  unnd  vor 
unser  gerichte  zu  rechte  stellen.  Da  selbest1  kegen"  deine  ubel  teter 
recht  er  geen  solle,  wye  es  sich  noch  gestalter  sachen1  gebort,»  wo» 
anders  dy  sachen0  usserhalb  rochts  mit  uns  ader  unseren  ampluten 
gütlichen1*  nicht  mochten  abe  getragen  werde,  da  mit«  uns  des  halben 
abe  trage'  unnd  gnugen8  ge  schee.1  Wir  mögen  ouch  unser  amptlute. 
huss  gesynde  unnd  andere"  unser  dyner  in  der  stat,  dar  zu  geistliche 
personen,  ouchv  unser  unnd  unsers  stiffltesw  underthonex  nsswendig 
der  stat  in  unsern  gerichten  gesessen  unnd  begriffen  umme^  ore 
vorhandelunge1  lossse"  vahen  unnd  in  unser  gefengnisse bb  des  hoffes 
zu  erffort  setczen,  behalden  unnd  straffen.  Doch  so  ymant  der  selbigen a 
noch  siner  vorhandelungedd  am  leben  ader  sinen  geledern  <*  zu  straffen 
were,ff  uss  genoraen  was  sich  zu  be  fragunge**  unnd  er  farunge  der 
raissethat  |  begeben  mochte ,hh  dye  selben  solden  uss  unserm  gefeng- 
nisse des  hoffes  in  das  gefengnisse,1'  das  der  rath  uss  aldem  her  körnen, 
bewilligungekk  unnd  gunst  unser  vor  farn  unnd  stiffts  hat,  dar  bye  wir, 
unser  nochkomen"  unnd  stiffts  M  mentez  sye  zu  ewigen  tagen  un vor- 
hindert bliben  lasssen  sullen,  gefurt  unnd  ge  antwart,  ouch  dar  uss  vor 
unser  gerichte  gefurt  unnd  do  selbestnn  ge  orteilt00  werden,  alles  wye 
sichspp  noch  gestalt  yder  missehandelunge  geburt.  Unde  ab""  der 
selbigen"  amplute  huss  gesinde,  diener  ader  underthan"  wye  ob  gemelt 
einer  ader  meer  bürgere"  weren,  dye  am  leben  zu  straffen  weren,  dy 
saluu  man  deme  rathe  in  das  gefengnisse vv  antwerten,ww  unnd  sie"  solden 
dy  uns"  halden  unnd"  vor  unser  gerichte  zu  rechte  stellen,  unnd  do 
seihest aaa  recht  er  geen  sulle,,,bh  wye  oben  «*"  geschreben  steet.ddd  Ab«**  aber 
wir  ader  unsoramplute  dye  selbigen"'  ubelteter«*«  zu  erffort  nicht  rechten,hhh 
sundernm  uss  unscrme  gefengnisse  in  ander  unserkkk  gerichte  unnd  ge- 
fengnisse111 füren  lossen  wulden,mmm  dar  in ne  solde  der  rath  kein  nnu  intrag 
ader  vor  hinderunge000  thun.  Doch  das  der  in  den  nesten  czweien  ader 
drien  tagen  dar  noch,ppp  als  der  uss  gefurt  wurde,™«  n  icht  gerieht  werde. 


»  O:  nachkomen.  b  0:  tfufengniaa  de*  hofe«.  0  O:  tnaage.  d  fehlt  in  IIS.  "  HS: 
gebrott.  {  were  -  orffbrt  fohlt  In  HS.  k  O :  aolt.  h  0:  antwurten.  *  0:  daaelbat. 
k  O:  ge^en.  1  HS:  geittalt  der  aache.  m  O:  tfoburt.  n  HS:  wu.  °  HS:  aache.  t*  0: 
gütlich.  ')  O:  daniitte.  r  0:  abctrag.  "  IIS:  gnuge.  1  0:  beacuee.  u  O:  andere. 
v  HS:  durch  w  O:  gtifl'ta.  *  O:  underthanen.         y  O:  umh.         ■  0:  vorhandeluag- 

O:  huiacn.  bb  O:  refeugniaz.         00  O:  derselbonn.        dd  O:  nach  ayner  verhandelnng. 

«•  O:  cHddem.         "  HS:  weren.  O:  befragen.         bb  0:  mocht.         '«  O:  gefeognwz 

kk  (»:  bewllllg.n.g.  11  (l:  nMhkoiwn.  ">'»  O:  «tlirio  «u.  •»»  O :  daaelDat.  <*>0:g« 
urteilt,       ei'  i):  »ich.       'i'i  o:  „h.        rr  o:  demdlien.  0:  underthanen.       tl  O:  burjrer. 

"u  0:  aolt.  v*  o  jD  grf0iwnuz.  ww  »>:  antwuiton.  "  fehlt  In  IIS.  TT  O  :  uii*  dl«. 
**  fehlt  in  HS.  »»*  „nnud"  fohlt  In  (i,  dort:  daaolbat.  bbb  0:  aolt.  cw  HS:  ob.  iM  0: 
sreochrielteu  Mehet.  O:  ob.  0:  db>i<elU'n.         SB«  0:  ob«lteter.        hhh  0:  rkbter- 

"'  0:  minder.  kkk  ,.in  nud«  r  unser"  fehlt  in  IIS.  welche  liest:  gefvogni«*  unnd  geriebto 
füren.  111  „unnd  gefengntao"  fehlt  in  HS.  n""m  O:  laaoen  wollen.  nnB  0:  kernen. 
•"*»  0:  Verhinderung.          I'W  O;  darnach.       9'W  BS:  werde. 


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383.  Stück. 


493 


Dach  hir  inne  uss  genomen,  dye  geistlichen  zu  erflort  belehent  ader 
gesessen*  sint,  dye  sullen  zu  vor  mit  rechte  vor  genomen  unnd  er 
wunnen  werde.  Es  were  danne  solche  vorhandelunge1'  so  gross,  ouch 
uffenbar,'  ouchd  so  merglich  vor  docht,"  da  durch  er  vor  fluchtig 
mochte  werde,  unnd  dar  ummef  am  leben  zu  straflon  wero,  czu  deine* 
mochten  wir  mit  des  rates  wissen  griffen  |  unnd  in  haftunge  nemo  2*1 
losssen.11  Da  bye  der  rath  schicken  sulle,1  uftlouftte*  zu  vor  waren, 
unge  verlieh. 

Item  als  bye  zeitten1  unser»  vorfarn  seligen  gnedicklichen u  her 
komen  ist,  das  des  rates  voyte,°  dy  oft  der  stat  slossen  wonen  sullen, 
von  den  dingen,  dye  sye  zu  gebruchunge  der  selbigen  slossep  kouflen, 
unnd  so  das  von  on  gewert  wirdet,  keinen  czol  ader  siege  schntcz 
geben,  unndr  was  sy  der  aber*  zu  andern  Sachen  gebruehen*  unnd 
nicht  beweren,  do  meteu  soldev  es  gehalden  werde  noch  luthe  der 
bucher;  bye  solchem  horkomen  wollen  uund  sollen  wir  unnd  unser 
noohkomen*  sye  ouch  also  ane  intrag  bliben  losssen.* 

Item  von  des  rates  frone  unnd  czinse  wagen'  sal  ouch  kein  czol 
gegeben  werde. 

Item  wir  haben  ouch  unseren  gemeinen1  burgern  czu  erflort  zu 
gute  gnedicklichen2*  noch  gelosssen , uh  das  solche  frone  wagen,  dv  sy 
von  oren  gutern  ader  von  bethe  wegen  haben,  unnd  ore  dynere  ader 
knechte,  dye.  sulchs"  beweren,  uff  dye  czolbrucken  schicken,  keinen 
czol  geben  sullen;  unnd  dye  bürgere  sullen  sich  dar  inne  ordentlichen 
unnd  uff  gerkrhtda  haldon ,  das  sy  keinon  andern  wagen,  der  ezinsse 
gulde  ader  ander  dingk  füre,  vor  frunewagen"  vorteydinge;  unnd 
welcher (f  des  hinderkomen  wurde,**  der  solde  uns  zu  iglicher  czit  dye 
bussse,  uff  den  gesatezt  ist,  vorfallen  sin,  unnd  von  dorne  rathe  ge- 
halden werde,  dy  zu  beczaln.bb  Doch  were  es,'1  |  das  unser  burger  v 
hin  für  slossse  ader  dorfler,  dy  biss  her  czolbar  ge  west  weren,  an  sich 
brengen  wurden,  das  sal  uns  unnd  unsernkk  nochkomen11  an  unserme 
czolle  u n schedelich  mm  syn. 

Item  damit  unser  burger 110  zu  erflort  unnd  ore  underthane00  in 
andern  unsern  steten,  merckten,  dorflern,  slosssen,  gebieten  unnd"» 
gorichten  sicherer  unnd  stetlicher  handeln  unnd  wandoin  mögen,  wollen 
wir  unnd  sullen  ouch  unser  w  nochkomen"  am  stifft  unnd  unser"" 
capittel  zu  mentcz  nicht  gestaten,  das  sye  ore  habe  unnd  gutero"  in 
den  selben  unseren au  unnd  unsers  sriflis  landen,  steten,  merckten, 
slossern ,  dorflern,  gebieten  unnd  gerichten  sollen  noch  mögen  be- 


•  HS:  bcaowen.  O :  vcrbandcluug.        «  O:  off*iubar.       *  0 :  «der.       «  0 :  mereklieu 

lacht.  r  O;  darumb.  *  HS:  dein.  *  0:  uemen  lauen.  1  0:  «I.  k  0:  uffUufft. 
1  HS:  aldem.  m  HS:  uiworn.  n  0:  guedigllch.  °  O:  voSgto.  P  O:  derselben  rimaw. 
*i  <•:  bewert.  r  fehlt  In  O.  "  HS:  dar  uto-r.  1  <»:  gobraucheu.  "  0:  damitte?  v  O; 
aal.  w  0:  naebkomen.  x  0:  lanann.  *  HS:  wegen.  «  HS:  gemein.  **  O;  gncdlglkh! 
bb  0  nacbgelawien.  cc  HS  In  Dittographie  noch:  dye  aolclia.  Jd  <>:  darjnno  uffrlchtig  uixj 
ungevorllch.  °*  0:  (ronewagen.  ,f  HS:  welche.  B«  HS:  wurden.  W»  0:  bore 
"  HS:  were«.  kk  HS:  unser.  11  0:  nachkomen.  mm  HS:  unboochedotlch  nn  <»• 
°°  O:  nudertbanenu.        l'P  fehlt  In  HS.         m  HS:  unaern.         "  0: 


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404 


iW.  Stfick. 


kommert  noch*  uff  gchalden  worden,  noch  mit  gerichte  ader  snst  be- 
komraern  ader  uff  halden  sullen  noch  wullen  in  keine  wisse.  Es  were 
danne  umme  schulde1,  ader  forderunge,c  dye  an  den  selben  enden 
er  wachsen  unnd  ge  macht  ader  do  selbestd  zu  beczalen  vor  sprechen 
\vere,c  ader  andere  feile,  dye  sich  von  gemeynen*  rechten  da  geborten  < 
zu  Vorrechten.  Unnd  wir  unnd  unser  nochkomenh  wollen  unnd  sullen 
in  allen  unsern  ampten  unnd  steten  unsers  stiffts  snlchs  unvorbruch- 
lich  zu  halden  ernstlich  entpfelen1  unnd  gebieten.  Abk  aber  durch 
unser  amptlute  eynen  ader  meher  sulchs  geverlich  über  faren  wurde, 
dye  sullen  deme  bekommerten  kost  unnd  atezunge  abe  legen  unnd  be- 
czalen unvorezoglich,  alles  ungeverlich. 

Item  wir  unnd  unser  nochkomen1  wullen  unnd  sullen  wissentlich 
noch  vorhengnissem  nicht  gestaten,  das  dye  unsern  von  erflort  unnd 
?hs  ore  under  thanen  in  unsers  stiftts  landen  unnd  gebieten  unnd  uss 
unsers  stitfts  mentcz  steten,  slossen,  merc-kten  unnd  dorftern  mit  vede 
ader  ane  vede  be  schediget  werden,  ouch  ore  abgesagte"  fiende  ader 
beschediger  sich  dar  innc  zu  enthalden,  ader  dar  uss  nicht  behelffen 
sullen  in  keinen  wegk."  Wir?  wullen  unnd  sullen  ouch  das  also  in 
allen  unsern  ampten  uff  zu  sehen  i  unnd  änderst'  nicht  zu  halden 
ernstlich"  bestellen,  alles  getruwelich1  unnd  ungeverlich. 

Item  was  in  dissen  obgeschreben u  artickeln  unnd  vortrage  in 
sunderheit  nicht  vor  fast  ist,  das  doch  czwisschen  unsern  vorfarn  unnd 
demv  stifft  mentcz  eyns  unnd  der  stad  unnd  unsern  bürgern  zu 
erftort  anderen  teils w  in  andern  ordenungen  unde  vor  sehribungen  von 
unsern  vorfarn  unnd  capittel  uss  gegangen*  unnd*  vor  fasst  ader 
ge  ordent  ader  ouch  vom1  rathe  unsern  vorfarn  unde  stifft  vor 
schreben™  were,  sulchs  sal  in  syner  fordern  ordenunge  unnd  kraflt 
bliben.  Unnd  disser  vortragk  deme  selbigen  ouch  uns  unde  unserme 
stiffte,  ouch  unser  stat  erftort.  rathe  unnd  den  burgern  in  andern 
stucken  unde  rechten  keinen  abe  bruch1'1,  thun,  alles  anegeverde. 

Unnd  wir  albrecht  administrator  obgnant  etc.  gereden  unnd  vor 
sprechen  vor  uns,  unser  nochkomen cc  unnddd  stifft  mentcz  bye  unsern 
fürstlichen  werden,  "  das  wir  dissen  vor  tragk,  ordenunge  unnd  gnade 
in  allen  punckten  unndff  artickeln  stete,  veste*9  unnd  unwederrufflichhb 
v  halden11  unnd  deme  noch[komenkk  ouch  unser  stat  erffort  unnd  unser 
bürgere11  da  bye  bliben  lassen  sullen  unnd  wullen  sunder mm  alle 
argelist  unnd  geverde.  Unnd  des  zu  orkundenQ  haben  wir  unser 
ingesegel00  vor  uns  unndpp  unser  nochkomen qq  an  dissen  brefi"  thun 
hengen.*8     Unnd  wir  bertolt  von  gots  gnaden  grafe"  unnd  herre  zu 

»  <>:  ader.  b  <~>:  nmh  «halt.        c  0:  «nd  fordcrnijp.        *  0:  diuwlbtt        «'  0.  wem) 

«"<»:  ^movnnni.  *  «>:  ^t-bnrtcn           O:  narhknjnonn.      '  O:  ompholcn.       k  <>:  ob.       1  0: 

nju:hk*m«"ii.       -  vtrhcn-lich.       °  HS:  „|,e  M^fende.      "  O;  vregv.       l'  fehlt  In  O.      4  HS: 

uff  /n  luiMiMi.  r  0:    an<t-ra        '  HS  u^ch.    zu.       *  0:    fcctruwllcb.        n  O;  oligmehriebea. 

T  fvlilt  in  HS  "  HS:   aii'lcrtPiU.         *  »' ;  tu/ffiinpen.         ?  fohlt  in  0.         «0:   tou  dem. 

•L*  i|.  vt'i-NoliricboQ.       bb  <>:  nbfonich.  <>:  nnebkonion.            HS:  unwn.       *■  0:  wlrdea. 

11  ut.lt  in  HS.  «tf  (»:  f.-*t        UJl  <>:  umvi  iderniffllch        n  fehlt  In  IIS.       kk  0:  nachkamen. 

11  unnd  —  burjroiv  lohlt  In  HS.             IIS:  sundern.       "n  0:  Urkunde.      00  0  klirrt  ab:  tag*« 

PJ'  f.  Mt  in  IIS  n;  u:  nachkomen.        "  O    t.rteff        -  O:  benck«nn.       »  ü:  gr»ff. 


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383.  Stück. 


495 


hennenbergka  etc.  techant,  ruprecht  grafe1'  zu  solms  custer,c  dammo 
von  prumheym,,  Schulmeister,  ewalte  fulhaberf  senger  unnd  dascapittel 
gemeincklich *  des  thura  stiffts  zu  mentcz  bekennen,  das  solcher  vor 
trag  unnd  beredunge,h  wye  obgeschrebon 1  steet,  mit  allen  punekten 
unnd  artickeln  mit  unserme  rathe,  wissen  unnd  vor  willigunge  ge  scheen, 
unnd  sovele  an  uns  ist,  daran  sin,  das  es  also  gehaldenk  werde,  otich 
dar  widder  zu  thune1  in  keinen  cziten  bewilligen  wullen,  unnd  haben 
dar  umme*  unsers  capittels  grosse  ingesegeln  zu  dos  abgedachten 
unsers  gnedigen  hern  von  mentz  ingesegel"  vor  uns  unnd  unser  noch- 
komenp  an  dissen  breff11  thun  bongen/  der  gegebon  ist  zu  amorbach* 
am  montage  noch  unser  liebon  frowen  tage  puriticacionis,1  anno  dni. 
millesimo  quadringentesimo  octogesimo  tercio." 

Item'  solche  obgemeltew  vorschribunge*  unnd  Vortrag  mit  allen5 
unnd  iglichen  meidungen,  worten,  artickeln  unnd  punekten  wir"  ob- 
genanten  ratismeister,  rath,  rethe  unnd  ganteze  gemeyne  der  stat 
erftort  erkant,  gowilliget  unnd  angenomen  haben,  erkennen,  willigen 
unnd  nemen  den  an  für  uns  unnd  unser  nochkomen"  ewiglichen, 
gereden  unnd  vor  sprechen  in  waren  truwen,  als  wir  deme  stintege|\vant  swt 
sint,,,b  dem  unsers  teiles  volkomelich  noch  zu  konien"  unnd  im  vor- 
ruckt zu  halden,  unnd  dar  wedderdd  nicht  zu  thuuece  in  keinen  wegk. 
Des  zu  orkunde"  haben  wir  unser  stat  gross  sigil**  vor  uns  unnd 
unsor  nochkomenhh  wissentlichen"  an  dissen  briftl,k  thun  bongen,11 
der  gegobenmm  ist  zu  erftort  am  montagnn  w  unser  lieben  frowen  tag 
puriticacionis  nach  ciisti  unsers  hern'p  gebort*"  thusent  vierhundert" 
dar  nach  in  demo™  dry  unnd  achezigisten  jare." 

IL 

Kir  folget  noch  dy  vortracht  unnd  vorschribunge  der  herron  von 
missen  unnd  der  stat  erftort,  unnd  dy  zu  ewigen  geeziten  gehalden  sal 
worden  anno  dni.  M°CC(X° LXXXII1  in  die  puriticacionis  marie  virginis. 

Von  gotis  gnaden  Ernst  des  heiigen  romissehen  richs  ercz  mar- 
schalk,  kurfurste,  unnd  albrecht  gebrudere,  herezogon  zu  Sachsen,  lant- 
grafen  in  doringen  unnd  maregravon  zu  misson. 

Lieben  gotruwen,  wir  haben  vor  uns,  unsor  erben  unnd  noch- 
komen dye  erssamen  ouch  unser  lieben  gotruwen  ratissmeistor,  rath, 
rethe,  bürgere  unnd  gemeyne  der  stat  erftort  mit  orer  stat,  slosseu, 
dorffern,  gutern  unnd  undorthanen  in  unseren  schutcz,  soherm  unnd 
vorteydingk  uff  ewige  czit  uff  genomen,  wollon  ouch  sye,  ore  under- 

•  O:  herr  iseu  Heuneberg.  b  U:  Rupprecht  graff.  c  HS:  ciwtor.  «*  HS:  prunboyin 
HS:  erwalt.  r  HS.  fulhaffer.  *  0:  gvmeynlich.  h  0.  berodung.  1  0:  oben  gwhriebeu. 
k  0:  liesrheen.  1  0:  thun.  m  0:  darunib.  "  0:  gro«!  ingeeicgel.  "  /o  des  —  ingraegel 
(0:  lngealegcl)  fehlt  in  IIS.  V  O;  nachkamen.  H  0.  l.rlvrT.  '  0:  hencken.  "HS  .imorl.ach 
1  HS:  leebtewec.  u  IIS ;  M  "  ('CCC°  LXXXlll  °.  0  alier  «-.hrclbt  -Ho  Zahl  au»  (octoa^uhno). 
T  fehlt  In  0.  w  O;  ioücli  ItxtgemorU1.  *  O:  Verschiebung.  *  118:  ftllon»  *  fehlt  in  HS. 
**  0:  naebkomen.        bb  0:  iin.        ce  O:  nachzcnkuuien.        ,ld  O:  dar  wider  O;  thun. 

ff0:  Urkunde.          *P  <>:  «rfgvl.          hh  O:  naohkmnen.  O:  wtaentlich.        kk  U:  l.rieff! 

•I  O:  bencken.  n""  0:  geben.         ua  H8:  mittewochen,  O:  mnntag.        »o  o .  ^  UMer, 

PP  0:  beim.       'i'i  0:  gobuit.       "  0:  vierzoebonthundort  nnd.  O:  jm.       «  O;  jarem. 


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496 


•$6'6.  Stück. 


than,  habe  unnd  gutere  in  unnd  usscrhalb*  unserm  furstenthum  unnd 
v  landen  glich  I  den  unsern  getruweliehon  vor  schutczen,  scliermen  unnd 
vorteydingen ,  sye  ouch  in  unserm  fursthuni  unnd  landen  mit  ader 
ane  vehede  wissentlich  nicht  beschedigen  lasssen,  ouch  ore  tiende 
wissentlich  nicht  onthalden  ader  zu  thun  gestaten,  sundern  uns  yn  zu 
besunder  gnade  bewilliget,  ab  wedder  sye  eyniche  angriff  ader  be- 
schediunge  ge  sehen,  das  alles  dann  unser  amplute  unnd  stete  ouch  an 
unserm  besundern  bevele  unnd  an  ersuchen  das  ilende  mit  folge  unnd 
macht  weren  unnd  do  wedder  gedencken  sullen.  Wir  wullen  ouch 
sye  unnd  ore  gutere  in  unsern  steten,  merckten,  dorffern,  gebieten, 
furstenthum  unnd  landen  nicht  kommern  ader  uff  halden  noch  nymandes 
der  unsern  ader  uss  lendisschen  kommern  ader  ufi  halden  losssen. 
Wurden  aber  dy  unsern  mit  oren  bürgern  ader  andern  underthanen 
umme  schult  ader  ander  pflicht  zu  tliun  habe,  betrifft  es  geltschult 
ader  ander  personliche  elage,  wo  danne  eyn  rath  zu  erffort  der  halbe 
er  sucht,  dye  selbien  nicht  gutlichen  bye  legen  mag,  als  ab  vellichte  dy 
clage  von  on  vor  neynt  ader  sye  der  oren  zu  sune  ader  sluniger  uss- 
richtunge  nicht  vor  mochten,  betrifft  danne  solchs  oren  burger  ader 
yrer  stat  ynwoner,  so  sullen  dyeb  unseni  vor  das  mentsche  gerichte 
zu  erffort  gewiset,  unnd  was  do  selbest  erfordert  gegeben  wirt,  sal 
durch  eynen  rath  vor  holffen  werden,  noch  louffte  des  gerichts  unnd 
der  stat  gowonheit  unnd  herkomen.  Wo  aber  solche  clage  ore  under- 
!W4  thanen  uti  dorne  lande  betreffen  wurde,  dye  sullen  vor  den  |  gerichten, 
dar  inne  dy  antwerter  gesessen  sint,  ader  do  dy  sacho  mit  rechte  henu 
,  gehorn,  by  recht  unnd  gewonheitc  vorhulffen  werden;  betrifft  aber  dy 
chige  erbfal,  der  fal  begebe  sich  zu  erffort  ader  usserhalb  in  oren 
merckten,  dorftern,  gebieten,  gerichten,  sal  ydermau  solche  forderunge 
vor  deme  rathe  thun,  do  selbest  ouch  dy  Sachen  noch  rechte  unnd 
gewonheit  der  stat  ent  scheiden  werden,  das  als  danne  eyn  yder  Ge- 
nüget'1 sye,  uund  sulche  sacht?  in  vier  monden  vorholffen  unnd  zum 
ende  louffen  sullen;  wurden  ouch  dy  von  erffort,  ore  bürgere  ader 
underthanen  furtlerunge  ader  Sachen  wedder  dye  unsern  haben,  den 
sal  an  den  gerichten,  do  sy  besessen  sint,  furderlichs  rechts  gestat 
unde  slunig  in  czitt,  wye  vor,  vor  hulffen  werde.  —  Wer  ouch  hir  über 
dye  von  erffort,  yre  habe  ader  gut  kommert,  der  sal  atezunge,  kost 
unnd  czerunge  zu  sampt  dorne  schaden  abe  lege  unnd  beczalen.  — 
Wir  wullen  ouch  dye  von  erffort,  ore  bürgere  unnd  underthanen  an 
czinssen,  ronthen  unnd  gerechtickeiten,  dye  sye  in  uusern  fursten- 
thummen  bye  der  geistlickeit,  prelaten,  graten,  herreu,  steten,  mannen, 
burschatft  haben,  nicht  hindern,  sundern  dye  on  unnd  den  oron,  geist- 
lichen unnd  wertlichen,  getruwelichen  folgen  lassen  unnd  zu  geben 
schaften,  noch  in  halt  orer  brefle  ader  ander  redelicher  künde,  dye  sye 
dar  umme  haben. 

Wir  wullen  ouch  in  or  gerichte  nicht  ergern,  sundern  dye  dar 

"  US:  uiiiorbnll».       b  Hö:  *ye       c  Fehlt  in  HS.          HS:  genüget. 


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383.  Stück. 


497 


bye  ungehindert  bliben  losssen.  Wo  ouch  uff  den  rechten  lantstrosssen 
dorch  der  von  orffort  gerichte  geende  ymants  getot,  gewiint  ader  sust 
dar  utfe  |  ge  fallen  ader  in  ander  wisse  legen  hiebe,  so  niogten*  dy  von  * 
erffort  ader  vre  underthanen  dye  selbigen  toten,  gewunten  ader  sust 
uft  den  Strassen  gefunden  uff  heben,  begraben,  unnd  dye  gewunten  zu 
dem  arezte  brengen,  unvordechtig  unnd  un vorhindert,  dach  also,  das 
sulchs  in  unser  neste  ampt  den  unsern  verkündiget  werde,  dye  also 
danne  noch  gestalter  sache1'  darinne,  wy  sich  gebort,  richten  unnd 
handeln  sullen.  Ess  sal  ouch  uff  sulchen  lantstrosssen  dorch  der  von 
erffort  gerichte  geende  in  keiner  wisse  eynich  koinrner  von  uund 
wedder  ymants,  ouch  usslendesschen,  gescheen,  unnd  wo  der  gethan 
wurde,  sal  un  geacht  unnd  vor  nicht  werden  gehalden.  Wir  Wullen 
ouch  sy  an  wilt  ban,  beisssen  unnd  weidewergk  in  yren  gerichten, 
holczern  unnd  felden,  wu  sy  das  von  aldem  her  komen  unnd  von  rechts 
wegen  haben  sullen,  nicht  hindern.  Sye  ouch  mit  vihe  ader  mit.  schaff- 
triftt  in  vren  gerichten,  holczern,  felden  unnd  widen  nicht  belestigen 
noch  beschedigen  lasssen,  unschedelich  eynem  yderman  an  syner  trifft, 
dye  her  von  altem  herkomen  unnd  von  rechtes  wegen  haben  sal,  doch 
das  dyec  in  holczern,  wessen,  winbergen  unnd  sethen,a  ouch  in  ezit- 
lichen  hege  felden,  nymants  zu  schaden  gebrueht  werde. 

Es  sullen  ouch  eins  ydermans  gutere  bethe,  frone,  sture,  bern  unnd 
dinst  tragen  in  den  gerichten,  do  dye  gutere  ge  legen  sint;  unnd  ab 
einer,  under  uns  gesessen,  gutere  hinder  den  von  erflort  nette,  |  dere  *a& 
sal  do  von  unnd  siner  person  halben  keine  fryheit  noch  vorteydingk 
haben,  sundern  solche  bethe,  fruue,  sture,  bern  unnd  dinst  geben  unnd 
beczalen.  Wir  Wullen  ouch  keinen  von  erffort  ader  vre  underthanen, 
der  ader  dye  in  czweitracht  von  on  czeen  werden,  imune  schutcz  ader 
schirmes  willen  wedder  recht  uff  nemön  ader  uff  zu  nemen  gestaten, 
sundern  wir  woln  dye  selbigen ,  was  der  in  unsern  furstenthummen 
unnd  landen  von  uns  ader  denf  unsern  ymands^  uff  genomen  wurden, 
wisen  unnd  vermögen,  sich  rechtis  zu  erffort  ader  sust  noch  gestalt 
unnd  gelegeuheit  der  saehen  an  geborlichen  enden  im  lande  zu  doringen 
begnügen1'  zu  losssen. 

Aller  obgemelten  stucke  unnd  artikel  haben  wir'  vor  uns  unde 
unser  erben  uund  nochkomen  kegen  den  von  erffort  unnd  den  yren 
gnedicklichen  bewilliget,  gebieten  unnd  befeien  uch  dar  uft  festick- 
lichen  unnd  mit  ernste,  ir  wullet,  wo  uch  das  beruret,  aller  disser  ob- 
gemelten stucke  kegen  den  von  erffort  unnd  den  yren  getruwelichen 
unnd  mit  tlissse  halden  unnd  in  ampt,  pflege  unnd  stat  zu  halden 
ernstliehen  straffen  unnd  bestellen,  das  gehalden  werde,  unnd  dar 
wedder  nicht  thun  ader  zu  thune  gestaten,  sundern  sulch  unser  be- 
willigunge  unnd  voitracht  in  ampte  unnd  stat  buchere  zu  ewigem  ge- 
dechtenisse  schriben  lasssen,  dar  noch  sich  itezunt  unnd  hin  für  yr 


»  HS:  mochte».       b  Iis  :  gi-  ataltrn  Harken.       °  IIS :  yr©.  HS:  »u  der  sotti.      ''  HS  : 

aal  der.       1  HS;  der.         «  I-Vblt  io  HS.         b  HS:  beiluden         >  IIS :  wir  uua  vor  utu. 

K.  Stollea  Memorial«.  32 


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408 


384.  Stück. 


unde  uwer  nachkoraen  unnd  eyn  vderraan  zu  rechten  unnd  zu  balden 
haben.  Ist  unser  ernst  meynunge.  Gegeben  zu  wymar  ufF  sontag 
unser  lieben  frowen  tag  lichtmesse  anno  dni.  M°CCCC°  LXXXHL. 


884.  Von  eyner  grosssen  processien1  gescheen  zu 

erffort 

1483  v  Als  man  schreib  noch  cristi  gebort  unsers  hern  tusent  vierhundert 
unnd  drye  unnd  achczigk,  an  deme  fritage*  vor  sant  johans  tage  bap- 
tisten,  do  hatte  der  erssame  unnd  wisse  rath  zu  erffort  bestalt  zu 
gehene  eyne  lobeliche  erliche3  processien  umme  dye  stad  erffort  umme 
sunderlicher  bethe  willen  eyns  iglichen  menschen,  zu  bethen  unnd  zu 
loben  den  almechtigen  ewigen  got,  das  her  de  in  woner  der  erheben 
stad  erffort  unnd  ouch  andere  frome  luthe  behüte  wolde  vor  deme 
geeningen  tode,4  ader  hunger,  ader  pestilencien,  unnd  dye  fruchte  uff 
deme  felde.  Sunderlichen  in  disser  czit  ist  gross  sterben  gewest  in 
feie  landen  umme  beer,  ane5  in  erffort  unnd  im  lande  zu  doringen 
alleyne.  Also  besorgete  sich  dye  stad  erffort,  es  mochte  ouch  zu  on 
kome,  doch  also,  das  ess  on  der  almechtige  got  wolde  gnediglichen 
gebe  unnd  erezeie,6  wann  ess  nicht  anders  mochte  gesye.  Item  zu  der 
czit  was  ouch  etlichor  mossse  thurunnge  im  lande,  also  das  eyn  malder 
korns  galt  funff  ader  sechs  gülden,  unnd  was  wening  geldes  under  den 
luten.  Es  was  ouch  zu  der  czit  sere  feie  folkes,  wanne  innewendigk 
ezwenezigk  jarn  was  nye  koyn  recht  sterben  gewest  Es  was  ouch 
»sc  seiden  eyn  |  par  volkes,  sye  hatten  achte,  nun  ader  czeen  kindere,  unnd 
hatten  nicht  geldes  noch  korns  unnd  leden  grossse  noyt,  also  das  der 
rath  zu  erffort  liss  brot  backen,  unnd  vorkoufften  das.  Item  man  fürte 
vele  korns  uss  erffort  in  andere  land,  do  es  ouch  thure  was.  Item, 
das  es  also  thure  was,  das  was  dy  sache,  das  es  by  czweien  jarn  nicht 
feie  hatte  geregent  noch  ge  sniget,  das  es  der  rede  were  wert  gewest; 
hir  umme  was  der  ert  bodem  also  dorre  worden,  das  das  getreidich  in 
deme  schossballen 7  bleib  an  feie  enden  unnd  wart  kort  Nu  umme 
solcher  besorgunge  unnd  ferlickkeit  er  dochte  der  erssame  wisse  rath 
zu  erffort  eine  processien  zu  geende,8  unde  got  den  almechtigen  zu 
bethen,  das  her  solche  ungnode  von  on  abe  wende  wolde.   Item  dy 

884.  1  S.  ob.  St.  335,  wo  vieles  bereits  erklärt  ist.  *  20.  Juni  1483.  ■  er- 
heb =  „was  Ehre  hat",  also  „ansehnlich,  vortrefflich,  herrlich,  schön";  sogleich 
darauf  erliche  »tat  —  „ansehnliche  Stadt"  (Erfurt).  4  Mundartliche  Weiter- 
bildung (s.  St.  1  A.  16)  des  md.  Adject.  gehe  (mhd  gtehe),  unser  „jach"  (das  j  seit  dem 
15.  Jahrh.).  Sachlich  ist  wohl  besonders  der  Tod  durch  Schlagtluss  gemeint. 
^  Hier  =  „ausgenommen.*1  Uber  die  Erfurter  Bevölkerung  damals  s.  A.  Kirchhoff, 
Zur  Bevölkerungsstatistik  von  Erfurt,  MGfi  V,  1871,  S.  55— 123,  über  uns.  Stelle 
S.  114.  0  Durch  die  Mittel  form  „erezeihe'1  au«  „erzeige"  zu  erklären.  T, »Schoss- 
ball" —  „Schossbulg"  (nach  Grimm,  Deutsch.  Wörterbuch  s.  v.),  swm.,  ist  „der- 
jenige Teil  am  Halme  des»  Getreides,  aus  dem  die  Ahre  hervorspriesst." 
8  Über  das  ej)enthetisehe  d  im  Dativ  des  Gerundiums  s.  St.  335  A.  2. 


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384.  Stuck. 


490 


von  erffort  geboten  allen  oren  undersessen,9  also  wid  also  das  lant  ist 
in  yrem  gebiete,  das  sye  ouch  allem ittenander  ufi  denselbigen  fritagk 
ouch  solden  gee  umme  ore  flure  mit  der  processien;  unde  das  ge 
schach,  got  zu  loben  unnd  zu  beten  umme  sine  gnade. 

Also  hebit  sich  nu  an  dye  processio.  An  deme  fritage  vor  sente 
jobans  tage  des  touffers,  do  das  seyer  czwey  slugk  noch  mitternacht, 
hub  man  an  dy  metten10  zu  singen  uff  deme  berge  zu  unser  lieben 
frowen  unnd  sente  sever.  |  Item  do  es  viere  slugk,  do  hub  man  an  zu  ▼ 
singen  in  beiden  kerchen  messe,  von  der  heiigen  dry  faldickeit.  Do 
was  der  rath  bye  gegen wertigk  zu  unser  lieben  frowen,  unnd  man 
orgelte  nicht.  Item  zu  hant  noch  der  messe  worn  do  gesamment  alle 
cruce  nss  den  pfarren  mit  oren  pfernern  unnd  orem  volke,  unnd  do 
begunde  dy  processie  zu  gene,  do  der  seyger  funffe  slug.  Item  zu 
dem  aller  ersten  mal  gingen  alle  pfarre  crucze  uss  unser  lieben  frowen 
kerchen  zu  deme  dry  angel11  uss  kein  sente  severs  kerchen.  Dor  noch 
gingen  alle  schulere,  von  unser  lieben  frowen  kerchen,  von  sente 
severo,  von  den  regelern,  unnd  von  den  schotten,  alle  zu  samene  IX 
hundert  unnd  achte  unnd  vierczig  schuler.  Item  dor  noch  gingen  dy 
hern  von  unser  lieben  frowen,  unnd  von  sant  sever,  unnd  von  den 
regelern,  unnd  alle  pfernere,  alle  zu  samen  drye  hundert  unnd  XII 
pristere.  Item  dar  noch  gingen  der  rector  uss  deme  kaleyem,12  alle 
doctores,  meistere,  baccalarien  unnd  Studenten,  alle  zu  sammene  eyn 
unnd  czwenczigk  hundert  unnd  eynunndvierczig  person.  Item  dar 
noch  gingen  dye  monche  von  den  mergenknechten,  dar  noch  dy  monche 
von  den  augustinern,  dar  noeh  dy  monche  von  den  barfussen,  dar 
noch  dy  monche  von  den  prcdigern,  dar  noch  dy  monche  von  sente  • 
peter,  dy  monche  alle  zu  samene,  der  was  an  der  czal  |   

Dar  noch  trugk  man  vier  unnd  vierezigk  lange  kerezen,  dar  noch  ss- 
der  hantwerge  lechte,  dar  noch  acht  lattern  uff  hochen  stehen,  dar  noch 
eyn  knabe  mit  eyner  glocken,  dar  noch  der  apt  zu  sente  peter,11  der 
trugk  das  heiige  sacrament,  unnd  der  apt  zu  den  schotten  gingk  by 
ome,  unnd  vier  erhebe  menner  trugen  eyn  tuen  uff  vier  stehen  über 

!l  Mhrt  „undersäje,  undeiv^e  und  underse«e"  =  md  „undersesa"  =  „Unter- 
than."  10  Das  officium  matutinum,  das  in  Klöstern  schon  von  12  Uhr  mitter- 
nachts an  gesungen  wurde,  in  den  Kollegiatstiftern  gewöhnlich  später  am  Morgen, 
hier  aber  ausnahmsweise  wegen  der  früh  5  Uhr  beginnenden  Messe  schon  um 
2  Uhr  nachts.  Die  Messe  „von  der  beiigen  dryfaldickeit"  ist  die  Messe  zu  Ehren 
der  heiligen  Dreieinigkeit  in  gratiarum  actione,  also  um  zu  danken  und  zu  bitten. 
11  S.  St.  321  A  5:  das  dreieckige  Portal  des  Domes.  15  Im  Sommersemester  1483 
war  Rektor  der  Erfurter  Universität  Magister  Nieolaus  Institoris  de  Gengenbach, 
medicine  doetor,  *.  Weissenborn,  Akten  der  Universität  Erfurt,  I  pag.  398.  Ausser 
dem  Rektor  werden  alle  Mitglieder  der  Universität  erwähnt:  die  Doktoren  der  3 
höhereu  Fakultäten  (Theologie,  Medicin,  Jurisprudenz),  die  magistri  artium,  die 
Haccalaurien  und  die  Studenten,  zusammen,  wenn  alle  teilnahmen,  wie  es  doch 
wohl  anzunehmen  ist,  2141  —  eine  Notiz,  welche  für  den  damaligen  Besuch  der 
Erfurter  Universität  wichtig  ist.  13  I^eider  ist  diese  kulturhistorisch  sehr 
wichtige  Zahl  in  Stolle  nicht  ausgefüllt  worden.  u  Es  war  der  hochangesehene 
treffliche  Abt  Günther  von  Nordhausen,  1458-1501  Abt  des  Petersklosters  zu 
Erfurt,  s.  Böckner,  MOE  X,  S.  22  ff.  u.  62  ff. 

32« 


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500 


384.  Stück. 


deme  heilgcn  sacramont  Dar  noch  gingk  der  erbar  rath  unnd  alle 
mannes  namen,1''  als  wid  als  dy  stat  was,  unnd  utt  den  tag  torste  ouch 
nymant  koutfe  noch  vorkoufl'e  vor  mittage,  unnd  alle  thor  an  der  stat 
dy  stunden  zu  goslossen,  uss  genomen  das  bruler  thor,  do  man  uss 
unnd  wedder  in  gingen.  Item  dar  noch  gingen  dye  juncfrowen,  neme- 
lichen  an  der  ezal  drv  unnd  ezwenezig  hundert  unnd  sechczeu  junc- 
frowen; unnd  eer  sy  uss  gingen,  do  sammeten  sye  sich  ufl'  sente  severs 
hofe,  unnd  do  sy  gingen,  do  gingen  sye  dorch  seilte  severs  kerchen 
hene  unnd  hatten  alle  lechtehene  in  oren  henden,  unde  hatten  alle  or 
hör  ufl'  geflochten  unnd  ufl"  ore  achseln  gehreit,  unnd  dye  mer  menge 
gingen  haiiuss,  unnd  hatten  all«;  wermuten  ader  bibossen  krentczchen 
ufl  oren  houbten,  unnd  gingen  gancz  geczuchtig  unde  singen  ore 
ougen  nedder  ufl  dye  erden,  unnd  uss  iglicher  pfarre  sunderlichen, 
gingen  unnd  sungen  ore  leysson,  dy  sy  gelernt  hatten.  Unnd  dy  wile 
▼  das  sy  sich  sammeten  uff  sente  |  severs  hoto  unnd  ouch  vor  den  greten, 
biss  so  lange  das  dy  geistlickeit  vor  hen  quam,  das  stunt  also  betrübet 
unnd  bermeiieh "';  wer  das  sach  unnd  horte,  der  muste  weyne;  was 
ess  nicht  uttenborlioh,  so  weinten  sy  doch  in  oren  herezen.  Item  also 
gingen  sy  uss:  ('zum  ersten  gingen  schöner  juncfrowen  czwo,  dy 
trugen  czwo  binnen,  dar  noch  gingen  vier  juncfrowen,  dy  trugen  vier 
lattern  uff  hochen  stehen  unnd  bornende  lochte  in  deu  lattern,  dar 
noch  gingk  uss  der  mosssen  eyne  schone  junefrowe  in  einem  swarezen 
kleide,  unnd  alle  barfuss,  dy  trugk  eyn  gross  schone  cruezefix,  unnd 
by  or  gingk  eyn  ratismeister,  eyn  demutiger  schöner  man,  genant  got- 
schalk  von  der  sachsa,17  eyn  gefrunt ,s  man,  unnd  der  hatte  achte  ufl' 
dy  juncfrowen;  dar  noch  folgeten  dy  andern  juncfrowen  alle  noch. 
Item  an  deme  ende  »1er  juncfrowen  zu  letezt  do  gingeu  vier  junc- 
frowen, dy  trugen  vier  luchter  mit  lochten,  unnd  czwo  fannen.  Dar 
noch  quam  dy  schar  der  andechtigen  lieben  frowen,  unnd  dy  alle  zu 
sammene,  schillere,  pristere,  Studenten,  monche,  leyen,  juncfrowen  unnd 
frowen,  sungen  alle  unnd  lobeten  got  den  almechtigen,  eyn  iglich  in 
Sonderheit,  als  ge  ordent  was  von  deme  rate.  Also  nu  dy  processie  uss 
unser  lieben  frowen  kerchen  gingk,  do  gingen  sy  binden  keine  deme 

Kollektiv  für  „Männer";  el>enso  wibesnamen,  s.  «st.  49  A.  4.  ,e  Mhd  „ber- 
mueliche"  oder  „bartnecliehe"  (s.  St.  :'.ü0  A.  14)  —  inlid  „bermelieh"  mit  Synkope 
des  e,  „Erbarmen  erregend".  17  Er  war  i.  J.  14s3  dritter  Raismeister,  aus 
einem  uralten  Erfurter  (iesehlechte,  das  zurrst  i.  J.  12%  urkundlich  vorkommt, 
s.  UE  I,  No.  19fi;  das  Register  z.  d.  gen.  Urkuudenbuehe  I  pag.  503  u.  II  pag.  906 
zählt  zahlreiche  Mitglieder  der  Familie  auf,  über  welche  ausführlich  gehandelt 
wird  von  A.  Zacke,  Das  Totenbuch  de«  Dominikanerkloster»  und  der  Prediger- 
kirche  zu  Erfurt,  JAE  II  (1SI31),  S.  27  --3».  08.  ,s  C.  Beyer,  Die  Entstehung 
und  Entwicklung  des  Ratet*  der  Stadl  Erfurt  im  Mittelalter,  Programm  d.  städt. 
Realschule  zu  Erfurt,  1*92,  sagt  S.  9:  „die  burgenses  [die  vornehmsten  und 
nächsten  Inhaber  der  Freigüter,  ebenda  S.  7  u.  4]  .  .  . .  Es  waren  also  die,  welche, 
wie  anderwärts,  so  auch  in  Erfurt  die  Reichen  genannt  wurden,  und  die,  wie  das 
in  den  Verhältnissen  lag,  sieh  übereinander  verschwägerten  und  eine  Sippe 
bildeten,  der  man  den  Namen  die  Uefrunden  [d.  h.  Belrcundeten,  Verwandten, 
ebenda  S.  8,  h.  auch  ob.  St.  326  A.  10]  gab." 


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384.  Stück. 


501 


brule  wart,19  unnd  was  allen  enden  mit  prasse,  blumen  unnd  meyen 
bestagkt,  nnnd  gingen  by  des  bissehofes  hofe  hen,  zu  deine  thore  en 
uss,  über  den  haue  |  baeh'-0  hen.  unnd  gingen  dorch  sente  mertins  »«* 
kerehen  hen,  zu  deme  bruler  thore  en  uss.  Unnd  do  sye  quomen  uff 
dye  gebint-'1  kein  deme  borntale22  uff"  deme  plane,  do  stunden  dye 
geistlichen  alle  stille,  nnnd  ouch  der  rath,  unnd  hilden  eine  stacien, 
unnd  do  was  bereitet  eyn  tisch  mit  eynem  wissen  tuche,  unnd  dar  uff 
feie  schöner  rossen  blumen  unnd  grass;  do  satczte  der  apt  zu  sente 
peter  das  heiige  sacrament  dar  uff,  unnd  hüben  alle  mittenauder  an  zu 
singen  den  lobelichen  ge  sangk,  genant  das  salve  regina.  Do  kneten 
alle  dy  nidder,  dye  do  gegen  wertigk  worn,  geistlichen  unnd  wertlichen, 
uff  dye  erden.  Das  habe  ich*geseen  unnd  ouch  meto  gegangen,  der 
ditcz  geschrebon  had,  genant  conradus  stolle,  eyn  vicarius  zu  sente 
sever.  Do  nu  das  salve  regina  uss  was,  do  lass  der  apt  zu  sente 
peter  dy  collecten  dar  uff,  dar  noch  stunden  sye  uff'  von  der  erden 
unnd  gingen  fürt  bass  unnd  sungen  alle*  zu  gliche,  dy  scholor  oron  ge- 
sangk,  dye  prestere,  dye  monche,  dye  Studenten,  dye  loygen,  dye  junc- 
frowen,  unnd  dye  frowen,  unnd  was  eynem  iglichen  zu  stunt,  unnd 
gingen  vor  sente  andres  thor  hen,  vor  sente  moritcz  thor  hen,  vor  sente 
johans  thor  hen  uff  den  graben.  Unnd  do  sye  kernen  vor  das  krampten 
thor  by  deme  sechhofe,  do  hilden  sy  aber  stille  eine  stacien  in  aller 
forme  also  for,  aber  sy  sungen  do  dyo  erlichen  schonen  antifen  o  sa- 
crum  convivium*3  von  dorne  heiigen  wäre  lichnam.  Do  der  apt  dye 
collecten  |  gelessen  hatte,»  do  gingen  sye  uff  deme  stad  graben  hen  vor  t 
deme  smedesteten  thor  hen,  vor  deme  spei  berger  thore  hen,  vor  deme 
lower  thore  hen,  dy  stunden  alle  zu.  Unnd  do  sye  quomen  hinder 
dye  karthuser  uff  deme  graben,  do  hilden  sye  aber  eyne  stacien,  unnd 
sungen  dy  herlichen  lobelichen  antifen  von  unser  lieben  frowen,  genant 
alma  redemptoris  mater.    Do  der  apt  dy  collecten  gelessen  hatte,  do 

•  HS:  Latt«n. 

19  S.  St.  354  A.  2.  *°  Stolle  irrt,  denn  ein  „Hanebach"  wird  sonst  nicht 
genannt,  und  zwischen  den«  Msinzerhof  und  der  Kirche  St  Martini  extra  lag 
auch  kein  Bach,  nur  der  i.  J.  1342  durch  Abzweigung  des  Falllochwassers  vom 
Bergstrom  (oberhalb  des  im  Brühl  liegenden  Cisterzienser  Frauenklosters)  ent- 
standene Graben  (Abschrift  .des  Wasis>erbuches  im  Stadtarchiv  —  h.  R.  ßöckner, 
Peterskloster  in  Erfurt,  MGEXI,  S.  110  A.  39).  Sonst  gab  es  (nach  v.  Tettau, 
Topogr.  v.  Erfurt,  MGEXII,  S.  184)  zwei  ,.Hanegraben",  die  aber  der  Lagenach 
nicht  gemeint  sein  können  ;  übrigens  ist  Hanegraben  (=  Anegraben,  An-  oder 
Beigraben)  mundartlich  und  bedeutet  „unbenutzt  abfliessendes  Mahlwasser." 
11  Mundartliche  Nebenform  für  mhd  , .gebiete"  —  nid  ,,gebit"  —  „Gebiet"  (terri- 
toriuin).  "  Thaleinschnitt  unmittelbar  nordwestlich  von  Erfurt,  am  Abhänge 
der  sogen.  Schwedenschanze,  noch  jetzt  so  genannt.  Eine  Antiphonie, 

Weehselgesang  (cantus  antiphonus)  ist  meist  ein  biblischer  Spruch,  welcher  an 
die  Spitze  oder  au  das  Ende  der  Psalmen  gesetzt  wird,  dieser  hier  biess :  O  sacrum 
convivium,  in  quo  Christus  surnihir,  reeolitur  memoria  passionis  eius.  mens  im- 
pletur  gratia,  et  futurae  glorine  nobis  pignus  datur,  Amen.  —  Aussenlem  wird 
das  Salve  regina  erwähnt,  zweimal  das  alma  redemptoris  mater,  endlieh  das  re- 
cordare  virgo  mater  und  das  Tedeuin,  über  welche  St.  335  A.  14  Auskunft  giebt. 


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! 

502  385.  Stück. 

gingen  sye  zu  deme  nuwen  thoro2*  in  hinder  der  karthuser  mol  hen, 
unnd  quomen  wedder  by  das  bruler  thor,  dar  sye  uss  worn  gegangen, 
unnd  gingen  wedder  dorch  sente  mertins  kerchen  hen,  zu  unser  lieben 
frowen  kerchen  in,  do  stunden  dy  schuler  unnd  dye  bern  mitten  in 
der  kerchen,  dye  Studenten  uft'  dy  rechten  syten,  dy  rnonche  unnd  der 
rath  uff  dve  lincken  svtcn  kein  sento  sever  wart.  Dye  juncfrowen 
gingen  mitten  dorch  dye  kerchen  hen  biss  in  den  kor  dorch  hen  unnd 
heim.  Dar  noch  dy  frowen  gingen  dorch  dv  kerchen  hen  en  uss  kein 
den  stuften  wart,  anders  sy  betten  nicht  kont  allo  bliben  in  der  kirchen, 
solche  grosse  werlt  was  do.  Do  nu  dy  processie  in  dy  kerchen  quam, 
do  sangk  man  uff  der  grossen  nuwen  orgeln,  dy  danne  in  deme  selben 
jare  gemacht  wart,  dy  antifen  recordare  virgo  mater  etc.,  dar  noch  dyan- 
2*9  tifen  alma  redemptoris  mater  etc.,  dar  noch  te  deum  |  laudamus.  In  des 
vor  gingk  das  volk  mittenander  dorch  dye  kerchen ;  do  gingk  eyn  iglicher 
heim  in  syn  huss,  unnd  als-1  es  uss  was,  do  slugk  das  seyer  cz wollte. 
Item  uff  dye  czit  regerte  dy*  stad  erffort  er  johans  bogk25  unnd  er 
ditterich  brampach  von  der  gemeyne,  unnd  er  ditterich  pardiss-6  von 
den  gcfrunten  etc.  Item  uff  den  sonnabent  dar  noch  aller  neest,  do 
quam  eyn  gut  truchtig  regen  unnd  mancher  dar  noch,  also  das  das 
korn,  win,  loub  unnd  grass  zu  guter  moss  eyn  notorfft  wart. 

Item  also  nu  dy  letczten  an  disser  processien  uss  deme  bruler 
thore  uss  gingen,  do  worn  dy  fordersten  scholere  gereite  hinder  dy 
karthusere  hen.  Also  hat  disse  lobeliche  processie  eyn  ende.  Got 
müsse  uns  zu  sinem  lieben  hymmelriche  sende!  Sprechet  alle:  Amen! 

 — 

385.  Von  einem  fure  zu  erffort. 

1482  Als  man  schreib  noch  cristi  geboit  vierczenhundert  jor  unnd 
czweyundeachczigk  jor  am  soutage  noch  sente  dyonisies  tage,1  do  wart 
eyn  für  an  geleit  zu  erffort  by  der  wain  borgk2  by  den  barfusen  von 

*  HS:  »J. 

84  Das  Neuethor  oder  Stumpfenthor,  dann  das  Pfortehen  genannt  («.  v.  Tettau, 
Topographie,  a.  a.  O.  8.  96  f.)  84  Die  „( iemeinde"  (s.  St  326  A.  10)  umfasst  alle  nicht 
zu  den  „Gefrunden"  (s.  ob.  A  18)  gehörenden  Bürger  (e.  C  Beyer,  Entstehung  de» 
Rates  S.  14);  über  Johann  Bogk  und  Diel  rieh  Brampach  s.  St.  326  A.  31  und  32, 
St.  331  A.  6  und  St.  345  A.  12.  Im  Jahre  1483  waren  Ratsmeister:  Hans  Bogk, 
Härtung  Molaleib ,  Gottsehalck  von  der  Sachsa  und  Hans  Molhuaen.  Die  „4  von 
der  Gemeine"  waren  Dittrich  Brampach,  Volkmar  Rabe,  Hans  Forwer  und 
Heinrich  Rüdiger.  Die  Gefrunden  werden  nimter  auf  4  Stellen  im  „sitzenden 
Rate"  beschränkt  (s.  C.  Beyer,  Die  Entstehung  des  Rates  8.  23).  Stolle  irrt  aber, 
wenn  er  meint,  das**  Dittrich  Pardiss  (aus  einer  in  Erfurt  sehr  angesehenen  Fa- 
milie, die  oft  erwähnt  wird)  i.  J.  1483  eine  dieser  4  Stellen  im  „sitzenden  Rate" 
innegehabt  habe,  wohl  aber  wird  er  öfters  als  „oberster  Ratsmeister"  genannt,  so 
in  den  Jahren  1476,  1481,  1480. 

3*0.  1  13.  Oktober  1482.  '-'  Das  Haus  „zur  Wagenburg"  lag,  s.  Härtung, 
Häuserchronik  der  .Stadt  Erfurt,  I,  S.  XXVIII  Xo.  1710  (90a),  in  der  jetzigen 
Regierun^sstrassc  neben  dein  Gebäude  der  Kgl.  Regierung.  Das  Feuer  wird 
weder  bei  Volcniar  Wendel,  Kurtzer  bist  Entwurf  der  Erfurtisicheu  Feuersbrünste, 
1711,  noch  bei  Seebaeh,  Erf.  Feuerchronik,  1736,  erwähnt. 


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385.  Stück. 


einem  burger  do  selbest  von  hass  wegen,  den  her  zu  sinem  nackebur 
hatte;  aber  es  brante  nicht  mehe  dann  cwene  hofe  abe,  wann  es  was 
am  tage.  Do  wart  der  selbige  gnant  hencze  zu  der  wainborgk  be- 
greflen  unnd  von  den  von  erflort  vorbrant.  Das  hatte  her  ome  zu  lone.  j 

Item  als  man  schreib  noch  cristi  gebort  M  °  CVCC °  LXXX 1 1  °  am  son-  v  1482 
abende  vor  sente  severs  tage,  do  quam  grabe  ernst  von  blanckenhain3 
unde  holte  da«  fie  zu  kleinen  retebech1  unnd  nani,  was  in  dem  dorffe 
was,  wann  dy  menner  warn  dy  mere  menge  kein  erffort  gegangen. 
Also  wart  gesaget,  her  wolde  ander  dorflere  euch  poche,5  also  czogen 
dy  von  erffort  uss  mit  IX  wagen  fol  wepener  mit  buchssen  unnd 
armarsten.6  Das  wass  uff  den  neesten  sontagk  dar  noch  unnd  quomen 
kein  binterssleuben.7  Do  bieben  sy  biss  uft  dy  nacht  Do  quomen  sv 
wedder.  Item  sy  hatten  ouch  alle  ore  borge  wol  bestalt,  unde  hiessen 
ore  gebur  das  ore  brenge  in  dy  stad  erffort,  was»  sy  behalde  wolden. 
Czu  der  czit  regerte  zu  erffort  hans  bogk  unnd  ditterich  brambach. 

Item  von  einer  grosssen  czwoitracht  unnd  hadder  czwisschen  deme 
bisschofe  zu  mencz  unnd  den  lantgrafen  zu  doringen  unnd  den  von 
erfforte,  als  oben  berurt  ist  sub  tali  numero  CCXXYlJl.* 

Item  als  man  schreib  M°  CCCC°1JCXXI1  an  sente  lamperten  abende  9,  1482 
do  starb  lantgrafe  wilhelm 10  zu  doriugen  ufl  der  borgk  zu  wimar, 
unnd  1yd  begraben  in  der  barfussen  closter11  do  selbest  zu  wimar,  das 
her  by  lebendeme  liebe  buwen  Hess.  Do  derselbige  lantgrafe  gestarp, 
do  wasb  der  von  erfforte  alle  heil  unnd  trost  gestorben,  wann  her  or 
guthe  frunt  was  gefest  wol  by  drissigk  jorn  unnd  lenger.  Do  gefel 
das  lant  zu  doringen12  sines  bruder  kindern  ernst  unnd  albrecht  zu 
missen.  Der  selbige  herczoge  ernst  von  missen  wasc  eyn  korfurste, 
unnd  hatte  zu  der  ee  des  herczogen  von  beyern  tochter.  Item  her- 
czogk  albrecht,  |  sin  bruder,  hatte  zu  der  ee  des  jersicks  tochter  von  *»o 

»  HS:  WM.        h  US:  wjw«.       0  HS:  W.im. 

3  8.  u.  A.  18.  4  Klein-Rettbach,  preusaisches  I>orf  im  Landkreise  Erfurt. 
5  „pochen"  u.  „bochen",  swv.,  „plündern,  ausplündern,"  8.  St.  205  A.  18.  41  „Arm- 
brust"; armarst  kommt  zu  den  vielen  mhd.  und  md.  Formen,  die  sich  bei  Lexer, 
Mhd.  Wörterbuch  8.  v.  armbrust  finden,  als  eine  durch  Mctathesis  entstandene 
hinzu.  7  Bindersleben,  preussisches  Dorf  im  Landkreise  Erfurt  8  St.  326— 329. 
9  Montag  den  16.  September  1482.  10  Oft  erwähnt,  8.  St.  198  A.  1.  11  Das 
Franziskanerkloster  (jetzige  Kornhaus)  zu  Weimar  wurde  1452—1453  vom  Herzog 
Wilhelm  erbaut  "  Wie  Stolle  thut,  so  soll  auch  hier  noch  einmal  die  Ge- 
nealogie der  sachsischen  Fürsten  zusammengestellt  werden,  so  weit  sie  hier  be- 
rührt ist  (8.  Monum.  landgrav.  Thuring.  et  March.  Misn.,  b.  Mencken,  seript.  r. 
Germ.  II  pag.  868  sqq.,  Fabricius,  orig.  Misn.,  1597,  pag.  776  sqq.).  Kurfürst 
Ernst,  geb.  25.  Febr  1441,  reg.  v.  1464-1486,  f  26.  August  1486,  vermählt  mit 
Elisabeth,  Tochter  des  Herzogs  Albrecht  III.  von  Bayern,  f  5.  März  1484;  ihr 
2.  Sohn  war  Albrecht,  geb.  17.  Dezember  1464,  1482—1484  Provisor  in  Mainz, 
t  1.  Mai  1484  (die  Behauptung,  dass  er  vergiftet  sei,  ist  eine  Fabel) ;  ihr  8.  Sohu 
war  Ernst,  geb.  am  26.  Septbr.  1466,  Erzbischof  ,  von  Magdeburg  1476—1513, 
t  3.  August  1518.  Des  Kurfürsten  Ernst  Bruder  war  Herzog  Albrecht  von 
Sachsen,  geb.  27.  Juli  1443,  vermählt  mit  Sidonie  (Zedena,  der  am  1.  Februar  1510 
verstorbenen  Tochter  des  böhmischen  Königs  Georg  Podiebrad),  reg.  selbständig 
1485-1500,  f  12.  Septbr.  1500. 


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504  385.  Stück. 

behemen,  der  eyn  vor  banter  unnd  abe  gesatczter  könningk  was  gewe>i 
zu  behemen  utunie  der  ketez.erige  wollen.     Mit   den  selben  czwen 
brudern  hatten  dy  von  erttort  feie  Unwillen  noch  des  obgnanten  her- 
czogk  Wilhelms  tode.    Item  dy  selben  czweue  brudere  hatten  oucb.1! 
Item  herczogk  ernst  korfurste  hatte  einen  son  by  X IUI  jorn,  der  was1 
eyn  bissehoff  zu  mencz,  deme  wart  vorgeben,  das  er  starp,  da  er  III 
jar  wasb  bissehoff  gewest.    Item  der  selbige  hcrczogo  ernst  hatte  ouch 
einen  son,  der  wasc  eyn  bissehoff  zu  meydeborgk,  ouch  kume  by  XI 
jarn.    Item  dersolbige  herezoge  ernst  unnd  sine  hussfrowe  unnd  or  son 
der  bissehoff  zu  mencz  storben  alle  dry  ynnewendigk  drien  jarn.u 
Item  do  nu  der  selbige  junge  bissehoff  lebete,  do  hub  sich  feie  unfrede. 
umme  das  dv  von  erffort  nicht  wolden  State15  svnes  willen  durch  in- 
gobe  synes  vaters  unnd  vettern,  do  sogen  dy  forsten  dorch  dy  tin?erc\ 
sy  torsten  sich  nicht  selber  reche,  sundern  sy  lesssen  dy  armen  edeln 
uff  dye  von  erfforte  roube  unnd  wolden  sin  doch  keyn  wort  babe. 
Umme  des  provisorats  willen  hub  sich  der  erretum  allermeist.  Der 
selbige  herezoge  ernst  korfurste,  der  hatte  eyn  son,,fl  den  hatte  der  aide 
bissehoff  zu  mencz  diterus  von  isenberg  zu  einem  provisor  gesalzt 
uff  das  eissfelt;  unnd  der  selbige  provisor  wolde  zu  erffort  in  den  hoff 
rite  ussse  unnd  in,  wanne  he  wolde,  unnd  feielichte  synen  vater  niete 
T  unnd  sine  vettern  unnd  i  t runde,  nicht  mit  nuteze  unnd  fromen  der 
von  erffort,  sundern  in  hassse  unnd  nyd  sy  das  also  begunsten,  als 
danne  hir  enpobet  geschreben  steet  in  deme  blate  CCXXVm17.   Item  dv 
forsten  gunsteni7a  ouch  grafen  ernste18  von  blanckenhain,  unnd  synem 

•  HS:  WU|.       »>  HS:  wim.       e  HS:  w»w. 

n  Der  Salz,  ist  unbeendigt  in  der  HS.  14  U.  Aum.  12:  vom  5.  März  1484  bis 
zum  26.  August  14H6.  '•  Die  Erfurter  fürchteten  mit  Recht,  daas  die  sächsischen 
Fürsten  durch  das  Mitglied  ihre»  Hunnen,  den  Provisors  Albrecht,  sich  der  Herr- 
schaft  über  die  Stadt  Erfurt  bemächtigen  wollten.  Zu  state  ist  han  zu  ergänzen, 
also  state  han  synes  willen  —  „seinem  Willen  nachgel)en."  16  Wiederholung, 
natürlich  derselbe  Herzog  Albrecht  von  Sachsen,  Provisor  von  Mainz.  i;  S.  JfL 
326—329.  174  „gunnen",  im  mhd.  „gönnen"  und  „gönnen"  =  „gönnen,  ge- 
statten, erlauben."  '*  Olwchon  die  sächsischen  Herzöge,  denen  die  Landstrassen 
unterstanden,  und  die  auf  ihnen  das  (ieleit,  d.  h.  den  erkauften  Schutz  der  Wanderer 
und  Kaufleutc  auszuüben  hatten,  durch  alte  Verträge  mit  Erfurt  besonders  die 
Erfurter  Bürger  und  Handelsherren  zu  schützen  hatten,  so  schädigten  sie  im 
Gegenteil  oft  dieselben,  besonders  zur  Zeit  feindseliger  Irrungen  mit  der  Stadt, 
indem  sie  die  kleineren  thüringischen  Dynasten,  Grafen  und  verarmte  Adlige,  die 
bis  in  jene  Zeiten  hinein  gern  als  Schnapphähne  hausten  und  jedem  Fehde  an- 
sagten, gegen  wen  man  sie  dingt«1,  den  Erfurtein  auf  den  HaU  hetzten;  so  auch 
den  Grafen  von  Gleichen  und  andere  thüringische  Edelleute.  Man  muss  dieses 
festhalten,  um  mehrere  Bestimmungen  des  Weimarer  Vertrages,  der  im  Jahre 
darauf  geschlossen  wurde  (am  :-».  Februar  1483),  voll  würdigen  zu  konneu.  Ein« 
der  schlimmsten  dieser  fehdelustigen  (  trafen  und  Herren  war  der  Graf  Ernst  XII. 
von  Gleichen -Blankenhain  (s.  über  ihn  Sagittarius,  Historia  der  Grafschaft  Gleichen, 
1732,  s.  221-227),  ein  Sohn  Ernst«  X.  und  Nette  des  berüchtigten  Apel  Vitz- 
thum. Graf  Ernst  hatte  schon  früher  mit  Erfurt  Händel  gehabt,  dann  sich  aber 
mit  der  Stadt  vertragen  tcr  wohnte  dem  Schützenfeste  i.  J.  1477  bei  —  ?.  ob. 
St  'Ml),  jetzt  sich  aber  den  sächsischen  Fürsten  als  williges  Werkzeug,  um  Erfurt  zu 
schallen,  zur  Verlügung  gestellt.  Aehnlich  war  dem  Charakter  nach  sein  älterer 
Bruder  Graf  Erwin  VII ,  welcher  i.  J.  1161  mit  Herzog  Wilhelm  nach  Jerusalem 


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385.  Stück.  505 

bruder  erwin  unnd  ditteriche  von  harres,  unnd  caspar  Sachsen  unnd 
tragkstoröe,  unnd  feie  andern  armen  edeln  luten,  das  dy  der  stad 
erffort  fient  worden  unnd  hatten  oren  vorteydingk  von  don  forsten  von 
missen,  unnd  quomen  in  eyn  dorft  by  eappelndorfT  gelegen,  das  heist 
stobar,19  an  deme  noch  tage  symonis  et  jude-"  unnd  pochten  das;  do 
werten  sich  dy  gebur  also  sere,  das  eyner  von  den  fienden,  der  houbt- 
man,  tod  bleib,  unnd  forten  IUI  gebur  gefangen  mit  sich  en  wegk,  unnd 
was  do  was»,  wanne  der  tiende  wasb  sere  feie. 

Item  an  aller  heiigen  abende21  quomen  or  en  teil  kein  tuntorff,2"- 
unnd  wolden  do  das  fee  en  wegk  tribe;  also  konden  sy  das  nicht  zu 
brenge,  wann  do  was  feie  volks  uff  dei  borgk,  mehe  danuc  XL  tra- 
banten.  Item  sy  noraen  deme  voyte  zu  sommerde23  sine  scheflerio  zu 
schinstete21  an  sente  mertins  tage.-5  Item  in  der  czit  was1  solch  tleen 
von  den  erffortischen  gebur,  das  sy  alles,  das  sy  hatten,  fürten  unnd 
trugen  das  in  dy  stad  erffort,  also  das  keins  in  den  dornen  bleib. 
Item  dy  dorffer  hatten  sich  ouch  wol  vor  graben  unnd  vor  murt  unnd 
dy  waine  in  dy  gasssen  gesperret,  also  das  sy  wol  bieben  |  wem  von 
den  siechten  edeln  luten,  hetten  dy  forsten  nicht  folgk  heimelichen  dar 
zu  gelegen.  Do  getrtiwcten  dy  gebur  sy  sich  nicht  zu  erhalden,  unnd 
floen  alle  in  dy  stad  erffort,  also  das  nymant  gar  feie  bleib  in  den 
dorffern.  Man  sprach  ouch,  sy  hetten  ouch  gedrowet,  dy  stad  erffort 
zu  borne  uff  sente  mertins  obent.  Do  bestalte  der  rot  zu  erfforte,  das 
man  muste  wache  uff  allen  formen  umme  dy  stad,  unnd  in  allen  torn 
unud  uff  allen  kerch  tormen,  unnd  in  allen  pfarren  besundern,  unnd  dy 
luthe  in  oren  husern  sosssen  by  lechte  dy  ganc/.e  nacht  gemeynclich, 
wann  der  fiende  wasd  sere  feie,  dy  der  stad  erffort  gram  worn.  Solche 
torchte  was  in  erfforte,  dy  nicht  kleine  was.  Item  so  sage  ich  das  vor 
eino  ganteze  warheir,  das  sich  der  forsten  stote  gotha,  salcza,  wissensee, 
friborgk  by  der  numburgk,  gena,  wimar  unnd  alle  ander  stete  der 
forsten  umme  her  im  lande  zu  doringen:*1  Wee  uns,  wee  uns!  Dye  von 

»  HS:  wa«        •>  HS:  wui.       •  HS:  www.       d  HS:  w.is». 

gezogen  war  St.  216\  ül>or  ihn  s.  Sagittarius  a.  a.  O.S.  204— 221.  Graf  Ernst 
starb  27.  Januar  1492,  Graf  Erwin  i.  J.  1497;  beide  wurden  im  Peterakloster  zu 
Erfurt  begraben.  Von  don  Helfershelfern  der  Gleichsehen  Brüder  nennt  Stolle 
einen  Ritter  Dietrich  von  Harra«  (Dorf  im  preusaischeu  Kreise  Eekartsberga.  bei 
Kölleda,  ein  Geschlecht,  darnach  UE  I,  Reg.  s.  v.  schon  im  14.  Jahrh.  nachweisbar 
ist),  ferner  Caspar  Sachs  (nach  C.  Heyer  a.  a.  O.  ebenfalls)  und  einen  Herrn  von 
Tragstorff,  wohl  ein  Minist  erialer,  der  in  Trossdorf,  Dorf  im  Herzogtum  Sachsen  - 
Koburg  und  Gotha,  bei  Stadtilm,  sass.  19  Stobra,  Dorf  im  Verwaltungsbez. 
Ajx)lda  des  Grossherzogtums  Sachsen,  nahe  bei  Kapellendorf,  das  bei  der  Vitz- 
thunischen  Fehde  isach*.  Bruderkrieg)  —  s.  St.  198  A.  12  —  oft  genannt  ist; 
s.  Franz  Weiner,  Geschichte  des  Ortes  Kapcllendorf ,  insbesondere  seiner  Hing 
und  seines  Klosters,  mit  Berücksichtigung  der  früheren  Amtadörfer  Frankend« »rf. 
Hammerstedt.  Hohlstedt,  Grossschwabhausen,  Stobra  und  Hermstedt,  1900,  S.  18 
bis  17.  20  Dienstag  den  29.  Okt.  1482.  71  Freitag  den  31  Okt.  1482.  r*  Tonn- 
dorf, Dorf  im  Verwaltungsbez.  Weimar  des  Gnwaherzogtums  Sachsen.  "  Sömmertla. 
Städtchen  im  preiiss.  Kreise  Weissensee.  Reg  bez.  Erfurt.  24  Schönstedt,  Dort 
im  preuss.  Kreise  Langensalza,  Regbez.  Erfurt.  '-'*"'  Montag  den  11  Nuvbr.  \4*2; 
der  seute  Mortinsabend  ist  demnach  Sonntag  der  10.  Novbr.  1482.  I>er  Satz 
ist  unvollständig;  es  ist  wohl  zu  ergänzen:  „seitdem  das  Sprichwort  hatten." 


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50« 


385.  Stück. 


erffort  sint  über  uns  er  czornt;  sy  werden  kome,  sy  werden  kome,  unnd 
werden  sente  mertins  obent  mit  uns  halde,  uns  alzu  swerlich. 

Der  schal  was  in  dy  lant  komen,  das  sich  dy  von  erffort  be- 
sorgeten  uff  eine  syten  unnd  dy  herczogesten  uff  dy  ander  site,  was 
jammer  unde  noyd.  Item  uff  den  donnerstagk  noch  martini27  worn 
dy  von  erffort  zu  vipech28  unnd  hatten  do  by  sich  den  grafen  von 
swarczborgk,20  den  grafen  von  stolbergk,  den  grafen  von  quernfart 
T  unde  andere  hern  mee,  dy  es  gerne  gud  |  hetten  geseen  czwisschen 
den  von  erffoit  unnd  den  hern  von  missen,  unnd  der  bisschoff  von 
missen30  was  ouch  do,  unnd  underretten  do  dy  sache,  sy  woldens  an 
dy  hern  zu  missen  brenge.  Also  wart  es  uff  genomen  X  tage.  Dy 
grafen  im  lande  umme  her,  dy  hettens  gerne  gut  geseen,  das  es  frede 
were  bloben,  wann  worumme,  wann  der  krigk  were  vor  sich  gegangeD, 
das  dy  von  erffoit  weren  uss  geczogen,  so  hetten  dy  grafen  unnd 
andere  edele  luthe  dy  ersten  most  sy,  dy  vor  terbet  weren  worden; 
das  was  or  sorge  aller  meist.  Item  dy  von  erffort  hetten  sich  gerne 
kein  den  hern  ge  weret;  das  was  or  gebrechen,  dass  sy  keine  uffen 
Strosse  nicht  hatten,  es  was  allen  enden  vor  macht,  das  on  nymant 
konde  zu  hülfe  kome;  das  thed  on  gar  wee,  darum me  so  mosten  sy 
geben  den  hern  zu  missen  am  bereiten  gelde  hundert  tusent  gülden 
unnd  dem  bisschoff  zu  mencz  ouch  also  feie,  wann  dy  drye  partige 
kregen  lange  zu  ronia31  umme  der  sache  wollen.  Dy  kost  mosten  dy 
von  erffort  beczale,  uff  das  sy  mit  frede  sesssen.  Item  am  sonabende 
noch  martini32,  do  worden  an  geslagen  czedeln  zu  gotha,  isenache, 
salcza,  wimar  unnd  in  feie  andern  steten,  das  man  den  von  erffort 
nicht  solde  zu  fure;  aber  der  grafe  von  «warczpurgk  liss  sin  volk  keyn 
erffort  fare,  was  sy  wolden,  unnd  sprach,  sin  volk  konde  sich  nicht  er 
nere  ane  dy  von  erffort,  wy  wol  das  her  wol  zu  hofe  was  der  jungen 
hern  zu  missen.  Item  dy  obgnanten  rouber  quomen  dicke  unnd  feie 
keyn  dachebech  ,3a  walssleuben  |  unnd  andere  dorffere  mee,  dy  sich 
gancz  stargk  vor  macht  unnd  vor  graben  hatten,  das  es  wunder  was; 
do  worden  dy  finde  czornigk  unnd  sprochen.  sy  wolden  also  stargk 
kome,  das  sy  wol  zu  on  in  kome  wollen;  es  geschaber84  nicht,  noch 
hetten  dy  gebur  nicht  dar- noch  gefraget;  sy  hetten  sich  gerne  mit 
den  finden  ge  slagen,  wann  sy  worn  gancz  uff  sy  er  hitczt  unnd  vor 
czornt.   Also  wolden  dy  von  erffort  das  nicht  state,  sy  besorgeten,  es 

*'  14.  November  1482.  ?8  Schloßvippach,  Flecken  im  Verwaltungsbezirk 
Weimar  des  Grossherzogtums  Sachsen.  79  Graf  Heinrich  XXVIII.  von  Schwarz- 
burg, Herr  zu  Arnstadt  und  Sondershausen;  mit  ihm  Graf  Heinrich  VIII.  von 
Htolberg  und  Graf  Bruno  XI.  von  Querfurt  (starb  als  der  letzte  seines  Geschlechts, 
der  Edelherrn  von  Querfurt,  am  26.  Februar  1496;  das  Gescülecht  ist  schon  seit 
der  Mitte  des  12.  Jahrh.  nachweisbar,  s.  RDThDI  No.  1639).  50  Johannes  V.  von 
Weissenbach  (1476-1487).  81  Nach  Rom  war  Kurfürst  Ernst  i.  J.  1481  ge- 
reist, um  bei  Papst  Sixtus  IV.  seine  und  seines  Sohnes  Albrecht  Sache  selbst  zu 
führen  und  zu  fördern.  ■*  16.  November  1482.  3a  Dachwig,  preuasieches 
Dorf  im  Laudkreiae  Erfurt,  ebenda  Walschleben,  Marktflecken  an  der  Gera. 
"  Mundartlich  zusammengezogen  aus  „geschah  aber." 


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386.  Stück. 


507 


mochte  eyn  anderer  ungelymphf  dar  von  en  stee.  Dy  hern  zu  missen 
toten  keins  dar  zu,  sundern  sy  sogen  dorcli  dy  fingere,  unnd  des 
rouben  uff  der  strosse  wart  so  feie,  das  nyraant  sicher  uff  der  strosse 
wassa,  unnd  dy  von  orffort  torten  uff  dy  merte  lipss,  numburgk  unnd 
andern  enden  nicht  sicher  czee,  das  dy  gemeine  zu  erffort.  sere  un- 
willigk  was  uff  dy  rats  hern  unnd  sprochen,  wann  sy  nicht  anders  thu 
wolden,  so  were  on  als  lieb,  dy  hern  zu  missen  weren  oro  hern,  als 
eyn  rat h  zu  erffort,  unnd  wolden  hanseu  bogk:,r'  tod  slan;  der  was 
nicht  sicher  zu  erffort.  Öuch  lissen  dy  hantwerger  ore  frowen  uff  dy 
merte  czee,  wann  sy  sich  besorgeten,  dass  sy  gefangen  worden,  das 
on  danne  eyn  roth  geheissen  hatte.  Do  quomen  dy  finde  uff  dorne 
fehle  zu  den  frowen  unnd  nomen  on,  was  sy  hatten,  unnd  czogeu  sy 
nackt  uss.  Also  worden  dy  lute  sere  beweget  in  der  stad,  das  der  roth 
dochte,  wy  sy  dy  hern  zu  missen  unnd  den  bisschoff  gestillo  mochte, 
unnd  goben  on  |  dy  obgnante  summe  geldes,  als  oben  berurt  ist.  v 
Item  am  donnerstago  noch  martini  nomen  dy  finde  das  fee  zu  vargula;3'5 
do  sammete  sich  das  volk  do  selbest  unnd  nomen  on  das  fee  wedder 
unnd  schössen  der  finde  mit  XJJ  pferden  tod.  Item  uff  den  fritagk 
dar  noch  bestatten  dy  hern  zu  missen  feie  rutere  uff  dy  strossse,  dy 
do  werten,  das  man  den  von  erfforte  koyn  holcz,  koln  adder  korn 
nicht  solde  zu  füre,  unnd  wo  sy  dy  kregen,  dy  treben  sy  wedder  umme. 
Item  in  disser  czit  haben  dy  von  northusen  ;I7  eynen  bunt  gemacht  mit 
den  hern  zu  missen,  das  sy  sy  vorteidinge  sullen;  do  vor  müssen  sy 
on  gebe  ouch  eyne  summe  geldes  aller  jar.  Also  meynten  dy  hern, 
den  von  erffort  ouch  also  zu  thune,  unnd  on  sy  eigen  zu  machen. 

Item  nota,  disse  obgeschreben  Ursache  findestu  gemeinclich  under 
der  czal  OCXXVIII. 


386.  Swer  gor. 

Item  anno  domini  M 0 CC€C° LXXXIII,  umme  sente  vits  tagk1  ge-  14*3 
boten  dy  von  erffort  allen  oren  under  sesssen2  zu  geben  von  hundert 
gülden  V  gülden;  das  werte  nicht  lenger  wann  eyn  jor. 

Item  anno  domini  M° CCCC°  LXXXV1II,  do  geboten  dy  von  erffort,  1488 
als  wid  dy  stad  was,  welch  mensche  malen3  wolde  eyn  malder  korns, 
der  solde  deme  rothe  geben  da  vone  zu  ungelde  XVI  aide  gr.  Item 
von  eym  malder  gerston  VIII  gr.  Dy  pristerschafft  mul  in  der  menczer 
mül  unnd  in  dem  |  pfronen  backhuse,1  do  torste  kein  burgor  inne  »j 

*  HM:  wu 

*•  S.  St.  384  A.  25  und  die  dort  angeführten  Stellen.       M  Preußisches  Dorf 
im  Kreise  Langensalza ;  an  dem  .schon  oben  A.  27  erwähnten  14.  Novbr.  1482 
,7  Das  Nähere  schon  St.  331  A.  21. 

im.  ■  Sonntag  den  15.  Juni  1483.  9  S.  St.  384  A.  9.  a  S.  St.  347  A.  31. 
4  Zum  Mainzerhof  de*  Erzbisehofs  (curia  episcopali*  Erfordiensis)  gehörte  eine 
Mühle,  die  Mainzcrhofmuhle  {*.  St.  367  A.  13),  und  im  Hofe  selbst  stand  ein 
Backbaus  mit  Backstube,  s.  Härtung,  Häuwrehronilc  der  Stadt  Erfurt  1,  S.  ltitf 
bis  18«  (S.  174)  und  v.  Tettau,  Topographie,  MOE XII,  S.  144  u.  IUI. 


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508 


886.  Stück. 


malen;  der  rath  begerte  von  der  pfaftbeit  ouch  eyn  sulches,  unde  dy 
pfaflheit  wores  ouch  in  gegangen,  so  quomen  dy  gewaldigen5  uss 
unsers  hem  von  mencze  lioflt;  unnd  vor  bothen  das;  also  bleib  es  an 

1  m  stene.  1t  em  anno  domini  M°CCVC°  XC°  michaolis,  do  geboten  dv  von 
erffort,  als  wid  als  dy  stad  was,  welcher  man  geistlich  unnd  wertlich 
win ,;  schenke  wolde  mit  loubo  des  rates,  der  solde  von  eynem  eymer 
Uli  stobichen  dcme  rathe  geben  zu  ungelde,  unnd  machten  dy  moss 
kleyner;  eyn  nuwe  stobichen,  das  was  kleyner  mee  danne  eyn  gancz 
ald  nosseln,  was  dann  das  aide  stobichen  was.  Do  wart  das  folk  also 
unwilligk  über  unnd  vorsprechen  do  den  rath  also  sere  unnd  ouch  uff 
demo  lando,  das  dos  nymant  gegloubeth  hette,  unnd  by  langer  ezid 
wulde  nymant  win  trincke  ummo  der  nuwen  kleynen  moss  willen, 
unnd  zu  der  czid  was  feie  wins,  also  das  eyn  stobichen  wins  gald  II 
Schillinge  der  beste,  unnd  ouch  XX  pfenge,  unnd  XVI  pfeuge  den  ge 
ringisten  urume  eyn  schillingk. 

Item  in  der  selben  czid  geboten  sy  ouch,  das  keyn  bereige7  torste 
dünne  beer  bruwe,  alleyn  dicke  beer.  Item  welch  beereige  bruwe 
wolde,  der  moste  in  dcme  husse  do  heime  sin  unnd  wone,  do  das  beer 
v  gelegen  was,  unnd  das  huss  muste  |  syn  eygen  sin.  Item  alle  gast 
helder  musten  allen  trangk,  den  dy  geste  truncken,  zu  deme  uflen 
czeichen  kouffe  unnd  hole,  unnd  feie  andere  stucke  unnd  behendekeit, 

1490  dy  hie  nicht  vor  czeichent  steen.  Item  in  deme  selben  jare,  1490,  welch 
man  geistlich  adder  wertlich  synen  win  vorkouffte  ussenwendigk  der 
stad  erffort  uft  das  land,  der  moste  eynem  rad  zu  erffort  gebe  von 
eynem  schogke  XVIII  pfenge,  unnd  das  beczale,  [ejr  man  den  win 
uf  led.» 

Item  eyn  rad  zu  erffort  hatte  ouch  der  geistlickeit  beeziten  vor 
fastnacht  or  loubet  oren  win  zu  schencken  by  deme  nuwen  kleynen 
raosse,  so  wolde  unser  herre  von  mentcz,  die  geistlikeit  solde  das  aide 
moss  gebe,  der  stad  zu  hassse.  Also  bleib  das  lange  an  steen,  das  dy 
pfaffheit  zu  erffort  nicht  torsten  schencken  umme  geferlickeit  des 
bisschoffes  unnd  der  stad,'1  unde  bleib  also  an  steen,  das  dy  geistlickeit 
keynen  win  schenckten  zu  erffort  eyn  gantcz  jar  unnd  dar  zu  nunezen 
wochen.  Do  liss  eyn  rad  zu  erffort  widder  an  kome  das  aide  moss; 
des  worden  dy  luthe  gancz  sere  er  frowet.  | 

*  Die  letzten  Worte  von  [e]r  ah  Hut  Uand;    Im  Texte  aber  steht  eluo  auftRentrlchene  Zeil*: 
Innowendigk  drien  t«Ron  noch  deme  kouffe.    *>  In  der  IIS,  ahor  ausstrichen,  ttebt  uoch:  hin  beD»'. 

r'  Sonst  von  städtischen  Beamten,  s.  St.  197  A.  12  und  St.  367  A.  6,  hier  die  im 
Maiuzerhofe  wohnenden  Beamten  de«  Erzbinchofs:  Provisor,  Vitzthum,  Siegler, 
Schultheis»,  Marktmeister,  Münzmei&ter,  Amptleute.  Richter  und  Zöllner  (e.  d.  1. 
Anschlug  de«  KrzbLsehofs  Dithrr,  8t.  327  No  1 1 ).  ü  Die  Streitigkeiten  sind  schon 
St.  347  erwähnt,  s.  dort  A.  32.  7  Die  „Biereigeu"  (erfurtische  Mundart)  sind 
diejenigen,  welche  Häuser  mit  dem  Recht  des  ßierbrauens  besitzen,  8.  Brandis 
a.  a.  O.  II  S.  14,  und  Hertel,  Thüringischer  Sprachschatz,  8.  68. 


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387.  Stuck. 


387.  Hir  folget  noch  dy  vortracht 1  unnd  vorsehribunge  »« 
uff  eine  andere  forme  der  lierren  von  missen  unnd 
der  stad  erffort,  als  hir  vor  oueh  gesehreben  steed. 

Wir  ratismeister,  roth,*  rethe  unndb  ganczo  gemeyne  der  stad 
orffort6  bekennen  vor  uns,  unser d  noehkomen*  unnd  pemevne  stad 
orfFortf  vor  allen  jeden,8  so  dissenh  unsern  uffen  breiten'  seenk  adir' 
hören,  lessen."1  Als  dy"  don hl uchten °  bochgebornen  forsten »'  unnd 
heren1«,  herrer  ernst,  des  heilgcn  römischen  richs  erezmarschalk Ä,  unnd 
lierre*  albrecht  gebrudere,  herezotfen  zu  Sachsen,   lantgraven  in  do- 

»  O:  ndh.  h  O;  vnd  (xi.-tn).  «  O:  Sl.ilt  Krffurt.  d  O:  uiik»i-  (»t*>t«)  •  O:  nai'l»- 
koineiin.  f  O:  Stjili  Krffuri.  f  <):  yd«n.  11  (>:  dk«<>n  (»tel«)  '  O:  Mi>«ern  nlTcn  lirioff. 
k  O:  geben.         1  O:  ;idcr  (*t*U).  O:  lown  («t^u).  »  O:  di.  Ui<  in>.         "  O:  daich 

lueliten        l«  O:  fnraitii.       *i  O:  bt-rnn.       r  O:  hi-rr.       «  O:  •rc7.ni:irM;li.iIgk  und  mim  hinan: 
Churfiin.1.       «  O:  1).  rr. 

&N«.  1  Stolle  teilt  hier  noch  den  berühmten  Weimarer  Vertrug  zwischen  den 
sächsischen  Fürsten  und  Frfurt  vorn  3.  Februur  14K3  im  Wortlaute  mit.  Kr 
verkennt  aber  du»  Verhältnis  mit  dem  oben  St.  II  mitgeteilten  Schreiben,  das 
die  sächsischen  Fürsten  an  ihre  Stände  (unter  dem  2.  Februar  1483)  richteten, 
wenn  er  dieses  Schreiben  als  eine  „andere  Form"  de«  Vertrage*  auitasst,  obwohl 
natürlich  Vertrag  und  Sehreil  am  im  ganzen  denselben  (ti-samtinhuit  hüben  und 
letzteres?  gleichsam  als  ein  Auszug  aus  dem  ersteren  zu  betrac Ilten  Ut.  Das  für 
Erfurt  ausgefertigte  und  einst  hier  aufbewahrte  Originalexemplar  liegt  im  Staats- 
archiv zu  Magdeburg  (Rep.  14  VIII  H),  der  Revers  für  die  sächsischen  Fürsten 
seitens  Erfurt  im  Sächsisch-Eriicstinischen  Gesamtarchiv  zu  Weimar  (Reg.  G. 
pag.  591  Xo.  1  K  '. wohin  es  im  Jahre  1*02  aus  Wittenberg  gekommen  ist;  es 
ist  auf  Pergament  und  sehr  schön  geschrieben,  mit  angehängtem  Siegel.  Wir 
haben  auch  hier  das  letztere  Original  lienntzeu  müssen,  da  es  als  Quelle  für 
Stolle  gelten  muss,  der  es  ebenfalls,  wie  den  Amorbacher  Vertrag,  aus  einer  in 
Erfurt  angefertigten  gleichzeitigen  Abschrift  des  Reverses  seinerseits  abschrieb; 
wir  haben  es  ebenfalls  mit  O  bezeichnet.  -  Eine  gleichzeitige  Abschrift  befindet 
sich  noch  in  Weimar  (Kopialbucb  I>4,  Hl.  I  —  VI),  wo  jetloch  die  Krfurter  Be- 
teuerungen am  Anfange  und  am  Ende  fortgelassen  sind  ;  hingegen  steht  (ebenda 
Bl.  VII)  die  Abschrift  einer  Urkunde,  worin  die  Erfurter  sich  zu  dem  Vertrage 
bekennen,  ihn  zu  halten  geloben  und  dazu  auffordern,  also  ein  Analogen  zu  dem 
St.  384  II  mitgeteilten  Schreiben  der  sächsischen  Fürsten. 

Da  nun  Stolle  bei  der  Abschrift,  die  ziemlich  genau  ist,  auch  hier  die  Sprache 
in  die  ihm  geläufigen  Formen  umgesetzt  hat  (s.  ob.  St.  383),  so  haben  wir  el>cu- 
falls  alle  abweichenden  Formen  des  Originals  in  der  adnotatio  critica  gegeben, 
auch  die  offenbaren  Fehler  und  Versrhen  nach  dem  Original,  aber  in  Stollescher 
Sprache  berichtigt,  unter  Angabe  der  Stolleschen  Fehler.  Auch  hier  sind  ortho- 
graphische Abweichungen,  die  immer  wiederkehren  (zc  —  z  u.  cz,  d  t  wie 
b  —  p  und  umgekehrt,  gk  =^  g,  y  —  i,  fehlendes  h,  l)oppel-n  am  Ende,  an- 
gehängtes oder  fehlendes  e  bei  Substantiven  oder  im  Dativ  u.  a.),  der  Übersicht- 
lichkeit wegen  unberücksichtigt  geblichen.  Andere  Abweichungen  sind  ebenfalls 
nur  das  erste  Mal  bezeichnet:  vnnd  =  und,  die  =  dy,  sie  sy,  adder  adir 
oder  ader,  für  =  vor,  lesen  •=  leszen,  Vorsatzsilbe  ver—  Stolleschem  vor,  diesem 
—  dissen,  oueh  —  auch.  Schon  der  fast  gleichzeitige  Erfurter  Druck  auf 
Pergament  v  J.  1492  (Stadtarchiv  zu  Erfurt)  und  erst  recht  die  späteren  Drucke 
(von.  1535,  1583)  sind  für  die  kritische  Herstellung  des  Textes  unbrauchbar,  da 
sie  Uberschriften  hinzufügen  und  die  Orthographie  mehr  oder  minder  bereits 
umgestaltet  haben. 

Auch  hier  ist  vou  einer  Komment ierung  abgesehen.  —  S.  293  steht  irrtümlich 
in  der  HS  auf  S.  292 v.,  S.  295  u.  295 v.  ist  zweimal  in  der  HS  vorhanden,  wir 
haben  deshalb,  um  dieses  zu  bezeichnen,  295*  u.  v*  eingesetzt. 


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510 


387.  Stück. 


ringen*  unnd  marggraven  zu  missen1'  uss  besunder  gnade,  gunst  unnd 
gunstigen  willen,  so  sy'  zu  uns  unnd  gemeyner  stad  erffoit4  tragen, 
sicli  uff  unser  tlisige®  bethe  unnd  an  suchen  vorf  sich,  vre  erben 
unnd  nochkonien*  etlicher  stucke,  puuckte  unnd  artikel  mit  uns  vor 
eint,h  vortragen1  unnd  in  ewige  czit  stete  unnd  festek  zu  halden1  zu 
gesaget  unnd  vor  schrebenm  haben.  Innenhaldes"  irer  gnaden  uffen 
brieffe0  unnd  der  halben  geben  von  wort  zu  wort  also  lutende. 

Von  gotisp  gnaden.  Wir  ernst,  des  heiigen  •>  romisschen  richs  ercz- 
marschalk  unnd  koi Forste r,  unnd  albrecht  gebrudere  %  herczogen  zu 
Sachsen,  lantgrafen  in  doringen'  unnd  marggraven  zu  missen0,  be- 
kennen uffentliehen v  zu  ewigem  gedechtnisse"  vor  uns  unnd  unser 
erben  unnd  nochkomen*  vor  allen  unnd  yeden,"  dy  dissen  breff1 
seenia  adder  lioren,  lessen,  noch  deme,,l>  wir  mit  besunderenlC  gnade, 
gunst  unnd  gunstigen dd  willen  den  orssamen  unsern  lieben  besundern 
▼  unndgetruwen  |  leenmannen"  rotesmeister,  roth,"  rethen  unnd  gemeyner 
stad  erflort«  umme  flisigehh  unnd  an  geneme  dinst,'4  dy  sy  unssern 
eidern  seligen  unnd  uns  feie  malkk  nutzlichen11  gethonmB  haben,  unnd 
hir  noch1"1  tlrun  mögen,  unnd  Wullen  nicht  unbillich00  geneiget  sy 
ouch  unndpp  ire  underthanen  in  vorgangen  gecziten  in  unsern™  unnd,r 
unser  vor  faren  unnd  eidern ss  sunderlichen  M  schutcz,  vorteydingk  unnd 
scherm ,IU  gewest  syn,  do  mitvr  danne  allen Unwillen,  vordriss"  unnd 
irrunge,"  dy  sich  eroygen"  unnd  begeben  muchten,"*  begent1'1*  unnd 
vorkomen  werde,  ouch  wir,  unser  erben  unnd  nochkomen,''"  dy  unsern 
unnd  dy  uns  vorwant  syn,  mit  den  genanten  von  erffoitddd  den  yren 
unnd  yren  undeithanen  in  ewigen0«*  frede  unnd  einträchtigen gemuthe"1 
unnd  guten««  willen  leben  unnd  bliben,  ouch  beider  syt  Standes  unnd 
wesens  tegelich  besserungehhh  erfinden  desto  stetelicher  erhebt,111  unnd 
in  eynickeit  unnd  inkkk  sulchem  frede"1  gedien  mögen,  das  wir  uns 
vor  uns  unndmlD,,1  unsser  erben  unnd  nochkomen nnu  in  unnd  uff  ewige 
czit  ufl  der  obgenanten  von  erffort  flisige00"  bethe  unnd  er  suchen  mit 
inen,  so  wir,  unser  erben  unnd  nochkomen 9W  in  ouch  solcher  man- 
schaft  unnd  leenhalben des  wol  pflichtig  syn,  alle  disser  noch 
folgenden  stucke,  punckte  unnd  artikel  vor  eynet,  vor  tragen  unnd  in 
ewige  czit  allenthalben  stete  unnd  feste  unv orbroch  1  ich  zu  halden.  be- 
williget, gereth'"  unnd  gelobet  haben,  vor  etilen,  vor  tragen  unnd  be- 

11  O:  lanftfraffen  lim  Düringen        *>  O  :  m.in.YrnnYn  zeu  Ukwn.       f  ü:  gfo  (gu  t«)       4  0: 
Statt  Krffurt.         «■  HS:  flWp  r,  O:  fUe«gi*e.       »  O:  ftir  <«leU>         *  0:  t.aclikome,,.  *  0: 

vereynt.  1  0:    vertrapmi.     IM«  Vonvits«llb«<  lautet  iu  O  stets:  vir-.  k  O:   «tet  vnd 

logt.  1  0:  hallen.  m  O:  vi  rscbrleb.  n  "  O:  JnulialU.  »  O:  offeiibrleff.  P  0:  i.-o»t*. 
'1  U:  bellen.  r  O:  ercstmarscbalKk  und  Chnrfurgt.  "  ü:  fM'bnidi-r.  1  O:  ianhrraffrii  Inn 
Düringen.  u  0:  mar^in-aß«  n  reu  MI<  »m  uh  v  <>:  öffentlich.  w  0:  ^«.•dvchtiita».  *  0: 
nachktm.eti.  '  O:  yden  *  <>:  brleff.  *»  0;  M-ben.  bb  O:  Nachdem.  «*  0:  besonder 
da  O;  joiiigthrein.         «">  '»:  lehenmaiuien.         "  0:  KatlanieUter.  Rath.  0:  .Ht.-.tt  Erffort. 

,,h  0:  um))  HieknUf.  11  0:  dl«  nxte.  kk  O  :  offtmalg,  "  <>:  nützlich.  rora  0:  p  tb»n 
'">  O;  hltifur.  0:  ninbHII.  li.        v\>  0 :  «ueb   (stet*)-         'I  i  0:  unerro.         rr  Fehlt  lu  0. 

O:  altem.        u  0 :  BtinUerliobein.  0 :  grhirni.       rv  <> :  damit.      wwO:alleB>  "O: 

v.-i'.lri.  gz  >'v  O:  Iminvi  n.  «  O:  erouen  O:  nn.cbu.-uti.  1  hb  O :  lieyvitt-nt. 

4CC  ():  erben,    iinchkometin  d'M  O:  Krffurt.         ,,r  O:  e  wittern.         m  0;  eliitrecbtipui  gv- 

mute  ü:  Wt,.m,        »>''"•  O:  teKelirh  beKgerinm'        »'      :  «fetlc.il lieber  erbest.  Fehlt 

In  U.        111  11 :  »olchem  trlede.        »>"""  Fehlt  in  ti  nun  q.  naehkoiueiiu.        000  0:  Erffort 

flieiouV'.       PPI'  O:  nacbkouBi  nn.       «W'i  <>:  h  henhalU-un        rrT  trerett. 


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387.  Stück. 


511 


willigen  uns  derselben  aller  unnd  ydes  besunderen,  sollen  unnd  wollen 
ouch  dy  alle  unnd  jglichen  besundern  in  ewige  czit  stracks*  unnd  uff- 
richtigk  halden,  da  widder  8emptlicbenb  adder  in  sunderheit  unnd  s»6 
unser  erben  unnd  nochkomen*  nicht  thun  noch  zu  thun  schaffen,  be- 
stellen ,  vorhengen  adder  j  man  des  der  unssern  unnd  in  unssereii 
furstenthum, d  landen  unnd  gebieten  do  widder  zu  syn,  zu  handeln 
adder  vorzunemen  in  keinem«  wegk  zu  gestaten. 

Czum  ersten'  haben  wir  vor  uns  unnd*  unser  erben  unnd  noch- 
komenh  roth'  rethe  unnd  bürgere*  unnd  gemeyne  der  stad  erffort1  mit 
irer  stad,"  Blossen,  dorffern,  gutern  unnd  underthanen  in  unsern  schütz, 
schermn  unnd  vorteydingk  zu  ewigen  gecziten0  genomen,  wollen  unnd 
sollen  sy,  ire  underthanep  habe*»  unnd  gutere  in  unsserm  furstethum,r 
landen  unnd  sust  usserhalb  derselben  glich  unser  eygen  landen  unnd 
luten  gegen  eynen*  yderman,  wo  wir  ir  zu  gliche1  unnd  recht  mech- 
tigk  sin,  truwelich"  schutczen  unnd  vorteydigen,  sy  ouch  in  unserm 
furstenthum*  unnd  landen  mit  vede  adder  ane  vede  wissentlich  nicht 
lassen  beschedigen,  ouch  ire  vindew  wissentlich  in  unsern  landen  nicht 
haldenx  noch  gestaten,  sundern'  allen  unssern  amptluthen  unnd  steten2 
ernstlichen  gebeten,**  solchs  ouch  unser  amptluthe  unnd  stete ''''  ane 
an  brengen  unnd  ersuchen  adder  unssern  sunderlichen  befel"  tondd 
sollen,  wo  widder  dy  von  erffort68  an  griff  adder  beschedigunge fl  ge- 
schee,  das  ilend«  mit  nochfolgen hh  unnd  macht  zu  weren,  unnd  der 
gut  zu  behalden  unnd  dy  von  eiffortu  dar  an  noch  jren  Üben kk  wissent- 
lich adder  vorhenglich»  nicht  beschedigen  lossenDl,D,  alles  truwelichnn 
unde  ane  geverde. 

Wir  wollen  unnd  sollen  ouch  dy  von  eiffort00  noch  jre  gutere  in 
unssern  steten, w  merckten,  doiffern,  gerichten  adder  gebieten,  forsten- 
thum«  unnd  landen  selbest"  nicht  kommern,  uff  halten,  noch  ny- 
roande8u  |  der  unsern  adder  usslendische  kommern  adder  uff  halten  v 
lossen,"  unnd  sunderlichen  für  den  andern,  danne  was  eyner  schult 
adder uu  pflicht  adder  erbfalles  halben  mit  eynem  bürgere' v  adder  der 
von  erffort ww  underthan  zu  schicken  hat,"  kan  unnd  sal  eyn  jderman 
zu  erffort TT  adder  sunst"  in  iren  gerichten  noch"*  der  Sachen  gestalt 
rechtes  wol  bekomen,  ummew*  geltschult  adder  andere  pflicht  in  gut- 
lickeit  vor  deme  rothe,001  unnd  ob  für  dem«Wd  dy  schult  vorneynt 
wort,we  vor  unssers  herren  unnd  frundes  von  mencz  gericht.  Wo  aber 
dy  bekent,  unnd  der  roth  jrenffl  burger  nicht  vermögen  worde,«*  der 

•  HS:  Margit,  O:  stracka.  b  O:  aemptllch.  «  O:  naehkoBH-nn.  d  IIS  falach:  farthen- 
tbom,  O:  niueru  fuxstruthumben.  e  0:  keinen.  r0  kUI  hinzu:  ao.  *  Fehlt  in  O. 
*  0:  nacbkomcnn.  '  0:  rath.  kO:bnrgcr.  '  O:  atatt  Erffurt.  »  O:  lUtt.  »ü: 
schirm.  °  0:  «clton.  P  O:  nudcrtban.  1  0:  bat».  »  0:  fumeiitbumb.  •  0:  einem. 
1  0:  «lieh.  ■  O:  Unehlich.  »  0:  furatenthnmb.  w  O:  vlheiid.  *  O:  enthalten. 
r  O:  »ander.  «  0:  •tetten.  »*  O:  ermtllch  jrebielen.  bh  O:  atette.  <*  O:  befehel. 
dd  HS  falach:  U-n,  O:  thun.  O;  Erffurt.         "  O:  be*chedl,ra»jr.  So  0,  HS:  llen. 

O:  nachvolgv.         11  O:  Erffnrt.       kk  O:  leiben.        II  HS:  vorbciurulaae.        rom  O;  loeaen. 
na  O:  tmwllch.         00  O:  Erfrort.        V»  O:  «leiten.  O:  fntatenthumb.         rr  O:  aelbat. 

•*  O:  nymaiibj.  11  U:  ufTbnlteu  Inreeu.  ou  O  falaeh:  ander.  rr  *>:  biirger.  ww  <»: 
EriTurt.       "  0:  hett.       7T  0:  Erffurt.       »«  0:  tun.       •**  0:  nach.  HS  falsch :  unnd, 

0:  unb.      «»  0:  roth.      ddd  O:  dem.      «*•  O:  wardt.      m  0:  rath.  O:  ward. 


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R12 


367.  Stuck. 


sluniglich  ussrichtunge  zu  thune,*  also  danne"  vorr  unssers  herren 
unnd  frundes  von  incncz  gerichte,  unnd  wy  der  bürgere d  vor  gerichte 
erfordert,  gegeben  worde,*'  sal  eyn  rothf  vor  helffen  noch  louftt*  des  ge- 
riehts  unnd  der  stadh  gewonheit,  wy'  her  komen  ist;  unnd  abymandesk 
wedder  jre  underthon 1  uft'  deine m  lande  suche,  geltschult  adder  andere 
pflichte  halben  hette,°  dem0  sal  vor  den  gerichten  doheni»'  gesessen 
sin,«  adder  do  dy  suche'  von  rechts,  wegen  hingehört,  forderlichen»  vor- 
holten werden.  Wo  adder  dy  an  forderunge  adder»  sache  erbgefelle"  an- 
treffe, unnd  der  fal*  zu  erflort*  adder  usserhalb  jn  jren  merckten, 
dorftern,  gebieten  unnd  gerichten  geseheen  wurde,*  sal  jderman  solche 
forderunge1  an*  dem  rathe  thun;  doselbest"  sal  auch  dy  sache  noch 
rechte11'  unnd  gewonheit  der  stad  ertTort,v  entscheiden  werden,  unnd 
jder  desdd  also  vorgnuget1"*  sin;  unnd  solche  sache"  sollen  zu  ende 
geen«  unnd  vor  holflen  werden  jn  vier  monden  ane  geverde.  Unde 
ab1'1'  darüber  jmandes"  der  unssern  adder  euch  usslendeschkk  andere 
forderunge"  thun  wonle  ,■■  des  sollen  unnd  wollen  wir  nicht  gestaten, 
H9b'  sundern  dy  von  erffortnn  do  by  zu  bliben  ™  hanthaben  unnd,  wo  desw 
nod  thut,  getruwelicoen^  vorschriben  unnd  vorteydingen.  Welcher" 
ouch  hiruber  dy  von  erflort adder  jre  habe  unnd  gut  vorkommert," 
der  sal  atzunge,  kost  unnd  czerunge  sampt  schaden uu  abelegen  und 
beczahlen.  Unnd vv  ab*w  ouch  dy  von  erflort xx  jre  burger  adder  under- 
than»  forderunge  adder  sachcn  kegen  unssern  underthan"  betten,  den 
sal  an  den  gerichten,  do»**  dy  jnne  ge  sessen  sind,,,bb  reehtcec  ouch  forder- 
lich unnd  slunieklichenddd  jn  czit  wy  vor  verhulffen eee  werden. 

Wir,  unser  erben  unnd  nochkomen ,,f  sollen  ouch  dy  Strossen,«*  zu 
unnd  ab  zu  füren,  den  von  erflort hhh  nicht  engen  noch  hindern,  des  ouch 
nymandes1"  gestaton,  es  geschee  danne  ummekkk  thurunge  willen  der 
fruchte  unnd  unser  unnd  der  unssern  kuntlicher"1  not.torfB""I,,  halben. 

Wirnnn  wollen  unnd  sollen000  ouch  dy  von  erflort by  jren 
keyserlichen,  königlichen  unde  snnderlichen  der  gülden  bullen  gnade 
unnd  friheit  unndrrr  ouch  jren  alt  herkomen  unnd  gewonheiten,  was  sy 
des  rechtlich  herbrocht     haben,  bliben  Jossen.1" 

Unde  als  wir  gemeynt  haben,  das  sloss  am  celiax  berge  nestuuu 
an  erflort VV¥  ane  unssern  willen  und  uns  zu  widder  gebuwet"*"  syn 
sohle,  111  haben  wir  solche»*  meynunge,  noch  deme1"  das  sloss  uns 

•  O:  uM.rlrhtiuit' r.cu  «liuu       b  0:  al*d;»nn.      r  HS  fnlm-h:  wir.      d  0:  b  ano  r        •  ö:  wir* 
1  «»:  r.nii.         K  O:  nach  laufit.         •*  O :  »t.iit.         '  0:  wl>'.         k  <■:  ymanta.        1  O:  widder 
jr.   und.  rthan.  O:  diin.        "       aml.r  phl1)>hlhn1lH  ii  lutt.       "  IIS:  den.       •*  HS:  do  jvtw, 

«>:  il.i  Ii.  im-.  '<  HS:  «int.  r  <■  :  •>)•  r  da  dl.'  »ach.  im.  •  HS:  miiid.rltchrn  ;  (>:  forderlich. 
'  Hj>:  mWt.  "  "  Wo  ali.T  dl.  ani..rd.nin^  ad.r  ».ich  .  rl.iah.  l  r  U:  ftibol.  "  O:  Krffurt 
1  (»:  wunl  y  0:  »dich  ford.  Tum:.  *  IIS:  au.         ■*  O;  da*  Hut  ''b  <>:  nttcb  roebt. 

«  O:  «tut  Krffun.  «••*  O:  d-r.  •*  b. -uum-t  «In.  fr  HS:  nach«  «*  O:  in-hi-n.  bu  HS: 
ab.  "  O:  yin.-int».  kk  HS:  umIi  nd.  «.  u ;  Os  iifutl.udiwli.  11  O:  aud.n  tord.'nnw.  m,°  0: 
wur<l.         n"        Krlfurl.  »>:  darbiv  rcuo  bll.  t,<  un.  M«    (»:  da*.  <««J  0:  tro«  blich. 

rr  o:  W.  iltcü.i.        "  <>:  Krffun.         "  O:  tx  k.mi.rt.         uu  O:  sch.diiii         *v  IVhlr  In 
«w  u:  ..b.       **  O:  Krffnrt.  HS:  aiid.rlhan        "  Titd.r«h;uniiii.        •*»  <»:  da.       bbb  0: 

»In        eet-       nchi«.  <>;  timi.rlhli  vnd  hIiiiiiI^IIcIi.  O;  \ .  rliolH,-un        •*"■<»:  otiw  ri- 

.  iI.mi  vml  iiachkonx'iiii.  '•:  »ipwim'iiii.       h,,,<  •»:  Krffuri.  (»:  iivniant«      k,tk  »>:  unib 

111  tt  b,  in  hlur.il :   vnud  pr  *R.  r.         •",u""  O.   iiotTorlT«.  ""n  K»  hlt  Iii  O  O  :  nullen. 

H'f  U:  1-j-lVuri.       <*'i«.  0:  ^nliliii.       rrr  l.lili  iu  •<,  O:  h.  rliracli«.      m  O:  bll.U  u  l»a«tiin. 

»»»  v  :  ucb*i.      vvr  <J:  Krffun.      www  « » :  K«  bu.  l..  t.     "«u:BO|t.     jyTO:goiich     «»  0 :  nachdem. 


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■ 


387.  Stück.  513 

nicht  zu  vor  drissse,  sundern"  zu  kuntlicher  notturft,  schirm  unndnutz 
der  stad  erffort  gebuwetb  ist,  gnedicklichen  fallen,  unnd  wir,  unser 
erben  unnd  nochkomenc  sollen  unnd  wollen*  den  roth*  unnd  gemeyne 
zu  erffort'  dar  by  geruhlichen*  unnd  fredelichenh  zu  ewigen  tagen 
ungehindert  bliben  lossen.1 

Wir  unnd1  unser  erben  unnd  noehkomen,1  herezogen  zu  Sachsen, 
lantgraven  jn  doringenm  unnd  margk|graffen  zu  missen»  sollen  deme  v* 
rothe  unnd  gemeyner  stad,  ouch  burgern  zu  erftort0  unnd  jren  under- 
sossen,»1  dy  lehen  von  unsz  unnd  unszerm  forstenthume  herrurende,  dy 
eyn  roth,  jre  bürgere  unnd  undersossen  jn  lehens  wisse*  von  unssern 
vor  eidern  herbrocht1  unnd  enpfangen  haben,  lyhen  dy  jn  zu  haben, 
wy  her  komen  ist.  Ab  aber  manlehen*  in1  ungeborlicheru  wisse  uff 
wibes  bildeT  zu  komen  vorlehen"  weren,  darinne  mögen  wir  uns,  wy 
recht  ist,  halden. 

Wir  bewilligen  ouch  vor  uns  unnd  alle  unser*  erben,  erbnemen 
unnd  noehkomen '  alle  vorschribuuge  an  slossen,  dorffern,  gerichten 
unnd  andern  gutern  unnd  rechten,  wy  dy  eyn  roth  unnd  stad  erffort,1 
ouch  jre  bürgere  unnd  underthanen  von  unssern  vor  faren,  alden  eidern" 
unnd  regirenden  forsten  der  forstethunil!h  obgenant  rechtlich "  her- 
bracht haben,  wollen  ouch  dy  nochdd  jrem  jnnehalt  halden  unnd  zu 
halden  werden  schaffen. 

Ouch  dy  von  erffort, oe  jre  bürgere  unnd  underthon"  an  czinssen, 
renthen  unnd  gerechtikeiten,  dy  sye  jn  unsserm  forstethum«  by  der 
geistlickeit,  prelaten,  graffen,  herren,  steten,hh  mannen  unnd  borschaflt" 
haben,  nicht  hindern,  sundern  dy  jnn  unde  den  jren,  geistlichen  unnd 
wertlichen kk,  geruelich"  volgen  lossen mm  unnd  zu  geben  schaffen  noch 
lutheDn  jrer  breite00  adder  sust  redelicher  konde,DD  dy  sye  dar  über" 
haben. 

Wir"  wollen  ouch  den  von  erffort  jreM  gerichte  nicht  engenn, 
sundern  sy  dar  by"  ungehindert  bliben  lossen.ua 

Wörde"  ouch  uff  den  rechten  lantstrasssen  dorchww  der  von 
erffort"  gerichte  gehend  jmandes"  tod  adder  wunt  geslagen  adder  sust 
dar  uff  also  gefallen,  |  adder  jn  ander  wisse"  legen  blebe,***  so  mögen  s»6 
dy  von  erffortbbb  adder  jre  underthan,eec  dy  selben  toten,  gewunten  adder 
sust  an  den  Strassen  gefunden,  uff  heben,  be  graben  adder  wo  dy  ge- 


*  US:  ■underilchen.  b  0:  »tatt  Erffurl  gehuebet.  c  O:  nachkotueun.  d  O:  wollen 
unnd  sullenn.  °  O:  rat  Ii.  r  0:  Erffurt.  tr  IIS:  geruckllcbon ;  0:  ruhlieh.  b  0;  fridlich. 
'  O:  blieben  Inanen.  k  Fehlt  In  Ü.  '  O:  tuchkoineii.  m  O:  Durlngenn.  u  0:  Mar« 
Kraffeuii  reu  Mlcssenn.  "  0:  mth  unnd  gvineyner  «tau,  auch  biirifvrnu  xru  Erffurt.  ■'  In  HS 
fehlen  die  Worte  dy  leben  ....  undersoaseu;  bei  dienern  Worte  Ist  Stolle  abgeirrt;  wir  haben 
sein«  Orthographie  oben  hergestellt.  1  0:  lchena«wie*e.  r  0:  herbracht.  *  HS  falsch: 
manheben.        1  0:  Inn  u  HS  faUch :  uuirebornl icher;  O:  ungeburllcber         v  O:  wiese  off 

wlbasbllde.        w  0:  verlibenu.        »  O:  für  un»,  alle  unsere.       J  0:  uachkomeuii .       »  o:  rath 
unnd  Statt  Erffurt.         «*  0:  alteldom.        bb  0:  forsten  der  funU-nthumb.        ««  HS:  rechlich. 
**  0:  nach        «  0:  Auch  diu  vonn  Erffurt.      if  O:  bürgere  unnd  untertbaun.      «  O:  fursten 
thumb.  •*  0:  «tuttou.  '1  0 :  batirachafft.         «  O:  wem tl loben  »  O:  gurnhellch . 

«h»  0:  laaaenn.  nn  '):  Jniihalm.  00  O:  hrieffe.  PH  O:  künde.  <JH  (>:  darumb.  "  Kebll 
In  0.  »•  O:  »nch  den  vonn  Erffurt.  "  0:  dable.  .  «•«•  0:  blieben  lnaseun.  T*  0:  Wurde. 
ww  0:  durch.  "  O:  Erffurt.  >*  0;  ymants.  »«  O:  wiese  ■**  0:  ligenn  bliebe. 
»•»»>  0:  Erffort.  O:  undertbanii. 


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514  387.  Stück. 

wunt  weren,  zum  artczte  brengen,  uuverdechtigk  unnd  unvorhindert, 
doch  das  sy  solches»  jn  unser  neestb  ampt  vor  kundigen,0  dy  noch4 
ge8talter  sache0  dar  jnnen/  wy  sich  gebort,«  richten  unnd  handeln* 
sollen.  Ess  soll1  ouch  uff  solchen  lantstrassen  dorch  der  von  erffort 
gerichte  geend,k  jn  keiner  wisse1  von  nymandes  unnd  wedder  ny- 
mandes,m  ouch  usslendissche,  keyn  koinraer  gescheen,n  unnd  wo  derge- 
thon  worde,0  sal  ungeacht  unnd  vor  nicht  werden  gehalden. 

Wir  sollen  unnd  wollen  ouch  dy  von  erffort p  an  wiltban,  beissen 
unnd  weidewercken  jn  jren  gerichten,  holczern  unnd  felden,  wo  sy  das 
von  aldem  herkomen  unnd  von  rechts  wegen  haben  sollen,  nicht 
hindern".  Sye  ouch  mit  vihe  unnd  schoßtrißV  jn  jren  gerichten  unnd 
holczern,»  felden  unnd  widen*  nicht  belestigen  noch  beschedigen,  un- 
schedelich  eynem0  yeden*  an  syner  trifft,*  dy  herx  von  aldem  her- 
komen unnd  von  rechts  wegen  haben  sal,  doch  das  dy  jn  holczern, 
wessen,'  winbergen  unnd  sethen1,  ouch  jn  czitlichen  hegefelden  ny- 
mandes** zu  schaden  gebrucht  werde. 

Ess  sollen  ouch  eyns  yderraannesbb  guterecc  bethe,  frone,  sture, 
berenn  unnd  dinst  tragen  jn  den  gerichten,  do  dy  guteredd  gelegen 
sint,1*  unnd  her"  sal  syner  person  halben,  ab*«  er  andern  enden  ge 
sessen  were,  keynehb  friheit  noch  vorteydingk  haben. 
t  Wir  unnd  ouch"  unser  erben  unnd  nochkomen,"  ouch  |  unser 
grafen,  prelaten,  hern"  unnd  manschafft  sollen  keinen  von  erffort"* 
adder  jre  underthan,  der  adder  dye  jn  czweytracht  vonjn  czeen  worden,** 
umrae00  schutcz  adder  scherm  willen pp  widder  recht  uff  nemen,  sunder 
sollen  unnd  wollen  dy  selbigen,  was  der  jn  unserm  forstethum'"  unnd 
landen  von  uns  adder  jmandes"  anders  uff  genoraen  wurden,  wisen" 
unnd  vor  mögen  sich  rechts  zu  erffort"  adder  sust  noch uu  ge  stalt  unnd 
gelegenheit  der  sache"  an  geborlichen*w  enden  jm  lande  zudoringen" 
begnügen  lassen  an  alle  ge  verde. 

Wo  wir  ouch  der  von  erffort"  unnd  jrer  underthan  keyn  jraandes" 
zu  recht  mechtigk  unnd  sy  des  uff  uns  erbotig  syn,  sollen  wir  uns 
beflisigen  unnd  vor  suchen  dy  sache™*  erst  fruntlichen bbb  zu  vor  eynen, 
unnd  ab  dy  gutlickeit  nicht  furgangk  haben  worde,ccc  also  danne<1,ld 
sal  dy  sache  schrifftlich  kein*1*"  eynander  vorm  uns  gebracht  werden, 
dar  uff  wir  erkentnisse «»  unnd  enscheithhh  thon  sullen,üi  wo  dy  von 
erffort kKk  antwarter"'  unnd  beclagte  syn  noch  gemeynen  beschreben 

*  O;  tollch«,  b  0:  nehat.  «  O:  verkünden u.  d  O;  auch.  r  0:  a&cbenn.  r  0: 
diurjuu.  e  0:  geburt.  h  118  falech:  baldein.  1  0:  mI.  k  0:  nff  sulicheun  UntstraMeiui 
durch  der  vou  Erffurt  »reriebt  |rvh«nd;  HS:  gwn.  1  0:  wleee.  m  0;  vom»  nymantt  unnd 
wldder  nynwiiu.  »  0:  bewsueeii.  u  O;  «ithan  wurde.  v  0:  Erffurt.  <*  In  H8.  Heben 
einige  Punkte.  r  0:  •ehafftrlefft.  •  HS:  holcicrlu.  1  0:  weldenn.  u  HS:  einen.  vO:ydenn. 
"0:  trloffi.  »  0:  er.  Y  O:  weeen.  »  HS;  •cbutten  0:eetben.  "»  O:  nyxnanu.  bb  Ü: 
jdennauns  «*  O:  «titer.  dd  0:  da  dl«  guter.  «"  0:  «In.  ff0:  er.  «*«  0:  ob 
bb  0:  kein.  11  Beide  Worte  fehlen  In  0.  *k  0:  naobkomeun.  "  0:  borrn.  m  0: 
Erffurt.  nn  0:  aclebenn  wurdenu.  00  0:  nmb.  W  O:  schirm«  willen:  HS  fadrob:  wollen. 
*ii  O:  furatenthumli.  "  0:  ynutnt«.  "  O:  wiesen n.         M  O:  Krflurt.         uu  0:  nach. 

VT  ü:  aacbenn.       ww  0:  ^eburllcheu.       "  0:  I>urlniren.        JY  O:  Erffurt.        "  O:  ym-unu. 

O:  ukcheiiii.  bbb  0:  fruntllcb.  «"*  0:  wurde.  0:  abxlAun.         •»•  0:  gen. 

tn  O:  für  0:  erkeutni«.  o:  entachelt.  0:  thun  rollen.      kkk  0:  Erffurt. 

»«  0 :  »ntwurter. 


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3S7.  Stuck. 


515 


rechten'  unnd  an  wisunge  der  gelerten  recht  wissende  unpartigisch 
unnd  unvordoehtb  gehalden,  unnd  sust,  wo  sye  anclager  syn,  ouch 
also,  addor  nochc  gemeynem  lantrecht  truwelichd  unnd  ane  geverde. 
Ess  sollen  ouch  jn  solchen  sachen  adder  ouch  andern  geschehen  uns 
adder  jmants  anders  betreffend6  der  von  erffort f  usserhalb  unsserm 
furstethum«  nicht  vor  bescheiden h  adder  tagk  satzunge1  gethonk 
werden. 

Unnd  dar  mit1  sulcherm  schutcz,  scherm»  unnd  vorteydingk  deste 
stotlicher  mit  flisse  unnd  getruwelichen  °  gehalden  werde,  so  sullenp 
unnd  wollen  roth,  ratismeisterq,  rethe  unnd  geraeyne  der  stad  erflortr 
uns,  unsern  erben  unde  nochkomen»  funfczehenhundert  rinsche1  gülden 
jerlich  uff  unser  lieben  frowe"  tagk  lechteweev  gnantw  purificacionis  | 
jn  solche  unser  dry  furstethum1  zu  erffort3'  adder  wy mar,  an  welchem1»»! 
der  cz weier  ende  uns,  unssern  erben  unde  nochkomen"  das  eben  ist, 
uff  unser  geborlichebb  quitanczcc  zu  schütz  gelt  uss  richten,  reichen 
unnd  geben. 

Es  sollen  ouch  dy  selben  rathismeister,  roth,dd  rethe  unnd  ge- 
meyne  der  stad  erffort0*  uns,  unssern  erben  unnd  nochkomen ff  widder 
unser  viend*8  unnd  widderwertige  behulfilich  svn  unnd  solche  hulffehh 
der  mosse1'  thun,  ob  jmandes"  mit  macht  adder  herskrafft"  sich  jn 
unser  furstethum mm  unnd  lande  zu  czeen BB  understeen00  worde,**'' 
das  sollen  unnd  wollen  roth1"  unnd  gemeyne  der  stad  erffort"  mit 
eyner  redelichen"  hulfte  helfen  weren,  unde  ab  das  not  geschee",  by 
unnd  mit  unssern  underthon,uu  mannen  unnd  Iuthen  solchem  heress 
czoge,TV  ouch  usserhalben  des  landes  under  ougen  unnd  entgegen 
czeen,ww  alles  uft  unser  kost,  doch  so  ferre  der  roth  zu  erffort"  unser 
gegen  den  selben  zu  recht  mechtig  ist.  Ob  danne  solche"  fynde  nider 
geleget,  fluchtigk  adder  sust  hinder  sich  czeen  worden,11  unnd  wir 
adder  unser  boubt  luthe"*  den  abe  zu  brechen  jchts  adder  meerbbb  zu 
erobern  gedechten,  unnd  jn  jre  land  adder  behusunge  noch  folgen0" 
wolden,  dar  zu  sollen  dy  von  erffortddd  nicht  gebrucht  werden,  sundern  e*e 
sollen  unnd  mögen  unvordaeht,"'  fridelich*«  unnd  ungehindert  heym 
czeen, hhB  unnd  ab"1  uns  solche kkk  hulffe  zu  swach  adder  ouch  dy  von 
erßort,u  der  er  sucht  zu  swere  adder  zu  vilsyn  beducht,  sollen  czwene 
von  uns  unnd  czwene  der  von  erfforte m,Dm  wegen  dar  ummennn  ge- 


•  O:  uo«h  Kern«)- neun  tteechrlebenn  rechtonu.  b  O:  onverdacht.  c  »>:  nach.  A  O: 
trnobllch.  «  US'  betreffen.  r  O:  Erffort.  *  O:  UDueer  fursteuiithumb.  h  furboecbeldtmn. 
1  O:  LaffeMCKung-  «  q.  kuii,^  l  darmlt.        m  O:  aollcbur.         "  O:  wlilrni.        *  O: 

•tatlichor  mit  lifo«  troeblieh.  I»  0:  •olleiin.  9  <>:  rallainetater,  ratb.  r  0:  gemeyue  Statt 
Erffort.  *  0:  tutebkomciiii.  1  O:  Mniache.  "  0:  frowen.  v  O:  llechtmeeee.  w  O: 
Ktiant.  x  O:  jnn  aoliche  ununer  dry  funtenthntnb ;  HS:  fürtet  hu  in.  V  O:  Erffurt.  *  HS: 
Welchen .  •*  üz  nacbkomeiiu.  bb  O:  gvbnrlieb.  *<••(>:  qultancien.  dd  O :  roth. 
*•  O:  Kvmeyne  Statt  Erffurt  «  O:  aachkomeiiii.  «  0:  untere  vlhend.  hU  O:  aoliche 
balff.  >l  0:  derma«».  kk  O:  ymaiita.  »  HS:  herkrafft.  mal  O:  fur«Uuthuwb.  »°  O: 
»clehenn.  «x»  O:  uuderatehon .  M»  0:  war  Je.  'ii  0:  rath.  "  0:  Kvmeyue  Statt  Krffurt. 
"  HS:  redellcher;  O:  redlichem).  "  0:  geecheth.  uu  0-.  uiidertbuu.  vv  HS  :  beroes  (c*ok 
fehlt).       ww  0:  «clehenn.       11  O:  ratb  icu  Erffurt.  O:  dann  eollcbe.       "*  O:  zcieheuu 

Wurdenn.        ***  O:  heubtlotb.        bhb  O:  meher.        «00  Ü:  nach  rob/emi.        d,,J  O:  Krffurt. 

O:  »ander.  '«0:  un  verdacht.  K*  <»•  fridlleb.  »nb  0:  zeichen.  1,1  0:  ob.  kkk  O: 
totlebe.       1,1  O:  Brffurt.       ram™  0:  Erffurt.       nnn  O:  darunib. 

33* 


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516 


387.  Stück. 


geben  werden  by  eynander  komen,  unnd  dar  über  erkennen,  was 
dann  dy  viere  adder»  ob  sy  sich  des  nicht  vor  eynen  mochten,  mit 
zu  fal  eyns  bischoffs  von  numburgk,  so  czu  cziten  syn  wirt,  wes  dy 
hulffe  nochb  gelegenheit  gemehert  adder  gemynnert  werden  soltc  er- 
kennen, do  byd  8ol  es  bliben.e  | 

▼  Begebe  sich  ouch  jn  solcher f  hulffe,  das  dy  von  erffort*  adder 
jmandes'1  der  jren  nider  lege,  gefangen  adder  sust  an  habe,  harnasch. 
geczugk  unnd  pferden  schaden  neme,  dar  jnne1  sollen  unnd  wollen  wir 
unndk  unser  erben  unnd  nochkomen1  uns  bey  den  von  erffortm  halden 
unnd  bewisen,  als  wir  solchs"  unssern  eigen  undertbanen,  den  steten0, 
thun  worden,p  jn  ouch  glichen  gewyn  an  buthe  unnd  teylunge  un- 
geverlich  gestaten.  Es  soH  ouch  solch  der  von  erffort  hulffe  stete,r 
sloss  adder  ander  festunge  zu  gewynnen,  nicht  gebrucht  werden. 

Ouch  sollen»  unnd  wollen  dy  von  erffort1  uns,  uosern0  erben 
unnd  nochkomen v  wedderw  unser  vynde,*  uff  dy'  wir  gedechten  zu 
suchen,  unnd  widder  unser  jnlendissehe  widderwertigen,1  wo»*  sy  unser 
kegen  den  vynden  unnd  widderwertigen  zu  rechte  gantcz  mechtigk 
syn,  unnd  von  den  selbigen  vor  slagen,  das  sy  dar  jnne  der  von  erfforf1* 
erkentnissece  unnd  entscheit  nicht  an  nemen  noch  lyden  wolden,  hulifo 
noch  czemelickeitdd  unde  gelegenheit  thon,60  doch  das  solche  hulffe1' 
nicht  syn  sal  über  anderthalb  hundert  man,  halb  zu  pferde  unnd  halb 
zu  fussse,  uff  unsser  kost  unnd  des  rathes  ebenthure,  doch  also,  das 
wir  do  byr«  unser  mannebh  unnd  underthan  haben,  unnd  das  solch 
der  von  erffort  hulffe14  andern,  wer  dy  weren,  nicht  vorlegen  noch  zu 
geschickt  werden,  dy  selbigen  ouch  frie  willen kk  unnd  macht  haben 
sollen,  unvordechtigk  abe  zu  czeen,11  wanne  andere  adder  der  raerer 
teyl  unser  luthe  abeczeen. 

Unnd1"1  so  dy  von  erffort00  uns  obgemelten  fursten  eynem  adder 
jn  eynem  unssern  furstethum w  hulffe thun  worden,  sollen  sy  als 
danne"  von  den  andern  unnd  jn  eynem"  andern  der  gemelten  furste- 
thum" mit  hulffe  adder  zu  helffen  nicht  werden  gefordert 

>8  Obun  sy  ouch  jn  hulffe  weren  unnd  jn  dem  das  lant  |  doringen" 
uberczogen  wurde,  mögen  unnd  sollen  sy  unvordechtigk  fredelich mw 
unnd  ungehindert  heym  czeen"  unnd  do  selbest™  widder  dy  lant  be- 
schediger"  getruwen***  rath  unnd  hulffe  thun. 

Begebe  sich  ouch  czwisschen  uns  obgemelten  forsten  adder  forste- 

*  HS  uooh:  wni  sy,  aber  durchirwtrlchW  b  O:  halff  n»eh.  '  HS:  aollen.  4  0: 
dablv.  «  (»:  sal  m  blUbi-mi.  r  O :  soHcher.  *  0:  Erffurt.  h  0:  ymanta.  1  0: 
daijnne.  k  fehlt  In  U.  1  O:  unsere  erben n  unnd  uactikomenn.  m  0:  ble  den  v»nn 

Krffurt.  n  0:  sollen«.  °  *>:  Stetten.  P  (>:  wurden  n.  4  O:  m1.  r  O:  sollen  der  Tonn 
Erffurt  hulff  8tette.  •  O;  «nllen.  1  O:  die  vonn  Erffort.  »  HS:  nnser.  T  O:  nach 
konienn.  w  0:  widder.  "  x  0:  filiende.  7  HS:  wir  dy  (Urortellnug;).  *  O:  wVMer 
worHjre.  ■*  In  HS  fehlt  wo     wldderwertlgeu  (bei  dem  gleichen  Wort»  Ut  Stolle  abRcbrtl; 

oben  int  Stolleecbe  Schreibung  eiwefQhrt.  *b  0:  Erffurt.  «*  O:  erkentniM.  dd  O:  noefc 
zcymllchkelt.        ev  0:  thun.  0:  Mich  hulff.        «*  O:  duble.        «•««  O:  mann.        »'  O: 

«.Heb  der  vonn  Erffurt  hulff.  O.  frywWM.        »  HS:  creendo;  O:  «clebenn.        ■»•»  0: 

nbc wichen n.  nn  Kehlt  In  0.  00  0:  Erffurt.  PP  O:  unnsenn  fuistenthomb  <N  0:  bnlff. 
"  0:  »ludaim.  "  HS:  eynen.  tl  O:  fu  raten  thumb.        un  O:  nb.  O:  Durfntsen. 

»w  <>:  frldellch.        «  O:  «clebenn.        77  o :  daedbet.        "  HS:  lant  buacbedlgwn.       ■••  O: 


387.  Stück. 


517 


thum»  errethum,  wy  der  ge  syn  raochte,b  des  mögen  dy  von  erffort6  als 
genieyne  luthe  bliben,  stilie  sitczen,  unnd  sollen  zu  keiner  hnlfle*  ge- 
fordert noch  vor  docht  werden. 

Wir  unnd*  unser  erben  unnd  nochkomen*  sollen  ouch  mit 
unssern  vienden*  unnd  widderwertigen  uss  unnd  jnlendisschen,  do 
widder  uns  dy  von  erfforth  gehulffen  netten,  keinen  frede,1  vor  tragk 
noch  sune  uff  nemen,  dy  von  erffortk  danne  ouch  nemelich  dar  jn  ge- 
czogen  unnd  noch  nottorft1  vorsehen.  Ob  aber  dy  von  erffort"1  darüber 
adder  wo  sy  uss  Vergessenheit  jn  solchen  frede,"  eynunge  unnd  sune0 
nicht  geczogen,  von  solchen  vienden,p  widderwertigen  adder  jren  helffern 
bemühet  adder  zu  beschedigen  understanden,  beschediget  adder  jres 
handels  unnd  wandels  vor  hindert  worden,4  dar  umme  unnd  dar  jnner 
sollen  unnd  wollen  wir  unnd*  unser  erben  unnd  nochkomen1  den 
von  erffortu  zu  hanthabungv  unnd  zu  gute  uns  also  halden,  also  solches w 
unser  person  selbest,  unser  eygen  land,  luthe  unnd  underthanx  be- 
treffe, truwelichen  *  unnd  ane  geverde. 

In  solchem  vor  tracht 4  unnd  vor  eynigunge"  aller  obgemelten  stucke 
unnd  artikel  haben  wir  obgemelten  forsten hh  vor  uns  unndcc  unser 
erben  unnd  nochkomen dd  unsern  heilgisten  vater  den  babist«*  unnd 
unsern"  aller«  gnedigsten  herrenhh  den  romisschen  keyser  unnd  unssern 
hern"  unnd  frundhk  den  erczbisschoff"  unnd  dasinm  stiflt  mentcz,  wo 
wy  der  von  erffort""  kegen00  syner  |  liebe  unnd  synem  stiffte  zu  rechte  v 
nicht  mechtigk  syn,  uss  geslossen  unnd  uss  genomen,  dy  selben  ouch 
dy  von  erffortpp  in  besunderheit,  unnd  dar  zu  dy  stete*»1»  molhusen 
unnd  northusen  kegen"  uns  unnd»»  unsern  erben  unnd  nochkomen" 
uss  genomen  haben,  doch  das  den  beiden  steten uu  wedder"  uns  ouch 
nicht  gehulffen  werde,  so  ferre  dye  von  erffortww  unser  gegen  den 
selben  steten"  zu  rechte  mechtigk  syn;  sust  sal  dissser  vor  tracht ,y 
alle  unser  lande  unnd  forstethum"  jnnewoner,"*  bissschoff,  prelaten, 
graffen  unnd  herren  unnd  eynen  yderman,  der  uns  zu  stehet,  unnd 
des  wir  ungeverlich  mechtigk  syn,  begriffen,  bynden  unnd  von  jn  allen 
unvorbrochlich  gehalden  werden. 

Unnd  ab,,bb  sich  zu  kunfftigk  czweytrechte,  spenne  adder  errenisse ccc 
uss  was  Sachen  adder  Ursachen  gancz  nichts  ussgeschlossen,ddd  es  sy 
gerichte,ew5  uberkeit/"  herlichkeit,««  ander  gerechtickeit  ditshhh  vor 
trachts111  adder  ander  sachekkk  halben,   wy  sich  das  magk  begeben 

•  O:  funtenn  «der  funtenthumb  b  0:  Irrtham,  wie  dor  ffeeln  mocht.  °  0:  Erffurt. 
*  O:  keyner  hulff.  «*  Kehlt  In  O.  <  0:  niicbkomeun.  *  0:  fyhenden.  h  0:  dawldder 
an»  die  von  Erffurt.  '  0:  frltle.  *  O:  Erffurt.  1  0:  unch  nottorfft;  OS:  uottorf.  m  0: 
Erffurt.  ■  O:  friede.  0  O:  saue.  «'  0:  solkshen  fyheudenn.  '«  O:  wurdenu.  r  O: 
daruml»  unnd  dnrjtiu.  ■  Fehlt  in  0.  1  nftchkomenn.  u  O:  Erffurt.  r  HS:  hand- 
habende. w  0:  ;iU  sollen».  x  HS:  under  scherm  (vielleicht  aus  „nnderwiseen"  verderbt). 
7  O:  truebllch.  *  ü:  vertrag.         a*  O:  vereynunj;.         bb  0:  hinten.         ce  Fehlt  in  0. 

d<1  O:  naohkomettri.  O:  Ualiet.       "  Fehlt  in  0.       *B  HS:  allem.       hh  O:  herrnn.      H  O: 

unser  hemm.  kk  O:  tnmde.  »  HS:  ertablsschoff.  u,m  O:  den.  nn  O:  Erffurt.  "°  O: 
Keg*un.        PI1  O;  Krffurt.  0:  «tette.       "  O:  gegen u.       **  Fehlt  in  O.       "0:  unsern 

erben  und  nacbki  iiieau.  ,,u  O:  »tetUjn.  vv  0:  wlddor.  ww  O:  Erffurt.  «  O:  Stetten. 
>r  0:  vertrag.        *•  O:  land  und  fursteuthutnb.  O:  Innevonor.       bbb  O:  ob.       TOC  O: 

JrrnuM.        *M  O:  ussgescheldenn.        <"*  0:  bricht.  O :  oberkelt.        «s«  0:  herltakelt. 

«•bb  O:  «lfau.       '"  O:  vorti.ip».       kkk  O:  «icn 


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M8 


387.  Stück. 


dar  zu,  unnd  dy  selben  henzuglegen*  unnd  zu  entscheiden,  sollen  von 
uns  unndb  unssern  erben  unnd  nochkomen'  uss  unssern  reihen,  aropt- 
luthen  adder  mannen  czwene  unnd  von  den  von  erflortd  ouch  czwene 
jrer  frunde  geben  werden  jri  vierczeene  tagen  ufl  ersuchen  der  partien, 
der  solche  sache'  angelegen  synt;8  dy  selben  vierh  sollen  angelegene 
stete  jn  doringen,'  dar  nochk  jnnen  vierczeen1  tagen  tage  satczunge 
thonm  unnd  sich  beflissigen,  dy  irrunge  fruntlich  by  zu  legen,  unnd 
ab  das  nicht  ge  syn  mochte,  beyder  parthien"  vor  brengen0  schrifitlich 
zu  sich  nemen,  unnd  dar  uss  mit  rechte,  wy  sy  wissen,  entscheiden. 
Ob  aber  dy  viore  des  entscheides*  sich  nicht  vor  eynten,  sollen  sy  uff 
alles  schrifftlich *»  unnd  anders  vor  brengen,  dy  parthien r  noch*  gemeynen 
beschriben  rechten  unnd  noch  ane  wisunge1  der  gelorten u  recht  wissenden, 
dyT  der  Sachen  nicht  gewant  noch  vordechtigk  syn,  ufl  der  parthie 
kost  entscheiden ;  darby w  es  blyben  unnd  folezogen  werden  sal,  j  ane 
alle  uss  czoge  adder  zu  flucht  eynichs  weges*  unnd  hulfle  des  rechten. 
Der  aller  wir  uns  vor  uns  unde*  unser  erben  unnd  nochkomen,1  des 
glichen  dy  von  erffort**  sich  vorezogon  haben  unnd  vor  czeenl,h  uns 
beidersyt  der  aller,  es  sy  appelacien,  supplicacien,  restitucionen,  re- 
ductiononcc,  ander  hulffedd  unnd  zu  flucht  des  rechten  eigentlich,  öffent- 
lich unnd  wissentlich  mit  dissem  breffe0*:  — 

Es  sal  ouch  disse  vortrachtff  dorchw  keine  sache,  wy  adder  wu 
vonhh  dy  jmmer  kome  mochte,"  vorkk  gancz  noch  en  teyl"  uff  ge  saget 
noch  abe  geschreben mm  werden,  sundern m  wir  gereden  unnd  geloben 
vor00  uns  unndpp  unser  erben  unnd  nochkomen  w  obgemelter  wisse 
by  unsern  fürstlichen  werden"  unnd  woren"  worten,  den  jn  allen" 
stucken  unvorbrochen,  gantcz  unnd  unwedderrufflich,,u  zu  balden,  alles 
truwelich"  ane  arge  list  unnd  ane  alles  ge  verde.  Des  zu  warer  er- 
kunde™ unnd  bekentnisse,"  ouch  steter  fester  unnd  ewiger  haldunge 
haben  wir  unser  grosse  forstliche™  jnsegel"  an  dissen  breflm 
wissentlichen bbb  hengen  losssen.ccc  Gescheen  unnd  gegeben  zu  wymar 
nochddd  cristi  unsere  herrenoeB  gebort m  vierezehn  hundert  unnd  in 
demc«e  dryundeachezigisten  jaren  uff  montagk  nochhhh  unser  lieben 
frowen  tage  purificacionis"'  zu  dutczkkk  lichtmesse  gnant111 

Hir  ufl  bekennon  wir  obgomelton  ratisraeister,  rath  unnd  retbe 
vormmm  uns  unnd1""1  unser  nochkomen000  unnd  gemeyne  der  stad 

*  O:  hinxnletceu.  »>  Fehlt  In  O.  °  0:  nachkonieun.  d  0:  Erffort.  c  O:  vlencebco. 
f  O:  aoltch  aneben.  K  O:  iln.  h  0:  vlore.  1  O:  Durlngcnn.  k  ():  darnach.  1  O: 
vlerzcohenn.  m  0:  thun.  "  HS:  p&rthio.  °  O:  furbrengeu.  P  O:  entscheide«.  •»  O: 
M'briefftMcba.  r  HS:  parthle.  "  O:  noch.  1  O;  nach  nncwijunft.  u  U:  m-lrrt.  x  l>t« 
Worte  dy  —  on  t*cheld«>n  fohlen  In  HS,  aua  O  i-rKänit ,  al«-r  In  Stulleaclter  Orthographie.  "  0: 
darhio.  x  O:  eynch»  vtagM.  *  Fehlt  in  O.  *  O»  nactikomeuii.  ■*  <>:  ErtTurt.  bb  O: 
vereefehen.  M  O:  nppellaclon,  auppltcacinn,  resttiuclon,  r<<tuction .  Ai  O:  bulff.  O. 
Iirleff.  "  O:  dieser  vertrau.  w  O:  durch.  hh  O:  wor  von.  11  O:  komen  moebt 
kk  O:  für.  11  O:  oynatell«.  mm  O:  ob«e«chrtohen.  ,,n  O:  «.undir.  00  0:  für.  Vf  Fehlt 
lu  O.  «I'I  rt:  nftchkomenu.  rr  0:  wlrdinn.  *•  O:  w.trenn.  u  HS:  unnd  allen.  Mn  Oj 
unwidderruffllch.  T"  0:  truehlich.  ww  <»:  urkande.  "  O:  hekentalai.  *r  0:  fu  fit  liehe 
»■  0:  Innipelc.  O:  l.rlrff.       "*  O:  wtwentllch.  <">:  henckon  laaaen.  0:  nach 

O:  b*rrn  m  ():  ^cbtir».  Im  "hh  «">:  nnch.  111  0:  purifleatlonl« 

kkk  O;  .IntÄch.        '»  O:  )i<<chtit>e«M>  miaut.        mmm  0:  für.  Fehlt  In  O.  <*»•  o: 

nachkumen. 


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388.  Stück. 


MO 


erffort,"  das  wir  uns  mit  czitlichem  vor  gehabten b  rath  mit  gutem 
wissen  unnd  willen  aller  funff  rethe  unnd  unser  eldestenc  mit  den 
obgemelten  unssern  gnedigen  hernd  vor  sich  unnd  jre  erben  unnd 
nochkomen0  solcher  vorschribungef  unnd  aller  dar  jnue  vormelter  stucke, 
punckte  unde  artikel  alles  jnnehaldes*  unnd  lutesh  vor  |  eynt,  vor  tragen  v 
unnd  jn  ewige  czit  stete  unnd  feste  zu  halden  bewilliget,  gereth  unnd 
ge  lobet1  haben,  vor  eynen,  vor  tragen  unnd  bewilligen  uns  derselbigen 
aller  unnd  iglicher  semptlichk  unnd  jn  besunderheit,  so  vele1  uns  unnd 
gemeyner*  stadn  jrs°  inhaldes«1  betrefft'»  unnd  gebort/  Wollen  unnd 
sollen  ouch  dy  also  stracks*  unnd  uff  richtigk  halden,  unnd1  dar  widder 
nicht  thun  adder  zu  thunu,  schaffen  adder  bestellen  adder  jmandesT  der 
unssern  dar  widder  zu  synew  jn  eyniche  wisse1  gestatten. 

Es  sal  ouch  disse  vor  tracht*  durch  keine  Sache,  wy  adder  wo  von 
dy  jmraer  körnen  mochte/  vor  gancz  noch  enteyl"  uff  gesaget  noch 
abe  geschrebenbb  werde,"  sundern dd  wir  gereden  unnd  geloben«*  by 
den  pflichten  unnd  eyden,  so  wir  der  stad  erffort"  schuldigk  sint« 
unnd  unssern  waren  worten  unnd  truwenhh  vor  uns  unnd  unser 
nochkomen"  den  jn  allen  stucken  unvorbrochon ,  unwedderufflich kk 
zu  halden,  alles  truwelich,"  ane  argelist  unnd  ane  alles  geverde.  Czu 
warer  orkiinden>in  haben  wir  unser  stadnu  erffort00  gross  jnsigilpp  an 
dissen  breffqq  thun  hengen.rr  Geben  zu  erffort**  noch"  cristi  unsere 
hern  gebortuu  vierczehenhundert  unnd  jn  dem  dry  unnd  achczigisten 
jaren  uff  montagk  nochVT  unser  lieben  frowen  tagkww  purificacionis " 
zu  dutcz"  lichtmesse  genant." 

Scriptum  per  me  Conrad  um  stolle,  vicarium  sancti  severi  erffor- 
densis. 


388.  Vou  eynem  tonieye1  zu  Erfforte. 

Anno  domini  M°CCCC°XCV10  an  deme  achten  tage  petri  et  pauli2  14»6 
was  eyn  torney  zu  erfforte;  dar  vor  wol  X  wochen  lisssen  dy  von 
erffort  zubereiten  eyne  viereckichten  czwefachen  blancken  |  uff  dem  300 
anger  von  den  lintwormen3  an  biss  schere  zu  der  sperstangen 3  bereiten 

•  O:  ffemeyne  Statt  Erffort.  h  H8:  vorpohnhen;  0:  tcittllrbom  vorgehabtem.  c  0: 

eldltton.  a  0:  hemi.  *  0;  für  «Ich,  jre  erb«n  uixl  nachkomeit.  r  0:  nollcbor  verachrlbonK. 
K  0:  jimkalla.  h  0:  lanta.  •  0:  gi'rrtt  und  frlobct.  k  US:  aeoipllch.         1  0:  v!l. 

m  HS:  geinryii«.  n  0;  atatt.  "  HS:  jr  jni.  P  0:  jmibnlta.  1  0;  betrifft.  r  0: 
gebort.  *  HS:  atnrck.  1  Fehlt  in  0.  »  In  HS  fohlt:  adder  tu  thun.  T  Os  ymantü. 
*  O:  iin.  *  0:  wb>».  7  O:  dto.r  vortra«.  «  O:  mocht.  "  0:  eynaatella.  bb  0: 
abeirtwcbrleben.  0:  werden.        dd  O:  sonder.        «"*  O:  nlob*n.       0  K  :  statt  Erffort. 

«r  0:  «In.  Mi  0:  tro.Un.  «'  0:  nachkomeo.  kk  O:  oowiddorroffltch.  11  0:  Iroebllch. 
"»»  O:  orkond.-.  nn  0:  «um.  °"  Kehlt  in  0.  PP  0 :  Inaigrl.  t«J  ();  diown  brieff 
™  0:  hengken  "  O:  Erffort.  «  0:  nach  «•»  0:  irrhart.  TT  O:  nach.  ww  0:  tj»jro. 
"  0:  portncatlonle.       77  0:  dutacb.       "  <>:  lb-chtmoaae  wallt. 

388.  1  Dieses  Turnier  (über  ein  solches  s.  die  Anm.  zu  Stüek  46)  samt  dem 
Fest»»  im  Rathause  hat  in  seiner  Weise  bildlich  dargestellt  H.  Kruspe,  Erfurter 
Bilderchronik,  1879,  8.76—80;  s.  auch  Falekeustein ,  civil.  Erf.  bist.  crit.  S.  481 
bis  433.  5  Mittwoch  den  6.  Juli  1496.  3  Jetzt  das  östliche  Ende  des  Angers, 
wo  das  Lutherdenkrnal  steht.    Das  „Haus  zum  Lindwurm"  (s.  Hartunp,  Häuser- 


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520 


•m  stück. 


mit  dicken  starcken  holczern,  als  eyn  man  dicke  ist,  unde  mit  vier 
ingengen;  do  worn  siege  an  gemacht  von  holcze,  dy  man  uff  czoch, 
wann  man  uss  unnd  in  rite  solde.  Der  rath  liss  ouch  eyn  nuwe 
huss1  uff  howen.  das  stunt  hart  an  den  blancken  an  dem  wasser  kein 
dem  gülden  hersse,5  unnd  was  gedecket  mit  delen  unnd  hatte  vier 
bodeme  über  eyn  ander,  unnd  was  XII  klafftern  langk,  nicht  feie  wid; 
uft  deme  husse  stunden  dye  eldesten  von  dem  rathe,  uff  dem  andern 
bodem  etliche  von  den  edeln,  unnd  der  forsten  marschalk,  hofemeister. 
kenczeler  unnd  solch  folk.  uff  dem  understen  der  stad  gesinde 
unnd  geraeine  folk  von  den  forsten,  ufl  dem  dritten  unnd  Vierden 

bodem  

Item  an  dem  husse  dy  queren  über  worden  gespannen  dry  lange 
tuchere,  als  langk  als  das  huss  was;  an  dem  mittelsten  tuche  worden 
an  gehangen  der  czweier  forsten  wopen  gebrudere,  herezoge  frederich« 
eyn  korforste,  by  drisigk  jaren  alt.  unnd  herezoge  bans*,  dy  quomen 
in  dissen  torney  mit  feie  grafen,  ritteren;  unde  der  wopen7  hingen 
alle  uff  dy  syten  by  der  forsten  wopen  unnd  wass  XX.  Item  dy  vod 
erffort  hatten  ouch  losssen  grosse  quadern  fure  umme  dy  blancken 
unde  innewendigk  in  den  plan  wol  by  funff  hundert  waine  toi  sande». 
unnd  in  dem  quinger*  stunden  eyn  wepener  an  dem  andern  zo  ringe 
*  umme  her,  an  der  |  czal  funff  hundert,  alle  wol  gewopent  Do  hatten 
dy  forsten  eynen  ekel*  inne  alle  mit  stritbarten 10  unnd  spisse  in  den 
henden.  Item  der  houbtman 11  der  von  erffort  mit  svnen  dvnern 
unnd  folke  wol  by  LXXX  man,  ouch  wol  geharnest,  dy  hylden  vor  den 
lintwormen,  ouch  worden  alle  thor  wol  bestalt  unnd  dy  borgk  sente 
celiax  unnd  in  allen  klostern  tagk  unnd  nacht,  unde  die  kethen  in 
der  stad  worden  alle  an  geleit  unnd  hutere  da  by.  Item  uff  den 
dinstagk  dar  vor,12  do  reten  dy  czwene  forsten  zu  erffort  in  mit 
czweien  hundert  pferden  mit  schöner  czirunge,  unnd  XV1I1  grafen 
unnd  feie  rittere  mit  on.  Item  uft  dy  mitwochen  zu  achten  gingen  sy 
zu  der  messe  zu  unser  lieben  frowen.  Do  es  XI  slugk,  do  czogen  sy 
uff  den  anger,  alle  wol  geharnest,  nemelichen  XX  person;  do  worn  dy 

chronik  der  Stadt  Erfurt  I,  S.  XXV  No.  1523)  ist  jetzt  Anger  No.  3.  Ebenfall* 
am  Anger  lagen  die  Häuser  zur  .»Grossen  und  Kleinen  Speerstange"  ( Härtung: 
a.a.O.  S.  XXV  No.  1513  u.  1514  u.  I,  S.  43  ff.),  jetzt  Anger  12  u.  13.  *  Es 
war  also  ein  „Schauhaus",  d.  h.  überbaute  Tribünen,  errichtet.  Ein  „goldener 
Hirach"  ist  um«  dort  unbekannt;  wohl  aber  lag  am  Anger  das  „Hau*  zum  Hirsch 
und  Rosenberge''  (Härtung  a.a.O.  No.  1532),  das  Stolle  wohl  meint.  Das  Hau* 
existiert  nicht  mehr,  es  Tag  in  der  (regend,  wo  das  heutige  Kaiserl.  Oberpost- 
diroktionsgebäude  steht.  *  Kurfürst  Friedrich  der  Weise  (geb.  17.  Jan.  1463. 
reg.  von  14-8*» — 1525)  und  «ein  Bruder  Johann  der  Beständige  (geb.  30.  Juni  1468, 
reg.  von  1525—1532).  7  Diese  waren  bemalte  Holzschilde,  von  denen  wahr- 
scheinlich noch  einige  in  den  Sammlungen  der  Stadt  Erfurt  erhalten  sind. 
*  Mundartliche  Nebenform  zu  „zwinger"  und  „twinger",  wie  „quinc"  und 
„quiugen"  — -  „twinc"  und  „twingen"  häufig  vorkommt.  ,J  „eckel"  u.  „ekkel", 
stn.,  —  „Stahl".  10  „harte",  *wf.,  bedeutet  allein  schon  „Beil,  Streitaxt",  hier 
aUo  das  KomiHjHituro  =  „Streitaxt".  11  Falckenstein  a.a.O.  S.  432  nennt  iho 
Krff  (?).       ,?  Am  5.  Juli 


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388.  Stück.  521 

forsten  mete.  Ummer  dar  ranten  czwene  unnd  czwene  kein  einander 
mit  schärften  glanczen,13  eyn  par  noch  dem  andern,  unnd  wanne  sy  zu 
sammen  geranten,  als  balde  dar  noch  czogen  sy  ore  swerte  uss,  dy  sy 
by  sich  hatten,  unnd  hiwen  sich  über  dy  kopphe,  arme,  Up  unnd  wo 
sye  hene  wolden,  eyn  miserere14  adder  czwey  langk.  Dar  noch  reten 
X  adder  XII  cz wisseben  sy,  dy  hatten  lange  Stangen,  unnd  dy  schiden 
sy  von  eynauder;  dar  noch  etliche,  dy  uff  derao  huse  stunden,  dy  dar 
zu  geordent  worden,  dy  hingen  der  czweier  schilde,  dy  sich  getorneiet 
hatten,  ufl  an  das  uberste  tuen;  dy  ersten  waren  dy  foisten,  adder 
nicht  zu  sammen,  sundern  mit  andern  grafen.  Do  das  eyn  ende  hatte, 
do  quomen  andere  czwene,  in  aller  forme  als  dye  ersten,  biss  so  lange, 
das  dy  X  par  alle  torneiten  |  hatten.  Do  das  umrae  was,  do  czogen  901 
X  der  obgnanten  torneier  kein  den  lintwormen  unnd  X  by  der  sper- 
stangen,  unnd  dy  XX  hüben  alle  glich  an  zu  rinnen  mit  foller  macht 
ufl  eyn  mal  unde  stochen  zu  sammen  iglicher  uff  synen  gegaten15 
mit  scharfen  glenen  adder  glevelingen.  18  Als  balde  noch  deme  rethe 
czogen  sy  alle  glich  uss  ore  swerte  unnd  ranten  under  eynauder  unnd 
hiwen  sich  gliche  als  vor;  dar  noch  worden  sy  gescheiden,  dy  dar  zu 
geschicket  worn.  Dar  noch  reten  sie  alle  gliche  ye  czwene  unnd 
czwene  zu  den  berbergen  zu.  Uff  den  selbigen  tagk  was  es  sere  heiss 
unnd  warm,  das  sy  schere  ersticket  waren;  dy  czwene  forsten  reten 
zu  forne  unnd  dy  andern  en  noch  mit  trometen  unnd  packen,  unnd 
czogen  dy  helme  abe  unnd  rethen  heym  in  ore  herberge.  Do  slugk  das 
seyer  funffe.  Ufi  den  abent  noch  esssen  quomen  dy  forsten  mit  orer 
herschafft  uff  das  rothuss  unnd  tanezten  zu  den  wolflen.17  Dy  von 
erflort  hatten  eine  holczerne  brücken  adder  gangk  lossen  machen  von 
dem  rathuse  zu  den  wolffen  zu  einem  rathuse  fenster  uss  über  dy 
strosse  hen ,  das  noch  ny  gehört  noch  gewest  ist.  Do  sy  uss  ge 
tanezten,  do  gingen  s}'  von  den  wolffen  uff  das  rathuss,  do  hatten  dy 
forsten  evne  kostliche  credencz  losssen  bereiten  von  silbere,  unnd  alle 
getissse  über  guldet;  do  stunden  uffe  hundert  unnd  soben  stocke1* 
silbers,  ane  was  uff  den  tisschen  umme  her  stunt.  Do  was  eyne 
kostliche  collacie  bereitet  mit  mancherleige  confeckt  unnd  kosthehen  * 
winen.  Da  sosssen  dye  eldesten  von  dem  rothe  unnd  dy  frowen  unde 
dy  junckfrowen  umme  her,  unnd  dy  torsten  dy  gingen  umme  her  unnd 
schenckten  in  unde  denten  zu  tische,  unnd  hatten  dar  zu  eyne  grossse 

ia  Nebenform  von  „lanze"  ist  „glänz"  (s.  Dieffenbacli ,  novum  glossarium 
latino -germanicum,  1867,  s.  v.).  11  D.  h.  so  lange  man  den  Psalm  miserere 
mei,  dominc  (der  50.  d.  kath.  Kirche)  betete.       15  „gegate",  swm.,  =  „Genosse". 

Grundform  „glavie"  oder  „glevle",  daraus  entstand  „gleve",  kontrahiert  „gle", 
weiter  gebildet  „glen",  stf.,  ^=  „Lanze".  Von  „gleve"  ist  ,.gleveling"  Deminutiv- 
bildung, s.  St.  2tf  A.  1  u.  St.  204  A.2.  ,;  Das  Haus  „zu  grossen  Wolfen" 
(s.  Härtung  a.  a.  O.  S.XXXXIIl  No.  2551),  jetzt  Fischmarkt  No.  17 ,  lag  dem 
Rathaus  gegenüber;  von  ihm  ward  also  eine  hölzerne  Galerie  zum  Rathause 
hinüber,  zum  grossen  Rathaussaale,  über  die  Strasse  hinweg  gebaut.  18  „stocke'*, 
mundartlich,  —  „Stücke,  silberne  Stücke";  damit  ist  das  Tafelgeschirr  gemeint, 
besonders  die  Konfektträger,  Kühlgefiwsse  u.a. 


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522 


389.  Stück. 


Inst  unde  froude.  Item  den  andern  tagk  zu  nacht  aber  also.  Item 
uff  den  donnerstagk,  das  wass  der  dritte  dagk,  zu  czwolfen,  do  reten 
dy  czwene  forsten  uff  den  anger  mit  orer  herschafft  unnd  stochen 
mit  krön11'  unnd  ouch  scharff,  als  vor  was  in  dem  torney;  adder  dy 
wepener  umme  her  dy  blancken  worn  nicht  da,  ouch  wolden  das  dy 
forsten  nicht  haben;  sy  meinten,  es  were  nicht  nod,  sundern  dy  stad 
dyner  unnd  ander  bestaltnisse  was  follekomen  wol  bestalt  al  heimelichen. 
Das  werte  ouch,  das  das  seyer  funfe  slugk;  dar  noch  noch  esssen*0 
hatten  sy  aber  tancz,  als  vor,  unnd  das  rathuss  was  an  den  wenden 
alle  umme  her  wol  behenget  mit  feie  gülden  stucken  unnd  kostlichen 
geczirden.  Item  uff  den  fritagk  czogen  dy  forsten  kein  wimar,  unnd 
komen  uff  den  nesten  sonnabent  widder  keyn  erffort  unnd  brochten 
mit  sich  den  bisschoff  zu  mcydeborgk,21  oren  üblichen  bruder,  unnd 
dnr  zu  ore  swester  dy  konginge  von  dennemarcken,"  unnd  dy 
eptischen  von  quedelenborgk,28  ores  vater  swester;  dy  alle  bieben  zu 
erffort  biss  uff  den  nesten  suntagk.  Dar  noch  czogen  sy  alle  gliche 
keyn  ache,  do  danne  dy  fart  hene  was  das  selbige  jar,  ane  herczoge 
frederich  der  korforste,  der  bleib  zu  isenache. 

Item  do  sy  von  ache  komen,  do  komen  sy  wedder  kein  eiffort, 
das  wass  uff  sente  lorenczen  tagk,24  |  unde  logen  do  eynen  tagk  unnd 
czwo  nacht;  unnd  dy  czwene  abende  tanczten  sy  zu  den  wolffen  alle 
vor;  dar  noch  czogen  sy  kein  wymar. 

Item  an  dem  nesten  tage  noch  unser  frowen  tagk  worcze*5  wee, 
do  komen  dy  czwene  forsten  gebruder  wedder  kein  erffort  unnd 
hatten  do  eynen  schutczen  hofi26  biss  an  den  Vierden  tagk;  do  hatten 
dy  von  erffort  eyn  wal27  losssen  machen,  das  was  eyn  husschen  mit 
eynem  dache  unnd  knouffe  unnd  driete  sich  umme,  wy  man  wolde. 
Finis.   

389.  Wye  einer  sinen  vater  er  slugk. 

Anno  domini  M° CCCC°  XCVU0  an  unser  lieben  frowen  tagk  letczen 
adder  nativilatis  marie  virginis1  in  dem  dorft  witterde2  by  Tiffental, 

19  S.  St.  204  A.  3.  10  Mundartlich  für  mhd  „nachtenen"  =  „Abendessen". 
51  Der  oft  erwähnte  Ernat,  s.  zuletzt  St.  385  A.  12.  ?3r  Christine,  Gemahlin 
den  König»  Johann  von  Däueinark,  reg.  von  1481  —  1512.  "  Hedwig,  Äbtissin 
von  Quedlinburg,  1458-1511,  s.  St.  3-'3  A.  3.       **  Mittwoch  den  10.  Aug.  1496. 

Dienstag  d«>n  16.  August  1496.  ?,i  Schützenfest;  näheres  über  ein  solches 
».  St.  317  A.  1  fT.  "  Gemeint  ist  die  Sehiessmauer  (wal,  stu.,  —  Wall,  Ring- 
mauer) als  Zielftätto,  .»welche  vielfach  künstlerisch  geschmückt  war. ein  Holzbau 
n>it  Türmen  uud  Stockwerken,  mit  Triumphbogen,  'iVmpel  mit  Kuppel  türmchen, 
mit  Wappen  und  Figuren  verziert,  zu  oberst  ein  künstliches  Uhrwerk,  darauf  eine 
bewegliche  Figur"  (Götzinger,  Reallexikon  der  deutschen  Altertümer  s.  v.  Schützen- 
f«*t),  hier  also  ein  zugedecktes  Haus,  das  mit  einer  kleinen  drehbaren  Kuppel 
versehen  war. 

38».  1  Freitag  d.8  Septbr.  1497.  »  Witterda,  ehemals  eines  der  4  Main- 
ziachen  Küchendörfrr,  jetzt  preussisches  Dorf,  im  Landkreise  Erfurt;  ebenda  das 
Dorf  Tiefthal. 


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389.  Stück. 


523 


des  morgens  fru,  do  man  zu  der  metten  lutet,3  do  stunt  eynes 
mannes  hussfrawe  uß  unnd  gingk  zu  der  metten,  unnd  der  man  bleib 
legene  slofie.  Der  man  hatte  eynen  son,  der  hatte  eyn  wip  kume  eyn 
jar  gehatt,  der  was  ouch  in  des  vaters  hofe  gesesssen.  Do  der  horte, 
das  dye  muter  en  wegk  gingk,  do  stunt  her  uff  unnd  gingk  zu  synem 
lieblichen  vater  unde  fant  mit  synen  fusssen  under  wegen  eyne 
heigen,4  dy  nam  her  mit  sich  unnd  fant  synen  vater  sloffen  unnd 
slugk  on  eyns  mit  der  heigen.  Do  anxte5  der  vater  sere  unnd  was 
sere  ersrocken  unnd  leyte  sich  wedder  nidder.  Do  slugk  her  noch 
eyns,  do  hatte  hee  es  gnungk.  Do  warff  der  son  synen  vater  uss 
dem  bette  unnd  dy  treppen  en  nyder  in  das  buss,  als  man  solde 
dencke,  he  hette  sich  selbest  todt  gefallen.  |  Do  was  jammer  unnd  nod,  » 
do  dy  muter  quam.  Her  betten  gerne  in  den  keller  brocht  ussse 
wege,  hee  konde  nicht.  In  des  komen  dy  nackebur  zu  deme  handel, 
man  kondes  uff  nymandes  gedoncke,  man  fantd  das  warezeichen  an 
synen  henden  blud  unnd  syne  schuhe,  he  hatte  ouch  andere  kleidere 
an  ge  than,  das  man  das  blud  nicht  spore  solde.  Es  halff  nicht,  man 
murraeltos  ufl  on,  wanne  etliche  siner  nackebur  hatten  feie  mol  von 
ome  gehört,  her  hette  gesprochen,  her  wölde  synen  vater  er  sloe,  so 
worde  her  herre  über  das  gutd.  Man  hiss  on  flee  on  wegk;  he  wolde 
nicht  gehorche,  he  meynte,  man  soldes  nicht  uß  on  dencke.  Do 
quam  der  kuchemeister"  uss  unsers  hern  von  meneze  hoff*  mit  synem 
gesynde,  als  das  dorff  menezisch  ist,  unde  nam  den  vor  sich  unnd 
fragete  an  in  feie  stucken;  der  erschragk  unnd  wart  sere  vorferbet  an 
syner  gestalt.  Do  marckte  der  kuchemeister7  wol  en  by  unnd  Hess  on 
grife  unnd  fürte  on  keyn  erffort  unnd  Hess  on  vor  höre  in  der 
tomlicze.8  Do  bekannte  he  alle  dingk;  der  vater  were  ome  hart  ge 
west,  dy  muter  were  ome  weich  gewest,  unnd  hettes  gethon  umrae 
des  gutes  willen.  Item  an  dem  donnerstage  noch  sente  severs9  tage, 
do  furteman  den  selben  obelteter  von  erftort  kein  witterde  vor  den 
hofi  synes  vater,  do  wart  her  vor  orteilt  zu  deme  tode.   Dar  noch 

»  In  IIS  ausstrichen. 

8  S.  8t.  384  A.  10.  4  Er  Btiess  in  der  Dunkelheit  mit  dem  Fusse  an  eine 
Hacke  (mundartliche  Nebenform:  „beige").  *  „anxten'*  (mundartliche  Neben- 
form für  ,,angesten'')  —  „in  Angst  sein  oder  geraten",  in  Thüringen  noch  heute: 
„aufseufzen";  s.  Hertel.  Thüriug.  Sprachschatz  S.  60.,  der  auch  ähnliche  Bil- 
dungen nachweist  wie  ..krunken"  u.  „krunksen",  auch  „grunksen"  (a.  a.  O.  S.  149 
u.  110).  ,;  In  der  HS  hat  Nicolaus  Engelmann  (seit  1494  Küchenmeister  im 
crzbischöfl.  Mainzischen  Hof  zu  Erfurt  —  über  ihn  u.  s.  Werk:  „Sammlung  der 
Schriften,  deren  Kenntnis  zur  Beurteilung  der  Mainzer  Gerechtsame  in  Erfurt 
notwendig  erscheinen",  s.  b.  K.  Herrmann,  bibl.  Erf.  S.  194)  das  Wort  „kuchen- 
lneister"  in  „voidt"  korrigiert  und  am  Rand  bemerkt:  „uota  myns  gn.  hern  von 
Menntcz  voidt  zu  Erfforr.  ist  richter  in  den  Sachen  und  nit  ein  kuchenmeister." 
Staatsrechtlich  richtig;  auch  musste  es  ja  wohl  Engelmann  wissen,  da  er  im 
J.  1497  Küchenmeister  war  uud  also  selbst  die  Verhaftung  des  Vatermörders  in 
Witterda  hätte  vornehmen  müssen.  7  Ebenfalls  von  Engelmann  in  „voidt" 
verbessert.  8  Das  Erfurter  Stadtgefängnis,  oft  genannt  (z.B.  St.  209.349h 
9  26.  Oktbr.  1497. 


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I 


524  390.  Stück. 

fürte  on  der  heuger  vor  das  dorff,  do  hatte  er  eyne  sul  in  dy  erden 
•ms  ge  satczt ,  do  baut  her  on  an ,  biss  so  lange,  |  das  czwene  grosse  secke 
mit  koln  gluwene 10  worden  in  eyner  gruben ;  do  lagen  czangen  in 
dem  ture;  do  dy  glune  worden,  do  czoch  der  henger  den  uss  syno 
kleider  unnd  ruphte  den  mit  den  glunen*  czangen  syne  fusse  oben 
unnd  unden,  dy  waden,  an  den  beynen,  den  ars  backen,  dy  arme, 
syne  syten,  buch,  rucke  unnd  allen  enden.  He  was  gancz  geduldigk  unnd 
sprach,  her  hettes  wol  vordent,  ho  Woldes  gerne  liden,  he  wolde  euch 
sterbe  als  eyn  recht  fromer  Christen  mensche.  Dar  noch  nam  on  der 
henger  von  der  sul  unnd  bant  on  uff  evn  bret  adder  boss  tisch11  ufl 
synen  rucke  unnd  sneyt  ome  syn  gemechte  gancz  uss  unnd  abe 
unnd  warff  das  in  eyne  gruben.  Dar  noch  sneyt  der  henger  czwisschen 
synen  brüsten  in  unde  ummer  nedder  hen  zu  deme  nabel,  zu  den 
buch  reine  uff,  das  das  goderme  alles  mittenander  er  uss  fei,  unnd 
nam  das  unnd  warff  das  ouch  in  dy  gruben  zu  dem  gemechte.  Dar 
noch  hiw  her  om  deu  koph  abe  mit  eyner  harten  und  nagelte  das  uff 
dy  sul  unnd  hiw  unnd  sneid  dar  noch  on  an  vier  tirteil  unnd  dy  vier 
fertel12  an  vier  sule  an  vier  orte  des  dorffes.  Also  hatte  syn  ende. 
Got  behüte  alle  fromen  vor  eyuem  solchen  smelichen  tode ! b 


390. 

305  1502  Anno  domini  MVC  secundo  penultima  die  octobris,  que  fuit  dies 
dominica  etc.  circa  terciam  horam  post  prandium,  do  kam  gereten  eyn 
kardinal,  remundus1  genant,  zcu  sant  johans  thore  in,  eyn  kardinal 

"  BH:  grünen  (k  Ut  corrijrfert,  d.  h.  mit  einem  b-*rtijfcn  Anstrich  voraoben).       b  Die  Selten 
303  T,  »04  und  »04*  *lnd  Iii  dor  HS  unbapcbriobeii. 

10  Mhd  „glüejen,  glüewen,  glfien"  =  md  „gluwen"  u.  kontrahiert  „glun  = 
„glühen"  (intrans.i.  1  He  Hinrichtung  geschah  also  mit  ausgesuchter  Grausamkeit : 
nach  dem  Zwicken  mit  glühenden  Zangen  folgte  die  Entmannung,  dann  das 
Fleischschneiden  aus  der  Brust ,  das  Ausdärmen ,  endlich  das  Enthaupten  und 
Vierteilen.  11  „Bosstisch"  ist  sonst  nicht  nachweisbar.  Eine  analoge 
Bildung  haben  wir  nur  in  dem  Erfurter  Worte:  „Bosse -Wage",  Name  der 
griVsstcn  Wage  in  der  Erfurter  „Wage"  (d.h.  Kaufwarenniederlage);  auf  dieser 
Wage  mussten  die  Waren  über  10  Centner  gewogen  werden,  b.  Erfurter  Stadt- 
archiv, Kopialbüeher,  No.  8  fol.  22lv;  —  A.  Kirch  hoff .  Die  ältesten  Weistömer 
der  Stadt  Erfurt,  S.  82;  hier  hat  also  der  Wortteil  „boss"  bloss  die  allgemeine 
Bedeutung  „gross,  grob"  (s.  potschu  8t.  45  A.  4  u.  bÖ3e  St.  104  A.  3),  und  danach 
wäre  ein  „Bosnisch"  ein  grosser,  rohgezimmerter  Tisch.  Doch  können  wir  „boss" 
auch  mit  uihd  „Iv^cu".  „schlagen,  klopfen"  zusammenbringen  (von  demselben 
Stamme  findet  sich  auch  „biu3en",  stv.,  „schlagen,  stossen,'  und  „bilden",  swv„ 
„bauen,  behauen");  danach  wäre  „Bosstisch"  ein  Tisch,  auf  welchem  geschlagen 
oder  geklopft  wurde,  also  hier  eine  Art  Folter-  oder  Henkertisch.  11  Stolle 
hat  wohl  vergeben  zu  schreilwu:  „nagelte  er". 

390.  1  Die  s»>hr  nachlässige  und  kaum  leserliche  Schrift  in  der  HS,  sowie 
die  Uufertigkeit  der  sachlichen  Behandlung  und  de«  sprachlichen  Ausdruckes 
(Satzbau,  Flexion  der  einzelnen  Wörter,  Orthographie)  zeigen,  dass  Stolle  diesen 
Schills*  seines  Werkes  hingesehrieben  hat,  ohne  das  Einzelne  sorgsam  zu  erwägen 
oder  es  noch  einmal  zu  prüfen.     Im  übrigen  s.  H.  Beyer,  kurze  Geschiente 


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390.  Stück. 


525 


von  dem  bobiste  allexander2  geschigk,  eyn  legate  do  latere  pape  mit 
dem  gülden  jare  zcu  notcz  unnd  fromen  den  meynschen  unnd  seli- 
keyt  der  sele.  Zcu  der  czit  schigkten  sich  dy  geistlicheit  mit  den 
wertlichen  dem  gnanten  kardinal  eir  unnd  lob  zcu  erczeyen,  ora  ent- 
keyn  gegangen  unnd  ön  zcu  entphaende.  Zcum  ersten  rector  uni- 
versitatis3  raagister  horbesteyn  mit  doctoribus,  magistris,  baculariis» 
unnd  studentibus  mit  grossser  sammenunge  in  processione,4  darnach 
religiösen,  dy  mergenknechte,  dor  noch  dy  augustiner,  dor  noch  dy  bar- 
fussen,  dor  noch  dy  prediger,  dor  noch  dy  peterer,  dor  noch  dy  schuler, 
dor  noch  dy  czwey  cappittel,  canoniken,  vicariien,  dor  noch  der  apt  czun 
schotten,5  der  apt  zcu  sente  peter6  unnd  der  wybisshoff  er  jobannes 
lasfe7  in  oren  inflen  en  keyn  gegangen  denen  gnanten  kardinal  vor 
sente  johans  thor,  alle  in  processionibus,  unnd  der  rad  zcu  erffort 
hatten  ön  geholt  unnd  geleyten  ön  zcu  ersten  thore  yn  biss  uff  mittel- 
teyl  czwosssen  czweyn  thorn,  do  steyg  er  von  synen  pferde  uff  eyn 
bangk,b  do  worn  dry  kosssen  uffe,  von  der  bangkc  uff  dy  erde,  do 
worn  ouch  vier  kosssen  geleyt.  Do  knitte  der  kardinal  nedder  uff  den 
kosssen  mit  blosssem  lioitte;*  do  vor  stunden  der  apt  zcu  den  schotten, 
der  apt  zcu  sente  peter,  dy  wiebisshof  mit  ören  inflan  unnd  entplosten 
sich  ore  inflan  alle  dry;  unnd  der  bisshoff  knitte  vor  den  kardinal  uff 
dy  kosssen  unnd  neygete  sich  keyn  dem  kardinal  mit  eynem  silbern 
grosssen  cruce;  do  neygete  sich  der  kardinal  zcu  dem  cruce  unnd  koste 
es  unnd  stunt  widder  uff,  unnd  syne  dyner  höhten  |  öm  widder  uff  sy  ▼ 
phert.  Do  gingk  dy  procession  mit  gesange  vor  öm  in  dy  stad,  unnd 
er  gab  dy  geben edigung 10  obber  dasd  volgk  dy  johanss11  gassse  enufl, 
obber  den  anger,  by  sente  vit,  obber  dy  langebrucke  vor  dy  greten, 
by  deme  fulloche  en  an  biss  vor  unser  lieben  [frouwen]e  kirchen.  Do 

•  HS:  bacnlaiia.      b  HS:  bargk.       *  HS:  barngk.       «*•  HS;  ^       e  PlAU  to  |I8 

der  Stiftskirche  B.  Maria«  V.,  MOE  VI,  S.  154  u.  198.  Et.  ist  derselbe  Kardinal, 
welcher  achon  i.  J.  1488  in  Erfurt  war,  s.  St.  841  A.  1:  .Kaymund,  päpstlicher 
Nuntius,  Kardinal  von  Gurk.  *  Papst  Alexander  VI.,  1492—1503.  3  Im 
Wintersemester  1502  — 1503  war  Rektor  Johannes  Gans ,  arcium  liberalium 
magister,  ecclesiaadce  literature  licentiatu* ,  8.  Weissenborn,  Akten  der  Uni- 
versität Erfurt,  II,  1884,  S  226.  4  Die  Erklärungen  bei  den  2  grossen 
Prozessionen  i.  d.  J.  1482  n.  1483  —  St.  335  n.  384  —  geben  den  nötigen  Auf- 
schlug auch  hier.  In  tiner  (im  Privatbesitz,  im  Antiquariat  von  L.  Rosen  - 
thal  in  München  befindlichen)  Urkunde  vom  3.  Juni  1499  heisst  er:  Nicolaus, 
Abt  des  Schotten  klostera,  Konservator  der  Rechte  und  Güter  der  Universität 
Erfurt  n  Johann  Hottenbach  von  Siegen  (1501-1525),  s.  Böckner,  Petere- 
kloster,  MGE  X,  S.  65—67.  1  S.  St.  365  A.  3.  8  „kossen",  mundartlich, 
—  mhd  „küssen",  ntn.,  „Kiesen".  "  Eine  der  vielen  mundartlichen  Formeu 
für  mhd  „houbet",  „Haupt",  s.  Brandis  a.  a.  O.  II,  S.  4.  Mundartliches 
Substantivum  vom  Vb.  gebenedlen  „segnen4*,  also  der  priesterliche  „Segen'4. 
11  Der  Kardinal  ritt  also  durch  da»  Johannesthor  ein,  die  Jobannesstrasse  ent- 
lang, dann  über  den  Anger  und  die  Regierungsatrasse  an  der  St.  Vitikirche  (jetzt 
Gasthof  zum  rheinischen  Hof)  vorüber,  die  Langebrücke  vor  die  Domstufen, 
dann  am  Faulloch  (auch  Fallloch  genannt,  jetzt  Friedrich  Wilhelm-Platz)  vorüber 
nach  dem  Dom. 


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1 


526  390.  Stück. 

sas  er  abe  unnd  giogk  in  dy  kirchen ;  do  sangk  man  tedeum.  In  der 
procession  unnd  inholunge  do  war  gebrant  vel  fass12  öm  zeu  ere, 
nenilieb  eyn  fass  vor  sant  gehanss  thore,  item  IX  fass  in  sente  johanss 
gasssen,  item  XIV  fass  obber  den  anger,  item  II  fass  by  sente  vit, 
item  in  fass  vor  den  greten,  item  II  fass  ober  deme  fulloche,  item 
II  fass  ufl  sente  petersberge,  item  III  fass  uff  sente  peterssberge  post 
quintam  boram  uff  sente  petersberge.  Mit  solchen  solemniteten  hat 
man  uffgenomen,  ingefurt  unnd  zcu  herberge  brocht  uff  sente  petersbergk. 

Item  uff  allerheyligen  tag  kam*  er  gereten  zcu  unsser  lieben 
frouwen  kirchen  czwosssen  achten  unnd  nun  uuud  gingk  in  dy  kirchen 
unnd  vorbrachte  daz  [sie]  sei  best  dasb  amt  der  heyligen  messse.  Zcu  der 
messe  ministriten  öme  der  bisshoff,  dy  czwene  apte,  der  thechant,  schul- 
meyster,c  13  als  das*  acht  prelaten  unnd  thumhern  öm  ministriten  zcu 
der  messe.  Dar  noch  noch  der  messe  gingk  er  zcu  der  thor  uff  dy 
kaffeten,14,  get  an  dy  ecke  der  kaffeten;  do  worn  tuchere  geleyt  uff  dy 
steine.  Do  gingen  mit  5m  dy  epte,  der  bisshof  mit  andern  prelaten. 
Do  trat  er  an  dy  ecken  unnd  gab  dy  gebenedigunge  obber  das*  volg; 
unnd  dy  kafleten  was'  vor  slagen  unnd  vorneylt  mit  bretern,  das* 

nimant  künde  enuff  kome;  unnd  h  unde  nidder  kaffeten  was'  eyn 

gross  seyl  geezogen  mittene  vor  den  greten  biss  obber  den  kolmargkt.15 
Do  wask  der  platcz  vor  den  greten,  dy  stuffen  uff  unnd  czwosssen 
beyden  kirchen  gedranglichen  gross  vel  volkess,  das1  empfing  dy  geben- 
digunge.    Unnd  das»  nam  ende  zcu  XI  hören. 

•  HS:  kon.  •»  HS:  dat.  *  HS:  achulmeUl«..  *  H8:  da«.  •  HS:  dax.  f  HS:  wai. 
K  HS:  da«.  *  In  der  HS  fehlt  wohl:  obber.  >  HS:  wir  k  HS:  wat.  1  HS:  da« 
■  H8.  dat. 

"  Weihrauch  in  Räucherfässero.  13  Der  Schulmeister  fgcholaaticu«)  gehörte 
zu  den  Prälaten  des  Domes,  er  war  Vorsteher  der  Domachule,  ».  St.  335  A.  5. 
14  S.  St.  3'20  A.  ö.  16  Der  Kohlenmarkt  war  der  zwischen  dem  Karthäuserufer 
und  der  Löberstraaae  gelegene  Teil  der  Karthäuseralrasse ,  8.  v.  Tettau,  Topo- 
graphie, MOE  XII,  S.  51. 


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f 


Nachtrage  und  Berichtigungen. 


T.  Nachträge. 

•  Während  des  vom  Januar  bis  Mitte  August  1900  währenden  Druckes  des 

Texte«  und  der  Anmerkungen  sind  einzelne  wichtige  Werke  ungefangen  oder 
fortgesetzt  worden,  andere  Abhandlungen  neu  erschienen,  die  nur  zum 
Teil  benutzt  werden  konnten  und  daher  an  folgenden  Stellen  nachzu- 
tragen sind: 

1)  C.Beyer,  Geschichte  der  Stadt  Erfurt:  Zu  St.  65  S.  95  ff ;  von  St.  188 

S.  129ff.;  St.  198  bis  215  S.  175  -181;  zu  den  Jahren  1459  bis  un- 
gefähr 1500  (St.  198—201,204—215,  221-228.  226—258)  für  die 
geschichtliche  Entwicklung  Erfurts  S.  194  ff.,  für  die  kulturgeschicht- 
lichen Teile  S.  217  ff. 

2)  Bernhardt,  Vom  Tannhäuser  und  dem  Sängerkrieg  auf  der  Wart- 

burg JAE  N.  F  XXVI,  8.  105ff.  zu  St.  88  A.  7. 

3)  Liebe,  Die  Juden  im  Mittelalter,  JAE,  N.  F.  XXVI,  S  115  bis  123 

zu  St.  130. 13Ü.  138  (zu  St.  193  A.  bereits  citiert). 

4)  Max  Georg  Schmidt,  Die  Siedelungen  nn  der  Hainleite,  Schmücke- 

Schrecke  und  Finne,  Mitteilungen  des  Verein«  für  Erdkunde  in 
Hailea.  8. 1900,  S.  22 ff.  (erwähnt  St. 209  A. 3);  es  finden  sich  Bemer- 
kungen über  folgende  von  Stolle  erwähnten  Orte:  Sachsenburg,  die 
Sachsenburgen  und  die  Sachsenburger  Pforte  (S.  23.  25.  26.  27.  43 
44. 45.  46. 48  f.),  das  Geschling  bei  SondershauseD  und  die  Frauen-  wie 
Jechaburg,  auch  das  Dorf  Bebra  (S.  23.  24.  25.  26.  29.  43.  45),  über 
Harras  (S.  29.  33 f.  36.  44.  45.  46  f.), .Heldrungen  (Schlossheld rungen, 
S.  34.  36.  38.  39.  40.  47),  Eckartsberga  und  die  Eckartsburg  (S.  23. 
44.  45.  46.  48  52),  Wiehe  (S.  27.  34.  36.  41.  49),  Burg  Rabiuswalde 
(S.  31.  45.  46.  49),  Hardisleben  (S.  30.  37  .  44.  45)  und  Rastenberg 
(S.  31.  87.  44.  45). 

Ferner  ist  zu  St.  9  A.  1  zur  Sache  noch  die  Überlieferung  bei  Sueton, 
vita  Tiberii  cap.  42  und  Plinius,  Hist.  natur.  XIV,  22,  145  zu  ver- 
gleichen. 

Zu  St.  83  A.  1  sei  bezüglich  der  Glaubwürdigkeit  der  vita  Ludovici 
noch  einmal  auf  Werneburg  MGE  VIII  S.  62-68  hingewiesen. 


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r,2s 


Nachträge  und  Berichtigungen. 


IL  Berichtigungen  und  Druckfehler. 

Es  «iud  nachzutragen  die  Zahlen  der  Stücke  vor.  Anmerkung  1 
je  auf  S.  37  (1),  S.  43  (2),  8.  44  (3),  S.  45  (4u.S),  S.  46  (6),  S.  47  «7) 
und  S.  48  (8). 

Verschoben  haben  sich  die  Anfangsbuchataben  der  Seiten:  S.  53,  ZI.  21 
u.  22,  S.  56,  ZI.  23  u.  24,  S.  407  ZI.  4  u.  5. 

Druckfehler: 

S.  47  letzte  ZI.  lies  Ann..  2  für  3. 
S.  68  ZL  18  lies  an  '\ 

S.  89  ZI.  17  lies  ingeaeger*  und  ZI.  24  houbte« 

S.  90  ZI.  25  lies  Kot. 

S.  145  ZI.  2  v.  u.  (Text)  he«  wolde  de. 

S.  212  ZI.  5  v.  u.  (Anm.)  lie«  St.  154  A.  3. 

S.  236  ZI.  9  lies  steten 

S.  277  ZI.  5  v.  u.  (Text)  lies  bichtvaler. 

S.  825  ZI.  2  v  n.  lies  St.  226  A.  9.  a  E. 

S.  391  ZI.  5  v.  ii.  (Text)  lies  nomen  die 


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Register. 


I.  Orts-  und  Personenregister. 


A. 

appelstete  (appfclstete)  Apfelstädt  (Dorf) 
2&L 

apotcz    Apitz,    Sohn    des  Landgrafen 

Albrecht        125.  L7JL  LTL 
apolde  Apolda  l£fL22fL 
abraham  Abraham  40. 
apnlicn  Apulien  H5.  104. 
ache  (oche)  Aachen  IL  2üß.  2fi2. 21fL  315. 

320.331.353.522. 
aconensis  civitas  (ackon)  Stadt  Akkon 

2S7.  290. 
adarn  Adam  44-  45. 
attersleuben  Attersleben  19fi 
attrabatensis,  apt  Apt  v.  Ar  ras  270.  291. 
adelbertus.  eptscopus  maguntinu*  Erz- 

bischof  Adalbert  L  v.  Mainz  286. 
atella  Atella  48. 

adolflf  Adolf  von  Nassau,  deutscher  König 
17JL122, 

adolfus  de  nassau  Adolf  von  Nassau, 
Erzbischof  v.  Mainz  S2L  353.  394. 
395. 

adrianus  Hadrian  IV.,  Papst  Z& 

afTrica  Afrika  3JL  105. 

avingona  Avignon  478. 

agnes  Agnes,  Schwester  des  Landgrafen 

Ludwig  IV.  v.  Thüringen  143. 
agncs,  marchionissa  miscie  Agnes,  Mark- 

grafiu  v.  Meissen  4  ZTL 
aylsburg  Ayls  bürg  176. 
aiapien  Aleppo  28. 
albanus  Albanus  53. 
albanus  (sente,  in  Mainz)  Albanus  122, 
alherheym  Albcrhoyro  104, 
albrecbt  Albrecht  v.  Osterreich  (späterer 

römischer  Kaiser)  177.179. 181. 182. 
albrecht   Markgraf,   Kurfürst  Albrecbt 

(Achilles)  v.  Brandenburg  2fiL  325.  335. 

338.  340.  34L  34A  34L  350.  35L 
albrecht    Albrecht,   Herzog   v.  Braun- 
schweig 1Ü3.  HLL  1£5. 
albrecht  von  landisborg  Markgraf  Albrecht 

v.  Landsberg  L2JL 

X.  StoUeaMetnorlale. 


albrecht  Albert,  Markscraf  v.  Röthen- 
Anhalt  1SL  188. 

albrecht  Albrecht  der  Unartige,  Land- 
graf v.  Thüringen  (Sohn  Heinrich  des 
Erlauchten)  1B4  lf>8  175,  17fi  177  178 
179. 180. 18fi.  IBS. 

albrecht,  herezog  von  Sachsen,  lantgraf 
in  doringen.  maregrave  zu  missen  (Al- 
brecht der  Beherzte)  340.  34iL  341. 
350.  35L3_2ß  4S5.50JL  üÜiLölü. 

albrecht,  herrzoge  von  missen,  thumherro 
czu  mencz ,  Albrecht ,  Herzog  von 
Sachsen,  Domherr  zu  Mainz,  Provisor 
auf  dem  Eichsfelde  und  im  Mainzerhof 
zu  Erfurt,  Administrator  des  Erzbis- 
tums Mainz  SÖJL  39JZ.  4ß2_.  4SI  482.. 
494  504. 

alkersleuben  Alkersleben  198. 

aldenberge  Altenbergen,  Dorf  bei  Friedrich- 
roda 85.  86.  117.118  472. 

aldenborg  Altenburg  182.  188.  232. 

aldenborg  Altenberg,  Grafschaft  Borg  (in 
Westdeutschland)  342,  343. 

aldendorf  Allendbrf  165. 

aldenguttern  Altengottern  213, 

alemannia  Deutschland  475  477.  480 

alexander  Alexander  (Horodcs)  44. 45.  59. 

alheit  (albeid,  alheyt,  alheyd)  Adelheid  (Ge- 
mahlin Ludwig  des  Springers)  193  124. 

alheyd  Adelheid  (Tochter  des  Landgrafen 
Ludwig  I.,  Äbtissin  des  Nikolaiklosters 
zu  Eisenach)  127. 

albeidt  Adelheid  (Gemahlin  Kaiser  Otto  L 
bzhsw.  dessen  Mutter)  7JL 

alich  Alach  (Dorf  bei  Erfurt)  412.  41ß* 

allenblnmen,  johan  Johann  v.  Alten- 
bunnen 268.  271.  274. 

allenblumen,  wilhelm  Wilhelm  v.  Alien- 
blumen 271.  272.  399.453. 

allcxander  Alexander  der  Grosse  42.  312. 
313  368. 

allcxander  Papst  Aloxander  VI.  525. 
ainpirus  (Epirus?)  4L 
ameliensis  (Cardinal)  v.  Araclia  427. 
aminelborgk  Ammeiburg  473. 

34 


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Register. 


ammorbach  Ammerbach  2-11. 
amorbach  Amorbach  495. 
ananensis  (episcopus)  (Bischof  v.)  Anagni 
429. 

anast&dus   Anastasius  II.,  oströmischer 

Kaiser  112. 
an  darnach  (andirnach)  Andernach  345. 346. 
antonor  Antenor  4L 
andessleul>en  Andisleben,  Dorf  bei  Erfurt 

18:1 

antiochien  Antiochia  101. 

antonius,  monachus  Antonius,  (Gründer 

der  Mönchsklöster)  288. 
andreas  von  butlar  Andreas  von  Buteler  206. 
andreas  Andreas,  König  v.  Ungarn  137. 
andreas,  sanetus  der  hl.  Andreas  20  1 . 

292.  854. 

andreas,  arebiepiscopus  craynensis  An- 
dreas Zamomctie\  Erzbischof  v.  Krain 
(423— )432. 

anehalt,  Graf  Heinrich  v.  Anhalt  1*U. 

angeli,  saneti,  pons  ponte  s.  Angelo  (in 
Rom)  42Ü 

angermunde  Angermflnde  379. 

aquitania  Aquitanien  289. 

aquilegensis  (Cardinal  v.)  Aquileja  427. 

aquyleycn  Aquileja  104. 

arberg,  grave  von  Graf  v.  Arberg  345.  H46. 

archelaus  Archelaus  45.48. 

artem  Artern  296. 

arthus  König  Artus  5_L 

arclatensis  (Cardinal)  v.  Arelat  427. 

aristobulu8  Aristobulus  44. 

armeneyen  Armonia  HÜ 

arnsberg,  ulrich  von  Ulrich  v.  Arnsberg  277. 

arnstete  Arnstadt  121L  196.  i;i7  2*i8 
28iL  aiL  32S.       47i  ili 

arnsshow  Grafin  Elisabeth  von  Arnshaugk 
178,  (Adelheid  genannt)  180. 18*. 

arnsshowo  Gräfin  Elisabeth  (Else)  die 
jüngere  von  Arnshaugk  178. 

arragon  Arragonien:  König  Peter  L  von 
Arra^onien  162. 

asia  Asien  32» 

asschersleuben  Ascherslelwn  237.  386. 
assissii  civitatis  Assissi  290. 
augustinus  Augustin  105.  286. 
augustus  Augustus  (Kaiser)  113. 
auspurgk  Augsburg  32 1 . 

B,  P. 

babilonien  (babilonia,  babilonic)  40.  171. 
287.428  431. 

pactensis  (Cardinal  v.)  Patti  (?)  422. 
paey  (pacii,  pecü,  peezii,  peezil  Pazzi 
Ü8Ü  m  303. 
jaeoff  Jacopo  dei  Pazzi   389_  390. 
32L322. 


jeronimus  Hieronymus  dei  Pazzi  390. 
892.  m 

franciscus  Francesco  dei  Pazzi  391. 
ratica  Ratica  dei  Pazzi  393. 
antonio  (2]  Antonio  dei  Pazzi  393 
wilhelmus  Guglielmo  dei  Pazzi  393. 
pallHini  Paderborn  101. 
haltasar  Balthasar,  Landgraf  v.  Thüringen 
191.  200.  204.  208.  210.  212.  21::.  -'I  I 
21.*».  217.  21*.  22' >.  221.  t7>. 
I>al<  lewin  (Italdowinus)  Balduin,  Erzbischof 
von  Trier,  Administrator  des  Erzbiv 
tums  Mainz  Uli-  LOA  10JL  424. 
j)alla=pallai  Kugel)  VV  appenruf  der  Mediri 

in  Florenz  3SL  392, 
bamberg  (babenberg,  bobenberg)  Batuberj* 
OL  32.  94.  1ÜL  HM.  im  LLL  UhL  2ÜL 
20JL  254.  2Üfi.  332.  318,  428. 
panyas  Panyas  98. 

barbessen   Kloster    Barfüssorklostcr  in 

Weimar  278. 
parisiensis  parisisch  432. 
bariss  Baris»  38. 

barowc,  bans  von  Johann  v.  Barau  27A 
basil  (basilea)  Basel  354.  3Ml  ML  HL 
432. 

paulus  eremite  Paulus,  der  Eremit  j£\ 

paulus  (Apostel)  280_ 

paulus  Papst  Paul  II.  427. 

bebara  (bebra)  Bebra  (bei  Sondershausen 

121.  263. 
hechstete  Bechstedtwagt  134. 
peter  (sente)  Peterskirche  in  Rom  111 
peters  monster  Peterskirche  in  Rom  Ii 
bethlabem  Bethlehem  44. 
petrus  <sente)  Petrus  (Apostel)  114.  28* 

426. 

petrus  Petrus  (Cardinal)  42L 
pegow  Pegau  265. 

beheme,  hans  Hans  Böhm  ML  38L  382. 
383. 

liohemen  (behmen,  beemen,  bemen,  Bo- 
hemi,  Bohcmia)  (Land  und  Volk)  IL 
7A,  125.  122.  164.  ISL  202.  212,  212. 
22J1  222.  232.  230.  218.  210.  2.~>ü.  25L 
252.  253.  254.  252.  258.  262.  265.  2M. 
2iiLm2I8^m28Ä20jl2^L31iL 
329.  335.  H39.  349.  425.  479.  48Q,  SM. 

beyern  Bayern  (auch  Herzöge  v.  Bayern1! 
65.  2Ü.24.  165. 18L.  1ÄL  205. 222.  3L1 
503. 

beyern  (?)  Bcarn,  König  v.  Bayern,  Gaston 

(Vicgraf  v.  Bearn)  162. 
bei  Bei  4k 
polla  Pella  56. 

l»emer  wald  Böhtnerwald  22L 
bemesch  (bemisch)  böhmisch  56.  80. 123 

120.210.  257.265.  268. 
beonas  Bcauvais  (Stadt)  3C4. 


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I.  Ort«-  und  Personenregister. 


531 


bondeleuben ,    Bondelcben:    Egebolf  v. 

Bendeleben,  Bertha  v.  Brmdelel>en  137. 
benedictus  Benedikt  124.  288.  282. 
l)crcka  Berka  a.  d.  Ilm  249. 
berkow,  henning  von  Henning  von  Bcr- 

kau  27_L 
hertolt  Berthold  38. 

l>ertoldus  von  hennenbergk  Berthold, 
Graf  v.  Henneberg,  Dechant  zu  Mainz, 
dann  Krzbischof  452.  453.  467.  48JL 424, 

berg  Grafschaft  Berg  350. 

borgkstrasse  Bergstrasse  395. 

beringen  (grossenberingen,  osterberingen, 
wol  ff  beringen)  Grossenberingen,  Oster- 
beringen, \Volfl>eringen  122. 

herlestctte(Herr  Ludolf  von)  Berlestcdt  15JL 

berlinsch  berlinisch  379. 

Iiern  Bern  (i.  d.  Schweiz)  354.  355. 

berne  Verona  62. 

berneborg  Bernburg  25. 

berneborg  (bernbiu*gk)  (Graf  von)  Ru- 
precht III.  von  Virneburg  12L  122. 

l>ernger  de  schidingen  Beringer  v.  Schei- 
dungen 473. 

bernbart  von  kochelierjr  Bernhard  v.  Koch- 
l>erg  (Kirchberg?)  232. 

jKjrsien  Persien  112. 

perusina  civitas  Perugia  476. 

peruss  Perugia  101.  104. 1 53. 

pfalcz  Pfalz  (kurfiirst  v.  d.)  313.334.  340. 

pforten  Schulpforta  128.  265, 26L  224. 

Philippus  Philippus  50, 

pyppin  (pippin)  Pippin  71.  113.  1 14. 

pickardien  die  Picarden  (Bewohner  der 
Picardie)  3JlfL       345.  MfL  ML  3Ü5. 

pickardie  Picardie  338. 

bichelingen  (Grafen  von)  Beichlingen  6iL 
108.  121  132,  IM.  220.  235.  23L  232, 
244.  474. 

pyla  Pyla  5L 

pylatus  Pilatus  43. 50. 5L  52,  5JL  54.  55, 
bilerne  Bilerne  104. 

binterssleulwn   Bindersleben,   Dorf  bei 

Erfurt  503. 
hingen  Bingen  123.413, 
pirna  Pirna  217. 
pisa  Pisa  390. 391. 

bisschofesleuben    Bischleben,    Dorf  liei 

Erfurt  455. 4fiL 
pius  II.  papa  —  Papst  Pius  II.  22LJ24, 426, 
blamunt  Blumont  368. 
blanckcnhain  Blankenhain  L  Th.  (auch 

Herron  v.  Blankenhain)  108. 194.225. 

230.  245.  262.  263.  204.  416.  424.  &03. 

504.505. 

plawo  Plaue  (Stadt  L  Fürstentum  Schwarz- 

burg-Sondersh.)  420. 
plawe  Heinrich  XII.  Rcuss  von  Plauen  191 
plawe :  russe  von  plawe  Keuss  von  Plauen  202. 


Plettenberg,  hunolt  Hunold  von  Pletten- 
berg 2TL 

plyssen  (terra  plisnensis)  Pleissenland  182. 
187. 191.473. 

bloeseleiben  Biossieiben  472. 

blumenberg  Blomberg  251. 

poppenhaym,  acharius  Acharius  von 
Pappenheim  277. 

bottelstete  Buttelstedt  108. 12L  124. 242, 
200.  320.414. 

bodenhusen,  bode  von  Bodo  v.  Boden- 
hausen 277. 

bodensteyn  Bodenstein  2! 

boymenl)org  (boyraelborgk)  Boimeneburg 
41. 476. 

boleslaviensis.  Adj.  von  Altbunzlau  281. 
poln  (polonia)  Polen  80. 145.322.  330.  339. 

379.  425.  430. 462. 
bomberg,  jorge  von  Georg  von  Bamberg 

268. 

poncien  Pontien  5 1 .  52. 

bonyt,  grave  von  Bonyt  (?)  356. 

bomfacius  Bonifatius,  Apostel  der  Deut- 
schen 7j,  77.  III.  112.  113.  114.  115. 
116.117.206. 

bononiensis   (Cardinal  v.)  Bologna  42L 

bonow,  heinrich  von  scolen  Heinrich  von 
Bonow  zu  Schkölen  277. 

portigallia  Portugal  425 

borgtunna  Burgtonna  252. 

borgow  Burgau  24L  262, 

bosse  (Vorname)  Busso  233. 

bosslaus  Boleslaw  I.,  Herzog  v.  Böhmen  75. 

braband  (probant,  brobant,  brabancia) 
Brabant  144. 163. 164. 445. 45L  428. 

Eragensis  (adj.)  von  Prag  28L  284. 
rampach  Brambach  263. 
brandenberg  Graf  Borghart  v.  Branden- 
berg 1 51 . 

brandenborg  (brandenberg)  Markgrafen 
v.  Brandenburg  63.  123.236,243.244. 
24L  249.  254, 255, 252. 26!  26L  32L 

brandenborgk  Brandenburg  a.  Werra  478. 

brandenfelss  Branden  felö  1<>2.  '^06. 213. 

1  »reger  Pragor  (Einwohner  von  Prag)  257. 

breytenherde  Breitenheerda  196. 

bremen  Bremen  1ÜL  154.  350.  351.  353. 
476. 

bremsch  Bremisch,  Bremer  350. 
brenser,  peter  Peter  Brenser  278. 
presburg  Pressburg  132, 
bressla  Breslau  322,  322. 
britanien  Britannien  4L  204. 
brysach  Breisach  366. 
protasius  Protasius  79. 
progc  (präge,  praga)  218.227.228  480. 
brox  Brüx  (Stadt  in  Böhmen)  252. 
brutena  in  k  riehen  Brutena  in  Griechen- 
land (?)  12L 

34* 


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532 


Register. 


prumheym,  dammo  von  Dammo  v.  Prum- 
heym 495. 

brun,  bans  Hans  Bmn  (Bürger  v. 
Weimar,  Küchenmeister)  278. 

brun,  hans  Jobann  Brun  (Bürger  v.  NonI- 
hausen) 278. 

brunnenfelss  Brunnenfels  8L 

hrunsswig  (auch  Herzöge  von  Br.)  Brann- 
schweig 59.  76.  180.  243. S2L  342. 452. 
4,r)8  475. 

brunswigk  Albreclit  II.  Herzog  v.  Braun- 
schweig-Salza  (Salzderhelden).  203.  204. 

prusscn  Preusson  42.  58.  168. 

bruwerterode  Brotterode  1 1*. 

bucheler,  hans  Hans  Bucheler  (Rinw.  v. 
Florenz)  224. 

buchen  Buchonia  24.  25.  145,  203.  208. 
210. 219. 

budewitcz  (bodissa)  Bautzen  2ßiL  323. 
butstete  Büttstedt  263. 264. 
bnlczingissleuben    (Rudolf  v.)  BiJzings 

leben  152. 
bunne  Bonn  107. 311. 
bunnensis  (praepositus)  von  Bonn  (Propst) 

473. 

bimow,  heinrich  von,  zu  droczk  Hein- 
rieb von  Bunow  zu  Droyssig  277. 
burckart  (borghart)  Burchard  (Thüringer 

Herzog)  23.  LL 
burgundia  (burgundien)    Burgund  282. 

22L  2j&  308. 302. 338. 340. 350. 
burgundiger  (burgundie,  burgunriir,  bur- 
gunder,  burgundisch)  Burgundier  315. 
310.  318.  312.  'ML  322.  323.  324.  325. 
326.  330.  331  333.  334.  335.  330.  332. 
340,  341.  342.  343.  345.  346.  347.  348. 
349.  350.  35L  352.  355.  350.  305.  300, 
367.  368.  370.  371.  313. 
burgundien  (borgundion)  herezoge  von 
Burgund:  Philipp  der  Gute  268.  269 : 
Karl  der  Kühne  308.  302.  312.  313. 
314.  315.  310.  317_  31*.  312.  320. 
322.  321  326.  321  330.  33_L 
331 


321. 
332. 


336.  83/. 


34JL34JL345.mmm352.353. 
354.  355.  350.  351.  35s.  359.  300.  30L 
362.  302.  300.  308.  312.  312.  430. 

C,  K. 

cappel  Herr  Gerhart  v.  Kappel  (Ritter) 
152. 

cnppelndorff  (capellendorff)  Capellendorf 
233. 234. 211  212.214. 215. 222. 504. 

kaezenborn ,  comes  de  Graf  v.  Katzen- 
elnbogen (?)  474. 

karzenel bogen  Katzenelnbogen  10s.  109. 

kattirfelt  Kattorfeld  U8. 

katenberyk  Katenberg  472. 


katherina  de  Sienis  hl.  Katharina  von 

Siena  42*3. 
katherine  von  hennenberg,  Katbarina, 

Tochter  des  Grafen  Heinrich  VIII.  v. 

Henneberg  200. 
kalbe  Kalbe  a.  S.  213. 
kaldensteyn  Kaldenstein  (falsch  für  Falken- 
stein) 215. 
kalenbergk  Kahlenberg  102. 
kam,  gerhardus  Gerhard  Kam  (Glocken- 

giesser)  466.  467. 
campanien  Carapanien  40.48. 104. 288, 
canonicorum  et  canonissarura  ordo  Orden 

der  Chorherren  und  Chorfrauen  288. 
karl  Karl  d.  Gr.  IL  12. 113.282. 
karl  III.  Kaiser  Karl  III.  23. 
karl  Kaiser  Karl  IV.  (von  Luxemburg) 

m202.20fl.209.21L 
karlstadt  Karlstadt  23. 
castellanus  (Cardinal  v.)  Castellammare 

(di  Stabia?)  427. 
cassinus  mons  Monte  Cassino  288. 
cecilia  Cecilia  127. 
cecilia  Cecilien  425. 

koffenbargk  Kevernburg  (auch  Grafen 
v.  K.)  02.  108,  114.  IIS.  128.  194  213. 
221  472.474.  47S, 

celle  Altenzelle  200.210.212. 

kemnitez  Chemnitz  182.  263. 

kerchberg,  bastian  von  Sebastian  Ritter 
von  Kirchberg  277. 

kerchbergk  kirchberg  (auch  Grafen  o. 
Burggrafen  v.  K.)  8L  120. 119. 200.  2M 
232.  243. 200. 261. 212. 21& 282. 415. 

kerchhoim  Kirchheim  196.  259. 

kerstan  Christian  v.  Seebach  220. 

kerstan  Christian  (Geistlicher  aus  Nord- 
hausen, Doktor,  Barfüsserordens)  272. 

kesselinge  --■  petrioli  (Sachsen)  42. 58. 

cham  II  am  3JL 

chana  Kana  50. 

christus  Christus  (sehr  oft)  43  u.  a. 
eipirsch  cyprisch  354. 
cyborea  Cyborea  54.55. 
Cyprus  Cypern  428. 
eiez  (czitcz)  Zeitz  59.  260.  261.262. 
kitezingen  Kitzingen  91.  14.r).  l')3. 
kylian  Kilian  (ein  Knecht)  214. 
cistercienses  (grisei)  ordo  Cistercicnser- 

orden  2S9_. 
claren,  sentc  claren  orden  Klarissinnen 

(Nonnenordcn)  191. 
claus  Klaus  (G locken giessermeister  aus 

Mülhausen)  385.  3K6. 
claus  Klaus  (ein  Knecht)  278. 
klein  rcteltcch  Klein-ltettbach  503. 
clemens  IV.  Papst  Clemens  IV.  171. 
cleinens  VII.  Papst  Clemens  VII.  478. 
clivensis  dux  Herzog  v.  Cleve  220. 


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I.  Orte-  und  Personenregister. 


■r>33 


klingcsorc  (klingisoro)  Klingsor  1H7. 

clotarius  Clotarius  2£L 

clodoviu«  (clodius)  Chlodwig  64  7  t  289. 

knutb,  hans  Jobann  Knauth  277.  278. 

kobelencz  Koblenz  816. 

kobinsteto  Kuhstedt  190 

koborg  (kuborg)  Koburg  210.241  2fia  270. 

271.  337.37*. 
koch,  bans  Johann  Koch  278. 
koderitchcz  Köderitzsch  23L 
kola  Kahla  198.210. 
kolditz  üolditz  21L 
kolledc  Kölleda  2£3. 
kolleatote,  herman   Hermann  Küllstedt 

(Bürger  v.  Muhlhausen)  278. 
colniar  Kolmar  370 

koln  ( kollen ,  kolode )  Köln  (colonia 
Agrippina)  ÜSLOLiSL  IM.  24ü  24iL  2M. 
290.  308  3JJL  3J_L  3J2.  3_ÜL  345.  34iL 
31H  am,  320.  Ü2L  322.  324.  325.  332. 
:m  339  340.  34 1  343  34 r,  341L  348. 

352.  353.  305.  458.  4Tti.  1H0. 
kolner  die  Kölner  33JL  338.  342.  343. 
koinburg  (koraborg)  Kamburg  234.  %2M>. 

258.260. 
comensis  (Cardinal  v.)  Como  427 
confusione  (kuffohuson,    kuffesse)  Kyff- 

hauser  41. 476. 
kongesteyn  Königstein  217. 
konigissee  Königssee  247. 
courad  Konrad  L  (deutsch.  Kais.)  4L 
conrad  Konrad,  Sohn  Kaiser  Friedrichs  L 

conrad  Kaiser  Konrad  IV.  159.  161.477. 
47K 

conrad  Konrad,  Landgraf  v.  Thüringen, 

Deutechordensmcister  S3. 941  9JL  94.  9_6_ 

101.  1  35  IM.  153.  KiL  155_  littL  l->7. 

leonradin)  476.  477. 
conrad  Konrad  L  Erzbischof  v.  Mainz 

00.12a.  413. 
conrad  Konrad  v.  Marburg  (Priester)  89. 

9.x.  100,  101. 
conrad  Konrad,  Bürgeresohn  v.  Wcisaon- 

see  (174. 175.)  178.  409.473 
conrad us,  duz  lrancoruiu,  Konrad,  Herzog 

dor  Franken  (Kaiser  Konrad  II.)  472. 

423. 

conradus,  dux  Suevie  Konrad,  Herzog  v.  . 

Schwaben  472. 
constanciense,  concilium  Kostnitzer  Concil 

478.  479. 

constantinopel  Constantinopel  112.  291. 
coroebergk  Korneborg  472 
kornere  Körner  (Flecken)  120 
kostenrode,  tylo  von  Thilo  von  Kosten- 
rode 277. 
cosdras  C hosras  II.  112. 
koain  Kosen  267. 


kouffnngen  Kautfungcn  IL. 
kranthfolt  Kranichfeld  L01L  194.  2-13.  240. 
474 

kransswitz  Cronswiz  59. 

krechen  (krichiscb)  Griechen  (griechisch) 
41.  112.291. 

kroyontorgk  Kraienburg  170. 

krigborgk  (krigburg)  Krabburg  (?)  102. 

crymehilt  Kriemhilde  4L 

cristianus  Christian  II.  v.  Boland,  Erz- 
bischof v.  Mainz  100, 

i ruezoburg  Kreuzburg  a.  W.  143. 158. 176. 

kumpfan,  hans  Johann  Kumpfhahn  (Kam- 
merdiener) 278. 

kunegunde  Kunigunde,  Gemahlin  Kaiser 
Heinrichs  II.  111 

kunemund  Kühneraund  192. 

knnna  von  isenberg  Kunigunde  von  Eisen- 
berg HÜL  L74L  HL  L7JL  lliL  IM 

kuHsbade,  frederich  Friedrich  v.  Kuss- 
bad 27  s 

czogenhayn  Ziegenhain  275 

czegenhayn  05  raten  von  Z  81. 210  212 

czegerig  Ziegenrück  202. 

czesarea  Ciisarea  ML 

czya  Fluss  i?)  5L 

czimmern  Niederzimmern  173.184.23H.416. 
czottostete  Zottelstedt  (Dorf)24L 
czorch  Zürich  355. 
czwikow  Zwickau  isa.25fi.3afi. 
«zwirn  Schwerin  (Graf  Günzel  v.  Schwerin) 
164. 

D.  T. 

tabar  Talwr  227 

tal»eriten  Die  Tabcriten  227. 22S,  229. 24fi. 
252. 

dacbebech  Dachwig  (Dorf)  506. 
dacia  Dacien  425. 

tagebrechtstete  (tal)erstete)  Daberstedt 

70.78_246.  489. 
tagebreebt  u.  tagebertus  Dagobert  70. 

286  289. 

talman,  nickel  —  Nicolaus  Talman  225. 
tandorffer,  heinrich  Heinrich  Tanndorfer 

277.278. 

daniel  Daniel  (Vogt  L  Gotha)  2IL 
tannen  Thomas  von  der,  Thomas  von  der 

Tannen  273. 
tanrode  (tanrade,  tannenrode)  Tannroda 
241.242  243  246  247  265  294.296  418 
tetezschen  Totsihcn  (Herr  von^  24L 
deynstetc  (tenstete)  Tenn*tädt  26JL  377_ 
denemarcken;   koningk    von   =  König 
(Christian  1)  v.  Dänemark  322.  32L 
342.  345.  349.  konginge  von  Königin 
Christine,  Gemahlin  des  Königs  Jo- 
hann 522. 


534 


Register. 


tensborg  (teneberg)  Tenneberg,  JSehloss 

bei  Waltershausen  12iL  120. 
terracinensis  (Cardinal  v.)Tcriacina  427. 
thanata  Tbanata  IT. 
theanensis  (Cardinal)  y.  Tbeano  427. 
tbebaya  Theben  (in  Ägypten)  288. 
thcme,  frederich  Friedrich  Tüema(Duno) 

222. 

theodericus,  lantgravius.  Landgraf  Diek- 
mann 287. 

theotonicc  domus  ordo  Orden  der  Deutsch- 
bcrren  29iL 

theodosius  Theodosius  d.  Gr.  (röm.  Kaiser) 
105.472, 

theutonia  Deutschland  288. 

thylc  Thüle  (Island?)  4L 

thircsia  Theresia  427. 

thomasbrucken  (tungesbrucken ,  tungis- 
brucken ,  tummesbrucken ,  tonimes- 
brucken)  Thamsbrück  10Ü.  120.  126.  124. 
424. 

thunfeit,  conradus  (donnefelt)  Pfarrer 

Konrad  Thunfeit  ML  383. 
thunna  (tonna,  auch  Grafen  von)  Tun  na 

212.  256.260. 
thuringiae,   comes   Graf  (Landgraf)  v. 

Thüringen  282. 
dyana  Diana  4L 
tyberiadis  Tiberias  50, 
tyberis  Tiber  (Fluss)  423. 
tyberius  Tiberius  4&  40,  50. 52. 58.  ^ 
tyburtinum  Tivoli,  das  alte  Tibur  28. 
dytherich  (ditterich  von  berne)  Dietrich  von 

Bern  £2. 

ditterich  Ditterich  (Mcrowinger)  66.  67. 
68.  20. 

ditterich  Dietrich,  Dietzmann,  Landgraf 
v.  Thüringen,  Herr  des  Plcissenlandes 
168.  170.  176.  181. 

ditterich  Dittrich,  Sohn  Heinrich  des 
Erlauchten  v.  Meissen  164. 

dittrich  von  tenstete  Dietrich  v.  Tenn- 
stedt 122. 

tytus  Titus  5fL  52. 

TiflFenthal  Tiefthal  (Dorf)  522. 

dyfort  Tiefurt  1S6. 

dyonisius  Dionysius  ID. 

dominicus  hl.  Dominikus  138.  290. 

torgawe  Torgau  456. 

doringen  u.  doringe,  Thüringen  u.  Thü- 
ringer (sehr  oft)  4L  u.  a. 

doringer  walt  Thüringerwald  LLi  244.374, 

dorla  Dorla  215. 

dorneborg  (dorneborgk)  Doniburg  196. 

234.  271.275. 
dorotheentag  Dorothoentag  (J^  Febr.)  1 1 1. 
tragkstorff  Herr  v.  Trostdorf  505. 
trebita  (trebata)  Trebata  40.  4L 
treteburg  Treteburg  115. 


drefart  (drefurt)   Treffurt:  Hermann  v. 

Treffurt,  Friedrich  u.  Hermann  liiL  1112. 
triptis  Triptis  5JL202. 
dryborg  Dryburg  (Scbloss  in  Langensalza) 

81.  02. 

drvferte  (Herr  Friedrich  von)  Treffurt  152. 

trvre  (triere,  trere)  Trier  40.  4L  3JiL  215_ 
350.  '664. 

troya  Troja  4L 

tubar  tal  Tauberthal  329.  3m 

tutenbergk,  bans  u.  jorge,  schenke  zu 
Johann  u-  Georg,  Schenken  zu  Tauten- 
burg 222.  228. 

tuderstadt  (tudirstad )  Duderstadt  210. 32L 

tulstete  Döllstädt  lu*  102.474. 

tuntorff  Tonndorf  19.fi.  249. 254. 5Ü5. 

Turcus  (thurcus,  turcke)  Der  Türke  2iiL 
308.  316.  341L  368.  420.  42L  422^128. 
429.431. 

tuscia  Tuscicn  427. 

E. 

ebeleyben,  apel  von  Apel  von  Elxleben 

277. 278. 
ebeleuben  Ebeleben  237. 275. 
cbenheym  Ebenbcim  63. 
ebersberg(HerrHermannvon)Ebersbergl52. 
ebersperg  Ebersburg  121. 
ephesus  Ephesus  4iL 
ebide  (Herr  Gcrhart  x.)  Elende  152. 
ebirsteyn    Everstein    (Graf  Johann  v.) 

Evcrstein  164. 
eckerssperg  (eckerssberge)  Eckartsberga 

121. 263. 271. 272. 418. 472 
etezsch  (etcz)  Etsch  (Herzog  v.  d.  Etscli) 

324.  340.  350 
edisse  Edessa  78. 
egyptenland  Egypten  44. 
egi  nstete  Egstedt  (Dorf)  197. 
egra  Eger  267,  268. 
cybicke  Ebbecker  (b.  Lipporg)  251. 
eyttersbergk  uff  dem  hareze  Ettersberg 

auf  d.  Harze  47 3. 
eytterssporg   (eytersberg ,  eytterssUerg) 

Ettersburg,  Burg,  Scbloss  u.  Kloster  154- 

184. 238. 264. 
ey  ermann  Eier  mann  264. 
eilferssgebofen  Ilversgehofen  437. 
cvmbecke  Eimbeck  249. 
eistete  Eichstadt  350. 
eissfeld  Eichsfcld  192.  ?,<M.  Wfi.  397.  402, 

412.504. 

oissfelder  Eichsfelder  192.  210.219. 
elbe  Elbe  12.  45Ü. 
eezil  Etzel  6_L 
elgerspurg  Elgersburg  12L 
clgerus,  comes  do  houstein  Graf  Elgcr 
von  llunstein  477. 


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I.  Orts-  und  Personenregister. 


535 


clias  Elias  144. 
ellekort  Hericourt  367. 
elleuben,  ebirhart  von  Eberhard  v.  El- 
leben Wh  320. 
Elsasse  Elsass  204, 

olsebeto  bl.  Elisalieth;  aebr  oft  82—103. 
u.  135    154.  410.  4TJL  118. 

olsebeto  Elisabeth,  Tochter  tandgraf 
Friedrichs  L  von  Thüringen  187.  18S. 

elxleuben  Elxleben  a.  Gera  120. 

emaselberg  Ingelsberg  1 41. 

engoland  (cngelant,  eugilland,  anglia)  Eng- 
end L2L  204. 218. 33L  338.  343.425. 

cngelland  England:  König  Heinrich  III. 
v.  England  167. 

engilsch  englisch  354. 

eraclius  Heraklius,  oström.  Kaiser, 
König  v.  Persien  HL  112. 

erath  (?)  Akka  12L 

erff  Erf  OL 

erffa  Erna  03,  220. 

erftbrt,  erffsfurt,  Erfurt,  00.  6_L  7_&  80. 
105  106,  107  108.  109.  12L  122.  IM. 
143,  l;,..,  IM.  102.  165.  112.  115.  128. 

im  lsa.  im.  im  im  im  im  im 
im  im  im  2m  2m  2m  2m  2m 

2_U.  212.  213.  2m  210.  222.  223.  221. 

2m  2m  2m  2m  2m  2m  m  2m 

21ii  24JL  212.  2HL  2m  215.  246.  24L 
2 18.  24%  250.  25L  253.  254.  2m  2m 
257.  2m  252.  260.  203.  264.  200.  20L 
970  971  979  97a  974  275.282.284. 
-285  2m  229.        22L  224.  3m  215. 
321.  325.  am  31L  344.  340.  341.  34* 
ma5A3JL3I5.m37L320.3Zii. 
385.  3S6.  38L  321.  325.  320.  322.  323. 
3112.  400.  10L  402.  403.  404.  405.  UiL 
4  (is.  410.  411.  412.  413.  414.  415.  416. 
Iil41im4ii4^4^4jlii!ii 
■136.  438.  439.  440.  HL  443,  144.  445 
44 r,  447.  449.  45o.  451.  452.  453.  454 
455.  456.  457   4:>S  152.  im  im  1113. 

4<u.  im  im  10L  4m  hl  472. 473 

474.  477.  im  im  4M.  485.  48L  488. 
im  420.  11LL  422, 123.  124.  425.  4m 
im  428.  122.  502.  503.  504.  505.  500. 
507.  508  502.  510.  51L  513.514.515 
510.  517.  510. 512.  520.  522.  523.  525 
erffortisch  erfurtisch  101. 400.  402.  418. 

Die  Stadt  und  ihre  Teile. 
Die  Stadt. 
l>ergk  Petersberg  448. 
brule  (bruletum)  Brühl  OL  102.  144.  105. 

12L  22L  3m.  im  im  jm  im  5ül 

tamm  Wall  252. 

horsbrul  Hirschbrühl  im 

nuwostad  Neustadt  223.  445.  449. 

beute  mertinsbrul  Sank  tmartinsbrühl  448. 


Die  Thore. 

andreasthor    (andresthor)  Andreasthor 

416, 134.501. 
bruler  thor  ürühlerthor  500. 50L  502. 
kranipfentbor  (porta  spasmi)  Kratnpfer- 

thor  173.  280. 434.  436.  HL  50L 
juhanstbor    (gehannstbor)  Johannesthor 

lso.  25Ü.  i3L  13JL  50_L  525. 520. 
loworthor  Löberthor  222.  400.  im  447. 

50L 

menezenthor  Mainzerthor  448. 

nuwen  thor  Neues  Tbor  4flH.  502. 

spelberger  thor  Spielherger  oder  August- 
thor 447.  501. 

stadpforto  (pforte)  Wasserthor  448. 

sente  moricies  thor  Moritzthor  434. 449.501 

smedesteterthor  Schmidt  süidterthor  434. 
430. 5m 

Plätze. 

kornmart  Komroarkt  454. 

fissthemart-    (inter)     pisces  vendentes 

Fisch  markt  '^95. 
rossmart    (forum   equorum)  Rossmarkt 

223. 225. 432. 118. 412. 152. 
rubenmart  Hübenmarkt  12L  2SL  293  995 
weniger  raart  Wenigemarkt  410.  463. 

Strassen. 

anger  Anger  223.  244.  2M.  519. 520. 522. 
525.520. 

annulus  =  inter  annulatores  Fingerlings- 
gasse  225. 

passemm  mons  Sperlingsgasse  284. 

permes  gasso  (jwrgemener,  cartas  radentes), 
Pergamentergasse  HL  22L  284.  295. 

breite  Strosse  Breitestrasse  (lata  platoa. 
jetzt  Marktstrasse)  144  283. 

campanas  facientes  (inter)  unter  den 
Glockengiessern  225. 

keyn  sento  gottart  bei  St.  Gotthardt 
(Strasse)  435. 

ferrum  eudentes  (inter)  unter  den  Schwert- 
fegern  225. 

fleischbencke  (aide)  (alte)  Fleischbänke 
224  284.  405. 

vottergasse  Futtergasse  284. 

fullonum  platea  Walkmühlgasse  '285. 

in  funjeulis  laborantea  Seilerbuden  295. 

gemeyne  gasse  (peccatricum  vicus)  Frauen- 
gasse 135. 295. 

johanss  gasse  Johannosstrasso  525.  52« 

lauwen  gasse  Löwengasse  223. 

leymgrube  Lehmgrube  375. 

lower  Lohgerbor      Löbcrstrasse  448. 

martbachengasse  Marbachergasse  'i24 

metergasse  Mettergasse  223. 

nuwen  erbe  Nencrbe  447. 

Schilder  dyo  unter  don  Schilderen!  174. 
224.  403,  4Q5. 


536 


Register. 


(inter)  suentos  iii  viminibus  Unter  den 

Weiden,  Weidengasse  295. 
webergasse  Weborgasso  224. 
wlsso  gasse  Wcisscngasse  224. 

Wasserläufc,  Mühlen,  Brücken. 

kerslache  Hirschlacho  4Q1L  468.  4üü 
espich  Esbach  447. 

fnlloch  (foramen  fetidum)  Faulloch  284. 

295,  444. 525. 526. 
gcra  Gera  406. 437. 

gerynne  Das  Gerinne  (Kanal  der  Hirsch- 
lacho) 436.  448.  469. 

grisse,  ungeheures  Das  ungeheure  Gekröse 
(ungeheure  Kriesgassc,  jetzt  Luiseu- 
strassc)  444. 

hanebach  Hanebach  5ol, 

stadgraben  Graben  5ul. 

wilde  gcra  Wilde  Gera  4M  44A  44L 

wilder  graben  Wilder  Graben  436.  447. 


petorer  mol  Grosse  Petersmuhle  440. 
karthuscr  mol  Karthäuscr-Muhlc  502. 
menezen  mol  Mainzerhof-Muhle  46',).  5ÜL 


boryksteg  Burgsteg  (Vogelsbrücko)  436. 

444.44s.4tf9. 
borgkstegpforte    Pforte    am  Burgstege 

(spät.  Vogelsbrüeke)  44s. 
kreraerbrucke  Kramorbrucko    144.  283. 

284.29jL22a.29A 
lange  brücke  (longus  ponsj  Langeln- ucko 

langer  steg  Langersteg  (SchlösnerbrUcke) 
438.  468, 

Ifi  wer  brücke  I/überbrucke  4DjL  4JÜL  44L 
468. 

Pfarrkirchen,  Kujx  Ilm  uiul  ihr  Zubehör. 

Andrea»  (s.)  ecclesia  Andreaskirche  284. 

ans. 434  435 
auguBtinensium  ecclesia  Augustinerkircbc 

2ÜfL 

bartbolomeus  kerche  Bartbolomäuskirche 
17«.  284. 

pauli,  s.,  ecclesia  Paulskircho  285.  4ZlL 
pauli,  s.,  Capelle  hl.  Paulskapelle  286. 
benedictus,  sanet  St.  Benediktuskirche  292. 
heilige    born     (sacri    fontis  tempum) 

UL  Hrunnenkirche  22ä 22ä.  449. 
cgidii,  s.,  ecclesia  (sant  ilgen)  Agidien- 

kirebo  2&L.222. 
viti,  s.,  ecclesia  =  St.  Veitskirche  284. 

4S4.  525.  526. 
unser  lieben  frowen  korchc  (auch  monster) 

Dom  (Marienkirche)  Iii.  134.  166.  1*8. 

224.  283.  2S4  285,  280.  289.  290.  293. 

295.  383.  3X.V  ;{86.  433.  434.  438.  440. 


4AL  15JL  45jL  4Ü8.  452.  4ÜL  466  467. 
469.  499.  500.  502.  520  525  528. 
adolarius   episcopus   Bischof  Ado- 

larius  290f  435. 
ablas  (unser  lieben  frowen  ablas)  225 
ablas,  erfforten  Erfurter  Ablas»  4öH. 
probistie  unser  lieben  frowen  Propstri 

der  Domkirche  222_43iL 
katfato  (kaftete)  Gavato,  gemauerter 

Umgang  um  den  Dom  384. .  526. 
klufft  Krypta  des  Domes  3S4. 
kruminehuBM  Ktummhaus  4ü4. 
d Hat igel    (dryangel)   Triangel,  nV 

dreieckige  Portal  des  Domes  3ü-ri 

4Ü2. 

eobanus  hl.  Eoban  290. 
glocke   gloriosa     (grosse)  Glocke 

Gloriosa  auf  dem  Dom  türme  3S-ü. 

4ÜlL4fiL 

greton  Domstufen  225_  284. 293.  *Jb. 

4Ü5.44J1  m52Lü2fi. 
wittes  hus  (auf  dem  Dorahügclj  £L 
Gangolfe,  s.  Gangloffskircbe  2b 4. 
jobannis,  s.  ecclesia  Johanniskirche  'HL 
s.  jorge  kirche  St.  Georgski  rohe  224.2*1 
kouftman  kerebe  Kauffmannskirche  Ha 

222,  441.  457. 
capella  sanete  Marie  Magdalene  Kapelle 

der  hl.  Maria  Magdalena  284. 
mauricien,  sante  St.  Moritzkirche  221 
2*4.  449. 

sente  Mertins  kerche  St.  Martinskirclic 

165.293. 468.  501.502. 
s.  Laurcncius  Lorcnzkircho  283.  234. 
sonte   lenharts  kerche  St.  I.<eonhard*- 

kirche  (vor  dem  Petersberge)  174. 284. 
ecclesia  omnium  sanetomm  (alle  heiligen ■ 

Allerheiligenkirche  283. 293. 489. 449. 
sente  wyperecht  St.  Wigberti kirche  4£4 
s.  Severus ,  Severikirche  u.  Scvcristift. 

172  244.  282.  286.  289.  22Ü  2j&  295. 

385.  386.  324.  ÜLL  4ü£l  433.43A  (aneb 

kermesse)  4J&  HÜL  141L  441  450.459 

461.  4ü&  4£L  422  51)0.502,512. 

osanna  Grosse  Glocke  zu  8«.  Sever  3S5. 

sente  severishof  St.  Severihof  500. 
servacies  kerche    (salvacies)  Servatius- 
kirche. 224.  284.  293. 

Klöster,  Ordenshäuper  und  ihr  Zubehör. 

andres  (nuwe  klostcr  zu  sente  andre? 
das  neue  Kloster  bei  St.  Andreas  4M 

auguslini,  s.,  fratres   (cUustrum)  Au- 
gustinerkloster 284.49JL525. 

der  barfussen  (barbossen)  Kloster  (minore* 
fratres)  Barlüsserkloster  und  Kirche 
144.  173.  222.  2SL  2j&28iL  A1L 
42IL  £112. 52Ü. 


xl  by  Google 


I.  Orts-  und  Personenregister. 


537 


scnt«  petcrs  monstor  Peturskloslor  7JL 
112. 282. 2üfL  282.  434.  Ü2fi. 

sente  peterskerche  Kirche  dos  Potere- 
klostcrs  ß(L  fkennes.se  1730  283,  28-1. 
9Hfi  98Q  4:14!  441  471 

abt  von  sente  peter  Abt  desPeters- 
klostere.  197. 289  (womerus).  422. 
501.525.  52fi. 
Benedicti,  s.  moniales  Bencdiktinerroönche 

'MM 

predicalorum  ordo  Predigerorden  (Kloster 
u.  Kirche)  286. 425.  44L  4JÜL  499. 525. 
cruezegang  (Kreuzgang   (des  l're- 

digerklusters)  465 
predigor  torro  Turm  der  Prediger- 

kiosterkircho  4  Ii'). 
prediger    kerchoff  Kirchhof  an  d. 
Predigorkirche  465. 
kartLuser    Karthäuserkloster   250.  '284. 
liifL  4ii£L  äÜL  502. 
karthuser    thorm    Kart  hauser  türm 
436  447. 

seilte  Cyriakus  (sente  celiax)  Kloster 
(berg,  borg)  211  2o2.  28iL  398.  402. 
408.  lüL  4M,  444.  ML  ihL  4ÜL  4iü 

512.  m 

mertins,  sant,  closter  (cetus  devotarum 
monacharutn)  Martinskloster  293. 295. 
43H.  438.  448. 

servi  Mariae  fratres  (Kloster)  Marien- 
knechte 2SiL  4(>8.  (».  mergenknechten- 
klostor). 

mergcnkneclitenklostcr  Maricnknechts- 
kloster  u.  Kirche  (s.  servi  Mariae 
fratres)  HL  422.  525. 

steynen  hus  das  steinerne  Haus  (im 
Marienknochtskloster)  468. 

closter  zu  deine  nuweu  wercke  Neu- 
werkskloster 113.  222.  284.  2113.  426. 
441.448.469.  470;  mit  Kirche. 

dy  regeler  Reglerkloster  und  Roglcr- 
kirche  122,  173. 284.  285.  4&L  434. 4tm. 

dy  schotten  Schottcnkloster  122. 281L  433. 
412.422. 

abt  zun  schotten  Abt  des  Schotten- 
klostors 422.  £25- 
wissen  frowen   Wcisstrauenkloster  173. 

284. 

Öffentliche  (Jebiiudc,  Hospitäler. 

pfronen  bnckhus  herrschaftliches  Back- 
haus (im  Mainzerhof)  507. 

kaleygem  Collcgium  raaius  499. 

kaJeygcm  (uff  dem  rossmarte)  Collegium 
laut  d.  Rnasmarkte)  448 

tempnieze  (temniteze.  temlitcz)  Temnitz 
(Gefängnis  261  214. 422.  4M.  462.  469, 
523 


hoe  schule  Cui%or»iLüL  411. 

hnnthuss  Hundbaus  (Gefängnis)  404^407. 

41)2. 

meueze  hoff,  Hof  in  Erfurt,  (moiiczen 
furwerck,  aula  maguntina)  Mainzerbof 
125.  222.  295.  1ÜL  4M.  486.4'Jl. 
4i>2.  501.508.523. 

spetal  Hospital  (Klendenherberge)  im 
Brühl  43ü  441.444.448.449.  465.  468. 

sechhof  Krankenhaus  501. 

Privathäuscr. 

zu  demo  bocke  Haus  zum  (blauen)  Bocke 
222. 

bruesse=bruwehus  Braubaus  435. 

zu  der  kemnaten  Haus  zur  Kemenate 

293. 

zu  den  konniges  stole  Haus  zum  Königs- 
stuhle 222. 

herberge  zum  trachen  Haus  zum  Drachen 
264. 

zu  demc  falkenor  Haus  zum  Falkner 

gülden  herss  Haus  zum  goldnen  Hirsch 

lintwormo,  die  Haus  zum  Lindwurm  519 
520.  521. 

zu  dem  roten  hörne  Haus  zum  roten 

Hörne  _225. 
rote  lawe  Haus  zum  roten  Löwen  223. 

454. 

sperstaugen,  die  Haus  zu  der  grossen  u. 
kleineu  Speerstange  519,  521. 

zu  dem  schwanken  arn  Haus  zum 
schwarzen  Adler  445. 

inol  zu  dorne  schwarezen  raben  Ral>en- 
mühle  222. 

zu  dem  swanringe  Haus  zum  Schwan- 
ring 222. 

wainborgk  Haus  zur  Wagenburg  502. 
zu  dorne  walhsscbc  Haus  zum  Walfisch 

293. 

wolfte,  zu  den  Haus  „zu  grossen 
Wölfen".  &2L522. 

Sonstige  örtliehkciten  innerhalb  und 
ausserhalb  der  Stadt. 

borntal    Bornthal,  .Thaleinschnitt  (bei 

Erfurt)  501. 
dryenbom  Dreienbrunuen  447. 
gehint  tiebind  501. 
hernberg  Herrenberg  458.  461.  463. 
rabenstein  üalgenbcrg  226.  294. 
»tolberg  Stolberg  (Bergrücken  bei  Erfurt; 

462. 

smedestete    8<hmidtstcdt    (Wüstung  bei 

Erfurt)  186  2K5. 
wuwit  Wawit  (Steiger  bei  Erfurt)  485. 
weher  (weer)  Wehr  (Papierwehr)  444.  447 


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* 


.Register. 


538 

Die  Ii  e  w  o  h  n  u  r. 

Krsliiwhüflirhc  Beamte, 
ad  minist  rator  Verwalter  (des  Ei /bist ums 

Mainz)  4S1.4S2. 
provisor   (allodii   ecclesiae  maguntinae) 

Verwalter  (im  Mainzerhof)  105  401 . 

AVA.  504 
provisorat  Statthalterci  504. 
kemmcrer  Kämmerer(Finanzlieamter)408. 
kuchemeister  Küchenmeister  (Mainzischer 

Beamter  in  Erfurt)  523. 
viczthum   Stellvertreter,   Beamter  des 

Erzbischofs  401.404.  405 
judices  gcnerales,  spirituales  etseculares 

(mainzischc)  allgemeine,  geistliche  u. 

weltliche  Richter  AOL 
schultbeisse  Schultheis»  (orzbischöflicher 

Beamter  413.487.  488.  489.  491. 
stadfoyt  Stadtvogt  408. 
sigiler  (segeler)  Siegler  (erzhischöf lieber 

Beamter  413. 455. 

hohenezen,  bcrtoldus  Berthuld  Bobenzehn, 
Kanzler  399. 400. 

stänke,  johan  Johann  Starke,  Dom- 
organist 384. 

Geistliche  und  1'nmTsiUit.sangehörige. 

probist  Propst  (des  Domes)  440. 

collegiaten  Mitglieder  des  collegium 
maius  411. 

techan  (techant)  Dechant  (de«  Dotnesj 
IM.  HL  52Ü. 

gerwicus  ein  Weltgeistlicher  285. 

gerpstot  Heinrich  v.  Gerbstikit  (Dom- 
propst) 295. 

horbesteyn,  magister  Magister  Horbo- 
stein  525 

lasfec  Wcibbischofl   Johann  Bonemiich 

von  Lasphe  467.  525. 
locaten  die  Lokaten  (junge  Priester  im 

Dura)  'dUL 

steinbergk,  licrmanuus  Herrmann  von 
Steinberg,  Stadtschreibcr,  Decliant  v. 
St.  Sever  zu  Erfurt  WL  399. 

Hat,  Vertreter  der  Bürgerschaft,  Zünfte. 

viermann  (pl.  vierhern)  Vierherr  251. 

gefrunt  Mitglied  eines  (edlen)  Go» 
schlechtes  iliü. 

ungelder  Ungeldeiimehraer  (Finanz- 
beamter der  indirekten  Steuernj  408. 

n-inbote,  Friedrich  Rcinbot,  Bürger- 
meister 4.~>3  4:>l. 

roseuezwig,  frederich  Friedrich  Rosen- 
zweig (Uatsmeister)  251. 


lM)gk,  hau*  Hans  od.  Johann  Bock 
(Bürgermeister j  3JÜL  4DJ.  HiL  50&.5JM. 
MiL 

brampach,  ditterich  Dietrich  Brampach 
(Vierherr  in  Erfurt)  399.  4 1«.  502.503. 

kolraen,  erhard  von  Gerhard  v.  Kolmena 
(Vierbcrr)  ÜM. 

tenstete,  symon  Simon  Tennstedt  (Vier- 
herr) 33Ü. 

trancke,  johan  Johann  Fraucke  (Vier- 
herr) 33ti. 

gaberwitz,  clattss  Klaus  Gaberwitz  (Vier- 
herr) 

rabe,  johan  Johann  Rabe  (Vierherr)  336 
wisse,  heinrich  Heinrich  Weisse  (Vior- 
herr)  2hl  25JL 


heringer  Heringshändler  406. 
huter  Uutmachcr  405. 

Bürger,  IHencr. 

pardes  Dietrich  Hartwig  zu  dem  Para- 
diese 2ÜL  5D2. 

pardiss  Heinrich  zu  dem  Paradiese, 
Bürger  2DJL 

bogk,  gunther  Günther  Bock  (Bürger)  395. 

bruckslegel ,  herman  Hermann  Bruck- 
schlegel, Bürger  376. 

constantinus  (ein  Ketzer)  284. 

czvireler,  rndolll'  Rudolf  Ziegeler,  Bürger 
27  K 

froweschuch ,  doctor  Frauenschuh,  Arzt 
416 

gnvppestcyn    (gnyppstein)  Gnyppestein 

(Diener)  HL  418. 
gutjar,  heneze  Heinrich  Gutjahr  (Dichter) 

115 

hottermann ,  hans  Jobann  Hottermann, 

Bürger  2IS. 
koning,  herman  Hermann  König,  Bürger 

42XL 

von  der  maritten,  herbat  Herbart  von 

der  Maritten,  Bürger  32fi 
rndiger,  Rüdiger,  Bürger  225. 
von  der  sachsa.  gotschalck  Gottachalk 

von  Sachsa,  Bürger  5QQ. 
zu  der  waitiborgk ,  henrze  Heinrich  v.  d. 

Wagenburg,  Bürger  503 


ermenfryd  (ermefryd)  Ermfried  ßfL  6_L  68- 
ernst  Kurfürst  Herzog  Ernst  v.  Sachsen« 
Sohn  des  Kurfürsten  Friedrich  II.  261- 
321,        »  3iüL  12JL  495.  5DJL  504- 
509  510. 

ernst ,  herzog  von  Sachsen ,  bischof  v. 
inagdeburg  Emst,  Sohn  des  Kurfürsten 
Ernst  v.  Sachsen,  Erzbischof  v.  Mag- 
deburg 352  5^2. 


jd  by  Go 


I.  Orte-  und  Personenregister. 


539 


eschenberc  Eschenberg  177. 
esschen  woge  Escbwege  IL  162  1 65. 
essefeld  Eisfeld  212. 
europa  Europa 

eusebius  cesariensis  Eusebius  aus  Cäsarea 

289 

exstete  Egstedt  (Dorf)  253. 

F.  V. 

fammerku  (fammerk)  Vauxmarcus  357. 
262. 

vaner  (Herr  Heinrich  v.  Fahner)  152. 
vargela  (vargula)  Vargula  1LL  12Q,  258, 

(Walter  von  Vargula  IKL  14L  142  149). 
vargola  Herr  Rudolf  v.  Vargula  94.  152.  164. 
vargula  Gross- Vargula  507. 
fedelnhusen  Vippachedelhausen  196.  253. 

254  (vi poch). 
fell8l>org  Folsburg  80. 
Veneti  Venetianer  428.  429.  430. 
Venedig  (veneciae)  Venedig  1 48.  280. 
venediger  Venetianer  334. 
fenix  Uogcll  Vogel  Phönix  5JL 
fernaudus  König  Ferdinand  L  (Ferrantc) 

von  Neapel  431. 
veronica  Voronika  53. 
ferrere  Ferrara  220. 
vespasianus  Vespasianus  5JL  •'>". 
vi  pech  Schloßvippach  19JL  (253. 254?)  ML 
viclin  (Wettin?)  164. 
vitezthum  (plur.  a|>el  u.  bosse)  231  232 

233  234.  235.  23fi.  232.  238.  239.240. 

241    2JJi  244.  245.  248.  249.  250.  255. 

25fi.25L2fia.27iL  21^  375. 
vitezthum.  apel  von  (der  jüngere)  230 

2äL  232.  233,  234.  236.  '237.  239.  240. 

24L  242.  246.  242.  253.  254,  üfiZ.  265. 

266.  269,  27iL  27L  212.  29L  294.  296. 

II-. 

vitezthum,  bosse  v.,  der  jüngere  230. 
231.  232.  23JL  24L  2fi4  m  22L  273. 
225.226. 

vitezthum,  bernhart  v.,  24L  258. 2fift.  271. 

224.225.22fi. 
vitezthum,  von  apolde,  jorge  =  Georg, 

V.  von  Apolda  222. 
vitezthum,  melchior  Melchior  Vitztum277. 
vitezthum    (vicedominus)    Beamter  des 

Erzbisch,  v.  Mainz.  261. 
viterbo  Viterbo  171. 
vyenne  Vienna  54. 
vinconcius,  sanetus  St.  Vincenz  354. 
iyneberg,  hans  Johann  Feineberg  228. 
virgilius  Vorgil  4fi. 
vispacb  Fischbach  162. 
viselbeche  (viselboeh)  Vieselbach  158. 476. 
fladicheim  Flarchheim  135. 
flaudern  Flandern  451. 


tianss  conrad  Konrad  Flanss  278. 

de  tiischo  ital.  Name  429 

florentcz  (Horencia)  Florenz  382.388,390. 

39L  392. 393. 422.  (heilige  crucis  kirche 

—  Santa  Croce  daselbst  392). 
tiorontincr  (tlorentiuus)  Florentiner  392. 

422.428. 
voitelant  Vogtland  256. 
voylsborg  Vogolsl)erg  263. 
volkolderodc  (?)  Walkenried  (?)  289. 
foliude  Pöhlde  od.  Pölde  2iL 
volusiauii8  Vulusianus  52. 
forlinium  Forli  428. 
forstenste^n  Fürstenstein  165. 
foruntis  Foruntis  46. 
frankenland  (francia)  Fi  ankenlandfifi.308. 

426. 

franken  (franci)  7SL  23  24.  94.  145.  LAß. 
1  18  171  208.  210.  216.  23L  24  t.  251. 
277  2*9_  308.  33L  322.  328.  379.  381. 
425,  43Ü.  ±32.  445. 42iL 

franckensteyn  Frankenstein  1 62. 

franefort  (frangfort,  franckenfort)  Frank- 
furt a/M.  159.  160.  170.  199.  Hl  3.  31« 
344^344,34113511.3511408.422.  478. 

fraueiscus  hl.  Franciscu«  85.  138.  290. 

franekow  Frankenau  265. 

franckrich  Frankreich  (auch  Könige  v. 
Fr.)  5_L  üü.  64.  üL  10.  IL  112.  119.2J1L 
274.  278.  334, 337.  348.  349.  350. 363. 

franezosen  Franzosen  270. 

franezosen  Franzosenkrankheit  464. 

frawcnborg(lrawenburg)  Frauenburg  180. 

frederich  Friedrich  I.,  deutscher  Kaiser 
28.79.122,282.423. 

frederich  Kaiser  Friedrich  II.  85.  10JL 
105.  154.  159.  160.476.  477. 

frederich  (friderich,  Iridericus)  Kaiser 
Friedrich  III.  315.415,458. 

frederich  der  freidige,  Friedrich  Land- 
graf v.  Thüringen  lfiS.  1Ö2.  HiL  Uü. 
178.  180.  L8L  182,  183.  IM.  1HL  188. 
189  190. 101 

frederich,  Markgraf  Friedrich  II.  von 
Meissen  107. 

frederich  Friedrich  IL,  der  Ernste,  Land- 
graf v.  Thüringen  L9LL  ULL  LiL  195. 

198.200  212. 
frederich  der  fruntholdiger(frunthouldiger) 
Friedr.  III.,  der  Strenge,  Landgraf  v. 
Thüringen,  Markgral'  v.  Meissen  191 
200.  202.  20JL  204.  20JL  208.  2KL2LL 
212  474 

frederich  Friedr.  IV.,  Landgr.  v.  Thür., 
Markgraf  v.  Meissen,  Kurfürst  von 
Sachsen  215  219.  220.221.480. 

frederich  Friedrich  V.  (als  Kurfürst 
Friedr  11.)  von  Sachsen  223.  22ii  229. 
230. 244. 25JL  25Ü  29_L 


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MO 


Register. 


frederich  von  Mi.sM.Mi,  kurfurste  Kurfürst 
Friedr.  (der  Weise)  von  Sachsen  458. 
462.  5.'0.  h£L 

frederich,  Fricdr.,  Sohn  Balthasars,  Land- 
graf v.  Thüringen  212,  217.  9. IX  212, 

frederich  Friedrich  Pfalzgraf  zu  Sachsen 
122.121 

frederich  Fricdr.  II.  Kurfürst,  Markgraf 
v.  Brandenburg  207,  2 fix. 

frederich  Friedrich,  Herzog  von  Braun- 
schweig 218. 

frederichenrodo  Friedrichroda  472. 

frenckriebsse  fränkisch  113. 

fryborg  (fryhurg)  Freiburg  a.  d.  Unstrut 
L3L  LLL  232. 21L  2fi2. 2ßA  2fiL  505, 

fr)  bürg  im  Üchtland  Fribourg  L  d.  Schweiz 
371. 

frinstete  Frienstedt  (Dorf)  259. 
frisslant  Friobland  167.364.  451. 
frisslar  (fresslar,  iritczlar)  Fritzlar  111 

156.  157.395.  477. 
frowiMiborg   Frauenlierg   (Residenz)  in 

Würzburg  38L  082, 
fulhaher,  ewalt  Ewald  FatUhalior  495. 
fulda  IL  LQL  LQiL  LLL  L1Q  LLL  L7JL IKL 

202,21*  2XSL32L 

(i. 

gajus  Kaiser  C.  Caligula  5JL 

galilea  tialilea  5Q, 

gallia  Gallion  475 

gallicus  gallisch  470. 

gaugloff  somuieringcn  Gangloffsömmern 

2^1123. 
gans,  herman  Hermann  Gans  27 H. 
garanant  Garanant  HL 
gobese  ( genösse)  G ebesee  1 15. 210  21 1.212. 
gebiebensteyn  (gehichesteyn)  Giebichen- 

stein  (b.  Halle)  122.  123. 
geylnhnssen  Geinhansen  200» 
geissmar  Geismar  1 1  4 
gclren  (herezoge  von)  (Jeldern  (Herzog 

von)  3iiL 

georgii  saneti  vallis  Georgen thal  289.  472. 

georgins:  cardinalis  sanol i  georgii  Car- 
dinal Rartacl  Riario  (s.  Georgii  ad 
velum  auteum)  4t>7. 

geni  Gera  (Fluss)  öiLSL 

geraGera  (Stadt,  auch  Herren  von  Gera) 
2üÜ2ii2  26 1 . 202. 265. 2M.  207. 268.276. 

«jerdrude  Oertrud  IL 

gerdrnd  Gertrud  v.  Österreich,  Gernaldin 
Heinrich  Raspes  159. 

gerdrnt  von  levmbach  Gertrud  v.  Leim- 
bach 98, 

Gervasius  70. 

gerhart,  junrkar  Herzog  Gerhard  v. 
Berg  342.  MlL 


gerlach  Gcrlach,  Erzbach,  v.  Mainz  h)u 

germania  Deutschland  475. 

germar,  conrad  Konrad  Germar  277. 

gerisch  (Adj.)  Geraisch  262. 

gerstungen  Gerstungen  203.  218. 

gewi  litis,    episcopus  maguntinensis  Ge- 
wilius,  Erzbisch,  v.  Mainz  (V)  2ÖÜ. 

gythen  ?  Beufhen  202. 

gilebertus  Giselbert  (Abt  v.  Reinhards- 
brunnen)  121. 

gispersleuben  Gispersloten  (DorO  416  437 

glichen  Gleichen;  auch  Grafen  v.  Gl 
6JL  UlL  l2iL  'UlL  212,  22JL  22£L  235. 
Ü^L  2üi  239,  2_LL  ÜLL  liLL  245  '-'IT 
256.  2iiü.  JiiiL  2iÜL  2üL  2üJ_  2üZu  266 
•■m;s.  i^t:.  i*77  ins.  375  4ir,  u*.  47». 

glisshergk,  walterus  de  Walther  v.  Gleiss- 
berg 290. 

göttingon  Güttingen  62. 

gotha  (gote)  Gotha  Iii.  1Ü&  120- 122. 13ä. 
17JL  1H2,  HLL  22L  2IL  2&l  379.  »; 
417  474.  478.  505. 506. 

gothart  Gotthard  111. 

goltbach  Goldbach  lüL 

gorlitcz  Görlitz  829. 

gosprechte  u  gosprochsrodo  Gospcnrode 
ÖJL 

goslar  Goslar  76. 

gransee  Gransoc  3JiL  362.  36L  3Ü2. 
grefetunna  Gräfentonna  259. 
gregorius  der  ander  Papst  Gregor  II.  LLi 
gregorius  Gregor  IX.,  Papst  98.  101  105. 

IM.  157,  159.  476.  477. 
griffenberg  Greifenberg  (bei  Jena)  IIS. 

47JL 

gritfsteto  Griefstedt  157. 
grimme  Grimma  ?  193. 
grymmetal  Grimmenthal  (?)  193. 
grotezheym  (Jricshcim  196. 
grulienhayn  (gnihcnhainl  (herezog  von* 

Grubenhain  (Herzog  von)  249. 
grumbech,  comes  Gral  von  Grumbach  473. 
grumbeche  K  Himbach  129. 
grussen  Greussen  445. 
gute  Guda  oder  Jutta  9_8_, 
gudenssberg  Gudensberg  215. 
guete,  jakoff  von  Jakob  von  Guete  356 
guiieh  Jülich  466 

gundersleuben    Gunther*deben  (gunder- 

leuben)  63,  260. 
gunderam  Gtmderam  65, 

iL 

hatto  II.  Hatto  IL,  Erzbischof  v.  Mainz 

109 

hagk  (hak)  (Eigenname)  Hagen  6JL 
hagen  Hagen  LL 

hagenaw,  petor  von. Peter  v.  Hagenau  35JL 


xj  by  Gc 


1.  Orts-  und  Personenregister. 


Ml 


Halenbach  (haginbach),  petcr  Peter  v. 

Hagenbach  466.  467. 
bayn.  kerstan  von  Christian  von  Hayn 

213. 

halberstat  Halberstat  7JL  UiL  IM,  2QL 

haÜKjrstadiensw ,    episcopus   Bischof  v. 

Hall>erstadt  283. 
halle  Halle  a,S.  231,  379.  39?  399. 
ha  Iis  Herzog  Jobann  v.  Österreich  (Johann 

Parricida)  L32. 
hans,  berczog  v.  Sachsen  Johann,  Herzog 

v.  Sachsen  (später:  Kurfürst  Johann 

der  Beständige)  462.  520 
han«  Johann  (ein  Koch)  27JL 
hans  (grisse  hans)  Hans,  ein  Deutscher  (in 

Florenz)  32L 
hanbtcyn,  werner  von  =  Werner  v.  Han- 

steiu  277.  278. 
harcz  Harzgebirge  50.  69.  115.  223.  419. 

473. 

hardonbcrg  Gerhard  (Erhard)  v.  Harden- 
berg 215. 

hartensteyn,  Conrad  Konrad  Hartensteyn 

2TL 

hardessleuhen  Hardisleben  196. 
harras,  diterich  von  Dietrich  v.  Harras 
395.  Hflfi. 

harres,   her  man    Hermann  v.  Harros. 

Harras  (232}  2H5. 
harr  es,  ditterich  Dietrich  v.  Harras  505. 
hassenborgk,  jnbannos  de  Johannes  v. 

Hessen  bürg  281. 
hassenhusen  Hessenhausen  271. 
ha&sia  Hessen  47fi. 

hassia  *.  oomes  Graf  (Landgraf)  v.  Hessen 
282. 

hebreus  Jude  422. 

heczele  :  hcczels  rade  Uesselrodc  63. 
beddewig  Hedwig  125» 
hetsteto  Hettstädt  379. 
heidelberg  Heidolberg  104. 
heilgenstad  Heiligenstadt  2HL  S9L 
heyligenlterg  Heiligenberg  81. 
heylingen  (Herr  Berthold  v.)  Heilingon, 

Ritter  L52. 
heynieb  Hainich  (Höhenzug)  135. 
heinrich  Hminr.I., Deutscher  Köni^" 4.75.76. 
heinrichHeinr.II.,DeutscherKaiserllilllL 
heinrich   (heinricus  sextus)  Heinr.  VI., 

Deutscher  Kaiser  80.  290. 
heinrich  von  lutczelnborg  Heinr.  VII.  v. 

Luxemburg,  Deutscher  Kaiser  182. 
heinrich  (Sohn  des  Kaisers  Friedrich  II.) 

104 

h'  inrit  h  raspe  Graf  Heinr.  Raspe  126. 

heinrich,  Heinrich  Raspe,  Landgraf  v. 
Thüringen  u.  Hessen,  Deutscher  König 
8^9iLil^lRlii9JLÜL9A10X13i 


151.  1 52 .  153.  154.  155.1 56.  1 58.  159. 
160.161.163. 476.  477.478. 

heinrich  Heinrich  v.  Brabant  (das  Kind 
v.  Hessen)  lfilL 

heinrich  Heinr.  der  Erlauchte,  Markgraf 
v.  Meissen  Dil.  162.  163.  164.  168. 

heinrich  Landgraf  Heinr.  HI.  v.  Hessen- 
Marburg 

heinrich  (von  verneborg)  Heinr.  (v.  Virne- 
burg) Erzbiscbof  v.  Mainz  1ÜL  1Ü2.413. 

heinrich  Heinrich  (ein  Koch)  278. 

heinrich  von  aroldeshusen  Heinr.  v.  Orlis- 
hausen 197. 

heinrich  von  kelbra  H.  v.  Kelbra  206. 

heinrich  von  lengefeld  Heinr.  v.  Lenge- 
feld 222. 

heinrich  sebriber  Heinr.  v.Ofterdingen  136. 
Heinricus  Kaiser  Heinr.  IV.  282. 
helderstein  Heldrastein  162. 132. 193. 
helderunge  (Herren  v.  Heldrungen)  152. 

2^0. 222  223  475 
helmestad  Helmstedt  380. 
hennenberg  Henneberg  fLL 
hunning  Helming  (ein  Caplan)  277. 
henning,  herman  Hermann  Henning  278. 
herbeslcuben  (herbeslouben)  Herbsleben 

(Dorf)  115  416. 
herezberg  Harzburg  72. 
herdon,  Ups  von  Lips  v.  Herden  25JL  264. 
beringen  Heringen  (b.  Nordhausen)  205. 
herman  Landgraf  Hermann  L  v.  Thüringen 

135.  136.  137.  139.  140. 
hermann  Hermann.  Sohn  des  Landgrafen 

Hermann  L  136,  L32. 
herman  Hermann,  Sohn  Ludwigs  IV.  u. 

der  hl.  Elisabeth   v.  Thüringen  143. 

154.157.476 
herman   von  wymar  Graf  Hennann  v. 

Weimar  195,  196. 
herman  Hermann,  Graf  zu  Orlamünde 

u.  Weimar  IM. 
herodes  Herodes  44. 45.  50.  52.  54. 
berodes  Agrippa  Herodes  Agrippa  5a 
berodiades  Herodias  50. 
hersfelde  Hersfeld  IL  7JL  111  LLL  LLL 

156. 157.  170.  187.208.288. 
hesselere  Burghessler  196. 
hessen  Hessen  (Land  u.  Volk)  41.  n.  a. 
hessen  Hessen  (Landgrafen  von)  185.  2<">2. 

214.  2L1  23A  247.  255.  3Ü1L  'ALL  1125. 

32S.  3J1L  335. 3_39_ 365. 37A  322. 
hibernien  Irland  47. 
hiltberg  Heldberg  212. 
hiltporg  Hildburg  ßiL 
hiltprechtshusen  Hildburghausen  öfi.  212. 
hildebrecht  Hildobrecht  65.  70. 
hildenshevm   Hildeshoira  lüL  LH1  LLL 

219.  437.  457. 
hylderich  (hilderich)  llylderich  65.  IL 


542 


Register. 


hindcnbnrg  Hindenborg  (?)  203. 
hispanien  (hispania)  Spanten  278.  425. 
hopfcarten  Hopfgarten  bei  Weimar  178. 

hochenstoyn  Hohenstein  (Toil  de«  Hel- 
drasteines) 193. 

hochen  solniicz  Hohensolms  81. 

hochheira  Hochheim  bei  Erfurt  185. 

hoc  burgundien  Hoehhurgund  340.  348 

holczappfel  herman  Hermann  Holzapfel 
(Bartüsserordens)  277. 

hollant  Holland  445.  4^1 

homlwrg  Homburg  71.  82. 

honorius,  papa  Papst  HonorinslII.  286. 

m 

honorius,  papa  V.  Papst  Honorius  V.  289. 
honsteyn  (Grafen  u.  Herren  v.  Honstein) 

205.  206.  201.  212.  220.  22k  2ÜL  244. 

2ÜL  265.  277.278.  287.  3H7.475, 
horborgk  Horburg  473. 
horsselberg  Hörselberg  122. 12S.  217. 
houfeldor,  cristofel  Christoph  Haufelder 

277. 

hug  (gen.  bugis)  Hugo  (Bruder  Ludwigs 

mit  d.  Bart)  11*. 
huma  Auma  202. 
hunefeld  Hünefcld  203. 
hunen  Hunnen  El. 
hus,  johannes  Johannes  Hus  479. 
husen  (Herr  Ludwig  u.  Rudolf  v.)  Hausen, 

Ritter  152, 
hussitae  Hussiten  280. 

L  J.  Y. 

jacobi,  heinrich  Heinrich  Jakobi  (Caplan) 

'/77. 

jacobus  Jakobns  56. 

jacobus  der  groeze  Jakobus  der  Grosse  56. 
jaeoff  Jakob  50. 

jaeoff,  sente  St  Jago  di  C'orapostelladfiiL 
jacofT  Jakob  (ein  Knecht)  278. 
jafeth  Jateth  ÜiL  40.  (Stadt  40), 
janun  Genua  (Janua  Ligurum)  429. 
januensis  (archiepiscopus,  cardinalis,  Erz- 

bischof,  Canlinal)  von  Genua  427.  429. 
yponnensis,  episcopus  Bischof  von  Hippo 

280 

Italia  Italien  42S.  423. 47JL 
jecheborg  Jecheburg  12.  Z5.  120. 
jehene  (jhene,  jene,  gena)  Jena  160.  233. 

241  270  449.505. 
jeronimus  Hieronymus  (Sohn  des  Papstes 

Sixtus  IV)  42L  42ß_ 
jeronimus  Hieronymus  (von  Prag)  479. 
jerosoliraitanus  Jerusalemisch  lUl 
jersick  (^rsicus,  <:ersico)   Goorg  (Georg 

v.  Podiebrad .  König  v.  Böhmen)  205. 

2iL2>0  2S  1.503. 


jhcrnsalem  (Jerusalem)  Jerusalem  4L  4£L 

5tL5ji  5A5A5A5JL&L89^10_L101 

112.  167.  276.  308.  458. 
ihesus  cristus  (als  Zeitbestimmung  nicht 

erwähnt)  39. 44. 45.  u.  oft. 
Hera,  herre  von  —  Bern  356. 
ylmana  (ilme)  Ilm  (Fluss)  120.  258. 
ilmene  (ilmena)  Ilmenau  258.  259. 
immolensis  (Adj.)  ans  Imola  428. 
ynehant  Dinant  (Stadt)  ML 
ingerssleubcn  Ingerslelwn  (Dorf)  259. 2M 
innocentiiLs  Innocenz  IV.  Papst  100  41L 

47H. 

innocencius  Papst  Innocenz  VIII.  440. 
jovis  Jupiter  1 14. 

johan  borgraf  v.  nomberg  —  Johann 
Burggraf  v.  Nürnberg  200  212 

johan  Johannes  (ein  Priester  aus  Boden- 
hauseo)  217_ 

johannes  (johans,  johan)  45.  50. 124.  15L 
190. 

jonlan  Jordan  45.  50. 
jorgo  (sente)  hl.  Georg  (Kirche  ihm  ge- 
weiht) LHL14A 
jorgo,  herezog  v.  Sachsen  Herzog  Geor» 

v.  Sachsen  462. 
jorgental  Georgenthal  12S.2L122L 
josaphat  Josaphat  51. 
josephus  Josopnns  (Geschichtsschreilier)  57. 
joseph  Joseph  44.  45. 
iring  (yring)  Iring  fifi.  68. 
ysaohar  Isaschar  54, 
lsh'iiben  Eisleben  22£\  313. 
istrnt  (isentrut)  Isentmd  9_L.9_8_. 
isenach  (isenacum ,  civttas  isenacenoisi 
Kisenach  IL  84.  85.  80.  88  90.91.93 
12L  12H.  138.  lila.  140.  143.  145. 
147.  14*  149  153.  157.  163  17(1  ITT 
lT'J  ISO.  1S1.  I.s2.  1SS.  IV.'.  193.204. 
215.  2JJL  217.  222.  23L  3ÜL  477.  47*. 
412.50fi.522. 

badestoben  Badestube  (Strasse)  00. 
platea  cerdonum   Löbersgasse  (wo 
verschiedene  Handwerker :  Gerber, 
Kürschner,  Sattler  u.  Schuhmacher 
wohnten)  479 
porta,  s.  Nicolai  Nicolaithor  479. 
klemme  die  Klemme  176. 179 
katharinenkloster  IM  130.  lfiLUL 

190  220  478 
karthäuserkloster  (conventus  karthu- 

sianus)  479. 
isenecherburg  (isenecherborg)  Eise- 

nacher  Burg  ML  IM. 
lowergassc  Löhersgasse  (s.  ob.  platea 

cerdonum)  216 
messersmede  gassc  Messcrschmiede- 
gasse  9Q. 

nicolaus,  sente  Nikolausklostc-r  127. 


3ö  by  Gc 


I 


I.  Orts-  ud<1  Personenregister. 


543 


sente  petefsberg  Petersberg  127.  128, 
rolle  auf  der  Holle  (Strasse)  8JL  9IL 
isenberg,  dietber  von,  Dietrich  II. ,  Graf 

v.  Isenburg,  Erzbischof  v.  Mainz  853. 

38L  324.  aas.  32L  407.  412.  11 3.  119. 

•123.4HL488.  50 1 . 
isenbergk,  johan,  junkir  Junker  y.  Isen- 
burg 395. 
isaerstete  Isserstedt  (Dorf)  234. 2ü 
judas  Judas  50.  54.  55.  56. 
jutta  Jutta,  Gemahlin  dos  Landgrafen 

Ludwig  II.  des  Eisernen,  Tochter  Kaiser 

Friedrichs  L  131. 
jutta  Jutta  (Gemahlin  Ludwigs  II.  bez. 

IV.),  Tochter  dos  Herzogs  v.  Schwaben 

412. 

judea  (jodea)  Judea  ü£L  407. 

judei  Juden  283. 422. 413. 412. 

juliliorg    (julborgk,  ileborg)  Eilenburg 

4L2IL  115. 
julich  (juliacum)  Jülich  41.  47f>. 
julius  (Caesar)  Julius  Casar  4L  17-'., 

,  L. 

latina,  porta  (Rom)  Porta  latina  308. 

lamperten  Lombardei  62. 14M.  206. 

landesberg,  otto,  schencke  von,  herro  zu 
sydawe  Otto ,  Schenk  von  Landsherg, 
Herr  zu  Seida  222-  228. 

landessberg  (landesberg)  Landslwrg  (Graf- 
schaft) l&L  12L 

langenhayn  Langenheira  17S. 

laurenciuH  hl.  J Laurentius  107. 

lechtensteyu  (lichtenatevn),  otto  von  Otto 
v.  Lichtenstein  277.  278. 

legenitcz  Liegnitz  322. 

lengefelt  Lengfcld  (Dorf)  430. 

longo  witz  Lengwitz  (Gau)  458.  459. 

leodicensis,  episcopus  Bischof  v.  Lüttich 
4M. 

lesthen  (leysten)  Lehesten  179.  473. 
l&scmoister,  heinrich   Heinrich  Lesse- 

meister  222. 
lybani  Libanon  4L 

Lyptcz  (liptcz,  lipcz,  lipss)  Leipzig  5JL 
164.  2üL  2G2.  2ü7_  348.  222.  453,  463. 

507. 

lippe,  stad  zur  Lippstadt  251 . 

lippe  Lippe  (Fluss)  251. 

librata  (saneta)  Dom  zu  Florenz  (f.  Sancta 

lleparata)  390. 
iittenborgk  Litten  bürg  162. 
lyle  Lille  3fiL 

lyna  vlina)  Leina  (Fluss)  207. 
linderbech,  johann  Johann  Linderbach, 

Canonicum  z.  St.  Severi  in  Erfurt  374. 
lingow  Lemgo  251. 

lynoniensis  (recte:  livonicnsis)  episcopus 


Bischof  von  Livonien  (Riga  in  Livo- 

nien)  283. 
Iinss  Linz  a.  R.  S34. 344.  S4S.  341L  ML 
livonia  Livland  430. 
lobeda  Lobeda  241.  258.202. 
lobestcyn  Lobenstein  270. 
lodewig,  Ludwig  der  Fromme,  Deutscher 

Kaiser  72. 

lodewig,Ludwig  der  Baier,  Deutscher  Kaiser 
191. 122. 

lodewig  Ludwig  (Herzog  v.  Thüringen)  23. 

lodewig,  sein  Sohn  desgl.  23. 

lodewig  Ludwig  mit  dem  Barto,  Land- 
graf v.  Thüringen  Iii  US.  121  V>* 
422. 

lodewig,  der  Springer  Ludwig,  tandgraf 
v.  Thüringen,  der  Springer  122. 123. 124. 

lodewig  Ludwig  I.,  Landgraf  v.  Thüringen 
120.  128. 

lodewig  Ludwig  II.,  Landgraf  v.  Thüringen 

ML  128. 122. 13Ö.  132. 412. 423. 
lodewig  Ludwig  III.,  Landgrat  v.  Thüringen 

(der  Milde)  80.  124.  125  132  134  135 
lodewig,   Landgraf  Ludwig  (IV.)  der 

Heilige,  oft,  z.  B.  83-96.  (S.  135—143). 

103.428. 

lodewig,  Ludwig  (Sohn  Ludwigs  L}  Graf 

v.  Thamsbrück  12fL 
lodewig  von  guttern  Ludwig  v.  Gottern 

184. 

lodewig  von  lora  Graf  Ludwig  v.  Lora 

120. 

lodringen  (lotringen)  Lothringen  66. 365. 

368  :;7 1  372.  373. 
lotringisch  lothringisch  368. 
lora  Lohra  I2iL 

lorencz,  kerstan  Christian  Lorenz  271. 
losan  Lausanne  3fii>.  37 1 . 
loube  (blosse)  Loibe  (Teil  des  Thüringer- 
waldes) IIS. 
buche,  heinrich  von  Heinrich  v.  Laucha 

hibenccke  (Lebns?)  145. 

Lupenitz  Lupniz  59. 

lubig  (lubega)  Lüheck  42. 

lucka  Lucka,  Städtchen  bei  Altonbiirg 

181. 

lucern  Lnzern  354. 

luchtenhurg  Die  Leuchtenburg  215. 216. 

•JtSl>  271.  "274. 
luchow  Laucha  262.253, 
lucifer  Lucifer  (Teufel)  312. 
lutczelnborgk  (lutczelnborg.  lutczenlwrg, 

lotczelnborg)  Lützelburg ,  Luxemburg 

268  270.271. 
Iutdim  Luifdunura  Lyon  5iL 
lutenberg  Leutenberg  345. 
ludewicus  von  franckrich  Konig  Ludwig  IX. 

v.  Frankreich  (u.  s.  Bruder  u.  s.  Sohn )  167. 


jd  by  Google 


Ml 


Register. 


ludigk  (lutch,  lutheh)  Lüttich  HL  3_L_. 
MM 

lullus  Erzbischof  Lullus  v.  Mainz  288. 
Iiina  Laun  2L9_, 

luneborg  (Iuneborgk)  Lüneburg  41.  47 -r>. 
luneburg,  Herzog  Otto  v.  Braunschweig- 

Lttneburg  (od.  Göttingen)  (a.  d.  Leine) 

200.207.  210.  21  1.212.  214. 
Iimergoii  Lunergen  (?)  350. 

M. 

maebomet  (machometus)  Muh  am  med  159. 
477. 

madela  Magdcla  2JM.  2i2. 2j_8_ 
mathias  Matthias  (Apostel)  280. 
matbias  Mathias  v.  Bucheneck,  Erzbischof 

v.  Mainz  IQfi.  473. 
matstete  Mattstedt  241. 
raanichey  Manichäer  105. 
mansfelt  Mansfeld  IUI  37JL 
mansfelt  (Grafen  v.  Mansfold)  244. 
mansfelt,  heinrich  Heinrich  Mansfeld  (ein 

Priester)  2i2_ 
mark  (marg)  Mark  Brandenburg  191. 

201.207. 
mark  Mark  (Grafschaft)  253. 
marckomedes,  rex  thuringorum  Marbod  (?), 

König  der  Thüringer  2SJL 
marci :  cardinal  tituli  s.  marci :  San  Marco 

in  Born  ML 
tuartpurgk  (martpurg)  Marburg  in  Hessen 

89.  97. 9*.  U)l.  103.  L.3.  1;>7." 
martinus  Papst  Martin  Vr.  480. 
raartvippach  Markvippach  409. 
margareta  Margarethe',  Tochter  Kaiser 

Friedrichs  II.,  Gemahlin  des  Landgrafen 

Albrecht  des  Unartigen  v.  Thüringen 

168. 

margrote  Margarethe,  Tochter  des  Burg- 
grafen Jo!iann  v.  Nürnberg  212. 

roaria,  Jungfrau  Maria  4  t.  4JL  57. 190. 
CM  421  423. 

raaria  roagdalena  Maria  Magdalena  55. 

50. 

marianne  Marianne  4A 

marschalck,  rudolff  Rudolf  Marschall  277. 

marrobod  Marbod  5_Q. 

maximilianus,  archidux  Erzherzog  Maxi- 
milian (und  späterer  Kaiser)  430. 

mcchilt  Mechthilde  v.  Baiern,  Gemahlin 
Friedr.  II.,  Landgraf  v.  Thüringen  191. 

meilici  (medicis)  Medici  3ü8-  'ML  ML  -üiL 
julianus  (iiulio  de  Medici  388.  389. 
3i_L 

lauroncins  Lorenz  de  Medici  389. 
390.  391.  393.  428. 
meydeborg  Magdeburg  (auch  Krzbischöfe. 
BiKcbOI..'  u.  s.  wj  __L  7(L  LML.  132,  Lüh- 


1S9.  199.  213.  22fL  2M.23L2i4.34A 

353.  376.  SOi. 
meydeburg  (Herr  Heinrich  v.  Magdeburg, 

Ritter)  152. 
raeylan  (meyelan,  mediolanum)  Mailand 

7s.  20B.  429. 
mej  Idingen  Graf  Härtung  von  Mellingen 

8L12JL2Ü.  25fi. 
meynhart  Graf  von   molberg  Meinhart 

Graf  v.  Mühlberg  152. 
melher  Obermehler  296. 
mencz  Heinr.  II.  von  Isny,  Erzbischof  v. 

Mainz  113. 
mencz   Ludwig,  Markgraf  v.  Meissen, 

Erzbischof  v.  Mainz  191.209.210.  212. 

213. 

mencz  Erzbischof  Johann  L  (von  Luxem- 

burg-Ligny)  2m 
mencz  (Graf  v.  Nassau)  Adolf,  Erzbischof 

v:  Mainz  209. 210.  211. 
menezen  Mainzer  (Beamte)  247. 
menezschin ,  die   Die  Mainzischen  ,  die 

Mainzer  395. 
mentsch  (menezisch)  Mainzisch  490.  528. 
mertin  (sento)  hl.  Martin  84.  13S.  401. 

402.  404.  415.  483. 
merern  (meheren  land)  Mähren  (marg- 

graf  von  merern  Markgraf  Jobst  v. 

Mahren)  200  41  fi. 
merseburg  Merseburg  (auch  Bischöfe  v. 

Merseburg)    8Ä  10L 1 10.  L2JL  IM.  23A 

2_i9_  250.  2fi2. 20jl 
raerwig  Merwig  00.  70.286. 289.  472. 
merwigisborg  (mewirssburir,  mewersborg) 

Möbisburg  (Dorf)  fiü.  TA 
michel  (sente)  St.  Michael  114. 
michael,  s.,  archaugelus  Erzengel  Michael 

m 

mittelhusen  (metfelhusen)  Mittelhausen 
(Dorf)  1ÖL  119.120.121.183.184  194.474. 

mila  (Berthold  v.)  Mihla,  Rittor  1 52. 

missen  Meissen  (mysna);  auch  Mark- 
grafen zu  Meissen  fi0_  LLQ.  liQ.  lfiL 
103,  164.  108.  170.  181.  186.  187.  191. 
190.  200.  202.  2J_L  212.  2_1L  218.219. 
220_  22L  222.  223.  22iL  22JL  23_L  232. 
249.  257.  258.  200.  201.  2fi3.  2Ü5.  21fi_ 

sät  aaLmmaiiLÄmiüi 

iL141I.4_L9_.i23  AML  45JL  45JL  4ü 

45.r>  450.  475  482.  483.  495  503.  504. 

506.  507.  509.  510.  513. 
raeissener  Meissner  41. 103.201. 419.  47:>. 

480. 481.  (misscr.  marchio  missensis). 
mochelc  Mücheln  2J_2_ 
mogenhofer,  hans   Johann  Mogenhofer 

(Bürger  v.  Nürnberc)  27__L 
Moguntia  (mencz)  Stift  u.  Stadt  Mainz 

_lL  TL  2i_l  2>M.  313.  3_L_,  340.  ÜIL  4i___ 


xj  by  Gc 


t.  Orte-  und  Personenregister. 


4jH,407im412.44&4JA4i^42A 
i;-L  452.  453.  45iL  46L  41 A.  4B8.4S4. 
482.422.423.424.425. 

Mogiintinus  (mogiintinensis,  archiepis- 
copus, erzbiachoff,  Bischoff  v.  Mainz) 
Erzbisohoff  v.  Mainz  2^3.290.313.  316. 
34  t.  345.  350.  352.  üibL  32ä.  320.  311Ü. 
4ÜÜ.  411L  112.  473,  414,  480.481.  482. 
4S3.  503,  506,  "OS.  .Ml.; 512.  517. 

mnygin  Main  iL 

moyses  Moses  45.  159.  477. 

molliorg  (mölborgk)  Muhlberg  62,  2üü  2Ü4. 

molborgk  GrafMcynhart  v.  Mühl berg  152. 

molhnsen  (molhuscnses  cives)  Mühlhausen 
L  Th.  120.  180. 184. 194.  204.  207. 211, 
242.  213. 236.  232.  238.  240.  243_  244. 
24L  248.  255.  225.  228.  335.  438.  473. 
517. 

molich,  Heinrich  Molich  278. 
molstorft  Molsdorf  252. 
roortin  M  urteil  370. 
mosser  Mosel  40, 

mnffel,  niclaus  Nicolaus  Muffel  (Bürger 

v.  Nürnberg)  228. 
mulnbusen  Mülhausen  L  E.  3*'.«;, 

N. 

nanse  (nansee)  Nancy  354.  371.372  373 
nazareth  Nazareth  5U. 
nazarcth  Noceroy  355. 
nazarcnus  Nazarencr  50. 
neapolis  Neapel  40.  390. 
nebra  Nohra  23L  263.  204.  2ÜZL 
nedir  roela  Niedermssla  234. 
nehascu  Neuhauscn  (b.  Apolda)  263. 
neylstote  Nägelstedt  1 17. 
nemroth  Nimrotl  40, 
nero  Nero  Sfi. 
nesse  Nesse  (Flüssclicn)  63. 
nickolsbuson  Nikiashausen  322.38Q.38L 
382. 

nicensis  (Kardinal)  v.  Nizza  427. 
nicolaus,  s.,  hl.  Nicolaus  421. 
niddcrlande   (nedderlande)  Niederlande 

356.  450  451. 
Nynive  Ninive  40. 
Ninus  (Nynus)  Ninus  40. 
notteleyben  Nottleben  (Dorf)  252. 
noc  Noah  32.  38. 32, 
norbe,  pawel  Paul  Norbe  (Schenk)  278. 
nortpertus,  archiepiscopus  Magdcburgcnsis 

Norbert,  Erzbischof  v.  Magdeburg  289. 
nortpertini  canonici  die  Nortpertiner  289. 
northusen   (civitas  northuBonsis)  Nord- 

haiisen  60,  76.  142.  180.205. 206.  207. 

212.  213.  230.  237.  238.  240.  243,  244. 

225.  228.  085.  386.  387.  412.  418.  412. 

472.  479.507.517. 


normandie  Nonnandie  364. 

nornberg  (norenberg,  nurenberg)  Nürn- 
berg 143.  185.  12L  212.  246.  254. 252. 
22&  350. 382.  388. 

nuenburg  Neuenburg,  bei  Freyburg  a.  d. 
Unstrut  131.  132.  144.  149. 155. 

numburgisch  naumburgisch  335. 

nuss  (nus8 ,  nuess)  Neuss  309.  .">10.  Sil. 
312.  313.  314.  315.  M&  318.  BJJL  32LL 
321.  322.  323.  32 1.  325.  326.  330.  331 
3Ji^  m  Ä  335.  336,  337  338.  339. 
340.  342.  343.  344.  345.  34fi.342.348. 
342.  350. 35L  35^358^358.345. 

nusesse  Neuses  250. 285. 

ntiwemart  Neumarkt  108. 124  260. 414. 

nuwenburg  (nuenbtirg,  nuweburg)  Naum- 
burg 1ÜL  110.  128.  IM.  160  235. 232. 
232.  243.  244.  245.  240.  24L  248.  260. 
264.  265.  26L2Ö8.  27_L  294.  296.  322. 
505.  507.  516.  (numburgisch  418). 

nnwen  may  (novimaginum)  Neumagen? 
4L  410. 

0. 

Opolch  Oppurg  59_ 
(Marianus  42. 43.  48.  42. 476. 
ochtland,  Üchtland  (Schweiz)  371 
otto  Otto  I.,  Deutscher  Kaiser  26.  22. 
Otto  Otto  IT,  Deutscher  Kaiser  TL  HO. 
otto  von  brunswig  Kaiser  Otto  IV.  81.  82. 
otto  von  merernheym  Otto  der  Schwarze 

v.  Mähren  126. 
otto,  jorgo  Georg  Otto  278. 
othgarius,  archiepiscopus  maguntinus  Ot- 

gar,  Erzbisch,  v.  Mainz  286. 
ottrand  Otranto  22. 
ovidius  Ovid  49. 

oldeslcuben  (oldisleuben)  Oldisleben  124. 
126. 

orbin  Urbino  890. 

ordorff  Ohrdruf  114. 120.  259.  288. 447. 
ortrand  Otranto,  Stadt  in  Apulien  152. 
orlamunde  (orlcraunde)  Orlamünde  143. 
197. 

orlamunde  (graf  von)  Graf  von  Orlamünde 

143.  262.266.  267. 
osterfelt  Osterfeld  258. 
osterich  Österreich  (auch  Herzog  v.)  65. 

20.24.8JLmmiM.222.322.3fii 

379.415. 
osterichs  österreichisch  366. 
osterland  Ostorland  (terra  orientalis)  6Ü 

85.  122.  L41I  145.  L04.  108.  112.  180. 

18L  191.  200. 21 1 .  220.  22 1 .  256.  473 
(osterlender  Osterländer  41). 
ossmanstefe  Ossmannstcdt  (Dorf)  237. 
ouwerstete  Auerstedt  263. 


K.HtolIeaMoroorUlo. 


546 


Register. 


Qu. 

quedelingeborg  (quedelnborgk)  Quedlin- 
burg (Äbtissinnen  v.)  76,  3>S6.  522. 

quornfart  Querfurt  (auch  Herren  v. 
Querfurt)  23L  241  5M 

quintillinus  Quintilius  (Varus)  48. 

quirinus  (kurinus,  karinus)  sanetus  bl. 
Quirin  323.  321  325.  326. 321.  32Ü.  332. 
333.  338.  341  S.F,2. 

R. 

ravenensis,  episcopus  Bischof  v.  Ravenna 

{St.  Severus)  2H6. 
raniss  Itanis  59. 

raspenberg  (rassenborgk,  rusteberg,  roste- 
berg)  Rastenberg  126  189.  263. 473 

rcatinus  (Cardinal)  v.  Reate  427 

reynhart  Reue'  II.  von  Vaudemont,  Her- 
zog v.  Ebringen  365.  370.371.  373. 

reynbardesborn  (reinhardisborn,  reyn- 
hardisborn)  Reinhardsbrunu  86.  92.  93. 
m  US.  121  126.  132.  m  146.152 
153  155.  15*.  112.  114.  11*.  21iL  472. 

reynstoin  Rein-  od.  Regenstein  a.  IL  387. 

reynstein,  Graf  v.  Regonsteiu  1 97. 

reynswig  Roinswig  122, 

rernde  Itemda  264. 

remigius  (=  romus»)  4L 

roinond  (romond)  grave  von  Graf  Jakob 
v.  Komont  37U.  371. 

remundus  Raymund.  Kardinal  v.  Gurk 
524. 

rcsenborg  Riesenljerg ,  Dorf  in  Böhmen 
217 

richonbach  Reichenbach  (in  Hessen)  146. 
rin  (rinstrom,  rvn,  rvnstrom,  renus)  Rbein 

4L  u.  a.  (ryn  4k  50.  51.  60.  118.219. 

226.  '249.  313.  3JIL  31Ü.  322.  324.  335. 

339^34113^^3^311419.445. 

458.  476.  4  7 8. 
ryn  (pfalczgravc  am     Pfalzgraf  am  Rhein) 

(Friedrich    der  Siegreiche)   31Ü  ML 

3L4.3L5.  3LL  32Ü.321.  3Ü3. 
rinckeleulien  Ringlebcn  (Dorf)  1*5 
ringrave  Rheingraf  3116. 
rynlendur  Rheinländer  210. 
rynolt  Reinhold  von  Dassel ,  Erzbischof 

v.  Köln  I£L 
rinsch  rheinisch  273.  515. 
mistete  Rhoinitudte  349. 
rlickencanus     (rockencana,  rockecana, 

rockenconus )  Rokyzana  278. 2^0.  281. 
rochlitz  Rochlitz  257. 
rodau  Rhone  54. 

rode,  cristorl'el  vom  Christoph  vom  Rade 

277. 

rote.  Rote,  Siffart,  Ritter  152. 


rotenberg  der  Rote  Berg  (unweit  Erfurti 

250. 

rotensteyn  Rotbenstein  24L 
rothonborg  Rothenburg  beim  Kyffhäuser 

(auch  Grafen  von)  194.  474. 
rothomagen   Krzbischof   v.  Kothomagon 

(?  —  Erzbischof  von  Ronen)  167. 
rodirstorft  (rudoffisdorff)  Rudersdorf  22L 

263. 

.rodiss  (rodis)  Rhodus  171.278.  420  421 
422. 

roma  (rome)  4L  42.  43.  4L  4S.  311  38.$. 

390.  426. 
romere  42. 43.  u.  sehr  oft. 
(romani  475.  476.) 
romulus  Kumulus  41  44. 
rostog  42  —  rost6gk  5S  Rostock, 
ruhen  Rüben  5L  5JL 
rupertus,  bisschoff  zu  koln  Erzbischof 

Ruprecht  von  Köln  3JO.  311.  SLL^IL. 

316. 

rupertus,  ahbas  Abt  Huppert  289. 
rudelstadt  Rudolstadt  113. 198. 
rudeniez ,  nicolaus  de  Nikolaus  v.  Ru- 

denitz  281. 
ruthenorum   magister   Hochmeister  dos 

Deutschen  Ritterordens  inPreussen  auc« 

ruthoni)  130_. 
rudestete   (grocz)  Gross-R Udestedt  2iü 

292. 

rudolf  Rudolf  v.Habsburg,  Deutechor  König 

LZfi.  175.  176. 
rodolfus   Rudolf  (Rat  des  Bischofs  v. 

Würzburg)  3ÜL 
rula  Ruhla  130. 
runebergk  Ronneberg  2<i2. 
rusla  Rossla  (s,  Niedorrossla)  258. 
russe  von  groiez  (greutcz,  plawe)  Reu* 

v.  Greiz  (Plauen)  265.  21L  22K  29L 
russen  Russen  42.  5Ü. 
ruxleben,  heinrich  von  Heinrich  v.  Kux- 

leben  2IZ 

S.  . 

sachs,  caspar  Kaspar  Sachs  505. 
Sachsen  Sachsen   41  u.  oft  (saxen  59, 

Saxonia  476.480). 
Sachsen  (Herzog   v.  Sachsen)  199, 452. 

482.483.  513. 
Sachsen  Pfalzgrafen  zu  Sachsen  1 59. 
Sachsen  Herzog  Rudolf  von  Sachsen  212. 
Sachsen,  herezog  von  Herzog  Lotbar  von 

Sachsen,  Deutscher  Kaiser  125.  126. 
sachssenborg  Sachsenburg  6JL 
sal  Saale  115.  12L  123.  160.  235.  253. 

261.272.450. 
salberg  Saalberg  (Saalbäuser   b.  Kosen) 

265.  271. 


xj  by  Gc 


I.  Orte-  und  Personenregister. 


547 


salcza    Langensalza  IL  SL  82.  üä.  hiL 

ipm  230,  249  ■>():>■  r>oc>. 

salc/Jmrg  Salzburg  104. 
salcm  [=  jerusalera]  32. 
salcn  Salins  (Stadt)  SIÜ,  371. 
salvelt  Saalfeld  244, 
saJomce  Salome  4ü. 
salomon  Salonion  3JL 
salza  Salzderhelden  203. 
samarien  Samaria  47. 
sangerhusen  Sangerbausen  122,  123.  2ÖJL 
218. 

sardin  Sardinien  42. 
sarracenac  Sarazenen  287. 
Spangenberg     Herren    von    (Treffurt  -) 

Spangenberg  191.  192. 
sperling,  berlt  Berthold  Sperling  278. 
spinges  Spytiehncw  L  Herzog  v.  Böhmen 

25, 

spyra  Speier  182.  209. 
spire  Speier  ELL 

s|K)letanus  (Cardinal)  v.  Spoleto  427. 
spoluto  Spoleto  liL 

spoletana   vallis   Thor   ?.  Spoleto  (bei 

Assissi)  2JÜL 
spolctuin  Spoleto  429. 
spretten  Spröttau  2<>3. 
'scarparia  Skarperia  (Stadt)  393. 
scarioth  (?)  (Judas  Ischariotb)  te* 
sobalam  Schalam  (Jude)  2f>9. 
schalam,  heinrioh  Heinrich  Schalam  27Ö. 
scharffenberg  Scharfenberg  217.  218. 
scharffonsteyn  Scharffenstcin  170. 
schonckeberg ,  dittrich  von  Dittrich  von 

Schenkenberg  277. 
schyppelitcz  (schippclitcz)  Zschciplitz  (bei 

Freyburg  a.  d.  Instrut)  122.  L24.  mL 
schiding,  bans  Johann  Schiding  27H. 
sebidingen  (Burg)schcidungen  «7,  iiü. 
schildorode    (schildenrode)  Schilderode 

P>()  414. 

achinstete  Schönstedt  (Dorf)  hOh. 
schinstete,  hartung  Härtung  Schönstedt 
271.275. 

schinstete,  hans  von  Hans  v.  Schönstedt 
278. 

schonenberg ,  vith  v.,  herre  zu  glucl\owe 
Veit  v.  Schönberg,  Herr  zu  Glauchau 

277. 

schowenberg,   caspar  von  Kaspar  von 

Schowenlierg  277.  278. 
schouwenborg  Schaumburg  118. 119  472. 
schowenforst  Scbaumforst  143. 
schuteze,  caspar  Kaspar  Schütze  277. 
scocia  Schottland  42.>. 
stafhlsteyn  Staftelstein  337. 
Stetten  (stettvn)  die  von,  die  Edelherren 

v.  Stetten  Ä  3*L 
stetigen,  herre  von,  Stetigen  (?)  355. 


Steffen  Stephan us  5J1  167. 

Steffen  Stephan,  König  v.  Ungarn  III. 

Steffen,  sente  KJostor  bei  der  Kirche  des 
hl.  Stephan  in  Zeitz  2Ö2. 

«teften  Stephano  Bagogui  (florentinischer 
Priester)  3ÜL 

steyn  Wendelstein  234,  237. 

steynforst  Steinfurt  1S2. 

steynhuse,  apel  Apel  Steinbausen  (Schrei- 
ber) 218. 

stenczel,  Stenzel  (Kuchenauftruger)  278. 
stobar  Stobra  (Dorf  bei  Capellendorf)  505. 
stotternheym  Stotternheim  473. 
»togkhusen  Stockhausen  (Dorf)  102. 
stolbergk  (stolberg)  Grafen  von  69.  120 

U±  U&m*  ^  'MA.  22L  ü± 

506. 

Stolle,  Andreas  435. 

strossborg  L  Eis.  Strassburg  1_H1  350,  370. 

stusfart  Stranssfurt  249. 

seliech  Katherina  (Bertha)  vou  Seebach 

158. 

sel>erg  Seeberg  b.  Gotha  122. 
sechsehe  landrecht  Sachsenspiegel  5Ü. 
setelstete  Sättelstedt      127.  (=  satbanas 

8  tote  128) 
seestete  Seestädte  u.  Hansastädte  349. 
negel bache  Sengelsbach  bei  Eisenach  L8JL 
sera  Sem  39. 
semerana  Semiramis  40. 
seno  Seno  4L 

senssheym,  wolff  von,  bore  zum  scharezen- 
bergk  Wolf  v.  Sensheim,  Herr  zum 
Schwarzenberg  '277.  278 

Sibilla  Sihylla  42.  43. 

sicilien  Sicilicu  (Karl  v.  Anjou,  König  v. 
Neapel  u.  Sicilien)  187. 

syder,  hans  Johann  Sydcr  278. 

sillart  Siglried  J_L 

siffart  (syffert)  Sigfrid  III.  von  Eppensteiu, 
Erzbischof  v.  Mainz  HKL  L5JL  28JL 

siffrid  ,  Erzbischof  Sigfrid  II.  von  Mainz 
140. 

sygebrecht  Siegebrecht  70. 
sigclon,  johann  von  Johann  v.  Sigelon  355. 
Sigismund  us  Kaiser  Sigismund  480. 
Sigismund  us  Siegmund  (Dekan  v.  Alten- 

bunzlau  und  Prager  Domherr)  27 1. 
Sixtus,   Papst  Sixtus  IV.  425. 42H.  427. 

428.429.  430.  481.  432. 
slatheitn  (Hermann  von)  Schlotheim  152 
sletatad  Schlettau]  t  370 
slemichen  Siblemichon  (Jude)  275 
slesier  Schlesier  339. 
sliniez.   jorge  von  Georg  v.  Schleinitz 

277.  27m. 

slotheim,  jorgo  von  Georg  v.  Schlotheim  277. 
slotheim,  kerstan  von  Christian  v  Schlot- 
heim 277. 

35* 


xi  by  Google 


548 


kegister. 


smalkalde  Schmalkalden  151. 
smirna  Smyrna  42. 

snabeiborg  Schnabelburg  bei  Nonlbatisen 
205. 

sneberg  Schneeberg  (Stadt)  3Ü1L  mi 
sneberger  groseben  Schneeberger  Groschen 
456. 

snelman ,  snelmanshuscn  Schncllmanns- 
hausen  03. 

soben  borgen  Siebenbürgen  846. 

sopbia  (Sophie  ?)  Äbtissin  von  Kitzingen  91. 

sophia  von  Bayern,  Gemahlin  des  Land- 
grafen Hermann  L  v.  Thüringen  93, 
101  185.  180  (152).  154.416. 

sophia  Sopbia  von  Brabant,  Tochter  d»  r 
hl.  Elisabeth.  Iii,  165.  47J1 41L 

sophia  (?)  2»  Tochter  der  hl.  Klisabeth 
ds.  Namens  11 5. 

sophoien  Savoyen  8<>s. 

soerates  Sokrates  46. 

sotez  Saaz  219. 

soesscz  (fcoesüt,  soest,  zost,  civitas  zuza- 
tensis)  Soest  24Ä.  24iL  25_L  2IQ. 
290  311 

sofoyer  Savoyer  370. 

sofoyssch  savoyinch  371. 

solczbich  Sulzhach  222. 

solmenicz,  bans  von  Johann  v.  Solmenitz 
27JL 

solms,  ruprecht,  graf  zu  Graf  Ruprecht 
zu  Solms  4'.i5. 

somtra  Sontra  215, 

sommerile  Sömmerda  505. 

sommeringen  (Sömmerda?)  wohl  Gang- 
loff- oder  Lützensömmern  ls5. 

sonnenborn  Sonncborn  192. 

sul  Säule  (Geschlecht  Uolonna)  !iL 

sulcza  Sulza  234. 

sulczebrugkcn  Sülzenbrücken  (Dorf)  259. 

Rundershnsen  (auch  comes  de  sunders- 
husen)  Sondershausen  385  178 

Suselitcz  Suusellitz  191. 

swansee  Schwansce  455. 

swareza  Schwarza  (Kluss)  \m  Schwarz- 
burg 257. 

swarezen  wald  Schwarzwald  (Dorf  204. 2Q5_ 
Hwarcz borg  (tswarczburg)  Schwarzburg  {auch 

Grafen  von).  62. 142.  lüL  IM-  IÜIl.  IM. 

19.s.  199.  204.  205.  214L  'AHL  22h.  255. 

25JL  25L  25jl  25iL  260,  26fL  2TL  27JL 

875  378.  396.418  474.506. 
swarczj)urgixch  335. 
swebisch  schwäbisch  322. 
swewia  Schwalten  478. 
awit«  zen,  landzu  —  Schweiz  358  854  855. 

mL 

switezer  i^wirzon ,  switezon)  Schweizer 
322,  32dL  SM.  34Ü.  MiL  'dhSL  854.  355. 
35iL  357.  m  3JÜL  .m  3ÜL  2£2. 869. 


Bwobcn  Schwaben  50.  65.  70.  74.  78.  80. 
129. 161. 181. 

ü. 

uebtrisshusen  (ichtrisshusen,  ichtershusen) 
Ichtershausen  122.  19JL  25_&  413. 

utan,  utanrode  Utcnrode  63. 

udestete  Udestedt  188, 

uff  hofe  Uffhofon  82. 

utrlandc,  jaeoff  Jakob  Uffland  (Dolmetscher) 
27g 

nllen  Ullen  (ein  Knecht)  278, 
ulriche,  sente  hl.  Ulrich  12Ü. 
ulrich  Ulrich  v.  Mahren  12a.  12fi. 
ulsstn,  bans  von  Johann  v.  Ulssin  278. 
ungern   (ungaria)  Ungarn  61.  73.  74.  75. 

ft8.  91.  9S   102.  I  ll).  III.  115.  1  Hi.  1  17. 

13L  L4_L  LAU  HiL  232.  233.  2üL  31»; 

829  889.  346.  379.  415  4Ifi.42i.42iL 

43Q.  476. 
ungari  die  Ungarn  291. 
i ii)<;ersch  (ungerisch)  ungarisch  137.273. 

885 

unstrod  (unstrot ,  nnstrut,  onstrot)  Un- 
strut  62.  fiL  LÜL  LLL  120.  21U.  2LL 
212.  47A 

urbanus  Papst  Urban  VF.  4I& 

de  ursiuis  (Kardinal)  v.  Orsini  427. 

ussezig  Aussig  2ASL 

w. 

waluurgi»(sancta)Die  heilige  \Yalpurgis472. 
walkenryde     (wolkenrede,  wolkenrode) 

Walkenried  126.289.  472. 
waldeckc  Graf  Heinrich  v.  Waldeck  210. 

212. 

waldenterg  Wallenburg  lii2 

walter  Walther  9JL 

Walter  von  der  vogelweide  134L 

waltersleuben    Waltersleben    (Dorf  l>ei 

Erfurt)  4m 
walterus  de  glisbergk  Walter  von  Glciss- 

berg  422. 

walthart,  meister  Meister  Wra)tbart  398 
waldichen  Wäldchen  416. 417. 
w  all  man  Waldmann  (Name)  88. 
walen    Gallier,    Welsche    48.270. 271. 

mm 

walssleuben  Walschleben  438. 506. 

wangheym    Wangenbeim   (Herren  von) 
1Ü2. 192.217. 290.  277.  474.479. 

wartperg  Graf  Burchard  v.  Wartberg.  8L 

wartiiergk  (wartlx'rg)  Wartburg  8JL  84. 
äL  12L  122,  1Ü2.         Lii.  149.  150, 
152.  15:1.  1 55   156.  1(>1    l«i8.  169.  170 
UA  illL  IM  18L  188.  189.  190.  218. 
177.  478.  479. 


xj  by  Gc 


I.  Orte-  und  Personenregister 


549 


wassenborg   Wachsenburg  28.  2LLL  205, 

234.  271.272.  273.  274.  472. 
weczel  von  steine  Wenzel  v.  Stein  197. 
wota  Weida  (Fluss)  235. 
wcissenburg     (kriechisch)  Griechisch- 

Weissenburg  =  Krusovaz  291 . 
welsch  welsch  (italienisch)  387.  392. 
welscholand  Welschland  41 .  00.  61.  65. 
welschnumburg  Neufchätel  357. 
weisen  acht  Wisnak  376. 
wenczeslaus  Wenzel,  Herzog  v.  Böhmen  25. 
wenczeslans   Kaiser  Wenzel ,  König  v. 

Böhmen  21L  212, 
wendein  Vandalen  M. 
Wendelstein  Wendelstein  123. 
wenden  Wenden  59, 
wenghusen  Wendhausen  IfL 
werben  Werben  (Stadt)  322. 
wertenberg  Württemberg  350 
wertern ,    ditterich    von    Ditterich  v. 

Werthern  (Bürger  v.  Stolberg)  228. 
wortheim  Wertheim  3ÜL  ML  382.  'd&L 

112. 

Wertirde,  henricus  de  Heinrich  v.  Wit- 
terda 473. 

werichhnsen  Werichhauscn  128. 

wernerus  Werner  v.  Eppenstein ,  Erz- 
bisch, v.  Mainz  172.  405. 

wernyngorode  Wernigerode  197. 

werra  Werra  115.  Ifi2_  192.217. 

werronberg,  hartmod  von  Hartrad  IV. 
v.  Wörenberg  Hü, 

westfaln  (westfoln)  Westfalen  (sehr  oft) 
z.  B.  4L  Iii  u.  a. 

westfeling  192.  321. 

westhusen  Westhausen  196. 

wyperecht  Wigbert  (hl.)  156. 

wickerstete  Wickerstedt  241. 

wida  Weida  (Stadt)  2ÜL. 

witczeleuben  (Herren  von)  Witzlcbon 
196.  205  221L  2SiL  232.  239-  277.  278. 
122. 

witezenhusen  Witzonhausen  165. 
witterde  Witterda  5_22_  523. 
wigmann  Wichmann,  Erzbisch,  v.  Magde- 
burg 132. 

wyhe  Wiehe  l&L  123.  1__6_.  2_^  22A  232. 
2M. 

willerstete  Willerstedt  (Dorf)  IM.  128. 


wildenborn,  jorge  von  Johann  v.  Wilden- 
born 278. 

Wilhelm  Wilhelm,  Erzbischof  v  Mainz, 

Sohn  Kaiser  Ottos  L  22. 
wilhelm,  Wilb.  v.  Landshcrg,  (Bruder  des 

Landgrafen  Friedrich  11L  v.  Thüringen) 

12L20JL  2LLL  212.  22iL  22L 222. 

wilhelm,  Wilhelm,  Herzog  v.  Sachsen, 

Bruder  Friedrichs  V.   als  Kurfürst 

Friedrichs  II.  22fL  222, 230. 24L  213. 

25JL  25A  m  m  m  2J^  2l&  22k 

22Ü.22L32L  324.  325  326.  336.  340. 

325^32_L8_3L328.m416_,5i&5i_l. 
wilhelmitarum   ordo   Ordon   der  Wil- 

helmitcn  282. 
wilholmus  (dux  in  aquitania)  W.,  Herzog 

v.  Aquitanien  289. 
wintperg  \\  intperg  (b.  Jena)  122.  413. 
winthusen  Windhausen  203, 
winfridiiH  Winfrid  (Bonifatius)  288. 
wimar  (wymar)  Weimar  108.  184  L9Ji 

194.  122.  238_  241. 212.  250.  253.  251. 

26 2sil  22L  27_>L  37A  382.  m  ÜLL 

iiiLiiiLiJAmmöiiLDiiüajA 

518,022. 

wvmar,  ewald  Ewald  Weimar  (Schreiber) 
'395.  39JL 

wirezburg  (wirczpnrgk,  werezburg,  wercz- 
purg)  Würz  bürg  (besonders  die  liischöfe 
v.)  118,  2Ö1.  21fi.  212.  23L  24Ü.  251. 
321.  322.33fi.322.88_L  382. 

wissenfels  Weissenfel«  22fi  262.  265.271. 

wissensee  Weissensee  (i.  Thür.)  66.  1J1. 
13_L  132.  1Ü2.  III,  115,  128.  2-19.  25S. 
2iliL  lüJL  123.  5115. 

woldemar  Waldemar,  Markgraf  v.  Bran- 
denburg lfitL  187_  k58. 

wolffkele,  wiprecht  Wiprecht  Wolfkehlc 
277. 

wolfram    v.   eschen bach  Wolfram  von 

Eschenbach  13_5. 
wolfestorff ,   heinrieb  von   Heinrich  v. 

Wolfsdorf  222_ 
wormes  (wormacia)  Worms  101. 156. 288. 
wuruchen  Wuruchen  355. 

z. 

Zacharias,  papa  Papst  Zacharias  114. 288. 
zittau  Zittau  2 ■S 1 . 


II.  Sach-  und  Wortregister. 


A. 

Ap|»oliaeie  ApjH-llation ,  Berufung  407. 

4m  n:i 

abbietcn,  Verbot  aussprechen  485. 

ubbreviator  literarum  apostolicarum 
päpstlicher  Geheimschreiber  392. 

abbrach  (abebroch)  Abbruch,  Beein- 
trächtigung, Schaden  4QS_  4M,  48K. 
494. 

aptgott  Abgott  41L  114. 

abtgrunt  (fem.)  Abgrund  390. 

abebreeben  (in.  Gen.)  Abbruch  thun  51 5. 

abeezicht  (thun)  Abzug  (abziehen)  331. 

abetrage  Austrag,  Entscheidung  492. 

abetragen  abfuhren,  ablaufen  lassen 
323  f;  austragen,  entscheiden  492. 

abetrieben  forttreiben  3Ü3. 

abegang  Abgang,  Tod  483. 

abegescheiden  abgeschieden  97. 

abegunst  Abgunst.  Abneigung  388. 

abelegen  hinterlegen,  abtragen  496;  ver- 
güten 512. 

abelosung  Auslösung  (aus  der  Pfand- 
Bchafl  419. 

abeslagen  (abeslaen)  ableiten  324.  401. 

abgesatezt  abgesetzt  504. 

abir  (aber)  zum  zweitenmal  Ii  522. 

acht  Gerichtsbann,  Bann  4 OS.  418.  484; 
Gcrichtsverliandlung  490. 

achte,  geistliche  —  geistliches  Gericht  3Ü2, 

achtmanu  Achtmann  (octovir?)  409. 

achtung  Beobachtung  436. 

atezung  Nahrung  494.  4%,  512 

ade  =  ad  er,  aber  401  f. 

ave  inaria  Ave-Maria-Gehet  220  439. 

agnua  dei  Agnusdeigebet  (i.  d.  Messe) 
390. 

aide  eidern  Voreltern  513. 
alterstein  Altarstein,  Altar  354. 
allermelch  jedermann  87  f- 
allermelichein  von,  allmählich  119t- 
als  ferre  insofern  492. 
alzuhant  sofort  397 
ambasiatores  Gesandte  3!>S, 
amechtig  ohnmächtig  337  3S4. 
ammeebt  Amt  IIS.  2ÜÜ.  385  f  ((Gottes- 
dienst), 
ammecht  Amtleute  5L 
ammecht  man  Amtmann  52. 


amnieeht  lute  6JL  ÜL  Lül  142. 

ankommen  Beginn  488. 

anezeeu  (sich,  m.d.Gen.)  sich  annehmen, 

l>eanspruchen  403. 
anezchuug  Inanspruchnahme  413. 
audelogen  überreichen  öSf  .(vorandelogen 

134). 

antifen  W'echselgesang  (kirchl.)  501. 502. 
andirt  weit  zum  zweitenmal  38*}\ 
andirtweit  (andirtweilt)  anders,  anders- 
artig 232. 

antragen  (mit)  =  antragen  (bei)  232 1 
an twart  (anwart)  Antwort  43 f.  115.  1 16. 
22L4LL 

antwarten  antworten  232 ;  fiberantworten 
410. 

antwarter  (antwerter)  einer,  der  sich  vor 

Gericht  verantworten  muss  496.  514. 
antwerten  ausantworten,  überlassen  4Ü1. 

ane  ohne  (sehr  oft,  z.  B.)  402. 

ane  (adv.)  ausgenommen  498  f. 

anefange  (anegefange)  Anfang  363  :>t>7 

anende  (=  ane  ende)  ohne  Erfolg  266 f. 

anewisunge  Anweisung  229.  380  518. 

angen  Anfang  44. 

anhaben  anfangen  7 1  99 

anheilen  (anhebung)  Anfang  13 f.  5jL 

anbogen  verhängen  54. 

anlegen  (frans.)  in  Brand  stecken  266 

anliegen  dringend  bitten  68  f. 

anmacht  Ohnmacht  326. 

anqueinen  antreffen  418  f. 

ansproch  Ersatzpflicht  490. 

anslossen  anstecken  104  f.  156  f. 

anseteze  Anträge  413. 

an  seen  hinsehen,  beachten,  schauen  8iL 

ansihe,  werden  —  ansichtig  werden  35S. 

anxten  aufseufzen  523. 

arbitrator  .Schiedsrichter  418. 

archan  (archen,  arche)  Arche  32.  38.  39. 

areztige  (areztie,  erezdie)  Arznei  150  f. 

277.465. 
arthalRig  bepflügt  122  f. 
ardmeu  Arme  465 1- 
arg  erzürnt  358. 
argelist  Arglist  494  518.  519. 
armar*t  Armbrust  503  t. 
armes  huss  Armenhaus  92  f- 
arn  (Praet.  ir)  ackern  13.L 


xlby 


II.  Sach-  und  Wortregister. 


551 


astromygen  Astronomie  137  f. 
Augustinerordeu  (fratres  augustinensis) 
478. 

auwest  August  511 

B.  P. 

backen  (praet.  hoch)  backen  445. 
badebecher  Badowanne  138  f. 
patvn  (pantofen)  Pantoffeln  456.  470. 
pallaciuin  Zelt,  Palast  337.  3s  <i  :-i'.H 
pallas  Palast  43.47.391  :',t>2. 
palnien  Wedel  treiben  OLL  l&L  Palm- 
sonntag 245. 
palmenwocbc  Pahnenwoche  461. 
bangbart  Bankert  (uneheliches  Kind)  66. 
bauner  Schar  67  f.  74. 
parchen  Barchent  246. 

f »archin  Barchent  375 
»arte  Beil,  Axt  524. 

partie  (parthie,  pari  ige)  Partei  331.  388. 

402.411.  rm.  51  s. 
partigisch  parteiisch  489. 
barfossen   (barfosen,  barfusscu)  orden 

(fratres  minoren)   Barfüsserorden  Q1L 

13Ö,  UL  25JL  2IL  2ML  älü.  4JJi  478. 

503 

barmlich  (adv.)  Erbarmeu  erregend  385  f. 
bastart  uneheliches  Kind  JILL  230.  335. 

310.35g. 
beeke  Backer  405.  445. 
bekentnis  Erkenntnis,  Erkennen  401, 
bekommern  h.  kommern,  plündern  494. 
bedackt,  bedeckt,  angekleidet  420. 
bete  (bethe)  Abgabe  Ö2+.  216.  412.  49!'> 

497.  514;  Bitte  4*7  498  510 
bedechtenisse  Bedenkzeit  llfi. 
bedenken  (beducht)  denken  515. 
bedenckuug  Üla*rlegung  327. 
bethen  (beten)  bitten  498. 499. 
bethwingen   (betwingen)  bezwingen  52. 

397. 

bedrawen  bedrohen  244.  400. 

betreten  betreffen,  fiberraschen  131  f. 

betregnia  Betrug  1113  f. 

betregung  Betrug  335. 

betringen  (betrang  und  bedringen)  be- 
drängen TJLSfL 

betrüben  schwarz  machen  (betrübet  = 
schwarz  geworden)  449 

betrubung  Betrübnis  190. 

boduten  (praet.  bedutte)  bedeuten  384. 

bedutenisse  Bedeutung  292. 

IxKlutunge  Vorbedeutung  218. 

befallen  (praet.  hefyl)  gefallen  62  f. 

befreden  (etwas)  Frieden  verschaffen  220. 

begeen  ein  Leichenbegängnis  halten  92  f. 
9A132. 

begegnis  Begräbnis  9JL 


hegen  (partic.  begent)  begegnen  510. 

begiuae  Beguiuen  431. 

beginnen  (praet.  begunste)  beginnen  233. 

242f.       3m  32L  ±hL  455.  5fM. 
begnügen,  sich  sich  begnügen  514. 
begrebede  Begräbnis  488. 
behalden  festnehmen  383;  festhalten,  in 

die  Gewalt  bekommen  348. 
behalten  (intr.  praet.  behilt)  stille  stehen 

aa, 

beheiligen  heilig  sprechen  100. 
beheltnis  Behälter,  Kasten  311. 
beheltnisse,  mit      mit  Vorbehalt  489. 
behendickeit  (auch  plur.,  behendekeit  | 

Schnelligkeit  233.  310;  List  318  f.  £08. 
bchcr  (beer,  byer)   Bier         3Ü2,  4iüL 

AHL  iZL  443.  4Ü3.  AML  AULL  ATL  ML 

508;  Bär  365.  376. 
beyten  (beiten)  warten  164.245.260. 334. 
beissen  Falkenjagd  497.  514. 
beleyten  geleiten,  fuhren  389. 
benedicite  Tischgebet  vor  der  Mahlzeit 

31fi 

bennisch  Gebannter  488. 
benotigen  in  Not  bringen  346. 
benuget  sin  zufrieden  gestellt  werden 
1ÜJL 

berechten  vor  Gericht  verhandeln  48fi. 

pergamynt  Pergament  407. 

l)erg  fred  (bergtret,  bergefred)  Bergfried, 
rrurm  86  f.  222. 

berichten  (accus.)  versöhnen  249:  be- 
zahlen, Lösegeld  entrichten  42ü ;  durch 
Frieden  beendigen  206. 

berichten  (berihten)  versehen  (mit  den 
Sterbesakramenten)  100  f.  135. 

beringen  umringen  94 f. 

berynnen  berenuen,  belagern  271. 

bermelich  Erbarmen  erregend  500  f. 

bermelichen  (adv.)  zum  Erbarmen  104. 

bern  Birne  448.  464. 

bem  (berenn)  Abgal>en  497.  514. 

beruren,  sin  berührt,  betroffen  seiu  323, 

beruwen  bereuen  390. 

besagen,  sich  (lassen)  mit  sich  reden 
(lassen)  329 1- 

bescermen  beschirmen  32  G. 

beschateyen  brandschatzen  180. 

beschawen  beschauen  352. 

bescherren  verscharren  213  f. 

beschidickeit  Schlauheit  254. 

beschotten  besehütteu  319. 

bestaten  (syncop.  praet.  bestad)  be- 
statten 94  f. 

bestaltnis  Vorkehrung  522. 

bestetegung  (bestetingung)  Bestätigung 
4JKL48JL 

bestelle. i  Nachricht  geben  312  f. 

besten  /-titrieren  liljt. 


552 


Register. 


jHÄtilciicze  Pest  43JL  4M. 
besitczlich  besitzmäasig  411. 
besiet  beiseite  324. 

besynuen  zu  Binnen  führen,  einreden 
120. 

besingen  behauen  31f. 

bewereu,  sich      sich  beschäftigen  322  f. 

pfaffheit  (pfafheit,  pfaffheid)  Geistlich- 
keit 2111  21  fi  484.508, 

pferner  Pfarrer  185.  IIS.  222,  32L  383. 
433.  488.  499. 

pfingischeyligen  tage  Pfagstfeiertagc  204* 

pflege  Amtsbezirk,  Verwaftung241 .  Mit 
418.492. 

pflegelich  gewöhnlich  118. 

pflicht  Abgalt  812f. 

pfortencr  Pförtner  403. 

pfronde  Einkommen  188 t- 

Ehenning,  wisser       Silberpfennig  3.30. 
iboss  Beifuss  (Pflanze)  4  33  f. 
bibossenkrentzchen  Beifusskranzchen 
500. 

picke  Spitzhacke,  Meissel  A81 

pitezen  peitschen  201. 

pitezscherer  Versiegler  406  f. 

bieten  (uff  m.  Akk.)  als  Schiedsmann 
einen  aufstellen  412t- 

bierevge  (biereige,  bereige)  zum  Bier- 
bräuen Berechtigter  406.  411.  412.508. 

biewessen  Beisein  371.  401. 

by  grafft  Begräbnis  93.  94. 193.  221. 

pyne  (pine,  pene)  Strafe  (auch  Fege- 
feuer) im  i2i  m  m  4111 4Ü8. 4iL 

440.  (pynlich  adj.  409.) 

biret  (birret,  berett)  Barett  828.  456.  47P. 

by  stand  ig  gehorsam  52. 

placken  plündern,  ausplündern  237.  339.  +. 

olancke  Blankenzaun,  Tribüne  519.  520. 

blecken  sichtbar  werden  28t« 

bly  buchse  Feuerrohr  203. 

bilde  Steinschleuder  (blidenstad  Ge- 
schützhaus) 180.  198.  319. 

blien  Bleiröhren  21L 

bliensteine  mit  Blei  bekleidete  Steine 
324. 

blienspaugen  (blidenspangen  ?)  Schleier- 

spangen  141  f. 
blyg  Blei  lf& 

bligks  (blicks,  blix)  Blitz  lfifi.  m  452. 
blosse  bloss  362. 
bludekeit  Blödigkeit  150. 
bluen  blühen  44fL  iQL  4S4. 
bluning  blühend  38 f. 

(blute  Blüte  446). 
pobeu  oben  88.  162.  241. 
pobir  oben  180. 

pochen  plündern  259  f.  503 f.  505. 
bockschin  Hukskin  375. 
bottentreger  Butten  träger  459. 


potterkasten  Butterkasten  4'>->. 

l>otestate  PodestA  391  392. 

potschu  kurzer  Stiefel  87  f. 

Ixiffe  (buffe,  bufe)  Bube,  Knecht  381 
383.384.329. 

boyge  Beuge  (terra,  techn.  beim  Wein- 
bau) 438. 4fi3 

boygen  beugen  (ebenso)  438  f. 

boyger  Beuger  (Arbeiter  im  Weinberg) 
4fi2. 

boyme  Bäume  416. 
bon  Bohle,  Brett  44fif. 
bon  nayl  Brettnagel  446  t- 
borgermeister   (burgermeister)  Bürger- 
meister 228.  222. 
borglene  Verteidigungsburg  132. 
borgwal  Ringwall  einer  Burg  12£L 
bornen  brennen  48  u.  o. 
borschafft  Bauerechaft  513. 
bösem  Busen  242 f. 

bosstisch  rohgezimmerter  Tisch  (Folter- 
tisch?) 524+. 

bossc  (busse)  böse  105.  445.  460, 

bosse  (neutr.)  Possen  388. 

boese  Stiefel  142  t. 

bosserinne  Bürgerin  1:>5. 

practiceren  ausklügeln ,  ausklügelnd 
sagen  332. 

praedicatorum  ordo  Predigerorden  220. 
420.472. 

predigate  (prediate)  Predigt  82.  326  t. 
439.  441. 

prediger   (predicatorcs)  Predigerorden 

138.  181.426. 
breff  Brief  4*L  4*3. 
brennen  (bornen)  verbrennen  225.  440, 
privilegia  Gerechtsame  453 
prime  Prime  (prienterliche Tageszeit)  383. 
bringen  (1  »rocht)  bringen  526. 
prisne  Einfransung  456. 470. 
processie  Prozession  349.  432.  440.  464. 

498.  499.  500.  502. 
brotbencke  Brot  verkaufe täude  109.  485. 
Provisor  Statthalter  324.  32fi.  32L  338. 

400. 

brantcheue  Mieder  (Leibchen)  456.  470. 

brosttuch  Brusttuch  380. 

brostlisten  Brustlitzen  456.  470. 

bruhuss  (bruwehuss)  Brauhaus  406.  486. 

brumeister  Braumeister  486. 

bruwen  brauen  41 1.  486.  508. 

buch  Vertiefung  4 16  f. 

buch  Bauch  521. 

puttern  Butter  machen  456. 

buthe  (bute)  Beute  224  +•  345. 347.  5-lfi. 

buten  erbeuten  224.333.345. 

buten  zerschlagen  347 1- 

bulle  obrigkeitlicher  Erlas»  3fü. 

burgir  Bürger  376. 


Google 


II.  Such-  und  Wortregister. 


553 


burschafft  Bauerschaft  406. 
bussenpfeuning  der  böse  (oder  schlimme) 

Pfennig  (Steuer)  3ßJL 
bnssfellig  busspflichtig  401.  409. 
busswiraig  straffällig  486. 
buwemeister  Baumeister  403.  III.  467. 
buwen  bauen,  oft  z.  b.  3JL  451.  512.  5 Iii. 

C.  K. 

Capolebim  Kapelle  102t- 

kateze  Holzbrustwehr  (bei  der  Be- 
lagerung) 2Q3, 

kagk  Pranger  404 1- 

kahle,  das  (ergänz,  wö)  das  kalte  Fieber 
377. 

kaleygem    collegium    maius  (grosses 

Colleg)  mf. 
kamerere  Kämmerer  372. 
kammenneister  Kammermeister  (Finanz - 

Verwalter)  142  t- 
kammirwain  Kammerwagen  341  t- 
canczelige  Kanzlei  361. 
kebesen  Verstössen  141. 
ketezerige  (ketezerie)  Ketzerei  380.  383. 

504. 

kegen  (kegin)  gegen  351.  376. 
kegenwertigk  gegenwärtig  311.  454. 
kegenwertiekeit  Uegenwärtigkeit  375. 
kein  (kevn)  gegen ,  gegen  zu  458.  ällfL 

5J4, 522,52^^24.  (kern-,  keine -wart 

hin-wäit*  459.  U\\  500.  502,1. 
keine  wisse,  in  =  in  keiner  Weise  377. 
kein»  (subst.)  37s.  3K3. 
kemmenate  kleine  Burg  88 t-  122.  (sonst 

Zimmer  in  einer  Burg  127.  156.  273). 
kenczeler  Kanzler  520. 
keren  (s.  wenden)  86t- 
kermesse  Kirmess  147. 
keuffen  kaufen  452 
christiani  Christen  477  480. 
kindere  tnimpen  Kindertrompeten  IST. 
kysen  (kiesen,  k  essen)  kiesen,  wählen 

iio.  9.M)  aar  313. 
clagecziddel  Klagezettel  403. 
kleinkornigk  kleinkörnig  459. 
knechtchen  Knabe  102. 
knoufT  Knopf,  plur.  Schnurwerk  mit 

Knöpfen   470;    Kuppel    (an  einein 

Dachet  522. 
koppfe  Kufe,  Trinkgeschirr  361. 
koppfer  Kupfer  405. 
covent  (dünnes  oder)  Nachbier  443. 
kogel  Kapuze,  Frauenmütze  323 1-  379. 
collacien  Festmahl  388;  Erfrischung  52L 
collecte  Kollekte  (kirchl.)  50 1 . 
koller  Koller,  Halsbek  leid  ung  470. 
kollereeht  kollerartig  456.  470. 
tolligeren  summe lu  388. 


kolnmass  Kohlenmass  406. 
kolstoub  Kohlenstaub  406. 
complexie  Körperbeschaffenheit  378. 
kommer  Beschlagnahme  497.  514. 
kommern    (bekommern)    in  Beschlag 

nehmen  411.  494.  496.  511 
konde  Kunde,  Auskunft  513. 
koningk  (konningk)  König,  oft,  z.  b.  70. 

504.  u.  a. 
korclichen  (adv.)  nächstens  348. 
kort  kurz  498. 
körte  Kürze  103. 
körtewile  Kurzweil  376. 
cordiln  das  Herz  ausschneiden  393. 
korlich  sichtbar,  deutlich  402. 
korschenwergk  (kurschenwergk,  korssen- 

werg)  Pelzwerk  355  f.  4ÜL  485. 
korschuler  (choralis)  Cborschüler  383. 
kost  (collectio)  kosten  146t-  3JfL  506.  515. 

516.518. 

kostlichen  (adv )  mit  grossem  Aufwände 
46fi. 

kosen  küssen  525. 
kosssen  Kissen  525. 

kouffczeddel  Kaufzettel  (Erlaubniszettel 
zum  Kaufen)  450.  453. 

kouffhuss  Kaufhaus,  Kaufhallo  405. 

kouffmanschatcz  (kouffsehatcz)  Handels- 
gut 146y.  148.  246.  310.  313.  flfrJS, 

koweinul  (kümul)  Kuhmaul  45JL47IL 

krangkeit  Krankheit  464. 

krebis  Krebs,  Brustharnisch  35S 

credencz  Schanktisch  521. 

credencz  vass  Kredenzglas  35-1. 

credenserer  Mundschenk  392. 

kriegen  (prnet.  kreigk)  erhalten,  be- 
kommen 454 

cristener  mensche  Christ  312. 

krotten,  sich  um  etw.  bekümmern  222 1- 

krön  Krönlein  (an  der  Turnierlanze^ 
255  t.  522. 

cruce  (plur.)  Kreuze  499. 

cruezeger  (cruczebruderjKreuzbruder  20 1 . 

kruten  Kraut  holen  414t- 

kramp  krumm  49. 

krumme   thor  gekrümmte  Thordurch- 
fahrten 2ML 
kulde  Kälte  341.  324. 444. 
kume  kaum  4til. 

kummer  Beschlagnahme,  Verhaftung  402. 

kummern  mit  Beschlag  belegen  402  t- 

kömuler  s.  kowemuler  470. 

kuutlich  offeubar  5_LI5JiL 

kunst.  (partic.  praet.)  gekonnt  340. 

kusch  lieh  keusch  111t. 

kuw  (kow)  Kuh  337.  378.  448.  450. 

czayl  (czagel)  Schwanz  7JL  218. 

czeptor  Sceptei  354. 

czechener  Leineweber, Bettzeugweber  468 


! 


jd  by  Google 


554  Register. 


czeen  ziehen  497.  514,  515. 

czege  Ziege  44 s.  45i.i, 

czeiehenhaftig  durch  ein  Wunderzeichen 

8L 

czeichtneister  liettzeugwebermeister  409. 
447. 

czeldenpferd  (czeldener)  Zelter  88  t. 

ezemelieh  geziemend  485,  4S7. 

czemelickeit  Gebühr,  Reclit  516. 

czeruug  Aufwand,  Kosten  32!)  t. 

eziddel  (eziddil,  cziddele,  czeddel)  874. 
37JL  3_7JL  31)6  t.  4M.  ÜL  452.  45iL  biiiL 

czitlich  zu  rechter  Zeit,  reif,  erntereif 
497.  514;  zur  Zeit  im  Amte  519. 

czihen  (praet.  czoch,  czogeh)  ziehen  3ßJl 
8«jL  3fi8.  SilfL  W8j  sich  czihen  sich 
zurückziehen  97_;  cziehen  in.  d.  Dat. 
sich  nehmen,  sich  zurechnen  i  13. 

czinn  Zinn  405. 

czinsewagen  Zins  wagen  498. 

czolner  knecht  Zollknecht  408 

czucht  Gewahrsam  489. 

czuhen,  sich  sich  pflegen  99  t. 

czweitracht  (czweytracht,  czwevt  rechte) 
Zwietracht  1ÜL  324.  lüL  50JL  514.  511. 

czweytrachtig  (czweyl  rechtig)  zwie- 
trächtig 80.  12a.  1ÜL 

czweyfeildig  zwiefältig,  doppelt  82. 

czwolffbotentag  12-Herrentag  174. 

czwossen  zwischen  5*2 C>. 

D.  T. 

tabernakel  Zelt,  Hütte  32. 

tae  Unterhandlung  234  t-  238.  243.  244. 

24A  24fi.  242.  24£L  2^5.  2ütf.  2fi7_  2S& 

2ülL  222.  32JL  335.  312.  371. 
taferu  Schenke  381t- 
taffel  Gemälde  3£L 
david  David  32. 

tagksatzung  (tagesatzung)  Frist-,Termin- 

festsetzung  515.  5 IN. 
tage:  ufl*  tage  kommen  =  vor  Gericht 

laden  212  t- 
tagen  unterhandeln  234  f.  2JJL  32JL  335. 

330.389.310.  351.352.  353. 
tagewurte  Tagelöhner 
tag  geben  Frist  geben  20«  t- 
tagung  l'uterhandlung  385. 
talmetezseher  Dolmetscher  978 
tarn  (praet.  torte)  wagen  507. 
tarn  (praet.  torstc)  dürfen  500.  504.  507. 

tarresbuchsen  Festungskanonen  343- 
(344  vi. 

tarschc  itartsehe)  Schild  82, 
tepte  Teppiche  122. 

decken  zudecken,  deoken  (v.  Dach)  44*2 
459. 


teer  Tier  413. 

teydingen  verhandeln  81  u.  a. 
tevffen  taufen  12«  t. 
teylate  Teilung  232 f.  232. 
templariorum  ordo  Templerorden  287. 
282. 

denen  (gedenen)  dienen  181  52 1 . 
dener  Diener  124. 
dessit  (in.  Dat)  diesseits  31fL 
thor  Thür  3L 

thorn  (praet.  thar)  wagen    47.  67.  41 1 

(sich  unterstehen,  dürfen). 
Ihumtechant  Domdechant  482. 
thumher  Domherr  526. 
thun  eine  Absieht  haben  auf  887. 
thure  teuer  498. 
thurunge  Teurung  432.  12>L  5_LL 
dicke  sehr  8JL 

diugstul  Richteratuhl  IIP.  120. 

dinstfisch  Dunstfisch ,  Fisch ,  der  ge- 
dünstet wird  40« 

tischlachen  Tischtuch  40«. 

doben  oben  180. 

tockeman  Tockemann  (?)  399. 

dohem  daheim  512. 

dorchhowen  durchschlitzt  45«.  470. 

torn  (tonn)  Turm  222. 

dorneze  Hadestube,  geheizte  Stube,  Slube 
442  v.  HL  44S.451.  AhL  4M. 

torney  Turnier  512.  £2lL  522. 

tomeien  (getorneien)  turnieren  52 1 . 

torneier  Turnierkümpfer  5:'l . 

dorr  dürr  354. 

dorre  dürr  498 

torstickeit  Kühnheit  123  t.  18fL 

torstig  (forstlich,  trostlich)  183. 264 t .  22 1 . 

309- 

doselbest  daselbst  512. 

touben  vernichten  238  t. 

towen  (intr.)  tauen  444. 

tradiment  (neutr.)  Verrat  322.  393. 

drawewort  Droh  wort  806.  402, 

dreckecht  dreckig,  schmutzig  459. 

treten  treten ,  zertreten ,  zerstampfen 
(v.  Wein)  4Ü2. 

treter  Treter  (Arbeiter  bei  der  Wein- 
bereitung) 4^4 

treyere  Trierer  322. 

trenckere  (?  Trinker)  ^  trenthere  = 
drenthere  —  Bewohner  der  holl. 
Provinz  Drenthe  322. 

drien,  sich  sich  drehen  522. 

dryfaldickcit  Dreifaltigkeit ,  Dreieinig- 
keit 422. 

tri  ticke  gefis*e  Trinkgefässc  148. 

dringen  drängen,  zwingen  403. 

dryrstunt  dreimal  119. 120. 

trottart  tantz  Trottarttanz  4M.  Uli 

troym  Traum  52. 328. 


II.  Sach-  und  Wortregister. 


555 


troymen  träumen  54.  328. 

drowen  drohen  505. 

t rucken  trocken  44a. 

trugewetter  unsichere»*  Wetter  liLL 

truwo  Treue  l^Li&L  42^ 

truwelich  (adv.)  u.  getruwelich  treulich 
■r,11  515.  517.  MH  hl!L 

truwen  sich  getrauen  418. 

duherie  Dieberei  333  f. 

duberige  diebisch  169. 

dutcz  (dutsch,  duczland,  dutczelant, 
dutczhelaut ,  dutscbland,  dutezch, 
dutezche  land,  dutezsch)  deutsch  40.41. 
48.70. 72. 73.74. 80. 89. 101.482. 483  u  o. 

duteze  herren  Deutschritterorden  1  ;>7. 

turde  Tetirung  122 f. 

ture  teuer  460. 

durffen  bedürfen  345. 

tusscherie  Täuschung  Ü8X  $&L  383. 

tuseherige  Täuschung  3.">5. 

dusse  (—  usse)  aussen  228. 

twahen  (praet.  twug)  waschen  ü2. 

tningeu  zwingen ;  t\v.  von  zurück- 
drängen von  402.  403.  407. 

E. 

eptye  Abtei  76. 

eptisehe  Äbtissin  ALL  12L  153.  12L 
eben  passend  ÜL 

ebeuthure  (ebentur)  Abenteuer  140  238. 

45Ü.  Wagnis  bUL 
ebeuturer  man  Waghals  4GG. 
eberluthe  Richter  130  t. 
eckel  Stahl  520  f. 

echter  geächtet  192 1.       41&  4fi&  481L 

echtigen  Gericht  halten  4 '.><>. 

etezwau  irgend  einmal  1 3t» 

etwan  einmal,  ehemals  133 

ehel  Aal  354. 

ehir  ehe,  bevor  411. 

eytbruder  Eidgenosse  265  f. 

eythaftig  durch  Kid  verpflichtet  402. 40JL 

eyfeldickeit  Leutseligkeit  244 1. 

eygentlich  eigen  151  f. 

eintrechtigehien  einträehtiglich  327. 

eynfeildig  einfach,  bescheiden  218. 

einich  (eynich)  irgendweich,  irgend  einer 

487.496.  497.  M  9. 
eynichs  wegesladv.  lirgend  welcher  Art518. 
eynrosser  alleiu  reitender  Knecht  419. 
eir  Ehre  525. 

eliehen  ehrliehmacheu,  legitimieren  170. 
enpfahiln  empfehlen  342. 
eupfelnisse  Empfehlung  342. 
enpobet  oben  504. 
en  pur  eniiMjr  450. 

enezogen  (ensageu;  Absage,  Fehde  an 
sagen  258. 


enezwey  filen  entzweifeilen  454. 
entphaen  empfangen  486. 
entnhahiln  fibertragen  332  t- 
entkeyn  (enkeyu)  entgegen  525 
enttreten  vertreten  484. 
endelich  ordentlich  45JL 
enden  (ant,geant)  enden,  vollführen  266  f. 
eutflavn,  (sich)  (m.  (Jen.)  (sich )  entziehen 
402. 

entfuren  entführen,  hinterziehen,  nicht 
zahlen  4M. 

enthaldeu  behalten  4*<L49JL  erhalten  123f. 

enthoubten  50_j  enthoyben  310,  eut- 
houbeu  4fi  enthaupteu. 

entreden ,  sich  sich  entraten ,  sieh  ent- 
halten toi. 

en  treten  forttreten,  -gehen,  -reiten  361. 

entrücken  entfliehen  275  y. 

entruchen,  sich  sich  nicht  kümmern  149. 

entsagen  Fehde  ansagen  tflSf.  207f. 

entseninen  erscheinen  3S0 

eutschutezen  beschützen  1S4. 

entsetezen  sich  auseinandersetzen  410. 

euteeigebriff  Absagebrief,  Fehdebrief  25A 

entweichen  nachgeben  55. 

enelende  Verbannuug  48.  42.  50.  ene- 
lende  verbannt  9_5_. 

cnelendiclieh  elendiglich  364.  N 

envugen  nicht  passen  22*  t- 

engkern  ankern  109. 

engein  (eukein)  entgegen  358.  379. 

engen  einengen,  sperren,  verkleinern  512» 
518. 

engesten  ängstigen  108. 
ennyder  hernieder,  herunter  52JL 
enscheit  Entscheidung  514. 
enuif  hinauf  526. 

euwec  (  enweg,  enwegk)  hinweg  51  f.  377. 
417  430.  45Ü.  454.  45a.  4Ü3.  4fiiL  Ü1LL 

enwenigk  lenweningk)  ein  wenig  435. 

438. 441.  442.  452.  461. 
enzeben  (enezeben)  merken  45  t.  102  150. 

16A1ÜÜ. 

er  (der  geehrte  Herr)  69  t-  u.  oft. 

erabenemen  herabnehmen  466. 

erbarkeit  Ehre  9_L 

erlKJthen  erbieten,  erweisen  43_ 

erbetsam  arbeitsam  3t>9. 

erbeit  Arbeit  SM.  486. 

erbeyten  (erbeytten,  erbeiten)  erwarten 

39  976.  323.  342. 
erbeling  Erbe  235  t. 
erber,  erbar  ehrbar,  tüchtig  74. 78.  107 

117.118.  112.  D.  oft. 
erbhuldunge  Erbhuldigung  401. 
erbieten  (praet.  erboud  u.  erbot)  erbieten, 

darbieten,  enveisen  üL 
erbilden,  sich  nachdenken  über  190. 


556 


Register. 


erbnenic  (f.)  Erbiu  208.  pl.  Erben  513. 
erbotig  (uff)  gyn  jemand  zu  Willen  sein, 

erbötig  sein  zu  verhandeln  514. 
erkellen   kalt  machen  (pass.  erfriereu) 

438.  442. 

erkennen  bekannt  raachen,  öffentlich  be- 
urteilen 308  f. 
erklogen,  sich  an  =  sich  beklagen  bei 

erkobern  erobern  103  t-  367  f. 

erkrigen  bekommen,  erhalten  9JL 

erezeten  erzeigen  498  t. 

ertbebunge  Erdbebeu  20if-  446. 

ertraehten  ersinnen  239. 

eren  bearbeiten  402. 

erforsen  erforschen  466. 

erforeser  Spion  262. 

erfresen  (intr.)  erfrieren  436.  437.  1 16. 

-IT)'».  4.'>S.  4<;i. 
erfroren  (schwach-trans.)  erfrieren  machen 

452. 

erfrowet  erfreut  389. 
ergehen„durch  Gehen  erreichen  348, 
ergern  Ärgernis  geben  496. 
eihalden  festhalteu  377. 
erheben  heilig  sprechen  101- 
erherten  ertragen  341. 
erhitezigit  erhitzt,  erzürnt  402. 
erholen  sich  schadlos  halten  203. 
erlich  ansehnlich,  trefflich  4i&  422,  501. 
ermannen  sich  ermannen  32L  342.  347. 
ermanin,  sich  sich  ermannen  328. 
ermord  (ennort)  ermordet  68. 
ermut  Armut  188.  123, 
erne  (ernne,  kornernne)  Ernte  192.450. 
452 

ernstlich  ernstlich  bemüht  485. 
eroygen,  sich  sich  ereignen  510. 
errethum  Verwirrung,  Unfriede  850.  301. 

397.504.517 
erren  (frans.)  beirren  484. 
erren,  sich  sich  veruneinigen  252f.  331f. 
erren  (intrans.)  in  Verwirrung  sein  311  f. 
errenis  Irrung,  Uneinigkeit  517. 
erschineu  erschienen  327. 
erxchregknis  Abschreckung  383. 
crslaen  erschlagen  523. 
crslechen  erschleichen  335. 
ersophezen  (ersuffezigen)  aufseufzen  55 f. 

131. 

erregen  (praet.  ersrag)  erschrecken  54. 

erubirgeu  erübrigen  355. 

erubirien  erübrigen  376. 

erwogen,  sieh  (Gen.)  sich  aufregen  322  t- 

erwerben ,  an  bei  jemand  etw.  aus- 
richten 222. 

erwern  beschützen  114  f. 

erwinnen  überführen  422  (gerichtl. 
Ausdr.). 


erwuschen  erwischen,  finden  376. 
exs  (ex)  Axt  2221-245, 

F.  V. 

vallen  in  gnode  sich  ergeben  auf  Gnade 

263. 

fan  lehen  Fahnenieheu  112. 

varch  Varch,  Reinhart,  Ritter  152. 

vaste  (subst.  adv.)  viel,  sehr  263 t.  275 
320.  332.  340.  ML  342.  344.  345.  347. 
35L  354.  350,  365. 376.  320.  322. 

fasnacht  Fastnacht  126. 

fass  Fasa  voll  Weib  rauch  525. 

vedc  Fehde  511. 

feden  befehden  412. 

fee  Vieh  468.  5<A  502. 

fehede  (vehede)  Fehde  212,  3UL  490. 

vehen  befehden  232  t. 

feil  Fehler  412. 

veir  vier  417. 

fei  viel  405  u.  sehr  oft. 

feie  (adv.)  sehr  469  t. 

felkener  Falkner  404.  405. 

felichte  (fehelichte,  vellichte)  vielleicht 
330.341.496,504. 

femestad  Richtstätte  132  t- 

fenchen  Fähnchen  400. 

verblühen  verblühen  484. 

verkominern  mit  Beschlag  belegen  512. 

fertelen  verteilen  310.  311. 

ferlichkeit  Gefahr  498 

vermogeu  vermögen,  veranlassen  512. 

fern  (ferre)  fern  (beim  Morgen:  früh; 
beim  Abend:  spät)  347  t- 416. 

ferne  alsogleich,  insofern  85t ;  alt  436  t- 

ferre  fern  341 1- 

fernere  (Adj.)  491. 

vesperezit  Vesper  (priesterliche  Tages- 
zeit) 384. 

vestenung  Festung  189. 

festicklichen  (adv.)  fest,  mit  Nachdruck 
497. 

vitezthum  Vitzthum  (vice  dominus,  Stell- 
vertreter (in  einer  obrigkeitlichen 
Stellung)  118.  112.  202. 21L  222. 274. 
275.  396.  401.404.  405. 

fyern  festbauen  31t. 

figure  Symbol,  Gleichnis  338. 

vmemegd  Viehmagd  413. 

vilnach  (s.  volnach)  (adv.)  völlig  296  t. 

finternis  (masc.)  Finsternis  435. 

fingerlin  Fingerring  151. 

flebethe  bitten  82  t- 

flechten  flechtenartig  465  v. 

fleen  fliehen  505  523. 

fleischower  Fleischhauer,  Fleischer  174 1- 
405.409.  459. 

fleiss  Fleisch  123.  344. 


xJ  by  Goog 


Ii.  Such-  und  Wortregister. 


fiesen  (Hessen)  fliesseu  344.  401. 
rlitter  Flitter,  unechter  Schmuck  470. 
fliehen  (flouch)  Hiehen  57.211. 
flucke  flügge  465. 
flusen  fliessen  81  f. 
flusa  Flosa  237.  348. 
voytding  Vogtgericht  121. 
volle omenheit  .Gesamtzahl  350. 
vollebort  Zustimmuug  182  t- 
volleborn  Januar  44  f. 
vollencziung  Vollziehung  487. 
volnach  (s.  vi I nach,  folnach)  (adv.)  völlig 

232.448, 
vor  vorher  464. 

vor-  (Vorsetzsilbe)  =  ver  (meist). 

vorachten  (aller  .  .  .  ere)  in  die  Acht 
thun  u.  für  ehrlos  erklären  314.  403. 

voralden  alt  werden  123  f. 

voranderen  verändern  401 

vorandern,  sich  sich  verheiraten  218  f. 

vorbaunen  L  d.  Bann  thun  2QL  202. 504. 

vorbethe  Fürbitte  226. 

Vorbescheiden  Vorentscheidung  515. 

vorpitezscheren,  versiegeln,  verlackeu  406. 

vorbieten  (vorlieten)  entbieten ,  zu  sich 
entbieten,  211  i.  HO.  112.  lßä.  122.  326 f. 

vorbluen  verblühen,  zu  Ende  blühen  468. 

vorboygen  biegen  (den  Stock  im  Wein- 
berge) 462. 

vorlwrnen  verbrennen  441. 

vorpostien  (etw.)  um  etw.  Basteien 
bauen  402 1 

vorbringen  verleumden  52  "j\ 

vorbuntnisse  Bündnis  6fi.  239. 

vorbuasen  büssen  4 HA 

forchte  Furcht  505. 

vorkiesen  entsagen  127. 

vorkort  umgewendet  62. 

vorkuinmern  in  Beschlag  nehmen  410.412. 

vorkundigen  öffentlich  erklären  als  131  f. 

vorezeen,  sich  (mit  Gen.)  sich  unter- 
ziehen, eich  veqjfliehten  518. 

vorezehen  aufgeben  165  t- 

vorezehen  (mit)  aufscliieben  490. 

vorezinsen  (traus.)  Zins  bezahlen  (für)  485. 

von!  fortan,  fernerhin  203. 

fort  Furt  fLL 

vortammen  verstopfen  273. 

vordechtnisse,  ane  ohne  dass  man  es 
verdenkt  106  f. 

vorteydingk  Ausgleich,  Ausrede,  Ver- 
teidigung 495.  407.  505,  510.  511.  514. 
515. 

vorteydingen  verteidigen  512. 
vorthammen  verdammet!  189.  190. 
vonlenken  zumuten  517. 
vordingen    durch    einen    Betrag  ver- 
pflichten 251  ;  verteidigen  507 
vordinstnis  Verdienst  241 


fordir  mehr  vorn  351. 
vordocht  (vordacht)  Verdacht  IM^liiL 
403. 

vortommen  dumpf  werden,  verderben  44:'. . 
vortorben  (intr.)  verderben  442. 
vortracht  Vertrag  25Q f.  32iL  3S7.418.42H. 


181.  197.  501). 


vordriss  Verdruss  402.  510  513. 

Vordrucken  unterdrücken  185.  vordringen 
242  f.  245. 246.  346.  25& 

vortruckent  vertrocknet  8L 

vortruwen  verloben  102  f. 

vorechtigt  verbannt  404. 

voreynen  vereinigen  5 

vor  cre  früher  228  f. 

vorerren  verirren  212. 

vorfesten  verhaften  12L 

vorfurt  entführt ,  abgenommen ,  ab- 
gepfändet 409 

vorgäbe  bevorrechtigte  Stellung  401.  403. 

vorgeben  vergeben,  vergiften  199  385. 

vorgecn  (intr.)vergehn,  abgeschafft  werden 
470. 

vorgnugen  zufrieden  stellen  512. 

vorgebe  Übervorteilung  269  f. 

vorgraben  mit  Graben  versehen  505.  5oG. 

vorhaben  verbergen  463  t. 

vorhencknis  Veranlassung  380  f, 

vorhene  vorher  488. 

vorhenglich  mit  Erlaubnis  511. 

vorhengnis  Grund  (dorch  oder  noch  v.) 
—  auf  Ciruud  4m  4H4.  Zulassen,  Er- 
laubnis 4111  f.  446. 

vorhoren  anhören  414. 

vorhouwen  (praet.  vorheuw)  verhauen, 
Verhaue  anlegen  346. 

Vorhuten  behüten  487. 

vorirrig  verirrt,  verkehrt  402. 

vorlegunge  Vorlage,  Antrag  264. 

vorleben  verleihen  513.  516. 

vorliegen  42&  44L  442, 445. 45S.  452. 460. 

vorlygen  auflauern  12B|. 

vorlouckeu  verleugnen  ISf' 

vormachen  verhindern  205. 

vormeden  vermeiden  4S9. 

vonnidimg  Vermeiden,  sparsame  Rück- 
sichtnahme auf  408. 

vormoge  (subst.  fem )  Vermögen  375.  440. 

vormogen  vermögen,  veranlassen  4',>7. 514. 

vormolen  abgrenzen  131. 

vormutwillen  dreist  zurückbehalten  218 

formund  Landpfleger  ,  Statthalter  43  ; 
Vormund  (in  unserm  Sinne)  93_j  Auf- 
seher, Vorsteher  409. 

formundeschafft  Vormundschaft  163. 

forue  zu  voran  5*2 1 . 

vorneylen  vernageln  526. 

vornemunge  Vornehmen,  Absicht  390. 

vornichtigeu,  sich  sich  erniedrigen  9JL 


)d  by  Google 


558 


Register. 


vornuwen  erneuern  4JL  96. 

Vorrechten  vor  Gericht  büssen  4^9. 
rechtlich  entscheiden  494. 

vorretcrie  Verräterei  39_&  39_L  393. 

vorryuncu  berenuen,  belagern  2LL 

vorrynner  Vorreiter,  leichte  (voran- 
reitende) Truppen  2hl  f. 

vorronen  verstopfen  2L3. 

vormachen  (vorsagen)  entsagen  165  t,  sich 
v.  =»  >*ich  versehen  zu  etw.  330  y. 

vorspan  eine  vorn  get  ragene  Spange  148  i*. 

vor«i>eten  erspähen,  erkundschaften  91 1 

vorspel  Vorzeichen  338  y . 

vorsproehe  Fürsprecher,  Verteidiger  vor 
Gericht  487. 

vorsehribungc  Vertrag  4*22. 

vorst ricken  verpflichten  232. 

vorsehen  überseht^  sich  nicht  versehn 
275;  (trans.)  Fürsorge  treffen  (für), 
Rücksicht  nehmen  (auf),  berück- 
sichtigen 517;  vorgehen,  sich  sich 
sorgen  243 1- 

forscn  forschen  322. 

vorscssen  aufsässig  1 16. 

vorsolden  besolden  41  1 

vorsweren  eidlich  auf  etw.  verzichten  86  f. 

vorungelden  Ungeld  (Zoll)  geben  412  f. 

vorunguaden  ungnädig  behandeln  Uli  f. 
240  f. 

vorunreehten  lassen  unrecht  behandeln 

lassen  484 
vorwentenis  Verwendung,  gewohnte  Art 

(mit  herkomcn  vorwenteuisse)  483. 
vorwerfen  wegwerfen  5L 
forwerg  Vorwerk  1 18. 
vorwergshoff  Vorwerk,  Gutshof  413. 
vorwiesen  ausweisen  404. 
vorwunter  Verwundeter  410 
frawichen  Frauchen  (schonen  frawichen 

liederliche  Dirnen)  403. 
frede  Frieden  ■/..  b.  4JL  51Ü.  5TL  o. 
fredelichen    (fredelich,    fridelich)  (adv.) 

friedlieh  513.  515  510 
freisslickeit    (frislichkeit,  frevsamkcit) 

Bosheit  53.  HL  HL  1H5. 
freiszlich  wild,  schrecklich  32  j\  1UL  KlL 

321. 

freuen  (frischen)  (intr )  frieren  488.  442. 

461.462 
fressen  Fieber  152  f. 
lritag.  guter  —  Charfreitag  .'IM 
frydel  Verlobter  138, 
f  riete  Freien,  Hochzeit  2M.2IÜ. 
frie  frawe  liederliche  Dirne  410. 
frvon  mit  Freiheiten  begaben  131. 
frygete  Heirat  137. 
t'rygcn  heiraten  137. 
frysludt  Freistadt  401 
fryunge  Befreiung  (v.  Abgaben)  411. 


fromen,  daz  =  der  Nutzen  2JiL  200. 

froude  Freude  522. 

froude  Inte  Dienstleute  381. 

frone  Frondienst  497  öl 4. 

fronewagen  offen  tl.  od.  Stadtwageu  493. 

fruchtig  fruchtbar  502. 

frundcn  Freundin  100- 

fruntlichen  (adv.)  freundschaftlich  514. 

frusen  gefrieren  4L 

fudten   (schwach,    praet.    von  vienen) 

feindlich  behandeln  417  f. 
futter    (futterunge)    Nahrung  (auch 

menschliche)  22fi  f.  248 1 •  242,  258. 2ü3. 

3411 

futterer  Händler  mit  Futtertuch  400. 
fugen  (m.  Dat.  intr.)  sich  passen ,  an- 
stehen, sich  schicken  320.  367. 
fugen,  sich  sich  gesellen  zu  454. 
fuglich  passend  4S6. 
füllen» und  Fundainent,Gruudmaueni41 1. 
fuudeling  Findling  55. 
furgangk  Fortgang  514. 
fhrsten  fürsten.zum  Fürsten  machen  125. 
furwerg  (furwergk)  Vorwerk  29JL  41iL 
fussfent  Fusssoldat  391. 
fussfulg  Fussvolk  339. 

G.  ' 

gardian  Guardian  (Klostervorstehcr)  393. 

garna  etwa,  vielleicht  247. 

gasthelder  Wirt  225  üüft 

gel>ettewant  Bett?eug  342  !*. 

gebethen  gebieten  4(?3.  51  1. 

gebenedigk  gesegnet  3JL 

gebenedigen  segnen  391. 

gebenedigung  ttegen  525.  526. 

gepofel  Volk,  Pöbel  156  f. 

gebor  Gebühr,  Abgabe  411.  412.  485. 

geboren,  sich  sieh  gebühren  497. 

geborlieh  gebührend  497.  514.  5i:>. 

geborn  gebühren  487. 4R9_ 

gebornis  Gebühr  484. 

gebosen  (gebü^en)  stillen  45J". 

gebrechen  Not,  Mangel  84.  91. 

gebroch  Mangel  93f . 

gebroch,  sin  gebrechen  345. 

gebrotte  dyner  ein  (im,  Brote  d.  Ii.)  im 

Dienste  befindlicher  Diener  492 
gebruchech  (bn<ch)  Bruch,  Sumpf  117 
gebruchung  Gebrauch  493 
gebruderen ,  sich  sich  verbinden  (wie 

Brüder)  2Ü8. 
gebutte  Eingeweide  5JL 
gebur  Bauer  59  f.  1Ü3.  22L  225. 24A  25Ü. 

2fiii  ML  3Z5. 4Ü3.5DA  5DJL  Ü0A 
gebuwede  Gebäude  403. 404. 41 1 .  485. 
gekrut  Kraut  467. 
geczelt  Zelt  354. 


xf  by  Gc 


II.  Sach-  und  Wortregister. 


550 


geczcren  Zehrung  hnbeu  57. 
geeziten  Tageszeiten  des  kirchlichen  Ge- 
betes 122. 

geczird,  das  =  die  Zierde,  Verzierung  35-1. 

geczuchtig  züchtig  500. 

geczug  (kriegerische)  Ausrüstung  334. 

ÜAA.  360j  Geschütz  86  f.  19JL  2üL  ^iL 

39J1  5JJ1 

geczug,  reysiges  (resiges)  =  Reiterei 
2üQf.  253.  254.  322.  324.  329.  341.  «51. 
354.  360.  387.402. 

geczug  Stofr  460. 

goczuge  Zeuge  5JL 

geezugen  ausrüsten  4iL  358. 

getagete  Unterhandlung  340. 

gethummere  (neutr.)  Getümmel  389. 

getreydieh  (getreydigk)  Getreide  451.455. 
456.  464.  498. 

gedrencknisse  Bedräugnis  2(17. 

getruwe  treu  328.  3*9.  393.  496.  51  n.  516. 

getruwelichen  (getruwelich)(adv.)  getreu- 
lich       m4^L4M42fi.iSL  512. 

getruwen,  sieh  sieh  getrauen  505. 

getwaug  Zwang,  Befehl  (ratis  twang, 
geriehtis  twang)  409. 

getwedig  zahm,  willfährig  130 f.  243  f. 

getwcnknisse  Bedrängnis  U9_-!\ 

geechtigt  gebannt,  verurteilt  404. 

geeinfeldigen  Frieden  suchen  225. -j\ 

geeniug  (aclj,)  jähliugserfolgend  498. 

geern  ackern  (pflügen)  32if. 

gefeile  Gelingen  ülf. 

geverde  (ane  geverde)  Beeinträchtigung, 
Schaden  (ungefähr,  ungerechnet)  362. 
4£L  4m        491.  194.  5JLL  512.  514 
515.  517.  Ms,  519. 

geferliekeit  (umme)  (aus)  Furcht  vor 
Gefabren  (selten»)  508. 

geverliekeit  strenge  Leitung  (nicht  Hin- 
terlist) 450. 

geverlich  zufallig  494. 

gefiss  (gefiess,   auch  collectiv)  Gefass 

'  354.  3^3,  ML  ÜL 

gefrunt  den  Geschleehtern  angehörend 

^  396.  500  -h  50-2  f. 

gelrunden,  sich  sich  befreunden  397. 

gevuclieh  nässend,  nötig  3  IG  f. 

gffussseu  uintreten,  festaultreten  193. 

gegatt:  Genosse  521  f. 

gehandelu  behandeln  384. 

geharnest  geharnischt  520. 

gehass  gehässig  249. 

gehin  gehen  32:> 

gehus  Häuschen  375. 

geirren  verwirren,  abändern  402. 

gevsselere  Geisseibrüder  201. 

gel  (geel)  ^elb  435.  443. 

geled  Glied  439.  445.  455.  491.492. 

geledemuss  Gliediniiss<>n  4üf. 


geleitsman    (gleitstnann)  Geleitsmann, 
Führer  des  (sächsischen)  Geleites  271 
460. 

gelobte  Gelübde  312. 

gelobede  Gelöbnis  409. 

gelouken  leugnen,  ableugnen  311 

gelouffte  Gelaufe  22Ä 

gemaukorn  geniengles  Korn  445. 

gemechte  Schamteile  524. 

geineyn  (gemein)  allgemein  103.  151. 

gemeynelich  gemeinsam  505. 

gemeynt  woenen  Woche,  iu  der  täglich 

Messe  für  die  Gestorbenen  gelesen 

wird  (zwischen  L  u.  2.  Sonntag  nach 

Miehaelis)  265. 
gcmolt  (das  gemolte  hus)  mit  Gemälden 

versehen  lßilf. 
genedirn  erniedrigen  231. 
genenteyl  (nf)  auf  jenen  Teil  232  f. 
genesid  (genesit,  gensit,  geust)  jenseits 

68  272.346  371.376  379 
geordint  geordnet  404 
ger  (nicht)  =  (nicht)  ganz. 
gerochtickeit  Gerechtsame  407.  513. 
gereden  geraten  443;  ge reden  u.  reden 

retten   315;    (geretheu)  versprechen 

510.518.519. 
gercit  (gereyt)  bereit,  offenbar  9JL  116. 
gereyte  (gercite)  gerade,  bereits,  schon 

62f.  22JL25Ü.  329. 
Berichte  Geriehtssprengel  82t-  97.192.211. 

212.  238.  447  511.51 3.  5 14  517. 
gerichtsezwenge  (plur.)  Gerichtszwang, 

Pflicht,  Recht  zu  nehmen  4S'">. 
geringlich  ringsum  31 9v. 
geruchte  (neutr.)  Gerücht,  Lärm  27 1 . 389. 
geruelich  (geruhlichen )  (adv.)  ruhig  5 1 3. 
gerumpele  Lärm,  Gepolter  228  t. 
gerumen  aus  dem  Wege  gehen  90^  Platz 

machen  273 f. 
geruwig  ruhig  181 

gescheen  (geschegen  =  geschah)  ge- 
schehen 

gescheffede  Geschäft  125. 

geschieht  (—  geschicket) :  sich  darezu 
schicken  sich  dazu  schicken  358. 

geschutz  Geschütz  ßüIL  3Ü2. 

gestalt  gestaltet,  beschaffen  497.  514. 

gestan  gestehen,  über  jemand  Gerieht 
abhalten  106  f;  zu  einem  stehen  IUI  f. 

gesewen  säen  374  (ebenso:  ungesewet). 

gesynnen  das  Ansinnen  stellen  485. 

gesynuen  werden  gesinnt  werden  488. 

gesmide  Geschmeide,  Wertsachen  238 

gessen  (gaszi  essen  1 93. 

geswigen  Schwägerin  97. 

gewaldiger  Beamter,  Oberbeamter,  Ge- 
sandter üi  53.  299  f.  2ütL  2£L  32fL  3JiL 


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560 


Register. 


gewant  (v.  wenden,  mit  Dat.)  in  einem 
Verhältnis  stehend  zu ,  zugeeignet, 
untert  hünig  402.  483;  zugewandt, 
freundlich,  verwandt  3fi8-  4ü8;  zu- 
gewandt, untergeben  495 ;  verwandt, 
beteiligt  (an)  518. 

gewantsnider  Tuch-,  Schnittwarenhändler 
485. 

gewechste  gewachst,  mit  Wachs  dichf- 

gemacht  IM  f. 
gewette  Kleidung  104. 
gewelde  Wald  34JL 
geweude  Wendung,  Grenze  62. 
gewere  Besitzrecht  40'.  J. 
gewerren  schaden  322. 
gewiet  (zu  der  episteln)    geweiht  (als 

Lektor)  105  f. 
gewopent  gewappnet,  bewaffnet  892. 520. 
gewonde  Gewohnheit  408. 
gewunt  verwundet  62  t-  42L51Ä. 
git  (von  gitis  wegen)  Gott  328. 
gisse  vass  Giess-  u.  Wasserbecken  354. 
gissen  (praet.  gois)  giessen  gj&L  386. 
gladisen  (verb.  imp.)  glatteisen  438. 
glancze  Lanze  ■  >'.:  1  ■'< . 
gle  Lanze  521  f. 
gledig  (ge  ledig)  frei  '-'tiT. 
glefe  Lanze  52t. 

gleveling  Turnierlanze,  Lanze  u.  Lanzen- 
führer 255  f.  258. 52L 

gleser  Glaser  49. 

glinsen  glänzen  228  f. 

glissen  glcissen,  glänzen  358. 

glosiren  auslegen  232  t- 

glucke  (glocke)  Glück  130.  l£L 

glucksam  glücklich  467. 

glugseiig  glücklich  49. 

glune  glühend  524 1- 

glunyng  glühend  L33f. 

gluwen  werden  glühend  werden  524.  f. 

gnaden  (  m.  Gen.)  sich  erbarmen  über  169. 

gnediglichen(gnedicklichen)  (adv.ignädig- 
lich  497.  41)8. 

genisspn  gemessen  1 1 5. 

genossen  Mannen  82  f. 

goch  jach,  rasch  366. 

gotwalden  (sbst.)  Gottwaltcn  371. 

gorgil  Gurgel  303. 

grabe  Graf  503. 

gratias  Tischgel>et  nacb  der  Mahlzeit 
316. 

grawer  monch  grauer  Mönch  (Oister- 
zienser)  134. 

grawer  orden  der  graue  Orden  (Cistcr- 
zienser)  125.  138 

gryuhund  (Windhund?)  6Ji, 

grosschen  (bemschr)  (böhmische)  Gro- 
schen b&. 

grün  (z.  b.  lachs)  frisch  4()K 


grund,  zu  grundelbis  auf  den  Grund  8_ß  f. 

gru8se  Gruseln,  Furcht  SAB. 

grusen  (intrs.)  sich  fürchten  4M.  455. 

grussei  Gruseln,  Schrecken  364. 

grusslich  furchtbar  449. 

gubernator    Statthalter,  Stellvertreter 

•  419j  Verwalter  328. 
gut  Waren  418. 

gutlich  tac  (g.  steen,  ansteen,  zurichten) 
Waffenstillstand  236. 282.  9«S 
266.  349.  352. 

gutlickeit  Güte,  gütliche  Verhandlung 
SIL  r>14. 

gülden  bulle  goldene  Bulle  313-  316.512. 

guunen  (m.  Gen.,  praet  gunste)  nach- 
sehen ,  einverstanden  sein ,  erlauben 
156  f.  235.  310. 319. 504  f. 

H. 

hacke  (fem.)  das  Behacken  (der  Wein- 

- 1< "/kr  463. 
hayl  Hagel  123  f. 
hall>crn  zwei  Farben  haben  Oöf- 
halbern  halbieren,  der  Hälfte  nach  teilen 

halden  festhalten,  bestimmen  313  f. 
halden  (uff)  =  lauern  auf  148. 
handeln  (handiln),  gehandein  l>ehandeln 

lOKf.miüL 
haut  haben   handhaben,  vertreten  486; 

schützen  32*  f.  419;  anhalten  512. 
hanthabung  Schutz,  Verteidigung  512. 
hantwerg  (hantwerck)  Handwerk  185. 

397.40». 

hantwergismeister  (hantwergemeister) 
Handwerksmeister  40L  402. 4M 

hartelin  hart,  beschwerlich  324 

harnasch  (harnaas)  Ringpanzer  88  f.  920. 
273.  :U8.  351.  3*9.  392.  516. 

hasengorn  Hasennetz  276. 

hegefeld  eingehegtes  Feld  497.  ,*»  1 4 . 

heige  Hacke  523 f. 

heiligen  heiligsprechen  153;  die  Heiligen- 
bilder 486. 

heymet  Heimat  223f.451. 

hevmelkeit  Heimlichkeit  454. 

heimelikeit  Abort  436, 

heimelich  (heymelich)  vertraut  52.  55  f. 
14&25& 

heymelichen  vertraut,  ergeben  141. 
beir  (hehir,  her)  Heer  Iii  LLL  Lül  IAIl. 
322.  330.  33L  332.  SM,  334.  335.  33JL 
:j3L  339.  344.  345.  348.  342.  35Q,  |5L 
352.  353.350.  SM.  373. 416. 
heirezog  Heerzug  370. 
heirfelt  Heerfeld,  Heerbann  322. 
heischen  fordern,  abfordern  328. 
heisen  heizen  451.  464. 


II.  Sach-  und  Wortregister. 


561 


heissen  (praet.  hisz:  den  u.  der  hiaz) 

heisren  4üt- 
heller  Heller  147f. 
hemischlich  hämisch  hL 
henger  Henker  ADJL  A&L  ±]SL  524. 
henzuglegen  hinzulegen,  vorzulegen  518. 
herbarge  Herberge  331. 
herberg,  der  Das  Lager  208  t- 
herbergeu,  mit        Herberge  nehmen 

bei  5L 

herbringen  herbringen,  überkommen  51:3. 
herezogesten,  dy  Die  herzoglichen  Unter- 

thanen  506. 
herfarten  Heerfahrt  machen  361. 
herlickeit  Herrlichkeit,  Oberherrlichkeit 

412.  484. 
hern  verheeren,  plündern  148 f. 
hitzeu  heiss  werden  4f»5. 
hinder  heimlich  vor  äiL 
hinderkomen  hinterziehen  493. 
hiuderhut  Hinterlhit,  hinterlistiger  Plan 

801. 

hinder  reden  verläiunden  LU.+- 
liinder  weh  czeeu  sich  zurückziehen  515. 
hinderwart  hinter  dem  Rücken  l^t>. 
liinfur  hinfort,  fernerhin  48"» . 
hirezug  Herzog  322. 
hirnoch  malis  hernaehmals,  spater  21t- 
hirschailt  Herrschaft  232.  350. 
ho  Höhe  44tt. 

hobisch  (hubisch)   höfisch ,  feingesittet 

89f  ■  13Ü.  MlLSafi,  3&L31& 
h«»ke  Hacke  468. 

hockenbuchssen  (hackenbuchsen)  Haken- 
büchsen 34iL(344t).5j5LllÜU 

hoteze  Wiege  liiÖf. 

hotte  (hutte)  Hütte  174t-  22fi.44fi. 

hoemutigk  hochmütig  849. 

hofegesindeHofge?inde,Hofleute,Hof392. 

hofestad  Baustelle  132, 

hofewert  Hofverwalter  387. 

hofewerg  (hofewergk)  berittene  Krieger, 
Reisige  2üÜ  t-  22L  387. 

hoitte  Haupt  Z2hf. 

holden  (hulden)  huldigen  38f>.  397. 

houlde  thun  huldigen  38f». 

homuticklich  hochmütig  125, 

hornungk  Februar  471. 

houbt  Haupt  ÜitfL 

houbtbuebse  grobes  Geschütz  3fi0. 

houbther  Schutzherr  354. 

houbtman  Hauptmann,  oft  z.  B.  505. 

honbtlute  Hauptleute  40,  515. 

houbeten  (praet.  houpte  u.  houbte)  als 
sein  Haupt  anerkennen  89  f. 

how  Heu  335.  374.  441. 

howschrecken   (houweschrecken)  Heu- 
schrecken 415.  416. 

hübe  Helm  361j  Haube  457.  470. 
K.  Stollw  Momorialo. 


hufle  (huffin)  Haufen  377. 
hulden  huldigen  TL  182. 
humot  (hoiuuth,  hömut)  Hochmut  235. 
23iL2iiL  39iL 

homutig  242.    homuti  glich  401. 
homtiten  (acc.)  demütigen  249. t- 
hun  Hohn  317.  418. 
hussrot  Hausrat  43fi. 

L  J.  Y. 

jagehorn  Jägerhorn  XML 

jarmart  ijarmert)  Jahrmarkt  147. 

ykein  kein  373. 

icht  etwas  9A  10ßi  etwa  245. 

ycheierley  keinerlei  412. 

itezundis  (itezunt)  jetzt  Ü2 1  u.  oft. 

yder  jeder  412, 4S1L 

ydermann  jedermann,  oft,  z.  b.  375. 

jeren  (praet.  jar)  gähren  442 

iglich  jeder,  oft,  z.  b.  500, 

iglich  jcglich  37A  37JL  27JL  382. 401.404. 

4fm.4(»9  4U)  \M  4  Stf.  44»  441  4*1  Ist; 
iht  irgend,  etwa,  auch  =  nicht  49  t-  KL 
ymand  (ymant)  jemand,  oft,  z.  b.  484 

485.4^  4m 
inezehin  einziehen  404. 
inthan  v< ;rpfanden ,  Oberg«  bcn2H9.270.272. 
intrag  (intragk,  intraguug)  Beeinträch- 

tigung  409,  410_  4j&  492.  mL 
indult  Erlass  (nach  kauon.  Rechte  eine 

vom  Papste  verliehene,  vom  gemeinen 

Rechte  abweichendeGnadcnbczeigung) 

488. 

ynehant  (behaut  ,  venthand,  ionehant) 
zeitlich :  zuweilen*  260t-  332. 341L  442t 
■t(>9;  örtlich:  jenseits  324. 

infel  Inful  1D2. 

inflen  Inful  525. 

iu füren    hineinführen ,    ins  Gefängnis 

bringen  4Ü2* 
ingeber  Ingwer  376. 
ingesegel  (ingesegil,  ingesigil)  Siegel  89_t- 

253.  27JI  ÜlL  342.  ML  309.  401.  404. 

413.49A49A 
ingobe  Beeinflussung  504. 
in  halten  enthalten  148  t- 
inheymmesch  einheimisch  490. 
inheissen  einheizen  44v>  445.  4fi2. 
inholung  Einholung,  Einzug  525. 
inlendisch  inländisch,  innere  517, 
iniessen  lesen  (v.  Wein)  443.  4^2, 
innewendigk  innerhalb  454.  498.  504. 
innewoner  (ynwoner)Einwohner  490  tii(;, 
inaagung  Einspruch  492. 
iuaegel  (insigil)  Siegel  518.  519. 
inwart  inwendig,  nach  innen  465. 
yo  je  119. 

yoppe  (j°Pl)e)  Jacke  45&470. 

2fi 


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ttegister. 


jogunt  Jugend  32Ü. 
iomerig  mitleidsvoll 

irrethuni  (errethum)  Streit  u.  Zwistig- 

keit  224  t-  322.  418. 453 
irren  Abbruch  tbun  (pass :  leiden) -1Q&41L 
irrung  Streit  4ÜL  41L  4_ÜL  hliL 

L. 

Latwerge  Latwerge  (Arznei)  150  f. 

lantvogt  Landvogt  366. 

lantwere  landesübliche  Münze  98  f. 

langewile  lange  Zeit  SIL  ÜiL 

bissen  Leibeigene  59_i  hinterlassen  hhf. 

lauven  gelt  Löwengeld  463. 

lawe  Löwe  8ö+.  8L 

lawenpheng  Löwenpfennig  462.  4ti:v 

lawengrosehen  Löwengroschen  4<iH. 

lebennig   (lebennigk)  lebendig  43  f.  4ti. 

a^fi.  .hk5. 

lecker  Schelm  384. 

lecht  Licht  4SL  Hül  5Q£L  504. 

lechtchen  Lichtchen  5ü0. 

lechtewe    Lichtweihe,    Liebt  mens  oft, 

z.  h.  24-i.fiir»-  aift.  519. 

letania  Gebet  467  f- 

letczen  verletzen  133.  40-2. 

leile  Freiheit  275f. 

ledeganex  unverletzt  215  f. 

leden  leiden  128.  444.  4<R 

lederer  Lederhändler  48/» . 

ledichen  Kotier,  Truhe  54  f. 

lecn  (lehen,  legen)  zu  Lehen  geben,  be- 
lehnen Ü1L 

leenhalben  (adv.)  aus  Lehnshcrrnptlicht 
510. 

leenscharl't  Lehnsherrschaft  125 

legel  Fässchen  Üläf. 

leger  Krankenlager  440. 

leben  als  Lehen  geben  78_l  (praet.  part. 

gelegen)  leiben  311. 
leyd  (plur.  m.d  Gen.)  Ix;id  (um  etw.)  193. 
leitte  Leiter  890. 
leide  Leid  Ü2A 

leyte  Ladung,  Wagenladung  459  f. 
leyeman  Laie  381. 
leygen  Laien  501. 

leyssou  Leison  (aus:  kyrie  eleison) 
priestcrlichcr  Volks-  und  Bittgesang. 
2Ulf.  310.  381.433  t-  500. 

lern  (praet.  lerte)  lernen  395  f. 

leste  Last  (ein  Maass)  245f. 

lestern  verunebren,  schunden  1 

libezeieben  Leibzeichen,  Zeichen  von  dem 
oder  für  den  Körper  eines  Getöteten  490. 

liberie  Büchersainmlung  3üß+. 

lipgediuge  Witwenleibrente,  Leibgedinge 

93J&.  9JL153f. 
lidcliu  Liedlein,  Liedeben  4JJL 


lieb  Leib  49_L 
lien  liegen  378. 

liben  liegen  3jQ9_ ;  (praet.  leich)  leihen 
382 1-  4-19  (part.  gelegen). 

lyhen  zum  Lehen  geben.  513. 

lilachen  Retttuch  HDf« 

linde  rullig  353  f. 

list  Litze  456.  470. 

loycken  leugnen  404. 

losen  lösen,  bezahlen  für  jind.  93  f.  335. 

lossriser  Lesereiser,  Leseholz  485. 

lossung  Öffnung  320;  Lösung,  Losungs- 
wort 333. 

loube  Erlaubnis  312.  S8L  ^iL  ALLL  404. 
405.  406  412.  456.508. 

louift  Auflauf  3m 

louffte  Verlauf  402.  4J&  4S&  4JitL  512. 

loucliten  (praet.  luchte  =  lucbtete)  leuch- 
ten 82. 

lutter  wenig  220  f. 

luten  läuten  523. 

luthe  Leute  508.  517. 

lutbe  (lut)  Laut,  Wortlaut,  Ausweis 
404.  482.  513.  519. 

lun  Lohn  403. 

M. 

mad  (adj.)  stinkend  4ü2+- 
magistat  Majestät  368. 
mayt  (meyd)  Magd  100. 
maiueh  manch  4iif. 
malder  Malter  49J±  501. 
maleczeddel  Malilzettel  451.  4.r»3,  4~n>. 
malegelt  Mahlgeld  450.  471. 
manchirhand  mancherlei  35t>. 
mand  Monat  393. 
mangiln  handgemein  werden  35Ö. 
mannescho  (mannesebu)  Mannschub  45ti, 
470. 

maunes  namen  Männer  500f. 
mart  (plur.  merte)  Markt  412.  444. 

452.4ifi.50L 
luartmeister  Marktmeister  405. 41 1. 
margk  Mark  (Geld)  142.  InU 
marstallcr  Beamter  des  Marstal les  322» 
meeze  Met  /.e,  verachtete  Person  lieh  keit33 1 . 
meteze  (?  metejer)  Metze  (Henker)  lMf . 
mette  Frübgottesdienst  523. 
niete  mit  454. 
metegifft  Mitgift  90.208. 
metcTidunge  Mitleid  SD  f.  808. 
meberu  mehren  516. 
mehir  (ineher)  Meer  151.213  u.  a.;  =  mehr. 

fernerhin  39j  =  früher  schon  39.  i 

Hill  216;  (meliere)  mehr  332. 344-  34j. 

360.  SüL  380.  383.  i&L  389.  392. 393. 

400.412.  51  ö 
nieydiehen  Mädehen  102. 
nieynen  bebandeln  220. 


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II.  Sach-  und  Wortregister. 


563 


meynsch  Mensch  525. 
meir  mehr  240. 

meister  Magister  288.  494 ;  =  ratis- 
raeister  =  Bürgermeister  366. 

meiuoriale  ( tuemorial)  Denkbuch  308.  388. 

merczenfeld  Marsfeld  48, 

tnerorteil  (mererteyl)  Mehrzahl  355  gjjQ, 
400.516. 

merglich  bemerkenswert  451  +.  4*5.  403. 
mcrmenge  (meremenge,  m<K)rmenge)  Der 

grossere  Teil  438. 439.  450. 500.  503. 
inessgerte  Messgerte,  Messrute  4fi9 
mittenander  miteinander  501 .  502. 524. 
ministriren  dienen  (Iku  der  Messe)  526. 
mynner  weniger  406. 
mynnern  mindern  410.  516. 
mischere  (messire)  Herr  39 1  •)•■  392. 
missebetunge  Lästerung  1 59.  240. 
missebethunge  Missachtung  202. 
missebieten  verunglimpfen,  lästern  159t. 
missetetiger  Mis>ethäter  489. 
missefal  Unglück  308. 
missehagen  (verbura)  missbehagen  380 
missereten  in  die  Irre  reiten  193. 
miserere,  da*  Miserere-Gebet  521  f. 
missewachs  Misswachs  435. 
mode  (mude)  müde  338.  341. 
mog  (mag,  mogk,  inngk)  Verwandter 

48.  71.93,  95. 119. 149.  153. 
mogelich  (adj.)  billig  362., 
mogelichen  (adv.)  wie  es  recht  u.  billig 

ist  352  |.3>;i. 
molle  (mulle)  Mühle  251L  443.  485, 
monch  Mönch  451. 
mond  Monat  458. 
monslcr  Münster  329. 
morderye  Mord  180. 
morne  morgen  86. 
morster  Mörser  (Geschütz)  319. 
mudeckeit  Müdigkeit  348. 
muten  verlangen  231  f. 
muthermen,  sich  sieh  abhärmen  01  f. 
munteze  Münze,  Münzrecht  401. 
m&sshuss  Speisesaal  84 f. 122.  189. 
musswergk  Gemüse  40fi. 
niuwe  Mühe  240. 4SJL 
muwen   mühen,   verdriessen  56j  sich 

in u wen  sich  bemühen  274.  343, 

N. 

na  nahe,  schmal  458 1. 
nackebur  Nachbar  354.  379.  503.  523. 
nedderkleyt  Unterkleid  39.  177. 
nedderlegen  verlegen,  sperren,  versperren 

(die  Strasse)  183  f.  205.  456. 
nalde  Nadel  142  f. 

neyelen  (neilen,  praet.  neilte  oder  neylte) 
nagehi  242  f. 


uemen    (an    synen    arm)  nehmen  (in 

seine  Anne)  96+. 
nergen  (nergent)   nirgends  81.  9JL  100. 

121.  140.  239. 
uest  (neest,adj.)  nächst  80.  446.  46L  4£L 

502.  503.  512.  513.  522 
nichtis  nichts  3-15. 
nyd  Neid  50  k 

nidderiegen  fpart.  praet.  nidder  gelacht) 
töten  356  t- 

nien,  sich  (sehwach.Vb.)  .sich  nahen  380. 

nygen  neigen,  verehren  Stil. 

nyhit  Neid  414. 

nyndert  durchaus  nicht  485. 

nirgen  nirgends  379. 

nochkoiiunen  (nachkommen)  .Nachfolger 
483.  484.  4i45.  486.  400.  492.  404.  4Ü5. 
40L  4M  aülL  5ÜL  5_LL  512.513.  514. 
515.5IA  517.518.519. 

noch  enande  nacheinander  228. 

notez,  der  =  Nutzen  234. 

noddorft  nötige  Hechtsmacht  402. 

nottorft  (uotorft,  notturft)  Notwendig- 
keit 422.  502,  512, 513.  517. 

noddorfftiglich  notwendigerweise  4  9 1 

nötigen  bezwingen  überwältigen  393 

novt  <novd)  Not  234-  408.  440.  444.  498. 
506, 

noytdorfft  (notorfft,  noddorft),  Notdurft, 
nötige  Dinge,  Notwendigkeit  408.  409. 
411.443.450. 

nossel  nösel  508. 

nosser  Zugvieh  217  f. 

nut'htirn  nüchtern  377. 

mit  (von  nutwegeu)  Not  196. 

tiiunme  (nymmc)  nimmer,  gar  nicht  462. 

nunne  Nonne  45 1 . 

nuwe  neu ;  oft,  z.  b.  502.  507.  508. 

nuwengebu,  der  =  Neubau  485 

nuwenst,  von  =  neustens  134. 

nuwerung  Neuerung  413. 

0. 

obber  über  526. 

opphern  darbringen  44. 45. 

obeltether  Übeltbäter  26L523. 

obende  oben  32. 

obess  Obst  464. 

obirlasten  bedrängen  5_5_f. 

okrut  Unkraut  186. 

oley  Öl  406. 

oley  riss  Ölzweig  38. 

on  (praepos.)  ohne,  von  243 f. 

onendelich  (one  endelie ,  oneudilge,  un- 

endelich)  untüchtig  21  +.  23S.  230. 450, 

4M. 

orkunde  Urkunde,  Zeugnis  UJL  U2. 120. 
orteyl  Gericht  133. 
ordenern  ordnen  484. 


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Register. 


orfcde  Urfehde  (Vorzieht  auf  Rache)  412, 
orloub  Erlaubnis  141  f. 
osse  Ochse  335. 

Q. 

quad  kot  90  f.  319. 
quereh  quer  448.  5*20. 
quitancz  Quittung  515. 
quinger  Zwinger  520f. 

R. 

rad  Ordnung  395. 

radebrechen  radern  224. 

radhem  Ratsherrn  375. 

rathgel>e  Ratgeber  67  2fifi. 

ratishuss  Rathaus  454 

ratitmieister(ratissineister)  Bürgermeister 

rasten  liegen  ":?(>. 

rebenbrotcn  Rippenbraten  471 

rephun  Rebhuhu  416. 

rechte  (zur)  halden  (Dat.  =-  gegenüber 
jmd.)  einen  vor  Gericht  stellen  402. 

rechten  richten  422. 

rechtfertigen  ins  rechte  Gleis  bringen 
312;  Recht  verleihen  40JL  4U_i  zur 
Verantwortung  ziehen  485. 

reehtechuldigen  rechtlich  überführt  224  f. 

recht  wissend  rechtskundig  515.  518 

redelich  tapfer  250_t;  verständig,  ordent- 
lich 222  f.  5_18^5_15, 

redelichen  (adv.)  ordentlich,  richtig  346. 

reden  retten  325 ;  versprechen  253. 

reth  der  Riu  521 . 

retheu  reiten  521. 

redunge  Rettung  14£  ffi  24A  302. 334. 
redunge  Reiterei  274  f. 
refal  Reinfal  (istrischer  Wein)  244f. 
reveiidarii  Referondarii  322. 
reformacien  (kirchl.)  Reformation  315. 
reformeren  reformieren  315. 
regalia  landesherrliche  Rechte  402.  453. 
regeruug  Leitung  408. 
regnen  (praet.  reinte)  regieren  38.  459. 
regueren  regieren  11+. 
reyn  (regen)  Regen  377 
reynen  (reinen)  regnen  377. 
reisen    reizen ,  aufreizen  102  f ;  reizen 
läfif. 

reisig  beritten  3S2.3fiL 

remesniter  Riemer  425. 

resaeu  Riesen  4L 

rick  Gestell  84  f. 

ricken  sticken  456. 470. 471. 

richten  einrichten,  Frieden  sehliessen 
18G ;  (einem)  jemd.  zum  Rechte  ver- 
helf«^ 130i\2iiG.aä2. 

richten,  sich  sich  vertragen,  sich  ver- 
söhnen 194. 


richtunge  Frieden  197.  198.  204.  210.255. 
2fi3.  22L  332.  353.  3fi£  41S.  423.  488. 
489.  490. 

ryt  (ryet)  Ried  (Flussthal)  117.  119. 

ritterhuss  (=-  palas)  Halle  des  Burg- 
herrn L7JL 

ringe,  zo  im  Ringe,  im  Kreise  520. 

ringen  (praet.  rangte)  5L 

rynnen  (rinnen)  Kennen ,  Angriff  (beim 
Turnier  u.  Manöverieren)  250  f.  52L 

rynner  Trossbube  155  +. 

risehlich  rasch,  eilig  2IL 

rochunge  Rache  25  f. 

rosseblumcn  Rosen  501. 

muberige  (rouberic,  roberige)  Räuberei 
82  f.  122.  HTi7. 

rouchen  räuchern  354. 

rouffen  (reuffen)  raufen  383.  384.; 
Schlägerei  4GJL 

ruppe  Raupe  4  i:),. 

rucke  Rücken  40r>.  524 

rucken  zucken  410. 

ruch  rauh,  haarig  (ruche  kleyder  Pclz- 

kleider)  443  f. 
ruter  Reiter  308.  507. 
rüge  (adj.^  ruhig  88j  r.  (subst.)  Ruhe 

116.  121.  232.  356.  357. 
rügen  ruhen  19ö.  197.317.  838. 
rüstig  geübt  250 f. 

ruwe  Reue  5JL  12JL  I2L  L9JL  123.  22L 

310.  328.890. 
ruwen  reuen  3t>l. 

a 

saerarium  Sakristei  389. 

«nennten  (sacristie)  Sakristei  389.  »91 .46«. 

safferan  Safran  24 (i. 

sag  Sack  240  f. 

salczcram  Salzverkaufstelle  405. 

salczgrave  Salzgraf  405. 

salickeit  Seligkeit  2fi» 

samytabutel  Sammetbeutel  142. 

sammen  sammeln,  versammeln  (trans.) 
12M.  130_  499j  sich  s.  =  sich  ver- 
sammeln 500. 

aammenung  Versammlung  525. 

sammunge  (in  die  ^=  für  die)  Gesamt- 
heit 312. 

spalten  (praet.  spin)  in  =  spannen  an  L3L 

spetal(spcttaliSpitAl,  Hospital  27.142.153. 

«penne  Feindschaft  481  483  517. 

spiteze  Turmspitze  45&  452.  4SI ;  keil- 
förmige Sehlachtordnung  67f. 

npilling  Pflaume  44 3  +. 

spise  waine  Sjieisewagen  2">9, 

ftporen  spüren  384.  523. 

schatezen  Geld  abuehmen  210+.  besteuern 
314. 


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II.  Sach-  und  Wortregister. 


565 


schatczunge  Uisegeld  320. 
schafftrifft   (schofftrifft)  Schaftrift  422. 
514. 

schantcze  —  zu  schantcze  gehen  den 
Wechselfallen  des  Krieges  unterliegen 
187  f;  die  schantcze  vorsagen  (vorsehen) 
sich  zudem  Wagestück  versehen  330 f. 
362. 

schkleve  Sklave  314f. 

schcppfe  Schöffe  409. 

Scheden  schaden,  beschädigen  398  t- 

sehetter  schadhaft,  schlecht  Mfi  t-  464. 

schefferie  Schäferei  374. 505. 

schelchen  kleine  Schelle  406. 

schelglich  hinterlistig  323  f. 

schemede  Scham  31L  24.  25.  150. 

schcmel  schamhaft  136  139. 

»chemelich  schimpflich  95.  156.25;l2fi5 

schere  bald  g£  f.  93.  lflQ. 

scherer  Barbier,  Wundarzt  3^4. 

scherff  Scherl  (Müoze)  405.4.^;. 

scherm  Schirm,  Beschirmung  510. 511. 
514.515. 

scherme  Schutzdacher  265  f. 

schermuscl  Scharmützel  251 . 

schicken  ordnen,  gestalten  85j  beschicken, 
besorgen  124;  einrichten  170t;  be- 
wirken 31#t ;  sich  sch.  sich  an- 
schicken,  sich  rüsten  39H ;  zu  schicken 
haben  zu  thun  haben  51 1. 

schiffrich  schiffbar  125  t- 

schilder  Schildmacher,  Wappen  maier  4Q5. 

schiltfessele    sch  ild  tragender  Knappe 

Schilling  Schilling  142.4Ü3. 
schyinpf  (schimpf)  Scherz  338  f. 
schinden  Gewalt  an  thun  14g  f ;  plündern 
122. 

schirmt  nächstens  243. 

schiss  hus  Abort  81. 

schlissen,  sich  —  reissen,  zerreissen  415f. 

scho  (auch  plur.)  Schuh  344.  348.  355. 

378. 380. 469.  470.  471. 
schopissen  fleisch  Schöpsenfleisch  471. 
schotsehenbof  Schützenhof  37 fi. 
schote  Schutz,  Scbutzwand  319  t- 
scho  ff  Schaf  37A  448.  450. 
sclion  schön  358  373  :is7 
schön  sich  scheuen  380. 
schossball  Schossbalg  428.  f. 
schosser    Schosser    (Steuer-    u.  Ver- 

waltungsbcamter)  417. 
schret  Schritt  41  ft 
sehret  steync  Schrittsteine  20  y. 
schrien    (praet.    sch  riete    u.  schrey) 

(schreyen)  99t-  123.  156 f.  328. 4ML 
schubcnckc  Schuh verkntifsstand  485. 
schuben  Schaube.  ÜlwrkUad  355.361. 
schutezemeister  Schützen  Vorsteher  375. 


schutezeuhof  Schützenhof,  Schützenfest 

314.  325.522. 
schliffe  Schöpfeimer  436  t- 
schuldigen  anklagen ,  beschuldigen  248. 

405.  ' 

schuni|ien  scherzen,  spotten  51 1- 
schumecher  Schuhmacher  485. 
schunc  Scheune  446. 
schunefeger  (sente  peters  tac)  Peterstag 

in  der  Ernte  253 t- 
schüren  beschirmen  243  y. 
sch  uste  Speerstechen  88  t« 
stap  Stab  (v.  Handwerker)  486. 
stacie  Station  (b.  d.  Prozession)  434.  501. 
stad  Stelle  112. 
statbuch  Stadtbuch  497. 
state  (han)  gestatten  504 1- 
stadhüubtmau  Stadthauptmann  3*>7. 
stetikeit  Stätigkeit,  Treue  fiL 
steen,  uff  (in.  Dat.)  zustehen  352. 
Steffel  (fem.)  Stiefel  223t- 
stein  In  stehlen  333. 
steynweg  gepflasterte  Strasse  319. 
sten,  an  unterstehen,  unterworfen  sein  118. 
sterner  (plur.)  Sternbrüder  2ÖL 
Stessen  stoßen,  ausatosseu,  herausstossen 

467. 

stigeleittere  Stiegeleiter  322. 
stiuren  ausstatten  456. 
stobenheiser  Stubenheizer  316. 
stobichen  Stübchen  (Gefäss,  Maass)  471t- 

stock  (stogk)  Gefängnis  252.  4QL  402. 
403.  404.  410.  463. 

stock  Stück,  silbernes  Stück  521t- 

stomph  stumpf,  breit  471. 

ston  anstehn,  sich  geziemen  23fit- 

stouber  Jagdhund  88  t 

stracks  sofort  511.  519. 

straffung  (st  raffunge)  Strafe  122. 1S3. 482. 

sträng  (pl.  strenge  u.  strengke)  Strang, 
Strick  354.371. 

stritbarte  Streitast  520  f. 

strowen  streuen  331  416. 

stuterer  Stallmeister  322. 

sture  Steuer  4LL  450.  42L  5JA.  Unter- 
stützung 414  f. 

sech  siech  28.  11ML  142. 

setezen  aufsetzeu,  aufschreiben  400  t- 

seth  Saat  497.514. 

segneren  anstecken  383. 

seheg  (segen,  signum)  Zeichen  31 2t- 

sehen  (praet.  sog.)  sehen  350.  408. 

Beyer  (neutr.)  I  hr  434.422.  mLML  bZL 

selczamickcit  seltene  Liebenswürdigkeit 
S6y. 

Hcljjerete  Werke  zum  Seelenheil  100  t.  190. 
senckel  Schnur  45<>.  470.  471. 
benowellc  rund,  gewölbt 


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566 


Register. 


senffrautigkeyt  Sanftmut  134. 
isenig  wehend  23  f. 
seraph  Seraph 
sero  (adv.)  viel  379. 
seweo  säen  443. 

sexte  Hexte  (priesterl.  Tageszeit)  334. 

sigil  Siegel  495. 

sint  da,  weil  115  t. 

sintflut  Sintflut  3S.  39.  4u. 

»lag  Versehlag  .VJO. 

slaen  schlagen  507. 

slangenbuehsen     Feldschlangen  343. 

(344  t  ).  360. 
siecht  schlicht,  ehen.  grade,glattl42y.  310. 
slcgescbrttcz  Abgabe  (von  eingeführten 

Waren)  401.405.  493. 
slotfen  schlafen  303. 
sloyger  Sehleier  379 
slossel  Schlüssel  454. 
sinnig  schleunig  4'.»>. 
sluniglich  (slunicklich,  adv.)  schleuuigst 

512. 

smaheit  (smoheit)  Schmach  10G.  313 ; 
Schimpf  34JL 

smed  Schmidt  44K ;  ysen  »med  Eisen- 
schmidt  l&L 

smethen  schniicdou  2^5 

smelich  schmählich  524. 

snebel  Schnahcl  456.  470. 

sniden  nach  der  Elle  schneiden ,  ver- 
kaufen 98t . 

snyter  Bcschneider  (Arbeiter  im  Wein- 
berge) 402. 

snigen  schneien  43S.  4H2  4flft 

snoder  schnöder,  s<'hlimmer  79t.  95 

soferre  sofern,  insofern  487  48S.  5 1 5.  517. 

sommerlaten  Sehössling  aus  demselben 
Sommer  462. 

suberlieh  säuberlich,  gut,  viel,  gross  12£L 

suche  Seuche  4fL  f. 

sul  Säule  524. 

sumigfoumigk)  säumig.narhläs»ig4v!9.491. 

sunderlich  besonderer  51L 

sunderlichen  (adv.)  im  besonderen  511. 

suue  Sühne  517. 

»unung  Frieden  188  f. 

sust  sonst  311L  ikiL  1ML  49JL  5LL  513. 

514.  515.  51fV  517  (sunst  512). 
sussiglieh  süss,  gnädig  1  <  >u. 
sweer  Schwiegervater  125.  129. 
awebir  schwer  1 1  0. 

Hweigen  Das  Inderdikt  verhängen  I06f. 
swertgroschen  Schwertgrosehen  471. 
swinen  Heisch  Schweinefleisch  471. 

u. 

uberantwerten  ausantworten  4^7, 
nbergeen  Urans.)  heroinbrechen  ül>erlßiL 
nbcrspeln  (im  Spiele;  besiegen  469  t- 


ubersieg  Überschlag  470. 

ubiltat  Übelthat  ML 

ubir  darüber  hinaus  118 1- 

ubirkeit  (uberkeit,  uberkeyt,  oberkevt) 

obrigkeitliche   Rechte  10JL  4Q_L  4ftL 

4ilL  iSÜL  ML  IM  1LL  1LL  4iL  i*5 
ubirdingen  überfordern  211  r.  251. 
ubirtreten  sich  eines  Vergehens  schuldig 

machen  410. 
ubirfaren   (uberfaren)   sich  Übergriffe 

erlauben  (auch  trans.)  410.  4Xfr  494; 

uberfarnng  Übertretung  485. 
ubirlast  Vergewaltigung,  Bedrückung 

154.210. 

ubi missen    zu   viel  (Nutzen)  fordern, 

ausnutzen  360 
nbirschriben  (trans.)  schreiben  über  397. 
ubirschwenck  übermässig  242  t. 
nfftowen  auftauen  442. 
ufftrometen  /.u  blasen  beginnen  376. 
uffenbar  schriber  öffentl.  Notar  Uli  t. 
uffenbarunge  Olfenbarung  82£L 
uffenberlicneu  (adv.)  offenbar  375. 
uftenbrcfT    (uffenbrieff)    offener  Brief, 

Vertragsdokument  509.  510. 
uffenezeichen  offenes  Zeichen  508. 
uffentlichen  (adv.)  öffentlich  5 1 '.». 
ufferstendung  Auferstehung  45. 
uffgehalden  aufhalten  351. 
nffgeraekt  aufgerichtet  41)4 
ufflieben  einnehmen,  erhalten  137. 
uffhowen  aufbauen,  aufschlagen  520. 
ufflouffe  (ufflnytft,  uffloufft,  ufflaufft) 

Auflauf,  Aufruhr  322.  m  482, 
uffnemen  auf  sich  nehmen  350. 
uffrichtig  rechtmässig  486. 
uffmekunge  Aufblähung,  Stolz,  Eigen- 
dünkel 2Mt 
uffsetezer  hinterlistiger  Mensch  269  t- 
uffsteigen  teuer  werden,   mehr  gelten 

läßf.  41L  lül 
ufrucken  erheben,  in  eine  (hohe)  Stellung 

bringen  252  t- 
umbencht  ungeschliehtet,  unentschieden 

458. 

umbesust  umsonst  älSt- 
umfrede  Unfrieden  6_L 
umme  sust  umsonst  379.  382. 
unpartigisch  unparteiisch  515. 
nnoefesteu  nicht  verhaften  121. 
unczenielich  nicht  geziemend,  unziemlich 

123  131.  133.483. 
unezucht  Zuchtlosigkeit,  Unrecht  (Man- 

gel  an  Zucht)  ÜiL  48JL 
uuezutraut  ungetrennt,  freundschaftlich 

4m 

underkouffer  Zwischenhändler  269t- 
undereziehen,  sich  sich  unterziehen,  sich 
unterwerfen  402. 


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Ii.  Saeh-  und  Wortregister. 


undcrteynigk  unterthänig  70. 
undertolker  Verläumder  2fi2+. 
undergen  vertreten,  versperren  3'.il. 
u uderrichten  zurechtweisen  ÖÖt- 
undersagung  Widerspruch,  Entgegnung 
190. 

underscheit  Zwischenraum  31  f. 
understen  zustande  bringen  240  f. 
undersessen  (undersossen)  Unterthauen 

499.  507.  5 1H. 
underwein  unterwegs,  auf  dem  Marsche 

177  f. 

underwinden  (sich)  sich  entziehen  113 : 
sich  annehmen,  sich  bemächtigen  403. 
underwisen  zurecht  weisen,  bestimmen 

Ü8.t- 

untruwe  Untreue  131 ;  adj.  untreu  390. 
uneutricht  unentschieden  482. 
unerlich    sein    (in.  Dat.)  zur  Unehre, 

Schande  gereichen  241. 
unverdechtigk  (unvordechtig,uuvordocht) 

ohne  dass  man  es  (einem)  verdenkt 

497.  M4.  515.  iliL 
uuflut  Flut  32f. 

unverbrüchlich  unverbrüchlich  5  Ii).  5  1 7 . 

unvon-zalt  unerzühlt  108 

unvorezoglich  unverzüglich  ,  sofort  4S5. 
4X6  4*7.  48K.  494. 

un vortreben  unvertrieben,  nicht  ver- 
trieben 465. 

uuvorgrittlioh(adv.)  ohne  vorzugreifen486. 

unvermindert  ungelündert  497.  518 

unvorsprochen  unwidersprechlich  489. 

ungeaeht  missgeachtet  188;  nicht  recht- 
mässig 514. 

ungeborüch  ungebührlich  513. 

ungetruwekeit  Untreue  251.  tt12. 

ungeverlieh  ungefähr,  ;  zufällig  417  t- 
51 7 ;  ohne  Gefahr ,  ohne  Beeinträch- 
tigung 5 1  fi. 

ungelt  (ungeldj  indirekte  Steuern  404t- 
507.  508 

ungelyinphf  Verunglimpf tuig  507. 
uuge roten  pflichtvergessen  312. 
ungescheideu  ungeteilt  112. 
ungesmidc  roh  iiiüt' 
ungessen  ungegessen,  ohne  gegessen  zu 

haben  377. 
ungeweterde  Unwetter  186. 
ungewegen  ungleich  Lllt- 
unhalden  missachten  130. 
unhobislich  wider  die  gute  Sitte  Ü5. 
unbobiwicheit  unfeine  Sitte  95.  t- 
unmildekeit  Mangel  an  Freigebigkeit  9ü. 
unmildicklich  unbarmherzig  94  t- 
uniuögelich  was  nur  schwer  geschehen 

kann  402. 

unmogelichen  (adv.)  wider  Keebt  u. 
BUhgkeit  Üäk 41L 


unrad  Not,  Unordnung  895. 

unrath  Unfriede  489. 

unsalde  Unglück  177. 

unschedelich  ohne  Schaden ,  ohne  Ein- 

busse  49.1 ;  unbeschadet  497. 
unwedderufflich  unwiderruflich  518.  519. 
ussezog  Ausflucht  518. 
usstrag  Erledigung  408. 
uastreger  Verräter  2üiL 
usse  heraus  504. 

usse  b leben  ausbleiben  ,i mK r «ege  fallen  1 03 . 

uss  ermessen  unermesslich  ÖL 

nasse  wendigk    (usaweudig)  ausserhalb 

491.492.508. 
ussgeben  erkundigen  88.  t- 
usshecken  ausbrüten,  brüten  465. 
usslendisch  ausländisch 497.  512.  514.  517. 
u&srichten  (ussgericht  =  ussgerichtet) 

bestrafen    108 1;  herrichten,  fertig- 

m uc  hen,  fertig  halten  515. 
UHsiichlung  Erfüllung  einer  Forderung 

489;  Entschädigung  512. 
usswart  auswärts  3iIiL 

w. 

wachtele  Wachtel  4±tL 
wagehuss  Wagt*,  Wagehaus  4 1 1. 
wain  vwayn)  Wagen  187.250.253. 25* 
2fii  6AL  352.  Si±  liTJi.  4TL  AHL 
505.  520. 

waiuborg  ( wai  n  borgk  ,wagenbu  i  g)  Wagen  - 

bürg  250.351 
wal  Wall  (als  Zielstätte)  522  t- 
wald  (pl.  weide)  Wald  403.  447 
wallebruder  Wallfahrer  308. 
wamme  Wams  355. 
wann  dann,  als  31 1- 
wart  (s.  keyn)  -wärt»  459. 
warnen  (weheren)  sich  =  sich  wehren 

3ü8t-  HB. 
wasserloutft  Wasscrlauf  485. 

wepeuer  Gewappneter  215.  2JiL  23Ji  2üÜ. 

8l8j  Schildknappe  508  520.  522. 
Wechsel  (halden)  Handel  (treiben)  401. 
wetac  Schmerz  lQüt- 
wedder  für  151 1, 

wedderspenig  (widderspenig)  wider- 
spenstig 48.  401. 

wettewe  (wettewan,  wette  frowe,  wete- 
wynne)  9jL  9A  96,  liÜL  LlfL  UL  131. 
153.  178.218.248. 

weddirstendig  abgefallen  1 82. 

wederkeruuge  Wiedergabe  145. 

wee  Weihe  45 1 . 

weebisschofl"  Weibbischoff  467. 

wegk  (in  keinem)  (in  keinem)  Fall  511. 

wege:  zu  wege  sin  zur  Stelle,  anwesend 
sein  i<4_t- 


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568 


Register. 


wege  Wiege  123  f. 

wegen  (gewegen)  wiegen  115. 

wegen  ij>raet.  wägete)  wackeln  4üf. 

weher  (were)  Brustwehr,  Mauer,  Wall 

32jL34k 
wehere  Abwehr  27JL4DJ1 
wehern  abwehren  415. 
weit  Waid  37tf.41L 
weydelich  ansehnlich  142.  149. 
weidewergk    (weidewerck)  Waidwerk, 

.lagerei  497  514. 
weidewergken  Wraidwerk  treiben, 
weitgelt  Waidgeld  (Abgabe)  III. 
weitglocke  Waidglockc  41 1. 
wei  Unart  Waidmarkt  411. 
wey&sen  Waise  116. 

wenden :  keren  und  wenden,  anders  ver- 
wenden ö(it. 

werb  Vertrag,  Botschaft  332  f. 

werben  (intr.)  sieh  bemühen  395  f. 
(trans.)  ausrichten  JüHif- 

werd  t werder,  wehirt)  Insel  317.  322- 
324.  343.  344,  345.  2kL 

wert  Khemann  91  t- 102.  Ul  i 

werde  Würde  4£ß.  51S. 

werden  für  wert  halten  454 1- 

wcrthschafll  Fest,  Hochzeit  178  f  -  21& 
232. 

wertynne  Khcfrau  123. 

wertlich  (werltlich;  weltlich  8J1  lOfif. 

308f-  352.  38ü.  4ÜL4Ü2. 404.  408.  4üiL 

432.  444.  44JL  4541  IhL  452*  482.484. 

4Hti.  487  4SS  489   191.  496.  &ÜL  613. 

525;  wertvoll  98t- 
weren  Gewalt  anthun  378;  (auch  bo- 

weren)  bezahlen  493;  =  werden  245 
werg  Belagcrungswerkzeug  20JL 
werglutc    (wergklutc)  Bauhaudwerkor, 

Bauleute  4M,  41L 
wergmeister  Baumeister  403. 
werlt  Welt  43  u.  .u ;  Volk,  Uute  248t- 502. 
wer ii  kämpfen  322* 
werechatl't  Währung  (v.  Geld)  48fi. 
werfe  Wiese  447.  497.  .M4 
wessen  Anwesen,  Haus  448. 
wibecheu  Weibchen,  Weiblein  460. 
wibes  bild  Weib,  Frau  513. 
wybischotf  (wicbischoff  j  Weihbischof 

3X4  525. 
wibissnauien  Weiber  91  f.  128  t- 
wichbild  (wichpild)  Weichbild  4JH  490 
wichen  weihen  385. 
widderdris  Verdruss  397. 
widderwertig  Widersacher  515.  51G.  517. 
Wide  Weide  49JL5Ü, 
widerkar  Ersatz  329  t- 


wiltban  Jagdbezirk  497  514. 
wiltprodt  Wildpret  4JLL 
willenhaben  beabsichtigen  273  t- 
willigen  (einen)  bewilligen  (einem  etwas) 
97. 

wimbar  Weinbeere  39,. 
wimer  Weinbeere  459t. 
winderlich  wunderlich  24t;  370.  37s 
windrube  Weintraube  4-12 
wingort  Weingarten,  -berg  271. 
wingorten  Weingarten  211. 
wynnunge  Gewinn  147. 
winschroter  Weinküfer  400. 
wiss  weiss  4U I. 

wis&agerynne  (schwach.  Subst.)  Weis- 
sagerin 43t- 
wopen  Wappen  4ÜL44Ü52H 
wopenniff  Wappenruf  3412, 
woge  Wage  404. 

wölbe reytten  gut  abgerichtet  88  t- 
wolverlumet  wohl  gerühmt  137. 
wolgcczuget  wohl  ausgerüstet  339  34*. 
3541 

wolgewegen  wohlgewogeu  312.  4'H> 
wolgewopent  wohlgewappnet  34 Ii. 
wolrich  wohlriechend  4fi7 
wolstat  Walstatt,  Kampfplatz  88t. 
won  —  wole  =  (sie)  wollen  418t- 
worcze  Gewürze  148  t- 
worcze  wee  Kräuterweihe  (15.  August) 
104 

wosten u nge  W  üste  45.  50.  221. 
wossche  (bossche)  Büsche  48t. 
wuschen  abwischen,  reinigen  98  t- 
wüsten  vernichten  38  t. 

z. 

zu  zer-  (oft)  51 t- 

zubrechen  zerbrechen  404. 

zubringen  veranlassen  231L 

zueziehen  antiehinen,  an  sich  reissen  408. 

zutreten  zertreten  442. 

zufall  Anheimfall  487;  Zuhilfenahme  5_lfL 

zufam  zerfahren,  zerfallen  344. 

zufellunge  Zusendung,  Schickung  4'>Q, 

zugehorung  Zubehör  411. 

zugeu  herbeischaffen  323  t« 

zuhoiiwen  geschlitzt  470. 

zureiten    ausreiten,   auf  Lebensmittel 

ausziehen  185  t- 
zusponden  zuspunden  468. 
zustessen  zerstossen,  zerstören  4f»5. 
zustrowen  zerstreuen  5JL 
zuslagen  ausbreiten  381;  zerschlagen  344. 
zuwiln  zuweilen  376. 


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bjÜooglc 


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RX  000  Ä7t  M71 


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